TAKING-CARE-Blog [chronologisch / aktuell ist unten]

die EInträge, die mit disem Zeichen versehen sind, beziehen sich auf “Theater-Recherche”

die EInträge, die mit disem Zeichen versehen sind, beziehen sich auf “Corona” im Allgemeinen

Vorwort

Ich habe in der letzten Zeit nicht so viel geschrieben wie sonst. DIe Welt dreht sich um Corona. Nur noch! Und ich finde das Thema lähmend. Es lähmt mich in jeder Hinsicht. es steht meinem Grund-Lebensgefühl entgegen, dass es Wichtigeres gibt imLeben als die Angst, sich anzustecken. Leben ist Interaktion. Und möglicherweise entstand das Leben genau dadurch dass sich das Universum irgendwann von wo-auch-immer-her was eingefangen hat. vielleicht hat jemand sehr weit weg geniest und ein Tröpfchen ist im Nirgendwo gelandet und jetzt Nirgendwo hier. Ich bin keine Zynikerin. Und auch ich möchte möglichst lange leben und auch nicht einen quallvollen Atemnot-Tod sterben. aber – Spoiler-Alarm – wir werden alle irgendwann sterben und höchstwahrscheinlich nicht an Husten. Da ich einen solchen allerdings auch nicht verursachen will, halte ich mich natürlich dennoch möglichst fern. – die Frage ist: wovon? vom Leben? von der Arbeit? von anderen? Von der Arbeit? von der Arbeit mit anderen? Meine Arbeit fing gerade (oder so ungefähr seit 3 Jahren)  mich wirklich zufrieden zu machen, auszufüllen, manchmal sogar mit Stolz. Sie ist mir wichtig. ich meine damit nicht unbedingt, dass mir “Theater” prinzipiell über alle Maßen wichtig ist, aber speziell unsere Arbeit im Zusammenspiel, im Über-Bande-live-stream-Zusammenspiel mit Künstlern im Gazastreifen war es. ich wäre jetzt eigentlich in Gaza und ich hätte das unglaubliche Angebot angenommen, unser SPielformat dort an vielen Schulen zu unterrichten und einzuführen. Das Zeitfenster das dies mögich gemacht hätte, scheint sich zu schließen.  meine Mission beginnt sich in Luft aufzulösen. Ich brauche aber mehr denn je das Gefühl etwas Wichtiges zu tun. Ja, die Was-Wird-Werden-Panik hat mich erreicht, nicht die vor der Ansteckung, sondern die vor dem Um-Sich-Schlagen, weil man sich von der Angst tyrannisieren lassen. die Existenzangst hat sich inzwischen (Juni) etwas gelegt, es gibt Notprogramme und das ist auch ein bißchen der Grund, warum ich wieder regelmäßiger schreiben kann: der Fonds darstellende Künste hat uns eine kleine Förderung, die der Recherche dient, zukommen lassen. Das Programm heißt #TAKE-CARE und ist eine extra wegen Corona eingerichtete Förderung zur Überbrückung. In der Zeit, in der Theater nicht stattfinden kann, darf man sich die Zeit nehmen, es zu überdenken, an der Form zu feilen, Neues auszuloten. Da das was wir sowieso machen seit drei Jahren: Livestream-Theater mit Leuten die nicht raus dürfen, ist dies eine tolle Motivation. Nun sind wir also, die im Wohnzimmer sitzen und Theater vom Sofa aus probieren werden und nicht unsere Kollegen in Gaza. (dummerweise haben die aber auch Probleme mit Corona-Auflagen in so fern wird unsere Arbeit in erster Linie sein: wie kriegt man doch noch eine Echte Theatersituation in das Projekt. denn irgendwo muß Theater auch die echte AUgenblicklichkeit bieten. dazu bedarf es wenigstens eines echten Zuschauers, der im Raum ist. und eines echten Spielers in einem echten Theater, egal wie groß und leer oder klein und … ebenfalls beinahe leer. Das ist sozusagen die Einstweilen-Mission. Ich fürchte, sie reicht langfristig nicht aus. Denn ohne das klare Ziel vor Augen, echtes Theater in und mit Gaza zu machen (und ich fürchte, dass die normalen Fördertöpfe in Zukunft sehr leer sein werden), ist es erstmal Essig mit der “Mission”. Dieser spezielle Abschnitt (ab 3.Mai 2020…) des Stadtschreiben-Blogs heißt deshalb TAKING-CARE. er wird sich aber nicht nur um Theater-Tests drehen, sondern auch um Impfstoff-Tests, jede andere Form des CARE-TAKINGS. Und die Frage: auf was lohnt es sich am meisten aufzupassen? ich weiß es momentan nicht so recht…

14. April.

Förderantrags-Wahnsinn. am Ende nicht mehr gewußt wann Tag und wann Nacht ist. Dachte es sei Mittwoch (Schnitzeltag im Jelänger je lieber!), dabei war schon Freitag. alles online von beiden seiten aus bearbeitet: Deeb von Gaza aus, ich von Berlin. um 23:59 hatten wir es April 2020imme rnoch nicht geschafft. Die Konto-Nummer ließ sich nicht eingeben und tausend andere DInge auch. Länder-Code-Inkompatibilität. Ist der Gazastreifen, ist ein Landstrich ein Land – – -? 00:00 schien alles vorbei. aus. nicht geschafft. zum Glück fiel uns ein, dass Deutschland in der vergangenheit liegt. 0:00 Gaza-Time = 23:00 Berlin-Time. eine Stunde geschenkt. irgendwie… ging es dann doch. das eingereichte Projekt heißt Held_Innen_Spielplatz. und das ist das, was wir bisher probiert habe oder gemacht haben:

[…]

4. April

Immerhin gibts wieder Earl Grey Tee. Ich verstehe nicht warum Menschen sich existenziell bedrohnt fühlen, weil es kein Klopapier gibt. Benutzt einen Waschlappen! Aber das leere Earl Grey Tee Fach, war schwer zu verkraften.

***

Jammerte und freute ich mich gerade über Tee?

Habe gerade erfahren, dass das Soloselbstständigen Unterstützungs-Geld aufgebraucht ist! das Notpaket von dem es hieß, es reiche für alle und man solle sich ruhig Zeit lassen mit der Beantragung. der Landesverband der freien Theaterschaffenden riet sogar, man solle die Ärmeren Künstler vorlassen, man solle nicht drängeln, man solle, wenn man nicht in völliger Notlage sei, warten und andere vorlassen. jeder bekäme das Geld. Für alle sei gesorgt, für alle genug da. (nicht dass man das dem LAFT überlnehmen darf. es steht ja auch ausdrücklich auf der Seite des Antrags. Ich nun, super stolz darauf, eine Winzigkeit auf dem Konto vozufinden, habe prompt gedacht, anderen gehe es möglicherweise schlechter. alle haben gesagt: warte nicht. alle haben den Antrag gestellt und prompt ds Geld bekommen. ich, wohl imme rnoch nicht begriffen, dass es eine Zeit des ZUgreifens und Raffens ist, habe mich stattdessen mit den echten Anträgen abgekämpft. Anträge für Fördertöpfe von denen man nihct einmal weiß, ob es sie noch geben wird, oder wann die Jurysitzungen sein werden.

es gibt eine Alternative: den Antrag auf Bundesebene, aber der ist nur für Betriebe, die Raummiete haben oder andere hohe laufende Kosten.

5. April

immernoch wütend über das Geld, das nun gestrichen wurde.

Ich weiß, man soll nicht Motorrad fahren im Zustand „aufgewühlt-heulendes Elend“, weil man denkt man ist die einzige, die das Solo-Selbstständigen-Notgeld nicht bekommen hat. Vielleicht sollte man ja jetzt eh nicht fahren ohne ein konkretes Ziel. Darf man sinnlos durch den Oderbruch bis zur polnischen Grenze rasen? Oder Kraftrad und Gedanken kreisen lassen? Benzin ist jetzt billig. Strafen eventuell hoch. Wer dachte sich die treffende Redewendung „ die Decke fällt einem auf den Kopf“? aus – es klingt nach Gehirnerschütterungen, einstürzende Häuser und Ruin. Muß man nicht sogar raus, um zu überleben? das Weite zu suchen. (auch ein schönes Wort!) Das Weite suchen. Nicht finden. Nur den Oderbruch. Weite Steppe. Hochsitz,  auf freiem Feld, seltsamerweise war ein ausgedünntes Armeenetz darüber geworfen, aber ohne jegliche Tarnvorrichtug. Es verheddern sich nur die Füßen darin, ansonsten ist es nur ein lächerliches Fadenscheiniges Gewebe. Ist ja auch eh keiner da. Vielleicht der gesündeste Ort weit und breit? Die Sonne glüht selbst noch am sehr späten Nachmittag. Sie lässt das Notebook-Display in matschigem Technikblau erblinden.

Ruhiger geworden. Schokoladenkuchen. Caprisonne. Nachgedacht, warum mich das mit dem verpassten Notgeld so sehr aufwühlt. – klar, 5000 € haben oder nicht haben kann bedeuten berufliches Sein-Oder-Nicht-Sein. Aber warum haut es so persönlich rein, dass ich beinahe nach Polen durchgebrochen wäre (wo es solcherlei Hilfen wahrscheinlich schon gleich gar nicht gibt).

Folgendes habe ich ausgeschlossen: es kann nicht nur Existenzangst sein. Tatsächlich haben mir bereits drei Kollegen angeboten mit Geld auszuhelfen. Unfassbarerweise sogar mein Techniker der im Gazastreifen ist, der damals – wir machten ein Theaterprojekt, das gleichzeitig in Gaza und in Berlin stattfand – so lange geduldig auf sein Moneygramhonorar hatte warten müssen. Ich habe gerührt abgewehrt. Nein, nein, es geht mir nicht sooo schlecht. Das ist es nicht. und ich habe ja auch noch ein bißchen. und ich bin daran gewöhnt, mit wenig auszukommen. ICH brauche kein Geld. Ich brauche nur Geld, um es in meine Arbeit zu stecken. Meine Arbeit ist mir wichtig. Ich habe bewußt dieses Geld, das sich jeder Solo-Selbständige (ob Künstler oder Handwerker oder Steuerberater) mit drei Klicks hätte holen können, erst mal nicht in Anspruch genommen, weil ich gerade an drei Projekt-Anträgen schreibe, mit denen ich auch anderen Menschen für ein paar Monate hätte Arbeit verschaffen können werde. Oder eventuell könnte. Haben Gekonnt hätte. ich habe bewußt entschieden, ich spare mir diese Option auf, denn der Landesverband der freien Theaerschaffenden bat darum, dass erst mal die dran kommen sollten, die es wirklich dringend nötig haben. Es sei für alle genug da. Auch auf der Seite der Investitionsbank Berlin steht dies so.

Ich bin sauer, weil ich inzwischen weiß, dass viele, die ein dickes Bankkonto haben, nicht so geduldig waren wie ich – oder so blöd. Bin ich missgünstig? Glaub nicht. Ich gönne es ausschließlich allen. Alle, die es beantragt haben waren ja die Zielgruppe. Wieder schnieft es unter dem Helm. Ich aber doch auch! Dass eine Bank behauptet, für alle sei genug da, dann aber die Hilfeleistung vorzeitig einstellt, entsetzt mich, denn es lässt ahnen, dass das, was ich bis gestern als Husten und Schnupfen, der sich nicht noch mehr ausbreiten sollte, bezeichnet habe, ganz andere Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringt. Stampfe ich gerade auf mit dem Fuß, aufs Gaspedal, weil ich denk nur ich habe das Zeitfenster verpasst, oder steckt mehr dahinter. Blickt man in einen Abgrund? Nicht genug Schwimmwesten auf der Titanic? Befinde ich mich mit anderen Herzblut-Künstlern im Zwischendeck? Hat sich ein Bankangestellter um eine Kommastelle verrechnet, oder ist das bereits der Notfallplan: es kann ja gar nicht für alle reichen? Sollte man lieber Verschwörungstheoretische Horror-Romane schreiben, als zum Wutbürger zu werden? Das mit der Kommastelle wäre mir lieber. Menschliche Schwächen kann ich akzeptieren, nicht aber die Ignoranz. Oder um mal wegzukommen von der finsteren Realität: Ich war immer eher auf der Seite der dreizehnten Fee, die nicht zur Taufe eingeladen wurde, weil Dornröschens Eltern nur zwölf Gedecke hatten – und nicht auf der Seite des Königspaares. Was sind das für Schlossherren und Damen, die nur zwölf Teller und Tassen im Schrank haben? waren sie arm? glaube ich nicht. vielleicht überfordert. Neugeborenes Kind, großes Social Event veranstalten… –  Und muss das Kind unbedingt aller Welt vorgeführt werden, wenn man nicht Platz hat am Tisch für alle Welt? Kaffee. Kuchen. Das gute Rosendahl-Porzellan… – meine Güte, dann hätten sie halt noch ein Campinggeschirr dazu getan. aber dass nicht alle eingeladen werden… – nicht okay!

