Stadt-Schreiben

[Dieser Blog begann in der Stadt Windsbach, wo ich einen Monat im Frühsommer 2017 als Stadtschreiberin verbrachte. Es wurde ein bißchen mehr draus. Paradoxerweise ist es beinahe leichter über eine Stadt zu schreiben, die man noch nicht kennt. die Eindrücke treffen einen unvorhergesehen und man ist frei für die neuen Eindrücke. Zuweilen – denn meine Tage in Windsbach sind wohl gezählt – schreibe ich aber auch über vertrautere Städte, über Berlin, der Stadt, in der ich wohne. Manchma auch über wirklich fremdes Terrain. z.B. im Gazastreifen, auch wenn meine geplanten Reisen in diesem Jahr wohl nicht stattfinden können Dennoch:.  Wer ein bißchen Geld übrig hat… – nachwievor sind Spenden willkommen

zum illustrierten Gaza-Projekt-Tagebuch (2018-2020) (alle bisherigen Gaza-Reisen, Chronologisch)

Hier gehts zum  a k t u e l l e n Take-Care-Blog (ab 4. Mai… in chronologischer Reihenfolge

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Aufbruch in der Früh. Der vater will noch nicht aufstehen. Wir schleichen uns aus dem Haus. Riesiges Gepäck. Fahrt nach Saarbrücken daher mit Motorrad nicht möglich. Grad jetzt wo es endlich mal keinen Schaden hat.

Reise mit Licht-Equippmenet der Eltern. Es hatte eigentlich nur ein Scheinwerfer sein sollen, aber die Mutter hatte in einer ihrer Ruhepausen gleich noch einen  aus dem ehemaligen Schneide und Vorführraum im Keller demontiert.

Ein Lichtstativ kam dann auch noch hinzu, weil ein Ebaykauf mal wieder nicht geklappt hatte. Der bevorstehende Workshop entwickelt sich langsam zu den Ausmaßen einer Welttournee, nur dass sie eben zwischen Lichtenberg, Marzahn und Hellersdorf stattfindet. Daß ich aber über Saarbrücken fahre… ist zum Teil wieder so ein geographischens Mißverständnis. Hatte irgendwie gedacht es sei näher, oder läge so halbwegs auf dem halben Weg. In Saarbrücken Dinge auf andere Wege bringen.

S-Bahnhof Vaterstatten. Man in neongelbtem zu großen Sport-T-shirt sieht aus wie Sicherheits oder Straßenbaudienst, sitzt aufrecht auf Bank und liest mit ernstem Blick „Man in Black Teil 2“. Zu früh. Selten so ruhige Abfahrt, Zeit für alles. Aber Fahrkartenentwerter funktioniert nicht richtig. Geisterhafte halber Zahlencode auf den alten Streifenkarten, die ich seit Monaten aufhebe, um sie zu zu benutzen. Prompt Fahrkartenkontrolle. Man sähe nichts, absolut nichts auf dem „angeblich“ entwerteten Streifen.  Am Ende sieht der Kontrolleur es doch, dennoch muß er „einen Vorgang draus machen“. Handy-Fotos werden gemacht. Auf den Fotos sieht man das „gestempelte“ beinahe eher als auf der Fahrkarte selbst.

Die unterirdischen S-Bahnhofe sind immer noch nicht renoviert. Die Kacheln meiner Kindheit (gelb für Rosenheimer Platz, grün – Isartor, orange und dunkelblau für Marienplatz) sind alle abgeschlagen worden, unten drunter die rohe Wand sieht schroff und nach Ausnahmezustand aus. wenige Kabel ziehen sich ebenso ausnahmsweise aus dem Beton und sehen aus wie Krampfadern oder vernarbte Schmisse.

 

In der S-Bahn die Displays bedauern, daß zur Zeit kein „Infotainment“ möglich sei. Denke über das Wort nach und weiß nicht ob ich es doof finde.

