STADTSCHREIBERin-BLOG

Dieser Blog begann in der Stadt Windsbach, wo ich einen Monat im Frühsommer 2017 als Stadtschreiberin verbrachte. Es wurde ein bißchen mehr draus. Paradoxerweise ist es beinahe leichter über eine Stadt zu schreiben, die man noch nicht kennt. die Eindrücke treffen einen unvorhergesehen und man ist frei für die neuen Eindrücke. Zuweilen – denn meine Zeiten in WIndsbach sind wohl gezählt – schreibe ich aber auch über vertrautere Städte, über Berlin, der Stadt, in der ich wohne. oder über wirklich fremdes Terrain. Demnächst werde ich mich eine Weile im Gazastreifen aufhalten.
[von unten nach oben zu lesen – kann Spuren von Rechtschreibfehlern enthalten]

21.2.

Manche Dinge sind unaussprechbar. vielleicht sollte man eh weniger Worte verlieren und sich an die Kleinigkeiten halten. Herz neben Gulli, Spalter Straße. die kleinen Knabenknöpfe mit ihren Wangenrot-Rostflecken unter den Fensterläden des Hauses vor dem Pistazienfarbenen Haus. kleinen Weg hinter der alten Brücke entdeckt, Abkürzung. Holzdatsche, hinter dem Fenster locken Federbettberge. Hubschrauberfamilie am Abendhimmel in der Nähe von Kattelbach. Es ist kalt. aber der Himmel ist lichtdurchflutet. Inflationäre Ausmaße beim Kauf von Helmreich-Pralinen, vielleicht zu viel. sicher zu wenig. Zahnarztbesuch kurz und schmerzlos. Stadtcafe. Gesprächsthema am Nebentisch. wieviel Fleisch isst ein Duchschnittsmensch an Fleisch. 5 kg. 100 g am Tag – mal sieben?  1,1kg.  – “des frißt’ ja scho allein mit dem Sonntagsbrootn weg.”

Mittlerweile reden sie über einen freundlichen klugen Menschen, der möglicherweise abgeschoben werden soll. (“moanst Du den, der immer so schee grüßt?”) Frage mich, ob vom Äthiopier T. die Rede ist. Man ist sich einig: nicht alle von dene daugen, “aber der scho.” Später selbst im Tischgespräch hängengeblieben. “Waggerla…!” Schön. Und wiedermal ging es um den Duft, als der Dauscher noch die Waffeln gemacht hat, da wo jetzt Helukabel ist.  […]

 

20.2.

Na tolle Wurst, ich habe die Welt aboniert. – und so schön das als Satz für den Tagesbeginn klingt, es ist wirklich saublöd. Nur weil ich zu recherchezwecken einen einzelnen ARtikel erworben hab, schon bucht der Springer-Verlag ab jetzt monatlich 9 € ab.

19.2. Neuendettelsau

Der Fundgruben-Koffer rollt wieder gen Windsbach. so müde…!

seit zwei Tagen schlecht geschlafen, der MOnd schien so hell ins Fenster. Ankuft in Dettelsau, viel zu früh für die Sitzung des Dekanates. HAmmons. könnte sofort pennen. Zog  Power-Nap auf der Toilette in Erwägung. stattdessen Espresso und Tee. Nachts spät die Felder im MOndlicht… der weiße Nebel wunderbar

 

18. 2.

ZUr BSR gefahren. Sachen entsorgt. WOhnung leert sich langsam, aber wirklich sehr langsam. WOllten Feuer machen, aber I. vergass die Dinge, die er verbrennen wollte. stattdessen SOnne untergehen gesehen an der Bucht und im JAS auf dem rotsamtenen Sofa gesessen und Rippchen gegessen. Über Gott udn die Welt geredet und vor allem die islamische Vorstellung der Hölle. sehr konkret. die alte Mutter des Besitzers – erstmals erfahren, dass sie Eva heißt – kennengelernt. Es ist schön mit I. er verknüpft mich wieder mit meinem Viertel. Neuer Blick auf die alten vertrauten Dinge, weil sie ihm neu sind stippst er sie an und es tun sich kleine bunte Blumen auf. ich bleibe dennoch dabei: Noli me tangere!

 

17. Februar.

immer zu spät! Jetzt kommt dieser I. wieder daher, JETZT! ist jetzt single und möchte reisen. Afrika, Cuba. wohin immer ich mag. Ich kann aber nur entweder Windsbach oder Gazastreifen. Beides für ihn nicht sooo toll. Seltsam. als ob das Universum sich plötzlich dazu entschlossen hat, einem alle WÜnsche zu erfüllen. leider aber mit ganz schlechtem Timing. Wie glücklich wäre ich gewesen vor 8 Jahren! die Lektion heißt wahrscheinlich: WAS WILLST DU WIRKLICH? SO WIRKLICH, dass du es auch noch nach 8 Jahren magst. Ach Mist. geschenkter Gaul.

16. Februar

war eine schöne Premiere. volles Haus, Szenenapplaus und ein lachendes Kind… nun ist es wieder vorbei und die Anstrengung der letzten Wochen hat mich wieder mal völlig eingenommen. zum Weiterplanen kaum Zeit. Wie kommt man wieder zusammen…? Wenn man es doch immer vorher wüsste, dass es gut wird / ist / geworden ist…

Premierenfeier ging weiter bei Jean-Claude, der Bar mit den eingemauerten Fischen. Jean-Claude sagt, die Fische liebten die Mauer. es wäre ihnen lieber als wenn die Sonne ihnen ins Wasser scheint. Kann sein, kann auch nicht sein. wer weiß schon was Fische wollen.

Eigentlich nur schlafen gewollt, aber I. rief an…

15. Februar, Berlin

Vom Fenster des Theaters, dem Gaderobenfenster aus, sieht man schräg auf den Bahnsteig Greifswalder Straße, die Lautsprecheransagen und der singende Ton der heranglietenden bahnen haben etwas sehr beruhigendes. das Zurückbleiben-Signal der S-Bahn klingt wie roter Alarm bei Battlerstar Galactica. Schöner Himmel, Blau, gleißendes Licht, der Wohnblock zur linken ist jetzt. wo die Sonne untergeht in fast mediterranes Amber getaucht.
Selten war ich vor einen Premiere so ruhig. Habe im Magazin die Requisiten ausgemistet, dann meinen Rucksack entrümpelt. 64-GB-Mini-SD-Karte gefunden. einen noch aufbrühbaren Teebeutel Earl Grey, wieder diesen Fristo-Getränke-Bon… – in einer Stunde und einer dreiviertel STunde  beginnt die Vorstellung. eine kurze andere Geschichte…

14. Februar, Berlin

Viel S-Bahn gefahren in der letzten Zeit. gestern vor der probe: auf den ersten Blick jung und herb-Hippe Frau, die aber doch älter war und Babysitterin eines 9jährigen Kindes, und eben jenes Kind, ein Mädchen unterhielten sich von Früher.

Kind:
In der Zeit in der du gelebt hast, hätte ich nicht gerne gelebt.

Frau:
war nicht alles schlecht.
wir hatten keine Telefone, aber jeder konnte jeden einfach so besuchen, vorbeischauen, einen Zettel an die Tür hängen, wenn niemand zuhause war.

Kind:
Waaas?

Frau:
Und man konnte auch als Kind einfach auf die Straße und musste keine Angst haben ,dass was passiert.

Stille

Kind:
ich wünschte ich hätte in deiner Zeit gelebt.

in anderem Gespräch NACH der Probe, gegen 22 Uhr Sympathie für Obdachlosen der Taschentuch-Packungen zum Verkauf anzubieten hatte; solariumsgebräute junge Frau mit zu schwarz gefärbtem Haar sagte zu ihrer Freundin, „von dem tät ich nicht mal eins nehmen, wenn mir der Rotz über die Schnauze läuft.“

11. Februar, Berlin

Warum ist der Künstler Blalla nach Windsbach gezogen?

Ortswechsel in Umbruchzeiten, tun sie gut? war die Stadt ihm gewogen? Und was ist gewogen? Wogen Wellen Stürme. Wiegt man ab? Wägt man? Wagt man? Darfs ein bißchen mehr sein? Weniger? Blitzschlag aus (zwar nicht) heiterstem Himmel heute morgen. AUS.

Nicht aus, aber dieses Jahr wird hart.

Kleinstädte sind nicht weniger Minenfelder als Krisengebiete, aber in letzteren ahnt man die Gefahren, beäugt die Freunde und Feinde. fragt sich freilich behutsamer wer ist wer, rechnet mit Auseinandersetzung, sieht sich in die Augen, trägt das Risiko. Erklärte Feinde sind mir lieber als Hobby-Gutmenschen. mit Feinden kann man sich auseinandersetzen, die anderen brechen dir das Genick.

mein eigenes Genick ist mir im übrigen ziemlich wurscht, an irgendwelchen Determinismus-Fäden hängt man eh. immer, glaube ich inzwischen – oder glaube, dass ich das glaube. Aber bei dem Genick meiner Arbeit hört der Spaß auf.  da verläuft die Linie. No-Go. Ich habe mich in der letzten Zeit viel mit Deadlines Herumgeschlagen, es wird Zeit das ich die Silberlinie in all dem finde. irgendwo muss sie sein.

***

Micha vom Cafe “Madeleine und der Seemann”  bei dem ich heute länger war, weil ich meinen Schlüssel in der Wohnung liegen hatte und nicht reinkam, lachte. je sachlicher und trockener ich die Sache erzählte, desto mehr lachte er. Er versuchte zwischen durch ein ernstes Gesicht zu machen, das wiederum brachte mich zum Lachen. Vieleicht ist das das Silver-Lining: Irgendwann wird alles eine super Geschichte gewesen sein.  De Fakto bin ich nachwievor für den Rest des Jahres ruiniert. Aber was zum Henker solls?! Er bedankte sich am Ende für die Geschichte und ich war verblüfft, weil es mir besser ging. Nicht weil ich diesen ganzen Bullshit losgeworden bin, sondern weil ich noch nie jemanden so wunderschön zum Lachen gebracht habe. Andere Art der Katharsis. Ohne rumheulen, nur so.

Bliebt die Sache mit dem Schlüssel. Keiner da in der eigenen WOhnung, aber die Nachbarin. Es funktionierte der alte Trick: durch deren Wohnzimmerfenster steigen und am SIms entlang balancieren bis zum Fenster der eigenen WOhnung, in dem zwar leider nur das obere Fensterquadrat offen steht, was einen halben Zeitlupen-Kopf-Über-Schlag (aber mit den Füßen im Backstein-Rahmen des Fensters) abverlangt. Im Sommer geht das besser, da stehen die unteren großen Fenster meistens ganz auf. Im Winter kann man stolz sein, es ist in jeder Hinsicht  cooler. Habe gemerkt dass ich: Erstens lange nicht mehr den Schlüssel vergessen hatte und in der Zwischenzeit offensichtlich zugenommen habe. Zweitens, dass ich inzwischen Nylons von besserer Qualität trage, denn die Turnerei absolvierte ich ohne Laufmasche. Und drittens: .ich hab’s noch drauf, aber meine Mitbewohner, haben was auf den Ohren, saßen währenddessen  gemütlich in der Küche und wunderten sich, dass keine Tür gegangen war. Der Held ist der, der es durch alle Räume schafft. 

Alles andere: Komödie ist Tragödie plus Zeit. irgendwann werde ich drüber lachen.

8. Februar, Berlin

Ein großes Paket, lang und flach, aber groß kam an; hatte es vergessen gehabt: dass ich ein Bild des in Windsbach verstorbenen Künstlers Blala erworben hatte. nun ist es da und größer als erwartet. wimmelnde Gestalten, die sich hauen, Bilderstürmer, die die Bilder längst hinter sich haben und nun selbst aufeinander einschlagen. es ist ein lustiges Bild, nicht schön. nicht nicht schön, die behende Komik der umständlichen Wirklichkeit. – Wo soll es hängen?was war sonst noch? Unterteil meines Bettes fiel mir auf den Kopf. Lange im Je-Länger-Je-Lieber, womöglich zu lange. Proben für den Phaeton mal gigantisch gut, mal anstrengend. Ein Windsbacher Psalm kommt vor, kurz und vielleicht. Ich lebe hier wieder ungesund. Das ewige Licht  – des Verstärkers auf dem Schrank gegenüber meines Bettes. wieviel Strom kostet der rote kleine Punkt?

3. Februar.

Es soll eine Sauna geben in Gunzenhausen mit integriertem Brezel-Backofen. Es gibt keine Aufgüsse, sondern ab und zu kommt eine, die Brezelteig in den Ofen legt. Es duftet nach Brezeln statt nach Eukalyptus-Aufguss und nach 1o-15 Minuten, also einer Zeit die auch ein gutes Zeitmaß ist für einen Saunagang, ist die Brezel fertig und man darf sie essen. Es klingt als wärs das Paradies. Nackt an einem Ort an dem man nicht friert und der Duft von Gratis(?)Brezeln. Freilich will man auch Butter drauf und Käse dazu…  und ob die Salzkörner stören? Man zu durstig wird? oder das Korn irgendwo kleben bleibt wo es nicht soll?

Bei meinem letzten Berliner Saunabesuch knippste sich jemand die Fußnägel ab. sie flogen in alle Richtungen. also wollen wir uns nicht beklagen wegen Kleinigkeiten.

1. Februar

Neues Wort gelernt, dessen Bedeutung ich noch nicht kenne, aber ich werde mich hüten es zu googeln, da die reale Bedeutung hinter dem Klang nur zurückfallen kann.

Versucht die Stadt anzurufen, wegen des Bewilligungsbescheids, war aber immer nur ein sehr lautes automatisches Band dran, möglicherweise hat es was mit dem Bienenvolksbegehren zusammenhängen mag, weil da sicher viel zu tun ist. (Assoziation: Bienen fliegen durchs Rathaus und sammeln Unterschriften, es summt und brummt, versehentlich wird jemand gestochen, möglicherweise mit allergischer Reaktion. Honig tropft auf Papier… – aber schon wieder vermenge ich Tier-Angelegenheiten mit Beruflichem!). Weil niemand erreicht, auf der Seite rumgeklickt. Programm der vorgestrigen Stadtratssitzung gelesen. Es waren außer unserem Antrag sehr viele Tagesordnungspunkte, hängen blieben mir:

Neue Grüne stellen sich vor. –  Waldstrandbad: man bereitet sich auf die Badesaison 2019 vor [wie?]. – Der Männergesangsverein braucht neue Buden fürs Kellerfest und in Wernsbach will wer eine Hackschnitzelheizung mit Lagerfläche bauen. – Da ist es, das neue Wort.

31. Januar

Die gute Nachricht kam vom Tierarzt!

Hätte ich das vor zehn Jahren ahnen können? Hätte ich vor zehn oder dreißig Jahren eine Fünf-Sekunden-Vorschau erhalten auf mein Leben heute  und ich hätte mich am Fenster sitzen  und eine Email vom Tierarzt G. aus der Stadt W. mit solcher Erleichterung lesen sehen, ich hätte wahrscheinlich vermuten müssen, dass ich mir in der Zwischenzeit einen neuen Wellensittich zugelegt haben musste, der aus welchen Gründen auch immer in der STadt WIndsbach in Behandlung ist. (obwohl ich mir nach dem Tode des ersten vor dreißig Jahren geschworen hatte, dass es nie wieder einen geben könne). Aber Tierärzte bringen manchmal eben nicht nur Nachrichten wie “Es ist wie ein Wunder, daß der Vogel die Höhensonne, die DU vergessen hattest auszuschalten vor dem Vogelkäfig, überlebt hat” oder “Fliegen wird er nicht mehr können, aber auch mit gebrochnem Flügel kann man alt werden” oder “Da kann man nix mehr machen, aber zehn Jahre, das ist wirklich ein langes Leben gewesen!”

Diesmal war die Nachricht nicht Tier-relatet, sondern ganz einfach schlicht und ergreifend: der Stadtrat Windsbach hat die Gelder für die neuen “BILDERSTÜRME” bewillgt, bzw. der Umwidmung zugestimmt, es kam so haarscharf und knapp vor dem Aus, die Steine vom Herzen fielen poltertend herab, hätte heulen können, aber aus respekt vor meinem verstorbenen Vogel flossen keine Tränen.  habe eh beschlossen mein nahe am Wasser gebautes Haus etwas weiterab neu zuerrichten.

28.-29- 1. Meran – München- Abensberg

Meran. Ich vermisse Erica. Ich habe verhandelt mit der Wohunungsbeauftragten wegen eienr Lampe, die ich nicht kaputt gemacht habe, auf deren Zustand („Kaputt“) ich aber hinwies. Wann kommt der Bus? Schaff ich den Zug? Apricosen-Dolci in Bozen. Weinberge mit Schneedecke. Innsbruck.

Erhielt vorgestern Einladung zum Geburtstag aber erst im Juni. Partybus! Meine erste Anwesenheit in einem Partybus mit Gesang von Dettelsau nach München. Werde die Tage zählen! Ein Bus. Könnte dann in München bleiben bei den Eltern, ABER: Partybus zurück NACH Dettelsau scheint der eigentliche Deal zu sein.

Vaterstetten. München Hauptbahnhof. Tabakladen gibt es nicht mehr. Ein anderer Laden nahe am Gleis 22 nach Roth hat keinen Avalon.

Adelsschlag. Was ist das für ein Name für eine Bahnstation?

Roth. Warten, Unsicherheit, Bus. Wattebauschwolken.

KleinAbensberg hat eine Staatsstraße?

Augenblicke der Häuser mit Holzfensterläden wie Lidschläge,

Warum schlägt mein Herz so wild? Neuland in einer Gegend, die mir aber ein kleines bißchen verraut ist. Mal mit dem Motorrad durchgefahren, aber, mit dem Bus wirkt es anders. Oder mit Rollkoffer erstrecht. Anderswo. Bei-nahe. Immer ist alles nur beinahe, Und der Bus, fährt hinreißende Umwege. Noch mehr Wolken-Bausch-Formationen.

Bitte VORNE AUSSTEIGEN, sagt der Fahrer. Warum? Keine Ahnung!

Hier gibt es auch einen BAUMEISTER!!! hat ein Auto als Bild. Gibt es da einen Zusammenhang? Ein Zusammenhang täte mir gut. Aber Baumeister kann niemals Baumeister sein.

Die Stimme der automatischen Ansage der Stationen sagt „AbenBERG mit seltsamer Silbenbetonung. Als wäre die Frau selbst verwundert über den Ausgang der Ansage: AbenBERG??? Echt? Ist da en Berg?

Neuland. Hier war ich nie. In de, altbekannten Orten in der Nähe habe ich momentan nix mehr verloren – was nicht stimmt. Mehr oder weniger ALLES. Das „Kling“ der Bushaltestelle, wenn einer aussteigen will. Will aber nur einmal einer, daher nur einmal das KLING, ich verlasse den Bus erst an der Endstation Milchhaus. Vorher fragt mich der Fahrer, oh ich mich auskenn, obwohl es nicht stimmt, sage ich JA. Er sagt, ob ich Feuer mag? Ja, sag ich. Denke an andere Feuer. Hier sagt er, wär eins GEWESEN: ein ausgebranntes Haus in Dürrenmungenau. Ja, so ein Feuer das tät ich natürlich nicht mögen. Was denn hier gebrannt habe? – Ein Hof, eine Garage! Sagt der Fahrer. – Was denn die Ursache gewesen sei, frag ich. Er zuck die Schultern und macht eine Geste, Money Money. Ausgebrannt sein bringt mehr als bei der Stange bleiben. Ich komme an in einer fremd-vertrauten Gegend. Schloßstraße hatte er gesagt. Wie bei Monopoli. Ich bin zu früh. Ich laufe um die Mauern des Schloßes. Der Rollkoffer – vier Rollen! – aus der Windsbacher Fundgrube, ich kann ihn nur empfehlen! Rollt geschmeidig durch den Sonnenuntergang. Immernoch zu früh, geh ich halt Friedhof. Ein frierender sehr sehr weißer Jesus am Kreuz, ein anderer an einem Grab, der sehr symetrisch wirkt und stark und rosafarben und: ein Kreuz, das aus einem Grab heruaus kriecht aus Efeuranken. Nicht absichtlich, einfach so. Ankommen. Guter Kaffee. Bücher. Erstmals seit langem angenehm ruhig.

26.1. Meran

Die Berge heute nicht in einem Rot-Orange-Ton, kein Alpenglühen, nur ein fast unmerklicher Schleier. Nicht das 50erJahre-Agfa-Color , diesmal eher 70er, 80er. Die Dekoltee -Hügel, fast eisfrei. Geträumt von Zugfahrt die auf 35-mm-Film gedreht wurde, aber auch live in einem Kino vorgeführt wurde. Der Zug war beim ein historischer Zug gewesen, sah dann aber aus wie die Berliner S-Bahn. Die Tochter im Alter von vier Jahren, in blaues Tüll-Kleid gekleidet von der Ausstattung unterhielt sich spontan mit den Shirley Temple. Dauernd saß jemand auf meinem Kleid oder ich verwickelte mich in den Schal eines Herren. Amüsiertes wohlwollenen Lachen, auch meinerseits. Wir endeten an einer Tafel sitzed, Weihnachts-Geschenke auspackend nah war ein Fluß oder See (vielleicht auch das Meer? Aber ein ruihiges, glattes). Weil Winter, war das Wasser still, klar aber so finster das man hinunter tauchen musste, um zu sehen, dass es klar war. Sah die ungewöhnlichsten Fische – war nach einem Karpfen für die Tafel getaucht, aber es waren viel größere dort. Sie schwebten winterstarr und reglos, man hätte sie leicht fangen können, aber sie waren zu groß. Ich markierte sie an ihren Ohren (?) für ein andermal. Das Wasser war eiskalt.

Der Wassertraum muss mit der Therme zu tun haben in der ich gestern nun doch endlich war, weil das Bohren im Apartment in der Früh einfach zu laut war. Eine wunderschöne Wasserwelt. Becken in allen Temperaturen. Zwei davon Radon-haltig – hatte es immer für ein radioaktives Element gehalten. Eine junge Frau mit langem roten Haar hockte allein im Eisbecken, die Arme leich von sich gesteckt, angewinkelt, als direigiere sie im Hocken. Ich glaube dieses Bild nährte die Fische im Traum.

Erica wird mir fehlen. Die letzten Tage fast nur im Inneren des Imbiss zum Essen; fragte mich, ob ich eine Freund hätte. „Ho perduto il mio ragazzo“ – schon beim antworten geahnt, dass es nicht ganz korrekt gesagt war, aber auf anderer Ebene auch Wahrheit. Sie lachte; es klämge, als hätte ich ihn beim Spazieren gehen verloren, als sei er mir aus der Tasche gefallen und läge jetzt irgendwo rum. Letzteres wage ich zu bezweifeln, wird ihn schon jemand eingesteckt haben. Aber der erste Teil, glaube ich stimmt.

***

Italienischer Earl Grey schmeckt überhaupt nicht nach Earl Grey. zwei verschiedene Sorten, weit gegangen dafür! nichts. Und die Aprikosen-Croissants waren vergriffen.

24. 1. Meran

Hatte überlegt, heute ins Theater zu gehen. Der Prozess. Kafka schrieb ihn  teilweise hier in Meran. Aber Bauarbeiten im Haus, das grausame Bohren hat mich nisher nicht viel schreiben lassen.  Abends schreiben und Wein trinken bei E.

sdr

 

Ich scheine oft in Städten zu landen, in denen es keine Kinos gibt (aber einst gab). Gaza, Windsbach, Meran – Meran allerdings hat, wie ich gestern im Einkaufszentrum dann doch feststellte, inzwischen durchaus wieder ein Kino, den Film-Club. das verlassene Apollo allerdings scheint mir dennoch erwähnenswerter. Ob Kafka es aufsuchte… wahrscheinlich schon, denn das BIld beweist es schließlich: 

23. 1. Meran

Suche nach Earl Grey Tee. und Apricosencroissants. Gelandet aber im Frauenmuseum. schöne Ansichten, Krimskrams, Skurriles. Kluges… Hängengeblieben an einer Strafanzeige: Anna L. wird angezeigt, weil sie mit hervorstehender Hutnadel beim Spaziergang am 25 .Oktober 1903 (hier mag ich irren, denn leider notierte ich es nicht, sondern machte nur eine unscharfe Aufnahme des Polizeiberichtes) durch die Stadt Meran Passanten gefährdete. Schönes Gespräch mit der Museumsfrau, fragte sie auch nach der Tischlerin, deren Grab ich an der Kirchhofmauer sah, der 1789 geborenen Gertraud Gamper, Tischlermeisterin. die Museumsfrau erzählte, dass Frauen damals durchaus den Betrieb des MAnnes nach dessen Tod für zwei Jahre weiterführen durften, sozusagen zur Not. Aber Gertraud starb ja lange vor ihrem Ehemann, dessen Name später noch hinzugefügt wurde. es wirkt wie ein Post Scriptum, nur erwähnt als Ehemann, nichts weiter. Das aber ist viel. er hätte es sich ja auch anders in den Stein meißeln lassen können.

Das Frauenmuseum ist im ehemaligen Klarsissenstift im Treppenahaus und Erdgeschoß schaurigschöne Fresken, gleicher Maler wie in Maria Trost, aber hier nicht so unheimlich. Wütend-ratlose Maria unter dem Kreuz, fiese zu kleine SOldaten, die die NÄgel abzwicken, um den Jesus abzunehmen. nicht klar, welche zu erst herausgezogen werden. wenn es die im Querbalken sind, die unteren an den Füßen aber noch drinn bleiben, wie fällt der Heiland dann herunter? – heilige Katharina mit Filmrolle in der Hand.

dav

23. 1. Meran 

Gestern Nacht von sehr hellem und riesigem Vollmond wach geworden, der die weißen Berge aufleuchten ließ. Auf dem Foto wurde er zu kleinen irritierendem Lichtpünktchen. Die Zeit verrinnt. Bin dummerweise auch noch im Begriff  drei mögliche Meran-Tage zu verschenken, da ich die Fahrkarte falsch gelöst habe. dachte ich spare geld wenn ich früh buche. leider auch den Abreisetag zu früh gebucht.  Ich bin nicht gut mit Zahlen. Hatte jetzt auch lange gedacht, die Sitzung des Windsbacher Stadtrates hätte schon getagt, um das Geld, das eigentlich schon bewilligt war, jetzt umzubewilligen, damit es das Dekanat nun für die Bilderstürme bekommt anstatt der Kulturverein. Dabei ist die Sitzung erst nächste Woche. noch ein Grund, um zu früh von hier wegzugehen? oder hierbleiben und der Welt gänzlich abhanden kommen. Umständlichkeiten . Abhängigkeiten. Abwägen. Prioritäten setzen. Entscheidungen… es kurz machen. Und von Meran habe ich noch kaum was gesehen. müsste ich nicht noch Berge erklimmen, oder das mit dem Sessellift machen. ins Kino wollte ich. aber bisher hat es mich immer nur zu dem leer stehenden Laden gezogen, der kein Kino mehr ist. Das erste Gebäude in Meran, an dem ich hängen blieb und durch die braun-rötlichen undurchsichtigen Fensterscheiben starrte. Und auf die abgestürzten Fotos im Schaukasten. Und da wußte ich noch nicht einmal, dass es ein Kino esr! Rätselhafte Botschaft klebte am Glas der Türe,

“Gegenüber ist der Brief angeschlagen”

DER Brief. welcher? ich fand keinen. in dem ehemaligen Kino, es hieß “Apollo”, soll eine alte schrullige Dame den Betrieb lange aufrecht erhalten. Bis 2009! Dann gar kein Kino mehr in Meran?

dav

dav

21. 1. Meran

Warum gibt es in Deutschland keine Croissants mit Aprikosenfüllung?

warum keine Imbissbuden jenseits der Zeit?  Heute dort spät gelandet. Mann mit Bart, dessen Bart nicht unähnlich den Hippsterbärten, aber hierzulande sind Bärte “echter”. der Sohn, der später dazukam hieß Loki (“ja, wie der nordische Gott und ja, die die Frau des Alt-Bundeskanzlers!” er wußte viel über seinen Namen und auch über den Zweitnamen, den sein vater im gegeben hatte um ein Gleichgewicht zu schaffen gegenüber den nordischen Göttern: Seraphino – wie die ENgel. Und der Sohn wusste sehr genau, wie es ist mit den Seraphim. Es sind “die Brennenden” , mit den sechs Flügeln, deren Spannbreite sieben Meter mißt.  Gott habe sie geschaffen, das sie den Menschen vor seinem (Gottes) Zorn schützen sollten. Offensicht  wußte, dass er um seinen (alttestamentarischen) Zorn und schuf sie zum Ausgleich.  Cool. Es gibt so viele Engel mit so unterschiedlichen Arbeitsfeldern und Stärken, die Kirche könnte Sammelkarten herausgeben mit denen man die jeweiligen Eigenschaften gegeneinander ausspielen kann. wie früher die Supertrumpfkarten mit Autos, Flugzeugen oder sonstigem,  heutzutage NInjago oder Yugioh. Cherubim stechen Seraphim in der Kathegorie “Rang”, unterliegen aber an Flügelspannbreite. und so weiter. Junge wirkte älter als er war, zu cool um nerdig zu sein, hatte was zu sagen, wartete dann aber doch lieber draußen mit Musik in den Ohren. Der Vater ging dann zu ihm, sie hatten noch was vor. Anmeldung zu Parcours-Workshop in Bolzano. Blieb zurück mit einem sehr braungebrannten Herrn Ende 50, von dem ale sagten er sei vor 30 Jahren der schönste Mann von meran gewesen. Bello Angelo. Schein aber nicht eitel. Gab zu, dass die Gesichtsfarbe aus dem Solaium stammte, ABER es sei ein Solarium gewesen auf einem sehr hohen Berg, auf dem er eigentlich war zum Skifahren. Wirkte nicht eitel. Schien immer noch zu hadern mit lange Zeit zurückliegende Geschichte eines Erstkontaktes in einer Kölner Schwulenbar, in die er unabsichtlich geraten war, fassungslos über die großen und stattlichen Frauen, die so schön gewesen seien wie Frauen selten seien, die aber keine Frauen gewesen waren. Und selbst habe er sie aufgefrldert sich auf sein Bein zu setzen. Er schien immer noch enttäuscht. Auch dass die Frau “Mitch” geheißen habe, VIelleicht hätte es ihm vorher auffallen müssen. Sprach das Wort “Kölsch” sehr authentisch aus. die dritte Geschichte lieferten von zwei sehr dünne, geradezu drahtige Italiener, die möglicherweise auf Speed oder Koks, auf alle Fälle aber unter Adrenalin waren und so in EIle, unter Druck, hungrig und mitteilungsbedürftig zugleich… –  WIrbelsturm aus Fleisch-und-Brot-Happen, Worten, Italienisch zu schnell für meine Kenntnisse, Schnappen nach Luft. Dio mio!. E. erzählte, als sie weg waren, dass der eine verheiratet sei UND eine Geliebte habe; er habe die Geliebte zu sich nach Hause eingeladen (oder ins HAus des anderen?), um mit ihr zu schlafen, sei jeodch dort  auf seine Ehefrau gestoßen, die sich ihrerseits zufällig und nichtsahnend mit ihrem eigenen Geliebten getroffen habe – Na ja, wenn man es aufschreibt, klingt es plötzlich banal. – Frage mich aber jetzt da ich das aufschreibe, ob der andere mann der Geliebte der Ehefrau gewesen ist. Und Wo ist jetzt die Frau?

20. 1. Meran

Die Spülmaschine des Apartements klingt wie das Meer. Sie spült lange. Klang nach sanftem Wellengang. In meinem nächsten Leben will ich die Besitzerin einer Einbauküche inclusive Induktonsherd sein. Warum sagt man „am Fuße der Berge“? Gehen die Berge? Ihre Füße sind so unnütz wie die Brüste der Meerjungfrauen, von denen ich annehme, dass sie Eier legen wie die Fische und keine Säuglinge gebären. Im Tal funkeln die Dörfer wie ausgeschüttete Schatztruhen. Ampeln wie Rubine. Ich erwähnte schon, dass das Rot und Grün hier leuchtender ist. Hatte mich lange auf die Kirche vor meiner Türe gefreit. Aber Maria Trost ist schrecklich. an den Wänden das pure Grauen. 14. Jahrhundert, Romanisch? Byzanthinisch? – Gottesunruhkapelle. Gesichter ohne Münder, abgetrennte Glieder. 200 Jahre vor Hieronymus Bosch, als dieser noch nichtmal im Kindergarten malte. 600 Jahre vor japanischen Trickfilmen, die allte toll finden, ich aber gruselig. Heute kein Trost, abgesehen von der Spülmaschine. Kalter Sonntag. Aber viel Licht.

20. 1. Meran

Hungertage enden heute! – Weil ich nicht immer in Restaurants essen gehen kann wo ich mit Karte und Unterschrift bezahle, ich aber die Pin zum Abhenen von Geld von der Kreditkarte vergessen habe (zahlen haften nicht in meinem Hirn und die Eselsbrücke, Zahlen in Ordnungszahlen – in chemische Elemente zu übersetzen, hatte auch zu viele Optionen offen gelassen. Kreditkartenbank wiederum braucht ewig, um mir mein vergessene Pin mitzteilen. Fälschlicherweis bereits den Sohn beschuldigt, er habe nicht richtig nachgesehen im Berliner Briefkasten. Heute endlich kam das geheime Schreiben. Steine fielen vom Herzen. Hm. Okay, Jetzt kennt der Sohn die PIN. Egal. Magen knurrt vorfreudig. Werde heute ausgiebig bei Schweine aber gut essen. – Denn Meran mit leerem Magen scheint nichts zu funktionieren. Wollte gestern der Stadt, dem Baulärm und den Kreditkartenrestaurants entfliehen im Sessellift hinauf zum Dorf Tirol. Schöne Vorstellung, hatte gehört, dort führen die alten Mütterchen, die nicht mehr gut zu Fuß sind ab und auf, um ihre Einkäufe (wahrschienlich ebenfall s in bar) zu machen. Der Sessellift liegt hinter der Burg, die wie meine alte Playmobilburg aussieht. Ein klarer grauer Block wie gerade mal so vom Himmel gefallen von oben herab wie ein Klotz aus einem Tetris-Spiel. Mann auf Fahrrad verlor seinen Tiroler Hut und musste mühsam absteigen, um ihn wieder aufzusetzen. Rechterhand das Sissi-Cafe (sieht aber ncht nach K & K aus, eher nach 60er Jahren), steil nach oben, der Berg, in den Felseingelassen der Eingang zum Lift, altes Spät-50er Jahre-Werbeschild zeigt Zeichnung einer Frau mit Sonnenbrille, die mit langen Beinen den eisernen Sessellift gut ausfüllt und die Aussicht genießt. Vielleicht ist die Frau heute eine der alten Mütterchen. Leider nicht in Betrieb gewesen. Hätte auch den Tappeinerweg hinaufgehen können, Palmen bepflanzt, steil und mediterran. Ein andermal!

Abends Filme geguckt. Freilich wieder reine Recherche!

Deutscher Heimtafilm der 50er Jahee Inbegriff von Weltflucht. Oder Flucht in ein Deterministisches Weltbild, in dem alles seinen Lauf nimmt. Wenn der Hergott net will nutzt des goa nix. Hans Moser sang es sehr schön auf Schallplatte, im Film besser Paul Hörbiger. Nur eine Vergangenheit gibt es in diesen Filmen nicht und schon gar keinen jüngst vergangenen Zweiten Weltkrieg.

Hungertage vorbei.

18.1. Meran

Glutenfreien Joghurt gekauft, versehentlich.

17.1. Meran

Gestern war ein Licht-durchfluteter Tag. Viel geschrieben am Buch, nur kleiner Spaziergang durch die Stadt, Suche nach einem Park und einer Bank, aber immer dem Licht nach führte dann doch zur Kaserne (Logistik-Regiment Julia). Gitter. Gelände. Flachbau mit Glastür, die eine weitere Glastür direkt zur anderen Seite haben muss, da die Tür dermßaen leuchtete, dass sie aussah, als könne man direkt durch sie hindurch in den Himmel gelangen. Naütrlich ging es nicht, weil ja das Gelände verboten ist zu betreten. Keinen Garten gefunden, keine Bank, langer Weg an der Rennbahn entlang und auf einem weiteren Bahnhof gelandet, noch kleiner und altertümlicher als der Hauptbahnhof, wunderschön, hier in der Sonne gesessen, war aber zu schön, da mit geschlossenen Augen zu sitzen, als dass ich hätte schreiben mögen. Wenn ein Zug kommt klingelt der gesamte Bahnhof graziös Sturm. Nicht endendes Läutwerk (gibt es das Wort?) , gab aber trotzdem Ruhe, das ausgesprochen schöner Ton. Auf dem Rückweg letztes Bargeld bei Porcohi ma Buono ausgegeben; habe die ganze Zeit über tatsächlich cash nur dort bezahlt und die 40 Cent im Eisenwarenladen, alles andere mit Kreditkarte. Freundlicher Mann mit Ziegenbart lud mich aber auf Bier ein. Wenn man dort sitzt, befindet man sich außerhalb der Zeit. Alle Uhren im Inneren von Porchi ma Buoni gehen falsch, was wir gut fanden. Maßnahmen der Zeit führen immer mehr zu Unpünktlichkeit als gar keine Maßnahmen der Zeit.

***

Verhangener Morgen, aber in den Bergen hängengebliebene Wolken außergewöhnlich schön. Dennoch keine guter Beginn, geweckt von Reperaturarbeiten irgendwo im Haus. Palazzo Splendor erinnert jetzt an Zahnarzt-Termin in Windsbach im Februar. Das Bohren in Wand, Kopf und Innen- Ohr hört nicht auf. – und das Wort Läutwerk gibt es fast.  Oder meintest Du Läutewerk? es heißt Läutewerk, das Alarm und Informations-System der Eisenbahn. – Aber wann ging Google dazu über, mich zu duzen. hieß es früher nicht “meinten SIE…?  Per DU bin ich mit Ikea – und auch das finde ich nicht okay, seit ich weiß, dass die naturgeschützte Wälder roden.

dem Bohren hat sich jetzt ein Klopfen angeschlossen, das erst so klang, als würde jemand protestieren gegen den Zahnarzt-Ton, aber es ist wohl einfach eine weitere baustelle. Betäube mich heute mit deutschem Heimatfilm (aber nur zu Recherchezwecken).

14.1. Meran

Mail der Frauenbeauftragten in Berlin Lichtenberg. Aufruf Frauen vorzuschlagen für den Frauen- preis von Berlin Lichtenberg. Kann man auch posthum Leute vorschlagen? Dann wäre meine Wahl Margarethe, die auf der Durchreise ein Kind hatte retten wollen in der Rummelsburger Bucht. Aber nicht nur deshalb, auch wegen ihres wirklich fabelhaften Buches Jonas Briccius.

WindsART Abrechnung final (möglicherwise tatsächlich final?!) fertig. Halleluja. Als es endlich vollbracht war drauf angestoßen. J. am unteren Galgeberg ein Gundelbier (kenn ich nicht) – ich in der Bruscheteria, ein Forst-Spezialbier (kennt er nicht). Wollt hier schon in den letzten Tagen immer hin; am Sonntag schon schlich ich hier herum und schaute, ob noch ein Tisch an der Fensterfront, unter dem Anbau frei sei. Es sah so surreal aus, eine norditalienische variante eines Gemäldes von Hopper. Es schien Platz zu sein, half aber dem Mann, der auf Krücken lange an der Tür stand um umständlich diese aufzudrücken, half ihm durch Tür und Vorhang, in dem man verloren gehen kann, leider nahm er dann den letzten Platz. Warum will ich genau hierher? Es gäbe schönere Restaurants. es sieht beinahe schäbig aus aus, aber der Anbau zur Straße hin leuchtet hell und einladend, eher eine improvisierte Veranda oder ein Wintergarten. Kein Schnickschnack. Ein bißchen Knöterich oder wilder Wein hängt ins Fenster herab, ich sitze nicht an der Wand zur Straße hin, sondern an der Wand die zum eigentlichen Lokal hin, das ebenfalls ein Fenster hat, zur Stube, die ist anheimelnder, aber ich mag den Anbau trotzdem lieber. Braunes Packpapier mit Italien-Karte auf den Tischen, als Untersetzer.

Familie aus Treviso, sieben Tage hier im Urlaub, hinreißendes Kind mit langen Wimpern und Pipi-Langstrumpf-Lächeln , die Mutter wunderschön, der Vater nett und mit Englischkenntnissen, die Mutter in Erwartung eines weiteren Jungen, ein wneig geschaffft, die Gespräche mit Händen und Füßen, mein Italienisch wird langsam besser. Satz für Satz. Nette Menschen. Es macht Spaß schlechtes Italienisch zu sprechen. Man sollte überhaupt mehr fremde Spracehn sprechen, komme was wolle, mit Händen und Füßen. Ich mag Menschen, die ich nicht kenne.

Nach zwei Bier mag ich sie soweiso immer noch lieber, außer gestern, Absturz nach bereits einem.

Gang nach Hause über den Friedhof Maria Trost. Besser gesagt: entlang gegangen an den Grabplatten an der Mauer um die Kirche her. Waren die Gräber früher schöner als heute? Gestochen scharfes Schwarz auf Weiß, filigran in den hellen Stein gemeisselt.

Hier ruht Gertraud Gamper, Tischlermeisterin im Obermais…

am 15. März 1854 im 56. Jahre ihres Alters, selig im Herrn entschlafen. –

1854! Tischlermeisterin! 1798 geboren. Wann wurde sie Tischlermeisterin, wieviele Tischlermeisterinnnen gab es außer ihr in dieser Zeit? Was hat sie gebaut, geschnitzt, gehobelt?

Wenn wir in Berlin Lichtenberg eine 56jähige Tischlerin hätten (die freilich schon 1854 in Berlin Lichtenberg hätte tischlern müssen), hätte ich gewußt wen, ich vorgeschlagen tät.

Die Italienische Familie ist gegangen. Serena hieß die Frau. Morgen fahren ihr Mann und der Sohn Ski, sie aber nicht, weil sie im siebten Monat ist. – Unschöe Erinnerungen an meinen letzten Skiurlaub werden wach. Schade, dass die Italiner weg sind.

Wintergarten hat sich geleert.

Aufgeschnapptes vom Nebentisch, zwei Typen reden, in südtiroler Dialekt, ich versteh nur, dass sie gerade das Wort erwähnten, das mich auch gerade seit drei Tagen beschäftigt „Induktionherd“. Es folgen weitere. „Zähler“, „passt“, „gekillt“ – der andere sagt:

„Da fääängscht Du an mit Deiner Amateur-Logik…“

Hinter den Männern sitzt alleine eine simsende schöne Frau, hinter ihr lodert ein Feuer. Von außen wäre es ein perfektes Bild.

„Das Magnetle koschtet an Euro mehr…“

würde ohne Zögern meinletztes Geld in magnete und Klettbänder investieren.

Außerdem bin ich heute zum zweiten Mal in dem schönsten aller Eisenwarenläden [ausgenommen Eisenwaren Albrecht in der Geusenstraße] „frerromenta“ gewesen. Erst gedacht, o Weh, hier muss man am Verkaufstisch sagen, was man will, man kann nicht einfach schauen, ob man eine Schraube findet, die einem gefällt oder ein bißchen Draht. Aber dann lohnt sich das Fragen am Tresen, es tut sich auf eine Wunderwelt. Man sagt am Tresen, was man gerne erwerben möchte, dann aber wird man in den Keller geführt und es ist also ob sich unter der Litvas-Säule des Dritten Mannes ein unterirdisches Labyrinth auftut, und Sääle: da würde Obi-Buchbergerstraße locker reinpassen, unten in den Keller hinter der zweiten Eisentür bei Ferromenta Merano. Es gibt dort alles, aber in alt und das ist besser. Ich denke das eh, aber der Mann der dort arbeitet, verkündet es – und überzeugend ebenfalls. Ich sehe Turmhohe Reagle, eine Hilfskasse unter einem Regal, da fechnet der amnn was ich schuldig sein werde und schreibt es auf einen karierten Zettel, zahlen muss ich dann oben, ich sehe Schläuche auf Rollen, Schubladen mit… Allem! einen parkenden Pick up Truck . Ich kaufe. Hier ein Stückchen Eisendraht, hier Verzinktes, dieses, jenes. da noch die 2 cm Variante…

Gestern erwarb ich Material für einen Auftrag in spe beim Bezirksamt Lichtenberg für 30 cent, heute mehr davon für 10! man zahlt es an der Kasse, da sitzt eine blonde Frau, mit Falten um die Augen herum, die lächelt wissend..

jetzt aber sitze ich immer noch im Vorbau der Bruschetteria – aber eben doch Abstecher in den belebteren Raum, weil aufs Klo gemußt. Bereute nun doch die Platzwahl im Outerim, wo nur die beiden Männer über ihre Kücheneinrichtungen sprechen. Ansonsten defintiv, das großartiges Lokal, in dem ich je war. Hier würde ich gerne mit Frank und Bommel hin. Aber die wollen ja lieber nach Thailand, als nach Italien. Wahnsinn: Thailand hat alle Buchstaben, die man für Italien bräuchte. – Okay, man müsste das „i“ doppelt benutzen und das „a“ für ein „e“ nehmen. – ach egal. Die Männer reden inzsichen über: „da tut sich net viel im Haus! – tuts gleich verkaaaffa! Und Kaaftst halt den Montage-Servis a noch dazu.“. Ich höre „Bosch“, ich höre „Geschirrspülmaschiieen, metallic oder nicht metallic“, „Abzugshaube“ „Premiumlinie“ und schon wieder: „INDUKTIONSHERD… und zwar flächenbündig einbauen.“ ich habe dieses Wort noch nie in meinem Leben gehört, Induktionsherd, aber kaum hat man sich mit diesem Begriff auseinandergesetzt, hört man es an jeder Ecke. “In-Duk-Tions-Herd“ ist mir entgangen bisher. –

okay, ich gehe jetzt ins Bett. Ich habe es geschafft die WindsART-Rechnung endlich abzuschließen, wenn es mir noch gelingt einen Schlußstrich über all dies zu ziehen, mir einen Induktionsherd zuzulegen und… und… und.. den Kilimanjaro zu besteigen, dann… wird dieses Jahr ein gutes Jahr. Ich möchte all das und zwar flächenbündig, auch den Kilimanjaro. – Premiumküche. – is ja genial – ja eh… diese Männer machen mich fertig. Ich sollte umziehen in den brechendvollen Lokalraum. Der Outerim schafft mich. Die haben kein anderes Thema, Flächenbündig Sitzen sie in einer wirklich supertollen Pizzeria, und sind inzwischen beim Thema Steinöfen angelnag. „Nichhhz gäät überr a selbstgebackene Pizza.“ Kurze Stille. Dann sagen sie fast gleichzeitig: „wie die Zeit vergääht“, stehem auf, gehen in den anderen Raum, haben in windeseile gezahlt und sind nun auf und davon. CUT! In einem Zeichentrickfilm säßen sie in der nächsten Sekunde in ihrer Bosch-Küche und würden Pizzateigkneten. Ich glaube, ich geh jetzt auch.

15.1. Meran

Es heißt natürlich doch nicht „Inferno 33“, sondern „Interno 33“. Schade, es klang phantastisch. Hätte ein Filmtitel sein können. Vielleicht besser so. Gestern abend Diavortrag über Tansania, Volkshochschule Urania, Merano. eigentlich wars eher das Hintereinander von sehr vielen Fotos und Musik, nicht wirklich persönlich-persönlicher Fotos, immer kommt noch eins, und doch… drei blieben hängen in meinem Kopf: eine sehr schöne Massai-Frau in buntem Kleid, sah in die Kamera aber durch sie hindurch als wär sie egal; zwei Menschen die um die Wette aus dem Stand in die Höhe sprangen in Flipflops und sich stoisch dabei ansahen, die Köpfe einander zugedreht; zwei dreijährige Mädchen im Gespräch super busy und erwachsen mit Shopping bags-artigen Tüten über dern Schultern, das Kleid verrutsche; Und natürlich das schon auch: Blick hinab vom Berg. Ss sind also sogar vier. Heute aufgewacht mit Blick auf gestochen scharfe sehr weiße Berge und dahinter den Kilimanjaro gesehen. Die Wolke löste sich auf.

14. 1. Meran

Die Töne meiner Umgebung, an die ich mich gewöhne.

Es beginnt morgens mit dem Laut, dem Läuten der Glocken von Maria del Conforto, seltsamerweise schlagen die jedesmal anders. Maria Trost etwas verstimmt, tönenedes Erz, klingende Schelle, aber tief und bauchig, der Mißtonn hat Gewicht, ich mag ihn, wenn er sich vermischt mit den anderen Kirchtürmen, die – ferner ab – eher hell vor sich hin bimmeln, ist es wie eine Unterhaltung. Schmaler Grat zwischen Selbstgespräch und Dialog. Dachte an die Gebetsrufe in Gaza, fremder, rätselhafter, nicht minder ergreifend. Ob die Glocken hier für Gläubige von dort auch so stark wirken wie auf mich damals die eher nächtlichen Morgengebete in Gaza, der Gesang aus den Lautsprechern der Moschee, gemischt mit dem Krähen der Hähne, dem Knacken, dem mal blechenen Sound, mal schlicht und ergreifendem Ton, dem einsetzenden Stimmengewirr, jedes Beten für sich, inbrünstige Routine. Gestern, am Sonntag schien es mir, als spielte die Glocke der Kirche mit dem gehäkelten Dach eine Melodie, war wie eine Extraeinladung zur Messe, kein Tönen mehr, sondern Engelszungen im Glockenspielformat – oder irgendein anderes Spielzeug? So schön bin ich selten geweckt worden. Aber ich musste weiterschlafen, es war eher ein Klang, den man in den nächsten Traum mitnehmen will, er hätte gut zu einem vom kleinen Karussel gepasst, das vor der Therme steht, mit bunter Jahrmarktskrone, aberansonsten rundum verpackt in schlagsahnenfarbene Plastikplane, ausgesprochen schön und so dass man nicht aufhören kann darüber nachzudenken, was hinter der Verpackung ist, weiße Pferde? Feuerwehrwägen, Carabinierei-Motorräder im Miniaturformat, Elefanten? – ich musste weiterschlafen; da zu spät ins Bett, Nicht in den Gottesdienst gegangen, auch nicht zum Karussell, sondern stattdessen im Traum in ein verschneites Kloster und (jetzt wird es fast platt!) auch in dieses nicht, denn es fiel mir in letzter Minute ein, dass ich mein I-book (so eins besaß ich wirklich mal) im Schnee hatte liegen lassen. Es war schwer zu finden, weil es selbst so weiß war wie der Schnee. Aufgewacht von einer Detonation in meinem Ohr, aber auch diese war nicht echt, sondern nur in meinem Kopf.

In meinen Träumen läutet es Sturm…“

Wie klingt meine eigene Klingel? Nachher schickt die Agentur einen Techniker, der das Licht im Bad reparieren soll, das nicht ausgeht, weil die Fernbedienung nicht funktioniert. Oder die Lichtgeister ihren eigenen Willen haben. Dann werde ich es wissen. Freue mich nicht so auf den Handwerker, aber darauf, dass jemand klingelt und ich die Tür öffnen kann schon.

Weiß jetzt: Nicht so schön, meine Klingel. Agro-Brummen, läßt einen erschrecken, selbst wenn man mit der Klingel rechnet. Mann und Gehilfe gehen. Verhallende Stimmen, das zarte Aufseufzen der Fahrstuhltür, Aufzug rumpelt sich in Betrieb. Ich mag die Töne meiner Umgebung. Der Mann wird später nochmal kommen und einen anständigen Lichtschalter installieren. Versuchte mich zu überzeugen, dass diese automatischen Schaltereien unnötiger Schnickschnack sind, als wäre es meine Wohnung… ist es leider nicht. An meinem Briefkasten steht Apartment 38, an meinem Klingelbrett: Kaléko. Es ist aber auch nicht Maschas Wohnung. Und In meinen Träumen läutet es Sturm ist kein Satz von mir, sondern eine Gedichtzeile von ihr. Von unten, am Hauseingang, sieht das Klingelbrett so vielversprechend aus. Großartige Namen wie: Marmsoler, da Sacco, Rutzenberger, Ghiotto, Inferno 33. Und am Namensschild zu meinem Apartement eben „Kaleko“, was für eine schöne imaginäre Gastgeberin, Platzhalterin, Freiraumgeberin. Eins ihrer vertonten Gedichte („Du hast mir bis zuletzt noch „Sie“ gesagt…“) ist Ohrwum, der sich immer dann meldet, wenn ich an der Eingangstür vorbeigehe. Gestern Nacht aber drang ein echter Ton aus der Gegensprechanlage, der war blecherner als die Glocken, ebenso fern und mindestens ebenso ergreifend. Klang wie Tanzmusik und Frauenlachen, dann aber doch Fernsehserie und Leute, die sie sich ansahen. Jemand von den vielen Namen am Klingelbrett muss die Gegensprechanlage freigeschaltet haben, den Hörer nicht richtig aufgelegt. Fremder Wohnzimmer-O-Ton. Stand lange davor.

Es ist ein sehr produktiver Aufenthalt hier in Meran, sicher produktiver als in der Stadt. W. Aber ich vermisse doch manchmal das Teilhaben, Anteil nehmen an einer Stadt. Die persönlichen Netze, in denen man hängen bleibt, sich verstrickt, aber eben auch lebt.

12.1. Meran

Die Suche nach dem Bahnhof.

Dachte, da ist das Ticket billiger als im Internet.

Die Straße zum Bahnhof fällt ab, erst die gutbürgelichen Villen-Burgen, dann doch Bahnofsvierteliger, Admirals Club – blauer Leuchreklame, kaltes Licht in klare Kontur, steril und modern, kSpielsalon? Slot! Steht groß an der Wand, mit Ausrufezeichen. Daneben die verruchtere Mhhhh-Bar, älter, in roter Leuchtreklame, und dahinter – die evangelische Kirche. Pfarrhaus hält der mondänen Welt statt mit aggressiv blinkender Lichterkette an der Tür des Pfarrhauses. Kirche eh risengrößer und allesüberragend, Graue gewaltige Steine übereinander zu hohem Turm übereinander gestalpet, oben, in leuchtend weißem Stein steht unter der Turmuhr, Fremdköper-Jesus und presst sich sowohl an die Wand, beugt sich gleichzeitig leicht nach vorne, als wär er dort oben, um runter zuspringen – nicht zur Seite der Mhhh-Bar hin, sondern in den Hof. Es wird dunkler, um so bleicher sticht Gebirge ins Auge – und Christus. Freundlicher leuchtet der Bahnübergang, auf den die ganze Straße zuläuft, die Schanke unten, Menschen stauen sich, Tabacchi-Laden lärmt, wärmeres Licht. und an allen Straßenampeln: das Grün leuchtet grüner, das Rot röter. Wo ging Franz Kafka hier, wenn er ins Kino ging. Es war doch was mit Meran und Kafka und Kino, oder? Oder wars Mailand? Vielleicht war die Mhhh-Bar mal ein Lichtspielhaus, es würde funktionieren! Und Franz Und Max waren da und sahen zappelnde Bilder und amüsierten sich. Wo ist der Bahnhof? Es windet sich ein Zug um die Kurve, die Schranke spuckt Töne aus, hier ist nicht der Bahnhof. Der Zug fährt bereits zu schnell, als dass der Bahnhof gleich hier sein könnte.

Ganz zurück „dietro!“ an winterschlafenden Luna-Parks entlang, Alleen. WO ist der Bahnhof!

Die Hoffnung, vielleicht das Billiett direkt zu erwerben, anstatt es sich per Post zustellen lassen zu müssen – und weil Bahnhöfe wichtig sind. Warum hab ich jetzt Billiett geschrieben? Habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht! Ein Billett lösen. Hatte im Internet gestern online-Ticket versucht zu ordern für Ende Januar, ich hätte es aber per Post zugestellt bekommen müssen. Wäre 5 € teurer gewesen. Und ob das dann ankommt? Wohin soll die Bahn das schicken? Zu Mascha Kaleko, Via Roma? – Wollte zum Bahnhof, es direkt kaufen. Ein Billett erwerben bei Trenitalia: von Meran via München nach Roth, bei einem grauhaarigen Bahnbeamten, der so hinreißend höflich war, dass ich es gekauft hätte („RRRot?“ – „bei Nürnberg!“), ob das denn ginge von hier aus, nach Roth. Er lächelte, sah mich an und sagte „Ich sähe schon Rot!“ aber ich glaube er dachte, es sei ein Ausdruck für Gefühle, nicht für Wut. Noch nie in meinem Leben hat ein Deutscher Bahn-Beamter mir so etwas gesagt! Hätte gerne das Billiett gelöst, – obwohl es dreimal so teuer gewesen wäre wie die zugestellte sogenannte Online-Fahrkarte, aber seine Augen zwinkerten und er meinte, ich könne auch ruhig nach Bozen fahren, da gäbe es einen deutsche-Bahn-Automaten.

Ich kann nach Bozen fahren! Ich habe die Erlaubins erhalten mach Bozen zu fahren.

Wäre nett. Das letzte mal in Bozen war ich mit den Gs. Evangelische Familienfreizeit. Hatte wieder ne halbtote Taube im Wald gefunden (langsam sehe ich da ein Muster!) und der Sohn der Frau G. Musste mich trösten, weil ich den armen Vogel weit schleppte und er am Ende (wahrscheinlich tot vor Angst) gerade als ich angekommen war doch verreckt ist. – soviel zu Bozen.

Ich könnte auch sonst wohin fahren. Aber dieser Bahnhof ist ein wunderschöner Bahnhof, gelb (das sind die besten Bahnhofe), Sezession? Jugenstil? Jahrundertwende? Neue Sachlichkeit des gekachelten Bodens, mediterran aber die Bahnhofcafes… – man kann auch ebenso gut da bleiben. Leider kalt, draßen zu sitzen. Um die Gipfel der Berge herum schlieren Dunkelrosarot-Blau-Töne, lila wolkenschleier bis in den Himmel hoch. Milde Pastell-Farbenpracht. Fahlers Licht auf den Bahnsteigen, die Laternen umkrallen den Schein, keine schönen alten Laternen, eher Behilfskonstrukte, eine Frau kommt angerannt aus dem Nichts. Dabei scheint nirgends Eile. Kein Zug kommt gerade, keiner steht da, keiner fährt ab. Dauernd schwebt mir mein Lieblingsbahnhof vor, Belgrad. Hauptbahnhof. Nicht ganz unähnlich, ob es ihn noch gibt? Dieses „halbmediterrane“ Meran ist eine Stadt die ich keiner Zeit zuordnen kann. Ich kann sie mir in den 70er, in den 50erJahren vorstellen, in den 20er jahren, um die Jahrhundertwende. Ich sehe Kafka hier förmlich rum stachsen, ich hätte ihn gerne kennengelernt in einem Zugabteil (mit gelöstem Billiett), habe mal eine Reisebekanntschaft von Franz und seinem Freund Max Brod auf der Bühne gespielt. Dora. Ich glaube jenes Tagebuchprojekt der Herren Brod und Kafka damals, das das Material lieferte für das Stück, war überhaupt die Inspiration fürs Stadtschreiben schlechthin. Skizzenartig, persönlich, assoziativ. Kafka und Brod auf der Reise von Prag nach Paris: Bodensee, Norditalien, die Schweiz, Frankreich. Und dann… sind sie ins Kino gegangen! Was sonst. Wo in Meran waren sie im Kino?

Wieder ein Zug. Aber auf dieser Reise kamen sie vielleicht nicht durch Meran, es muss doch Mailand gewesen sein. Auch dahin könnte ich ein Billiett lösen. Oder Jens in Turrin sehen. Oder Trient. Das Trienter Konziel besuchen. Okay, ich käme ein bißchen zu spät, aber irgendwas wird ja da noch sein. Trient. Auf Italienisch Trento. Trenta-tre Trintini entrarono a Trento tutti e trentatre troterelando. Aus seltsamen Zufällen lernte ich einst eben jenen italienischen Zungenbrecher zu sprechen der davon handelt, dass dreiunddreißig Trentiner, also Einwohner von Trient, nach Trient kommen und zwar allesamt trabend (offensichtlich auf Pferden). Das besondere daran war, dass es völlig sinnlos schien, diesen Satz zu erlernen, aber Jahre später in meinem Berliner Kiez gingen mal zwei Italiener hinter mir und zitierten rein zufällig eben jenen Zungenbrecher. Den ich zufällig konnte, die Italiener aber nicht so richtig. Stehengeblieben, Umgedreht und total cool den Spruch gesagt. Nur so. dann mich höflich verbeugt und weitergegangen. Sie applaudierten. Sie werden gedacht haben: Okay, wird wohl Allgemeinwissen sein! – Trient? Soll ich nach Trient? Der Fahrkartenautomat (zum Schalter zu gehen trau ich mich jetzt nicht mehr; ich sagte bereits vorhin, ich müsste noch einmal über alles nachdenken) fängt an sehr laut Italienisch (oder wahlweise sehr laut Deutsch) zu sprechen; irgendwovor warnt er.

Natürlich fahre ich nicht nach Trient oder Turrin. Nicht einmal in die Therme gehe ich heute noch. Ich gehe Pizza essen. Pizza Heinz.

***

Pizza Heinz. Wirtin sieht aus wie Vulkanerin, die ihren Poni raushatwachen lassen.

ältere Dame im Begriff, das Lokal zu verlassen, versucht ihrem Mann den Reißverschluß zuzumachen. „Jätz gäääh amal auußßaa. Jätz-stäh-amol-orrdantlicchh. Jätzt macchhh! Jetzt wead des noch…?“ – sie läßt ab vom Reißverschluß. „I koonns net! Hait is a Kraiz!“

Tobias Brenner war Architekt und entwarf viele der Villen unter anderem das Haus in dem Franz Kafka 1920 drei Monate lang wohnte, als er hier zur Kur war. Das Haus steht in der Maiastraße / Ecke Tobais-Brenner-Straße, eine bürgerliche Villa, cremefarbener Anstrich, ein bißchen erinnert es an das Sanatorium, in dem Kafka später starb in Klosterneuburg, aber es ist wohl ein Hotel, auch wenn die Maiastraße eher wie eine gutbürgerliche bis vornehme WOhnstraße wirkt. Ottoburg. heißt es. Eine Schild sagt Kafka war hier. Schade, ich hätte ihn lieber untergebracht im Haus gegenüber von mir. Dahinter der Kirchtum, Maria Trost. das spitze Dach gemustert wie ein gehäkelter Untersetzer, erinnerte mich an meine Großmutter. Grün, Gelb, Weiß gestreift.

11.1. Meran

Via Piave – Romastraße – Via-Tobias-Brenner – Via  Maia… – Wer ist Tobias Brenner? Immer wenn ich die Straße entlang gehe, bzw. sie kreuze, denke ich sie ist benannt nach dem evangelischen Pfarrer von Dürrenmungenau / Abenberg, was natürlich nicht stimmt, zumal hier alles katholisch ist abgesehen davon der Pfarrer mit Nachnamen Brendel heißt und nicht Brenner. Heute früher in die Stadt gegangen, heute plötzlich passen alle Badeanzüge, und die Kleidergrößen sind auch wieder die von sonst. Vor lauter Erleichterung einen gekauft, der mich eigentlich gar nicht gefiel. Der Tag ist überhaupt heller, wolkenloser und „Schweine aber gut“ hat endlich geöffnet. Wollte den Schweinebraten im Brot zum Mitnehmen, aber wurde hineingewunken, weil blonde Italienerin namens Erica fand, dass es zu kalt sei. Die Imbissbude, hat links neben sich eine schmale geheime Tür, die verschlossen aussieht, aber wenn man hineingeht eröffnet sich eineWelt in einer Welt wie eine russische Holz-Puppe in einer russischen Holz-Puppe. Miniaturkneipe, ein Gehäuse um den Imbiss, wie drübergestülpt, drumherumgebaut, gemütlich, improvosierstes Wohnzimmerchen weißlackiert, Edingbemalt, Tisch aus Bierkästen, Bank zum nebeneinander sitzen, ringsherum, OSB-Platten-Dach über dem Kopf, Tom-Waits-Nicht-Unähnlicher Südtiroler lobte mein Italienisch. Oder ist es die Stimme? Südtiroler, wenn sie nicht gerade Italienisch sprechen, klingen alle ein bißchen wie wie Tom Waits.

10.1. Meran

Es ist eine hinreißende Stadt. Früh schaue ich, noch im Bett liegend, fassungslos aus dem Fenster, weil die Berge jedesmal neu aussehen. mal starren sie Dir kalt und hart entgegen, mal erwärmen sie sich langsam für Dich, rosarot, amberorange, mal glänzen sie durch Abwesenheit. heute früh, vor tiefblauendem Himmel waren sie traumhaft unwirklich, weichgezeichnet und  entwickelten sich dan langsam wie in prächtigstem Agfa-Color. Day-For-Night-Verfahren… – aber das ist nicht die Stadt. Die Stadt wirkt zauberhaft, wenn sie Lichtdurchflutete ist. ein wenig fahl und spröde, wenn die Berge das Licht nehmen. dann bleibt sie halt auf dem Teppich. es isr Januar!  Aber dann reibt sie einem den zurückgenommenen Zauber erst recht unter die Nase, er lauer hinter den verschlossenen Lamellen der Fensterläden, den Chioso!-Schildern, den Wintergärten der Restaurants, den fin de siecle villen und den 20er Jahren Gebäuden, 50er Jahre Schriftzügen. Nostalgie, abgeblätterter Lack. Sie hat einen Fluss, der wie ein wilder breiter Bach dahin strömt und Passer heißt, (aus heiterem Himmel flog mir das das lateinische Wort für Sperling zu. Passer. ich las den Namen und  plötzlich geisterten Catull-Gedichte  im Kopf herum. “passer mortuus est… / passer meae puella…” Der Sperling ist tot. / der Sperling meines Mädchens….” letztes Jahr Latein. Und mein eigener Sperling war damals gestorben, der Wellensittich, mit dem gebrochenen Flügel. – Warum er so heißt, der Fluß? keine Ahnung, aber ich sah, er heißt nicht DER Passer, sondern DIE. Es ist ein weiblicher Sperling.

Ich wohne in Obermais. Habe versucht rauszufinden warum der Stadtteil so heißt. Maia Basso. Zwei Tage gedacht, dies sei bereits die Innenstadt, aber es ist eher wie eine ruhigere Vorstadt. Das Postamt gefunden, stattliches Eckgebäude am Fluss, das mich beeindruckte, es wirkt so alt von außen, frühes 20 Jh. vielleicht. Innen aber wie  aus den 70er Jahren, aber das war, weil manche Schalter mich an das Design meiner alten Kinderpost erinnerten. Damit tue ich der Meraner Post unrecht, denn sie haben sogar ein modernes Nummer-Zieh-Und-Aufruf-Systemwas wiederum  dazu führt, dass die Leute entspannt in der weitläufigen Halle auf und ab schreiten, oder auf Bänken sitzen  und nicht genervt in der Schlange stehen. Stand hier Frank Kafka und gab Briefe auf? Es hätten dann die Briefe an Milena sein müssen, die er aufgab. Eh alles vergebens. Aber immerhin sind Briefe dabei rausgekommen. Hätte Kafka heutzutage gewhatappt? Nie! Aber wenn, wären es die längsten whatapps der Welt geworden, sie hätte wahatsapp wahrschenlich lahmgelegt.

Seltsamer Postbeamter zögerte, als er mir die Briefmarken verkaufte. Ich nahm es nicht persönlich.

Ich lebe übrigens hier in Gedanken mit einem geheimen Geliebten. Ich kam auf die Idee, weil es mir als Artist in Residence untersagt ist, Besuch zu empfangen. Um so spannender wäre es jetzt, sich einen echten Geliebten zuzulegen. HÄtte  ich einen, müsste er sehr heimlich ein und ausgehen in das Haus, die 5 Treppen hinauf schleichen oder ganz leise den polternden rotlackierten Fahrstuhl nehmen. Das wäre spannend. Tatsächlich würde er mich nerven, denn ich arbeite hier viel. Und es ist gut mal für sich zu sein. – ein imaginärer Geliebter allerdings ist wunderbar und inspirierend. Das Apartment ist lvon so dezentem Luxus, dass es eine Schande ist, gar keinen Geliebten rumgeistern zu haben. Das breite Bett, die riesige Paisley-Federbettdecke, der Liegestuhl auf dem riesigen Balkon, der Induktionsherd (Hat lange gebraucht, bis ich den kapiert habe) – Und einen Wäschetrockner habe ich. Ich weiß, das klingt lächelich, aber für mich ist ein Wäschetrockner der Inbegriff von Überfluß. So einen kenne ich nur von den Rs, aber die haben ihn im Keller und das ist eben nicht so luxuriös und mittlerweile glaube ich, dass ich die Trockneraufträge falsch ausgeführt haben muss, weil im Gegensatz  zu diesem Trockner der Trockner die Wäsche nur klamm machhte . Andere Haushalte führen vor Augen die eigenen Lücken. Mind the Gap.  Dennoch braucht man das? Mein Geliebter im Geiste behauptet: ja. Natürlich! Aber er sagte auch, er würde mir einen Badeanzug schenken, und am Ende musste ich doch selber einen in der Stadt erwerben gehen (Imaginäre Geliebte sind eigentlich für gar nichts gut), was nicht gelang. Es lag unter anderem an den italienischen Größen, die immer 5 Nummern vouminöser sind als man denkt.

Auf der anderen Seite der Sperling, liegt die Therme, österreich und herrlich mediterran, Gebäude die nach Seebad und Jahrhundertwende aussehen. Das Puccinitheater, in dem ich morgen ein Gastspiel aus Hannover (!) sehen könnte. Aber Hannover! wenn es eine Stadt gibt, die das genaue Gegenteil von Meran ist, dann wäre es Hannover.

Ich brauche einen Badeanzug! Wieso wußte ich nicht, dass es hier eine Therme gibt! Natürlich gibt es eine. Warum war wohl Franz Kafka hier mit seiner Tuberkulose und seiner Begeisterung fürs Schwimmen. Und Sissi war  da und Gottfried Benn! Hinter dem Fluß beginnt die mondänere Stadt, es gäbe Badeanzüge, aber sie zu finden überfordert mich. Ich bleibe doch anderswo hängen: an einer gewaltigen Kirche an deren Außenwänden sich Grabplatten dahinziehen, Bruchstück für Bruchstück, Relieffe, von unten bestrahlt stechen scharf heraus aus den finsteren Gassen und Winkeln. Ein untypisch vollschlanker Jesus am Kreuz des Steins sieht aus wie mein Freund Lorenc, ein uralter Mann kniet vor ihm, das ist der Paul Weggler, so steht es da, der sich hier hier eingekauft hat (das steht da nicht), beerdigen hat lassen und nun im Bilde ist – mit Jesus, es an die Wand geschafft hat. Sackgassen in die Finsternis. Oder Abseitswege nach Oben. Tappeiner-Gasse. Wie belebt muss es hier sein im Sommer, lieber bin ich jetzt hier. Alles ist unentschlossen, nie weiß man ob die Läden Mittagspause haben oder sich zurückgezogen haben bis zum Frühling. Auch „Schweine, aber gut“ hat zu. Pizza Heinz aber war gestern aperto, ich war aber zu müde. Ich bin hier möglicherweise zwischen den Zeiten. Was für ein Glück. Ging im Dunklen nach Hause. Via Tobias Brenner entlang,  via Maia – schien mir Abkürzung, eine Straße voller Villen, immer ruhiger wurde es, rechts großes Gebäude, vielleicht ein Institut, das längst geschlossen haben müsste, aber ein alter bärtiger Mann saß an einem Schreibtisch und arbeitete. Hätte gerne gewußt, was für ein Gebäude das war, aber hinter mir ging jemand und ich wollte nicht auffallen. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ stand auf der Kirche mit den Steinplatten. St. Nikolaus war es glaube ich. Diese Stadt ist wie ein unbeschriebenes Blatt für mich. Hinter jeder Ecke gäbe es was zu entdecken. Wäre nur mehr Zeit. Und wäre meine eigentlicher Auftrag nicht “Schreib das Buch über Gaza”

9.1. Meran

Geträumt, ich wäre nach Miami geflogen. allerdings sah es eher aus wie an der Rummelsburger Bucht, jedenfalls von den territorialen Ausmaßen, ausgesehen hat es jedoch eher nach New Orleans. ein Rad-Dampfer fuhr vorbei, Bäume standen im Wasser, es war heiß und schwül. ein Mann auf einer Art Mini-Luftmatratze, über die er quer gestützt vor sich hinruderte mit einem winzigen Elefanten, bot an, man könne das ausgesprochen niedliche Tier streicheln, es war aber ein Trick, denn der Elefanft war abgerichtet und klaute mit seinem Rüssel alles was man in der Tasche hatte, was überraschend viel war für die Tatsache, dass man ja eigentlich im Badeanzug im Wasser schwamm. obwohl Miami nur ein Zwischenstop war und ich den Anschlußflieger (wohin?) noch erreichen musste, suchte ich nach dem Betrüger. In dessen WOhnung erwies sich das süße Elefantenbaby nicht einmal als echt. Es war ein überlebensgroßes Playmobil-Figur. Ich sah es, weil ein Ohr lag im Badezimmer in einem Wäschekorb. Aufgewacht.

Berge vor meinem Fenster verschwunden. Im Nebel. So aber wirken Sie noch gewaltiger. Da und doch nicht da und man weiß nicht wo sie enden, also wachsen sie einem über den Kopf. Intelligentes Apartement  macht immer Licht wenn ich den Flur betrete, ich erschrecke jedesmal. SOnst alles herrlich. es tut doch gut, wenn man losgelöst von persönlichen Beziehungen zu Gastgebern ist. No strings. keine Erwartungen. klare Auflagen. die allerdings sind: Schreib über Gaza, beende Deinen Roman. [ja, gleich!] – Das Haus gegenüber ist bewohnt von vielen Parteien, nur das mit zuwandte schmale Seitengebäude ist es nicht. PIN meiner Kreditkarte vergessen. sparsam leben. jedenfalls was Barkäufe angeht. zum Beispiel am Imbiss “Porchi, ma buoni” (“Schweine, aber gut!”). werde alles Bargeld für diesen Ort aufsparen. Von der Stadt noch nicht viel gesehen. Immer wenn ich gehen will, nagt noch nicht Bewältigtes und verlangt Internetzugang. WIndsART-Rechnungen; Leuchtturm-Rechnung mit falschem Datum; ein riesiges Paket voll “Kunst” aus Irland, das das Museum nicht länger lagern kann und wieder zu mir soll. schon lange. aber nie bin ich da. Ex-Freund fragen. Dafür sind die Berge wieder da. Der Nebel verzieht sich ein wenig.

8.1. Meran

Es ist eine schöne Stadt. Ich mag das italienisch-österreichische Mischmasch. Santa Maria del conforto. (wieviel weniger schön klingt das deutsche Wort “Trost”. Pizza Heinz. Restaurant Blessmair. Noch mehr Licht als in Lana. Frau mit langen Locken auf Fahrrad holte mich an der Bar Kofler ab und brachte mich in meine Artist-in-Residence. letzte Sonne auf dem Balkon mit Blick auf “Zauberberge” (Es sind welche, weil sie (natürlich!) zauberhaft aussehen, und weil es passt, weil ich noch an einer ausklingenden Bronchitis leide und ich auf der bequemsten Liege liege, auf der ich je lag; ein Gipfel sieht aus wie das Dach, wie die Front meines Elternhauses, aus dem Berg hinausgeschlagen, die grünen Hügel darunter wie ein liebreizender Hintern, Linien von Schnee, puderzuckrig, süchtigmachend.). Das Gelb der KÜche. die vielen Fernbedinungen und das aller beste: ich habe ein Wipe -Board. Hatte erst gelächelt als ich die Tafel gezeigt bekam, weil ich sie nicht brauchen werde zum Arbeit am Buch… – dachte ich. Aber das erste was ich machte als ich allein war, war Stifte ausprobieren und schlaue Fragen hinkritzeln, die sich dann plötzlich als tatsächlich konstruktiv erwiesen.

Wenn die Sonne weg ist, wirkt das Tal kalt und im Stich gelassen. Trost (“Conforto”) ist dann das Funkeln der Fenster-Lichter, ein tiefes Blau und das alte Haus gegenüber, ockergelb, aber im Lauf der Jahre  düster geworden, mit einem hinreissenden Balkon, Holzschnitzereien, Ornamentedie sich zwischen das Gebälk quetschen und dort austoben. der Schatten den die Brüstung wirft, scheint die an die Wand geworfene Geister-Balustrade fortzusetzen. eine Balkon ohne Tür.  aus dem graublauen ZIegeldach, neben dem zu großen Schornstein triumpheren Antennen und Kabel. Es mag verlassen aussehen, die Lamellen der Fensterläden sind dicht, aber es hat bestimmt einen alten Röhrenfernseher zu bieten, irgendwo im Inneren… –

Ja, es ist eine inspirierende Gegend. aber ich soll hier meinen Gaza-Roman zu Ende schreiben. Zum Glück gibt es das Wipeboard.

Jetzt steigt Rauch aus dem Schornstein! Es lebt!

7.1. München – Meran

Schnee-Ausnahmezustand macht die Weiterreise spannend. Lawinengefahren, gesperrte Straßen in Österreich. Tankstellen-Kaffee in Innsbruck für 1,50 € schmeckt überraschend großartig. Ich war erst einmal in Innsbruck. da war ich 16 und ich war da mit der Familie G. Ich erinnere mich an Tauben vor einer Kirche, eine sah mickrig aus ich meinte, die würde es wohl nicht mehr lang machen. und Und die Frau G. hatte mich gerügt, ich sei nicht immer so pessimistisch. ich erschrak, weil es mir gar nicht bewußt war. Aber damals schleppte ich dauernd halbtote Tiere mit mir rum. wie auch immer. bin jetzt optimistischer. Siehe z.B.: “Lawinengefahr”. Kann das Wort nicht mehr ernst nehmen, muss immer an das Finale des Buster-Keaton-Films denken, in dem er vor den vielen heiratswütigen Bräuten wegrennt, eine Lawine auslöst, vor der er ebenfalls auf der Flucht ist, aber vor den nahenden Frauen sich wieder zurück auf den Berg flüchtet, den fallenden, rollenden Steinen entgegen (zugegeben, die sehen sehr nach Pappemaché aus, aber dennoch: eine wunderbare, atemberaubende Filmsequenz. Der Brenner  ist frei. “Der Brenner” war schon immer, seit den Adria-Urlauben meiner Kindheit der Inbegriff von  Zerreissprobe, Nadelöhr, Schwelle zur anderen Welt – zu der mit dem Meer. Es hat mich später sehr überrascht dass auch Deutschland ein Meer besitzt. Zwei sogar. DIe Nordsee UND die Ostsee. Gelernt was eine Serpentine ist.  Und jetzt? – Sitze im Flixbus, die Eltern bleiben zurück, der Vater, der so gerne nochmal Italien gesehen hätte, es nur mehr von Glonn aus. behauptet zu sehen… und ich fahre durch die angebliche Schneelawinenwelt, aber es is mal eben nur ein bißchen weiß bestäubt. Dafür singt Adele, dass sie wem nur das Beste wünscht. Denke an den Ex-Freund. Weil mit dem hab ich (auch auf ähnlicher STrecke) erstmals Adele gehört. überhaupt ist die Playlist des Fahreres ziemlich nostalgisch, spielt ne Menge meiner persönlicher Songs. Eben war Shakira… – Altbekanntes…! Dabei müsste jetzt eigentlich alles unter dem Tenor “Aufbruch!” “Neu!” stehen. Aber das kommt davon, wenn man seinen Kram nicht  bewältigt hat zwischen den Jahren. Von der Steuererklärung ganz zu schweigen.  Und noch mehr zu schweigen vom persönlichen Zeug. Zum Beispiel das mit der Frau von S. das hab ich nicht mehr geschafft in München, rauszufinden wo sie jetzt ist. wo ist sie? WIe konnte ich ihren Auszug verpassen!? Ich habe fast 20 Jahre ihre Ängste um die Bogenhausener Vier-Zimmerwohnung telefonisch begleitet: wie Herr werden über die nicht funktionierenden Steckdosen, die zu vielen Bücher, die kaputten Rolläden, den Herd, der die Sicherung zum Herausspringen brachte, (“Koch ich mir die Kartoffeln halt im Wasserkocher”), die Wäsche, die zeitweise nur in der Wanne zu waschen war, die Gestalten, die sich herumtrieben, mit den seltsamen Kopfbedeckungen, die Schlüssel klauten und Unterwäsche und manchmal auch den Müll… Immer wollte sie die WOhnugn loswerden und nie wollte sie sie verlassen. NIcht mal die Pfandflaschen durfte ich wegbringen, nicht einmal das Altglas. Hab aber auch in WIndsbach mitgekriegt, dass man sich damit nicht unbedingt Freunde macht. Und den Fristo-Bon vergessen abzugeben! – Generell gab es für nichts eine Lösung. das war irgendwann schwer zu ertragen. Ich glaube ich bin nicht gut im einfach nur Zuhören und  bedauernd Nicken, das Jammern gut sein lassen. es hätte vielleicht schon gereicht, aber ich will anpacken. ALtglas wegbringen. Lösungen finden. das einzig wirkich Gute, was ich der Frau von S., glaube ich je getan habe, war (Oliver Sacks sei Dank!) die DIagnose  “nein sie sind nicht verrückt, ich glaube, Sie haben das Charles-Bonnet-Syndrom!”). Wie mag die Wohnung jetzt aussehen? Saniert wird sie werden, ein Vermögen wird sie kosten. Ich mochte die Wohnung. SIe entsprach dem Messi-Level der WOhnungen, die mir vertraut sind. Ich zurückgezogen in zwei Räume meiner Berliner Vier-Zimmer-WOhnung, die nun so voll sind weil meine Mitbewohner mir in meiner Abwesenheit heimlich Kartons hineinsetzen; das Haus meiner Eltern, schön zwar und ordentlich, aber ebenso überbordend.  Während der Bus durch immer lichtere Regionen fährt, in denen überhaupt kein Schnee mehr ist, an die Geschichte gedacht, die mir die So. aus WIndsbach erzählte vom verstorbenen Herrn W.. der damals noch in der Kolbestraße wohnte und mit dem Fahrrad unterwegs war statt mit dem Rollator. Er hatte einen Korb voll mit altem Papier, dass er wegbringen (oder alzem Papier, das er in seine Wohnung retten?) wollte? – es muss eigentlich Letzteres gewesen sein, denn der Äthiopier T., damals ganz neu in W. fragte die So. ob es wohl in Ordnung wäre, wenn er dem alten Mann der sich da mit dem Papier abmühe, helfen dürfe? – Dass das natürlich okay sei, sagte die So. Der T., besorgt der Alte würde vielleicht Angst haben wenn ein Flüchtling ihn anspäche, bat die So.  den Herrn W. zu fragen, on er, der T. ihm helfen solle mit dem Papier. der Herr W. war erfreut, zückte bereits seine Geldbörse, aber das wehrte der T.  ab. er – und auch andere seiner geflohenen Kollegen halfen dem W.  Es muss eine für alle sehr nette Aktion gewesen sein, Schallplatten hätten sie gehört gemeinsam [da bin ich mir aber nicht sicher, ob ich mir das jetzt gerade ausgedachte habe!] und Kaffe getrunken, dennoch sei der T. der die schlimmsten Unterkünfte gewohnt war, fassungslos, mit zitternder STimme sagte er zur So. “So., dieser alte feine Herr… ! Er wohnt in einer vollen Garage!”

DIe Geschichte mag ich sehr, denn ich mag alle Beteiligte in ihr. und ich verstehe jetzt auch besser, dass der Herr W. ins Phönix musste.

                                                                 ***

Dann plötzlich Italien. da ist es, das WIe-Neu-Gefühl. Lichte Allee in der Stadt Lana. Nicht einmal durchgefahren Kreisverkehr, eine stieg aus, dann zurück, aber schon der  kurze Blick die Allee entlang. Südlicher Winter. In den hohen Pappeln bricht sich in Regentropfen das Licht, filigran leuchten sie vor dem Blau der Berge. letzter Halt vor der STadt M. und in M. schließlich… stieg ich an der Therme aus, orientierungslos und froh, sagt mir die Frau im Navigations-System (und das ist das einzige was sie sagte!) “Fahren-Sie-Nach Süden!”

6.1. Münche

die Strafe für “Winter is coming” Unterschätzen ist: Schneeschippen. Ausnahmezustand in Bayern. Ich mag Schneeschippen, aber in diesem Fall war es ein Kampf, bei dem man die Schippe aikidomäßig durch die Luft wirbeln und die Tujenhecken im Garten der Eltern vermöbelt, die sich biegen bis weit über die Straße  unter der Bürde des Schnees. Wenn man die attackiert, lassen sie ihre Schneekrusten fallen, man steht darunter wie unter einer kalten Dusche. Eine brach zusammen. so viel Schnee lastete auf ihr. Ansonsten tut das Weiß gut. Es ist wie zudecken und sanft ruhen. Auch hier würde ich durchaus gerne länger bleiben. was will ich in Meran? Witzigerweise dachten sowohl mein Sohn als auch meine Tochter ich führe “nach Iran”. Klar ,weil der Iran vielleicht ein angemessenerer Ort ist für ein Stipendium für “Literatur und Menschenrechte” ich werde also eingeschneit in Italien sitzen und ich schwöre ich werde nichts machen als schreiben, bis mein Buch fertig ist. 

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Kein Anschluß unter diese Nummer unter der Nummer der alten Frau von S. Zu lange mich nicht gemeldet, jetzt meldet sich keine und es gibt nur zwei mögliche Gründe. Den Sohn fragen. Aber seine Nummer habe ich nicht mehr. Also die Nummer von IHREM Sohn. Die von meinem habe ich natürlich. Aber  auch der… meldet sich beinahe nie von alleine.

5.1.

Früh zum Zug. ein paar weitere Tage in Berlin wären schön gewesen. mein geschundenes Viertel, dessen Straßen in Dauerschleife neu gemacht, umgegraben werden, Kopfsteinpflaster  darüber, festklopfen, wieder aufreissen…dichtmachen. Es ist noch dunkel. Unter der Brücke zur S Bahn, eher ein Portal, hängt ein rotes Lichtobjekt, eine Zunge, rot leuchtend taucht sie einen ins Licht. hier, leidlich gepflastert, ist keine Baustelle. aber auf den Steinplatten, über die man geht, stehen weit verteilt (von der Zunge bis hin zur S Bahn-Treppe) Schriftzeichen: in Magenta schrieb eine(r):

I [Herz] you

But I

must

leave now

You

will

miss me

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Donald Trump soll Game of Thrones benutzt haben, um für seine Politik gegen mexikanische Einwanderer zu werben.  Hörte es nur mit halbem Ohr  im Radio, als wir gestern im Buchladen Ramstein und den Psalm 19 von Emanuel Vogt hörten. Weil besonders Ersteres recht laut war, weiß ich leider keine Details. Aber wie auch immer: Von allen Topoi, die die Weltgeschichte in Sachen Grenzschutz zu bieten gehabt hätte, muss er ausgerechnet die kulissenhafte Eiswamexikanische Einwanderer zu werben.  Hörte es nur mit halbem Ohr  im Radio, als wir gestern im Buchladen Ramstein und den Psalm 19 von Emanuel Vogt hörten. Weil besonders Ersteres recht laut war, weiß ich leider keine Details. Aber wie auch immer: Von allen Topoi, die die Weltgeschichte in Sachen Grenzschutz zu bieten gehabt hätte, muss er ausgerechnet die kulissenhafte Eiswand  einer Fernsehserie wählen, die die sieben (!) Königreiche von der jenseitigen Welt der Untoten trennt? Abgesehen davon , dass der Vergleich hinkt (wer sind gleich nochmal die nd  einer Fernsehserie wählen, die die sieben (!) Königreiche von der jenseitigen Welt der Untoten trennt? Abgesehen davon , dass der Vergleich hinkt (wer sind gleich nochmal die Mexikaner in diesem Szenario?), ist er auch schlecht gewählt, denn diese Wand ist alles andere als unüberwindbar: Es gibt Fahrstühle aus Holz! Und selbst Leute die mehr tot als lebendig sind und kaum was auf den Rippen haben, schaffen es spielend leicht und in Scharen  rüber (man sah es in der letzten STaffel). Andererseits kündigt Trump seine Wand ja erst an. Sie ist also kein natürliches Urgestein. Sie  wird erst konstruiert, eben so wie das PR-Management des weißen Hauses wahrscheinlich seinen Twitter-acount lenkt. – und man sage jetzt nicht, Trump habe keine, er muss welche haben,  das sind die, die jetzt schnell zurückrudern und  sagen, das sei nicht politisch incorrect gemeint gewesen von Trump, denn  Trump habe Game of Thrones nie gesehen. Und irgendjemand muss ihm ja das Bild zusammengebastelt haben, mit der Game-Of-Thrones-Schrift und der Botschaft: “The Wall is coming”. Idiot! Wer auch immer die Idee. Man soll also “Winter is coming” assoziieren. Inflationär austauschbar. Immer kommt irgendwas. wie einfach. Und dann auch noch  Rythmisch unsauber!  der Jambus der “TheWaaall” erinnert eher an das “DäDäää” einer Büttenrede, und gähnt hinter dem daktylischen “Win-ter-is…” hinterher. (Allerdings:  auch von den Game-Of-Thrones-Machern inhaltlich nicht die beste aller Punch-Lines für eine Territorial-Nah-Und-Fern-Kampf-Serie, in der literweise Blut und Gift fließen, Tote herumwandern und Männer in Fellen… und es hat mörderisch-starke Frauenfiguren in allen Altersklassen – und Drachen! Und abgeschnittene Penisse- und dann werben sie mit “der Winter kommt” ??? – und auch das wieder keine rythmisch adequate Übersetzung. – UND: es schneit eigentlich fast nie wirklich in dieser Serie! zarte Flocken haben Staffel für Staffel das Grauen in Form einer ausgesprochen  kalten Jahreszeit angekündigt, aber immer nur tanzen malerische Flocken vereinzelt über den Bildschirm! (Da habe ich es in der Gottesruhkapelle zu Windsbach noch heftiger schneien lassen und das obwohl die Pfarrerin es immer genau dann hat Licht werden lassen und den Beamer ausknockte, was mich, wie ich gerade merke doch mehr ärgert. Und was verdient eigentlich so ein Game-Of-Thrones-Ausstatter? und und und….) und selbst wenn dann endlich mal Schnee liegt, kann es nicht soooo kalt sein da, denn wie könnte es die eine, die in Staffel 5 von der Mauer (nicht DIE besagte Mauer, eine andere)  gesprungen ist,  es  nicht nur überlebt und in Staffel 6 geschafft hat, sondern auch (und da war schon Winter!) durch den Fluß (der aber andererseits nicht gefroren war) und klatschnass durchs Schneetreiben irrte… – ich weiß ich verzettele mich.  – Auf diesen Zug auf springt also Donald Trump. Es gibt schlimmere Dinge als den Winter. Zum Beispiel eben Donald Trump. Oder den Klimawandel.

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Das alles ist im Zug. ICE von Berlin nach München.  Übermorgen bin ich in Meran. Aufenthalts-Stipendium  für Literatur und Menschenrechte”. Habe leider nicht alles geschafft zu erledigen, bevor ich fahre. zu viel  zu ungewiss, die Steuer, nur zwei von drei Projektabrechnungen fertig, die nahende Premiere im Februar und die vielen persönlichen offenen Fragen. Und dabei sind Rauhnächte.  Loslass-Zeit.

Gestern den Linienverzweiger geräumt, also den sogenannten “Leuchtturm”; mein Bett neu bezogen, alte Blumensträusse entsorgt und wenigstens die Zettelwirtschaft in meiner Bauchtasche. Zahnarzt-Termin gefunden. Dr. Weinlich, Windsbach im Februar… hätte ich nie dran gedacht.  ich weiß nicht mal mehr, was da passieren wird. sind da noch Löcher? Es gibt immer ein Loch. wenn nicht im Zahn, dann im Universum oder im Lieblingskleid. Ebenfalls gefunden: Fristo-Guthaben vom Pfandflaschen wegbringen. ist aber nicht einmal mein eigenes. Fremdflaschen. Fristo. wer denkt sich solche Namen aus?  Wäre es eine Frittenbude in Neukölln. – Zahnarzt-Termine, unrechtmäßiges Pfandflaschen-Vermögen, Dinge, die noch nach WImdsbach gehören. Von Fristo ist nicht nur der Flaschen-Bon, sondern  auch ein verlorener Jute-Beutel, den ich mal am Kriegerdenkmal fand. hing da wie eine weiße Waffenstillstands-Fahne. Hatte sie aufgelesen mit spitzen Fingern in einen Mülleimer werfen wollen, aber es war keiner da. irgendwie hat sie es dann, die Flagge, also der Beutel, die Fristo-Werbung nach Berlin geschafft wo sie viel eher wie eine Flagge  Neuland markieren könnte, denn bisher hat es kein Fristo in die Bundeshauptstadt geschafft. nun fährt der Beutel zurück nach Bayern, mit den Kühlschrank-Resten darin. – Erlangen. Schon Erlangen!

“Wenn man ein “V” davorsetzt, heißt es “Verlangen”

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München,

und natürlich schneit es nun wirklich. Das ist Winter! Wunderschön. Und man bekommt nasse Füße.

4.2. Berlin

Probe in Schöneberg. Den jungen Kollegen offensichtlich verschreckt, weil ich ihm ein BIld zeigte, auf dem ein sechs bis sieben jähriges Mädchen ein etwas zu großes Weihnachtsgeschenk auspackt, das sich als Hitlers “Mein Kampf” entpuppt. Es ist nicht ganz klar ob das Buch für sie bestimmt ist, oder sie es versehentlich ausgepackt ist. Sie hält es mit einem Gesichtsausdruck, der schwer zu deuten ist, “Überraschung” ist auf alle Fälle mit dabei, welcher Art jedoch ist schwer zu sagen, “Empörung” ? “Begeisterung”?  “Entdeckerfreude” So oder so etwas überfordert wirkt sie – aber vorallem weil das Buch schwer ist und sie es etwas von sich hält, wodurch es noch schwerer wird – und auf alle Fälle trifft die Kamera das Kind mitten in der Wucht der Gefühle. Es hält das Buch nicht angewiesen in die Kamera, es ist ganz und gar bei dem neuen Geschenk. Ich frage mich, was wird aus dem Kind werden? es sieht so unschuldig aus. Es bleibt die Hoffnung, dass es das Buch mit Bedacht lesen wird und sich mehr Gedanken macht als seine Eltern. – jetzt bleibt aber wahrschienlich für viele noch die Frage, wie kommt man an so ein Bild? Sowas kursiert nicht in  m e i n e r  Whatsapp-Gruppe! nachwievor habe ich noch nicht einmal Whatsapp! Ich habe es auch nicht aus der “Titanic” oder einer anderen Sartire-Zeitschrift, es wurde mir gesagt, es sei keine Montage.  Seltsamerweise habe ich (offensichtlich) das Bedürfnis, das Bild herumzuzeigen oder in diesem Fall, mitzuteilen. Und ebenfalls schwanke ich zwischen Empörung (selbstverständlich!) und Überraschung (wie gut das Foto geschossen ist, wie aussagestark und rätselhaft zugleich. Ein komisches Bild. (vielleicht hätte ich es den Kollegne nicht als solches ankündigen sollen!), aber ich bleibe dabei. der Horror hat auch eine komische Seite. Die politische Korrektness und die reine Fassunglosigkeit vor dem Monströsen, so angebracht sie in diesem Fall auch sind, lähmen zu weilen. Und das führt mich wieder zu “Entdeckerfreude”: ich freue mich diebisch über diese Bestands-Aufnahme, dass diese Momente festgehalten werden. dass man sie (rechtzeitig?) entdeckt und gewarnt ist.

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Nach der Probe, die nicht weit vom Kreuzberg entfernt war, dem Park in der die Galerie Kremers ist, in der die BIlder des Künstlers Blalla ausgestellt.  Aber es regnete – ein ekliger November-Im-Januar-Regen. Und der Park war doch der falsche. Hätte mir so gerne ein Bild gemacht in echt. Das, was ich ersteigert habe, werde ich erst im Februar erhalten, wenn ich zurück bin. alles geht so schnell. Die Zeit zwischen den Jahren ist zu rastlos.

abends zu K. in den Buchladen, Rechnungen bezahlen, reden. doch noch ruhiger Moment.

3.2. 2019, Berlin

Ein Bild des Künstlers Blalla ersteigert. –  na ja, das Bild ist ein Linol-Druck und die Versteigerung natürlich Ebay, wäre cooler, wenn es keine virtuelle Auktion gewesen wäre, sondern eine mit Hammer, bei der man Kärthchen hochhalten muss und Zahlen hinausposaunt und einen schicken Hut trägt. – egal. Das Bild, der Druck gefällt mir und trägt den Namen “Protestanten stürmen”, das konnte kein Zufall sein. fast wie “Bilderstürme”… Möglicherweise handelt es sich um eins von den Bildern, die als “blasphemisch” mißverstanden worden sind, aber ich glaube das Bild ist es nicht (andererseits hatte ich bis vor kurzem auch noch gedacht Blaspehmie bedeute die Beleidgung und Lästerung Gottes. Tatsächlich heißt es wörtlich jedoch “Rufschädigung”. blasphēmía – setzt sich zusammen aus den griechischen Begriffen für ‚Schaden bringen‘, ‚benachteiligen‘ und phếmê – ‚die Kunde‘, ‚der Ruf‘. In der Bedeutung geht es um die Rufschädigung einer Weltanschauung, gemeint wird dann oft: einer religiösen. Weltanschauung. auch ein schönes Wort. Es klingt nach Wahr-Nehmung. Aber es ist vielleicht nur ein kleiner Schritt von der Welt-Anschauung und Wahr-Nehmung der Welt zur Rechthaberei in Sachen Welt. Und ein noch kleinerer zur Rufschädigung, auch wenn das ein akustischeres Wort ist). Auf dem Bild wimmeln viele Geistliche herum; was genau sie tun, werde ich erst beschreiben (und die Frage der Blasphemie gegebenenfalls nochmal aufbringen), wenn ich das Original in Händen halte. Es ist ein sehr schönes Bild; nur ein kleines bißchen tut es mir nun um das andere leid, dass ich auch hätte erwerben können (“Protestanten holen”, dessen Titel mir aber nicht so gefiel wie der des Bildes mit dem Sturm. Das nicht gewählte war dunkler und heimlicher, eine Mondsichel wurde von Himmel geholt. Seine rätselhafte Nachtstimmung geht mir jetzt nicht mehr aus dem Sinn. Aber man kann halt nicht alles haben. Außerdem ist es doch gut, das Bild das man im SInn hat, hat man ja irgendwie auch.

2.1. 2019, Berlin

den 1. Januar glücklich überstand. (und das mit leerem Kühlschrank und ausschließlich Mister-Blubbers-Brause-Glückstalern und Puffmais!) Nachts dafür Träume in denen ein Leib Brot eine Schlüsselrolle spielte. es war ein Hirtenbrot, wie meine Eltern es immer in der Bäckerei Aumüller vorbestellen und seltsamerweise wurde es ins Haus geliefert von meiner alten Englischlehrerin. Und es sind Rauhnächte! Die Träume, die man hat sind bedeutungsvoll! (oder sollten zumindest etwas bedeuten).

Nicht zu viel im STande. Quittungen sortiert, Filme geguckt. Zwei Ebaykäufe: Bolerojäckchen. Blalla.

1.1. 2019. Berlin.

Glücklich. Das Jahr überstanden.

Erstmals das lange aufgesparte Abendkleist mit den Spaghettiträgern getragen ohne das Ganze zu entschärfen durch irgendeine Flohmarkt-Schal-XXL-Jacken-Überzieh-Formation, in der man ertrinkt und mit einem jede Hoffnung. Overdressed im Käptn (was die maritime Metapher rechtfertigt). I. hatte recht: es ist eine der letzten Friedrichshainer Kneipen, die noch wie früher sind. Ohne Fake-Patina, ohne bemühtes Friedruchshain-Profil, ohne Konzept. WÄre auch gerne ins Scheriff Teddy, aber da hat I. hat er Ladenverbot, leider. wieso kenne ich so viele Menschen, die irgendwo Ladenverbot haben? – Und selber? Ich erinnere mich an einen Copyshop in Stuttgart. das wars aber auch schon. meien Freundinnen mögen mich reihum rauskicken aus ihrem Leben, aber mit Kneipen immerhin hatte ich noch nie das Problem. Vor 12 Uhr nachts war mir nicht nach feiern gewesen, da hatte ich das Kleid noch “nur für mich!” getragen. Alleine Jahres-Abschiesdrunde in meinem Kiez. den schwarzen Weg entlang, an der S Bahn, über dem Fuballfeld von Sparta Lichtenberg explodierten die Feuerwerke fern und so elegant wie auf einem Gif in Dauerschleife. Wollte zu der Party, aber hatte das (eh idiotische) Mitbringsel vergessen. Gehofft M. zufällig zu treffen, ich aber fand sie nicht in der Menge, zwei mal um den Block gegangen, Lagerfeuer aus  Feuerwerksresten. Mann ermahnte mich immer wieder aufzupassen, dass mein Schal nicht Feuer fängt (da hatte ich noch meine Kleiderschichten an). Eine einzige Rakete abgefeuert, die jemand vergessen hatte in einem  übrig gebliebenem Plastik-Set. die Left-Overs anderer in den Himmel geschossen, es regneten blaue Sterne daraus herab. Blau sei besonders schwer herzustellen, sagte jemand. rot sei leicht. wollte nach hause, todmüde. die MItbringsel im Bett selber essen, und the the marvelous Mrs Maisel sehen gewollt, dann plötzlich stand I. vor der Tür… –

Hatte Silvester gefürchtet. der geheime Gedanke, wie es wohl in WIndsbach gewesen wäre? hatte sich erübrigt. bei meinen Eltern zu feiern war bis zu letzt “so ‘ne Idee” gewesen, die ich schon öfters hatte und jedesmal bereut habe. same procedure as every year. Fleischfondue, das gar keines ist. Und die Angst, dass vielleicht bis vor zwölf und ab 12:20 Bares für Rares im Fernsehen läuft. weil es IMMER läuft. egal zu welcher TAgeszeit Okay, im spätabendprogramm a. 31. vielleicht nicht, obwohl… An Silvester gibt es vielleicht einen Jahresrückblick oder so: die bestenDachbodenfund-Käufe-2018… Der ausgestorbene Ort, gegen den Windsbach wahrscheinlich wild ist. Als ich im Edeka in der Ampfingstraße in München stand und schon klar war, dass ich nach Berlin fahren würde, hatte ich nochmal die volle Kanne Überforderung abbekommen, LAst-Minute-EInkauf. Da In-Berlin-Abends-Ankommen bedeutet hätte, dass die Läden dann zu sein würden. vor der Abreise also noch EInkaufen. EInholen hieß es fürher. Seltsames Wort. klingt wie EInfangen. sich einen Schnupfen einfangen. sich was wegholen. Da stehst DU, schon abreisefertig mit deinem Militär-Rücksack und der Pharma-Werbetasche, die die So. mir lieh und die aussieht, als würde Mary Poppins damit zum Strand gehen (und sogräumig ist sie auch! Sie gefällt mir sehr!) im supervollen Supermarkt und kannst Dir  einfach nicht vorstellen irgendwann bald Sekt zu trinken, deshalb kaufst du keine Flasche, aber was sonst mitbringen auf eine Party von der man noch nicht genau weiß, ob man sie mental schafft, weil der Ex da vielleicht auch im Hof rumstehen wird. Und deshalb stehst du lieber ratlos in der Fülle der Lebensmittel im Edeka und denkst, muss ich überhaupt in diesem Jahr noch was essen? Und nächstes Jahr? Die Restposten Elisenlebkuchen vielleicht … – aber nein, für immer verdorben durch den neuen Standard  (Beisser, Helmreich, Diakonie-Dettelsau und die selbstgemachten von der Sa.) und weißt nicht was ZU DIR NEHMEN. WAS  MITBRINGSELN. und die wirklich einzig richtige Wahl so oder so sind am Ende 5 Tüten Puffmeis, von denen du schon jetzt weißt, dass die blassbunten Kügelchen am Ende in deinem Bett rumfliegen werden. eine halbe STunde war ich in dem Laden und komplettierte am Ende den EInkauf doch noch glücklich mit einer Rolle Brausetaler mit Glücksmotiven darauf. ein magischer Griff, den ich tat, denn es war unverhofft und überraschenderweise etwas aus meiner Kindheit. gibt es die noch? wie kam ich so lange ohne sie aus? habe ich sie bisher übersehen? denn es war das am wenigsten bunte Produkt, unauffällig und billig lag es zwischen den Centa-Schock Kaugummis und sauren Hitschies. Und erst jetzt, da ich wieder  in meiner Wohnung bin, verkatert und aus unbeschrieblichen Träumen erwacht, komme ich dazu sie zu essen. verlorene Zeiten, die  einen EINHOLEN. Wieder-Begegnungen. erstmals Entdeckte Kleidungsstücke. verlorene Paradiese. verlorene Schlüssel. Licht. Schatten. Süßigkeiten im Bett… – was wird dieses Jahr bringen?

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31.12.

noch nicht ganz vorbei. und es ist vielleicht gut, das Jahr in Berlin zu beenden. Fahrt von München durch einen Nebeltunnel, schlief sofort ein, erst als wir Nürnberg hinter uns hatten aufgewacht. Die Welt jenseits der beschlagenen Fensterscheibe ist unwirklich. Nach dieser Autofahrt, nach diesem Jahr überhaup, glaube ich mehr denn je, dass unsere Wahrnehmung erst die Welt zur Wirklichkeit gerinnen läßt. Zu  e i n e r  Wirklichkeit von so vielen Wirklichkeit wie es Augen gibt, in die die Welten fallen können. EIgentich ein alter Hut. Platon sprach bereits davon,  Kant sprach davon und von Heisenberg ganz zu schweigen; der sprach auch davon. Aber davon war nicht die Rede. welche Filme magst Du? Und Du? Versuch die Handlung von Mulhallond Drive zu rekonstruieren. Vergebens. Und Plötzlich fiel mir ein, dass ich mit J. noch 1 1/2 STaffeln Twin Peaks zu gucken habe. DInge auf die man sich freuen kann 2019. nichts erwarten. gut sein lassen.  Der Regen ließ erst in berlin nach, die unwirkliche Fahrt war in dem Moment zu Ende, als wir auf dem Ring in der Höhe Oberlandstraße waren. Das ist das Schönste, wenn die Fabriken, in denen der Kuchenteig gerührt wird stärker duften als der Berliner Ring. Es riecht nach Kuchen! Ich hatte Maria davor schon erzählt, dass das manchmal so ist, wenn man Glück hat. Und dann schließich und endlich Grenzalle nach Kaffee. der Kuchen war nur zu erahnen, auch der Kaffee, nicht einmal ich war mir ganz sicher. Maria lächelte. Da war der Kaffee, ja? Ja. ich bin wieder da.

30.12.

Das Jahr ist fast vorbei.

Es fühlt sich momentan nicht so an, aber es war eigentlich ein schönes. Ein Umbruchjahr. Könnte das Wort des Jahres sein, Umbruch. aber  ein pauschales Wort wäre definitiv zu wenig. Die zehn Worte des Jahres 2018 sind (ohne chronolgische Reihenfolge, nur so wie sie gerade, krumm und schief in den Sinn kommen): Schlehdorn. Fußraste. Gottesruh. Himbeer-Toni. Mumkin. Gemeinschaftsbart. inbrünstig. Welt-Kakao-Konferenz. Rezatgrund.

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Schlehdorn ist die floristische Entdeckung  des Jahres, ich verbinde sie mit dem Gang oberhalb des Stadtgrabens, er rankt sich giftig und kratzig über der Stadt, es wird den Zweigen  nachgesagt, dass Beutetiere an ihren Dornen aufbewährt werden, an die neun Stück, bevor der Neuntöter sie isst. Wikipedia lehrte mich, dass man die beeren doch essen kann. und das der Strauchein Wurzelkriechpionier ist. auch ein schönes Wort. die Wurzelbrut (noch ein schöneres Wort) vertreibe andere Gewächse. In der Steinzeit trug man die durchlöcherten Kerne in Ketten um den Hals.  Ein paar habe ich  mit der kleine F. gepflückt und an den Weihnachtsbaum gehängt. Und auch der hing, von der Decke herab. Gottesruh versteht sich fast von selbst, die Kapelle war das Jahr über die schönste Arbeitsstätte, die ich je hatte.  Für mich wars beides, Ort an dem ich Ruhe finde und Unruhe zugleich, Bilderstürme; man flattert darin rum, kommt nicht los, manchmal singt man, manchmal wil man mit dem Kopf durch die Scheibe, wie der kleine Vogel, der sich verirrt hat. Gottesruh. Nachwievor bleibt die Frage: was ist, wenn Gott ruht? die andere ist: Kann man ohne Fußraste Motorrad fahren? Ein Himbeer-Toni ist ein Blödmann. manchmal ist man selbst zu blöd, um zu erkennen, wer ein Toni ist und wer ein Himbeer-Toni. Tendenziell hat jeder Toni das Potential zum Himbeer-Toni. das Erlernen dieses neuen Wortes hat mir über die Trennung von meinem Freund hinweggeholfen. Mumkin ist das erste arabische Wort, das ich ohne Sprachkurs oder Google-Translation gelernt habe in Gaza. Es fiel so oft. und es gefiel mir gut. erinnert an kleine Wesen, die Mumins vielleicht, und das bedeutet es auch: vielleicht. Ein Wort auf das man bauen kann. weil es gibt manchmal nicht jenseits von vielleicht. Gemeinschaftsbart  ist einfach ein super Wort. Die Sa. verwendete es, um mir ihr Kostüm als Pelz-Märtel zu beschreiben und wies ausdrücklich darauf hin, dass sie den Gemeinschaftsbart des Betselheims nicht tragen wollte. das verstehe ich sehr gut. Bärte haben aber nun mal Hochkonjunktur. hierzulande sind sie wieder hipp geworden. gepflegter Nachwuchs. (während vor einigen Jahren meines ERachtens nur der Band-Leader der Eels einen trug – es gefiel mir gar nicht und die Taliban.) Vielleicht ist der mitteleuropäisch-gemeinschaftliche Konsens, dass der Hier-Zu-Lande-Bart ein Statement ist, dass der Bart nicht nur gläubigen- bis radikal gläubigen Muslimen vorbehalten sein darf oder Karl Marx. – inbrünstig war mein Jahr. das bedeutet manchmal zu viel un dzu viel bedeutet meistens auch zu wenig. der Dekan Schlicker verwendete das Wort in den BILDERSTÜRMEN, er beschrieb das tief von Innen überbrodelnde Bedürfnis der sehr armen Menschen in Rumänien, ihrem Glauben Ausdruck zu verleihen, den letzten Pfennig zu spenden, damit die Kirche noch ein bißchen goldener, schöner und strahlender werde und so größere Wirkung hervorbrächte. Manchmal denke ich, es ist eigentlich ein Unwort. zu viel. zu wenig. Herzblut wär auch so ein Wort. Am Ende stehst da mit deim Herzblut und weiß nicht weiter. es ist wie mit dem Märchen vom Sterntaler. das  gibt alles, zieht sich aus bis aufs letzte Hemd und steht (und das als sehr junges Mädchen) halbnackt in der Gegend rum. Und dann regnet es Geld vom Himmel??? Es hat etwas schlüpfiges. Da gefällt mir der St. Martin besser. ein Mantel in zwei Hälften. hat jeder noch was von. (aber den feiern die Windsbacher ja nicht, der wird weggekürzt mit dem Nikolaus, womit wir wieder beim Thema Gemeinschaftsbart wären)  – andererseits hat es diese Schlüpfrigkeit nur, wenn nicht ehrlich gegeben wird. wenn heimlich nachgerechnet wird, das ist dann nicht mehr inbrünstig, weil ja am Rande mit notiert wird. Ich halte mich tendenziell auch für einen inbrünstigen Menschen im Moment in dem ich gebe oder vor allem meine ARbeit mache. leider rechne ich dann hinterher aber dann doch meistens nach, wenn ich merk, dass man von der Inbrunst nicht leben kann. apropos Abrechnen: seit ein paar Tagen hat WIndsART die Abrechnung der Bilderstürme abgesegnet und kam sogar auf ein höheres Plus, als ich in der meinem. Endlich rehabilitiert!!! Kein Minus! Es war viel, aber am Ende nicht zu wenig. kein Zu-Viel-In-Kauf-Genommen? all die Umstände, die einer guten Sache beiwohnen, ziehen die Schöneheit des Wortes Inbrunst in Mitleidenschaft. Aber wer will schon mitleiden? Mitliebschaft wär eh besser. 

Welt-Kakao-Konferenz. ist das schönste aller Worte überhaupt. ich hab es von Tina, meiner Berliner Schauspiel-Kollegin. als ich in den Probenraum kam stand da eine überdimensionale Tafel Schokolade aus Schaumstoff. Tina steckte drin und sah aus wie Spongebob Schwammkopf, nur in braun. als ich sie fragte, was sie in dem Kostüm täte, sagte sie trocken und mit nur einem Anflug von zart-bitter, sie hätte morgen einen Auftritt bei der Welt-Kakao-Konferenz. Wenn ich traurig bin, denke ich dieses Wort. es hilft fast immer.

Rezatgrund. es ist der Anfang und Ende meiner Windsbachzeit. es ist ein poetisches Wort, auch wenn es in erster Linie der Name einer Pension gegenüber vom Waldstrandbad ist. Helmreich wäre auch eine gute Wahl gewesen. Das Reich der Pralinen, die es möglicherweise nie auf die Weltkakaokonferenz schaffen, aber dort sicher der HIt wären. Aber die Frau Helmreich würde abwinken. sich von ihrem Stuhl im Hinterzimmer erheben und die Augen verdrehen und das soll sie auch, denn das ihre Rolle.

27.12.

aber was hat den Künstler Blalla nach Windsbach verschlagen? warum steckt ausgerechnet hier das Holz im Friedhofsboden? wollte er hier seinen Krebs beerdigen? – Der Künstler Blalla heißt eigentlich Blalla W. Hallmann und noch eigentlicher Wolfgang Ewald Hallmann, aber als der Mann vond er So vom “Künstler Blalla” sprach war das sofort ein stehender Begriff in meinem Hirn geworden. 1941 in Schlesien geboren, im Riesengebirge, kam er in 2. Weltkrieg mit seiner Familie nach Westfalen. der Vater starb früh, da war der Künstler Blalla mal neun. sein erstes Ölbild malte er mit dreizehn. in Berlin war er, in Amerika, in der Psychiatrie und in Windsbach. dunkelbunte BIlder, abgründig und schön zu gleich werden sie beschrieben – glaub ich sofort Auch als blaspehmisch – glaube ich weniger.

26.12.

Schoß der Familie. Eltern. Sohn. die Tochter am Telefon.  Weihnachten nachgefeiert. Wäre ich doch nur gleich hier her! Blauer Himmel frühlinghafter Dezember. die Berge hinter Glonn sind blau und zeichnen sich scharf ab vor dem Himmel. Mein Vater behauptet wieder, man könne bis nach Italien sehen. Kann schon sein. sind halt Zauberberge. Wir sitzen in den Liegestühlen in der Sonne und aus dem Boombox meines Sohnes tönt der Messias. immer zu laut oder zu leise. lauwarmer Glühwein. meine Teekanne von Fries hab ich in W. vergessen. aber ich hab eh eine neue bekommen. das obligatorische Geschenk, weil alle wissen, dass ich immer alles kaputt mach. und Tee.

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Der Mann von der So. hatte mir übrigens, als ich ihm das Grab beschrieben hatte, das mir so ins AUge gefallen war (zwei Reihen vom Grab des Herrn W. entfernt), das mit dem seltsamen, alles überragenden schmalen Holz und nem ebenfalls grob-hölzernen Engels-Silhouette darauf, erzählt, dass es das Grab des Künstlers Blalla sei. Also doch ein Künstler! Er hat seinen eigenen nicht steinernen Grabstein vorbereitet, hatte Krebs. wenn das Grab selbst nicht so vergessen und verwildert wäre, sähe man wahrscheinlich sofort wie schön der hölzerne Stein ist. Was hat den Blalla nach Windsbach verschlagen?

25.12.

Aufgewacht in der Fülle der schönen Dinge im Wohnzimmer der So. einer vollendet-unperfekten Mischung aus schlichtundergreifenden stilvollen Besonderheiten, auch Krimskrams, gemütlichem Familienzeug. Und ein breites weiches Sofa.

Hatte nach der Christmette eigentlich sofort abreisen wollen, aber plötzlich doch noch alles WunderschönesWeihnachtenWindsbach anstatt Weh-Weh-Weh:  zum Weihnachtsessen eingeladen worden! Und Fondue! Wie bei meinen Eltern, nur in echt. Das war noch vor der “Spätvorstellung” in der Gottesruh. Bammel gehabt. schön gewesen. Gegenüber von mir mir saß die Mutter der So. von der ich schon viel erzählt bekommen hatte, die eine Pflegerin aus Rumänien hat, die saß neben ihr. mit beiden konnte ich nicht reden (meine Rumänisch beschränkt sich auf Schapti-Schapti und Te-ju-besk – sechundsechzig und Ich liebe dich). Von So’s Mutter, die große klare Augen hat, mit denen sie spricht, denn sie kann sich kaum bewegen, kaum sprechen, habe ich heute geträumt, Zahlen und Buchstaben wie kleine, feine Laserstrahlen purzelten aus ihrem Graublau, es hätte eines Codes bedurft, um zu  entschlüsseln, oder Gerätschaften, wie sie sich ein Steven Hawkings leisten konnte. im Traum ging es, und wir unterhielten uns, im Traum hatte ich allerdings auch ein Glasauge, das ich herausnehmen konnte, während ich in echt noch nicht einmal eine Brille habe, die ich aber definitiv bräuchte. Man weiß nie, was in den Menschen vor sich geht. sicher ist es besser wenn sie es zur rechten Zeit sagen können, aber letzendlich…sind wir wohl alles Menschen in eigenen Schneekugel-Universen. Der Dekan der in Hogwarts gestern die Messe hielt, sagte mehrfach, die Weihnachtsgeschichte sei die beste Geschichte, weil sie nicht von den Menschen handele, sondern von Gott, der sich unter die Menschen begibt. Vielleicht wenn diese “beste aller Geschichten” (eine ebenfalls gute zitierte er aber ebenso und die war Michel aus Lönneberga) wahr sein sollte, ist sie vielleicht eine die davon handelt, dass die Glaskugeln semipermeabel werden, jedenfalls von einer Richtung durchlässig. es liegt dann an uns ebenfalls einen Weg nach draußen zu finden. (das hat er nicht gesagt, das sag ich). In der Predigt der Pfarrerin Walz aber, gestern in der Gottesruh, fiel immer der Satz “Ich will bei dir wohnen”, dass das die Botschaft des Jesuskindes sei, das Einzug hielte. Vielleicht ist das die selbe Botschaft.

noch Wohnen. schon leben. Einrichten. Ausrichten. ich gebe zu, ich habe nicht alles verstanden was sie sagte, und ich wünschte sie hätte nicht die Anweisung gegeben, dass immer das Licht angeschaltet werden solle bei den Liedern, wo ich doch auch Licht gekonnt hätte, weiches und sanftes! Und die Projektionen nur schön sind ,wenn das Licht aus ist. Manchmal wohnen vielleicht zu viele Geister in der Gottesruh. Und auch sonst. Ich glaub ich befinde mich gerade im Irrlicht-Modus.

Jetzt bin ich ganz wach. Über mir hängt ein rot leuchtender Papierstern,  herzerwärmender noch als der Hogwarts Kronleuchter. es ist noch dunkel, aber man ahnt den Morgen hinter der Glasfront der Wohnzimmertür. Es wird hell über der Rezatwiese. Weit jenseits der Baches glüht rot das Helukabelwerk. Am Wall fehlen inzwischen die Gänse – ihre Abwesenheit ist von hier aus nicht zu sehen, aber dennoch Gewissheit. Wenn es weiter so regnet, liegt So’s Haus am See. Ich koche Tee. bald breche ich auf.

24.12

Aufgewacht nachts gegen drei aus Traum: Der Rezatgrund war auf dem Grunde der Rezat und manne Lichtsache in der Gottesruh nun doch machen..? Jetzt fehlen im Zuge der Umzüge allerdings wieder die Haferflocken und der Glasbehälter. Zelte abbrechen? Jenseits der Gründlichkeit? Heimheimheim? – Unentschlosse konnte ihn nur schwimmend erreichen. Die Rezat war aber tief und ein See. Wasserfall. Wunderbare WasserWelt stand

über dem Eingang. Man konnte atmen, aber bedurfte dazu einer

Taschenlampe, deren Lichtkegel das Wasser durchschnitt, durchflutete und

atembar machte. Die Taschenlampe sah aus wie der Akkustrahler, den ich

in der Fundgrube für 14,90 gekauft hab. Aber es war schwer, das

Zimmer zu finden. Ich verlief mich, verschwamm mich. Immer wollte ich

rauf, der bärtige Rezatgrundwirt sagte aber, ich müsse [der Sache?] auf

den Grund gehen. Ein bißchen wie bei Frau Holle, du springst runter in

einem Brunnen und landest in einem „Oben“ von wo aus Betten geschüttelt

werden und es hinab auf eine Erde schneit. Seltsamer Traum. Wunderbare WasserWelt muss von dem Weihnachtsgruß des Herrn K. kommen, der so freundlich „W.W.W.“ wünschte, was so viel hieße wie Wunderbare Weihnachten in Windsbach. Gerührt gewesen.Der Rezatgrund

in echt hat sich auch verändert, das Zimmer schien mir damals nicht so

schick, nicht so behaglich. Und irgendwie tut die Ruhe doch auch ganz

gut. Die letzte Woche war anstrengend und schön zugleich. Eigenen

Belange ziemlich auf der Strecke geblieben. Sohn, Eltern,

Steuererklärung, Anträge. Gestern Abend wiederum tauchte auch mein

Notebook wieder auf, sozusagen aus dem Wasser trocken gelegt und

gründlich gereinigt vom Salz. Könnte die klein ausgecheckt. So oder so: Retzatgrund ist einfach zu weit ab vom Schuß. Sowohl vom Bahnhofals auch von der Gottesruhkapelle. Einerseits-anderseits. Hin und her…. Im Zweifelsfall erstmal zur Fundgrube. Ein Schneefall wäre schon gut. So oder so. Wer ist Frau Holle, wer Pech-, wer Goldmarie? Hielt mich immer für die letztere. Allerdings wird die echte Pechmarie sich auch für eine Goldmarie gehalten haben. Und am Ende kriegst doch einen Kessel schwarze, klebrige Brühe übergegossen. Manchen Dingen kommt man alleine nicht auf den Grund. Auch nicht wenn man wieder einen Computer hat (Gott und Felix sei Dank!) zum Schreiben und Denken. Über manches müsste man sprechen. Allein ist alles Fiktion.