Erinnert mich an die Kindergarten-Tage Geburtstage. Bayern in den 70er Jahren. Das Geburtstagskind durfte sich zwei Freunde und Freundinnen aussuchen, die durften mit dem Kind an einem kleinen Tisch in der Mitte sitzen und Süßes essen und alle anderen saßen drumherum und mussten singen Happy birthday für die in der Mitte. Ich erinnere mich nicht daran, dass “Nicht-ausgewählt-Werden” Saß ich jemals am VIP-Tisch? oder zu oft? – ich weiß es nicht mehr. Aber ich erinnere mich noch genau, dass ich darauf bestand, dass an meinem Geburtstag ALLE am Tisch sitzen sollten. Es war mir peinlich dass andere zugucken, während ich und zwei andere Kinder in eine Partytröte blasen. Konfetti. Kuchen. – – – Ich sah die Berge an Süßigkeiten, die meine Eltern in einem großen Korb dafür einkauften. Es war ein sehr sehr großer Korb. Randvoll mit Schätzen. Kaugummis und Zuckerschnecken und Caprisonnen – So macht man das! Oder nehmt Euch ein Beispiel an Pipi Langstrumpf im Süßwaren-laden. Es muss für alle reichen. Oder man feiert gar nicht!

Okay. Der Vergleich hinkt. Vielleicht ist halt wirklich nicht genug da. Das mit dem Sozialismus hat leider auch nicht geklappt. Was bleibt: ich war also ein nettes Kind und jetzt… – bin eigentlich ich die, die anderen versorgen will. Aber stattdessen sitze Und ich sitze allein im Oderbruch, trinke immer noch oder schon wieder Caprisonne und esse Geburtstagskuchen allen. Ich versuche relativ selbstlos zu sein in meiner Selbstständigkeit. Wahrscheinlich ist das der Fehler. Wer ist man denn, ohne Selbst? Und bin ich selbst zu blöd dreimal auf ein Geld-Abruf-Formular zu klicken??? wo doch alle mir gesagt haben: hol Dir dieses Geld! Vielleicht bin ich sauer auf mich, aber ich halte es nachwievor für wichtig, dass man Rücksicht nimmt. Dass man keine leeren Versprechungen macht. Dass man reinen Wein einschenkt. hätten die Dornröschen-Eltern auch machen sollen: liebe dreizehnte Fee, es ist uns sehr peinlich, denn wir wollten ja ein perfektes Event ausrichten, aber haben nun nicht genug Stühle. Wäre es okay, wenn Du deinen eigenen mitbringst? und auch dein eigenes Besteck? oder magst DU stattdessen zur After-Party kommen? oder zum Resteessen? wir sind einfach überfordert. Wir wollten ja noch Teller dazukaufen aber die Kleine hat die ganze Nacht über gebrüllt wie am Spieß und wir sind fix und fertig und Du…. Du bist doch eine Fee, Du verstehst das.

Auf dem Hochsitz glüht die Sonne, aber es weht ein kalter Wind; außerdem ist die Schutz-Tastatur meines Notebooks davon geflogen. Eigentlich habe ich sie eh nur, weil bei meinem Theater-Format zuweilen mit Wasser vor der Insight-Kamera herumhantiert wird und ich es schon zweimal überflutet habe. Aber zur Zeit ist es ebenfalls sehr praktisch, weil man es so leicht desinfizieren kann. Leider ist es jetzt weg. Vom Winde verweht. Eigentlich ist mein Notebook mein gewerberaum. Notbuch. Zeit aufzubrechen. Ich habe gemerkt, dass ich das Geld gar nicht einmal mehr will. aber ich will nicht dass das so selbstverständlich ist. es sollte gewürdigt werden, dass man leer ausgeht. 

Ganz gestrichen sind die Gelder ja nicht. Das Hilfsprogramm der Berliner Investitionsbank wurde zusammengelegt mit einem anderen aus Bundesmitteln. Es ist aber ein Soforthilfeprogramm, das nur bei Selbstständigen greift, die Gewerberäume angemietet haben oder andere laufende Ausgaben zu zahlen haben. Damit fallen Künstler, die nicht den Luxus haben, einen Probenraum zu besitzen oder gar ein eigenes Theater betreiben, unter den Tisch. – Auch eine schöne Redewendung! Kann man unter einem Tisch Theater machen? Wahrscheinlich ja. Vielleicht kann man auch die dreizehnte Fee einladen und darunter eine geheime Miniatur-Tee-Party veranstalten. Eine Gegen-Geburtstagsfeier sozusagen.

Nein, man muss irgendwann runter von den getarnten Hochsitzen und unter den Tischen hervor und die Frage stellen: Sind nur die Künstler relevant, die etwas Greifbares produzieren? Einen sichtbaren Betrieb vorweisen können? Etwas schaffen, was man am Ende in der Hand hat? ich mache Theater. Etwas das vom Augenblick lebt. Meistens bin ich nur Gast an Theatern. Zur Zeit mache ich virtuell-analoges Theater zwischen Gaza und Berlin. kann es etwas schwereloseres geben, jenseits aller Räume?

Der letzte Hieb ist ein Trostpflaster: auf der Seite, die eben noch verkündete, es sei genug für alle da, rät jetzt: man könne ja auch Sozialhilfe beantragen. Arbeitslosengeld II, Harz IV. Da würden jetzt erst mal auch recht unbürokratisch Mittel vergeben. Toll. Das bedeutet: die einen sind anerkannte Werktätige, die anderen können Betteln gehen? Sozialfall werden, weil man sich sozial verhalten hat?

Eine Woge von Selbsmitleid abwähren in dem man sich den Motorradhelm aufsetzt. eh eine guter Look in den Zeiten von Corona. Visir runter. Rotz und Wasser hochziehen. Weiter. Weiter das Weite suchen. Oder warten auf das bedingungslose Grundeinkommen! Ahnt man nicht inzwischen, dass es „von der Sache her machbar wäre? Ein Lichtblick am Horizont. Genug gejammert.

Das Weite war nicht so weit. kurz vor Strausberg. der Ort heißt Jenseits des Sees. es ist eigentlich also auch kein Ort. Eben ein Jenseits. Strauberg. der Ort heißt Jenseit vom See: ich fihr hier bvorhin schon mal durch und hatte sofort den alten Song “Beyond the sea” im Ohr gehabt. zu erschöpft den perfekten Platz zu finden. das Motorrad an der Straße stehen gelassen. da sind Bänke. Leider besetzt. Alter Mann starrt in sein Handy. früher hätte ich mich dazu gesetzt. Es gibt noch eine Bank, die ist leer, aber da starrt man genau auf zwei die etwas unterhalb am See liegen. der eine streckt seinen nackten Arsch in den Frühling. der andere raucht Schischa. is okay.  Die Picknickdecke doch nicht umsonst mitgenommen. sie stammt noch aus dem Diak. Schwestzernwohnheim Schwäbisch-Hall. Es ist ja nicht nur so, das ich Rechmäßiges nicht bekomme, manchmal habe ich auch unrechmäßig Dinge mitgehen lassen. Eben die Decke. Ausbreiten der Unrechtmäigkeit – schon sehr alt ist sie, abe rmit neuen Flicken – Jenseits der Zeit. ist das erlaubt? Das lichte Schilf. Das Glitzern der Sonne auf dem kalten Wasser hinter den Schischaschwaden und dem nackten Hintern (sehe jetzt das er doch einer Frau gehört). Das parasitäre Grün der Misteln in den Bäumen. Komm nir nicht zu Nahe. Bleib. Geh weg. Die Natur macht weiter. Was geschieht wirklich in der Welt? Der Husten war mir wurscht. Ich habe mich an die Regeln gehalten. Ich habe den anderen Fortritt gelassen. Habe die Eltern gezwungen nicht so oft einkaufen zu gehen. Ich habe Handschuhe getragen, in die Armbeuge gehustet, wenn es denn sein mußte. Ich habe kaum Klopapier gekauft. Ich habe keine Angst gehabt. Jetzt aber fühle ich mich höchst unwohl. Weil ich die Mapßnahmen nicht verstehe. Ich will nicht mehr hingehalten werden und am ausgestreckten Arm verhungern. Ich will das Leben jetzt.  – ein Vogel singt inbrünstig. Es ist ein Star. Perlend überschwänglich und berstend, hast du noch Töne.  –

***

Die Tochter hatte heute Geburtstag – von dem Kuchen stammen auch die Picknickstücke – und hatte sich einen Staubsauger gewünscht. Modell Airforce one. Es schien mir erst ein profanes Geschenk, inzwischen beneide ich sie. Ich will dieses Gerät auch. Vielleicht wird alles gut, wenn aller Staub hinweggerafft ist aus den vier Wänden. Ich brauche eine Mission. Kampf dem Staub. Eine Zeile aus einem Heinz Rühmann Film.

15. April.

Berlin, 17. April

per email kam Angebot einer Arzneimittel-Studie. Man könnte sich bewerben, um einen noch nicht zugelassenen Corona-Impfstoff zu testen. hatte vor Jahren mal eine Artikel über solche Pharma-Zulassungs-Prozesse geschrieben und bin noch in den entsprechenden verteilern. Frage mich, ob viele Leute sich melden. oder – weil es Neuland ist und noch nie an Menschen getestet wurde – eher keine. In Mitten der vielen Anderen Bewerbungen (um Geld um Recherche-Förderung um Projektförderung) ist es wie ein obskures Parallel-Unternehmen. auf dass es mir gut geht? oder ich eine andere Mission habe? wäre ich geschützt und immun? ist das wie schummeln? oder ist es eine Heldentat?

22. April 2020 Berlin – Jerusalem?

Es sind meine ersten Schritte auf Zoom: In der Online-Welt Reisen. Reise nach Jerusalem gebucht! eine zweitägige, via Zoom. für 120 €. Wahnsinn. erster Tag Israel, 2. tag Palästina. eine Live-Schaltung nach Gaza wird es auch geben. wie wird es sein, einen Teil der Welt zu sehen in der ich jetzt wohl wäre, wenn es nicht so gute Ausreden gäbe wie Corona. NUn lasse ich reisen. hänge mich an die Augen anderer. dummerweise schlaflose NAcht. es ist ein seltsames Reisefieber, das ich sonst nur habe, wenn ich wirklich aufbreche. die Angst, ob der Pass doch  vielleicht abgelaufen ist. das Handy nicht klingelt, die S-Bahn zum Flufhafen verpasst wird. hier aber könnte man ruhig sein. man schaltet sich dazu. kann doch nicht so schwer sein? – aber was, wenn das Internet mies ist? was wenn ich nicht auf die Plattform komme. Was wenn ich zu viel reinquatsche…?

23. April 2020 Berlin, nicht Gaza. (virtuelle Reise Israel, Gaza II)

Der zweite Teil der Reise wäre der interssantere gewesen, Palästina. Ganz kurz virtuell in Gaza gewesen. vor einem Krankenhaus, stand ein Arzt von Ärzte ohne Grenzen mit seinem Handy, im HIntergrund sah man die Wand eines Gebäudes und einen Baum, er sprach über die Blockade. In eben dem Krankenhaus war ich mal. Oder war es doch ein anderes. es hätte jedes sein können. der ARzt hieß Mohamed. so hieß der Arzt den ich kannt auch. jeder dritte heißt so. Und das mit dem “ich war hier schon mal,  ich wäre jetzt hier”, das brannte mir natürlich doch zu sehr auf der Zunge, als dass ich es nicht hätte sagen können (zumal die Verbindung bald abbrach – der Arzt musste wieder zur Arbeit) und dann eher Theoretisches von Berlin aus gesprochen wurde. Ich wollte ja die Klappe haben aber hatte die zu wenig sinnliche performance des Moderators nicht ertragen. nicht den Senf dazu geben, unmöglich. wenigstens ein kleines bißchen auf dei Tube drücken. – viel kam aber eh nicht dabei raus, ich muss wohl sehr schlecht verstanden gewesne sein. Scheiß Internet. vielleicht war der Arzt auch gar nicht eingefroren, vielleicht war ich es nur. die auf Eis gelegte WIrklichkeit. das ist es ja eben. ich will meine Arbeit machen. Ich will wirklich DA SEIN. DASEIN DASEIN DASEIN. Existenzielles DASEIN. EInstweilen  soll jemand sein Auge leihen. es soll jemand sein Mikrophon in den Himmel halten, den  Geräuschen entgegen, die in der Luft liegen. statt dessen wird man voll geredet und man sitzt in seinem WOhnzimmer, vor der Insight-Kamera. andere Leute, die mir Dir auf dieser Reise sind, kleben in ihren Briefmarkengroßen Bildausschnitten. Der meine – er war sorgfältig gewählt gewesen – war am ENde der Sessel in meiner Ecke, aus dem die Holzwolle quillt, denn ich hatte umziehen müssen vom Schreibtisch weg in die andere Ecke, in Routernähe in Kabelreichweite. Nicht daß das relevant wäre, aber ich habe gemerkt, dass mich die “Mitreisenden” und ihre Hintergründe visuell weit mehr interessiert haben, als die Referenten, die sonst wo waren. ich will echt!

24. April, 2020, Berlin

“Die Welt wird nicht mehr sein wie sie mal war!” sagen alle. Ja, vielleicht. Die Welt ändert sich. oder viel mehr ihre Wahrnehmung. die einzigen DInge die konstant bleiben sind die Nachrichten, die rechts oben in der Bildeschirmecke meines Computers aufploppen. angeblich kommen sie vom Stern und von der Bild. warum sie kommen – jeweils mit einem “Pling”, weiß ich nicht. fast  immer verkünden sie, “Tragischer Unfall!” und dass Lena Mayer-Landrut “Aller verloren!” hat. Diese Nachrichten (und die neulich vom Kulturverein Windsbach e.V., der einen Knigge-Kurs im Landgasthof Dorschenr ankündigte) waren die einzigen, die Corona  ignorierten. beinahe geben sie einen Rest Sicherheit.