Infotainment wieder am Hauptbahnhof (dessen Kacheln waren ehemals rot), man soll raten wie viel Fruchtsaft die Deutschen im Jahr trinken. – es stellt ich heraus: 30,5 Liter pro Jahr.

Earl-Grey-Tee aus Camping-Thermoskanne schmeckt zitronig erfrischend, ich ahne aber, dass es vom Reinigungsmittel kommt.

Stimme aus dem Lautsprecher. „In wenigen Minuten ist Augsburg“.

15. September, Neukeferloh

Geburtstag des Vaters. Schokoladenkuchen. Tarte, deren Kruste unglaubliche Falten wirft. Mit Abstand bester Kuchen. Schöner Gabentisch, vielleicht zu viel? In Ermangelung des idealen Geschenks, sind es viele kleine geworden, von denen man nicht ganz sicher war ob sie gut sein würden.

2 Postkarten aus der Paul und  Paula Buchhandlung, eine die wie Kinoeintrittskarte aussieht, die andere wie Gummitasche, gefüllt mit roter und blauer Emulsion, 2dimensionaler-Lavalampen-Effekt. Der Vater bewundert und betastet die Farbenpracht, hängen bleibt er aber immer wieder aufs Neue an der kleinen Schift „Bizarr-productions“. Auf der Eintritts-Karte entdeckt er die Kartennummer, die  – zufällig! – sein Geburtstagsdatum beinhalten. Andere Geschenke eher nicht so der Hit. Sie selbstgenähnte Atemmaske (muß auch ich sowas jetzt tragen?“) , das kleine Radio  („legs mal weg, aber nicht löschen!“), Plexiglas-Spielauto mit roter Götterspeise gefüllt. („Ja.“) Am meisten freut er sich über die Bücher, die wir probeweise aus seiner eigenen Film-Bibliothek „geliehen“ haben und schön verpackt. („Das freut mich wirklich sehr!“

Viel im Garten gesessen. Die Nachbarn kommen und bringen Sekt. Abends Lachs und Baguette. Oktoberfest 1900geguckt. Das Fernseh-München der Vergangenheit sieht zauberhaft schön aus.

8. September, Neukeferloh 

Stempel gesichtet. Weil er sie früher gesammelt hat, gibt es sehr viele. Ich habe auf dem Flohmarkt am Boxhagener Platz oft welche gekauft, schon wenn die Adressen schön klangen, schienen sie kaufenswert. Einige nun doch müssen „zu den Zwergen“, sprich zur BSR.

Behalten: ZWEITSCHRIFT. zur PRÜFUNG. DRITTSCHRIFT.  Rechnungseingang. FOTO-PRINT. Inklusive Mehrwertsteuer [in Schreibschrift]. Kakao-Zusatz. Innenfutter darf mitgewaschen werden. WARE FREIGEGEBEN – und einen alten medizinischen zur Untersuchung vom „Urinstatus“ mit vielen Spezifikationen zum Ankreuzen.

Alte Stempelkissen aus den 50er Jahren wie neu, sind tintiger als die neueren Datums von Pelikan.   

 

7. September, Fahrt Windsbach – Neukeferloh

Extrem schöne Landstraßen-Fahrt mit Motorrad von Windsbach nach Greding. Dank mißverstandener Umleitungsschilder auf einem hohen Hügel gelandet. Durch Dörfer, zwar  Autobahn nah aber so entlegen, dass ich sie mir unbedingt merken wollte. Walting war der letze Ort den ich erinnere. Nachträgliche Rekonstruktionen via Google  Maps ergaben nicht viel, aber ich sah, daß eine Schule für Zauberkunst“ ganz in der Nähe gewesen wäre. Möglicherweise bin ich auf einer Route Neun ¾ gelandet ohne es zu merken.