Helles Sonnenlicht beim Verlassen der Pension. Der Wind pfeift durch – durch was pfeift er? Fahnenmasten? Hoher seltsamer Ton, schrill und aufgeregt. Höchst-geschwind. Der Ton ist mir in der Nacht unheimlich gewesen, jetzt klingt er vertraut. Gang zur Fundgrube. Erstmals durch den Ort Retzendorf. Viel ländlicher als das „städtische“ Windsbach. Freundliche Frau auf Rad mit herb-haarigem Gesicht weist Weg. Die wär eine Frau Holle. Jetzt geht’s wieder bergauf. Kellergewölbe am Wegesrand. Drinnen riecht es nach Lehm. Gute Gruft. Nix wie raus. Es nieselt wieder, aber die Sonne ist immer noch hell am Himmel, leider kein Regenbogen. Vorbei an den Neubauten. Holzbrett gefunden, das geeignet wäre für den Aufbau in der Gottesruhkapelle. In der Pfütze scheint die Sonne. Da drüben wohnen die Kawohls in ihrem Haus das aussieht, wie aus einem Petterson und Findus-Buch. Die hatte ich auch besuchen wollen. Die verflogene Zeit. Weites Land. Fohlenhof. Seltsame Mischung aus Gewerbegebiet, Neubau und bäuerlichem Gehöft. 1. FC Nürnberg Fahne vor sterilem Neu-Haus. Des weiteren: Die Kleinöder-“Ranch“, der Holzbau/handel liegt fern in dem flachen Dezembergrün, sehr malerisch. Weites Land. Dauernd denke ich „Weites Land“. Hinter Windsbach fängt es gleich an, das weite Land. – Ist aber auch Lieblingswestern mit Gregory Peck. War mal da. Nicht im wilden Westen. Beim Kleinöder. Schöne Gespräche. Muss ein schönes Gewerbe sein, das mit Holz, immer der Duft von gesägtem Holz. Ob man das irgendwann nicht mehr riecht? Erinnere mich noch an ein Gesicht auf einer Werbegraphik des Bretriebes, gleich wenn man ins Haus kommt auf dem auch historische Aufnahmen eingearbeitet waren: Arbeiter, der nicht direkt in die Kamera blickte, so vor sich hin sah (oder noch bei der Arbeit?) und das Haar fiel über seine Stirn. Keine Ahnung warum, aber irgendwie berührte mich gerade dieses Gesicht. (Obwohl generell alte Fotos auf denen Menschen zu sehen sind…! Ein Beweis, exisitiert zu haben, auch wenn alles längts Geschichte ist. Eine Ahnung haben dann immerhin andere. (Die So. z.B. hebt Fotos auf, von Leuten, die sie nicht kannte. Oder rettet fremde Fotos, die keinem mehr gehören. Junge um die 1910 rum auf einem hohen Fahrrad mit zwei kleinen Stützrädern in einem Fotostudio, schaut zart und zuversichtlich in eine Zukunft, die längst Vergangenheit ist. Zwei Frauen um die 40 vor einem Schiefergedeckten Dach, gestochen scharf in tiefem Sepia, die eine lächelt vor sich hin, die andere sieht sie von der Seite an, was die andere aber glaube ich spürt. Müssen Schwestern sein oder sehr gute Freundinnen. .)

jetzt ist wieder Regen und Wind. Aber bin schon an der Fundgrube. Ähnliches Pfeifen wie vor dem Rezatgrund. Alles bekommen. Jetzt zurück. Dann Gottesruh.

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Der Rollkoffer aus der Fundgrube, der mir etwas windig vorgekommen war, ist super. Rollt immer noch wie buttergeschmiert obwohl weiter Weg, steinig, aufgeweicht, Kopfsteingepflastert („gar leidlich!“); in der Gottesruh mein Buch wiedergefunden, hatte es innen liegen lassen und nicht wie befürchtet aussen im Regen. Alles wird gut. Technikaufbau, und Beamerschnittstelle funktioniert auch. Edeka-Haferflocken werden zu Schnee in der Glasvase aus der Fundgrube. wenn sie ins Wasser fallen, vergeht die Zeit in Zeitlupe; zudecken, leise rieseln, Schwamm drüber. Kurzer Frau-Holle-Moment.

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Habe jetzt verschiedene Lichtstimmungen, warmes Licht, der Jesus hat ein extra helles, das nur auf seinen Leib fällt und für O DU FRÖHLICHE und FÜR STILLE NACHT fallen die Schneeflocken in der Apsis als wäre sie eine  Schneekugel, also diese Glaskugeln, die man schütteln kann. weiß gar nicht, ob es für dei einen eigenen Namen gibt? [doch sie heißen Schneekugeln! patentieren ließ sich die Idee ein Herr Perzy, Chirurgie-Instrumenten-Mechaniker in Wien und nannte sie “Glaskugel mit Schnee-Effekt”, und der nahm Gries für den Schnee!] Wird doch langsam kalt. Kann nicht die ganze Zeit über hier sein. Bringe Dinge zurück, die wo anders hingehören. Fremden Zettel gefunden auf der Straße, eine kindliche Handschrift notierte, wieviel Geld sie für Geschenke ausgegeben hat. Für diese Freundin so und soviel, für jene etwas weniger. Frage mich, was dahinter steckt. Vielleicht dei SOrge, ob das Taschengeld reicht oder die Freundinnen im Ranking bedacht wurden; Geht es um Gerechtigkeit und Ausgleich oder um buchhalterisches Wie-Du-Mir-So-Ich-Dir? Der Zettel rührt mich. Auf dem Friedhof zum Grab vom Herrn Wasserburger gewollt, aber von allen Seiten kommen Menschen, junge Leute, auch ältere. Betrete den Friedhof gleichzeitig mit einem Mann und einer Frau, die offensichtlich den gleichen Weg haben. Plötzlich stehen wir alle vor dem selben Grab. Das überrascht, erfreut und beschämt mich zur gleichen Zeit. Weil die sicher viel bessere Gründe haben das Grab zu besuchen. Ich kannte den ja kaum. Ich verkünde feierlich, dass ich mich freue, mehr von den Wasserburgers kennen zu lernen, ich hätte den Herrn W. zwar nur kurz gekannt, aber dächte gerne an die Begegnung zurück, ein besonderer Mann… usw. –  Die Leute hören mir freundlich zu, lassen mich ausreden und sagen, dann sie seien hier wegen des Nachbargrabes. Den Herrn W. hätten sie gar nicht gekannt, aber freuten sich, dass ihr Vater nun einen neuen und offensichtlich netten Nachbarn hätte. Da noch mehr vermeintliche Wasserburgers eintreffen, gehe ich und suche mir einen Bank. Aber auch da bin ich irgendwie im Weg. Stadtkirche. Und da ist es sogar richtig warm. Und gerade werden Kerzen an einen Kronleuchter gesteckt. Muss wieder an Hogwarts denken. Schwebender Lüster, der Kerzenschein verstärkt sich durch das Messinggold, die sonst so schlichte Kirche erstrahlt und hat einen Zauber wie sonst nicht. Kinder rennen durch die Halle zur Sakristei, Die Kantorin (definitiv auch Hogwarts!) scheucht sie zusammen und dirigiert, als schüttle sie etwas aus dem Ärmel. Bin zwischen die Vorstellungen geraten, also die Gottesdienste. Die klaren Stimmen der Mädchen von links ( zwei von ihnen kenne ich ein bißchen, ich höre sie sogar heraus!), die etwas chaotischeren Jungsstimmen von hinten, kenne ich auch, aber sie scheinen mich nicht mehr zu kennen. Etwas schiefer singen sie… Völlig egal! Ich vergesse, dass es (noch) nur eine Probe ist.  Es ist so warm und eine so anheimelnde Mischung aus Dunkelheit und Lichtermeer, ich schlafe ein. Wache erst auf, als eine Mesnerin mir ein Liederblatt rüberreicht. Augenblick der Orientierungslosigkeit. Als säße ich im falschen Film. Nicht Harry Potter. In der falschen Kirche. Das Glück in der Glaskugel

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23. 12.

Stadtcafe.  immer noch ohne Computer. Kaum einer da. Und ohne Bleibe. Habe Weihnachtsdynamik unterschätzt. Stelle fest, dass ich ohne Computer kaum schreiben kann. Gut so, sagt der Johann, ich solle mal nicht immer arbeiten, als er den Earl Grey Tee bringt. dabei bin ich in der letzten Zeit kaum zum Schreiben gekommen.  – Leider stelle ich fest, dass ich ohne Schreiben aber auch schwer Gedanken fassen kann. – Und dass er bald schließt, sagt er, der Johann. Mist. Denn dann WOHIN???  – Gesprächsfetfzen vom Nebentisch, die wie akausal-synchrone Antwort klingen.

„Ich würd nach Australien! Wenn ich noamal verreisen könnt, ich würd nach Australien wollen. Da bräucht ich fast kein Geld und schön solls sein. Aber der Flug is so lang. Des halderd ich net aus…“

Drei alte Damen, eine von ihnen aus Großhaslach kamen zusammen bei einem, bzw. mehrerern Bieren am 23. Dezember – die Biere aber alkoholfrei. Die Kleinste sieht aus wie die Älteste aus den Golden Girls (Sofia, die mit der Reibeisenstimme), ihr fränkisches Pendent, etwas molliger und im Gegensatz zum golden Girl: mit feinem aufgeregten Puppenstimmchen, äußerte mehrmals sie verstünde die Welt nicht mehr, vor allem, dass dauernd ins Weltall geflogen würde (da ging das Stimmchen so hoch und war so ratlos, da erinnerte sie mich wiederum an die seltsamen Waldwesen bei Ronja Räubertochter, die immer „Wieso-denn-bloß?“ jammern. Ein Jammern wars aber eigentlich nicht, eher ein ehrliches Ringen um Verständnis. Sie wollte es wirklich verstehen!

„I begreif des gooooaa ned, was duun die da drom?“

Die aus Großhaslach verstands auch nicht, aber der wars auch worschd. Die Dritte glaube ich (die die nach Australien hätte wollen, wenn der Flug nicht so lang wär) verstands durchaus, sprach vom Forscherdrang, den der Mensch nun mal habe, aber es wirkte doch eher so, als wollte sie ihren Freundinnen nicht in den Rücken fallen:

Australien: „I habs auch gschaut im Fernsehen, wie der Gerst wieder nunder kimma is. Ich mag den ja, der red so klar. Und was der alles können muss: All die Schalder und Knöpfe, die der da bedienen musste -Da musst durchblicken, um des zu verstehhn…“

Großhaslach: „I muss des ned verstehn. Des interresied mich auch gar ned.“

die hellstimige Sofia: „Aber ich will des schoo wissn, was di da duuun. Wieso duun die des? [ins All fahren]“

Großhaslach: „An Gschmarree dun die da!“

Australien: „die pflanzn do Domadn und schaun, ob die wachsen!“

Großhaslach: „sag ich doch: Gschmarree!“

Australien: „na, weng interressnd is des scho…“

Sofia: Aber wieso duun die des mit die Domadn? Wir haben hier doch eine schöne Erde, des is doch genuug!

Australien: Ja, scho…

Sofia: „Was der liebe Godd sachen dät dazu, “

Großhaslach: des is mir auch worschd, was der sagt. Abschießen wird er die irgendwann. Und auch des interressird mich ned.“

kurze Stille:

Australien: „aber weng muss eim des vielleicht doch interessieren. Weng schauen, was in der Welt vorr sich geht…?“

Sofia (zu Australien): „und wieso muss man überhaupt immer irgendwo hin?

Großhaslach: Genau: es gibt da ein Land, aber wir haben hier auch ein Land und es es gibt Luft überall, dort wird geatmet und hier wird geatmet. Da kann ich meine Luft doch auch gleich hier atmen. Da muss ich doch nicht nach Australien. Oder in den Weltall!“ [und da gibt’s noch nicht einmal eine!]

Australien: „Na, ins All tät ich ach net wollen.“

Großhaslach: „wenns’t a Million übrig hast, kannst dich naufschließen lassen.“

Australien: „des möcht ich ja gar net. Aber ein Land mit Meer…“

Großhaslach: „Ich war a mal an der Nordsee. Aber da war mir nur schlecht. Ich war die ganze Zeit seekrank und musste in Quarantäne. Des Meer hab ich gar net gesehen. Aber wenns dich interessiert: du wirst lachen, es hat mich eh net interessiert.“

Stille. Unterbrochen von einem Massanger-Klingel-Ton von meinemHandy. Die Damen gucken zu mir und grinsen. Wenden sich dann wieder dem Desinteressen zu. Mein Messanger sagt, dass Single-Mütter aus Fürth mich treffen wollen. Solche Meldungen kommen jetzt öfters, seit ich mal versucht habedie 8. Folge House of Cards auf dem Handy weiter zu schauen. Großhaslach: „Und wieso muss mich des alles interessieren? Is doch als a Gschmarre. Wie in dem weißen Haus der Tramp! Der interessiert mich auch ned.“

Sofia: aber des wüsst ich auch gern: Wieso die den gewählt ham…!

Großhaslach: „Und die Frraaa! Weißt, wieviel Chrristbaum die ham in dem weißen Haus?! – aber egal! Die können alle nur essen!

Australien: „Der kriegt auch noch sein Fett weg, der Tramp.“

Großhaslach: und jetzt wenden sich sogar seine Frau und die Dochter ab von ihm, weil er so viel falsch macht.

Stille.

Sofia: „Ich versteh des wirrglich ned.“

Stille.

Sofia: (plötzlich zu Australien): „Wenn du nach Australien willst. Wo läßt du dann all dei Bücher?

Großhaslach: Des versteh ich auch net, wie man so viele Bücher ham kann.“

Sofia: „Und wieso man die aufheben. Wenn man die gelesen hat, kann man die doch wegtun.“

Großhaslach: „Ich hab in meinem Leben nur zwei Bücher gelesen! Und die hab ich alle nimmer!“

Australien: „Mein Hans, der hat viele Bücher von unseren Bücher am Ende nochmal gelesen…“

Sofia: „Und jetzt isser dood!“

Da klingelte wieder mein Handy. Und die Damen begannen ihre Aufmerkseit und das Interesse am Desinteresse auf mich auszuweiten. So konnte ich nicht mehr mitschreiben. Aber auf alle Fälle war es ein nettes Gespräch. Seltsamerweise unterhielt ich mich am angeregtesten mit der Frau aus Großhaslach, obwohl meine Sympathie vorher eher Australien gegolten hatte. Ich glaube der Frau ihre Desinteressiertheit inzwischen auch nicht mehr. Das ist wie wenn Leute immerzu sagen, sie seien super entspannt. Je mehr du sie stresst, desto öters sagen sie es. Das muss man wissen. – Dann gehen gemusst, weil Cafe zu. Es wird Ernst. Ertappe mich, dass ich wie ne Schwangere laufe und an die Maria denk. Aber das ist wegen der Bauchtasche, die unter dem Mantel doch sehr aufträgt. Regen. Rollkoffer. Retzendorf? Retzatgrund geoogelt, aber auf Hotelbuchseite gelandet und da heißt es „keine Vakanz“. Jetzt kommt echt Selbstmitleidswoge. Mist. Hatte Windsbachs Gastfreundschaft falsch engeschätzt. Oder überstrapaziert? Und gerade weil Weihnachten ist, kann man das auch keinem sagen, weil dann jeder sich genötigt fühlen würde, dich einzuladen. W e i l  Weihnachten ist. Erst recht Mist.  Dorschner? Auch zu. Immer schon schlechtes Timing gehabt wenn zum Dorschner gewollt.

My timing is off, she isn’t ready for my love singen die Eels in meinem Kopf.

Schließlich doch Rezatgrund. Und irgendwie macht es Sinn. Meine Zeit in Windsbach scheint zu Ende zu gehen. ich lande da wo ich erstmals übernachtet habe. im Rezatgrund. Und wie gut, dass ich in der Fundgrube einen Rollkoffer erworben habe.

My timing is off ’cause sometimes that’s how it all works.

22.12.

Stadtcafe.

THEMA POLITISCH KORREKTE GASTRONOMIE

Zigeuner derfst net sogn.

Musst sagen „ a Sinti Schnitzel.

Sinti derfst a net song. Weil vielleicht sind des Roma.

Roma derfst scho goa net sogn.

Dann mußt halt sagen: Ein Scharfes Schnitzel, bitte.

Des is wie mit die Neger (oder mit die Mohrenköpf) zu denen derfst auch nimmer Schwarze sagen oder Negerküsse.

Dabei tät denen des gar nix, die lachen doch drüber!

THEMA EISSTOCKSCHIESSEN (die neue Bahn gegenüber vom Waldstrandbad)

Weils bezuschusst wird, habenses halt gmacht. Aber die is schief, da kann man nicht spielen.

Die is net schief. Da is des Wasser schief gefroren.

Aber Wasser hat kein Gefälle!

Wennst nunder gehst auf die Bahn, rechts a Wasserpfütze und links nix mehr drin.

Da dann ich net schießen.

Du kannst eh net schießen.

Ich hätt gsagt: die Bahn bleibt am Weiher drunt. Da war des schon immer.

THEMA MÄNNER

Die Schwulen…“, secht mei Frra „…des sind ganz andere Mannsbilder. So freindlich und zuvorkommend.“

21.12

Leberkäsesemmel beim Rosenberger nach gut gegangenem Zahnarzttermin. Eine weitere an der Tankstelle. Zeitung ausverkauft. An der Tankstelle wird der Windsbacher Knabenchor Bus gewaschen. Aber nicht der, der neulich einen Autounfall hatte. Das war ja ein grosser und kein internatseigener. Die Windschutzscheibe in tausend Teile zersprungen, die dennoch nicht fallen, vielleicht, weil jedes einzelne, weil alle gleichzeitig stürzen wollen. gegenüber Die todgeweihten Gänse am Wegrand, frei, aber dennoch dichtgedraengt gegenüber der Tankstelle, stehen auf dem deichartigen Wall und wirken wie besteellt und nicht abgeholt. Wieso bleiben die da? Weg UMSONST. WOHIN. WOHIN. Offensichtlich keine Ahnung, was die westliche Welt zu Weihnachten isst.

Wenn ich Gans wäre, ich würde weiter hinten im Wiesengrund stehen wollen, aber wahrscheinlich wollte die Mehrheit der Mitgänse da stehen wo was los ist. Vielleicht wartet man auch auf eine Mitfahrgelegenheit. WEG! Einen Ausweg!  Kind meiner Gastfamilie vom Kindergarten geholt. wird immer vertrauter. obwohl schon zum dritten Mal, wieder im falschen Raum gelandet.

“ZUhause” dann Weihnachtsbaum aufgestellt mit den Kindern. Aufgehängt! er schwebt im Wohnzimmers der N. und scheint aus einer Schublade zu wachsen aus einem alten Arbeits-Kommodenschrank, der noch aus der Zeit stammt, als das Zimmer eine Schneiderwerkstatt war. ein kleines bißchen zaubern! wenn schon fraglich ist, ob der Zauber in der Gottesruhkapelle stattfinden kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

20.12

Erloeser waere entweder der Felix,  weil der kann Computer, etwas fuer sich hat aber auch die Nutzung eines vielblaettrigen Zettelblocks in quadratischem Format, den man mir im Dekanat aushändige als zukuenftig stellvertretende Alternative zu meinem gefluteten Apple-Rechners.  Blog auf Block?

19.12.

Messias nicht gesehen.

Nur kurz  vor dem Krippenspiel, ließ die Maria den Plastikjesus im Futtertrog verschwinden. plumps irgendwie tauchte er dann nicht mehr gross auf. War trotzdem schoen.

Den anderen Messias, den mit den Knaben immerhin beinahe sehen gekonnt. 

Und ebenfalls beinahe kein Wasser über meinen Rechner geschuettet. Also schlimm war es noch nie. Erloesr bitter von Noeten. 

18.12

Der helle Friedhof im Morgenlicht. Der blaue Schlehdorn, am Hohen Weg, der sich über die Gärten rankt und wölbt und ins Auge springt. Die Neuntöter, die ihre Beute und die bizarren Zweige spießen, sind wahrschienlich längst im Süden. Der Messerstecher aus Nürnberg ist weggesperrt. Vom leerstehenden Lädchen am oberen Tor, geht das Gerücht um, und es würde ein Erotikshop öffnen – Plakate hätten das assoziieren lassen; möglicherweise handelte es sich eher um einen Scherz! Windbach nicht die nötige Einwohnerzahl, die das Gewerbe eines Erotikshops in der Innenstadt rechtfertigen würdeIch möchte Ihnen sagen, wie gut die gut informierten Herren Frank und Bommel zu erzählen wissen, vielleicht irgendwo hinter der Fundgrube. Der bezaubernde Charme der beinahe noch unschuldigen Hula-Tänzerin im Auto, der am Kirchplatz steht – sie stehen solarbetrieben und das Amaturenbrett in einem grünen Kleidchen – entdeckt von den Beinahe-Mitgliedern des Kinder-Kirchenchors die benutzten: “Sie tanzt recht hübsch!”.

Ich weiß, dass es nicht gut ist, dass der Abend von der Stadtgrenze aus gesehen wird.

17.12.

Den gestrigen Abend mit Frank und Bommel unterwegs. Ich wollte essen gehen – hatte Il Corso vorgeschlagen, aber die wollten lieber richtig ausfahren. Wir tranken dann doch schnell einen Kaffee und ein Bier und noch ein Mann Radler (gar nicht schlecht!) Nur als 2 Biere abrechnen kann. Wär ja blöd, die dann nicht auch zu trinken. Es sollte dann nach Winkelhaid gehen, aber das ist nicht das Ziel. Wohin-Dann? -Frage eröffnete interessante Einblicke in die Gastronomie-Landschaft um Windsbach herum. Es gibt ein Lokal in Bertholdsdorf, das wirbt mit einem Schild Wir-Kochen-Für-Hansi-Hinterseer!, weil der habe da mal gegessen. oder vielleicht auch zweimal.              

Im Prinzip macht das ja nichts, man Könnte hinfahren, aber wer weiß, Vielleicht sind with the Schild ja auch gemeint, man kochte Ausschließlich für Hansi Hinterseer Und dann Steht man da (und ich hat den Ganzen Tag schon so Hunger gehabt!) Und kriegen nix. Fuhren dann nach Bechhofen; in die Wärme des grünen Baums hinein . Behaglicher Raum! ein freier Tisch …! lächelnde Kellneri n (“Des is jetzt blöd für Euch …!), sagt, die Küche habe schon zu. Um 19:50! Fährt man halt wieder zurück zu Windsbach und isst beim Ilios einen Delphiteller. Aufzählen aller Lokale in Windsbach, die es nicht mehr gibt. Der Legosteinartige Imbissbudenbau steht auf einer anderen freien Wiese. Das sei sehr gut gewesen, der Wirt habe auch verblüfft, und die Mitgliedschaftsanträge der CSU auf seine Bierdeckel haben drucken lassen. Die Zeit, die der falsche Zeitrahmen hat, ist die Zeit, die Sie brauchen, um die Zeit zu verkürzen der Gelegenehit doch.

Ich war aus den CSU-Beigetretenen, die in Bierlaune ihr Kreuzchen gemacht hatten. Blieben die dann in der Partei? oder nachträglich in der Nüchternheit des Morgens wieder ausgetreten. Gab es in dieser Ära starke Schwankungen in der Mitgliederzahl der Partei oder von der Prozentsatz an Alkoholikern in der CSU durch die Werbemaßnahme an?

16.12.

Windsbach Sehr früh aufgewacht von vermeintlichem Schnee-Schipp-Geräusch, aber der Hauch von einem Anflug von Schnee, winzigen Flocken, kaum zu sehen. Langsam begriffen, dass ich Ferien habe. Spaziergänge, wollten zum Plateau, aber kamen zum Spielplatz gegenüber dem Waldstrandbades, da nun doch Flocken fielen, Schneetreiben, Eiseskälte. Parkour über die Holzgeräte, Wackelnde Flächen, Seiltanzend, keinen Halt gefunden, weil keine Handschuhe und die Führungsbalken zu kalt. Kind mit rosa Mütze vor plötzlich weißen Landschaft. Und das ist das blass und nackt auf einem Telefonverteilerkasten – war aber eine Engelsfigur auf einem Sockel kurz vorm Rezatgrund. Sonst kaum jemand zu sehen.

3 dunkle Helmreich-Amaretto-Parlinen-To-Go.

***

Später Zweites Spaziergehen im Wald in weiten Kreisen um den Fernsehmast herum. Mann und Frau begegnen, die für ihre Weihnachtskrippe, die Hunderte von ihnen, die ihr Gemüse kaufen, mit den sie sammeln wollen, streitig machte. schöne Begegnung, Gespräch über die Zeit. das Vergehen von Zeit, in der Zeit. Die Frau mit hinreißendem Akzent, der Mann (von dem ich insgeheim weiß, dass er schöne Gedichte schreibt) steht neben dem bemoosten Baum wie Figuren aus einem Märchen, wie Holzfäller aus einer Erzählung von Hauff oder Hoffmansthal Weltraum für den Anhalter in Berlin (freilich auch ein unwirklicher Ort, ein übriggebliebenes Bruchstückmonument, das durch Beinahe-Abwesenheit glänzt. Wann habe ich in Berlin solche Begegnungen? Naja okay, den er einschläfern hatte lassen). Ich komme vom Thema ab. den er einschläfern hatte lassen). Ich komme vom Thema ab.

15.12.

erst spät, bzw, früh heute morgen war mir aufgefallen dass mein Exfreund gar nicht da gewesen war gestern bei der kleinen Aufführung, früher hätte es mich verletzt, jetzt juckts mich nicht mal. Na ja obwohl ich immerhin diesen Tageseintrag damit beginne. vielleicht gehts nur noch um “sich aus der Ferne wundern…” und in der Ferne bin ich schon wieder. Flixbus nach Nürnberg. Zug nach Heilsbronn. Windsbach…

Graue Wolken, eher haucdünne Nebelschleier vor einer kleinen ebenfalls fernen Sonne. Bitterfeld. eine Stadt die ich mir nur im November denken kann. und dieser Dezember ist wie November. rothaarige Frau auf Sitz vor mir hat zu viel Haarspray benutzt. Mann neben mir mit grauen Locken liest dicken Krimi und blättert dauern vor, als überspränge er mindestens 20 Seiten, um dann weiter  zu lesen und dan wieder vorzublättern. Ist der Krimi so spannend, dass er wissen will wie er ausgeht, oder ist er so langweilig?

14.12.

zum letzten Mal in diesem Jahr meinen Leuchtturm angeschaltet, diesmal doch ausnahmsweise ein bißchen angekündigt. da war plötzlich der ganze Platz voll. war diesmal mit den Zielgruppe Kinder, daher hatte ich  meine Lieblingsbilder weggelassen, die da nun mal sind: die Gestalt, die aus der Unschärfe der Tiefe sich aus dem Inneren des Pavillions zum Glas hin zu bewegen scheint und mit der Hand nach der Scheibe tastet, erst da wir die gestochen scharf (fanden jetzt wirlich viele Erwachsen ausgesprochen unheimlich). aber es ist das Bild das den Linienverzweiger wirklich zu einer Schnittstelle zwischen den Welten wirken läßt. wer weiß wohin die Drähte laufen könnten. Gewidmet ist er ja der jungen DIchterin Margarete von Bülow, die keine 5 Minuten von hier an der Rummselburger Bucht in EIs eingebrochen war, als sie ein Kind retten wollte. sie spukt ebenfalls hinter dem Glas herum. Um es kindgerechter zu mahen, habe ich sie schlittschuh laufen lassen und als engel aus dem Wasser auftauchen lassen (klingt jetzt auch wieder unheimlich, aber sie sah wirklich sehr nett aus und die Flügelschläge… die kamen von dem Vogel der sich in der Gottesruhkapelle verirrt hatte). es gefiel allen sehr gut, aber die Kinder riefen am Ende “wann kommt die Hand?!” ein Junge, vielleicht neun Jahre alt oder so hatte mit seinem Bruder wohl in den letzten Tagen oft am Platz gestanden und die Mutter hatte ihm die Texte vorgelesen, die man eher erahnen kann an der Scheibe. Ich hörte ihn schon im Kommen zu seinem kleinen Bruder sagen “schau, da ist wieder Margarete, da im Glashäuschen!” hinter her unterhielt ich mich mit ihm und er fragte, ob die Gestalt,die manchmal auch zu sehen sei, die Margarethe sei, die versuche unter dem Eis an die Oberfläche zu kommen. da lief selbst mir ein Kälteschauer über den Rücken (Na ja, kalt isses eh!), mit ernstem Blick fragte er es. und als ich es etwas positiver und metaphysischer formulieren wollte: sie sei vielleicht im Jenseits ein Engel oder guter Geist und winke den Menschen auf der Erde zu, nickte er und sagte (vielleicht auch mir zu liebe eingehend auf die trostspende Interpretation), vielleicht hielte sie auch dem Kind, das ins Eis eingebrochen war, die Hand hin, um es zu retten. Muss sagen, bin echt gerührt. dies ist das Jahr der Geister und kleinen Gespenster, an den Wänden der Kapelle, den matten Glasscheiben und hauchdünnen Traumstoffen, auf denen sich Gestalten manifestieren. Ob Engel oder Wassergeister oder (es ist auch eine Art Jenseits der (westlichen) Welt, meine Freude aus Gaza, die plötzlich mitsamt ihrem WOhnzimmer in einem Theater in Berlin landen. live. lebendig. – so jetzt schluß mit der EIgen-Lobhudelei, aber das musste jetzt auch mal sein. bevor die Antragskämpfe und Zahlenschlachten wieder weitergehen.

12.12.

Von den Fischen geträumt. Von der Mauer in den Köpfen der Fische, die weg muss. Im Aquarium schneite es. Und bei der Mauer handelte es sich um die Klagemauer. schwimmend Zettel befestigt mit Fürbitten darauf. die Schrift zerfloss und ich fragte mich, wei ein Gott die Zettel lesen können würde. Zarte Tintenfäden rannen nach oben, der Anblick beruhigte mich wieder. ein Gott bedarf nicht des Papiers, die Tintestrahlen im Aquaium sind ebenso lesbar. Und die Speicherkapazität von H20 ist bekanntlich noch größer als die Geduld von Papier.

***

Finanzpläne bearbeitet für Antragsaktualisierung beim bayerischen Kulturfonds. 

11.12. [Berlin]

Auf dem Weg zum Ostbahnhof, Franz MehringPlatz 3. zu dem Mann, den ich seit einer Woche ersehne wie kaum einen je zuvor: Medizinalrat Dr. Jurk, der schon vor meiner Abreise nach Windsbach im Mai gesagt hatte, dass die eine Spritze in die Schultermuskulatur nicht reichen würde. Er hatte ja so recht. Es ist nicht weit von meinem Kiez zu ihm, aber dennoch wie dei Reise in eine andere Stadt. Anderer Stadtteil, eine andere Welt. Ostbahnhof. Frustgegend. Immer noch. Oder wieder. Laufe vorbei an einem „Cafe Stylish“, das auf Schreibschiftgeschriebener Pappe mit Getränkeverkauf außer Haus wirbt. Dahinter leer, finster und dicht. Dann der Bahnhof. War mal der Hauptbahnhof von Berlin Ost. Als ich hier erstmals ankam, kurz nach der Maueröffnung war das mehr Hauptstadtbahnhof als Berlin Zoo. Der jetzige Hauptbahnhof war noch lange nicht gebaut und hieß lediglich S Bahnstation Lehrterbahnhof. Der jetzige Ostbahnhof aber schien mir damals riesig… und leer. Fremd, ostich in gedeckten Tönen. Zum ersten Mal sah ich ihn, als ich auf der Suche nach meinem Koffer war. Ich hatte mir, als klar war, dass ich hier hinziehen würde einen alten Koffer (den ledernen, vom Opas Rudi, den) hinschicken lassen. Der Mann bei der Gepackabgabe in München hatte immer wieder geantwortet, ich solle 1000 Berlin draufschreiben. Ich fragte mehrmals, ob es dann auch beim Hauptbahnhof in Berin Ost ankäme, er sagte immer Jaja. Dass ich nach Ost-Berlin wollte, begriff er nicht und dachte das Zentrum Berlins müsse im Weset sein. und natürlich landete der Koffer dann eben doch am Zoo. Hatte ich eh gewußt aber weil ich dachte, was weiß ich… der Hauptbahnhof war dann bald zum Ostbahnhof degradiert worden, aber blühte auf. Da wurde ein Kaufhof gebaut gleich gegenüber und so trist die Gegend auch sonst war mit ihren 80Jahre Neubauhochhäusern un der Mauer gleich dran, sie war doch ziemlich lebendig. Die Strandbars enstanden auf dem ehemaligen Todesstreifen, aus einem alten DDR-Bau (von dem ich immer dachte, er stamme noch aus der Nazizeit) wurde plötzlich das Berghain, das riesige Bürogeäbude des NEUEN DEUTSCHLAND hatte plötzlich massig Platz und vermietete an Künstler (oder waren die einfach plötzlich da?),wilde kleine Studios, improvisierte Probenräume, alternativ-Start-ups, die allerdings bald wieder verschwanden. Das NEUE DEUTSCHLAND gibt’s immer noch. Ich schreibe manchmal für die. Von den Redakteuren sind fast keine mehr von früher, alle zwar noch links, aber eben Weste-links. und gegenüber als einzge Konstante, mein jour fixe: Dr. Jurk. Der schien damals schon sehr alt zu sein. Seltsamerweise ist er kaum gealtert seitdem. Das Hochhaus, in dem seine Praxis ist im ersten Stock (früher musste man sich da über zwei Treppenhäuser hinweg quälen die mit einer Art Aussenfrontbalkon verbunden waren) hat zwar jetzt eine gigantische Empfangshalle in Purputönen (ebenfalls leer), aber man kann einen Aufzug nehmen von dort. Dann freilich sind die Gänge zur Praxis und zu anderen immer noch plattenbautig und PVC ausgelegt. Als er mir (diesmal zwei Spritzen gab, gab er mir recht, die Gegend sei trist geworden, der Kaufhof sei gerade entkernt worden, ein düsteres Abrisshaus und beklagte die Neubauten – die für mich immer noch die alten Neubauten sind, für ihn aber die ganz neuen, den Bau der Mercedes-Arena zum Beispiel, überhaupt das Spreeufer… Berlin sei die Stadt, die am phantasielosesten die letzten Baulücken mit häßichen Billigbauten zupflastere. Er versteht, dass ich weg will. Gerade er, wäre einer der Gründe hier zu bleiben.

***

Abends ausgewesen mit C. in meinem Kiez; Kneipen-Hopping um den Tucholla Platz herum, wo mein Linienverzweiger-Leuchtturm steht. Computer und Beamer aufgeladet, in der JC-Bar (Jean Claude’S Bar, das wie ein WOhnzimmer aussieht, aber keins in dem man wohnen möchte, trotz der Fische. Unter anderem auch deshalb weil Jean Claude so viel redet) an der Steckerleiste, die auch das Aquarium mit Strom versorgt. Fische haben einerseits Ausblick auf den Raum der Bar und zur Wand hin absurderweise AUsblick auf eine Mauer, die aber nicht die Wand des Zimmers ist, sondern ein kühnes Betonkonstrukt innerhalb des Aquarium. was müssen sich die FIsche denken? denken sie, ihr Meer ginge hinter der Mauer weiter und wäre ein endloser Ozean, gäbe es nur die Mauer nicht?

Als ich C. später zur Boxhagener Straße vor begleitete, wo er mehr Aussicht auf ein Taxi hatte, sah ich plötzlich auch meinen Kiez mit anderen Augen; zu viele Baulücken sind verschwunden in der letzten Zeit, zu viel häßliche Häuser. die Brachen wo wir Schatzsuchen mit den Kindern veranstalteten alle weg. Wollte C. im Vorübergehen mein Luxus-Fitness-Studio zeigen, für das ich mein Abo nicht verlängert hatte, weil ich so lange weg war; es leuchtete wie immer blau durch die Nacht, da sah ich, daß die Mosaik-Steinchen-EIngangstüren der Umkleidekabinentüren abgeschlagen waren. eine gut beleuchtete Baustelle! Holmes Place ist geschlossen. Alles bricht weg, wie der Kaufhof. Dabei hatte ich noch einen Gratis-Gutschein gehabt, den hatte ich mir aufgespart. zuhause House of cards geschaut und das Kopfweh (von dem mich Dr. Jurk heute früh befreit hatte)  ist zurück. 

6.12.

die vierjährige F.  aus Windsbach hat einen Arztkoffer geschenkt bekommen. Ich finde mein eigener, den ich im Alter von vier hatte sah “echter” aus, er war rot mit einem weißen Kreuz darauf (weshalb ich später dachte, die Schweiz sei eine medizinische Organisation, sowas wie Ärzte ohne Grenzen (aber mit Bergen), Sanitäter, bekannt durch den Einsatz von Rettungshunden. – Innen war mein Arztkoffer weiß und roch nach Plastik und Gummi, ein höchst künstlicher Duft, von dem ich heute glaube, dass er von irgendwelche schnüffelbaren Suchtstoffen verursacht wurde. Für mich war er der Inbegriff von Hygiene. Und das Skalpell war abgebrochen, aber mit Gaffer geklebt. Der Arztkoffer der F. besticht dagegen durch transparente Hartschalenoptik und bunte Geräte sind darin, noch alle heil. Er ist in jeder Hinsicht besser ausgestattet, was der folgende Dialog belegt:

F: mein Arztkoffer ist der beste von allen, weil ich kann damit alle gesund machen…

[zweifelnde Blicke der großen Brüder der F.]

F:  alle Kranken!

Große Brüder: Ja ja

F: …auch die Toten! Und außerdem is da eine Schere drin.

Großer Bruder I: ich glaub des ist den Toten wurscht, ob da eine Schere drin ist.

F: und mit der Schere kann ich alle gesund machen.

Großer Bruder II: auch die Toten?

F: Den Toten kann ich ein Bein abschneiden – ohne dass sie es merken!

4.12.

Alles wird gut. den Tag über nur Kuchen gegessen, Dekanat Flocken gestreut. Neuendettelsau mit dem Zug… windet sich wieder zurück nach WIndsbach. Arm einer Schaufensterpuppe demontiert. mit der ich aus dem LAden rannte, weil draußen die Frau G. vorbei rollte. Glücklich weil Zufälle immer mehr werden. und Cola-Maoam im Adventskalender. beim Weg nach draussen in die Kapelle, Nebelschleier, aber auf dem Weg nach draußen zur Kapelle atemberaubender Sternenhimmel in der Nacht, über dem Kopf, die leuchtenden Baulampen, die zum Greifen nahen Sterne, wie Zuckerstsreusel, Hagelkörner, Lichtpunkte … UND: unser Projekt des nächten Jahres nimmt Gestalt an. Neue Begegnungen, neue Ideen… neuer Beamer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2.12.

In der Gottesruhkapelle Schneeflocken über die WÄnder tanzen gelassen. Draußen in der Dunkelheit im beinahe Frühlingswarmen Dezember-Regen war es wärmer als in der Kapelle. Aufsperren ging so leicht, das Absperren schien unmöglich. draußen blinken die Baulampen, weit hinten die gläseren Halle von Helukabel. und jemand hat Weihnachtbeleuchtung. Alles leuchtet. Tag voller Kerzen. Chorkonzert in der Stadtkirche. Eine sang ein Lied aus “Elliot das Schmunzelmonster”, sogar ziemlich gut. man hatte es aber bewußt umschrieben bei der Ankündigung, ein Lied von Kerzen auf dem Wasser aus einem Disney-Film. musste dauernd nachdenken aus welchem. Heute tatsächlich also dreimal in der Kirche gewesen. MorgensEinzelne Worte blieben hängen. Siehe. ein König kommt zu Dir, definitiv. es klang so vielversprechend. als spazierte demnächst einer in mein Wohnzimmer.

Das Lied vom erstochenen Weihnachtsmann soll übrigens auf einen Beinahe-Windsbacher-Chor-Knaben zurückgehen – sagte ein ebenfalls Beinahe-CHorknabe. (Frust-Kompensation wegen des Nur-Beinahes?)

Windsbach ist eine musikalische Stadt. Überall singen Menschen. In diesem Fall die vierjähringe F. (sehr früh am Morgen):

Schööööön und kaffebraun / sind alle Jamaica-Fraun / in Kingsden-Daun.

1.12.

Laternenzug des Kindergartens über den Weihnachtsmarkt hatte irgendwie nett und beschaulich geklungen, aber es waren so viele Leute da, dass ich fast nichts sah und beinahe bereute, nicht am oberen Tür stehen geblieben zu sein, von wo sie aufbrachen. Zahllose Kinder, nicht endender Zug. Motto-Laternen, offensichtlich jede Gruppe mit jeweils einem Motiv. Ein paar saßen in Lichtverzierten VIP-Wägelchen, die wie MInistarlight-Expresse von den Erziehern gezogen wurden. drinnen kleine STifte mit Geisterlaternen.  Süß. Christkind mit 80er Jahre Frisur – war aber Perücke. Bürgermeister sprach zu den Kindern – aber als wären es Erwachsene. Starrte immer auf den großen üppigen Baum vor dem Rathaus. In der Menge die Verabredung nicht gefunden, aber schöne Zufallsvegegnungen. Glühwein. Lose. Gewann einen blauen Waschlappen. Besser als wie nix.

30.11.

tiefblauer Morgen, die vergessenen Äpfel in den knorrigen  Novemberbäumen, die zarten Striemen der Trauerweiden, weit hinten beim Scheiderer der  Kirchweihbaum, von dem ich damals schon dachte, dass er im Herbst aussehen werde wie ein dürres Weihnachtsgerippe. Is auch so, aber in der Ferne im November macht er sich doch ganz gut. Ein Bub wurde gerügt, weil er gesagt hatte: 

Es liegt, dass er nicht weiter kann, / in Blut und Axt der Weihnachtsmann

***

Wurde bereits belehrt. es hieß anders (viel düsterer und auf den Punkt gebracht) :

Wer liegt ihn Blut und Knochen? / Der Weihnachtsmann, erstochen!

29. November

Tage zu voll zum Schreiben. gestern dann die Premiere. Bin, was ich selten bin: total zufrieden, erfüllt, stolz, glücklich. dennoch wieder schlaflose NAcht, diesmal, weil zu glücklich, zu stolz, zu erfüllt… zu Frieden kommt man dann doch nicht. Auch wegen Schnarchen. Doch weitermachen? – Morgens dann beinahe in der Badewanne eingeschlafen. hochgeschreckt vom Latschenkieferschaum in der Nase. Aus dem Mittagsschlaf riss mich dann eine überraschende Mitfahrgelegenheit nach Nürnberg. FAhren? Bleiben? Schlafen? Überstürzter Aufbruch, beinahe Flucht. schon saß ich im Auto, raste durch die NAcht – und da bin ich. Dinge zu Ende bringen. Abrechnen. Neues beginnen.

Angekommen Abends, sie Stadt liegt still. Vor den Häusern der Hauptstraße zwischen den Toren stehen Büdchen wie aus dem Himmel gefallene Pakete, die man noch nicht öffnen darf. etwas sperrig. Noch. Stille Nacht. ankommen. UND: Ich habe einen Adventskalender bekommen! fühle mich dermaßen reich beschenkt. Das Jahr wird immer besser.

25. November

War gestern im Radio. habs aber verpasst un dnicht gehört. dabei habe ich ein so schönes Radio. eine kleine gelbe Ente. Wenn man ihr den Hals umdreht, spukt sie Töne aus, wenn man ihn weiter dreht, ist sie still. Und wenn man ihr am Bürzel rumschraubt, wechselt sie den Sender. es rauscht und britzelt und ab und zu kommt wer zu wort, dann bricht sich die Musik Bahn, es rauscht wieder… Da irgendwo zwischen dem Ächzen und klingen war ich also drin und habs nicht gehört. – Eh unfassbar wieviel Frequenzen sich da überlagern, wieviel Kanäle wieviele Töne fassen. Dachte früher, man könne so durch die ganze Welt reisen. Man überflöge alle Stationen, finge von überall her ein paar Takte und Töne auf und weiter ginge es durch den Äther… – Und von den Beamern kann man hoffen, dass sie einen noch gänzlich wo hin beamen. Mit Leib und Seele als Ganzes aufflackern und erscheinen lassen, wohin auch immer. an Welche Wand auch immer sie einen werfen. Ich glaube, deshalb ist mir unser Projekt so wichtig: Bilder (immer wieder neue) an die Wände einer alten Kapelle zu werfen, das ist wie die alten Bilder mit den eigenen Vorstellungen verbinden, eine  Ansichtssache. dass was im eigenen Kopf herumspukt will raus und an den Wänden ein Eigenleben führen, gesehen werden, ebenso wie die Ansichten, Erinnerungen, Visionen  und Assoziationen von ganz anderen Leuten. Plötzlich stehen die im Raum stehe und man staunt und sagt: Ach echt? So siehts in deinem Kopf aus? wenn man doch rein könnte in die Köpfe…! oder eben raus aus dem eigenen!

24. November

Wieder Windsbacher Dinge gefunden. denn so langsam komme ich dann doch dazu, meine Tasche auszupacken, das Sommergepäck, das aus dem Kantorenhof zum Textilhaus wanderte, im Keller stand, von meinen Eltern nicht angeholt wurde, dann doch nach München kam. und jetzt in Berlin im Korridor steht und das Zimmer meines Mitbewohners blockiert. in der Seitentasche, das Schächtelchen gfunden, das es im Sommer in Retzendorf gratis gab bei der FC-Nürnberg-Fan-Veranstaltung “Bauen mit IQ” steht daruf und man muss aus den Puzzelteilen ein Haus mit Schornstein zusammenlegen. Bereits auf dem Cover wird gefragt: “Haben sie das Zeug dazu?” – Da saßen der Frank, der Bommel und ich lange, sehr lange an dem Geometrie-Mist und keiner hatte das Zeug dazu. selbst mit der gegoogelten Anleitung klappte es beinahe nicht. Manche Dinge sind einfach nicht zu bewältigen. Und sie halten einen von den eigentlichen DIngen ab. Zum Glück! Die Schachtel raschelt verlockend. die Erinnerung ruft! und vielleicht erinnere ich mich, wie es ging… vielleicht habe ich das Zeug dazu?

23. November

Das Kreuz ist wieder angebracht auf dem Dach der Gottesruhkapelle! Nicht von Zauberhand (hätte ja – Harry Potter, hilf! – sein können) und auch nicht durch Bergsteigerische Verrenkungen meinerseits, sondern Dank der Hebebühne die in der Stadt die Weihnachtsbeleuchtung angebracht hat und die die Stadt mal eben vorbeigeschickt hat. Kreuzarm wurde angeschweißt, wahrscheinlich wird nie wieder ein Specht das DIng klein kriegen. (fühle aber doch einen Anflug von Wehmut, weil mein archeologischer Fund, die Schraube, die ich im Laub ausgegraben habe nicht berücksichtigt wurde. bin mittlerweile natürlich nahezu sicher, dass Ritter Hellberg  persönlich sie im Obi in Schwabach erworben hatte.

22. November

es schleichen sich Windsbacher Dinge ein nach Berlin. als ich heute, nach meiner Ankunft zum ersten mal Zeit hatte, den Leuchtturm wieder anzuwerfen – so richtig Lust hatte ich nicht, denn es war so feuchtkalt darin – öffnete ich das falsche Projekt; nicht die Filmbilder, die ich sonst in den Glasscheiben aufflackern lassem sondern die Filmdateien vom September: die Bilderstürme. Nun flatterte die Nachtigall, die in der Gottesruh zum Fenster hinaus wollte und nicht konnte im Linienverzweiger auf dem Tucholla Platz. ob es jemand sah, weiß ich nicht. ich bin selber auch weg. Frage mich, was aus dem echten Vogel geworden ist, der sich damals in die Kirche verirrt hatte und nicht mehr rauskam. DIe alte Frau Vogt und die jüngere  und ich versuchten ihn lange hinauszutreiben, aber er flatterte immer nur zwichen den hellsten Punkten hin und her, die Türe lag nicht auf dem Weg. wir ertrugen es  irgendwann nicht mehr. er schein dann… na ja… weg zu sein. erwachte dann aber doch wieder aus irgendeiner Ohnmacht und flatterte wieder gegen die Glasluke. habe ihn dann gefilmt. damit es wenigstens nicht umsonst sein sollte. und jetzt hat es ihn nach Berlin in einen noch kleineren Elfenbeinturm verschlagen.

21. November

Kleists Todestag. fahre zurück nach Berlin. mir gegenüber sitzt ein wahnsinnig wichtiger Geschäftsmann, der für seiner Firma ein bestimmtes “device” evaluieren soll. er telefoniert so konzentriert und unempathisch englisch , dass ich weder zuhören noch weghören kann. Er hält sich an seinem HAndy-Headset fest wie ein Marionettenspieler  am Faden zu seiner Puppe.  Er rät ab vom Vertrag mit dem Device, noch sei das nicht ausgereift. Thüringer Wald, schneeüberstäubt und endlos. – Jetzt erzählt er, immer noch auf Englisch, da seien schon zu viele Versprechungen gemaht worden, wie neulich in Wien, da hätte die obere Etage sich zu weit aus dem Fenster gelehnt, er habe sich beinahe vor Schreck an seinem Schnitzel verschluckt. Seltsam. ich hatte ihn für einen Veganer gehalten. – komme zu nichts, nicht einmal richtig zum Selber-Telefonieren, weil seltsamerweise ich mich in Funklöchern aufzuhalten scheine, mein  Gegenüber aber offensichtlich nicht. In Lutherstadt Wittenberg (!) Verbindung zum Dekanat dauernd unterbrochen. dann gleich zur Probe. vorher noch im Briefkasten zwei Steuerfestsetzungen aus dem Kasten gefischt.  Seltsam. gestern erwähnte mir gegenüber jemand, dass  er/sie  Steuern zahle. es klang ein bißchen  so, als würde bezweifelt, dass ich auch welche zahle. Und nun stimmt es auch noch. Meien Steuererklärungen waren auf dem Notebook (fast fertig) das mir einen Tag nach Projektende auf dre Rückfahrt von Windsbach gestohlen wurde. An alles neu zu machen, war noch nicht zu denken. Habs vergessen in den anderen Abrechnungen. Und prompt holt sich die Steuer ihre Steuer selbst. was denn noch alles?  bin viel zu hoch eingeschätzt worden. Wie unangenehm. Alles andere aber ist gut. die Probe war schön. habe aber verpasst, dass auch in Berlin Schnee gefallen ist. leider ist er schon wieder weg. EIn bißchen Überzug wäre gut, es bedarf nur einer Lage Schnee. Schwamm drüber.

20. November

Der Schnee über meinem Wald, der anders aussieht als ich ihn kenne, verirrt beim Telefonieren. Im Dunkeln rote Augen eines Hundehalsbandes, märchenhaft! und mit Hund darin (wieder Harry Pottermäßig, denn der Hund glühte im Weiß und der Mann der neben ihm ging,  hatte eine Kapuze und sein Gesicht war blau), dessen Name Flocke war. das Gesicht des Mannes war blau vom Schein seines Handies und erhielt es sich vor Augen, damit ich sehen konnte, damit ich nicht erschrecke. wir gingen eine Weile zusammen, ich war erschrocken, dass ich in meinem eigenen Wald (meine ELtern hatten es immer gesagt, dass das mein Wald sei, aber ich hatte später mir sagen lassen müssen, dass der Wald allen gehört!) in die falsche Richtung gehe. Aber das ist gerade so ein Grundgefühl, alle Schritte, die bis eben noch Sinn machen, erweisen sich heute als falsch. Sackheute das war gestern. heute ist der Sackgassen, Dickicht. – Das alles, also das “Heute” war eh gestern. im echten Heute ist der Schnee weg. lichtüberflutete Äcker und Felder. Sonnenuhren soll es hier geben, aber ich starre immer nur auf den Kirchtum, an dem die Uhr wie an den Rand gerutscht ist. wenn das Zifferblatt noch ein bißchen weiterrutschte, es würde in einem Gemälde von Dali enden. die Färberdistelfelder, die dazwischengestreuten Malven. ein übriggebliebener Feuerkäfer in WInterstarre, Frauenmantel am Wegrand, unangenehmer Geruch von künstlichem DÜnger, so roch der Hund Emma, als er sich auf den Feldern rund um den WIndsbacher Funkturm gewälzt hatte. Meine Mutter behauptet, der Geruch käme von den Disteln. ich glaube ihr nicht. Efeu durchwachsener Informationskasten. Jesus am Kreuz mit Turban, der total muslimisch aussieht und Hagebutten, die ihm jemand um die Beine gewunden hat.

ich habe – weil doch viele meine Rechtschrheibung rügen – auf Autokorrektur umgestellt. prompt eine Mail an den Leiter vom Kleist Archiv, einen Herrn Emig mit Sehr geehrter “Herr Emigrant” begonnen. habe jetzt wieder umgestellt und die Rechtschreibfehler müsst ihr dulden.

19. November

Geträumt, ein neuer Harry-Potter-Film sei herausgekommen, einer über den erwachsenen Harry – und der Dekan Schlicker spiele die Titelrolle. Ich sah den Film aber leider nicht im Traum, sondern jemand erzählte mir nur davon. Im Traum. – ich weiß auch warum ich das geträumt habe. muss mit dem Gottesdienst gestern zu tun gehabt haben und mit dem Posaunenchor, Töne aus einer so ab-gründlichen Tiefe, so mitreißend, schön und fern… gleich zu Anfang, als der Dekan aus der Sakristei kam… es hatte einen gewissen Zauber und dann der wallende schwarze Mantel…!

Wer jetzt denkt, ich hätte das Prinzip Gottesdienst nicht verstanden, dem sei gesagt: das war nur ein Augenblick! danach war es ein sehr schöner und kluger Gottesdienst, sehr direkt, klar und ohne Tricks und verständlich. ich gebe aber zu,  die Gewalt der Musik… die Ahnung, dass da auch Unbegreiflichkeiten im Spiel sind, Dinge, die nicht am Mittagstisch geklärt werden können, das gehört halt auch dazu.

Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen, fort und fort /          und die Welt hebt an zu singen, triffst Du nur das Zauberwort.

[Eichendorff]

wie kam ich fast nahtlos vom Gottesdienst zum Kriegerdenkmal, ohne mir überhaupt darüber im Klaren zu sein, dass da ein Event is? Man ist schon fast am Bahnhof, in Gedanken schon zu spät bei den Eltern in M. und steht plötzlich in der Menge und oben am Denkmal steht der Bürgermeister und der Gesangsverein singt “Näher mein Gott zu Dir…” Wieso steht plötzlich über dir ne halbe Stadt auf Terrassen zwischen herbstlicher Natur und massivem Denkmalstein. Und dabei wird auch noch geschossen… und ein Eichhörnchen in den Wipfeln über Dir erschrickt und peitscht sich selbst über die Zweige hinweg… näher mein Gott zu wem auch immer… und endlich kapierst Du: Volkstrauertag is! der katholische Pfarrer kommt noch später als du. hetzt in seinem weißen Gewand die Treppen hoch, wie du selber eben, aber is ja auch klar, der hatte ja später Messe  aus als die Protestanten. Und die Frau neben dir, ist nett und tuschelt mit dir, ob man sich wohl an das Geländer lehnen könne, oder ob es eventuell einbrechen könnte. und du denkst immer noch, was ist das hier? Es ist mein erster Volkstrauertag! Was wen das Geländer nicht hält? Und der Bürgermeister spricht. Er wirkt angenehm, ohne falsches Pathos, seine WOrte findet er in einem schwarzen Buch und wenn sie aus ihm herauskommen, schwingt ein Hauch Verwunderung mit, kein Geschwafel! Er hat mich, als er zugibt; ja okay, das  könnte auch “nur eine Veranstaltung mit tendenziell älteren Menschen sein”. Aber dass es um alle Menschen geht, die in und an Kriegen gestorben sind, auch oft ohne überhaupt für diese Kriege zu sein. Ich finde alles gut, was er sagt, und wie er es sagt, aber am stärksten und überzeugendsten wirkt er, als ich ihn – da ist schon alles vorbei – eher zufällig zu jemand und eher unter vier Augen sagen höre, dass er jetzt weiter muss, nach Neuses und in so und so viel weitere Städte um Windsbach, aber dass er sich drauf freue, weil er dass was er da sage von Herzen gerne sage. Er fasst sich sogar kurz da hin wo dieses Herz ist: von da komme es. Und immer noch sagt er es ohne Pathos. okay, könnte jetzt auch ne Politiker-Geste sein? aber dann echt gut, weil er es jetz ohne diese Verwunderung sagt. Das Gegenüber vom Bürgermeister wiederum ist in erster Linie überrascht von der Vorstellung: Waaas? das Ganze nochmal? Auch die Schüsse, die Soldaten (einer grüßte mich mit “Hey, Berlin!” also das tat mich dann doch irgendwie freuen), der leider woandershin als in meine Richtung singende Männergesangsverein, die Fahnenträger, die beinahe zu späten Geistlichen, die EIchhörnchen… fahren die auch alle jetzt von Mahnmal zu Mahnmal und nochmal und nochmal? seltsam, obwohl die Sache dadurch eigentlich auch was unsäglich Banales kriegen könnte, hat es doch etwas jetzt erst recht Rührendes. Schon im Weitergehen kommt mir einer von den Fahnenträgern entgegen, der jetzt wo’s vorüber ist, seine Fahne nur noch irgendwie durch die Gegend schleppt und nicht aufrecht  empor reckt. wo geht der jetzt hin? auch nach Neuses? oder haben sie da ihre eigenen Fahnen? und obwohl ich sehr sehr sehr für den Frieden bin. Ich frage mich dennoch, und zwar weil ich auch wenn auch nur für kurz einen fremden Krieg an einem letzten Tag gesehen habe, ob es nicht auch manchmal die echten Soldaten nervt, dass der Focus auf den versehentlich Gestorbenen liegt und nicht auf denen die  beußt für etwas gekämpft haben. Ich gebe es zu: ich mag Helden. Kriegsverweigerer-Helden ebenso wie Kampfzonen-Helden. (natürlich nur wenn sie für das Gute kämpfen, is ja klar.) die traut man sich oft aber nicht bewundern.

18. November

Meinen fast einzigen WIndsbach-Tag gestern dann doch weitgehend in Ansbach verbracht. weil ich ein neues Macbook-Kabel gebraucht habe. Kalt und durchgefroren schon von den 20 km auf dem Moped. Musste mir prompt nicht nur Netzteil kaufen, auch noch was Wärmeres zum Anziehen. Mist. Und nach München fahren mit Motorrad ist auch undenkbar. ich müsste mir alle 20 Kilometer einen heißen Tee kaufen. Das wären 7,5 Tees. Aber wahrscheinlich geriete ich wieder in irgendwelche Umleitungsfallen um Merkendorf herum oder sonstwo (waren weitere 70 km beim letzten mal! (das wären dann entsprechend 3,5 zusätzliche Tees + je 20 Minuten aufwärmpause) ich müsste sofort los und wär am späten Abend erst da. Nun steht meine Honda bei den Hubers. In der Garage in dem alten Teil des Gehöfts, das mit der schöner “Toscan-Patina”. Duft nach Quitten; Äpfel in Regalen. Da darf mein Motorrad sich jetzt weiteren Auszeiten hingeben. Zurückgegangen den kleine Pfad von der Ludwigstraße zur Retzendorfer, der wölbt sich übers Stadtgeschehen wie ein betretbarer Regenbogen aus Kies und Sträuchen, wilden Beeren, scheuen Katzen. Man überblickt die Stadt, kleine Gärten.  man ist mitten drin, aber irgendwei “heimlich”.

Heim-lich

wieder warm.

Der Ilios wirbt mit Live-Musik, und dass man reservieren soll. Tatsächlich total voll. und alle haben alles reserviert. darf dennoch Strom-Tank-Tisch nutzen so lange die reservierten Leut noch nicht da sind.  Livemusik ist dann allerdings nur ein Typ an einem Keyboard, der unsichtbar platziert eher wie ne Konserve klingt. wollte längst in der Gottesruhkapelle sein, aber lande doch am einzigen nicht reserviert-tisch. witzigerweise bei R. von den Reservisten”.  Eintauchen in die tollen Zufälligkeiten. Gespräche aufgesogen über ein früheres WIndsbach: als Helukabel noch “der Dauscher” war. Ich kenne ja die Geschichten vom “Waffelbruch” in rauen Mengen für nur Eine Mark. Und von dem Mohrenköpfen, Negerküssen (da durfte man es noch so nennen und da das Wort für mich auch noch die Unschuld der Kindheit hat und die Bewunderung der schönen dunklen Haut über dem übersüßen zähen Schaum, kann ich nicht glauben, dass ein ethnische Gruppe sich respektlos behandelt fühlt, durch die Erfindung und Benennung einer so üppigen und ästhetischen Süßigkeit). ich kenne wie gesagt bereits Leute, die mir vom Dauscher-Waffelbruch vorgeschwärmt hatten. Jetzt aber im Detail beschrieben bekommen, wie der zu Stande kam. Dass die Maschinen da zu hektisch vorangetrieben wurden, zu viel Schokoladenmasse, zu schnelles Guillutineieren der Waffelplatten, zu viel Abrieb, oder zu viel Laufen wie geschmiert? Und dass der Dauscher letzendlich daran zu Grunde gegangen sei, weil: die Mschienen können zwar mehr leisten als die Menschen, aber von den Menschen kannst Du  immer mehr und mehr verlangen an Arbeitskraft,  bei den Maschinen aber ist irgendwann Sense. Und dann wirds nicht mehr mehr, sondern weniger. Kontra-Prodution, sozusagen… – Und ich hab  nicht einmal gewußt, dass der Dauscher mal eine ganze Fabrik war. Da wo Helukabel jetzt ist! Sehe das sofort vor mir und es war ja tatsächlich auch der erste EIndruck, den ich hatte, als ich im Dezember 2016 vom U.  eine Sightseeing-Tour bekam: da leuchtete ein Glaspalast auf in der Ferne, eine Halle nur, aber es sah so schön aus wie der Eispalast einer Schneekönigin oder eine Fabrik in der Engel die “Weihnacht” zurechtkneten, Pakete verschnüren, Lebkuchen zaubern. Und nun war das wirklich eine Süßigkeiten Fabrik?! Fast die Gottesruhkapelle vergessen über den Erzählungen; Konnte mich schwer losreissen von dem Tisch. GUt gelauntes Ehepaar, der R. und einer der so viel erzählte und in so vielen Sprachen, der so viele Namen hatte, dass ich mich nicht entscheiden kann, wie ich ihn nennen soll. werde drauf zurückkommen. Der mann sprengt auf alle Fälle den Rahmen dieses Tagebucheintrags. verschieben wir’s auf später. Die vielen Eindrücken, die vielen Geschichten und Anekdoten, die hin und herspringen und in einander überfließen, am ende doch müde gworden, is aber auch kein Wunder….  und all das war eigentlich gestern […]

17. November

Morgens erst gesehen, wie schön Windsbach aussieht im Spätherbst (der freilich aussieht wie goldener Oktober mit Novemberschleier darüber. gleißendes Licht über dem Friedhof, der helle HImmel über den raureifen Rezatwiesen. Die Bäume streuseln ein paar goldorangene Punkte über den Friedhof, sie fallen wie in Zeitlupe, blitzen auf, stechen ins Auge aus der weichgezeichneten Gräberlandschaft. Die Tantenrühl ackern im Garten. die eine harkt Laub, die andere will Wurzeln  eines vor 15 Jahren entfernten Baumes ausgegraben haben. der Nachbar der das macht, sieht aus, als schaufele er ein Grab.

Auf dem echten Friedhof nach dem Wasserburger-Grab geschaut. sieht noch schön aus.  Zwei Reihen weiter ragt ein seltsamer Pfahl aus der Erde mit einem Schild dran, dessen Schrift wie ausgekeilt un dunkenntlich gemacht aussieht. seltsamer Marterpfahl. ein kantiger Engel, grob laubgesägt, darüber. Vergessener Geist? könnte auch Kunst von Anselm Kiefer oder Jospeh Beuys sein.  – Und es scheint wieder eine Beerdigung gebenn. Vor der Friedhofsmauer parkten viele Autos, ein Offenbacher ist darunter.  Und tatsächlich: da schreitet eine kleine Prozession durch die Grabstein-Reihen. Filmreif. vorneweg geht der Herr Lechner und trägt erhobenen Hauptes, die Arme empor gestemmt ein Kreuz? der Pfarrer Peters im weißen Gewand, Inbegriff eines katholischen Dorfpfarrers, etwas dahinter, ein kleiner Trauertrupp, alle eher etwas düstereine, nur eine Frau in der Nachhut mit einem Kind in rosa, das sie schleppt. es hängt ihr um den Bauch, die Beine rechts und links von ihr weit abgespreizt, als hätte es ihr der Wind um den Leip gepeitscht und es wäre da hängen geblieben. Die singen was, aber sie sind zu weit entfernt, als dass ich hören könnte was. schade, dass da nicht noch ne Tuba und ein paar Posaunen mit bei sind. kann mich schwer losreissen von dem fremden Trauerzug. aber ich hab Hunger! ich will Tee!

Stadtcafe. Tee. Butterbrezel. Die So. denkt, dass ich rauche, weil ich draußen sitz und mein kondensirte-Atemhauch wie Zigarettendunst wirk. wir sitzen auf der sehr leeren Terrasse und schauen in die Sonne. Eingewickelt in Decken, die Stühle zur Sonne gekehrt. komme mir vor wie auf ner Skihütte im Winterurlaub. vollkommener Moment.  Und So. sagt wieder so schöne Sachen. Sie sagt: “Wir sind auf der Welt, um zu lernen!” – ich glaube das nicht einmal, aber wie sie es sagt…! so bodenständig und überhaupt nicht belehrend… – klar! wir sind ja auch nicht auf der Welt, um zu belehren, sondern um zu lernen – und das mit diesem Winterurlaubsgefühl. wir sehen uns nicht an, wir schauen in die Sonne. Die wandert. sie hängt ne Weile in der Antenne des Flüchtlingshauses fest, aber dann verschwindet sie hinter dem Giebel. wir wechseln die Tische. erwischen wieder einen Streifen Ski-Hütten-Gefühl. Ich glaue eigentlich, wir sidn auf der Welt, um wahr zu nehmen. –

Und dass wir alle gleich sind, sagt sie. “Na ja, mehr oder weniger…”, sag ich. “Doch!”, sagt sie. “weil wenn du kleine Kinder, egal von welcher Hautfarbe oder Abstammung, in einen Sandkasten setzt, dann fangen sie an zu spielen. Egal welche Sprache sie sprechen.” – Ich erinnere mich an Sandkästen, in denen sich Kinder die Schippen um die Ohren hauen…  Aber dennoch, sie hat recht. Und wenn sie über das “AfD-Gschmarre” sowieso.

Der So. ihrer Mutter ihre Pflegerin kommt aus Rumänien. Sie sagt, die verstünde sie auch oft nichtm aber das macche nichts. Sie selber sage dann immer “Schapti-Schapti”, was so viel heiße wie “sieben-und-siebzig”. das sei ein rumänisches Wort, das ihr gefiele, sie sage es  irgendwie gerne (der So. verdanke ich schon viele Worte. z.B: den schönen Begriff “Himba-Hamba”).

vielleicht ist die Antwort auf alle Fragen nicht “42”, wie es in “Per Anhalter durch die Galaxis” heißt, sondern, sondern in Wahrheit “77”.

Das wird ein guter Tag… […]

***

Auf dem Mäucherchen, zum rötlichen Haus gehörig, hinterm Unteren Tor, gegenüber vom Rosenberger liegt ein trauriges Wurstbrot. fahler Toast. Das Therapiezentrum weist per Schild explizit darauf hin, dass es “kein Hundeklo” sei. Der Himmel wird blauer. Vor dem Unteren Tor, bei den Zahnärzten, also der alten Synagoge, sieht man noch die Relikte der Gedenkveranstaltung, die Namen der jüdischen Windsbacher, die früher hier ums Leben kamen während des Pogroms, flattern im Wind.  über Dreissig sinds.  – ich gehe mehrfach durch die Stadt, vor eins kann ich mein Motorrad nicht holen. Von alleine treffe ich heute wohl niemand. lasse mir von der Sa. ihr Outfit zeigen, das sie als Pelz-Märtel anhatte. schon eher 1:1-Nikolaus, aber mit sehr schönem Bart. den hatte sie aber auch selbst gekauft, weil sie den Gemeinschaftsbart aller Pelz-Märtels die je das Beetselheim in Dettelsau begingen nicht hatte nutzen wollen.

An den Sträuchern der Werkstatt des Baumeisters blühen Blüten, wachblumenartig und winzig. seine Mutter sagt, die dufteten. Stimmt. wir steckten beide die Nasen in den Strauch. Gefühl es sei März. […]

 16. November

soll ich über Windsbach fahren, wenn ich mich auf den Weg mache zu meinen Eltern? es gäbe noch so viel zu klären da. Und ich muss auch mein Motorrad noch umparken, das noch beim Baumeister steht.  soll ich?

***

Flixbus gebucht – leider recht knapp berechnet. Aufbruch direkt nach der Probe ohne es nochmal nachhause zu schaffen. entsprechend idiotisch die Auswahl des Gepäcks, die eher ein Griff in die Requisitenkiste war. zwei Ausgaben der Metamorphosen des Ovid, ein Milchschäumer, der Mini-Beamer, ein VGA-Adapter, ein HDMi-Adapter, eine Capri-Sonne, meine Steuererklärung (die war aber eh schon in meinem Rucksack drin und zwar ungefähr seit ich im Mai seit Windsbach aufgebrochen war), so wie die gesammelten Werke von Margarethe von Bülow, McBook. – Nicht mitgenommen habe ich leider mein Macbook-Ladekabel.

***

die Fahrt ist relativ angenehm, obwohl ich diesmal nicht beide Plätze für mich habe. Lehne mich ans Fensterglas, um dem Mann neben mir nicht zu nahe zu kommen. die Landschaft fliegt an der Scheibe vorbei. die Windräder, die Herbstbäume, der weitgehend blaue Himmel… Kondensstreifen wie Sternschnuppen.

15. November

warum ist immer alles so kompliziert? und warum mag keiner lange emails haben? Geschweige denn lesen. Oder Leserbriefe? (den ich der FLZ geschrieben habe… zu lang!) Oder die Rede meiner meine Mutter, deren beste Freundin gestorben ist und die nun die Trauerrede halten soll… – zu lang! und sie sitzt schon seit vielen Tagen dran und endlich eine wunderbare 20 minütige Rede fertig gemacht hat, eine, in der sich ein ganzes langes Leben drin platz gemacht hat und sogar aufgeblüht ist wie die Huflattichblüte auf einem Stein, von der die jetzt tote Freundin sagte, dass sie sich wünschen würde als eine solche wiedergeboren zu werden (als Huflattich auf einem Stein! was für ein schönes Bild (ich teile diesen Wunsch nicht, aber…. es ist ein sehr beruhigender Gedanke)…. ich schweife schon wieder ab, auch dieser Eintrag war als Drei-Zeiler gedacht gewesen  undn wird ZU LANG! –  Also, diese Rede nun, für die tote Freundin und  für ein über 80jähriges Leben, soll sie jetzt in 6 Minuten halten. das sei so üblich auf dem Ostfriedhof in München. was soll man denn da sagen? Wass soll man denn da überhaupt so lange leben, wenn man sich dann am ende in 6 Minuten kleinkriegen lassen soll!

Zu lange Anträge, zu lange Mails in denen wichtige Dinge stehen, die die Leut lesen hätten sollen! zu lange Grabreden, zu lange Leben. wollen alle nur noch alles im Häppchenformat. aber die Welt ist kein Häppchen und die DInge sind nicht immer maßgeschneidert. ich finde das Leben sollte eine Reisetasche sein, die man sich in die Armbeuge hängen kann, und zwar in der Ausführung wie Mary-Poppins sie hat. Unerschöpflich. voller Überraschungen. Süchtig machend. Nach mehr verlangend! Mehr! Mehr!

14. November

Es ist wieder besser. In Gaza ist Ruhe eingekehrt, niemand den ich kenne ist  gestorben. der Leuchtturm hat geleuchtet, nicht ganz bis zum Ende, aber doch ziemlich lang und ziemlich wundersam. Und von Windsbach… flog ein uraltes Bild der Gottesruhkapelle her, ein ganz neues, ganz altes. es ist die schönste Ansicht, die ich bisher gesehen habe und der Weiher ist noch da. (von dem hatte die Frau Bartels damals erzählt mit ihrer abgrüdigen STimme, auch dass da wer ertunken sei darin. ich dachte deshalb: besser einen Engel drüber hinfliegen lassen… Hier also das Bild, eine Aufnahme von Georg Wagner; Dank nochmals an die, die es hervorgekramt und den, ders geschickt hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

13. November

Aufgewacht neben einer halbleeren Dose Thunfisch. Nicht schön. Entsorgen. sorgen sorgen. Krank, fühle mich wie 80. wie soll das heute laufen? -Intensiv-Proben. abends die Leuchtturm-Eröffnung. – dann die Nachrichten gelesen…

An Probe mit Gaza ist sowieso nicht zu denken. unsere Kollegen (zu denen wir die Liveschaltung machen wollen) sitzen mit ihren Familien in fremden Erdgeschoß-Wohnungen, in der Hoffnung, dass diese sicherer sind, als die eigenen. Niemand, den ich kenne ist verletzt bisher, aber die Angriffe sind die schlimmsten seit 2014. Beinahe wäre ich jetzt auch da. die Proben, waren eigentlich so geplant, dass mein Team in Berlin probt und ich in Gaza bin und dort probe, damit ich die andere Seite sehe und Technik hinbringe. den Sommer über habe ich allerdings so ziemlich alles vergessen in die Wege zu leiten und die Gazaproben schlichtweg “auf ein andermal verschoben”. komme mir jetzt wie ein Feigling vor, der kneift – oder ein Katastrophen-Junkie, der zum Glück was vertrödelt hat. Windsbach war irgendwie wie eine Insel. Stadtflucht. Weltflucht. Daseinsberechtigung. Dort-Nicht-Seins-Berechtigung. Ich bin ja in WIndsbach auch nicht wirklich zur Ruhe gekommen, es war wirklich viel arbeit, aber in mir war ich ruhiger und sicherer.

12. November

In der Tasche meiner Jacke einen seltsamen weißen Fladen in Cellophan gefunden, der sich beim dann doch Mal-Probieren als zwei zerdrückte weiße Helmreich-Amaretto-Pralinen herausstellte. Unverhoffte Morgen-Freude…

der Tag fing süß an. dann kam ein leichtes Fieber hinzu und eine quälende Technikeinrichtung für Live-Stream, um via Skype mit Theaterleuten in Gaza über ABdne theater zu spielen. (wenn man es hinschreibt, merkt man wie idiotsch das alles ist! – Ist es natürlich nicht, aber dennoch….. wenn man schon nicht “In echt”  die Kollegen rüberbeamen kann nach Berlin, dann eben doch per Projektion. schon mein COmputer erkennt das Capturing Programm nicht. am ende ist man doch nicht entlastet und gibt nur geld aus. unergiebiger Tag. zu Medimax gelaufen und auf dem Weg  schwere Glieder, Kopfweh, Schüttelfrost. Kamera kaufen gewollt, gab keine. Schienenersatzverkehr, zurückgeschleppt. dann doch nicht weiter gekonnt, weil fix und fertig. Bus kommt nicht, dadurch zu spät zur anderen Baustelle: Linienverzweiger-Installation. gerade noch rechtzeitig den “Leuchttum erleuchtet”, als wieder zahllose ST-Martins-Kinder auf den Platz liefen. gibt sofort wieder Kraftschub. wenn man drin sitzt in dem gläsernen  verschleierten Pavillion und nach draußen blickt, die Kindernasen sieht, die sich an der Scheibe plattdrücken, dann ist man wieder glücklich. es ist nicht nur ein Leuchtturm, es ist ein Elfenbeinturm. Leider aber doch kalt.

Nachts erfahren, dass wieder Israelische Raketen zu erwarten sind. Gaza ist unter Beschuss. seltsamerweise haben dann sofort meine Kopfschmerzen aufgehört, vielleicht weil man sich gleich schämt, wenn man seine Zipperleins aufgezählt hat und dem Kooperationspartner fliegen die Bomben um die Ohren.

die Proben, die keline Ausstellung/Installation… ich komme zu nichts mehr. der Leere Kühlschrank. die späte Stunde. Das verschimmelte Brot in der Toasties-Tüte. In Bett gefallen mit einer Konserven-Dose Thunfisch, noch ein paar Zeilen in “Jonas Briccius” gelesen (ein überraschend toller Roman der zu früh verstorbenen Margarethe von Bülow, der meine Leuchtturm-Installation gewidmet ist)… weg.

11. November

St. Martinstag.  Vielleicht mein heimlicher Lieblingsfesttag, Festtagsabend. Als ich ein Kind war – das Lichtermeer, in dem man ging, der laufende Gesang, die Gefahr, dass die wachsbetropfte Pergament-Laterne Feuer fängt, die Geschichte von diesem Martin, der seinen eigenen Mantel zerreißt (“Hast du sie nicht mehr alle…!”, hieß es, als ich es ihm nachtun wollte, einmal ritt einer tatsächlich in blutrotem Umhang  neben uns her auf einem Pferd. Das Pferd äpfelte – (“Trett da nicht rein!”). Ich trat nicht rein, aber Ralphi rutsche aus und seine Laterne war platt). als ich älter war, sah ich die singenden Kinder von oben herab laufen, aus dem Fenster. Bedauern kein Kind mehr zu sein (nicht speziell wegen Laterne-Gehen, sondern überhaupt. Das Lied summte ich trotzdem oft, weil es sich traf, dass ich mich seltsamerweise fast ausschließlich in Jungs verliebte, die Martin hießen). Als ich selber Kinder hatte, war Laternegehen das Event, bei dem am wenigstens Stress war. kein Konsumterror wie an Weihnachten, kein Stress wie an Ostern (weil man im Frühling so viel anderes tun möchte und meine Kinder immer wieder gerade da Geburtstag hatten). Am Martinstag… keine Erwatungen. Und deshalb schön und andächtig. gar Inbrünstig.  – Welche Überraschung nun, dass der St Martin in Windsbach “Pelzmärtel” heißt. (nie war ich verliebt in einen mit diesem Namen!). Lernte das Wort von der Sa., die mich überraschte, weil sie verkündete, sie sei wieder der Pelzmärtel für die Feier im Bezzelheim. (viele Fremdworte in diesem Satz! das Altersheim kenne ich ja mittlerweile, aber “Pelzmärtel”?!) Die Franken haben also ihren eigenen Martin zusammengebastelt aus Nikolaus, Knecht Rupprecht und St. Martin. Laut Wikipedia, weil die Protestanten “nicht weiterhin die katholischen Heiligen St. Martin und St. Nikolaus verehren wollten. Ursprünglich hatte der Pelzmärtel wohl nur eine Rute dabei, nachdem er aber zunehmend die Aufgabe des Nikolaus übernehmen musste, brachte er seitdem auch Geschenke mit.” – Na ja, also doch wieder Konsum-Kompromisse!  Man kann wohl keine neue Kultfigur einführen, ohne give-aways. Ich dachte ja erst “Pelz” habe dann wenigstens was mit der Mantelgeschichte zu tun, aber (ebenfalls Dank Wikipedia) erfahren, dass das von “pelzen” kommt, was soviel heißt wie “prügeln”. So so [Smiley], da erfinden die Protestanten lieber eine illustre und potentiell gewalttätige Gestalt,, die eher heidnisch rüberkommt, als einem netten Heiligen Respekt zu zollen : “Die äußere Erscheinung der Figur legt auch Einflüsse der winterlichen Schreckgestalten nahe, die in Fell gehüllt und mit Strohperücke ihr Unwesen trieben („Herr Winter“).” – Und so mischt heute die Sa. das Bezzelheim auf? Winter is coming. Fellbedeckte Night-watch-Gestalten.

Schade, dass ich so weit weg bin. aber hier war es auch schön. meine “Laterne”, mein Leuchtturm am Platz, das wie ein überdimensionales Ikea-WIndlicht aussieht, ist fast fertig. als ich die letzten Tage dran arbeitete und gerade das erste Licht aus meinem Mini-Beamer strahlte, kamen plötzlich scharenweise Kinder auf mich zu. nicht wegen mir oder meiner industriellen Turmzelle, sondern weils der Treffpunkt für einen verfrühten Martinsumzug war. Überweigend LED. aber trotzdem wunder-wunderschön.

10. November.

mir fällt heut nix ein. ich frage mich aber, warum die Welt Klopapier braucht, das mit Bildern von ELchen bedruckt ist und nach Karamellbonbon riecht (vor dem Gebrauch).

9. November

Berlin hat mich verschluckt, aber langsam hab ich wieder hochgebuddelt aus dem Arbeitsschlund; schiele über den Untertassenrand in die Welt, bzw. auf die aufgerissene Straße herab vor meinem Fenster. Kopfsteinpflaster. Schönes Wort. klingt aber auch ein bißchen nach Notaufnahme. Hirnschädeltraum mit drüber geklebtem Hansaplast. Arztbesuche, Filmpremiere. Antrags Dinge. Antrag, auch so ein Wort, klingt immer so als würde man einen Kniefall tun und um die Hand von jemandem anhalten, dabei (man kann es nicht oft genug sagen: sind ANträge ja nur höfliche und noch für niemandem verbindliche Anfragen);  wenn man es hingegen zu oft hintereinander sagt, verliert es seinen Sinn  und klingt nach Infektionskrankheit und Milzbrand. – hmm. muss mal weg von dieser klinischen Metaphorik. is nämlich eigentlich alles ganz schön gerade. sogar hier: Berlin macht sich nicht schlecht im gleißenden Herbstlicht, im Nebel, der die immer noch feurigen Bäume weichzeichnet. Vorgestern hatte mein erster längere Film Premiere, eine einstündige Dokumentation über Alleinerziehende in Berlin Lichtenberg. ich weiß, klingt nach langweiligem Problemfilm, ist aber super geworden. Und Alleinerziehend ist NIE langweilig. War es ja selbst lange Zeit. Die Frauen, die ich portraitiert habe in dem Film sind sehr verschieden, auch das Ausmaß der Überforderung, der STärke, mit der sie dieser  Überforderung entgegentreten, ist ganz unterschiedlich. ich glaube ich hatte es damals noch ziemlich leicht. ich habe sehr lange an diesem Film gearbeitet, ihn am Ende sogar nochmal umgearbeitet, weil die eigentliche finale Fassung auf dem Computer war, der mir bei MacDonalds geklaut wurde. ich kenne diese Frauen inzwischen in und auswendig und über einen langen Zeitraum, weil der Film eine Langzeit-Recherche angelegt war. Ich hatte mich bereits an ihre Heldenhaftigkeit gewöhnt mit der Zeit. es war eine wunderbare Überraschung, wie heftig die Portraits auf die Zuschauer (meist Politiker und Fachleute) wirkten. ich habe was bewirkt! Endlich wieder das Gefühl, dass ein Sinn ist! Auch wenn ich weiß, dass “Allein-erziehend” in Berlin längst kein Stigma mehr ist. Es gibt so viele Familienmodelle, und jedes hat Vor und Nachteile, Stärken und Schwächen, Möglichkeiten, Überforderungspotential, Unterdrückungspotential, wunde Punkte, Hornhautschichten über Schichten (wieder ne medizinische Metapher). Ich weiß gar nicht mehr was besser ist, aber eins weiß ich: alle diese unterschiedlichen Familienstrukturen sind für was gut und verdienen Hochachtung. – nee, quatsch. nicht die Strukturen, sondern die Menschen, die in ihnen hängen oder sich an ihnen aufrichten. – – – aber was hat das jetzt mit Windsbach zu tun? Nix!? (hatte nur gerade mal das Gedankenexperiment im Sinn, wie es mir in Windsbach gegangen wäre, wenn mich damals, als meine Kinder noch klein waren, die Großstadtflucht gepackt hätte, wär das besser gewesen? Vielleicht wird man in einer Kleinstadt ganz anders gesehen, wenn man nicht verheiratet ist? (okay, ich empfinde mich grad eh wie jenseits von gut und böse oder als herzensmäßige Frührentnerin – und das ist auch echt… gesundheitsförderlich!). DRINGEND EMPFOHLENER THEMAWECHSEL!

***

Heute ist der geschichtsträchtige 9. November. Beginn der November-Pogrome 1938, Hitelr-Ludendorff-Putsch in den 20erJahren, 1918 November-Revolution… und ohne den 9. November 1989 wäre ich nicht im ehemaligen Ostberlin. Hörte von der Veranstaltung in der ehemaligen Synagoge  in Windsbach – da wo jetzt die Zahnärzte drin sind. (ganz interessant ist das hier: zur Geschichte der Synagoge)

um 18:30 kann man hingehen (evangelischer Dekan, katholischer Pfarrer und Bürgermeister… – und ich bin sicher: der Herr Lechner, der möglicherweise ein bißchen die Welt im innertsen zusammenhält – vielleicht dreht sich die Erde ja (unter anderem) deshalb, weil der Here Lechner so viel auf ihr herumrennt.)

PS hab später gehört, dass es da Hick-Hack gab in der Organisation. Auch kirchen-Veranstaltungen sind offensichtlich manchmal von Umständlichkeit heimgesucht. An Tagen wie diesen liegt das Fettnäpfchenpotential vielleicht auch in der Natur der Sache. Ich finde aber, DASS was initiert wird wichtiger als das drumherum. Ich hoffe (und bin sicher),  dass es dennoch ein schöner Augenblick des Innehaltens war.

6. November.

Laub harken, Sisyphosarbeit, möglicherweise eh völlig nutzlos. tut trotzdem gut. Stadtcafe, Butterbrezeln, Rettung: Earl Grey. Das meistgesehendste Fahrzeug in W: ist mit Abstand das von Radio Weinl. Man könnte denken, der kurvt den ganzen Tag in Endlosschleife ums Karree.  (weiß natürlich, dass dem nicht so ist. eben jenes Auto brachte einmal im Frühling eine Waschmaschine in den Kantorenhof). den Tag weitgehend mit weisen und wunderbaren Frauen (die Sa und die So) verbracht. die eine sagte von sich: “ich ärger mich nur noch über sachen, von denen ich weiß, dass ich mich auch in einem Jahr noch ärgern werde.”  (und sie wirkt eigentlich nie, als ob sie sich wirklich ärgert!) Die andere gab Ratschläge, die mir eine so unsagbare Lebenslust machten und gleichzeitig das Gefühl: dass auch ohne die Möglichkeit, alles zu verwirklichen / auszuleben / umzusetzen, manchmal allein die Vision und das Gespür für das was möglich  w ä r e , bereits zählt.  Schlußfolgerung: laß gut sein. weils ja auch gut IST. Blumen auf Gräber – Blumenladen, auch interessante Frau. sieht aus wie eine von den Göttinen aus der Disney-Variante von “Herakles”. die sogenannte Blumenhexe. ein silbriges, nicht ganz leidensfreies Stimmchen, fast im Widersdpruch zu dem starken Gesicht und der präsenten Erscheinung. ALs die Sa. ein wenig kritisch meine Blumenwahl kommentierte (“Distel für ein Grab…?” ob ich wüsste, was das bedeute in der Sprache der Blumen! und auch die zweite Wahl: (Gerbera!), da meinten dann beide: dass sei eine zu neue Blume, um eine Bedeutung zu haben. vielleicht muss ja auch nicht immer alles was bedeuten. Eigentlich trat die Hexe – nein, werde sie lieber Göttin nennen! – erst dem Gespräch bei, als die Sa. sagte, ihr Vater hätte mal ein Buch gehabt das sei voller Gebete gewesen, die aus der Sicht von Blumen geschrieben worden seien. Das gefiel ihr und sie sagte leise, sehr leise: die Blumen hätten heutzutage allen Grund zu beten. und die Tiere auch.

Später Chidron-Tal. So, erzählte da seien früher Schaukeln gehangen mit denen man über dem Tal von Hang zu Hand hätte schaukeln können. sie wußte es aber auch nur vom Hörensagen. wäre schön. stelle es mir vor wie im Titelvorspann von “Heidi”.

was für ein schöner Herbsttag. seidenblau, mild wie früher Oktober,

5. November
ein zarter Tag. viel. nach Ansbach gefahren. auf einer Bank. erst in keiner Sonne gesessen und mit einem motorisierten Straßenkehrer ins Gespräch gekommen. 300 kg Müll geht auf so einen Wagen, deshalb haben sie kleinen Motoren..bedauerlicherweise kein Trittbrett, sonst wäre die Sache echt cool. freundlich, unaufdringlich. Gespräch innerhalb dessen das Wetter vom kühlen November-Tag wechselte. es kam die Sonne. Beinahe Ziel der Reise vergessen: Das Regierungs-Palais, zum Verlaufen schön. Der Pförtner gibt einem einen laminierten Plan, auf dem er die Wege markiert, man solle ihn nachher zurückgeben. Stolz der Fahrstuhlmitfahrein, die mir den Weg noch besser zeigen kann, weil sie außerdem von der Baubehörde ist und das Gebäude in und auswändig kennt. Hier wär Kleist mal beinahe hingekommen als Beamter, aber dann wurde Ansbach Bayrisch. ich glaube er hätte es hier gemocht.

abends zum Kuchen eingeladen worden. Kuchen. Kinder. Kurth. Katze. KunterbunteKinderBilder. Klatschmohn. kuschelig. Klasse.

4. November

Da ist die Stadt wieder selbst. kam gestern an in der Kälte und wieder hatte ich eine Stunde in der Merkendorf-Umleitungs-Falle verbracht. Egal.

Ich war die Tage nicht gut beisammen, auch sauer, so dass ich eigentlich nicht mal hab her wollen. kaum aber bin ich da, bin ich ruhig. Im Kantorenhof in ein weiches Bett gefallen. Die Kapelle ist zu. aber man taucht trotzdem ein in ihren Dunstkreis. Träume – seltsamerweise von Angela Merkel, von der ich richtig gute Fotos gemacht habe (im Traum). nettes Gespräch von Frau zu Frau über “Anerkennung” hatte ihr immer die Fotos auf meinem Handy zeigen wollen, auf der sie so super aussah, aber immer wenn ich hin wischen wollte, kamen andere oder Akku-Alle-Meldungen. sie sagte dann, sie müsse jetzt auch gehen.

dann war fongendes.

6:00 Uhr wach.  kein Mitbewohner.  das Haus ist voller BLumen. ich würde gerne in einem Gewächshaus leben.

9:00  dann Gottesdienst. zu Fuß. Straße. wollte mich irgendwo verkriechen  auf der Empore, aber da kam ein Junge auf der Straße mit entgegen gelaufen, Schön, IN der KIrche gelandet wo  sonst nie. froh, nicht allein wohin zugehen.

Erfahren, dass Luther öfters mal in Ohnmacht fiel. Und dass Herr Wasserburger gestorben ist… der Herr Wasserburger…! – eine dieser Begenungen, zufällig, wunderbar, ich sehe ihn noch mit seinem Rolator in Richtung NKD rollen, weil er sich eine Somer-Mütze kaufen wollte. –  zu spät. die machen schon zu! und doch genau richtig, da er am Ende in der Venetia-Eisdiele an meinem Tisch landete. nur ein Tag? TOT? verpasste Gespräche, verpasstes Leben. mein tiefstes Beileid an diese außerordentich nette Familie. ich finde, dieser Mann war super. und er brachte mir das Wort “Batscher!” bei. Alle hätten einen, da wo er jetzt wohne (im Phönix), er selber wahrschienlich auch! Bin mir da nicht sicher. er vielleicht weniger als viele. – Ich auf alle Fälle!

15:00: Helmreich: sehr viele, aber nicht genug: Amaretto-Pralinen.

Abends in Dettelsau. Betzelheim. wirklich das schönste Altersheim das ich kenne. Sehr schade, dass die bald in einen Neubau umziehen. Am Gemeinschaftstisch Weißt Du wieviel Sternlein stehen gesungen. weil des war das Lieblingslied von einer. (Kind einer anderen Besucherfamilie verlautete, das sei auch sein Lieblingslied) und Guten Abend Gut  Nacht. (und das war auch noch das Lieblingslied von dem Kind!)

nicht gewußt, wie viele Strophen “weißt Du wieviel Sternlein…” hat. Und dass das Lied im Kirchen-Gesangsbuch steht. hatte ja schon in der Kirche morgens immer “LalalaNanana” mitgesungen, weil die Lieder nicht gefunden. was “Guten Abend Gut-Nacht” angeht, die Gelegenheit genutzt un din die Runde gefragt, was mit “Näglein besteckt” bedeutet. hatte ich mich zeitlebens verhört und es heißt eigentlich “Nelklein?” jemand wird mit Blumen bedacht? Ich hatte tatsächlich immer gedacht, das Lied handle vom Jesus am Kreuz, der mit einer Dornenkrone bedacht wird und mit Näglein besteckt wird. Und wenn Gott will, wird er wieder erweckt.

Ansonsten. Hundespaziergänge. Zufälle. Totmüde. zu viele Biere.

3. November.

erschrocken über den Artikel in der FLZ. da wünscht man sich immer Presse, aber doch für das was man macht un dnicht für das was man jetzt möglicherweise gar nicht machen kann. Ich wollte zu diesem Thema nichts sagen, aber jetzt gehts wohl nicht anders.

Mir haben in den letzten Tagen auch einfach die Worte gefehlt. oder es wären zu viele gekommen. Ich war fassungslos, dass ich meine ARbeit in Windsbach offensichtlich nicht fortsetzen kann. ich habe in den letzten Wochen ziemlich viel verloren,  meine zukünftige Arbeitsstätte wurde von einer israelischen Rakete in Schutt und Asche gelegt. aber dadurch auch ein freies Jahr Zeit gewonnen, das ich gerne in Windsbach mit einem tollen Nachfolgeprojekt verbracht hätte. Die Gelegenheit wäre JETZT gewesen, durch zwei Antragsfristen, die JETZT sind. nicht morgen nicht in einem haben Jahr, sondern JETZT. ich habe versucht, die Ideen, die mir auf der Seele brennen, auf den Weg zu bringen und egal was jetzt in der Zeitung steht, das schien auch auf einem guten Weg zu sein. Liebe Leute im Stadtrat, tut mir leid, dass eure interne Abstimmung in der FLZ steht. ich weiß, dass Zitate immer lückenhaft sind und das Konzept Euch sehr kurzfristig vorgelegt wurde. Manchmal will man als Fördergeld-Beantrager gar nicht wissen, was hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. man will halt nur händeringend und weil man wirklich einfach an DIE SACHE denkt, eine Bescheinigung, die man dem nächsten Förderantrags-Sachbearbeiter vorlegen kann, auf dass er sage: “Ach, die Stadt Windsbach gibt was, ach das Dekanat kümmert sich um kichen-kulturstiftungs-Gelder und legt sich ins Zeug… – na dann geben wir doch die selbe Summe nochmal?” Letzteres war überhaupt kein problem, vielleicht weil hier einfach auch eine tolle inhaltliche Zusammenarbeit stattgefunden hat. Anderersiets: mit der Stadt doch auch: Und ich wollte gar nicht so viel, ich wollte einfach den Hauch eines “JAs” und einen Antragsteller namens WinsART, denn als Berlinerin und nur “Neigschmeckte” kann ich selbst kein Veranstalter und Antragsteller sein.  Ich danke der Stadt, dass die den von WindsART gestellten Antrag unterstützen oder hätten… und hoffe Ihr tut das auch, wenn WindART jetzt doch plötzlich zaudert – jedenfalls nicht als Verein. – So, das waren jetzt 1568 Zeichen bis her. 249 Wörter. genug.

WindsART danke ich jetzt einfach mal für die bisherige Zusammenarbeit und hoffe, dass Ihr wisst, dass ein gestellter Antrag keine Weichen setzt für “Wieviel müssen wir denn jetzt tun?” oder “muss das sein?” ich will nichts als die Möglichkeit, in Ruhe Alles Nötige zusammenzubekommen, um dann zu sehen, was realistisch ist.  das geht aber nicht ohne einen offiziellen Antragsteller. eine Verpflichtung ist das noch lange nicht. wie und in welcher Form die dann wäre, das ist eine ganz andere Frage, für die es noch viel zu früh ist.

28. Oktober. 

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27. Oktober.

Auf dem kleinen Kopfsteingepflasterten Platz vor meinem Haus steht ein Kioskbüdchen, ein paar Akazien (es waren schon mal mehr!), eine grünlackierte Wasserpumpe.   und ein alter Linienverzweiger – vorsintflutliche Telefonzimmer. lang in der Kälte drin gesessen, seit gestern habe ich den Schlüssel, weil ich da ne kleine Installation machen soll, darf. es sollte ein Leuchtturm werden, den ein Projektor erstrahlen läßt. könnte schön werden. es ist keine Gottesruh, aber ein Elfenbeinturm voller altem Eisen und drei Glaswänden. an den Glasscheiben tatstet jetzt eine Geisterhand aus dem Jenseits. ich als Geist. ich bin ein super Geist. könnte schön werden. eine italienische Familie kommt vorbei und ist begeistert, obwohl noch kaum was eingerichtet ist. nur die HAnd dir aus der Tapezierfolie sich ans Glas tastet. heulende Kälte.  Eine Schaltzentrale mit gekappten Leitungen – na ja, kann man noch als ELfenbeinturm gelten lassen. ich dachte, ich habe alles geschafft. alles getan. Neu erfundenes Leben. war so glücklich gestern. jetzt ist doch wieder alles anders.  ach scheiße, ich geh uns guck Grey’s Anatomy.

***

Dabei eingeschlafen. (beim Serien-gucken (nicht in der sogenannten Telefonzelle.)

26. Oktober

mir schwirren tausend Wespen im Kopf herum, aber man kriegt sie los wenn man in der Badewanne untertaucht. Kaum taucht man wieder auf, atmet durch, flattern statt des schwarzgelben Schwarms die guten Nachrichten schwarz auf weiß oder per Telefon durch das weltweiteweb. E sist tatsächlich so (oder wäre es?): Bewilligung! ein JA aus dem Rathaus! die erste Basis für ein Folgeprojekt… die Nachrichten kamen von so unterschiedlichen Richtungen, und waren auch überraschen vielseitig in der Auslegung. aber alle aus Windsbach. die entscheidende dann (okay, auch über Bande aus einem gegenüber dem Friedhof gelegenen Textilhaus , weil da hatte es die Nina R. gleich von oberster Stelle erfahren, weil der Herr Bürgermeister daselbst ein und ausging und es ausrichten ließ. das rührt mich jetzt erst recht. Weil das wenn auch nicht die zweckmäßigste, aber doch die alltags-poetischste ist. Übersprühende Initialzündungsfunken. bin froh, weil es eben doch so ist, als ob einem jemand eine Tür aufmacht. Kam mir in den letzten Tagen zwar vor, wie eine die ohne sich dessen bewußt zu sein, zu laut angeklopft hat und den Fuß zu schnell in der Tür hatte. (obwohl sie eigentlich doch gedacht hatte bereits drin zu sein. – sag es mal vor dich hin: “drin drin drin” klingt bescheuert!). und was heißt “drin”? “neigschmeckt” ist ja viel besser. “drin” ist gut, wenn es eine Wanne voll warmem Wasser ist.

Ich glaube, ich geh nochmal baden.

25. Oktober

Achterbahnfahrtentag. aufgewacht nach eh schon fast schlafloser Nacht. Außerirdische hatten mich verschleppt in ein Badezimmer, setzen mich auf eine Waschmaschine und machten wirklich unschöne Experimente mit mir. mein Hirn wurde langsam plastiniert, obwohl ich inbrünstig darum bat, dies nicht zu tun. es tat nicht weh aber fühlte sich seltsam an. Fluchtversuche, natürlich vergeblich, unter anderem weil plastiniertes Hirn nicht gut funktionierte. langsam wurde ich. Zeitlupen-Leben.

Starker Kaffee am Bahnhof Lichtenberg machte mich wacher. Abnahme meines Films in Hohenschönhahusen erfolgreich. Erleichterung.

it’s wonderful, it’s wondeful, / it’s wonderful, good luck my baby, /it’s wonderful, it’s wonderful, it’s wondeful I dream of you…!

…singt Paolo Conte in einer kleinen italienischen Bar in Berlin-Mitte, hippe Gegend, reiche Läden – aber: es gibt kein Internet! Ich verkneife mir jetzt Vergleich zu Italienern in Windsbach, die zumindest jenes immer zu bieten hatten. (Essen nicht immer, jedefalls nicht immer wenn ich Hunger hatte). frisch gepresster Orangensaft. It’s wonderful. Vieni, Vieni! – und das ist es wirklich: es scheint möglich die BILDERSTÜRME fortzusetzen. Die Stadt fördert. Dank, hochgeschätzter „Magistrat zu Windsbach!“ noch mehr Erleichterung. Kann nicht sagen, wieviel mir das bedeutet.

Und Jetzt spielen sie hier auch noch die Dire Straits. Sitz hier übrigens und warte auf einen Arzttermin. also nicht im Wartezimmer, sondern, man sagte mir, ich solle zu einem bestimmten Zeitpunkt anrufen. im Wartezimmer warten und hoffen durfte ich nicht. Geh ich halt zum Italiener. eine Minute vor dem Zeitpunkt ging niemand ans Telefon. eine halbe MInute nach de Zeitpunkt, war dann  besetzt. Ist ja wirklich so, dass man in Berlin keine Termine beim Arzt bekommt. Meine Ärzte sitzen mittlerweile in Schwabach oder Nürnberg. In Windsbach war ich auchmal, aber da schon wieder schwieriger.  Handy-Akku leert sich. Frohebotschaften weitergeben. Andere treffen ein. möglicherweise doch zu früh gefreut. Hirn fühlt sich wieder plastiniert an. Arzttermin eh geplatzt. dann kann ich auch ein Birra Moretti trinken. lachender Junge auf dem gekachelten Fußboden zeichnete die Muster mit dem Finger nach und lachte immer wieder, als hätte er eine Entdeckung gemacht. wenn hier Internet wäre, ich würd noch lange sitzen. dann doch hoch, bin zum Essen eingeladen, muß los. Dann doch zu fürh. noch Zeit beim Senat vorbeizusehen. Herr Mayer von der Literatur bekommt leicht graues Haar sieht aber noch gut aus. schade, dass man solche Leute nie privat kennen lernen darf. In Ansbach bei Frau Ortner vom bayerischen Fonds ging es mir auch so. wollte endich mal wissen, wie die Frau aussieht, mit der ich so viel immer telefoniert habe, dann will sie mich aber gar nicht sehen. weil wir doch immer schon so viel telefoniert haben! Egal. vielleicht eh wurscht. Müde. nicht laufen. Straßenbahn-Fahren. An alten Orten vorbei im viel zu schnell veränderten Prenzlauer Berg. Schick ist er. früher verrotzter, aber lebendiger. jetzt belebter, aber geleckt. Zionskirche, da wohnte ich mal, Anklamer STraße. Angeblich soll da jetzt Jürgen Vogel wohnen. Und vor mir hatte da gewohnt “der Kaputte”, so nannten die Polizisten den Mann, der schon in meiner ersten Nacht in der neuen Wohnung, mit einem Beil meine Wohnungstür aufhacken wollte. so sagte er tatsächlich in einem fiebrig-nasalen, bösen Jammerton (“Ick will rein, ich wiell rein, ick hacke dir die Tür uff!”) Und kein Telefon weit und breit! und ich erst 19 Jahre alt, keine Ahnung, was tun, wenn einer sagt “Ich will rein!” der wollte sich aber runterstürzen, so sagten die Polizisten. der hätte mal da gewohnt, ind er WOhnung, in der ich jetzt wohnte… ” die hatte ich gerufen. Polizei gerufen, wort wörtlich. aus dem fenster um HIlfe gerufen. geklappt. Bullen kamen. Nahmen den armen Kaputten mit. Kam mir aber wie ein Verräter vor. Dann schöne Zeit gehabt. Mein französischer Balkon im vierten Stock blickte die ganze Zionskirchestraße hinab auf die ferne Kirche, fühlte mich, als wäre ich in Venedig. auch weil die Häuser alle so ne Patina hatten. heute alles gut verputzt. Bei “Venedig” An den Wasserrohrbruch gedacht vor dem Friedhof in Windsbach,  als das Wasser über die sich wölbende Straße quoll. da habe ich zum ersten Mal mit meiner Freundin N. ein paar Worte gewechselt. Wasser in STädten. nährend und erquicklich. verbindend. Staßenbahn hält jetzt  Schwedterstraße. Da erstes Wunder erlebt in der damals noch neuen Stadt Berlin. Dort eine Freundin besuchen gewollt, von der ich die Hausnummer nicht wußte. Umständlich erfragt in der Telefonzelle Bernauer STraße (gab ja kaum Telefone! Schlange stehen vor den wenigen gelben Häuschen weiter weg im Westen. Freundin nach der Adresse gefragt, aber sofort wieder vergessen, die STraße gemerkt, aber die NUmmer nicht, w eil anderes im Kopf: in einen Mann verliebt gewesen, der einen Ritter spielte in dem STück bei dem ich am Theater meinen ersten Job hatte und dessen Adresse ich ebenfalls nicht wußte. kaum jemals gerdet bisher mit dem Mann. als ich die Freundin besuchen wollte dämmerte es schon und ich ging auf gut Glück, weil ich die Hausnummer nicht wusste, weil ich sie vergessen hatte weil ich verliebt war und nur an den Ritter dachte, ins nächstbeste Haus der Schwedter Straße. Dunkel war es darin und den Lichtschalter fand ich nicht. Hoffnungslos, wieder gehen gewollt. da hörte ich Schritte, Licht ging an und vor mi stand: der Mann in den ich verliebt war. Mit einem Kohleneimer. Was für ein Wunder! Alles hängt zusammen, alles ist miteinander verwoben, verschränkt und wer für einen Augenblick, seine Sinne nicht beisammen hat, kann hinter jeder Ecke, die ENgel stehen sehen oder die Männer, die zufällig gelegten Überraschungseier . Die vergessenen Zahlen, das Verliebtsein. der Mann. das Licht… – war aber nichts. Er war da, aber er war da, weil er im Haus seiner Freundin da war, nur so. Kohlen holte, weil sie, sie war schwanger, allerdings wurde das auch nix und seins war das kind auch nicht und… eh wurscht. Nie was geworden daraus. hätte zwar wollte dann aber, egal, irgendwie doch nicht. – wieso denk ich da jetzt dran? Na ja weil die STraßenbahn dran vorbei fuhr am Haus. Meilenstein meiner Berlin-Geschichte, die wohl langsam zu Ende geht. Übrigens stelle ich fest, dass die Geschichte, also die von dem Kohlenschleppenden Ritter, wenn man sie aufschreibt, eigentlich banal klingt. In echt ist sie ein Wunder, als Geschichte an den Haaren herbeigezogen. – Fast schon Eberswalder STraße. Kastanienallee. letztes noch besetztes Haus, da wohnt eine andere Freundin. Alibi-besetztes Haus. Schon schön. aber irgendwie traurig bemüht. Eine Ecke weiter: Cafe “an einem Sonntag im August”.  denke dauernd es sei Frühling. Und in Wahrheit wirds November. Milastraße. Da um die Ecke bin ich zur Schauspielschule gegangen. Die Stadt  loslassen. eine Weile gut sein lassen. Akku gibt gänzlich den Geist auf. könnte einschlafen in der Straßenbahn.

ich bin erschrocken. ich habe die ganze Zeit gedacht: das wichtigste ist, dass die Stadträte gnädig sein mögen. Sie Stadträte waren es. Aber was, wenn bei WindsART  jetzt gar nicht mehr alle wollen? Vielleicht bin ich ja wirklich nur ne verrückte Künstlerin aus Berlin. mit plastiniertem Gehirn.

24. Oktober

Heute ist Stadtrats-Sitzung, wenn ich Glück (oder Unglück) habe, dann könnte auch die Idee besprochen werden, die BILDERSTÜRME als Reihe fortzusetzen. DIe Idee – eigentlich schon geboren in dem Moment als wir (inclusive Gottesruhkapelle selbst) wieder einigermaßen zur Ruhe gekommen waren. So viel ist passiert, so viele Menschen geisterten über die mittelalterlichen WÄnde, animierte, re-animierte und vor allem lebendige. Gute Geister! Ich wünschte, es wäre Zeit Kraft zu tanken und in Ruhe ENtscheidungen zu treffen, aber leider muss alles so schnell gehen, damit der Förderung-Beantrag-Reigen,  für den es schon fast zu spät ist, nicht ein Teufelskreis von Verschuldung und Verausgabung wird. eigentlich bin ich ziemlich ausgebrannt. Computer weg. Viele Fördergelder des letzten Jahres sind noch nicht einmal auf dem Konto von WindsART gelandet und dennoch fühle ich mich so reich beschenkt durch alles was entstanden ist im letzten Sommer. Weitermachen? Windsbacher werden? “Werde Windsbacher!” heißt es in einer Werbe-MIni-Doku über den Knabenchor, den ich zufällig neulich auf Youtube entdeckte, als ich mir das Vogtsche Halleluja (auch einer der Windsbacher Psalmen, die wir in den BILDERSTÜRMEN aufführten) hören wollte und youtube themenverwandte Titel  folgen ließ. Naja, für die Aufnahme ins Internat fehlt mir das entsprechende Geschlecht und Alter, von der STimme ganz zu schweigen. Ansonsten würde ich eigentlich gerne nochmal ein Jahr dran hängen. In besagtem Werbefilm redet ein sehr junger Max Rüb voller Begeisterung davon, dass das AUftreten, das gemeinsame SIngen eine Droge sei. (” eine Drrroggee!”). Kann ich total gut verstehen. Es trifft ja eigentlich für jede Art von AUftritt zu, bei dem Herzblut und Seele und Arbeit und Schmerz un dLiebe und was sonst noch mit drin ist.das Suchtpotential liegt nicht im Ausdruck an sich, sondern entsteht, wenn man für einen Moment, die Distanz überbrückt, von der eigenen Idee, der eigenen Stimme, und Leute erreicht.

Ich hoffe es klappt wieder. Mind the gap. Und es entstehen so wenig Kollateralschäden wie möglich.

 21. Oktober

Kopfschmerzen, wirre Träume. Kleiderberg, der aus noch nicht ausgepacktem Koffer quillt. Lichtblick und Rettung: Tüte Helmreich-Pralinen, die ich als Notzehrung gekauft  und ganz vergessen hatte. fehlt zwar der Kakao aus der rosa Tasse dazu, aber immerhin.

***

Nicht genug. Nie genug.

20. Oktober

Bin ja wieder in Berlin, das sich im goldenen Herbst ganz gut macht. Windsbach dennoch sehr präsent. Mein Handy beispielsweise zeigt simultan an die Ortszeit (Berlin-Rummelsburg, wo ich wohne)   u n d   was die Stunde in Windsbach schlägt! Zwei Uhren nebeneinander, ohne dass ich das eingestellt hätte! Und  beide gehen sie gleich! Wahnsinn !Hätte es sehr lustig gefunden wenn die Windsbacher Uhr die Zeit der stillstehenden Kirchturmuhr zeigte, oder 9:39 wie die am Dönerladen. Aber wahrscheinlich geht erstere längst wieder. Wiederum ich… – ich gehe irgendwie nach. HInke meinem Leben hinterher. Wettlauf mit Zeit um einen Antrag bei der Stadt einzureichen, um nächstes Jahr weiterzumachen. Bin wohl aber zu spät. das ist neu für mich. ich schaffe doch immer alles rechtzeitig. ja okay, mit Rechtschreibfehlern, mit Tee im Computer und schlaflosen Nächten. habe noch nie eine Berliner, Senats oder Bundes Antragsfrist verpasst, noch nie! Aber einen Antrag bei der Stadt Windsbach stellen ist tausendmal komplizierter. Rastlose NAcht, frühes hochschrecken aus dem Schlaf.  Ich vermisse den Morgenblick auf das Dach der Gottesruhkapelle. ich vermisse überhaupt Ruhe. aber die findet man halt nicht wenn man zwei Uhren im Gleichschritt auf seinem Handy hat. und eine Deadline naht.

19. Oktober

Viele und schöne Telefonate (schon in den letzten Tagen und Nächten) mit total unterschiedlichen WindsbacherINNEn. oder Gesimse, was ich sonst nie tu. Rathaustelefone leider erfolglos. man dringt nicht vor oder nur Freizeichen. private mit schlechten Nachrichten (die Frau G. ist im Krankenhaus in A. – kommt aber hoffentlich am Montag wieder raus. darf man das schreiben? Und Dem Pfarrer Peters eigentlich nur kurz erzählen gewollt, dass sein filmisches Erscheinen bei den BILDERSTÜRMEN sehr gut ankam. (weil er selber sah es ja nicht, weil er da mit einer Gruppe auf Pilgerfahrt war in Lourdes), dann aber nettes langes Gespräch, auch über Lourdes. denke da immer nur an blutende BIlder oder Statuen, was ich absolut gruselig finde. Aber bekam erzählt von heilenden Wassern, von kleinen Badebecken, in die man nackt geht (aber Intimsphpäre doch gewahrt, weil einer ein Handtuch hochhält, Marmorbeckenen (musste ans Müllersche Volksbad in M. denken, aber es sind wohl einzelne Becken) in denen man hinabgetaucht wird, wie bei einer Taufe im Fluss in amerikanischen Filmen, die im Süden spielen (oder wie sie der Dekan Schlicker im Waldstrandbad tat beim Kernfrankenfest) oder in alter Zeit. Oder in den Bibelfilmen. Oder im Vorspann von “True Blood”. Oder bei den Juden die rituellen Waschungen in der Mikwe, wenn man seine  Tage hatte oder vor/außerehelichen Sex oder an Jom Kippur. Neu sein. abtauchen auftauchen. Fremde Arme die einen halten, zurückdrücken, man taucht auf und läßt das alte Leben hinter sich – oder kommt  (im Falle des Pfarrer Peters’) aus dem Wasser und ist sofort trocken. als perle es ab oder vielleicht im Gegenteil ziehe ein. Seltsam. auch so was Wunder-Volles. Und: einer der Leute die da mit waren, dem eine Bein-Prothese Schmerzen bereitet hätte, sei die Schmerzen nun los. Glaub ich sofort.

Na ja Baden immer gut. Leider Kiefern-Schaumbad vergessen im Badezimmer des Kantorenhof.

18. Oktober.

Jemand hat mir ein Gedicht geschrieben! schon bei meiner offiziellen Abreise im Sepember – und ich habe es erst jetzt gesehen! bin sehr gerührt und finde es toll! und BItte tausendmal um Entschuldigung, dass ich jetzt erst reagiere. Leider habe ich keinen direkten Kontakt, daher auf diesem Wege: Danke schön!

16. Oktober

Geträumt, dass George Harrison ein Solo-Konzert gegeben hat am Turm. War auch von WIndsART groß angekündigt gewesen als Solokonzert, aber viele Leute waren enttäuscht, weil sie dachten, die Beatles würden spielen. Harrison war ziemlich cool und sagte, das passiere ihm öfters. wir unterhielten uns nett nach dem Konzert. Er wollte ein Bier trinken gehen und fand schade, dass da kein Biergarten ist, (“Da ist doch Platz für einen Biergarten!”) Und (er zeigte auf die Burgstube)  es  sei doch auch einer “ausgezeichnet” (so sagte er). Ich gab ihm recht. Wir unterhielten uns noch länger richtig toll, irgendwann  wurde es allerdings krampfig, weil sich mir der Gedanke eingeschlichen hatte, dass der George Harrision doch eigentlich tot ist. traute mich aber nicht zu fragen, weil ich außerdem ein total schlechtes Gespür hab für Gesichter und mir plötzlich nicht mehr sicher war, ob es überhaupt George Harrison war, mit dem ich sprach. Er merkte den zweifelnden Blick und wurde auch wortkarger. Musste dann auch eh gehen. hinterher mich geärgert, weil die B. von WindsART, die die Fotos für das Plakat für das Solokonzert gemacht hatte mir nochmal bestätigte, dass es natürlich George Harrison gewesen war.

15. Oktober

Abreise-Odyssee. Nicht weg gekonnt, weil Schlüssel vergessen abzugeben weil Tanke überlaufen,  weil Motorrad-Visier auf einmal weg war, aber ohne fahren ist blöd. Auf der Landstraße, wo einem dauernd Vögel ins Gesicht kacken, sogar noch schlimmer als auf der Autobahn. seltsame STimmung. verkatert, verpeilt. Gelbe Fake-Raps-Felder, Hügel mit Bäumen, wie entflammte Zündhölzer. Mildes Licht… – man fährt 52 Kilometer und ist am Ende nicht weiter als nach Mitteleschenbach gekommen. Wie? Nervenzusammenbruch vor Umleitungsschild. (Schlimmer als in Fürth! dafür enden aber die Merkendorfer Umleitungsschilder in schönerer Umgebung, konkret: Sie münden (alle?) in einen Schotterplatz am Wald an einer Kreuzung, auf der jede STraße  mit jeweils einem einzelnen Umleitungsschild endet, das jeweils auf die Mitte eben jener Kreuzung zeigt.

Und überhaupt: erstmal aus Windsbach rauskommen. Am Ende sitzt man dann doch einfach noch glücklich im Stadtcafe mit Frank und Bommel und denkt, ach fahr ich halt erst später. oder am liebsten gar nicht. Gestern – und auch dies ist ein Grund, warum ich heute etwas durch den Wind bin, hat meine Freundin N. für mich eine Abschiedsfeier gegeben. Überraschungsfete. ein Szenario wie aus tausend  und einer Nacht.  Mit Lagerfeuer und tollen Gesprächen  bis spät. gerührt. geschüttelt, geheult, gelacht. Bin sprachlos und unendlich dankbar. Danke SCHÖN!  Wie hält man das nur aus: so schöne Dinge und dann weg! Nachts in München  Kalt. Fertig.

Fertig.

14. Oktober

Im handverlesenen Herbst vor der Gottesruhkapelle eine uralt wirkende rostige Schraube gefunden, die (möglicherweis den waagrechten Teil des Eisenkreuzes gehalten hat, der auf dem hinteren Teil des Daches der Kapelle prangt – weil dem fehlt ja ein Teil ! War mir  letztes Jahr schon ins Auge gefallen, dieses amputierte Kreuz.  Dann gelernt von der alten Frau Vogt, dass das ein Specht war. EIner, der da drauf rumhämmert (und bereits früher schon mal ein Kreuz klein gekriegt hat. Kein reformatorischer Bildersturmakt, kein Terroranschlag, auch kein Versuch, das christliche Sympol einer Theorie der Zeugen Jehowas (die mich des öfteren besuchten) anzupassen, die mir erklärten die Kreuzigungs-Kreuze zur Jesus-Zeit seien in Wahrheit Pfähle gewesen, an die die Verurteilten gebunden worden wären. Ein Pfahl hätte sich aber nicht so gut als Kirchenemblem gemacht. – – – also all dies war aber nicht der Grund für den fehlenden Kruezarm, sondern ganz winfach: verstärkte Balztechnik. Weil ein Specht der auf einem Eisenkreuz herumhämmert einfach potenter klingt, als einer der an irgendeinem Holzstamm rumklopft. (das hatte mir aber die andere Frau Vogt erklärt). Irgendwann im Juli waren dann mal zwei Herren da, die ebenfalls rätselten, wie das Kreuz seinen halben Arm verloren hat,  und vor allem wie man es wieder anbringen könnte. Die hatten mir und den Damen Vogt nicht glauben wollte, dass ein Vogel der Verursacher sei. (natürlich glaube ich den Damen Vogt mehr, denn sie haben ja das Procedere vom Kantorenhof vor Augen und Ohren gehabt. Ständiges männliches Macho-Gehabe (der Vögel), mechnaisches Hämmern führt natürlich dazu, dass irgendwann mal ne Schraube locker ist (nicht nur bei Vögeln).

Dass da nun im Laub diese alte locker gewordene Schraube lag (weiß freilich nicht genau, ob es die rechte ist), hat mich total gefreut. Irgendwo ist vielleicht doch ein Sinn vergraben. Und alle lockeren Schrauben sind irgendwann wieder zu was gut? Nichts geht verloren? kam mir wie ein kleines Abschiedsgeschenk vor. Ob die Schraube nun aus Ritter Hellbergs Zeiten stammt oder aus dem Baumarkt, des is mir worschd! auf alle Fälle sieht sie aus wie eine, die ein Specht lockern kann. das ist mal klar.

Wie man sie wieder anbringen kann, weiß ich übrigens auch!