26. April.

Es tut sich nichts. Meine Agentin in der Schweiz befürchtet zur Zeit nichts tun zu können in Sachen Vermittlung meines Manuskriptes. Gaza ist einfach kein Thema, das sich jetzt verkaufen ließe. Das gilt nicht nur für meinen Roman, sondern auch für das Interview mit dem Hamas-Kultur-Minister. auch von Theater der Zeit (die brachten mich doch ursprünglich auf das Thema “Theater in Gaza?”!) nicht einmal eine Antwort. Alle sagen sie es: jetzt gibt es nur ein einziges Thema und das ist Corona.

27. April 2020

Zoom-Test. in Berlin: Emre, Uta und ich; in Gaza: Deeb. staune wie schnell ich es hinkriege mit dem anmelden und link schicken. leider ist keiner da zur verabredeten Zeit. Deeb “Nähert sich”. hatte die Aufgabe gegeben: “Nichts machen!” Nichts ist auch tatsächlich das beste das man tun kann auf Zoom. lange hält man es eh nicht aus. […]

6. Mai

Corona-Test. Würde nie einen machen. aber die Studie sieht es natürlich vor. Chausseestraße Richtung Wedding. Am Brechthaus vorbei. Schwarzkopfstraße. Zinnowitzer Straße, hießen die U-Bahnstationen früher. In den ersten Berliner Jahren hier Wohnungen gesucht. Wöhlertstraße. Beinahe. der Garten im Innenhof hatte als Nebengarten den Friedhof. ich mochte, dass die Stadt hier zu enden schien, bevor aus der Chausseestraße die Müllerstraße wurde und der Westen begann. Die Straße schien ins Leere zu laufen. die U-Bahnstationen heißen jetzt Naturkunde Museum und Reinickendorfer Straße. Das Bundeswehrkrankenhaus zieht sich in die Länge (da wo die Stadt “auslief”. hinter dem hohen Zaun zwischen den Flügeln des Gebäudes  liegt Kunst. rostoges Denkmal, gigantisches Objekt von dem ich nicht weiß, was es ist. es hat die AUsmaße eines Panzers, erinnert an eine Schildkröte. nein, doch eher ein Panzer, aber ohne Schießding…. weiter. einen Block weiter. abbiegen. Coronatest. nur eine der vielen Glastüren ist  nicht gesperrt. DIcht an der Pförtnerkabine. aber auf geht auch sie nicht. klingeln. nihct da klingeln sondern dort. Natürlich falsch. AUsweis zeigen. Passieren. Das drehkreuz gibt mich frei. Nur einer darf in den Aufzug. hatte gedacht, ich bleibe den ganzen Tag hier. aber es war nur ein kurzer Rachenabstrich. ausgezeichneter Rachen, den ich habe. der Arzt unter seiner Plexiglas-Schild-Maske + Atemschutzmaske sagt, im gegensatz zu den Rachen vieler Männer mit ihren übergroße Zäpfchen, sei es leicht. Außerdem erklärt er präzise das Andocken der Corona-Viren an die Zelloberflächen. er redet von Stacheln, die greifen und sich verändern wenn sie die Rezeptoren der zellen besetzt haben. er beschreibt es sehr plastisch. Stachel. SPikes. ich hätte sie eher als “Buppsel” bezeichnet. Der Testgerätschaften arbeiten langsam. Zwei Stunden minimum. irgendwie hatte ich gedacht, ich bliebe länger und bekäme den Impfstoff am selben Tag. was hilft der Test, wenn ich mich dann an der nächsten Ecke anstecke. aber tatsächlich beginnt die eigentlich Prozedur erst morgen. ein freier Tag also. ich kann gehen. immernoch kalt. mache halt im prenzlauer Berg. Sonne. Grün.Die  schönen schwarzen Augen der Krähen auf dem Friedhof an der Greifswalder Straße. Mann mit Gießkanne stellt mir seie ELtern vor. sie liegen zwei Reihen entfernt von Jan Schad. Primeln oder STiefmütterchen. eins habe sein Bruder aufd Grab neben dem ELterngrab gepflanzt, ein vergessenes, ausgelaufenes. verwildert, aber mit einem klienen gelben Blumenklecks. Nicht nur Städte laufen aus. Gräber auch.

***

Förderantrags-Wahnsinn. am Ende nicht mehr gewußt wann Tag und wann Nacht ist. Dachte es sei Mittwoch (Schnitzeltag im Jelänger je lieber!), dabei war schon Freitag. alles online von beiden seiten aus bearbeitet: Deeb von Gaza aus, ich von Berlin. um 23:59 hatten wir es April 2020imme rnoch nicht geschafft. Die Konto-Nummer ließ sich nicht eingeben und tausend andere DInge auch. Länder-Code-Inkompatibilität. Ist der Gazastreifen, ist ein Landstrich ein Land – – -? 00:00 schien alles vorbei. aus. nicht geschafft. zum Glück fiel uns ein, dass Deutschland in der vergangenheit liegt. 0:00 Gaza-Time = 23:00 Berlin-Time. eine Stunde geschenkt. irgendwie… ging es dann doch. das eingereichte Projekt heißt Held_Innen_Spielplatz. und das ist das, was wir bisher probiert habe oder gemacht haben:

Es tut sich nichts. Meine Agentin in der Schweiz befürchtet zur Zeit nichts tun zu können in Sachen Vermittlung meines Manuskriptes. Gaza ist einfach kein Thema, das sich jetzt verkaufen ließe. Das gilt nicht nur für meinen Roman, sondern auch für das Interview mit dem Hamas-Kultur-Minister. auch von Theater der Zeit (die brachten mich doch ursprünglich auf das Thema “Theater in Gaza?”!) nicht einmal eine Antwort. Alle sagen sie es: jetzt gibt es nur ein einziges Thema und das ist Corona.

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27. April 2020


Zoom-Test. in Berlin: Emre, Uta und ich; in Gaza: Deeb. staune wie schnell ich es hinkriege mit dem anmelden und link schicken. leider ist keiner da zur verabredeten Zeit. Deeb “Nähert sich”. hatte die Aufgabe gegeben: “Nichts machen!” Nichts ist auch tatsächlich das beste das man tun kann auf Zoom. lange hält man es eh nicht aus. […]

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6. Mai

Corona-Test. Würde von mir aus keinen machen. aber die Studie sieht es natürlich vor. ertappe mich, dass ich doch neugierig bin. Chausseestraße Richtung Wedding. Am Brechthaus vorbei. An der Mauer das Dorothhensädtischen Friedhofs steht antikapiitalismus-Parole. Irgendetwas über KEINE STEUERVERGÜNSTIGUNGEN FÜR…” kann es noe lesen, immer fahre ich zu schnell daran voebei. Schwarzkopfstraße. Zinnowitzer Straße, hießen die U-Bahnstationen früher. In den ersten Berliner Jahren hier Wohnungen gesucht. Wöhlertstraße. Beinahe. der Garten im Innenhof hatte als Nebengarten den Friedhof. ich mochte, dass die Stadt hier zu enden schien, bevor aus der Chausseestraße die Müllerstraße wurde und der Westen begann. Die Straße schien ins Leere zu laufen. die U-Bahnstationen heißen jetzt Naturkunde Museum und Reinickendorfer Straße. Das Bundeswehrkrankenhaus zieht sich in die Länge (da wo die Stadt “auslief”. hinter dem hohen Zaun zwischen den Flügeln des Gebäudes  liegt Kunst. rostoges Denkmal, gigantisches Objekt von dem ich nicht weiß, was es ist. es hat die AUsmaße eines Panzers, erinnert an eine Schildkröte. nein, doch eher ein Panzer, aber ohne Schießding…. weiter. einen Block weiter. abbiegen. Coronatest. nur eine der vielen Glastüren ist  nicht gesperrt. DIcht an der Pförtnerkabine. aber auf geht auch sie nicht. klingeln. nihct da klingeln sondern dort. Natürlich falsch. AUsweis zeigen. Passieren. Das drehkreuz gibt mich frei. Nur einer darf in den Aufzug. hatte gedacht, ich bleibe den ganzen Tag hier. aber es war nur ein kurzer Rachenabstrich. ausgezeichneter Rachen, den ich habe. der Arzt unter seiner Plexiglas-Schild-Maske + Atemschutzmaske sagt, im gegensatz zu den Rachen vieler Männer mit ihren übergroße Zäpfchen, sei es leicht. Außerdem erklärt er präzise das Andocken der Corona-Viren an die Zelloberflächen. er redet von Stacheln, die greifen und sich verändern wenn sie die Rezeptoren der zellen besetzt haben. er beschreibt es sehr plastisch. Stachel. SPikes. ich hätte sie eher als “Buppsel” bezeichnet. Der Testgerätschaften arbeiten langsam. Zwei Stunden minimum. irgendwie hatte ich gedacht, ich bliebe länger und bekäme den Impfstoff am selben Tag. was hilft der Test, wenn ich mich dann an der nächsten Ecke anstecke. aber tatsächlich beginnt die eigentlich Prozedur erst morgen. ein freier Tag also. ich kann gehen. immernoch kalt. mache halt im prenzlauer Berg. Sonne. Grün.Die  schönen schwarzen Augen der Krähen auf dem Friedhof an der Greifswalder Straße. Mann mit Gießkanne stellt mir seie ELtern vor. sie liegen zwei Reihen entfernt von Jan Schad. Primeln oder STiefmütterchen. eins habe sein Bruder aufd Grab neben dem ELterngrab gepflanzt, ein vergessenes, ausgelaufenes. verwildert, aber mit einem klienen gelben Blumenklecks. Nicht nur Städte laufen aus. Gräber auch.

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Das alles klingt etwas morbid. Friedhöfe Bundeswehrkunst. Die Andockmanöver der Corona-Viren – Vergiss nicht auch sie sehen ein bißchen, die Welt als einen Schimmer von Hellblau, sagt Alexander Kluge.

10. Mai

Habe beschlossen die Corona-Impfstudie nicht mitzumachen.

Ist es jetzt feige? Die ersten Testpersonen hat es wohl ziemlich umgehauen. Es ginge ihnen wieder gut, aber das Fieber sei wohl sehr hoch gewesen. hatte fragen wollen, ob es ein “Zytokinsturm” gewesen sei. Das Wort spukt mir schon so lange im Kopf herum, eine positiv rückgekoppelte Autoimmunreaktion; vielleicht das unangenehmste, womit man rechnen müsste / könnte. etwas das selten passiert. Das ist aber nicht der Grund warum ich absage. Ich halte inzwischen das ganze für möglicherweise unnötig. Es ist nicht auszuschließen, dass die Impfung sogar das Gegenteil bewirkt, man bei einer echten Infektion noch heftiger reagiert. der “echte” Virus wäre nicht Neuland für mein Immunsystem, er hielte die Corona-Viren für etwas, das er selber bereits kennt. Das Immunsystem läßt ihn passieren wie ein trojanisches Pferd, es ließe sich umzingeln, fressen, was weiß ich und würde die Zellen dann von Innen als Reproduktionswerkstätte nutzen. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aprospos Werkstatt. die Zeit der ersten Ausprobierproben naht. Auch ein Grund abzusagen. die Impfung wäre dann sehr nah an dem Zeitpunkt, an dem wir beginnen. Keine zeit für Zytokinstürme.

***

Wollte gerade absagen, da klingelte das Telefon. Die Prüfstelle. ob ich nicht doch schon morgen und übermorgen könnte. ich käme in eine fürhere Gruppe, weil dort Probanden fehlen. einer habe abgesagt, einer sei gar nicht erschienen. – Klar, die haben jetzt plötzlich Schiss. die Menschen sind so wakelmütig! Ich ja eigentlich auch. stattdessen höre ich mich sagen: “ja, okay, dann bis morgen.”

12. Mai

jetzt also doch Corona-Test. Habe ein bißchen das Vertrauen in diesen Test verloren, weil ich gehört habe ,dass sie sehr unzuverlässig sind. Habe den Verdacht, dass selbst die Ärzte in der Prüfstelle ihn nicht für aussagestark halten. sonst würde man uns doch nach dem test nicht wieder in die wilde Freiheit entlassen und das Risiko eingehen, dass wir uns anstecken. wer kann denn nun wissen, von wem die Antikörper sind, die mein Körper produziert? Vom Impfstoff oder von einer echten Infesktion? Dennoch. hier bin ich. Auch ist es eine gute Gelegenheit, nochmal mit dem Arzt zu sprechen. Es ist wieder der, der so begeistert die Oberfläche der Viren beschreiben kann. Hört sich alle Fragen an. sämtliche. aus allen Fachzeitungsartikeln, die ich gesammelt hatte. Nur Als ich ihn nach dem Zytokinsturm fragen wollte, fiel mir das schöne Horrorwort nicht ein. “Ja…?”, er sah mich fragend an. “Noch eine Frage?” ich hatte keine mehr. die einzige andere idiotische Frage, die mir einfiel -war die mit den Microchips, die Bill Gates angeblich allen Impfstoff-Empfängern spritzem will. Alle lachen. eine Schwester sagt: “Das gibts vielleicht in Amerika, aber nicht hier.” – So dann wäre auch dies geklärt.

13. Mai

Helge Schneider sagt: er weigere sich vor Autos auf zutreten und vor Menschen mit Atemmaske die vereinzelt in einem leeren Theater sitzen. So lange Theater nicht als echtes Theater stattfinden kann, trete er gar nicht mehr auf. es ist ein weises Statment und ich ahne, dass er recht hat. Sind da hier Verzweiflungstaten? unser erster Zoom-test war ja eigentlich schön. er war “theatraler” als gedacht. dennoch. vielleicht ist es ehrlicher es in Ehren zu halten als das was es ist und sich darauf zu freuen, wenn es wieder da ist. Allerdings hat Helge Schneider leicht reden. Seine Finanzen dürften besser sein als die meinigen.


13. Mai

Die andere Verzweiflungstat findet ebenfalls heute statt. Impfstoffgabe. die Laborstation ist fast leer. außer mir nur drei Männer. wenn wir im Speisesaal sitzen muss jeder jeweils alleine an einem der langen Tische sitzen. Und alle sitzen ausgerichtet gen Osten, hintereinander. ich bin die vorderste und starre die Wand an und spüre die anderen im Rücken. ein Gespräch ist undenkbar. ansonsten müde. fröstelig. langsam. ich bin Probandin Nr. 13. am 13. Mai. Fühle mich dennoch als tät ich etwas, das zählt.Die Impfstudie sieht vor, dass man Tagebuch führt. auch das Theater-Förderprogramm sieht vor, dass man seine Aktivitäten dokumentiert. beide haben wahrscheinlich einen eher sachlichen Ansatz im Sinn. Das Probanden-Tagebuch beschräkt sich eigentlich nur auf das Ankreuzen von Symptomen, die man hat und mit Nummern von 0 bis 4, je nach Intensität, versieht. Klar, dass sie keine ausführlichen bestandsaufnahmen in ihre Beipackzettel einfließen lassen. mein Tagbucheintrag sähe heute so aus: Liebes Tagebuch. keinerlei Beschwerden nach der Spritze in den Oberarm. die Stelle schmerzt ein wenig, wie ein Muskelkater und ich kann auch den Arm nicht bewegen wie sonst, aber es ist nicht dre Rede wert. In der Nacht dann doch beginnt das Fieber. ich fröstle. vor meinem Fester – Panoramablick über Fußballplatz und Baustelle, in der Ferne ist der Fernsehturm zu sehen. Näher die vielen Krähne, die in der Dämmerung mit rotglühenden Lichtpunkten versehen sind, als hätten sie böse Augen. überall Augenpaare und auch der Turm auf dem Alexanderplatz hat welche. wenn ich aufstehe und ins Bad gehe packt mich Schüttelfrost. Das alles ist nicht wirklich dramatisch. es ist kein “Zytokin-Sturm”, keine Immunreaktion, die mich umhaut. Vor dem Fenster eher stürmen rote Augen. Zytokine. Zylonen in Kampfraumschiffen. Der Fernsehturm ist umkreist von ihnen. puckern und fauchen in meinen Ohren. – Fieber, wie man es zuweilen hat. die Nachtschwester unterbricht das Spektakel, schummelt sich zwischen Schlafe- und Wachzustand. Als sie misst, ist es noch nicht einmal hoch. fühlt sich aber so an. HÄtte auf 39.2 getippt, aber es ist beschämend niedrig. ich würde gerne schlafen. Vor dem Fenster Extra-Bettdecke von Bett neben dem meinen, das leer ist und mit Folie abgedeckt, weil zur Zeit nur einer in einem Zimmer sein darf, hilft. kann aber doch nicht schlafen. Wegen der AUgen und weil ich weiß, dass in zwei Stunden bereits wieder jemand kommt und Fieber messen will. erst in den frühen Morgenstunden die Knöpfe entdeckt, die die Rolläden hinunter gleiten lassen.


14. Mai

Morgen danach. wacklig. nass geschwitztes Bett. dringendes Gefühl, zu sehen wie es den anderen geht. tappe auf der Station herum, aber finde niemand. bin noch benommen aber es geht schon wieder. es geht auf das Dach der gläsernen Zauberbegrges. war schon gestern hier. ebenfalls weil ich dachte, die Mitprobanden seien vielleicht hie rzu finden. es ist eine Dachterrasse mit Liegestühlen und ein überdachter Raum mit einem Billardtisch. war gestern entzückt hier einen Billardtisch vorzufinden. aber es ist keiner da gewesen mit dem ich hätte spielen können. auch kein Queue. Die böse Baustelle der gestrigen Nacht sieht heute harmlos aus. Brachland. das bald zugebaut sein wird. die Weite ist schön. Die Leere ist vielleicht doch noch ein letztes Relikt der vergangenen Zeiten von DDR und BRD. wieso wünsche ich mir, dass eine Sour bleibt, ein Nichts zwischen Berlin Mitte und Wedding? Auf der Brüstung der Dachterrasse hocht ein Rabe. und noch einer. es ist aber nur eine installierte Zierfigur. leichter Kopfschmerz. Total müde von der Nacht. wünschte ich könnte hier noch ein bißchen liegen. NOch mehr Raben. oben auf dem Dach. dachte erst wieder Attrappen-Vögel, aber die nicken mit den Köpfen. ruckende Unruhe. wie Tauben . eine ganze Versammlung. in einer Runde…? doch seltsam. auch dass sie nicht krächzen. – aus dem STuhl gequält, um festzustellen: auch diese Vögel sind Fake. die nicken mit den Köpfen, weil sie an Galgenähnlichen Halterungen hängen. sie schaukeln im WInd. Dafür aber die Queues entdeckt. fühle mich noch zu wackelig und habe eigentlich alles andere als Lust jetzt billiard zu spielen, aber es ist zu verlockend weil niemand ist da. keiner sieht, wenn ich das Heer von Kugeln nur schwählich anstippse anstatt die Formation zu sprengen mit der weißen Kugel. nochmal. besser. eigentlich keine Zeit mehr. bald ist BLutdruckmessen. außerdem doch schummerig. hastig jage ich die Kugeln in die Löcher, die Raben stimmen zu. keiner ist da. in diesem Falle ist es ausnahmsweise mal schön.

Auf der Treppe dann doch schwindelig. saukalt plötzlich. unwohl. doch zu früh gewesen. will ins Bett zurück. Junger Arzt auf dessen Namensschild “Hugo” steht und ich überlege, ob es sein Vorname ist. idiotischer Gedanke, dass, weil er so jung aussieht, man ihn nicht bei seinem richtigen Namen nennt, sondern beim vornamen. nicht Dr. Müller / Huber / Kopecki, sondern Dr. Sigi / Dr. Leo / Dr. Bob. der Name macht nur SInn wenn ich ihn mir französisch denke. Dr. Hügoh. es klingt nach Notre Dame. muss wieder an die Brüstung der Dachterrasse denken. fühle mich wieder fiebrig und schon der gedanke an das Dach macht Kopfschmerzen. Schüttelfrostig.

“Na…”, sagt er. “Ihnen gehts offensichtlich gut, ja?” er habe mich billardspielen sehen, oben auf dem Dach. hab ihn verdutzt angesehen. dachte ich bin allein. Er lächelt, “über die Video-Überwachungs-Kameras!”

16. Mai

die Befindlichkeiten des Corona-Blogs haben zu viel Raum eingenommen. Den Theater-Blog habe ich dagegen vernachlässigt. Take care. aufpassen. Habe den Namen des Förderprogramms als freundlich empfunden. als sorge jemand für mich in der Zeit, in der ich nix hinkriege. jemand sorgt dafür, dass man weitermachen kann. dafür soll auch ich caretaken. aufpassen, das man niemand ansteckt. keine Erreger überträgt. Aber “Erreger” sind manchmal auch gut. kann es Theater geben ohne Erregung? ist nicht die ganze Welt eine einzige Virulente Bühne. Das wiederum macht für mich inzwischen auch die Impfstoffsache so fraglich. wäre e snicht besser, wir stärkten uns, wir sorgten um unser Wohl, unsere Ernährung, sorgten für gute Lebensbedingungen, die uns stark machen, um uns gegen Viren jeglicher Art umgehen zu können, anstatt sie auszurotten. Ein niemals endender Kampf. weil es immer eine nächste Mutation geben wird und noch eine und noch eine. es wird nie eine Welt ohne Viren geben. wir sind eine Ansammlung von Viren und Bakterien und sogar unsere Bakterien haben Viren. Vielleich gäbe es diese Welt noch nicht einmal, hätte sich nicht irgendwann ein Erreger in ihr breit gemacht, weil – wer weiß welcher Gott von woher, niesen musste und vergessen hat sich die Handvorzuhalten. – bin ich schon wieder beim anderen Thema gelandet? dass die Welt ein Virenspielplatz ist, wollte ich sagen. und Theater natürlich sowieso. spuckende Schauspieler, die die Artikulation übertreiben und die erste Reihe im Spucketröpfchen regen badet. Kollegen, denen man n zu nahe kommt. feuchtes Toitoitoi. Gefühle, die ausbrechen… nur singen ist wohl noch schlimmer als Theaterspielen. Tiefes einatmen und ausatmen. Und Gottesdienste. die haben ja auch was theatrales und gesungen wird auch. man muß sich vielleicht entscheiden, ob man erregen will oder sich in die Sterilität zurückzieht. meine Aufgabe im Take-Care-Blog wird sein müssen: den Funken echtes Theater zu finden, der diesseits des Live-streams noch auf dem Boden der Tatsachen, auf den Brettern, die die Welt bedeuten, beharrt.

17. Mai

Zoom. wieder. alles was sich auf den echten Augenblick konzentriert, könnte als spannend durchgehen. alles inszenierte ist nachwievor langweilig. der Moment als wir auf Uta warteten: die Leitung stand bereits, wir sahen ein Büro, einen Schreibtisch, jemand schien außerhalb des Bildes zu telefonieren. sehr lange dauerte das Warten. Es beginnen kleine Gesten der Ungeduld sich breit zu machen. Das Telefonieren (Später stellt es sich heraus, dass es von ganz wo anders kam) bricht ab, man glaubt, Uta würde nun erscheinen. Trommeln der Finger auf den Tisch. Musik entsteht. Jemand ruft. das Rugen wird zum Gesang. dreistimmig. der gesang wird Zauberbeschwörung. alles was NICHT ist auf Zoom ist spannender als das was ist. Hätten wir 15 Sekunden länger durchgehalten, die Zauberformel hätte Erfolg gehabt. Akausale Synchronizität. dennoch schön, aber ist das Theater? wir halten uns auf in unseren hauseigenen Kästchen. wir sehen, dass Emre eine Katze hat, beinahe sehen wir die Katze… Ja! der Bildausschnitt in die andere Welt hat einen Reiz, aber er bedarf der Projektion auf eine echte echte Bühne. das hier sind nur Krücken.

18. Mai

Überall nutzen die Leute jetzt Zoom, um lustige Videos zu machen. es sind sogar sehr schöne: Deeb, unser Spieler in Gaza schickt einen Film, in dem Leute via Zoom sachen weiterreichen. die halten sie in die Kamera und ein andere greift nach ihnen. oder eine Tasse Tee wird nach links gereicht und im Bildchen rechts nimmt einer die Tasse entgegen. Ich ahne, dass er gerne einen solchen Film machen würde mit uns. Der Film, den er auf Facebook teilt, ist ein arabischer Film, würden wir etwas ähnlichen machen, wäre er sogar interkulturell. das ist etwas zum Herzeigen! wunderrschön! und ich habe nicht die geringste Lust es zu machen. es ist ein Film. Es ist kein Miteinander. nur ein Fake-Gegenüber gibt es. kein Publikum. Und es ist nichts, was im Augenblick entsteht. Tatsächlich haben unsere bisherigen Tests ergeben: die Gleichzeitigkeit der teilnehmenden User ist zwar ganz überschaubar im Allgemeinen, nicht aber die Reihenfolge in der ein Admin oder gar ein Zuschauer die vielen kleinen Wohnzimmerbildauschnitte sieht. es sieht für jeden Teinehmer anders aus. WAS man machen kann sind lustige Mitschnitte. man kann etwas produzieren. man kann sich was für später rausziehen. aber was hat man davon? Musikvideos? filmclips. Es ist kein Theater. Sachen hin und herwerfen machen wir schon seit drei Jahren. ich merke dass ich total angepisst bin von der Tatsache, dass etwas, das wir so wohldosiert verwenden, so filigran ist, und was wir nur ausnahmsweise benutzen weil es der Gazastreifen ist, mit dem wir spielen, ein 2-Millionen-EInwohner-Lock-Down-Krisengebiet, das die Anbindung an die Welt schmerzlicher vermisst als die aktuell HOme-Office-Leidtragenden hierzulande… – daß etwas, as mir einzigartig erschien, plötzlich inflationär gemacht wird. es war mal etwas besonderes. – – – ich weiß, das schmältert nicht, was wir hatten. aber es lähmt mich, weil ich langsam merke, dass ich das multimediale Mehr gar nicht leisten kann.

19. Mai

Zoom bedeutet: Nebeneinander, aber ohne rechts und links.Miteinander eher nicht. haben heute aber festgestellt, dass – wenn man das Nebeneinander akzeptiert und nicht krampfhaft versucht so zu tun, als spiele man gemeinsam – es doch ganz lustig sein kann. Da wir nur zu viert sind (Uta, Emre und ich in Berlin und Deeb in Gaza), sich die Ansicht eines vierräumigen Puppenhauses anbietet. mit verschiedenen. Sehr verschiedenen Wohnungen. wenn jeder sein DIng macht und man nicht so tut, als wäre man in einem Raum, ist das nicht uninteressant. No-Go ist für mich die Greenscreenfunktion. ich will Wirklichkeit und nicht irgendwelche Galaxy-Backround-Pics oder Wüsten-Ambientes.Leider sind die Ansichten da verschieden. Emre liebt technische SPielereien und Uta, die ich für die analogste unter uns hielt ist fasziniert. bin sofort beleidigt. es ist fast so schlimm, wenn man gerade ein Bild einrichtet , eine Leitung öffnet, auf daß man die Spielwiese mit phantastischen echten DIngen füllen kann und zufällig hat man für zwei Sekunden den eigenen Bildschirmschöner zugeschaltet und alle sagen “Ohhh – DAS sieht ja toll aus!”