13. Oktober

Gang in die Stadt, weil ich da mein Motorrad gestern hab stehen lassen. Zu Fuß sieht man mehr. Ca. dreijähriges Mädchen mit Puschelmütze in rosa sitzt kerzengrade wie eine Königin – vom Vater beaufsichtigt – auf dem Gehweg und malt mit Pastellkreide. an der Brücke ein Schornsteinfeger-Auto, mit Slogan “Glücklich, wer einen Schornsteinfeger hat” (oder so ähnlich). Mit vielen Füßen getretene Wahlwerbung, die am Boden liegt.

Und wieder die roten und gelben Pfeile. gibt sogar welche, die um die Ecke zeigen.

Überall Feuerwehrleute in der Stadt, in kleinen Grüppchen wirklich überall. eine zieht jeweils ein kleines Wägelchen  hinter sich her, in dem Helme und irgendwelche Mappen sind (keine Leitern, keine Schläuche). Die legen wohl irgendeine Prüfung ab heute) Manche der Wägen sehen nach Baumarkt aus, die meisten aber eher nach Kindergarten oder Krabbelgruppe unterwegs. Man denkt sofort: Dieser Feuerwehrmann da – und der und der da auch, der wollte bestimmt schon als kleiner Junge Feuerwehrmann werden.

11. Oktober

Wer hat diese roten und gelben Pfeile auf den Boden gemalt oder gesprüht? Und wohin führen sie? unter anderem zum Altglas-Container, den ich allerdings nicht wegen der Pfeile gefunden habe, sondern weil ich beim Fristo danach gefragt habe. Frage mich schon, ob es nicht bessere Orte gegeben hätte als die Scheune hinter dem Bahnhof.

10. Oktober

Stadtcafe. Wiener Würstchen. Sonne, himmlische Herbst-Sonne, die obwohl alles gerade echt mies läuft, automatisch Glücksgefühle verursacht.

Der Bus des Knabenchors fährt vorbei. Und der Tierarzt auf seinem roten Motorrad. Eine grüne krumme Frau geht über die Straße, also grün ist das Kittelkleid.

Roter Bus mit einem Kennzeichen, das aus der Nähe meines Wohnorts zu stammen scheint, wurde von Polizeiwanne gestoppt, die erst quer die Retzendorfer Straße versperrte, dann an der Brücke gegenüber vom Cafe parkte. Mann im Jogginganzug wurde mitgenommen, der andere im grauen Hoody verabschiedete seinen Freund und schlenderte dann wieder zum roten Bus zurück. Sehr voller Bus. Die Damen, blond gefärbt, die wie die Männer durchsucht worden waren von den Polizisten, mit abgespreizten Armen, ihre Handtaschen bereitwillig hinhaltend, sind wieder eingestiegen in den Bus. Ratloses Rauchen des Hoody-Mannes. Wollten die jetzt nach Windsbach? Wär ja schon neugierig. Könnte mich erheben und meinen Presseausweis zücken. Bin aber zu träge und ganz ehrlich gesagt: „Des is mir worschd!“.

Betteln ist in Deutschland verboten? Echt?

Junge in roter Trainingsjacke, der von der Schule kommt, geht rückwärts die Brücke hoch, weil den interessiert das schon mit dem Fremd-Bus. Der Söder hingegen auf dem Wahlplakat dreht der Szene den Rücken und glotzt statt dessen mich an. Unangenehm. Beides.

Übrigens hat er eine komische Handschrift, der Söder. Irgendwie unentschlossen ob Schreib – oder Druckschrift. Und das Ausrufezeichen nach “Vertrauen” sitzt schief. Damit Bayern stabil blebt. Steht jedenfalls drüber.

Jetzt fährt der Bus wieder. Noch mehr Leute steigen ein. Weg.

Dafür kurvt der Radio Weinl-Bus durch die Gegend. Weiterer kleinerer Junge mit zu großer schwarzer Wollmütze starrt ebenfalls auf die Kreuzung und geht rückwärts die Brücke entlang. Dabei ist gar nix mehr zu sehen. Vielleicht geht’s um ganz andere Dinge beim Rückwärts-Gehen.

Oh, da isser wieder, der Bus. Wird immer seltsamer. Kann mir nicht vorstellen, was an genau dieser Ecke zu betteln ist. Oder überhaupt. Man möge mich aufklären!

Drückerkolonnen? Echt?

Nachmittags Neuendettelsau. Frau G. besucht. Nun hat sie sich in den Kopf gesetzt, mir einen Mann zu finden. Ohne wär blöd, meint sie. Und es gäbe welche im Internet. Reich müsste er sein, Reisen unternehmen mit mir und Humor haben. Ich sagte: auf gar keinen Fall!. Aber ich glaube sie glaubte mir nicht. Die soll mal evangelischer denken in dieser Hinsicht: Is doch eh alles vorherbestimmt. Wozu braucht es da ein Internet! Und reisen muss niemand mit mir unternehmen! Am Ende schleppt sie einem einen Motorradfahrer an, der dann wieder an einem herummäkelt. Allein fährt man immer besser.

Abendsonne. Baum vor der Gottesruh.

Drei kleine Jungs mit Fahrrädern fahren auf die Kapelle zu. Dem einen fällt plötzlich ein, dass man nun schon in Issmansdorf sein müsste. Helle Panik. Weil die Mama hat gsagt, wenn’st aus Windsbach rausfährst, gibt’s Ärger. Schon flogen die Kieselstein, als sie bremsten und kehrt machten mit ihren Rädern.

So gesehen bin ich gar nicht in Windsbach. Ich bin knapp hinter dem Ortsschild.

9. Oktober

Tag begann herbstlich, nebelig und kühl. Auf dem Motorrad kalte Hände. Wurde mir bewußt, wie lange ich schon hier bin. Ich kam im Mai! Da taten es die Baumarkthandschuhe, die ich letztes Jahr an der Agip-Tanke in WIndsbach zufällig gefunden hatte. und die ich behalten habe. die einzigen Handschuhe, von denen ich bisher nicht einen einzelnen verloren habe. für den Herbst und Winter sind sie zu dünn. Bin ich schon drei Jahreszeiten hier? Fahrt nach Cadolzburg. Neuendettelsau. Altdettelsau. Petersaurach. nicht weitergewußt. wüßte mal gerne wie das aussieht von oben, die komischen Gänge, die man auf der Landkarte hinterläßt. Nicht weiß ich, ob Richtung Ansbach oder Lichtenau oder Heilsbronn. Und obwohl man nun schon sooo oft gewesen in Heilsbronn, weiß man wieder nicht ob von Petersaurach aus der Weg Richtung Fürth über Bruckberg führt oder über sonstwo. weil Heilsbronn sich nämlich genau im Knick der Landkarte befinde(t habe)n muß. Nicht auffindbar. Alter Mann in Petersaurach mit grauem langen Borstenhaar, das nach allen Seiten abstand und mit sehr ebenmäßigem Gebiss, der seinen Rolator den Gehweg hinunterschob in Richtung meinem Motorrad, riet zu Richtung Heilsbronn und “Rechts!”  und fand, dass ich schönes Auto fahre. Gab das Kompliment zurück – Und überhaupt Fürth! da wollte ich nie wieder hin.

 “[…]Aber eins, laß dir sagen, das wird

niemals gut: Fahr nicht nach Fürth!

Fahr nach Forchheim, da lauert der Tod –

is egal! – Oder nach Roth!”

Es handelt sich hier um einen Auszug aus einem langen, sehr langen Gedicht, das der Verkehrssituation (namentlich der Einbahnstraßen und der Ausschilderung von Tankstellen) in Fürth gewidmet ist. Es entstand während einer Fahrt von Nürnberg nach Windsbach im Sommer.  Leider vergaß ich fast alle der 19 Strophen. Nur das mit “wird” und “Fürth” blieb irgendwie hängen.

Aber ich fahr ja auch nicht nach Fürth. Hängengeblieben in zauberhafter Stadt Cadolsburg. in mildem Licht.  Garten hinter Mauern. Auf und ab. Indisches Restaurant, das keinen Yogi-Tee in der Karte hatten. Wieder zurück. Abrechnen mit WIndsArt. Ilios. sehr lange, Blick aufs untere Stadttor, in die Sonne. Sehr schön.

Satzfetzen vom Nebentisch, zwei Männer unter sich:

“Fitness-Studio? – Ach weiß du was, du tust mir zwei Bier spendieren. dann komm ich morgen bissi mit und dann is egal.

8. Oktober

Nebeliges Morgengrauen, aber Laub, das den Balkon umrankt in unglaublichem “Rosa-Orange”, als wärs gephpotosopt. Mein Motorrad ist fertig! viel versprechender Nachmittag liegt vor mir.

6. Oktober

Aufbruch. Motorrad aus Windsbach holen. und überhaupt. Habe leider viel zu viel Gepäck mit. werde wieder etwas irgendwo dalassen müssen, da nicht alles mit dem Motorrad nach MÜnchen transportabel. Beamer bleibt in  Kapelle. Irgenwie ist das wie mit dem Koffer, den noch jemand in Berlin hat.

Angekommen in Nürnberg um 4:30 früh, schlaftaumelnd, das Kissen unter dem Arm, das plötzlich nicht mehr in den Rucksack passen wollte. Zum Bahnhof gewankt, aber ohne Bewußtsein eines Zuges, es war mir entfallen ob ich in Eile war oder nicht. Rollkoffertasche läuft geschmeidiger hinter mir her als über das Berliner Kopfsteinpflaster. Im Bahnhof Verlangen nach frischgepresstem Orangensaft bleibt ungestillt. Mann um die 60 mit Fuchsschwanz am Hut und Bierflasche in der Hand sang mit Würde und Inbrunst Guantalamera. Er tat es mit der Stimme und auch in der Haltung eines Opernsängers, wirkte abe rgleichzeitig wie eine moderne Commedia del arte Figur. tönte mit ausgestrecktem Arm und präsent den Gang zur Bahnhofshalle hinab. Freundlich wirkend. In einen Trainingsanzug gepresst, der nicht assig aussah, eher wie ein Harlekins-Kostüm, obschon schwarz. Er sang das Lied lange und langsam, im Tempo konstant.

Unschlüssig ob ich Coffee to go kaufen soll. Will ja nicht wach sein. Nachtschleier. Morgenblind. Der Mann hat seinen Gesangsvortrag beendet.jetzt singt er… nochmal Guatalamera aber einen Halbton höher und schnell. Up-Beat. Jetzt klingt es doch schon sehr grotesk. Ich bin auf dem Weg nach Windsbach. Wieder. Motorrad holen. Dies und das. Entscheidungen vor mir herschieben. Berlin fliehen.

In der S-Bahn sitzend fiel mir ein, dass ich keine Fahrkarte gekauft habeFahre ich über Heilsbronn oder über Wickleskreuth?Natürlich doch falsch ausgestiegen, weil mein Hirn noch nichthochgefahren ist. Endlose Gänge über die Rampenwege vom Bahnsteig zum Bahnhof – und wieder zurück. Habe aber Zeit, sitze nun in Heilsbronn fest, nächster Zug nach Wickleskreuth geht aber in einer dreiviertelstunde. Es sieht noch aus wie tiefe Nacht. Der Mond ist eine hauchdünne Sichel, sieht aus wie ein abgeknippster Fingernadel; man ahnt aber auch den Rest des Mondes, eine Hauch von Scheibe. Neuer Ohrwurm im Kopf: Guantalamera. Und wieder vergessen die Frahrkarte zu kaufen.

Ankunft im Morgengrauen. Zart-rosa-orange. Morgens Stadtcafe, Rosa heißt auch das neugeborene Mädchen vom Johann. Zu N. Gegangen zum Frühstück, die war auf dem Weg zum Gottesdienst . Froh dass ich mit. Sehr lebendig. Kürbisse in der Kirche und Pinguine. (letzteres nicht in echt, sondern Deko wegen Ernte-Danke-Fest) und sehr wohl echt: eine Käfer, der wirklich auf und ab den Mittelgang schritt, dann zurückkam auf der Bank entlang lief, immer beinahe den Leuten vor mir in den Kragen lief, sich aber dann doch für die Kirchenbank entscheid. Klingt als wäre ich abgelenkt gewesen. war ich aber nicht. Öfter Danke sagen solle man. Danke schön. finde ich auch. Ist nie verkehrt. (Hab übrigens Windsbach echt viel zu verdanken.) Der Gedanke, dass in dem Moment, in dem man jemandem dankt, man nicht mehr bei seinem eigenen Brei ist, gefällt mir. (Dekan wählte aber schönere Worte. “Brei” war nicht darunter. gute Atmosphäre. Lebendig.) –

Und die Kirchturmuhr sei immer noch kaputt. Ich erinnere mich, dass ihn das schon im August geärert hatte. Plötzlich war sie nicht mehr gegangen. Und die Versicherung zahle nicht. Wenns ein Blitz gewesen wäre, dann schon. (war ja mal 1700 noch was in der Gottesruh passiert, die lange verbachlässigt worden war. Und als dann der Blitz eingeschlagen war, sind alle erschrocken un dhätten dann auch die Kapelle wieder hergerichtet und genutzt. Ein bißchen Dramatik manchmal nicht schlecht. Wäre dem Dekan zu gönnen gewesen, dass da ein gscheiter Blitz in die Uhr fährt. Auch versicherungstechnisch. Seltsam, dass in Windsbach alle Uhren hängen geblieben sind. Die beim Dönerladen steht auch immer auf 9 Uhr 39. Eigentlich schön. Ich täts so lassen. Die Zeit ist eine Maßnahme. Wenn die höhere Gewalt findet (oder gar die innere der Uhr selbst), dass es Zeit wäre die Zeit anzuhalten… die Maßnahme sein zu lassen, die Perfektion nicht anzustreben…

Grübelte lange darüber nach und hätte beinahe verpasst, etwas in die Kollekte zu tun (wieder!). Der freundliche S., der vor mir in der Reihe saß, wollte mir verstohlen einen 5er hinhalten, weil er dachte, ich hätt nix mit. Gerührt und nicht beschämt lehnte ich ab. Natürlich hab ich was mit. Aber Danke schön!

Essen in der Mittagssonne in Moosbach. Schnitzel.

Wurde dann an der Gottesruhkapelle abgesetzt. Gar nicht gleich reingefunden in den Garten, da alles verschlossen. Aber die Tür zum Radweg hin stand offen.

Das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns. Wir müssen den Gang um die Welt machen, um zu sehen, ob es von hinten irgendwo wieder offen steht.  so heißt es bei Kleist. Die Lücke im Zaun.

So blöd es ist, dass man raus ist aus dem Paradies (oder in diesem Fall: bald raus muß), es bedeutet eben auch, dass man frei ist. (Abgesehen von eben dem eingezäunten Territorium, das dann verriegelt bleibt.

Im Falle des Vogtschen Gartens, dann aber doch den herrlichen Frühherbst, die glühend warme Sonne genossen. Zarte Schäfchenwölken im Himmel, die Pappeln, deren trockenes Laub raschelt, die Vögel die über einen hinwegfliegen. Eingeschlafen. Traumlos.

29. September.

Wahnsinn, habe den Eindruck fast alle Windsbacher wissen von fast allen WIndsbachern die Telefonnummern auswendig. Natürlich nur Festnetz.

[25.9.-5.9. BERLIN]

24. September

Den Sturm habe ich verpasst. er soll sehr gewütet haben und alles Aufräumen um die Gottesruhkapelle scheint wohl für die Katz gewesen zu sein. denn da wurde viel mehr aufgewirbelt, vielleichta us dem paradiesischen Vogtschen Garten? Fühle mich eh wie aus dem Paradies vertrieben. Kaum angekommen in Berlin sitze ich in Scherbenhaufen. Im MacDonalds am Ostkreuz (den ich mit Ach und Krach und viel zu viel Gepäck gerade noch erreichte) klaute man mir bereits Computer und Back-Up-Festplatte. Ruin. Ruin, der so existenziell schlimm ist, dass einem gar nichts anderes übrig bleibt, als zu singen und lachen. Seltsame Wendungen. Auf das Theater in dem ich nächstes Jahr hätte arbeiten sollen, fällt eine Bombe. meine zukünftige Arbeit in Berlin verschwand in einer Fastfood-Kette, die soweiso nur akzeptabel ist durch ihr Angebot von 2 STunden Gratis-Internet. Selbst meine. FINDERLOHN-Zettel werden dauernd entfernt von den McDonalds-Mitarbeitern. Aber bei der Polizei sagte man mir eh, dass ich das alles vergessen kann. Wahrscheinlich habe der Dieb noch nichteinmal Interesse gehabt an meinem Notebook. Freilich kann man damit eh nicht viel anfangen. es war das alte, das in welches ich Earl-Grey gegossen hatte in der ENdprobenwoche, und dessen Tatstatur sich nur langsam wie von einem Schlaganfall erholte, Die Tasten A, R, S, so wie die ganzen Zahlen funktionieren nicht mehr. Stelle mir vor, wie der Dieb das “R” drückt, I-Tunes aufploppt und dann wie eine Dea-Ex-Machina Alexandra  “Mein Freund der Baum ist tot” singt. (das passiert nämlich, wenn man das “R” drückt.) Vielleicht berührt den Dieb ja der Gesang (das erste Lied, bei dem ich als Kind heulen musste!) und er begreift, dass hinter den MAc-Books Menschen stecken, dass die Welt eine gebrechliche EInrichtung ist, Pappkartons fliegen durch den Sturm, Bääume brechen, Menschen sterben, Beziehungen gehen in die Brüche. dennoch finde ich nachwievor: man muss seine Türen offen stehen lassen dürfen. es bedarf der Offenheit, auch wenn sie einen manchmal fast ruiniert.

23. September.

Abflug. NIcht alles Gepäck weggeschafft. erstmal das nötigste. Rucksack, coole Tasche, geliehen und alte Roll-Koffertasche mit Vorhangstangen (Textilhaus Rühl, leider bereits verbogen, weil ich immer damit hängenbleibe und es aussichtslos ist, die DInger bis nachhause zu bringen. werden sich dennoch – gerade oder krumm – als nützlich erweisen für Probe übermorgen.) Flixbus diesmal unangenehm, da keine Unterbrechungen. der HImmel ist grau voller bauschiger Wolken. die Straße nass. Feuerwehrleute, Unfallwägen. zu müde um mitzufühlen. Zu starkes Herzklopfen um zu schlafen. Im Traum heute Nacht große Scheune oder Speicher mit Jahreszahlen 1799 (? was war da?), die vor blauem Nachthimmel stand. nicht ganz klar ob neues Haus für mich oder bereits schon vergeben. Gehöft. stellte sich tatsächlich heraus als nicht meins. Bauplanen-Zeltlager. glaube, das kommt daher weil ich gestern House of the rising sun gehört habe spät in der Nacht. Zwangsläufige Erinnerung an Zeltlager-Freizeiten meiner Kindheit. Damals gedacht, dass Zelte auf alle Fälle bessere Unterkünfte sind als Häuser. Freilich auch Scheunen. dafür wiesen mich in der früh per Telefon Leute auf mehrfache Unterkünfte hin, die sich in der Umgebung von Windsbach auftäten. mehr oder weniger aber nicht wirklichkeitsnah, wenn nicht gar absurd. Busfahrt zieht sich. nass-verschleiert. dunkeloranger Beinahe-Vollmond entpuppt sich als Shell-Tankstellen-Zeichen. Kein Halt. Kein Imbiss. kein 70-Cent-Klo. DSafür Nachrichten aus WIndsbach, dort hätten echte Gewitter getobt. Beim Textilhaus Rühl sei das “Der-Neue-Rühl-Schild” abgefallen. Dramatisch! Da müsste ich doch jetzt sein. – Dennoch: Beginne mich auf Berlin zu freuen. Klarheit schaffen. Steuer erklären. Proben. Sehnsucht haben.

21. September

Eine letzte oder seit langem erste schöne Ausfahrt machen gewollt mit dem K. der freilich eh viel zu schnell gewesen wäre. Ente bleibt auf der Strecke. nun ist sie wieder kaputt. Schmach und Pein. Und der Baumeister begrüßte uns: WIllkommen beim Schrotthandel. Und man präsentierte mir unzüchtige Fotos von Ebay-Kleinanzeigen. Falls ich mich nach ner neuen umgucken wolle… es stünde da eine besser gepflegte Honda NTV in Berlin-Köpenick. Die Frage ist also: wieviel soll man reinstecken in Altes, an dem man hängt. Hänge eigentlich nicht an vielem. Neu manchmal besser. Motorraddesaster brachte mir aber rasante Heimfahrt als Beifahrerin ein und nun zwei geschenkte Tage, da ich mit dem Zug schneller sein werde. Dumm freilich, dass ich dauernd angesprochen werde: “Immer noch da?” Obwohl die leute sehr nett sind, macht sich langsam das Gefühl breit, mein Verfallsdatum naht.

20. September.

Fakten: In Windsbach leben: Sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer:  19407 Hühner. Und nur 22 Pferde.

19. September.

Grollender Donner, spätsommerlicher Regen. Wilder Wein, der sich langsam rot färbt am Rande „meines“ Balkonfensters. Vom Bett aus kein Himmel zu sehen, aber die Dachziegel der Kapelle glänzen regennass. Wie Drachenschuppen.

Dann doch Sonne. Vormittag/Tag in Neuendettelsau vertan im Hammons wegen Internet. Dann doch Windsbach. keine Lust weiter nicht ins Venetia zu gehen. war eh ne blöde Idee. Habe Blick die Stadt hinunter und in die Sonne vermisst und das Zitronen-Keks-Eis (allerdings haben sie das jetzt eh nicht).

Nachts nicht ins Haus gekommen, weil die S. wohl die Tür zugesperrt hatte in unserer Abwesenheit. Wieder die Tür-Thematik. Warum wollen Menschen, die nicht in Berlin wohnen alle immer ihre HÄuser abschließen? Es ist WIndsbach! Hier klaut keiner was. Hier kommt allenfalls Herr Rüttel ins Haus und legt Zeitungsartikel und Rechercheprodukte auf den briefkastenstuhl. jetzt allerdings käme er nicht hinein. keiner komm rein. Sitze nun in der – na wohl wohl – und denke über mein zukünftiges Leben nach. der Baumeister erinnerte mich neulich daran, dass er – als er mich das erste mal sah (da hatte ich gedacht: ich leg mich mal an die Rezat und genieße die Sonne) da liegt a Pennerin und säuft Bier (und ich hatte nur eine Flasche Wasser mit!). Fühle mich heute obdachloser UND verbundener mit dem Ort an dem ich bin, denn je. Kerzen brennen. mein Computer singt in Dauerschleife. Leonard Cohen “Halleluja”, Vogts “Nachtigall”. Rotz und Wasser geheult, weil die schöne Metapher (“gefangen in der Gottesruhkapelle”) heute Nacht mehr stimmt denn je, aber auch gar nicht. Ich sitz hier nur rum.

Okay, jertzt lieg ich. Aber keine Angst, ich entweih nix! ich hab mich in den Textilhaus-Rühl-Vorhang, den wir am Ende doch nicht verwendet haben gewickelt und  mein Zelt aufgeschlagen am mehr-oder-weniger-Boden.

Die Bibel hier ist von 1917! lesen, endlich mal lesen. die alte Schirft der heiligen Schrift. wieso sind diese Psalmen eigentlich in der Bibel gelandet? wie Gewissensfragen und berechtigte  Zweifel. Achterbahnfahrten, zarte Kämpfe. Und dieser KÖnig David also  (Höre schon wieder Hallelujah!) versteckt sich in der Burg und sieht aus wie das kleine Gespenst. Toll! und die Psalmen, großartig. leider ist es sehr dunkel.

Pergolesi hören. Stabat Mater. sehr tröstlich. Pfarrer Peters hat recht: die Mütter sind wichtig, sie trösten, man kann sich an sie wenden, wenn man was angestellt hat. Mein Vergehen war heute also: in Panik aus dem Haus gerannt zu sein ohne Schlüssel und schon ist das Paradies verriegelt udn der Cherub hinter uns. Müde werden. niemand sagen. You are innocent, when you drem.  Jerder braucht mal einen RuheOrt. Ob Gott, ob Mensch, Kellerassel oder eine von diesen Spinnen, vor denen ich so Angst habe.

irgendwann kam der Mitbwohner und schloss dann doch auf.

***

Früh aufgewacht von einer Mücke – und vom Traum, mein technischer Leiter aus Eckersmühlen spiele im neuen Star Wars Film mit. Die Mücke war laut. Noch ein paar Sachen zusammengesucht in der Gottesruh. Aufgegangene Sonne an der Nordwand malte warm-waberndenen feurigen Fleck an die unteren Fresken. Auf dem Altar kroch eine Kellerassel ruhig und gelassen über Psalm 32. Werde das alles vermissen. Kapellen müssen benutzt werden, sie bedürfen der Menschen. stellvertretend, einstweilen können aber auch Tiere darin wohnen.

***

Il Corso Wirt läßt laut Musik spielen und herrscht alle Naselang eine Frau namens Alexa an, die mal einen Elvis-Song skippen soll, mal wiederholen. oder leiser oder („Alexa, lauder!!!“) doch lauter. War fassungslos über den Kommandoton. Und über die devote Frau. Hat die nix besseres zu tun als hinterm Fenster die Anlage zu bedienen? Frau stellt sich aber heraus als neues Steuerungssystem einer Playlist. virtueller weiblicher Zwangs-DJ. Was es alles gibt! Aus Battlestar Galactica weiß ich aber, dass solche Alexas irgendwann sich emanzipieren werden und die Herrschaft übernehmen. Und dann Gnade dem Il Corso Wirt.

***

Nachts spät nach hause. In der Küche Licht und (ganz andere) übriggebliebene Musik, vom CD-Player, den R. vielleicht vergessen hatte auszustellen, Gott sei Dank. Tappen im Dunkeln. Knarzende Treppe. Stockfinsterer Korridor. Nicht erschrecken, wenn man sich selbst entgeegnkommt. Nicht gegen den Spiegelschrank laufen. Ins Bett fallen.

17. September

Früh um vier aufgewacht vom analogen Telefon, von dem ich nicht einmal wusste, dass es in “meinem” Zimmer stand. es klingelte schrill unter meinem Bett. War die alte Frau Vogt. selten so freundlich geweckt worden in der beinahe noch Nacht. Verwunderung, da schlimmer Träume sie noch in der Mangel hatten und sie vergessen hatte, wer in ihrem Haus sei; man hörte ihr die Träume aber nicht an, freundliche Gelassenheit. Wunderschönes Nachtgespräch jeneits von Zeit und Raum. Am Ende war uns beiden nicht ganz klar, wer wen angerufen hatte, aber das machte nichts, weils ein ausgesprochen angenehmer Start in den Tag gewesen war. bis 5 Uhr geredet. dann allein mit ExelTabellen und Abrechnung.

Elftes Gebot: Du sollst Dein Motorrad nicht parken vor dem Dekanat.

16. September.

Wenig geschlafen, da Tochter zu Besuch. Sie kam gestern während der späten Vorstellung mit ihrem rosa Rollköfferchen an. Das enge Bett, die Wärme des vertrauten Körpers, dennoch lange nicht so gelegen und daher doch auch fremd. Musik noch im Ohr – eher im Hirn – spielte im klarsten Dolby-Suround-Ton das “Und die Feste…” von Vogt, das die Knaben, also die Männerstimmen gesungen hatten. die “Gewalt der Musik” obwohl so sanft und wolkig. – Das war vielleicht echt das großartigste für mich an dem Abend: Auf der Empore zu sitzen, im Dunkeln, fast ganz “bei sich” und hinter einem schwappt diese Woge von unfassbar schöner Musik über einen hin und weg. Von der CD mit Kopfhörer hört die sich schön an, aber wenn man mehr oder weniger in ihr sitzt, klingt sie und man spürt sie. Ruhe und Herzklopfen.

Letzte Vorstellungen. wieder Tag der ruhig beginnt, als hätte man alle Zeit der Welt, dann und plötzlich ist es eine STunde vor Beginn der vorletzten und dann letzten Vorstellung. Kathrin Vogt zeigt mir Buch von neuen Psalmen. Tee im Garten morgens. Tod. Leben. Musik. Nachbeben.

15. September.

Heute starb Sabine Vogts Sohn. Mein Vater hat Geburtstag. Premiere ist. Das ist dann fast banal. Hinter dem Zeitplan hergehinkt. Letzte Technik-Umbauten stören Trauer, oder auch gerade nicht. weiß nicht genau. Plötzlich sizt K. an der Orgel, die Schwester der S. Die noch gestern in Leipzig im Krankenhaus war, aber heute einfach „Nachhause“ musste, auch wenn das Nachhause gerade überbevölkert und chaotisch ist. Glaube schon Schock. Andererseits auch Ablenkung. Floh in die Kapelle, aber auch deren Ruh war hin. Kabellegen sein gelassen. K setzte sich an die Orgel und spielte für sich. Ton traf ins Mark. Als wäre sie die überraschend aufgetauchte Schwester Antonia aus Kleists Erzählung. “ein wenig blass ums Gesicht”, suchte Ruhe in dem Trubel, zwischen den Zigarettenkippen und Weinlachen im Garten, die die Jungs gestern hinterlassen hatten. Aus dem Paradiesgarten vertrieben. Morgen-Danach-Reste. Earl Grey in der Sonne mit ihr hilft etwas. oder auch nicht. es ist einfach eine Achterbahnfahrt, die muss man zulassen. Gebe mich der neuen Situation hin und mache nix, als dasitzen und horchen. Deterministischer Protestantismus eigentlich doch gut. Gut sein lassen. Dann plözlich auch geheult. alle schüttelt dieser Tod, auch wenn Verstorbener unbekannt. bei allen schwappen die eigenen Verluste der letzten Zeit hoch. Tod ist echt Zumutung. An Dekan Schlickers Lieblingsbild gedacht: das Monster, das die verschlungenen Adam und Eva ausspucken muss, weil Jesus “drauf haut”. Wäre schon gut, wenn er das täte. (Jesus, nicht der Dekan).

Vorstellung dann… – irgendwie ich glaube echt gut? Erleichterung. Richard Stier, der die Männerstimmen leitete, widmete als Zugabe der Familie Vogt den Psalm “In Deine Hände…” Schöne Worte, noch schönere Musik. Ich weiß, das „Kunstprojekt“, wie es hier oft genannt wird, ist nix das Leid, nix gegen den Tod. Aber es handelt (auch) von der Vergänglichkeit. Einen Moment lang wie die gefangene Nachtigall hoffen, dass es einen Ausweg gibt. Oder still sein.

Abends auf den Bierbänken gesessen vor der Kapelle. Seltsam, wie gut sich die Tische anschmiegten. An Schulausflüge zum Kloster Andechs gedacht. Stolz, dass ich den Schlüssel fand in der Harry-Potter-artigen Kammer unter der Treppenempore, der die Aussenlaterne erschloss und leuchten ließ.

13. September

S. der Sohn! nun muss sie doch hin. Kleist muss warten. erschrocken über die Vehemente Wende zum Schlimmen. höhere Gewalt. Es ist eigentlich keine Frage, den Kleist abzusagen. ertappe mich bei Erleichterung, dass sie fährt. Dass es ausnahmsweise mal keine Frage ist.

Es bedeutet auch, dass ich mich ganz auf den Ersten Teil der Veranstaltung konzentrieren zu können. und beim Hintergedanken: nochmal wiederkommen nächstes Jahr? erst abends begriffen, dass man sich keine Rosinen rauspicken darf. das Gesamtpaket ist das Gesamtpaket. GUte Geister, böse Geister. Tragödien, Kunst. Wirklichkeit. das wahre Leben fällt immer immer mehr ins Gewicht.

12. September

Straße wird nun doch erst gesperrt ab Montag nach meiner Veranstaltung. Dafür schleichen aber doch irgendwelche Leute durch den Vogtschen Garten und wollen Strom haben. weil Kapelle zu. Genervt, weil dauernd jemand kommt und was will. Mann vom Bauamt der aufs Haus zusteuerte ignoriert (mach ich sonst nie!). entpuppte sich schließlich aber als nicht von der STadt oder vom Bau, sondern als der Junior-Chef von Elektro-Bär. wegen des Flackerns. Dabei gar nicht bestellt?!Weil die Gottesruhkapelle zu war, hatte er sich Zweitschlüssel organisiert und ohne in die Kunst des Aufschließens eingewiesen zu sein, brach der Schlüssel ab. kappelle zu. Vielleicht wollte Gott mal seine Ruhe haben. Typ vom Schlüsseldienst etwas ratlos über das mittelalterliche Schloß. es dauerte bis man wieder reinkonnte. Abends Probe mit Dekan, der verständlicherweise sauer war. Ich angespannt wegen alles eh gerade schlimm und unabsehbar. Verschlossene Türen. Kranker Sohn der S. Volle Festplatten, hungrige Knaben… – Und dann geht die Probe los, und alles wird plötzlich leicht. tiefschürfende Leichtigkeit. Feuerwerk an Gedanken. War die beste Probe überhaupt. Offen. eigentlich ist das eh das Thema: ich die ich will, dass immer alles offen bleibt, dass wir improvisieren, dass ich eher assoziativ auf den Knopf drücke und einen Film aus dem Hut zaubere, je nachdem, was im Gespräch aufploppt. Ich die ich überrascht sein will von dem was er sagt. Und er der Perfektionist, der so genau hinsieht und das bewahrt, was in den bisherigen Gesprächen entstanden ist. irgendwie doch gute Ergänzung. Öffnen. Zuschließen. den Widerstand abwarten und dann sachte weiter.

Nachts spät ins Haus. roch anders. Socken und Turnschuhe. Und jede Menge Knaben.

11. September

Ich verliere meine Ruhe. meine Nerven und meine Morgende. im Vertrag mit dem Windsbacher Knabenchor dummerweise überlesen, dass die Jungs vom Veranstalter versorgt werden mit Essen Vertrag mach mit dem berühmten Knabenchor. Mist. Wer A sagt muss auch B sagen. die haben Hunger! Schleunigst Vertrags-DInge abgegeben an den U. von WindsART. Und während noch hin und her überlegt wurde, was wie wann, schmissen mein Technischer Leiter + Assistent neu erworbenen Grill meiner Hauptdarstellerin an, Würstchen drauf. Barbeque vor Gottesruh. Rührung.

10. September

wichtigste Probe mit den lärmenden Bilderstürmern. Super-anstrengend, weil kaum zu koordinieren. Aber fuminanter Akt. Großartig schräge Töne, ein brüllendes Dies Irae, donnernde Gestalten, Kawohl als Prädikant und Kopf der Sache dessen Zornes-Posaunenstöße die Wände der Gottesruhkapelle („im Outfit der Wieskirche“) zum Wackeln bringt , Klaus von „Ora Pax“ in LederMantel und alter Flieger-Brille, Peter Huber mit Axt und Schurke-Betritt-Saloon Augenblick. Der Bommel, der auf eine Gießkanne einhaut, der Jürgen, der den Gang zum Alter entlang wuselt und die Fenster bersten macht und schließlich und der jüngste Bilderstürmer, Lenni, dessen Triangelschlag schließlich das ganze Szenario zum Einsturz bringt. Alle begeistert. Irrenhaus-Szenerie nicht mehr geschafft. Aber dafür schöner Ausklang vorm Halter Feierabend-Bier. Zwar natürlich ohne Halter aber eben doch am rechten Fleck.

9. September.

Die Straße nach Mitteleschenbach, die holprige, Sprungschanzenartige, wird in Stand gesetzt. Offensichtlich steht das schon sehr lange an, aber scheiterte bisher daran, dass irgendein anliegender Wiesenbesitzer nicht zustimmte, jetzt aber wohl dann doch – warum auch immer. Wahrscheinlich kriegt er einen Sack voll Kohle!) .WindsArt hatte die freudige Nachricht gebracht. Freudig nicht nur, weil es dann vielleicht endlich “gar leidlich gepflastert” sein wird, sondern auch, weil dann gesperrt ist und bei der Veranstaltung keine vorbeibrausenden Autos stören.

Den Schlüssel bekommen für die Gottesruh. Sehr geehrt durch Vertrauen und ausführliche Einweisung durch Dekan persönlich: man dreht sachte, dann kommt ein Widerstand – da dann noch sanfter weiterdrehen und dann greift das Schloss. Die offene Kirche soll also nun nachts doch lieber zu sein, der Technik wegen, die da nun hängt.

Unruhige Nacht. Enkelsohn der alten Frau Vogt. Sohn de S. die eine der beiden Stützpfeiler der Kleist-Geschichte ist, liegt in Leipzig im Krankenhaus und bedarf einer Transplantation. Wechselspiel von Hoffen und Bangen. Je schlechter es ihm geht, desto höher rückt er auf der Organ-Liste. Infos ändern sich dauernd.

8. September.

Und außerdem flackert jetzt der Kapellenscheinwerfer! Fiel beim Gottesdienst ungut auf. Es geht das Gerücht um, es existiere ein gelber SToffbeutel irgendwo in der Kapelle, unter der Treppe oder unter einer Bank, von der die ehemalige Küsterin, Frau Bartel meinte, er könne noch Ersatzbirnen von früher beinhalten. Frau Bartel finde ich super. Prosaisch trockener Humor, vermeintlich finstere Augenbrauen, tiefe STimme, die aus ferner Zeit zu kommen scheint. Poltrig und zart zugleich. DIe müsste Kindern Märchen-Platten besprechen. Erzählte Geschichten von Hochzeiten, bei denen die Ringe verloren gingen, weil die Blumenstreu-Kinder sie in ihr Körbchen gepackt hatten. Während die gesamte Hochzeitsgesellschaft alles auf den Kopf stellte und die Dinger suchte, standen die Blumenstreuer seelenruhig daneben, sahen dem Treiben zu und der eine raunte dem anderen zu „Die suchen die Ringe – wir haben sie.“ Von allen unerhört, außer von Frau Bartel. „Her mit den Ringen!“ wenn mans aufschreibt klingts nicht so toll. aber wie sie es erzählte…!

Tastatur lernt wieder Buchstaben, nach und nach. Vielleicht ist es wie nach einem Schlaganfall…

neuronale Schaltkreise aber eher wie Minenfeld. Wenn man „R“ drückt ploppt I-Tunes auf und Alexandra singt „Mein Freund der Baum ist tot“ wusste nicht einmal das ich dieses Lied auf dem Rechner habe.

7. September

Und nun geht die Tastatur nicht. Doch Spätfolgen des Tees im Computer. Die einzige Taste die geht ist jetzt das „e“, das bisher leicht klemmte. Katastrophe in Sachen Filmschnitt. Warum? Tee ist das einzige, das mich gerade stärkt. Habe noch Zweit-Rechner, aber auf dem kann ich nicht schneiden.

6. September.

Mann von Elektro Bär bringt neue Leuchtmittel. leider kältere LED-Variante. Er empfiehlt deshalb auch den anderen mit dem neuen Leuchtmitte zu versehen. Wehmut über kein Wolfram-Draht-Licht.

Abends mit der gläsernen schönen Teekanne, der aus dem Geschäft mit den Clowns-Im-Angebot, Earl Grey-Tee in mein Mac-Book-Pro geschüttet. Versehentlich. Scheint aber ohne Folgen zu sein.

5. September.

4. September.

Butterbrezeln Bäcker Beisser. Wer erzählte mir, dass die Brezel von den Z.-Mönchen (von denen ich nicht weiß, wie man sie schreibt und die eine besondere Art hatten zu beten, mämlich mit nach innen gedrehten verschlungenen Über-Kreuz-HÄnden – brezelartig, halt) erfunden wurde?

3. September

Kapellen-eigener Scheinwerfer brannte durch. Seinfach so! nicht wegen Beamer oder zu viel Geärten an! Mist. das schöne warme dezente Licht. (muss mich eh schon immer wehren gegen die Produktions-Techniker, die mit ihren LEDs am liebsten rot und grüne Atmo zaubern wollen an die Wände, als wärs eine Geisterbahn, von ihren Experimenten mit Nebelmaschinen ganz zu schweigen. Um den Scheinwerfer können sie sich aber jetzt nicht kümmern, weil sie ja außerdem in Eckersmühlen wohnen. Elektro Bär, Neuendettelsau soll ich anrufen. Kommt auch prompt. Leuchtmittel aber nicht vorrätig. muss bestellt werden.

Neuer Mitbewohner im Kantorenhof. Absolvent vom Internat, also Chorknabe, der inzwischen da fertig ist, aber als FSJler zurückkehrt. Entpuppt sich als eben jener, der die Aufnahmen leitete, die wir mit dem Chor machten für den Kleist-Part der “Bildestürme”. Nun also nicht mehr allein.Erst gedacht Mist. dann, als ich spät von der Probe kam und die Küche belebt war (es waren mittlerweile zwei „Knaben“!) und duftete, erst gemerkt, dass das Haus im Dunkeln zu betreten doch weniger schön ist, als “heimzukommen” ins Licht. und Musik. (Hören die immer Klassik?) eingeladen worden zum Einstandsessen. konnte nicht viel beitragen zum Essen als (Dank Pfarrer Peters!) eine Flasche Wein.

Bin froh. wieder Einblicke in fremde Welten. fremde Lebenspläne, Stimmbrüche, Identitäten. Gedanken.

2. September

Was ist das immer mit dem Zaun der Gottesruhkapelle? jetzt soll er gestrichen werden, soll schön aussehen, wenn die Premiere ist. der ist doch schön! grüne Patina, leuchtet. was solls.

1. September

Komme kaum mehr zum Motorrad-Fahren. Gesegnet noch nicht, aber endlich ist es repariert. (Die Viehbecks hatten, weil die bei ebay angeblich in Bremen erworbene Fußraste, die beim letzten Umfall (vor dem Rathaus) abgebrochen war doch aus Taiwan angeschwommen kam, einstweilen meine hintere nach vorne montiert. endlich wieder frei. komme aber kaum mehr zum fahren. zu viel mit der Vorbereitung für die “Bilderstürme”. zu viel Filmmaterial zu schneiden, zu viel Technikfragen… inzwischen schon Nebel in den Tälern.

Auf den Asphalt gefallene Zwetschgen und Äpfel duften mostig. wenn man sie überfährt leichtes Ausglitsch-Gefühl. Süßer Roadkill. Jenseits-Paradiesisch.

Und nie mehr im Waldstrandbad gewesen. Und keine Zeit mehr für Frühstücks-Pralinen. Zeit rast.
30. August

An den Morgenden fügt sich irgendwie immer alles. es ist immer die Zeit in der ich noch in Ruhe bin und den Tag vor mir habe. wacher bin und schon fallen Leute “vom Himmel”. Katholischen Pfarrer kam des Wegs. UND: schlug vor, mein Motorrad zu segnen!

29. August.

Geträumt ich könnte fliegen. Teekanne gekauft. Aus Glas. heute wird ein schöner Tag.

28. August.

Auslage des Haushaltswaren-Geschäft Fries hinter dem oberen Tor  mit dem Angebot “Clowns Gilde 50 % reduziert. – ausgenommen Limitierte” erweckte Neugirde. Vitrine voller Clowns, sehr grulseig. Ansonsten aber  schöner Laden. Und es fiel mir schmerzhaft auf, dass meine Teekanne in Scherben gegangen ist. Neue kaufen? wieder eine aus Glas?

Motorrad zurück bekommn von wieder lauthals lachender Frau Viehbeck. Reperatur hatte Lange gedauert, aber nur weil ich die Ersatzteile bei einem angeblich Bermer Händler bestellt hatte, der sie aber aus Taiwan oder sonstwoher einschiffen gelassen hatte. Freiheitsgefühl.

Nachts vor der Tür seltsame Geräusche. Elstern – in Scharen vor meiner Türe. Scheint mir heute wie Traum. Aber die Federn, die gelassenen, sagen: krasse Realität.

26. August

Gestern spielte der 1. FC Nürnberg in Berlin 0:1. Naja, is jtzt echt keine Schande. Fuhrn ja viel im Fan-Bus dorthin. war bestimmt srhr kultig. als ich das letzte mal Hertha gesehen hat war er 11 und hielt es nervlich kaum durch. hatte ihm einen Glücksbringer leihen müssen, den er fast die ganze erst Halbzeit umklammer hielt, aber beim Zweiten Tor gegen Hertha mit einm Aufschrei und in graziöser Wut in hohem Bogen in Richtung Spielfeld warf.

Im Il Corso füllt die Schnapsidee den Raum um den Nebentisch, man solle nach Istambul und der Il- Corso-Wirt soll der Stadtführer sein. “Istambul…!” Man weiß ja nicht so recht, “aber Führer…” – Führer derfst net sogn!“ Ansonsten ging man der Frage nach „warum sterbn im August so viel Leit? Und „Warum ist die argentinische Dogge in Deutschland erlaubt?“

x August

Dekan werkelt am Zaun rum, schraubt Querleisten fest. einfach so für sich. also für die Gottesruh, Dabei hat er noch Urlaub. find ich nett. wenn man ihn fragt ist er verlegen und sagt “Das ist für mich Urlaub”.

22. August

heute viele ehemalige Windsbacher in Windsbach. in der Kapell traff ich einen Mann, der beinahe CHorknabe geworden wäre (Im Märzen der Bauer” hatte er singen müssen noch bei Tamm und wäre genommen worden, aber  Familien-Diplomatien hatten es dann doch anders gewollt. nur zur Schule gegangen sei er und später in einm anderen Intrnat gewesen war er. Jetzt Hammelburg neue Heimat. Ab und zu müsser zurück in die alt Heimat und die Erde anfassen (sagte er es so?), er sei nicht esoterisch drauf oder so, aber das sei wirklich so. es beruhige und tröste. er erzählte schnll und viel und natürlich hatte ich die Kamera nicht dabei. die ist hute das Objekt, das fehlt, gestern und letzte Woche wars das Handy, heute die Kamera, das Motorrad sowieso. Mein Kopf ist so schwer heute, dass ich den Verdacht habe, dass es morgen er sein wird, der irgndwo rumliegt. die Hoffnung besteht aber , dass man im textilhaus Rühl wissen wird  wohin er gehört).

Auch wenn ich dauernd dachte, während ich mit dem mann sprach, “Mist, endlich einer der reden will und auch noch einfach so da ist vor Ort und ich kanns nicht verwenden.”, wars doch eine inspiriernde Begegnung. Er redete wie ich schreibe,  Bilder bleiben hängen, man skizziert besser schnell bevor es weg ist: dass die Agip-Tankstelle schon ein 50 jähriges Jubiläum hat, dass am Brückla früher ein Kiosk war, da hat man sich als Kind was gekauft, Mohrenkopfsemmel zum Beispiel, irgendwo war mal eine Molkeri und beim Konditor Dauscher gabs Waffelbruch in großen mengen für Eine Mark. Auch von der Frau Lades sprach er. Seltsam wenn ein Name so schnell wieder fällt, den man einen tag zu vor zum ersten mal in seinem Leben gehört hat.

Sätze vom Nebentisch, im Cafe Helmreich, ebenfalls ehemalige Windsbacher am Fenstertisch, blicken auf die Straße und schauen: “den Radio Weinl gibts a no. – Wer kafft den heit noch an Radio. Aber trotzdem, der Herr Weinl – direkt auch ein bekannter Mann.

21. August.

Die alte Bäckerin Lades kennen gelernt. Sie war eine von zwei Leuten die meinem Aufruf “Haben Sie Erinnerungen an die Gottesruhkapelle und wollen sie vor der Kamera mitteilen?” nachgekommen war, den ich per Fragebogen im Phönix-Altersheim ausgelegt hatte, wollte aber eigentlich doch nicht und erinnerte sich auch nicht das Ding ausgefüllt zu haben. Erzählte sie mir dafür ihre Lebensgeschichte. dass sie den Herrn Lades, ihren Mann schon in der Volksschule gekannt hatte, (da hatte sie eine ganz weiche zarte Stimme, als sie das sagte). Um den Mann hatte sich viel gedreht. Mit 17 eingezogen worden war er, “noch so jung!” und dann nie mehr recht gesund geworden als er zurückgkehrt war. Dass er in der Schule lieber Französisch gemacht hatte als Englisch hat ihm möglicherweise das Leben gerettet. Gefangenschaft? als Dolmetscher untergekommen. “Da wär ein gewesen, die hätt ihn gleich länger dabehaltn wollen”, als er dann aus dem Krieg zurückkam war er krank. “nie mehr was gworden!” Aber nie wurde das anerkannt. – Hatte prompt gedacht, ein  traumatisierter Junge sei da nach Windsbach heimgekehrt und das sei damals eben noch nicht als “Kriegs-Schädigung” durchggangn. war aber ja was ganz anderes. “Mehl-Asthma wars net!”, sagt sie, als hätt ich das villeicht vermuten können. Das wär nämlich so eine Berufskrankheit bei den Bäckern. Auch tragisch!”: Aber was dann? Irgneine Form von Rheuma womöglich. Höllische Schmerzen, aber nie wirklichgeklärt. Viele Ärzte hätten da rumgerätselt, auch einer sei gkommen aus Würzburg und hätt in Gutachten schreiben sollen, aber er hätts dann nicht geschriben, denn es wär sehr teuer geworden, aber “Frau Lades, ich sag Ihnen, es wird ihnen nix bringen, wenn sie den Namen von der Krankheit wüssten.” (“ja, jetzt sag halt amol  w e l c h e!?”). wusst aber niemand. der Arzt aus Würzburg (ich stell ihn mir natürlich als Arzt am Julius-Spital vor, aber so um 1800 rum, was natürlich quastch ist) muss wohl aber vom Fall doch fasziniert gewesen sein, es kamen nämlich im Laufe ds Lebens  der Lades noch viel Ärzte von alleine auf den Kranken zu. Arzneumoittelstudien. “Versuchskaninchen war er!” Es scheint ein anstregends Leben gewesen sein. um zwei Uhr aufstehen und den Teig kneten (“Ich hab doch immer gebacken! bis ins späte Alter”), später dann die schweren Back-Maschinen bedient, den Mann versorgen, der nur noch im Bett lag – es klang als wär das dann eigentlich immer so gewesen, aber sicher bin ich mir nicht.  jetzt ist sie Witwe. Im Heim ist sie weil sie oft hingefallen ist und nicht mehr aufstehen kann, weil sie eine Knie-OP hatte, auch so ein Versuch-Kaninchn-Fall:  noch nicht erprobt die Operation. Hätt auch gut gehen können, wars auch gegangen zunächst: ein Knie halb menschlich, halb künstlich.Und die Narbei sieht man kaum. (ich weiß es, weil sie hat sie mir gezeigt.) wenn sie nicht gefallen wäre, wärs gut gewesen. da hat das rote Kreuz darauf bestanden dass sie ein Alarmbändchen bekommt, mit einem Knopf. sie hätte gesagt, ach ich kann schon aufstehen, aber das wär eben doch nicht gegangen. ich wollt wissen ob das jetzt ein erholsamer Lebensabend sei, im Seniorenheim, nach so aufreibendem Leben, ob sie zur Ruhe käme. sie behauptet sie hätte hier wenig Ruhe, es sei sehr viel lost und zeit hätte sie eigentlich auch nicht.

Geklagt oder gejammert hat sie nicht. zur Kapelle wollt sie nichts sagen (sie meinte, ich solle die Tafel lesen, die an der Kapelle angebracht sei, da stünde alles drauf), tat es aber doch, denn als ich sie an das Thema erinnerte, wegen dem ich da sei, rutsche ihr doch ein Satz raus “die Gottesruh…! Aber da hot doch mei Dochder geheiratet! und die Taufe sei auch da gewesen vom Kind von der Tochter, die sei dann gleich am nachmittag gewesen nach der Hochzeit. Ein Aufwasch sozusagen. wünschte ich hätte wenigstens diesen Satz aufzeichnen gedurft. es war stark und kam vom herzn und sie klang dabei, als wär sie überrascht über den Zufall, und als wär das grade vorgstern gewesen. Und dass ich gerade nach dieser Kirche frage, wo doch gerade dort die Tochter geheiratet und das Enkelkind getauft worden ist.

17. August.
Der Tag hatte gut angefangen. Aufgewacht mit dem Gedanken an Hände. Genauer genommen, die Hände, die die Linien nachzeichnen auf den verwaschenen Malereien in der Kapelle. Gestern hatte ich eine Dame interviewt, die sich für die helige Margarethe begeisterte. In der Kapelle aber ist diese kaum zu sehen. Mir ein Rätsel wie man in dem androgynen Wesenohne mit Doris-Day-Frisur ohne Unterleib und ohne Attribut außer einer Stange eine Heilige sehen kann, die Drachen bekämpft. Das tolle war der Blick der Frau, die starrte auf den unebenen Grund, die leere Wand und sah plötzlich Augen und Klauen, Drachenschuppen und Schwanz. Ihre Hand fuhr über das Genäuer und da entstand alles. Ich muss es nur hinzeichnen… daran aber nicht gedacht beim Aufwachen. Dachte an das Holzschnitt-Buch des Herrn Fuchs. Nicht Holzschnitt als Kunst sondern über das Beschneiden von Obstbäumen. Stich zweier Hände, die einen Kirschenzweig anschnitzen. Ich hatte das mal aus einem Buch fotografiert, weil es mir gefiel. Die Hände könnten einen Pinsel halten und Drachen malen, die ich an die Wand werfe…
Aufgestanden, Tee gekocht. Aus dem Garten getreten, mich auf die Bank gesetzt, den Tee getrunken. Ein Auto fuhr vor und darin daß Herr Fuchs! Der war gekommen um mir einen Zeitungsartikel zu bringen. Nun habe ich aber mit Herrn Fuchs seit einem Jahr kein Wort gesprochen. Und auch davor nur einmal kurz. Seltsam. Der Tag fing gut an.
Danach ging alles schief. Weil die Stadt selbst so schief ist. Alles hat ein Gefälle. Nichts ist plan. Vor dem Rathaus geparkt. Das Motorrad, dessen Seitenständer nur provisorisch repariert ist, man riet, es möglichst nicht zu sher zu belasten, damit der Stift im Schalter sich nicht noch mehr verbiegt, das ich nun immer an die Windsbacher Wände lehne, das Motorrad also lehnte am Rathaus. Aber auch das steht schief. Rathaus wie Rad. Fiel zu Boden – das Rad.. Kupplungshebel zerbrochen, Fußraste ab. Nette Frau half es wieder hochstemmen. Später in der Kapelle fiel dauernd die Papp-Verkleidung der Luke herab. Nur Pappe, aber es dennoch donnernd. Und aus heiterem Himmel. Oder war es die Fliege die zwischen Scheibe und Pappkarton gegen die Wand wollte. Am Ende lag auch sie am Boden. Und morgen heiratet dort wer. Licht fällt herein. Nichts hält. Nerven liegen bloß. Scham über Nervenzusammenbruch wegen letzendlich ja doch nur Mini-Dramen. In Gaza ist ein Theater in Schutt und Asche gebombt worden. Also Klappe halten. – Ersatzteile bei Ebay zu bestellen versucht. Immer wenn ich „kaufen“ wollte, stürzte der Rechner ab. Zu Fuß dahingestolpert durch den Stadtgraben dem Textilhaus Rühl zu, wo ich immer hin renn, wenn ich Hilfe brauche. Teile erneut bestellt, stellte sich aber heraus, dass ich nun drei mal Faußrasten bezahlte und 2 mal Kupplungen. Weil alle vorherigen Bestellungen noch gespeichert waren. Beinahe zu spät gekommen zu einem Gespräch mit der FLZ. Erst dann zur Ruhe gekommen. Im Reden Ruhe. Dann Richtung München gefahren. Wollte eigentlich nur hin wegen der Gelegenheit, die sich bot, aber auch die zerbrach. Jetzt erst recht gefahren. Ich brauche jetzt eine Mutter und einen Vater.

***

Augsburg Hauptbahnhof umgestiegen. Der Geruch – nicht viel anders als alle anderen Bahnhöfe der Welt. Dennoch. Erinnerung. Sommernächte. Letzte Züge. Auf dem Lenker des Rades gefahren worden vom Liebsten (Zweitliebsten). Zum Zug zurück nach München. Aufregende Sachen. Aber doch immer froh gewesen, wenn im Zug gesessen. Es hinter sich haben.

16. August
Handy verloren. Wirr gewesen.
Radio Weinl. Verblüffender Aufenthalt obwohl nur mal eben schnell ein paar Glühbirnen kaufen gewollt. Beinahe nicht herein gegangen, weil gigantischer Schäferhund innen vor, also hinter der Tür lag. Erhob sich langsam in ähnlichem Tempo wie gegenüber im Cafe die alte Frau Helmreich. Und mit ähnlicher Würde. Respektvoll in der Tür gestanden. Es hieß dann aber „die tut nix“ (die Hündin). Lange geblieben. Hörte erstmals, dass es in Windsbach ein Kino gegeben hatte. Und dass der alte Kinobesitzer, offensichtlich Der Vater des derzeitigen Herrn W. noch unzählige Filmrollen hatte, die dessen Witwe dann entsorgte. Tat der Frau W. in der Seele weh. Alte Wochenschauen. Da standen wir am Tresen lehnend zwischen den Batterien und Glühlampen, der Brauerei-Werbung (auf der die Tochter abgebildet ist, weil die nämlich eingeiratet hat in eine Brauerei) und bedauerten beide sehr den Verlust von Filmrollen und Kinohäusern. Von ihren drei Kindern sprach die Frau Weinl, vom Sohn, den sie spät bekam (und alle dachten, was muss die noch ein Kind kriegen!), von Krankenhäusern vom katholisch sein in eienr evangelischen Stadt. Von der fernen Stadt Abenberg, zu der es sie manchmal hinzieht, eben zum katholisch-Sein ohne das man viel Aufhebens drum macht. Aufhebens in Abensberg. und vom Beinahe-Sterben. Wahrscheinlich isses der Frau W. Gar nicht recht, dass ich das schreib, aber bei aller Bescheidenheit, manchmal muss man eben doch „wen festhalten“. Tolle Begegnung. In aller Hektik in diesem kleinen Laden gestrandet und als ich weiterging… – da hatte google mein Handy geortet. Lag in der Fundkiste vom Il Corso.

15. August
Die Borte zwischen den Filmstreifenartigen Bilderleisten in der Gottesruhkapelle besteht aus Eichenblättern. Rote und grüne, versetzt übereinander. Seltsames Muster. Dezent und prägnant zugleich. Immer starre ich hin, alles andere verschwimmt. Kann den Gedanken nicht loswerden, wie es wohl aussähe, wenn man eine alte 3-D-Brille aufsetzte: Plastische Laub-Girlanden. Gottesruhe 3-D. Vielleicht sind die Fresken gar nicht verschwommen, sie sind nur für eine ganz andere Lesart konzipiert. Das Mittelalter war uns weitvoraus. Es fehlt nur dir rechte Lesebrille.

13.8.

Gestern: Flohmarkt in Spalt. Wolfram-Draht-Gühbirnen gekauft und Daumnkino. Pflugsmühle. – schon schön, aber irgndwie hatte sie mir besser gefallen, als keine Menschen da waren. doch sehr voll. Brombachsee, nach Sonenuntergang, noch ein bißchen Abendrot hing in den Segelbotmasten, Nähe Campingplatz “am 8. Juli wäre hier ein Holm aufgetreten auf der Campingplatzbühn “gleich hinter Sanutärgebäude 1”.  In den Sand gesetzt. Teenager fotografiertn sich mit Blitzlicht. (“Tu mal so als ob du dastehst und in die Ferne schaust”) Ich weiß nicht. Hatte ihn mir doch paradiesischer vorgestellt, den Brombachsee. Vielleicht weil die eine von den Zeugen Jehowas, die mich mal besuchte, den Garten Eden zu beschreiben versuchte als von dieser Welt , nur eben perfekt, und eben diesen See herangezogen hatte zum Vergleich: Dass das wäre wie am Brombachsee liegen, nur ohne Mücken.  Ich weiß nicht. Der See hat was Künstliches, Angeschafftes, er liegt zu still und glatt.  Und offenichtlich ist er das auch: ausgebaggert von Menschenhand. Der Vergleich hinkte also. Seltsamerweise war tatsächlich keine einzige Mücke da. Dennoch kein Paradies. Vielleicht ist das Paradies die Pflugsmühle ohne Leute (nur mit Gerechten).

12.8.

Gestern mit dem U. von WIndsArt (man kümmert sich jetzt um das falsch gesägte Brett) spontan eine tote Amsel beerdigt, die zwischen Kapelle und Kantornhof lag und die Krallen in die Luft streckte. sah aus, als wäre sie volle kanne gegen die Gottsruh geflogn und dann runtergeklatscht. Heute saß dauernd eine andere Amsel auf dem Stein neben der Stelle. sehr seltsam und anrührend.

11.8.

wunderschöne erste Probe in der Kapelle. abends spät noch was essen. Frauengespräche. gegenüber schloß die Venetia-Eisdiele. Stand das große Eis schon immer da? Letztes Jahr noch nicht, glaube ich. als der Kellner es wegtrug, um Feierabend zu machen, sah er aus wie ein Jung mit zu großer Schultüte. war ein schöner Tag. Und endlich ließ sich jemand spontan darauf ein etwas zur Gottesruhkapell zu sagen. zwei Motorradfahrer aus H. Der ein mochte den Löwen (den die Kinder neulich so schlecht gemalt fanden. “Die Leut in Windsbach wussten halt damals noch nicht wie ein Löwe aussieht.” Einleuchtend.

10.8.

zerbombtes Theater im Gazastreifen…

WÄhrend ich dem abgestorbenen wilden Wein der Fassade an der Markgrafenbrücke hinterhergetrauert habe, ist meine ehemalige und zukünftige Arbeitsstätte in der fernen Stadt Gaza vor ein paar Tagen weggebompt worden.  Das hat nichts mit WIndsbach zu tun. es zeigt mir nur, wie wohlbehütet ich in dieser vertrauteren Fremde bin. Das fremde Dach über dem Kopf – fast ist es in den letzten Tagen die Gottesruhkapelle mehr geworden als der Kantorenhof –  ein frmder Ort nach dem andern. Hauptsache weg von Berlin. und Gaza nun. Aber wie man Theater machen kann ohne Theater weiß ich ja.

Der Tag bekann aber dennoch schön. Das Ehepaar K. (nicht das mit der Scheune, sondern eins das sich alterniernd um die Kapelle kümmert) läuteten beim Saubermachen die Glocke. und hatten mir einen Bericht über einen Lehrer vor die Türe gelegt, der mit seinen Schülern die Fresken der Kapelle fotografierten. Anrufen! unbedingt anrufen.

9.8.

Viel passiert. komme mit dem Schreiben nicht mehr hinterher. die Kapelle einkleiden, da ich auch Tagsüber proben möchte und die Projektionen am hellichten Tag nicht wirken. Pappkartons von Innen schwer anzubringen in den Fenstern, aber von außen ging es gut. Mann, der den Jakobsweg gegangen war, neu in Windsbach war um beim Helukabel zu arbeiten, wollte Kapelle besichtigen und wunderte sich, weil sie von außen  christomäßig aussah und wie Post-Versandt-Fertig. WO ja schon das Waldstrandbad außer Betrieb war wegen Wassermangel. dann noch die Gottesruh gestört? war aber angetan vom Innenraum. schöne Begegnung.  wünschte, die echten Windsbacher wären so gesprächsbereit.  Stadtcafe. kleines Mädchen mit hinreißendem Schokoladeneis-Mund band seinem blinden Großvater die Schnürsenkel, damit er nicht stolperte. Brett im Bauhaus zusägen gelassen. im Capro gefahren worde, das Brett stand steil in den blauen HImmel. Glücklich und stolz, viel geschafft zu haben. Sommerwind. Sorgen fallen in den Fahrtwind. Leider Brett 2 Zentimeter zu lang. passt nicht über das Portal der Kapelle.Nachmittags McDonalds Schwabach. Abends Ausfahrt über die Dörfer. wunderbaren Grichen entdecckt: “Dionysos” in ? – Namen des Ortes vergessen. Biergärtechen , Glühlampen, wilder Wein über dem Kopf ( nicht abgestorben), Kinder schießen Fußball auf Tor aus gemaltem Griechenland-Prospkt. Ball prall ab an der blau und weißen Ferne. Idylle pur. Wie hieß nur der Ort? 9 Kilomter von Windsbach. Es war so schön, dass ich fast sicher bin, das Lokal nie wieder zu finden.  Nachts von innen auf die Sonnensegel-Vorhänge in den Fenstern projiziert. der Engel flatterte wild und kam nicht durch die Scheibe.

Warum sieht das keiner?

 

8.8.

Das Haus – inzwischen weiß ich, daß es sich um die Scheune der Familie K. handelt erötete tief. sieht wieder schön aus.

Das Haus, das ich so mochte, das mit der “Drei-Tage-Bart-Fassade” an der Markgrafen-Brücke wurde frisch rasiert. mehr noch: skalpiert. die Ziegel fehlen, mehr aber noch fehlt der Bart aus wilden Ranken. Es sieht nun nicht mehr halbstark aus, es schwächelt ein bißchen.

Abgebrochenes Picknick am Wegesrand. Mittagshitze. im Gras riesige giftgelbe Zebraspinnen, Netz an Netz, eine Spinnenmeile,  ReihenhausSiedlung? ein   die Bewohner stecjen aus der grünen, hitzemüden Natur wie buntlackiert. ist ihre Paarungszeit. die Männer rüttln dann untn mam Netz der Frauen und befruchten sie schleunigst, dann mahcen sie sich so schnell es geht auf ihrn langen Beinen aus dem Staub. sonst essen die Frauen sie auf.

Aber wer weiß schon genau wie es ist. vielleicht ist es auch umgkehrt. die Frauen essen die Männer, weil die nix wie weg wollen nach dem Sex.

Bin auch weg. es sind zu viele, zu große.

1.8.

Geht doch wieder nicht.

Aber  diesmal ging es (intuitiv?) kaputt vor der Post, die ich aufsuchte um Blätter auszudrucken (Aufruf zum Mitwirken am Gottesruh-Projekt: wer hat Lust was zu sagen, eine Erinnerung zu teilen, eine an die Kapelle, ob persönlich oder von allgmeinerem Interesse), aber dann feststellte, dass Postfrau und Mann KFZ-Mechaniker sind. Großartig. Motorräder, die kaputt gehen versetzen einen kurz außerhalb der Zivilisation. wenn das Motorrad kaputt ist, darf man sich auf dem heißen Asphalt winden. jeder hat Verständnis dafür. Anders gesagt: Da parkt man (eigentlich unverschämt) direkt vor der Ladentür, wurschtelt selber blöd rum rüttelt und flucht dezent … – und die Postfrau weiß aus dm FF was da fehlt und warum der Ständer schon wieder das Losfahren verhindert. der Mann dann reparierte es in Rekordzeit. Einfach so.

31.7.

Motorrad geht wieder.

Mein Lieblingshaus, das mit der “Drei-Tage-Bart-Fassade” an der Markgrafenbrücke wurde rasiert. nicht nbur das, auch skalpiert. die wilden Ranken sind ab, es wird renoviert. die Dachziegl sind abgetragen, kahl unterm Dachstübchen. sieht entkernt aus und unscheinbar. Schade. unasiert und verwildert mochte ich es lieber.

30.7.

ADAC holt mein Mootorrad und schleppt es ab. Vom Friedhof über die Brücke zum Baumeister. Der spottete ein wenig, weil ich nicht selber geschoben habe. Herrgott, wozu bin ich denn im ADAC! ich weiß: “Wer liebt, schiebt.”

29.7.

Kernfrankenfest. Leider verpasst wie der Dekan einen Täufling in den Fluten des taufte. Er soll sich dafür eine extra Talar gekauft haben, einen von einem Pfarrerim Ruhestand, aus Afrika, der einen waschbaren, weil man die teuren Talare hierzulande nicht ohne weiteres waschen kassen kann. Gibt es Berufskleidungsgeschäfte für Pfarrer? Talare für heiße Länder, Talare für unterwegs, Talare Modell “Johannes der Täufer”. Modell “Luther deLuxe”?

Bierkarussell, in dem man Biertrinken kann während es sich langsam dreht. wäre gerne drinnen gesessen, aber hatte das Gefühl, ich würde möglicherweise nie mehr aussteigen, wenn ich erst einmal aufgesprungen sei. zu heiß. zu voll. zu viel. wieder sah ich den alten Pfarrer und diesmal sogar seine Frau… mich nicht getraut, Hallo zu sagen?, weil ich dachte wenn die sich nun auch nicht an mich erinnern kann? Außerdem schoben sie auch zu schnell ihre Rolatoren durch die Massen des Bades. Ein schönes Bild.  ein alter Mensch mit einem Rolator wirkt irgendwie traurig. aber ein altes Ehepaar mit jeweils einem Rolator, in gemeinsamer Kolonne hat etwas höchst positiv-skurriles.

Irgendwo müssen auch Fußballspiele stattgefunden haben. die Mannschaft aus Mitteleschenbach hing abends beim Ilios ab bis spät, bis sie keine Ouzos mehr  ausgeschenkt bekamen und und bis sie sich außer Stande sahen selbst nach hause zu fahren. (“Babba, hol mich ab. ich sitz beim Griechen in Windsbach!”). Gesprächsfetzen in der Hitze der NAcht drehten sich weitgehend um einen nicht anwesenden Spieler namens Herbert, “…der Herbert is der beste im Mittelfeld…” “der Herbert is komisch, aber net schwul.” “der Herbert is supa…” und um die Schwester eines der SPieler. “die spielt jetzt Kreisliga – aber mit Sport-BH!”).

Es war ein schöner Tag. Das Schönste waren die Kinder, die mir ihre Sicht auf die Gottesruhbilder erklärten. der Jesus, der zu dünn sei, der traurig aussähe, die Frau im gelben Kleisd, die aussähe als hätte sie einen Imker-Anzug an. Der Gott mit dem Richtschwert von dem auch sie sagten, er hielte es nichct in der Hand. vermutet, dass es ihm aus der Hölle entgegen geschleudert werde, es aber an ihm abpralle. Vielleicht ist das wichtigste, dass man überhaupt guckt.

28. Juli

Gestern Ankunft, glücklich endlich mit Motorrad in Windsbach zu sein. Abgestiegen beim Helmreich. Helmreich zu. weiterfahrengewollt. Motorrad will nicht. Was ist das mit meiner Honda und Windsbach? runtergerollt bis zur Straße, Richtung Baumeister, aber über die Brücke  schaffte ich es nicht. Seitenständer auch kaputt.

27. Juli

Keine lange Reise von Dreba nach Windsbach, trotzdem völlig fertig angkommen, Kopfschmerz, der Helm ist doch zu eng. unwohl in der eigenen Haut. Wie wenige Rastplätz auf der Autobahn zwischen Bamberg und Nürnberg. Apathisch auf Parkplatz Forchheim Süd gesessen. Und Wieviele Abfahrten in denen das Wort “Fürth” vorkommt, gibt es auf der Welt? Mehr als mit Nürnberg auf alle Fälle. Und immer noch spukt mir die Mama von Nicki Lauda im Kopf rum. Schlimmster Ohrwurm aller Zeiten. Ins Bett gefallen, als angekommen. Und plötzlich dann doch Sehnsucht nach Berlin. Mist. Dann Tintenfisch-Salat bei Ilios, alles wieder gut. gegenüber in der Venetia-Eisdiele blinkt das STück Pizza im Schaufenster. Leute am Nebentisch kommenetieren ihre eigenen Trinkgewohnheiten. klingt, als beschwerten sie sich über sich selbst: wenn man nach hause käme – egal wie viel man getrunken hätte vorher – man müsse noch mehr trinken. da gehe immer noch was rein.

Mein Mini-Beamer sei agekommen bekomme ich mitgetilt per SMS. Kann nicht abwarten ihn auszuprobieren. Bilder an die Wand werfen, wie aus dem Ärmel geschüttlt. Siedend heiß fiel mir dann ein dass ich ja eingeladen wurde, im Zeltlager des Vereins christlicher junger Menschen aus Neustadt Aisch, das am Waldstrandbad stationiert sein wird demnächst, einen Geist zu projizieren in der Nacht. von außen auf die Zelte der Kinder. Mit dem Mini-Beamer durchaus reizvoll. Ohne Kabel. HÄtte echt Lust, aber weiß gar nicht ob noch Intersse……

Hat sie wieder jemand aufgehängt???

schnappe nur Satzfetzen auf vom Nebentisch (dem mit den Leuten, di noch trinken müssen) “um ihr eins auszuwischen…?” – drastische Maßnahme! “Nein! wegen Schulden”  – der andere antwortet fast genervt: “aber des weiß doch jeder: die Versicherung  z a h l t  d a n n  n i c h t!”

Glaube sie reden doch über den Fall von neulich. “die aichenen Kinder, die Gurgl aufschlitzen…”

“das wichtigste ist, dass du mit die Leut redst…”

“Angelo… ich aber aber an roten,,, – wenn ich schon aahn drinkn muss!” ruft ein em Kellner hinterher.

und ich habs ja vernommn: die Leute müssen trinken.

der andere (offensichtlich selbst Lokalbesitzer, sagt:

“ich habs net nötig. bei mir WIRD gesoffen. Hardcore gesuffa….”

“Glotzt mir mal alle schee in die auchen…”, sagt jetzt die Frau,.

“Halt halt die Augen weng höher…”, sagt der Mann.

Ich glaub irgndwann fießen diese ganzen Dramen in einander. Mann am Nebentisch überlegt jetzt, Puff aufzumachen (nicht in echt, nur so).

Jetzt überlegen sie, noch in die Burgstube zu gehen. Ja, macht das doch!

Und dabei ist eine so schöne SOmmernacht. der Mars soll heut total nah wirken. und der Mond wird sich verfinsetern. Hatte es vergessen, aber jetzt fällt es mir ein. Und  jetzt wär ich doch gern in Berlin. wäre in die Achenholdt-Sternwarte gegangen und hätte durch das Teleskop gesehen. hier starre ich auf das blinkende Pizzaschild.

26-.7.

Aufbruch früh, aber dann doch noch so viel zu erledigen. dass ich um 11  raus aus der Stadt war. schon hinter Potsdam runter von der Autobahn. Später gelesen, dass später dort alles in Flammen stand. Seltsame Film-Musiken im Ohr. Lied, das ich auf der Kirchweih gehört hatte, sich mit der Frage auseinandersetzte, wie die Mutter eines berühmten Rennfahrers von früher mit Namen hieße. Seltsam aus welcher TIefe sich diese Musik emporgearbeitet hatte. Außerdem: Titelmusik von Game of Thrones. kurz hinter der Elbe erste Rast. das rund geballte STroh. die BÄume ohne Schatten. Erschrockene Heuchrecken. Fast nur Landstraße. In den Kopf gesetzt, diesmal in Debra zu übernacht, aber es stand nicht auf der Karte und hieß auch gar nicht so. zu viele Umleitungsschilder. Nervenzusammenbrüche unter dem Helm, die niemand sah, Schimpfkanonaden, die niemand hörte. weil Weg nach Dreba (so heißt das!)unauffundbar. 95 km für eigentlich nur 22. dabei so schöne Orte, die mich nur beinahe vom Motorrad zogen. Rote winzige Bank auf Hügel oberhalb von Weizenfeldern. Große Kirche, Knast und Sparkasse zwischen Auma und Weida. Hatte mir aber nun mal endlich wieder Dreba in den Kopf gesetzt. Nah Weg fragen schweirig, wenn man den Namen nicht kennt. winziges Schild im Wald kurz vor dem Bahnübergang, dann doch schnell gegangen. Sitze in der Sonne im Biergärtchen der Linde. letzte Strahlen. Gegenüber das Haus über dem DDR-Braun des 1. Stocks mit Scheiferschuppen überzogen, hellen an der Seit, um die Fenster grau. an der Fronseite. Rosen quillen unter der Haut hevor. Abhebel-Wirkung der Zeit. was ist darunter? An den alten Typen in Game of Thrones gedacht mit seinem am  Haut-Ekzem, das in Staffel 6 als tödlich diagnostiziert worden war. In Staffel 7 konnte man es dann doch sentfernen. Heimliche Höllenqual. Die Schieferschichten. Schlangenhäute der HÄuser.

immer wenn ich durchs Vogtland fahre, fallen mir Schauerlichkeiten ein. manchmal gereimt. wenn man sie lauthals singt unter dem Helm, klingen sie großartig. aufgeshrieben sind sie banaler Mist, zuweilen auch nicht jugendfrei, daher fehlen sie an dieser Stelle.

23.- 25. Juli

Nürnberg – nicht der Rede Wert.  – Berlin, auch nicht.

22. Juli

Es sollen Profi-Fußballer im Retzatgrund sein. Aber es regnet.

Es stimmt. aber sie sind nicht im Retzatgrund, sondern in Retzendorf, hinterm Waldstrandbad, auf dem Fußballplatz. Fan-Verantaltung für 1.FC-Nürnberg. beeindruckend große Fahne geschwungen. Halter gesichtet, verschwand aber schnell wieder. Kinder-Fußball-Turnier kurz verfolgt. Randerscheienung der Mütter am Spielfeld. Turnier ebenfalls an sich Randerscheinung. Profi-Fußballer kamen, Applaus von katholischem Pfarrer gesegnet, der eine schien ehrlich gerührt. In der Tombola gewann Mann mit Glatze Friseur-Gutschein, der Hauptpreis, Gutschein für FC-Nürnberg-Fan-Shop im Wert von 100 €uro gewann Kind, das einzige weit und breit im Bayern-Trikot. Alt Frau mit Krücke gewann ein Essen beim Dorschner und – unabhängig davon – ein weiteres Essen beim Ilios.

Und Fragen stellen konnt man den Fußballern, den Fan-Beauftragten und das FC-Nürnberg-Management, das stolz war, das Stradion bald verschönern zu können. (wurde quittiert von Mann am Nebentisch mit “Des is mir worrschd; die solln anständig spühlnn. Ob die a Aschnbahn ringsrum ham, is doch humpe.” – War aber Ausnahmsweise-Motzen, Stimmung gut. Fern waren sie halt schon ein bißchen, die Fußballer, bzw. die Bierbänke. Und es gab halt nur ein einziges Mikrofon, die Fragen, die man stellte, ins schnurlose Mikro wanderten nach vorne und wieder zurück. Bommele frug die besten Fragen.

Aber es sind halt Fußballer. Die antorten nicht immer ebenbürtig gut.

21. Juli

Der Halbe Mond, gelb leuchtend war wie ein Stück Viertel Zitrone. so schöne Nacht! Am Morgen aber regnete es. Das Haus der Frau Vogt heute voll. trau mich irgendwie nicht aus dem Zimmer, obwohl es dazu natürlich keinen Grund gibt. Im Bett geblieben. Plakat entworfen. Nachgedacht. noch in Plakat entworfen. Dann von heftigem Verlangen nach Amaretto-Pralinen überfallen. Helmreich aber zu.

Beim Il Corso streiten sich ein Herr, mit generller Tendenz zur Besserwisserei und eine Dame in gepflegtem Bayrisch, ob die Orchideen auf der Fensterbank echt sind oder nicht.

Dame: die san aber nicht echt!

Herr: o doch, des koo scho sei, dass die echt san.

Dame: o nein. ich hab solche auch zuhaus. und die sind nicht echt.

Herr: Geh her und fasses doch an, wirstas scho seng.

Stille

Dame: Aber die bei mir zu haus, die is ganz sicher unecht!

Echte  Blumenpracht, aber nicht wirklich eine Bereicherung. Der Il Corso ohne den  eigentlichen Wirt, der widerum nicht echter Italiener ist (“Bin ich halt Türrge! is doch worrscht!”) eh recht trist. Manchmal mag ich das, der Innnraum mit den von der WM noch übriggbliebenen Deutschland-Ballons, das blaue Il-Corso-Adidas-Tshirt, das die Biffetseitenwand dekoriert. Von der Fake-Marmor-Platte hängt ein Efeu-Zweig, diese völlig unspektakuläre Terrasse mit den dürren Palmenspitzen (als sich neulich der Bierliefer-LKW davor schob, verbesserte sich die Aussicht, Dank Ausblick auf die gemalte Spalter Werbe-Idylle – Spalt plus Palmen und tiefes Blau.). Il-Corso-Toiletten erinnern mich an die italienischen Ferien-Apartments meiner Kindheit. Die selben 70er/80er-Jahre Fließen, der selbe Sagrotan-Geruch). ich mag das. Aber ich habe gemerkt, dass ich generell alles in Windsbach sehr positiv sehe. Wird Zeit wieder mal nach Berlin zu fahren und rumzumotzen. Motorrad holen. Man ist ja nur ein halber Mensch ohne. (vor allem wenn man gerade lernen wollte sich centaurenhaft als EInheit zu sehen auf der Maschine.

20. Juli

Neue Perspektive: die Längs-Wand der Gottesruhkapelle mit Beamer  erleuchtet. Sah aus wie Adventskalender bei dem alle Türchen glichzeititg offen standen. sehr sehr schöne. ich werde wohl drei Beamer brauchen! und wieviel technische Assistenten? bisher noch keinen klar gekriegt. abends 20 vor zehn. könnt ins Bett fallen, aber der Sommerabend ist zu schön. Grillen zirpen, die Luft ist warm.  Man muss durch die NAcht radeln.  beim Ilios Feierabendbier. Frau am Nebentisch redet zu laut. bezeichnet Katze, die vorbeistreicht als “süße Maus”. redet ununterbrochen. gut gelaunt, aber dann plötzlich Gespräch dreht sich um Schuld. Schuld. großs Thema. hörte es zuletzt im Waldstrandbad, als es darum ging, dass die Mutter in zu großes Eis für den Sohn gekauft hatte. die “innere Meinung” der Frau ist: “des san alles Arschlöcher”. ich weiß nicht wer gemeint ist, aber irgndwie klingt sie sehr überzeugend. Schuld abwelzen. Ja!

Wenn die Frau wüßte, dass der Ilios nicht nur Gastronom ist, sondern ein Psychologie-Diplom hat! Ein  Hauch von Bedauern schwang mit, als er es mir erählte vor einigen Wochen, aber er winkte ab, als ich sagte “ach echt? Toll!”. Griechen in Deutschland seien immer Gastronomen. Und das mache ja auch Spaß. Das ginge nur, wenn man es mit Leib und Seele mache.

Und ich kann es nicht oft genug sagen: Das ist nicht irgend ein Lokal. Goethe war hier.

19. Juli

früh nach Nürnberg. Mitfahren gedurft. Aber noch nicht wach gewesen, und zum Gespräch über körperliche Betätigungen wie Radsport und Laufen nichts zu sagen gewußt. zu früh. zu wenig Tee getrunken. folgen in echt könnte ich nie. “Wöhrder Wiese” für Grünfläche bei WOrth, fränkisch ausgesprochen gehalten. dann aber entdeckt dass U-Bahn Station. Noch nie Nürnbergr U- Bahn gefahren zuvor. heute ist alles langsam. schwer von Begriff. KLinikum Nord.  warum ist “Station “18 rechts” im Untergeschoß und “Station 18 links” im dritten STock?  erschüttertes Weltbild, schwindelerrgend. In Geographie immer schlecht gewesen. später auf dem Heimweg mit Schnürsenkel in der U-Bahn-Rolltreppen hängen geblieben, zurückgerissen wie Hund an der Leine, zum Stolpern brauchts doch nicht als Füße. Spontan doch Wörhder WIese besehen. Steak in Semmel, Bier. erinnert an Englischen Garten in München. zu müde zum niederlgen unter Baum. Wollte Cousine treffen, aber rief sie nicht an, weil irgendwie doch “Heim” gewollt. Mit Bahn zurück. Heilsbron – Graffiti im Vorüber-Rollen: “Um frei zu sein, brauchst du  keine Freiheits-Statue” (oder so ähnlich). Wickleskreuth. WIndsbach. Warum hat es keine Steckdosen in der Regionalbahn. Bauernmarkt. Wurst gekauft. Helmrich am nachmittag. Pistanzien-Pralinen. Steckdose nutzen gedurft. dadurch anderer Platz als sonst. hinten in der Ecke. festgestellt: herbstlichs Dekor hält sich. Helmreich wirkt eh herbstlich bis spät-herbstlich. Orange-Töne. ich liebe die Ruhe, aber möglicherweise ist das egoistisch gedacht. Pralinen Seelennahrung. vergessen Brötchen zu kaufen. Stadtcafe Brötchen gekauft. KÄsesemmel für die das Geld nicht mehr richt gschenkt bekommen. Rührung. was ich bisher nicht erwähnt habe ist: dass heute der Geburtstag meins Freunds ist. nicht der Rede Wert. Geburtstage werden überbewertet. abends Lagerfeuer und Nicht-Geburtstag gefeiert. die Wiesen durch die sich die Rezat schlängelt in der Dämmerung. schönes Feuer. Storch flog vorbei. glücklich.

18.

Sparkassen-Banner hängt wieder, straff gespannt.

17. Juli

Traum von der neuen Waschmaschine der Frau V., die gestern installiert wurde. Im Traum konnte man beim Schleudergang auch einstellen, dass sie dabei Musik spielt (was jetzt wo ich das niederschreibe absolut SInn macht, denn angeschlossen wurde sie von Radio Weinl.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

16. Juli

Stadt hat mein Projekt angekündigt! WIndsbach, NEUIGKEITEN

10.-15. Juli

Gestern geträumt von einer großen Spinne, die ihr Netz in meiner Berliner Wohnung spann. Weil sie knapp über der Größe war, die ich gelassen hinnehmen kann, warf ich einen Pappkarton auf sie (nicht über sie, direkt drauf). Im selben Moment fiel mir auf, dass es ein Traum war und dachte, dass es wahrscheinlich besser gewesen wäre, sich mit ihr abzufinden und dass ich jetzt nach dem anstehenden Erwachen mich damit auseinanderzusetzen hätte, was der Traum zu bedeuten habe. Ist damit mein Untermieter gemeint? Macht er sich breit in der Wohnung und spinnt seine Netze, während ich mich breit mache im Hause der Frau V. Oder steht mein eigentliches Haus nun schon so lange leer, dass sich Tiere darin einnisten in meiner Abwesenheit?

Lange Nacht in der Kapelle Bilder probiert. Mit dem Beamer an die Wand geworfen, aus ihr herausgeholt: dieverschleierte Frau im gelben Kleid und der König im blauen, die sich an Stangen festzuhalten scheinen und von denen ich deshalb immer denke, sie führen Straßenbahn oder Karussell. sich drehende, leuchtende wi das von der Kerwa, weiße Pferde und Gockelhähne, springen aus der Apsis heraus. War Golgatha der Rummelplatz von damals?

Diese Tests sind immer für „nur ein Stündchen“ geplant, dann weit über Mitternacht. Unter anderem weil ich nicht fassen konnte, dass mein eigener 5000-Ansi-Lumen-Beamer schlechter ist als der von WindsArt. (meiner hat bessere Bildqualität, aber schafft nicht die ganze Breite der Wand. Und lauter ist er. Außerdem „neue“ Bilder „entdeckt“ untr den Fresken, Dank Selfie-Stick des Sohns. (man kann höher fotografieren und dann angucken in Handy, was man sonst nicht erkennt, weil es zu weit oben ist: Zwei Leute mit Kronen auf dem Kopf scheinen zusammenzusitzen und zu schwatzen. Es sind aber nur noch die Kronen zu erkennen und das Kleid von der einen Figur. Er scheint auf einem Stuhl zu sitzen, der aussieht wie die alten Stühle in der Schule.

In der Gottesruhkapelle hat dann auch eine dicke Spinne (knapp unter der Gelassenheits-Grenze), in der Ecke direkt über der Steckdose und dem Lichtschalter. Gefährliche Zone, wenn das Zauberlicht des Projektors ausgegangen ist und man im Dunkeln nach dem Lichtschalter tastet (und keinen Pappkarton zur Hand hat.)

die alte Frau Helmreich konnte es nicht fassen, dass man freiwillig den Kirchweih-Umzug verpasst, um stattdessen zu einem Treffen mit WindsArt geht zum Finanzpläne durchgehen. Redete mich raus mit „ich wußt ja nicht, dass das heut ist…“ Ja und die bei WindsArt? Haben die keine Kultur bei WindsArt?!“

***

Gestern die Spinne und heute: geträumt, dass ich türkisfarbenes Klopapier kaufe. Und was hatten sie bei der Norma? Türkisfarbenes Klopapier! Träum werden wahr!

Man müsste halt besser träumen.

***

Masskrug gefunden in der Wiese zwischen Fristo und Post. Fremder Leute Kerwa-Relikt. Andenken an eigene Beinahe-Filmriss-Zeit. Erinnere mich aber doch: z.B. an schönen Hinterhof bei Helmreich. Bier in das Vanille-Eis gekippt worden war das nach Rührkuchen-Mischung schmeckte. Mädchen aus Wassermungenau in schönem Dirndl, gegenseitiges Komplimente-Überschütten. „Du hast das schönste Dirndl von allen!“ – „Du auch!“ – absurde Freundlichkeit, weil ich Hosen und olles schlumpiges Gap-Sweatshiert anhatte. Rucksack dort vergessen und nach langem Heimweg erst gemerkt. Zurückgegangen. Rucksack war noch da. In Berlin undenkbar.

***

Gelegenheit eines Wochenendes in München ergriffen. Auch um beim Feuerwehrfest auf alle Fälle nicht da zu sein, denn so viel Feierlichkeitn halte ich nicht durch!

Andererseits: Wahrscheinlich verpasse ich wieder Stadtkultur.

***

Zurück in der Nacht, nach umständlicher Bayern-Nacht-Ticket-Bahnfahrt. Endspiel-Fetzen wehten durch Gewitter und Haupt-Bahnhofs-Halle, auch im Zug tönten die Tore aus den Handies der Fahrgäste. Im Zug von Wickleskreuth nickte ich ein. Traumfetzen.  auf dm Weg raus zur Gottesruh flatterte das halb herunterhängende Sparkassenbanner wie die kommunistische Fahne im Nachtwind.

9. Juli

Das Karussel auf der Festwiese ist hinreißend. Betrieben wird es vom Jahrmarkt-Veranstalter „Sachs und Übel“. Gefällt mir. Mein Name und der eines Herrn oder einer Frau Übel. Oder dem Übel schlechthin. Das Miet-Karussel, das beim Scheiderer steht ist jedoch auch klasse. Es wird betrieben von den Kindern selbst. Weil an solcherlei Eigeninitiative gewöhnt und auch weil das große Karussell auf der Festwiese noch nicht in Betrieb war und weil’s sich grad ausging, schubste die vierjährige Fibi R. halt dann das große auch an. Ging erstaunlich gut. Langsam, aber sehr würdevoll fuhren die älteren Kinder ihre Runden.

8. Juli

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute Sonnenbrand, weil gestern Waldstrandbad. Und leichte Kopfschmerzen, weil Kerwa. Dabei fing der Tag so gesund an. Schwimmen. Ruhe. Lesen. Schwimmen. Fotographieren, um alten Werbeprodpekt nachzustellen, musste aber aufgeben. offensichtlich steht der Zaun im Weg. uneinnehmbare Perspektive. Apfelschorle beim Imbiss. Ein Kind kleines Kind namens Timo isst Eis, ich bewundere ihn für seinen GLeichmut. Kugel-Vanille mit weichem Schmelz. Die Zeit drängt.

“Schön vorne schlecken.”

“Musst auch an der anderen Seite… – und nicht schief halten”. Timo hält das Eis gerade. Es dauert ein bißchen, bis er die perfekte Gerade-Haltung gefunden hat.

“Tiiiiimo…”, sagt der Vater (insgesamt, die erzieherische Kraft in der Eis-Ess-Maßnahme). “Beiß ab!”

“Achtung…” (die zurückhaltendere Mutter) “es tropft an zwei Stellen!”

“Schön Eis essen…” (scheint immer schweiriger zu werden). “Das ist jetzt das einzig wichtige!” Timo überlegt.

“Iss von oben!” Timo isst von oben.

“beiß unten und trink es. Schlürf es aus… – aber gerade halten.”

“Durch die Nase atmen! Timo, atmen!” (wenn man es schreibt klingt es dramatisch, aber der nicht wirkich drohende Erstickungstod ändert nichts am Ton. Schwäbische Gleichförmigkeit, mäkelnde Beharrlichkeit.

“Jetzt krümelts. Timo, es läuft da hinten.” Timo bleibt überraschend gelassen. Ich beginne mich zu frage, ob  ähnliche Nahrungsaufnehme-Instruktionen ihn bereits abstumpfen haben lassen..

“Schneller essen, Timo. schneller. So…” Er läßt sich Zeit.

Große Erleichterung, als das Eis bewältigt ist. Die Anspannung der Schwaben entläd sich. im Aufspringen. “SO….!  GEHEN WIR ERSTMAL WASCHEN!”

Ruhe kehrt ein auf der Terrasse. vom Wasser rüber, diesem schon sanierten 100-meter-langen Waschbecken, wehen noch Satzfetzen, sie könnten aus einer antiken Tragödie stammen, von Schuld ist die Rede. “ABER ES IST NICHT SEINE SCHULD! ES IST MEINE SCHULD” intoniert eine Frauenstimme, sie zieht den Satz in die LÄnge, er wirkt opernhaft, fast gesungen, aber mit wahrer Größe. Der Mann wäscht die Hände des Kindes. In Unschuld. Die Katharsis bleibt aus. Oder findet auf schwäbisch statt. In der Lehre, die man es sich sein läßt. “Nächstes Mal kein großes Eis.” – “Ach großes Eis. kleines Eis, die Sauerei ist immer da. Lange Stille. “Und in der Großpackung gekauft und zu hause gegessen, ist auuuch billiger. Da kostet eine Packung so viel wie ein Eis…”

Aber vielleicht haben die ja dort keine Waschmaschine.

Ich könnt so kein Eis essen. Wird das Kind irgendwann Phobien entwickeln? Eis hassen oder süchtig sein danach? Wird er kritik-resistent sein? oder irgendwann ausflippen.   Ich lobe mir meine Freundin N. und ihr Kind mit dem entzückenden Schokoladen-Eis-Bärtchen (wie sie die Schurken und Fitness-Männer manchmal haben). Wenn es auf das Kirchweih-Dirndel tropft und alle Rüschen trifft, kann man das Kind abküssen, und das Eis in Form lecken.

7. Juli.

Die Kirchweih ist sehr dezentralisiert. Das hatte mich verwirrt. Vor der STadthalle das Rummelplatz-Areal, das hatte ich für den zentralen Punkt gehalten, aber offensichtlich findet die Kerwa an allen Eckrn und Enden der Stadt statt. zum Beispiel beim Scheiderer. DAs hatte ich aber nicht kapiert. Erst heute, als die Klänge der Blasmusik mich da hin zogen. Leute in weißen Hemden und roten Halstüchern waren damit beschäftigt einen dürren Baumstamm, nichtsdestitrotz urst schwer in die Höhe zu hiefen. ein Kranz hing daran und oben prangte ein kleiner Tannenbaum. Wozu? keine Ahnung. oder doch denn ein kleines Mädchen , zu tiefst ergriffen von der Prozedur sagte fast tonlos: “des geht bis nach dem HImmel hin!”. der Vater bestätigte es und der Baum oben an der Spitze sei dazu da, die WOlken wegzuwischen. Jetzt habe ich das Ritual begriffen. Karl Lechner fotografierte es. Ich stand dabei und dachte: “wenn das jetzt umkippt fällts garantiert Dir auf den Kopf. Der Lechner bestätigte es, dass das manchmal vorkäme. Im Treuchtlingen, sei das einer Mutter mit Kind passiert. Dennoch ein schöner Brauch. Stamm bleibt bis Januar sagte ien rotgesichtiger Mann, der sich auskannte.  in manchen Ortschaften hängen sie Lichterketten dran an den Baum an der Spitze. Aber vielleicht schreckt das die Wolken ab und sie entfleuchen. Aber an Weihnachten wäre es nett. Lechner meinte: bis dahin sind die Bäume immer sehr arg mitgenommen.

Das Karussel beim Scheiterer ist handbetrieben. natürlich macht es nicht so viel her wie das auf dem Stadthallen-Rummelplatz, aber es ist dennoch grandios. handbetrieben. besonders kleine winzige Mädchen sind stolz es anzuschubbsen. Jungs mit Strohüten, weißen Hemden oder karierten sitzan auf Mini-Autos, Fahrrädern oder einem knallroten Gefährt mit der Aufschrift Freiwillige Feuerwehr Spalt. Auch einer im Bayern München Outfit. auch kleine Mädchen. auch Kinder mit Wurstsemmel. sehr sehr schön.  Kannte niemand am Tisch an dem ich saß, aber der Bommel war gesichtet, er sah mich aber nicht. es wär mit halt wichtig zu klären, dass ich wieder im Lande bin und dringend Leute bräucht, die in meinem Projekt mitmachen… – einer an dem Tisch an dem ich etwas  blöd rum saß, sang inbrünstig über seien Bezug zum Tiroler Land.

Dann Il Corso. hier ist es ruhig und nichts passiert. Fahrradfahrer. Tour de France? gibt es etwas langweiligeres als Leute die durch Frankreich stramplen ohne  rechts und links nach der Landschaft zu gucken, die an ihnen vorbeifliegt ohne dass sie sie wahrnähmen. Prompt wieder an den Ex-Frend gedacht.

6. Juli

Heute Kirchweih. Kerwa. Morgens noch Regen, erstmals das Gefühl liegen bleiben zu wollen im kleinen Kämmerchen. Heute Erholung nach so viel Kunst gestern. E-mail-Spam-Fach gelöscht. Meldungen wie “Warnung vor Helene-Fischer-Perfum” und “Ihre Arbeitsunfähigkeit…” Nehme ich für den heutigen Tag als Vorsatz. Genießen der Arbeitsunfähigkeit. Jahrmarkt. Vor-Froiide”

5. Juli

Heute Aufnahme mit dem Chor.

Musste sehr kurzfristig aus Berlin anreisen viel Equippement, daher mit Flixbus statt mit Bike.

Gang zum Internat weniger cool als mit Honda. Wege werden weiter. Aus Venetia-Eisdiele vertrieben worden von Besitzer, weil noch nicht geöffnet war. “So geht das nicht. dann denken ja alle es sei geöffnet!” Saß so gerne dort in Ruhe, jenseits des Betriebs. Und gerade heute war alles so unglaublich produktiv: Herr M. gab mir einen Umschlag voller Windsbach-Ansichten, so viele Kopien in guter Qualität. Darunter, eine Postkarte der Gottesruhkapelle auf der die Fresken wie deutlicher zu sehen sind als heute, auch die, vor denen heute die kleine Orgel steht und deren Bild sie versperrt. Darunter auch eine andere, die gerade ein andere der vorbeikam, brauche konnte. Wunderbarer Bilder-Tauschhandel. Es ist so gut hier zu sitzen. Und wieder bricht ein Ritual weg. Werde jetzt auch in den Öffnungszeiten kein Eis mehr essen dort! Und die Tomaten-Mozzarella ertränkt in Balsamico hatte mir neulich auch nicht geschmeckt! –

Schlechte Geanken. Finsternis. Ruhe finden. Stadtcafe. Gelassenheit. Dann Knabenchor. Gloria sei dir gesungen.

***

Es regnete als ich hinfuhr. es donnerte, als ich die Aufnahmen machte. Nun sind auf der Aufnahme auch kaum hörber (dank großartiger Ton-Frau!) leise Regengeräusche. DAS GLORIA beim EInsingen, gewaltig und unheimlich. langsam in die Länge gezogene Präzision. Das Ringen um die Präzision ist immer berührender als die Präzision selbst. Der Donner des Gewitters zwischen den Teilen, als wäre ein Dirigent über dem Dirigenten. der irdische Dirigent war jung. bewundernswertes Talent, stellvertretend.

Ich muss alles zurücknehmen: Es ist kein langweiliger Bach. seltsamerweise berührt mich dennoch immer mehr als der Wohlklang des Chors, die Vorarbeit. Es ist wie im Konzert zu sitzen und auf den Beginn der Symphonie zu warten, wenn die Musiker sich einstimmen, jeder seine spezielle Stelle noch einmal durchgeht. ein durcheinander, in dem jeder als Individuum funktioniert, ja, nichts funktioniert und dennoch eine höhere Harmonie immer den Ausgleich schafft, dass die Töne dennoch zusammenzugehören scheinen. Sie sangen schön. die Gewalt der Musik hat die schöne Seite, der Himmel, der das Kloster rettet durch die Macht, die die Musik über die Zuhörer, auch die, die eigentlich den Anschlag verüben wollen, aber sie hat auch die MAcht, die Ergriffenen zu packen und sie mit Wahnsinn zu strafen.  Mit Mißklang und dem Fluch, das, was sie schön hören, grauenvoll widerzugeben. das trauten sie sich kaum, aber dann doch. hat es ihnen Spaß gemacht? ich wünschte es mir sehr. Denn sie funktionieren nur all zu gut. Vom höflichen Grüßen auf dem Gang, von der Führung hin zum Aufnahmeraum durch einen Jungen, der mir, als ich fragte ob sie denn auch Lust hätten darauf ein altes Repertoire-Stück wiederhochzuholen, versicherte “Wir trällern hier eh alle dauernd voruns hin.”

3. Juli

Berlin,

Erfahren dass Jan Schad gestorben ist. Historiker. Musikkenner. Trotzki-Verehrer. SPD-Wahl-Helfer. Napoleon-Kenner. Robespierre-Experte. Guter Freund. Menschenfreund. Alleswisser. Witzbold. Ich erwähne ihn hier, weil er außerdem einer der Berliner Leser des Windsbach-Blogs war, der aus der Fernsicht immer Anteil nahm an der fremden Stadt. Im Nachruf, den das Berliner Stadtmuseum mir schickte, hieß es „nach kurzer schlimmer Krankheit verstorben“. Bin sehr traurig, weil wieder gemerkt, dass ich Menschen verpasse. Und es ist nicht so, dass es so schwer gewesen wäre, gerade diesen Menschen nicht zu verpassen. Jan war einer der wenigen, mit denen man auch im Facebook-Modus tiefsinnige und witzige Gespräche führen konnte. Mist Mist Mist.

***

Motorrad-Ausflug nach Frankfurt Oder mit Freund (anderem Freund). STreit im Straßenverkehr, weil Freun dnach Polen wollte und ich nicht. Und ich nicht wollte, dass er bei grün werdender Ampel im Fremde-Stadtverkehr an meinem Fahrverhalten herummäkelt.  Freund fuhr dann auf und davon, ich nicht. Das Leben  ist seltsam.

2. Juli

Bach-Gloria auf youtube gehört. Das was die Knaben im Repertoire haben und ich verwenden darf in der Klist-Erzählung. Dummerweise leider nicht Bachs bestes Stück. ich muss es jetzt mal so direkt sagen: das Projekt: es ist echt langweilig. Und ich bin wirklich ein Bach-Fan. Aber vielleicht liegt das auch an Youtube. – Andere Dinge getan. An der Fasusng des Textes gefeilt. Darf man die Dinge, die man wirklich liebt: Bach. Kleist, [meinen Ex-Freund] rummäkeln? Rumschneiden. Dinge weglassen, Übergänge schaffen? Das mit dem “langweilig”…. – Zur Strafe ploppte Ostern 2012 auf. Glücklich verliebt. Frühe Phase, als er noch mein offizieller Freund war, der Freund, der offiziel noch nicht mein Ex-Freund ist, aber andererseits auch behauptet nicht mein offizieller Freund gewesen zu sein [Knoten im Kopf… lassen wir das…!!!] In dieser früheren schönen Phase also: gedacht perfekter Ostermorgen könnte beginnen mit Hefegebäck früh morgens im Bett und Bachs “Erbarme Dich!”, das schönste, bewegendste, schlicht und ergreifendste Musikstück der Welt. Freund, der er noch nicht war, war irritiert, rückt etwas zur Seite und ließ den Bach über sich ergehen. Schämte er sich fremd? fühlte er sich erzogen zu Höherem, zu protestantischer Bildungs-Büger-Musik?  Hörte er nicht wie wunderbar diese Musik war? Er sagte am Ende, es täte ihm leid, aber er fände klassische Musik einfach langweilig.  ALs gäbe es DIE klassische Musik. Ach Scheiße! Zum EELS Konzert wollte er damals auch nicht mit und dann lud er sich heimlich doch ganze Alben runter. – Was sollte ich sagen? Es gibt keine langweilige Musik. es wird an YOutube liegen.

[ab 27.6. bin ich in Berlin für einige Tage. in dieser Zeit arbeite ich nach und nach die letzten Tage auf.]

Im Helmreich Männer, im Verband unterwegs (Freunde der Altstadt.de ???), die sich für Kellergänge interessierten. Historisches wurde erzählt, Anekdoten die (möglicherweise gar nichts mit Windsbach zu tun hatten, auch aus Feuchtwangen stammen könnten oder Forchheim.) Kellersyteme. Unterirdisch. Sackgassen der Kleinstadt-Unterwelt. Kühlschranksystem. Manche seien verbunden gewesen. Die längsten vier Meter lang fünf breit. Viele seien eingebrochen und später sei es schwer gewesen sie zu sanieren.

Während Kakaotrinken und dem Pralinenessen nur Bruchstücke der Unterhaltung aufgeschnappt, die ebenfalls um Bruchstücke ging.

„Wenns brennt, dann wenigstens zugang zum Marktplatz“

„Manchmal rieselts.“ „maroder Sandstein“ Immer wieder das Wort „Ausgemauert“. Sandstein habe man rausgeschlagen und dann weiterverwendet fürs Häuserbauen.“ „Keller finanziert Haus.“ Dann ging es vielleicht doch ein bißchen mit ihnen durch, Gerüchte, sagten sie, gäbe es, dass man seinerzeit so große Brocken heruasgeschlagen hätte, dass man sie weiterverkauft habe, die seien nach Berlin geschafft und für den Bau des reichstags verwendet. (da redeten sie aber dann wohl doch über Forchheim – eine Stadt die ja auch behauptet, Pontius Pilatus und der Tod selbst seien von da). „Sandstein überhaupt, was für Steine! „Manche bröseln, manche net.“

Und von Schulrektor um 19sowieso war die Rede, der seinen eigenen Kellergang freigeschaufelt haben wollte und es zur geologischen Exkursion für die Schulklasse erklärt hat: Schüler wurden eingesperrt, wer als erster wieder am Licht war.“

Dies allerdings sei beim Nachdenken darüber nicht nur ein moralisch im Bereich der Grau – (wenn nicht gar Finsternis) – Zone, sondern würfe auch

„haftungstechnische Fragen“ auf.

Und immer noch ist keine Spur von jenem Geheimgang unter der Gottesruhkapelle. Ein altes Brunnenloch sah ich zwischen Kapelle und Garten der Frau Vogt. Aber kein Abgrund tat sich auf. Vielleicht müsste man graben. Kratzen, schaufeln.

27. Juni

Tierarzt nannte meine Ente ein Huhn, das da etwas gerupft vor dem Helmreich parkte. Womit er aber recht hatte, dass ich auf meiner HOnda NTV  zuweilen noch sitze als wäre sie ein Fremdkörper. Lasse mir sonst sowas nicht gerne sagen, aber er sagte es ausgesprochen fachmännisch unter Anführung des Kaisers Barbarossa, der (echt?) mal etwas über das Reiten geschrieben haben soll, worin er  zu Bedenken gab, dass der beste Reiter der sei, der eins werde mit seinem Pferd. Das Motorrad als Tier; die Personalunionvon mensch und Maschine. schöner Gedanke. Und es stimmt. ich denke von dem Motorrad immer noch als etwas auf dem ich sitze und möglichst sitzen bleiben sollte. Der starre Blick auf die Straße, auf all die überfahrenen Tierreste, die weißen Streifen, die die Straße halbieren und die ich immer noch Angst habe zu überschreiten, überfahren, überreiten. anstatt dahin zu sehen wo es schön ist, wo ich hin will. ich, das rollende, dahinbrausende Ich. Andererseits: was hats dem Barbarossa geholfen? ist am Ende doch vom Pferd gefallen und ertrunken. Dann Pflugsmühle. kurzes Erspähen des winzigen Rehs, von dem mir neulich schon erzählt wurde. Die Frau, die die Pflugsmühle betreibt hatte es fast neugeboren und mutterlos gefunden, geflegt und versorgt. Es ist zahm und hängt im Haus auf dem Sofa herum, hörte ich jedenfalls. als ich kam, war es im Gehege. Dachte an Lektüre meiner Kindheit, Bücher im Regal meiner Großmutter. die ausgeblichen bunt im Bereich Kinderbücher standen: “Pucki”. DAs Försterstöchterchen, das auch ein Rehlein großzug. Ich wusste es doch, das geht!. WIrtin der Mühle, ebenso  blond wie die Titelheldin, aber von  viel handfesterer Schönheit, sympathisch und heutig. Unverhoffter Ausflug zum unverhofft heilen Reh. Und tatsächlich ist sein Name Hope.

26. Juni

Lange Nacht, Bilder, Gottesruhkapelle. Dann schlaflos. Heute ist alles grau verhangen. Dauerte bis ich in die Stadt kam.

Helmreich. Frühstück. Zwei Pralinen und Heiße Schokolade aus einer Tasse, die obwohl viel Traurigkeit in der Luft lag, dermaßen trostreich schmeckte. An meine Oma gedacht, weil die Tasse mich an sie erinnerte. Der Kakao auch.

Um 12 musste ich gehen, da haben sie Mittagspause. Dass man mittags zu mittag isst, auch das erinnerte mich an Familie früher.

Dann später gehört, dass die Tragödien weitergehen. Nun in Gunzenhausen. Drei Kinder und Frau getötet. Der Mann sprang vom Hochhaus. Da er nur aus dem 3. Stock sprang überlebte er. Also ist umgekehrter Fall. Was ist schlimmer? Leidensmaßstäbe gesucht und nicht gefunden. Ich glaube, dass die Tragödien, die in der Zeitung stehen oder die sich jetzt wie ein Lauffeuer ausbreiten, nur die Spitze des Eisbergs sind. Das unausgesprochene Leid, das dem vorangeht, das übertünchte, ist viel schlimmer als der Ausnahmezustand. Sonst käme es ja nicht zu einem solchen. Und wie geht’s den Übelebenden, man fragt noch ein Weilchen, wie. Man hört „Muß-ja-muß!“ irgendwann ist es vergessen. Man sieht die Leut wieder ausgehen, sieht sie lachen auf dem Kellerfest und hinterher wundern sich alle, wenn wieder etwas passiert ist. Von Zeit zu Zeit explodieren wir in unserem Leid oder das Leid der anderen sprengt uns in die Luft. Na ja was heißt „wir“, mir geht’s eigentlich echt verdammt gut!

Apfelkrapfen.

26. Juni.

Seit einer Woche steht fest, dass mein Gottesruh-Projekt mit dem Windsbacher Knabenchor kooperieren wird. Das Treffen hatte ich mir lange gewünscht. Dann endlich doch Einladung ins Internat. Der Dinge geharrt im Abendrot, die da kommen. Es kam erst ein blonder Knabe in einem grünen Hemd der „Hallo“ sagte mit überraschend schnarrig-belegter Stimme. War mit dem Motorrad vorgefahren, mit helm unterm Arm käßt sich einigermaßen cool warten. Chorleiter kam über das Gelände, sah ihn schon von weitem, rollte mir mit Rollkoffer entgegen. Interessantes Gespräch. Tauchte tiefer in die Kleistgeschichte, um die es ging, ein, als ich gedacht hätte. Die Musik spielt in ihr eine so große Roller. „Die Gewalt der Musik“ ist ihr Untertitel. Sie ist zweischneidiges Schwer. Himmlischer Gesang, Höllen-Abgrund.

In Kleists Geschichte ist es ein „Gloria“ und ein „Salve Regina“, das die Kirche, um die es in der Erzählng geht vor dem Bildersturm-Terrorakt bewahrt.

Und Knaben haben auch tatsächlich ein Bach-Gloria im Repertoire! Kenne es nicht. Wird live gesungen werden in der Lese-perfromance, UND aufgenommen und verfremdet. Lehmann von selbst schlug diese dunkle Seite der der Macht der Musik vor. Präzise Pläne. Ergiebig. Interessiert. Interessant.

25. Juni

Auch heute müde. und wieder hat nichts offen. Montag! ohne Earl Grey Tee schwer wach zu werden. Stadtcafe hat zu. alles andere auch. beim Besenbeck beinahe auch wieder umgedreht, weil vor verschlossener Türe – dann aber gemerkt, dass ich vor der Ausgangstüre gestanden bin. Heute läuft nix. heute kann man vielleicht sogar froh sein, wenn nix passiert. Zwischen Reuth und Windsbach halt gemacht zwischen rosanen Blüten. Baldrian. passt. Aber Großartige Wolken, wie Zuckerwatte. ein Bausch neben dem anderen. Mann schräg gegenüber vom Stadtcafe (dem das montags nicht auf hat), an der Brücke lag entspannt auf einer Bank. Mehrfach planlos durch die Stadt gefahren. morgens, mittags nachmittags, immer lag er da mit verschränkten Armen unter dem Kopf. Apotheke. Fristo. Il Corso.Bedienung fragt Chef, welches Eis am wenigsten Zucker habe. Ist das auch hier so? Isst man auch hierzulande EIs nur wenn es nicht süß ist, oder nicht nicht-vergan? Ich dachte, die Franken und Bayern, mit den speziellen Ernährungsregeln seien alle in Berlin in meinen Bezirk gezogen! Es wäre ein belangloser Nachmittag. wenn nicht alle hier im Il-Corso-Hof von Gesprächstherapie redeten. “Familientragödie”, “Manche Menschen…” “Man steckt nicht drin…” Leute redeten während des Uruguay-Russland-SPiels davon, dass sie sich nie umbringen täten. das ließ ahnen, dass  ein anderer dies dann wohl getan hat. “Anders gestrickt”, “die eigene Familie”.

24. Juni

Kellerfest. Zauberhaft. Sah niemand mit Gummistiefeln. Es hatte allerdings auch geheißen, wenn man bis drei Uhr früh durchhalte, könne man gar lustige Gestalten beobachten. Da ich doch nur bis zehn vor drei durchhielt, entgingen mir diese. möglicherweise waren auch wir eben jene… Wir waren etws zu spät zum Spiel gekommen. Nationalhymne verpasst, deshalb nicht gesehen, wer aufstand. Blick von oben herab, gesessen auf der letzten Bierbank, noch hinter der letzten Lichterkette. Guter Blick auf die Fußball-Leinwand, aber sie war doch zu weit weg, als dass uns das Mit-Fieber gepackt hätte. stattdessen Sissi-Film-Dialoge zitiert. Küchle gegessen. riesiges Gebäck! Nix drin. nur Luft! Männer gehen manchmal zu zweit in die Finsterneren Regionen des Waldes. Aber nicht zum Pinkeln. die, die pinkeln stehen gut sichtbar. Dabei sehr sauberer Klo-Conatiner. sogar zwei. Drogen? wäre aber doch sehr auffällig. Sex?

Als die Lichterketten allesamt angingen dachte ich an Freund in Berlin, der meine Liebe zu Lichterketten immer belächelt. Wieder doch mal bedauert, dass er das nicht sieht. Ich habe nicht gewußt, dass es Menschen vergönnt ist so viele Lichterketten zu sehen, ein ganzes Meer davo! Dachte immer pro Lebenszeit stünde einem ein bestimmtes Kontingent an Lichterketten-Sehen zu… – Das müsste ich nun auf einen Schlag beim Kellerfest verbraucht haben. Andererseits gehen die Windsbacher ja dauernd zum Kellerfest. Möglicherweise maßlose Lichterketten-Konsum doch möglich? eine Lichterkette oder zwei oder zehn mag man belächeln, aber so viele sind einfach nur der Hammer. es hörte nicht auf, auch den Weg hinab (zehn vor drei)… – vor ein paar Tagen die Glühwürmchen und jetzt das. am ende waren viele Menschen an unserem einsamen Tisch. Aufgedreht. Rückhaltlos. Erzählte eine Frau von ihrer ersten Nachtekannten Frau bei ihrem später dann Ehemann? hatte es sie, wahrschienlich noch total jung in dem noch unbekannten Haus nachts, als der Mann oder Junge schon in Schlaf gefallen war nochmal hochgerissen, aufs Klo gemusst, tappte sie durch das fremde Haus und fand statt der Toilette ein Zimmer offen, es war ein Raum voll mit alten Büchern und ein uralter Mann mit weißem wirren Haar saß darin.  In einem Ohren-Sessel oder stand blätternd in einem Buch. Unheimlich – so erzählte sie es. ging  zurück, schlüpfte wieder ins Bett und erzählte flüsterte dem wach gewordenen Zukünftigenroßvater des zu, sie hätte wohl gerade dessen Opa kennen gelernt. Stille. denn der Großvater des Mannes war schon lange tot!  – die Frau erzählte es nicht direkt wie eine Gruselgeschichte. die Worte purzelten eher lebenshungrig, lachend,  und doch angeferssen und angetrunken aus ihrem Mund. Laut. hätte sie es geflüstert, wäre es dennoch nicht weniger unheimlich gewesen, auch wenn es, wenn man es so neiderschreibt banal klingt. erste Liebesnacht. eine muss aufs Klo, geht ins falsche Zimmer und natürlich wars auch kein Geist eines verstorbenen Ahnen gewesen, den sie in der Bibliothek sah, sondern der Vater alls) ihres (damals jedenfalls) Liebsten, der (das wiederum faszinierte nun mich) der Verfasser des Büchleins “die Gottesruhkapelle zu Windsbach”, Herrmann Altmann war – also der Vater, nicht der Liebste.

Geschichten aus dem Zusammenhang gerissen. Man muss sich das Kellerfest dazu denken. und von dem hatte ich auch immer ein falsches Bild. es klang muffig für mich, eher nach Schimmel und Bücherstaub (weil bei mir so viele Buchkartons in den Keller auswandern mussten, weil nicht genug Platz ist für alle), als nach Wald-Duft und Wiese und Lichtermeer. Wenn man in seinen Maßkrug schaut funkelt es noch mehr, wenn man ihn geleet hat eh. Je später die Nach war, desto weniger weit in den Wald schafften es die pinkelnden Männer. Gestalten rücken näher. die des heraufbeschworenen alten Altmanns blieb seltsamerweise eindrücklicher als alles andere hängen. die Band (ebenfalls undefinierbaren Alters) spielte Uraltes. wieso singt die Dorfjugend mit bei “Die kleine Kneipe in unserer Straße…” Eine alte Dame hatte gesagt: !Ich wollte betrunken sein und Gott hatte die Güte!“. Wilde Mischung.

Morgens kein Kater.

23. Juni

Heute wär min Artiklel über ein Kino in Gaza im Neuen Deutschland. Nach Ansbach gefahren, um die Zeitung zu kaufen. Im Bahnhofs-Zeitungsladen hatten sie das ND auch, aber nur das vom Freitag. die Wochenendausgaben verkaufen sie dort nicht. Il Corso. Hochzeitsgesellschaft. Blondierte Braut mit Schleier und kurzem lachsfarbnen Kleid raucht mit Brautjungfer an der Mauer gegenüber dem Dekanat stehend und scheint ruhige Minute in Mitten von Rummel zu haben. Leute treffen ein, auf der Terrasse sitzt niemand außer mir an den Altes-Mosaik-Muster-Auf-Plastiktisch vor den Garagen.  Palmen, Oleander Jemand verteilt das Wochenblatt. Auch der il Corso bietet Public Viewing an, auf größerem Fernseher als der Ilios, aber wußte nicht ob er im Besitz eines W-LANs war. Inzwischen spielt Belgien gegn…? und aus dem Saal tönt der Hochzeitsmarsch während sich Fußballer im Fake-Schmerz über den Rasen rollen. Frau mit Rollator. Tor für Belgien in Gelb. Die in Rot – ist das Tunesien? Weil der Ton leisegedrht ist hab ich das Tor kaum wahrgenommen. Die paar Takte Hochzeit waren dramatischer. Drin! Drin! im Netz! Il-Corso-Netz! – und ins tunesischen Tor ist wieder ein Ball  geflogen. Hof füllt sich. es ist hier nicht so schön wie an der Hauptstraße, aber irgndwie hat es auch Charme. unspektakulär, unbemüht. Abseits. (der Stadttore, nicht was das Fußballspiel angeht). Das Spiel aber steht mittlerweise 3:2…

Abends Kellerfest. Das hatt ich letzts Jahr verpasst. ein “Muß”, sagen alle. Und Gummistiefel hatte man empfohlen, solle man tragen.

22. Juni

kleiner Junge bei “Hammons” in Neuendettelsau verweigerte die guteLaune, obwohl extra von der Bäckerin darauf hingewiesen, dass nur freundliche Kinder ein Stückchen Probe-Backware bekommen. Laune verschlechterte sich, da das Kind den Erziehungsversuch durchaus durchschaute. Dilemma. stand in Rangerartigem outfit, in “Fearless” beschriftetem Basecap und verschränkte Armen der Kuchentheke gegenüber und verweigerte die Kooperation. Finster. – Weiterer Erziehungsversuch galt den jüngeren Cafe-Angestellten, zwischen denen irgendwie dicke Luft zu sein schien, die aber nicht sofort bereit waren, dies in fünf Minuten im hinterzimmer oder Hof zu klären.

21. Juni

Mittersommernacht. Schwabach. In der Kirche St. Martin unfassbare Heiligen-Holzköpfe, die 3-D-artig aus den Relief-Bildern herausragen. Kunstvoll, aber auch wie Kasperlköpf. Sehr menschliche, fast makabere Karikaturen. Als hätten sich mittelalterliche Honoratioren in ein Szenario hineingedrängt, um auch im Bilde zu sein; starren in die heutige Zeit, fremd und vertraut zugleich. hier soll der WIndsbacher Kantor Emanuel Vogt das Glocken-Läuten erlernt haben. Und 15jänhrig seine erste Motette aufgführt (bekommen) haben. Stell mir prompt einen ernsten Knaben vor, der untr Glockengeläut in die Höhe gehoben wird, aufwärts hüpfend und abwärts. Und ernst Musik. die hölzernn Kasperle-Heiligen schauen zu und horchen.

Nachts Lagerfeuer. Trotz Wind, der über uns die Kondensstreifen zu breiter himmelsborte aufriss. Wie Meeresbrandung. Funken. Verirrtes Glühwürmchen. Frauengespräche.