Übung: Setzen Stehen liegen. es gibt drei Positionen, die man einnehmen kann: einer sitzt, einer steht, einer liegt. der vierte kommt hinzu und entscheidet sich für eine der STellungen: z.B. er setzt sich – daraufhin muss der, der bisher saß sich eine neue Position sichen, worauf er einen anderen Spieler “vertreibt”. auf einer echten Bühne entstehen so oft spannende Geschichten ohne, dass man irgendeine spezielle Agenda ausgemacht hat vorher.. die Spannung der Spieler untereinander (“bin ich dran?”) überträgt sich auch als gemeimnisvolle Spannung beim Zuschauer. Zug um Zug wird gespielt, dadurch ist alles sehr fokusiert, aber dennoch frei, weil man noch nicht weiß wie es weitergeht. Im Zoom-Modus verliert das SPiel. auch schwer einen guten SPielausschnitt zu finden, der alle Positionen erlaubt. dennoch interssant. besonders wenn schnell. man interagiert, weil man die Positionen von einander abnehmen muß, aber bemüht sich nicht, um irgendwas zu erfüllen. rasantes Tempo führt zu groteskem Slapstick-Szenario.

Manchmal ist das Internet doch ein bißchen ok.

20. Mai

Fahrt zum Prüfinstitut zu Nachuntersuchung. An der auer des Brecht-Friedhofs hat man das Graffiti wegeputzt.

jetzt werde ich nie erfahren, was die Parole sagte. Der pförtner kennt mich mittlerweile. er hat eine sonore Stimme, sie erinnert mich an die von Karsten Troyke. Sehe erstmals, dass der hohe gläserne Palast j anicht nur der Sitz der Prüfstelle ist, sodnern auch der von BAYER. eine Pharma WG, also. bestimmt praktisch. Blutabnahme. Pfleger Namens Engel – der freundlichste von allen, entpuppt sich als ehemaliger Tänzer. nicht sicher sei, ob ich nochmals den Impfstoff bekomme. die ersten drei, die ihn bekamen in der hohen Dosis, und heftig reagiert hatten, mutete man ihn nicht mehr zu. heute nur Gesundheitscheck. Meine bisherigen Tagebuchblätter werden entnommen, damit sie in der STudie ausgewertet werden können. Den aktuellen tag soll ich noch vorsorgend ausfüllen. “Aber er ist doch noch nicht rum?!” wer weiß was noch passiert heut?!

***

Eher nichts. Buchhandlung. Bier. Schlafzimmer aufgeräumt. das Wand-Zu-Wand-Bett ist, wenn die Matratze weg ist ein Podest, das man als Bühne gelten lassen kann. Odysseus hatte ein Bett aus einem Baum. ich habe eine Bühne aus einem Bett. Damit nicht etwa der EIndruck entsteht, ich mache von jetzt an Theater zum EInschlafen oder gar burleske Peepshows… – Nee! schlafen kann ich im Wohnzimmer auf dem Sofa. Ich mag meinen Körper an die Pharmaindustrie verkauft haben aber ansonsten bin ich ein hochanständiger Mensch.

21. Mai

Livestream-Versuche von zuhause aus kläglich. habe ich das langsamste Internet in ganz Berlin? Habe ich versehentlich irgendeinen Zeitlupe-Knopf gedrückt? zerhackte Kommunikation. und es reicht auch nicht, das Schlafzimmer aufzuräumen. der Beamer muss in den nächsten Raum, weil er sonst zu nah steht und die Projektionsfläche nicht ganz schafft. der transparente Vorhang aber ist so oder so ein Gewinn. ein Traum-Raum. auch sonst nenne ich ihn so, wenn der Raum hinter der dünnen Leinwand inmitten der Bühne des Theaters steht, mit viel Fläche drumherum. er ist wie ein magischer Ausnahmeort, an dem die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft gesetzt sind. vielleicht darf ich nur einen Schritt auf einmal gehen. Schlafzimmer in Bühne umwandeln geht. Internetverbindung… muss noch.

[…]

24. Mai

ab morgen dürfen wir in der Schaubude proben für eine Woche, durchgehend. Ein Geschenk! Ohne Ergebnisdruck! nur Recherche. ohne zwischendurch aufzubauen, abzubauen. die Aussicht auf Klausurwoche auf Tag und Nacht ist Licht am Horizont. Seltsame Rückkehr. Abtauchen (oder auf?) in der anderen Welt.

25. Mai

Schaubude! endlich! Wer trägt welche Maske. technischer leiter der SB hat eine im Seemannslook. später wechselt er zu Blümchen, weil die andere ihn doch wahnsinnig macht. aber letzendlich machen immer alle Masken alle früh oder später wahnsinnig. Schönes WIdersehen. der Raum verändert. mehr Platz. weniger Plätze. habe das Gefühl auf einem großen Spielplatz zu sein. Flasche mit Desinfektionsmittel sieht in der Projektion aus wie ein außerordischer Operationsraum.

Persönliches Highlight: aus unerklärlichen Gründen hat Kerstin Halloween-DInge in der Tasche. eine schwarze SPinne mit teilweise gelben Beinen und eine Fledermaus. die Spinne vor der Kamera “führen” ist saudoof, aber wnn sie auf einem schwarzen Blatt Papier sitzt und man das Papier ein wenig bewegt entspinnt sich das organischste Horror-Szenario. die Spinne die Richtung wechseln lassen, wenn sie sich außerdelb des Kamerabereichs ist und sie dann wieder vor die Kamera ruckeln. es sieht aus, als krabbelte sie unter der Projektionsfläche hindurch. Die Fledermaus nimmt die Ausmaße eines Drachens an. Game of Thrones ist ein Dreck dagegen. ist es “schummeln?”

***

Der erste Bühnen-Tag war noch ohne Live-Schaltung nach Gaza. Den „neuen“ Vorhang ausprobiert, der jetzt lange in Windsbach in einem Heizungskeller lag. Er hing zu letzt in der Gottesruhkapelle, deckte die gesamte Chorwand und die Comicstripartigen Fresken abvon oben bis unten. ich habe noch nie solche Masse Stoff gehabt. Nesselartig und fest und wenn von hinten beleuchtet dennoch dünn und transparent. in Windsbach hatten wir die verdeckten Fresken neu projiziert und zum Leben erweckt. und am Ende in den letzten Nächten im Zelt , das ich neben der Kapelle aufgeschlagen hatte, war es ein Bett aus einem nicht endenden Laken. Stelle fest: es ist nicht das erste mal, dass ich Schlafstätte und Bühne vermische. Das Laub von vor zwei Jahren schüttelte sich jetzt auf der Schaubudenbühne aus. Der Vorhang ist viel länger als nötig, man muss ihn einschlagen, aber man hat „Stoff für mehr“. Auch sieht er besser aus als der alte. Aber er ist nicht so transparent.

Ungünstig: die TAZ besteht auf einem Foto, das nicht ich einfach liefere, es muss von der Bildredaktion gemacht werden. Perfide Idee, den Fotographen ins Theater zu locken. vielleicht ergänzt ein Spiel-In-Projektions-Bild den Artikel und man hätte gleich ein Bühnenfoto in der Zeitung. Freilich handelt der Artikel von der Impfsudie. Wo ist wäre der Corona-Bezug?

26. Mai

Einkauf bei McGeiz. Immer wenn wir in der Schaubude sind, zieht es mich zu McGeiz gegenüber. die kleinen 1-Euro-Artikel mutieren vor der Kamera zu phantastischen Mitspielern und Bühnenbildern. Suchte lange zwischen den Regalen nach Coronatauglichen Spielpartnern. – Alte zierliche Frau, die Klopapier mit Blümchen hatte kaufen wollen (“Ick kof immer die mit bunt”), aber dann erwiesen die Blumen sich als nur Deko auf der Verpackung, war dennoch freundlich, als die Verkäuferin die Rückgabe verweigerte. sie war lange im Laden. Ihre Meinung zu Corona: “Hör uff! Det is doch alles Larifari!” Ich war bei McGeiz weil ich Sachen kaufen wollte, die vor der Kamera, im SPiel in der Projektion aussehen wie Corona. z.B. harter rosaner Hunde-Gummiball mit Noppen. weicherer rosaner Kinder-Gummiball mit Noppen. Runder aufklappbare Unterwegs-Haarkamm, rosa. Haribo Him-und Brombeeren/Fruchtgummi, Spülbürsten-Aufsatz. wildgemusterte Unterhose mit Seeigeln. – Die HOffnung ein Theaterbild in die TAZ uz schmuggeln hat aber nicht geklappt. Der Kampf mit dem Himbeer-Virus war doch zu speziell. Möglicherweise andere gute Fotos. Wahrscheinlich kann ich den Krimskram ebenfalls nicht zurückgeben bei McGeiz wie die alte Frau mit dem Fake-Blümchen-Klopapier. Habe nur Verwendung für Fruchtgummi und Kamm. der Kamm ist wirklich schön. seine Spikes wachsen aus dem Inneren und wölben sich langsam nach oben wie die Stachelne eines Seeigels. Notfalls auch zum Kämmen geeignet.

Übung: Kämpfen. Impulse weitergeben. ( ja, is leider so: dass Kampf sich so gut eignet für dieses Format, weil es bedeutet, dass man die Energie geballt in Richtung Gegenüber sendet. Tritte, Schläge, imaginäre Schüsse sind nun mal leider klarere Impulse als Freundschaftbekundungen.) 1. Übung: Deeb in Gaza und Uta in Berlin, beide sehend. klappt nicht gut, weil Deeb immer in die Kamera schaut, um zu kontrollieren, ob seine Schläge auch in die richtige Richtung gehen. der vermeintliche Realismus aber bremst den Impuls und tötet jegliche Illusion, weil der Körper sich nicht oraganisch bewegt; jegliche “Anmut” verschwindet; die “Seele sitzt im Ellenbogen” würde Kleist sagen. 2. Deeb in Gaza blind und Uta in Berlin sehend (Film). klappt besser, auch wenn die Bewegungen manchmal falsch sind, sich manchmal überlagern oder in die falsche Richtung gehen. Es ist egal, solange die impulse echt sind und organisch, und das ferne Gegenüber die Wucht der Attacke aufgreift, denkt sich das Auge des Betrachters die beiden zusammen. Delay etwas störend, aber eventuell auch hinzunehmen. könnte als “Slowburn” durchgehen. (Tortenkampf-Videos mit DIck und Doof geguckt, welche Meister des Zug-Um-Zuges mit super viel Zeit dazwischen sind. – Lange Leitung halt! 3. Double-Blind. Uta und Deeb beide mit Binde vor den Augen. klappt auch, seltsame SPannung. man kämpft mit allen Sinnen. Delay nervt dennoch ein bißchen.

Dachte heute viel an Kleist. ob es seinen Aufsatz über das Marionettentheater auch auf Arabisch gibt? Es ist ein immer noch aktueller Text. Ob es um die Abhängigkeitverhältnisse zwischen Göttern und Menschen oder Maschinisten und Objekten, Puppenspielern und Marionetten oder gar Computer-Usern und Avataren geht. es ist auch ein unglaublich politischer Text, das vergisst man leicht: nicht nur der Gliedermann ist vom Reglement des Machthabenden abhängig, sondern umgekehrt. es ist eine Wechselwirkung. ohne den objektiven Körper könnte der Maschinist seine Seele nicht in dessen Maschinerie versetzen. Selbst Götter bedürfen (jedenfalls bei Kleist) der Menschen, um sich auszudrücken. deshalb schlüpft Jupiter in Amphitryons Gestalt. was hilft ein unendliches Bewußtsein, wenn man niemand damit bewegen, animieren kann. “Ach!” – ich schweife ab. Wieviel unedliches Bewußtsein wäre von Nöten, um aus der krampfigen Bemühung den Schlag exaktauszuführen ein organisches Großes und Ganzes zu machen. entweder man macht es intuitiv und aus der Mitte heraus, oder man inszeniert und choreographier sich bis ins positiv-rückgekoppelte unendliche Bewußtsein. dazu reicht die Zeit nicht. Und am Ende hängt die Seele doch im ELlenbogen anstatt die Idee des Tanzes oder des Kampfes von Gott zu Mensch, von Maschinist zu Maschine von User zu Avater zu senden. Die Anmut der Bewegung, wenn sie vom Mittelpunkt aus geschieht, wenn die Schwerkraft auf den leblosen Gegenstand einwirkt – oder auf den reflektionslosen Körper. wenn man die Anmut versucht herzustellen, sich bemüht, den Schlag so auszuführen, dass er gut aussehen möge, geht die Illusion flöten. man sieht nur einen Mann in Gaza, der in die Kamera starrt und seinen Arm abwinkelt, um halbwegs glaubwürdig eine kleine Uta wegzuschnippsen. Halbwegs ist der Anfang vom Ende. die Großzügigkeit der “blinden” (und deshalb unbewußten) Bewegung ist überzeugender, wahrhaftiger.

Emre hatte später gute Idee: nicht Blind spielen, aber das Kamera-Feedback nach Gaza weglassen. Deeb bekam nur das BIld meiner “Ministage”, also das was ich vor der Insight-Kamera mache, zu sehen. jetzt entstand tatsächlich ein interessanter neuer Zugriff, ein bißchen wirkte es, als hätte Deeb eine schlecht sitzende 3-D-Brille auf, nein quatsch: eine Cyberspace-Brille. die Virtuelle Realität des Objektes mischte sich im layer komplett mit dem von mir bewegten Gegenstand. Deeb agierte nicht, er reagierte komplett. und / oder umgekehrt.

27. Mai

Leider fehlt Kerstin. ohne die Musik ist es schwerer. dennoch tolle Probe. erstmals haben wir die Konstellation umgekehrt: bisher hatten immer wir die Objekttheater-Ebene geliefert und Gaza “Nur” das Grundsetting: z.B. eben das Sofa, auf dem “der alte Mann” auf dem Meer ruderte. wir lieferten das Knistertütenmeer und das Boot, ein alter Schuh. diesmal sahen wir in Deebs WOhnung herum. die echte Ansicht des WOhnzimmers ist okay. die Details aber verlockende Landschaften: allein der Teppich, der sich ein bißchen bewegt und zum Flugobjekt wird auf dem ich sitze. oder die Küchenkredenz, in der Uta gefangen ist wie ein WIchtel in einem Keller, dessen geheime Türen sich aber öffnen lassen. die Deus-Ex-Machina-Hand hilft. woher sie kommt und von wem sie stammt ist nebensächlich. Erkenntnis: Weniger ist mehr. aber wie die “Zu viele” Spielfreude eindämmen?

28. Mai

[…]

Anstrengende Probe. zäh. es fällt mir schwer die technischen Ver-Spielereien zu folgen. wieso ist es auf einmal “cool” 20 Kameras hintereinander zu schalten? Weil es ästhetisch ist? was hat das noch mit der simplen Objekttheater-Idee zu tun. Kloß im Hals. die Geister die ich rief… ich will keine Layer, die einfach nur virtuelle neue Welten sind. ich hasse es wenn Leute, während man gerade mit der Beamer-Verbindung kämpft, in Verzückung geraten über das Desktop-Bild. wir haben so unendlich mehr echte analoge Bildkraft zu bieten. ich werde alt.

Freilich, wenn man der eindeutig digital-technischen Formen einen Platz im Raum zuweisen könnte, der ihn in das Gesamtspiel einbaut, aber nicht das Geschehen zuschmiert?! eher zufällig, weil in Deebs Wohnzimmer ein Fernseher an der Wand installiert war, entstand die idee, das Skype Kontroll-Fenster dorthin zu schieben. sozusagen das Output unserer Kamera, die Deeb in Gaza das Bild unserer Bühne zeigt. Man kann Fenrseher spielen. so tun als ob wir von Berlin aus Deebs Fernseher bedienen, sogar das Programm wechseln (mit analogem Spielkram). Vielleicht doch sogar jemand per Zoom zuschalten? Morgen Test mit Uta, da sie morgen zuhause sein muss, wir ddie morgen in Deebs fernseher gebastelt. vielleicht kann der echte und gefakte Fernseher einen Art Mentor zuschalten, eine Spielfigur wie sie in Computerspielen aufploppt wenn der Avatar nicht weiter weiß… wer weiß.

29. Mai

Schönere Probe heute. geraucht. in einem Aschenbecher gesessen, in dem eine Zigarette in Gaza vor sich hin qualmte. Hohepriesterin, die auf eineVision wartet während die Räucherstäbchen einen in eine andere Welt entrücken. Noch schönerer “Fund”: Es ist durchaus auch spannend, wenn man mal auf Interaktivität verzichtet. Emre drehte sich eine Zigarette vor der Kamera und Uta in der Projektion sah ihm dabei zu – wie ein Geist, der unsichtbar ist für den Zigarette-drehenden Gott. mal sah sie nur zu, mal kommenteirte sie und gab Hand-Und-Fuß-Ratschläge wie eine Stuardess vor dem Start des Flugzeugs.. einziger Berührungspunkt, als sie sich auf die Zehen stellte und das Paper ableckte. ir müssen nicht immer verschachtelt sein. manchmal dürfen wir uns ignorieren. entspannen. wahrnehmen. andere zu untersuchende Objekte: Ventilatior in Gaza. futuristisches Hamsterrad. Flugobjekt. als Deeb in in Gaza anschaltete, merkten wir es kaum, da die Rotation zu schnell fürs Auge war. “Bespielbar” war er erst, als er sich nach dem Ausschalten verlangsamte. Wir brauchen mehr Low Tech!

und das mit eingezoomter Uta ist total blöd (abgesehen von den Momenten als sie so nah an die Kamera heran kroch, um ihren Mund zu verbergen, damit man die Assynchronität nicht auch noch vor Augen hat, und aussah wie der Imperator aus Star Wars) es hat auch nicht die rückgekoppelte Verschachtelung. es macht das BÜhnengeschehen plötzlich wieder zur Skype-Realität.

M: Uta, du hast echt viel Delay!

U: Spielt langsamer!

M: wenn du nichts sagst, ist es besser!

U: aber ich soll doch was sagen.

M: setz eine Maske auf, damit wir nicht sehen wie sich deine Lippen bewegen!

NIchts passiert. Hatte gedacht, sie habe keinen Bock daruf, eben weil sich keine Anstalten unternahm, die Maske aufzusetzen. klar ist ja auch idiotisch, in einer der wenigen Situationen, in denen man keine Maske tragen muss, im Home-Office, allein vor der Insight-Kamera dann auch noch eine tragen müssen! Dann schiebt sich die Maske doch vor ihr Gesicht. vermeintliche Weigerung war dem Zeit-Delay geschuldet.

M: sieht besser aus!

U: hjkjskjmmmmmd hgmmm hkkkk

M: jetzt hör ich dich nicht!

[…]

Und es ist mein Geburtstag. hatte gefragt, ob wir im Hof grillen dürfen. Nach derProbe. Ja, wir durften. Die kleine Nicht-Feier ist schön; Feierabendbier nach beinahe getaner Arbeit. die Extra-Probenwoche neigt sich dem Ende zu. Schöne Probe heute. Nachher auf dem Dach der Garage der Schaubude. Man sieht in fremde Gärten und auf den S-Bahnhof Greifswalder Straße. das gründe Lichtzeichen der Ringbahn. “S”. Fledermäuse über den Köpfen…. soll Glück bringen. wir sind so weit gekommen. jetzt bin ich alt.

Heute eugentlich in kleiner Besetzung: Kerstin und ich in Berlin, Deeb in Gaza, aber bereits die Schaltung zeigte: wir sind mehr. Deebs kleine SÖhne und Nichte. überraschung! ertster Schreck wurde zu erstem Annäherungsversuch. Kommunikation via rosa Gummiball. und leerer Plastikreistüte mit dem stattlichen Bild eines Tigers darauf. Spiel begann fast von selbst, dann leider gebremst, weil Deeb dachte, er müsse die Spielform erklären. Prompt angestrengte Bemühtheit. Prompt alles sehr anstrengend. Auf dem Teppich blieben. Später wieder zu besserem Spielszenario zurückgefunden (nämlich eben Teppich). je simpler desto besser. für uns in berlin reichte der Blick auf Deebs Teppich völlig als SPielwise. in Gaza hüpften Kinder darauf herum, rannzen durch Bild und in Berlin stand ich auf dem selben Teppich und spielte Fangen mit den Kindern im Gazastreifen. nie werde ich je eins greifen, aber die Bewegung macht Spaß. schwer: die Kinder davon zu überzeigen dass auch das Spiel mit dem Teppich selbst, mit bereits winzigen Bewegungen (Anlupfen einer Ecke, minimales Verrutschen des Teppichs riesige Auswirkungen in Berlin hat. Ich spiele Erdbeben. ihc falle um, ich fliege… Leider schleppen die Kinder dann immer die vermeintich tolleren SPielzeuge an. in diesem Fall eine riesige bunte Stofftier-Schlange, die in die Kamera gehalten wird. Sagte ich “es gibt keine unbegabten Gegenstände?” ich korrigiere: “Es gibt keine unbegabten Gegenstände, außer der bunten Mega-Schlange”. pädagogischerweise fühle ich mich zum “Au-Ja-Sagen” verpflichtet, aber beginne schon die Schlange hinwegzuwischen. (leider kommt sie wieder). Vermutlich rätselt man in Gaza, warum ich lieber mit Teppichen spiele, als mit echtem SPielzeug. wahrscheinlich müsste in einem späteren Workshop für Kinder das echte SPielzeug (aßer der Schlange!) erstmal zu seinem Recht kommen. man kann zunächst im eigenen SPielzeugauto fahren, man muß erst die eigenen Bauklötzchen ausprobieren, bevor man sie dann ersetzt durch ganz andere Avatare: auch in Bürolochern kann man Auto-fahren, mit Ledergürteln Schlangen bändigen.

am Ende blieben wir doch auf dem Teppich. Und hoben ab. lieber aber bespielte die Nichte das Altbekannte in altbekannter Weise, wie es sich gehört: man fegt Krümel hinweg, man macht ihn sauber, als dass man die Welt bewegt. aber vielleicht nächstes Mal. Hoffe auf Morgen wenn Emre wieder da ist und die technik besser sein wird.

31. Mai

Emre da, aber Gaza ohne Strom. Tag für eigenes Training genutzt. Dann Sachen gepackt. Feierabendbier mit Kerstin in meinem Kiez trinken gewollt aber alles hatte zu. Victoria-Imbiss ging zur Not auch. die Woche ist um. es war wirklich viel. nicht vergessen, wie viel es war.

3.Juni

An der frisch-getünchten Mauer des Dorotheenstädtischen Friedhofs ist eine neues Graffiti. sehr kunstvoll, daher schwer lesbar. in roter Farbe. wieder fahre ich zu schnell. Zu früh zur Prüfstelle. daher treffe ich sogar einen Mitbrobanden. und diesmal darf man sogar zu zwei im Fahrstuhl fahren. “Wie gehts?” “gut.” (habe bereits vergessen, wer wem die Frage stellte). Heute neue Impfgabe. Fühle mich nicht so wohl, weil mein Artikel inzwischen erschienen ist und bestimmt jetzt alle sauer auf mich sind. Seltsamerweise ist eher gute Stimmung. Der Arzt erklärt mehr denn je. Neue Verträge gibt es auch, die Ethikkomission hat die Aufklärungsbroschüre neu überarbeiten lassen. man bekommt sogar Einblick in die bisherigen Studienergebnisse. Seltsame Transparenz. Was davon halten? Und warum reagieren Amerikaner so ausgesprochen gut auf den Impfstoff, während hier zu lande bei höherer Dosis alle viel sensibler sind und Fieber kriegen und kotzen?? Amerikaner sind vielleicht größer und dicker und zuversichtlicher, härter im Nehmen… – oder “kooperativer”?

Es erweist sich , dass ich unfähig bin das offizielle Tagebuch zu führen. EIne halbe Zeile für die Beschreibung von “Ereignissen”! Kopfweh will doch beschrieben sein! Ich kann nur ausführlich. aber das gewünschte Endformat eines Beipackzettels sieht nicht vor dass man den Verlauf genauer beschreibt. erst brieft mich die Assistentin, und als ich endlich alle unterschiedlichen Symptome in je eine der Halbzeilen gequetscht habe, kommt der Arzt und fragt etwas ratlos, wie man das zusammenfassen könne “grippeähnliche Beschwerden?” Ja…. klar… okay. meinetwegen. Passt schon.

Ich glaube ich bin eine ausgesprochen nervige Probandin. will alles genau wissen und alles viel zu genau machen. und meine Adern sind fast unauffindbar.

Verwunderung darüber, dass diesmal vor der Impfgabe kein Corona-Test gemacht wurde. wieso dann beim letzten Mal? SItzordnung in der Cafeteria isoliert wie eh un dje, aber diesmal steht mein teller in Richtung Raum und nicht in Richtung Wand.- Spaghetti mit Sahnesauce. hätte sie lieber serviert bekommen als sie selbst an der Durchreiche abzuholen, weil man dann nämlich sieht, dass es eingeschweißte Plastikbeutel sind die auf den Teller platschen. mit Pfeffer dennoch okay. überall auf der Station hat es dies roten Notfall-Gummiblasen zum Drücken, falls was ist. sie sind überall. und es fällt schwer, sie nicht zu drücken. stelle mir vor, dass ihnen ein humorvoller Quietsch-Ton entfährt, wenn man drückt. anderer Proband fragte sich, wie lange es dauere bis einer kommt, wenn man drückt. beinahe wirklich gedrückt, aber dann doch nicht. Aufenthalt diesmal nur ambulant. nachhause im Berufsverkehr. das Fieber setzt erst am Abend ein…

4. Juni

sehr heftiges Fieber diesmal. man hätte denken können, es sei beim zweiten Mal weniger stark. Fieber träume. Aufwachen. Durst. Durst! Trinken. Fiebermessen. 38,7 weiter schlafen. Aufs Klo müssen. Schüttelfrost. Durst Durst Durst. Träumte, ich sei auf der Börse und fragte mich nach der Pharmafirma durch, die meine Studie in Auftrag gegeben hatte, ein Dachs kam und sagte, das sei nicht möglich. ich wurde wegen Insider-Trading festgehalten und schwor (und meinte es auch so!), dass ich überhaupt nicht vorgehabt hätte Aktien zu kaufen. ich wollte nur WISSEN! das Tier sagte, ich sei dennoch am falschen Platz. Amerika? Ellis Island. Jemand hatte die Freiheitsstatue lila angemalt. vor dem Fenster wuchs Gras. Aufgewacht mit Kopfschmerzen. Gliederschmerzen den ganzen Tag über, Fieber bleibt. Termin mit Schaubuden-Intendant absagen gemusst. Mist. Müde. in den Abendstunden fällt Regen. keiner da. Kühlschrank leer. ich finde es nicht okay, dass man allein in seienr eigenen Wohnung liegen muss, niemand bringt einem Suppe. ich will dass sich die Ärzte gefälligst kümmern und ich will Plastikverschweißte SPaghetti! Lieferando. Pizza. kalt. wieder Schüttelfrost.