20. Juni

Fahrt von München nach Windsbach. Stau schon beim Rauffahren auf die A9. Kein W-Lan auf Rastplatz Kösching. Dann kann man auch Landstraße fahren. Ellingen nicht gefunden, da Umleitung. hätte da gern im Biergarten gesessen (und da gibt es W-Lan!). aber es ist ja nicht mehr weit – und so war ich doch sehr schnell zurück in Windsbach. – Angekommen! Ilios. ist wirklich angenehmer Ort zum Schreiben, Essen und Fußball mitnhmen. Jedenfalls, wenn Deutschland nicht spielt. Ankommen. Feierabendbier. der Sommer ist schön. Restminuten des Uruguay-Spiels gesehen. Der Gedanke kam plötzlicch auf: Was machen eigentlich Frank und Bommel? Lang nicht gesehen. nichts gehört! Auch so eine unschöne Nebenwirkung des Schließens des Halter. – Mir war so als hätt ich die beiden darin bestärkt, sich unbedingt in der Adventszeit bei mir in Berlin zu melden wegen Karten für Advents-Singen bei Union Berlin. Hatte es vergessn. aber die beiden woh auch!

Tierarzt kennengelernt und seine Frau, die nicht aus Windsbach ist, „ A Neigeschmeckte“, lernte ich, sei das Wort dafür. Er dagegen echter Windsbacher (und ehemaliger Chorknabe, noch unter Tamm! Erzählte davon wie es war plötzlich hinter dem Altar zu stehen. Enttäuschung, dass für das “ewige Licht” dezent Streichhölzer bereit lagen). Also gibt es doch einen Tierarzt in Windsbach. Werde es mir merken für das nächste halbtote Reh, das ich seh. Ist wohl aber auch rechtliches Problem. Die Jagd habe leider vorrang. Schöner Abend. Gyros-Salat. Neigschmeckt. Auf den Geschmack gekommen Dazugelernt. Interessante Gespräche. Ilios hatte plötzlich etwas von einem kleinen Openair-Wohnzimmer. Heim zur Gottesruhkapelle, bzw. zum Haus nebenan. Es ist fast die längste Nacht des Jahres. Obwohl es spät war hong imer noch ein bläuliches Rot in den Wolken. Davor leuchtete die Helukabel-Halle wie ein Eispalast.

18. Juni

Mit den beiden Frauen Vogt zum Konzert nach Merkendorf. Eigentlich Chorandacht, aber es wirkt wie ein abendfüllendes Konzert. Es sei als sei man plötzlich in einem Traum, sagte die eine der beiden. Klavier-Chopin auf Orgel gespielt klingt wie Karusselmusik auf einem alten Jahrmarkt. Finnischer Chor, Knaben im Talaren mit weißen latzartigen Krägen, sagen uter dem hohen Kirchengewölbe aus wie in Hogwarts. Modernere STücke.  die Windsbacher Knaben dagegen artig mit ihren Anzügen und Schleifen. wunderschöner Reger. Die Finnen sehr bewegend, mal geflüstert, mal gernaunt, gesungen, abgrundtief von Seeunglücken, ertrunkenen Seelen, dann bis an alle Höhen mit Engelszungen und Stimmen. sehr ergreifend. Am Ende beide CHöre zusammen. Händel Hallelujah. erstgedacht, “ach das schon wieder!”, aber die geballte Gesang zweier Chöre. die große Kirche… so hört man das nie wieder, sagte die andere Frau Vogt. Abendrot.

Hängen blieb außerdem, was der Merkendorfer Pfarrer sagte: erinnerte an die Zeiten, da die WIndsbacher Knaben in der Merkendorfer Kirche ihre Schallplatten aufnahmen und der bayrische Rundfunk man den umliegenden Bauern die Anweisung gab, sie möchten bittschön ihr Vieh rechtzeitig füttern, um eventuellem, den Ton störendem Brüllen, Muhen und Blöken der Tiere zu vorzubeugen.

***

Glühwürmchen im Garten, erst eins, dann unzählige. Waren sie schon immer so hell? Fast LED-artiges Glimmen, waren sie früher nicht wärmer und dunkler leuchtend?

17. 6.

Heute spielt dann also Deutschland. Hatte mir nicht weiter überlegt, wo ich das gucke. aber offensichtlich ist Public Viewing gar nicht so verbreitet in WIndsbach. Beim Ilios flattern ein paar kleine Deutschland-Fähnlein am Zaun und ein Fernseher ist aufgestellt. Deutschland spielt also heute beim Ilios. Im Waldstrandbad sei es auch angedacht gewesen, aber dann doch nicht. Nicht viel los, aber noch spielt auch noch wer anderes. Serbien führt 1:0 gegen…? krieg ich leider nicht mit von schräg gegenüber, von der Venetia-Eisdiele, in die ich mich erstmal fallen ließ aus alter Gewohnheit. Sehe erst jetzt dass man gegenüber hätte sehen können. jetzt hat Serbien gewonnen. Gegen…? Weiß immer noch nicht gegen wen. Aha. habs jetzt gegoogelt: Costa Rica. Und “Public Viewing – WIndsbach” ebeso. aber da kommt nicht viel. NUr, daß man beim Kellerfest Fußball gucken kann, kommt, demnächst. Und es kommt (etwas zusammenhangslos!) die Medlung, daß ein Jaguar in Ansbach beschädigt worden ist und zwar in der Windsbacher Straße.Mehrere Kratzer seien “angebracht worden”. Der Schaden beliefe sich auf 5000 €. Seltsamerweise löst die unanständige Höhe des Schadens sofort tiefes Veständnis bei mir aus – für den Täter. oder die Täterin? Angeber-Karre. Gehörte vielleicht einem Ex. – “Der Kapitän Top-fit… auch Özil nach Knie-Problemen wieder voll einsatzfähig…” tönt es rüber vom Griechen. Die Vorbericht-Erstattung hat begonnen. Rübergehen? ich starre auf die Venezia-Pizza-Leuchtreklame im Schaufenster. Blinkendes Blümchen über “Pizza” und ein ebenso digitales Stück, belegt mit Tomaten und blinkendem Pizzaduft. Hypnotisierende Wirkung. Rübergehen? Müsste mich erheben, aber habe im Gegensatz zu Özil meine Knie-Proleme (seit mein Motorrad mir auf mein Bein gefallen ist) noch nicht überwunden. Dazu die Sonntags-Faulheit, nach der gestern irgendwie doch anstrengenden Reise. Jetzt wird geredet, ob wohl geredet worden wäre, wenn der Özil (wegen seinem Knie) nicht wäre aufgestellt worden: ob man nämlich dann geredet hätte, dass er nicht aufgestellt worden wäre, wegen seines Foto-Shootings mit Erdogan. Der Reporter sagt, ja vielleicht, aber das hätte man jetzt mal endlich hinter sich lassen wollen, weil es jetzt nur darum gehen solle, wie die Mannschaft optimal aufgestellt sei. – Ja, klar. weil Fußball ja so unpolitisch ist! Klar. sonst würde die WM ja auch nicht ausgetragen in einem Land, das ebenfalls nicht für seine Demokratie und Meinungsfreiheit bekannt ist. Merke plötzlich einen Unmut aufkommen. Gar nicht gucken? oder eben einfach im Radio-Modus sich berieseln lassen von der anderen STraßenseite aus. Die Begeisterung, das ernsthafte “Dransein” an sich vorbeirauschen lassen. nicht sehen, sehen lassen.

Doch beim Griechen gelandet. Ilios, zur Sonne, da wo Goethe mal übernachtete. Heut ist wieder der Willi da. Weil wochenende ist.

Toni Kroos habe die Vogelperspektive im eigenen Auge – weil er so weitsichtig sei, den Überblick habe. Sagen sie schönim Vorbericht. Ilios füllt sich. Jetzt bin ich in einen großen Tisch integriert worden. Und wie immer sind die Leute total herzlich und nett. Ob es so passt. (sitze jetzt sogar mit besserem Blick auf den Flachbildfernseher). Eine Frau steht auf bei der Nationalhymne – okay…?! Na ja warum nicht. Ist ja eigentlich bewundernswert, dass die das einfach macht, wo das doch keiner macht… – leider beendet sie den Gesang dann mit so was wie einem “deutschen Gruß”, rechter Arm schräg in die Höh, die Handtasch in der linken… –

Erschrocken. Wollte es doch grad okay finden, dass sie die Hymne über steht. Und dann das. Und wo doch alle so normal und echt herzlich sind… hat ja vielleicht auch keiner gesehen…? – Ob ich auch wirklich was seh… fragt die andere NAchbarin und meint dern Fernseher. Ja, ich seh. Alle sehen gut. Public Viewing ist eben nicht mehr so in. Die Grüßerin blickt allerdings immer weg vom Fernseher, jedenfalls wenn ein Freistoß für Mexiko kommt. Das mag sie nicht sehen müssen. Am Nebentisch schaut man intensiver. Und dann… das erste Tor FÜR Mexiko. Hmmm. Kann ja passieren. Dass der Özil ja da weng besser hätt aufpassen müssen…. man wollt ja nix sagen, aber… Na, jetzt sagen sie das was ich vorhin auch grad gedacht hab: Das mit dem Soli-Foto mit Erdogan. Man wollt ja nix sagen, aber jetzt sagt mans doch. Des macht man halt nicht, wenn man eine öffentliche Person ist. Des is ja net so, dass der bei der helukabel arbeitet oder so. er steht im Rampenlicht. Und jetzt auch noch das Tor. Es sei schon okay, dass der zwei Pässe habe, aber die schnauze soll er halt halten. (wenn mans schreibt, klingts massiver. gesagt klingts lustig!)… Dürge sei Dürge… – Jüngerer Mann mit langem Haar hält was dagegen, aber mal unter uns – die sagen doch auch „der Russ“ und „der Dürge“. Da könne man noch so drum herum reden.

Na ja und – mist – wieder stimmts irgendwie.

Wimmelnde weiße und grünne Männchen auf dem fernen Ilios-Fernseher. Neben mir erklärt einer dass der Dürge übrigens zum Krieg rüste. „Echt?“ fragt ein andere. Schon lang! (hörte ich seit 1972? – die Schreiberin hört schlecht. Ist abgelenkt. Auch weil vom Nebentisch nun absurderweise die kleine Nachtmusik ertönt. Klingelton? Nein geht weiter. Richtig lang! Aber nur erster Satz. ) Deshalb sei auch der Grieche (nicht der Ilios, sondern der in Griechenland, also das LAnd) so runtergewirtschaftet. Weil er, also es gezwungen gewesen sei, Schiffe zu kaufen um seine Inseln zu verteidigen. Irgendwie mag ich, dass mehr über Politik geredet wird, als über Fußball. Ich muss es wiederholen, wirklich: alles sehr sympathische Leut. Und höre ich überhaupt recht? JA zum Stammtisch. Ja zum Halbwissen. Ja zur WM. Ja zum Ouzo. Ja zum daherreden. Willi hatte Geburtstag. Tischnachbarin und ich bestellen jetzt doch Espresso. Prompt wacht Deutsche Mannschaft auch auf. Akausale Synchonizität. („Hättet ihr mal früher bestellen sollen!). Zu spät. 1 zu 0 für Mexiko. Ein Glück, weil so nicht nochmal Nationalhymne. Özil sei dank. (Oder war der gar nicht schuld?). Lachen sie am Nebentisch: „Nein, die Mexikaner waren schuld! Die waren besser!“ Sagt einer. Und noch einer sagt: Und die Merkel! Die is auch schuld!

***

Absacker Bier in der Linde. Allein. Draußen im Biergarten gesessen. Auf dem Tisch stehen Geranien. Keiner ist hier und das Spiel geguckt hat man auch nicht. Die Wirtin redet mit ihrem Nachbarn. Nicht über Politik, nicht über Fußball, sondern über Würste. Dass die vom Vinzenz Murr durchgehend gleichbleibend gut sind und die vom Fleischer vom Land (nicht einem bestimmten, sondern generell) eben mal so und mal so, mal reichtig hervorragend und mal gummiartig, je nach Laune. „Ach übrigens, Ingrid, die Deutschen haben verloren…“, sagt der Nachbar, aber des mache nix. „Die brauchen mal an Dämpfer.“

Beide lachen.

„Des ist uns worscht.“ Sagt der Franke.

Mehr hätte man eigentlich gar nicht sagen müssen.

15. 6.  Glonn

die Verkäuferin der Hasi-Bäckerei in Glonn kennt mich! Da war ich vielleicht höchstens zwei mal, dreimal vor einem viertel Jahr! Und die erinnert sich! Aber der Pfarrer meiner Kindheit, in dessen Familie ich tag für tag rumlungert wie die Tauben hinterm Helu-Kabel, und wartete, dass der Sohn endlich mal aus dem scheiß Internat in dem fremden Kaff mit dem Fuck-verdammten Jungschor zu Besuch käme… der nicht.

Sinnlos.

Nein natürlich nicht völlig sinnlos. Ich bin da. Jetzt. Alles was jetzt ist. Und ich bin halt auch nicht der Nabel der Welt. Is ja auch gut so.

14. 6.

Erstmals in der Linde gewesen. Dem Kulturverein das Gottesruh-Kapellen-Projekt vorstellen.

Von wegen es gibt keine Lokale in Windsbach! Sollen die „Halterlosen“ doch in die Linde gehen. Gefällt mir. kein Schnickschnack. Stammtisch-Dunstkreise. Winds-Art Hinterzimmer.Gemütlichkeit. Bier. Holz. Nichts Unnötiges. Allerdings auch nichts zum Essen. Freundliche Wirtin brachte mir dennoch einen Teller großartige Suppe. Ebenfalls ohne Schnickschnack, aber mit Klößchen darin.

***

Nach München gefahren. Unentschlossener Aufbruch. Fahren? Nicht fahren? Es sah nach Regen aus. Schon auf dem Weg gewesen – nochmal zurück. Gottesruhkapelle nochmal fotografiert, da ich in München an einer Postkarte basteln wollte für die Veranstaltung im September. Immer wieder zurück, Handy vergessen. Auch ratlos, ob es nicht doch besser wäre zu bleiben. Eigentlich war ich in erster Linie gekommen wegen des Treffens gestern. Aber es waren kaum Leute da. Der Abend ließ so viele Fragen offen. Vor allem, wer wird singen? Wer ist die himmlische Musik, die wie ein deus-ex-machina den Terror verhindert, der ( in der darzustellenden Geschichte, nicht in echt) die Kirche verwüsten will? – es scheint schier unmöglich, in dieser Stadt singende Kinder, womöglich gar Knaben aufzutreiben!

Seltsam. Bin ja selber hier her geraten wegen eines solchen. Und ja, ich weiß wie schwer die aufzutreiben sind., di Knaben. Wie sehr sie fehlen. Achte bis zehnte Klasse lang damals gewartet! Sie kommen einem abhanden. Sie gehen ins Internet [falsch! Ins InternAt – blöde Autokorrektur!] und man sieht sie nicht wieder. Und wenn man zu lange wartet und endlich den Ort findet, dieses Windsbach, sind 30 Jahre um und sie sind – natürlich! – nicht mehr da.

Als ich schließlich doch entschieden hatte, nach M. Zu fahren, war es fast zwölf. Um fünf nach ging ich dann doch noch ins Kaufhaus Rühl, um viertel nach dann endlich vorläufig finaler Aufbruch, nicht die Spalter Straße entlang, die ich fahren hatte wollen, sondern doch noch am Dekanat vorbei; da dachte ich – weiß der Himmel warum! – geh nochmal auf einen Sprung rein. Nicht einmal einen Termin hatte ich, und zu sagen eigentlich auch nix außer: Ich weiß immer noch nicht, wer singen wird im September. Um sechzehn nach zwölf stieg ich ab vom Motorrad und zu genau dieser Zeit kam ein alter Mann aus der Tür, kam mir entgegen als ich gerade eintreten wollte. Und da war’s der alte Pfarrer meines Heimatorts! Just in diesem Moment! Ausgerechnet hier. Den, den ich damals vor einem Jahr, schon im Konzert in Neuendettelsau gesehen hatte von weitem, nicht sicher gewesen, ob er es war oder nicht. Den ich am letzen Tag (letztes Jahr, ebenfalls vor der Abreise nach Beendigung der Stadtschreiber-Zeit) doch noch aufgespürt hatte in N.

„Herr G….!“ rief ich aus, als er mir nun aus dem Dekanat entgegen kam, das er zufällig aufgesucht hatte, und auch nur für ein paar Minuten. Seltsamer Zufall. Unglaubliches Timing. Just in diesem Augenblick… es hätte alles nach einem bedeutungsvollen Wiedersehen geschrien, in einem Film wär er der alte Mentor gewesen, der die Heldin einst auf die Reise geschickt hatte und nun wieder in Empfang nimmt, oder ihren Kurs korrigiert… Blöde lachhafte Wirklichkeit: Er erkannte mich nicht. Wieder nicht! Er sagte es so eindrucksvoll stark (so unumstößlich, wie das kleine Kind im Cafe Helmreich sagte „Ich bin noch ein Kind!“) „Ich kenne Sie nicht!“ Schmerzhaft.

Ich war doch in und ausgegangen in seinem Haus (achte – zehnte Klasse!) und im letzen Juni, waren wir doch in seinem Garten gesessen, es ist nur ein Jahr her! So persönliche Gespräche! Eben auch wegen des Sohns. Fortsetzungen von Geschichten im Schnellvorlauf. Was bisher, was inzwischen geschah. Und eben dass der Sohn tot ist… und… – und eines der Luther-Biere hatte ich ihm mitgebracht, die mir der Herr Lechner geschenkt hatte! (Und das ich ihm auch von Herzen gegönnt habe – und gönne! Und…

Bin traurig weg. Alles was in mir arbeitet, ist letztendlich nur mein eigener Brei. Und hat

mit Wirklichkeit nichts zu tun. Schon aus der Welt des Pfarrers von damals und erst recht seins Sohns bin ich in Bruchteilsekunden meiner Kindheit gefallen. Ich blieb und bleibe nicht haften.

13. Juni abends

die Tauben hängen da rum, weil ein Taubenschlag eben dort ist. War doch eigentlich klar.

13. JUni

Immer fliegen Tauben auf, wenn ich den anderen Weg nehme, dem Helu-Kabel-Schild folgend, an dem großen alten gutshofartigen Gebäude vorbei durch neueres Wohngebiet hindurch, auf ein superblaues Haus zu, dann wieder links in Richtung Gottesruhkapelle. Wenn das freie Feld vor einem liegt, schrecken ich sie auf Immer sind Türkentauben darunter, fast immer auch in paar weiße. Ich weiß nicht warum sie da rumhängen, was sie da zusammenglucken, knatternd fliegen sie auf, gestern schiss eine auf meinem neuen Helm, als ich ich mit dem Motorrad vorbei knatterte.. Dörfliche Rowdies, sie, ich.

Pralinen zum Frühstück. Amaretto weiße Schokolade und dunkle.

sehr blondes Kind im Cafe Helmreich sagte nachdenklich blickend, langsam und ernst: “Ich… bin… noch… ein Kind.” und fügt nach iner kurzen Pause hinzu: “Und der H. ist überüberübermorgen schon groß und hat kleine Augen.”

12. Juni

Mein erster Überraschungs-Besuch. Zwei jung Frauen klingelten und standen zunächst vor verschlossener Tür, weil ich immer die Hintertür zu Garten und Hof hin nehme, nie aber die Haupttür zur Straße hinaus. Stellte fest, dass ich keinen Schlüssel besaß und machte barfuß den Gang um die Welt um mich dem Besuch von hinten zu nähern. Sympathische Frauen. Zeugen Jehowas. Gebe zu, dass die auf mich sonst immer wie lebende Vorwürfe wirken, wenn sie mit ihren Wachtürmen vor Einkaufszentren stehen. Hätte ich in denen in Berlin aufgemacht? Wahrscheinlich schon. Ich rede halt einfach gern über Gott und die Welt. Gelernt, dass die Zeugen, eine der wenigen monotheistischen Religionen sind, die den Gott beim Namen nennen. Die Juden haben auch einen Namen für Gott, Jahwe, aber weil der ihnen gesagt hat, dass sie den nicht alle naselang benutzen sollen und nur besondere Zwecke in Gottes Namen sein sollen, nennen sie ihn lieber gleich gar nicht, um nix falsch zu machen. Etwas beim Namen nennen, ist vielleicht aber nicht schlecht. Immer nur als Herr bezeichnet zu werden…? zigtausendmal stehe „Herr“ in der Bibel, sagte die eine der Zeuginnn. Sie meinte, sie, wenn sie der Gott, also Jehowa wäre und ihre Memoiren würden erscheinen und ihr, also sein Name wär kein einziges mal genannt, täte sich ärgern. – Einleuchtend. Sie war generell sehr witzig. Schöne handfeste Bilder gebrachte sie. Die andere, ernster, in sich ruhender, begeistert beide von dem was sie erzählten. – Nur halt das mit Armagedon… dass da nur die Gerechten überleben, die Reinen, die Guten. Ich hasse exclusive Veranstaltungen. Allein der Gedanke nicht eingeladen zu werden zu etwas, macht mich zu… ? Keine Ahnung, zur Dreizehnten Fee? Dir wurde böse, nur weil sie nicht eingladn worden war und sie war nicht eingladen worden nur weil die Gastgeber nur 12 Teller hatten – egal! ich weiche vom Thema ab.    Die Vorstellung, dass das Paradies die Welt ist, die wir kennen, nur in schön und friedlich… die Zeugin sagte, dass sei wie am Brombachsee liegen, aber ohne Mücken, ohne die Angst, dass dir jemand das Handy klaut, wenn du aufs Klo musst. Eigentlich eine schöne konkrete Idee. das Paradies auf Erden. Der vertraute Ort nur in erlöst. Der Unterschied ist dann vielleicht: bei den Christen ist man wo rausgeflogen und kommt möglicherweise nie mehr rein. Bei den Zeugen, ist man immer am selben Ort, aber der Gott namens Jehowa haut mit der Faust auf den Tisch und die Ortsbedingungen ändern sich. Und am Ende bleiben nur die Guten. für immer. Und das wars dann?

Das heißt, nicht einmal das Heim voller Plagen und Mühen, Mücken und Handydiebe, bleibt einem am Ende. Gehupft wie gesprungen? Irgendwie gefällt es mir nicht. Aber die Gespräche darüber waren schön. Kluge, schöne Frauen, die von einer Mission durchdrungn sind, aber ihren HUmor dabei nicht verlieren.

Nachmittags Neuendettelsau. Eiskaffee. Besenbeck, Hat sich die Straße seit gestern verändert? Ist sie neu geteert? Abends Regen wie aus Eimern, Hitzenebel auf der Straße, wenn die Scheinwerfer eines Autos darüber streifen, scheint der Asphalt zu dampfen.

10. Juni

Wieder angekommen. Erschöpft ins Bett gefallen. Es ist Sommer. Stauballergisches STadtkind schnaufte unter dem Rucksack, obwohl es sogar vom Busbahnhof in Nürnberg abgeholt worden war nach unendlich langer Fahrt mit veflixtem verspätetem BUs. Fahrt nach Windsbach über immer schönere Schleichwege.  Geschwankt zwischen “Garten in der Nachmittagssonne” und “Bett”.  Bett. Dann doch Garten. wilde Erdberen.  Habe beschlossen hier jenseits der Allergie zu sein. doch nochmal aufs Motorrad, um auch wirklich anzukommen. An der Agip-Tanke bildete sich Schlange hinter mir, weil EC-Karte vergessen. Bares zusammengekramt. dann AUsfahrt im Abendrot. Biergartdn gesucht. Beinahe WOlframs-Eschenbach, dann doch nur Sparkasse dort. Felder links und rchts, man möchte sich hineinstürzn. Mist – das “e” auf meiner Tastatur klmmt. – Orangefarbener Jesus. “Tinas Tatoo Kunst” WIndmühlen – in Neuendettelsau beinahe vorm Besenbeck abgehoben über schlechtem Asphalt. Immer noch das I love you an der Scheune. Ilios. Souflaki. Bier. Mist, ich huste doch noch. An der Venezia Eisdiele leuchten nachts Glühlämpchen unter der Marquise. Die Uhr beim Döner steht still – wie lange schon? ist es 20:39 Beschluss, sich im Trainings Zentrum anzumelden. morgen oder so. Sport. Fitness. Reha.  Allein in der Sonne. Goethe aß hier auch mal.

22. Mai.

Stadtcafe am morgen wird langsam Ritual. Earl Grey besonderer Art. Wenn man draußen sitzt, sieht man die Leut übers Brückla gehen. manchmal hört man sogar schon wer kommt (wie der Mops der Familie des U., der sich vertraut schnaufend schon ankündigte – der Mops, nicht der U.!). Die meisten Menschen kenne ich natürlich nicht. Wenn man drinnen sitzt, hört man Tratsch und Klatsch. Glernt, dass es in WIndsbach mal 13 Lokale gab. Jetzt kaum noch welche. Männer, heimatlos geworden durch das Schließen des Halters auf der Suche nach neuem Ersatzstammtisch (Turmstube?  scheint No-Go, Dorschner zu sehr Restaurant…). Freute mich gestern als ich im Stadtbad den Koch aus meinem Viertel in Berlin-Lichtenberg wiedertraf…

21. Mai Pfingstmontag

Aufgewacht in höchst symbolträchtigem Traum, Tag begann deshalb nachdenklich, aber wurde dann  lebhaft. In der Stadtkirche sang ein  Chor aus Transilvanuen. orthodox-rumänisch. wäre beinahe zu spät gekommen und wollte nicht “über die Bühne” laufen wo die schwarzgekleideten Herren schon standen, als würden sie gleich beginnen und mit schmetternden-patricarchialen Klang ihre Stimmen erhben. Bahn schnell den Umweg über den Haupteingang. aber sie sangen sehr berührend.  zart und aufwühlend, am ende fast operttenhaft. üppig – und Beethoven. “Frooiiide Frooiiide….”  Dekan hielt schöne EInführung, sprach von der Armut dort, von den schlickten Verhältnissen und der um so so größeren Andacht der Leute. “Das Wesentliche….” leider sagte dann eine Frau im Anschluß dann auch nochmal mehr oder weniges alles auf ihre Weise. “Wie bereits gesagt….” Die schwarzen Herren standen geduldig und warten auf ihren EInsatz. die Musik ist immer stärker.

man springt hinaus in den freien Tag und frooiiit sich um so mehr. Sonne. verwunschene Radwege nach heilsbronn. Eis in gerammelt voller Eisdiele, Familienlebendigkeit, zugegrützter Teich. Wald der nach Wurst riecht. Waldstrandbad. Tatort.

20. Mai Pfingssonntag

Seltsame Melancholoe macht sich breit. Es haben sich erstaunlicherweise viel tote Tiere eingeschlichen in die Windsbach-Wahrnehmung. Vielleicht deshalb die Melancholie, vielleicht aber auch weil es hier so unglaublich schön ist – führt mir immer vor Augen wie vergänglich alles ist. Gestern dann das Reh, das gegenüber der Gottesruhkapelle brüllte, man sah es kaum, hörte es nur heiser brüllen, etwas wirbelte herum, ein Hund? Das Reh? Übrig blieb letzteres. Ein junger Bock mit noch samtiger Haut ums spärliche Geweih, lag zitternd im Gras und kam nicht mehr hoch. Machte auch kaum Anstalten zu fliehen. Der Bauch pulsietrte, die Flanke war blutig. Mit So. im hohen Gras gestanden neben dem Tier. Sie hat so tief-beruhigende Stimme, man hätte sofort gedacht, alles wird gut. Förster wurde gerufen, Großwildjäger erschien auf Quad, die Flinte schon bereit. Nicht zu machen. „Es wäre mir lieber wenn Sie gehen, falls Sie zartbesaitet sind.“, sagte er höflich. Wäre eigentlich lieber dabei gewesen. Bin nicht zartbesaitet! Heule zwar wegen jedem Scheiß, aber doch nicht, wenn man halbwüchsiges Bambi erschießt! Die Schüsse trafen dann hinter meinem Rücken, als ich schon auf dem Weg zurück ins Haus war. Auch nicht besser. Und warum zwei? Ich war schon weg, als der Mann mir ausrichten hatte lassen wollen, dass der Bock nicht habe leiden müssen. War dann fast aufgewühlter von der freundlichen Nachricht, als von den Schüssen.

Abendrot-Motorradfahrt (wo es doch wieder geht!) Richtung Merkendorf. Komisch, dass ich, als es umgefallen war, mit einem toten Reh verglichen hatte. Noch seltsamer, dass Zwischen Windsbach und Issmansdorf auf einer Wiese dann zwei weitere Rehböcke durch die hohen Wiesen un düber die Straße sprangen. Sah nur den zweiten kommen, der erste sprang grade vor mir über die Bahn, der zweite drehte um, sprang hektisch dann aber doch. Um ein Haar wieder gefallen. Ob es drei gewesen wären, wenn es den anderen nicht erwischt hätte? Und hätte dann ich ihn erwischt zwischen Windsbach und Issmandorf? Oder er mich?

Später dann noch totgefahrener Grünspecht vor Wolframs-Eschenbach und noch später Bienen in meinem Bett. Und auch Merkendorf wie ausgestorben. umgedreht. Abendrot, bauschige WOlken vor Windkrafträdern. Reicht.

19. Mai

Durch den  Traum, kurz vor dem Aufwachen, lief Katze Lillifee – mit rosanem struppigem Fell – eher Raubtier als Kätzchen, die Farbe des Fells war das einzig feenhafte.  in wildem Gebirge in einer kleinen Steinhöhle gesessen und auf fremde  Landschaft hinuntergestarrt. Nicht Bayern!

Auf dem Weg von der Wolframs-Eshenbacher-Straße zum Stadtcafe, an der Ecke, da wo das leere  Grundstück “steht”,  kann man eine Imbissbude mieten. sieht aus wie aus dem Boden gestampft. Oder ein aus heiterem Himmel gefallener weißer Legostein.

Vielleicht muss ich mal sagen, warum ich überhaupt hier bin.  (Gestern sprach mich schon jemand an, und meinte, WIndsbach müsse ja einen guten EIndruck hinterlassen haben, wenn ich wieder da bin. – STimm! Viele EIndrücke!) Generell glaube ich tut es mir gut, dass ich woanders bin als zuhaus. Außerdem sind in meinem eigenen dörflichen Berliner Kiez inzwischen so viele Bayern, namentlich Franken, da kann ich auch hier sein… – und die nicht-franken-flüchtigen Franken in WIndsbach sind viel authentischer und interessanter und nicht so vegan!) Woanders ist man ein unbeschriebenes Blatt. Und selber schreiben klappt auch besser. Und man läuft nicht dauernd seinem Noch-Freund ? / Ex-Freund / War-Er-Jemals-Mein-Freund? / Freund? bei Kaufland über den Weg.  Im letzten Jahr hab ich mich in die Gottesruhkapelle verliebt. im September möcht ich dort eine kleine Inszenierung machen, die Wandgemälde zum Leben erwecken, die Kapelle “bestürmen” mit neuen Bildern: an die Wand projizierten. EIn Kaleidoskop aus bewegten Bildern und icht, Klängen und Gechichten. Nicht meinen! Momentan sammle ich EIndrücke, die die WIndsbacher mit der Kapelle verbinden und die ich einfließen lassen möchte in das Projekt. Wer Lust hat, was zu erzählen… ich würd mich freuen!

18. Mai

Nun fiel das Motorrad um und hinterließ im schönen Hof einen Benzinfleck und Tankstellengeruch. unschöne Markierung eines traumhaften und fremden Territoriums. Paradiesgarten entweiht, Und die Fußraste brach ab. Mist Mist Mist. Vorteil: Baumeister sehr nah und wirds wohl richten. Toter Spatz an der Markgrafenbrücke. Und meine Honda, wie sie im Garten auf dem Asphalt lag und das Benzin auslief, sah aus wie ein angeschossenes Reh. Na ja, wohl eher eine Kuh. Und eine Beerdigung war. EIn Kapellmeister. Ich weiß nicht ob es eine “richtige Be-Erdigung” war oder eine Urnen-Bestattung. Aber immer wenn ich an Beerdigungen denke, muss ich nun immer an die singenden Jungs in ihren chwarzen Mänteln denken, von denen, einer mal nach dem Wort “Urne” suchte und ihm nur “Aschenbecher” einfiel.

Heut war so ein Tag, an dem man wachgerüttelt wir. Vergänglichkeiten. Schieflage. Nachts auf dem Handy Grey’s Anatomy geguckt. Aber da war alles fast unerträglich intakt.

17. Mai 2018

Anfahrt von München, Nürnberg per Bahn, ab Heilsbronn Bus. Der windet sich. Abwärts durch das neue Heilsbronn. Am Rewe vorbei, durch Neuendettelsau. I love you auf dem Gebäude hinterm Besenbeck. Reuth. Windsbach. Das schmutzig Schild, etwas sauberer scheint es? Der Regen wäscht es langsam wieder gelb. Ausgestiegen am Dekanat. Schweinefilet bei Dorschner.

Zuhause in vertrauter Fremde. Ich darf hier wieder sein: diesmal im Haus neben der Gottesruhkapelle. Dunkler warmer Gelbton, Ockerfarbe, wein-überrankt. Das Haus war mir von Anfang an ins Auge gefallen. Gegenüber der Kapelle, als ich an ihr vorbei jagte. Allererste Fahr durch Windsbach, und schon war ich wieder auf und davon. Kapelle und Haus hatten mich nochmal umkehren lassen, sie sahen so schön aus am Wegesrand. Die Kapelle, klar, aber das Haus eben auch. Ruhig und gelassen steht es gegenüber. Weltlicher. Irdischer. Heimlicher. Stand hier früher das Siechenhaus?

Bei Eintritt Erinnerung an die Bücherei meines Heimatorts, der selbe Geruch – nach Blättern in Büchern. Das letzte Mal hier gewesen vor einem Jahr im Juni oder Juli, mit beiden FrauenVogt; Schneebälle vom Helmreich im Garten, schöne Gespräche über Handschriften, Mütter und Töchter, Gott und die Welt, Italien, die Töpferlehre die sie machte bei einem Künstler. Man sieht man, dass es ihr Haus ist. Getöpfertes, Gezeichnetes, die schönen dunklen Türkistöne, alt und neu. Starke Fotografie der jungen alten Frau Vogt mit kurzem Haar, androgyne weitgereiste Schönheit, die mich an meine griechisch Freundin Angelina erinnert. Aber mit der ich bin ich zerstritten. In meinem Zimmer fliegen gezeichnete Vögel. Die echten singen in den Bäumen vor dem kleinen gekippten Fenster, durch die regenschwere Luft dringen herzzerreißende Töne.

 

16. Mai.

Morgens mit dem Motorrad den Weg aus der Garage gefunden. War gewarnt worden vor dem holzüberdeckten brunnenartigen Schacht. Nicht drauftreten. Da morsch, nicht reinfallen. Hatte ich hier nicht einmal einen Geheimgang suchen wollen? Und jetzt darf ich hier sein (aber nicht drauftreten auf das verzogene Holz!). Werde nicht nachsehen. Wenn man nicht hineinsieht, ist er mit Sicherheit darunter, der Gang.

Überraschender Morgen-Earl-Grey-Tee.

Schwabach. Archivar Dippert glaubt nicht, dass Kleist je in Schwabach war. Cafe Lesezeichen, Zitronentarte. Hautarzt. Tatsächlich spontan Termin bekommen. Schild im Wartezimmer sagte: Zu ihrer Sicherheit werden unsere Behandlungsräume nachts automatisch mit UV-C Strahlen entkeimt. Unwohler Gedanke von im Sterben liegenden Bakterien. Doktor B. war recht kurz und knapp, aber dann doch längeres Gespräch, weil er es lustig fand, dass ich mit einer verschleppten Hautsache vom letzten September als “NOtfall” aus Berlin bei ihm in Schwabach gelandet war. Wo doch grad gestern in der Tagesschau davon die Rede gewesen war, dass es in Berlin-Lichtenberg so wenig Ärzte hat. “Und wo aus Berlin Sind sie her?” fragte er. Na ja woher wohl… – Lichtenberg! Er erzählte es gleich – da war ich schon fast aus der Tür hinaus – der Sprechstundenhilfe und die seufzte mitleidig “die Arme!”, hörte ich sie flüstern. Rezept später in WIndsbach eingelöst. Es dauerte bis man es entzifferte. So berüchtigt Lichtenberg für Ärztemangel ist, so berüchtigt scheint Dr. B. für seine Sauklaue. Die Apothekerin nannte es “Kreativ-Schrift”.

Eine Katze “Lillifee” soll entlaufen sein.

19. August

Die Blicke aus dem Rathaus  sind schon länger her, der eine sowieso, er entstammt dem Familienalbum der Rühls, den anderen durfte ich tun im Juni als ich versuchte das alte Bild nachzustellen und den Blickwinkel schließlich am Fenster eines Rathauszimmers fand (die Frau, die dort arbeite, öffnete es für mich).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. August

aufgewacht aus Träumen, mit dem Wort “Hubba Bubba” auf den Lippen, das ich aber im Schlaf für das fränkische Wort für “bin total begeistert! Augen gehen mir über!” hielt. Das richtige lag mir auf der Zunge, ich kam aber nicht drauf. Der Traum war meines Erachtens schön gewesen. Das meiste  habe ichvergessen, aber die Geburtstagsfloß-Fahrt, kam irgendwie drin vor. Die war aber nicht wie vorgestern auf dem Müggelsee gewesen, sondern die Rezat entlang (sehr langsam, da gegen den Strom, dafür allerdings war es wiederum schnell. In Zeitlupe flogen Versatzstück vorbei, passende, unpassende, das Stadtcafe auf alle Fälle, auch die venetia Eisdiele, aber da weiß ich dass sie anders aussah, Venediger. mit Gondelanlegeplatz. Als ich aussteigen wollte, klebte mein Fuß an einem Kaugummi fest, den jemand auf das Floß gespuckt hatte. Angekommen mit gutem und Freund an meiner Seite. “Hubba BUbba!” “Himba Hamba”. was auch immer.

29. Jul

Morgen wäre dann das Konzert, für das der Männergesangsverein geprobt hat. 30. Juli abends um Acht im Atriumhof der Spelterhäuse. Klingt sehr schön. Hoffentlich ist schönes Wetter. Serenade am Abend. Spelterhäuser, Was sind denn nun wieder die “Spelterhäuser”?  Das sagt die Ankündihung im Internet nicht, aber sie sagt und das finde ich ausgesproche nett: “Eintrittskarten sind erhältlich bei jedem Sänger” (so wie in der Raiffeisenbank und an der Abendkasse).

Und ich sitz wieder im Flixbus. Besuch in München bei Eltern endete mit  1stündigem Flohmarktgang  und dreiviertelstündiger Autosuche auf dem Riemer Flohmarkt-Parkplatz. Sah bereits Auto inclusive Gepäck gestohlen und für immer verloren. Flixbus gerade noch erwischt. Angenehme Fahrt Richtung Berlin. Der HImmel nach so viel Regen endlich blau mit WOlken, wie ich sie noch nie gesehen habe, Die in der Ferne sind weich und zart, zerfließe in der Unschärfe, andere – sehr nah – sehen aus wie und glatt gelutsche Eisbonbons, scharf und surreal. Paintbrush-Art mit seltsamer Farbgebung, Der ganze Himmel wirkt hell und licht, aber die nahen (wahrscheinlich computer-generierten) Wolken sind mal bleiern, mal blaustichig. Benutzt der HImmel neue Computerprogramme? EIn neues Photoshop-Upgrade? – Ich weiß, ich das war nicht das was er sagte, aber seit Gespräch damals mit Schlicker, glaube ich mehr denn je dass Gott uns in milliarden-millionenfache Varianten eines Computerspiels herumlaufen läßt, je nach EInstellungen mit mehr oder weniger hohen Freiheitsgraden. (Jedenfalls, wenn man vom evangelisch-deterministischen Weltbild ausgeht. Vielleicht hätteich auch nochmal mit dem katholischen Pfarrer sprechen sollen. Sah ihn bei der Gesangsvereinprobe, aber da war ja kaum Zeit). Man rennt in eigener Mission und wird dennoch bespielt, animiert, beseelt, wie man will, zuweilen erleuchtet, zuweilen friert das Programm ein, stürzt ab, wird reloaded. Manchmal hat man diese Deja Vu-Momente – vielleicht weil man den Run bereits einmal hinter sich hatte, in einer anderen Version, oder einem anderen Durchlauf. in einer anderen Paralellwelt. Die Summe aller Parallelwelten… das wäre dann vielleicht dieser Gott?  Im Übrigen meine ich das nicht nicht negativ. Es ist eigentlich (vor allem wenn man auf der Sache mit dem Freiheitsgrad besteht) eine ganz schöne Vorstellung. Der Garten Eden… das wäre vielleicht dann die Demo-Version gewesen. da passiert nicht wirklich etwas.  – Noch drei 1/2 Stunden bis Berlin…

Borstig-Struppige Hafer-Felder, zerwühlt vom Wetter oder dem gigantischen Hintern eines Riesen un dseiner Geliebten.  Zu spät geerntet. Vorbeigeflogen. Jetzt sind auch hekömmliche Schafe unter den Wolken.

Immer wenn ich von Windsbach wegfahrem ist es als bekäme ich einen Faden in die Hand gesponnen – einen roten kann ich ihn nicht nennen – der zu dem Jungen von damals führt. Und immer ist es am letzten Tag. dann sitzt man wieder im Bus nach Berlin und denkt wieder Ringelnatzgedichte “…Vorbei, verjährt, doch nimmer vergessen / ich reise / alles was lange währt ist leise…”

Nur noch 2 STunden bis B.  Der Freund holt einen ab, wenn man das will. Natürlich will man abgeholt werden. Man will auch morgen auf ein Floß mit ihm. man will aber auch niemand warten lassen am ZOB.  Mal sehen. Ankommen. Weitersehen. Und hoffentlich irgendwann wieder zurück nach Windsbach.

25. Juli

Gestern noch später am Abend dem Gefühl, alles zu verpassen, ein letztes Post scriptum entgegengesetzt:

Dorschner offen – Essen gut – Bierdeckel rund! Und zu aller guter letzt den damals verpassten Besuch der Männergesangsvereins-Probe noch nachgeholt.

Das grau-rosa E-Werk zwischen alten Scheunen, unterhalb des Halters und irgendwo vis a vis der Frau Farina ist so groß, dass ich mir immer gedacht hab, da hätte auch eine Bühne darin Platz, das Haus wär auch Aufführungsort. Besser noch, es ist ein ebenerdiger Saal – mit Biertresen! Irritierte Blicke. Schon gerät man geniert in Erklärungsnot: eingeladen hätt man uns, ob’s denn okay sei, wenn man zuhörte… die genierte Frage schreit nach Machogehabe „ja, wenn ihr uns bedient, biermäßig….!“ Na ja, ist halt ein Männerverein Wir waren ein paar Minuten zu spät, aber von den Männern waren es auch einige. Schon toll, da strömen die unterschiedlichsten Typen, alt, jung, in den besten Jahren, sitzen im Halbkreis auf Stühlen, links daneben der Tresen, singen sich ein, vorne laufen die Fäden zusammen beim Max, der plötzlich eine erwachsene Brille aufhat und viel älter wirkt und die Leut zusammenstaucht mit hinreißender Grazie, mitreißt, stöhnt, wenn die „Freuuude“ durchhängt und nicht strahlt wie die „Froo-ii-de“ nunmal strahlen muss. Schöner Götter Funken – und Halb-Götter in Jeans – und der katholische Pfarrer ist auch da, und der Fußball-Trainer, und der Mann der damals bei der Stadtfest-Rathaus-Besprechung „Fruchtsaft ist Fruchtsaft“ entschied. Die stehen vor uns und singen eben genauso wie ein Männergesangsverein singt. Flotte Sprüche zwischendurch, Maßregelungen. Zarte Stimmgewalt. Und daneben zapft seelenruhig eine schöne Dame in rot-flatterndem Gewand und kerzengrader Haltung Bier, das sie schon mal rüberreicht, griffbereit. Zuständig, anständig. Toll! Heute fließt alles. Der Honig in Strömen bei Rühls, die Tränen auf dem Friedhof, das goldene Bier in die Männerkehlen, die Töne wieder daraus. Verpassen werde ich den Auftritt demnächst. Sehr schade. Aber es ist halt wie’s is. Wenn man ständig as Gefühl, was zu verpassen, heißt es doch, dass das nicht stimmt mit dem „begrabenen Hund“ und dem „hinten-dran“. Schöner Abend, schöne Musik. Männerstimmen jenseits der Zeit. Nina findet, die könnten ruhig auch mal zwischendurch was Modernes singen oder was von Elvis oder so und nicht nuuuuuur über die Natur, also das alte Kulturgut. Ja, könnte witzig sein. Aber irgendwie ist es auch schön so wie es ist. Es könnt vor Hundert Jahren ähnlich geklungen haben.

24. 7. abends

Bei dem „fremden Land“ , in dem die Lehrerin zum Schimpfen ausgebildet worden war, soll es sich um die DDR gehandelt haben.

Der Garten der Frau Süss, hat keinen Kirschbaum. Nur Gebüsch. Ein poetischer Irrtum. Ich finde, jemand der Süss heißt, sollte einen Kirschbaum im Garten haben.

„In Windsbach is der Hund begraben“, agte der frühere Dirigent des Knabenchors, Karl-Friedrich Beringer einmal in einem Fernseh-Interview in den 80er Jahren.

„In Windsbach ist der Wurm drin“, sagt der Bommel.

Vielleicht ist ja der Wurm in dem Hund drin, der in Windsbach begraben ist.

Wo mag er begraben sein? (und gibt es nur einen? Einen einzigen Hund? Den Hund…)

Und seltsamerweise kommt man dauernd ins Gespräch auf dem Friedhof. Vielleicht weil man dünnhäutiger ist, vielleicht, weil es ruhiger ist um einen herum. Die Frau mit den weißen Locken hatte einen Strauß mit gelben Blumen in der Hand, darin ein Zweig lila Schmetterlingsflieder. Sie wolle nicht stören, aber ob ich von Windsbach sei oder neu hier. Die Frage rutschte ihr so raus, als sie an meiner Bank vorbeiging und traf mich in meinem Augenblick in dem ich eigentlich mit etwas wundgescheuerter Seele rumsaß: Mein letzter Tag in der Stadt, zu der ich nicht wirklich gehöre, in die man eben mal eintauchen durfte, wie für ein paar Bahnen ins Waldstrandbad, Um mich all das pralle Leben, die schwirrenden Bienen, das goldgelbe Lebenselixier. Wurzeln schlagen aber darf halt nicht sein. Augen zu und weg.

Hab nicht stören gewollt. Und wollt nicht gestört werden. Und da steht die Frau mit dem Blumenstrauß und ich bin so dermaßen froh, dass mich jemand aus meinem Selbstmitleid holt, dass ich mich sagen hör: „Wollen Sie sich denn setzen?“

Das habe sie eigentlich nicht vorgehabt, sagt die Frau, aber setzt sich dann doch. Ich schlag das Heft, in das ich immer kritzel, zu. Es stellt sich heraus, so was ist ihr vertraut: Notizen macht sie sich selbst auch dauernd. Wann sie Migräne hat, wie viel Tabletten sie jeweils nimmt… auch anderes. Vielleicht schreibt sie gegen das Vergessen an?

Einer hat mal zu ihr gesagt „So a Gschmarre! Wer soll denn des lesen?“

Sie sagte: „Des is doch mir wurscht, ich schreib trotzdem!“ Großartige Antwort. Könnte das Motto dieses Blogs sein. Und deshalb weiß man auch nicht wo anfangen und wo aufhören zu notieren. Zum Beispiel, dass sie, die Frau Farina, grad mehrere Packen Ripple weitergereicht bekommen hatte von ihrem Nachbarn, dem Ernst (ob ich den kenn – so einen Bart hätt der… – und so absurd die Frage auch eigentlich ist, ich frag mich tatsächlich, ob ich diesen Ernst eventuell mal beim Stadtfest kennen gelernt haben mag? Ein rotgebräunter Mann, ja durchaus mit „so einem Bart“, ich erinnere mich daran, dass er von Tieren erzählt hatte, die er hielt und an einen guten Handschlag zum Abschied) Ja, durchaus Rippchen-Typ.

Die Rippla waren vom Halter, sagt sie.

Dass der jetzt Urlaub hat, sag ich.

Das erschüttert sie jetzt. Sie kauft ihre Wurst immer beim Halter, der ist ja gleich bei ihr um die Eck. Sie scheint regelrecht betrübt. Es schwingt die Angst mit, dass er vielleicht doch ganz zumacht – weil so viel zugemacht hat in der letzten Zeit! Ich frag sie, welchen Laden sie am meisten vermisst. Es ist der Schlecker. Der war wohl mal da, wo der NKD jetzt ist. Da hätte es alles gegeben, was sie braucht. (außer der Wurst, nehm ich mal an). Immerhin ist der verlorene Schlecker kein Windsbach-spezifisches Problem. Ich hatte auch mal einen bei mir gegenüber. Den vermisse ich auch.

Und der Halter… – wie lang der denn nun Urlaub mache, fragt sie. Das hatte ich mir aber nicht gemerkt, nur gelesen, dass er ab heut Urlaub macht. Ich frage mich, ob jener Ernst die Rippchen weggegeben hätte, wenn er gewußt hätte, dass der Halter jetzt Urlaub hat.

Eventuell mache er auch gar keinen Urlaub, mutmaßt die Frau, sondern renoviere nur, baue um. Und im Herbst mache er wieder auf.

„Erst im Herbst???“ – Und ich dachte, im Herbst mache er ganz zu. Aber das sag ich nicht. Was weiß denn ich?! Trotzdem sagt sie jetzt ganz leise, als hätte sie mich denken gehört, „Wenn der zu hat…! Dann wird’s schlimm!“

Allerdings kommt jetzt heraus, dass das Problem eines zuen Halter nicht nur Versorungstechnischer Natur sind, sondern auch damit zu tun hat, dass dann „die Leut, die da immer sitzen“, ihr Bier unten beim E-werk trinken, da wo der Gesangsverein ist. Das ist auch da, wo sie wohnt und das ist dann schon manchmal auch laut. Verstehe. Freue mich aber, dass die durchaus positiv spricht von den Leuten. Das seien alles ganz nette Männer. Nur halt manchmal laut. Sie ruft aber dann (in aller Freundschaft rüber „jetzt gebts halt a mal a Ruh!“.

Wir schweigen ein paar Momente lang. Eine Amsel fliegt über die Grabsteine hinweg, auf einem steht „Einfalt“, landet auf einem recht neuen Grab, das noch ein Holzkreuz hat. We—er, Georg steht drauf. Die Buchstaben zwischen „e“ und „e“ verdecken die Blumen, die so üppig darauf sind neben den zartgrünen Tujen, dass es die reinste Freude wär, wärs nicht ein trauriger Grund. Ruh ist.

Ob ich für eine Zeitung schreib, will die Frau jetzt wissen. „Nein…. Naja, manchmal schon, aber grad nicht.“ Eigentlich mach ich das Selbe wie sie. Notieren. Aber immer noch kann ich nicht anders und sag „Ich war doch jetzt einen Monat lang Stadtschreiberin in Windsbach. Ich schreib eine Art öffentliches Tagebuch, über das was ich so seh in Windsbach…“

„Ach Gott…!“ seufzt sie. „Windsbach… – Windsbach is hinten dru!“

Aha, wieder eine neue Beschreibung, die wohl besagen soll, dass hier nix los ist.

Dabei hier ist doch viel los. Alle zwei Wochen wird hier irgendwas gefeiert. Und seit das Waldstrandbad wieder offen hat sogar jeden Tag! Am hat der Männergesangsverein einen Auftritt , man kommt mit Leuten ins Gespräch auf Friedhöfen über Rippchenaustausch, den Urlaub des Halter – so was gibt’s in Berlin nicht. Und zuweilen singt der Knabenchor.

Da leuchten ihre Augen. Es kommt raus, dass sie früher im Internat die Knaben betreut hat. Sie hatte sich beworben, man hatte ihr geraten, das wär was für sie – auch wenn ihre damalige Vorgesetzte, die Rammensee, möglicherweise „a rechte Bissgurn“ sein würde. Sie war dann im Internat immer wieder angestellt zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Funktionen: Essen ausgegeben zum Beispiel. – Muss an den Tag der offenen Tür im Internat denken. Nudeln und Lachs gegessen. Der Duft von gemischtem Essen, der in der Luft lag – immer liegt die Summe aller Gerichte als Dunst in der Luft der Speisesälen der Schulen und hält sich bis hinaus in die Gänge. Das Lärmen, das Besteck-Klappern. An M. gedacht, der hier früher zur Schule ging. Was gabs damals zu essen? Gabs Tränen, weils nicht so schmeckt wie zuhause? Gabs viele Bissgurken? – ich möchte die Frau tausend Dinge fragen. Vielleicht kennt sie den M. ja. Das heißt: vielleicht kannte sie ihn.

Sie erzählt, dass sie neulich erst einen hübschen Jungen mit braunen Locken gefragt hätte „Bist Du a Chorle?“ Genickt habe er. Ein Chorknabe. Sie habe ein Auge dafür.

Braune Locken… – hatte der M. damals auch. Die Frau Farina sagt, als ich den Namen nenn „Jaaaa…“ – … den habe sie gekannt! Un das hier auf dem Friedhof! Herzklopfen. „Echt?“ Aber erzählen tut sie dann anderes. Zum Beispiel, dass 1912 die alte Dina die Jungs vor dem Feuer gerettet hätte. (ich weiß nicht genau, ob der Name der Hausmutter nun „Dina“, wie „Diana“ oder ob die Dame Tina hieß und mit fränkisch-weichem „D“ ausgesprochen wird). Sie erzählt von Kerzenstümpfen („Gab ja noch keine Elektrizität!“), die in die Suppe fielen und sofort schmolzen. Das hat man aber essen können. Und eben vom Feuer. Da habe die Dina ein Rauschen gehört in der Nacht, als sie ins Bett gehen hat wollen, dacht, es wär Wasser – es wurden gerade Wasserleitungen neu gemacht. Es raschelte, rauschte und knackte. Als sie die Tür öffnete, stand schon alles in Flammen, sie rannte zu den Knaben und weckte sie.

Viel hat sie erzählt. Vom Krieg, von der SS, die das Brückla sprengen wollte, aber ihr Vater und ein paar andere hätten es verhindert, indem sie die SS-Leute besoffen gemacht haben, bis die keine Lust mehr hatten das Brückla zu sprengen. Vom ukrainischen Kriegsgefangenen Ivan, der mit 16 Jahren nach Windsbach kam und dem Vater zugeteilt worden war („Sreinbauer, den nimmst Du!“), der gut aufgenommen worden war, vom Steinbauer, ihrem Vater, der sie in der Gefahr auf dem Rücken getragen hat, – und später einmal, längst erwachsen, mit seiner Familie zu Besuch kam. Nur so, auf einmal da, um der Familie Windsbach zu zeigen. Wo er im Krieg gewesen war. Mit sechzehn!   Der Ivan war ihr wichtig, das merkt man.

Ich hätte sie gerne nach Fotos gefragt, aber es war keine Zeit mehr.

Warum ist keine Zeit mehr?

Warum geht alles zu Ende?

Gehe beseelt und guter Dinge in Richtung Rühl. Und essen (letzter Versuch!) zum Dorschner.

24. Juli

Sitze vor Helmreich auf den Stufen. Es ist Ruhetag, aber es hat Internet. Die Auslage ist diesmal gänzlich leer. Wo sind die Pralinenschaukästchen hin? Liegt es am Ruhetag? Werden sie morgen gefüllt?Im Haus links daneben sitzen auch zwei (mutmaßliche) Nicht-WIndsbacher mit Handies und nutzen das Ansbacher-Freifunk-Netz. wenn die Glocke des einen Turms schlägt, hört man die des unteren wie ein Echo. die Stadtschreiberin braucht ein Büro! Lieber Bürgermeister…! –

Wobei die Stufen schon auch nicht schlecht sind. eben setzte sich kleines Kind in roter STeppveste daneben, das eigentlich in seinen Buggy gehört hätte, aber an der Hand des Vaters dahinstapfte – um sich dann im Handumdrehen neben mir auf die Stufe fallen zu lassen, um Platz zu greifen. es ist ein begehrtes Büro!

Raiffaisenauslage

Die Tage sind voller denn je. Dr heutige ist gefüllt mit tausen und abertausend Bienen. Bienen hinter der Garage der Rühls, Bienen in Plattenbauten, vier von acht Völkern, Rahmen an Rahmen… Was für ein Lebenskonzept!    den  Vormittag verbracht damit, den Rühlschen Bienen Honig zu stehlen  – unter Aufsicht von Ninas Eltern: Der Bienenflüsterer, dessen Seelenruhe jegliche Imkerschutzkleidung ad absurdum führt. Die grande dame, selbst Königinnengleich, neben der ich die Wachsschichten im Akkord abzukratzen versuchte (viel zu langsam, nie so flink wie sie!). daneben rann der Honig in Strömen aus der Schleuder. Er tropft von den HÄnden, er sitzt in der Nase und er klebt in der Aufhangschale, auf der die Waben gesteckt sind, vermengt mit den Wachsschuppen (sehr sinnlichs Handwerk) – Darin auch – süßer Tod! –  einige der mitgefangener Bienen, die man nicht in die Freiheit entlassen darf, weil sie Alarm schlagen würden, den Kolleginnen melden würde, was da vor sich geht hinter den Büros des Textilkaufhauses Rühl. Würden dann alle anderen kommen? empört und voll Wut? – Lerne hier DInge, von denen ich keine Ahnung habe. War jetzt doch froh, den Vortrag beim Imkerfest damals gehört zu haben. steht man wenigstens nicht ganz dumm da.

23. Juli

Die Tage sind voller denn je, weiß gar nicht wo anfangen. Um nicht zu vergessen, werde ich wieder in den Notate-Modus verfallen. Mag es Sinn ergeben oder auch nicht.

Der Laden des Hofmockel steht leer. Schichten von Packpapier verhüllen hauchdünn das Schaufenster.

Max Rüb bestand seine Lehrprüfung mit 96 von 100 Punkten.

“Im Garten einer Frau Süß wächst ein Kirschenbaum….” (vergessen, was mit dem selbigen war)

“Der kleine und der große Ibi wohnen hinter dem Haus der Hexe.” (nur gehört, ich weiß nicht ob es stimmt)

Da solls eine Lehrerin geben, “die hat einen Pickel in der Mitte der Stirn – wie eine Chinesin! Sie wurde in einem fremden Land – man wusste nicht zu sagen, welchem – darin unterrichtet, Kinder zu schimpfen”.

(auch hier weiß ich es nur vom Hörensagen. aber ich glaube, dass es wird Zeit dass es Ferien gibt.)

Vor den Garagentoren des Sargbauers verrät der geöffnete Kombi, dass ein Sarg benötigt wird.

In der Gottesruhkapelle war eine Hochzeit, Tauben flogen, in der Predigt war viel die Rede von “was tun, damit es nicht schief geht” und ein Fotograf blitzte oft. (aber ich bin nur neidisch, weil mein eigener Fotoaparat prompt ohne Akku war).  zauberhaftes weißes Kleid, schönes Paar.  – Nina Rühl sang von der Empore  aus vollem Hals und Herzen und und bekam drei mal Applaus – in der Kirche!   Sehr sehr schöner Tag.

22. Juli

Bad am Abend sehr schön. Alte Fotos an den hölzernen Umkleiden. Kann man gucken ob man sich selbst darauf findet als Kind – wenn man als Kind hier badete. lange Bahn hin und zurück. 18 Uhr ist Schluß mit Baden. Den Kindern wird es erklärt, das gleich “echte Musik” gespielt wird im Biergartenbereich. Ratlose Blicke, was das eine mit dem anderen zu tun habe. weil die Band – es sind die Querblexer – live spielt. Und wenn man live spielt braucht man das tobene Leben um sich herum und nicht im (ungekachelten) Wasser! Es dauerte aber dann doch ein bißchen und als “Vorgruppe” zu den Querblexern tönten dann doch erstmal Konserven-Schager aus den Lautsprechern. Berechtigte Irritation von Jonas (Sohn Nummer zwei der Nina) und dann schließlich nach längerem Grübeln die Frage: “Tritt gerade Helene Fischer im Waldstrandbad auf?”

Sollte sie vielleicht. Und sie solte es auch tun wie bei der gestrigen Eröffnung der Knabenchor. in voller Montur ins Wasser hüpfen. (viel besserer Programmpunkt als der Gedanke mit dem Wasserballet). Mut zum Baden gehen.

21. Juli Nachmittags

Endlich das Bad! Schön geworden. Hatte  mir das Wasser immer dunkel vorgestellt, aber es wirkt hell. graugrün? dunkelblau-braun. Weich ist es. – Meinem Freund in Berlin versucht, die Vorzüge des Waldstrandbades zu erläutern am Telefon, was nicht gelang. Für 5 Millionen hätte man es doch wohl auch noch kacheln können, mente er. – Es ist mir nicht gelungen ihm zu verstehen zu geben, dass gerade das das Tolle ist.

21. Juli später in der Früh.

Es fehlt diesmal eine Mission. Ich bin ja jetzt hier zu Besuch und nicht um zu schreiben. Bekam aber folgende: Den Rühl-Sohn von der Volksschule abholen, Jakob, 2. Klasse. Schulschluß 11:15.  Die Zeit, um vormittags noch schnell das neue Waldstrandbad zu sehen, war zu knapp. Will die Mission nicht gefährden. Deshalb zunächst im Stadtcafe Tee getrunken und geschrieben. Der “alte” Earl Grey Tee ginge zur Neige, sagte man, man hätte jetzt einen neuen Sortiment, aber ich bekam dann doch den altbewährten Tee. SOnne brennt und blendet. ich weiß gar nicht wo diese Schule sein soll. kenne ja nur Internat und Bach Gymnasium. Am Ende folgt man wieder Google Maps, wie damals auf der Suche nach der Bücherei und steht vor einem Kindergarten. Schule dann aber viel zu schnell gefunden. Die Allee hinauf und hinab gegangen. Aus der Stadthalle strömen singende Jungs. wahrscheinlich die Knaben. einer summt, einer singt etwas knödelig, andere zücken die Handies, machen Brotzeit, einer glotzt mich an, weil ich auf der Bank sitzt wie bestellt und nicht abgeholt. oder wie Groopie. irgendwann kommt ein Bus und weg sind sie. noch eine halbe Stunde bis Schulschluß. In den Schaukästen auf dem Platz vor der Stadthalle hängen Stadtinformationen. die Bestenliste des Skatvereins. Die freiwillige Feuerwehr sucht Leute. Beeindruckendes Plakat, das drei Feuerwehrleute zeigt die einem unheilvollen Sturm (mit fiesem wolkig-gebaLltem Gesicht) entgegenstarren,  man sieht sie von hinten, der Mittlere stützt beide Arme in die Hüften wirkt etwas entrüstet angesichts dessen, was da bevorsteht, der Rechte sieht aus, als wäre ihm schon etwas mulmig und der Linke weist unnötigerweise und ein bißchen zu demonstrativ daraufhin aus welcher Richtung die Gefahr kommt: Obacht, da ist der Sturm. Die Botschaft lautet: Wenn die Gefahr kommt, sind wir bereit. Komm hilf mit.

Es kommt keine Gefahr. Aber wann kommt der Sohn? Ich war doch bereit?

Ihn in letzter Minute noch gesehen, wie er zur hintertür hinaus lief und vergessen hatte, dass ihn doch der Besuch hatte abholen sollen. Später Venetia-Eisdiele – und durch mehrere Wirtschaften gegangen, da als Hausaufgabe ein Auto aus Karton zu bauen ist und für die Räder Bierdeckel von Nöten sind. Beim Helios gabs nur eckige, in der Venetia-Eisdiele zwar runde, aber abzugeben bereit war man nur eines. Im Stadtcafe gab es genug, leider entpuppten sie sich später als oval. – Warum brauche immer eine Mission?

Angekommen. Den letzten Zug hätte ich nicht mehr erwischt, denn der Bus war natürlich spät. Froh gewesen, nun doch abgeholt zu werden. die Fahrt über Umwegen, damit das Kind auf dem Rücksitz in Schlaf fällt. Es fiel. während immer noch dämmrige Lichtstreifen den Nachhimmel durchwirkten. Einhgefahren über Reuth. Wiedre da. Jedesmal egal von weöcher Richtung man kommt, sind da Banner gespannt, die für ortsansässige Banken werben. Irritation darüber, ob Sparkasse , ob Raiffeisenbank. wechseln die sich dauern ab? sind die verschiedenen Wege jeweils in Händen der einen oder anderen? Gibt es ein rotierendes System, oder gar  einen Kleinkrieg bei dem vielleicht die Mitarbeiter der Sparkasse heimlich die Fahne der Raiffeisenbank (und umgekehrt) stehlen und dann ihre eigene hissen? – Nur Mutmaßungen!!! keine Realität. Aber ich hätte im Mai damals schon (in dem Monat in dem Ähnliches mit dem Schmuck der Maibäume zu passieren pflegt) schwören können an einem Tag unter dem Sparkassenrot hinurch gefahren zu sein, am anderen unter dem Raiffeisen-Blau-Orange. – Unwichtig. Wichtig ist, ich bin da. Wohne bei NIna Rühl und habe es nicht verhindern können, dass deren Jungs mir ihr Hochbett geräumt haben. scheint aber willkommene Gelegenheit zu sein, dass die ganze Familie Bettenlager in Ninas Schlafzimmer hält. Das BIld begleitete mich in den Traum und vermischte sich mit der Schaufenster-Werbung des Rühlschen Ladens. Das Wie-Neu-Gefühl. Besser als das coole Neu-Gefühl-Model gefällt mir aber das Bild von Nina selbst mit dem Kissen in der Hand. Noch-Neuer-Gefühl. Gold-Marie… Maria-Nina. Gestern noch lange gesessen und obwohl in der Dunkelheit nach dem nächstbesten nicht ganz trockenen Holzscheit gegriffen, trotzdem ein Feuer anbekommen fast ohne Papier. Es ist beinahe wie ein Anknüpfen gewesen an den letzten Abend hier. Heute früh auf der Sitzbank gesessen zum Familienfrühstück mit Brötchen aus dem Stadtcafe, Honig von den Bienen des Vaters. Das Wohnzimmner war früher der Nähraum.

ruehlladendamals

wieneugefuehl

20. Juli. Sitze im Flixbus und fahre durch den Regen in Richtung Nürnberg. Schreiben wollen, aber man braucht dazu nicht nur die Finger auf den Tasten, sondern auch Ellenbogenfreiheit. Aber natürlich sitzt man wieder beengt. Anderer Aufbruch als das letztemal. Beziehung mit Freund fühlt sich jetzt so glücklich an, dass es nicht nötig schien, dies zu erwähnen. Es geht voran. müsste auf Hof zugehen. Und prompt geht es doch nicht voran. HIneinrollen in den Stau. LKW-Kolonne voraus regt sich nicht. Im Stehen kann man das Radio plötzlich hörn – Forever young – I want to be forever young… und die Sirenen der Rettungsautos oder Polizei… – Es war schon von vielen Unfällen die Rede. um einen Staz ui vermeiden fuhr der Bus von der Strecke an und bereits in der Kurve stand ein weiteres Auto –  eingedellter Kühler, aus dem ein Poller rauszuwachsen schien. Frustriertes Päärchen saß dennoch darinn und wartete auf die Polizei. morgen übermorgen und den Tag drauf soll das Waldbad immer noch eingeweihz werden. Frage mich, was man da vier Tage lang feiert! Stelle mir Wasserballett vor wie aus 50er Jahre-Hollywoodfilmen, dann Dankesregen, weiteres Wasserballett. Hats geregtnet? Macht es was, wenns im Schwimmbad regnet? Werden die Reden in Badehosen gehalten?

Ich hätte gestern schon fahren sollen, Wird heute nicht offiziell das Waldbad eingeweiht? Wäre gerne dabei gewesen, aber hatte den Geburtstag des Freundes ausklingen lassen wollen, der Tagsüber stattfand (auf Dampfer über Spree und Müggelsee mit Eltern des Freundes und Oma ebenfalls des Freundes – ich hab keine Omas mehr. So jetzt hat der Bus sogar den Motor abgestellt. “Da vorne ist Unfall. Musst Du warten. weiß nicht wie lange, weißt Du!”, sagt er per Mikro. Pole ist er und geht jetzt erstmal raus, eine rauchen. Jetzt wollen natürlich alle raus und rauchen, klar. und das Radioprpgramm wird immer schlechter.

jetzt darf man doch raus. immer drei Personen auf einmal. es war nur die Rede von Rauchern. ungerechte Maßnahme.

19. Juli. Sechs Stunden auf dem Wasser und kein Entkommen. Spree. Müggelsee.

18. Juli.  Das Fesselballon-Fahren ist mir zu ungewiss. Mein Motorrad ist wohl noch unpässlich… aber ich habe gestern abend einen Flixbus gebucht nach Nürnberg (also einen Platz darin…). Windsbach wieder aus der Nähe sehen!!!

15. Juli. Heute seit langem erstmals wieder vom Fliegen geträumt. nicht der bevorzugten Flugart (starke aber dennoch unangestrengt leichte Bewegung der Arme, die einen die Luft zerteilen läßt,  man schießt durch Wolken empor, kann sich fallen lassen, rudert weider ein wenig und wird wieder in die Höhe katapultiert). diesmal flog ich in einem Korb, der anfangs an einem Fesselballon hing – wenn ich nach oben sah, sah ich den Himmel nicht, sondern nur das Tiefblau des Ballons, der verknotet war wie ein Geburtstagsluftballon. es waren noch andere Leute im Korb, die sich einsangen, oder Stimmübungen machten. es störte ein wenig, denn sie sangen nicht alle wirklich schön. Ich wollte runter. Jemand knotete den Ballon auf, was extrem umständlich war. die Sänger waren jetzt eingestimmt und beschwerten sich, weil die entweichende Luft die Musik stören würde. da wurde es still, alle klatschten. die Ruhe kam aber daher, dass man den Ballon ausgelassen hatte, er flog davon und war jetzt rosa. wir stürzten nicht direkt in die Tife, es war eher ein freier Fall in Zeitlupe, sehr sanft und nicht unmusikalisch. ein dahinsegeln. die MÄnner sangen mit Kinderstimmen. sofort nach dem Aufwachen gewußt, dass das die Windsbacher Knaben gewesen sein mussten. (Im Traum allerdings dachte ich die ganze Zeit: Idioten, singt endlich oder laßt es ganz!).  Aufgekommen auf den Steinstufen im garten der Us… jetzt auch gewusst, warum die da sind und warum sie ins nichts führen. wie könnte man sonst dort landen?

Was mag das Projekt “WIndsbacher Mauersegler”  machen?

Morgens beim Frühstück fiel mir plötzlich der Lechner ein, der mir mal von dem berühmten Windsbacher Puppentheater erzählt hatte. – gar nicht mehr rausgekommen war er aus dem Schwärmen. Namentlich eine Inszeneirung von Mozarts “Zauberflöte” soll unglaublich schön gewesen sein, so poetisch, dass keine echte Opernaufführung jemals hätte mithalten können. Die drei Knaben, die da (hab nie ganz verstanden, was genau deren Funktion ist im Stück!) manchmal mit Fessel-Ballon durch die Handlung schweben und das Ganze von oben kommentierend wie ein griechischer Chor in der antiken Trgödie, ihren moralischen Senf dazu geben, waren in der Puppentheater-version vom Knabenchor gesungen, von einzelnen Stimmen. Wann mag das gewesen sein? Damals, als M. noch im Chor sang?

13. Juli

Heute an Herrn W. gedacht – den Herrn mit dem Rolator, der einen Sommerhut hatte kaufen wollen aber dann zu langsam war und die Öffnungszeit des NKD verpasst hatte und den mich dann zu den “Batscherten” im Seniorenheim Phönix eingeladen hatte.

Heute in Berlin eine Begegnung gehabt – ganz anders, längst nicht so persönlich, aber doch sehr berührend. auf der Boxhagener Straße in der Höhe “meines” Kopierladens sprach mich ein alter Mann an, der die Hausnummer 79 suchte. er schien ganz gut zu Fuß zu sein, sah eher wie 60 aus, war aber schon 80… – und wollte seine Eltern besuchen. es gab aber keine Nummer 79. 76-79 sind Bürolofts, ein Lidl, ein ehemaliger Schlecker, der leer steht, ein Imbiss, ein (natürlich!) veganes Cafe… er war fassungslos, dass das Haus nicht mehr da war. Er wüsste nun langsam nun gar nichts mehr…  Das unglaubliche an der Sache schien ihm immer zu sein, dass es ja zwei Boxhagener Straßen gäbe: eine im Osten und eine im Westen. “Ganz sicher???” fragte ich obwohl ich weiß, dass es nur eine gibt: ehemals Ost-Berlin jetzt – na ja, halt Bundeshauptstadt-Berlin.

“Also Westen?” Ob er jetzt in der Boxhagener Straße im Westen sei?

“Na ja, wie man es nimmt.”

Er sei ja aus dem Osten. Aus der Boxhagener Straße, Ecke Lenbach Straße. “Nähe großer Bahnhof… Na….” er käme gerade nicht auf den Namen, aber das bedeute nichts, seinen eigenen wüsste er im Moment auch nicht.

“Ostkreuz?” – der Name des Bahnhofs.

“Ja, genau…” Sein Blick hellte sich auf. Das sei die Boxhagener Straße, die er meine.

Dann sei er in der richtigen Straße, der richtigen Boxhagener Straße. auch in der richtigen Höhe. Dummerweise gäbe es halt sien Haus nicht mehr. – Das bezweifelte er. Er vermutete doch im West-Teil der Stadt gelandet zu sein. ich zeigte auf das kleine Cafe. Ob er das Haus wiedererkenne? Früher war es mal ein Schuster gewesen. ein winziger Laden, vielleicht ehemals nur eine Art Pförtnerkabine eines Betriebes. Noch nicht so lange her, dass da das alte ostige Schuh-Reparatur-Schild hing. mit der handgemalten Schustersilhuette. Wir setzten uns kurz auf die großzügigen Euro-Paletten-Design-Sessel.

Aber auch an den alten Laden hatte er keine Erinnerung. Da bliebe  ihm wohl nichts anderes übrig, als noch nach drüben zu gehen, die andere Boxhagener Straße suchen. Aber das ginge eigentlich über seine Kräfte. – nicht weinerlich klang er, nicht gejammert hat er. nur verwundert: darüber, dass es zwei Straßen gibt und darüber, dass er so verloren gehen konnte in der Stadt. “Es ist ja aber auch verwirrend….” wollte ich ihn trösten. “ja!”, stimmt er zu: Und unpraktisch angelegt! In der Boxhagener Straße des Westens gäbe es ja auch eine angrenzende Lenbachstraße, beinahe in gleicher Höhe, in gleichem Winkel! Das sei ja der Wahnsinn.

Der Wahnsinn, der vielleicht gar nicht so weit weg ist von der Wahrheit. Der Wahnsinn, der sich überlagernden Zeiten. Man kann im Raum herumirren, Stadtpläne falsch herum halten, in falsche Richtungen gehen, man kann aber auch in der Zeit verloren gehen. temporale Odysseen. Auf der Suche nach Punktereignissen. Vielleicht ist es deshalb meine Obsession geworden, neue Häuser zu alten zu animieren.

Der Mann hatte ein Post-it in der Tasche mit seiner Adresse und einer Telefonnummer. “betreute Senioren-WG”, Mein Anruf wurde mit Seufzem hingenommen und man sagte, dass ich Herrn A. (“unser Ausreißer”), ein Taxi rufen solle, das bezahle man dort. Als er davon fuhr, musste ich an Herrn W. denken. In keinen Städten gibt es weniger Straßen, es ist überschaubarer. Man kann mal auf einen Sprung mitgehen ins “Phönix”. In Berlin sitzt man in einem veganen ehemaligen Schusterreiladen und fühlt sich plötzlich selbst so verloren.

Als er ins Taxi stieg, hörte ich mich plötzlich “Ade” sagen. In Franken sagt man das schon mal so. wenn man es in Berlin sagt, klingt es entrückt, wie aus ferner Zeit.

10. Juli

Und hier ist sie nun, die ehemalige Schmiede… Die Fotos sind dann ab demnächst auf dem Weg zurück nach W.  – und ich vielleicht auch demnächst… einstweilen warte ich aber noch auf mein Motorrad, das noch im Urlaub ist unterwegs mit dem ADAC…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                

5. Juli

Mit der Tochter meine Windsbach-Fotos durchgesehen. Staunen über Aussicht vom Turm, über “kein Buchladen?”. An diesem Foto blieb sie hängen: ob ich wüsse was es heißt. “Hi” kannte ich. “Wie geht’s Dir?” nicht. “Hab Dich lieb!” schon. wo der Botschaftsstein genau sitzt, hatte ich bereits vergessen. Irgendwo im Umkreis der Brücke, glaube ich. Hat die Liebe angehalten? Wie geht es jetzt?

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Heute kam Post aus W. ein Brief mit Fotofunden! Schöne Überraschung. zwei alte Fotos der Schmiede, eins mit Kindern davor und älterem Mann, eins ganz ohne Menschen. Nur das Haus. Schönes Gebäude. Meist sind auf den alten Fotos immer Leute, denen man ansieht, dass fotografiert werden etwas Besonderes ist. sie sehen wie hypnotisiert in die Kamera, Möglichst viele wollen aufs Bild. Fast immer guckt irgendwer aus einem Fenster. Der sich anbahnende Augenblick des Auslösens… auf Papier gebannt, silbernitratversetzt… – Diese Art zu blicken ist verloren gegangen im Zeitalter der digitalen Fotographie und der Inflation der Selfies.

ich mag die alte Schmiede. Etwas herber als die süßeren Fachwerkhäuschen rundum. Solider. eher eine Art Stadthaus. war auch eins der ersten Häuser, die mir gezeigt wurden (damals von den drei Mädchen, die mich in der Eisdiele ansprachen, “Da wohnen wir!” jedenfalls zwei von den dreien). Die ehemaligen Besitzer des Hauses wiederum traf ich beim Stadtfest, als ich die kleinen Trickfilm-Verwandlungen an die Wand des Rentamtkellers warf. eben auch die Schmiede. die Warschkes versprachen mehr Bilder – das hatte ich schon vergessen! Und nun kamen sie mit der Post. Auf einem steht die Adresse des Ladens, der den Abzug gemacht hat: Otto Spicza aus Hannover-Nord, An der Autobahn 6.  Fern-Ruf 60267 – seltsame Adresse. wer wohnt an der Autobahn? Kann man immernoch fern-rufen? wie kam es, dass die Windsbacher Schmiede in Hannover an der Autobahn entwickelt wurde? – Andererseits:  nun liegen sie in Berlin-Lichtenberg auf meinem Schreibtisch. Und Die Warschkes haben ihren Namen darauf geschrieben. Spuren der Reise, das haben sie den Jpgs und PDFs voraus.

Liebe Warschkes, Keine Angst! BIlder gut angekommen! Scanne und bearbeite sie demnächst und schicke sie dann zurück! Auch die Postkarten, auf denen Windsbach aussieht wie die Location für einen 50er Jahre-Film, und das, auf dem die Hauptstraße wie leergefegt aussieht. geisterhaft wie auf Google Earth.

3. Juli

Heute gibt es beim Dorschner einen Vortrag der Grünen über “Plastik ist Müll”. Ich würd hingehen! Wenn ich da wäre. Das einmonatige Leben in einem umweltbewußten Haushalt hat ein bißchen abgefärbt. oder hatte. Kaum im Urlaub  allerdings, mit wie Hölle stinkender Honda, griff ich dann doch wieder nach den Plastikflaschen, statt nach den gläsernen, und nach den Capri-SOnnen, die immer noch ein bißchen nach Kindheit schmecken und die beim Rucksackschleppen weniger ins Gewicht fallen  (na ja, zur Strafe ist der Rucksack ja dann trotzdem geplatzt!). Zur Wiedergutmachung sei hier aber der Aufruf weiter gegeben: Windsbacher, geht zum Vortrag!

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PS

Aber über den Titel PLASTIK  IST MÜLL stolpere ich trotzdem. Plastik ist ja schließlich auch… Na ja… eben Plastik. Gibt man das Wort bei Google ein, erhält man in ungefähr dieser Reihenfolge: Bilder von Sprengsätzen, Acrylglas-Art. und vollbusigen Stauten aus Stein. Plastik scheint in erster Linie nicht Plastik zu sein, sondern explosiv, steinern, aus Ton. Selbst das abschrecken wollende Bild auf dem Flyer der Grünen sieht übrigens beinahe etwas nach Kunst aus. Oder eben Müll. Die Frage liegt auf der Zunge: Ist das Kunst oder kann das weg? oder ist einfach alles, was wir so von uns geben in irgendeiner Weise, irgendwann auf lange Sicht: Müll. Ausstoß, Abgas, Schrott. Das Leben ein einziger großer und nicht immer schöner Stoffwechsel, und der/die/das Plastik der Sand im Getriebe, ein Hauch von bitterer, verhängnisvoller Ewigkeit.

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1.Juli

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… hatte gedacht, es ist der Berg, der ruft. Aber auch Bäder rufen. Nun ist es also doch noch fertig geworden. Und der Regen füllt es bis an den Rand. Die “in der Fremde wohnende” Stadtschreiberin fühlt sich gerufen und wird sich das BAden in Berliner Stadtbädern, Brandenburgischen Seen und Badeanstalten versagen in Erwartung eines Combacks. Der Rest ist Wehmut und ein wenig Wasser unter der Brücke.

30.6.

“Windsbach aus der Ferne” ist ein Sehnsuchtsort geworden. Schwirig zu schreiben über das, was plötzlich so entrückt scheint. Wenn man da ist, weiß man nicht “wo aufhören mit Schreiben”, sobald man weg ist, nicht “wie anfangen”. Wie spinnt sich der rote Faden weiter? Wie hält die Verbindung? MAn kann sich Fotos schicken lassen. Man kann sogar bei der evangelischen Kirche die aktuelle Predigt abrufen. als Online-File oder Datenträger. eigentlich sehr großzügig, dass man dann einen Gratis-Datenträger bekommt. Schlicker auf USB-STick hören. Man trägt auch selbst seine Assoziationen mit sich herum. Erinnerungen blitzen auf. da geht einem der Reißverschluss des Super-Rucksacks kaputt und alles fällt raus – an den Frank von Helu-Kabel gedacht, der den selben hat und man hatte noch darüber gerdet wie genial und stabil die Dinger sind. Und dann bei MotorradCamping-Tour! ). ANsonsten läßt man sich berichten, anstatt es selbst zu tun:

Das Kellerfest soll toll gewesen sein, sagte man mir, stelle mir lange geplante Ausgelassenheit vor zwischen den Bäumen, oberhalb der Keller (auch darin???), Gesangsvereinigte Stimmen in der Natur, Duft von Süßwaren, Grillgut, Holzhütten, Wald und Wiese und irgendwann Bierdunst, nächtliche Besäufnisse. All die Üblichkeiten (und Übelkeiten), die es an solchen Festen eben gibt. das Besondere liegt im Detail – und das Detail, die Wirklichkeit habe ich verpasst. Pech. (ich hörte der Bommel soll seinem Bruder die  Leviten gelesen haben). Darunter wiederum kann ich mir konkreter was vorstellen.)

27.6.  Bücherei will keine Lesung . Mist. Blöd. Da wär kein Pubilkum. Andererseits: ich bin ja auch nicht da.

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[…] die Stadt liegt hinter mir. “Windsbach aus der Ferne” (das Foto stammt aus dem Fotoalbum der Rühls, zusammengetragen von Karl Rühl) trifft das Gefühl ganz gut.  Ferne Zeit, ferner Ort (bin jetzt am Bodensee, würde aber am liebsten umdrehen und zurück. Einstweilen sind es halt Gedanken von unterwegs, und keine Beobachtungen vorort.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt ist ein Foto von 1860-und-noch-was aufgetaucht (so geht das Gerücht), leider habe ich es noch nicht gesehen, daher warte ich noch mit der wahrscheinlich wieder mal fälligen Richtigstellung. Übrigens hat sich auch das Stadtbuch als etwas jünger herausgestellt, als vermutet von seiten des Bürgermeisters. es beginnt mit der Verleihung des Stadtwappens ca. 16Hundet und noch was durch Joachim Ernst von Brandenburg…. es dauete etwas bis ich den Namen “Ernst” entzifferte.Der Lechner bestätigte es dann: das Stadtbuch beginnt mit der Verleihung des Stadtwappens und somit ist es von 16nochwas. … – Fakten. Momentan sind es historische Fakten, die mich von Windsbach erzählen lassen, aber ein anderer Fakt ist: ich bin gar nicht mehr da. EIn Monat volle Kanne Leben und plötzlich ist man weg, hat ausgedient und macht sich  auf und davon.

Jetzt sitz ich in Friedrichshafen fest und denke, ich hätt lieber in W. bleiben sollen. die schwäbischen Motorradwerkstätten sind halt… schwäbische. den Baumeister schmerzlich vermisst… – und dann auch angerufen. da weiß man halt dann, dass einer den Vergaser auch kennt und genau weiß, wie es im Inneren der Honda aussieht. Und das ist ja nur das eine: das Innere der Honda. Und meins? ich hab noch eine Woche Ferien, wollte eigentlich weit, mit dem Freund nach Italien. Jetzt denke ich, ich wär lieber in Windsbach geblieben, wo es Motorradwerkstätten gibt, die Bescheid wissen und ein Kellerfest veranstalten (nicht die Werkstätten) und wo es ein gratis Internet am NKD und einen Earl Grey im Stadtcafe und und..

Am Freund liegts nicht. Der erschien pünktlich und zu allem bereit. Aber mein Motorrad geht gerade kaputt. nicht weiter können, macht einen Nachdenken darüber, ob man nicht manchmal einfach da bleiben soll, wo man gerade ist. Musste an die Musiker denken von “Kleiber und Burr”, die eine Autopanne hatten. Ihr Auto rollte gerade dahin wo sie auch hin mussten: mach Windsbach, zum Turm, ein Konzert geben. Man kann fluchen, weil es so viel Geld kostet, das Fahrzeug zu reparieren, oder man kann es gut sein lassen und sagen: Bleib ich halt hier!

Schon mein Aufbruch war seltsam. Es schien  Zeit zu sein. Gastfreundschaft soll man nicht übertrapatzieren. Los. In letzter Minute war mir aber der Gedanke gekommen, etwas verpasst zu haben, etwas vergessen zu haben. Hatte an das Konzert gedacht, die Klezmer-Band in Neuendettelsau, gleich zu Anfangs meiner Zeit: das alte Paar, das ich sah im Luther-Saal, die mir so vertraut vorekommen waren und dann doch nicht — oder doch?

Die Taschen hatte ich schon gepackt, das Motorrad war (stundenlang) beladen und verschnürt worden, ich war schon fast auf dem Weg, da hatte es mir doch keine Ruhe gelassen: und es ist ja so einfach: Teleauskunft. Google blablabla…

Stellte sich heraus, dass mein alter Pfarrer tatsächlich in Neuendettelsau gelandet ist. wohlverdienter Ruhestand. eine Stimme antwortete “Ja?!”, als ich anrief (“Sind sie der…, der sie sind?”) – es stellte sich heraus, dass es sich bei dem Pfarrer tatsächlich um den Pfarrer meiner Kindheit handelte – leider erinnerte er sich aber nicht an mich.  – schon blöd: da war man (angeblich!) mal die schönste Maria im Krippenspiel, aber ist schon vergessen.  egal. seltsamerweise, ein sehr schönes Gespräch geführt. Besuch in N. Gebäck gekauft. In letzter Minute noch die EIngabe gehabt: bring dem Pfarrer ein “Luther-Bier” mit. das vom Lechner. war auch freudig angenommen worden. “sowas, ein Lutherbier!” – so war der ganze Nachmittag gewesen. Vertrautes – ohne einen Schimme rzu habem, was einen verband. das tröstet. das schmerzt. Sehr nah, sehr innig. und trotzdem auch an einenander vorbei. denn ich war ja eigentlich “niemand” obwohl der Pfarrer nicht wissen konnte, wie wichtig seine Famile mal gewesen war, als ich klein war. Als wäre man ein unbeschriebenes Blatt – aber unbeschriebene Blätter sind gut. vielleicht ist das das Gute am “Weit-Weg-Sein”: jede Menge unbeschriebener  Blätter, Entdeckungen zu machen, Blätter zu füllen… Beim Pfarrer G. waren dessen Enkel  interessiert an meinem Motorrad, aber dann doch enttäusht, weil es es nicht so schick war, wie  es hätte sein sollen (was mich freilich dann doch auf irgendeiner unerwachsenen Ebene kränkte) – dann die Gespräche. Ich immer in Erinnerungen versunken – er in eigenen. manche trafen sich. Und dann – jenseits des Who-Is-Who? ein angenehmes Interesse aneinander, egal wer man ist oder mal war.

[…]

Traurige Erkenntnis, dass der Junge, den ich kannte, der mal bei den Sängerknaben war,  tot ist. hatte es mir schon gedacht, die konkrete Gewissheit ist dennoch ein Schlag. Was mich mal hier her gezogen hatte,  ist also aus und vorbei. Das macht aber trotz und alledem nichts. ich bin hier. ich war hier. ich wäre gerne wieder hier…

Es wird zur Passion, alte Fotos nachzustellen. (Dank der Rühlschen Fotoalben und eines noch älteren Fotos, das der Filmemacher Lassmann mir zukommen ließ. 1894! wahrscheinlich ältestes Stadtbild Windsbachs. Man sieht wie die Straße vor dem- Rathaus gepflastert wird. (wo doch nur ein paar Jahrzehnte zuvor der durchreisende Goethe das Windsbacher Pflaster explizit in seinem Tagebuch erwähnte als “leidlich”!) Ich hatte schon am Morgen nach dem Stadtfest das Foto neu aufnehmen wollen, aber da war noch alles voller Büdchen, die genau da standen, wo ich hätte stehen müssen. Alter Mann (Stock, Hosenträger, viel Ruhe und Zeit) spatzierte in der Stadt herum. Immer wieder kreuzten sich die Wege (oder ich stand ihm im Weg rum wie mir die Büdchen). Betrachtete die Baustelle, vor dem Haus der Rühls, auch so ein Vorher-Nachher-Motiv. und fragte sich glaube ich was ich da dauernd fotografiere. als ich ihm mein Handy unter die Nase hielt (“1894! ist das nicht toll”), um ihm das Pflaster-Bild zu zeigen, muss ich leicht seltsam rübergekommen sein. Im SOnnenlicht sah man kaum das Foto. Vielleicht dachte er ich sei stolze Besitzerin eines historischen Mobilfunkgerätes aus dem 19. Jahrhundert.

Und da ist dieses Nest auf dem Schornstein des Rentamtes! Und das wo (laut U.)  das aktuelle Dach von heute ebenfalls von einem Storch auf der Durchreise besucht worden sein soll, möglicherweise einem auf Wohnungssuche…

frage mich immer noch was Goethe mit “leidlich” meinte. heißt das: “ich litt!” oder “ganz okay!”?MTQ5NzE5NTAwMTYwOC4zNTc3MDc5LjJlYjEzMzg5MTYxNzZjYWY2YjdmYzIzZDVlNzUyMmVhMjI4MzYzMzVAc3BpY2EudGVsZWtvbS5kZQ; jsessionid = 667A05FED62006E5C127822B1585EF8B-n1

Windsbach, Überblendet 1894-2017

15. 6.

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Altes Kassenbuch der Rühls sehen gedurft. Hohes schmales Buch, in dem in schwungvoller alter Schrift zu lesen ist, wer was wann gekauft hat.
Der Hofmockel „von hier“ bezahlte im April 10 Mark für einen Anzug, gewaschen und gebügelt. Im Mai eine Hose mit Bluse für 7 Mark und 10; ein andermal, ein Jahr drauf einen Anzug für seine Sohn in Nürnberg. Für die Frau einen Paletot. – Großartig dass das da vermerkt ist! Möchte jetzt auch immer solche Kaufbelege ausgestellt bekommen. Wenn man mal eine Steuerprüfung haben sollte, kann man gleichzeitig ein ganz kleines bißchen in Erinnerungen schwelgen zum Trost. – Handelte es sich beim Hofmockel um einen Vorfahren des Schusters von gegenüber? Der viel gepriesene, der jetzt leider schloß. Die Frau aus dem Haushaltsladen in Neuendettelsau, bei der ich einen Thermosbecher gekauft hatte (für den Sohn in Heidelberg) pries seine Reparaturkünste in so hohen Tönen und riet von anderen Läden ab, dass ich meine Motorradstiefel nicht in der Einkaufspassage ließ – geschweige denn nach Ansbach fuhr, und die Schuhe wieder mit nach W. nahm– obwohl ich ja eigentlich wusste, dass der Schuhladen schon geschlossen haben muss. Die Frau wollt das nicht glauben und da wollte ich es auch nicht mehr glauben. Leider aber doch wahr.

Auf einer anderen Seite im Rühlschen Buch steht von den Einkäufen der Familie Dörr aus Mitteleschenbach (3 Kochlöffel, Anzug, Krafatte, Kragen). Möglicherweise handelte es sich um die Tante der Frau aus Wolframs-Eschenbach, deren Haus in Mitteleschenbach einen Zugang zum Geheimgang gehabt haben soll. Wie schade, dass die Adresse nicht vermerkt ist. Aber Dörrs gibt es wohl viele.

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14. 6.

Der Tag nun wiederum war geballtes Leben. heiß und lebensfroh. hinter der Gottesruhkapelle wohnt die Kantorenfrau, die alte Frau Vogt. Schon der Dekan Schlicker hatte vor einiger Zeit geraten “Klingeln sie da ruhig mal”. Klingel aber bisher nicht gefunden gehabt, da ich immer von der Kapelle aus genHaus gegangen war, anstatt von der Straße aus.

Früher war das ein Haus für Leprakranke, das Siechenhaus. In noch früherer Zeit stand das Haus anders, oder es gab einen Anbau, der den “Siechen”, den Lepra-Kranken und anderen Insassen erlaubte  bis in die Gottesruhkapelle zu blicken. es schloß direkt an.Rein durften sie nicht, aber vom Tor aus am Fußende der Kapelle konnten sie aus der Ferne teilnehmen am Gottesdienst. (erklärte Herr Lechner mir mal). seltsame Konstellation.Da hatten die gesunden  die Augen der Quarantäne-Leute im Nacken. – wieder so ein Geanke, der in die letzte Nacht gepasst hätte. Fragte Frau V., ob es nicht seltsam sei, in einem ehemeligen “Siechenhaus” zu wohnen, aber das fand sie nicht. das Leben sei ja nun mal ein Siechtum… – aber das sagte sie derart lebensfroh und zufrieden, dass die Schauder der letzen Nacht weggewischt waren. Die V. wirkte seltsam vertraut. Hatte mir eingebildet, sie schon öfters gesehen zu haben, auf einem Traktor vorbeifahrend und lächelnd, mit Gartengerät auf einem Fahrrad, fröhlich, aber da hatte ich mich geirrt. vielleichts gibts mehr fröhliche alte Frauen in dieser Stadt. wenn ich mal so alt bin, wäre ich gerne so gelassen und freundlich. Frauengespräche.

Abends weitere am Lagerfeuer bei Nina Rühl. Sie meinte, beim nächsten Mal solle ich mir  von der V. erzählen lassen, wie es in früheren Jahren mit den Geburten gegangen sei. Sie hätte einmal so ein Gespräch mit Frau V. geführt und das sei absolut beglückend gewesen. der ganze Tag aber war eh ein Glücksfall. Luft – Erde – Feuer.  Der hohe Turm, die Weite, die Dächer, die Brezel im Ziegelwerk des Hauses, das mal eine Bäckerei war, das Wieder-Runter-Kommen, die weitgereiste Frau V. (bei einem Töpfer in die Lehre gegangen, der mehr Künstler gewesen sei als Handwerker, selber Künstlerseele, würde auch gut nach Worpswede passen, zierlich, lachfaltig, blitzend-blauäugig, in ihrem schönen Garten hinter der Kapelle angekommen… –   und dann abends das Lager-Feuer, die Einladung zu N. Tobendes Leben, tobende Kinder, in den Nachthimmel katapultiert dank Trampolin. Dahinschmelzende Marshmellows an Spießen. Kleiner Junge der so gerne einen Nashornkäfer als Haustier gehabt hätte, die Finger nicht lassen konnte von dem fliehenden Tier, aber dann doch gehorchte. herzzerreißendes Dilemma. Kinder in Betten. Dann zurück ans Lagerfeuer bis spät in die Nacht hinein.

“Wie-Neu-Gefühl”.

13. 6.

Halb drei Uhr nachts im Garten der Us. Wunderschöner improvisierter Abend. Ein Umtrunk endet. Bier auf Wein. Meine Zeit ist fast rum, deshalb der Umtrunk. Umtrunk. Unglaubliches Wort, wenn man es mehrfach hintereinander ausspricht (oder zu so später Stunde aufschreibt), verliert es jeden Sinn – und wird zum gurgelnden Schlund in den man stürzt. Die Zeit ist um. Die umme Zeit. Kein Wurmloch weit… kein Anti-Brumm… und breit. Mit den spätesten Gästen noch lange gesessen und Schaudergeschichten gehört in der Hitze der Nacht. Werde alles durcheinanderbringen, schon jetzt weiß ich nicht mehr, wo die eine Gestalt beginnt, die andere aufhört:

Der Fischöder scheint ein Mann gewesen zu sein, schon tot, dabei waren seine Leute doch selbst Sargbauer, groß von Gestalt, möglicherweise kahl, aber ließ sich Haar-Ersatz „wachsen“ (oder wachste er das vermeintliche Haar?) mit fragwürdigem Mittel, die einen sagen schaumartiger, Kunststoff, die anderen sagten Spezialshampoo, das aushärtete zu steifen Locken. Zu schwarz. Der Fischöder (auch „Fisch“ genannt) hätte ein Fernglas gehabt, vielleicht einem Operngucker ähnlich, vielleicht einem Feldstecher, fuhr einem Mädchen hinterher, starrte durchs Glas, fuhr weiter, starrte… – nichts weiter dennoch gruselig?

Eine Leiche wurde einmal gefunden in der Rezat – leider von Kindern.

Eine andere in einer Sofaritze, der Tage oder gar Wochen nachdem er auf höchst ungeschickte weise, vielleicht auch nach einem „Umtrunk“ , darin zusammengebrochen war, oder das Sofa um ihn herum wegknickte.

Einmal tauchte die Leiche einer Tante auf im Wasser, sie war schwarz gekleidet und entpuppte sich als die Tante desjenigen, der sie da fand.

Warum ist Sterben, so fürchterlich umständlich und unschön? Warum kann man sich nicht einfach in Wohlgefallen auflösen, warum in den Polstern von alten Möbelstücken? In Schleusen, in der braunen Rezat.

Und wenn man über die Brücke über die Rezat geht und nicht hinab ins Wasser sieht, sondern in die Zweige, dann sieht man eine weiße Plastiktüte, in der ebenfalls irgendetwas vor sich hin zu modern scheint.  Tag für Tag wird die Brühe darin brauner. irgend wann wird der Zweig brechen und die Tüte in den Fluss fallen und davon treiben und es stinkt “wie der Tod aus Forchheim” (was für ein Tod mag das sein? hat die Stadt ihren eigenen? Eine Stadt, die auch aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen für sich beansprucht, der Geburtsort Pontius Pilatus’ zu sein!)

Es ist spät. Halb vier uhr früh. Die Vögel beginnen mit überbordend sprachlos machendem Gesang. Schön. Wunderschön. Trotzdem oder gerade deshalb: eine Folge Grey’s Anatomy geguckt. Körper wieder Heilmachen.

***

Möglicherweise tut man jenem Fischöder wieder mal unrecht. Kann er was dafür, dass seine Haare nicht so waren, wie es gern gehabt hätte? Wie ich aus anderer Quelle erfuhr, rieb er das eigene Haar mit Schuhcreme ein. Weil er es gerne schwarz hatte. Man hätte ihn besser beraten müssen.

Bei Tageslicht verliert die Geschichte ihre Schauderhaftigkeit. Man kann seine Frisur auch beschreiben als die Haartracht einer Playmobil-Figur. Schon freundlicher.

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Der Turm! Beim Stadtfest hatte ich ihn nicht mehr sehen können. Öffnungszeitfenster verpasst. Hinter der S. hermarschiert, die ihn extra aufschloß für mich. Ein Rest Burg. Steile Stiegen nach oben in ungewohnter Treppenstufenhöhe, als ginge man in eine andere Zeit zurück. (die Vergangenheit gefühlsmäßig in der Tiefe angesiedelt, hier erstreckt sie sich auf halben Treppen über weiteren Treppen.  Bilder unten und auf dem Wege hinauf zeigen in welchem Zustand der Turm einmal war: fest in Taubenhand (oder unter deren Fittichen). Zugeschissen, verrottet. Jetzt ist er renoviert. Turmfalken hatten sich seiner angenommen. über viele Jahren minutiös und solide renoviert und zwar ehrenamtlich nach Feierabend(en)! Der Verein der Turmfalken züchtet nicht Falken oder jagt mit ihnen, die heißen nur so. angedacht ist, die Vögel wieder anzusiedeln im Turm. (Wäre eher dafür, die sollten eine Stadtschreiberin hier einnisten!  Die Vorstellung all die Treppen immer nehmen zu müssen, ist nicht sooo absurd, wenn man sich daran erinnert in Berlin-Mitte mal im vierten Stock gewohnt zu haben. War da allerdings noch fitter. Um den Turm herum grasten einmal Hasen. Es gibt auch ein kleines Cafe, das nur einmal im Jahr geöffnet hat. Auch hier viele Dinge von früher. Töpfe, Bügeleisen. Puppenstuben. S: erzählte Geschichte von einer Flüchtlingsfamilie, die nach Windsbach kam (keine heutige, sondern damals Sudetendeutsche!) und letztere mitbrachte. Das Kind hatte geweint, als es seine Puppenstube zurücklassen musste, da hatte der Vater die bitter-nötigeren Habseligkeiten zurückgelassen und stattdessen das SPielzeug auf den Rücken gepackt. Mädchen samt Stube wurde in W: ansässig, diese wurde dann später irgendwann den Turmfalken gestiftet, da die Kinder der Kinder der Frau lieber mit Barbietraumhäusern spielten. Nun steht sie in dem kleinen heimlichen Cafe. Puppenstube in der Puppenstube. seltsam berührend, dass selbst die authentische EInrichtung des Turmes samt nebengebäude (Cafe) wie  en miniature wirkt. kleinere Menschen, fernere Zeiten. Man möchte sich trotzdem in das Bett legen, die Knie anziehen und über der Welt schweben.

Immer wieder gestaunt, dass diese Museenartigen Schatzkästchen nicht in Betrieb sind. anderswo wären es Touristenattraktionen. Ebenso ging es mir mit dem Bessenhaus, dem Heimatmuseum. verschlossene Truhe voller Kostbarkeiten, die sich nur dann und wann öffnet, wenn man es sich wirklich wünscht. einerseits schade, andererseits auch toll. es wird nicht breitgetreten, nicht tagtäglich zur Schau gestellt, es ist, als guckte man durch ein Schlüsselloch in eine ferne Zeit, die aber dann nicht museumsbetrieblich aufbereitet ist, sondern im Dornröschenschlaf liegt.

Neues Wort gelernt: Himba Hamba. Muss sowas bedeuten wie wenn einem die Augen übergehen und man total begeistert ist.

12. Juni

Morgen Danach. Nach dem Stadtfest. Von dem ich gar nicht so viel mitbekommen habe. Als mein Part vorüber war, brach der Feierabend doch noch aus. Es sei erwähnt, dass die Konditorei Helmreich der Stadtschreiberin ein Bier ausgab. Nicht dass sie selbst auf diese Idee gekommen wäre (weder die Stadtschreiberin noch die Konditorei, aber da ergriffen welche die Initiative, in dieser Sache zu verhandeln und erschienen prompt mit einem Bier-To-Go am Kellergewölbe des Rentamtes, wo ich gerade meine Lesung beendet hatte. War gerührt. Ging später das geleerte Glas zurückzugeben und mich überschwänglich zu bedanken (ein zweites gabs aber nicht).

Die Konditorei ist schon beeindruckend. Von außen erstmal nicht so (Konzept: leere Pralinenschachteln in der Auslage! – aber das ist ja irgendwie auch klar: wäre ja blöd, gefüllte ins sonnenurchflutete Schaufenster zu legen!). Es macht auch nichts, weil man ja weiß, wie es innen ist. Innen ist es zauberhaft. Schiele immer zu den “Schneebällen” hin.

Motorrad beim Baumeister abgeholt; Testfahrt endete in Reuth. Dann Baumeister wiederum mich und Motorrad abgeholt, weil ich plötzlich stehen blieb. Lag aber nicht an der Reperatur! Ich hatte vergessen den “Choke” rauszumachen. Und versucht im ersten, bzw. dritten Gang zu starten. Wahnsinn. Es ist schon schockierend, wie wenig ich weiß über Motorräder. Direkt peinlich.

11. Juni

Dem alten Herrn W. seine Schwiegertochter kennengelernt! eigentlich kannte ich sie schon flüchtig, aber hatte nicht gewußt wer sie ist. In Berlin würde man daraufhin voller Staunen zum Ausdruck bringen, wie klein die Welt doch ist. Hierzulande freilich scheint sie eh kleiner – bin trotzdem überzeugt davon , dass sie überall klein ist, dass überall Leute unterwegs sind, die man eigentlich kennt (oder kennen hätte sollen) oder über höchstens eine Ecke herum kennt, es fehlt nur meistens die Antenne, um es zu merken.

Ansonsten den herrlichen Tag im kellergewölbe verbracht und von der Welt zunächst nichts mitbekommen. einen virtuellen Traumraum eingerichtet voller Albernheiten, Windsbacher Häusern und . abends spät verirrte sich ein kleiner Junge hinein, der staunte, aber traute sich dann doch nicht ganz nah.. Mist, dass die Veranstaltung morgen am Tage ist, wenn das echte Leben toben wir, gestern abend liefen so viele Leute fast bis nach unten, aber dann doch nur aufs Klo obendrüber. Bedürfnisse. Bedürfnis zu zeigen. Gleichzeitig Bedürfnis abzutauchen und der Welt abhanden zu kommen. UND: großes Bedürfnis empfunden zum STadtfest zu gehen mit Freund. Freund fehlt nun doch  sehr…

 

 

 

 

 

 

 

… Zumal Berliner Stadtfeste echt nix sind gegen das gestrige.  Zwischendurch doch mal dorthin. die aus allen glücklichen Nähten platzende Straße zwischen den Toren, die sich schräg nach unten windet und trotzdem fällt keiner von der Bierbank. Blaskapellentöne, Oben Bürgermeister (spricht nur wenige Worte, dann gehts los) unten noch Sonnenstrahlen vor der Bühne der Band.  Bier getunken. Begeistert klatschende (Asylanten?)FAmilie neben mir, vor mit ebenso junge Mädchen vom Turnverein. Unglaublich tolle Stimmung. Als ich nachts zurückkam zum Fest – beinahe noch schöner. Brechend voll, aber es bricht nicht. Betrunkene Junge Leute, die zu große für die Hüpfburg waren und  stöhnend auf der Bank lagen, ein Mädchen wie hingegeben, die Jungs verzweifelt neben noch vollem Bier, schwören, nie wieder Bier zu trinken. Warnungen, verkündet, die Burg sei zu heftig für “Große”. Tatsächlich war sie gigantisch, zgwängte sich am engen Kirchplatz zwischen  die “Magaretha” und die Fachwerkhäuschen, ebenbürtig, fast gewaltiger und wogte bedrohlich zwischen den alten Bauten. War auch noch mit mittelalterlichen Motiven versehen und so sah es wirklich aus, als hätte ein Dark-Ages-Bauherr die letzte Lücke genutzt um den Kirchplatz aus dem Gleichgewicht zu bringen. Alles schwankte. Lustvolles Erdbeben. Ein Herr stand davor und gab acht, dass nichts und niemand umkippte.

10.Juni

Heute ist Stadtfest. Und morgen! lange Nacht gehabt im Kellergewölbe des Rentamtes, um Videoprojektinen einzurichten. STadtbilder, Trickfilmschnippsel und Sonstiges an die gekalkten WÄnde zu werfen. Lese morgen dort, zeitgleich mit der Veranstaltung eines Enten-Rennens in der  Rezat und während draußen  eine Band namens “die Querbläxer” spielt. Könnte schwierig morgen. Notfalls lese ich ganz leise.

Aber die Projektionen sind toll. und Cocktails gibt es (ab 13 Uhr am Sonntag, also morgen; Leseblöcke: 14:00-14:45; 15:00-15:45)

9.Juni

Das Motorrad ist kaputt. Die Werkstatt schräg gegenüber repariert es. “Geh zum Baumeister!”, das sagten so ziemlich alle. Werkstatt nicht gleich gefunden. Nun steht es dort und alles dauert länger: Ich gehe länger. An der Tankstelle bergauf, am Halter vorbei, der grüßte von Ferne. Der Bahnhof wirkt so verschlafen. Hörte aber neulich sehr plastische Schilderung, wie einmal eine chinesische Reisegruppe aus dem Regionalzug ausstieg, sich erwartungsvoll an die Straßenecke gestellt habe, um sich blickend, staunend, fotografierend vermutlich, mit Mobilfunkgeräten zu Gange war und dann aus heiterem Himmel und in rasantem Tempo auf die andere Straßenseite hinüberwechselte, wiederum um sich blickend, fotografierend, bis nach wenigen Minuten ein Bus erschien und sie einsammelte. Auf und davon. Zeigen die jetzt zuhause Fotos und sagen „Daaas ist Windsbach!“? – wahrscheinlich wird man den kleinen Städten niemals gerecht. Mit dem Zug nach Neuendettelsau gefahren. Wenn man durch die Stadt läuft wirkt sie trostloser als wenn man durch sie hindurchbraust mit dem Motorrad. Ein Junge der in den Neuendettelasauer Werkstätten Playmobilfiguren verpackt setzte sich zu mir auf die Bank. Billie. Vielleicht hat er auch den Plastik-Luther eingetütet, den die Diakonie verteilt (habe jetzt auch einen! Aber von Herrn Lechner aus dem Heimatmuseum. Lud Billie zum Stadtfest ein, weil ich da lese. Das ginge wohl nicht, meinte er, er wohne ja in Neuendettelsau und nicht in Windsbach. Einen Cousin hätte er in Berlin. Vielleicht käme er mal dort hin.

Hier fallen ungünstige Namen ins Auge: Metzgerei Keim. Hat aber schönen Biergarten. Am Kahlschlag. Will man das als Postadresse? Am Kahlschlag 7 – Bitte eine Werbung einwerfen oder so?

Weiß rot bemalte Holzbretter im überdachten Wartebereich der Bahn,  „Lukas ist scheiße toll“ steht unter den Geranien. Reisezentrum, aber kein Bahnhof, der ist Museum. Der “Weltladen“ – aber “der ganz andere Weltladen”. Kenne nicht so viele Weltläden. Was kostet die Welt? Was kauft man da?   Suche Kopierladen. Din A 4 Ausdruck Farbe in Neuendettelsau kostet 1 €!. Dafür aber in der Diakonie einen roten Kugelschreiber geschenkt bekommen. Ehrlich erfreut darüber. Vor der Kirche steht ein Soldat. Versteinert steht er und starrt auf die Kirche, sieht nicht aus, als wolle er die betreten. Ich war neulich schon drin. Einzig zieht es mich in den verwunschenen Park dahinter. In Eisenketten gelegtes Gartentor. Das Paradies ist verriegelt und der Cherub ist hinter uns.

Die Bahn hält doch nicht nur in Neuendettelsau, Petersaurach, da wohnt der frühere Pfarrer Witzig. War letzten Sonntag schön, ihn einmal predigen zu hören, ehrwürdig, getragen, solide – und dann spielt er plötzlich Gitarre. Toll. – Hinter Petersaurach Rehe. Bei Haltewunsch bitte Taste drücken. Geht das? Halten die dann an? letzter Halt Windsbach. Gehalten dann beim Halter. Schinken.

8.Juni

Heute. Heute.. heute… finde ich keine Worte. Vielleicht geht es doch, wenn man auf der steinernen Treppe sitzt, die ins Nichts führt im Garten der Us.  wenn man auf den Teich blickt, sich an die Mauer lehnt, die weich ist von dem was da rankt. Ja, da geht es dann irgendwie. Hätte heute dem Mänenrgesamgsverein zuhören können beim Proben – jetzt! gerade eben vernutlich singen sie, aber ich war mir nicht sicher gewesen ob die Einladung noch steht… und weil ich seit zwei Tagen dahinkränkle, und weil die Zeit zur Neige geht, weil, weil, weil… Ich wünschte, ich könnte länger hier bleiben. Einfach nur sein, da-sein. Aber das Stadtfest naht und es artet ein bißchen aus mit der Vorbereitung. Werbung machen dafür… ich glaube, das einzige, was ich in Windsbach vermisse ist ein Kopierladen. die kleinen Plakate in der Stadt aufhängen erweist sich als mühsam. Der Bäcker Beisser hat Urlaub… im Dekanat am Briefkasten steht (verständlicherweise) “keine Werbung!”, im Stadtcafe hängt man Plakate auf, in die Tür, in einer Höhe, in der es mittelgroße Hunde und Dreijährige gut lesen können, wenn sie lesen können. (“Die hängen da immer so! das sehen die schon”) – Gegenkonzept dazu: Das Schild in Form eines Pfeils, das zur “Ausstellung” im Rentamt weist. Hoch angebracht direkt über dem Pranger. Wo da doch eigentlich keiner hinaufschaut (weil da ja niemand angeprangert ist – Übrigens habe ich jetzt gesehen, dass man den Eisenbügel, der um den Hals geht verstellen konnte, dreistufig. also doch ein Benutzerfreundlicher Pranger), dann die Bücherei nicht gefunden. Googlemaps führte mich hin, aber ich sah nur einen Kindergarten. Wieder gegangen.

Verdammt, es wäre wirklich schön jetzt einen Gesangsverein zu hören… die Amseln trösten darüber hinweg, aber Männerstimmen, die wahrscheinlich alt gewordenen Knaben von einst…  Hingehen? nicht hingehen? Sonne sinkt.

7.6.

Im Rathaus gewesen, erstmals wieder seit der Sitzung zum Thema Stadtfest, an meinem ersten Tag. (übrigens bin ich inzwischen auch der Meinung, dass ein Essensgutschein pro Rentner reicht. Hörte schon des öfteren von Senioren aller Schichten, die sich durch eben solchen bevormundet oder in der Ehre gekränkt fühlen. Die schmeissen die weg! , Einer soll den Gutschein gar im Papiervernichter geschreddert haben. (Vielleicht sollten sie lieber Essensgutscheine für arme Künstler verteilen.)

war ein wenig zu früh dran gewesen und saß eine Weile vor dem rötlichen Gebäude.  Unter dem Pranger! tatsächlich noch vorhanden der in der Höhe des ersten Stockes  in die Wand eingelassene Eisen-Tritt, auf dem die Sünder stehen mussten, darüner ein ebenfalls eisernes Halsband. Könnte man da die Größe verstellen? mussten die Kleinen auf Zehenspitzen stehen und die Großen gebückt stehen und gekrümmt? Im Inneren ist alles so neu und modern…  und dann das:

Altes Stadtbuch in Händen gehalten. Was für ein Schatz. Lesen wollen!P1340080

6.6.

 

 

 

 

 

Es regnet. und es hat in mein Motorrad geregnet. fährt sprunghaft. meine Stiefel lösen sich auf. die Eisdiele hatte zu. Thermoskannenbecher in Neuendettelsau erworben.  Abends bei ILIOS, ehemals “ZUR SONNE” (da hat mal Goethe gegessen) (und wieder ist eine Korrektur von Nöten: es heißt tatsächlich noch so: SONNE, da ILIOS das griechishe Wort dafür ist.

5.6. Pfingstmontag

Richtigstellungen scheinen wieder fällig. der gefühlte Galgenberg war der Kellernberg. Der mit dem Kellernfest. hatte mir vorgestelt, dass dort an den Büdchen aber auch in den Kellern gefeiert würde, aber die Kellern scheinen eher tote Adern zu sein, die sich in den Berg graben, einer wohl bis in 80 m Tiefe. Wahnsinn! wenn die Windsbacher früher Achtzig-Meter-Keller hingekriegt haben, dann doch wohl auch Acht-Kilometer-Geheimgänge, oder? – Jetzt leben Fledermäuse darin im Winter.

Andere Korrektur im Geiste: Muss den Satz “Fleisch kaufe man beim Rosenberger” revidieren, bzw. erweitern: Wurstwaren ab jetzt beim Halter –  gestern entdeckt hinter dem Bahnhof – oder davor; Bierbänken. Stammtische. Abendlicht. nette Leute, auch Katholiken samt allseits hochgeschätztem Pfarrer; fröhliche Runde, Berlingereiste (zum Weihnachts-Singen von Union!!!); Frank von Helukabel; Maurer mit schönem Hut namens Bommel; Leitende Stimme des Männergesangsvereins, glühend für seinen Beruf, hatte aber Pech bei der kirchlichen Tombola gehabt (gewonnen: einen rosa-magenta Kissenbezug aus Kunstseide, eine Plastikorchidee, eine Plastiktragetasche und ein Orchideenpflegeset (dieses aber nun wiederum für echte). Außerordentlich gut amüsiert. Und unerhofft den verpassten Einkauf (Feiertag!) nachholen gekonnt: folgte dem Betreiber des Lokals namens F. ins Innere, wo er Würste holte aus der Wand. (kühlendes weißes Wandfach, ein Tresor voller Kostbarkeit. Duft erfüllte den sonst kargen Raum. dann wieder raus in den Abend. Schon vielleicht eigentlich eine Sache für sich, eine Insiderrunde, der ich kurz mal beisitzen durfte, aber eben eine lebendige. Kein Schnickschnack. Kein Scheiß.

4. Juni

Weil das Gewitter nicht wirklich eins war, sei hier ein anderes Unwetter zitiert.

“Bei der Rückkehr wurden wir […] genötigt, im Dorf Schwabach zu übernachten. Da begann mitten in der Nacht der HImmel vom Norden her sich zu röten,  blutfarbene Blitze und weißliche STrahlen auszusenden und die Erdoberfläche derart zu erhellen, daß man eine zu Boden gefallene  Nadel nötigenfalls leicht hätte aufheben können. Da riefen wir […] mit vorlautem Munde aus: daß sei da gleich, was wir nach einer Predigt Gregor des Großen (540-604) folgendermaßen läsen. Feurigen Glanz sahen wir am Himmel und funkelndes Menschenblut, das später vergossen worden ist.”

vor 900 Jahren war das. Heute regnets.

Und Pfingsten ist. Da passt feuriger Glanz, der vom Himmel kommt eigentlich ganz gut.

3. Juni

Es soll heute gewittern.

Aufgewacht mit schwerem Kopf. aber ich bin fast sicher, dass es nicht am “Wurmbier” lag, das ich gestern in Immeldorf zu mir nahm. Es mag das bevorstehende Gewitter Schuld sein. Einer sagte Morgen gibt es ein Gewitter. Ein anderer: das hoffen wir alle. An Battle Star galactica gedacht. Wurmloch. Weh. Was für eine Nacht.

Konzert. WEISSES ROSS. Unglaublicher Ort…

Immeldorf. Ortsschild, das immer wieder mal mit Eding ein “P” verpasst bekommt vor dem “I”. Weisses Ross – endlich der lang ersehnte Biergarten. Gärtchen eher, vor Fachwerk-Hexenhäuschen, verwunschener Ort. Wirt namens Walter, der trotz armfreiem Tour-T-shirt einem Mittelalter-Film entsprungen hätte sein können (aber keinem bunten Fernsehfilm, einem schrägen schwarz-weißen Mittelalter einer Parallelwelt), wurschtelte noch mit den Gummihandschuhen herum, als wär er noch am Putzen in letzter Minute, oder inmitten einer OP (eienr mittelalterlichen) – aber herkommen wegen der Sauberkeit, tut möglicherweise keiner. Fruchtbarer Boden, aus dem alles nur Erdenkliche sprießt. Lichtschläuche, Gnome, das HB-Männchen – Relikte der 80er Jahre, oder früherer Werbezeiten. BAllonlampen mit Schnurrbart. Ofen, der einen anzustarren scheint, Karussellpferdchen darauf flieht. die Single hinter dem Tresen „Akropolis Adieu Mireille Mathieu“ (die noch nicht ihren Look gefunden hat), der mit Plakaten bedeckte Kicker und dünn-glänzenden Flyern eines späteren Festivals im Sommer (die eine Gruppe käm aber nicht, weil die seien zu teuer, das wüßte er jetzt, aber der Flyer hätt schon früher in den Druck gemusst), der andere (leere) Kicker im Spielhöllenhinterzimmer, das sich plötzlich auftat, in der Ecke war einer vehement zu Gange am einzigen Automaten. Die vogelkundige Unterrichtstafel, die ausgestopften Kakadus, die Enten hochkant, bemalte, offen, radberaubte, türlose, über und untereinander im Hinterhof in wild wachsendem Holunder – auf die war ich schon hingewiesen worden: auf „die Enten-Installation“, hatte aber mit präparierten Vögeln gerechnet. Stattdessen waren es Autos in allen Lebenslagen – scheinen sich zu vermehren, sich aufzubäumen, zu zerfallen: bemalte Türen vereinzelt, wie ausgerissene Flügel. Halbe Ente. Wieder zurück, im Kneipenraum (Fahrradklingel am Tresen, damit man den Mittelalterliche heranklingeln kann, weil der noch herumwirbelt) ein Bier gewählt. Wurmbier. Man riet dazu. Die alte vergilbt-gebe Telefonzelle, die Wolkennacht über dem Biergärtchen, Nacht mit halbertem Mond hinter den ziehenden Schwaden, die Leuchtfarbenpunkte an der Seitenbaufassade – giftiger Sternenhimmel, die an die Wand gemalten Bierflaschen… Fragte mich aber die ganze Zeit, wo das Konzert denn stattfinden würde, wie sollte ein „Saal“ in das Hexenhaus passen? Dann drinnen die engen Stiegen hoch, an welligen Fotos vorbei, an Jahren von persönlichen Kult-Konzerten, handgeschriebene Release Ankündigung eines 26. Oktobers – nein, durchgestrichen:  24. Oktobers einer fernen Zeit!  Dann der Saal. Holzgebälk unter er niedrigen Decke. Auf der Tanzfläche steht TANZ, daneben steht ein Strohhut fürs Geld. Man geht hin und gibt, aber er geht später auch rum. warum tanzt keiner? Warum sind hier keine jungen Leute (abgesehen von den Musikern)? wie kann man hier nicht sein? Die Vorgruppe in den halben Hosen, in halber Besetzung, nicht ganz so gut, aber sympathisch. Immer bedanken sich die Musiker, „dass da doch einige Leute gekommen sind!“ obwohl fast kaum welche da. Im Garten sitzen die meisten, weils Innen zu laut ist. Der niedrige Saal platzt dafür musikalisch aus allen Nähten. Der Mittelalterliche hüpfte noch schnell hinzu und startet den kontinuierlich blinkenden LEDdiscokugelersatz. Die Strandtücher an den Wänden zur Dekoration oder für den Klang? und trotzdem funktioniert das alles! Die Summer aller Teile, aller chaotisch-phantastischen Kleinteile ergibt ein großes Ganzes auf gedrängtem Raum. Die nahen Musiker, die Hauptband Dodgson, deren ersten Takte schon elektrisieren, präziser starker Punk-Rock, auch zartere Töne, dann wieder stark und brodelnd, auf Messers Schneide. Pulsierend, puckernd. Der Sänger/Gitarrist mit den Augen zu… kannte den Ort, stammt aus der Gegend,  Bassist war Schwede, Schlagzeuger auch , ich sah ihn nicht, er war ausserhalb der LEDs und trotzdem unsagbar präsent, Schlag auf Schlag. Weit weg. Total nah. Ein unglaublicher Ort. Band Dodgson

Ziehe Aspirin in Erwägung (Natürlich nur, um Windsbacher Einzelhandel und heutige Apotheker zu unterstützen (vgl. 2.6.)…

 

 

 

es ging ohne Aspirin, aber ich erwarb eine Zahnbürste.

Gottesruhkapelle. Der Junge im Roggenfeld wogte zwischen den Ähren, mit den Händen darüber wegstreifend. Sah aus, als spielte er ganz so für sich, tauchte unter im Feld, verschwand, rief dann laut wie ein ertrinkender „Mira“ – er suchte seinen Hund, der im grünen Meer abhanden gekommen war.

Galgenberg? Ist das der Galgenberg? Funkturm. der Ansbacher soll nur um weniges höher sein, aber er wurde später erbaut un natürlich wollten die Ansbacher den höhreren haben.

In den Brennesseln verlaufen. Wenn man die Luft anhält brennen sie nicht hieß es früher immer. Immer bezweifelt, dass es hilft. Seltsamerweise tat es das jedoch. Schlug mich in den Wald zum Hohlweg. Abgesägter Baumstumpf, dessen Wurzeln emporragten aus der Erde sah aus wie eine abgehackte Hand, die etwas aufhebt und  es nach oben zieht. – An den Kellern rausgekommen… Männer bauten was auf, luden was ab. Seltsame Blicke, wohl weil ich wie aus dem Nichts auftauchte. An einem der dunklen Büdchen stand in verbleichender Schrift, handgemalt vor langer Zeit “Kellernfestleitung”, als wär’s ein Büro. Unterirdische Gewölbe. Irgendwie ein seltsamer Ort. Galgenberg oder nicht…

Unten, drüben an der Gottesruhkapelle war der Richtwaasen, da wurde gerichtet, auf dem Berg wurde gehängt. (Die, die man mit dem Schwert den Kopf abhieb, wurden gleich auf dem Richtwaasen enthauptet). Der U. als kleiner Junge wiederum kochte hier Pudding in einem alten Ofen, den jemand ins Gebüsch geworfen hatte. Den Ofen nicht gesucht und nicht gefunden.

An der Gottessruhkapelle, das Kreuz auf dem Kirchenschiffdach, da fehlt die Hälfte vom Querbalken. Hätte das  Kreuz einen Jesus, er müsste von alleine den Arm wegstrecken – oder dürfte ihn hängen lassen?

Auf dem Schild an der kleinen Brücke „Fränkische Rezat“ ist das „Fränkische“ heller als die „Rezat“, und klebt recht weit oben am Rand. Vielleicht hieß die Beschriftung erst nur „Rezat“ und ihnen fiel dann später ein, dass es noch eine andere gibt, eine in Schwaben. Abgrenzen. Präzisieren. Wer entscheidet solche Dinge? Wird über so was abgestimmt? Hatten sich die Schwaben beschwert, dass man ihnen ihre Rezat streitig machte? oder wollten die Windsbacher nicht dass ihr Fluss mit dem schwäbischen in einen Topf geworfen werden Welcher hieß zu erst so…?

Den Gedanken unterbrach ein Feueralarm um 11:20.  Die Sirene heulte und die Hunde in den Häusern stimmten ein. Ging dem Ton nach, es war aber nur eine Übung.

Drüben im Rentamt heiratet jemand. (sicher nicht Ursache des Alarmschlagens). Der Bürgermeister  steht im Türrahmen des Rentamts wie der Gastgeber. Standesbeamter. Was für ein schöner Nebenjob! Er sagte, es solle Spaß machen, das Heiraten.  Saal strahlt in Weiß. Die Stühle fürs Brautpaar hätten früher mal Richard Wagner gehört… Jemand mit Beziehungen nach Bayreuth habe sie zur Verfügung gestellt. Irgendwie gefällt mir diese Vorstellung, dass die Leute hier alle im kleinen Detail ihre Stadt mitprägen. Da hat einer noch Stühle vom Wagner im Keller… warum nicht: da könnt man doch ab jetzt  immer die Brautleut daruf sitzen lassen. Schade, dass ich nie heiraten will. (Aber wenn… würde ich eigentlich lieber auf Stühlen vom Gustav Mahler sitzen. Und weil das natürlich nirgendwo im Angebot ist, laß ichs lieber!)

Sitze wieder in der Venetia Eisdiele.

Die Hauptstraße von untern herauf schiebt sich sehr langsam ein alter Mann mit Rollator über das Kopfsteinpflaster – in der Mittagshitze. Immer sieht es aus, als habe er sein Ziel erreicht, er scheint  vor der Sparkasse zu halten, verschnauft nur, rollt weiter. zum Griechen? Doch nicht. In triolischemTakt, stoßweise schieben, schieben schieben, dann erstarrt er. ein freundliches Gesicht, den Mund leicht geöffnet, es ist heiß, es scheint anstrengend zu sein. Raiffeisenbank. Weiter. Konditorei Helmreich. weiter. Zum Brunnen? Der plätschert so üppig, das man Durst bekommt. Jedoch  “Alles Waschen & Einlegen so wie das Trinken mit angespantem Fuhrwerk ist verboten”. Weiter rollt und schiebt sich das Gefährt, bis es beim NKD um die Ecke biegt. Vielleicht geht er einkaufen.

Irgendwie kommt keine Bedienung, aber die Hitze ist so groß (wann kommt endlich das Gewitter?), dass ich mich nicht aufraffen kann aufzustehen. Das Geplätscher von der anderen Seite, der Brunnen vor dem Dauscher-Haus… erinnere mich daran dass die Frau, die darin wohnte als Kind, geschrieben hat, dass sie den Brunnen bis in den Traum hinein gehört habe, ein beständig raunender Zauberton, der nie abriß. Schönes Einschlaflied. Man könnte CDs anbieten. Es gibt sie doch mit Meeresrauschen, Vogelgezwitscher und Walgesang.

Nun kommt der alte Mann zurück, der Rolatoreinkaufskorb ist leer. Langsam geht es über die Straße und er geht in die Richtung zurück, aus der er eben kam, allerdings jetzt auf meiner Straßenseite, ein langärmeliges Hemd in dezentem Muster einer Barocktapete, das im hohen Hosenbund steckt. Versuchen, in einen aufmunternden Blickkontakt zu treten…  auf alle Fälle grüßen!

***

Herr W. hatte vorgehabt, sich bei NKD eine Mütze zu kaufen. Leider hatter er die Öffnungszeit falsch eingeschätzt und war nun unverrichteter Dinge auf dem Rückweg ins Seniorenheim “Phönix”…

Ruhte eine Weile aus im Venetia. nahm gerne Platz an meinem Tisch.

Zwar besäße er eine Mütze, die sei aber eine Wintermütze. Jetzt bräuchte er eine Sommermütze. Blick nach oben zur sengenden Sonne. 83 ist er. fast schon 84. Im Phönix gefällt es ihm nicht, da seien alle “verruckt”. an Batscha hättens dort. – alle!

Alle?

Ja, alle hätten einen. (da lachte er aber, abwinkend, freute sich, weil sein Lachen mich ansteckte. da saßen wir nun im Venetia und lachten über die “Batscherten” im Seniorenheim. Ob er nicht einen Kaffe trinken wolle, fragte ich. Wieder winkte er  ab. Nein, er ginge jetzt in das heim, und trinke lieber ein Bier. (schien mir in dem Moment plausibel, inzwischen bezweifel ich das.)

Wie es ihm denn gefiele dort im Heim…

Na schrecklich sei es. leider hätte er was unterzeichnet. selber Schuld. vorher habe er in der Kolbestraße gewohnt mit seiner Katze. die ist jetzt nach Nürnberg gezogen. seit 3 Monaten lebe er nun bei all den Verrückten.

ich könne gerne mitkommen (“Gängans nur her, kommens nur mit”), er zeige sie mir, die “Verruckten”.

“aber es sind doch nicht ale verrückt, oder?”, schien mir wichtig zu fragen. Er meinte, na ja vielleicht nicht alle, einige würden auch einfach nur die ganze Zeit im Bett liegen und schlafen.  – und sehr viele hätten  dicke Bäuche. “Und dann sterben sie…”

wirklich beklagt hat er sich aber nicht, gejammert schon gar nicht. Seltsame Stärke, lebensbejahender Optimisus.

“Hier kommt wohl keiner?!” stelte er fest und nickte in Richtung Cafe vor dem wir saßen. Tatsächlich saß ich ja nun schon eine ganze Weile ohne Bedienung. Ob man da mal nachschauen müsse,  nicht dass da auch einer gestorben sei. wieder nickt er in Richtung Cafe. Sein schwarzer Humor verschlägt mir die Sprache. Unwillkürlicher Impuls prompt nachzusehen, löst sich dann doch in Lachen auf, seinem: entwaffnendes Lachen. Bleibt nix anderes, als mitzulachen. ich könne einen Kaffee in seinem Heim trinken. und Kuchen gäbe es. und ganz umsonst. –

Hm. klingt nicht so verlockend, ehrlichgesagt.

an seinem Tisch säße sonst immer ein Mann gegenüber. Buster Keaton nenne er ihn. den könne er mir dann auch zeigen. ich schwanke. eigentlich klingt es doch alles ganz gut.  (Ich liebe Buster Keanton!) Und ich will endlich Kaffee. ich bin hier, um Geschichten zu hören. warum nicht? Wir gehen, wir schieben in Richtung unteres Tor, dann weiter Richtung Tankstelle (“gängerns nur, ist nicht mehr weit, ich zeig ihnen was” im mitterweile einsetzenden Regen.

Momentaufnahmen aus einem alten Pralinenkasten, schwarzweiß, sepiafarbene mit gezacktem Rand, rötlich-gelbliche aus den 80er Jahren undneuer mit Enkeln darauf. leider keine von WIndsbacher Häusern. Nürnberg. Feucht Metz. Könissee, deren tiefes Blau man zu sehen glaubt, obwohl das Bild schwarzweiß ist. ein junger Herr W. mit einer Frau mit Ingrid-Bergman-Lächeln in einem Boot. (“Ihre Frau?” – “Nein, nein, eine gnzlich Unbekannte” – scheint mir nicht ganz aufrichtihe Behauptung!). Herr W bei der BUndeswehr(schöne Zeit. Wachschutz. Immer seine Runden gedreht. Weil Pistole am Gurt so schwer war, diese im Sicherungskasten versteckt und mit leerem Halfter die Runden gegangen. 20 Jahre lang!). STolz auf Ford Taunus. “Buckel Taunus”. STämmiger Vater, winzige Mutter. ein blondes Mädchen mit Knüddel-Zöpfen, das hinter einer Katze hergeht. – dass sei die spätere Messnerin Mutschler. (oder Muschler? Mir war so als hätte ich am Vortag ein Muschler-Grab auf dem Friedhof in Neuendettelsau gesehen). Fremder Leute Leben. Fremde Namen, die ins Auge stechen auf fremden Friedhofen. Draussem ergoss sich nun der Regen in Strömen. Im Gemeinschaftsraum des Seniorenheims, das genauso aussieht wie das meiner “Uri” ist es still. der Regen ruft aber “Ahhhs” und “Ohhhs” hervor. Es gibt Marmorkuchen und süßen Saft. der Kaffee ist dünn. die Pfleger freundlich. ich sehe jetzt ertsmal keine Verrückten (und deshalb bin ich auch – ehrlich wirklich ehrenwort! – nicht hier!). W. gibt zu, nicht alle haben “n Batscha”. der Herr hinter mir im gelben Pullover beispielsweise… “Hochintelligent! – und aus der DDR.” der Mann sitzt aufrecht in einem Rollstuhl, regloses Gesicht, aber hellwach, seltsame Präsenz. Gefühl, als höre er alles, aber zeige keinerlei regung, es könne aber jeder zeit ein Kommentar herausschießen aus den feinen Gesichtszügen – und so ist es auch.  Da erzählt W. gerade von der Bundeswehr. (oder en Gängen zur Schule seiner Kindheit, kilometerweit durch den Wald, Feucht – Rummelsberg?) der andere aber sitzt immer noch regungslos mit dem Rücken zu uns und man weiß nicht genau, wer gemeint war mit “Das haben wir alle schon 1000 mal gehört!”  Buster Keaton ist nicht da. aber einer mit dickem Bauch (“Sehens, was hab ich gesagt….!) kommt. Ebenfalls Rolator – in dem jedoch eine etwas mitgenommene Deutschlandflagge steckt.  im Raum verteilt sitzen die Alten. Frau mit hinreißendem Lächeln, weit hinten eine, deren Stöhnen ich erst für eine Beamtmungsmaschine geahlten hatte. eine Spannung liegt im Raum. Wieder schießt der Hochintelligente etwas hervor, eine Antwort auf ein Murmeln seiner Gegenüber-Tischgenossin. Nicht unfreundlich, nicht freundlich. Die Frau weit hinten am Fenster spricht mit ihrem Ehemann, der nicht da ist. Man sieht, dass sie ihn sieht. Herr W. sieht sie ihn sehen. ich seh, dass er sieht, wie sie sie ihn sieht. fühle mich wie ein ausnahmsweise zugelassener Voyer. Sehen Sie, ich sagte es ihnen: Verrückte! Der Unterschied ist, wenn er das sagt, ist es eine absolut berechtigte notwenidge und erleichterne Mitteilung. die Welt mitteilen, die er teilt. er darf darüber lachen, er darf aufstöhnen über die Batscherten. er weiß, was kommt. ich hab keine Ahnung.

als ich gehe, schon nach drei Schritten aus dem Raum heraus, bricht die Spannung, die im Raum lag zusammen, die Frau mit dem vermeintlichen BLick auf den Mann im Jenseits, schreit auf. wo jetzt ihre Freundin hingegangen sei.

Das war nicht deine Freundin. schießt der Hochintelligente. ich mache mich aus dem Staub.

2.6.

Das Dauscher-Haus ist die Nummer 25. tatsächlich neben dem NKD, aber ich irrte, als ich dachte, der Brunen stünde davor. Das dunkle Etwas in der rechten Ecke  ist ein Kellerfenster.

 

 

Johann Sebastian Bach Gymnasium, um vor Schülern zu lesen. Als der erste Schulgong ertönte zurückversetzt gefühlt in eine andere Zeit. Obwohl das hier keine Alte-Schule-Schule ist, sondern ein weitflächiges heller Bau. Vergessen zu fragen, was es mit dem Steinbecken in der Aula auf sich hat (sah aus wie zum Wassertreten, aber ohne Wasser). Daneben Kunst aus Plastik-Kanistern, aufgeschnitten und ausgestattet zu rätselhaften Puppenstuben. Schön. Muss es dem U. nennen als Grund für die Daseinsberechtigung von Plastik. Überhaupt extrem viele schöne Bilder an den Wänden. Bach, Goethe, Selbstportraits. Schüler und Lehrerin waren freundlich. Befürchtung, dass zu viel geredet, trotzdem gutes Gefühl.

Salat gegessen beim Italiener, der bald schließt. Irrtümliche Annahme, der Mann würde vielleicht gerne darüber reden, aber darauf angesprochen ging er mitten im Satz weg und murmelte „Besser so!“ Eigentlich klar, dass der nicht irgendeinem beliebigem einmaligem Gast (zweimalig, da ich mich noch gut erinnere an den Tag im Sommer im letzten Jahr, als ich auf der Durchreise überrascht hängen blieb in der Stadt. ) zwischen Trinkgeld und Geschirr-Abräumen auf (vermeintlich) rhetorische Fragen zu antworten und sein Leid klagen mag oder seine Erleichterung! Hatte ja auch zu tun, der Mann.

So viele Läden schließen. Das Schuhaus. Der Fristo schließt nicht, aber hat das Konzept Pachtladen abgeschafft. Der Italiener geht…

Abends nochmal in die Hauptstraße gelaufen mit dem Heftchen “Die Straße meiner Kindheit”, um Häuser zu vergleichen. Veränderungen faszinieren, eine klitzekleines bißchen  Kontinuität beruhigt dennoch: die Apotheke ist immer noch eine Apotheke. Las von den Anfängen des Apothekengewerbes (damals allerdings andreswo: “ein halbes Haus in der Kolbestraße, so Marlene Townson in “Windsbacher Geschichten” ), von bettelarmen Apothekern im 18. Jh, die es schwer hatten, gegen obscure Mittelchen von Krämern und Hausierern. Die Leute kauften lieber wilde Mischungen (“Teufelsdreck”), als seriöse Medikamente eines zugereisten Apothekenbetreibers.

1736 hatte man dem ersten Apotheker, der sein Gewerbe in W. ausüben wollte, schon abgeraten “weil er sein Auskommen nicht finden werde” – obwohl (oder gerade weil?) gerade die Blattern ausgebrochen waren. Zu viel “verarmte Untertanen” Seltsam. Hätten die narbengesichtigen Kranken ihm dei Bude eingerannt und dann nicht bezahlt? Erst 1744 versuchte es dann ein anderer Apotheker, der dann doch absprang, ein Pfarrerssohn namens Fürst wollte die Apotheke dann führn, bekam ewig lang die Erlaubnis nicht und hatte dann mehr Auflagen als Gewinn. Offensichtlich war es üblich, dass Amtsvisitationen durchgeführt wurden, für die die Apotheke selbst aufkommen musste. Da kam dann einer, kostete und logierte, prüfte, aß und trank und die Rechnung musste der Apotheker zahlen, den das mehr kostete als er im Jahr einnahm. Ein “Amtskastner” habe jedoch dann bei der Regierung erwirkt, dass man den armen Apotheker die Zahlung erließ.

 

 

 

1. 6.

Wieder angekommen. Windsbach. Dass ich da für ganz kurz in die Großstadt getrieben wurde, reißt eine ärgerliche Lücke ins Kontinuum. Habe ein Konzert am Stadtturm verpasst, das ich gerne gehört hätte, schon allein um das Abendrot zu sehen zu Blues und Jazztönen, die alten Mauern, das bißchen Rasen, der schmale Streifen, in der ein Biergarten zu sein scheint, den aber rätselhafterweise niemand betreibt. Schöner Ort für ein Konzert. Soll toll gewesen sein. 80 Leute! Hörte, dass die Musiker hier angefahren kamen in einem Auto das just wenige Meter vor dem Rentamt den Geist aufgab, aber das abschüssige Kopfsteinpflaster ließ sie sachte am Ziel ausrollen.

Poetische Ankunft. Eigentlich müsste man dann bleiben für immer.

Wäre selbst gerne hiergeblieben. Die Zeit rinnt eh dahin. Andererseits kann man wieder ankommen (wenn auch nicht so poetisch-dramatisch wie die Musiker) auf die Stadt zurasen – Die Namen werden vertrauter – die im ferneren Umkreis. Niederwurmbach, Ellingen (der traumhaft schöne Biergarten, in dem man im Gegensatz zu ganz München sogar W-Lan hat), Selgenstadt, Mitteleschbach, dann windet sich der Weg, schraubt sich nach oben und das irgendwie etwas mitgenommene Ortsschild „Windsbach“. Hat einen Schatten. Angekommen.

Zwischen den beiden Toren hängen Fähnchen von Straßenseite zu Straßenseite gespannt. Für Pfingsten? Weiß und rot… – oder waren die vorher schon da?

Venetia. Nun aß ich doch so ein „Unverfroren-Lecker-Eis“ (gestoßenes Wassereis mit Farbstoff). Hätte lieber eins bei Helmreich gegessen, aber da kann man nicht sitzen. Wahnsinn auch hier hat man Netz! Ansbach freifunk net! Unglaublich. Man muss gar nicht an der Ecke des NKDs stehen.

Schräg gegenüber im Fachwerkhaus mit dem Erkertürmchen hat also Goethe mal gegessen. Zur Sonne. Die Sonne ist eine Scheibe und hängt noch dort. Aber es ist jetzt ein Grieche drin. Helios.Viele Griechen in alten Gaststätten. Überall. Griechen sind die Italiener von gestern. Der gegenüber vom Dekanat soll schließen. (soll natürlich nicht, aber schließt. Schade).

Grieche heißt nicht Helios, hatte mich verlesen. Er heißt Ilios. Der in Neuendettelsau heißt zum Fessla. Ich glaube, es ist der einzige Grieche auf der Welt, der nicht nach einem griechischen Gott oder einer Stadt bekannt ist. […]

31.5.

Tag gestern in Berlin weitgehend damit verbracht die Spülmaschine auszuräumen, einen Kosmos zu beseitigen, der entstanden ist, wenn man vergisst sie einzuschalten und dann zwei Wochen weg ist.

[…]

30. Mai

Berlin. Beinahe schlaflose Nacht im Bus. Nürnberg, Bayreuth. Berlin. für einen Tag. Irrsinn. Morgen Nacht wieder zurück. Idiotie. Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen. (zwar tragen sie einen nicht nach Berlin, man wird ja gerollt, aber man muss sie übelst einzwängen zwischen Rucksack und Vordersitz). Flucht in den Traum: ich sitze im Bus übelst eingezwängt zwischen Rucksack und Vordersitz. Allerdings Verbesserung im “Wo”: Fahrt von Italien nach Kroatien über Vancouver. Schönere Landschaft vor Fenster.

[…]

28. Mai

Immer dieser Überschwang. „Wieder evangelisch werden…“  Was zieht da so… Und nun ist auch noch Kirchentag!vielleicht sollte ich erstmal der Sache auf den Grund gehen, warum ich denn (15 Jahre alt war ich damals) aufgehört hatte in die Kirche zu gehen? Dem Kinderglauben entwachsen? – Erinnere mich an dreierlei.

  1. Grund. Scham darüber, weil ich die bei der Kinderbibelwoche einstudierte Orffsche-Instrumente-Musik-Einlage, die wir im Gottesdienst im Anschluß an die Predigt spielen sollten heimlich hatte aufnehmen wollen, aber (bereits vor der Predigt!) statt auf Rec auf Play gedrückt hatte und die eigentlich zum Löschen freigegebene Kassette (Dschungelbuch) lauthals durch die Kirche dröhnte. Probiers mal mit Gemütlichkeit. Ich bin der König im Affenwald und so. Am Xylophon erstarrt. Besitztum des Kassettenrekorder  vermeumdet (wohl an die drei mal), als sie ihn mir nachher zurückgeben wollten. hab mich so sehr geschämt, dass ich nie wieder hin bin.
  2.  Grund. Pfarrers zogen weg.

  3. Grund. Kirche wurde verkauft und abgerissen zu Gunsten der Neubebauung mit Mehrfamilienwohneinheiten.

    Also Scham, Familienangehörigkeit und Desillusionierung. Ersteres war aber der Hauptgrund, der dritte Grund freilich ist ein guter.

    Fakt ist: Menschen, die wirklich glauben, berühren mich. Und wenn sie dann noch singen, oder inbrünstig beten…  Das Gefühl  letztens aber auch empfunden inmitten von betendn Juden an der Klagemauer und wochen später im Gazastreifen, als zunächst die Hähne krähten, dann die Stimme des Vorbeters aus dem Lautsprecher der Moschee knarzende und dann von allen seiten Menschen ins Morgegebet (um vier uhr früh!)  einstimmten. jeder für sich, nah und fern…

    ***

Die Eltern besucht in der Nähe von München. Kein Netz. 2 Tage weg von allem. Auch von Windsbach. Das Stadtbild anders vor Augen gehabt Dank Lektüre “Die Straße meiner Kindheit”. Aufzeichnungen einer Windsbacherin, geboren 1917, die sich an ihre Kindheit erinnert, an die Straße zwieschen den beiden Toren, die Leute, die damals in den Häusern lebten. Bäckerei, zeitweilig Cafe, auch Likör wurde destilliert. Ist das das Haus, in dem jetzt der NKD ist? – Nein, es müsste das daneben sein. Es hat den Brunnen davor. (Der NKD hat dafür W-Lan. – es hatte ein bißchen gedauert, bis ich das herausgefunden hatte: ich saß in der Venezia Eisdiele und starrte immer zu auf das Haus vor dem – irgendwie  komisch – Leute herumlungerten. Üblem Vorurteilsdenken anheimgefallen und gedacht, der dunkelhäutige Mann, der da so lange stand, würde möglicherweise Drogen verticken – und dann abgelöst werden von einer  jungen Frau, die auf Kundschaft zu warten schien (und zur Tarnung mit dem Handy herumfuhrwerken). Verdammt! Anders denken! Unschuldiger werden. Und die Straßenseite wechseln. Da die Venezia Eisdiele kein WiFi zu bieten hat.)

[…]

27.5.

26. Mai

Der Tag beginnt mit einer Korrektur. Der U. hat gesagt, er hätt nicht gesagt, dass der Dorschner die Linde abgeholzt habe, sonern die Linde (die vor des Dorschners Gasthof gestanden hatte unter anderem zur Zeit, als der Goethe an die selbige sich erbrach, sei später entfernt worden: Weihnachten 1992, da hätte jemand gezündelt.

Vor dem Friedhof sprudelte eine Quelle, glitzerte in der Morgensonne, war aber ein Wasserrohrbruch. Schöne, fröhliche Frau mit Kinderwagen grüßte und plauderte, wir stimmten darin überein, dass es schön aussah. andere Frau kam hinzu, klagte über abgestelltes Wasser.

Gehaltvoller Tag. schöne Begegnungen. Ansichten. Austausch. Determinismus erklärt bekommen vom Dekan (muss aber noch drüber nachdenken), wenn man ihn hört (auch so), möcht man (ehrlich!) sofort evangelisch werden. NAnnte die Stadtkirche “seien Margaretha.” Sakristei hat kleinen AUsguss, da hat man früher den Rets vom Messwein hineingeschüttet und den Kirchhof mit Alkohol getränkt. Davon werde ich heute träumen.

Wandgemälde in der Gottesruhkapelle später vom Lechner. Erstmal nur so viel: meine Eigeninterpretationen bisher weitgehend alle falsch, aber das war ja eigentlich auch klar (z.B.. dass da keine Hundehütte abgebildet ist!).

Weitere Einblicke heute nachmittag Dank Besuch bei den Lechners: Die Dorschners (bzw. damals Fischers) hätten nicht nur damals die Linde nicht abgeholzt, sondern außerdem eine andere gerettet. Es gab nicht nur eine Goethe-Linde, sondern auch eine Hitler-Linde, die nach dem Krieg von den Amerikanern gefällt werden wollte. Soll jemand aus dem Hause Dorschner rausgestürzt sein, und drum gebeten haben, den Baum nicht zu fällen, da dieser ja nix dafür hat können, daß man ihn zu Ehren des Führers benannt habe – was den Amis dann auch eingeleuchtet haben muss, weil sie davon abließen.

Der Stumpf der Goethe Linde wiederum steht fast am Internat, also nicht direkt vor dem Gasthof Dorschner (und Goethe soll auch weiter unten (“zur Sonne”) eingekehrt gewesen sein, also das Essen dort (heute ein Grieche) nicht vertragen haben, was wiederum auch nicht erwiesen ist. Laut des Buches “Windsbach” von Karl Dunz – das hat der Lechner mir geliehen), soll Goethe auch nicht erbrochen, sondern gehalten haben weil er ein Haus hatte zeichnen wollen. (wer weiß!). Lechner jedenfalls weiß auch, wer die Linde dann  (also 1992) angkokelt hat: die Internatsknaben waren es, weil sie im hohlen Baum heimlich geraucht haben. Dass man den Baum gleich hat fällen müssen! Da hat die Stadt wohl all zu schnell eine Motorsäge ausprobieren wollen. Man hätt ja bis zum Frühjahr warten können, vielleicht hätte sich die Linde ja erholt.

Der Lechner übrigens glaubt nicht an den Geheimgang von der Gottesruhkapelle zur Wallbergkapelle: Erstere stünde auf sumpfigem Boden, getragen von aufgeschütteten Steinen und Balken. Kein guter Boden für einen Tunnel. – Nun könnte man argumentieren, dass dadurch vielleicht das Graben um so leicher gegangen sei. und vielleicht der Gang auch deshalb  eingestürzt ist…  und deshalb findet man ihn nicht.  Außerdem war Frau Lechner wiederum anderer Meinung. Hat als Kind noch in Mitteleschbach das entsprechende Gegenstück des Ganges in der Wallberg-Kapelle gesehen. Zugemauert zwar, aber durchaus vorhanden. Und: es wär ja ein blöder Geheimgang, wenn er so offenkundig – sichtlich wär!

in der Mittagshitze in der Sonne lag am Wegrand ein toter Maulwurf. Es gibt unterirdische Gänge!

[…]

25. Mai, Himmelfahrt / Herrentag – Auch Frauen mit Getränken unterwegs. diese im Münster Heilsbronn

Windsbacher Knabenchor singt  im Gottesdienst. Flohmarkt in Neuendettelsau. Internatsfest. und die Bienen feiern (oder deren Züchter)

***

Ich bin zu früh zur Stadtkirche, überschätze immer noch die Wege. Über die große Straße, rein in den Kopfsteinpflasterweg, an dem überwucherten Haus vorbei, dessen Ranken aber kein Grün treiben und deshalb wie unrasiert aussieht, an einem Bäcker vorbei, der wohl keiner mehr ist. über das gewölbte Brückla – auf der anderen Seite könnt man ein Grundstück erwerben und Haus für nicht soo viel, aber doch zu viel €uros, und weiterhinten behauptet eine Baufirma, dass hier mein Traumhaus gebaut würde… dahin nicht einbiegen, sondern weiter durch das Stadttor… – und da hörte man dann schon den Gesang.

Um die Kirche rumgeschlichen, erst erschrocken: dachte, ich bin doch zu spät. Aber sie gingen gerade die Lieder durch, vorab. Die völlig unbekannte, unsagbar zarte Musik! Der Nur-Mal-Eben-Gesang. Unerhört schön! Die Alltäglichkeit des Morgens: eine Amsel isst einen Apfel neben den überquellenden Mülltonnen. Aus einem Fenster starrt ein Mann auf die Kirche, aus der aus allen Ritzen, Ecken und Enden und drei Türen die zarten und doch übrschwenglichen Stimmen, auch Ältere.klingen und zwischen altem Mauerwerk und heimlichen Ohren hängenblieben. Zum Heulen schön. Bin froh, dass ich zu früh war. Morgenandacht vorab. Unbekannte Weisen. Der Tag fängt gut an. Sehnsucht.

Der Gottesdienst dann auch sehr schön. Pfarrer weiß, wie man Leute anspricht. Frei und sicher. Sehr sympathisch. Es ging um nicht eingehaltene Versprechen. Kinoverabredungen, Grillen ohne Fleisch Gott und Israel am Sinai.

Abendmahl mit… Apfelsaft? Und eben der wunderschöne Gesang. Immer wieder.

Links von mir an der Wand ein Bild von Luther, Über mir an der Wand seine Schuhe… gleichen denen die ich gerade bei Ebay erstanden habe, weil ich vergaß mir welche einzupacken für den Frühling. Unter mir an der Kirchenbank Zeichnungen ins Holz geritzt oder mit Kugelschreiber: Frau mir spitzem Hintern und sehr großem Busen. Eine Bank weiter steht zu lesen, das der Peter B. seine Schwester geärgert hat. (aber das las ich als alle (alle außer dem U.), auch noch der Knabenchor und auch noch Dekan, Pfarrers, Küster und sonst  das Abendmahl nahmen. Logistische Höchstleistung! Während der Predigt hörte ich zu.

Beim Imkerfest einen älteren Herrn wiedergesehen, Herrn F., den ich auf der Orchideenwanderung kennengelernt hatte. Er hatte gedacht, ich hätte hier vielleicht eine Anstellung gefunden am Internat, weil er mich dort gesehen hatte beim Fest, als ich in der Mensa aß und mir vorstellte, wie es hier gewesen sein muss, wenn man als Kind hier zur Schule geht. Nein sagte ich, ich hätte hier zwar gewissermaßen einen Auftrag, aber nur für einen Monat. Und nicht beim Knabenchor.  Als ich erwähnte dass ich am morgen den Wndsbacher Knabenchor in der Kirche  gehört hätte, fragte Herr F., mich, ob ich mir den Jesus am Kreuz angeshen hätte. dies hatte ich alleridngs. es führt ja auch kein Blick an ihm vorbei. ein sehr präsenter Jesus. Ich sagte, dass mir aufgefallen sei, dass er anders als sonst zwei Nägel, je einen durch jeen Fuß hätte und sehr aufrecht hinge… – “Ja,ja aber lebt er noch oder ist er schon tot”, wollte Herr F. wissen. Er sei mir eher lebendig vorgekommen. fast provokant aufrecht, die Arme ausgebreitet wie zum willkommen, der Kopf nicht seitlich weggeknickt. Fuchs triumphierte:  sehen Sie! dabei hat er doch schon die Wunde in der Brust, ist also tot. Und trotzdem lebt er. – es schien als freue er sich über eine Art Anschlußfehler. “Aber vieleicht ist das die Aussage: Jesus lebt!?” Herr F. winkte ab. Und sofort kam ich mir vor als hätte ich mir da was zurecht geredet. Um abzulenken, erwähnte ich das Münster zu Heilsbronn. da war ich gestern gewesen. Und da haben sie nämlich einen Jesus, der hat Haare! “Echthaarchristus” nennt man ihn. steht auf der Postkarte. sehr gruselig (Aber ist das nicht immer irgendwie gruselig? Man stelle sich mal vor, irgendwelche Außerirdischen kommen und studieren Kultur und Religion Bayerns, die müssen doch denken, dass das ein ganz perverser Splatter-Kult ist, der seinen Gott im Abendmahl verspeist und ihn an jeden Feldweg auf die Folter spannt und (immer wieder!) ans Kreuz nagelt (Der U. meinte: und oftmals seien das gar keine Nägel, sondern Spaxe!) – ich weiche vom Thema ab. denn Zittermänner hin oder her, der Jesus in Windsbach ist stark. nicht so leidend. oder doch: leidend, aber nicht demnstrativ. nicht am ende und ohne jede Schuldzuweisung. es ist eher etwas wie “Da habt ihrs. gern geschehen.” Mehr noch interessierte michg aber, ob Herr Fuchs sich möglicherweise an das Gespräch mit den Frauen aus Wolframs-Eschenbach könne. Habe ihn nach dem unterirdischen Geheimgang gefragt. Er lachte auf, aber mit einem träumerischen Blick, und sagte „Legenden…!“ Er sagte es so, dass ein Hoffnungsschimmer blieb. Ob er sich daran erinnere, fragte ich, dass die Frau bei der Einkehr im Rezatgrund eine Tante in Mitteleschbach erwähnt hätte, deren Keller einen Zugang zu jenem Gang böte, oder einmal geboten hätte, nun aber verschüttet sei?

„Nein…“, daran könne er sich leider nicht mehr erinnern. Zu dumm. Schade. Aber er werde mal nachfragen, wenn er die Damen wieder einmal sähe. Er zeigte mir stattdessen ein Buch aus dem Jahre 1909 über Baumschnitt.

Wichtige andere Erkenntnis Dank der Imker: die Leute sollen nicht immer ihren Rasen, die Bauern nicht immer ihre Felder ganz abmähen, sondern auch was für die Bienen stehen lassen in Blüte. Und wer sich schämt, weil er denkt, dass der Nachbar denkt, dass der Nachbar da sein Grundstück nicht pflege, der solle ein Schild dran machen , das besagt, dass das seine Richtigkeit habe.

Außerdem erfahren (aber nicht von den Imkern, sondern vom U.), dass Goethe einst durch Windsbach kam und im Gasthof Dorschner abstieg (oder speiste). Er habe sich dann später an die Linde vor dem Gasthaus erbrochen. Die Linde gibt’s aber nicht mehr, weil der Dorschner die Linde abgeholzt hat. (Obwohl oder gerade weil Goethe dran gekotzt, habe ich nicht verstanden)

Bin mir so gut wie sicher, dass auch Kleist hier durch gereist ist. aber was den angekotzt hat, hat sich keiner gemerkt.

24. Mai

Burg anschauen in Schwabach. Film in Neuendettelsau. Fleisch beim Rosenberger (kaufen, nicht anschauen). Mehr Häuser fotografieren.Windsbachhaeuserkleinmehr Häuser fotografiert.

Schwabach.

Hier gibt’s gar kein Schloß…!  Alter Mann, den ich fragte, sah mich an, als hätte ich ihn nach dem Weg zum Mond gefragt. Verweist mich nach Abendberg. oder die Burg in Nürnberg, ob ich die meine? will mich nach Nürnberg schicken. Das sei nicht so weit.

…Und hats nie gegeben!, sagte die Frau im Buchhandlungs-Cafe, nahe am Marktplatz.  Passage im Innenhof. In dem kleinen Lese-Cafe standen Feldblumen im Einweckglas. Dachte ich müsse die offensichtlich umme Frage doch rechtfertigen.

Im “Käthchen von Heilbronn”  Kleists Mittelalter-Märchen-Stück, sei ein  Schloss zu Schwabach erwähnt. Hätt ja sein können das es eins gibt. Käthchen ist ein bürgeliches Mädchen aus Heilbronn (im Kleist Archiv Sembdner Heilbronn war man aber der These nicht abgeneigt, dass Kleist, dessen Szenario soweiso ziemlich bunt zusammengeschustert ist, möglicherweise auch an Heilsbronn gedacht haben hätte können, zumal er in der Gegend um Ansbach unterwegs war (Im Gegensatz zum Schwäbischen, das er wohl nie besucht hat)… – also Käthchen ist die Tochter eines Waffenschmieds, und beginnt obwohl immer brav und gehorsam durchzudrehen: rennt einem Ritter, der sich in der väterlichen Schmiede seine Rüstung reparieren läßt, hinterher. Komme was wolle. der Ritter, dem das Verhalten der Stalkerin peinlich ist, geht sogar vor ein Fehmegericht deshalb… was auch immer er macht, immer ist sie zur Stelle, rettet ihm sogar das Leben, er prügelt sie stattdessen davon. Am Ende heiratet er sie doch, worauf sie in Ohnmacht fällt und in eben diesem Zustand und auch weil sie sich inzwischen als ebenbürtig erwiesen hat, weil sie nämlich eine uneheliche Kaiserstochter ist und vom leiblichen Vater außerdem noch dieses vermeintliche Schloß und eine Adelstitel erhält, vor den Altar geschleppt wird. ein quasi Happy End. oder auch nicht.

Möglicherweise alles leere Versprechen, die der Kaiser dem Käthchen gab. Typisch Politiker. „Kriegst die Burg in Schwabach!“ – Und dann gibt’s da gar keine. Das frisch vermählte Käthchen mag mit ihrm Ritter angereist sein ins Fränkische und stand dann da mit Sack und Pack… – nix!

Dafür gibt es “Gott im Park”. Wenn man dem Plakat glauben schenken darf.

Aber einen Brunnen gib es mit Nixen, die haben zwei Fischschwänze, die schlängeln sich über die Steine am Brunnen, das Wasser flirrend und wabernd leuchtet auf ihren Wangen. „Da quillt es wieder unterm Stein hervor…“ sehr ungewöhnlich.

Was haben sie hier mit dem Gold. Goldenes Dächlein am Rathaus, innen am Tourismustresen goldene Bonbons. Auch da weiß man nix von einem Schloß oder einer Burg. aber ich soll den Herrn aus dem Archiv fragen, der sei ein wandelndes Lexikon. leider nicht da. stattdessen schlug die Frau selbt in einem STadtlexikon nach und fand dann doch etwas, das man als Schloß hätte durchgehen lassen können:

Unterreichenbach, ein Stadtteil von Schwabach hatte mal ein Schlösschen, das Kleist, auf der Durchreise durchaus hätte sehen können. Ein zugezogener Österreicher hatte ein im 30jährigen Krieg verödetes Gut erworben und zum Adelssitz umbauen lassen. (Kennt man ja!) So sehr viel her scheints nicht gemacht haben. 1762 hats ein Schuster gekauft und dann unterteilt und teilweise veräußerte. Im Prinzip übernahmen also tatsächlich Bürgerliche Handwerksleute den Adelssitz. 1967 wurde es wegen Baufälligkeit abgerissen.

Sonne kommt heraus und läßt die Goldschriftzüge aufleuchten. BIn immer noch im Lesecafe. Dann H&M.  nichts gefunden. Aber in Umkleidekabine neben mir unterhielten sich zwei junge Mädchen.

„Das Kleid eben hat mir sehr gut gefallen“, sagte die eine mit silbriger feiner Stimme, sehr bedacht und Wort für Wort, redlich bemüht um die rechte Aussprache. Die andere schwieg, erwiderte dann aber schließlich: „ja, schon, aber es steht mir nicht.“ Stille. Raschelnde Kleider. Knöpfe. Kichern.

„Wann ist Sommerparty?“, fragte das Silberstimmchen.

„Wenn warm ist!“ – wieder Stille. Seufzen.

„Also nie!“, sagte die Silbrige mit Wehmut in der Stimme „nie in Deutschland.“

RETZATGRUND

Kuckuck rief nur sieben mal.

Wohin ging dein Schritt und wann?

Gras darüber wächst in hohen

Wiesen und der Bach darin schien schal.

Kaum zum Bett gekommen, lieber

in die Nesseln setzen, einer Sache

auf den Grund gehn. Gelben Blüten-

schöpfen geht die Puste aus, und über

all: greise Löwenzähne fallen

mit dem Wind kaum ins Gewicht

über alle Welt – auf wieder Weh

und der stille Bach trägt nur ein „T“

23. Mai

Keine Ehen! sehr windige Vögel, die Kuckucks. Die Kuckucke? Wikipedia spricht von Promiskuität. die Frauen haben ihr Revier, die Männer auch, jeder macht sein Ding. Und keine Zeit zum Brüten haben die, weil sie sich dafür lieber länger im Süden  sind (oder umgekehrt, weil sie das tun, habens ie keine Zeit zum Nestbauen und Selber-Brütenda – die Fachwelt ist dich da nicht so ganz sicher).

Hatte überlegt, heute die Frau aus Wolframs-Eschenbach zu besuchen, sie hatte mir ihre Adresse gesagt, leider hatte ich da zu viel Bier getrunken und trotz zweimaligen Nachfragens (damals) ist der Straßenname nicht hängen geblieben.

Wäre nett, hier jemanden zu besuchen. Auch das, was sie gesagt hatte über den Geheimgang, der zur Gottesruhkapelle führen soll, am Keller ihrer Tante vorbei, läßt mir keine Ruhe. Habe jetzt nämlich nochmal nachgelesen: EIn Geheimgang ist tatsächlich erwähnt in dem Heft über die Kapelle. Eingestürzt wird er wohl sein, verschüttet und man hat ihn (jedenfalls laut Heft von 1983) nie gefunden. Der Gang führte wenn dann nicht nach Wolframs – sondern nach Mitteleschenbach. Vielleicht wohnte ja die Tante der Frau dort. Das ist auch naheliegender, es wären ja sonst schon an die 9 Kilometer Tunnelarbeit. Der Gang führte natürlich nicht explizit zu jener Tante, sondern zur Walburgkirche. Vielleicht gabs ja kleine Abzweigungen und Haltestellen zum Zusteigen, zum Auftauchen, Luftschnappen und auch aus Sicherheitsgründen…                                   Es ist wohl eine beliebte Pilgerastrecke gewesen (und ist es noch?) Windsbach-Mitteleschenbach (überirdisch). In dem Heftchen über die Kapelle (Altmann, Hermann: “Die Gottesruhkapelle in WIndsbach und ihre Fresken”) stolperte ich über ein altes Dokument aus der Zeit des Bildersturms: Da nahm man sich etwas zurück mit Prozessionen von W. nach M. weil die Protestanten da wohl gerne rumpöbelten:

“Wirst auch finden, daß man zu unsers Herrgottsruh nach Windsbach mit dem Kreuze wie nach Steinberg gangen sei, aber anjetzo ist zu fürchten, die Lutherischen möchten an unsern Fahnen scheu werden, teils nit ratsam, möcht einem Spott widerfahren…” (Handschrift im Diözesenarchiv Eichstätt, Reg 92)

Na, so lang sie nur spotteten… vielleicht sind die Katholiiken ja dann unterirdisch gepilgert und haben ihr Kreuz  durch den geheimen Gang geschleppt….

Unvorstellbar, dass das alles einmal Wirklichkeit war.

***

Zwischen Mitteleschen- und Windsbach einen schwindelerregenden Schreibtisch gefunden. Hochsitz am Waldrand unter Eichenlaub. Felder, Wiesen, Grillenzirpen. eine Kreuzspinne beginnt augenblicklich damit, an meinen Motorradhelm herumzuspinnen. Mitbringels-Croissants, die für den Besuch beider  sogenannte finsteren Uta gewesen wären alleine aufgegessen. Dieselbige war nämlich nicht da. Das Haus gefunden, aber niemanden angetroffen. – Das macht man ja auch eigentlich nicht: Leute besuchen ohne Verabredung. Höchstens in der DDR ging das. Wie find ich jetzt diesen Geheimgang?

„Frag den Lechner“, sagte der U. “Der kennt sich aus.

22. Mai

Mein Freund sandte mir link zu einem Motorrad-Kommunikations-System.- es kostet 47 € und man könnte dann Ende Juni beim Motorradfahren nach Italien gemeinsam eine Musik hören oder sich unterhalten, so von Honda zu Honda. Ein Kommunikations-System…  47 € – wenns was bringt…!

Sitze oberhalb des Kleinbrombacher Sees. Da haben sie eine Bank hingesetzt. Neben dran hängt ein abgeblätterter Jesus am Kreuz und leidet und man selbst darf auf einer sitzen die so ausufernd ist, dass es fast eine Liege ist. Blick runter auf Dörfer am Hang, was für ein wunderschönes hügeliges Land. Wie Toscana, aber in grün. Grillen zirpen, Vögel zwitschern.

Kuckuck sag mir doch, wieviel Jahre leb ich noch?

Leider Funkloch.

Frage mich, was Kuckuckseltern machen, wenn sie ihre Eier in fremde Nester gelegt haben tun mit der erschlichene Freizeit. Verbringen die die gemeinsam? Oder zerbrechen die Ehen erst recht? machen sie sich dann einzeln auf und davon, genießen die Kinderlosigkeit und machen ne Sause?

21. Mai

Viele Irrtümer – Wolframs-Eschenbach hieß früher nicht Eschenbach, sondern Obereschenbach. die weißen Lilien in der Kapelle waren für eine Hochzeit, aber sie hingen auch noch während des Gottesdienstes. Nach dem Gottesdienst war eine Taufe. als man die Kapelle verließ stand die Tauf-Familie schon bereit und scharrte mit den Hufen. Frage mich, ob das die Familie von dem Jungen war, der immer älter als sein Cousin sein wird. ich hatte ihn gestern noch sprechen gehört, nicht gesehen.

Der G. hatt mir gestern erzählt, dass es zum Lutherjahr auch einen Playmobil-Luther gibt. viel Rummel, viel Geld.

 

20. Mai

Schweißgebadet erwacht aus wirrem Traum einer Flucht: ich rannte durch gelbe Felder von Raps, unanständig riechende Blüten peitschten meine nackten Beine und ein Schwarm Bienen war mir auf den Fersen. Obwohl ich in die entgegengesetzte Richtung wollte, musste ich tief ins Feld, in dem noch mehr Bienen zu der Wolke stießen, die mich verfolgte.  Hätte mich gerne fallen lassen, aber die Bienen trieben mich aus dem Feld. Hinter dem Feld endete die Natur, das Dorfleben, die Kleinstadt und ich rannte die Straße weiter ins Großstädtische hinein. Die Bienen waren verschwunden (klar, die haben in den Städten nichts zu suchen, in diese gehören allenfalls die Wespen!), aber meine Beine rannten weiter, ich befand mich offensichtlich auf einer viel existenzielleren Flucht. Es ging durch eine Autowaschanlage, allerdings ohne Wasser. Ich dachte erst “Ein Glück!”, aber jemand lachte und frug hämisch, ob ich noch nie etwas von Trockenshampoo gehört hätte. Es juckte in den Augen. Ich lief weiter, an Wolkenkratzern vorbei, einige sahen aus wie der geplante gigantische Waterfront-Tower der Stadt Belgrad. Einzustürzen drohte er, sah aus wie ein Baseballschläger. In einem Zeichentrickfilm hätte sein Fall mir eins über den Schädel gebraten. Im Traum hörte ich nur ein Klirren, weigerte mich aber, mich umzusehen (aus Angst in Scherben zu treten). Jetzt lief eine Horde Protestanten hinter mir her. Sie hatten aber nichts mit Religion zu tun, schrieben sich mit „th“ und ärgerten sich über meine schlampige Rechtschreibung. Ihre Holzbeine hallten über dem Asphalt. Sie waren schnell, während ich immer langsamer vom Fleck kam. (Daher überholten sie mich und ich musste feststellen, dass sie eh hinter etwas ganz anderem her waren). Die Stadt war eine wabernde Grauzone; wie in Watte gepackt und in Zeitlupe bewegte ich mich auf der Suche nach einem Zufluchtsort… endlich fand ich das Kino: Kino Babylon, das in Berlin-Kreuzberg. Der Traum endete im Kinosaal, genau da wo der Film beginnt…

Vortrag vom Vortag (Abgeordneter der GRÜNEN über die EU. Nett dass man einen Vortrag hört beim Bier trinken im Wirtshaus) Viel gelernt über die EU. Wirtschaftlich gibt kein Zurück. Keinen Ausweg. Es könnte einem Angst machen, aber Wenn man es hinnimmt, ist es vielleicht auch wieder gut. Beruhigend. Klar. EInsicht in die Notwendigkeit… – Wie mit dem Determinismus und der Freiheit bei den Prädistinierten Protestanten!

Ebenfalls gelernt: ein Saures ist ein Radler mit Wasser statt Radler. warum es “Saures” heißt hab ich nicht verstanden.

Nach Merkendorf gefahren, in einem Lokal sitzen gewollt, das aber entgegengesetzt jeglicher Variante der Öffnungszeiten (am Lokal, am Touristeninfo-Aushang) geschlossen war. Durch den Burggraben zurückhgelaufen zum Motorrad. Betteln verboten stand mit Filsstift geschrieben an der Eisentür einer winzigen Werkstatt.

Zeitung gelesen, FLZ: Vor Hundert Jahren hat sich die Stadt Eschenbach in Wolframs-Eschenbach umgenannt. Weil einer nachweisen konnte, dass der Dichter Wolfram von Eschenbach tatsächlich aus Eschenbach ist. Finde ich toll, dass die Eschenbacher stolz sind auf den Sohn ihrer Stadt. Von wegen der Prophet gilt nix im eigene Land! Hätt ja auch sein können, dass denen eine Dichter wurscht ist. (Dass die das damals einstimmig wollten! – Na ja, okay nicht alle: Weil die Ämter da nicht gleich so begeistert waren wegen der Umbenennung, haben die Eschenbacher argumentiert, dass es ja schon so viele Städte namens Eschenbach gibt (anderswo in Deutschland – von den anderen Eschenbachs namens Ober – und Mitteleschenbach ganz zuschweigen). So viel Post tät oft nicht ankommen, wegen der Verwechslungen und dass das sehr ärgerlich sei, gerade jetzt im 1. Weltkrieg!

Windsbach, Venezia Eisdiele.

sehr leckeres Lemon-Pie-Eis, aber mit zu wenig Krümeln.

im Flur rechts links rechts um die ecke zur Toilette: die Werbe-Eiswaffel, ohne Kugeln. Was geschah mit den Kugeln?

“Links rechts links rechts…” sagten auch Kinder an der Hand von Vater beim Überqueren der Straße. “Links rechts links rechts…kommt kein Auto!” und wuselten rüber zur EIsdiele. eins fragte sich ehrlich ergriffen:  “warum rennt man auf der Straße?”             Der Junge hätt lieber ein künstliches slush-eis in blau gehabt statt eines gscheiten. „Unverfroren Lecker“

Gespräch am Nebentisch (anderes Kind):

Erwachsene: „gehst du mit zur Taufe?“

Kind: „Ich WERDE getauft.“

Erwachsene: „Des sagt die Mama schon seit 5 Jahren!“

Stille

Kind: „Werd ich immer älter sein als mein Cousin?“

Erwachsene: „Ja.!“

2. Portion Zitronen-Eis gegessen, diesmal gabs Kuchenstreusel.

Gespräch mit drei Mädchen über verschlimmbesserte Spielplätze. Lieblingsorte und dies und das. Klasse.

Über Traum der letzten Nacht nachgedacht. Prothestanten. Prothes-Tanten. Alte Verwandte mit Gebiss / Krücken / falschen Gliedmaßen?

Nochmal wegen der Bienen. Der U. hatte mir gestern Fotos vom Vorjahr gezeigt: die Bienen hingen wirklich in einer riesigen Traube unter dem Arm des Herrn Jesus!

Und diese Bienen, die vom Friedhof, die seien auch nicht eingegangen, während viele andere Völker, vom Insektenschutzgift benebelt, hätten dran glauben müssen. Klingt das nicht wie ein Wunder? Wäre das nicht was für eine Pilgerfahrt? Herr sprich nur ein Wort…

In der Gottesruhkapelle, weil die Tür aufstand, waren gestern auch welche. Bienen. kein Wunder, dass ich davon träum. Heute sind keine da, obwohl innen weiße Lilien an den Enden der Bänke duften – und am Altar. Für morgen? Für den Gottesdienst?

GottesruhKopfhoerer

Figuren gemalt, auch  wieder alle blond mit bauschigen Pagenkopffrisuren. sieht ein wenig aus, als würden sie Kopfhörer aufhaben.

Abends, Neuendettelsau,

Ich war eigentlich zu müde, aber die Us verlockten mit einem Klezmerkonzert in N. Zum Glück mitgefahren. Langsam rollten wir Parkplatz suchend am Diakonissenfriedhof entlang – liegen da nur Diakonissen? Assoziation von mitternächtlichem Herumgeistern von schimmernden Gestalten in langen silbergrauen Gewändern, tuschelnde Nebelschwaden, zufriedene Wiederkehr aus dem Jenseits für eine Stunde auf Urlaub, ein Schwatz, ein Singkreis… – ganz unevangelische Gedanken. War aber nun mal eh in seltsamer Stimmung. Es ging gerade in Richtung Luthersaal, da ging vor uns ein alter Mann am Stock. Erst nicht gewusst, warum, aber irgendetwas ließ mich aufblicken, die Gestalt ging auch zum Konzert. Das Wort „Alleingang“ gedacht. Musste – vielleicht auch weil hier so viel Evangelisches einen entgegenkommt, an unseren alten Pfarrer denken. Da hatte ich ihn aber schon aus den Augen verloren.

Hatte mir einen Luthersaal als ein hohes Gewölbe gedacht, mittelalterlich, kellerig und mit Tintenspritzern an der Wand, in dem ein südöstlicher Balkanband spielen würde, aber es war ein heller großer moderner Bau. Natürlich, ein holzgetäfelter 70er Jahre Saal, evangelisch halt.

Konzert großartig. Naja, vielleicht kein Konzert, ein “Aufspielen”, lebendig, bittersüß, mitreißend mit nur drei Musikern, die knallrothaarige Frau mit dem Saxophon, der Mann aus der Südukraine, der als Akkordeon spielt, als ein Miniaturorchester, der Trompeter, der Sein Instrument, wie es sich für ein Pferd gehört, mal gedämpft mal lauthals, schwer und irdisch und dann wieder leicht und sehnsuchtsvoll.

Mitsummen gedurft. Die Musiker haben Ohrwurm ins Ohr gesetzt, der wird so schnell nicht den Ausgang finden aus den Windungen der Gehörgänge und des Hirns.

Dazu der Duft der evangelischen Holztäfelung… Heraufbeschworene Gestalten:

Den alten Mann im Publikum sitzen gesehen. Immer hab ich hinsehen müssen, denn nun, da noch eine Frau an seiner Seite saß… schien das Bild mir noch vertrauter zu sein, hätte die Pfarrersfrau sein können. Wars der Holztafelduft – der auch in unserer Kirche immer in der Luft gelegen hatte, wars die Musik. Die alle Register zieht, alle Schubladen auf , sonstwas an Gefühl an die Oberfäche wühlt. – Aber wär’s so unwahrscheinlich? Vielleicht ziehen alle Pfarrers gen Neuendettelsau im Alter, wie die Zugvögel gen Süden?

19. Mai

Gottesruhkapelle, gezeichnet: freundlichen Löwen mit Flügeln. Einen Gelehrten mit Heiligenschein der eine Schrift hält in der einen Hand, und mit der anderen einen von zwei neben ihm stehenden Männern am Ohr zieht, vielleicht weil dieser nicht zuhört.

Lowekoenig, ohrchor

Vortragender gestern hatte niemand am Ohr ziehen müssen. Stark. Alle interessiert. Offizieller Titel “Reformationsjubiläum – Was gibt es denn da zu feiern?” Aber immer wieder geht’s um das Thema katholisch-evangelisch. Zu feiern gelte es zwar genau das: Dass die Katholiken endlich nicht mehr so katholisch sind, und ebenso, dass die Protestanten inzwischen auch mal was von den Katholiken abgucken (Eucheristie statt  Abendmahl?)  Evangelishe Frau (die waren natürlich alle Evangelisch, außer mir) neben mir erzählte von einer katholischen Nachbarin, mit der sie oft am Gartentürchen zusammengekommen sei und manchmal zusammen gebetet habe (trotzdem die eine katholisch, die andere evangelisch ist!) z.B. damit ein Verwandter aus dem Irak zurückkomme und so). Man sei sich da einig gewesen im Glauben, aber am Ende eben dann doch nicht. Als der Katholischen ihr Karl weggestorben war, haben sie zwar auch zusammen gebetet, aber die Katholische hat sich dann doch sehr verlassen gefühlt (“Gell du wirs nimmer weiter beten mit mir, dass die Seele vom Karl in den Himmel kommt”). Der Evangelischen tat das leid, aber für sie war es halt klar, dass einmal beten reicht. Die Katholische hat sich dann für den toten Karl total verausgabt sich, weil sie ihm Totenmesse über Totenmesse hat lesen lassen müssen und so, damit er Ruhe findet. Kommt einem vor wie aus ferner Zeit. Rituale, damit der Himmel geneigt ist, einem nicht am Ohr ziehen muss… die Kirche, die das übernimmt und es sich bezahlen läßt auf der einen Seite, die andere die sagt: das klappt schon, macht das mit Jesus aus. … natürlich wirkt Letzteres emanzipierter, aber andererseits, das ackern und Buße tun bei den Katholiken ist vielleicht aktiver. Und am Ende kriegt man was für sein Geld… EIn bißchen wie bei den griechischen Göttern. DIe musst Du anbeten, auf deine seite kriegen, ihnen was vom essen abgeben, mal ein Kalb verbrennen… Allerdings mahen die das direkt mit den Göttern ab. eigentlich ein katholisch-evangelisches Mischkonzept – mit ganz vielen Göttern, die allesamt dann und wann Mensch werden.

Da schwanke ich also zwischen den Religionen hin und her, hätte ja auch in die katholische Kirche nach N. gehen können zu diesem Marienerscheinungs-Vortrag: die sich Jungfrau die in 1917 in Fatima, in Spanien Hirtenkinder offenbart:  Rosenkränze sollten sie beten, damit der Weltkrieg endet und wenn sie es nicht recht machten, käme ein noch schlimmerer Krieg! Und Russland müsse endlich seine Irrlehre sein lassen! Krasse Überforderung! 2 der Kinder starben auch prompt. (aber angeblich wollten die das auch so…) Süßherbe Sanktionen, freidrehende Sonne, dahinsiechende Kinder und unterm Strich kam nicht wirklich was gutes dabei raus.  Das also habe ich verpasst.

Ich bin jetzt vielleicht ungerecht, denn ich habe mein Wissen nur aus dem Internet, vielleicht wäre der Vortrag und das Diskutieren darüber spannend gewesen. ich sollte die Frau aus Wolframs-Eschenbach fragen, wie es war.  Jetzt wo ich das schreibe, denke ich fast: vielleicht wars das illustere Thema. (Das ist ja auch das was bei den Katholiken so gut funktioniert: diese emorme Mystik. das Zähneklappern, das in Ohnmacht fallen vor Hingabe. der geheinsnisvolle Ritus…). Natürlich schreit das nach Protest, Abspecken, Klarheit, Augenhöhe, dem hölzernen hellen Raum mit dem Stuhlkreis, Protestantismus eben. Vielleicht braucht das eine das andere aber auch?

Eine Studentin aus Neuendettelsau äußerte sich besorgt, Angst, dass die evangelische Kirche sich immer mehr spalte (und tatsächlich war eben dies der Punkt, den der Vortragende als Mangel empfindet, als etwas, das nicht auf der Tagesordnung der Reformationsfeier-Anläße steht). Seltsam. Ich dachte, dass sich inzwischen alle Unterschiede in wohlgefallen aufgelöst haben, aber es ist wohl nicht so.

Es waren wenige da, das fand ich angenehm. Kindheitserinnerungen. Der Duft dieser Räume hatte mich schon damals angezogen, „weg von die Katholischen“ zu den offeneren Protestanten, die nettere Bilderbücher hatten im Kindergottesdienst und tollere Zeltlager veranstalteten. Der Glauben schien so leicht…

Das vermitteln sie gut: die Befreiung, die Erlösung. Bleibt ein Zweifel (ich traute mich gestern nicht nachzufragen, weil alle so gebildet waren): ist bei den Protestanten nicht alles vorherbestimmt? Ist man nicht das Männchen im Computerspiel, das gelenkt wird, egal in welche Richtung es sich eigentlich abzappeln will? War da nicht etwas von einem Teufel, der auf das Maultier springt und es (oder dich?) in die Hölle treibt, oder eben nicht…??? Der Determinus befreit: es steht eh schon fest, komme was wolle. Gott fügt es. die einen sind prädistiniert für die Hölle, die anderen für den Himmel. Frei ist man doch nicht, oder? Man hat nur die Freiheit, sich nicht total fertig machen zu müssen, ob des Happy ends oder der Ende der Misere. (Möglicherweise haue ich Luther, Zwingli und Calvin aber hier in einen Sack.) den Pfarrer mal fragen. schien für Fragen und Zweifel offen zu sein.

Ausgefahren. Merkendorf, Büchelberg. Laubenzedel. Hinter LKW her, dessen rückwärtige Werbebeschriftung mich fragte, ob ich Erfolg ernte. “Ernten sie ihren Erfolg?” Kühe vor Landwirtschaft versprechen “Optimierung mit System”.

Was ist eine Slipanlage? Ausgeschildert, aber dran vorbeigefahren.

Tanken in letzter Minute. Geldbörse vergessen und ADACkarte. Netter Tankwart.

Stadtcafe. Es muss nochmal Beerdigung sein. Von überall her kommen schwarz gekleidete Leute. Wahrscheinlich werden bald die Bläser wieder spielen.

Nachmittagsmüde. komme nicht aus dem Motorradschuh, weil der Reißverschluß klemmt. der Hund spielt Flaschendrehen mit einer 0,3l-Plastikflasche.

Gleich spricht einer von den Grünen über Europa. Rezatgrund. Wahnsinn. so viel Events besuche ich in Berlin sonst nie!

17. Mai,  Gottesruhkapelle.

Hier war ich gestern schon. Der U. hatte mir im Dezember ein Buch über die Kapelle mitgegeben, das hatte ich noch im Zug nach Berlin fast ganz gelesen. Hängen geblieben war dann doch nur dass da ein Ritter Hellberg war, Amtsmann zu Windspach, der nach Jerusalem zog und im Kreuzzug verwundet ward und als er wiederkam, hatte er die Kapelle gestiftet. Ich hatte es verschlungen, auch die Bilder, die da freigelegt wurden und die wie ein Comicstrip Bild für Bild, streifen für Streifen die Wände in der Kapelle bebildern, und prompt wieder vergessen. Bilder hatte ich mir in schwarz-weiß gedacht, so waren sie in dem Buch gewesen. Bunt sind sie “in echt”! Welch verwaschene Pracht, welch schöne Lücken. Lücken die man füllen könnte mit virtuellen Comic-Helden, Aprechblasen, peng und Uff. Das ganze ist ein über die Jahrhunderte aus dem Projektor gelaufener Filmstreifen, den man bewegen könnte.

Bei dem Kurzbesuch damals im Dezember waren wir auch hier her gegangen. Der U. hatte mir, die Kapelle im Abendrot zeigen wollen, aber da war es schon winterlich dunkel gewesen, als wir ankamen. Einzig  das Helu-Kabelwerk leuchtete, allerdings nicht minder zauberhaft in der Nacht. Ein Glaspalast schien es, ein Werk, das mir mein Vater, als ich noch Kind war verkauft hätte als: „Da wird Weihnachten gebacken“.

Im Mai sieht das Werk langweilig aus. Die Kapelle aber steht offen, man kann einfach hinein.

[Zitat] “Hans von Hellberg von geblüte / Edel, christlich im Gemüthe, / Welcher seinen Pilgrimsstab/ Fortgesetzt zu Christi Grab: / Auch allda nach Wunsch genesen/ Amtmann hies’ger Stadt gewesen. / Der, der hat aus Dankbarkeit / gegen Gott zur selben Zeit / Als man zwei Mal hundert sieben / Nach der Jahrzahl hat geschrieben / Seinen Reichtum nicht geschätzt / nd den Bau hierher gesetzt. / Soll mit Christi Grabes Bette / Windspach gleich der Ölbergstätte / der Distanz nach treffen zu – / Drum genannt: Zur Gottes Ruh.”

Hinreißende Farben. Sicher waren die mal krachend grün und knallrot, viel gelb (die schienen allesamt blond gewesen zu sein damals!). Jetzt ist alles zu Rosatönen verbliechen und zartem türkisgrün. Die Farben hauchen ihre Seele aus, an den Wänden blühen die Bilder not. Das Vergängliche berührt mich ebenso wie die Tatsache, dass alles noch da ist. Alles wird immer schöner. Es wird wohl der Kreuzzug sein, den man da sieht. und die Rückkehr, vielleicht auch den Bau… – Aber man kann sich auch was Eigenes dazu ausdenken: EIn lichter blonder Engel in weiß, der sich in der roten Burg versteckt, der Wächter auf dem Turm entdeckt ihn. Und schimpft hinunter vom Turm. Vielleicht will er ihn auch hochziehen. Ein grüngewandeter König spaziert vorbei und wundert sich.

engelvorrotemturm2

Ein Gott mit einem Baseballschläger taucht aus den Wolken hervor und verrät den Engeln rechts und link seinen Plan. Unten knien Leute in Verehreung und hören zu.

schlaegerGott Krug

Eine Nonne beaufsichtigt ein Kind, das auf einer Hundehütte herumturnt.

nonneaufspielplatz

(vielleicht schubbst sie das Kind auch? vielleicht handelt es sich nicht um eine Hundehütte? Vielleicht ist das die noch nicht vollendete Kapelle? wieso läuft da ein Kind? Ist das wieder Jesus?)`

Ein dunklgrau angezogener Fürst, ebenfalls blond zeigt auf ein braunes Fass. Ein überdimensionales Tintenfass, ein Weinkrug? Man trifft Anstalten, auszuschenken. Eine Schlange windet sich um das Gefäß und verhindert es.

Jetzt bittet der Fürst eindringlicher, er betet gar, aber er kriegt nichts aus dem Gefäß. Jemand schaut ihm dabei zu. Nichts zu machen. Okay, der Krug sieht jetzt doch eher wie ein Gebäude aus. Vielleicht ist es die Kapelle, noch ohne Turmdach? Ein Baum wächst davor.

Der Fürst geht weiter…

2Trageneinestange

Was dann kommt weiß ich nicht. Es ist ein Fenster, da wo der Film weitergehen müsste.

gottesruhVORNE

Vielleicht kann mir irgendjemand erzählen, was da in Wahrheit gemalt wurde???

Später Einkauf, keinen Rossmann gefunden wegen Shampoo.

Orchideenwanderung, abends

Orchideenwanderung des Nabu. Schöner Abendspaziergang. Viele ältere Leute lupfen ihr Schuhwerk und betreten in einer Reihe eine nasse Wiese. Es ging vom Retzatgrund aus, der Pension, in der ich letztes Jahr übernachtete. Am Waldbad vorbei. Der U. sagte, man nenne es “Nazibad”, weils 1933 gebaut wurde. Großflächig funktional. Jetzt wird es umgebaut. Man kann erst im Juli baden. Freundliche Frau mit grauem Haar, die aber sehr jung wirkte, erzählte mir, dass ihr Großvater (oder sagte sie Urgroßvater?) das Bad gebaut habe. Findet den Umbau entsprechend unnötig. Zumal man jetzt die Hälfte der Badezeit verpasse. Man hätt ja auch nicht alles auf einmal neu machen können. Das Schwimmbad ist unbeheizt, man badet im Wasser des Flusses. Im Fluss aber würde keiner baden. Würde sehr gerne in der Rezat baden!

Die Orchideen hätte ich übersehen. Kleine lila Blüten. Knabenkraut. Schöner Name. apropos: wann singt dieser Chor endlich?

Einkehr nach der Wanderung. Das Sitzen beim Bier im Rezatgrund (eigentlich nicht schön, viel zu Asphaltig! Betonplatt) mit fremden Leuten, die sich alle zu kennen scheinen…. was sich aber dann als Irrglaube erweist: die kommen nur so schnell ins Gespräch über GOtt und die Welt, dass man denkt, die kennen sich. SPazieren durch die Natur verbindet.  Das Knabenkraut, das dreiblättrge. Die Abendsonne im Gegenlicht in den Gräsern. Ein früher Frosch im Gras, langbeinig entkam er. Neu gelernte Worte: Totholz und Totalherbizit.

nabusw P1330889 P1330880 Nabu

Frau aus Wolframs-Eschenbach, die aussah wie meine Freundin Silke in 20 Jahren war unsagbar nett und erzählte mir vieles über den Zusammenhang Katholisch und Evangelisch. Welche Städte sind wie? Wolframs-Eschenbach-katholisch, WIndsbach-evangelisch (das hatte ich aber schon an meinem ersten abend erklärt bekommen.  Eschenbacher wurden zitiert, die bei Einladungen zu Stadtfesten nach Windsbach verwundert ablehnten: “Wer geht denn nach Windsbach?!” (Na ich! ICH gehe nach Windsbach!)). Und die ältere Silke ja auch. Sie weiß, dass das jetzt nicht mehr soooo ist, mit Kataholisch vs Evangelisch, aber Vorbehalte gibt’s doch, ihre Freundin, sie aussah wie meine Freundin Uta in 20 Jahren, herberer Typ, eine starke Frau mit warmen dunklen Augen, sah mich an wie eine verlorene Seele, weil ich zwar katholisch getauft bin, aber nicht gefirmt und auch sonst es lieber mit den Evangelischen halte. Ich soll morgen in die katholische Kirche nach Neuendettelsau kommen und einen Vortrag über die Fatima-Offenbarung anhören (da soll Maria irgendwelchen Kindern erschienen sein! . in einem Ort namens Fatima, nicht in Neuendettelsau!), ich weiß nicht was sie mit “Fatima” meint, es dauerte sogar bis ich verstand, dass es ein Ort ist, kein Frauenname. sie sag mich an, als hätte ich üble Bildungslücke. Aber andererseits konnte sie mir nun auch nicht grad viel sagen dazu. Ich würde ja hingehen. Aber da ist auch der Ghospelchor von meiner Gastgeberin…. und die Windsbacher Knaben sollen eventuell in einer Turnhalle singen…?

Qual der Wahl. Knaben oder Jungfrauenwunder? Gospelgesang oder ein Vortrag der Windsbach der Diakonie über das Lutherjahr (“Was feiert man da eigentlich?”). Irgendwas mit Religion auf alle Fälle. Seltsam.

Sie erzählte mir Geschichte von ihrem Vater. Der 16jährige schon Schmied war und in den Krieg musste. Essen ausgeben. 2. Weltkrieg. Gefangenschaft. Amerika. England Frankreich. Wieso haben ihn die Alliierten herumgereicht? Die Franzosen seien am schlimmsten gewesen. Das traumatisierte ehemalige Kind hat sich später immer eingesperrt im schlafzimmer. Ihr ist das jetzt erst klar geworden, wie sehr der Krieg ihn kaputt gemacht hat. Ihr Mann ist tot seit Februar. Krebs. Aber gestorben an Thrombose, ausgelöst durch die Chemotherapie. Nun sitzt sie in einem großen Hause, allein. Einer Tante von ihr hatte ien Haus gehört, in dessen Keller noch ein Zugang von einem geheimen Gang mündete, der vom Keller der Gottestruhkapelle nach Wolframs-Eschenbach verlief. Beim Biere die Details vergessen. Davon werd ich nachher träumen.

Seltsamerweise haben mir heute viele ältere Frauen von ihren toten Männern erzählt. Eine war Pfarrersfrau. Lange in Südafrika. Einen friedlichen Mann habe sie gehabt, Lymphkrebst. Sie glaubt, dass die Zecken schuld waren.

18. Mai,

Traum. nicht von Geheimgängen, aber doch von der Kapelle. die Fresken waren bunter und in 3 D. das hatten Restauratoren gemacht mit spezial-Technik auf die ich neidisch war. allerdings wusch sich be Regen alles heraus. ein Restaurator hatte ein Shampoo in der Tasche. Guhl – living Colours.

Muss damit zusammenhängen, dass ich in Ermangelung meines eigenen Haarwaschmittels, heimlich von dem meiner Gastgeber nahm.

Wieder herrlichstes Wetter. Gehe diesmal zu Fuß.

Schönes altes Haus in der Nummer 12. Flieder rankt an der Fassade, drängt sich in dickem violetten Busch, die Fenster darüber sind zugemauert. Seltsame Ansicht, der rote Backstein darin, der den Rahmen zu sprengen scheint . Kein Aussicht. Schön schauts trotzdem aus.

Der Jesus auf dem Friedhof ist schwarz. Und tatsächlich schwirren Bienen um den Leib Christi. Nicht so wie ich es mir vorstellte, dass da ein ganzer Bienenstock unter der Achsel hängt, schwirrt und schwärmt, aber doch sehr viele Bienen machen da rum.

An einem anderen Grab steht „Für ein schöneres Auferstehen“. Nachgeschwärzte Schrift die aus dem Stein heraussticht. Die unbequeme Einrichtung der Welt… – wo doch meistens eher geschrieben steht, was die Hinterbliebenen angeht (“Unvergessen”, in Liebe”). Vielleicht hatte jemand ein ausgesprochen schlechtes Leben?   Und rechnet man damit, dass das noch eine weile unbequem sein wird, da zu liegen?  Trotzdem – Auch das klingt ein bißchen nach einem Werbe-Slogan. Nach einer Zeile aus dem Bettenteil des Ikea-Katalogs.

Wohlwollend angesprochen worden von einem Tubaspieler aus Ansbach. Wahrscheinlich gab ich ein seltsames Bild ab, mit dem Notebook auf der Friedhofsbank.  (“Hier stört sie keiner”, sagte er – Paradox! – und fragte, was ich schreibe.  Spielt bei Beerdigungen. “Ohne die Tuba geht nix in der Musik”, sagte er. Lehnte sich an eine Säule neben der Bank, ein bißchen wie ein gemütlicher Redner auf einem Pult oder einer der aus einem Fenster gutckt und mit den vorbeigehenden schwatzt. Sprach über dies und das, über Baulücken und zu volle Städte.”In Berlin verschwinden die letzten Baulücken, die letzten Brachen”, sagte ich. Er sagte, seine Frau hätte gesagt, es gäbe da noch viele und so viel Grün. Baulücken findet er gut, da waren wir uns einig, allerdings findet er daran gut, dass man neue Häuser reinbauen kann. wieder Paradox.

Schreiben am kleinen Fluss, mitten im Grün gelandet Wiese hinter dem Friedhof, im hohen Gras. Bis zur Rezat durchgeschlagen, aber da wo ich dann zum Wasser stieß, ging es zu steil hinab. Zu brennesselig wars. in der WIese versucht, meinen Roman zu pberarbeiten, aber die Sonne brannte zu heiß und zu hell. das ist Unsinn, der Versuch die Sehnsucht nach Sonne und Natur mit dem Schreiben unter einen Hut zu bringen. Ist doch klar, dass man hier erstmal träumen muss. im hohen Gras verschwunden, von Ferne tönte die Blaskapelle, schwer und gewichtig, und trotzdem leicht wie Löwenzahn wehten die Töne herüber vom Friedhof.

Weil heute ich  kochen werde. Fleisch kaufen. Fleisch kauft man beim Rosenberger. Bin schon oft dran vorbei gelaufen, aber jetzt wo ich den Laden suche, ist er unauffindbar. Im Supermarkt Fleisch kaufen ist No-Go für die Us. Respekt. Nicht dort kaufen! Auch wenn es mich juckt zum rewe zu fahren, Tee zu kaufen und Plastikverpacktes Gehacktes von unglücklichen Tieren. für ein besseres Auferstehen. Nicht etwa, weil ich das gut finde, Industrie-Mist zu kaufen, aber weil es so gut tut mit dem Motorrad durch die Sommerhitze zu fliegen.  Es tut zueweilen gut, alles mit anderen Augen zu sehen, anzugehen. zu Fuß zu gehen. Kein Rewe. Den Fleischer in der Hauptstraße gefunden, natürlich. Der Duft, wenn man den Laden betritt hat mich an die Kindheit früher erinnert.und beschämt, dass ich Rewe auch nur in Betracht gezogen habe.

Abends Vortrag im Dekanat. tolle Leute hier, schöne Gespräche.

16. Mai

Versammlung im Rathaus zwecks Planung des Stadtfestes. …

hatte ergeben, dass die (offensichtlich in Scharen zu erwartenden Senioren nur einen statt zwei Getränkegutscheine erhalten). Bei Essensgutscheine im Werte von 4 € wird die Restsumme, falls das Gericht unter 4 € liegt NICHT ausgezahlt. Ist ja eigentlich klar. Aber was, wenn alle nur zu einem Stand gehen mit den Gutscheinen. die Frage lag mir auf der Zunge, aber ich war ja nur so mit. was gehts mich an. was alles bedacht werden muss… Eine bringt eine Spülmaschine mit zum fest. jeder darf nur ein Spezialgericht anbieten, damit man nicht gegenseitigin Konkurrenz tritt. SInd Smoothis das selbe wie mexikanische Fruchtsaftcoctails? “Fruchtsaft ist Fruchtsaft”, sagte einer. Abgesehen davon scheinen die hier gut zu funktionieren, so als Stadtprägende. Es ist nichts anderes als in Berlin-L.

Bin nachwievor skeptisch, ob das Windsbacher Stadtfest unbedingt einer Lesung bedarf.

“Und was schreiben Sie denn dann eigentlich hier?” wollte der Bürgemeister wissen. wenn ich das wüsste! alles Festzulegende macht mir Angst.

15. Mai 2017

Hostel in Nürnberg bot tiefes Hochbett – aber mit Blick in den Himmel, der nun wieder klar war. Dunkelblau, ein paar hellere Wolken über der leuchtenden finsteren Schicht. Ein Stückchen vom Stadtmauerturm, in der unteren Ecke, ein bißchen Rotlicht von der Leuchtreklamenschrift, aber im großem und Ganzen, nur Himmel. Die Cousins und Cousinen waren nicht erreichbar. Froh darüber, in tiefen Schlaf zu fallen.

Früh los, zu wenig Weg übrig, als dass es eine rechte Anreise hätte sein können.

Rewe Heilsbronn. Earl Grey Tee erworben. Rewe Berlin-Lichtenberg hat den nicht im Sortiment. Frau am Bäckerstand gab mir heißes Wasser. Gefrühstückt mit Blick auf Rewe-Parkplatz. der sieht aus wie jeder andere Rewe-Parkplatz dieser Welt. Earl Grey war ausgezeichnet.

Ankunft. Windsbach.

Es scheint mir zu früh, um schon anzukommen. 30 Kilometer sind zu schnell verflogen.

Weiterer Earl Grey im StadtCafe Windsbach. Nicht erwartet, dass es dort welchen gäbe. Noch ausgezeichneter. Müde. Das Hochbett steckt mir in den Knochen.

Witze gehört, lange umständliche, die am Nebentisch erzählt wurden. Leider Pointe verpasst. Das wurmt mich. die am Tisch lachten laut, der Witz muss komisch gewesen sein. Mann an anderem Tisch begeisterte sich über im Zeitungsblatt gelesene Maketing-idee eines Museums: Jedes Kind, das einen Teddybär mitbringt, kommt umsonst ins Museum. “Wos Ideeee!”

Eintauchen in ein fremdes aber freundliches Familien-Paradies. Beidseitige Erleichterung darüber, dass keiner von beiden Vegetarier oder gar Veganer ist.

Hund mit großen Basedow-Augen und seltsamen Füßen gibt verrückte Töne von sich.

Von solchem Bauerngarten habe ich immer geträumt. Und von solchem Teich.

FRÜHLING, 14. Mai 2017

Aufbruch.

Als ich ihm  – weil Aufbruch war – noch etwas Schönes sagen wollte, bevor ich nach W. fuhr, nämlich, dass ich ziemlich glücklich bin  – mit ihm… – und das dann auch tat (ihm das sagen), bekam er sofort Panik. Verdammt! Soll man sich jetzt wieder auf die Zunge beissen?! Ich denk nicht dran. Wenn ich glücklich bin, bin ich glücklich. Ob ihm das passt oder nicht. Superglücklich! Ich bin glücklich-glücklich-glücklich.

Der Augenblick in dem man es sagt, ist es nicht mehr so. Wer glücklich ist, hält die Klappe und singt. Vielleicht ist jede Form des Ausdrucks immer erstes Anzeichen einer Mangelerscheinung.

Das Packen der Satteltaschen hatte etwas von Sich-Vom-Acker-Machen. Der Acker ist ein weites Feld. Autobahnen wie endlose Flugzeugrollfelder fürs Beinahe Abheben. Nicht geflogen, aber die Gedanken über das Glücklich-Sein-Oder-Nicht-Sein flogen davon.

Fast gleich auf die A 9 gefunden. Fast immer 130 gefahren. Fast immer Sonne gehabt.

In die Wolken fahren (in Sachsen-Anhalt).. Tief am Horizont Flocken. Schafe. Sahneeisballen. – Nie zuvor so warm gefahren. Nie so schnell. Das Entfesselte Motorrad. Der helle Himmel. Die schöne Welt. Der Mai. Der Duft von Mai.

Erst kurz vor Nürnberg zogen großartige tintenfarbene Wolkenberge auf. Giftgelber Abendhimmel, mit schneeweißem Dunst zwischen bleiernen Schwaden. Und wie konnte es anders sein, als dass sich da gerade eine Hängebrücke ankündigte, so sagten es die Schilder… Das stelle man sich mal vor: man fährt erstmals auf dem nicht mehr gedrosselten Mototorrad 400 und noch was Kilometer lang Autobahn in der Sonne und gerade dann, wenn man in einem Unwetter landet, steht da ein Schild: “Hängebrücke!” und man muss damit rechnen, dass diese (nur dann und wann baustellige Autobahn plötzlich zu einer wackeligen Bretter-Auf-Seilen-Brücke über abenteuerliche Schluchten wird! – Okay, sie war dann doch recht solide! Aber man kommt doch nicht um die Sorge herum. Wo war das? Hieß es Höllenberg? Teufelsberg? Die Wolken schienen in mal hellen, mal düsteren Schlieren auszufransen. Schlierige, pausbäckige Gesichter mit dürren langen Nasen, die aus den Dunklen Wolkenformationen hinüber spitzten ins giftige Gelb. Immer war der Weg der Autobahn so, dass man dachte, man entginge dem Unwetter, aber dann kratzte die Straße die Kurve und führte doch mitten hinein. Glasklare Regentropfen. Ein unglaublicher Blitz. Wie ein Schmiss quer über den Himmel bis hinunter zur Erde.

W I N D S B A C H E R   T A G E B U C H

Wenn man Motorrad fährt, allein für sich, wenn es nicht wichtig ist, ob man rechts abbiegt oder links, wenn man sogar Schwierigkeiten damit hat, wo rechts und wo links überhaupt ist, wenn man keine Karten lesen kann und Navigationssysteme ablehnt, greift man auf Assoziationen zurück. “Windsbach…” Da war ich nie. einen Knabenchor soll es da haben, ein Internat… EInen Junge, den ich gerne gekannt hätte, als ich noch ein Kind war, verschlug es da hin… – VORBEI VERJÄHRT DOCH NIMMER VERGESSEN / ICH REISE / ALLES WAS LANGE WÄHRT IST LEISE…

– Toll, ich starte den Blog  mit einer Gedichtszeile, die nicht von mir ist!

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20. Dezember 2016

Auf dem Grabstein stand „Jesus ist Sieger“.

Windsbach. Friedhof. Der U. Bei dessen Familie ich wohnen werde im Mai, ging mit mir über den Friedhof. (Nicht nur, aber auch!) Ich mag diesen Friedhof. Er war mir schon bei meiner ersten Durchreise ins Auge gefallen. Hatte mich hier auf eine Bank gesetzt, weil’s so idyllisch war. Irgendwo standen Badelatschen rum. Das hatte mir gefallen. Wer wechselt seine Schuhe auf einem Friedhof? Und vergisst sie dann? Oder holt sie dann doch…

Da waren sie jetzt nicht mehr. Klar. Es ist Winter. 4 Tage vor Weihnachten.

Die stille Stadt, das Keller-Gewölbe unter der Musikschule mit Einbauküche und Weihnachtskrippe, es riecht nach Spargel, ist aber eher Schimmel. Kühne Pläne, Musiker in alle Ecken verteilen, spielen lasssen vereinzelt und als Klanginstallation. Aber ob die das dann auch wollen…? Die Gassen, die gewölbten Kopfsteinpflaster-Brücken. der verlassen wirkende Bahnhof in der Kälte, der höher gelegene schöner Friedhof, umrandet von der kleinen Steinmauer, dahinter die im Winter fahlen Wiesen durch die sich der Fluss schlängelt. Und wieder der Friedhof. Ein überschaubarer Ort unter hohem hellen Himmel. Ein Kreuz mit schwarzem Jesus sticht heraus.

Der U. erzählte, dass im Sommer ein Bienenschwarm sich unter den Achseln vom Jesus gesammelt hatte. Das gefiel mir noch besser als das mit den Badelatschen. Jesus mit Bienen. Kann nicht umhin zu denken, dass es damals die Badelatschen vom Jesus waren, die da standen. Jesuslatschen. Was sich die Bienen wohl gedacht hatten, als sie die ausgebreiteten Arme vom Jesus ansteuerten.

Jesus ist Sieger…

„Und wir sind Weltmeister!“, sagt der U.

“Wir sind auch Papst.”

“Das war mal! Wir waren Papst.”

Alles was nicht mehr ist, zieht mich nach Windsbach.

Hier werde ich also den Frühling verbringen…

***

WINDSBACHER TAGEBUCH   (von unten nach oben zu lesen)

15. Mai – 15. Juni 2017, WINDSBACH – Versuch, ANDERSWO zu sein und ANDERES zu schreiben. Versuch, einen Ort in einen schnellen fertigen Roman hineinzuschreiben (Geht das? Oder ändert das alles?). Sich ein Bild von einer Stadt machen. Das fing 2016 an, als ich auf der Durchreise war und ein alter Name hängen blieb, der andere auf der Landkarte auftauchten.Ohne den Anspruch auf Wahrheit, Korrektheit und Allgemeingültigkeit. Mit dem absoluten Anspruch der Authentizität. (Kann Spuren von Rechschreibfehlern enthalten)

VON UNTEN NACH OBEN ZU LESEN!

Jetzt bin ich ganz wach. Über mir hängt ein rot leuchtender Papierstern,  herzerwärmender noch als der Hogwarts Kronleuchter. es ist noch dunkel, aber man ahnt den Morgen hinter der Die Glasfront der Wohnzimmertür. die Rezatwiese. Weit jenseits der Rezat das Helukabelwerk. Am Wall fehlen inzwischen die Gänse – ihre Abwesenheit ist von hier nicht zu sehen, aber dennoch eine Gewissheit. Wenn es weiter so regnet, liegt So’s Haus am See. Ich koche Tee. bald breche ich auf.

24.12

Aufgewacht nachts gegen drei aus Traum: Der Rezatgrund war auf dem Grunde der Rezat und man konnte ihn nur schwimmend erreichen. Die Rezat war aber tief und ein See. Wasserfall. Wunderbare WasserWelt stand über dem Eingang. Man konnte atmen, aber bedurfte dazu einer Taschenlampe, deren Lichtkegel das Wasser durchschnitt, durchflutete und atembar machte. Die Taschenlampe sah aus wie der Akkustrahler, den ich in der Fundgrube für 14,90 gekauft hab. Aber es war schwer, das Zimmer zu finden. Ich verlief mich, verschwamm mich. Immer wollte ich rauf, der bärtige Rezatgrundwirt sagte aber, ich müsse [der Sache?] auf den Grund gehen. Ein bißchen wie bei Frau Holle, du springst runter in einem Brunnen und landest in einem „Oben“ von wo aus Betten geschüttelt werden und es hinab auf eine Erde schneit. Seltsamer Traum. Wunderbare WasserWelt muss von dem Weihnachtsgruß des Herrn K. kommen, der so freundlich „W.W.W.“ wünschte, was so viel hieße wie Wunderbare Weihnachten in Windsbach. Gerührt gewesen.

Der Rezatgrund in echt hat sich auch verändert, das Zimmer schien mir damals nicht so schick, nicht so behaglich. Und irgendwie tut die Ruhe doch auch ganz gut. Die letzte Woche war anstrengend und schön zugleich. Eigenen Belange ziemlich auf der Strecke geblieben. Sohn, Eltern, Steuererklärung, Anträge. Gestern Abend wiederum tauchte auch mein Notebook wieder auf, sozusagen aus dem Wasser trocken gelegt und gründlich gereinigt vom Salz. Könnte die kleine Lichtsache in der Gottesruh nun doch machen..? Jetzt fehlen im Zuge der Umzüge allerdings wieder die Haferflocken und der Glasbehälter. Zelte abbrechen? Jenseits der Gründlichkeit? Heimheimheim? – Unentschlossen ausgecheckt. So oder so: Retzatgrund ist einfach zu weit ab vom Schuß. Sowohl vom Bahnhofals auch von der Gottesruhkapelle. Einerseits-anderseits. Hin und her…. Im Zweifelsfall erstmal zur Fundgrube. Ein Schneefall wäre schon gut. So oder so. Wer ist Frau Holle, wer Pech-, wer Goldmarie? Hielt mich immer für die letztere. Allerdings wird die echte Pechmarie sich auch für eine Goldmarie gehalten haben. Und am Ende kriegst doch einen Kessel schwarze, klebrige Brühe übergegossen. Manchen Dingen kommt man alleine nicht auf den Grund. Auch nicht wenn man wieder einen Computer hat (Gott und Felix sei Dank!) zum Schreiben und Denken. Über manches müsste man sprechen. Allein ist alles Fiktion.

Helles Sonnenlicht beim Verlassen der Pension. Der Wind pfeift durch – durch was pfeift er? Fahnenmasten? Hoher seltsamer Ton, schrill und aufgeregt. Höchst-geschwind. Der Ton ist mir in der Nacht unheimlich gewesen, jetzt klingt er vertraut. Gang zur Fundgrube. Erstmals durch den Ort Retzendorf. Viel ländlicher als das „städtische“ Windsbach. Freundliche Frau auf Rad mit herb-haarigem Gesicht weist Weg. Die wär eine Frau Holle. Jetzt geht’s wieder bergauf. Kellergewölbe am Wegesrand. Drinnen riecht es nach Lehm. Gute Gruft. Nix wie raus. Es nieselt wieder, aber die Sonne ist immer noch hell am Himmel, leider kein Regenbogen. Vorbei an den Neubauten. Holzbrett gefunden, das geeignet wäre für den Aufbau in der Gottesruhkapelle. In der Pfütze scheint die Sonne. Da drüben wohnen die Kawohls in ihrem Haus das aussieht, wie aus einem Petterson und Findus-Buch. Die hatte ich auch besuchen wollen. Die verflogene Zeit. Weites Land. Fohlenhof. Seltsame Mischung aus Gewerbegebiet, Neubau und bäuerlichem Gehöft. 1. FC Nürnberg Fahne vor sterilem Neu-Haus. Des weiteren: Die Kleinöder-“Ranch“, der Holzbau/handel liegt fern in dem flachen Dezembergrün, sehr malerisch. Weites Land. Dauernd denke ich „Weites Land“. Hinter Windsbach fängt es gleich an, das weite Land. – Ist aber auch Lieblingswestern mit Gregory Peck. War mal da. Nicht im wilden Westen. Beim Kleinöder. Schöne Gespräche. Muss ein schönes Gewerbe sein, das mit Holz, immer der Duft von gesägtem Holz. Ob man das irgendwann nicht mehr riecht? Erinnere mich noch an ein Gesicht auf einer Werbegraphik des Bretriebes, gleich wenn man ins Haus kommt auf dem auch historische Aufnahmen eingearbeitet waren: Arbeiter, der nicht direkt in die Kamera blickte, so vor sich hin sah (oder noch bei der Arbeit?) und das Haar fiel über seine Stirn. Keine Ahnung warum, aber irgendwie berührte mich gerade dieses Gesicht. (Obwohl generell alte Fotos auf denen Menschen zu sehen sind…! Ein Beweis, exisitiert zu haben, auch wenn alles längts Geschichte ist. Eine Ahnung haben dann immerhin andere. (Die So. z.B. hebt Fotos auf, von Leuten, die sie nicht kannte. Oder rettet fremde Fotos, die keinem mehr gehören. Junge um die 1910 rum auf einem hohen Fahrrad mit zwei kleinen Stützrädern in einem Fotostudio, schaut zart und zuversichtlich in eine Zukunft, die längst Vergangenheit ist. Zwei Frauen um die 40 vor einem Schiefergedeckten Dach, gestochen scharf in tiefem Sepia, die eine lächelt vor sich hin, die andere sieht sie von der Seite an, was die andere aber glaube ich spürt. Müssen Schwestern sein oder sehr gute Freundinnen. .)

jetzt ist wieder Regen und Wind. Aber bin schon an der Fundgrube. Ähnliches Pfeifen wie vor dem Rezatgrund. Alles bekommen. Jetzt zurück. Dann Gottesruh.

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Der Rollkoffer aus der Fundgrube, der mir etwas windig vorgekommen war, ist super. Rollt immer noch wie buttergeschmiert obwohl weiter Weg, steinig, aufgeweicht, Kopfsteingepflastert („gar leidlich!“); in der Gottesruh mein Buch wiedergefunden, hatte es innen liegen lassen und nicht wie befürchtet aussen im Regen. Alles wird gut. Technikaufbau, und Beamerschnittstelle funktioniert auch. Edeka-Haferflocken werden zu Schnee in der Glasvase aus der Fundgrube. wenn sie ins Wasser fallen, vergeht die Zeit in Zeitlupe; zudecken, leise rieseln, Schwamm drüber. Kurzer Frau-Holle-Moment.

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Habe jetzt verschiedene Lichtstimmungen, warmes Licht, der Jesus hat ein extra helles, das nur auf seinen Leib fällt und für O DU FRÖHLICHE und FÜR STILLE NACHT fallen die Schneeflocken in der Apsis als wäre sie eine  Schneekugel, also diese Glaskugeln, die man schütteln kann. weiß gar nicht, ob es für dei einen eigenen Namen gibt? [doch sie heißen Schneekugeln! patentieren ließ sich die Idee ein Herr Perzy, Chirurgie-Instrumenten-Mechaniker in Wien und nannte sie “Glaskugel mit Schnee-Effekt”, und der nahm Gries für den Schnee!] Wird doch langsam kalt. Kann nicht die ganze Zeit über hier sein. Bringe Dinge zurück, die wo anders hingehören. Fremden Zettel gefunden auf der Straße, eine kindliche Handschrift notierte, wieviel Geld sie für Geschenke ausgegeben hat. Für diese Freundin so und soviel, für jene etwas weniger. Frage mich, was dahinter steckt. Vielleicht dei SOrge, ob das Taschengeld reicht oder die Freundinnen im Ranking bedacht wurden; Geht es um Gerechtigkeit und Ausgleich oder um buchhalterisches Wie-Du-Mir-So-Ich-Dir? Der Zettel rührt mich. Auf dem Friedhof zum Grab vom Herrn Wasserburger gewollt, aber von allen Seiten kommen Menschen, junge Leute, auch ältere. Betrete den Friedhof gleichzeitig mit einem Mann und einer Frau, die offensichtlich den gleichen Weg haben. Plötzlich stehen wir alle vor dem selben Grab. Das überrascht, erfreut und beschämt mich zur gleichen Zeit. Weil die sicher viel bessere Gründe haben das Grab zu besuchen. Ich kannte den ja kaum. Ich verkünde feierlich, dass ich mich freue, mehr von den Wasserburgers kennen zu lernen, ich hätte den Herrn W. zwar nur kurz gekannt, aber dächte gerne an die Begegnung zurück, ein besonderer Mann… usw. –  Die Leute hören mir freundlich zu, lassen mich ausreden und sagen, dann sie seien hier wegen des Nachbargrabes. Den Herrn W. hätten sie gar nicht gekannt, aber freuten sich, dass ihr Vater nun einen neuen und offensichtlich netten Nachbarn hätte. Da noch mehr vermeintliche Wasserburgers eintreffen, gehe ich und suche mir einen Bank. Aber auch da bin ich irgendwie im Weg. Stadtkirche. Und da ist es sogar richtig warm. Und gerade werden Kerzen an einen Kronleuchter gesteckt. Muss wieder an Hogwarts denken. Schwebender Lüster, der Kerzenschein verstärkt sich durch das Messinggold, die sonst so schlichte Kirche erstrahlt und hat einen Zauber wie sonst nicht. Kinder rennen durch die Halle zur Sakristei, Die Kantorin (definitiv auch Hogwarts!) scheucht sie zusammen und dirigiert, als schüttle sie etwas aus dem Ärmel. Bin zwischen die Vorstellungen geraten, also die Gottesdienste. Die klaren Stimmen der Mädchen von links ( zwei von ihnen kenne ich ein bißchen, ich höre sie sogar heraus!), die etwas chaotischeren Jungsstimmen von hinten, kenne ich auch, aber sie scheinen mich nicht mehr zu kennen. Etwas schiefer singen sie… Völlig egal! Ich vergesse, dass es (noch) nur eine Probe ist.  Es ist so warm und eine so anheimelnde Mischung aus Dunkelheit und Lichtermeer, ich schlafe ein. Wache erst auf, als eine Mesnerin mir ein Liederblatt rüberreicht. Augenblick der Orientierungslosigkeit. Als säße ich im falschen Film. Nicht Harry Potter. In der falschen Kirche. Das Glück in der Glaskugel

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23. 12.

Stadtcafe.  immer noch ohne Computer. Kaum einer da. Und ohne Bleibe. Habe Weihnachtsdynamik unterschätzt. Stelle fest, dass ich ohne Computer kaum schreiben kann. Gut so, sagt der Johann, ich solle mal nicht immer arbeiten, als er den Earl Grey Tee bringt. dabei bin ich in der letzten Zeit kaum zum Schreiben gekommen.  – Leider stelle ich fest, dass ich ohne Schreiben aber auch schwer Gedanken fassen kann. – Und dass er bald schließt, sagt er, der Johann. Mist. Denn dann WOHIN???  – Gesprächsfetfzen vom Nebentisch, die wie akausal-synchrone Antwort klingen.

„Ich würd nach Australien! Wenn ich noamal verreisen könnt, ich würd nach Australien wollen. Da bräucht ich fast kein Geld und schön solls sein. Aber der Flug is so lang. Des halderd ich net aus…“

Drei alte Damen, eine von ihnen aus Großhaslach kamen zusammen bei einem, bzw. mehrerern Bieren am 23. Dezember – die Biere aber alkoholfrei. Die Kleinste sieht aus wie die Älteste aus den Golden Girls (Sofia, die mit der Reibeisenstimme), ihr fränkisches Pendent, etwas molliger und im Gegensatz zum golden Girl: mit feinem aufgeregten Puppenstimmchen, äußerte mehrmals sie verstünde die Welt nicht mehr, vor allem, dass dauernd ins Weltall geflogen würde (da ging das Stimmchen so hoch und war so ratlos, da erinnerte sie mich wiederum an die seltsamen Waldwesen bei Ronja Räubertochter, die immer „Wieso-denn-bloß?“ jammern. Ein Jammern wars aber eigentlich nicht, eher ein ehrliches Ringen um Verständnis. Sie wollte es wirklich verstehen!

„I begreif des gooooaa ned, was duun die da drom?“

Die aus Großhaslach verstands auch nicht, aber der wars auch worschd. Die Dritte glaube ich (die die nach Australien hätte wollen, wenn der Flug nicht so lang wär) verstands durchaus, sprach vom Forscherdrang, den der Mensch nun mal habe, aber es wirkte doch eher so, als wollte sie ihren Freundinnen nicht in den Rücken fallen:

Australien: „I habs auch gschaut im Fernsehen, wie der Gerst wieder nunder kimma is. Ich mag den ja, der red so klar. Und was der alles können muss: All die Schalder und Knöpfe, die der da bedienen musste -Da musst durchblicken, um des zu verstehhn…“

Großhaslach: „I muss des ned verstehn. Des interresied mich auch gar ned.“

die hellstimige Sofia: „Aber ich will des schoo wissn, was di da duuun. Wieso duun die des? [ins All fahren]“

Großhaslach: „An Gschmarree dun die da!“

Australien: „die pflanzn do Domadn und schaun, ob die wachsen!“

Großhaslach: „sag ich doch: Gschmarree!“

Australien: „na, weng interressnd is des scho…“

Sofia: Aber wieso duun die des mit die Domadn? Wir haben hier doch eine schöne Erde, des is doch genuug!

Australien: Ja, scho…

Sofia: „Was der liebe Godd sachen dät dazu, “

Großhaslach: des is mir auch worschd, was der sagt. Abschießen wird er die irgendwann. Und auch des interressird mich ned.“

kurze Stille:

Australien: „aber weng muss eim des vielleicht doch interessieren. Weng schauen, was in der Welt vorr sich geht…?“

Sofia (zu Australien): „und wieso muss man überhaupt immer irgendwo hin?

Großhaslach: Genau: es gibt da ein Land, aber wir haben hier auch ein Land und es es gibt Luft überall, dort wird geatmet und hier wird geatmet. Da kann ich meine Luft doch auch gleich hier atmen. Da muss ich doch nicht nach Australien. Oder in den Weltall!“ [und da gibt’s noch nicht einmal eine!]

Australien: „Na, ins All tät ich ach net wollen.“

Großhaslach: „wenns’t a Million übrig hast, kannst dich naufschließen lassen.“

Australien: „des möcht ich ja gar net. Aber ein Land mit Meer…“

Großhaslach: „Ich war a mal an der Nordsee. Aber da war mir nur schlecht. Ich war die ganze Zeit seekrank und musste in Quarantäne. Des Meer hab ich gar net gesehen. Aber wenns dich interessiert: du wirst lachen, es hat mich eh net interessiert.“

Stille. Unterbrochen von einem Massanger-Klingel-Ton von meinemHandy. Die Damen gucken zu mir und grinsen. Wenden sich dann wieder dem Desinteressen zu. Mein Messanger sagt, dass Single-Mütter aus Fürth mich treffen wollen. Solche Meldungen kommen jetzt öfters, seit ich mal versucht habedie 8. Folge House of Cards auf dem Handy weiter zu schauen. Großhaslach: „Und wieso muss mich des alles interessieren? Is doch als a Gschmarre. Wie in dem weißen Haus der Tramp! Der interessiert mich auch ned.“

Sofia: aber des wüsst ich auch gern: Wieso die den gewählt ham…!

Großhaslach: „Und die Frraaa! Weißt, wieviel Chrristbaum die ham in dem weißen Haus?! – aber egal! Die können alle nur essen!

Australien: „Der kriegt auch noch sein Fett weg, der Tramp.“

Großhaslach: und jetzt wenden sich sogar seine Frau und die Dochter ab von ihm, weil er so viel falsch macht.

Stille.

Sofia: „Ich versteh des wirrglich ned.“

Stille.

Sofia: (plötzlich zu Australien): „Wenn du nach Australien willst. Wo läßt du dann all dei Bücher?

Großhaslach: Des versteh ich auch net, wie man so viele Bücher ham kann.“

Sofia: „Und wieso man die aufheben. Wenn man die gelesen hat, kann man die doch wegtun.“

Großhaslach: „Ich hab in meinem Leben nur zwei Bücher gelesen! Und die hab ich alle nimmer!“

Australien: „Mein Hans, der hat viele Bücher von unseren Bücher am Ende nochmal gelesen…“

Sofia: „Und jetzt isser dood!“

Da klingelte wieder mein Handy. Und die Damen begannen ihre Aufmerkseit und das Interesse am Desinteresse auf mich auszuweiten. So konnte ich nicht mehr mitschreiben. Aber auf alle Fälle war es ein nettes Gespräch. Seltsamerweise unterhielt ich mich am angeregtesten mit der Frau aus Großhaslach, obwohl meine Sympathie vorher eher Australien gegolten hatte. Ich glaube der Frau ihre Desinteressiertheit inzwischen auch nicht mehr. Das ist wie wenn Leute immerzu sagen, sie seien super entspannt. Je mehr du sie stresst, desto öters sagen sie es. Das muss man wissen. – Dann gehen gemusst, weil Cafe zu. Es wird Ernst. Ertappe mich, dass ich wie ne Schwangere laufe und an die Maria denk. Aber das ist wegen der Bauchtasche, die unter dem Mantel doch sehr aufträgt. Regen. Rollkoffer. Retzendorf? Retzatgrund geoogelt, aber auf Hotelbuchseite gelandet und da heißt es „keine Vakanz“. Jetzt kommt echt Selbstmitleidswoge. Mist. Hatte Windsbachs Gastfreundschaft falsch engeschätzt. Oder überstrapaziert? Und gerade weil Weihnachten ist, kann man das auch keinem sagen, weil dann jeder sich genötigt fühlen würde, dich einzuladen. W e i l  Weihnachten ist. Erst recht Mist.  Dorschner? Auch zu. Immer schon schlechtes Timing gehabt wenn zum Dorschner gewollt.

My timing is off, she isn’t ready for my love singen die Eels in meinem Kopf.

Schließlich doch Rezatgrund. Und irgendwie macht es Sinn. Meine Zeit in Windsbach scheint zu Ende zu gehen. ich lande da wo ich erstmals übernachtet habe. im Rezatgrund. Und wie gut, dass ich in der Fundgrube einen Rollkoffer erworben habe.

My timing is off ’cause sometimes that’s how it all works.

22.12.

Stadtcafe.

THEMA POLITISCH KORREKTE GASTRONOMIE

Zigeuner derfst net sogn.

Musst sagen „ a Sinti Schnitzel.

Sinti derfst a net song. Weil vielleicht sind des Roma.

Roma derfst scho goa net sogn.

Dann mußt halt sagen: Ein Scharfes Schnitzel, bitte.

Des is wie mit die Neger (oder mit die Mohrenköpf) zu denen derfst auch nimmer Schwarze sagen oder Negerküsse.

Dabei tät denen des gar nix, die lachen doch drüber!

THEMA EISSTOCKSCHIESSEN (die neue Bahn gegenüber vom Waldstrandbad)

Weils bezuschusst wird, habenses halt gmacht. Aber die is schief, da kann man nicht spielen.

Die is net schief. Da is des Wasser schief gefroren.

Aber Wasser hat kein Gefälle!

Wennst nunder gehst auf die Bahn, rechts a Wasserpfütze und links nix mehr drin.

Da dann ich net schießen.

Du kannst eh net schießen.

Ich hätt gsagt: die Bahn bleibt am Weiher drunt. Da war des schon immer.

THEMA MÄNNER

Die Schwulen…“, secht mei Frra „…des sind ganz andere Mannsbilder. So freindlich und zuvorkommend.“

21.12

Leberkäsesemmel beim Rosenberger nach gut gegangenem Zahnarzttermin. Eine weitere an der Tankstelle. Zeitung ausverkauft. An der Tankstelle wird der Windsbacher Knabenchor Bus gewaschen. Aber nicht der, der neulich einen Autounfall hatte. Das war ja ein grosser und kein internatseigener. Die Windschutzscheibe in tausend Teile zersprungen, die dennoch nicht fallen, vielleicht, weil jedes einzelne, weil alle gleichzeitig stürzen wollen. gegenüber Die todgeweihten Gänse am Wegrand, frei, aber dennoch dichtgedraengt gegenüber der Tankstelle, stehen auf dem deichartigen Wall und wirken wie besteellt und nicht abgeholt. Wieso bleiben die da? Weg UMSONST. WOHIN. WOHIN. Offensichtlich keine Ahnung, was die westliche Welt zu Weihnachten isst.

Wenn ich Gans wäre, ich würde weiter hinten im Wiesengrund stehen wollen, aber wahrscheinlich wollte die Mehrheit der Mitgänse da stehen wo was los ist. Vielleicht wartet man auch auf eine Mitfahrgelegenheit. WEG! Einen Ausweg!  Kind meiner Gastfamilie vom Kindergarten geholt. wird immer vertrauter. obwohl schon zum dritten Mal, wieder im falschen Raum gelandet.

“ZUhause” dann Weihnachtsbaum aufgestellt mit den Kindern. Aufgehängt! er schwebt im Wohnzimmers der N. und scheint aus einer Schublade zu wachsen aus einem alten Arbeits-Kommodenschrank, der noch aus der Zeit stammt, als das Zimmer eine Schneiderwerkstatt war. ein kleines bißchen zaubern! wenn schon fraglich ist, ob der Zauber in der Gottesruhkapelle stattfinden kann.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

20.12

Erloeser waere entweder der Felix,  weil der kann Computer, etwas fuer sich hat aber auch die Nutzung eines vielblaettrigen Zettelblocks in quadratischem Format, den man mir im Dekanat aushändige als zukuenftig stellvertretende Alternative zu meinem gefluteten Apple-Rechners.  Blog auf Block?

19.12.

Messias nicht gesehen.

Nur kurz  vor dem Krippenspiel, ließ die Maria den Plastikjesus im Futtertrog verschwinden. plumps irgendwie tauchte er dann nicht mehr gross auf. War trotzdem schoen.

Den anderen Messias, den mit den Knaben immerhin beinahe sehen gekonnt. 

Und ebenfalls beinahe kein Wasser über meinen Rechner geschuettet. Also schlimm war es noch nie. Erloesr bitter von Noeten. 

18.12

Der helle Friedhof im Morgenlicht. Der blaue Schlehdorn, am Hohen Weg, der sich über die Gärten rankt und wölbt und ins Auge springt. Die Neuntöter, die ihre Beute und die bizarren Zweige spießen, sind wahrschienlich längst im Süden. Der Messerstecher aus Nürnberg ist weggesperrt. Vom leerstehenden Lädchen am oberen Tor, geht das Gerücht um, und es würde ein Erotikshop öffnen – Plakate hätten das assoziieren lassen; möglicherweise handelte es sich eher um einen Scherz! Windbach nicht die nötige Einwohnerzahl, die das Gewerbe eines Erotikshops in der Innenstadt rechtfertigen würdeIch möchte Ihnen sagen, wie gut die gut informierten Herren Frank und Bommel zu erzählen wissen, vielleicht irgendwo hinter der Fundgrube. Der bezaubernde Charme der beinahe noch unschuldigen Hula-Tänzerin im Auto, der am Kirchplatz steht – sie stehen solarbetrieben und das Amaturenbrett in einem grünen Kleidchen – entdeckt von den Beinahe-Mitgliedern des Kinder-Kirchenchors die benutzten: “Sie tanzt recht hübsch!”.

Ich weiß, dass es nicht gut ist, dass der Abend von der Stadtgrenze aus gesehen wird.

17.12.

Den gestrigen Abend mit Frank und Bommel unterwegs. Ich wollte essen gehen – hatte Il Corso vorgeschlagen, aber die wollten lieber richtig ausfahren. Wir tranken dann doch schnell einen Kaffee und ein Bier und noch ein Mann Radler (gar nicht schlecht!) Nur als 2 Biere abrechnen kann. Wär ja blöd, die dann nicht auch zu trinken. Es sollte dann nach Winkelhaid gehen, aber das ist nicht das Ziel. Wohin-Dann? -Frage eröffnete interessante Einblicke in die Gastronomie-Landschaft um Windsbach herum. Es gibt ein Lokal in Bertholdsdorf, das wirbt mit einem Schild Wir-Kochen-Für-Hansi-Hinterseer!, weil der habe da mal gegessen. oder vielleicht auch zweimal.              

Im Prinzip macht das ja nichts, man Könnte hinfahren, aber wer weiß, Vielleicht sind with the Schild ja auch gemeint, man kochte Ausschließlich für Hansi Hinterseer Und dann Steht man da (und ich hat den Ganzen Tag schon so Hunger gehabt!) Und kriegen nix. Fuhren dann nach Bechhofen; in die Wärme des grünen Baums hinein . Behaglicher Raum! ein freier Tisch …! lächelnde Kellneri n (“Des is jetzt blöd für Euch …!), sagt, die Küche habe schon zu. Um 19:50! Fährt man halt wieder zurück zu Windsbach und isst beim Ilios einen Delphiteller. Aufzählen aller Lokale in Windsbach, die es nicht mehr gibt. Der Legosteinartige Imbissbudenbau steht auf einer anderen freien Wiese. Das sei sehr gut gewesen, der Wirt habe auch verblüfft, und die Mitgliedschaftsanträge der CSU auf seine Bierdeckel haben drucken lassen. Die Zeit, die der falsche Zeitrahmen hat, ist die Zeit, die Sie brauchen, um die Zeit zu verkürzen der Gelegenehit doch.

Ich war aus den CSU-Beigetretenen, die in Bierlaune ihr Kreuzchen gemacht hatten. Blieben die dann in der Partei? oder nachträglich in der Nüchternheit des Morgens wieder ausgetreten. Gab es in dieser Ära starke Schwankungen in der Mitgliederzahl der Partei oder von der Prozentsatz an Alkoholikern in der CSU durch die Werbemaßnahme an?

16.12.

Windsbach Sehr früh aufgewacht von vermeintlichem Schnee-Schipp-Geräusch, aber der Hauch von einem Anflug von Schnee, winzigen Flocken, kaum zu sehen. Langsam begriffen, dass ich Ferien habe. Spaziergänge, wollten zum Plateau, aber kamen zum Spielplatz gegenüber dem Waldstrandbades, da nun doch Flocken fielen, Schneetreiben, Eiseskälte. Parkour über die Holzgeräte, Wackelnde Flächen, Seiltanzend, keinen Halt gefunden, weil keine Handschuhe und die Führungsbalken zu kalt. Kind mit rosa Mütze vor plötzlich weißen Landschaft. Und das ist das blass und nackt auf einem Telefonverteilerkasten – war aber eine Engelsfigur auf einem Sockel kurz vorm Rezatgrund. Sonst kaum jemand zu sehen.

3 dunkle Helmreich-Amaretto-Parlinen-To-Go.

***

Später Zweites Spaziergehen im Wald in weiten Kreisen um den Fernsehmast herum. Mann und Frau begegnen, die für ihre Weihnachtskrippe, die Hunderte von ihnen, die ihr Gemüse kaufen, mit den sie sammeln wollen, streitig machte. schöne Begegnung, Gespräch über die Zeit. das Vergehen von Zeit, in der Zeit. Die Frau mit hinreißendem Akzent, der Mann (von dem ich insgeheim weiß, dass er schöne Gedichte schreibt) steht neben dem bemoosten Baum wie Figuren aus einem Märchen, wie Holzfäller aus einer Erzählung von Hauff oder Hoffmansthal Weltraum für den Anhalter in Berlin (freilich auch ein unwirklicher Ort, ein übriggebliebenes Bruchstückmonument, das durch Beinahe-Abwesenheit glänzt. Wann habe ich in Berlin solche Begegnungen? Naja okay, den er einschläfern hatte lassen). Ich komme vom Thema ab. den er einschläfern hatte lassen). Ich komme vom Thema ab.

15.12.

erst spät, bzw, früh heute morgen war mir aufgefallen dass mein Exfreund gar nicht da gewesen war gestern bei der kleinen Aufführung, früher hätte es mich verletzt, jetzt juckts mich nicht mal. Na ja obwohl ich immerhin diesen Tageseintrag damit beginne. vielleicht gehts nur noch um “sich aus der Ferne wundern…” und in der Ferne bin ich schon wieder. Flixbus nach Nürnberg. Zug nach Heilsbronn. Windsbach…

Graue Wolken, eher haucdünne Nebelschleier vor einer kleinen ebenfalls fernen Sonne. Bitterfeld. eine Stadt die ich mir nur im November denken kann. und dieser Dezember ist wie November. rothaarige Frau auf Sitz vor mir hat zu viel Haarspray benutzt. Mann neben mir mit grauen Locken liest dicken Krimi und blättert dauern vor, als überspränge er mindestens 20 Seiten, um dann weiter  zu lesen und dan wieder vorzublättern. Ist der Krimi so spannend, dass er wissen will wie er ausgeht, oder ist er so langweilig?

14.12.

zum letzten Mal in diesem Jahr meinen Leuchtturm angeschaltet, diesmal doch ausnahmsweise ein bißchen angekündigt. da war plötzlich der ganze Platz voll. war diesmal mit den Zielgruppe Kinder, daher hatte ich  meine Lieblingsbilder weggelassen, die da nun mal sind: die Gestalt, die aus der Unschärfe der Tiefe sich aus dem Inneren des Pavillions zum Glas hin zu bewegen scheint und mit der Hand nach der Scheibe tastet, erst da wir die gestochen scharf (fanden jetzt wirlich viele Erwachsen ausgesprochen unheimlich). aber es ist das Bild das den Linienverzweiger wirklich zu einer Schnittstelle zwischen den Welten wirken läßt. wer weiß wohin die Drähte laufen könnten. Gewidmet ist er ja der jungen DIchterin Margarete von Bülow, die keine 5 Minuten von hier an der Rummselburger Bucht in EIs eingebrochen war, als sie ein Kind retten wollte. sie spukt ebenfalls hinter dem Glas herum. Um es kindgerechter zu mahen, habe ich sie schlittschuh laufen lassen und als engel aus dem Wasser auftauchen lassen (klingt jetzt auch wieder unheimlich, aber sie sah wirklich sehr nett aus und die Flügelschläge… die kamen von dem Vogel der sich in der Gottesruhkapelle verirrt hatte). es gefiel allen sehr gut, aber die Kinder riefen am Ende “wann kommt die Hand?!” ein Junge, vielleicht neun Jahre alt oder so hatte mit seinem Bruder wohl in den letzten Tagen oft am Platz gestanden und die Mutter hatte ihm die Texte vorgelesen, die man eher erahnen kann an der Scheibe. Ich hörte ihn schon im Kommen zu seinem kleinen Bruder sagen “schau, da ist wieder Margarete, da im Glashäuschen!” hinter her unterhielt ich mich mit ihm und er fragte, ob die Gestalt,die manchmal auch zu sehen sei, die Margarethe sei, die versuche unter dem Eis an die Oberfläche zu kommen. da lief selbst mir ein Kälteschauer über den Rücken (Na ja, kalt isses eh!), mit ernstem Blick fragte er es. und als ich es etwas positiver und metaphysischer formulieren wollte: sie sei vielleicht im Jenseits ein Engel oder guter Geist und winke den Menschen auf der Erde zu, nickte er und sagte (vielleicht auch mir zu liebe eingehend auf die trostspende Interpretation), vielleicht hielte sie auch dem Kind, das ins Eis eingebrochen war, die Hand hin, um es zu retten. Muss sagen, bin echt gerührt. dies ist das Jahr der Geister und kleinen Gespenster, an den Wänden der Kapelle, den matten Glasscheiben und hauchdünnen Traumstoffen, auf denen sich Gestalten manifestieren. Ob Engel oder Wassergeister oder (es ist auch eine Art Jenseits der (westlichen) Welt, meine Freude aus Gaza, die plötzlich mitsamt ihrem WOhnzimmer in einem Theater in Berlin landen. live. lebendig. – so jetzt schluß mit der EIgen-Lobhudelei, aber das musste jetzt auch mal sein. bevor die Antragskämpfe und Zahlenschlachten wieder weitergehen.