5. Juni

Aufgwacht früh vom fallenden Regen vor dem geöffneten Fenster. kein Fieber mehr. Ruhe. fühle mich leicht. der Regen wäscht die Nächte weg, er fällt so sanft, rauschend und “uferlos” dass man das Gefühl hat, alles werde davon gespült. Viel Hyperaktivität im letzten Monat. Verausgabung. Langsam doch Ruhe. Nach und nach sollen Theater wohl wieder öffnen. Das sind wohl gute Nachrichten. und wir haben gut trainiert. wir haben gesichtet, gesammelt und in der Klausurwoche allein im Theater mehr geschafft an Basisarbeit als in der gesamten letzten Inszenierung. (ich übertreibe). dennoch habe ich das Gefühl, es ist auch noch anderes weggespült worden. Die Klausurwoche haben wir in Minimalbesetzung gemacht. zu mehr hätte das Geld nicht gereicht, und die Corona-Auflagen haben es auch so verlangt. es wirft aber die Frage auf: wer ist diese Gruppe. gibt es einen harten Kern? wo sind sie anderen? T. hatte die Corona-Zeit auf dem Land verbracht bei ihrem alten Vater. sie kam braun gebrannt mit ihrem Sohn zurück in einer inneren Ruhe für die ich sie nur beneiden kann. wozu Theater machen, wenn es gerade keine Bühnen gibt? – sagt sie dabei ist sie eine der glücklichen die einen ganzen eigenen Probenort an der Hand hat. Die Auszeit sagt, sie hätte ihr gut getan. Inzwischen probt sie an einem anderen Theater. nicht ihr eigenes Stück, und nichts, das bald Premiere hätte, sondern etwas “für später”. November. besser jetzt schon mal eintüten. EIn anderer Schauspieler ist in seiner eigenen WOhnung verschollen. Wegen Vertraglichem kann man bis zur Türschwelle, und ahnt, dass das Homeschooling der Horror sein muß. Noch schrecklicher als alles finde ich: die Berührungsangst, die sich festgefressen hat. Theater ist eine intime Sache. selbst wenn man wie in unserer Spielkonstellation relativ weiten Abstrand nimmt: es ist etwas verbindendes. Man ackert, man schwitzt, man leidet; manchmal ist man kurz davor alles hinzuschmeissen, sagt Dinge wie “mach Deinen Scheiß alleine”. aber ich denke: keiner sollte seinen Scheiß alleine machen. keiner sollte Theater alleine machen. wer Angst vor Errgern hat, erregt am Ende nicht.Ich hoffe die Klausurzeit hat das Ensemble nicht gespalten in Innen und Außen, in Homeoffice-Werktätige und Außenposten, in Kurzzeit – und Tiefseetaucher. der Regen hat aufgehör Eine Welt ohne Viren wird es nie geben und gab es nie. Wir bestehen aus so vielen Viren und Bakterien und sogar unsere Bakterien haben Viren. Gute Viren Schlechte Viren. Es wäre besser wir lernten mit ihnen umzugehen. Uns zu stärken, gesünder zu leben. Auf eine bessere Umwelt zu achten. anstatt uns auf die feindlichen Bedrohung festzubeißen. einen Virus nach dem anderen anzugehen, auf dessen Mutation zu warten und so weiter und so fort. Die Kriegsphilosophie der Medizin wird in der Panik der Seuchengefahr immer mehr Anhänger finden als die umständlichkeit der System-Biologie. So oder so. Eine Welt ohne Viren wird es nie geben. Umgekehrt: Man vermutet gar, die Welt existiere überhaupt nur weil sie das Auswurfprodukt einer (von woher auch immer) Infektion ist. Vielleicht nieste ein Gott nicht in die Armbeuge und aus dem Nichts entstand der neue Infektionsherd Welt. – ich scheine im Coronastrang des Blogs gelandet zu sein, statt im Take-Care-Strang. aber in diesem Fall gehen sie Hand in Hand. ich danke dem Fonds darstellende Künste für die Möglichkeit in der Theater-unmöglichen Zeit uns den Rücken frei gehalten zu haben mit der Förderung, ich hoffe jedoch sehr, dass dies nicht auf Kosten der eigentlichen projekte gegangen sei wird. und noch mehr hoffe ich dass sich alle wieder einkriegen werden. Einkriegen. auch ein schönes Wort. Ich glaube ich brauche jetzt erstmal eine wirkliche Auszeit.

6. Juni

Fieber weg. besser. nur noch Kopfweh. gut jetzt? Arzt rief an und wollte wissen. alle anderen hatten bisher auch auf die zweite Gabe heftiger reagiert als auf die erste. (außer in Amerika offensichtlich!) Dass etwas stattfindet steht außer Frage. aber wie würde mein Immunsystem dann auf die echte Corona reagieren, wenn es schon auf die selbstgebastelte Fake-Corona Marke Eigenbau meines Körpers reagiert?

6.Juni

Auszeit!? gestern kam dann noch die Nachricht, dass unser ursprünglicher Auftrag (unsere Theaterform im Gazastreifen einzuführen) möglicherweise dennoch zu retten ist. Er schein zu stehen und zu fallen mit dem Auftraggeber, einem besonders weltoffenen und ausnahmsweise toleranten Kulturminister… – der aber vorzeitig sein Amt räumt. räumen muss? wer weiß. wir hatten sozusagen unser Zeitfenster, etwas wirklich großartiges und bisher nie dagewesenes zu etablieren in Gaza, zwischen Berlin und Gaza, verpasst. Nun plötzlich ist dennoch Hoffnung: denn die Nachfolge im Ministerium – eine Frau!!! scheint ebenfalls interessiert zu sein an dem Projekt. Ja, ich weiß, ich sprach gerade eben noch von Auszeit. die hätte ich dann nach meiner Einreise in Gaza. 21 Tage in Quarantäne wäre ich dann vor Ort und könnte ebenso wie jetzt mit unseren Kooperationspartnern nur via Internet kommunizieren. Seltsame Vorstellung. vielleicht gut. in jedem Fall die interessanteste Art von Auszeit, die ich mir gerade vorstellen kann.

10. Juni

Nachuntersuchung. Blutabnahme. bin heute die einzige auf dre Station, weil es einen Fehler in der Terminansage gegeben hatte. im Plan stand der 10. auf einmal sollte es der 9. sein. da konnte ich aber nicht. Eher zufällig war das dem Pfleger mit dem schönen Namen aufgefallen. So beruhigend es ist, dass auch andere Leute Probleme haben mit dem Erstellen von “Probenplänen”, so merkwürdig finde ich es aber doch, dass die Studie hier so schlampig ist. zuerst muß alles auf die Minute eingetaktet sein, und dann irrt man sich im Tag? Blutabnahme quälend langsam. möglicherweise bin ich noch nicht wach, mein Blut fließt zäh. Prompt schämt man sich. die Ärzte und pfleger weil es so langwierig ist, das täte ihnen leid, ich weil meine Venen so schlecht sind. Austausch von Höflichkeiten. Beteuerungen, wie leid es einem tut. Versicherungen, das sei doch kein Problem. alle sind freundlich, alles machen es gut. Am Ende fühlt man sich aber doch wie der Mohr der seine Schuldigkeit getan hat und gehen kann. Brotbeutel in die Hand gedrückt mit allen varianten von Plastikwaren, die man auf Brötchen nicht schmieren kann, wenn man kein Meesser hat. Freundliche Schwester erst ratlos, weil ich nach Platz frage, wo ich das essen kann, dann gebraucht sie ihren gesunden Menschenverstand und sgat, es sei bestimmt okay, wenn ich mich in die Cafeteria setze. Ich ahne daß es nicht okay ist, aber habe so großen Hunger, daß es mir egal ist. Küchendrachen kommt, als ich fast fertig bin. na ja Drachen ist vielleicht nicht nett gesagt. sie nimmt sich höflich zusammen, ob die Schwester P. mir dies erlaubt habe: hier zu sitzen und zu essen. Es ist eine rethorische Frage. Sie fragt es noch höflich, aber wäre sie ein Drachen stiegen jetzt schon rußige Qualmwölkchen aus ihrer Nase. Der Beutelinhalt sei für zuhause bestimmt. Nicht zum Hier-Essen! – Streit. weil ich den Plastikbeutel jetzt wirklich als Ohrfeige empfinde. Ich bin seit sechs wach, jetzt ist es nach zehn. ich muß noch 40 Minuten Motorrad fahren. Jetzt habe ich Hunger! Vom Tee oder Kaffee den ich hjetzt eigentlich brauche, ganz zu schweigen.Nicht mal draußen vor der Tür, kann man den Beutelinhalt essen, weil man kein Messer hat un keinen Löffel für den Joghurt.

“Wieso kriegt man nicht einfach ein eingeschweißtes Sandwitch und einen Apfel?”

“zu kompliziert. und zu teuer! und da weiß man ja nicht wer welches Sandwitch will, vegetarisch, vegan oder mit Fleisch” Nicht zu koordinieren sei das. wo doch eh schon alles sich dauernd ändere. Heute hätten eigentlich zwei Leute erscheien sollen, und jetzt doch nicht. Und die Sandwiches kann man ja nicht aufheben, die verderben nach drei Tagen. “Und das alles hier, die ganze Cafeteria. die muss ich jetzt neu desinfizieren, weil Sie hier ihre Salamibrötchen gegessen haben”.

Ja, ich bin heute die einzige. Es ist das erstmal, dass ich mich total verloren fühle. die großen Klopper stecke ich gut weg. aber die kleinen DInge… fühle mich zum ersten mal wie ein Versuchskaninchen, das sich rechtfertigen muss, dass es den Stall verunreinigt hat. oder die Laborbox in der es hockt. irgendwie ist es ja doch eine Ausnahmesituation. dass man nach hause darf, dass alle nett sind, kaschiert die nackte Wahrheit, dass man Ware ist. man erscheitn pünktlich, man gibt sein tagebuch ab, man korrigiert es gegebenenfalls, man bekommt nicht gerade wenig Blut abgezapft, man sagt A… aber wie man mit leerem Magen wieder nach Hause kommt, ist egal. Nicht mal was zu trinken ist da.

“Und wieso müssen Sie alles desinfizieren, wenn heute eh keiner mehr hier isst?” Und überhaupt… – wieso gelte ich in der Cafeteria als Potentielle Covid-19-Infizierte, während es im Untersuchungsraum und in Labor selbst wurscht ist? Um rein zu kommen in die Station muss ich mir nur ein Fieberthermometer an Stirn und Schläfe halten lassen, das aussieht wie ein Raumschiff-Enterprise-Phaser und das drei mal eine falsche Temperatur anzeigt, bevor man dann doch passieren darf. Und wieso interessiert es nicht, ob ich inzwischen vielleicht in echt Corona habe? wäre es nicht relevant für die Auswertung? Und auch für meine Gesundheit? Nachwievor spukt mir der Abschnitt in den “Nebenwirkungen” im Kopf herum, der besagt, daß nicht auszuschließen sei, dass die Impfung eine Echte Corona-Infektion noch schlimmer machen würde. müsste ich nicht getestet werden? oder geht das nicht, weil der Test nicht unterscheiden könnte zwischen echtem Virus und selbstgebasteltem Virus auf Grund des Impfstoffes?

Der Drachen wird freundlicher. Über die Unlogik ärgere er sich auch. Vielleicht gehe ich nächstes mal einfach aufs Dach zu den Galgenvögeln zum Essen und bringe mir selbst ein Messer und einen Löffel mit. es bleibt das Versuchs-Kaninchen-Gefühl. Vorher war ich Heldin, jetzt bin ich im Weg.

Fahrt nach hause im Beinahe.Nieselregen. Das Graffiti am Brecht-Friedhof ist wieder weg. ein Fleckchen an der Wand, an dem die Farbe etwas dunkler ist als an der übrigen Mauer.

16. Juni

Große Freude! Nachricht der Bundeskulturstiftung, wir sind gefördert im Rahmen des Förderprogrammes “Reload”. das bedeutet mehr Möglichkeiten in Ruhe zu recherchieren. Und daß wir auch auf das eigentliche Ziel “Richtiges Zusammenspiel” in hinarbeiten können.

21. Juni

Ingeborg Bachmann Preis dieses Jahr als Zoom-artige Konferenzschaltung. Es ist nicht so schlecht. Die Jury-Diskussionen funktionieren ganz okay. Die/der jeweilige Autor in seinen vier Wänden vor verschiedenen Kameras lesend, wirkt jedoch wie im Exil. Er hat weder das Publkum im genick, noch auf seiner Seite. Ein Schutzraum ist aber anders. Er ist weit weit weg.