12.12.

Von den Fischen geträumt. Von der Mauer in den Köpfen der Fische, die weg muss. Im Aquarium schneite es. Und bei der Mauer handelte es sich um die Klagemauer. schwimmend Zettel befestigt mit Fürbitten darauf. die Schrift zerfloss und ich fragte mich, wei ein Gott die Zettel lesen können würde. Zarte Tintenfäden rannen nach oben, der Anblick beruhigte mich wieder. ein Gott bedarf nicht des Papiers, die Tintestrahlen im Aquaium sind ebenso lesbar. Und die Speicherkapazität von H20 ist bekanntlich noch größer als die Geduld von Papier.

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Finanzpläne bearbeitet für Antragsaktualisierung beim bayerischen Kulturfonds. 

11.12. [Berlin]

Auf dem Weg zum Ostbahnhof, Franz MehringPlatz 3. zu dem Mann, den ich seit einer Woche ersehne wie kaum einen je zuvor: Medizinalrat Dr. Jurk, der schon vor meiner Abreise nach Windsbach im Mai gesagt hatte, dass die eine Spritze in die Schultermuskulatur nicht reichen würde. Er hatte ja so recht. Es ist nicht weit von meinem Kiez zu ihm, aber dennoch wie dei Reise in eine andere Stadt. Anderer Stadtteil, eine andere Welt. Ostbahnhof. Frustgegend. Immer noch. Oder wieder. Laufe vorbei an einem „Cafe Stylish“, das auf Schreibschiftgeschriebener Pappe mit Getränkeverkauf außer Haus wirbt. Dahinter leer, finster und dicht. Dann der Bahnhof. War mal der Hauptbahnhof von Berlin Ost. Als ich hier erstmals ankam, kurz nach der Maueröffnung war das mehr Hauptstadtbahnhof als Berlin Zoo. Der jetzige Hauptbahnhof war noch lange nicht gebaut und hieß lediglich S Bahnstation Lehrterbahnhof. Der jetzige Ostbahnhof aber schien mir damals riesig… und leer. Fremd, ostich in gedeckten Tönen. Zum ersten Mal sah ich ihn, als ich auf der Suche nach meinem Koffer war. Ich hatte mir, als klar war, dass ich hier hinziehen würde einen alten Koffer (den ledernen, vom Opas Rudi, den) hinschicken lassen. Der Mann bei der Gepackabgabe in München hatte immer wieder geantwortet, ich solle 1000 Berlin draufschreiben. Ich fragte mehrmals, ob es dann auch beim Hauptbahnhof in Berin Ost ankäme, er sagte immer Jaja. Dass ich nach Ost-Berlin wollte, begriff er nicht und dachte das Zentrum Berlins müsse im Weset sein. und natürlich landete der Koffer dann eben doch am Zoo. Hatte ich eh gewußt aber weil ich dachte, was weiß ich… der Hauptbahnhof war dann bald zum Ostbahnhof degradiert worden, aber blühte auf. Da wurde ein Kaufhof gebaut gleich gegenüber und so trist die Gegend auch sonst war mit ihren 80Jahre Neubauhochhäusern un der Mauer gleich dran, sie war doch ziemlich lebendig. Die Strandbars enstanden auf dem ehemaligen Todesstreifen, aus einem alten DDR-Bau (von dem ich immer dachte, er stamme noch aus der Nazizeit) wurde plötzlich das Berghain, das riesige Bürogeäbude des NEUEN DEUTSCHLAND hatte plötzlich massig Platz und vermietete an Künstler (oder waren die einfach plötzlich da?),wilde kleine Studios, improvisierte Probenräume, alternativ-Start-ups, die allerdings bald wieder verschwanden. Das NEUE DEUTSCHLAND gibt’s immer noch. Ich schreibe manchmal für die. Von den Redakteuren sind fast keine mehr von früher, alle zwar noch links, aber eben Weste-links. und gegenüber als einzge Konstante, mein jour fixe: Dr. Jurk. Der schien damals schon sehr alt zu sein. Seltsamerweise ist er kaum gealtert seitdem. Das Hochhaus, in dem seine Praxis ist im ersten Stock (früher musste man sich da über zwei Treppenhäuser hinweg quälen die mit einer Art Aussenfrontbalkon verbunden waren) hat zwar jetzt eine gigantische Empfangshalle in Purputönen (ebenfalls leer), aber man kann einen Aufzug nehmen von dort. Dann freilich sind die Gänge zur Praxis und zu anderen immer noch plattenbautig und PVC ausgelegt. Als er mir (diesmal zwei Spritzen gab, gab er mir recht, die Gegend sei trist geworden, der Kaufhof sei gerade entkernt worden, ein düsteres Abrisshaus und beklagte die Neubauten – die für mich immer noch die alten Neubauten sind, für ihn aber die ganz neuen, den Bau der Mercedes-Arena zum Beispiel, überhaupt das Spreeufer… Berlin sei die Stadt, die am phantasielosesten die letzten Baulücken mit häßichen Billigbauten zupflastere. Er versteht, dass ich weg will. Gerade er, wäre einer der Gründe hier zu bleiben.

***

Abends ausgewesen mit C. in meinem Kiez; Kneipen-Hopping um den Tucholla Platz herum, wo mein Linienverzweiger-Leuchtturm steht. Computer und Beamer aufgeladet, in der JC-Bar (Jean Claude’S Bar, das wie ein WOhnzimmer aussieht, aber keins in dem man wohnen möchte, trotz der Fische. Unter anderem auch deshalb weil Jean Claude so viel redet) an der Steckerleiste, die auch das Aquarium mit Strom versorgt. Fische haben einerseits Ausblick auf den Raum der Bar und zur Wand hin absurderweise AUsblick auf eine Mauer, die aber nicht die Wand des Zimmers ist, sondern ein kühnes Betonkonstrukt innerhalb des Aquarium. was müssen sich die FIsche denken? denken sie, ihr Meer ginge hinter der Mauer weiter und wäre ein endloser Ozean, gäbe es nur die Mauer nicht?

Als ich C. später zur Boxhagener Straße vor begleitete, wo er mehr Aussicht auf ein Taxi hatte, sah ich plötzlich auch meinen Kiez mit anderen Augen; zu viele Baulücken sind verschwunden in der letzten Zeit, zu viel häßliche Häuser. die Brachen wo wir Schatzsuchen mit den Kindern veranstalteten alle weg. Wollte C. im Vorübergehen mein Luxus-Fitness-Studio zeigen, für das ich mein Abo nicht verlängert hatte, weil ich so lange weg war; es leuchtete wie immer blau durch die Nacht, da sah ich, daß die Mosaik-Steinchen-EIngangstüren der Umkleidekabinentüren abgeschlagen waren. eine gut beleuchtete Baustelle! Holmes Place ist geschlossen. Alles bricht weg, wie der Kaufhof. Dabei hatte ich noch einen Gratis-Gutschein gehabt, den hatte ich mir aufgespart. zuhause House of cards geschaut und das Kopfweh (von dem mich Dr. Jurk heute früh befreit hatte)  ist zurück. 

6.12.

die vierjährige F.  aus Windsbach hat einen Arztkoffer geschenkt bekommen. Ich finde mein eigener, den ich im Alter von vier hatte sah “echter” aus, er war rot mit einem weißen Kreuz darauf (weshalb ich später dachte, die Schweiz sei eine medizinische Organisation, sowas wie Ärzte ohne Grenzen (aber mit Bergen), Sanitäter, bekannt durch den Einsatz von Rettungshunden. – Innen war mein Arztkoffer weiß und roch nach Plastik und Gummi, ein höchst künstlicher Duft, von dem ich heute glaube, dass er von irgendwelche schnüffelbaren Suchtstoffen verursacht wurde. Für mich war er der Inbegriff von Hygiene. Und das Skalpell war abgebrochen, aber mit Gaffer geklebt. Der Arztkoffer der F. besticht dagegen durch transparente Hartschalenoptik und bunte Geräte sind darin, noch alle heil. Er ist in jeder Hinsicht besser ausgestattet, was der folgende Dialog belegt:

F: mein Arztkoffer ist der beste von allen, weil ich kann damit alle gesund machen…

[zweifelnde Blicke der großen Brüder der F.]

F:  alle Kranken!

Große Brüder: Ja ja

F: …auch die Toten! Und außerdem is da eine Schere drin.

Großer Bruder I: ich glaub des ist den Toten wurscht, ob da eine Schere drin ist.

F: und mit der Schere kann ich alle gesund machen.

Großer Bruder II: auch die Toten?

F: Den Toten kann ich ein Bein abschneiden – ohne dass sie es merken!

4.12.

Alles wird gut. den Tag über nur Kuchen gegessen, Dekanat Flocken gestreut. Neuendettelsau mit dem Zug… windet sich wieder zurück nach WIndsbach. Arm einer Schaufensterpuppe demontiert. mit der ich aus dem LAden rannte, weil draußen die Frau G. vorbei rollte. Glücklich weil Zufälle immer mehr werden. und Cola-Maoam im Adventskalender. beim Weg nach draussen in die Kapelle, Nebelschleier, aber auf dem Weg nach draußen zur Kapelle atemberaubender Sternenhimmel in der Nacht, über dem Kopf, die leuchtenden Baulampen, die zum Greifen nahen Sterne, wie Zuckerstsreusel, Hagelkörner, Lichtpunkte … UND: unser Projekt des nächten Jahres nimmt Gestalt an. Neue Begegnungen, neue Ideen… neuer Beamer

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2.12.

In der Gottesruhkapelle Schneeflocken über die WÄnder tanzen gelassen. Draußen in der Dunkelheit im beinahe Frühlingswarmen Dezember-Regen war es wärmer als in der Kapelle. Aufsperren ging so leicht, das Absperren schien unmöglich. draußen blinken die Baulampen, weit hinten die gläseren Halle von Helukabel. und jemand hat Weihnachtbeleuchtung. Alles leuchtet. Tag voller Kerzen. Chorkonzert in der Stadtkirche. Eine sang ein Lied aus “Elliot das Schmunzelmonster”, sogar ziemlich gut. man hatte es aber bewußt umschrieben bei der Ankündigung, ein Lied von Kerzen auf dem Wasser aus einem Disney-Film. musste dauernd nachdenken aus welchem. Heute tatsächlich also dreimal in der Kirche gewesen. MorgensEinzelne Worte blieben hängen. Siehe. ein König kommt zu Dir, definitiv. es klang so vielversprechend. als spazierte demnächst einer in mein Wohnzimmer.

Das Lied vom erstochenen Weihnachtsmann soll übrigens auf einen Beinahe-Windsbacher-Chor-Knaben zurückgehen – sagte ein ebenfalls Beinahe-CHorknabe. (Frust-Kompensation wegen des Nur-Beinahes?)

Windsbach ist eine musikalische Stadt. Überall singen Menschen. In diesem Fall die vierjähringe F. (sehr früh am Morgen):

Schööööön und kaffebraun / sind alle Jamaica-Fraun / in Kingsden-Daun.

1.12.

Laternenzug des Kindergartens über den Weihnachtsmarkt hatte irgendwie nett und beschaulich geklungen, aber es waren so viele Leute da, dass ich fast nichts sah und beinahe bereute, nicht am oberen Tür stehen geblieben zu sein, von wo sie aufbrachen. Zahllose Kinder, nicht endender Zug. Motto-Laternen, offensichtlich jede Gruppe mit jeweils einem Motiv. Ein paar saßen in Lichtverzierten VIP-Wägelchen, die wie MInistarlight-Expresse von den Erziehern gezogen wurden. drinnen kleine STifte mit Geisterlaternen.  Süß. Christkind mit 80er Jahre Frisur – war aber Perücke. Bürgermeister sprach zu den Kindern – aber als wären es Erwachsene. Starrte immer auf den großen üppigen Baum vor dem Rathaus. In der Menge die Verabredung nicht gefunden, aber schöne Zufallsvegegnungen. Glühwein. Lose. Gewann einen blauen Waschlappen. Besser als wie nix.

30.11.

tiefblauer Morgen, die vergessenen Äpfel in den knorrigen  Novemberbäumen, die zarten Striemen der Trauerweiden, weit hinten beim Scheiderer der  Kirchweihbaum, von dem ich damals schon dachte, dass er im Herbst aussehen werde wie ein dürres Weihnachtsgerippe. Is auch so, aber in der Ferne im November macht er sich doch ganz gut. Ein Bub wurde gerügt, weil er gesagt hatte: 

Es liegt, dass er nicht weiter kann, / in Blut und Axt der Weihnachtsmann

***

Wurde bereits belehrt. es hieß anders (viel düsterer und auf den Punkt gebracht) :

Wer liegt ihn Blut und Knochen? / Der Weihnachtsmann, erstochen!

29. November

Tage zu voll zum Schreiben. gestern dann die Premiere. Bin, was ich selten bin: total zufrieden, erfüllt, stolz, glücklich. dennoch wieder schlaflose NAcht, diesmal, weil zu glücklich, zu stolz, zu erfüllt… zu Frieden kommt man dann doch nicht. Auch wegen Schnarchen. Doch weitermachen? – Morgens dann beinahe in der Badewanne eingeschlafen. hochgeschreckt vom Latschenkieferschaum in der Nase. Aus dem Mittagsschlaf riss mich dann eine überraschende Mitfahrgelegenheit nach Nürnberg. FAhren? Bleiben? Schlafen? Überstürzter Aufbruch, beinahe Flucht. schon saß ich im Auto, raste durch die NAcht – und da bin ich. Dinge zu Ende bringen. Abrechnen. Neues beginnen.

Angekommen Abends, sie Stadt liegt still. Vor den Häusern der Hauptstraße zwischen den Toren stehen Büdchen wie aus dem Himmel gefallene Pakete, die man noch nicht öffnen darf. etwas sperrig. Noch. Stille Nacht. ankommen. UND: Ich habe einen Adventskalender bekommen! fühle mich dermaßen reich beschenkt. Das Jahr wird immer besser.

25. November

War gestern im Radio. habs aber verpasst un dnicht gehört. dabei habe ich ein so schönes Radio. eine kleine gelbe Ente. Wenn man ihr den Hals umdreht, spukt sie Töne aus, wenn man ihn weiter dreht, ist sie still. Und wenn man ihr am Bürzel rumschraubt, wechselt sie den Sender. es rauscht und britzelt und ab und zu kommt wer zu wort, dann bricht sich die Musik Bahn, es rauscht wieder… Da irgendwo zwischen dem Ächzen und klingen war ich also drin und habs nicht gehört. – Eh unfassbar wieviel Frequenzen sich da überlagern, wieviel Kanäle wieviele Töne fassen. Dachte früher, man könne so durch die ganze Welt reisen. Man überflöge alle Stationen, finge von überall her ein paar Takte und Töne auf und weiter ginge es durch den Äther… – Und von den Beamern kann man hoffen, dass sie einen noch gänzlich wo hin beamen. Mit Leib und Seele als Ganzes aufflackern und erscheinen lassen, wohin auch immer. an Welche Wand auch immer sie einen werfen. Ich glaube, deshalb ist mir unser Projekt so wichtig: Bilder (immer wieder neue) an die Wände einer alten Kapelle zu werfen, das ist wie die alten Bilder mit den eigenen Vorstellungen verbinden, eine  Ansichtssache. dass was im eigenen Kopf herumspukt will raus und an den Wänden ein Eigenleben führen, gesehen werden, ebenso wie die Ansichten, Erinnerungen, Visionen  und Assoziationen von ganz anderen Leuten. Plötzlich stehen die im Raum stehe und man staunt und sagt: Ach echt? So siehts in deinem Kopf aus? wenn man doch rein könnte in die Köpfe…! oder eben raus aus dem eigenen!

24. November

Wieder Windsbacher Dinge gefunden. denn so langsam komme ich dann doch dazu, meine Tasche auszupacken, das Sommergepäck, das aus dem Kantorenhof zum Textilhaus wanderte, im Keller stand, von meinen Eltern nicht angeholt wurde, dann doch nach München kam. und jetzt in Berlin im Korridor steht und das Zimmer meines Mitbewohners blockiert. in der Seitentasche, das Schächtelchen gfunden, das es im Sommer in Retzendorf gratis gab bei der FC-Nürnberg-Fan-Veranstaltung “Bauen mit IQ” steht daruf und man muss aus den Puzzelteilen ein Haus mit Schornstein zusammenlegen. Bereits auf dem Cover wird gefragt: “Haben sie das Zeug dazu?” – Da saßen der Frank, der Bommel und ich lange, sehr lange an dem Geometrie-Mist und keiner hatte das Zeug dazu. selbst mit der gegoogelten Anleitung klappte es beinahe nicht. Manche Dinge sind einfach nicht zu bewältigen. Und sie halten einen von den eigentlichen DIngen ab. Zum Glück! Die Schachtel raschelt verlockend. die Erinnerung ruft! und vielleicht erinnere ich mich, wie es ging… vielleicht habe ich das Zeug dazu?

23. November

Das Kreuz ist wieder angebracht auf dem Dach der Gottesruhkapelle! Nicht von Zauberhand (hätte ja – Harry Potter, hilf! – sein können) und auch nicht durch Bergsteigerische Verrenkungen meinerseits, sondern Dank der Hebebühne die in der Stadt die Weihnachtsbeleuchtung angebracht hat und die die Stadt mal eben vorbeigeschickt hat. Kreuzarm wurde angeschweißt, wahrscheinlich wird nie wieder ein Specht das DIng klein kriegen. (fühle aber doch einen Anflug von Wehmut, weil mein archeologischer Fund, die Schraube, die ich im Laub ausgegraben habe nicht berücksichtigt wurde. bin mittlerweile natürlich nahezu sicher, dass Ritter Hellberg  persönlich sie im Obi in Schwabach erworben hatte.

22. November

es schleichen sich Windsbacher Dinge ein nach Berlin. als ich heute, nach meiner Ankunft zum ersten mal Zeit hatte, den Leuchtturm wieder anzuwerfen – so richtig Lust hatte ich nicht, denn es war so feuchtkalt darin – öffnete ich das falsche Projekt; nicht die Filmbilder, die ich sonst in den Glasscheiben aufflackern lassem sondern die Filmdateien vom September: die Bilderstürme. Nun flatterte die Nachtigall, die in der Gottesruh zum Fenster hinaus wollte und nicht konnte im Linienverzweiger auf dem Tucholla Platz. ob es jemand sah, weiß ich nicht. ich bin selber auch weg. Frage mich, was aus dem echten Vogel geworden ist, der sich damals in die Kirche verirrt hatte und nicht mehr rauskam. DIe alte Frau Vogt und die jüngere  und ich versuchten ihn lange hinauszutreiben, aber er flatterte immer nur zwichen den hellsten Punkten hin und her, die Türe lag nicht auf dem Weg. wir ertrugen es  irgendwann nicht mehr. er schein dann… na ja… weg zu sein. erwachte dann aber doch wieder aus irgendeiner Ohnmacht und flatterte wieder gegen die Glasluke. habe ihn dann gefilmt. damit es wenigstens nicht umsonst sein sollte. und jetzt hat es ihn nach Berlin in einen noch kleineren Elfenbeinturm verschlagen.

21. November

Kleists Todestag. fahre zurück nach Berlin. mir gegenüber sitzt ein wahnsinnig wichtiger Geschäftsmann, der für seiner Firma ein bestimmtes “device” evaluieren soll. er telefoniert so konzentriert und unempathisch englisch , dass ich weder zuhören noch weghören kann. Er hält sich an seinem HAndy-Headset fest wie ein Marionettenspieler  am Faden zu seiner Puppe.  Er rät ab vom Vertrag mit dem Device, noch sei das nicht ausgereift. Thüringer Wald, schneeüberstäubt und endlos. – Jetzt erzählt er, immer noch auf Englisch, da seien schon zu viele Versprechungen gemaht worden, wie neulich in Wien, da hätte die obere Etage sich zu weit aus dem Fenster gelehnt, er habe sich beinahe vor Schreck an seinem Schnitzel verschluckt. Seltsam. ich hatte ihn für einen Veganer gehalten. – komme zu nichts, nicht einmal richtig zum Selber-Telefonieren, weil seltsamerweise ich mich in Funklöchern aufzuhalten scheine, mein  Gegenüber aber offensichtlich nicht. In Lutherstadt Wittenberg (!) Verbindung zum Dekanat dauernd unterbrochen. dann gleich zur Probe. vorher noch im Briefkasten zwei Steuerfestsetzungen aus dem Kasten gefischt.  Seltsam. gestern erwähnte mir gegenüber jemand, dass  er/sie  Steuern zahle. es klang ein bißchen  so, als würde bezweifelt, dass ich auch welche zahle. Und nun stimmt es auch noch. Meien Steuererklärungen waren auf dem Notebook (fast fertig) das mir einen Tag nach Projektende auf dre Rückfahrt von Windsbach gestohlen wurde. An alles neu zu machen, war noch nicht zu denken. Habs vergessen in den anderen Abrechnungen. Und prompt holt sich die Steuer ihre Steuer selbst. was denn noch alles?  bin viel zu hoch eingeschätzt worden. Wie unangenehm. Alles andere aber ist gut. die Probe war schön. habe aber verpasst, dass auch in Berlin Schnee gefallen ist. leider ist er schon wieder weg. EIn bißchen Überzug wäre gut, es bedarf nur einer Lage Schnee. Schwamm drüber.

20. November

Der Schnee über meinem Wald, der anders aussieht als ich ihn kenne, verirrt beim Telefonieren. Im Dunkeln rote Augen eines Hundehalsbandes, märchenhaft! und mit Hund darin (wieder Harry Pottermäßig, denn der Hund glühte im Weiß und der Mann der neben ihm ging,  hatte eine Kapuze und sein Gesicht war blau), dessen Name Flocke war. das Gesicht des Mannes war blau vom Schein seines Handies und erhielt es sich vor Augen, damit ich sehen konnte, damit ich nicht erschrecke. wir gingen eine Weile zusammen, ich war erschrocken, dass ich in meinem eigenen Wald (meine ELtern hatten es immer gesagt, dass das mein Wald sei, aber ich hatte später mir sagen lassen müssen, dass der Wald allen gehört!) in die falsche Richtung gehe. Aber das ist gerade so ein Grundgefühl, alle Schritte, die bis eben noch Sinn machen, erweisen sich heute als falsch. Sackheute das war gestern. heute ist der Sackgassen, Dickicht. – Das alles, also das “Heute” war eh gestern. im echten Heute ist der Schnee weg. lichtüberflutete Äcker und Felder. Sonnenuhren soll es hier geben, aber ich starre immer nur auf den Kirchtum, an dem die Uhr wie an den Rand gerutscht ist. wenn das Zifferblatt noch ein bißchen weiterrutschte, es würde in einem Gemälde von Dali enden. die Färberdistelfelder, die dazwischengestreuten Malven. ein übriggebliebener Feuerkäfer in WInterstarre, Frauenmantel am Wegrand, unangenehmer Geruch von künstlichem DÜnger, so roch der Hund Emma, als er sich auf den Feldern rund um den WIndsbacher Funkturm gewälzt hatte. Meine Mutter behauptet, der Geruch käme von den Disteln. ich glaube ihr nicht. Efeu durchwachsener Informationskasten. Jesus am Kreuz mit Turban, der total muslimisch aussieht und Hagebutten, die ihm jemand um die Beine gewunden hat.

ich habe – weil doch viele meine Rechtschrheibung rügen – auf Autokorrektur umgestellt. prompt eine Mail an den Leiter vom Kleist Archiv, einen Herrn Emig mit Sehr geehrter “Herr Emigrant” begonnen. habe jetzt wieder umgestellt und die Rechtschreibfehler müsst ihr dulden.

19. November

Geträumt, ein neuer Harry-Potter-Film sei herausgekommen, einer über den erwachsenen Harry – und der Dekan Schlicker spiele die Titelrolle. Ich sah den Film aber leider nicht im Traum, sondern jemand erzählte mir nur davon. Im Traum. – ich weiß auch warum ich das geträumt habe. muss mit dem Gottesdienst gestern zu tun gehabt haben und mit dem Posaunenchor, Töne aus einer so ab-gründlichen Tiefe, so mitreißend, schön und fern… gleich zu Anfang, als der Dekan aus der Sakristei kam… es hatte einen gewissen Zauber und dann der wallende schwarze Mantel…!

Wer jetzt denkt, ich hätte das Prinzip Gottesdienst nicht verstanden, dem sei gesagt: das war nur ein Augenblick! danach war es ein sehr schöner und kluger Gottesdienst, sehr direkt, klar und ohne Tricks und verständlich. ich gebe aber zu,  die Gewalt der Musik… die Ahnung, dass da auch Unbegreiflichkeiten im Spiel sind, Dinge, die nicht am Mittagstisch geklärt werden können, das gehört halt auch dazu.

Schläft ein Lied in allen Dingen, die da träumen, fort und fort /          und die Welt hebt an zu singen, triffst Du nur das Zauberwort.

[Eichendorff]

wie kam ich fast nahtlos vom Gottesdienst zum Kriegerdenkmal, ohne mir überhaupt darüber im Klaren zu sein, dass da ein Event is? Man ist schon fast am Bahnhof, in Gedanken schon zu spät bei den Eltern in M. und steht plötzlich in der Menge und oben am Denkmal steht der Bürgermeister und der Gesangsverein singt “Näher mein Gott zu Dir…” Wieso steht plötzlich über dir ne halbe Stadt auf Terrassen zwischen herbstlicher Natur und massivem Denkmalstein. Und dabei wird auch noch geschossen… und ein Eichhörnchen in den Wipfeln über Dir erschrickt und peitscht sich selbst über die Zweige hinweg… näher mein Gott zu wem auch immer… und endlich kapierst Du: Volkstrauertag is! der katholische Pfarrer kommt noch später als du. hetzt in seinem weißen Gewand die Treppen hoch, wie du selber eben, aber is ja auch klar, der hatte ja später Messe  aus als die Protestanten. Und die Frau neben dir, ist nett und tuschelt mit dir, ob man sich wohl an das Geländer lehnen könne, oder ob es eventuell einbrechen könnte. und du denkst immer noch, was ist das hier? Es ist mein erster Volkstrauertag! Was wen das Geländer nicht hält? Und der Bürgermeister spricht. Er wirkt angenehm, ohne falsches Pathos, seine WOrte findet er in einem schwarzen Buch und wenn sie aus ihm herauskommen, schwingt ein Hauch Verwunderung mit, kein Geschwafel! Er hat mich, als er zugibt; ja okay, das  könnte auch “nur eine Veranstaltung mit tendenziell älteren Menschen sein”. Aber dass es um alle Menschen geht, die in und an Kriegen gestorben sind, auch oft ohne überhaupt für diese Kriege zu sein. Ich finde alles gut, was er sagt, und wie er es sagt, aber am stärksten und überzeugendsten wirkt er, als ich ihn – da ist schon alles vorbei – eher zufällig zu jemand und eher unter vier Augen sagen höre, dass er jetzt weiter muss, nach Neuses und in so und so viel weitere Städte um Windsbach, aber dass er sich drauf freue, weil er dass was er da sage von Herzen gerne sage. Er fasst sich sogar kurz da hin wo dieses Herz ist: von da komme es. Und immer noch sagt er es ohne Pathos. okay, könnte jetzt auch ne Politiker-Geste sein? aber dann echt gut, weil er es jetz ohne diese Verwunderung sagt. Das Gegenüber vom Bürgermeister wiederum ist in erster Linie überrascht von der Vorstellung: Waaas? das Ganze nochmal? Auch die Schüsse, die Soldaten (einer grüßte mich mit “Hey, Berlin!” also das tat mich dann doch irgendwie freuen), der leider woandershin als in meine Richtung singende Männergesangsverein, die Fahnenträger, die beinahe zu späten Geistlichen, die EIchhörnchen… fahren die auch alle jetzt von Mahnmal zu Mahnmal und nochmal und nochmal? seltsam, obwohl die Sache dadurch eigentlich auch was unsäglich Banales kriegen könnte, hat es doch etwas jetzt erst recht Rührendes. Schon im Weitergehen kommt mir einer von den Fahnenträgern entgegen, der jetzt wo’s vorüber ist, seine Fahne nur noch irgendwie durch die Gegend schleppt und nicht aufrecht  empor reckt. wo geht der jetzt hin? auch nach Neuses? oder haben sie da ihre eigenen Fahnen? und obwohl ich sehr sehr sehr für den Frieden bin. Ich frage mich dennoch, und zwar weil ich auch wenn auch nur für kurz einen fremden Krieg an einem letzten Tag gesehen habe, ob es nicht auch manchmal die echten Soldaten nervt, dass der Focus auf den versehentlich Gestorbenen liegt und nicht auf denen die  beußt für etwas gekämpft haben. Ich gebe es zu: ich mag Helden. Kriegsverweigerer-Helden ebenso wie Kampfzonen-Helden. (natürlich nur wenn sie für das Gute kämpfen, is ja klar.) die traut man sich oft aber nicht bewundern.

18. November

Meinen fast einzigen WIndsbach-Tag gestern dann doch weitgehend in Ansbach verbracht. weil ich ein neues Macbook-Kabel gebraucht habe. Kalt und durchgefroren schon von den 20 km auf dem Moped. Musste mir prompt nicht nur Netzteil kaufen, auch noch was Wärmeres zum Anziehen. Mist. Und nach München fahren mit Motorrad ist auch undenkbar. ich müsste mir alle 20 Kilometer einen heißen Tee kaufen. Das wären 7,5 Tees. Aber wahrscheinlich geriete ich wieder in irgendwelche Umleitungsfallen um Merkendorf herum oder sonstwo (waren weitere 70 km beim letzten mal! (das wären dann entsprechend 3,5 zusätzliche Tees + je 20 Minuten aufwärmpause) ich müsste sofort los und wär am späten Abend erst da. Nun steht meine Honda bei den Hubers. In der Garage in dem alten Teil des Gehöfts, das mit der schöner “Toscan-Patina”. Duft nach Quitten; Äpfel in Regalen. Da darf mein Motorrad sich jetzt weiteren Auszeiten hingeben. Zurückgegangen den kleine Pfad von der Ludwigstraße zur Retzendorfer, der wölbt sich übers Stadtgeschehen wie ein betretbarer Regenbogen aus Kies und Sträuchen, wilden Beeren, scheuen Katzen. Man überblickt die Stadt, kleine Gärten.  man ist mitten drin, aber irgendwei “heimlich”.

Heim-lich

wieder warm.

Der Ilios wirbt mit Live-Musik, und dass man reservieren soll. Tatsächlich total voll. und alle haben alles reserviert. darf dennoch Strom-Tank-Tisch nutzen so lange die reservierten Leut noch nicht da sind.  Livemusik ist dann allerdings nur ein Typ an einem Keyboard, der unsichtbar platziert eher wie ne Konserve klingt. wollte längst in der Gottesruhkapelle sein, aber lande doch am einzigen nicht reserviert-tisch. witzigerweise bei R. von den Reservisten”.  Eintauchen in die tollen Zufälligkeiten. Gespräche aufgesogen über ein früheres WIndsbach: als Helukabel noch “der Dauscher” war. Ich kenne ja die Geschichten vom “Waffelbruch” in rauen Mengen für nur Eine Mark. Und von dem Mohrenköpfen, Negerküssen (da durfte man es noch so nennen und da das Wort für mich auch noch die Unschuld der Kindheit hat und die Bewunderung der schönen dunklen Haut über dem übersüßen zähen Schaum, kann ich nicht glauben, dass ein ethnische Gruppe sich respektlos behandelt fühlt, durch die Erfindung und Benennung einer so üppigen und ästhetischen Süßigkeit). ich kenne wie gesagt bereits Leute, die mir vom Dauscher-Waffelbruch vorgeschwärmt hatten. Jetzt aber im Detail beschrieben bekommen, wie der zu Stande kam. Dass die Maschinen da zu hektisch vorangetrieben wurden, zu viel Schokoladenmasse, zu schnelles Guillutineieren der Waffelplatten, zu viel Abrieb, oder zu viel Laufen wie geschmiert? Und dass der Dauscher letzendlich daran zu Grunde gegangen sei, weil: die Mschienen können zwar mehr leisten als die Menschen, aber von den Menschen kannst Du  immer mehr und mehr verlangen an Arbeitskraft,  bei den Maschinen aber ist irgendwann Sense. Und dann wirds nicht mehr mehr, sondern weniger. Kontra-Prodution, sozusagen… – Und ich hab  nicht einmal gewußt, dass der Dauscher mal eine ganze Fabrik war. Da wo Helukabel jetzt ist! Sehe das sofort vor mir und es war ja tatsächlich auch der erste EIndruck, den ich hatte, als ich im Dezember 2016 vom U.  eine Sightseeing-Tour bekam: da leuchtete ein Glaspalast auf in der Ferne, eine Halle nur, aber es sah so schön aus wie der Eispalast einer Schneekönigin oder eine Fabrik in der Engel die “Weihnacht” zurechtkneten, Pakete verschnüren, Lebkuchen zaubern. Und nun war das wirklich eine Süßigkeiten Fabrik?! Fast die Gottesruhkapelle vergessen über den Erzählungen; Konnte mich schwer losreissen von dem Tisch. GUt gelauntes Ehepaar, der R. und einer der so viel erzählte und in so vielen Sprachen, der so viele Namen hatte, dass ich mich nicht entscheiden kann, wie ich ihn nennen soll. werde drauf zurückkommen. Der mann sprengt auf alle Fälle den Rahmen dieses Tagebucheintrags. verschieben wir’s auf später. Die vielen Eindrücken, die vielen Geschichten und Anekdoten, die hin und herspringen und in einander überfließen, am ende doch müde gworden, is aber auch kein Wunder….  und all das war eigentlich gestern […]

17. November

Morgens erst gesehen, wie schön Windsbach aussieht im Spätherbst (der freilich aussieht wie goldener Oktober mit Novemberschleier darüber. gleißendes Licht über dem Friedhof, der helle HImmel über den raureifen Rezatwiesen. Die Bäume streuseln ein paar goldorangene Punkte über den Friedhof, sie fallen wie in Zeitlupe, blitzen auf, stechen ins Auge aus der weichgezeichneten Gräberlandschaft. Die Tantenrühl ackern im Garten. die eine harkt Laub, die andere will Wurzeln  eines vor 15 Jahren entfernten Baumes ausgegraben haben. der Nachbar der das macht, sieht aus, als schaufele er ein Grab.

Auf dem echten Friedhof nach dem Wasserburger-Grab geschaut. sieht noch schön aus.  Zwei Reihen weiter ragt ein seltsamer Pfahl aus der Erde mit einem Schild dran, dessen Schrift wie ausgekeilt un dunkenntlich gemacht aussieht. seltsamer Marterpfahl. ein kantiger Engel, grob laubgesägt, darüber. Vergessener Geist? könnte auch Kunst von Anselm Kiefer oder Jospeh Beuys sein.  – Und es scheint wieder eine Beerdigung gebenn. Vor der Friedhofsmauer parkten viele Autos, ein Offenbacher ist darunter.  Und tatsächlich: da schreitet eine kleine Prozession durch die Grabstein-Reihen. Filmreif. vorneweg geht der Herr Lechner und trägt erhobenen Hauptes, die Arme empor gestemmt ein Kreuz? der Pfarrer Peters im weißen Gewand, Inbegriff eines katholischen Dorfpfarrers, etwas dahinter, ein kleiner Trauertrupp, alle eher etwas düstereine, nur eine Frau in der Nachhut mit einem Kind in rosa, das sie schleppt. es hängt ihr um den Bauch, die Beine rechts und links von ihr weit abgespreizt, als hätte es ihr der Wind um den Leip gepeitscht und es wäre da hängen geblieben. Die singen was, aber sie sind zu weit entfernt, als dass ich hören könnte was. schade, dass da nicht noch ne Tuba und ein paar Posaunen mit bei sind. kann mich schwer losreissen von dem fremden Trauerzug. aber ich hab Hunger! ich will Tee!

Stadtcafe. Tee. Butterbrezel. Die So. denkt, dass ich rauche, weil ich draußen sitz und mein kondensirte-Atemhauch wie Zigarettendunst wirk. wir sitzen auf der sehr leeren Terrasse und schauen in die Sonne. Eingewickelt in Decken, die Stühle zur Sonne gekehrt. komme mir vor wie auf ner Skihütte im Winterurlaub. vollkommener Moment.  Und So. sagt wieder so schöne Sachen. Sie sagt: “Wir sind auf der Welt, um zu lernen!” – ich glaube das nicht einmal, aber wie sie es sagt…! so bodenständig und überhaupt nicht belehrend… – klar! wir sind ja auch nicht auf der Welt, um zu belehren, sondern um zu lernen – und das mit diesem Winterurlaubsgefühl. wir sehen uns nicht an, wir schauen in die Sonne. Die wandert. sie hängt ne Weile in der Antenne des Flüchtlingshauses fest, aber dann verschwindet sie hinter dem Giebel. wir wechseln die Tische. erwischen wieder einen Streifen Ski-Hütten-Gefühl. Ich glaue eigentlich, wir sidn auf der Welt, um wahr zu nehmen. –

Und dass wir alle gleich sind, sagt sie. “Na ja, mehr oder weniger…”, sag ich. “Doch!”, sagt sie. “weil wenn du kleine Kinder, egal von welcher Hautfarbe oder Abstammung, in einen Sandkasten setzt, dann fangen sie an zu spielen. Egal welche Sprache sie sprechen.” – Ich erinnere mich an Sandkästen, in denen sich Kinder die Schippen um die Ohren hauen…  Aber dennoch, sie hat recht. Und wenn sie über das “AfD-Gschmarre” sowieso.

Der So. ihrer Mutter ihre Pflegerin kommt aus Rumänien. Sie sagt, die verstünde sie auch oft nichtm aber das macche nichts. Sie selber sage dann immer “Schapti-Schapti”, was so viel heiße wie “sieben-und-siebzig”. das sei ein rumänisches Wort, das ihr gefiele, sie sage es  irgendwie gerne (der So. verdanke ich schon viele Worte. z.B: den schönen Begriff “Himba-Hamba”).

vielleicht ist die Antwort auf alle Fragen nicht “42”, wie es in “Per Anhalter durch die Galaxis” heißt, sondern, sondern in Wahrheit “77”.

Das wird ein guter Tag… […]

***

Auf dem Mäucherchen, zum rötlichen Haus gehörig, hinterm Unteren Tor, gegenüber vom Rosenberger liegt ein trauriges Wurstbrot. fahler Toast. Das Therapiezentrum weist per Schild explizit darauf hin, dass es “kein Hundeklo” sei. Der Himmel wird blauer. Vor dem Unteren Tor, bei den Zahnärzten, also der alten Synagoge, sieht man noch die Relikte der Gedenkveranstaltung, die Namen der jüdischen Windsbacher, die früher hier ums Leben kamen während des Pogroms, flattern im Wind.  über Dreissig sinds.  – ich gehe mehrfach durch die Stadt, vor eins kann ich mein Motorrad nicht holen. Von alleine treffe ich heute wohl niemand. lasse mir von der Sa. ihr Outfit zeigen, das sie als Pelz-Märtel anhatte. schon eher 1:1-Nikolaus, aber mit sehr schönem Bart. den hatte sie aber auch selbst gekauft, weil sie den Gemeinschaftsbart aller Pelz-Märtels die je das Beetselheim in Dettelsau begingen nicht hatte nutzen wollen.

An den Sträuchern der Werkstatt des Baumeisters blühen Blüten, wachblumenartig und winzig. seine Mutter sagt, die dufteten. Stimmt. wir steckten beide die Nasen in den Strauch. Gefühl es sei März. […]

 16. November

soll ich über Windsbach fahren, wenn ich mich auf den Weg mache zu meinen Eltern? es gäbe noch so viel zu klären da. Und ich muss auch mein Motorrad noch umparken, das noch beim Baumeister steht.  soll ich?

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Flixbus gebucht – leider recht knapp berechnet. Aufbruch direkt nach der Probe ohne es nochmal nachhause zu schaffen. entsprechend idiotisch die Auswahl des Gepäcks, die eher ein Griff in die Requisitenkiste war. zwei Ausgaben der Metamorphosen des Ovid, ein Milchschäumer, der Mini-Beamer, ein VGA-Adapter, ein HDMi-Adapter, eine Capri-Sonne, meine Steuererklärung (die war aber eh schon in meinem Rucksack drin und zwar ungefähr seit ich im Mai seit Windsbach aufgebrochen war), so wie die gesammelten Werke von Margarethe von Bülow, McBook. – Nicht mitgenommen habe ich leider mein Macbook-Ladekabel.

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die Fahrt ist relativ angenehm, obwohl ich diesmal nicht beide Plätze für mich habe. Lehne mich ans Fensterglas, um dem Mann neben mir nicht zu nahe zu kommen. die Landschaft fliegt an der Scheibe vorbei. die Windräder, die Herbstbäume, der weitgehend blaue Himmel… Kondensstreifen wie Sternschnuppen.

15. November

warum ist immer alles so kompliziert? und warum mag keiner lange emails haben? Geschweige denn lesen. Oder Leserbriefe? (den ich der FLZ geschrieben habe… zu lang!) Oder die Rede meiner meine Mutter, deren beste Freundin gestorben ist und die nun die Trauerrede halten soll… – zu lang! und sie sitzt schon seit vielen Tagen dran und endlich eine wunderbare 20 minütige Rede fertig gemacht hat, eine, in der sich ein ganzes langes Leben drin platz gemacht hat und sogar aufgeblüht ist wie die Huflattichblüte auf einem Stein, von der die jetzt tote Freundin sagte, dass sie sich wünschen würde als eine solche wiedergeboren zu werden (als Huflattich auf einem Stein! was für ein schönes Bild (ich teile diesen Wunsch nicht, aber…. es ist ein sehr beruhigender Gedanke)…. ich schweife schon wieder ab, auch dieser Eintrag war als Drei-Zeiler gedacht gewesen  undn wird ZU LANG! –  Also, diese Rede nun, für die tote Freundin und  für ein über 80jähriges Leben, soll sie jetzt in 6 Minuten halten. das sei so üblich auf dem Ostfriedhof in München. was soll man denn da sagen? Wass soll man denn da überhaupt so lange leben, wenn man sich dann am ende in 6 Minuten kleinkriegen lassen soll!

Zu lange Anträge, zu lange Mails in denen wichtige Dinge stehen, die die Leut lesen hätten sollen! zu lange Grabreden, zu lange Leben. wollen alle nur noch alles im Häppchenformat. aber die Welt ist kein Häppchen und die DInge sind nicht immer maßgeschneidert. ich finde das Leben sollte eine Reisetasche sein, die man sich in die Armbeuge hängen kann, und zwar in der Ausführung wie Mary-Poppins sie hat. Unerschöpflich. voller Überraschungen. Süchtig machend. Nach mehr verlangend! Mehr! Mehr!

14. November

Es ist wieder besser. In Gaza ist Ruhe eingekehrt, niemand den ich kenne ist  gestorben. der Leuchtturm hat geleuchtet, nicht ganz bis zum Ende, aber doch ziemlich lang und ziemlich wundersam. Und von Windsbach… flog ein uraltes Bild der Gottesruhkapelle her, ein ganz neues, ganz altes. es ist die schönste Ansicht, die ich bisher gesehen habe und der Weiher ist noch da. (von dem hatte die Frau Bartels damals erzählt mit ihrer abgrüdigen STimme, auch dass da wer ertunken sei darin. ich dachte deshalb: besser einen Engel drüber hinfliegen lassen… Hier also das Bild, eine Aufnahme von Georg Wagner; Dank nochmals an die, die es hervorgekramt und den, ders geschickt hat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

13. November

Aufgewacht neben einer halbleeren Dose Thunfisch. Nicht schön. Entsorgen. sorgen sorgen. Krank, fühle mich wie 80. wie soll das heute laufen? -Intensiv-Proben. abends die Leuchtturm-Eröffnung. – dann die Nachrichten gelesen…

An Probe mit Gaza ist sowieso nicht zu denken. unsere Kollegen (zu denen wir die Liveschaltung machen wollen) sitzen mit ihren Familien in fremden Erdgeschoß-Wohnungen, in der Hoffnung, dass diese sicherer sind, als die eigenen. Niemand, den ich kenne ist verletzt bisher, aber die Angriffe sind die schlimmsten seit 2014. Beinahe wäre ich jetzt auch da. die Proben, waren eigentlich so geplant, dass mein Team in Berlin probt und ich in Gaza bin und dort probe, damit ich die andere Seite sehe und Technik hinbringe. den Sommer über habe ich allerdings so ziemlich alles vergessen in die Wege zu leiten und die Gazaproben schlichtweg “auf ein andermal verschoben”. komme mir jetzt wie ein Feigling vor, der kneift – oder ein Katastrophen-Junkie, der zum Glück was vertrödelt hat. Windsbach war irgendwie wie eine Insel. Stadtflucht. Weltflucht. Daseinsberechtigung. Dort-Nicht-Seins-Berechtigung. Ich bin ja in WIndsbach auch nicht wirklich zur Ruhe gekommen, es war wirklich viel arbeit, aber in mir war ich ruhiger und sicherer.

12. November

In der Tasche meiner Jacke einen seltsamen weißen Fladen in Cellophan gefunden, der sich beim dann doch Mal-Probieren als zwei zerdrückte weiße Helmreich-Amaretto-Pralinen herausstellte. Unverhoffte Morgen-Freude…

der Tag fing süß an. dann kam ein leichtes Fieber hinzu und eine quälende Technikeinrichtung für Live-Stream, um via Skype mit Theaterleuten in Gaza über ABdne theater zu spielen. (wenn man es hinschreibt, merkt man wie idiotsch das alles ist! – Ist es natürlich nicht, aber dennoch….. wenn man schon nicht “In echt”  die Kollegen rüberbeamen kann nach Berlin, dann eben doch per Projektion. schon mein COmputer erkennt das Capturing Programm nicht. am ende ist man doch nicht entlastet und gibt nur geld aus. unergiebiger Tag. zu Medimax gelaufen und auf dem Weg  schwere Glieder, Kopfweh, Schüttelfrost. Kamera kaufen gewollt, gab keine. Schienenersatzverkehr, zurückgeschleppt. dann doch nicht weiter gekonnt, weil fix und fertig. Bus kommt nicht, dadurch zu spät zur anderen Baustelle: Linienverzweiger-Installation. gerade noch rechtzeitig den “Leuchttum erleuchtet”, als wieder zahllose ST-Martins-Kinder auf den Platz liefen. gibt sofort wieder Kraftschub. wenn man drin sitzt in dem gläsernen  verschleierten Pavillion und nach draußen blickt, die Kindernasen sieht, die sich an der Scheibe plattdrücken, dann ist man wieder glücklich. es ist nicht nur ein Leuchtturm, es ist ein Elfenbeinturm. Leider aber doch kalt.

Nachts erfahren, dass wieder Israelische Raketen zu erwarten sind. Gaza ist unter Beschuss. seltsamerweise haben dann sofort meine Kopfschmerzen aufgehört, vielleicht weil man sich gleich schämt, wenn man seine Zipperleins aufgezählt hat und dem Kooperationspartner fliegen die Bomben um die Ohren.

die Proben, die keline Ausstellung/Installation… ich komme zu nichts mehr. der Leere Kühlschrank. die späte Stunde. Das verschimmelte Brot in der Toasties-Tüte. In Bett gefallen mit einer Konserven-Dose Thunfisch, noch ein paar Zeilen in “Jonas Briccius” gelesen (ein überraschend toller Roman der zu früh verstorbenen Margarethe von Bülow, der meine Leuchtturm-Installation gewidmet ist)… weg.

11. November

St. Martinstag.  Vielleicht mein heimlicher Lieblingsfesttag, Festtagsabend. Als ich ein Kind war – das Lichtermeer, in dem man ging, der laufende Gesang, die Gefahr, dass die wachsbetropfte Pergament-Laterne Feuer fängt, die Geschichte von diesem Martin, der seinen eigenen Mantel zerreißt (“Hast du sie nicht mehr alle…!”, hieß es, als ich es ihm nachtun wollte, einmal ritt einer tatsächlich in blutrotem Umhang  neben uns her auf einem Pferd. Das Pferd äpfelte – (“Trett da nicht rein!”). Ich trat nicht rein, aber Ralphi rutsche aus und seine Laterne war platt). als ich älter war, sah ich die singenden Kinder von oben herab laufen, aus dem Fenster. Bedauern kein Kind mehr zu sein (nicht speziell wegen Laterne-Gehen, sondern überhaupt. Das Lied summte ich trotzdem oft, weil es sich traf, dass ich mich seltsamerweise fast ausschließlich in Jungs verliebte, die Martin hießen). Als ich selber Kinder hatte, war Laternegehen das Event, bei dem am wenigstens Stress war. kein Konsumterror wie an Weihnachten, kein Stress wie an Ostern (weil man im Frühling so viel anderes tun möchte und meine Kinder immer wieder gerade da Geburtstag hatten). Am Martinstag… keine Erwatungen. Und deshalb schön und andächtig. gar Inbrünstig.  – Welche Überraschung nun, dass der St Martin in Windsbach “Pelzmärtel” heißt. (nie war ich verliebt in einen mit diesem Namen!). Lernte das Wort von der Sa., die mich überraschte, weil sie verkündete, sie sei wieder der Pelzmärtel für die Feier im Bezzelheim. (viele Fremdworte in diesem Satz! das Altersheim kenne ich ja mittlerweile, aber “Pelzmärtel”?!) Die Franken haben also ihren eigenen Martin zusammengebastelt aus Nikolaus, Knecht Rupprecht und St. Martin. Laut Wikipedia, weil die Protestanten “nicht weiterhin die katholischen Heiligen St. Martin und St. Nikolaus verehren wollten. Ursprünglich hatte der Pelzmärtel wohl nur eine Rute dabei, nachdem er aber zunehmend die Aufgabe des Nikolaus übernehmen musste, brachte er seitdem auch Geschenke mit.” – Na ja, also doch wieder Konsum-Kompromisse!  Man kann wohl keine neue Kultfigur einführen, ohne give-aways. Ich dachte ja erst “Pelz” habe dann wenigstens was mit der Mantelgeschichte zu tun, aber (ebenfalls Dank Wikipedia) erfahren, dass das von “pelzen” kommt, was soviel heißt wie “prügeln”. So so [Smiley], da erfinden die Protestanten lieber eine illustre und potentiell gewalttätige Gestalt,, die eher heidnisch rüberkommt, als einem netten Heiligen Respekt zu zollen : “Die äußere Erscheinung der Figur legt auch Einflüsse der winterlichen Schreckgestalten nahe, die in Fell gehüllt und mit Strohperücke ihr Unwesen trieben („Herr Winter“).” – Und so mischt heute die Sa. das Bezzelheim auf? Winter is coming. Fellbedeckte Night-watch-Gestalten.

Schade, dass ich so weit weg bin. aber hier war es auch schön. meine “Laterne”, mein Leuchtturm am Platz, das wie ein überdimensionales Ikea-WIndlicht aussieht, ist fast fertig. als ich die letzten Tage dran arbeitete und gerade das erste Licht aus meinem Mini-Beamer strahlte, kamen plötzlich scharenweise Kinder auf mich zu. nicht wegen mir oder meiner industriellen Turmzelle, sondern weils der Treffpunkt für einen verfrühten Martinsumzug war. Überweigend LED. aber trotzdem wunder-wunderschön.

10. November.

mir fällt heut nix ein. ich frage mich aber, warum die Welt Klopapier braucht, das mit Bildern von ELchen bedruckt ist und nach Karamellbonbon riecht (vor dem Gebrauch).

9. November

Berlin hat mich verschluckt, aber langsam hab ich wieder hochgebuddelt aus dem Arbeitsschlund; schiele über den Untertassenrand in die Welt, bzw. auf die aufgerissene Straße herab vor meinem Fenster. Kopfsteinpflaster. Schönes Wort. klingt aber auch ein bißchen nach Notaufnahme. Hirnschädeltraum mit drüber geklebtem Hansaplast. Arztbesuche, Filmpremiere. Antrags Dinge. Antrag, auch so ein Wort, klingt immer so als würde man einen Kniefall tun und um die Hand von jemandem anhalten, dabei (man kann es nicht oft genug sagen: sind ANträge ja nur höfliche und noch für niemandem verbindliche Anfragen);  wenn man es hingegen zu oft hintereinander sagt, verliert es seinen Sinn  und klingt nach Infektionskrankheit und Milzbrand. – hmm. muss mal weg von dieser klinischen Metaphorik. is nämlich eigentlich alles ganz schön gerade. sogar hier: Berlin macht sich nicht schlecht im gleißenden Herbstlicht, im Nebel, der die immer noch feurigen Bäume weichzeichnet. Vorgestern hatte mein erster längere Film Premiere, eine einstündige Dokumentation über Alleinerziehende in Berlin Lichtenberg. ich weiß, klingt nach langweiligem Problemfilm, ist aber super geworden. Und Alleinerziehend ist NIE langweilig. War es ja selbst lange Zeit. Die Frauen, die ich portraitiert habe in dem Film sind sehr verschieden, auch das Ausmaß der Überforderung, der STärke, mit der sie dieser  Überforderung entgegentreten, ist ganz unterschiedlich. ich glaube ich hatte es damals noch ziemlich leicht. ich habe sehr lange an diesem Film gearbeitet, ihn am Ende sogar nochmal umgearbeitet, weil die eigentliche finale Fassung auf dem Computer war, der mir bei MacDonalds geklaut wurde. ich kenne diese Frauen inzwischen in und auswendig und über einen langen Zeitraum, weil der Film eine Langzeit-Recherche angelegt war. Ich hatte mich bereits an ihre Heldenhaftigkeit gewöhnt mit der Zeit. es war eine wunderbare Überraschung, wie heftig die Portraits auf die Zuschauer (meist Politiker und Fachleute) wirkten. ich habe was bewirkt! Endlich wieder das Gefühl, dass ein Sinn ist! Auch wenn ich weiß, dass “Allein-erziehend” in Berlin längst kein Stigma mehr ist. Es gibt so viele Familienmodelle, und jedes hat Vor und Nachteile, Stärken und Schwächen, Möglichkeiten, Überforderungspotential, Unterdrückungspotential, wunde Punkte, Hornhautschichten über Schichten (wieder ne medizinische Metapher). Ich weiß gar nicht mehr was besser ist, aber eins weiß ich: alle diese unterschiedlichen Familienstrukturen sind für was gut und verdienen Hochachtung. – nee, quatsch. nicht die Strukturen, sondern die Menschen, die in ihnen hängen oder sich an ihnen aufrichten. – – – aber was hat das jetzt mit Windsbach zu tun? Nix!? (hatte nur gerade mal das Gedankenexperiment im Sinn, wie es mir in Windsbach gegangen wäre, wenn mich damals, als meine Kinder noch klein waren, die Großstadtflucht gepackt hätte, wär das besser gewesen? Vielleicht wird man in einer Kleinstadt ganz anders gesehen, wenn man nicht verheiratet ist? (okay, ich empfinde mich grad eh wie jenseits von gut und böse oder als herzensmäßige Frührentnerin – und das ist auch echt… gesundheitsförderlich!). DRINGEND EMPFOHLENER THEMAWECHSEL!

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Heute ist der geschichtsträchtige 9. November. Beginn der November-Pogrome 1938, Hitelr-Ludendorff-Putsch in den 20erJahren, 1918 November-Revolution… und ohne den 9. November 1989 wäre ich nicht im ehemaligen Ostberlin. Hörte von der Veranstaltung in der ehemaligen Synagoge  in Windsbach – da wo jetzt die Zahnärzte drin sind. (ganz interessant ist das hier: zur Geschichte der Synagoge)

um 18:30 kann man hingehen (evangelischer Dekan, katholischer Pfarrer und Bürgermeister… – und ich bin sicher: der Herr Lechner, der möglicherweise ein bißchen die Welt im innertsen zusammenhält – vielleicht dreht sich die Erde ja (unter anderem) deshalb, weil der Here Lechner so viel auf ihr herumrennt.)

PS hab später gehört, dass es da Hick-Hack gab in der Organisation. Auch kirchen-Veranstaltungen sind offensichtlich manchmal von Umständlichkeit heimgesucht. An Tagen wie diesen liegt das Fettnäpfchenpotential vielleicht auch in der Natur der Sache. Ich finde aber, DASS was initiert wird wichtiger als das drumherum. Ich hoffe (und bin sicher),  dass es dennoch ein schöner Augenblick des Innehaltens war.

6. November.

Laub harken, Sisyphosarbeit, möglicherweise eh völlig nutzlos. tut trotzdem gut. Stadtcafe, Butterbrezeln, Rettung: Earl Grey. Das meistgesehendste Fahrzeug in W: ist mit Abstand das von Radio Weinl. Man könnte denken, der kurvt den ganzen Tag in Endlosschleife ums Karree.  (weiß natürlich, dass dem nicht so ist. eben jenes Auto brachte einmal im Frühling eine Waschmaschine in den Kantorenhof). den Tag weitgehend mit weisen und wunderbaren Frauen (die Sa und die So) verbracht. die eine sagte von sich: “ich ärger mich nur noch über sachen, von denen ich weiß, dass ich mich auch in einem Jahr noch ärgern werde.”  (und sie wirkt eigentlich nie, als ob sie sich wirklich ärgert!) Die andere gab Ratschläge, die mir eine so unsagbare Lebenslust machten und gleichzeitig das Gefühl: dass auch ohne die Möglichkeit, alles zu verwirklichen / auszuleben / umzusetzen, manchmal allein die Vision und das Gespür für das was möglich  w ä r e , bereits zählt.  Schlußfolgerung: laß gut sein. weils ja auch gut IST. Blumen auf Gräber – Blumenladen, auch interessante Frau. sieht aus wie eine von den Göttinen aus der Disney-Variante von “Herakles”. die sogenannte Blumenhexe. ein silbriges, nicht ganz leidensfreies Stimmchen, fast im Widersdpruch zu dem starken Gesicht und der präsenten Erscheinung. ALs die Sa. ein wenig kritisch meine Blumenwahl kommentierte (“Distel für ein Grab…?” ob ich wüsste, was das bedeute in der Sprache der Blumen! und auch die zweite Wahl: (Gerbera!), da meinten dann beide: dass sei eine zu neue Blume, um eine Bedeutung zu haben. vielleicht muss ja auch nicht immer alles was bedeuten. Eigentlich trat die Hexe – nein, werde sie lieber Göttin nennen! – erst dem Gespräch bei, als die Sa. sagte, ihr Vater hätte mal ein Buch gehabt das sei voller Gebete gewesen, die aus der Sicht von Blumen geschrieben worden seien. Das gefiel ihr und sie sagte leise, sehr leise: die Blumen hätten heutzutage allen Grund zu beten. und die Tiere auch.

Später Chidron-Tal. So, erzählte da seien früher Schaukeln gehangen mit denen man über dem Tal von Hang zu Hand hätte schaukeln können. sie wußte es aber auch nur vom Hörensagen. wäre schön. stelle es mir vor wie im Titelvorspann von “Heidi”.

was für ein schöner Herbsttag. seidenblau, mild wie früher Oktober,

5. November
ein zarter Tag. viel. nach Ansbach gefahren. auf einer Bank. erst in keiner Sonne gesessen und mit einem motorisierten Straßenkehrer ins Gespräch gekommen. 300 kg Müll geht auf so einen Wagen, deshalb haben sie kleinen Motoren..bedauerlicherweise kein Trittbrett, sonst wäre die Sache echt cool. freundlich, unaufdringlich. Gespräch innerhalb dessen das Wetter vom kühlen November-Tag wechselte. es kam die Sonne. Beinahe Ziel der Reise vergessen: Das Regierungs-Palais, zum Verlaufen schön. Der Pförtner gibt einem einen laminierten Plan, auf dem er die Wege markiert, man solle ihn nachher zurückgeben. Stolz der Fahrstuhlmitfahrein, die mir den Weg noch besser zeigen kann, weil sie außerdem von der Baubehörde ist und das Gebäude in und auswändig kennt. Hier wär Kleist mal beinahe hingekommen als Beamter, aber dann wurde Ansbach Bayrisch. ich glaube er hätte es hier gemocht.

abends zum Kuchen eingeladen worden. Kuchen. Kinder. Kurth. Katze. KunterbunteKinderBilder. Klatschmohn. kuschelig. Klasse.

4. November

Da ist die Stadt wieder selbst. kam gestern an in der Kälte und wieder hatte ich eine Stunde in der Merkendorf-Umleitungs-Falle verbracht. Egal.

Ich war die Tage nicht gut beisammen, auch sauer, so dass ich eigentlich nicht mal hab her wollen. kaum aber bin ich da, bin ich ruhig. Im Kantorenhof in ein weiches Bett gefallen. Die Kapelle ist zu. aber man taucht trotzdem ein in ihren Dunstkreis. Träume – seltsamerweise von Angela Merkel, von der ich richtig gute Fotos gemacht habe (im Traum). nettes Gespräch von Frau zu Frau über “Anerkennung” hatte ihr immer die Fotos auf meinem Handy zeigen wollen, auf der sie so super aussah, aber immer wenn ich hin wischen wollte, kamen andere oder Akku-Alle-Meldungen. sie sagte dann, sie müsse jetzt auch gehen.

dann war fongendes.

6:00 Uhr wach.  kein Mitbewohner.  das Haus ist voller BLumen. ich würde gerne in einem Gewächshaus leben.

9:00  dann Gottesdienst. zu Fuß. Straße. wollte mich irgendwo verkriechen  auf der Empore, aber da kam ein Junge auf der Straße mit entgegen gelaufen, Schön, IN der KIrche gelandet wo  sonst nie. froh, nicht allein wohin zugehen.

Erfahren, dass Luther öfters mal in Ohnmacht fiel. Und dass Herr Wasserburger gestorben ist… der Herr Wasserburger…! – eine dieser Begenungen, zufällig, wunderbar, ich sehe ihn noch mit seinem Rolator in Richtung NKD rollen, weil er sich eine Somer-Mütze kaufen wollte. –  zu spät. die machen schon zu! und doch genau richtig, da er am Ende in der Venetia-Eisdiele an meinem Tisch landete. nur ein Tag? TOT? verpasste Gespräche, verpasstes Leben. mein tiefstes Beileid an diese außerordentich nette Familie. ich finde, dieser Mann war super. und er brachte mir das Wort “Batscher!” bei. Alle hätten einen, da wo er jetzt wohne (im Phönix), er selber wahrschienlich auch! Bin mir da nicht sicher. er vielleicht weniger als viele. – Ich auf alle Fälle!

15:00: Helmreich: sehr viele, aber nicht genug: Amaretto-Pralinen.

Abends in Dettelsau. Betzelheim. wirklich das schönste Altersheim das ich kenne. Sehr schade, dass die bald in einen Neubau umziehen. Am Gemeinschaftstisch Weißt Du wieviel Sternlein stehen gesungen. weil des war das Lieblingslied von einer. (Kind einer anderen Besucherfamilie verlautete, das sei auch sein Lieblingslied) und Guten Abend Gut  Nacht. (und das war auch noch das Lieblingslied von dem Kind!)

nicht gewußt, wie viele Strophen “weißt Du wieviel Sternlein…” hat. Und dass das Lied im Kirchen-Gesangsbuch steht. hatte ja schon in der Kirche morgens immer “LalalaNanana” mitgesungen, weil die Lieder nicht gefunden. was “Guten Abend Gut-Nacht” angeht, die Gelegenheit genutzt un din die Runde gefragt, was mit “Näglein besteckt” bedeutet. hatte ich mich zeitlebens verhört und es heißt eigentlich “Nelklein?” jemand wird mit Blumen bedacht? Ich hatte tatsächlich immer gedacht, das Lied handle vom Jesus am Kreuz, der mit einer Dornenkrone bedacht wird und mit Näglein besteckt wird. Und wenn Gott will, wird er wieder erweckt.

Ansonsten. Hundespaziergänge. Zufälle. Totmüde. zu viele Biere.

3. November.

erschrocken über den Artikel in der FLZ. da wünscht man sich immer Presse, aber doch für das was man macht un dnicht für das was man jetzt möglicherweise gar nicht machen kann. Ich wollte zu diesem Thema nichts sagen, aber jetzt gehts wohl nicht anders.

Mir haben in den letzten Tagen auch einfach die Worte gefehlt. oder es wären zu viele gekommen. Ich war fassungslos, dass ich meine ARbeit in Windsbach offensichtlich nicht fortsetzen kann. ich habe in den letzten Wochen ziemlich viel verloren,  meine zukünftige Arbeitsstätte wurde von einer israelischen Rakete in Schutt und Asche gelegt. aber dadurch auch ein freies Jahr Zeit gewonnen, das ich gerne in Windsbach mit einem tollen Nachfolgeprojekt verbracht hätte. Die Gelegenheit wäre JETZT gewesen, durch zwei Antragsfristen, die JETZT sind. nicht morgen nicht in einem haben Jahr, sondern JETZT. ich habe versucht, die Ideen, die mir auf der Seele brennen, auf den Weg zu bringen und egal was jetzt in der Zeitung steht, das schien auch auf einem guten Weg zu sein. Liebe Leute im Stadtrat, tut mir leid, dass eure interne Abstimmung in der FLZ steht. ich weiß, dass Zitate immer lückenhaft sind und das Konzept Euch sehr kurzfristig vorgelegt wurde. Manchmal will man als Fördergeld-Beantrager gar nicht wissen, was hinter verschlossenen Türen verhandelt wird. man will halt nur händeringend und weil man wirklich einfach an DIE SACHE denkt, eine Bescheinigung, die man dem nächsten Förderantrags-Sachbearbeiter vorlegen kann, auf dass er sage: “Ach, die Stadt Windsbach gibt was, ach das Dekanat kümmert sich um kichen-kulturstiftungs-Gelder und legt sich ins Zeug… – na dann geben wir doch die selbe Summe nochmal?” Letzteres war überhaupt kein problem, vielleicht weil hier einfach auch eine tolle inhaltliche Zusammenarbeit stattgefunden hat. Anderersiets: mit der Stadt doch auch: Und ich wollte gar nicht so viel, ich wollte einfach den Hauch eines “JAs” und einen Antragsteller namens WinsART, denn als Berlinerin und nur “Neigschmeckte” kann ich selbst kein Veranstalter und Antragsteller sein.  Ich danke der Stadt, dass die den von WindsART gestellten Antrag unterstützen oder hätten… und hoffe Ihr tut das auch, wenn WindART jetzt doch plötzlich zaudert – jedenfalls nicht als Verein. – So, das waren jetzt 1568 Zeichen bis her. 249 Wörter. genug.

WindsART danke ich jetzt einfach mal für die bisherige Zusammenarbeit und hoffe, dass Ihr wisst, dass ein gestellter Antrag keine Weichen setzt für “Wieviel müssen wir denn jetzt tun?” oder “muss das sein?” ich will nichts als die Möglichkeit, in Ruhe Alles Nötige zusammenzubekommen, um dann zu sehen, was realistisch ist.  das geht aber nicht ohne einen offiziellen Antragsteller. eine Verpflichtung ist das noch lange nicht. wie und in welcher Form die dann wäre, das ist eine ganz andere Frage, für die es noch viel zu früh ist.

28. Oktober. 

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27. Oktober.

Auf dem kleinen Kopfsteingepflasterten Platz vor meinem Haus steht ein Kioskbüdchen, ein paar Akazien (es waren schon mal mehr!), eine grünlackierte Wasserpumpe.   und ein alter Linienverzweiger – vorsintflutliche Telefonzimmer. lang in der Kälte drin gesessen, seit gestern habe ich den Schlüssel, weil ich da ne kleine Installation machen soll, darf. es sollte ein Leuchtturm werden, den ein Projektor erstrahlen läßt. könnte schön werden. es ist keine Gottesruh, aber ein Elfenbeinturm voller altem Eisen und drei Glaswänden. an den Glasscheiben tatstet jetzt eine Geisterhand aus dem Jenseits. ich als Geist. ich bin ein super Geist. könnte schön werden. eine italienische Familie kommt vorbei und ist begeistert, obwohl noch kaum was eingerichtet ist. nur die HAnd dir aus der Tapezierfolie sich ans Glas tastet. heulende Kälte.  Eine Schaltzentrale mit gekappten Leitungen – na ja, kann man noch als ELfenbeinturm gelten lassen. ich dachte, ich habe alles geschafft. alles getan. Neu erfundenes Leben. war so glücklich gestern. jetzt ist doch wieder alles anders.  ach scheiße, ich geh uns guck Grey’s Anatomy.

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Dabei eingeschlafen. (beim Serien-gucken (nicht in der sogenannten Telefonzelle.)

26. Oktober

mir schwirren tausend Wespen im Kopf herum, aber man kriegt sie los wenn man in der Badewanne untertaucht. Kaum taucht man wieder auf, atmet durch, flattern statt des schwarzgelben Schwarms die guten Nachrichten schwarz auf weiß oder per Telefon durch das weltweiteweb. E sist tatsächlich so (oder wäre es?): Bewilligung! ein JA aus dem Rathaus! die erste Basis für ein Folgeprojekt… die Nachrichten kamen von so unterschiedlichen Richtungen, und waren auch überraschen vielseitig in der Auslegung. aber alle aus Windsbach. die entscheidende dann (okay, auch über Bande aus einem gegenüber dem Friedhof gelegenen Textilhaus , weil da hatte es die Nina R. gleich von oberster Stelle erfahren, weil der Herr Bürgermeister daselbst ein und ausging und es ausrichten ließ. das rührt mich jetzt erst recht. Weil das wenn auch nicht die zweckmäßigste, aber doch die alltags-poetischste ist. Übersprühende Initialzündungsfunken. bin froh, weil es eben doch so ist, als ob einem jemand eine Tür aufmacht. Kam mir in den letzten Tagen zwar vor, wie eine die ohne sich dessen bewußt zu sein, zu laut angeklopft hat und den Fuß zu schnell in der Tür hatte. (obwohl sie eigentlich doch gedacht hatte bereits drin zu sein. – sag es mal vor dich hin: “drin drin drin” klingt bescheuert!). und was heißt “drin”? “neigschmeckt” ist ja viel besser. “drin” ist gut, wenn es eine Wanne voll warmem Wasser ist.

Ich glaube, ich geh nochmal baden.

25. Oktober

Achterbahnfahrtentag. aufgewacht nach eh schon fast schlafloser Nacht. Außerirdische hatten mich verschleppt in ein Badezimmer, setzen mich auf eine Waschmaschine und machten wirklich unschöne Experimente mit mir. mein Hirn wurde langsam plastiniert, obwohl ich inbrünstig darum bat, dies nicht zu tun. es tat nicht weh aber fühlte sich seltsam an. Fluchtversuche, natürlich vergeblich, unter anderem weil plastiniertes Hirn nicht gut funktionierte. langsam wurde ich. Zeitlupen-Leben.

Starker Kaffee am Bahnhof Lichtenberg machte mich wacher. Abnahme meines Films in Hohenschönhahusen erfolgreich. Erleichterung.

it’s wonderful, it’s wondeful, / it’s wonderful, good luck my baby, /it’s wonderful, it’s wonderful, it’s wondeful I dream of you…!

…singt Paolo Conte in einer kleinen italienischen Bar in Berlin-Mitte, hippe Gegend, reiche Läden – aber: es gibt kein Internet! Ich verkneife mir jetzt Vergleich zu Italienern in Windsbach, die zumindest jenes immer zu bieten hatten. (Essen nicht immer, jedefalls nicht immer wenn ich Hunger hatte). frisch gepresster Orangensaft. It’s wonderful. Vieni, Vieni! – und das ist es wirklich: es scheint möglich die BILDERSTÜRME fortzusetzen. Die Stadt fördert. Dank, hochgeschätzter „Magistrat zu Windsbach!“ noch mehr Erleichterung. Kann nicht sagen, wieviel mir das bedeutet.

Und Jetzt spielen sie hier auch noch die Dire Straits. Sitz hier übrigens und warte auf einen Arzttermin. also nicht im Wartezimmer, sondern, man sagte mir, ich solle zu einem bestimmten Zeitpunkt anrufen. im Wartezimmer warten und hoffen durfte ich nicht. Geh ich halt zum Italiener. eine Minute vor dem Zeitpunkt ging niemand ans Telefon. eine halbe MInute nach de Zeitpunkt, war dann  besetzt. Ist ja wirklich so, dass man in Berlin keine Termine beim Arzt bekommt. Meine Ärzte sitzen mittlerweile in Schwabach oder Nürnberg. In Windsbach war ich auchmal, aber da schon wieder schwieriger.  Handy-Akku leert sich. Frohebotschaften weitergeben. Andere treffen ein. möglicherweise doch zu früh gefreut. Hirn fühlt sich wieder plastiniert an. Arzttermin eh geplatzt. dann kann ich auch ein Birra Moretti trinken. lachender Junge auf dem gekachelten Fußboden zeichnete die Muster mit dem Finger nach und lachte immer wieder, als hätte er eine Entdeckung gemacht. wenn hier Internet wäre, ich würd noch lange sitzen. dann doch hoch, bin zum Essen eingeladen, muß los. Dann doch zu fürh. noch Zeit beim Senat vorbeizusehen. Herr Mayer von der Literatur bekommt leicht graues Haar sieht aber noch gut aus. schade, dass man solche Leute nie privat kennen lernen darf. In Ansbach bei Frau Ortner vom bayerischen Fonds ging es mir auch so. wollte endich mal wissen, wie die Frau aussieht, mit der ich so viel immer telefoniert habe, dann will sie mich aber gar nicht sehen. weil wir doch immer schon so viel telefoniert haben! Egal. vielleicht eh wurscht. Müde. nicht laufen. Straßenbahn-Fahren. An alten Orten vorbei im viel zu schnell veränderten Prenzlauer Berg. Schick ist er. früher verrotzter, aber lebendiger. jetzt belebter, aber geleckt. Zionskirche, da wohnte ich mal, Anklamer STraße. Angeblich soll da jetzt Jürgen Vogel wohnen. Und vor mir hatte da gewohnt “der Kaputte”, so nannten die Polizisten den Mann, der schon in meiner ersten Nacht in der neuen Wohnung, mit einem Beil meine Wohnungstür aufhacken wollte. so sagte er tatsächlich in einem fiebrig-nasalen, bösen Jammerton (“Ick will rein, ich wiell rein, ick hacke dir die Tür uff!”) Und kein Telefon weit und breit! und ich erst 19 Jahre alt, keine Ahnung, was tun, wenn einer sagt “Ich will rein!” der wollte sich aber runterstürzen, so sagten die Polizisten. der hätte mal da gewohnt, ind er WOhnung, in der ich jetzt wohnte… ” die hatte ich gerufen. Polizei gerufen, wort wörtlich. aus dem fenster um HIlfe gerufen. geklappt. Bullen kamen. Nahmen den armen Kaputten mit. Kam mir aber wie ein Verräter vor. Dann schöne Zeit gehabt. Mein französischer Balkon im vierten Stock blickte die ganze Zionskirchestraße hinab auf die ferne Kirche, fühlte mich, als wäre ich in Venedig. auch weil die Häuser alle so ne Patina hatten. heute alles gut verputzt. Bei “Venedig” An den Wasserrohrbruch gedacht vor dem Friedhof in Windsbach,  als das Wasser über die sich wölbende Straße quoll. da habe ich zum ersten Mal mit meiner Freundin N. ein paar Worte gewechselt. Wasser in STädten. nährend und erquicklich. verbindend. Staßenbahn hält jetzt  Schwedterstraße. Da erstes Wunder erlebt in der damals noch neuen Stadt Berlin. Dort eine Freundin besuchen gewollt, von der ich die Hausnummer nicht wußte. Umständlich erfragt in der Telefonzelle Bernauer STraße (gab ja kaum Telefone! Schlange stehen vor den wenigen gelben Häuschen weiter weg im Westen. Freundin nach der Adresse gefragt, aber sofort wieder vergessen, die STraße gemerkt, aber die NUmmer nicht, w eil anderes im Kopf: in einen Mann verliebt gewesen, der einen Ritter spielte in dem STück bei dem ich am Theater meinen ersten Job hatte und dessen Adresse ich ebenfalls nicht wußte. kaum jemals gerdet bisher mit dem Mann. als ich die Freundin besuchen wollte dämmerte es schon und ich ging auf gut Glück, weil ich die Hausnummer nicht wusste, weil ich sie vergessen hatte weil ich verliebt war und nur an den Ritter dachte, ins nächstbeste Haus der Schwedter Straße. Dunkel war es darin und den Lichtschalter fand ich nicht. Hoffnungslos, wieder gehen gewollt. da hörte ich Schritte, Licht ging an und vor mi stand: der Mann in den ich verliebt war. Mit einem Kohleneimer. Was für ein Wunder! Alles hängt zusammen, alles ist miteinander verwoben, verschränkt und wer für einen Augenblick, seine Sinne nicht beisammen hat, kann hinter jeder Ecke, die ENgel stehen sehen oder die Männer, die zufällig gelegten Überraschungseier . Die vergessenen Zahlen, das Verliebtsein. der Mann. das Licht… – war aber nichts. Er war da, aber er war da, weil er im Haus seiner Freundin da war, nur so. Kohlen holte, weil sie, sie war schwanger, allerdings wurde das auch nix und seins war das kind auch nicht und… eh wurscht. Nie was geworden daraus. hätte zwar wollte dann aber, egal, irgendwie doch nicht. – wieso denk ich da jetzt dran? Na ja weil die STraßenbahn dran vorbei fuhr am Haus. Meilenstein meiner Berlin-Geschichte, die wohl langsam zu Ende geht. Übrigens stelle ich fest, dass die Geschichte, also die von dem Kohlenschleppenden Ritter, wenn man sie aufschreibt, eigentlich banal klingt. In echt ist sie ein Wunder, als Geschichte an den Haaren herbeigezogen. – Fast schon Eberswalder STraße. Kastanienallee. letztes noch besetztes Haus, da wohnt eine andere Freundin. Alibi-besetztes Haus. Schon schön. aber irgendwie traurig bemüht. Eine Ecke weiter: Cafe “an einem Sonntag im August”.  denke dauernd es sei Frühling. Und in Wahrheit wirds November. Milastraße. Da um die Ecke bin ich zur Schauspielschule gegangen. Die Stadt  loslassen. eine Weile gut sein lassen. Akku gibt gänzlich den Geist auf. könnte einschlafen in der Straßenbahn.

ich bin erschrocken. ich habe die ganze Zeit gedacht: das wichtigste ist, dass die Stadträte gnädig sein mögen. Sie Stadträte waren es. Aber was, wenn bei WindsART  jetzt gar nicht mehr alle wollen? Vielleicht bin ich ja wirklich nur ne verrückte Künstlerin aus Berlin. mit plastiniertem Gehirn.

24. Oktober

Heute ist Stadtrats-Sitzung, wenn ich Glück (oder Unglück) habe, dann könnte auch die Idee besprochen werden, die BILDERSTÜRME als Reihe fortzusetzen. DIe Idee – eigentlich schon geboren in dem Moment als wir (inclusive Gottesruhkapelle selbst) wieder einigermaßen zur Ruhe gekommen waren. So viel ist passiert, so viele Menschen geisterten über die mittelalterlichen WÄnde, animierte, re-animierte und vor allem lebendige. Gute Geister! Ich wünschte, es wäre Zeit Kraft zu tanken und in Ruhe ENtscheidungen zu treffen, aber leider muss alles so schnell gehen, damit der Förderung-Beantrag-Reigen,  für den es schon fast zu spät ist, nicht ein Teufelskreis von Verschuldung und Verausgabung wird. eigentlich bin ich ziemlich ausgebrannt. Computer weg. Viele Fördergelder des letzten Jahres sind noch nicht einmal auf dem Konto von WindsART gelandet und dennoch fühle ich mich so reich beschenkt durch alles was entstanden ist im letzten Sommer. Weitermachen? Windsbacher werden? “Werde Windsbacher!” heißt es in einer Werbe-MIni-Doku über den Knabenchor, den ich zufällig neulich auf Youtube entdeckte, als ich mir das Vogtsche Halleluja (auch einer der Windsbacher Psalmen, die wir in den BILDERSTÜRMEN aufführten) hören wollte und youtube themenverwandte Titel  folgen ließ. Naja, für die Aufnahme ins Internat fehlt mir das entsprechende Geschlecht und Alter, von der STimme ganz zu schweigen. Ansonsten würde ich eigentlich gerne nochmal ein Jahr dran hängen. In besagtem Werbefilm redet ein sehr junger Max Rüb voller Begeisterung davon, dass das AUftreten, das gemeinsame SIngen eine Droge sei. (” eine Drrroggee!”). Kann ich total gut verstehen. Es trifft ja eigentlich für jede Art von AUftritt zu, bei dem Herzblut und Seele und Arbeit und Schmerz un dLiebe und was sonst noch mit drin ist.das Suchtpotential liegt nicht im Ausdruck an sich, sondern entsteht, wenn man für einen Moment, die Distanz überbrückt, von der eigenen Idee, der eigenen Stimme, und Leute erreicht.

Ich hoffe es klappt wieder. Mind the gap. Und es entstehen so wenig Kollateralschäden wie möglich.

 21. Oktober

Kopfschmerzen, wirre Träume. Kleiderberg, der aus noch nicht ausgepacktem Koffer quillt. Lichtblick und Rettung: Tüte Helmreich-Pralinen, die ich als Notzehrung gekauft  und ganz vergessen hatte. fehlt zwar der Kakao aus der rosa Tasse dazu, aber immerhin.

***

Nicht genug. Nie genug.

20. Oktober

Bin ja wieder in Berlin, das sich im goldenen Herbst ganz gut macht. Windsbach dennoch sehr präsent. Mein Handy beispielsweise zeigt simultan an die Ortszeit (Berlin-Rummelsburg, wo ich wohne)   u n d   was die Stunde in Windsbach schlägt! Zwei Uhren nebeneinander, ohne dass ich das eingestellt hätte! Und  beide gehen sie gleich! Wahnsinn !Hätte es sehr lustig gefunden wenn die Windsbacher Uhr die Zeit der stillstehenden Kirchturmuhr zeigte, oder 9:39 wie die am Dönerladen. Aber wahrscheinlich geht erstere längst wieder. Wiederum ich… – ich gehe irgendwie nach. HInke meinem Leben hinterher. Wettlauf mit Zeit um einen Antrag bei der Stadt einzureichen, um nächstes Jahr weiterzumachen. Bin wohl aber zu spät. das ist neu für mich. ich schaffe doch immer alles rechtzeitig. ja okay, mit Rechtschreibfehlern, mit Tee im Computer und schlaflosen Nächten. habe noch nie eine Berliner, Senats oder Bundes Antragsfrist verpasst, noch nie! Aber einen Antrag bei der Stadt Windsbach stellen ist tausendmal komplizierter. Rastlose NAcht, frühes hochschrecken aus dem Schlaf.  Ich vermisse den Morgenblick auf das Dach der Gottesruhkapelle. ich vermisse überhaupt Ruhe. aber die findet man halt nicht wenn man zwei Uhren im Gleichschritt auf seinem Handy hat. und eine Deadline naht.

19. Oktober

Viele und schöne Telefonate (schon in den letzten Tagen und Nächten) mit total unterschiedlichen WindsbacherINNEn. oder Gesimse, was ich sonst nie tu. Rathaustelefone leider erfolglos. man dringt nicht vor oder nur Freizeichen. private mit schlechten Nachrichten (die Frau G. ist im Krankenhaus in A. – kommt aber hoffentlich am Montag wieder raus. darf man das schreiben? Und Dem Pfarrer Peters eigentlich nur kurz erzählen gewollt, dass sein filmisches Erscheinen bei den BILDERSTÜRMEN sehr gut ankam. (weil er selber sah es ja nicht, weil er da mit einer Gruppe auf Pilgerfahrt war in Lourdes), dann aber nettes langes Gespräch, auch über Lourdes. denke da immer nur an blutende BIlder oder Statuen, was ich absolut gruselig finde. Aber bekam erzählt von heilenden Wassern, von kleinen Badebecken, in die man nackt geht (aber Intimsphpäre doch gewahrt, weil einer ein Handtuch hochhält, Marmorbeckenen (musste ans Müllersche Volksbad in M. denken, aber es sind wohl einzelne Becken) in denen man hinabgetaucht wird, wie bei einer Taufe im Fluss in amerikanischen Filmen, die im Süden spielen (oder wie sie der Dekan Schlicker im Waldstrandbad tat beim Kernfrankenfest) oder in alter Zeit. Oder in den Bibelfilmen. Oder im Vorspann von “True Blood”. Oder bei den Juden die rituellen Waschungen in der Mikwe, wenn man seine  Tage hatte oder vor/außerehelichen Sex oder an Jom Kippur. Neu sein. abtauchen auftauchen. Fremde Arme die einen halten, zurückdrücken, man taucht auf und läßt das alte Leben hinter sich – oder kommt  (im Falle des Pfarrer Peters’) aus dem Wasser und ist sofort trocken. als perle es ab oder vielleicht im Gegenteil ziehe ein. Seltsam. auch so was Wunder-Volles. Und: einer der Leute die da mit waren, dem eine Bein-Prothese Schmerzen bereitet hätte, sei die Schmerzen nun los. Glaub ich sofort.

Na ja Baden immer gut. Leider Kiefern-Schaumbad vergessen im Badezimmer des Kantorenhof.

18. Oktober.

Jemand hat mir ein Gedicht geschrieben! schon bei meiner offiziellen Abreise im Sepember – und ich habe es erst jetzt gesehen! bin sehr gerührt und finde es toll! und BItte tausendmal um Entschuldigung, dass ich jetzt erst reagiere. Leider habe ich keinen direkten Kontakt, daher auf diesem Wege: Danke schön!

16. Oktober

Geträumt, dass George Harrison ein Solo-Konzert gegeben hat am Turm. War auch von WIndsART groß angekündigt gewesen als Solokonzert, aber viele Leute waren enttäuscht, weil sie dachten, die Beatles würden spielen. Harrison war ziemlich cool und sagte, das passiere ihm öfters. wir unterhielten uns nett nach dem Konzert. Er wollte ein Bier trinken gehen und fand schade, dass da kein Biergarten ist, (“Da ist doch Platz für einen Biergarten!”) Und (er zeigte auf die Burgstube)  es  sei doch auch einer “ausgezeichnet” (so sagte er). Ich gab ihm recht. Wir unterhielten uns noch länger richtig toll, irgendwann  wurde es allerdings krampfig, weil sich mir der Gedanke eingeschlichen hatte, dass der George Harrision doch eigentlich tot ist. traute mich aber nicht zu fragen, weil ich außerdem ein total schlechtes Gespür hab für Gesichter und mir plötzlich nicht mehr sicher war, ob es überhaupt George Harrison war, mit dem ich sprach. Er merkte den zweifelnden Blick und wurde auch wortkarger. Musste dann auch eh gehen. hinterher mich geärgert, weil die B. von WindsART, die die Fotos für das Plakat für das Solokonzert gemacht hatte mir nochmal bestätigte, dass es natürlich George Harrison gewesen war.

15. Oktober

Abreise-Odyssee. Nicht weg gekonnt, weil Schlüssel vergessen abzugeben weil Tanke überlaufen,  weil Motorrad-Visier auf einmal weg war, aber ohne fahren ist blöd. Auf der Landstraße, wo einem dauernd Vögel ins Gesicht kacken, sogar noch schlimmer als auf der Autobahn. seltsame STimmung. verkatert, verpeilt. Gelbe Fake-Raps-Felder, Hügel mit Bäumen, wie entflammte Zündhölzer. Mildes Licht… – man fährt 52 Kilometer und ist am Ende nicht weiter als nach Mitteleschenbach gekommen. Wie? Nervenzusammenbruch vor Umleitungsschild. (Schlimmer als in Fürth! dafür enden aber die Merkendorfer Umleitungsschilder in schönerer Umgebung, konkret: Sie münden (alle?) in einen Schotterplatz am Wald an einer Kreuzung, auf der jede STraße  mit jeweils einem einzelnen Umleitungsschild endet, das jeweils auf die Mitte eben jener Kreuzung zeigt.

Und überhaupt: erstmal aus Windsbach rauskommen. Am Ende sitzt man dann doch einfach noch glücklich im Stadtcafe mit Frank und Bommel und denkt, ach fahr ich halt erst später. oder am liebsten gar nicht. Gestern – und auch dies ist ein Grund, warum ich heute etwas durch den Wind bin, hat meine Freundin N. für mich eine Abschiedsfeier gegeben. Überraschungsfete. ein Szenario wie aus tausend  und einer Nacht.  Mit Lagerfeuer und tollen Gesprächen  bis spät. gerührt. geschüttelt, geheult, gelacht. Bin sprachlos und unendlich dankbar. Danke SCHÖN!  Wie hält man das nur aus: so schöne Dinge und dann weg! Nachts in München  Kalt. Fertig.

Fertig.

14. Oktober

Im handverlesenen Herbst vor der Gottesruhkapelle eine uralt wirkende rostige Schraube gefunden, die (möglicherweis den waagrechten Teil des Eisenkreuzes gehalten hat, der auf dem hinteren Teil des Daches der Kapelle prangt – weil dem fehlt ja ein Teil ! War mir  letztes Jahr schon ins Auge gefallen, dieses amputierte Kreuz.  Dann gelernt von der alten Frau Vogt, dass das ein Specht war. EIner, der da drauf rumhämmert (und bereits früher schon mal ein Kreuz klein gekriegt hat. Kein reformatorischer Bildersturmakt, kein Terroranschlag, auch kein Versuch, das christliche Sympol einer Theorie der Zeugen Jehowas (die mich des öfteren besuchten) anzupassen, die mir erklärten die Kreuzigungs-Kreuze zur Jesus-Zeit seien in Wahrheit Pfähle gewesen, an die die Verurteilten gebunden worden wären. Ein Pfahl hätte sich aber nicht so gut als Kirchenemblem gemacht. – – – also all dies war aber nicht der Grund für den fehlenden Kruezarm, sondern ganz winfach: verstärkte Balztechnik. Weil ein Specht der auf einem Eisenkreuz herumhämmert einfach potenter klingt, als einer der an irgendeinem Holzstamm rumklopft. (das hatte mir aber die andere Frau Vogt erklärt). Irgendwann im Juli waren dann mal zwei Herren da, die ebenfalls rätselten, wie das Kreuz seinen halben Arm verloren hat,  und vor allem wie man es wieder anbringen könnte. Die hatten mir und den Damen Vogt nicht glauben wollte, dass ein Vogel der Verursacher sei. (natürlich glaube ich den Damen Vogt mehr, denn sie haben ja das Procedere vom Kantorenhof vor Augen und Ohren gehabt. Ständiges männliches Macho-Gehabe (der Vögel), mechnaisches Hämmern führt natürlich dazu, dass irgendwann mal ne Schraube locker ist (nicht nur bei Vögeln).

Dass da nun im Laub diese alte locker gewordene Schraube lag (weiß freilich nicht genau, ob es die rechte ist), hat mich total gefreut. Irgendwo ist vielleicht doch ein Sinn vergraben. Und alle lockeren Schrauben sind irgendwann wieder zu was gut? Nichts geht verloren? kam mir wie ein kleines Abschiedsgeschenk vor. Ob die Schraube nun aus Ritter Hellbergs Zeiten stammt oder aus dem Baumarkt, des is mir worschd! auf alle Fälle sieht sie aus wie eine, die ein Specht lockern kann. das ist mal klar.

Wie man sie wieder anbringen kann, weiß ich übrigens auch!

13. Oktober

Gang in die Stadt, weil ich da mein Motorrad gestern hab stehen lassen. Zu Fuß sieht man mehr. Ca. dreijähriges Mädchen mit Puschelmütze in rosa sitzt kerzengrade wie eine Königin – vom Vater beaufsichtigt – auf dem Gehweg und malt mit Pastellkreide. an der Brücke ein Schornsteinfeger-Auto, mit Slogan “Glücklich, wer einen Schornsteinfeger hat” (oder so ähnlich). Mit vielen Füßen getretene Wahlwerbung, die am Boden liegt.

Und wieder die roten und gelben Pfeile. gibt sogar welche, die um die Ecke zeigen.

Überall Feuerwehrleute in der Stadt, in kleinen Grüppchen wirklich überall. eine zieht jeweils ein kleines Wägelchen  hinter sich her, in dem Helme und irgendwelche Mappen sind (keine Leitern, keine Schläuche). Die legen wohl irgendeine Prüfung ab heute) Manche der Wägen sehen nach Baumarkt aus, die meisten aber eher nach Kindergarten oder Krabbelgruppe unterwegs. Man denkt sofort: Dieser Feuerwehrmann da – und der und der da auch, der wollte bestimmt schon als kleiner Junge Feuerwehrmann werden.

11. Oktober

Wer hat diese roten und gelben Pfeile auf den Boden gemalt oder gesprüht? Und wohin führen sie? unter anderem zum Altglas-Container, den ich allerdings nicht wegen der Pfeile gefunden habe, sondern weil ich beim Fristo danach gefragt habe. Frage mich schon, ob es nicht bessere Orte gegeben hätte als die Scheune hinter dem Bahnhof.

10. Oktober

Stadtcafe. Wiener Würstchen. Sonne, himmlische Herbst-Sonne, die obwohl alles gerade echt mies läuft, automatisch Glücksgefühle verursacht.

Der Bus des Knabenchors fährt vorbei. Und der Tierarzt auf seinem roten Motorrad. Eine grüne krumme Frau geht über die Straße, also grün ist das Kittelkleid.

Roter Bus mit einem Kennzeichen, das aus der Nähe meines Wohnorts zu stammen scheint, wurde von Polizeiwanne gestoppt, die erst quer die Retzendorfer Straße versperrte, dann an der Brücke gegenüber vom Cafe parkte. Mann im Jogginganzug wurde mitgenommen, der andere im grauen Hoody verabschiedete seinen Freund und schlenderte dann wieder zum roten Bus zurück. Sehr voller Bus. Die Damen, blond gefärbt, die wie die Männer durchsucht worden waren von den Polizisten, mit abgespreizten Armen, ihre Handtaschen bereitwillig hinhaltend, sind wieder eingestiegen in den Bus. Ratloses Rauchen des Hoody-Mannes. Wollten die jetzt nach Windsbach? Wär ja schon neugierig. Könnte mich erheben und meinen Presseausweis zücken. Bin aber zu träge und ganz ehrlich gesagt: „Des is mir worschd!“.

Betteln ist in Deutschland verboten? Echt?

Junge in roter Trainingsjacke, der von der Schule kommt, geht rückwärts die Brücke hoch, weil den interessiert das schon mit dem Fremd-Bus. Der Söder hingegen auf dem Wahlplakat dreht der Szene den Rücken und glotzt statt dessen mich an. Unangenehm. Beides.

Übrigens hat er eine komische Handschrift, der Söder. Irgendwie unentschlossen ob Schreib – oder Druckschrift. Und das Ausrufezeichen nach “Vertrauen” sitzt schief. Damit Bayern stabil blebt. Steht jedenfalls drüber.

Jetzt fährt der Bus wieder. Noch mehr Leute steigen ein. Weg.

Dafür kurvt der Radio Weinl-Bus durch die Gegend. Weiterer kleinerer Junge mit zu großer schwarzer Wollmütze starrt ebenfalls auf die Kreuzung und geht rückwärts die Brücke entlang. Dabei ist gar nix mehr zu sehen. Vielleicht geht’s um ganz andere Dinge beim Rückwärts-Gehen.

Oh, da isser wieder, der Bus. Wird immer seltsamer. Kann mir nicht vorstellen, was an genau dieser Ecke zu betteln ist. Oder überhaupt. Man möge mich aufklären!

Drückerkolonnen? Echt?

Nachmittags Neuendettelsau. Frau G. besucht. Nun hat sie sich in den Kopf gesetzt, mir einen Mann zu finden. Ohne wär blöd, meint sie. Und es gäbe welche im Internet. Reich müsste er sein, Reisen unternehmen mit mir und Humor haben. Ich sagte: auf gar keinen Fall!. Aber ich glaube sie glaubte mir nicht. Die soll mal evangelischer denken in dieser Hinsicht: Is doch eh alles vorherbestimmt. Wozu braucht es da ein Internet! Und reisen muss niemand mit mir unternehmen! Am Ende schleppt sie einem einen Motorradfahrer an, der dann wieder an einem herummäkelt. Allein fährt man immer besser.

Abendsonne. Baum vor der Gottesruh.

Drei kleine Jungs mit Fahrrädern fahren auf die Kapelle zu. Dem einen fällt plötzlich ein, dass man nun schon in Issmansdorf sein müsste. Helle Panik. Weil die Mama hat gsagt, wenn’st aus Windsbach rausfährst, gibt’s Ärger. Schon flogen die Kieselstein, als sie bremsten und kehrt machten mit ihren Rädern.

So gesehen bin ich gar nicht in Windsbach. Ich bin knapp hinter dem Ortsschild.

9. Oktober

Tag begann herbstlich, nebelig und kühl. Auf dem Motorrad kalte Hände. Wurde mir bewußt, wie lange ich schon hier bin. Ich kam im Mai! Da taten es die Baumarkthandschuhe, die ich letztes Jahr an der Agip-Tanke in WIndsbach zufällig gefunden hatte. und die ich behalten habe. die einzigen Handschuhe, von denen ich bisher nicht einen einzelnen verloren habe. für den Herbst und Winter sind sie zu dünn. Bin ich schon drei Jahreszeiten hier? Fahrt nach Cadolzburg. Neuendettelsau. Altdettelsau. Petersaurach. nicht weitergewußt. wüßte mal gerne wie das aussieht von oben, die komischen Gänge, die man auf der Landkarte hinterläßt. Nicht weiß ich, ob Richtung Ansbach oder Lichtenau oder Heilsbronn. Und obwohl man nun schon sooo oft gewesen in Heilsbronn, weiß man wieder nicht ob von Petersaurach aus der Weg Richtung Fürth über Bruckberg führt oder über sonstwo. weil Heilsbronn sich nämlich genau im Knick der Landkarte befinde(t habe)n muß. Nicht auffindbar. Alter Mann in Petersaurach mit grauem langen Borstenhaar, das nach allen Seiten abstand und mit sehr ebenmäßigem Gebiss, der seinen Rolator den Gehweg hinunterschob in Richtung meinem Motorrad, riet zu Richtung Heilsbronn und “Rechts!”  und fand, dass ich schönes Auto fahre. Gab das Kompliment zurück – Und überhaupt Fürth! da wollte ich nie wieder hin.

 “[…]Aber eins, laß dir sagen, das wird

niemals gut: Fahr nicht nach Fürth!

Fahr nach Forchheim, da lauert der Tod –

is egal! – Oder nach Roth!”

Es handelt sich hier um einen Auszug aus einem langen, sehr langen Gedicht, das der Verkehrssituation (namentlich der Einbahnstraßen und der Ausschilderung von Tankstellen) in Fürth gewidmet ist. Es entstand während einer Fahrt von Nürnberg nach Windsbach im Sommer.  Leider vergaß ich fast alle der 19 Strophen. Nur das mit “wird” und “Fürth” blieb irgendwie hängen.

Aber ich fahr ja auch nicht nach Fürth. Hängengeblieben in zauberhafter Stadt Cadolsburg. in mildem Licht.  Garten hinter Mauern. Auf und ab. Indisches Restaurant, das keinen Yogi-Tee in der Karte hatten. Wieder zurück. Abrechnen mit WIndsArt. Ilios. sehr lange, Blick aufs untere Stadttor, in die Sonne. Sehr schön.

Satzfetzen vom Nebentisch, zwei Männer unter sich:

“Fitness-Studio? – Ach weiß du was, du tust mir zwei Bier spendieren. dann komm ich morgen bissi mit und dann is egal.

8. Oktober

Nebeliges Morgengrauen, aber Laub, das den Balkon umrankt in unglaublichem “Rosa-Orange”, als wärs gephpotosopt. Mein Motorrad ist fertig! viel versprechender Nachmittag liegt vor mir.

6. Oktober

Aufbruch. Motorrad aus Windsbach holen. und überhaupt. Habe leider viel zu viel Gepäck mit. werde wieder etwas irgendwo dalassen müssen, da nicht alles mit dem Motorrad nach MÜnchen transportabel. Beamer bleibt in  Kapelle. Irgenwie ist das wie mit dem Koffer, den noch jemand in Berlin hat.

Angekommen in Nürnberg um 4:30 früh, schlaftaumelnd, das Kissen unter dem Arm, das plötzlich nicht mehr in den Rucksack passen wollte. Zum Bahnhof gewankt, aber ohne Bewußtsein eines Zuges, es war mir entfallen ob ich in Eile war oder nicht. Rollkoffertasche läuft geschmeidiger hinter mir her als über das Berliner Kopfsteinpflaster. Im Bahnhof Verlangen nach frischgepresstem Orangensaft bleibt ungestillt. Mann um die 60 mit Fuchsschwanz am Hut und Bierflasche in der Hand sang mit Würde und Inbrunst Guantalamera. Er tat es mit der Stimme und auch in der Haltung eines Opernsängers, wirkte abe rgleichzeitig wie eine moderne Commedia del arte Figur. tönte mit ausgestrecktem Arm und präsent den Gang zur Bahnhofshalle hinab. Freundlich wirkend. In einen Trainingsanzug gepresst, der nicht assig aussah, eher wie ein Harlekins-Kostüm, obschon schwarz. Er sang das Lied lange und langsam, im Tempo konstant.

Unschlüssig ob ich Coffee to go kaufen soll. Will ja nicht wach sein. Nachtschleier. Morgenblind. Der Mann hat seinen Gesangsvortrag beendet.jetzt singt er… nochmal Guatalamera aber einen Halbton höher und schnell. Up-Beat. Jetzt klingt es doch schon sehr grotesk. Ich bin auf dem Weg nach Windsbach. Wieder. Motorrad holen. Dies und das. Entscheidungen vor mir herschieben. Berlin fliehen.

In der S-Bahn sitzend fiel mir ein, dass ich keine Fahrkarte gekauft habeFahre ich über Heilsbronn oder über Wickleskreuth?Natürlich doch falsch ausgestiegen, weil mein Hirn noch nichthochgefahren ist. Endlose Gänge über die Rampenwege vom Bahnsteig zum Bahnhof – und wieder zurück. Habe aber Zeit, sitze nun in Heilsbronn fest, nächster Zug nach Wickleskreuth geht aber in einer dreiviertelstunde. Es sieht noch aus wie tiefe Nacht. Der Mond ist eine hauchdünne Sichel, sieht aus wie ein abgeknippster Fingernadel; man ahnt aber auch den Rest des Mondes, eine Hauch von Scheibe. Neuer Ohrwurm im Kopf: Guantalamera. Und wieder vergessen die Frahrkarte zu kaufen.

Ankunft im Morgengrauen. Zart-rosa-orange. Morgens Stadtcafe, Rosa heißt auch das neugeborene Mädchen vom Johann. Zu N. Gegangen zum Frühstück, die war auf dem Weg zum Gottesdienst . Froh dass ich mit. Sehr lebendig. Kürbisse in der Kirche und Pinguine. (letzteres nicht in echt, sondern Deko wegen Ernte-Danke-Fest) und sehr wohl echt: eine Käfer, der wirklich auf und ab den Mittelgang schritt, dann zurückkam auf der Bank entlang lief, immer beinahe den Leuten vor mir in den Kragen lief, sich aber dann doch für die Kirchenbank entscheid. Klingt als wäre ich abgelenkt gewesen. war ich aber nicht. Öfter Danke sagen solle man. Danke schön. finde ich auch. Ist nie verkehrt. (Hab übrigens Windsbach echt viel zu verdanken.) Der Gedanke, dass in dem Moment, in dem man jemandem dankt, man nicht mehr bei seinem eigenen Brei ist, gefällt mir. (Dekan wählte aber schönere Worte. “Brei” war nicht darunter. gute Atmosphäre. Lebendig.) –

Und die Kirchturmuhr sei immer noch kaputt. Ich erinnere mich, dass ihn das schon im August geärert hatte. Plötzlich war sie nicht mehr gegangen. Und die Versicherung zahle nicht. Wenns ein Blitz gewesen wäre, dann schon. (war ja mal 1700 noch was in der Gottesruh passiert, die lange verbachlässigt worden war. Und als dann der Blitz eingeschlagen war, sind alle erschrocken un dhätten dann auch die Kapelle wieder hergerichtet und genutzt. Ein bißchen Dramatik manchmal nicht schlecht. Wäre dem Dekan zu gönnen gewesen, dass da ein gscheiter Blitz in die Uhr fährt. Auch versicherungstechnisch. Seltsam, dass in Windsbach alle Uhren hängen geblieben sind. Die beim Dönerladen steht auch immer auf 9 Uhr 39. Eigentlich schön. Ich täts so lassen. Die Zeit ist eine Maßnahme. Wenn die höhere Gewalt findet (oder gar die innere der Uhr selbst), dass es Zeit wäre die Zeit anzuhalten… die Maßnahme sein zu lassen, die Perfektion nicht anzustreben…

Grübelte lange darüber nach und hätte beinahe verpasst, etwas in die Kollekte zu tun (wieder!). Der freundliche S., der vor mir in der Reihe saß, wollte mir verstohlen einen 5er hinhalten, weil er dachte, ich hätt nix mit. Gerührt und nicht beschämt lehnte ich ab. Natürlich hab ich was mit. Aber Danke schön!

Essen in der Mittagssonne in Moosbach. Schnitzel.

Wurde dann an der Gottesruhkapelle abgesetzt. Gar nicht gleich reingefunden in den Garten, da alles verschlossen. Aber die Tür zum Radweg hin stand offen.

Das Paradies ist verriegelt und der Cherub hinter uns. Wir müssen den Gang um die Welt machen, um zu sehen, ob es von hinten irgendwo wieder offen steht.  so heißt es bei Kleist. Die Lücke im Zaun.

So blöd es ist, dass man raus ist aus dem Paradies (oder in diesem Fall: bald raus muß), es bedeutet eben auch, dass man frei ist. (Abgesehen von eben dem eingezäunten Territorium, das dann verriegelt bleibt.

Im Falle des Vogtschen Gartens, dann aber doch den herrlichen Frühherbst, die glühend warme Sonne genossen. Zarte Schäfchenwölken im Himmel, die Pappeln, deren trockenes Laub raschelt, die Vögel die über einen hinwegfliegen. Eingeschlafen. Traumlos.

29. September.

Wahnsinn, habe den Eindruck fast alle Windsbacher wissen von fast allen WIndsbachern die Telefonnummern auswendig. Natürlich nur Festnetz.

[25.9.-5.9. BERLIN]

24. September

Den Sturm habe ich verpasst. er soll sehr gewütet haben und alles Aufräumen um die Gottesruhkapelle scheint wohl für die Katz gewesen zu sein. denn da wurde viel mehr aufgewirbelt, vielleichta us dem paradiesischen Vogtschen Garten? Fühle mich eh wie aus dem Paradies vertrieben. Kaum angekommen in Berlin sitze ich in Scherbenhaufen. Im MacDonalds am Ostkreuz (den ich mit Ach und Krach und viel zu viel Gepäck gerade noch erreichte) klaute man mir bereits Computer und Back-Up-Festplatte. Ruin. Ruin, der so existenziell schlimm ist, dass einem gar nichts anderes übrig bleibt, als zu singen und lachen. Seltsame Wendungen. Auf das Theater in dem ich nächstes Jahr hätte arbeiten sollen, fällt eine Bombe. meine zukünftige Arbeit in Berlin verschwand in einer Fastfood-Kette, die soweiso nur akzeptabel ist durch ihr Angebot von 2 STunden Gratis-Internet. Selbst meine. FINDERLOHN-Zettel werden dauernd entfernt von den McDonalds-Mitarbeitern. Aber bei der Polizei sagte man mir eh, dass ich das alles vergessen kann. Wahrscheinlich habe der Dieb noch nichteinmal Interesse gehabt an meinem Notebook. Freilich kann man damit eh nicht viel anfangen. es war das alte, das in welches ich Earl-Grey gegossen hatte in der ENdprobenwoche, und dessen Tatstatur sich nur langsam wie von einem Schlaganfall erholte, Die Tasten A, R, S, so wie die ganzen Zahlen funktionieren nicht mehr. Stelle mir vor, wie der Dieb das “R” drückt, I-Tunes aufploppt und dann wie eine Dea-Ex-Machina Alexandra  “Mein Freund der Baum ist tot” singt. (das passiert nämlich, wenn man das “R” drückt.) Vielleicht berührt den Dieb ja der Gesang (das erste Lied, bei dem ich als Kind heulen musste!) und er begreift, dass hinter den MAc-Books Menschen stecken, dass die Welt eine gebrechliche EInrichtung ist, Pappkartons fliegen durch den Sturm, Bääume brechen, Menschen sterben, Beziehungen gehen in die Brüche. dennoch finde ich nachwievor: man muss seine Türen offen stehen lassen dürfen. es bedarf der Offenheit, auch wenn sie einen manchmal fast ruiniert.

23. September.

Abflug. NIcht alles Gepäck weggeschafft. erstmal das nötigste. Rucksack, coole Tasche, geliehen und alte Roll-Koffertasche mit Vorhangstangen (Textilhaus Rühl, leider bereits verbogen, weil ich immer damit hängenbleibe und es aussichtslos ist, die DInger bis nachhause zu bringen. werden sich dennoch – gerade oder krumm – als nützlich erweisen für Probe übermorgen.) Flixbus diesmal unangenehm, da keine Unterbrechungen. der HImmel ist grau voller bauschiger Wolken. die Straße nass. Feuerwehrleute, Unfallwägen. zu müde um mitzufühlen. Zu starkes Herzklopfen um zu schlafen. Im Traum heute Nacht große Scheune oder Speicher mit Jahreszahlen 1799 (? was war da?), die vor blauem Nachthimmel stand. nicht ganz klar ob neues Haus für mich oder bereits schon vergeben. Gehöft. stellte sich tatsächlich heraus als nicht meins. Bauplanen-Zeltlager. glaube, das kommt daher weil ich gestern House of the rising sun gehört habe spät in der Nacht. Zwangsläufige Erinnerung an Zeltlager-Freizeiten meiner Kindheit. Damals gedacht, dass Zelte auf alle Fälle bessere Unterkünfte sind als Häuser. Freilich auch Scheunen. dafür wiesen mich in der früh per Telefon Leute auf mehrfache Unterkünfte hin, die sich in der Umgebung von Windsbach auftäten. mehr oder weniger aber nicht wirklichkeitsnah, wenn nicht gar absurd. Busfahrt zieht sich. nass-verschleiert. dunkeloranger Beinahe-Vollmond entpuppt sich als Shell-Tankstellen-Zeichen. Kein Halt. Kein Imbiss. kein 70-Cent-Klo. DSafür Nachrichten aus WIndsbach, dort hätten echte Gewitter getobt. Beim Textilhaus Rühl sei das “Der-Neue-Rühl-Schild” abgefallen. Dramatisch! Da müsste ich doch jetzt sein. – Dennoch: Beginne mich auf Berlin zu freuen. Klarheit schaffen. Steuer erklären. Proben. Sehnsucht haben.

21. September

Eine letzte oder seit langem erste schöne Ausfahrt machen gewollt mit dem K. der freilich eh viel zu schnell gewesen wäre. Ente bleibt auf der Strecke. nun ist sie wieder kaputt. Schmach und Pein. Und der Baumeister begrüßte uns: WIllkommen beim Schrotthandel. Und man präsentierte mir unzüchtige Fotos von Ebay-Kleinanzeigen. Falls ich mich nach ner neuen umgucken wolle… es stünde da eine besser gepflegte Honda NTV in Berlin-Köpenick. Die Frage ist also: wieviel soll man reinstecken in Altes, an dem man hängt. Hänge eigentlich nicht an vielem. Neu manchmal besser. Motorraddesaster brachte mir aber rasante Heimfahrt als Beifahrerin ein und nun zwei geschenkte Tage, da ich mit dem Zug schneller sein werde. Dumm freilich, dass ich dauernd angesprochen werde: “Immer noch da?” Obwohl die leute sehr nett sind, macht sich langsam das Gefühl breit, mein Verfallsdatum naht.

20. September.

Fakten: In Windsbach leben: Sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer:  19407 Hühner. Und nur 22 Pferde.

19. September.

Grollender Donner, spätsommerlicher Regen. Wilder Wein, der sich langsam rot färbt am Rande „meines“ Balkonfensters. Vom Bett aus kein Himmel zu sehen, aber die Dachziegel der Kapelle glänzen regennass. Wie Drachenschuppen.

Dann doch Sonne. Vormittag/Tag in Neuendettelsau vertan im Hammons wegen Internet. Dann doch Windsbach. keine Lust weiter nicht ins Venetia zu gehen. war eh ne blöde Idee. Habe Blick die Stadt hinunter und in die Sonne vermisst und das Zitronen-Keks-Eis (allerdings haben sie das jetzt eh nicht).

Nachts nicht ins Haus gekommen, weil die S. wohl die Tür zugesperrt hatte in unserer Abwesenheit. Wieder die Tür-Thematik. Warum wollen Menschen, die nicht in Berlin wohnen alle immer ihre HÄuser abschließen? Es ist WIndsbach! Hier klaut keiner was. Hier kommt allenfalls Herr Rüttel ins Haus und legt Zeitungsartikel und Rechercheprodukte auf den briefkastenstuhl. jetzt allerdings käme er nicht hinein. keiner komm rein. Sitze nun in der – na wohl wohl – und denke über mein zukünftiges Leben nach. der Baumeister erinnerte mich neulich daran, dass er – als er mich das erste mal sah (da hatte ich gedacht: ich leg mich mal an die Rezat und genieße die Sonne) da liegt a Pennerin und säuft Bier (und ich hatte nur eine Flasche Wasser mit!). Fühle mich heute obdachloser UND verbundener mit dem Ort an dem ich bin, denn je. Kerzen brennen. mein Computer singt in Dauerschleife. Leonard Cohen “Halleluja”, Vogts “Nachtigall”. Rotz und Wasser geheult, weil die schöne Metapher (“gefangen in der Gottesruhkapelle”) heute Nacht mehr stimmt denn je, aber auch gar nicht. Ich sitz hier nur rum.

Okay, jertzt lieg ich. Aber keine Angst, ich entweih nix! ich hab mich in den Textilhaus-Rühl-Vorhang, den wir am Ende doch nicht verwendet haben gewickelt und  mein Zelt aufgeschlagen am mehr-oder-weniger-Boden.

Die Bibel hier ist von 1917! lesen, endlich mal lesen. die alte Schirft der heiligen Schrift. wieso sind diese Psalmen eigentlich in der Bibel gelandet? wie Gewissensfragen und berechtigte  Zweifel. Achterbahnfahrten, zarte Kämpfe. Und dieser KÖnig David also  (Höre schon wieder Hallelujah!) versteckt sich in der Burg und sieht aus wie das kleine Gespenst. Toll! und die Psalmen, großartig. leider ist es sehr dunkel.

Pergolesi hören. Stabat Mater. sehr tröstlich. Pfarrer Peters hat recht: die Mütter sind wichtig, sie trösten, man kann sich an sie wenden, wenn man was angestellt hat. Mein Vergehen war heute also: in Panik aus dem Haus gerannt zu sein ohne Schlüssel und schon ist das Paradies verriegelt udn der Cherub hinter uns. Müde werden. niemand sagen. You are innocent, when you drem.  Jerder braucht mal einen RuheOrt. Ob Gott, ob Mensch, Kellerassel oder eine von diesen Spinnen, vor denen ich so Angst habe.

irgendwann kam der Mitbwohner und schloss dann doch auf.

***

Früh aufgewacht von einer Mücke – und vom Traum, mein technischer Leiter aus Eckersmühlen spiele im neuen Star Wars Film mit. Die Mücke war laut. Noch ein paar Sachen zusammengesucht in der Gottesruh. Aufgegangene Sonne an der Nordwand malte warm-waberndenen feurigen Fleck an die unteren Fresken. Auf dem Altar kroch eine Kellerassel ruhig und gelassen über Psalm 32. Werde das alles vermissen. Kapellen müssen benutzt werden, sie bedürfen der Menschen. stellvertretend, einstweilen können aber auch Tiere darin wohnen.

***

Il Corso Wirt läßt laut Musik spielen und herrscht alle Naselang eine Frau namens Alexa an, die mal einen Elvis-Song skippen soll, mal wiederholen. oder leiser oder („Alexa, lauder!!!“) doch lauter. War fassungslos über den Kommandoton. Und über die devote Frau. Hat die nix besseres zu tun als hinterm Fenster die Anlage zu bedienen? Frau stellt sich aber heraus als neues Steuerungssystem einer Playlist. virtueller weiblicher Zwangs-DJ. Was es alles gibt! Aus Battlestar Galactica weiß ich aber, dass solche Alexas irgendwann sich emanzipieren werden und die Herrschaft übernehmen. Und dann Gnade dem Il Corso Wirt.

***

Nachts spät nach hause. In der Küche Licht und (ganz andere) übriggebliebene Musik, vom CD-Player, den R. vielleicht vergessen hatte auszustellen, Gott sei Dank. Tappen im Dunkeln. Knarzende Treppe. Stockfinsterer Korridor. Nicht erschrecken, wenn man sich selbst entgeegnkommt. Nicht gegen den Spiegelschrank laufen. Ins Bett fallen.

17. September

Früh um vier aufgewacht vom analogen Telefon, von dem ich nicht einmal wusste, dass es in “meinem” Zimmer stand. es klingelte schrill unter meinem Bett. War die alte Frau Vogt. selten so freundlich geweckt worden in der beinahe noch Nacht. Verwunderung, da schlimmer Träume sie noch in der Mangel hatten und sie vergessen hatte, wer in ihrem Haus sei; man hörte ihr die Träume aber nicht an, freundliche Gelassenheit. Wunderschönes Nachtgespräch jeneits von Zeit und Raum. Am Ende war uns beiden nicht ganz klar, wer wen angerufen hatte, aber das machte nichts, weils ein ausgesprochen angenehmer Start in den Tag gewesen war. bis 5 Uhr geredet. dann allein mit ExelTabellen und Abrechnung.

Elftes Gebot: Du sollst Dein Motorrad nicht parken vor dem Dekanat.

16. September.

Wenig geschlafen, da Tochter zu Besuch. Sie kam gestern während der späten Vorstellung mit ihrem rosa Rollköfferchen an. Das enge Bett, die Wärme des vertrauten Körpers, dennoch lange nicht so gelegen und daher doch auch fremd. Musik noch im Ohr – eher im Hirn – spielte im klarsten Dolby-Suround-Ton das “Und die Feste…” von Vogt, das die Knaben, also die Männerstimmen gesungen hatten. die “Gewalt der Musik” obwohl so sanft und wolkig. – Das war vielleicht echt das großartigste für mich an dem Abend: Auf der Empore zu sitzen, im Dunkeln, fast ganz “bei sich” und hinter einem schwappt diese Woge von unfassbar schöner Musik über einen hin und weg. Von der CD mit Kopfhörer hört die sich schön an, aber wenn man mehr oder weniger in ihr sitzt, klingt sie und man spürt sie. Ruhe und Herzklopfen.

Letzte Vorstellungen. wieder Tag der ruhig beginnt, als hätte man alle Zeit der Welt, dann und plötzlich ist es eine STunde vor Beginn der vorletzten und dann letzten Vorstellung. Kathrin Vogt zeigt mir Buch von neuen Psalmen. Tee im Garten morgens. Tod. Leben. Musik. Nachbeben.

15. September.

Heute starb Sabine Vogts Sohn. Mein Vater hat Geburtstag. Premiere ist. Das ist dann fast banal. Hinter dem Zeitplan hergehinkt. Letzte Technik-Umbauten stören Trauer, oder auch gerade nicht. weiß nicht genau. Plötzlich sizt K. an der Orgel, die Schwester der S. Die noch gestern in Leipzig im Krankenhaus war, aber heute einfach „Nachhause“ musste, auch wenn das Nachhause gerade überbevölkert und chaotisch ist. Glaube schon Schock. Andererseits auch Ablenkung. Floh in die Kapelle, aber auch deren Ruh war hin. Kabellegen sein gelassen. K setzte sich an die Orgel und spielte für sich. Ton traf ins Mark. Als wäre sie die überraschend aufgetauchte Schwester Antonia aus Kleists Erzählung. “ein wenig blass ums Gesicht”, suchte Ruhe in dem Trubel, zwischen den Zigarettenkippen und Weinlachen im Garten, die die Jungs gestern hinterlassen hatten. Aus dem Paradiesgarten vertrieben. Morgen-Danach-Reste. Earl Grey in der Sonne mit ihr hilft etwas. oder auch nicht. es ist einfach eine Achterbahnfahrt, die muss man zulassen. Gebe mich der neuen Situation hin und mache nix, als dasitzen und horchen. Deterministischer Protestantismus eigentlich doch gut. Gut sein lassen. Dann plözlich auch geheult. alle schüttelt dieser Tod, auch wenn Verstorbener unbekannt. bei allen schwappen die eigenen Verluste der letzten Zeit hoch. Tod ist echt Zumutung. An Dekan Schlickers Lieblingsbild gedacht: das Monster, das die verschlungenen Adam und Eva ausspucken muss, weil Jesus “drauf haut”. Wäre schon gut, wenn er das täte. (Jesus, nicht der Dekan).

Vorstellung dann… – irgendwie ich glaube echt gut? Erleichterung. Richard Stier, der die Männerstimmen leitete, widmete als Zugabe der Familie Vogt den Psalm “In Deine Hände…” Schöne Worte, noch schönere Musik. Ich weiß, das „Kunstprojekt“, wie es hier oft genannt wird, ist nix das Leid, nix gegen den Tod. Aber es handelt (auch) von der Vergänglichkeit. Einen Moment lang wie die gefangene Nachtigall hoffen, dass es einen Ausweg gibt. Oder still sein.

Abends auf den Bierbänken gesessen vor der Kapelle. Seltsam, wie gut sich die Tische anschmiegten. An Schulausflüge zum Kloster Andechs gedacht. Stolz, dass ich den Schlüssel fand in der Harry-Potter-artigen Kammer unter der Treppenempore, der die Aussenlaterne erschloss und leuchten ließ.

13. September

S. der Sohn! nun muss sie doch hin. Kleist muss warten. erschrocken über die Vehemente Wende zum Schlimmen. höhere Gewalt. Es ist eigentlich keine Frage, den Kleist abzusagen. ertappe mich bei Erleichterung, dass sie fährt. Dass es ausnahmsweise mal keine Frage ist.

Es bedeutet auch, dass ich mich ganz auf den Ersten Teil der Veranstaltung konzentrieren zu können. und beim Hintergedanken: nochmal wiederkommen nächstes Jahr? erst abends begriffen, dass man sich keine Rosinen rauspicken darf. das Gesamtpaket ist das Gesamtpaket. GUte Geister, böse Geister. Tragödien, Kunst. Wirklichkeit. das wahre Leben fällt immer immer mehr ins Gewicht.

12. September

Straße wird nun doch erst gesperrt ab Montag nach meiner Veranstaltung. Dafür schleichen aber doch irgendwelche Leute durch den Vogtschen Garten und wollen Strom haben. weil Kapelle zu. Genervt, weil dauernd jemand kommt und was will. Mann vom Bauamt der aufs Haus zusteuerte ignoriert (mach ich sonst nie!). entpuppte sich schließlich aber als nicht von der STadt oder vom Bau, sondern als der Junior-Chef von Elektro-Bär. wegen des Flackerns. Dabei gar nicht bestellt?!Weil die Gottesruhkapelle zu war, hatte er sich Zweitschlüssel organisiert und ohne in die Kunst des Aufschließens eingewiesen zu sein, brach der Schlüssel ab. kappelle zu. Vielleicht wollte Gott mal seine Ruhe haben. Typ vom Schlüsseldienst etwas ratlos über das mittelalterliche Schloß. es dauerte bis man wieder reinkonnte. Abends Probe mit Dekan, der verständlicherweise sauer war. Ich angespannt wegen alles eh gerade schlimm und unabsehbar. Verschlossene Türen. Kranker Sohn der S. Volle Festplatten, hungrige Knaben… – Und dann geht die Probe los, und alles wird plötzlich leicht. tiefschürfende Leichtigkeit. Feuerwerk an Gedanken. War die beste Probe überhaupt. Offen. eigentlich ist das eh das Thema: ich die ich will, dass immer alles offen bleibt, dass wir improvisieren, dass ich eher assoziativ auf den Knopf drücke und einen Film aus dem Hut zaubere, je nachdem, was im Gespräch aufploppt. Ich die ich überrascht sein will von dem was er sagt. Und er der Perfektionist, der so genau hinsieht und das bewahrt, was in den bisherigen Gesprächen entstanden ist. irgendwie doch gute Ergänzung. Öffnen. Zuschließen. den Widerstand abwarten und dann sachte weiter.

Nachts spät ins Haus. roch anders. Socken und Turnschuhe. Und jede Menge Knaben.

11. September

Ich verliere meine Ruhe. meine Nerven und meine Morgende. im Vertrag mit dem Windsbacher Knabenchor dummerweise überlesen, dass die Jungs vom Veranstalter versorgt werden mit Essen Vertrag mach mit dem berühmten Knabenchor. Mist. Wer A sagt muss auch B sagen. die haben Hunger! Schleunigst Vertrags-DInge abgegeben an den U. von WindsART. Und während noch hin und her überlegt wurde, was wie wann, schmissen mein Technischer Leiter + Assistent neu erworbenen Grill meiner Hauptdarstellerin an, Würstchen drauf. Barbeque vor Gottesruh. Rührung.

10. September

wichtigste Probe mit den lärmenden Bilderstürmern. Super-anstrengend, weil kaum zu koordinieren. Aber fuminanter Akt. Großartig schräge Töne, ein brüllendes Dies Irae, donnernde Gestalten, Kawohl als Prädikant und Kopf der Sache dessen Zornes-Posaunenstöße die Wände der Gottesruhkapelle („im Outfit der Wieskirche“) zum Wackeln bringt , Klaus von „Ora Pax“ in LederMantel und alter Flieger-Brille, Peter Huber mit Axt und Schurke-Betritt-Saloon Augenblick. Der Bommel, der auf eine Gießkanne einhaut, der Jürgen, der den Gang zum Alter entlang wuselt und die Fenster bersten macht und schließlich und der jüngste Bilderstürmer, Lenni, dessen Triangelschlag schließlich das ganze Szenario zum Einsturz bringt. Alle begeistert. Irrenhaus-Szenerie nicht mehr geschafft. Aber dafür schöner Ausklang vorm Halter Feierabend-Bier. Zwar natürlich ohne Halter aber eben doch am rechten Fleck.

9. September.

Die Straße nach Mitteleschenbach, die holprige, Sprungschanzenartige, wird in Stand gesetzt. Offensichtlich steht das schon sehr lange an, aber scheiterte bisher daran, dass irgendein anliegender Wiesenbesitzer nicht zustimmte, jetzt aber wohl dann doch – warum auch immer. Wahrscheinlich kriegt er einen Sack voll Kohle!) .WindsArt hatte die freudige Nachricht gebracht. Freudig nicht nur, weil es dann vielleicht endlich “gar leidlich gepflastert” sein wird, sondern auch, weil dann gesperrt ist und bei der Veranstaltung keine vorbeibrausenden Autos stören.

Den Schlüssel bekommen für die Gottesruh. Sehr geehrt durch Vertrauen und ausführliche Einweisung durch Dekan persönlich: man dreht sachte, dann kommt ein Widerstand – da dann noch sanfter weiterdrehen und dann greift das Schloss. Die offene Kirche soll also nun nachts doch lieber zu sein, der Technik wegen, die da nun hängt.

Unruhige Nacht. Enkelsohn der alten Frau Vogt. Sohn de S. die eine der beiden Stützpfeiler der Kleist-Geschichte ist, liegt in Leipzig im Krankenhaus und bedarf einer Transplantation. Wechselspiel von Hoffen und Bangen. Je schlechter es ihm geht, desto höher rückt er auf der Organ-Liste. Infos ändern sich dauernd.

8. September.

Und außerdem flackert jetzt der Kapellenscheinwerfer! Fiel beim Gottesdienst ungut auf. Es geht das Gerücht um, es existiere ein gelber SToffbeutel irgendwo in der Kapelle, unter der Treppe oder unter einer Bank, von der die ehemalige Küsterin, Frau Bartel meinte, er könne noch Ersatzbirnen von früher beinhalten. Frau Bartel finde ich super. Prosaisch trockener Humor, vermeintlich finstere Augenbrauen, tiefe STimme, die aus ferner Zeit zu kommen scheint. Poltrig und zart zugleich. DIe müsste Kindern Märchen-Platten besprechen. Erzählte Geschichten von Hochzeiten, bei denen die Ringe verloren gingen, weil die Blumenstreu-Kinder sie in ihr Körbchen gepackt hatten. Während die gesamte Hochzeitsgesellschaft alles auf den Kopf stellte und die Dinger suchte, standen die Blumenstreuer seelenruhig daneben, sahen dem Treiben zu und der eine raunte dem anderen zu „Die suchen die Ringe – wir haben sie.“ Von allen unerhört, außer von Frau Bartel. „Her mit den Ringen!“ wenn mans aufschreibt klingts nicht so toll. aber wie sie es erzählte…!

Tastatur lernt wieder Buchstaben, nach und nach. Vielleicht ist es wie nach einem Schlaganfall…

neuronale Schaltkreise aber eher wie Minenfeld. Wenn man „R“ drückt ploppt I-Tunes auf und Alexandra singt „Mein Freund der Baum ist tot“ wusste nicht einmal das ich dieses Lied auf dem Rechner habe.

7. September

Und nun geht die Tastatur nicht. Doch Spätfolgen des Tees im Computer. Die einzige Taste die geht ist jetzt das „e“, das bisher leicht klemmte. Katastrophe in Sachen Filmschnitt. Warum? Tee ist das einzige, das mich gerade stärkt. Habe noch Zweit-Rechner, aber auf dem kann ich nicht schneiden.

6. September.

Mann von Elektro Bär bringt neue Leuchtmittel. leider kältere LED-Variante. Er empfiehlt deshalb auch den anderen mit dem neuen Leuchtmitte zu versehen. Wehmut über kein Wolfram-Draht-Licht.

Abends mit der gläsernen schönen Teekanne, der aus dem Geschäft mit den Clowns-Im-Angebot, Earl Grey-Tee in mein Mac-Book-Pro geschüttet. Versehentlich. Scheint aber ohne Folgen zu sein.

5. September.

4. September.

Butterbrezeln Bäcker Beisser. Wer erzählte mir, dass die Brezel von den Z.-Mönchen (von denen ich nicht weiß, wie man sie schreibt und die eine besondere Art hatten zu beten, mämlich mit nach innen gedrehten verschlungenen Über-Kreuz-HÄnden – brezelartig, halt) erfunden wurde?

3. September

Kapellen-eigener Scheinwerfer brannte durch. Seinfach so! nicht wegen Beamer oder zu viel Geärten an! Mist. das schöne warme dezente Licht. (muss mich eh schon immer wehren gegen die Produktions-Techniker, die mit ihren LEDs am liebsten rot und grüne Atmo zaubern wollen an die Wände, als wärs eine Geisterbahn, von ihren Experimenten mit Nebelmaschinen ganz zu schweigen. Um den Scheinwerfer können sie sich aber jetzt nicht kümmern, weil sie ja außerdem in Eckersmühlen wohnen. Elektro Bär, Neuendettelsau soll ich anrufen. Kommt auch prompt. Leuchtmittel aber nicht vorrätig. muss bestellt werden.

Neuer Mitbewohner im Kantorenhof. Absolvent vom Internat, also Chorknabe, der inzwischen da fertig ist, aber als FSJler zurückkehrt. Entpuppt sich als eben jener, der die Aufnahmen leitete, die wir mit dem Chor machten für den Kleist-Part der “Bildestürme”. Nun also nicht mehr allein.Erst gedacht Mist. dann, als ich spät von der Probe kam und die Küche belebt war (es waren mittlerweile zwei „Knaben“!) und duftete, erst gemerkt, dass das Haus im Dunkeln zu betreten doch weniger schön ist, als “heimzukommen” ins Licht. und Musik. (Hören die immer Klassik?) eingeladen worden zum Einstandsessen. konnte nicht viel beitragen zum Essen als (Dank Pfarrer Peters!) eine Flasche Wein.

Bin froh. wieder Einblicke in fremde Welten. fremde Lebenspläne, Stimmbrüche, Identitäten. Gedanken.

2. September

Was ist das immer mit dem Zaun der Gottesruhkapelle? jetzt soll er gestrichen werden, soll schön aussehen, wenn die Premiere ist. der ist doch schön! grüne Patina, leuchtet. was solls.

1. September

Komme kaum mehr zum Motorrad-Fahren. Gesegnet noch nicht, aber endlich ist es repariert. (Die Viehbecks hatten, weil die bei ebay angeblich in Bremen erworbene Fußraste, die beim letzten Umfall (vor dem Rathaus) abgebrochen war doch aus Taiwan angeschwommen kam, einstweilen meine hintere nach vorne montiert. endlich wieder frei. komme aber kaum mehr zum fahren. zu viel mit der Vorbereitung für die “Bilderstürme”. zu viel Filmmaterial zu schneiden, zu viel Technikfragen… inzwischen schon Nebel in den Tälern.

Auf den Asphalt gefallene Zwetschgen und Äpfel duften mostig. wenn man sie überfährt leichtes Ausglitsch-Gefühl. Süßer Roadkill. Jenseits-Paradiesisch.

Und nie mehr im Waldstrandbad gewesen. Und keine Zeit mehr für Frühstücks-Pralinen. Zeit rast.
30. August

An den Morgenden fügt sich irgendwie immer alles. es ist immer die Zeit in der ich noch in Ruhe bin und den Tag vor mir habe. wacher bin und schon fallen Leute “vom Himmel”. Katholischen Pfarrer kam des Wegs. UND: schlug vor, mein Motorrad zu segnen!

29. August.

Geträumt ich könnte fliegen. Teekanne gekauft. Aus Glas. heute wird ein schöner Tag.

28. August.

Auslage des Haushaltswaren-Geschäft Fries hinter dem oberen Tor  mit dem Angebot “Clowns Gilde 50 % reduziert. – ausgenommen Limitierte” erweckte Neugirde. Vitrine voller Clowns, sehr grulseig. Ansonsten aber  schöner Laden. Und es fiel mir schmerzhaft auf, dass meine Teekanne in Scherben gegangen ist. Neue kaufen? wieder eine aus Glas?

Motorrad zurück bekommn von wieder lauthals lachender Frau Viehbeck. Reperatur hatte Lange gedauert, aber nur weil ich die Ersatzteile bei einem angeblich Bermer Händler bestellt hatte, der sie aber aus Taiwan oder sonstwoher einschiffen gelassen hatte. Freiheitsgefühl.

Nachts vor der Tür seltsame Geräusche. Elstern – in Scharen vor meiner Türe. Scheint mir heute wie Traum. Aber die Federn, die gelassenen, sagen: krasse Realität.

26. August

Gestern spielte der 1. FC Nürnberg in Berlin 0:1. Naja, is jtzt echt keine Schande. Fuhrn ja viel im Fan-Bus dorthin. war bestimmt srhr kultig. als ich das letzte mal Hertha gesehen hat war er 11 und hielt es nervlich kaum durch. hatte ihm einen Glücksbringer leihen müssen, den er fast die ganze erst Halbzeit umklammer hielt, aber beim Zweiten Tor gegen Hertha mit einm Aufschrei und in graziöser Wut in hohem Bogen in Richtung Spielfeld warf.

Im Il Corso füllt die Schnapsidee den Raum um den Nebentisch, man solle nach Istambul und der Il- Corso-Wirt soll der Stadtführer sein. “Istambul…!” Man weiß ja nicht so recht, “aber Führer…” – Führer derfst net sogn!“ Ansonsten ging man der Frage nach „warum sterbn im August so viel Leit? Und „Warum ist die argentinische Dogge in Deutschland erlaubt?“

x August

Dekan werkelt am Zaun rum, schraubt Querleisten fest. einfach so für sich. also für die Gottesruh, Dabei hat er noch Urlaub. find ich nett. wenn man ihn fragt ist er verlegen und sagt “Das ist für mich Urlaub”.

22. August

heute viele ehemalige Windsbacher in Windsbach. in der Kapell traff ich einen Mann, der beinahe CHorknabe geworden wäre (Im Märzen der Bauer” hatte er singen müssen noch bei Tamm und wäre genommen worden, aber  Familien-Diplomatien hatten es dann doch anders gewollt. nur zur Schule gegangen sei er und später in einm anderen Intrnat gewesen war er. Jetzt Hammelburg neue Heimat. Ab und zu müsser zurück in die alt Heimat und die Erde anfassen (sagte er es so?), er sei nicht esoterisch drauf oder so, aber das sei wirklich so. es beruhige und tröste. er erzählte schnll und viel und natürlich hatte ich die Kamera nicht dabei. die ist hute das Objekt, das fehlt, gestern und letzte Woche wars das Handy, heute die Kamera, das Motorrad sowieso. Mein Kopf ist so schwer heute, dass ich den Verdacht habe, dass es morgen er sein wird, der irgndwo rumliegt. die Hoffnung besteht aber , dass man im textilhaus Rühl wissen wird  wohin er gehört).

Auch wenn ich dauernd dachte, während ich mit dem mann sprach, “Mist, endlich einer der reden will und auch noch einfach so da ist vor Ort und ich kanns nicht verwenden.”, wars doch eine inspiriernde Begegnung. Er redete wie ich schreibe,  Bilder bleiben hängen, man skizziert besser schnell bevor es weg ist: dass die Agip-Tankstelle schon ein 50 jähriges Jubiläum hat, dass am Brückla früher ein Kiosk war, da hat man sich als Kind was gekauft, Mohrenkopfsemmel zum Beispiel, irgendwo war mal eine Molkeri und beim Konditor Dauscher gabs Waffelbruch in großen mengen für Eine Mark. Auch von der Frau Lades sprach er. Seltsam wenn ein Name so schnell wieder fällt, den man einen tag zu vor zum ersten mal in seinem Leben gehört hat.

Sätze vom Nebentisch, im Cafe Helmreich, ebenfalls ehemalige Windsbacher am Fenstertisch, blicken auf die Straße und schauen: “den Radio Weinl gibts a no. – Wer kafft den heit noch an Radio. Aber trotzdem, der Herr Weinl – direkt auch ein bekannter Mann.

21. August.

Die alte Bäckerin Lades kennen gelernt. Sie war eine von zwei Leuten die meinem Aufruf “Haben Sie Erinnerungen an die Gottesruhkapelle und wollen sie vor der Kamera mitteilen?” nachgekommen war, den ich per Fragebogen im Phönix-Altersheim ausgelegt hatte, wollte aber eigentlich doch nicht und erinnerte sich auch nicht das Ding ausgefüllt zu haben. Erzählte sie mir dafür ihre Lebensgeschichte. dass sie den Herrn Lades, ihren Mann schon in der Volksschule gekannt hatte, (da hatte sie eine ganz weiche zarte Stimme, als sie das sagte). Um den Mann hatte sich viel gedreht. Mit 17 eingezogen worden war er, “noch so jung!” und dann nie mehr recht gesund geworden als er zurückgkehrt war. Dass er in der Schule lieber Französisch gemacht hatte als Englisch hat ihm möglicherweise das Leben gerettet. Gefangenschaft? als Dolmetscher untergekommen. “Da wär ein gewesen, die hätt ihn gleich länger dabehaltn wollen”, als er dann aus dem Krieg zurückkam war er krank. “nie mehr was gworden!” Aber nie wurde das anerkannt. – Hatte prompt gedacht, ein  traumatisierter Junge sei da nach Windsbach heimgekehrt und das sei damals eben noch nicht als “Kriegs-Schädigung” durchggangn. war aber ja was ganz anderes. “Mehl-Asthma wars net!”, sagt sie, als hätt ich das villeicht vermuten können. Das wär nämlich so eine Berufskrankheit bei den Bäckern. Auch tragisch!”: Aber was dann? Irgneine Form von Rheuma womöglich. Höllische Schmerzen, aber nie wirklichgeklärt. Viele Ärzte hätten da rumgerätselt, auch einer sei gkommen aus Würzburg und hätt in Gutachten schreiben sollen, aber er hätts dann nicht geschriben, denn es wär sehr teuer geworden, aber “Frau Lades, ich sag Ihnen, es wird ihnen nix bringen, wenn sie den Namen von der Krankheit wüssten.” (“ja, jetzt sag halt amol  w e l c h e!?”). wusst aber niemand. der Arzt aus Würzburg (ich stell ihn mir natürlich als Arzt am Julius-Spital vor, aber so um 1800 rum, was natürlich quastch ist) muss wohl aber vom Fall doch fasziniert gewesen sein, es kamen nämlich im Laufe ds Lebens  der Lades noch viel Ärzte von alleine auf den Kranken zu. Arzneumoittelstudien. “Versuchskaninchen war er!” Es scheint ein anstregends Leben gewesen sein. um zwei Uhr aufstehen und den Teig kneten (“Ich hab doch immer gebacken! bis ins späte Alter”), später dann die schweren Back-Maschinen bedient, den Mann versorgen, der nur noch im Bett lag – es klang als wär das dann eigentlich immer so gewesen, aber sicher bin ich mir nicht.  jetzt ist sie Witwe. Im Heim ist sie weil sie oft hingefallen ist und nicht mehr aufstehen kann, weil sie eine Knie-OP hatte, auch so ein Versuch-Kaninchn-Fall:  noch nicht erprobt die Operation. Hätt auch gut gehen können, wars auch gegangen zunächst: ein Knie halb menschlich, halb künstlich.Und die Narbei sieht man kaum. (ich weiß es, weil sie hat sie mir gezeigt.) wenn sie nicht gefallen wäre, wärs gut gewesen. da hat das rote Kreuz darauf bestanden dass sie ein Alarmbändchen bekommt, mit einem Knopf. sie hätte gesagt, ach ich kann schon aufstehen, aber das wär eben doch nicht gegangen. ich wollt wissen ob das jetzt ein erholsamer Lebensabend sei, im Seniorenheim, nach so aufreibendem Leben, ob sie zur Ruhe käme. sie behauptet sie hätte hier wenig Ruhe, es sei sehr viel lost und zeit hätte sie eigentlich auch nicht.

Geklagt oder gejammert hat sie nicht. zur Kapelle wollt sie nichts sagen (sie meinte, ich solle die Tafel lesen, die an der Kapelle angebracht sei, da stünde alles drauf), tat es aber doch, denn als ich sie an das Thema erinnerte, wegen dem ich da sei, rutsche ihr doch ein Satz raus “die Gottesruh…! Aber da hot doch mei Dochder geheiratet! und die Taufe sei auch da gewesen vom Kind von der Tochter, die sei dann gleich am nachmittag gewesen nach der Hochzeit. Ein Aufwasch sozusagen. wünschte ich hätte wenigstens diesen Satz aufzeichnen gedurft. es war stark und kam vom herzn und sie klang dabei, als wär sie überrascht über den Zufall, und als wär das grade vorgstern gewesen. Und dass ich gerade nach dieser Kirche frage, wo doch gerade dort die Tochter geheiratet und das Enkelkind getauft worden ist.

17. August.
Der Tag hatte gut angefangen. Aufgewacht mit dem Gedanken an Hände. Genauer genommen, die Hände, die die Linien nachzeichnen auf den verwaschenen Malereien in der Kapelle. Gestern hatte ich eine Dame interviewt, die sich für die helige Margarethe begeisterte. In der Kapelle aber ist diese kaum zu sehen. Mir ein Rätsel wie man in dem androgynen Wesenohne mit Doris-Day-Frisur ohne Unterleib und ohne Attribut außer einer Stange eine Heilige sehen kann, die Drachen bekämpft. Das tolle war der Blick der Frau, die starrte auf den unebenen Grund, die leere Wand und sah plötzlich Augen und Klauen, Drachenschuppen und Schwanz. Ihre Hand fuhr über das Genäuer und da entstand alles. Ich muss es nur hinzeichnen… daran aber nicht gedacht beim Aufwachen. Dachte an das Holzschnitt-Buch des Herrn Fuchs. Nicht Holzschnitt als Kunst sondern über das Beschneiden von Obstbäumen. Stich zweier Hände, die einen Kirschenzweig anschnitzen. Ich hatte das mal aus einem Buch fotografiert, weil es mir gefiel. Die Hände könnten einen Pinsel halten und Drachen malen, die ich an die Wand werfe…
Aufgestanden, Tee gekocht. Aus dem Garten getreten, mich auf die Bank gesetzt, den Tee getrunken. Ein Auto fuhr vor und darin daß Herr Fuchs! Der war gekommen um mir einen Zeitungsartikel zu bringen. Nun habe ich aber mit Herrn Fuchs seit einem Jahr kein Wort gesprochen. Und auch davor nur einmal kurz. Seltsam. Der Tag fing gut an.
Danach ging alles schief. Weil die Stadt selbst so schief ist. Alles hat ein Gefälle. Nichts ist plan. Vor dem Rathaus geparkt. Das Motorrad, dessen Seitenständer nur provisorisch repariert ist, man riet, es möglichst nicht zu sher zu belasten, damit der Stift im Schalter sich nicht noch mehr verbiegt, das ich nun immer an die Windsbacher Wände lehne, das Motorrad also lehnte am Rathaus. Aber auch das steht schief. Rathaus wie Rad. Fiel zu Boden – das Rad.. Kupplungshebel zerbrochen, Fußraste ab. Nette Frau half es wieder hochstemmen. Später in der Kapelle fiel dauernd die Papp-Verkleidung der Luke herab. Nur Pappe, aber es dennoch donnernd. Und aus heiterem Himmel. Oder war es die Fliege die zwischen Scheibe und Pappkarton gegen die Wand wollte. Am Ende lag auch sie am Boden. Und morgen heiratet dort wer. Licht fällt herein. Nichts hält. Nerven liegen bloß. Scham über Nervenzusammenbruch wegen letzendlich ja doch nur Mini-Dramen. In Gaza ist ein Theater in Schutt und Asche gebombt worden. Also Klappe halten. – Ersatzteile bei Ebay zu bestellen versucht. Immer wenn ich „kaufen“ wollte, stürzte der Rechner ab. Zu Fuß dahingestolpert durch den Stadtgraben dem Textilhaus Rühl zu, wo ich immer hin renn, wenn ich Hilfe brauche. Teile erneut bestellt, stellte sich aber heraus, dass ich nun drei mal Faußrasten bezahlte und 2 mal Kupplungen. Weil alle vorherigen Bestellungen noch gespeichert waren. Beinahe zu spät gekommen zu einem Gespräch mit der FLZ. Erst dann zur Ruhe gekommen. Im Reden Ruhe. Dann Richtung München gefahren. Wollte eigentlich nur hin wegen der Gelegenheit, die sich bot, aber auch die zerbrach. Jetzt erst recht gefahren. Ich brauche jetzt eine Mutter und einen Vater.

***

Augsburg Hauptbahnhof umgestiegen. Der Geruch – nicht viel anders als alle anderen Bahnhöfe der Welt. Dennoch. Erinnerung. Sommernächte. Letzte Züge. Auf dem Lenker des Rades gefahren worden vom Liebsten (Zweitliebsten). Zum Zug zurück nach München. Aufregende Sachen. Aber doch immer froh gewesen, wenn im Zug gesessen. Es hinter sich haben.

16. August
Handy verloren. Wirr gewesen.
Radio Weinl. Verblüffender Aufenthalt obwohl nur mal eben schnell ein paar Glühbirnen kaufen gewollt. Beinahe nicht herein gegangen, weil gigantischer Schäferhund innen vor, also hinter der Tür lag. Erhob sich langsam in ähnlichem Tempo wie gegenüber im Cafe die alte Frau Helmreich. Und mit ähnlicher Würde. Respektvoll in der Tür gestanden. Es hieß dann aber „die tut nix“ (die Hündin). Lange geblieben. Hörte erstmals, dass es in Windsbach ein Kino gegeben hatte. Und dass der alte Kinobesitzer, offensichtlich Der Vater des derzeitigen Herrn W. noch unzählige Filmrollen hatte, die dessen Witwe dann entsorgte. Tat der Frau W. in der Seele weh. Alte Wochenschauen. Da standen wir am Tresen lehnend zwischen den Batterien und Glühlampen, der Brauerei-Werbung (auf der die Tochter abgebildet ist, weil die nämlich eingeiratet hat in eine Brauerei) und bedauerten beide sehr den Verlust von Filmrollen und Kinohäusern. Von ihren drei Kindern sprach die Frau Weinl, vom Sohn, den sie spät bekam (und alle dachten, was muss die noch ein Kind kriegen!), von Krankenhäusern vom katholisch sein in eienr evangelischen Stadt. Von der fernen Stadt Abenberg, zu der es sie manchmal hinzieht, eben zum katholisch-Sein ohne das man viel Aufhebens drum macht. Aufhebens in Abensberg. und vom Beinahe-Sterben. Wahrscheinlich isses der Frau W. Gar nicht recht, dass ich das schreib, aber bei aller Bescheidenheit, manchmal muss man eben doch „wen festhalten“. Tolle Begegnung. In aller Hektik in diesem kleinen Laden gestrandet und als ich weiterging… – da hatte google mein Handy geortet. Lag in der Fundkiste vom Il Corso.

15. August
Die Borte zwischen den Filmstreifenartigen Bilderleisten in der Gottesruhkapelle besteht aus Eichenblättern. Rote und grüne, versetzt übereinander. Seltsames Muster. Dezent und prägnant zugleich. Immer starre ich hin, alles andere verschwimmt. Kann den Gedanken nicht loswerden, wie es wohl aussähe, wenn man eine alte 3-D-Brille aufsetzte: Plastische Laub-Girlanden. Gottesruhe 3-D. Vielleicht sind die Fresken gar nicht verschwommen, sie sind nur für eine ganz andere Lesart konzipiert. Das Mittelalter war uns weitvoraus. Es fehlt nur dir rechte Lesebrille.

13.8.

Gestern: Flohmarkt in Spalt. Wolfram-Draht-Gühbirnen gekauft und Daumnkino. Pflugsmühle. – schon schön, aber irgndwie hatte sie mir besser gefallen, als keine Menschen da waren. doch sehr voll. Brombachsee, nach Sonenuntergang, noch ein bißchen Abendrot hing in den Segelbotmasten, Nähe Campingplatz “am 8. Juli wäre hier ein Holm aufgetreten auf der Campingplatzbühn “gleich hinter Sanutärgebäude 1”.  In den Sand gesetzt. Teenager fotografiertn sich mit Blitzlicht. (“Tu mal so als ob du dastehst und in die Ferne schaust”) Ich weiß nicht. Hatte ihn mir doch paradiesischer vorgestellt, den Brombachsee. Vielleicht weil die eine von den Zeugen Jehowas, die mich mal besuchte, den Garten Eden zu beschreiben versuchte als von dieser Welt , nur eben perfekt, und eben diesen See herangezogen hatte zum Vergleich: Dass das wäre wie am Brombachsee liegen, nur ohne Mücken.  Ich weiß nicht. Der See hat was Künstliches, Angeschafftes, er liegt zu still und glatt.  Und offenichtlich ist er das auch: ausgebaggert von Menschenhand. Der Vergleich hinkte also. Seltsamerweise war tatsächlich keine einzige Mücke da. Dennoch kein Paradies. Vielleicht ist das Paradies die Pflugsmühle ohne Leute (nur mit Gerechten).

12.8.

Gestern mit dem U. von WIndsArt (man kümmert sich jetzt um das falsch gesägte Brett) spontan eine tote Amsel beerdigt, die zwischen Kapelle und Kantornhof lag und die Krallen in die Luft streckte. sah aus, als wäre sie volle kanne gegen die Gottsruh geflogn und dann runtergeklatscht. Heute saß dauernd eine andere Amsel auf dem Stein neben der Stelle. sehr seltsam und anrührend.

11.8.

wunderschöne erste Probe in der Kapelle. abends spät noch was essen. Frauengespräche. gegenüber schloß die Venetia-Eisdiele. Stand das große Eis schon immer da? Letztes Jahr noch nicht, glaube ich. als der Kellner es wegtrug, um Feierabend zu machen, sah er aus wie ein Jung mit zu großer Schultüte. war ein schöner Tag. Und endlich ließ sich jemand spontan darauf ein etwas zur Gottesruhkapell zu sagen. zwei Motorradfahrer aus H. Der ein mochte den Löwen (den die Kinder neulich so schlecht gemalt fanden. “Die Leut in Windsbach wussten halt damals noch nicht wie ein Löwe aussieht.” Einleuchtend.

10.8.

zerbombtes Theater im Gazastreifen…

WÄhrend ich dem abgestorbenen wilden Wein der Fassade an der Markgrafenbrücke hinterhergetrauert habe, ist meine ehemalige und zukünftige Arbeitsstätte in der fernen Stadt Gaza vor ein paar Tagen weggebompt worden.  Das hat nichts mit WIndsbach zu tun. es zeigt mir nur, wie wohlbehütet ich in dieser vertrauteren Fremde bin. Das fremde Dach über dem Kopf – fast ist es in den letzten Tagen die Gottesruhkapelle mehr geworden als der Kantorenhof –  ein frmder Ort nach dem andern. Hauptsache weg von Berlin. und Gaza nun. Aber wie man Theater machen kann ohne Theater weiß ich ja.

Der Tag bekann aber dennoch schön. Das Ehepaar K. (nicht das mit der Scheune, sondern eins das sich alterniernd um die Kapelle kümmert) läuteten beim Saubermachen die Glocke. und hatten mir einen Bericht über einen Lehrer vor die Türe gelegt, der mit seinen Schülern die Fresken der Kapelle fotografierten. Anrufen! unbedingt anrufen.

9.8.

Viel passiert. komme mit dem Schreiben nicht mehr hinterher. die Kapelle einkleiden, da ich auch Tagsüber proben möchte und die Projektionen am hellichten Tag nicht wirken. Pappkartons von Innen schwer anzubringen in den Fenstern, aber von außen ging es gut. Mann, der den Jakobsweg gegangen war, neu in Windsbach war um beim Helukabel zu arbeiten, wollte Kapelle besichtigen und wunderte sich, weil sie von außen  christomäßig aussah und wie Post-Versandt-Fertig. WO ja schon das Waldstrandbad außer Betrieb war wegen Wassermangel. dann noch die Gottesruh gestört? war aber angetan vom Innenraum. schöne Begegnung.  wünschte, die echten Windsbacher wären so gesprächsbereit.  Stadtcafe. kleines Mädchen mit hinreißendem Schokoladeneis-Mund band seinem blinden Großvater die Schnürsenkel, damit er nicht stolperte. Brett im Bauhaus zusägen gelassen. im Capro gefahren worde, das Brett stand steil in den blauen HImmel. Glücklich und stolz, viel geschafft zu haben. Sommerwind. Sorgen fallen in den Fahrtwind. Leider Brett 2 Zentimeter zu lang. passt nicht über das Portal der Kapelle.Nachmittags McDonalds Schwabach. Abends Ausfahrt über die Dörfer. wunderbaren Grichen entdecckt: “Dionysos” in ? – Namen des Ortes vergessen. Biergärtechen , Glühlampen, wilder Wein über dem Kopf ( nicht abgestorben), Kinder schießen Fußball auf Tor aus gemaltem Griechenland-Prospkt. Ball prall ab an der blau und weißen Ferne. Idylle pur. Wie hieß nur der Ort? 9 Kilomter von Windsbach. Es war so schön, dass ich fast sicher bin, das Lokal nie wieder zu finden.  Nachts von innen auf die Sonnensegel-Vorhänge in den Fenstern projiziert. der Engel flatterte wild und kam nicht durch die Scheibe.

Warum sieht das keiner?

 

8.8.

Das Haus – inzwischen weiß ich, daß es sich um die Scheune der Familie K. handelt erötete tief. sieht wieder schön aus.

Das Haus, das ich so mochte, das mit der “Drei-Tage-Bart-Fassade” an der Markgrafen-Brücke wurde frisch rasiert. mehr noch: skalpiert. die Ziegel fehlen, mehr aber noch fehlt der Bart aus wilden Ranken. Es sieht nun nicht mehr halbstark aus, es schwächelt ein bißchen.

Abgebrochenes Picknick am Wegesrand. Mittagshitze. im Gras riesige giftgelbe Zebraspinnen, Netz an Netz, eine Spinnenmeile,  ReihenhausSiedlung? ein   die Bewohner stecjen aus der grünen, hitzemüden Natur wie buntlackiert. ist ihre Paarungszeit. die Männer rüttln dann untn mam Netz der Frauen und befruchten sie schleunigst, dann mahcen sie sich so schnell es geht auf ihrn langen Beinen aus dem Staub. sonst essen die Frauen sie auf.

Aber wer weiß schon genau wie es ist. vielleicht ist es auch umgkehrt. die Frauen essen die Männer, weil die nix wie weg wollen nach dem Sex.

Bin auch weg. es sind zu viele, zu große.

1.8.

Geht doch wieder nicht.

Aber  diesmal ging es (intuitiv?) kaputt vor der Post, die ich aufsuchte um Blätter auszudrucken (Aufruf zum Mitwirken am Gottesruh-Projekt: wer hat Lust was zu sagen, eine Erinnerung zu teilen, eine an die Kapelle, ob persönlich oder von allgmeinerem Interesse), aber dann feststellte, dass Postfrau und Mann KFZ-Mechaniker sind. Großartig. Motorräder, die kaputt gehen versetzen einen kurz außerhalb der Zivilisation. wenn das Motorrad kaputt ist, darf man sich auf dem heißen Asphalt winden. jeder hat Verständnis dafür. Anders gesagt: Da parkt man (eigentlich unverschämt) direkt vor der Ladentür, wurschtelt selber blöd rum rüttelt und flucht dezent … – und die Postfrau weiß aus dm FF was da fehlt und warum der Ständer schon wieder das Losfahren verhindert. der Mann dann reparierte es in Rekordzeit. Einfach so.

31.7.

Motorrad geht wieder.

Mein Lieblingshaus, das mit der “Drei-Tage-Bart-Fassade” an der Markgrafenbrücke wurde rasiert. nicht nbur das, auch skalpiert. die wilden Ranken sind ab, es wird renoviert. die Dachziegl sind abgetragen, kahl unterm Dachstübchen. sieht entkernt aus und unscheinbar. Schade. unasiert und verwildert mochte ich es lieber.

30.7.

ADAC holt mein Mootorrad und schleppt es ab. Vom Friedhof über die Brücke zum Baumeister. Der spottete ein wenig, weil ich nicht selber geschoben habe. Herrgott, wozu bin ich denn im ADAC! ich weiß: “Wer liebt, schiebt.”

29.7.

Kernfrankenfest. Leider verpasst wie der Dekan einen Täufling in den Fluten des taufte. Er soll sich dafür eine extra Talar gekauft haben, einen von einem Pfarrerim Ruhestand, aus Afrika, der einen waschbaren, weil man die teuren Talare hierzulande nicht ohne weiteres waschen kassen kann. Gibt es Berufskleidungsgeschäfte für Pfarrer? Talare für heiße Länder, Talare für unterwegs, Talare Modell “Johannes der Täufer”. Modell “Luther deLuxe”?

Bierkarussell, in dem man Biertrinken kann während es sich langsam dreht. wäre gerne drinnen gesessen, aber hatte das Gefühl, ich würde möglicherweise nie mehr aussteigen, wenn ich erst einmal aufgesprungen sei. zu heiß. zu voll. zu viel. wieder sah ich den alten Pfarrer und diesmal sogar seine Frau… mich nicht getraut, Hallo zu sagen?, weil ich dachte wenn die sich nun auch nicht an mich erinnern kann? Außerdem schoben sie auch zu schnell ihre Rolatoren durch die Massen des Bades. Ein schönes Bild.  ein alter Mensch mit einem Rolator wirkt irgendwie traurig. aber ein altes Ehepaar mit jeweils einem Rolator, in gemeinsamer Kolonne hat etwas höchst positiv-skurriles.

Irgendwo müssen auch Fußballspiele stattgefunden haben. die Mannschaft aus Mitteleschenbach hing abends beim Ilios ab bis spät, bis sie keine Ouzos mehr  ausgeschenkt bekamen und und bis sie sich außer Stande sahen selbst nach hause zu fahren. (“Babba, hol mich ab. ich sitz beim Griechen in Windsbach!”). Gesprächsfetzen in der Hitze der NAcht drehten sich weitgehend um einen nicht anwesenden Spieler namens Herbert, “…der Herbert is der beste im Mittelfeld…” “der Herbert is komisch, aber net schwul.” “der Herbert is supa…” und um die Schwester eines der SPieler. “die spielt jetzt Kreisliga – aber mit Sport-BH!”).

Es war ein schöner Tag. Das Schönste waren die Kinder, die mir ihre Sicht auf die Gottesruhbilder erklärten. der Jesus, der zu dünn sei, der traurig aussähe, die Frau im gelben Kleisd, die aussähe als hätte sie einen Imker-Anzug an. Der Gott mit dem Richtschwert von dem auch sie sagten, er hielte es nichct in der Hand. vermutet, dass es ihm aus der Hölle entgegen geschleudert werde, es aber an ihm abpralle. Vielleicht ist das wichtigste, dass man überhaupt guckt.

28. Juli

Gestern Ankunft, glücklich endlich mit Motorrad in Windsbach zu sein. Abgestiegen beim Helmreich. Helmreich zu. weiterfahrengewollt. Motorrad will nicht. Was ist das mit meiner Honda und Windsbach? runtergerollt bis zur Straße, Richtung Baumeister, aber über die Brücke  schaffte ich es nicht. Seitenständer auch kaputt.

27. Juli

Keine lange Reise von Dreba nach Windsbach, trotzdem völlig fertig angkommen, Kopfschmerz, der Helm ist doch zu eng. unwohl in der eigenen Haut. Wie wenige Rastplätz auf der Autobahn zwischen Bamberg und Nürnberg. Apathisch auf Parkplatz Forchheim Süd gesessen. Und Wieviele Abfahrten in denen das Wort “Fürth” vorkommt, gibt es auf der Welt? Mehr als mit Nürnberg auf alle Fälle. Und immer noch spukt mir die Mama von Nicki Lauda im Kopf rum. Schlimmster Ohrwurm aller Zeiten. Ins Bett gefallen, als angekommen. Und plötzlich dann doch Sehnsucht nach Berlin. Mist. Dann Tintenfisch-Salat bei Ilios, alles wieder gut. gegenüber in der Venetia-Eisdiele blinkt das STück Pizza im Schaufenster. Leute am Nebentisch kommenetieren ihre eigenen Trinkgewohnheiten. klingt, als beschwerten sie sich über sich selbst: wenn man nach hause käme – egal wie viel man getrunken hätte vorher – man müsse noch mehr trinken. da gehe immer noch was rein.

Mein Mini-Beamer sei agekommen bekomme ich mitgetilt per SMS. Kann nicht abwarten ihn auszuprobieren. Bilder an die Wand werfen, wie aus dem Ärmel geschüttlt. Siedend heiß fiel mir dann ein dass ich ja eingeladen wurde, im Zeltlager des Vereins christlicher junger Menschen aus Neustadt Aisch, das am Waldstrandbad stationiert sein wird demnächst, einen Geist zu projizieren in der Nacht. von außen auf die Zelte der Kinder. Mit dem Mini-Beamer durchaus reizvoll. Ohne Kabel. HÄtte echt Lust, aber weiß gar nicht ob noch Intersse……

Hat sie wieder jemand aufgehängt???

schnappe nur Satzfetzen auf vom Nebentisch (dem mit den Leuten, di noch trinken müssen) “um ihr eins auszuwischen…?” – drastische Maßnahme! “Nein! wegen Schulden”  – der andere antwortet fast genervt: “aber des weiß doch jeder: die Versicherung  z a h l t  d a n n  n i c h t!”

Glaube sie reden doch über den Fall von neulich. “die aichenen Kinder, die Gurgl aufschlitzen…”

“das wichtigste ist, dass du mit die Leut redst…”

“Angelo… ich aber aber an roten,,, – wenn ich schon aahn drinkn muss!” ruft ein em Kellner hinterher.

und ich habs ja vernommn: die Leute müssen trinken.

der andere (offensichtlich selbst Lokalbesitzer, sagt:

“ich habs net nötig. bei mir WIRD gesoffen. Hardcore gesuffa….”

“Glotzt mir mal alle schee in die auchen…”, sagt jetzt die Frau,.

“Halt halt die Augen weng höher…”, sagt der Mann.

Ich glaub irgndwann fießen diese ganzen Dramen in einander. Mann am Nebentisch überlegt jetzt, Puff aufzumachen (nicht in echt, nur so).

Jetzt überlegen sie, noch in die Burgstube zu gehen. Ja, macht das doch!

Und dabei ist eine so schöne SOmmernacht. der Mars soll heut total nah wirken. und der Mond wird sich verfinsetern. Hatte es vergessen, aber jetzt fällt es mir ein. Und  jetzt wär ich doch gern in Berlin. wäre in die Achenholdt-Sternwarte gegangen und hätte durch das Teleskop gesehen. hier starre ich auf das blinkende Pizzaschild.

26-.7.

Aufbruch früh, aber dann doch noch so viel zu erledigen. dass ich um 11  raus aus der Stadt war. schon hinter Potsdam runter von der Autobahn. Später gelesen, dass später dort alles in Flammen stand. Seltsame Film-Musiken im Ohr. Lied, das ich auf der Kirchweih gehört hatte, sich mit der Frage auseinandersetzte, wie die Mutter eines berühmten Rennfahrers von früher mit Namen hieße. Seltsam aus welcher TIefe sich diese Musik emporgearbeitet hatte. Außerdem: Titelmusik von Game of Thrones. kurz hinter der Elbe erste Rast. das rund geballte STroh. die BÄume ohne Schatten. Erschrockene Heuchrecken. Fast nur Landstraße. In den Kopf gesetzt, diesmal in Debra zu übernacht, aber es stand nicht auf der Karte und hieß auch gar nicht so. zu viele Umleitungsschilder. Nervenzusammenbrüche unter dem Helm, die niemand sah, Schimpfkanonaden, die niemand hörte. weil Weg nach Dreba (so heißt das!)unauffundbar. 95 km für eigentlich nur 22. dabei so schöne Orte, die mich nur beinahe vom Motorrad zogen. Rote winzige Bank auf Hügel oberhalb von Weizenfeldern. Große Kirche, Knast und Sparkasse zwischen Auma und Weida. Hatte mir aber nun mal endlich wieder Dreba in den Kopf gesetzt. Nah Weg fragen schweirig, wenn man den Namen nicht kennt. winziges Schild im Wald kurz vor dem Bahnübergang, dann doch schnell gegangen. Sitze in der Sonne im Biergärtchen der Linde. letzte Strahlen. Gegenüber das Haus über dem DDR-Braun des 1. Stocks mit Scheiferschuppen überzogen, hellen an der Seit, um die Fenster grau. an der Fronseite. Rosen quillen unter der Haut hevor. Abhebel-Wirkung der Zeit. was ist darunter? An den alten Typen in Game of Thrones gedacht mit seinem am  Haut-Ekzem, das in Staffel 6 als tödlich diagnostiziert worden war. In Staffel 7 konnte man es dann doch sentfernen. Heimliche Höllenqual. Die Schieferschichten. Schlangenhäute der HÄuser.

immer wenn ich durchs Vogtland fahre, fallen mir Schauerlichkeiten ein. manchmal gereimt. wenn man sie lauthals singt unter dem Helm, klingen sie großartig. aufgeshrieben sind sie banaler Mist, zuweilen auch nicht jugendfrei, daher fehlen sie an dieser Stelle.

23.- 25. Juli

Nürnberg – nicht der Rede Wert.  – Berlin, auch nicht.

22. Juli

Es sollen Profi-Fußballer im Retzatgrund sein. Aber es regnet.

Es stimmt. aber sie sind nicht im Retzatgrund, sondern in Retzendorf, hinterm Waldstrandbad, auf dem Fußballplatz. Fan-Verantaltung für 1.FC-Nürnberg. beeindruckend große Fahne geschwungen. Halter gesichtet, verschwand aber schnell wieder. Kinder-Fußball-Turnier kurz verfolgt. Randerscheienung der Mütter am Spielfeld. Turnier ebenfalls an sich Randerscheinung. Profi-Fußballer kamen, Applaus von katholischem Pfarrer gesegnet, der eine schien ehrlich gerührt. In der Tombola gewann Mann mit Glatze Friseur-Gutschein, der Hauptpreis, Gutschein für FC-Nürnberg-Fan-Shop im Wert von 100 €uro gewann Kind, das einzige weit und breit im Bayern-Trikot. Alt Frau mit Krücke gewann ein Essen beim Dorschner und – unabhängig davon – ein weiteres Essen beim Ilios.

Und Fragen stellen konnt man den Fußballern, den Fan-Beauftragten und das FC-Nürnberg-Management, das stolz war, das Stradion bald verschönern zu können. (wurde quittiert von Mann am Nebentisch mit “Des is mir worrschd; die solln anständig spühlnn. Ob die a Aschnbahn ringsrum ham, is doch humpe.” – War aber Ausnahmsweise-Motzen, Stimmung gut. Fern waren sie halt schon ein bißchen, die Fußballer, bzw. die Bierbänke. Und es gab halt nur ein einziges Mikrofon, die Fragen, die man stellte, ins schnurlose Mikro wanderten nach vorne und wieder zurück. Bommele frug die besten Fragen.

Aber es sind halt Fußballer. Die antorten nicht immer ebenbürtig gut.

21. Juli

Der Halbe Mond, gelb leuchtend war wie ein Stück Viertel Zitrone. so schöne Nacht! Am Morgen aber regnete es. Das Haus der Frau Vogt heute voll. trau mich irgendwie nicht aus dem Zimmer, obwohl es dazu natürlich keinen Grund gibt. Im Bett geblieben. Plakat entworfen. Nachgedacht. noch in Plakat entworfen. Dann von heftigem Verlangen nach Amaretto-Pralinen überfallen. Helmreich aber zu.

Beim Il Corso streiten sich ein Herr, mit generller Tendenz zur Besserwisserei und eine Dame in gepflegtem Bayrisch, ob die Orchideen auf der Fensterbank echt sind oder nicht.

Dame: die san aber nicht echt!

Herr: o doch, des koo scho sei, dass die echt san.

Dame: o nein. ich hab solche auch zuhaus. und die sind nicht echt.

Herr: Geh her und fasses doch an, wirstas scho seng.

Stille

Dame: Aber die bei mir zu haus, die is ganz sicher unecht!

Echte  Blumenpracht, aber nicht wirklich eine Bereicherung. Der Il Corso ohne den  eigentlichen Wirt, der widerum nicht echter Italiener ist (“Bin ich halt Türrge! is doch worrscht!”) eh recht trist. Manchmal mag ich das, der Innnraum mit den von der WM noch übriggbliebenen Deutschland-Ballons, das blaue Il-Corso-Adidas-Tshirt, das die Biffetseitenwand dekoriert. Von der Fake-Marmor-Platte hängt ein Efeu-Zweig, diese völlig unspektakuläre Terrasse mit den dürren Palmenspitzen (als sich neulich der Bierliefer-LKW davor schob, verbesserte sich die Aussicht, Dank Ausblick auf die gemalte Spalter Werbe-Idylle – Spalt plus Palmen und tiefes Blau.). Il-Corso-Toiletten erinnern mich an die italienischen Ferien-Apartments meiner Kindheit. Die selben 70er/80er-Jahre Fließen, der selbe Sagrotan-Geruch). ich mag das. Aber ich habe gemerkt, dass ich generell alles in Windsbach sehr positiv sehe. Wird Zeit wieder mal nach Berlin zu fahren und rumzumotzen. Motorrad holen. Man ist ja nur ein halber Mensch ohne. (vor allem wenn man gerade lernen wollte sich centaurenhaft als EInheit zu sehen auf der Maschine.

20. Juli

Neue Perspektive: die Längs-Wand der Gottesruhkapelle mit Beamer  erleuchtet. Sah aus wie Adventskalender bei dem alle Türchen glichzeititg offen standen. sehr sehr schöne. ich werde wohl drei Beamer brauchen! und wieviel technische Assistenten? bisher noch keinen klar gekriegt. abends 20 vor zehn. könnt ins Bett fallen, aber der Sommerabend ist zu schön. Grillen zirpen, die Luft ist warm.  Man muss durch die NAcht radeln.  beim Ilios Feierabendbier. Frau am Nebentisch redet zu laut. bezeichnet Katze, die vorbeistreicht als “süße Maus”. redet ununterbrochen. gut gelaunt, aber dann plötzlich Gespräch dreht sich um Schuld. Schuld. großs Thema. hörte es zuletzt im Waldstrandbad, als es darum ging, dass die Mutter in zu großes Eis für den Sohn gekauft hatte. die “innere Meinung” der Frau ist: “des san alles Arschlöcher”. ich weiß nicht wer gemeint ist, aber irgndwie klingt sie sehr überzeugend. Schuld abwelzen. Ja!

Wenn die Frau wüßte, dass der Ilios nicht nur Gastronom ist, sondern ein Psychologie-Diplom hat! Ein  Hauch von Bedauern schwang mit, als er es mir erählte vor einigen Wochen, aber er winkte ab, als ich sagte “ach echt? Toll!”. Griechen in Deutschland seien immer Gastronomen. Und das mache ja auch Spaß. Das ginge nur, wenn man es mit Leib und Seele mache.

Und ich kann es nicht oft genug sagen: Das ist nicht irgend ein Lokal. Goethe war hier.

19. Juli

früh nach Nürnberg. Mitfahren gedurft. Aber noch nicht wach gewesen, und zum Gespräch über körperliche Betätigungen wie Radsport und Laufen nichts zu sagen gewußt. zu früh. zu wenig Tee getrunken. folgen in echt könnte ich nie. “Wöhrder Wiese” für Grünfläche bei WOrth, fränkisch ausgesprochen gehalten. dann aber entdeckt dass U-Bahn Station. Noch nie Nürnbergr U- Bahn gefahren zuvor. heute ist alles langsam. schwer von Begriff. KLinikum Nord.  warum ist “Station “18 rechts” im Untergeschoß und “Station 18 links” im dritten STock?  erschüttertes Weltbild, schwindelerrgend. In Geographie immer schlecht gewesen. später auf dem Heimweg mit Schnürsenkel in der U-Bahn-Rolltreppen hängen geblieben, zurückgerissen wie Hund an der Leine, zum Stolpern brauchts doch nicht als Füße. Spontan doch Wörhder WIese besehen. Steak in Semmel, Bier. erinnert an Englischen Garten in München. zu müde zum niederlgen unter Baum. Wollte Cousine treffen, aber rief sie nicht an, weil irgendwie doch “Heim” gewollt. Mit Bahn zurück. Heilsbron – Graffiti im Vorüber-Rollen: “Um frei zu sein, brauchst du  keine Freiheits-Statue” (oder so ähnlich). Wickleskreuth. WIndsbach. Warum hat es keine Steckdosen in der Regionalbahn. Bauernmarkt. Wurst gekauft. Helmrich am nachmittag. Pistanzien-Pralinen. Steckdose nutzen gedurft. dadurch anderer Platz als sonst. hinten in der Ecke. festgestellt: herbstlichs Dekor hält sich. Helmreich wirkt eh herbstlich bis spät-herbstlich. Orange-Töne. ich liebe die Ruhe, aber möglicherweise ist das egoistisch gedacht. Pralinen Seelennahrung. vergessen Brötchen zu kaufen. Stadtcafe Brötchen gekauft. KÄsesemmel für die das Geld nicht mehr richt gschenkt bekommen. Rührung. was ich bisher nicht erwähnt habe ist: dass heute der Geburtstag meins Freunds ist. nicht der Rede Wert. Geburtstage werden überbewertet. abends Lagerfeuer und Nicht-Geburtstag gefeiert. die Wiesen durch die sich die Rezat schlängelt in der Dämmerung. schönes Feuer. Storch flog vorbei. glücklich.

18.

Sparkassen-Banner hängt wieder, straff gespannt.

17. Juli

Traum von der neuen Waschmaschine der Frau V., die gestern installiert wurde. Im Traum konnte man beim Schleudergang auch einstellen, dass sie dabei Musik spielt (was jetzt wo ich das niederschreibe absolut SInn macht, denn angeschlossen wurde sie von Radio Weinl.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

16. Juli

Stadt hat mein Projekt angekündigt! WIndsbach, NEUIGKEITEN

10.-15. Juli

Gestern geträumt von einer großen Spinne, die ihr Netz in meiner Berliner Wohnung spann. Weil sie knapp über der Größe war, die ich gelassen hinnehmen kann, warf ich einen Pappkarton auf sie (nicht über sie, direkt drauf). Im selben Moment fiel mir auf, dass es ein Traum war und dachte, dass es wahrscheinlich besser gewesen wäre, sich mit ihr abzufinden und dass ich jetzt nach dem anstehenden Erwachen mich damit auseinanderzusetzen hätte, was der Traum zu bedeuten habe. Ist damit mein Untermieter gemeint? Macht er sich breit in der Wohnung und spinnt seine Netze, während ich mich breit mache im Hause der Frau V. Oder steht mein eigentliches Haus nun schon so lange leer, dass sich Tiere darin einnisten in meiner Abwesenheit?

Lange Nacht in der Kapelle Bilder probiert. Mit dem Beamer an die Wand geworfen, aus ihr herausgeholt: dieverschleierte Frau im gelben Kleid und der König im blauen, die sich an Stangen festzuhalten scheinen und von denen ich deshalb immer denke, sie führen Straßenbahn oder Karussell. sich drehende, leuchtende wi das von der Kerwa, weiße Pferde und Gockelhähne, springen aus der Apsis heraus. War Golgatha der Rummelplatz von damals?

Diese Tests sind immer für „nur ein Stündchen“ geplant, dann weit über Mitternacht. Unter anderem weil ich nicht fassen konnte, dass mein eigener 5000-Ansi-Lumen-Beamer schlechter ist als der von WindsArt. (meiner hat bessere Bildqualität, aber schafft nicht die ganze Breite der Wand. Und lauter ist er. Außerdem „neue“ Bilder „entdeckt“ untr den Fresken, Dank Selfie-Stick des Sohns. (man kann höher fotografieren und dann angucken in Handy, was man sonst nicht erkennt, weil es zu weit oben ist: Zwei Leute mit Kronen auf dem Kopf scheinen zusammenzusitzen und zu schwatzen. Es sind aber nur noch die Kronen zu erkennen und das Kleid von der einen Figur. Er scheint auf einem Stuhl zu sitzen, der aussieht wie die alten Stühle in der Schule.

In der Gottesruhkapelle hat dann auch eine dicke Spinne (knapp unter der Gelassenheits-Grenze), in der Ecke direkt über der Steckdose und dem Lichtschalter. Gefährliche Zone, wenn das Zauberlicht des Projektors ausgegangen ist und man im Dunkeln nach dem Lichtschalter tastet (und keinen Pappkarton zur Hand hat.)

die alte Frau Helmreich konnte es nicht fassen, dass man freiwillig den Kirchweih-Umzug verpasst, um stattdessen zu einem Treffen mit WindsArt geht zum Finanzpläne durchgehen. Redete mich raus mit „ich wußt ja nicht, dass das heut ist…“ Ja und die bei WindsArt? Haben die keine Kultur bei WindsArt?!“

***

Gestern die Spinne und heute: geträumt, dass ich türkisfarbenes Klopapier kaufe. Und was hatten sie bei der Norma? Türkisfarbenes Klopapier! Träum werden wahr!

Man müsste halt besser träumen.

***

Masskrug gefunden in der Wiese zwischen Fristo und Post. Fremder Leute Kerwa-Relikt. Andenken an eigene Beinahe-Filmriss-Zeit. Erinnere mich aber doch: z.B. an schönen Hinterhof bei Helmreich. Bier in das Vanille-Eis gekippt worden war das nach Rührkuchen-Mischung schmeckte. Mädchen aus Wassermungenau in schönem Dirndl, gegenseitiges Komplimente-Überschütten. „Du hast das schönste Dirndl von allen!“ – „Du auch!“ – absurde Freundlichkeit, weil ich Hosen und olles schlumpiges Gap-Sweatshiert anhatte. Rucksack dort vergessen und nach langem Heimweg erst gemerkt. Zurückgegangen. Rucksack war noch da. In Berlin undenkbar.

***

Gelegenheit eines Wochenendes in München ergriffen. Auch um beim Feuerwehrfest auf alle Fälle nicht da zu sein, denn so viel Feierlichkeitn halte ich nicht durch!

Andererseits: Wahrscheinlich verpasse ich wieder Stadtkultur.

***

Zurück in der Nacht, nach umständlicher Bayern-Nacht-Ticket-Bahnfahrt. Endspiel-Fetzen wehten durch Gewitter und Haupt-Bahnhofs-Halle, auch im Zug tönten die Tore aus den Handies der Fahrgäste. Im Zug von Wickleskreuth nickte ich ein. Traumfetzen.  auf dm Weg raus zur Gottesruh flatterte das halb herunterhängende Sparkassenbanner wie die kommunistische Fahne im Nachtwind.

9. Juli

Das Karussel auf der Festwiese ist hinreißend. Betrieben wird es vom Jahrmarkt-Veranstalter „Sachs und Übel“. Gefällt mir. Mein Name und der eines Herrn oder einer Frau Übel. Oder dem Übel schlechthin. Das Miet-Karussel, das beim Scheiderer steht ist jedoch auch klasse. Es wird betrieben von den Kindern selbst. Weil an solcherlei Eigeninitiative gewöhnt und auch weil das große Karussell auf der Festwiese noch nicht in Betrieb war und weil’s sich grad ausging, schubste die vierjährige Fibi R. halt dann das große auch an. Ging erstaunlich gut. Langsam, aber sehr würdevoll fuhren die älteren Kinder ihre Runden.

8. Juli

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Heute Sonnenbrand, weil gestern Waldstrandbad. Und leichte Kopfschmerzen, weil Kerwa. Dabei fing der Tag so gesund an. Schwimmen. Ruhe. Lesen. Schwimmen. Fotographieren, um alten Werbeprodpekt nachzustellen, musste aber aufgeben. offensichtlich steht der Zaun im Weg. uneinnehmbare Perspektive. Apfelschorle beim Imbiss. Ein Kind kleines Kind namens Timo isst Eis, ich bewundere ihn für seinen GLeichmut. Kugel-Vanille mit weichem Schmelz. Die Zeit drängt.

“Schön vorne schlecken.”

“Musst auch an der anderen Seite… – und nicht schief halten”. Timo hält das Eis gerade. Es dauert ein bißchen, bis er die perfekte Gerade-Haltung gefunden hat.

“Tiiiiimo…”, sagt der Vater (insgesamt, die erzieherische Kraft in der Eis-Ess-Maßnahme). “Beiß ab!”

“Achtung…” (die zurückhaltendere Mutter) “es tropft an zwei Stellen!”

“Schön Eis essen…” (scheint immer schweiriger zu werden). “Das ist jetzt das einzig wichtige!” Timo überlegt.

“Iss von oben!” Timo isst von oben.

“beiß unten und trink es. Schlürf es aus… – aber gerade halten.”

“Durch die Nase atmen! Timo, atmen!” (wenn man es schreibt klingt es dramatisch, aber der nicht wirkich drohende Erstickungstod ändert nichts am Ton. Schwäbische Gleichförmigkeit, mäkelnde Beharrlichkeit.

“Jetzt krümelts. Timo, es läuft da hinten.” Timo bleibt überraschend gelassen. Ich beginne mich zu frage, ob  ähnliche Nahrungsaufnehme-Instruktionen ihn bereits abstumpfen haben lassen..

“Schneller essen, Timo. schneller. So…” Er läßt sich Zeit.

Große Erleichterung, als das Eis bewältigt ist. Die Anspannung der Schwaben entläd sich. im Aufspringen. “SO….!  GEHEN WIR ERSTMAL WASCHEN!”

Ruhe kehrt ein auf der Terrasse. vom Wasser rüber, diesem schon sanierten 100-meter-langen Waschbecken, wehen noch Satzfetzen, sie könnten aus einer antiken Tragödie stammen, von Schuld ist die Rede. “ABER ES IST NICHT SEINE SCHULD! ES IST MEINE SCHULD” intoniert eine Frauenstimme, sie zieht den Satz in die LÄnge, er wirkt opernhaft, fast gesungen, aber mit wahrer Größe. Der Mann wäscht die Hände des Kindes. In Unschuld. Die Katharsis bleibt aus. Oder findet auf schwäbisch statt. In der Lehre, die man es sich sein läßt. “Nächstes Mal kein großes Eis.” – “Ach großes Eis. kleines Eis, die Sauerei ist immer da. Lange Stille. “Und in der Großpackung gekauft und zu hause gegessen, ist auuuch billiger. Da kostet eine Packung so viel wie ein Eis…”

Aber vielleicht haben die ja dort keine Waschmaschine.

Ich könnt so kein Eis essen. Wird das Kind irgendwann Phobien entwickeln? Eis hassen oder süchtig sein danach? Wird er kritik-resistent sein? oder irgendwann ausflippen.   Ich lobe mir meine Freundin N. und ihr Kind mit dem entzückenden Schokoladen-Eis-Bärtchen (wie sie die Schurken und Fitness-Männer manchmal haben). Wenn es auf das Kirchweih-Dirndel tropft und alle Rüschen trifft, kann man das Kind abküssen, und das Eis in Form lecken.

7. Juli.

Die Kirchweih ist sehr dezentralisiert. Das hatte mich verwirrt. Vor der STadthalle das Rummelplatz-Areal, das hatte ich für den zentralen Punkt gehalten, aber offensichtlich findet die Kerwa an allen Eckrn und Enden der Stadt statt. zum Beispiel beim Scheiderer. DAs hatte ich aber nicht kapiert. Erst heute, als die Klänge der Blasmusik mich da hin zogen. Leute in weißen Hemden und roten Halstüchern waren damit beschäftigt einen dürren Baumstamm, nichtsdestitrotz urst schwer in die Höhe zu hiefen. ein Kranz hing daran und oben prangte ein kleiner Tannenbaum. Wozu? keine Ahnung. oder doch denn ein kleines Mädchen , zu tiefst ergriffen von der Prozedur sagte fast tonlos: “des geht bis nach dem HImmel hin!”. der Vater bestätigte es und der Baum oben an der Spitze sei dazu da, die WOlken wegzuwischen. Jetzt habe ich das Ritual begriffen. Karl Lechner fotografierte es. Ich stand dabei und dachte: “wenn das jetzt umkippt fällts garantiert Dir auf den Kopf. Der Lechner bestätigte es, dass das manchmal vorkäme. Im Treuchtlingen, sei das einer Mutter mit Kind passiert. Dennoch ein schöner Brauch. Stamm bleibt bis Januar sagte ien rotgesichtiger Mann, der sich auskannte.  in manchen Ortschaften hängen sie Lichterketten dran an den Baum an der Spitze. Aber vielleicht schreckt das die Wolken ab und sie entfleuchen. Aber an Weihnachten wäre es nett. Lechner meinte: bis dahin sind die Bäume immer sehr arg mitgenommen.

Das Karussel beim Scheiterer ist handbetrieben. natürlich macht es nicht so viel her wie das auf dem Stadthallen-Rummelplatz, aber es ist dennoch grandios. handbetrieben. besonders kleine winzige Mädchen sind stolz es anzuschubbsen. Jungs mit Strohüten, weißen Hemden oder karierten sitzan auf Mini-Autos, Fahrrädern oder einem knallroten Gefährt mit der Aufschrift Freiwillige Feuerwehr Spalt. Auch einer im Bayern München Outfit. auch kleine Mädchen. auch Kinder mit Wurstsemmel. sehr sehr schön.  Kannte niemand am Tisch an dem ich saß, aber der Bommel war gesichtet, er sah mich aber nicht. es wär mit halt wichtig zu klären, dass ich wieder im Lande bin und dringend Leute bräucht, die in meinem Projekt mitmachen… – einer an dem Tisch an dem ich etwas  blöd rum saß, sang inbrünstig über seien Bezug zum Tiroler Land.

Dann Il Corso. hier ist es ruhig und nichts passiert. Fahrradfahrer. Tour de France? gibt es etwas langweiligeres als Leute die durch Frankreich stramplen ohne  rechts und links nach der Landschaft zu gucken, die an ihnen vorbeifliegt ohne dass sie sie wahrnähmen. Prompt wieder an den Ex-Frend gedacht.

6. Juli

Heute Kirchweih. Kerwa. Morgens noch Regen, erstmals das Gefühl liegen bleiben zu wollen im kleinen Kämmerchen. Heute Erholung nach so viel Kunst gestern. E-mail-Spam-Fach gelöscht. Meldungen wie “Warnung vor Helene-Fischer-Perfum” und “Ihre Arbeitsunfähigkeit…” Nehme ich für den heutigen Tag als Vorsatz. Genießen der Arbeitsunfähigkeit. Jahrmarkt. Vor-Froiide”

5. Juli

Heute Aufnahme mit dem Chor.

Musste sehr kurzfristig aus Berlin anreisen viel Equippement, daher mit Flixbus statt mit Bike.

Gang zum Internat weniger cool als mit Honda. Wege werden weiter. Aus Venetia-Eisdiele vertrieben worden von Besitzer, weil noch nicht geöffnet war. “So geht das nicht. dann denken ja alle es sei geöffnet!” Saß so gerne dort in Ruhe, jenseits des Betriebs. Und gerade heute war alles so unglaublich produktiv: Herr M. gab mir einen Umschlag voller Windsbach-Ansichten, so viele Kopien in guter Qualität. Darunter, eine Postkarte der Gottesruhkapelle auf der die Fresken wie deutlicher zu sehen sind als heute, auch die, vor denen heute die kleine Orgel steht und deren Bild sie versperrt. Darunter auch eine andere, die gerade ein andere der vorbeikam, brauche konnte. Wunderbarer Bilder-Tauschhandel. Es ist so gut hier zu sitzen. Und wieder bricht ein Ritual weg. Werde jetzt auch in den Öffnungszeiten kein Eis mehr essen dort! Und die Tomaten-Mozzarella ertränkt in Balsamico hatte mir neulich auch nicht geschmeckt! –

Schlechte Geanken. Finsternis. Ruhe finden. Stadtcafe. Gelassenheit. Dann Knabenchor. Gloria sei dir gesungen.

***

Es regnete als ich hinfuhr. es donnerte, als ich die Aufnahmen machte. Nun sind auf der Aufnahme auch kaum hörber (dank großartiger Ton-Frau!) leise Regengeräusche. DAS GLORIA beim EInsingen, gewaltig und unheimlich. langsam in die Länge gezogene Präzision. Das Ringen um die Präzision ist immer berührender als die Präzision selbst. Der Donner des Gewitters zwischen den Teilen, als wäre ein Dirigent über dem Dirigenten. der irdische Dirigent war jung. bewundernswertes Talent, stellvertretend.

Ich muss alles zurücknehmen: Es ist kein langweiliger Bach. seltsamerweise berührt mich dennoch immer mehr als der Wohlklang des Chors, die Vorarbeit. Es ist wie im Konzert zu sitzen und auf den Beginn der Symphonie zu warten, wenn die Musiker sich einstimmen, jeder seine spezielle Stelle noch einmal durchgeht. ein durcheinander, in dem jeder als Individuum funktioniert, ja, nichts funktioniert und dennoch eine höhere Harmonie immer den Ausgleich schafft, dass die Töne dennoch zusammenzugehören scheinen. Sie sangen schön. die Gewalt der Musik hat die schöne Seite, der Himmel, der das Kloster rettet durch die Macht, die die Musik über die Zuhörer, auch die, die eigentlich den Anschlag verüben wollen, aber sie hat auch die MAcht, die Ergriffenen zu packen und sie mit Wahnsinn zu strafen.  Mit Mißklang und dem Fluch, das, was sie schön hören, grauenvoll widerzugeben. das trauten sie sich kaum, aber dann doch. hat es ihnen Spaß gemacht? ich wünschte es mir sehr. Denn sie funktionieren nur all zu gut. Vom höflichen Grüßen auf dem Gang, von der Führung hin zum Aufnahmeraum durch einen Jungen, der mir, als ich fragte ob sie denn auch Lust hätten darauf ein altes Repertoire-Stück wiederhochzuholen, versicherte “Wir trällern hier eh alle dauernd voruns hin.”

3. Juli

Berlin,

Erfahren dass Jan Schad gestorben ist. Historiker. Musikkenner. Trotzki-Verehrer. SPD-Wahl-Helfer. Napoleon-Kenner. Robespierre-Experte. Guter Freund. Menschenfreund. Alleswisser. Witzbold. Ich erwähne ihn hier, weil er außerdem einer der Berliner Leser des Windsbach-Blogs war, der aus der Fernsicht immer Anteil nahm an der fremden Stadt. Im Nachruf, den das Berliner Stadtmuseum mir schickte, hieß es „nach kurzer schlimmer Krankheit verstorben“. Bin sehr traurig, weil wieder gemerkt, dass ich Menschen verpasse. Und es ist nicht so, dass es so schwer gewesen wäre, gerade diesen Menschen nicht zu verpassen. Jan war einer der wenigen, mit denen man auch im Facebook-Modus tiefsinnige und witzige Gespräche führen konnte. Mist Mist Mist.

***

Motorrad-Ausflug nach Frankfurt Oder mit Freund (anderem Freund). STreit im Straßenverkehr, weil Freun dnach Polen wollte und ich nicht. Und ich nicht wollte, dass er bei grün werdender Ampel im Fremde-Stadtverkehr an meinem Fahrverhalten herummäkelt.  Freund fuhr dann auf und davon, ich nicht. Das Leben  ist seltsam.

2. Juli

Bach-Gloria auf youtube gehört. Das was die Knaben im Repertoire haben und ich verwenden darf in der Klist-Erzählung. Dummerweise leider nicht Bachs bestes Stück. ich muss es jetzt mal so direkt sagen: das Projekt: es ist echt langweilig. Und ich bin wirklich ein Bach-Fan. Aber vielleicht liegt das auch an Youtube. – Andere Dinge getan. An der Fasusng des Textes gefeilt. Darf man die Dinge, die man wirklich liebt: Bach. Kleist, [meinen Ex-Freund] rummäkeln? Rumschneiden. Dinge weglassen, Übergänge schaffen? Das mit dem “langweilig”…. – Zur Strafe ploppte Ostern 2012 auf. Glücklich verliebt. Frühe Phase, als er noch mein offizieller Freund war, der Freund, der offiziel noch nicht mein Ex-Freund ist, aber andererseits auch behauptet nicht mein offizieller Freund gewesen zu sein [Knoten im Kopf… lassen wir das…!!!] In dieser früheren schönen Phase also: gedacht perfekter Ostermorgen könnte beginnen mit Hefegebäck früh morgens im Bett und Bachs “Erbarme Dich!”, das schönste, bewegendste, schlicht und ergreifendste Musikstück der Welt. Freund, der er noch nicht war, war irritiert, rückt etwas zur Seite und ließ den Bach über sich ergehen. Schämte er sich fremd? fühlte er sich erzogen zu Höherem, zu protestantischer Bildungs-Büger-Musik?  Hörte er nicht wie wunderbar diese Musik war? Er sagte am Ende, es täte ihm leid, aber er fände klassische Musik einfach langweilig.  ALs gäbe es DIE klassische Musik. Ach Scheiße! Zum EELS Konzert wollte er damals auch nicht mit und dann lud er sich heimlich doch ganze Alben runter. – Was sollte ich sagen? Es gibt keine langweilige Musik. es wird an YOutube liegen.

[ab 27.6. bin ich in Berlin für einige Tage. in dieser Zeit arbeite ich nach und nach die letzten Tage auf.]

Im Helmreich Männer, im Verband unterwegs (Freunde der Altstadt.de ???), die sich für Kellergänge interessierten. Historisches wurde erzählt, Anekdoten die (möglicherweise gar nichts mit Windsbach zu tun hatten, auch aus Feuchtwangen stammen könnten oder Forchheim.) Kellersyteme. Unterirdisch. Sackgassen der Kleinstadt-Unterwelt. Kühlschranksystem. Manche seien verbunden gewesen. Die längsten vier Meter lang fünf breit. Viele seien eingebrochen und später sei es schwer gewesen sie zu sanieren.

Während Kakaotrinken und dem Pralinenessen nur Bruchstücke der Unterhaltung aufgeschnappt, die ebenfalls um Bruchstücke ging.

„Wenns brennt, dann wenigstens zugang zum Marktplatz“

„Manchmal rieselts.“ „maroder Sandstein“ Immer wieder das Wort „Ausgemauert“. Sandstein habe man rausgeschlagen und dann weiterverwendet fürs Häuserbauen.“ „Keller finanziert Haus.“ Dann ging es vielleicht doch ein bißchen mit ihnen durch, Gerüchte, sagten sie, gäbe es, dass man seinerzeit so große Brocken heruasgeschlagen hätte, dass man sie weiterverkauft habe, die seien nach Berlin geschafft und für den Bau des reichstags verwendet. (da redeten sie aber dann wohl doch über Forchheim – eine Stadt die ja auch behauptet, Pontius Pilatus und der Tod selbst seien von da). „Sandstein überhaupt, was für Steine! „Manche bröseln, manche net.“

Und von Schulrektor um 19sowieso war die Rede, der seinen eigenen Kellergang freigeschaufelt haben wollte und es zur geologischen Exkursion für die Schulklasse erklärt hat: Schüler wurden eingesperrt, wer als erster wieder am Licht war.“

Dies allerdings sei beim Nachdenken darüber nicht nur ein moralisch im Bereich der Grau – (wenn nicht gar Finsternis) – Zone, sondern würfe auch

„haftungstechnische Fragen“ auf.

Und immer noch ist keine Spur von jenem Geheimgang unter der Gottesruhkapelle. Ein altes Brunnenloch sah ich zwischen Kapelle und Garten der Frau Vogt. Aber kein Abgrund tat sich auf. Vielleicht müsste man graben. Kratzen, schaufeln.

27. Juni

Tierarzt nannte meine Ente ein Huhn, das da etwas gerupft vor dem Helmreich parkte. Womit er aber recht hatte, dass ich auf meiner HOnda NTV  zuweilen noch sitze als wäre sie ein Fremdkörper. Lasse mir sonst sowas nicht gerne sagen, aber er sagte es ausgesprochen fachmännisch unter Anführung des Kaisers Barbarossa, der (echt?) mal etwas über das Reiten geschrieben haben soll, worin er  zu Bedenken gab, dass der beste Reiter der sei, der eins werde mit seinem Pferd. Das Motorrad als Tier; die Personalunionvon mensch und Maschine. schöner Gedanke. Und es stimmt. ich denke von dem Motorrad immer noch als etwas auf dem ich sitze und möglichst sitzen bleiben sollte. Der starre Blick auf die Straße, auf all die überfahrenen Tierreste, die weißen Streifen, die die Straße halbieren und die ich immer noch Angst habe zu überschreiten, überfahren, überreiten. anstatt dahin zu sehen wo es schön ist, wo ich hin will. ich, das rollende, dahinbrausende Ich. Andererseits: was hats dem Barbarossa geholfen? ist am Ende doch vom Pferd gefallen und ertrunken. Dann Pflugsmühle. kurzes Erspähen des winzigen Rehs, von dem mir neulich schon erzählt wurde. Die Frau, die die Pflugsmühle betreibt hatte es fast neugeboren und mutterlos gefunden, geflegt und versorgt. Es ist zahm und hängt im Haus auf dem Sofa herum, hörte ich jedenfalls. als ich kam, war es im Gehege. Dachte an Lektüre meiner Kindheit, Bücher im Regal meiner Großmutter. die ausgeblichen bunt im Bereich Kinderbücher standen: “Pucki”. DAs Försterstöchterchen, das auch ein Rehlein großzug. Ich wusste es doch, das geht!. WIrtin der Mühle, ebenso  blond wie die Titelheldin, aber von  viel handfesterer Schönheit, sympathisch und heutig. Unverhoffter Ausflug zum unverhofft heilen Reh. Und tatsächlich ist sein Name Hope.

26. Juni

Lange Nacht, Bilder, Gottesruhkapelle. Dann schlaflos. Heute ist alles grau verhangen. Dauerte bis ich in die Stadt kam.

Helmreich. Frühstück. Zwei Pralinen und Heiße Schokolade aus einer Tasse, die obwohl viel Traurigkeit in der Luft lag, dermaßen trostreich schmeckte. An meine Oma gedacht, weil die Tasse mich an sie erinnerte. Der Kakao auch.

Um 12 musste ich gehen, da haben sie Mittagspause. Dass man mittags zu mittag isst, auch das erinnerte mich an Familie früher.

Dann später gehört, dass die Tragödien weitergehen. Nun in Gunzenhausen. Drei Kinder und Frau getötet. Der Mann sprang vom Hochhaus. Da er nur aus dem 3. Stock sprang überlebte er. Also ist umgekehrter Fall. Was ist schlimmer? Leidensmaßstäbe gesucht und nicht gefunden. Ich glaube, dass die Tragödien, die in der Zeitung stehen oder die sich jetzt wie ein Lauffeuer ausbreiten, nur die Spitze des Eisbergs sind. Das unausgesprochene Leid, das dem vorangeht, das übertünchte, ist viel schlimmer als der Ausnahmezustand. Sonst käme es ja nicht zu einem solchen. Und wie geht’s den Übelebenden, man fragt noch ein Weilchen, wie. Man hört „Muß-ja-muß!“ irgendwann ist es vergessen. Man sieht die Leut wieder ausgehen, sieht sie lachen auf dem Kellerfest und hinterher wundern sich alle, wenn wieder etwas passiert ist. Von Zeit zu Zeit explodieren wir in unserem Leid oder das Leid der anderen sprengt uns in die Luft. Na ja was heißt „wir“, mir geht’s eigentlich echt verdammt gut!

Apfelkrapfen.

26. Juni.

Seit einer Woche steht fest, dass mein Gottesruh-Projekt mit dem Windsbacher Knabenchor kooperieren wird. Das Treffen hatte ich mir lange gewünscht. Dann endlich doch Einladung ins Internat. Der Dinge geharrt im Abendrot, die da kommen. Es kam erst ein blonder Knabe in einem grünen Hemd der „Hallo“ sagte mit überraschend schnarrig-belegter Stimme. War mit dem Motorrad vorgefahren, mit helm unterm Arm käßt sich einigermaßen cool warten. Chorleiter kam über das Gelände, sah ihn schon von weitem, rollte mir mit Rollkoffer entgegen. Interessantes Gespräch. Tauchte tiefer in die Kleistgeschichte, um die es ging, ein, als ich gedacht hätte. Die Musik spielt in ihr eine so große Roller. „Die Gewalt der Musik“ ist ihr Untertitel. Sie ist zweischneidiges Schwer. Himmlischer Gesang, Höllen-Abgrund.

In Kleists Geschichte ist es ein „Gloria“ und ein „Salve Regina“, das die Kirche, um die es in der Erzählng geht vor dem Bildersturm-Terrorakt bewahrt.

Und Knaben haben auch tatsächlich ein Bach-Gloria im Repertoire! Kenne es nicht. Wird live gesungen werden in der Lese-perfromance, UND aufgenommen und verfremdet. Lehmann von selbst schlug diese dunkle Seite der der Macht der Musik vor. Präzise Pläne. Ergiebig. Interessiert. Interessant.

25. Juni

Auch heute müde. und wieder hat nichts offen. Montag! ohne Earl Grey Tee schwer wach zu werden. Stadtcafe hat zu. alles andere auch. beim Besenbeck beinahe auch wieder umgedreht, weil vor verschlossener Türe – dann aber gemerkt, dass ich vor der Ausgangstüre gestanden bin. Heute läuft nix. heute kann man vielleicht sogar froh sein, wenn nix passiert. Zwischen Reuth und Windsbach halt gemacht zwischen rosanen Blüten. Baldrian. passt. Aber Großartige Wolken, wie Zuckerwatte. ein Bausch neben dem anderen. Mann schräg gegenüber vom Stadtcafe (dem das montags nicht auf hat), an der Brücke lag entspannt auf einer Bank. Mehrfach planlos durch die Stadt gefahren. morgens, mittags nachmittags, immer lag er da mit verschränkten Armen unter dem Kopf. Apotheke. Fristo. Il Corso.Bedienung fragt Chef, welches Eis am wenigsten Zucker habe. Ist das auch hier so? Isst man auch hierzulande EIs nur wenn es nicht süß ist, oder nicht nicht-vergan? Ich dachte, die Franken und Bayern, mit den speziellen Ernährungsregeln seien alle in Berlin in meinen Bezirk gezogen! Es wäre ein belangloser Nachmittag. wenn nicht alle hier im Il-Corso-Hof von Gesprächstherapie redeten. “Familientragödie”, “Manche Menschen…” “Man steckt nicht drin…” Leute redeten während des Uruguay-Russland-SPiels davon, dass sie sich nie umbringen täten. das ließ ahnen, dass  ein anderer dies dann wohl getan hat. “Anders gestrickt”, “die eigene Familie”.

24. Juni

Kellerfest. Zauberhaft. Sah niemand mit Gummistiefeln. Es hatte allerdings auch geheißen, wenn man bis drei Uhr früh durchhalte, könne man gar lustige Gestalten beobachten. Da ich doch nur bis zehn vor drei durchhielt, entgingen mir diese. möglicherweise waren auch wir eben jene… Wir waren etws zu spät zum Spiel gekommen. Nationalhymne verpasst, deshalb nicht gesehen, wer aufstand. Blick von oben herab, gesessen auf der letzten Bierbank, noch hinter der letzten Lichterkette. Guter Blick auf die Fußball-Leinwand, aber sie war doch zu weit weg, als dass uns das Mit-Fieber gepackt hätte. stattdessen Sissi-Film-Dialoge zitiert. Küchle gegessen. riesiges Gebäck! Nix drin. nur Luft! Männer gehen manchmal zu zweit in die Finsterneren Regionen des Waldes. Aber nicht zum Pinkeln. die, die pinkeln stehen gut sichtbar. Dabei sehr sauberer Klo-Conatiner. sogar zwei. Drogen? wäre aber doch sehr auffällig. Sex?

Als die Lichterketten allesamt angingen dachte ich an Freund in Berlin, der meine Liebe zu Lichterketten immer belächelt. Wieder doch mal bedauert, dass er das nicht sieht. Ich habe nicht gewußt, dass es Menschen vergönnt ist so viele Lichterketten zu sehen, ein ganzes Meer davo! Dachte immer pro Lebenszeit stünde einem ein bestimmtes Kontingent an Lichterketten-Sehen zu… – Das müsste ich nun auf einen Schlag beim Kellerfest verbraucht haben. Andererseits gehen die Windsbacher ja dauernd zum Kellerfest. Möglicherweise maßlose Lichterketten-Konsum doch möglich? eine Lichterkette oder zwei oder zehn mag man belächeln, aber so viele sind einfach nur der Hammer. es hörte nicht auf, auch den Weg hinab (zehn vor drei)… – vor ein paar Tagen die Glühwürmchen und jetzt das. am ende waren viele Menschen an unserem einsamen Tisch. Aufgedreht. Rückhaltlos. Erzählte eine Frau von ihrer ersten Nachtekannten Frau bei ihrem später dann Ehemann? hatte es sie, wahrschienlich noch total jung in dem noch unbekannten Haus nachts, als der Mann oder Junge schon in Schlaf gefallen war nochmal hochgerissen, aufs Klo gemusst, tappte sie durch das fremde Haus und fand statt der Toilette ein Zimmer offen, es war ein Raum voll mit alten Büchern und ein uralter Mann mit weißem wirren Haar saß darin.  In einem Ohren-Sessel oder stand blätternd in einem Buch. Unheimlich – so erzählte sie es. ging  zurück, schlüpfte wieder ins Bett und erzählte flüsterte dem wach gewordenen Zukünftigenroßvater des zu, sie hätte wohl gerade dessen Opa kennen gelernt. Stille. denn der Großvater des Mannes war schon lange tot!  – die Frau erzählte es nicht direkt wie eine Gruselgeschichte. die Worte purzelten eher lebenshungrig, lachend,  und doch angeferssen und angetrunken aus ihrem Mund. Laut. hätte sie es geflüstert, wäre es dennoch nicht weniger unheimlich gewesen, auch wenn es, wenn man es so neiderschreibt banal klingt. erste Liebesnacht. eine muss aufs Klo, geht ins falsche Zimmer und natürlich wars auch kein Geist eines verstorbenen Ahnen gewesen, den sie in der Bibliothek sah, sondern der Vater alls) ihres (damals jedenfalls) Liebsten, der (das wiederum faszinierte nun mich) der Verfasser des Büchleins “die Gottesruhkapelle zu Windsbach”, Herrmann Altmann war – also der Vater, nicht der Liebste.

Geschichten aus dem Zusammenhang gerissen. Man muss sich das Kellerfest dazu denken. und von dem hatte ich auch immer ein falsches Bild. es klang muffig für mich, eher nach Schimmel und Bücherstaub (weil bei mir so viele Buchkartons in den Keller auswandern mussten, weil nicht genug Platz ist für alle), als nach Wald-Duft und Wiese und Lichtermeer. Wenn man in seinen Maßkrug schaut funkelt es noch mehr, wenn man ihn geleet hat eh. Je später die Nach war, desto weniger weit in den Wald schafften es die pinkelnden Männer. Gestalten rücken näher. die des heraufbeschworenen alten Altmanns blieb seltsamerweise eindrücklicher als alles andere hängen. die Band (ebenfalls undefinierbaren Alters) spielte Uraltes. wieso singt die Dorfjugend mit bei “Die kleine Kneipe in unserer Straße…” Eine alte Dame hatte gesagt: !Ich wollte betrunken sein und Gott hatte die Güte!“. Wilde Mischung.

Morgens kein Kater.

23. Juni

Heute wär min Artiklel über ein Kino in Gaza im Neuen Deutschland. Nach Ansbach gefahren, um die Zeitung zu kaufen. Im Bahnhofs-Zeitungsladen hatten sie das ND auch, aber nur das vom Freitag. die Wochenendausgaben verkaufen sie dort nicht. Il Corso. Hochzeitsgesellschaft. Blondierte Braut mit Schleier und kurzem lachsfarbnen Kleid raucht mit Brautjungfer an der Mauer gegenüber dem Dekanat stehend und scheint ruhige Minute in Mitten von Rummel zu haben. Leute treffen ein, auf der Terrasse sitzt niemand außer mir an den Altes-Mosaik-Muster-Auf-Plastiktisch vor den Garagen.  Palmen, Oleander Jemand verteilt das Wochenblatt. Auch der il Corso bietet Public Viewing an, auf größerem Fernseher als der Ilios, aber wußte nicht ob er im Besitz eines W-LANs war. Inzwischen spielt Belgien gegn…? und aus dem Saal tönt der Hochzeitsmarsch während sich Fußballer im Fake-Schmerz über den Rasen rollen. Frau mit Rollator. Tor für Belgien in Gelb. Die in Rot – ist das Tunesien? Weil der Ton leisegedrht ist hab ich das Tor kaum wahrgenommen. Die paar Takte Hochzeit waren dramatischer. Drin! Drin! im Netz! Il-Corso-Netz! – und ins tunesischen Tor ist wieder ein Ball  geflogen. Hof füllt sich. es ist hier nicht so schön wie an der Hauptstraße, aber irgndwie hat es auch Charme. unspektakulär, unbemüht. Abseits. (der Stadttore, nicht was das Fußballspiel angeht). Das Spiel aber steht mittlerweise 3:2…

Abends Kellerfest. Das hatt ich letzts Jahr verpasst. ein “Muß”, sagen alle. Und Gummistiefel hatte man empfohlen, solle man tragen.

22. Juni

kleiner Junge bei “Hammons” in Neuendettelsau verweigerte die guteLaune, obwohl extra von der Bäckerin darauf hingewiesen, dass nur freundliche Kinder ein Stückchen Probe-Backware bekommen. Laune verschlechterte sich, da das Kind den Erziehungsversuch durchaus durchschaute. Dilemma. stand in Rangerartigem outfit, in “Fearless” beschriftetem Basecap und verschränkte Armen der Kuchentheke gegenüber und verweigerte die Kooperation. Finster. – Weiterer Erziehungsversuch galt den jüngeren Cafe-Angestellten, zwischen denen irgendwie dicke Luft zu sein schien, die aber nicht sofort bereit waren, dies in fünf Minuten im hinterzimmer oder Hof zu klären.

21. Juni

Mittersommernacht. Schwabach. In der Kirche St. Martin unfassbare Heiligen-Holzköpfe, die 3-D-artig aus den Relief-Bildern herausragen. Kunstvoll, aber auch wie Kasperlköpf. Sehr menschliche, fast makabere Karikaturen. Als hätten sich mittelalterliche Honoratioren in ein Szenario hineingedrängt, um auch im Bilde zu sein; starren in die heutige Zeit, fremd und vertraut zugleich. hier soll der WIndsbacher Kantor Emanuel Vogt das Glocken-Läuten erlernt haben. Und 15jänhrig seine erste Motette aufgführt (bekommen) haben. Stell mir prompt einen ernsten Knaben vor, der untr Glockengeläut in die Höhe gehoben wird, aufwärts hüpfend und abwärts. Und ernst Musik. die hölzernn Kasperle-Heiligen schauen zu und horchen.

Nachts Lagerfeuer. Trotz Wind, der über uns die Kondensstreifen zu breiter himmelsborte aufriss. Wie Meeresbrandung. Funken. Verirrtes Glühwürmchen. Frauengespräche.

20. Juni

Fahrt von München nach Windsbach. Stau schon beim Rauffahren auf die A9. Kein W-Lan auf Rastplatz Kösching. Dann kann man auch Landstraße fahren. Ellingen nicht gefunden, da Umleitung. hätte da gern im Biergarten gesessen (und da gibt es W-Lan!). aber es ist ja nicht mehr weit – und so war ich doch sehr schnell zurück in Windsbach. – Angekommen! Ilios. ist wirklich angenehmer Ort zum Schreiben, Essen und Fußball mitnhmen. Jedenfalls, wenn Deutschland nicht spielt. Ankommen. Feierabendbier. der Sommer ist schön. Restminuten des Uruguay-Spiels gesehen. Der Gedanke kam plötzlicch auf: Was machen eigentlich Frank und Bommel? Lang nicht gesehen. nichts gehört! Auch so eine unschöne Nebenwirkung des Schließens des Halter. – Mir war so als hätt ich die beiden darin bestärkt, sich unbedingt in der Adventszeit bei mir in Berlin zu melden wegen Karten für Advents-Singen bei Union Berlin. Hatte es vergessn. aber die beiden woh auch!

Tierarzt kennengelernt und seine Frau, die nicht aus Windsbach ist, „ A Neigeschmeckte“, lernte ich, sei das Wort dafür. Er dagegen echter Windsbacher (und ehemaliger Chorknabe, noch unter Tamm! Erzählte davon wie es war plötzlich hinter dem Altar zu stehen. Enttäuschung, dass für das “ewige Licht” dezent Streichhölzer bereit lagen). Also gibt es doch einen Tierarzt in Windsbach. Werde es mir merken für das nächste halbtote Reh, das ich seh. Ist wohl aber auch rechtliches Problem. Die Jagd habe leider vorrang. Schöner Abend. Gyros-Salat. Neigschmeckt. Auf den Geschmack gekommen Dazugelernt. Interessante Gespräche. Ilios hatte plötzlich etwas von einem kleinen Openair-Wohnzimmer. Heim zur Gottesruhkapelle, bzw. zum Haus nebenan. Es ist fast die längste Nacht des Jahres. Obwohl es spät war hong imer noch ein bläuliches Rot in den Wolken. Davor leuchtete die Helukabel-Halle wie ein Eispalast.

18. Juni

Mit den beiden Frauen Vogt zum Konzert nach Merkendorf. Eigentlich Chorandacht, aber es wirkt wie ein abendfüllendes Konzert. Es sei als sei man plötzlich in einem Traum, sagte die eine der beiden. Klavier-Chopin auf Orgel gespielt klingt wie Karusselmusik auf einem alten Jahrmarkt. Finnischer Chor, Knaben im Talaren mit weißen latzartigen Krägen, sagen uter dem hohen Kirchengewölbe aus wie in Hogwarts. Modernere STücke.  die Windsbacher Knaben dagegen artig mit ihren Anzügen und Schleifen. wunderschöner Reger. Die Finnen sehr bewegend, mal geflüstert, mal gernaunt, gesungen, abgrundtief von Seeunglücken, ertrunkenen Seelen, dann bis an alle Höhen mit Engelszungen und Stimmen. sehr ergreifend. Am Ende beide CHöre zusammen. Händel Hallelujah. erstgedacht, “ach das schon wieder!”, aber die geballte Gesang zweier Chöre. die große Kirche… so hört man das nie wieder, sagte die andere Frau Vogt. Abendrot.

Hängen blieb außerdem, was der Merkendorfer Pfarrer sagte: erinnerte an die Zeiten, da die WIndsbacher Knaben in der Merkendorfer Kirche ihre Schallplatten aufnahmen und der bayrische Rundfunk man den umliegenden Bauern die Anweisung gab, sie möchten bittschön ihr Vieh rechtzeitig füttern, um eventuellem, den Ton störendem Brüllen, Muhen und Blöken der Tiere zu vorzubeugen.

***

Glühwürmchen im Garten, erst eins, dann unzählige. Waren sie schon immer so hell? Fast LED-artiges Glimmen, waren sie früher nicht wärmer und dunkler leuchtend?

17. 6.

Heute spielt dann also Deutschland. Hatte mir nicht weiter überlegt, wo ich das gucke. aber offensichtlich ist Public Viewing gar nicht so verbreitet in WIndsbach. Beim Ilios flattern ein paar kleine Deutschland-Fähnlein am Zaun und ein Fernseher ist aufgestellt. Deutschland spielt also heute beim Ilios. Im Waldstrandbad sei es auch angedacht gewesen, aber dann doch nicht. Nicht viel los, aber noch spielt auch noch wer anderes. Serbien führt 1:0 gegen…? krieg ich leider nicht mit von schräg gegenüber, von der Venetia-Eisdiele, in die ich mich erstmal fallen ließ aus alter Gewohnheit. Sehe erst jetzt dass man gegenüber hätte sehen können. jetzt hat Serbien gewonnen. Gegen…? Weiß immer noch nicht gegen wen. Aha. habs jetzt gegoogelt: Costa Rica. Und “Public Viewing – WIndsbach” ebeso. aber da kommt nicht viel. NUr, daß man beim Kellerfest Fußball gucken kann, kommt, demnächst. Und es kommt (etwas zusammenhangslos!) die Medlung, daß ein Jaguar in Ansbach beschädigt worden ist und zwar in der Windsbacher Straße.Mehrere Kratzer seien “angebracht worden”. Der Schaden beliefe sich auf 5000 €. Seltsamerweise löst die unanständige Höhe des Schadens sofort tiefes Veständnis bei mir aus – für den Täter. oder die Täterin? Angeber-Karre. Gehörte vielleicht einem Ex. – “Der Kapitän Top-fit… auch Özil nach Knie-Problemen wieder voll einsatzfähig…” tönt es rüber vom Griechen. Die Vorbericht-Erstattung hat begonnen. Rübergehen? ich starre auf die Venezia-Pizza-Leuchtreklame im Schaufenster. Blinkendes Blümchen über “Pizza” und ein ebenso digitales Stück, belegt mit Tomaten und blinkendem Pizzaduft. Hypnotisierende Wirkung. Rübergehen? Müsste mich erheben, aber habe im Gegensatz zu Özil meine Knie-Proleme (seit mein Motorrad mir auf mein Bein gefallen ist) noch nicht überwunden. Dazu die Sonntags-Faulheit, nach der gestern irgendwie doch anstrengenden Reise. Jetzt wird geredet, ob wohl geredet worden wäre, wenn der Özil (wegen seinem Knie) nicht wäre aufgestellt worden: ob man nämlich dann geredet hätte, dass er nicht aufgestellt worden wäre, wegen seines Foto-Shootings mit Erdogan. Der Reporter sagt, ja vielleicht, aber das hätte man jetzt mal endlich hinter sich lassen wollen, weil es jetzt nur darum gehen solle, wie die Mannschaft optimal aufgestellt sei. – Ja, klar. weil Fußball ja so unpolitisch ist! Klar. sonst würde die WM ja auch nicht ausgetragen in einem Land, das ebenfalls nicht für seine Demokratie und Meinungsfreiheit bekannt ist. Merke plötzlich einen Unmut aufkommen. Gar nicht gucken? oder eben einfach im Radio-Modus sich berieseln lassen von der anderen STraßenseite aus. Die Begeisterung, das ernsthafte “Dransein” an sich vorbeirauschen lassen. nicht sehen, sehen lassen.

Doch beim Griechen gelandet. Ilios, zur Sonne, da wo Goethe mal übernachtete. Heut ist wieder der Willi da. Weil wochenende ist.

Toni Kroos habe die Vogelperspektive im eigenen Auge – weil er so weitsichtig sei, den Überblick habe. Sagen sie schönim Vorbericht. Ilios füllt sich. Jetzt bin ich in einen großen Tisch integriert worden. Und wie immer sind die Leute total herzlich und nett. Ob es so passt. (sitze jetzt sogar mit besserem Blick auf den Flachbildfernseher). Eine Frau steht auf bei der Nationalhymne – okay…?! Na ja warum nicht. Ist ja eigentlich bewundernswert, dass die das einfach macht, wo das doch keiner macht… – leider beendet sie den Gesang dann mit so was wie einem “deutschen Gruß”, rechter Arm schräg in die Höh, die Handtasch in der linken… –

Erschrocken. Wollte es doch grad okay finden, dass sie die Hymne über steht. Und dann das. Und wo doch alle so normal und echt herzlich sind… hat ja vielleicht auch keiner gesehen…? – Ob ich auch wirklich was seh… fragt die andere NAchbarin und meint dern Fernseher. Ja, ich seh. Alle sehen gut. Public Viewing ist eben nicht mehr so in. Die Grüßerin blickt allerdings immer weg vom Fernseher, jedenfalls wenn ein Freistoß für Mexiko kommt. Das mag sie nicht sehen müssen. Am Nebentisch schaut man intensiver. Und dann… das erste Tor FÜR Mexiko. Hmmm. Kann ja passieren. Dass der Özil ja da weng besser hätt aufpassen müssen…. man wollt ja nix sagen, aber… Na, jetzt sagen sie das was ich vorhin auch grad gedacht hab: Das mit dem Soli-Foto mit Erdogan. Man wollt ja nix sagen, aber jetzt sagt mans doch. Des macht man halt nicht, wenn man eine öffentliche Person ist. Des is ja net so, dass der bei der helukabel arbeitet oder so. er steht im Rampenlicht. Und jetzt auch noch das Tor. Es sei schon okay, dass der zwei Pässe habe, aber die schnauze soll er halt halten. (wenn mans schreibt, klingts massiver. gesagt klingts lustig!)… Dürge sei Dürge… – Jüngerer Mann mit langem Haar hält was dagegen, aber mal unter uns – die sagen doch auch „der Russ“ und „der Dürge“. Da könne man noch so drum herum reden.

Na ja und – mist – wieder stimmts irgendwie.

Wimmelnde weiße und grünne Männchen auf dem fernen Ilios-Fernseher. Neben mir erklärt einer dass der Dürge übrigens zum Krieg rüste. „Echt?“ fragt ein andere. Schon lang! (hörte ich seit 1972? – die Schreiberin hört schlecht. Ist abgelenkt. Auch weil vom Nebentisch nun absurderweise die kleine Nachtmusik ertönt. Klingelton? Nein geht weiter. Richtig lang! Aber nur erster Satz. ) Deshalb sei auch der Grieche (nicht der Ilios, sondern der in Griechenland, also das LAnd) so runtergewirtschaftet. Weil er, also es gezwungen gewesen sei, Schiffe zu kaufen um seine Inseln zu verteidigen. Irgendwie mag ich, dass mehr über Politik geredet wird, als über Fußball. Ich muss es wiederholen, wirklich: alles sehr sympathische Leut. Und höre ich überhaupt recht? JA zum Stammtisch. Ja zum Halbwissen. Ja zur WM. Ja zum Ouzo. Ja zum daherreden. Willi hatte Geburtstag. Tischnachbarin und ich bestellen jetzt doch Espresso. Prompt wacht Deutsche Mannschaft auch auf. Akausale Synchonizität. („Hättet ihr mal früher bestellen sollen!). Zu spät. 1 zu 0 für Mexiko. Ein Glück, weil so nicht nochmal Nationalhymne. Özil sei dank. (Oder war der gar nicht schuld?). Lachen sie am Nebentisch: „Nein, die Mexikaner waren schuld! Die waren besser!“ Sagt einer. Und noch einer sagt: Und die Merkel! Die is auch schuld!

***

Absacker Bier in der Linde. Allein. Draußen im Biergarten gesessen. Auf dem Tisch stehen Geranien. Keiner ist hier und das Spiel geguckt hat man auch nicht. Die Wirtin redet mit ihrem Nachbarn. Nicht über Politik, nicht über Fußball, sondern über Würste. Dass die vom Vinzenz Murr durchgehend gleichbleibend gut sind und die vom Fleischer vom Land (nicht einem bestimmten, sondern generell) eben mal so und mal so, mal reichtig hervorragend und mal gummiartig, je nach Laune. „Ach übrigens, Ingrid, die Deutschen haben verloren…“, sagt der Nachbar, aber des mache nix. „Die brauchen mal an Dämpfer.“

Beide lachen.

„Des ist uns worscht.“ Sagt der Franke.

Mehr hätte man eigentlich gar nicht sagen müssen.

15. 6.  Glonn

die Verkäuferin der Hasi-Bäckerei in Glonn kennt mich! Da war ich vielleicht höchstens zwei mal, dreimal vor einem viertel Jahr! Und die erinnert sich! Aber der Pfarrer meiner Kindheit, in dessen Familie ich tag für tag rumlungert wie die Tauben hinterm Helu-Kabel, und wartete, dass der Sohn endlich mal aus dem scheiß Internat in dem fremden Kaff mit dem Fuck-verdammten Jungschor zu Besuch käme… der nicht.

Sinnlos.

Nein natürlich nicht völlig sinnlos. Ich bin da. Jetzt. Alles was jetzt ist. Und ich bin halt auch nicht der Nabel der Welt. Is ja auch gut so.

14. 6.

Erstmals in der Linde gewesen. Dem Kulturverein das Gottesruh-Kapellen-Projekt vorstellen.

Von wegen es gibt keine Lokale in Windsbach! Sollen die „Halterlosen“ doch in die Linde gehen. Gefällt mir. kein Schnickschnack. Stammtisch-Dunstkreise. Winds-Art Hinterzimmer.Gemütlichkeit. Bier. Holz. Nichts Unnötiges. Allerdings auch nichts zum Essen. Freundliche Wirtin brachte mir dennoch einen Teller großartige Suppe. Ebenfalls ohne Schnickschnack, aber mit Klößchen darin.

***

Nach München gefahren. Unentschlossener Aufbruch. Fahren? Nicht fahren? Es sah nach Regen aus. Schon auf dem Weg gewesen – nochmal zurück. Gottesruhkapelle nochmal fotografiert, da ich in München an einer Postkarte basteln wollte für die Veranstaltung im September. Immer wieder zurück, Handy vergessen. Auch ratlos, ob es nicht doch besser wäre zu bleiben. Eigentlich war ich in erster Linie gekommen wegen des Treffens gestern. Aber es waren kaum Leute da. Der Abend ließ so viele Fragen offen. Vor allem, wer wird singen? Wer ist die himmlische Musik, die wie ein deus-ex-machina den Terror verhindert, der ( in der darzustellenden Geschichte, nicht in echt) die Kirche verwüsten will? – es scheint schier unmöglich, in dieser Stadt singende Kinder, womöglich gar Knaben aufzutreiben!

Seltsam. Bin ja selber hier her geraten wegen eines solchen. Und ja, ich weiß wie schwer die aufzutreiben sind., di Knaben. Wie sehr sie fehlen. Achte bis zehnte Klasse lang damals gewartet! Sie kommen einem abhanden. Sie gehen ins Internet [falsch! Ins InternAt – blöde Autokorrektur!] und man sieht sie nicht wieder. Und wenn man zu lange wartet und endlich den Ort findet, dieses Windsbach, sind 30 Jahre um und sie sind – natürlich! – nicht mehr da.

Als ich schließlich doch entschieden hatte, nach M. Zu fahren, war es fast zwölf. Um fünf nach ging ich dann doch noch ins Kaufhaus Rühl, um viertel nach dann endlich vorläufig finaler Aufbruch, nicht die Spalter Straße entlang, die ich fahren hatte wollen, sondern doch noch am Dekanat vorbei; da dachte ich – weiß der Himmel warum! – geh nochmal auf einen Sprung rein. Nicht einmal einen Termin hatte ich, und zu sagen eigentlich auch nix außer: Ich weiß immer noch nicht, wer singen wird im September. Um sechzehn nach zwölf stieg ich ab vom Motorrad und zu genau dieser Zeit kam ein alter Mann aus der Tür, kam mir entgegen als ich gerade eintreten wollte. Und da war’s der alte Pfarrer meines Heimatorts! Just in diesem Moment! Ausgerechnet hier. Den, den ich damals vor einem Jahr, schon im Konzert in Neuendettelsau gesehen hatte von weitem, nicht sicher gewesen, ob er es war oder nicht. Den ich am letzen Tag (letztes Jahr, ebenfalls vor der Abreise nach Beendigung der Stadtschreiber-Zeit) doch noch aufgespürt hatte in N.

„Herr G….!“ rief ich aus, als er mir nun aus dem Dekanat entgegen kam, das er zufällig aufgesucht hatte, und auch nur für ein paar Minuten. Seltsamer Zufall. Unglaubliches Timing. Just in diesem Augenblick… es hätte alles nach einem bedeutungsvollen Wiedersehen geschrien, in einem Film wär er der alte Mentor gewesen, der die Heldin einst auf die Reise geschickt hatte und nun wieder in Empfang nimmt, oder ihren Kurs korrigiert… Blöde lachhafte Wirklichkeit: Er erkannte mich nicht. Wieder nicht! Er sagte es so eindrucksvoll stark (so unumstößlich, wie das kleine Kind im Cafe Helmreich sagte „Ich bin noch ein Kind!“) „Ich kenne Sie nicht!“ Schmerzhaft.

Ich war doch in und ausgegangen in seinem Haus (achte – zehnte Klasse!) und im letzen Juni, waren wir doch in seinem Garten gesessen, es ist nur ein Jahr her! So persönliche Gespräche! Eben auch wegen des Sohns. Fortsetzungen von Geschichten im Schnellvorlauf. Was bisher, was inzwischen geschah. Und eben dass der Sohn tot ist… und… – und eines der Luther-Biere hatte ich ihm mitgebracht, die mir der Herr Lechner geschenkt hatte! (Und das ich ihm auch von Herzen gegönnt habe – und gönne! Und…

Bin traurig weg. Alles was in mir arbeitet, ist letztendlich nur mein eigener Brei. Und hat

mit Wirklichkeit nichts zu tun. Schon aus der Welt des Pfarrers von damals und erst recht seins Sohns bin ich in Bruchteilsekunden meiner Kindheit gefallen. Ich blieb und bleibe nicht haften.

13. Juni abends

die Tauben hängen da rum, weil ein Taubenschlag eben dort ist. War doch eigentlich klar.

13. JUni

Immer fliegen Tauben auf, wenn ich den anderen Weg nehme, dem Helu-Kabel-Schild folgend, an dem großen alten gutshofartigen Gebäude vorbei durch neueres Wohngebiet hindurch, auf ein superblaues Haus zu, dann wieder links in Richtung Gottesruhkapelle. Wenn das freie Feld vor einem liegt, schrecken ich sie auf Immer sind Türkentauben darunter, fast immer auch in paar weiße. Ich weiß nicht warum sie da rumhängen, was sie da zusammenglucken, knatternd fliegen sie auf, gestern schiss eine auf meinem neuen Helm, als ich ich mit dem Motorrad vorbei knatterte.. Dörfliche Rowdies, sie, ich.

Pralinen zum Frühstück. Amaretto weiße Schokolade und dunkle.

sehr blondes Kind im Cafe Helmreich sagte nachdenklich blickend, langsam und ernst: “Ich… bin… noch… ein Kind.” und fügt nach iner kurzen Pause hinzu: “Und der H. ist überüberübermorgen schon groß und hat kleine Augen.”

12. Juni

Mein erster Überraschungs-Besuch. Zwei jung Frauen klingelten und standen zunächst vor verschlossener Tür, weil ich immer die Hintertür zu Garten und Hof hin nehme, nie aber die Haupttür zur Straße hinaus. Stellte fest, dass ich keinen Schlüssel besaß und machte barfuß den Gang um die Welt um mich dem Besuch von hinten zu nähern. Sympathische Frauen. Zeugen Jehowas. Gebe zu, dass die auf mich sonst immer wie lebende Vorwürfe wirken, wenn sie mit ihren Wachtürmen vor Einkaufszentren stehen. Hätte ich in denen in Berlin aufgemacht? Wahrscheinlich schon. Ich rede halt einfach gern über Gott und die Welt. Gelernt, dass die Zeugen, eine der wenigen monotheistischen Religionen sind, die den Gott beim Namen nennen. Die Juden haben auch einen Namen für Gott, Jahwe, aber weil der ihnen gesagt hat, dass sie den nicht alle naselang benutzen sollen und nur besondere Zwecke in Gottes Namen sein sollen, nennen sie ihn lieber gleich gar nicht, um nix falsch zu machen. Etwas beim Namen nennen, ist vielleicht aber nicht schlecht. Immer nur als Herr bezeichnet zu werden…? zigtausendmal stehe „Herr“ in der Bibel, sagte die eine der Zeuginnn. Sie meinte, sie, wenn sie der Gott, also Jehowa wäre und ihre Memoiren würden erscheinen und ihr, also sein Name wär kein einziges mal genannt, täte sich ärgern. – Einleuchtend. Sie war generell sehr witzig. Schöne handfeste Bilder gebrachte sie. Die andere, ernster, in sich ruhender, begeistert beide von dem was sie erzählten. – Nur halt das mit Armagedon… dass da nur die Gerechten überleben, die Reinen, die Guten. Ich hasse exclusive Veranstaltungen. Allein der Gedanke nicht eingeladen zu werden zu etwas, macht mich zu… ? Keine Ahnung, zur Dreizehnten Fee? Dir wurde böse, nur weil sie nicht eingladn worden war und sie war nicht eingladen worden nur weil die Gastgeber nur 12 Teller hatten – egal! ich weiche vom Thema ab.    Die Vorstellung, dass das Paradies die Welt ist, die wir kennen, nur in schön und friedlich… die Zeugin sagte, dass sei wie am Brombachsee liegen, aber ohne Mücken, ohne die Angst, dass dir jemand das Handy klaut, wenn du aufs Klo musst. Eigentlich eine schöne konkrete Idee. das Paradies auf Erden. Der vertraute Ort nur in erlöst. Der Unterschied ist dann vielleicht: bei den Christen ist man wo rausgeflogen und kommt möglicherweise nie mehr rein. Bei den Zeugen, ist man immer am selben Ort, aber der Gott namens Jehowa haut mit der Faust auf den Tisch und die Ortsbedingungen ändern sich. Und am Ende bleiben nur die Guten. für immer. Und das wars dann?

Das heißt, nicht einmal das Heim voller Plagen und Mühen, Mücken und Handydiebe, bleibt einem am Ende. Gehupft wie gesprungen? Irgendwie gefällt es mir nicht. Aber die Gespräche darüber waren schön. Kluge, schöne Frauen, die von einer Mission durchdrungn sind, aber ihren HUmor dabei nicht verlieren.

Nachmittags Neuendettelsau. Eiskaffee. Besenbeck, Hat sich die Straße seit gestern verändert? Ist sie neu geteert? Abends Regen wie aus Eimern, Hitzenebel auf der Straße, wenn die Scheinwerfer eines Autos darüber streifen, scheint der Asphalt zu dampfen.

10. Juni

Wieder angekommen. Erschöpft ins Bett gefallen. Es ist Sommer. Stauballergisches STadtkind schnaufte unter dem Rucksack, obwohl es sogar vom Busbahnhof in Nürnberg abgeholt worden war nach unendlich langer Fahrt mit veflixtem verspätetem BUs. Fahrt nach Windsbach über immer schönere Schleichwege.  Geschwankt zwischen “Garten in der Nachmittagssonne” und “Bett”.  Bett. Dann doch Garten. wilde Erdberen.  Habe beschlossen hier jenseits der Allergie zu sein. doch nochmal aufs Motorrad, um auch wirklich anzukommen. An der Agip-Tanke bildete sich Schlange hinter mir, weil EC-Karte vergessen. Bares zusammengekramt. dann AUsfahrt im Abendrot. Biergartdn gesucht. Beinahe WOlframs-Eschenbach, dann doch nur Sparkasse dort. Felder links und rchts, man möchte sich hineinstürzn. Mist – das “e” auf meiner Tastatur klmmt. – Orangefarbener Jesus. “Tinas Tatoo Kunst” WIndmühlen – in Neuendettelsau beinahe vorm Besenbeck abgehoben über schlechtem Asphalt. Immer noch das I love you an der Scheune. Ilios. Souflaki. Bier. Mist, ich huste doch noch. An der Venezia Eisdiele leuchten nachts Glühlämpchen unter der Marquise. Die Uhr beim Döner steht still – wie lange schon? ist es 20:39 Beschluss, sich im Trainings Zentrum anzumelden. morgen oder so. Sport. Fitness. Reha.  Allein in der Sonne. Goethe aß hier auch mal.

22. Mai.

Stadtcafe am morgen wird langsam Ritual. Earl Grey besonderer Art. Wenn man draußen sitzt, sieht man die Leut übers Brückla gehen. manchmal hört man sogar schon wer kommt (wie der Mops der Familie des U., der sich vertraut schnaufend schon ankündigte – der Mops, nicht der U.!). Die meisten Menschen kenne ich natürlich nicht. Wenn man drinnen sitzt, hört man Tratsch und Klatsch. Glernt, dass es in WIndsbach mal 13 Lokale gab. Jetzt kaum noch welche. Männer, heimatlos geworden durch das Schließen des Halters auf der Suche nach neuem Ersatzstammtisch (Turmstube?  scheint No-Go, Dorschner zu sehr Restaurant…). Freute mich gestern als ich im Stadtbad den Koch aus meinem Viertel in Berlin-Lichtenberg wiedertraf…

21. Mai Pfingstmontag

Aufgewacht in höchst symbolträchtigem Traum, Tag begann deshalb nachdenklich, aber wurde dann  lebhaft. In der Stadtkirche sang ein  Chor aus Transilvanuen. orthodox-rumänisch. wäre beinahe zu spät gekommen und wollte nicht “über die Bühne” laufen wo die schwarzgekleideten Herren schon standen, als würden sie gleich beginnen und mit schmetternden-patricarchialen Klang ihre Stimmen erhben. Bahn schnell den Umweg über den Haupteingang. aber sie sangen sehr berührend.  zart und aufwühlend, am ende fast operttenhaft. üppig – und Beethoven. “Frooiiide Frooiiide….”  Dekan hielt schöne EInführung, sprach von der Armut dort, von den schlickten Verhältnissen und der um so so größeren Andacht der Leute. “Das Wesentliche….” leider sagte dann eine Frau im Anschluß dann auch nochmal mehr oder weniges alles auf ihre Weise. “Wie bereits gesagt….” Die schwarzen Herren standen geduldig und warten auf ihren EInsatz. die Musik ist immer stärker.

man springt hinaus in den freien Tag und frooiiit sich um so mehr. Sonne. verwunschene Radwege nach heilsbronn. Eis in gerammelt voller Eisdiele, Familienlebendigkeit, zugegrützter Teich. Wald der nach Wurst riecht. Waldstrandbad. Tatort.

20. Mai Pfingssonntag

Seltsame Melancholoe macht sich breit. Es haben sich erstaunlicherweise viel tote Tiere eingeschlichen in die Windsbach-Wahrnehmung. Vielleicht deshalb die Melancholie, vielleicht aber auch weil es hier so unglaublich schön ist – führt mir immer vor Augen wie vergänglich alles ist. Gestern dann das Reh, das gegenüber der Gottesruhkapelle brüllte, man sah es kaum, hörte es nur heiser brüllen, etwas wirbelte herum, ein Hund? Das Reh? Übrig blieb letzteres. Ein junger Bock mit noch samtiger Haut ums spärliche Geweih, lag zitternd im Gras und kam nicht mehr hoch. Machte auch kaum Anstalten zu fliehen. Der Bauch pulsietrte, die Flanke war blutig. Mit So. im hohen Gras gestanden neben dem Tier. Sie hat so tief-beruhigende Stimme, man hätte sofort gedacht, alles wird gut. Förster wurde gerufen, Großwildjäger erschien auf Quad, die Flinte schon bereit. Nicht zu machen. „Es wäre mir lieber wenn Sie gehen, falls Sie zartbesaitet sind.“, sagte er höflich. Wäre eigentlich lieber dabei gewesen. Bin nicht zartbesaitet! Heule zwar wegen jedem Scheiß, aber doch nicht, wenn man halbwüchsiges Bambi erschießt! Die Schüsse trafen dann hinter meinem Rücken, als ich schon auf dem Weg zurück ins Haus war. Auch nicht besser. Und warum zwei? Ich war schon weg, als der Mann mir ausrichten hatte lassen wollen, dass der Bock nicht habe leiden müssen. War dann fast aufgewühlter von der freundlichen Nachricht, als von den Schüssen.

Abendrot-Motorradfahrt (wo es doch wieder geht!) Richtung Merkendorf. Komisch, dass ich, als es umgefallen war, mit einem toten Reh verglichen hatte. Noch seltsamer, dass Zwischen Windsbach und Issmansdorf auf einer Wiese dann zwei weitere Rehböcke durch die hohen Wiesen un düber die Straße sprangen. Sah nur den zweiten kommen, der erste sprang grade vor mir über die Bahn, der zweite drehte um, sprang hektisch dann aber doch. Um ein Haar wieder gefallen. Ob es drei gewesen wären, wenn es den anderen nicht erwischt hätte? Und hätte dann ich ihn erwischt zwischen Windsbach und Issmandorf? Oder er mich?

Später dann noch totgefahrener Grünspecht vor Wolframs-Eschenbach und noch später Bienen in meinem Bett. Und auch Merkendorf wie ausgestorben. umgedreht. Abendrot, bauschige WOlken vor Windkrafträdern. Reicht.

19. Mai

Durch den  Traum, kurz vor dem Aufwachen, lief Katze Lillifee – mit rosanem struppigem Fell – eher Raubtier als Kätzchen, die Farbe des Fells war das einzig feenhafte.  in wildem Gebirge in einer kleinen Steinhöhle gesessen und auf fremde  Landschaft hinuntergestarrt. Nicht Bayern!

Auf dem Weg von der Wolframs-Eshenbacher-Straße zum Stadtcafe, an der Ecke, da wo das leere  Grundstück “steht”,  kann man eine Imbissbude mieten. sieht aus wie aus dem Boden gestampft. Oder ein aus heiterem Himmel gefallener weißer Legostein.