Was mir aber gefiel: wenn die Juroren nicht einfah nur direkt im Plattform-Layout oder auch ganzflächig zu(sammen)geschaltet waren, sondern wenn die Kamera das Studio zeigte, von dem aus der Moderator die Konferenz leitete. Hier bewegte er sich im kreise der Juroren, die in ihren Fensterausschnitten rings herum an der Wand hingen wie in den Rahmen einer Gemäldegalerie. Einer bei Harry Potter, wo sich die Bilder bewegen können. Großen Unterschied machte es, dass es sich um Hochformate handelte.

Ich finde, dass sich jede Art von Zuschaltung von Leuten außerhalb [es sei denn eben die in/aus Gaza!] in unserem Format, also dem Spiel mit der Projektion auf dünne Gaze, verbietet. Allerdings ist es etwas anderes wenn man zugeschaltete (z.B. via Zoom) explizit im Raum verteilt. Wenn der Zusammenhang stimmt…. vielleicht… aber es wäre ein anderes Format. Es darf nicht auf Kosten der hauchdünnen Projektionsebene

17. Juni

geträumt, dass die Israelis ein Atomkraftwerk neben dem Gazastreifen bauen. Und dass ich durch undeutliche Aussprache, in einem Bürobedarfsladen statt Aktien statt Aktenordnern erworben habe. AUfgewacht mit dem Gefühl, Dinge zu überstürzen. EIne Amsel singt im Garten. Auch mein Smartphone will mich dauern dazu überreden an die Börse zu gehen. weil ich den Pharmakonzern, der hinter der Impfstudie steht, gegoogelt hatte, denkt es voreilig, ich würde Anteile kaufen wollen. Es behauptet die Aktie sei kurz dem explodieren. DInge die einem um die Ohren fliegen. – wa smich wieder zum anderen Fetzen des Traums zurückbringt…gehen.

24. juni

zurück nach Berlin weil eine Untersuchung auf dem Plan steht. es trifft sich gut, denn ich wüßte wirklich gerne ob inzwischen Ergebnisse sich abzeichnen. Arzt sagt, als Studienarzt wisse er auch nicht mehr, er sammle nur die Daten, die Auswertung sei nachwievor geheim. die Geheimniskrämerei macht mich fertig. Gedanke hat sich leider im Kopf festgesetzt, es sei nur fair, enn man als erstes erführe. “Ich enhalte Ihnen nichts vor”, sagt der ARzt, ich glaube es ihm sofort. Muß frustired sein, sein eigenes Arbeitsfeld vor der NAse zu haben und auch nicht mehr zu wissen als alle anderen. die TAZ hatte ja meinen Artikel betitelt mit “Das LAbor bin ich” – weil es mein Körper ist, der nicht nur die Antikörper produziert (oder auch nicht), sondern auch den Erreger gleich mit. Machwievor fasziniert mich der Gedanke, dass meine Zellen nun vertraut sind mit den Bauplänen von etwas, das dem Corona-Virus ähnelt. Corona Marke EIgenbau, und dann die Antikörper. oder auch nicht. ich wüsste gerne ob ich immun bin. Ob ich meine ELtern sehen kann oder nicht. Sagt mal endlich was Sache ist!

29. Juni

Lagerfeuer im Hof, oder Garten. Im Gartenhof, im Hofgarten. alles übertrieben, es ist ein Obstkistenfeuerchen in der Feuerschale, Treffen wegen “wie weitermachen?” alle kommen etwas spät, aber weil es in meinem Garten ist und ein Feuer brennt ist es nicht schlimm. bevor die anderen kommen regt es sich an der Mauer über den Mülltonnen, dem wilden Wein im gegenlicht der Abendsonne kommen “die wilden Kinder”, die aus dem Nachbarhof. seit sie wissen, dass der Hausmeister weggezogen ist, trauen sie sich öfters über die Mauer. SOmmergesichter, lassen sich an den Mülltonnen herabgleiten und essen Johannisbeeren von den Büschen. G. kommt auf ein zwei Biere. Sitzen im Sandkasten aus Sicherheitsgründen, dass die Schale den rasen nicht verbrennt (hab ich in Windsbach gelernt). Am Ende landet man immer in der Kiste, in welcher auch immer. Spielplätze sind tagsüber für Kinder in der Dämmerung für Jugendliche. Später dann nach und nach dann Kollegengespäch. Ich glaube ich sagte, ich wünsche mir kontinuierliche Begeisterung. Anstoßen auf die Bundeskulturstiftungsförderung. Es ist ein schöner Abend. bis es wieder ans Termin-Finden geht.Dennoch guter Abend. Gute Nacht. lange im Treppenhaus Austausch mit T. über unsere Väter.

1. Juli

Nicht dabei gestern war Deeb, natürlich nicht. Under techniker/Schauspieler/Mitreissender Ideengeber in Gaza. un dfragt mich wöchtenlich ob man nicht doch einfach beginnen sollte. Ich schiebe hier mal einen Brief ein, den Deeb als Grußwort geschrieben hat für die Schaubude, und als Dankeschön, dass wir proben durften auf der Bühne. er ist im Rahmen des Blogs der Schaubude “erschienen”, den ich hiermit auch gleich mal verlinke.

Hallo, 
ich bin Deeb Abu El-Qumsan. Ich arbeite seit einiger Zeit in der Kunst, seit drei Jahren schon zusammen mit Miriam Sachs und dem Ensemble FILM RISS THEATER. Ursprünglich war ich der „Technik-Typ“ - eher ein Wissenschaftler, der gerne recherchiert und Daten sammelt und plötzlioch befand ich mich selbst in diesem für uns in Gaza völlig neuen Theaterexperiment....
2018 kam Miriam nach Gaza und brachte einen Beamer mit. Mit der Insight-Kamera eines Notebooks und einem Projektor projizierten wir die Ereignisse vor der Kamera auf einen transparenten Vorhang. Es sah gut aus. Sie stellte die Alltagsgegenstände vor die Linse der Kamera: Einen Aschenbecher, wie ich mich erinnere, und was wir auf dem Vorhang sahen, sah ganz anders aus. Wie ein Eispalast oder ein Raumschiff Ich war der erste, der hinter den Vorhang sprang, um zu sehen, wie die Situation auf der anderen Seite des Vorhangs aussehen würde, der mich wiederum in eine verborgene Welt führte, von der ich nichts wusste. Etwas, das ich zu erforschen begann. Ich machte irrsinnige Dinge; manchmal kam ich mir wie ein Idiot vor, aber meine Fantasie erfüllte die DInge, von denen ich ehrlich gesagt erst keine Ahnugn hatte. Es beeindruckt mich immer wieder, was hinter diesem magischen Vorhang möglich ist. Ich glaube sonst nur, was ich mit eigenen Augen sehe. Aber jetzt fühle ich mich wie ein Zauberer: Ich bin hier an immer diesem einen Ort: in Gaza und hier gibt es viele Probleme, aber ich kann mit Dingen spielen und Spaß haben, die sich in etwas Größeres verwandeln . ICH kann sie verwandeln, entdecke sie, verliere sie. Ich kann tatsächlich in Berlin auf der Bühne stehen. Die Leute sehen mich. Und sagen Sie: "Jetzt kennen wir Leute in Gaza" [das sagten die Leute nach unserer letzten Show in der Schaubude!]

Seit 2018 sind wir mit drei Projekten aufgetreten – obwohl wir Gaza nicht verlassen können, „beamten“ wir uns auf die Bühne der Schaubude und spielten zusammen mit den deutschen Schauspielern und mit einem Haufen von Objekten, Sachen, die das Publikum mit hat und das vor der kleinen Bühne auf einmal etwas ganz anderes wird.In der Projektion zu spielen ist für uns neu. Dabei ist es auch etwas ganz altes:  so wie man als Kind spielt. Kannst Du auf einem Teppich fliegen? In einem Ventilator herumrennen wie ein Hamster im Rad? Können wir uns berühren, obwohl wir so weit von einander entfernt sind und andere Sprachen sprechen? Oder wenigstens so tun als ob?

Die ganze Welt kämpft mit der Corona-Pandemie, von der ich denke, dass sie nicht zu kurz sein wird. Wir müssen uns unter solchen Umständen an neue Arten des Zusammenlebens gewöhnen. Und des ErLebens: Deshalb gehörte ich gerne zu dem Team; Vielleicht ist es für Euch in Deutschland sogar schlimmer als für uns; ich weiß es nicht.Im Gazastreifen ist das Gefühl des Lock-Downs nichts neues, aber wir hatten am Anfang auch Angst. Wenn 2 Millionen Menschen auf engstem Raum zusammen leben, könnte sich ein Virus schlimmer verbreiten als irgendwo sonst. Bisher geht es. Erst ein Todesfall! Worunter ich persönlich leide: dass unsere geplante Arbeit mit Miriam vor Ort in Gaza, erstmal nicht stattfinden kann. Ich fürchte, dass die Corona-Pandemie, von der ich denke, dass sie nicht zu kurz sein wird. Wir müssen uns unter solchen Umständen an das Zusammenleben gewöhnen. Deshalb gehöre ich gerne zu dem Team, Vielleicht ist es aber auch die Chance das Experiment umzudrehen: bisher haben wir von einem Wohnzimmer in Gaza aus Theater gespielt und sind vor einem Publikum in Berlin gelandet in einer Theaterwelt aus Gegenständen, einem Meer aus Plastiktüten und einem Flipp-Flopp-Boot, im Kampf gegen Haarklammer-Haifische und Schraubenzieher-Fische. Inzwischen seid ihr ohne Theater – und das tut mir wahnsinnig leid. Vielleicht können jetzt die Berliner Schauspieler in ihrem Wohnzimmer spielen und wir zeigen das Theaterstück in Gaza. Haha! Das wäre toll. 
Ich wünsche Euch alles Gute in dieser Zeit und hoffe wir machen noch viele tolle Projekte, egal wie!
Deeb Elqumssan, Gaza
30. Juli

Nun hat sich die Firma hinter der Impfstudie endlich doch geäußert. die ersten Ergebnisse sind veröffentlicht, von “guter Immunantwort” und “Immunaktivität” ist die Rede. es ist seltsam wenn man plötzlich aus der Zeitung, bzw. dem Internet erfährt, dass man möglicherweise nun doch mit Superkräften ausgestattet ist. Tat ich der Sache doch unrecht mit meinem Geunke und meinem Hadern? – So oder so. ich bleibe dabei: man sollte nicht aus der Not heraus zu schnell zu hyperaktiv Dinge tun. selbst die Aussicht auf “Immunaktivität”, oder gar Immun-Hyperakitivität ist es nicht wert. finde ich. dennoch… heimliche Freude. Werde ich nie gefähreden, darf ich unbesorgt Care taken bei meinen Eltern? – wieder einmal bin ich egoistisch und denke zuerst an mich und meine Familie und an das Labor in mir. Eine “Ego-Shooter” Mission war und ist es dennoch nicht. ich hab nur das Gefühl, es ist da einzig Effektive, das ich momentan zu bieten hab und eine Verbindung zur Welt darstellt.

1. Juli

… Und natürlich das probeweise Weiter-Probieren auf dem Theater oder Ersatz-Theater. – aber wenn schon wieder TROTZ KSB-FÖRDERUNG! dieses Schlagtot-Argument “man weiß ja nicht wie es wird” kommt. GRRRRRRRRRRRRRRR. ich habs satt. Vielleicht kommt Corona. vielleicht nicht. auf der wievielten Welle. JETZT zeigt sich, ob man Nägel mit Köpfen macht. (andererseits – was will ich mit Nägeln mit Köpfen?). Der umständliche Beruf Theater ist nochmals umständlicher geworden in dieser Zeit. ja, weil die Bühnen gesperrt sind, schon klar. weil die Umstände Abstand und Lockdown verlangen. So ist es jetzt halt. Aber das daraus resultierende Herumgeeier, das sollte man vielleicht überwinden und jede Möglichkeit ergreifen sie sich bietet. Überraschenderweise habe ich eine solche zu bieten. Und wenn das wieder nicht genug ist… – Gestern lange am Senatsantrag gesessen und heute Augstein. Ich weigere mich nicht zu funktionieren.

2. Juli abends

Über den Anträgen den termin bei der Impfstudie völlig vergessen! Mist. es sei okay, sagt man, das könne passieren. NUn bin ich heute hin statt gestern. noch okay. Man ist nett. ich bin allerings doch wohl eine schlechte Probandin. schreibe darüber in der TAZ, rede Mist auf Pro7 (da können sie sich aber freuen, dass die Redaktion so harmloses Blabla rausgesucht hat) und: ich find mein Tagebuch nicht mehr! das hochoffizielle Tabellen-Ding, das nicht mal Platz bietet für eine halbe Zeile, ein “Event” zu erklären (falls was ist). habe auch nicht zu schreiben gehabt. aber abgeben muss man doch. der Computer denkt sonst ich habe nicht zu sagen. habe ich auch nicht. aber er will auch das schwarz auf weiß – oder 1 auf Null sehen. Und als ob das alles noch nicht genug ist, regt sich Frau Sach dann wieder auf weil sie nirgends in Ruhe ihre Salami-Semmel schmieren kann. Wie kann ich das nur vermitteln? anstatt mich zu freuen dass ich eventuell immun gegen Husten bin, und erleichtert zu sein, dass heute das Blut sofort floß ohne Probleme und zu viel Gepiekse und gestochere. regt sie sich immer wieder auf, dass ihr nur ein unverzehrbarer Brotbeutel in die Hand gedrückt wird. ich bleibe aber dabei: das Kaninchen will gefüttert werden, wenn es durch den richtigen Gang gekrochen ist, damit es sich wieder wie ein Mensch fühlt.