Vielleicht muss ich mal sagen, warum ich überhaupt hier bin.  (Gestern sprach mich schon jemand an, und meinte, WIndsbach müsse ja einen guten EIndruck hinterlassen haben, wenn ich wieder da bin. – STimm! Viele EIndrücke!) Generell glaube ich tut es mir gut, dass ich woanders bin als zuhaus. Außerdem sind in meinem eigenen dörflichen Berliner Kiez inzwischen so viele Bayern, namentlich Franken, da kann ich auch hier sein… – und die nicht-franken-flüchtigen Franken in WIndsbach sind viel authentischer und interessanter und nicht so vegan!) Woanders ist man ein unbeschriebenes Blatt. Und selber schreiben klappt auch besser. Und man läuft nicht dauernd seinem Noch-Freund ? / Ex-Freund / War-Er-Jemals-Mein-Freund? / Freund? bei Kaufland über den Weg.  Im letzten Jahr hab ich mich in die Gottesruhkapelle verliebt. im September möcht ich dort eine kleine Inszenierung machen, die Wandgemälde zum Leben erwecken, die Kapelle “bestürmen” mit neuen Bildern: an die Wand projizierten. EIn Kaleidoskop aus bewegten Bildern und icht, Klängen und Gechichten. Nicht meinen! Momentan sammle ich EIndrücke, die die WIndsbacher mit der Kapelle verbinden und die ich einfließen lassen möchte in das Projekt. Wer Lust hat, was zu erzählen… ich würd mich freuen!

18. Mai

Nun fiel das Motorrad um und hinterließ im schönen Hof einen Benzinfleck und Tankstellengeruch. unschöne Markierung eines traumhaften und fremden Territoriums. Paradiesgarten entweiht, Und die Fußraste brach ab. Mist Mist Mist. Vorteil: Baumeister sehr nah und wirds wohl richten. Toter Spatz an der Markgrafenbrücke. Und meine Honda, wie sie im Garten auf dem Asphalt lag und das Benzin auslief, sah aus wie ein angeschossenes Reh. Na ja, wohl eher eine Kuh. Und eine Beerdigung war. EIn Kapellmeister. Ich weiß nicht ob es eine “richtige Be-Erdigung” war oder eine Urnen-Bestattung. Aber immer wenn ich an Beerdigungen denke, muss ich nun immer an die singenden Jungs in ihren chwarzen Mänteln denken, von denen, einer mal nach dem Wort “Urne” suchte und ihm nur “Aschenbecher” einfiel.

Heut war so ein Tag, an dem man wachgerüttelt wir. Vergänglichkeiten. Schieflage. Nachts auf dem Handy Grey’s Anatomy geguckt. Aber da war alles fast unerträglich intakt.

17. Mai 2018

Anfahrt von München, Nürnberg per Bahn, ab Heilsbronn Bus. Der windet sich. Abwärts durch das neue Heilsbronn. Am Rewe vorbei, durch Neuendettelsau. I love you auf dem Gebäude hinterm Besenbeck. Reuth. Windsbach. Das schmutzig Schild, etwas sauberer scheint es? Der Regen wäscht es langsam wieder gelb. Ausgestiegen am Dekanat. Schweinefilet bei Dorschner.

Zuhause in vertrauter Fremde. Ich darf hier wieder sein: diesmal im Haus neben der Gottesruhkapelle. Dunkler warmer Gelbton, Ockerfarbe, wein-überrankt. Das Haus war mir von Anfang an ins Auge gefallen. Gegenüber der Kapelle, als ich an ihr vorbei jagte. Allererste Fahr durch Windsbach, und schon war ich wieder auf und davon. Kapelle und Haus hatten mich nochmal umkehren lassen, sie sahen so schön aus am Wegesrand. Die Kapelle, klar, aber das Haus eben auch. Ruhig und gelassen steht es gegenüber. Weltlicher. Irdischer. Heimlicher. Stand hier früher das Siechenhaus?

Bei Eintritt Erinnerung an die Bücherei meines Heimatorts, der selbe Geruch – nach Blättern in Büchern. Das letzte Mal hier gewesen vor einem Jahr im Juni oder Juli, mit beiden FrauenVogt; Schneebälle vom Helmreich im Garten, schöne Gespräche über Handschriften, Mütter und Töchter, Gott und die Welt, Italien, die Töpferlehre die sie machte bei einem Künstler. Man sieht man, dass es ihr Haus ist. Getöpfertes, Gezeichnetes, die schönen dunklen Türkistöne, alt und neu. Starke Fotografie der jungen alten Frau Vogt mit kurzem Haar, androgyne weitgereiste Schönheit, die mich an meine griechisch Freundin Angelina erinnert. Aber mit der ich bin ich zerstritten. In meinem Zimmer fliegen gezeichnete Vögel. Die echten singen in den Bäumen vor dem kleinen gekippten Fenster, durch die regenschwere Luft dringen herzzerreißende Töne.

 

16. Mai.

Morgens mit dem Motorrad den Weg aus der Garage gefunden. War gewarnt worden vor dem holzüberdeckten brunnenartigen Schacht. Nicht drauftreten. Da morsch, nicht reinfallen. Hatte ich hier nicht einmal einen Geheimgang suchen wollen? Und jetzt darf ich hier sein (aber nicht drauftreten auf das verzogene Holz!). Werde nicht nachsehen. Wenn man nicht hineinsieht, ist er mit Sicherheit darunter, der Gang.

Überraschender Morgen-Earl-Grey-Tee.

Schwabach. Archivar Dippert glaubt nicht, dass Kleist je in Schwabach war. Cafe Lesezeichen, Zitronentarte. Hautarzt. Tatsächlich spontan Termin bekommen. Schild im Wartezimmer sagte: Zu ihrer Sicherheit werden unsere Behandlungsräume nachts automatisch mit UV-C Strahlen entkeimt. Unwohler Gedanke von im Sterben liegenden Bakterien. Doktor B. war recht kurz und knapp, aber dann doch längeres Gespräch, weil er es lustig fand, dass ich mit einer verschleppten Hautsache vom letzten September als “NOtfall” aus Berlin bei ihm in Schwabach gelandet war. Wo doch grad gestern in der Tagesschau davon die Rede gewesen war, dass es in Berlin-Lichtenberg so wenig Ärzte hat. “Und wo aus Berlin Sind sie her?” fragte er. Na ja woher wohl… – Lichtenberg! Er erzählte es gleich – da war ich schon fast aus der Tür hinaus – der Sprechstundenhilfe und die seufzte mitleidig “die Arme!”, hörte ich sie flüstern. Rezept später in WIndsbach eingelöst. Es dauerte bis man es entzifferte. So berüchtigt Lichtenberg für Ärztemangel ist, so berüchtigt scheint Dr. B. für seine Sauklaue. Die Apothekerin nannte es “Kreativ-Schrift”.

Eine Katze “Lillifee” soll entlaufen sein.

19. August

Die Blicke aus dem Rathaus  sind schon länger her, der eine sowieso, er entstammt dem Familienalbum der Rühls, den anderen durfte ich tun im Juni als ich versuchte das alte Bild nachzustellen und den Blickwinkel schließlich am Fenster eines Rathauszimmers fand (die Frau, die dort arbeite, öffnete es für mich).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2. August

aufgewacht aus Träumen, mit dem Wort “Hubba Bubba” auf den Lippen, das ich aber im Schlaf für das fränkische Wort für “bin total begeistert! Augen gehen mir über!” hielt. Das richtige lag mir auf der Zunge, ich kam aber nicht drauf. Der Traum war meines Erachtens schön gewesen. Das meiste  habe ichvergessen, aber die Geburtstagsfloß-Fahrt, kam irgendwie drin vor. Die war aber nicht wie vorgestern auf dem Müggelsee gewesen, sondern die Rezat entlang (sehr langsam, da gegen den Strom, dafür allerdings war es wiederum schnell. In Zeitlupe flogen Versatzstück vorbei, passende, unpassende, das Stadtcafe auf alle Fälle, auch die venetia Eisdiele, aber da weiß ich dass sie anders aussah, Venediger. mit Gondelanlegeplatz. Als ich aussteigen wollte, klebte mein Fuß an einem Kaugummi fest, den jemand auf das Floß gespuckt hatte. Angekommen mit gutem und Freund an meiner Seite. “Hubba BUbba!” “Himba Hamba”. was auch immer.

29. Jul

Morgen wäre dann das Konzert, für das der Männergesangsverein geprobt hat. 30. Juli abends um Acht im Atriumhof der Spelterhäuse. Klingt sehr schön. Hoffentlich ist schönes Wetter. Serenade am Abend. Spelterhäuser, Was sind denn nun wieder die “Spelterhäuser”?  Das sagt die Ankündihung im Internet nicht, aber sie sagt und das finde ich ausgesproche nett: “Eintrittskarten sind erhältlich bei jedem Sänger” (so wie in der Raiffeisenbank und an der Abendkasse).

Und ich sitz wieder im Flixbus. Besuch in München bei Eltern endete mit  1stündigem Flohmarktgang  und dreiviertelstündiger Autosuche auf dem Riemer Flohmarkt-Parkplatz. Sah bereits Auto inclusive Gepäck gestohlen und für immer verloren. Flixbus gerade noch erwischt. Angenehme Fahrt Richtung Berlin. Der HImmel nach so viel Regen endlich blau mit WOlken, wie ich sie noch nie gesehen habe, Die in der Ferne sind weich und zart, zerfließe in der Unschärfe, andere – sehr nah – sehen aus wie und glatt gelutsche Eisbonbons, scharf und surreal. Paintbrush-Art mit seltsamer Farbgebung, Der ganze Himmel wirkt hell und licht, aber die nahen (wahrscheinlich computer-generierten) Wolken sind mal bleiern, mal blaustichig. Benutzt der HImmel neue Computerprogramme? EIn neues Photoshop-Upgrade? – Ich weiß, ich das war nicht das was er sagte, aber seit Gespräch damals mit Schlicker, glaube ich mehr denn je dass Gott uns in milliarden-millionenfache Varianten eines Computerspiels herumlaufen läßt, je nach EInstellungen mit mehr oder weniger hohen Freiheitsgraden. (Jedenfalls, wenn man vom evangelisch-deterministischen Weltbild ausgeht. Vielleicht hätteich auch nochmal mit dem katholischen Pfarrer sprechen sollen. Sah ihn bei der Gesangsvereinprobe, aber da war ja kaum Zeit). Man rennt in eigener Mission und wird dennoch bespielt, animiert, beseelt, wie man will, zuweilen erleuchtet, zuweilen friert das Programm ein, stürzt ab, wird reloaded. Manchmal hat man diese Deja Vu-Momente – vielleicht weil man den Run bereits einmal hinter sich hatte, in einer anderen Version, oder einem anderen Durchlauf. in einer anderen Paralellwelt. Die Summe aller Parallelwelten… das wäre dann vielleicht dieser Gott?  Im Übrigen meine ich das nicht nicht negativ. Es ist eigentlich (vor allem wenn man auf der Sache mit dem Freiheitsgrad besteht) eine ganz schöne Vorstellung. Der Garten Eden… das wäre vielleicht dann die Demo-Version gewesen. da passiert nicht wirklich etwas.  – Noch drei 1/2 Stunden bis Berlin…

Borstig-Struppige Hafer-Felder, zerwühlt vom Wetter oder dem gigantischen Hintern eines Riesen un dseiner Geliebten.  Zu spät geerntet. Vorbeigeflogen. Jetzt sind auch hekömmliche Schafe unter den Wolken.

Immer wenn ich von Windsbach wegfahrem ist es als bekäme ich einen Faden in die Hand gesponnen – einen roten kann ich ihn nicht nennen – der zu dem Jungen von damals führt. Und immer ist es am letzten Tag. dann sitzt man wieder im Bus nach Berlin und denkt wieder Ringelnatzgedichte “…Vorbei, verjährt, doch nimmer vergessen / ich reise / alles was lange währt ist leise…”

Nur noch 2 STunden bis B.  Der Freund holt einen ab, wenn man das will. Natürlich will man abgeholt werden. Man will auch morgen auf ein Floß mit ihm. man will aber auch niemand warten lassen am ZOB.  Mal sehen. Ankommen. Weitersehen. Und hoffentlich irgendwann wieder zurück nach Windsbach.

25. Juli

Gestern noch später am Abend dem Gefühl, alles zu verpassen, ein letztes Post scriptum entgegengesetzt:

Dorschner offen – Essen gut – Bierdeckel rund! Und zu aller guter letzt den damals verpassten Besuch der Männergesangsvereins-Probe noch nachgeholt.

Das grau-rosa E-Werk zwischen alten Scheunen, unterhalb des Halters und irgendwo vis a vis der Frau Farina ist so groß, dass ich mir immer gedacht hab, da hätte auch eine Bühne darin Platz, das Haus wär auch Aufführungsort. Besser noch, es ist ein ebenerdiger Saal – mit Biertresen! Irritierte Blicke. Schon gerät man geniert in Erklärungsnot: eingeladen hätt man uns, ob’s denn okay sei, wenn man zuhörte… die genierte Frage schreit nach Machogehabe „ja, wenn ihr uns bedient, biermäßig….!“ Na ja, ist halt ein Männerverein Wir waren ein paar Minuten zu spät, aber von den Männern waren es auch einige. Schon toll, da strömen die unterschiedlichsten Typen, alt, jung, in den besten Jahren, sitzen im Halbkreis auf Stühlen, links daneben der Tresen, singen sich ein, vorne laufen die Fäden zusammen beim Max, der plötzlich eine erwachsene Brille aufhat und viel älter wirkt und die Leut zusammenstaucht mit hinreißender Grazie, mitreißt, stöhnt, wenn die „Freuuude“ durchhängt und nicht strahlt wie die „Froo-ii-de“ nunmal strahlen muss. Schöner Götter Funken – und Halb-Götter in Jeans – und der katholische Pfarrer ist auch da, und der Fußball-Trainer, und der Mann der damals bei der Stadtfest-Rathaus-Besprechung „Fruchtsaft ist Fruchtsaft“ entschied. Die stehen vor uns und singen eben genauso wie ein Männergesangsverein singt. Flotte Sprüche zwischendurch, Maßregelungen. Zarte Stimmgewalt. Und daneben zapft seelenruhig eine schöne Dame in rot-flatterndem Gewand und kerzengrader Haltung Bier, das sie schon mal rüberreicht, griffbereit. Zuständig, anständig. Toll! Heute fließt alles. Der Honig in Strömen bei Rühls, die Tränen auf dem Friedhof, das goldene Bier in die Männerkehlen, die Töne wieder daraus. Verpassen werde ich den Auftritt demnächst. Sehr schade. Aber es ist halt wie’s is. Wenn man ständig as Gefühl, was zu verpassen, heißt es doch, dass das nicht stimmt mit dem „begrabenen Hund“ und dem „hinten-dran“. Schöner Abend, schöne Musik. Männerstimmen jenseits der Zeit. Nina findet, die könnten ruhig auch mal zwischendurch was Modernes singen oder was von Elvis oder so und nicht nuuuuuur über die Natur, also das alte Kulturgut. Ja, könnte witzig sein. Aber irgendwie ist es auch schön so wie es ist. Es könnt vor Hundert Jahren ähnlich geklungen haben.

24. 7. abends

Bei dem „fremden Land“ , in dem die Lehrerin zum Schimpfen ausgebildet worden war, soll es sich um die DDR gehandelt haben.

Der Garten der Frau Süss, hat keinen Kirschbaum. Nur Gebüsch. Ein poetischer Irrtum. Ich finde, jemand der Süss heißt, sollte einen Kirschbaum im Garten haben.

„In Windsbach is der Hund begraben“, agte der frühere Dirigent des Knabenchors, Karl-Friedrich Beringer einmal in einem Fernseh-Interview in den 80er Jahren.

„In Windsbach ist der Wurm drin“, sagt der Bommel.

Vielleicht ist ja der Wurm in dem Hund drin, der in Windsbach begraben ist.

Wo mag er begraben sein? (und gibt es nur einen? Einen einzigen Hund? Den Hund…)

Und seltsamerweise kommt man dauernd ins Gespräch auf dem Friedhof. Vielleicht weil man dünnhäutiger ist, vielleicht, weil es ruhiger ist um einen herum. Die Frau mit den weißen Locken hatte einen Strauß mit gelben Blumen in der Hand, darin ein Zweig lila Schmetterlingsflieder. Sie wolle nicht stören, aber ob ich von Windsbach sei oder neu hier. Die Frage rutschte ihr so raus, als sie an meiner Bank vorbeiging und traf mich in meinem Augenblick in dem ich eigentlich mit etwas wundgescheuerter Seele rumsaß: Mein letzter Tag in der Stadt, zu der ich nicht wirklich gehöre, in die man eben mal eintauchen durfte, wie für ein paar Bahnen ins Waldstrandbad, Um mich all das pralle Leben, die schwirrenden Bienen, das goldgelbe Lebenselixier. Wurzeln schlagen aber darf halt nicht sein. Augen zu und weg.

Hab nicht stören gewollt. Und wollt nicht gestört werden. Und da steht die Frau mit dem Blumenstrauß und ich bin so dermaßen froh, dass mich jemand aus meinem Selbstmitleid holt, dass ich mich sagen hör: „Wollen Sie sich denn setzen?“

Das habe sie eigentlich nicht vorgehabt, sagt die Frau, aber setzt sich dann doch. Ich schlag das Heft, in das ich immer kritzel, zu. Es stellt sich heraus, so was ist ihr vertraut: Notizen macht sie sich selbst auch dauernd. Wann sie Migräne hat, wie viel Tabletten sie jeweils nimmt… auch anderes. Vielleicht schreibt sie gegen das Vergessen an?

Einer hat mal zu ihr gesagt „So a Gschmarre! Wer soll denn des lesen?“

Sie sagte: „Des is doch mir wurscht, ich schreib trotzdem!“ Großartige Antwort. Könnte das Motto dieses Blogs sein. Und deshalb weiß man auch nicht wo anfangen und wo aufhören zu notieren. Zum Beispiel, dass sie, die Frau Farina, grad mehrere Packen Ripple weitergereicht bekommen hatte von ihrem Nachbarn, dem Ernst (ob ich den kenn – so einen Bart hätt der… – und so absurd die Frage auch eigentlich ist, ich frag mich tatsächlich, ob ich diesen Ernst eventuell mal beim Stadtfest kennen gelernt haben mag? Ein rotgebräunter Mann, ja durchaus mit „so einem Bart“, ich erinnere mich daran, dass er von Tieren erzählt hatte, die er hielt und an einen guten Handschlag zum Abschied) Ja, durchaus Rippchen-Typ.

Die Rippla waren vom Halter, sagt sie.

Dass der jetzt Urlaub hat, sag ich.

Das erschüttert sie jetzt. Sie kauft ihre Wurst immer beim Halter, der ist ja gleich bei ihr um die Eck. Sie scheint regelrecht betrübt. Es schwingt die Angst mit, dass er vielleicht doch ganz zumacht – weil so viel zugemacht hat in der letzten Zeit! Ich frag sie, welchen Laden sie am meisten vermisst. Es ist der Schlecker. Der war wohl mal da, wo der NKD jetzt ist. Da hätte es alles gegeben, was sie braucht. (außer der Wurst, nehm ich mal an). Immerhin ist der verlorene Schlecker kein Windsbach-spezifisches Problem. Ich hatte auch mal einen bei mir gegenüber. Den vermisse ich auch.

Und der Halter… – wie lang der denn nun Urlaub mache, fragt sie. Das hatte ich mir aber nicht gemerkt, nur gelesen, dass er ab heut Urlaub macht. Ich frage mich, ob jener Ernst die Rippchen weggegeben hätte, wenn er gewußt hätte, dass der Halter jetzt Urlaub hat.

Eventuell mache er auch gar keinen Urlaub, mutmaßt die Frau, sondern renoviere nur, baue um. Und im Herbst mache er wieder auf.

„Erst im Herbst???“ – Und ich dachte, im Herbst mache er ganz zu. Aber das sag ich nicht. Was weiß denn ich?! Trotzdem sagt sie jetzt ganz leise, als hätte sie mich denken gehört, „Wenn der zu hat…! Dann wird’s schlimm!“

Allerdings kommt jetzt heraus, dass das Problem eines zuen Halter nicht nur Versorungstechnischer Natur sind, sondern auch damit zu tun hat, dass dann „die Leut, die da immer sitzen“, ihr Bier unten beim E-werk trinken, da wo der Gesangsverein ist. Das ist auch da, wo sie wohnt und das ist dann schon manchmal auch laut. Verstehe. Freue mich aber, dass die durchaus positiv spricht von den Leuten. Das seien alles ganz nette Männer. Nur halt manchmal laut. Sie ruft aber dann (in aller Freundschaft rüber „jetzt gebts halt a mal a Ruh!“.

Wir schweigen ein paar Momente lang. Eine Amsel fliegt über die Grabsteine hinweg, auf einem steht „Einfalt“, landet auf einem recht neuen Grab, das noch ein Holzkreuz hat. We—er, Georg steht drauf. Die Buchstaben zwischen „e“ und „e“ verdecken die Blumen, die so üppig darauf sind neben den zartgrünen Tujen, dass es die reinste Freude wär, wärs nicht ein trauriger Grund. Ruh ist.

Ob ich für eine Zeitung schreib, will die Frau jetzt wissen. „Nein…. Naja, manchmal schon, aber grad nicht.“ Eigentlich mach ich das Selbe wie sie. Notieren. Aber immer noch kann ich nicht anders und sag „Ich war doch jetzt einen Monat lang Stadtschreiberin in Windsbach. Ich schreib eine Art öffentliches Tagebuch, über das was ich so seh in Windsbach…“

„Ach Gott…!“ seufzt sie. „Windsbach… – Windsbach is hinten dru!“

Aha, wieder eine neue Beschreibung, die wohl besagen soll, dass hier nix los ist.

Dabei hier ist doch viel los. Alle zwei Wochen wird hier irgendwas gefeiert. Und seit das Waldstrandbad wieder offen hat sogar jeden Tag! Am hat der Männergesangsverein einen Auftritt , man kommt mit Leuten ins Gespräch auf Friedhöfen über Rippchenaustausch, den Urlaub des Halter – so was gibt’s in Berlin nicht. Und zuweilen singt der Knabenchor.

Da leuchten ihre Augen. Es kommt raus, dass sie früher im Internat die Knaben betreut hat. Sie hatte sich beworben, man hatte ihr geraten, das wär was für sie – auch wenn ihre damalige Vorgesetzte, die Rammensee, möglicherweise „a rechte Bissgurn“ sein würde. Sie war dann im Internat immer wieder angestellt zu verschiedenen Zeiten, in verschiedenen Funktionen: Essen ausgegeben zum Beispiel. – Muss an den Tag der offenen Tür im Internat denken. Nudeln und Lachs gegessen. Der Duft von gemischtem Essen, der in der Luft lag – immer liegt die Summe aller Gerichte als Dunst in der Luft der Speisesälen der Schulen und hält sich bis hinaus in die Gänge. Das Lärmen, das Besteck-Klappern. An M. gedacht, der hier früher zur Schule ging. Was gabs damals zu essen? Gabs Tränen, weils nicht so schmeckt wie zuhause? Gabs viele Bissgurken? – ich möchte die Frau tausend Dinge fragen. Vielleicht kennt sie den M. ja. Das heißt: vielleicht kannte sie ihn.

Sie erzählt, dass sie neulich erst einen hübschen Jungen mit braunen Locken gefragt hätte „Bist Du a Chorle?“ Genickt habe er. Ein Chorknabe. Sie habe ein Auge dafür.

Braune Locken… – hatte der M. damals auch. Die Frau Farina sagt, als ich den Namen nenn „Jaaaa…“ – … den habe sie gekannt! Un das hier auf dem Friedhof! Herzklopfen. „Echt?“ Aber erzählen tut sie dann anderes. Zum Beispiel, dass 1912 die alte Dina die Jungs vor dem Feuer gerettet hätte. (ich weiß nicht genau, ob der Name der Hausmutter nun „Dina“, wie „Diana“ oder ob die Dame Tina hieß und mit fränkisch-weichem „D“ ausgesprochen wird). Sie erzählt von Kerzenstümpfen („Gab ja noch keine Elektrizität!“), die in die Suppe fielen und sofort schmolzen. Das hat man aber essen können. Und eben vom Feuer. Da habe die Dina ein Rauschen gehört in der Nacht, als sie ins Bett gehen hat wollen, dacht, es wär Wasser – es wurden gerade Wasserleitungen neu gemacht. Es raschelte, rauschte und knackte. Als sie die Tür öffnete, stand schon alles in Flammen, sie rannte zu den Knaben und weckte sie.

Viel hat sie erzählt. Vom Krieg, von der SS, die das Brückla sprengen wollte, aber ihr Vater und ein paar andere hätten es verhindert, indem sie die SS-Leute besoffen gemacht haben, bis die keine Lust mehr hatten das Brückla zu sprengen. Vom ukrainischen Kriegsgefangenen Ivan, der mit 16 Jahren nach Windsbach kam und dem Vater zugeteilt worden war („Sreinbauer, den nimmst Du!“), der gut aufgenommen worden war, vom Steinbauer, ihrem Vater, der sie in der Gefahr auf dem Rücken getragen hat, – und später einmal, längst erwachsen, mit seiner Familie zu Besuch kam. Nur so, auf einmal da, um der Familie Windsbach zu zeigen. Wo er im Krieg gewesen war. Mit sechzehn!   Der Ivan war ihr wichtig, das merkt man.

Ich hätte sie gerne nach Fotos gefragt, aber es war keine Zeit mehr.

Warum ist keine Zeit mehr?

Warum geht alles zu Ende?

Gehe beseelt und guter Dinge in Richtung Rühl. Und essen (letzter Versuch!) zum Dorschner.

24. Juli

Sitze vor Helmreich auf den Stufen. Es ist Ruhetag, aber es hat Internet. Die Auslage ist diesmal gänzlich leer. Wo sind die Pralinenschaukästchen hin? Liegt es am Ruhetag? Werden sie morgen gefüllt?Im Haus links daneben sitzen auch zwei (mutmaßliche) Nicht-WIndsbacher mit Handies und nutzen das Ansbacher-Freifunk-Netz. wenn die Glocke des einen Turms schlägt, hört man die des unteren wie ein Echo. die Stadtschreiberin braucht ein Büro! Lieber Bürgermeister…! –

Wobei die Stufen schon auch nicht schlecht sind. eben setzte sich kleines Kind in roter STeppveste daneben, das eigentlich in seinen Buggy gehört hätte, aber an der Hand des Vaters dahinstapfte – um sich dann im Handumdrehen neben mir auf die Stufe fallen zu lassen, um Platz zu greifen. es ist ein begehrtes Büro!

Raiffaisenauslage

Die Tage sind voller denn je. Dr heutige ist gefüllt mit tausen und abertausend Bienen. Bienen hinter der Garage der Rühls, Bienen in Plattenbauten, vier von acht Völkern, Rahmen an Rahmen… Was für ein Lebenskonzept!    den  Vormittag verbracht damit, den Rühlschen Bienen Honig zu stehlen  – unter Aufsicht von Ninas Eltern: Der Bienenflüsterer, dessen Seelenruhe jegliche Imkerschutzkleidung ad absurdum führt. Die grande dame, selbst Königinnengleich, neben der ich die Wachsschichten im Akkord abzukratzen versuchte (viel zu langsam, nie so flink wie sie!). daneben rann der Honig in Strömen aus der Schleuder. Er tropft von den HÄnden, er sitzt in der Nase und er klebt in der Aufhangschale, auf der die Waben gesteckt sind, vermengt mit den Wachsschuppen (sehr sinnlichs Handwerk) – Darin auch – süßer Tod! –  einige der mitgefangener Bienen, die man nicht in die Freiheit entlassen darf, weil sie Alarm schlagen würden, den Kolleginnen melden würde, was da vor sich geht hinter den Büros des Textilkaufhauses Rühl. Würden dann alle anderen kommen? empört und voll Wut? – Lerne hier DInge, von denen ich keine Ahnung habe. War jetzt doch froh, den Vortrag beim Imkerfest damals gehört zu haben. steht man wenigstens nicht ganz dumm da.

23. Juli

Die Tage sind voller denn je, weiß gar nicht wo anfangen. Um nicht zu vergessen, werde ich wieder in den Notate-Modus verfallen. Mag es Sinn ergeben oder auch nicht.

Der Laden des Hofmockel steht leer. Schichten von Packpapier verhüllen hauchdünn das Schaufenster.

Max Rüb bestand seine Lehrprüfung mit 96 von 100 Punkten.

“Im Garten einer Frau Süß wächst ein Kirschenbaum….” (vergessen, was mit dem selbigen war)

“Der kleine und der große Ibi wohnen hinter dem Haus der Hexe.” (nur gehört, ich weiß nicht ob es stimmt)

Da solls eine Lehrerin geben, “die hat einen Pickel in der Mitte der Stirn – wie eine Chinesin! Sie wurde in einem fremden Land – man wusste nicht zu sagen, welchem – darin unterrichtet, Kinder zu schimpfen”.

(auch hier weiß ich es nur vom Hörensagen. aber ich glaube, dass es wird Zeit dass es Ferien gibt.)

Vor den Garagentoren des Sargbauers verrät der geöffnete Kombi, dass ein Sarg benötigt wird.

In der Gottesruhkapelle war eine Hochzeit, Tauben flogen, in der Predigt war viel die Rede von “was tun, damit es nicht schief geht” und ein Fotograf blitzte oft. (aber ich bin nur neidisch, weil mein eigener Fotoaparat prompt ohne Akku war).  zauberhaftes weißes Kleid, schönes Paar.  – Nina Rühl sang von der Empore  aus vollem Hals und Herzen und und bekam drei mal Applaus – in der Kirche!   Sehr sehr schöner Tag.

22. Juli

Bad am Abend sehr schön. Alte Fotos an den hölzernen Umkleiden. Kann man gucken ob man sich selbst darauf findet als Kind – wenn man als Kind hier badete. lange Bahn hin und zurück. 18 Uhr ist Schluß mit Baden. Den Kindern wird es erklärt, das gleich “echte Musik” gespielt wird im Biergartenbereich. Ratlose Blicke, was das eine mit dem anderen zu tun habe. weil die Band – es sind die Querblexer – live spielt. Und wenn man live spielt braucht man das tobene Leben um sich herum und nicht im (ungekachelten) Wasser! Es dauerte aber dann doch ein bißchen und als “Vorgruppe” zu den Querblexern tönten dann doch erstmal Konserven-Schager aus den Lautsprechern. Berechtigte Irritation von Jonas (Sohn Nummer zwei der Nina) und dann schließlich nach längerem Grübeln die Frage: “Tritt gerade Helene Fischer im Waldstrandbad auf?”

Sollte sie vielleicht. Und sie solte es auch tun wie bei der gestrigen Eröffnung der Knabenchor. in voller Montur ins Wasser hüpfen. (viel besserer Programmpunkt als der Gedanke mit dem Wasserballet). Mut zum Baden gehen.

21. Juli Nachmittags

Endlich das Bad! Schön geworden. Hatte  mir das Wasser immer dunkel vorgestellt, aber es wirkt hell. graugrün? dunkelblau-braun. Weich ist es. – Meinem Freund in Berlin versucht, die Vorzüge des Waldstrandbades zu erläutern am Telefon, was nicht gelang. Für 5 Millionen hätte man es doch wohl auch noch kacheln können, mente er. – Es ist mir nicht gelungen ihm zu verstehen zu geben, dass gerade das das Tolle ist.

21. Juli später in der Früh.

Es fehlt diesmal eine Mission. Ich bin ja jetzt hier zu Besuch und nicht um zu schreiben. Bekam aber folgende: Den Rühl-Sohn von der Volksschule abholen, Jakob, 2. Klasse. Schulschluß 11:15.  Die Zeit, um vormittags noch schnell das neue Waldstrandbad zu sehen, war zu knapp. Will die Mission nicht gefährden. Deshalb zunächst im Stadtcafe Tee getrunken und geschrieben. Der “alte” Earl Grey Tee ginge zur Neige, sagte man, man hätte jetzt einen neuen Sortiment, aber ich bekam dann doch den altbewährten Tee. SOnne brennt und blendet. ich weiß gar nicht wo diese Schule sein soll. kenne ja nur Internat und Bach Gymnasium. Am Ende folgt man wieder Google Maps, wie damals auf der Suche nach der Bücherei und steht vor einem Kindergarten. Schule dann aber viel zu schnell gefunden. Die Allee hinauf und hinab gegangen. Aus der Stadthalle strömen singende Jungs. wahrscheinlich die Knaben. einer summt, einer singt etwas knödelig, andere zücken die Handies, machen Brotzeit, einer glotzt mich an, weil ich auf der Bank sitzt wie bestellt und nicht abgeholt. oder wie Groopie. irgendwann kommt ein Bus und weg sind sie. noch eine halbe Stunde bis Schulschluß. In den Schaukästen auf dem Platz vor der Stadthalle hängen Stadtinformationen. die Bestenliste des Skatvereins. Die freiwillige Feuerwehr sucht Leute. Beeindruckendes Plakat, das drei Feuerwehrleute zeigt die einem unheilvollen Sturm (mit fiesem wolkig-gebaLltem Gesicht) entgegenstarren,  man sieht sie von hinten, der Mittlere stützt beide Arme in die Hüften wirkt etwas entrüstet angesichts dessen, was da bevorsteht, der Rechte sieht aus, als wäre ihm schon etwas mulmig und der Linke weist unnötigerweise und ein bißchen zu demonstrativ daraufhin aus welcher Richtung die Gefahr kommt: Obacht, da ist der Sturm. Die Botschaft lautet: Wenn die Gefahr kommt, sind wir bereit. Komm hilf mit.

Es kommt keine Gefahr. Aber wann kommt der Sohn? Ich war doch bereit?

Ihn in letzter Minute noch gesehen, wie er zur hintertür hinaus lief und vergessen hatte, dass ihn doch der Besuch hatte abholen sollen. Später Venetia-Eisdiele – und durch mehrere Wirtschaften gegangen, da als Hausaufgabe ein Auto aus Karton zu bauen ist und für die Räder Bierdeckel von Nöten sind. Beim Helios gabs nur eckige, in der Venetia-Eisdiele zwar runde, aber abzugeben bereit war man nur eines. Im Stadtcafe gab es genug, leider entpuppten sie sich später als oval. – Warum brauche immer eine Mission?

Angekommen. Den letzten Zug hätte ich nicht mehr erwischt, denn der Bus war natürlich spät. Froh gewesen, nun doch abgeholt zu werden. die Fahrt über Umwegen, damit das Kind auf dem Rücksitz in Schlaf fällt. Es fiel. während immer noch dämmrige Lichtstreifen den Nachhimmel durchwirkten. Einhgefahren über Reuth. Wiedre da. Jedesmal egal von weöcher Richtung man kommt, sind da Banner gespannt, die für ortsansässige Banken werben. Irritation darüber, ob Sparkasse , ob Raiffeisenbank. wechseln die sich dauern ab? sind die verschiedenen Wege jeweils in Händen der einen oder anderen? Gibt es ein rotierendes System, oder gar  einen Kleinkrieg bei dem vielleicht die Mitarbeiter der Sparkasse heimlich die Fahne der Raiffeisenbank (und umgekehrt) stehlen und dann ihre eigene hissen? – Nur Mutmaßungen!!! keine Realität. Aber ich hätte im Mai damals schon (in dem Monat in dem Ähnliches mit dem Schmuck der Maibäume zu passieren pflegt) schwören können an einem Tag unter dem Sparkassenrot hinurch gefahren zu sein, am anderen unter dem Raiffeisen-Blau-Orange. – Unwichtig. Wichtig ist, ich bin da. Wohne bei NIna Rühl und habe es nicht verhindern können, dass deren Jungs mir ihr Hochbett geräumt haben. scheint aber willkommene Gelegenheit zu sein, dass die ganze Familie Bettenlager in Ninas Schlafzimmer hält. Das BIld begleitete mich in den Traum und vermischte sich mit der Schaufenster-Werbung des Rühlschen Ladens. Das Wie-Neu-Gefühl. Besser als das coole Neu-Gefühl-Model gefällt mir aber das Bild von Nina selbst mit dem Kissen in der Hand. Noch-Neuer-Gefühl. Gold-Marie… Maria-Nina. Gestern noch lange gesessen und obwohl in der Dunkelheit nach dem nächstbesten nicht ganz trockenen Holzscheit gegriffen, trotzdem ein Feuer anbekommen fast ohne Papier. Es ist beinahe wie ein Anknüpfen gewesen an den letzten Abend hier. Heute früh auf der Sitzbank gesessen zum Familienfrühstück mit Brötchen aus dem Stadtcafe, Honig von den Bienen des Vaters. Das Wohnzimmner war früher der Nähraum.

ruehlladendamals

wieneugefuehl

20. Juli. Sitze im Flixbus und fahre durch den Regen in Richtung Nürnberg. Schreiben wollen, aber man braucht dazu nicht nur die Finger auf den Tasten, sondern auch Ellenbogenfreiheit. Aber natürlich sitzt man wieder beengt. Anderer Aufbruch als das letztemal. Beziehung mit Freund fühlt sich jetzt so glücklich an, dass es nicht nötig schien, dies zu erwähnen. Es geht voran. müsste auf Hof zugehen. Und prompt geht es doch nicht voran. HIneinrollen in den Stau. LKW-Kolonne voraus regt sich nicht. Im Stehen kann man das Radio plötzlich hörn – Forever young – I want to be forever young… und die Sirenen der Rettungsautos oder Polizei… – Es war schon von vielen Unfällen die Rede. um einen Staz ui vermeiden fuhr der Bus von der Strecke an und bereits in der Kurve stand ein weiteres Auto –  eingedellter Kühler, aus dem ein Poller rauszuwachsen schien. Frustriertes Päärchen saß dennoch darinn und wartete auf die Polizei. morgen übermorgen und den Tag drauf soll das Waldbad immer noch eingeweihz werden. Frage mich, was man da vier Tage lang feiert! Stelle mir Wasserballett vor wie aus 50er Jahre-Hollywoodfilmen, dann Dankesregen, weiteres Wasserballett. Hats geregtnet? Macht es was, wenns im Schwimmbad regnet? Werden die Reden in Badehosen gehalten?

Ich hätte gestern schon fahren sollen, Wird heute nicht offiziell das Waldbad eingeweiht? Wäre gerne dabei gewesen, aber hatte den Geburtstag des Freundes ausklingen lassen wollen, der Tagsüber stattfand (auf Dampfer über Spree und Müggelsee mit Eltern des Freundes und Oma ebenfalls des Freundes – ich hab keine Omas mehr. So jetzt hat der Bus sogar den Motor abgestellt. “Da vorne ist Unfall. Musst Du warten. weiß nicht wie lange, weißt Du!”, sagt er per Mikro. Pole ist er und geht jetzt erstmal raus, eine rauchen. Jetzt wollen natürlich alle raus und rauchen, klar. und das Radioprpgramm wird immer schlechter.

jetzt darf man doch raus. immer drei Personen auf einmal. es war nur die Rede von Rauchern. ungerechte Maßnahme.

19. Juli. Sechs Stunden auf dem Wasser und kein Entkommen. Spree. Müggelsee.

18. Juli.  Das Fesselballon-Fahren ist mir zu ungewiss. Mein Motorrad ist wohl noch unpässlich… aber ich habe gestern abend einen Flixbus gebucht nach Nürnberg (also einen Platz darin…). Windsbach wieder aus der Nähe sehen!!!

15. Juli. Heute seit langem erstmals wieder vom Fliegen geträumt. nicht der bevorzugten Flugart (starke aber dennoch unangestrengt leichte Bewegung der Arme, die einen die Luft zerteilen läßt,  man schießt durch Wolken empor, kann sich fallen lassen, rudert weider ein wenig und wird wieder in die Höhe katapultiert). diesmal flog ich in einem Korb, der anfangs an einem Fesselballon hing – wenn ich nach oben sah, sah ich den Himmel nicht, sondern nur das Tiefblau des Ballons, der verknotet war wie ein Geburtstagsluftballon. es waren noch andere Leute im Korb, die sich einsangen, oder Stimmübungen machten. es störte ein wenig, denn sie sangen nicht alle wirklich schön. Ich wollte runter. Jemand knotete den Ballon auf, was extrem umständlich war. die Sänger waren jetzt eingestimmt und beschwerten sich, weil die entweichende Luft die Musik stören würde. da wurde es still, alle klatschten. die Ruhe kam aber daher, dass man den Ballon ausgelassen hatte, er flog davon und war jetzt rosa. wir stürzten nicht direkt in die Tife, es war eher ein freier Fall in Zeitlupe, sehr sanft und nicht unmusikalisch. ein dahinsegeln. die MÄnner sangen mit Kinderstimmen. sofort nach dem Aufwachen gewußt, dass das die Windsbacher Knaben gewesen sein mussten. (Im Traum allerdings dachte ich die ganze Zeit: Idioten, singt endlich oder laßt es ganz!).  Aufgekommen auf den Steinstufen im garten der Us… jetzt auch gewusst, warum die da sind und warum sie ins nichts führen. wie könnte man sonst dort landen?

Was mag das Projekt “WIndsbacher Mauersegler”  machen?

Morgens beim Frühstück fiel mir plötzlich der Lechner ein, der mir mal von dem berühmten Windsbacher Puppentheater erzählt hatte. – gar nicht mehr rausgekommen war er aus dem Schwärmen. Namentlich eine Inszeneirung von Mozarts “Zauberflöte” soll unglaublich schön gewesen sein, so poetisch, dass keine echte Opernaufführung jemals hätte mithalten können. Die drei Knaben, die da (hab nie ganz verstanden, was genau deren Funktion ist im Stück!) manchmal mit Fessel-Ballon durch die Handlung schweben und das Ganze von oben kommentierend wie ein griechischer Chor in der antiken Trgödie, ihren moralischen Senf dazu geben, waren in der Puppentheater-version vom Knabenchor gesungen, von einzelnen Stimmen. Wann mag das gewesen sein? Damals, als M. noch im Chor sang?

13. Juli

Heute an Herrn W. gedacht – den Herrn mit dem Rolator, der einen Sommerhut hatte kaufen wollen aber dann zu langsam war und die Öffnungszeit des NKD verpasst hatte und den mich dann zu den “Batscherten” im Seniorenheim Phönix eingeladen hatte.

Heute in Berlin eine Begegnung gehabt – ganz anders, längst nicht so persönlich, aber doch sehr berührend. auf der Boxhagener Straße in der Höhe “meines” Kopierladens sprach mich ein alter Mann an, der die Hausnummer 79 suchte. er schien ganz gut zu Fuß zu sein, sah eher wie 60 aus, war aber schon 80… – und wollte seine Eltern besuchen. es gab aber keine Nummer 79. 76-79 sind Bürolofts, ein Lidl, ein ehemaliger Schlecker, der leer steht, ein Imbiss, ein (natürlich!) veganes Cafe… er war fassungslos, dass das Haus nicht mehr da war. Er wüsste nun langsam nun gar nichts mehr…  Das unglaubliche an der Sache schien ihm immer zu sein, dass es ja zwei Boxhagener Straßen gäbe: eine im Osten und eine im Westen. “Ganz sicher???” fragte ich obwohl ich weiß, dass es nur eine gibt: ehemals Ost-Berlin jetzt – na ja, halt Bundeshauptstadt-Berlin.

“Also Westen?” Ob er jetzt in der Boxhagener Straße im Westen sei?

“Na ja, wie man es nimmt.”

Er sei ja aus dem Osten. Aus der Boxhagener Straße, Ecke Lenbach Straße. “Nähe großer Bahnhof… Na….” er käme gerade nicht auf den Namen, aber das bedeute nichts, seinen eigenen wüsste er im Moment auch nicht.

“Ostkreuz?” – der Name des Bahnhofs.

“Ja, genau…” Sein Blick hellte sich auf. Das sei die Boxhagener Straße, die er meine.

Dann sei er in der richtigen Straße, der richtigen Boxhagener Straße. auch in der richtigen Höhe. Dummerweise gäbe es halt sien Haus nicht mehr. – Das bezweifelte er. Er vermutete doch im West-Teil der Stadt gelandet zu sein. ich zeigte auf das kleine Cafe. Ob er das Haus wiedererkenne? Früher war es mal ein Schuster gewesen. ein winziger Laden, vielleicht ehemals nur eine Art Pförtnerkabine eines Betriebes. Noch nicht so lange her, dass da das alte ostige Schuh-Reparatur-Schild hing. mit der handgemalten Schustersilhuette. Wir setzten uns kurz auf die großzügigen Euro-Paletten-Design-Sessel.

Aber auch an den alten Laden hatte er keine Erinnerung. Da bliebe  ihm wohl nichts anderes übrig, als noch nach drüben zu gehen, die andere Boxhagener Straße suchen. Aber das ginge eigentlich über seine Kräfte. – nicht weinerlich klang er, nicht gejammert hat er. nur verwundert: darüber, dass es zwei Straßen gibt und darüber, dass er so verloren gehen konnte in der Stadt. “Es ist ja aber auch verwirrend….” wollte ich ihn trösten. “ja!”, stimmt er zu: Und unpraktisch angelegt! In der Boxhagener Straße des Westens gäbe es ja auch eine angrenzende Lenbachstraße, beinahe in gleicher Höhe, in gleichem Winkel! Das sei ja der Wahnsinn.

Der Wahnsinn, der vielleicht gar nicht so weit weg ist von der Wahrheit. Der Wahnsinn, der sich überlagernden Zeiten. Man kann im Raum herumirren, Stadtpläne falsch herum halten, in falsche Richtungen gehen, man kann aber auch in der Zeit verloren gehen. temporale Odysseen. Auf der Suche nach Punktereignissen. Vielleicht ist es deshalb meine Obsession geworden, neue Häuser zu alten zu animieren.

Der Mann hatte ein Post-it in der Tasche mit seiner Adresse und einer Telefonnummer. “betreute Senioren-WG”, Mein Anruf wurde mit Seufzem hingenommen und man sagte, dass ich Herrn A. (“unser Ausreißer”), ein Taxi rufen solle, das bezahle man dort. Als er davon fuhr, musste ich an Herrn W. denken. In keinen Städten gibt es weniger Straßen, es ist überschaubarer. Man kann mal auf einen Sprung mitgehen ins “Phönix”. In Berlin sitzt man in einem veganen ehemaligen Schusterreiladen und fühlt sich plötzlich selbst so verloren.

Als er ins Taxi stieg, hörte ich mich plötzlich “Ade” sagen. In Franken sagt man das schon mal so. wenn man es in Berlin sagt, klingt es entrückt, wie aus ferner Zeit.

10. Juli

Und hier ist sie nun, die ehemalige Schmiede… Die Fotos sind dann ab demnächst auf dem Weg zurück nach W.  – und ich vielleicht auch demnächst… einstweilen warte ich aber noch auf mein Motorrad, das noch im Urlaub ist unterwegs mit dem ADAC…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

                

5. Juli

Mit der Tochter meine Windsbach-Fotos durchgesehen. Staunen über Aussicht vom Turm, über “kein Buchladen?”. An diesem Foto blieb sie hängen: ob ich wüsse was es heißt. “Hi” kannte ich. “Wie geht’s Dir?” nicht. “Hab Dich lieb!” schon. wo der Botschaftsstein genau sitzt, hatte ich bereits vergessen. Irgendwo im Umkreis der Brücke, glaube ich. Hat die Liebe angehalten? Wie geht es jetzt?

P13401704. Juli

Heute kam Post aus W. ein Brief mit Fotofunden! Schöne Überraschung. zwei alte Fotos der Schmiede, eins mit Kindern davor und älterem Mann, eins ganz ohne Menschen. Nur das Haus. Schönes Gebäude. Meist sind auf den alten Fotos immer Leute, denen man ansieht, dass fotografiert werden etwas Besonderes ist. sie sehen wie hypnotisiert in die Kamera, Möglichst viele wollen aufs Bild. Fast immer guckt irgendwer aus einem Fenster. Der sich anbahnende Augenblick des Auslösens… auf Papier gebannt, silbernitratversetzt… – Diese Art zu blicken ist verloren gegangen im Zeitalter der digitalen Fotographie und der Inflation der Selfies.

ich mag die alte Schmiede. Etwas herber als die süßeren Fachwerkhäuschen rundum. Solider. eher eine Art Stadthaus. war auch eins der ersten Häuser, die mir gezeigt wurden (damals von den drei Mädchen, die mich in der Eisdiele ansprachen, “Da wohnen wir!” jedenfalls zwei von den dreien). Die ehemaligen Besitzer des Hauses wiederum traf ich beim Stadtfest, als ich die kleinen Trickfilm-Verwandlungen an die Wand des Rentamtkellers warf. eben auch die Schmiede. die Warschkes versprachen mehr Bilder – das hatte ich schon vergessen! Und nun kamen sie mit der Post. Auf einem steht die Adresse des Ladens, der den Abzug gemacht hat: Otto Spicza aus Hannover-Nord, An der Autobahn 6.  Fern-Ruf 60267 – seltsame Adresse. wer wohnt an der Autobahn? Kann man immernoch fern-rufen? wie kam es, dass die Windsbacher Schmiede in Hannover an der Autobahn entwickelt wurde? – Andererseits:  nun liegen sie in Berlin-Lichtenberg auf meinem Schreibtisch. Und Die Warschkes haben ihren Namen darauf geschrieben. Spuren der Reise, das haben sie den Jpgs und PDFs voraus.

Liebe Warschkes, Keine Angst! BIlder gut angekommen! Scanne und bearbeite sie demnächst und schicke sie dann zurück! Auch die Postkarten, auf denen Windsbach aussieht wie die Location für einen 50er Jahre-Film, und das, auf dem die Hauptstraße wie leergefegt aussieht. geisterhaft wie auf Google Earth.

3. Juli

Heute gibt es beim Dorschner einen Vortrag der Grünen über “Plastik ist Müll”. Ich würd hingehen! Wenn ich da wäre. Das einmonatige Leben in einem umweltbewußten Haushalt hat ein bißchen abgefärbt. oder hatte. Kaum im Urlaub  allerdings, mit wie Hölle stinkender Honda, griff ich dann doch wieder nach den Plastikflaschen, statt nach den gläsernen, und nach den Capri-SOnnen, die immer noch ein bißchen nach Kindheit schmecken und die beim Rucksackschleppen weniger ins Gewicht fallen  (na ja, zur Strafe ist der Rucksack ja dann trotzdem geplatzt!). Zur Wiedergutmachung sei hier aber der Aufruf weiter gegeben: Windsbacher, geht zum Vortrag!

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PS

Aber über den Titel PLASTIK  IST MÜLL stolpere ich trotzdem. Plastik ist ja schließlich auch… Na ja… eben Plastik. Gibt man das Wort bei Google ein, erhält man in ungefähr dieser Reihenfolge: Bilder von Sprengsätzen, Acrylglas-Art. und vollbusigen Stauten aus Stein. Plastik scheint in erster Linie nicht Plastik zu sein, sondern explosiv, steinern, aus Ton. Selbst das abschrecken wollende Bild auf dem Flyer der Grünen sieht übrigens beinahe etwas nach Kunst aus. Oder eben Müll. Die Frage liegt auf der Zunge: Ist das Kunst oder kann das weg? oder ist einfach alles, was wir so von uns geben in irgendeiner Weise, irgendwann auf lange Sicht: Müll. Ausstoß, Abgas, Schrott. Das Leben ein einziger großer und nicht immer schöner Stoffwechsel, und der/die/das Plastik der Sand im Getriebe, ein Hauch von bitterer, verhängnisvoller Ewigkeit.

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1.Juli

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… hatte gedacht, es ist der Berg, der ruft. Aber auch Bäder rufen. Nun ist es also doch noch fertig geworden. Und der Regen füllt es bis an den Rand. Die “in der Fremde wohnende” Stadtschreiberin fühlt sich gerufen und wird sich das BAden in Berliner Stadtbädern, Brandenburgischen Seen und Badeanstalten versagen in Erwartung eines Combacks. Der Rest ist Wehmut und ein wenig Wasser unter der Brücke.

30.6.

“Windsbach aus der Ferne” ist ein Sehnsuchtsort geworden. Schwirig zu schreiben über das, was plötzlich so entrückt scheint. Wenn man da ist, weiß man nicht “wo aufhören mit Schreiben”, sobald man weg ist, nicht “wie anfangen”. Wie spinnt sich der rote Faden weiter? Wie hält die Verbindung? MAn kann sich Fotos schicken lassen. Man kann sogar bei der evangelischen Kirche die aktuelle Predigt abrufen. als Online-File oder Datenträger. eigentlich sehr großzügig, dass man dann einen Gratis-Datenträger bekommt. Schlicker auf USB-STick hören. Man trägt auch selbst seine Assoziationen mit sich herum. Erinnerungen blitzen auf. da geht einem der Reißverschluss des Super-Rucksacks kaputt und alles fällt raus – an den Frank von Helu-Kabel gedacht, der den selben hat und man hatte noch darüber gerdet wie genial und stabil die Dinger sind. Und dann bei MotorradCamping-Tour! ). ANsonsten läßt man sich berichten, anstatt es selbst zu tun:

Das Kellerfest soll toll gewesen sein, sagte man mir, stelle mir lange geplante Ausgelassenheit vor zwischen den Bäumen, oberhalb der Keller (auch darin???), Gesangsvereinigte Stimmen in der Natur, Duft von Süßwaren, Grillgut, Holzhütten, Wald und Wiese und irgendwann Bierdunst, nächtliche Besäufnisse. All die Üblichkeiten (und Übelkeiten), die es an solchen Festen eben gibt. das Besondere liegt im Detail – und das Detail, die Wirklichkeit habe ich verpasst. Pech. (ich hörte der Bommel soll seinem Bruder die  Leviten gelesen haben). Darunter wiederum kann ich mir konkreter was vorstellen.)

27.6.  Bücherei will keine Lesung . Mist. Blöd. Da wär kein Pubilkum. Andererseits: ich bin ja auch nicht da.

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[…] die Stadt liegt hinter mir. “Windsbach aus der Ferne” (das Foto stammt aus dem Fotoalbum der Rühls, zusammengetragen von Karl Rühl) trifft das Gefühl ganz gut.  Ferne Zeit, ferner Ort (bin jetzt am Bodensee, würde aber am liebsten umdrehen und zurück. Einstweilen sind es halt Gedanken von unterwegs, und keine Beobachtungen vorort.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt ist ein Foto von 1860-und-noch-was aufgetaucht (so geht das Gerücht), leider habe ich es noch nicht gesehen, daher warte ich noch mit der wahrscheinlich wieder mal fälligen Richtigstellung. Übrigens hat sich auch das Stadtbuch als etwas jünger herausgestellt, als vermutet von seiten des Bürgermeisters. es beginnt mit der Verleihung des Stadtwappens ca. 16Hundet und noch was durch Joachim Ernst von Brandenburg…. es dauete etwas bis ich den Namen “Ernst” entzifferte.Der Lechner bestätigte es dann: das Stadtbuch beginnt mit der Verleihung des Stadtwappens und somit ist es von 16nochwas. … – Fakten. Momentan sind es historische Fakten, die mich von Windsbach erzählen lassen, aber ein anderer Fakt ist: ich bin gar nicht mehr da. EIn Monat volle Kanne Leben und plötzlich ist man weg, hat ausgedient und macht sich  auf und davon.

Jetzt sitz ich in Friedrichshafen fest und denke, ich hätt lieber in W. bleiben sollen. die schwäbischen Motorradwerkstätten sind halt… schwäbische. den Baumeister schmerzlich vermisst… – und dann auch angerufen. da weiß man halt dann, dass einer den Vergaser auch kennt und genau weiß, wie es im Inneren der Honda aussieht. Und das ist ja nur das eine: das Innere der Honda. Und meins? ich hab noch eine Woche Ferien, wollte eigentlich weit, mit dem Freund nach Italien. Jetzt denke ich, ich wär lieber in Windsbach geblieben, wo es Motorradwerkstätten gibt, die Bescheid wissen und ein Kellerfest veranstalten (nicht die Werkstätten) und wo es ein gratis Internet am NKD und einen Earl Grey im Stadtcafe und und..

Am Freund liegts nicht. Der erschien pünktlich und zu allem bereit. Aber mein Motorrad geht gerade kaputt. nicht weiter können, macht einen Nachdenken darüber, ob man nicht manchmal einfach da bleiben soll, wo man gerade ist. Musste an die Musiker denken von “Kleiber und Burr”, die eine Autopanne hatten. Ihr Auto rollte gerade dahin wo sie auch hin mussten: mach Windsbach, zum Turm, ein Konzert geben. Man kann fluchen, weil es so viel Geld kostet, das Fahrzeug zu reparieren, oder man kann es gut sein lassen und sagen: Bleib ich halt hier!

Schon mein Aufbruch war seltsam. Es schien  Zeit zu sein. Gastfreundschaft soll man nicht übertrapatzieren. Los. In letzter Minute war mir aber der Gedanke gekommen, etwas verpasst zu haben, etwas vergessen zu haben. Hatte an das Konzert gedacht, die Klezmer-Band in Neuendettelsau, gleich zu Anfangs meiner Zeit: das alte Paar, das ich sah im Luther-Saal, die mir so vertraut vorekommen waren und dann doch nicht — oder doch?

Die Taschen hatte ich schon gepackt, das Motorrad war (stundenlang) beladen und verschnürt worden, ich war schon fast auf dem Weg, da hatte es mir doch keine Ruhe gelassen: und es ist ja so einfach: Teleauskunft. Google blablabla…

Stellte sich heraus, dass mein alter Pfarrer tatsächlich in Neuendettelsau gelandet ist. wohlverdienter Ruhestand. eine Stimme antwortete “Ja?!”, als ich anrief (“Sind sie der…, der sie sind?”) – es stellte sich heraus, dass es sich bei dem Pfarrer tatsächlich um den Pfarrer meiner Kindheit handelte – leider erinnerte er sich aber nicht an mich.  – schon blöd: da war man (angeblich!) mal die schönste Maria im Krippenspiel, aber ist schon vergessen.  egal. seltsamerweise, ein sehr schönes Gespräch geführt. Besuch in N. Gebäck gekauft. In letzter Minute noch die EIngabe gehabt: bring dem Pfarrer ein “Luther-Bier” mit. das vom Lechner. war auch freudig angenommen worden. “sowas, ein Lutherbier!” – so war der ganze Nachmittag gewesen. Vertrautes – ohne einen Schimme rzu habem, was einen verband. das tröstet. das schmerzt. Sehr nah, sehr innig. und trotzdem auch an einenander vorbei. denn ich war ja eigentlich “niemand” obwohl der Pfarrer nicht wissen konnte, wie wichtig seine Famile mal gewesen war, als ich klein war. Als wäre man ein unbeschriebenes Blatt – aber unbeschriebene Blätter sind gut. vielleicht ist das das Gute am “Weit-Weg-Sein”: jede Menge unbeschriebener  Blätter, Entdeckungen zu machen, Blätter zu füllen… Beim Pfarrer G. waren dessen Enkel  interessiert an meinem Motorrad, aber dann doch enttäusht, weil es es nicht so schick war, wie  es hätte sein sollen (was mich freilich dann doch auf irgendeiner unerwachsenen Ebene kränkte) – dann die Gespräche. Ich immer in Erinnerungen versunken – er in eigenen. manche trafen sich. Und dann – jenseits des Who-Is-Who? ein angenehmes Interesse aneinander, egal wer man ist oder mal war.

[…]

Traurige Erkenntnis, dass der Junge, den ich kannte, der mal bei den Sängerknaben war,  tot ist. hatte es mir schon gedacht, die konkrete Gewissheit ist dennoch ein Schlag. Was mich mal hier her gezogen hatte,  ist also aus und vorbei. Das macht aber trotz und alledem nichts. ich bin hier. ich war hier. ich wäre gerne wieder hier…

Es wird zur Passion, alte Fotos nachzustellen. (Dank der Rühlschen Fotoalben und eines noch älteren Fotos, das der Filmemacher Lassmann mir zukommen ließ. 1894! wahrscheinlich ältestes Stadtbild Windsbachs. Man sieht wie die Straße vor dem- Rathaus gepflastert wird. (wo doch nur ein paar Jahrzehnte zuvor der durchreisende Goethe das Windsbacher Pflaster explizit in seinem Tagebuch erwähnte als “leidlich”!) Ich hatte schon am Morgen nach dem Stadtfest das Foto neu aufnehmen wollen, aber da war noch alles voller Büdchen, die genau da standen, wo ich hätte stehen müssen. Alter Mann (Stock, Hosenträger, viel Ruhe und Zeit) spatzierte in der Stadt herum. Immer wieder kreuzten sich die Wege (oder ich stand ihm im Weg rum wie mir die Büdchen). Betrachtete die Baustelle, vor dem Haus der Rühls, auch so ein Vorher-Nachher-Motiv. und fragte sich glaube ich was ich da dauernd fotografiere. als ich ihm mein Handy unter die Nase hielt (“1894! ist das nicht toll”), um ihm das Pflaster-Bild zu zeigen, muss ich leicht seltsam rübergekommen sein. Im SOnnenlicht sah man kaum das Foto. Vielleicht dachte er ich sei stolze Besitzerin eines historischen Mobilfunkgerätes aus dem 19. Jahrhundert.

Und da ist dieses Nest auf dem Schornstein des Rentamtes! Und das wo (laut U.)  das aktuelle Dach von heute ebenfalls von einem Storch auf der Durchreise besucht worden sein soll, möglicherweise einem auf Wohnungssuche…

frage mich immer noch was Goethe mit “leidlich” meinte. heißt das: “ich litt!” oder “ganz okay!”?MTQ5NzE5NTAwMTYwOC4zNTc3MDc5LjJlYjEzMzg5MTYxNzZjYWY2YjdmYzIzZDVlNzUyMmVhMjI4MzYzMzVAc3BpY2EudGVsZWtvbS5kZQ; jsessionid = 667A05FED62006E5C127822B1585EF8B-n1

Windsbach, Überblendet 1894-2017

15. 6.

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Altes Kassenbuch der Rühls sehen gedurft. Hohes schmales Buch, in dem in schwungvoller alter Schrift zu lesen ist, wer was wann gekauft hat.
Der Hofmockel „von hier“ bezahlte im April 10 Mark für einen Anzug, gewaschen und gebügelt. Im Mai eine Hose mit Bluse für 7 Mark und 10; ein andermal, ein Jahr drauf einen Anzug für seine Sohn in Nürnberg. Für die Frau einen Paletot. – Großartig dass das da vermerkt ist! Möchte jetzt auch immer solche Kaufbelege ausgestellt bekommen. Wenn man mal eine Steuerprüfung haben sollte, kann man gleichzeitig ein ganz kleines bißchen in Erinnerungen schwelgen zum Trost. – Handelte es sich beim Hofmockel um einen Vorfahren des Schusters von gegenüber? Der viel gepriesene, der jetzt leider schloß. Die Frau aus dem Haushaltsladen in Neuendettelsau, bei der ich einen Thermosbecher gekauft hatte (für den Sohn in Heidelberg) pries seine Reparaturkünste in so hohen Tönen und riet von anderen Läden ab, dass ich meine Motorradstiefel nicht in der Einkaufspassage ließ – geschweige denn nach Ansbach fuhr, und die Schuhe wieder mit nach W. nahm– obwohl ich ja eigentlich wusste, dass der Schuhladen schon geschlossen haben muss. Die Frau wollt das nicht glauben und da wollte ich es auch nicht mehr glauben. Leider aber doch wahr.

Auf einer anderen Seite im Rühlschen Buch steht von den Einkäufen der Familie Dörr aus Mitteleschenbach (3 Kochlöffel, Anzug, Krafatte, Kragen). Möglicherweise handelte es sich um die Tante der Frau aus Wolframs-Eschenbach, deren Haus in Mitteleschenbach einen Zugang zum Geheimgang gehabt haben soll. Wie schade, dass die Adresse nicht vermerkt ist. Aber Dörrs gibt es wohl viele.

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14. 6.

Der Tag nun wiederum war geballtes Leben. heiß und lebensfroh. hinter der Gottesruhkapelle wohnt die Kantorenfrau, die alte Frau Vogt. Schon der Dekan Schlicker hatte vor einiger Zeit geraten “Klingeln sie da ruhig mal”. Klingel aber bisher nicht gefunden gehabt, da ich immer von der Kapelle aus genHaus gegangen war, anstatt von der Straße aus.

Früher war das ein Haus für Leprakranke, das Siechenhaus. In noch früherer Zeit stand das Haus anders, oder es gab einen Anbau, der den “Siechen”, den Lepra-Kranken und anderen Insassen erlaubte  bis in die Gottesruhkapelle zu blicken. es schloß direkt an.Rein durften sie nicht, aber vom Tor aus am Fußende der Kapelle konnten sie aus der Ferne teilnehmen am Gottesdienst. (erklärte Herr Lechner mir mal). seltsame Konstellation.Da hatten die gesunden  die Augen der Quarantäne-Leute im Nacken. – wieder so ein Geanke, der in die letzte Nacht gepasst hätte. Fragte Frau V., ob es nicht seltsam sei, in einem ehemeligen “Siechenhaus” zu wohnen, aber das fand sie nicht. das Leben sei ja nun mal ein Siechtum… – aber das sagte sie derart lebensfroh und zufrieden, dass die Schauder der letzen Nacht weggewischt waren. Die V. wirkte seltsam vertraut. Hatte mir eingebildet, sie schon öfters gesehen zu haben, auf einem Traktor vorbeifahrend und lächelnd, mit Gartengerät auf einem Fahrrad, fröhlich, aber da hatte ich mich geirrt. vielleichts gibts mehr fröhliche alte Frauen in dieser Stadt. wenn ich mal so alt bin, wäre ich gerne so gelassen und freundlich. Frauengespräche.

Abends weitere am Lagerfeuer bei Nina Rühl. Sie meinte, beim nächsten Mal solle ich mir  von der V. erzählen lassen, wie es in früheren Jahren mit den Geburten gegangen sei. Sie hätte einmal so ein Gespräch mit Frau V. geführt und das sei absolut beglückend gewesen. der ganze Tag aber war eh ein Glücksfall. Luft – Erde – Feuer.  Der hohe Turm, die Weite, die Dächer, die Brezel im Ziegelwerk des Hauses, das mal eine Bäckerei war, das Wieder-Runter-Kommen, die weitgereiste Frau V. (bei einem Töpfer in die Lehre gegangen, der mehr Künstler gewesen sei als Handwerker, selber Künstlerseele, würde auch gut nach Worpswede passen, zierlich, lachfaltig, blitzend-blauäugig, in ihrem schönen Garten hinter der Kapelle angekommen… –   und dann abends das Lager-Feuer, die Einladung zu N. Tobendes Leben, tobende Kinder, in den Nachthimmel katapultiert dank Trampolin. Dahinschmelzende Marshmellows an Spießen. Kleiner Junge der so gerne einen Nashornkäfer als Haustier gehabt hätte, die Finger nicht lassen konnte von dem fliehenden Tier, aber dann doch gehorchte. herzzerreißendes Dilemma. Kinder in Betten. Dann zurück ans Lagerfeuer bis spät in die Nacht hinein.

“Wie-Neu-Gefühl”.

13. 6.

Halb drei Uhr nachts im Garten der Us. Wunderschöner improvisierter Abend. Ein Umtrunk endet. Bier auf Wein. Meine Zeit ist fast rum, deshalb der Umtrunk. Umtrunk. Unglaubliches Wort, wenn man es mehrfach hintereinander ausspricht (oder zu so später Stunde aufschreibt), verliert es jeden Sinn – und wird zum gurgelnden Schlund in den man stürzt. Die Zeit ist um. Die umme Zeit. Kein Wurmloch weit… kein Anti-Brumm… und breit. Mit den spätesten Gästen noch lange gesessen und Schaudergeschichten gehört in der Hitze der Nacht. Werde alles durcheinanderbringen, schon jetzt weiß ich nicht mehr, wo die eine Gestalt beginnt, die andere aufhört:

Der Fischöder scheint ein Mann gewesen zu sein, schon tot, dabei waren seine Leute doch selbst Sargbauer, groß von Gestalt, möglicherweise kahl, aber ließ sich Haar-Ersatz „wachsen“ (oder wachste er das vermeintliche Haar?) mit fragwürdigem Mittel, die einen sagen schaumartiger, Kunststoff, die anderen sagten Spezialshampoo, das aushärtete zu steifen Locken. Zu schwarz. Der Fischöder (auch „Fisch“ genannt) hätte ein Fernglas gehabt, vielleicht einem Operngucker ähnlich, vielleicht einem Feldstecher, fuhr einem Mädchen hinterher, starrte durchs Glas, fuhr weiter, starrte… – nichts weiter dennoch gruselig?

Eine Leiche wurde einmal gefunden in der Rezat – leider von Kindern.

Eine andere in einer Sofaritze, der Tage oder gar Wochen nachdem er auf höchst ungeschickte weise, vielleicht auch nach einem „Umtrunk“ , darin zusammengebrochen war, oder das Sofa um ihn herum wegknickte.

Einmal tauchte die Leiche einer Tante auf im Wasser, sie war schwarz gekleidet und entpuppte sich als die Tante desjenigen, der sie da fand.

Warum ist Sterben, so fürchterlich umständlich und unschön? Warum kann man sich nicht einfach in Wohlgefallen auflösen, warum in den Polstern von alten Möbelstücken? In Schleusen, in der braunen Rezat.

Und wenn man über die Brücke über die Rezat geht und nicht hinab ins Wasser sieht, sondern in die Zweige, dann sieht man eine weiße Plastiktüte, in der ebenfalls irgendetwas vor sich hin zu modern scheint.  Tag für Tag wird die Brühe darin brauner. irgend wann wird der Zweig brechen und die Tüte in den Fluss fallen und davon treiben und es stinkt “wie der Tod aus Forchheim” (was für ein Tod mag das sein? hat die Stadt ihren eigenen? Eine Stadt, die auch aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen für sich beansprucht, der Geburtsort Pontius Pilatus’ zu sein!)

Es ist spät. Halb vier uhr früh. Die Vögel beginnen mit überbordend sprachlos machendem Gesang. Schön. Wunderschön. Trotzdem oder gerade deshalb: eine Folge Grey’s Anatomy geguckt. Körper wieder Heilmachen.

***

Möglicherweise tut man jenem Fischöder wieder mal unrecht. Kann er was dafür, dass seine Haare nicht so waren, wie es gern gehabt hätte? Wie ich aus anderer Quelle erfuhr, rieb er das eigene Haar mit Schuhcreme ein. Weil er es gerne schwarz hatte. Man hätte ihn besser beraten müssen.

Bei Tageslicht verliert die Geschichte ihre Schauderhaftigkeit. Man kann seine Frisur auch beschreiben als die Haartracht einer Playmobil-Figur. Schon freundlicher.

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Der Turm! Beim Stadtfest hatte ich ihn nicht mehr sehen können. Öffnungszeitfenster verpasst. Hinter der S. hermarschiert, die ihn extra aufschloß für mich. Ein Rest Burg. Steile Stiegen nach oben in ungewohnter Treppenstufenhöhe, als ginge man in eine andere Zeit zurück. (die Vergangenheit gefühlsmäßig in der Tiefe angesiedelt, hier erstreckt sie sich auf halben Treppen über weiteren Treppen.  Bilder unten und auf dem Wege hinauf zeigen in welchem Zustand der Turm einmal war: fest in Taubenhand (oder unter deren Fittichen). Zugeschissen, verrottet. Jetzt ist er renoviert. Turmfalken hatten sich seiner angenommen. über viele Jahren minutiös und solide renoviert und zwar ehrenamtlich nach Feierabend(en)! Der Verein der Turmfalken züchtet nicht Falken oder jagt mit ihnen, die heißen nur so. angedacht ist, die Vögel wieder anzusiedeln im Turm. (Wäre eher dafür, die sollten eine Stadtschreiberin hier einnisten!  Die Vorstellung all die Treppen immer nehmen zu müssen, ist nicht sooo absurd, wenn man sich daran erinnert in Berlin-Mitte mal im vierten Stock gewohnt zu haben. War da allerdings noch fitter. Um den Turm herum grasten einmal Hasen. Es gibt auch ein kleines Cafe, das nur einmal im Jahr geöffnet hat. Auch hier viele Dinge von früher. Töpfe, Bügeleisen. Puppenstuben. S: erzählte Geschichte von einer Flüchtlingsfamilie, die nach Windsbach kam (keine heutige, sondern damals Sudetendeutsche!) und letztere mitbrachte. Das Kind hatte geweint, als es seine Puppenstube zurücklassen musste, da hatte der Vater die bitter-nötigeren Habseligkeiten zurückgelassen und stattdessen das SPielzeug auf den Rücken gepackt. Mädchen samt Stube wurde in W: ansässig, diese wurde dann später irgendwann den Turmfalken gestiftet, da die Kinder der Kinder der Frau lieber mit Barbietraumhäusern spielten. Nun steht sie in dem kleinen heimlichen Cafe. Puppenstube in der Puppenstube. seltsam berührend, dass selbst die authentische EInrichtung des Turmes samt nebengebäude (Cafe) wie  en miniature wirkt. kleinere Menschen, fernere Zeiten. Man möchte sich trotzdem in das Bett legen, die Knie anziehen und über der Welt schweben.

Immer wieder gestaunt, dass diese Museenartigen Schatzkästchen nicht in Betrieb sind. anderswo wären es Touristenattraktionen. Ebenso ging es mir mit dem Bessenhaus, dem Heimatmuseum. verschlossene Truhe voller Kostbarkeiten, die sich nur dann und wann öffnet, wenn man es sich wirklich wünscht. einerseits schade, andererseits auch toll. es wird nicht breitgetreten, nicht tagtäglich zur Schau gestellt, es ist, als guckte man durch ein Schlüsselloch in eine ferne Zeit, die aber dann nicht museumsbetrieblich aufbereitet ist, sondern im Dornröschenschlaf liegt.

Neues Wort gelernt: Himba Hamba. Muss sowas bedeuten wie wenn einem die Augen übergehen und man total begeistert ist.

12. Juni

Morgen Danach. Nach dem Stadtfest. Von dem ich gar nicht so viel mitbekommen habe. Als mein Part vorüber war, brach der Feierabend doch noch aus. Es sei erwähnt, dass die Konditorei Helmreich der Stadtschreiberin ein Bier ausgab. Nicht dass sie selbst auf diese Idee gekommen wäre (weder die Stadtschreiberin noch die Konditorei, aber da ergriffen welche die Initiative, in dieser Sache zu verhandeln und erschienen prompt mit einem Bier-To-Go am Kellergewölbe des Rentamtes, wo ich gerade meine Lesung beendet hatte. War gerührt. Ging später das geleerte Glas zurückzugeben und mich überschwänglich zu bedanken (ein zweites gabs aber nicht).

Die Konditorei ist schon beeindruckend. Von außen erstmal nicht so (Konzept: leere Pralinenschachteln in der Auslage! – aber das ist ja irgendwie auch klar: wäre ja blöd, gefüllte ins sonnenurchflutete Schaufenster zu legen!). Es macht auch nichts, weil man ja weiß, wie es innen ist. Innen ist es zauberhaft. Schiele immer zu den “Schneebällen” hin.

Motorrad beim Baumeister abgeholt; Testfahrt endete in Reuth. Dann Baumeister wiederum mich und Motorrad abgeholt, weil ich plötzlich stehen blieb. Lag aber nicht an der Reperatur! Ich hatte vergessen den “Choke” rauszumachen. Und versucht im ersten, bzw. dritten Gang zu starten. Wahnsinn. Es ist schon schockierend, wie wenig ich weiß über Motorräder. Direkt peinlich.

11. Juni

Dem alten Herrn W. seine Schwiegertochter kennengelernt! eigentlich kannte ich sie schon flüchtig, aber hatte nicht gewußt wer sie ist. In Berlin würde man daraufhin voller Staunen zum Ausdruck bringen, wie klein die Welt doch ist. Hierzulande freilich scheint sie eh kleiner – bin trotzdem überzeugt davon , dass sie überall klein ist, dass überall Leute unterwegs sind, die man eigentlich kennt (oder kennen hätte sollen) oder über höchstens eine Ecke herum kennt, es fehlt nur meistens die Antenne, um es zu merken.

Ansonsten den herrlichen Tag im kellergewölbe verbracht und von der Welt zunächst nichts mitbekommen. einen virtuellen Traumraum eingerichtet voller Albernheiten, Windsbacher Häusern und . abends spät verirrte sich ein kleiner Junge hinein, der staunte, aber traute sich dann doch nicht ganz nah.. Mist, dass die Veranstaltung morgen am Tage ist, wenn das echte Leben toben wir, gestern abend liefen so viele Leute fast bis nach unten, aber dann doch nur aufs Klo obendrüber. Bedürfnisse. Bedürfnis zu zeigen. Gleichzeitig Bedürfnis abzutauchen und der Welt abhanden zu kommen. UND: großes Bedürfnis empfunden zum STadtfest zu gehen mit Freund. Freund fehlt nun doch  sehr…

 

 

 

 

 

 

 

… Zumal Berliner Stadtfeste echt nix sind gegen das gestrige.  Zwischendurch doch mal dorthin. die aus allen glücklichen Nähten platzende Straße zwischen den Toren, die sich schräg nach unten windet und trotzdem fällt keiner von der Bierbank. Blaskapellentöne, Oben Bürgermeister (spricht nur wenige Worte, dann gehts los) unten noch Sonnenstrahlen vor der Bühne der Band.  Bier getunken. Begeistert klatschende (Asylanten?)FAmilie neben mir, vor mit ebenso junge Mädchen vom Turnverein. Unglaublich tolle Stimmung. Als ich nachts zurückkam zum Fest – beinahe noch schöner. Brechend voll, aber es bricht nicht. Betrunkene Junge Leute, die zu große für die Hüpfburg waren und  stöhnend auf der Bank lagen, ein Mädchen wie hingegeben, die Jungs verzweifelt neben noch vollem Bier, schwören, nie wieder Bier zu trinken. Warnungen, verkündet, die Burg sei zu heftig für “Große”. Tatsächlich war sie gigantisch, zgwängte sich am engen Kirchplatz zwischen  die “Magaretha” und die Fachwerkhäuschen, ebenbürtig, fast gewaltiger und wogte bedrohlich zwischen den alten Bauten. War auch noch mit mittelalterlichen Motiven versehen und so sah es wirklich aus, als hätte ein Dark-Ages-Bauherr die letzte Lücke genutzt um den Kirchplatz aus dem Gleichgewicht zu bringen. Alles schwankte. Lustvolles Erdbeben. Ein Herr stand davor und gab acht, dass nichts und niemand umkippte.

10.Juni

Heute ist Stadtfest. Und morgen! lange Nacht gehabt im Kellergewölbe des Rentamtes, um Videoprojektinen einzurichten. STadtbilder, Trickfilmschnippsel und Sonstiges an die gekalkten WÄnde zu werfen. Lese morgen dort, zeitgleich mit der Veranstaltung eines Enten-Rennens in der  Rezat und während draußen  eine Band namens “die Querbläxer” spielt. Könnte schwierig morgen. Notfalls lese ich ganz leise.

Aber die Projektionen sind toll. und Cocktails gibt es (ab 13 Uhr am Sonntag, also morgen; Leseblöcke: 14:00-14:45; 15:00-15:45)

9.Juni

Das Motorrad ist kaputt. Die Werkstatt schräg gegenüber repariert es. “Geh zum Baumeister!”, das sagten so ziemlich alle. Werkstatt nicht gleich gefunden. Nun steht es dort und alles dauert länger: Ich gehe länger. An der Tankstelle bergauf, am Halter vorbei, der grüßte von Ferne. Der Bahnhof wirkt so verschlafen. Hörte aber neulich sehr plastische Schilderung, wie einmal eine chinesische Reisegruppe aus dem Regionalzug ausstieg, sich erwartungsvoll an die Straßenecke gestellt habe, um sich blickend, staunend, fotografierend vermutlich, mit Mobilfunkgeräten zu Gange war und dann aus heiterem Himmel und in rasantem Tempo auf die andere Straßenseite hinüberwechselte, wiederum um sich blickend, fotografierend, bis nach wenigen Minuten ein Bus erschien und sie einsammelte. Auf und davon. Zeigen die jetzt zuhause Fotos und sagen „Daaas ist Windsbach!“? – wahrscheinlich wird man den kleinen Städten niemals gerecht. Mit dem Zug nach Neuendettelsau gefahren. Wenn man durch die Stadt läuft wirkt sie trostloser als wenn man durch sie hindurchbraust mit dem Motorrad. Ein Junge der in den Neuendettelasauer Werkstätten Playmobilfiguren verpackt setzte sich zu mir auf die Bank. Billie. Vielleicht hat er auch den Plastik-Luther eingetütet, den die Diakonie verteilt (habe jetzt auch einen! Aber von Herrn Lechner aus dem Heimatmuseum. Lud Billie zum Stadtfest ein, weil ich da lese. Das ginge wohl nicht, meinte er, er wohne ja in Neuendettelsau und nicht in Windsbach. Einen Cousin hätte er in Berlin. Vielleicht käme er mal dort hin.

Hier fallen ungünstige Namen ins Auge: Metzgerei Keim. Hat aber schönen Biergarten. Am Kahlschlag. Will man das als Postadresse? Am Kahlschlag 7 – Bitte eine Werbung einwerfen oder so?

Weiß rot bemalte Holzbretter im überdachten Wartebereich der Bahn,  „Lukas ist scheiße toll“ steht unter den Geranien. Reisezentrum, aber kein Bahnhof, der ist Museum. Der “Weltladen“ – aber “der ganz andere Weltladen”. Kenne nicht so viele Weltläden. Was kostet die Welt? Was kauft man da?   Suche Kopierladen. Din A 4 Ausdruck Farbe in Neuendettelsau kostet 1 €!. Dafür aber in der Diakonie einen roten Kugelschreiber geschenkt bekommen. Ehrlich erfreut darüber. Vor der Kirche steht ein Soldat. Versteinert steht er und starrt auf die Kirche, sieht nicht aus, als wolle er die betreten. Ich war neulich schon drin. Einzig zieht es mich in den verwunschenen Park dahinter. In Eisenketten gelegtes Gartentor. Das Paradies ist verriegelt und der Cherub ist hinter uns.

Die Bahn hält doch nicht nur in Neuendettelsau, Petersaurach, da wohnt der frühere Pfarrer Witzig. War letzten Sonntag schön, ihn einmal predigen zu hören, ehrwürdig, getragen, solide – und dann spielt er plötzlich Gitarre. Toll. – Hinter Petersaurach Rehe. Bei Haltewunsch bitte Taste drücken. Geht das? Halten die dann an? letzter Halt Windsbach. Gehalten dann beim Halter. Schinken.

8.Juni

Heute. Heute.. heute… finde ich keine Worte. Vielleicht geht es doch, wenn man auf der steinernen Treppe sitzt, die ins Nichts führt im Garten der Us.  wenn man auf den Teich blickt, sich an die Mauer lehnt, die weich ist von dem was da rankt. Ja, da geht es dann irgendwie. Hätte heute dem Mänenrgesamgsverein zuhören können beim Proben – jetzt! gerade eben vernutlich singen sie, aber ich war mir nicht sicher gewesen ob die Einladung noch steht… und weil ich seit zwei Tagen dahinkränkle, und weil die Zeit zur Neige geht, weil, weil, weil… Ich wünschte, ich könnte länger hier bleiben. Einfach nur sein, da-sein. Aber das Stadtfest naht und es artet ein bißchen aus mit der Vorbereitung. Werbung machen dafür… ich glaube, das einzige, was ich in Windsbach vermisse ist ein Kopierladen. die kleinen Plakate in der Stadt aufhängen erweist sich als mühsam. Der Bäcker Beisser hat Urlaub… im Dekanat am Briefkasten steht (verständlicherweise) “keine Werbung!”, im Stadtcafe hängt man Plakate auf, in die Tür, in einer Höhe, in der es mittelgroße Hunde und Dreijährige gut lesen können, wenn sie lesen können. (“Die hängen da immer so! das sehen die schon”) – Gegenkonzept dazu: Das Schild in Form eines Pfeils, das zur “Ausstellung” im Rentamt weist. Hoch angebracht direkt über dem Pranger. Wo da doch eigentlich keiner hinaufschaut (weil da ja niemand angeprangert ist – Übrigens habe ich jetzt gesehen, dass man den Eisenbügel, der um den Hals geht verstellen konnte, dreistufig. also doch ein Benutzerfreundlicher Pranger), dann die Bücherei nicht gefunden. Googlemaps führte mich hin, aber ich sah nur einen Kindergarten. Wieder gegangen.

Verdammt, es wäre wirklich schön jetzt einen Gesangsverein zu hören… die Amseln trösten darüber hinweg, aber Männerstimmen, die wahrscheinlich alt gewordenen Knaben von einst…  Hingehen? nicht hingehen? Sonne sinkt.

7.6.

Im Rathaus gewesen, erstmals wieder seit der Sitzung zum Thema Stadtfest, an meinem ersten Tag. (übrigens bin ich inzwischen auch der Meinung, dass ein Essensgutschein pro Rentner reicht. Hörte schon des öfteren von Senioren aller Schichten, die sich durch eben solchen bevormundet oder in der Ehre gekränkt fühlen. Die schmeissen die weg! , Einer soll den Gutschein gar im Papiervernichter geschreddert haben. (Vielleicht sollten sie lieber Essensgutscheine für arme Künstler verteilen.)

war ein wenig zu früh dran gewesen und saß eine Weile vor dem rötlichen Gebäude.  Unter dem Pranger! tatsächlich noch vorhanden der in der Höhe des ersten Stockes  in die Wand eingelassene Eisen-Tritt, auf dem die Sünder stehen mussten, darüner ein ebenfalls eisernes Halsband. Könnte man da die Größe verstellen? mussten die Kleinen auf Zehenspitzen stehen und die Großen gebückt stehen und gekrümmt? Im Inneren ist alles so neu und modern…  und dann das:

Altes Stadtbuch in Händen gehalten. Was für ein Schatz. Lesen wollen!P1340080

6.6.

 

 

 

 

 

Es regnet. und es hat in mein Motorrad geregnet. fährt sprunghaft. meine Stiefel lösen sich auf. die Eisdiele hatte zu. Thermoskannenbecher in Neuendettelsau erworben.  Abends bei ILIOS, ehemals “ZUR SONNE” (da hat mal Goethe gegessen) (und wieder ist eine Korrektur von Nöten: es heißt tatsächlich noch so: SONNE, da ILIOS das griechishe Wort dafür ist.

5.6. Pfingstmontag

Richtigstellungen scheinen wieder fällig. der gefühlte Galgenberg war der Kellernberg. Der mit dem Kellernfest. hatte mir vorgestelt, dass dort an den Büdchen aber auch in den Kellern gefeiert würde, aber die Kellern scheinen eher tote Adern zu sein, die sich in den Berg graben, einer wohl bis in 80 m Tiefe. Wahnsinn! wenn die Windsbacher früher Achtzig-Meter-Keller hingekriegt haben, dann doch wohl auch Acht-Kilometer-Geheimgänge, oder? – Jetzt leben Fledermäuse darin im Winter.

Andere Korrektur im Geiste: Muss den Satz “Fleisch kaufe man beim Rosenberger” revidieren, bzw. erweitern: Wurstwaren ab jetzt beim Halter –  gestern entdeckt hinter dem Bahnhof – oder davor; Bierbänken. Stammtische. Abendlicht. nette Leute, auch Katholiken samt allseits hochgeschätztem Pfarrer; fröhliche Runde, Berlingereiste (zum Weihnachts-Singen von Union!!!); Frank von Helukabel; Maurer mit schönem Hut namens Bommel; Leitende Stimme des Männergesangsvereins, glühend für seinen Beruf, hatte aber Pech bei der kirchlichen Tombola gehabt (gewonnen: einen rosa-magenta Kissenbezug aus Kunstseide, eine Plastikorchidee, eine Plastiktragetasche und ein Orchideenpflegeset (dieses aber nun wiederum für echte). Außerordentlich gut amüsiert. Und unerhofft den verpassten Einkauf (Feiertag!) nachholen gekonnt: folgte dem Betreiber des Lokals namens F. ins Innere, wo er Würste holte aus der Wand. (kühlendes weißes Wandfach, ein Tresor voller Kostbarkeit. Duft erfüllte den sonst kargen Raum. dann wieder raus in den Abend. Schon vielleicht eigentlich eine Sache für sich, eine Insiderrunde, der ich kurz mal beisitzen durfte, aber eben eine lebendige. Kein Schnickschnack. Kein Scheiß.

4. Juni

Weil das Gewitter nicht wirklich eins war, sei hier ein anderes Unwetter zitiert.

“Bei der Rückkehr wurden wir […] genötigt, im Dorf Schwabach zu übernachten. Da begann mitten in der Nacht der HImmel vom Norden her sich zu röten,  blutfarbene Blitze und weißliche STrahlen auszusenden und die Erdoberfläche derart zu erhellen, daß man eine zu Boden gefallene  Nadel nötigenfalls leicht hätte aufheben können. Da riefen wir […] mit vorlautem Munde aus: daß sei da gleich, was wir nach einer Predigt Gregor des Großen (540-604) folgendermaßen läsen. Feurigen Glanz sahen wir am Himmel und funkelndes Menschenblut, das später vergossen worden ist.”

vor 900 Jahren war das. Heute regnets.

Und Pfingsten ist. Da passt feuriger Glanz, der vom Himmel kommt eigentlich ganz gut.

3. Juni

Es soll heute gewittern.

Aufgewacht mit schwerem Kopf. aber ich bin fast sicher, dass es nicht am “Wurmbier” lag, das ich gestern in Immeldorf zu mir nahm. Es mag das bevorstehende Gewitter Schuld sein. Einer sagte Morgen gibt es ein Gewitter. Ein anderer: das hoffen wir alle. An Battle Star galactica gedacht. Wurmloch. Weh. Was für eine Nacht.

Konzert. WEISSES ROSS. Unglaublicher Ort…

Immeldorf. Ortsschild, das immer wieder mal mit Eding ein “P” verpasst bekommt vor dem “I”. Weisses Ross – endlich der lang ersehnte Biergarten. Gärtchen eher, vor Fachwerk-Hexenhäuschen, verwunschener Ort. Wirt namens Walter, der trotz armfreiem Tour-T-shirt einem Mittelalter-Film entsprungen hätte sein können (aber keinem bunten Fernsehfilm, einem schrägen schwarz-weißen Mittelalter einer Parallelwelt), wurschtelte noch mit den Gummihandschuhen herum, als wär er noch am Putzen in letzter Minute, oder inmitten einer OP (eienr mittelalterlichen) – aber herkommen wegen der Sauberkeit, tut möglicherweise keiner. Fruchtbarer Boden, aus dem alles nur Erdenkliche sprießt. Lichtschläuche, Gnome, das HB-Männchen – Relikte der 80er Jahre, oder früherer Werbezeiten. BAllonlampen mit Schnurrbart. Ofen, der einen anzustarren scheint, Karussellpferdchen darauf flieht. die Single hinter dem Tresen „Akropolis Adieu Mireille Mathieu“ (die noch nicht ihren Look gefunden hat), der mit Plakaten bedeckte Kicker und dünn-glänzenden Flyern eines späteren Festivals im Sommer (die eine Gruppe käm aber nicht, weil die seien zu teuer, das wüßte er jetzt, aber der Flyer hätt schon früher in den Druck gemusst), der andere (leere) Kicker im Spielhöllenhinterzimmer, das sich plötzlich auftat, in der Ecke war einer vehement zu Gange am einzigen Automaten. Die vogelkundige Unterrichtstafel, die ausgestopften Kakadus, die Enten hochkant, bemalte, offen, radberaubte, türlose, über und untereinander im Hinterhof in wild wachsendem Holunder – auf die war ich schon hingewiesen worden: auf „die Enten-Installation“, hatte aber mit präparierten Vögeln gerechnet. Stattdessen waren es Autos in allen Lebenslagen – scheinen sich zu vermehren, sich aufzubäumen, zu zerfallen: bemalte Türen vereinzelt, wie ausgerissene Flügel. Halbe Ente. Wieder zurück, im Kneipenraum (Fahrradklingel am Tresen, damit man den Mittelalterliche heranklingeln kann, weil der noch herumwirbelt) ein Bier gewählt. Wurmbier. Man riet dazu. Die alte vergilbt-gebe Telefonzelle, die Wolkennacht über dem Biergärtchen, Nacht mit halbertem Mond hinter den ziehenden Schwaden, die Leuchtfarbenpunkte an der Seitenbaufassade – giftiger Sternenhimmel, die an die Wand gemalten Bierflaschen… Fragte mich aber die ganze Zeit, wo das Konzert denn stattfinden würde, wie sollte ein „Saal“ in das Hexenhaus passen? Dann drinnen die engen Stiegen hoch, an welligen Fotos vorbei, an Jahren von persönlichen Kult-Konzerten, handgeschriebene Release Ankündigung eines 26. Oktobers – nein, durchgestrichen:  24. Oktobers einer fernen Zeit!  Dann der Saal. Holzgebälk unter er niedrigen Decke. Auf der Tanzfläche steht TANZ, daneben steht ein Strohhut fürs Geld. Man geht hin und gibt, aber er geht später auch rum. warum tanzt keiner? Warum sind hier keine jungen Leute (abgesehen von den Musikern)? wie kann man hier nicht sein? Die Vorgruppe in den halben Hosen, in halber Besetzung, nicht ganz so gut, aber sympathisch. Immer bedanken sich die Musiker, „dass da doch einige Leute gekommen sind!“ obwohl fast kaum welche da. Im Garten sitzen die meisten, weils Innen zu laut ist. Der niedrige Saal platzt dafür musikalisch aus allen Nähten. Der Mittelalterliche hüpfte noch schnell hinzu und startet den kontinuierlich blinkenden LEDdiscokugelersatz. Die Strandtücher an den Wänden zur Dekoration oder für den Klang? und trotzdem funktioniert das alles! Die Summer aller Teile, aller chaotisch-phantastischen Kleinteile ergibt ein großes Ganzes auf gedrängtem Raum. Die nahen Musiker, die Hauptband Dodgson, deren ersten Takte schon elektrisieren, präziser starker Punk-Rock, auch zartere Töne, dann wieder stark und brodelnd, auf Messers Schneide. Pulsierend, puckernd. Der Sänger/Gitarrist mit den Augen zu… kannte den Ort, stammt aus der Gegend,  Bassist war Schwede, Schlagzeuger auch , ich sah ihn nicht, er war ausserhalb der LEDs und trotzdem unsagbar präsent, Schlag auf Schlag. Weit weg. Total nah. Ein unglaublicher Ort. Band Dodgson

Ziehe Aspirin in Erwägung (Natürlich nur, um Windsbacher Einzelhandel und heutige Apotheker zu unterstützen (vgl. 2.6.)…

 

 

 

es ging ohne Aspirin, aber ich erwarb eine Zahnbürste.

Gottesruhkapelle. Der Junge im Roggenfeld wogte zwischen den Ähren, mit den Händen darüber wegstreifend. Sah aus, als spielte er ganz so für sich, tauchte unter im Feld, verschwand, rief dann laut wie ein ertrinkender „Mira“ – er suchte seinen Hund, der im grünen Meer abhanden gekommen war.

Galgenberg? Ist das der Galgenberg? Funkturm. der Ansbacher soll nur um weniges höher sein, aber er wurde später erbaut un natürlich wollten die Ansbacher den höhreren haben.

In den Brennesseln verlaufen. Wenn man die Luft anhält brennen sie nicht hieß es früher immer. Immer bezweifelt, dass es hilft. Seltsamerweise tat es das jedoch. Schlug mich in den Wald zum Hohlweg. Abgesägter Baumstumpf, dessen Wurzeln emporragten aus der Erde sah aus wie eine abgehackte Hand, die etwas aufhebt und  es nach oben zieht. – An den Kellern rausgekommen… Männer bauten was auf, luden was ab. Seltsame Blicke, wohl weil ich wie aus dem Nichts auftauchte. An einem der dunklen Büdchen stand in verbleichender Schrift, handgemalt vor langer Zeit “Kellernfestleitung”, als wär’s ein Büro. Unterirdische Gewölbe. Irgendwie ein seltsamer Ort. Galgenberg oder nicht…

Unten, drüben an der Gottesruhkapelle war der Richtwaasen, da wurde gerichtet, auf dem Berg wurde gehängt. (Die, die man mit dem Schwert den Kopf abhieb, wurden gleich auf dem Richtwaasen enthauptet). Der U. als kleiner Junge wiederum kochte hier Pudding in einem alten Ofen, den jemand ins Gebüsch geworfen hatte. Den Ofen nicht gesucht und nicht gefunden.

An der Gottessruhkapelle, das Kreuz auf dem Kirchenschiffdach, da fehlt die Hälfte vom Querbalken. Hätte das  Kreuz einen Jesus, er müsste von alleine den Arm wegstrecken – oder dürfte ihn hängen lassen?

Auf dem Schild an der kleinen Brücke „Fränkische Rezat“ ist das „Fränkische“ heller als die „Rezat“, und klebt recht weit oben am Rand. Vielleicht hieß die Beschriftung erst nur „Rezat“ und ihnen fiel dann später ein, dass es noch eine andere gibt, eine in Schwaben. Abgrenzen. Präzisieren. Wer entscheidet solche Dinge? Wird über so was abgestimmt? Hatten sich die Schwaben beschwert, dass man ihnen ihre Rezat streitig machte? oder wollten die Windsbacher nicht dass ihr Fluss mit dem schwäbischen in einen Topf geworfen werden Welcher hieß zu erst so…?

Den Gedanken unterbrach ein Feueralarm um 11:20.  Die Sirene heulte und die Hunde in den Häusern stimmten ein. Ging dem Ton nach, es war aber nur eine Übung.

Drüben im Rentamt heiratet jemand. (sicher nicht Ursache des Alarmschlagens). Der Bürgermeister  steht im Türrahmen des Rentamts wie der Gastgeber. Standesbeamter. Was für ein schöner Nebenjob! Er sagte, es solle Spaß machen, das Heiraten.  Saal strahlt in Weiß. Die Stühle fürs Brautpaar hätten früher mal Richard Wagner gehört… Jemand mit Beziehungen nach Bayreuth habe sie zur Verfügung gestellt. Irgendwie gefällt mir diese Vorstellung, dass die Leute hier alle im kleinen Detail ihre Stadt mitprägen. Da hat einer noch Stühle vom Wagner im Keller… warum nicht: da könnt man doch ab jetzt  immer die Brautleut daruf sitzen lassen. Schade, dass ich nie heiraten will. (Aber wenn… würde ich eigentlich lieber auf Stühlen vom Gustav Mahler sitzen. Und weil das natürlich nirgendwo im Angebot ist, laß ichs lieber!)

Sitze wieder in der Venetia Eisdiele.

Die Hauptstraße von untern herauf schiebt sich sehr langsam ein alter Mann mit Rollator über das Kopfsteinpflaster – in der Mittagshitze. Immer sieht es aus, als habe er sein Ziel erreicht, er scheint  vor der Sparkasse zu halten, verschnauft nur, rollt weiter. zum Griechen? Doch nicht. In triolischemTakt, stoßweise schieben, schieben schieben, dann erstarrt er. ein freundliches Gesicht, den Mund leicht geöffnet, es ist heiß, es scheint anstrengend zu sein. Raiffeisenbank. Weiter. Konditorei Helmreich. weiter. Zum Brunnen? Der plätschert so üppig, das man Durst bekommt. Jedoch  “Alles Waschen & Einlegen so wie das Trinken mit angespantem Fuhrwerk ist verboten”. Weiter rollt und schiebt sich das Gefährt, bis es beim NKD um die Ecke biegt. Vielleicht geht er einkaufen.

Irgendwie kommt keine Bedienung, aber die Hitze ist so groß (wann kommt endlich das Gewitter?), dass ich mich nicht aufraffen kann aufzustehen. Das Geplätscher von der anderen Seite, der Brunnen vor dem Dauscher-Haus… erinnere mich daran dass die Frau, die darin wohnte als Kind, geschrieben hat, dass sie den Brunnen bis in den Traum hinein gehört habe, ein beständig raunender Zauberton, der nie abriß. Schönes Einschlaflied. Man könnte CDs anbieten. Es gibt sie doch mit Meeresrauschen, Vogelgezwitscher und Walgesang.

Nun kommt der alte Mann zurück, der Rolatoreinkaufskorb ist leer. Langsam geht es über die Straße und er geht in die Richtung zurück, aus der er eben kam, allerdings jetzt auf meiner Straßenseite, ein langärmeliges Hemd in dezentem Muster einer Barocktapete, das im hohen Hosenbund steckt. Versuchen, in einen aufmunternden Blickkontakt zu treten…  auf alle Fälle grüßen!

***

Herr W. hatte vorgehabt, sich bei NKD eine Mütze zu kaufen. Leider hatter er die Öffnungszeit falsch eingeschätzt und war nun unverrichteter Dinge auf dem Rückweg ins Seniorenheim “Phönix”…

Ruhte eine Weile aus im Venetia. nahm gerne Platz an meinem Tisch.

Zwar besäße er eine Mütze, die sei aber eine Wintermütze. Jetzt bräuchte er eine Sommermütze. Blick nach oben zur sengenden Sonne. 83 ist er. fast schon 84. Im Phönix gefällt es ihm nicht, da seien alle “verruckt”. an Batscha hättens dort. – alle!

Alle?

Ja, alle hätten einen. (da lachte er aber, abwinkend, freute sich, weil sein Lachen mich ansteckte. da saßen wir nun im Venetia und lachten über die “Batscherten” im Seniorenheim. Ob er nicht einen Kaffe trinken wolle, fragte ich. Wieder winkte er  ab. Nein, er ginge jetzt in das heim, und trinke lieber ein Bier. (schien mir in dem Moment plausibel, inzwischen bezweifel ich das.)

Wie es ihm denn gefiele dort im Heim…

Na schrecklich sei es. leider hätte er was unterzeichnet. selber Schuld. vorher habe er in der Kolbestraße gewohnt mit seiner Katze. die ist jetzt nach Nürnberg gezogen. seit 3 Monaten lebe er nun bei all den Verrückten.

ich könne gerne mitkommen (“Gängans nur her, kommens nur mit”), er zeige sie mir, die “Verruckten”.

“aber es sind doch nicht ale verrückt, oder?”, schien mir wichtig zu fragen. Er meinte, na ja vielleicht nicht alle, einige würden auch einfach nur die ganze Zeit im Bett liegen und schlafen.  – und sehr viele hätten  dicke Bäuche. “Und dann sterben sie…”

wirklich beklagt hat er sich aber nicht, gejammert schon gar nicht. Seltsame Stärke, lebensbejahender Optimisus.

“Hier kommt wohl keiner?!” stelte er fest und nickte in Richtung Cafe vor dem wir saßen. Tatsächlich saß ich ja nun schon eine ganze Weile ohne Bedienung. Ob man da mal nachschauen müsse,  nicht dass da auch einer gestorben sei. wieder nickt er in Richtung Cafe. Sein schwarzer Humor verschlägt mir die Sprache. Unwillkürlicher Impuls prompt nachzusehen, löst sich dann doch in Lachen auf, seinem: entwaffnendes Lachen. Bleibt nix anderes, als mitzulachen. ich könne einen Kaffee in seinem Heim trinken. und Kuchen gäbe es. und ganz umsonst. –

Hm. klingt nicht so verlockend, ehrlichgesagt.

an seinem Tisch säße sonst immer ein Mann gegenüber. Buster Keaton nenne er ihn. den könne er mir dann auch zeigen. ich schwanke. eigentlich klingt es doch alles ganz gut.  (Ich liebe Buster Keanton!) Und ich will endlich Kaffee. ich bin hier, um Geschichten zu hören. warum nicht? Wir gehen, wir schieben in Richtung unteres Tor, dann weiter Richtung Tankstelle (“gängerns nur, ist nicht mehr weit, ich zeig ihnen was” im mitterweile einsetzenden Regen.

Momentaufnahmen aus einem alten Pralinenkasten, schwarzweiß, sepiafarbene mit gezacktem Rand, rötlich-gelbliche aus den 80er Jahren undneuer mit Enkeln darauf. leider keine von WIndsbacher Häusern. Nürnberg. Feucht Metz. Könissee, deren tiefes Blau man zu sehen glaubt, obwohl das Bild schwarzweiß ist. ein junger Herr W. mit einer Frau mit Ingrid-Bergman-Lächeln in einem Boot. (“Ihre Frau?” – “Nein, nein, eine gnzlich Unbekannte” – scheint mir nicht ganz aufrichtihe Behauptung!). Herr W bei der BUndeswehr(schöne Zeit. Wachschutz. Immer seine Runden gedreht. Weil Pistole am Gurt so schwer war, diese im Sicherungskasten versteckt und mit leerem Halfter die Runden gegangen. 20 Jahre lang!). STolz auf Ford Taunus. “Buckel Taunus”. STämmiger Vater, winzige Mutter. ein blondes Mädchen mit Knüddel-Zöpfen, das hinter einer Katze hergeht. – dass sei die spätere Messnerin Mutschler. (oder Muschler? Mir war so als hätte ich am Vortag ein Muschler-Grab auf dem Friedhof in Neuendettelsau gesehen). Fremder Leute Leben. Fremde Namen, die ins Auge stechen auf fremden Friedhofen. Draussem ergoss sich nun der Regen in Strömen. Im Gemeinschaftsraum des Seniorenheims, das genauso aussieht wie das meiner “Uri” ist es still. der Regen ruft aber “Ahhhs” und “Ohhhs” hervor. Es gibt Marmorkuchen und süßen Saft. der Kaffee ist dünn. die Pfleger freundlich. ich sehe jetzt ertsmal keine Verrückten (und deshalb bin ich auch – ehrlich wirklich ehrenwort! – nicht hier!). W. gibt zu, nicht alle haben “n Batscha”. der Herr hinter mir im gelben Pullover beispielsweise… “Hochintelligent! – und aus der DDR.” der Mann sitzt aufrecht in einem Rollstuhl, regloses Gesicht, aber hellwach, seltsame Präsenz. Gefühl, als höre er alles, aber zeige keinerlei regung, es könne aber jeder zeit ein Kommentar herausschießen aus den feinen Gesichtszügen – und so ist es auch.  Da erzählt W. gerade von der Bundeswehr. (oder en Gängen zur Schule seiner Kindheit, kilometerweit durch den Wald, Feucht – Rummelsberg?) der andere aber sitzt immer noch regungslos mit dem Rücken zu uns und man weiß nicht genau, wer gemeint war mit “Das haben wir alle schon 1000 mal gehört!”  Buster Keaton ist nicht da. aber einer mit dickem Bauch (“Sehens, was hab ich gesagt….!) kommt. Ebenfalls Rolator – in dem jedoch eine etwas mitgenommene Deutschlandflagge steckt.  im Raum verteilt sitzen die Alten. Frau mit hinreißendem Lächeln, weit hinten eine, deren Stöhnen ich erst für eine Beamtmungsmaschine geahlten hatte. eine Spannung liegt im Raum. Wieder schießt der Hochintelligente etwas hervor, eine Antwort auf ein Murmeln seiner Gegenüber-Tischgenossin. Nicht unfreundlich, nicht freundlich. Die Frau weit hinten am Fenster spricht mit ihrem Ehemann, der nicht da ist. Man sieht, dass sie ihn sieht. Herr W. sieht sie ihn sehen. ich seh, dass er sieht, wie sie sie ihn sieht. fühle mich wie ein ausnahmsweise zugelassener Voyer. Sehen Sie, ich sagte es ihnen: Verrückte! Der Unterschied ist, wenn er das sagt, ist es eine absolut berechtigte notwenidge und erleichterne Mitteilung. die Welt mitteilen, die er teilt. er darf darüber lachen, er darf aufstöhnen über die Batscherten. er weiß, was kommt. ich hab keine Ahnung.

als ich gehe, schon nach drei Schritten aus dem Raum heraus, bricht die Spannung, die im Raum lag zusammen, die Frau mit dem vermeintlichen BLick auf den Mann im Jenseits, schreit auf. wo jetzt ihre Freundin hingegangen sei.

Das war nicht deine Freundin. schießt der Hochintelligente. ich mache mich aus dem Staub.

2.6.

Das Dauscher-Haus ist die Nummer 25. tatsächlich neben dem NKD, aber ich irrte, als ich dachte, der Brunen stünde davor. Das dunkle Etwas in der rechten Ecke  ist ein Kellerfenster.

 

 

Johann Sebastian Bach Gymnasium, um vor Schülern zu lesen. Als der erste Schulgong ertönte zurückversetzt gefühlt in eine andere Zeit. Obwohl das hier keine Alte-Schule-Schule ist, sondern ein weitflächiges heller Bau. Vergessen zu fragen, was es mit dem Steinbecken in der Aula auf sich hat (sah aus wie zum Wassertreten, aber ohne Wasser). Daneben Kunst aus Plastik-Kanistern, aufgeschnitten und ausgestattet zu rätselhaften Puppenstuben. Schön. Muss es dem U. nennen als Grund für die Daseinsberechtigung von Plastik. Überhaupt extrem viele schöne Bilder an den Wänden. Bach, Goethe, Selbstportraits. Schüler und Lehrerin waren freundlich. Befürchtung, dass zu viel geredet, trotzdem gutes Gefühl.

Salat gegessen beim Italiener, der bald schließt. Irrtümliche Annahme, der Mann würde vielleicht gerne darüber reden, aber darauf angesprochen ging er mitten im Satz weg und murmelte „Besser so!“ Eigentlich klar, dass der nicht irgendeinem beliebigem einmaligem Gast (zweimalig, da ich mich noch gut erinnere an den Tag im Sommer im letzten Jahr, als ich auf der Durchreise überrascht hängen blieb in der Stadt. ) zwischen Trinkgeld und Geschirr-Abräumen auf (vermeintlich) rhetorische Fragen zu antworten und sein Leid klagen mag oder seine Erleichterung! Hatte ja auch zu tun, der Mann.

So viele Läden schließen. Das Schuhaus. Der Fristo schließt nicht, aber hat das Konzept Pachtladen abgeschafft. Der Italiener geht…

Abends nochmal in die Hauptstraße gelaufen mit dem Heftchen “Die Straße meiner Kindheit”, um Häuser zu vergleichen. Veränderungen faszinieren, eine klitzekleines bißchen  Kontinuität beruhigt dennoch: die Apotheke ist immer noch eine Apotheke. Las von den Anfängen des Apothekengewerbes (damals allerdings andreswo: “ein halbes Haus in der Kolbestraße, so Marlene Townson in “Windsbacher Geschichten” ), von bettelarmen Apothekern im 18. Jh, die es schwer hatten, gegen obscure Mittelchen von Krämern und Hausierern. Die Leute kauften lieber wilde Mischungen (“Teufelsdreck”), als seriöse Medikamente eines zugereisten Apothekenbetreibers.

1736 hatte man dem ersten Apotheker, der sein Gewerbe in W. ausüben wollte, schon abgeraten “weil er sein Auskommen nicht finden werde” – obwohl (oder gerade weil?) gerade die Blattern ausgebrochen waren. Zu viel “verarmte Untertanen” Seltsam. Hätten die narbengesichtigen Kranken ihm dei Bude eingerannt und dann nicht bezahlt? Erst 1744 versuchte es dann ein anderer Apotheker, der dann doch absprang, ein Pfarrerssohn namens Fürst wollte die Apotheke dann führn, bekam ewig lang die Erlaubnis nicht und hatte dann mehr Auflagen als Gewinn. Offensichtlich war es üblich, dass Amtsvisitationen durchgeführt wurden, für die die Apotheke selbst aufkommen musste. Da kam dann einer, kostete und logierte, prüfte, aß und trank und die Rechnung musste der Apotheker zahlen, den das mehr kostete als er im Jahr einnahm. Ein “Amtskastner” habe jedoch dann bei der Regierung erwirkt, dass man den armen Apotheker die Zahlung erließ.

 

 

 

1. 6.

Wieder angekommen. Windsbach. Dass ich da für ganz kurz in die Großstadt getrieben wurde, reißt eine ärgerliche Lücke ins Kontinuum. Habe ein Konzert am Stadtturm verpasst, das ich gerne gehört hätte, schon allein um das Abendrot zu sehen zu Blues und Jazztönen, die alten Mauern, das bißchen Rasen, der schmale Streifen, in der ein Biergarten zu sein scheint, den aber rätselhafterweise niemand betreibt. Schöner Ort für ein Konzert. Soll toll gewesen sein. 80 Leute! Hörte, dass die Musiker hier angefahren kamen in einem Auto das just wenige Meter vor dem Rentamt den Geist aufgab, aber das abschüssige Kopfsteinpflaster ließ sie sachte am Ziel ausrollen.

Poetische Ankunft. Eigentlich müsste man dann bleiben für immer.

Wäre selbst gerne hiergeblieben. Die Zeit rinnt eh dahin. Andererseits kann man wieder ankommen (wenn auch nicht so poetisch-dramatisch wie die Musiker) auf die Stadt zurasen – Die Namen werden vertrauter – die im ferneren Umkreis. Niederwurmbach, Ellingen (der traumhaft schöne Biergarten, in dem man im Gegensatz zu ganz München sogar W-Lan hat), Selgenstadt, Mitteleschbach, dann windet sich der Weg, schraubt sich nach oben und das irgendwie etwas mitgenommene Ortsschild „Windsbach“. Hat einen Schatten. Angekommen.

Zwischen den beiden Toren hängen Fähnchen von Straßenseite zu Straßenseite gespannt. Für Pfingsten? Weiß und rot… – oder waren die vorher schon da?

Venetia. Nun aß ich doch so ein „Unverfroren-Lecker-Eis“ (gestoßenes Wassereis mit Farbstoff). Hätte lieber eins bei Helmreich gegessen, aber da kann man nicht sitzen. Wahnsinn auch hier hat man Netz! Ansbach freifunk net! Unglaublich. Man muss gar nicht an der Ecke des NKDs stehen.

Schräg gegenüber im Fachwerkhaus mit dem Erkertürmchen hat also Goethe mal gegessen. Zur Sonne. Die Sonne ist eine Scheibe und hängt noch dort. Aber es ist jetzt ein Grieche drin. Helios.Viele Griechen in alten Gaststätten. Überall. Griechen sind die Italiener von gestern. Der gegenüber vom Dekanat soll schließen. (soll natürlich nicht, aber schließt. Schade).

Grieche heißt nicht Helios, hatte mich verlesen. Er heißt Ilios. Der in Neuendettelsau heißt zum Fessla. Ich glaube, es ist der einzige Grieche auf der Welt, der nicht nach einem griechischen Gott oder einer Stadt bekannt ist. […]

31.5.

Tag gestern in Berlin weitgehend damit verbracht die Spülmaschine auszuräumen, einen Kosmos zu beseitigen, der entstanden ist, wenn man vergisst sie einzuschalten und dann zwei Wochen weg ist.

[…]

30. Mai

Berlin. Beinahe schlaflose Nacht im Bus. Nürnberg, Bayreuth. Berlin. für einen Tag. Irrsinn. Morgen Nacht wieder zurück. Idiotie. Was man nicht im Kopf hat, hat man in den Beinen. (zwar tragen sie einen nicht nach Berlin, man wird ja gerollt, aber man muss sie übelst einzwängen zwischen Rucksack und Vordersitz). Flucht in den Traum: ich sitze im Bus übelst eingezwängt zwischen Rucksack und Vordersitz. Allerdings Verbesserung im “Wo”: Fahrt von Italien nach Kroatien über Vancouver. Schönere Landschaft vor Fenster.

[…]

28. Mai

Immer dieser Überschwang. „Wieder evangelisch werden…“  Was zieht da so… Und nun ist auch noch Kirchentag!vielleicht sollte ich erstmal der Sache auf den Grund gehen, warum ich denn (15 Jahre alt war ich damals) aufgehört hatte in die Kirche zu gehen? Dem Kinderglauben entwachsen? – Erinnere mich an dreierlei.

  1. Grund. Scham darüber, weil ich die bei der Kinderbibelwoche einstudierte Orffsche-Instrumente-Musik-Einlage, die wir im Gottesdienst im Anschluß an die Predigt spielen sollten heimlich hatte aufnehmen wollen, aber (bereits vor der Predigt!) statt auf Rec auf Play gedrückt hatte und die eigentlich zum Löschen freigegebene Kassette (Dschungelbuch) lauthals durch die Kirche dröhnte. Probiers mal mit Gemütlichkeit. Ich bin der König im Affenwald und so. Am Xylophon erstarrt. Besitztum des Kassettenrekorder  vermeumdet (wohl an die drei mal), als sie ihn mir nachher zurückgeben wollten. hab mich so sehr geschämt, dass ich nie wieder hin bin.
  2.  Grund. Pfarrers zogen weg.

  3. Grund. Kirche wurde verkauft und abgerissen zu Gunsten der Neubebauung mit Mehrfamilienwohneinheiten.

    Also Scham, Familienangehörigkeit und Desillusionierung. Ersteres war aber der Hauptgrund, der dritte Grund freilich ist ein guter.

    Fakt ist: Menschen, die wirklich glauben, berühren mich. Und wenn sie dann noch singen, oder inbrünstig beten…  Das Gefühl  letztens aber auch empfunden inmitten von betendn Juden an der Klagemauer und wochen später im Gazastreifen, als zunächst die Hähne krähten, dann die Stimme des Vorbeters aus dem Lautsprecher der Moschee knarzende und dann von allen seiten Menschen ins Morgegebet (um vier uhr früh!)  einstimmten. jeder für sich, nah und fern…

    ***

Die Eltern besucht in der Nähe von München. Kein Netz. 2 Tage weg von allem. Auch von Windsbach. Das Stadtbild anders vor Augen gehabt Dank Lektüre “Die Straße meiner Kindheit”. Aufzeichnungen einer Windsbacherin, geboren 1917, die sich an ihre Kindheit erinnert, an die Straße zwieschen den beiden Toren, die Leute, die damals in den Häusern lebten. Bäckerei, zeitweilig Cafe, auch Likör wurde destilliert. Ist das das Haus, in dem jetzt der NKD ist? – Nein, es müsste das daneben sein. Es hat den Brunnen davor. (Der NKD hat dafür W-Lan. – es hatte ein bißchen gedauert, bis ich das herausgefunden hatte: ich saß in der Venezia Eisdiele und starrte immer zu auf das Haus vor dem – irgendwie  komisch – Leute herumlungerten. Üblem Vorurteilsdenken anheimgefallen und gedacht, der dunkelhäutige Mann, der da so lange stand, würde möglicherweise Drogen verticken – und dann abgelöst werden von einer  jungen Frau, die auf Kundschaft zu warten schien (und zur Tarnung mit dem Handy herumfuhrwerken). Verdammt! Anders denken! Unschuldiger werden. Und die Straßenseite wechseln. Da die Venezia Eisdiele kein WiFi zu bieten hat.)

[…]

27.5.

26. Mai

Der Tag beginnt mit einer Korrektur. Der U. hat gesagt, er hätt nicht gesagt, dass der Dorschner die Linde abgeholzt habe, sonern die Linde (die vor des Dorschners Gasthof gestanden hatte unter anderem zur Zeit, als der Goethe an die selbige sich erbrach, sei später entfernt worden: Weihnachten 1992, da hätte jemand gezündelt.

Vor dem Friedhof sprudelte eine Quelle, glitzerte in der Morgensonne, war aber ein Wasserrohrbruch. Schöne, fröhliche Frau mit Kinderwagen grüßte und plauderte, wir stimmten darin überein, dass es schön aussah. andere Frau kam hinzu, klagte über abgestelltes Wasser.

Gehaltvoller Tag. schöne Begegnungen. Ansichten. Austausch. Determinismus erklärt bekommen vom Dekan (muss aber noch drüber nachdenken), wenn man ihn hört (auch so), möcht man (ehrlich!) sofort evangelisch werden. NAnnte die Stadtkirche “seien Margaretha.” Sakristei hat kleinen AUsguss, da hat man früher den Rets vom Messwein hineingeschüttet und den Kirchhof mit Alkohol getränkt. Davon werde ich heute träumen.

Wandgemälde in der Gottesruhkapelle später vom Lechner. Erstmal nur so viel: meine Eigeninterpretationen bisher weitgehend alle falsch, aber das war ja eigentlich auch klar (z.B.. dass da keine Hundehütte abgebildet ist!).

Weitere Einblicke heute nachmittag Dank Besuch bei den Lechners: Die Dorschners (bzw. damals Fischers) hätten nicht nur damals die Linde nicht abgeholzt, sondern außerdem eine andere gerettet. Es gab nicht nur eine Goethe-Linde, sondern auch eine Hitler-Linde, die nach dem Krieg von den Amerikanern gefällt werden wollte. Soll jemand aus dem Hause Dorschner rausgestürzt sein, und drum gebeten haben, den Baum nicht zu fällen, da dieser ja nix dafür hat können, daß man ihn zu Ehren des Führers benannt habe – was den Amis dann auch eingeleuchtet haben muss, weil sie davon abließen.

Der Stumpf der Goethe Linde wiederum steht fast am Internat, also nicht direkt vor dem Gasthof Dorschner (und Goethe soll auch weiter unten (“zur Sonne”) eingekehrt gewesen sein, also das Essen dort (heute ein Grieche) nicht vertragen haben, was wiederum auch nicht erwiesen ist. Laut des Buches “Windsbach” von Karl Dunz – das hat der Lechner mir geliehen), soll Goethe auch nicht erbrochen, sondern gehalten haben weil er ein Haus hatte zeichnen wollen. (wer weiß!). Lechner jedenfalls weiß auch, wer die Linde dann  (also 1992) angkokelt hat: die Internatsknaben waren es, weil sie im hohlen Baum heimlich geraucht haben. Dass man den Baum gleich hat fällen müssen! Da hat die Stadt wohl all zu schnell eine Motorsäge ausprobieren wollen. Man hätt ja bis zum Frühjahr warten können, vielleicht hätte sich die Linde ja erholt.

Der Lechner übrigens glaubt nicht an den Geheimgang von der Gottesruhkapelle zur Wallbergkapelle: Erstere stünde auf sumpfigem Boden, getragen von aufgeschütteten Steinen und Balken. Kein guter Boden für einen Tunnel. – Nun könnte man argumentieren, dass dadurch vielleicht das Graben um so leicher gegangen sei. und vielleicht der Gang auch deshalb  eingestürzt ist…  und deshalb findet man ihn nicht.  Außerdem war Frau Lechner wiederum anderer Meinung. Hat als Kind noch in Mitteleschbach das entsprechende Gegenstück des Ganges in der Wallberg-Kapelle gesehen. Zugemauert zwar, aber durchaus vorhanden. Und: es wär ja ein blöder Geheimgang, wenn er so offenkundig – si