[…]

7. September, Windsbach.

der Garten der So. in der Früh ist noch zauberhafter als sonst. STufen  zur Terrasse, Blumen wachsen neben Teetassen, die ebenso aus der Erde zu sprießen scheinen, wie Traumfänger und echte Pflanzen. eine Stufe weiter unten beginnt die Zweckmäßigkeit, aber eine freie, weitläufige, Pflastersteinhaufen, Bauwägen. wieso ist es trotzdem so idyllisch. Dahinter die Felder, wäre die Retzat nicht, man könnte querfeldein zur Kapelle. Man sieht  sie  von hier aus nicht, Im Morgennebel leuchtet aber die Schrift des Helu-Kabelwerks.  Aufgewacht mit dem Blick auf die Reklameschrift und ziemlich desorientiert. vertraut, heimelig und doch wie im falschen Film. ich glaube mein Hirn ist immer noch nicht da. Daß dem nicht so ist und ich einen Kopf haben muss, belegt das “spezifischeKopfweh”. Gefühl hier her getaumelt zu sein. Dinge hin und herschleppen. sichten. Umschichten.

Die struppige tote Kirchenmaus auf dem Boden der Gottesruhkapele. mit spitzen Händen und Handschuhen, nach draußen gebracht und begraben. von der unterseite war sie seltsam platt. die Sachen die ich hier noch gelagert hatte auf das Motorrad gepackt, aber wieder nicht alle. Dinge, die ich hier vermutet hatte, waren anderswo, sie, die ich fand waren wie Weihnachtsüberraschungen.  das schönste war: die alte Türklinke runterdrücken, der Moment, wenn noch nicht klar ist, ob offen ist oder nicht, und dann mit leisem Quietschen öffnet sie sich. Fortführung des hellen Tons in einen schöneren. jemand singt. steht am Altar mit Kopfhörern und singt sehr schön.. Die eine Hand hat sie am Ohr, damit der Headphone.Stöppsel nicht rausrutscht, in der anderen hält sie ihr handy und nimmt sich auf. Selviemodus, aber ein höchst anmutiger, vielleicht weil sie es für sich macht und mich nicht sieht. Später nettes Gespräch. schon 100 Mal sei sie hier vorbegefahren, von Schwabach kommend, ihre Tochter in WOlframseschenbach besuchend. grad heute hatte sie gedacht: Schau mal rein in die Kapelle. Sie sagt: “es ist ja schon fast keine Kapelle mehr, eher eine Kirche, so groß wie sie ist.” freute sich sehr, das sie geöffnet war. das sei nicht oft so, dass man in die Kirchen hinein könne.  – wieder so ein Moment in dem ich  bedauere, dass die evangelische Kirche, die mir neulich die Fortsetzung des Projektes “Bilderstürme” mitteilte. Natürlich  zu Unrecht, denn geplant war ja ein Event mit Publikum. Ich glaube aber nach wie vor, daß die eigentliche Arbeit die der Recherche ist, der Sammeln von Mosikstückchen, das Sprechen mit Menschen. Eigentlich genau das was man jetzt machen könnte. was dann und wann  und ob überhaupt wirklich an die Öffentlichkeit kommt, das ist eine andere Frage.  Kopflos wie ich bin, prompt wieder nicht alles eingepackt. ich brauche einen ort wo ich alles unter einem Dach habe. mein Dachstübchen jedenfalls ist gerade höchst unzuverlässig.

6. September, Windsbach

Von Rheinsberg direkter Aufbruch nach WIndsbach, Frühstück verpasst, aber wollte schnell los. die zu dünne Jacke, die egal wie bemüht ich sie flicke, das Kunstleder mit echtem ersetze nach und nach: es wird nie eine gute Jacke werden. seltsame Eitelkeit, dass ich lieber in Lumpen fahre und friere, als die vernünftige 80er Jahre Leder-Kombi-anziehe, die der Oma des Vorbesitzers meines vorherigen Motorrads gehörte – und die fuhr Rennen!

Seltsame Irrfahrt zwischen  Rheinsberg und Autobahn, weil ich dachte, es ginge gerade aus (weil die Frau im Navi nichts sagte – in Wahrheit hatte sie sich einfach ausgeklinkt.) furch den ort Wulkow. Jusitzvollzugsanstalt, die überall zu sein scheint egal um wie oft mich die wieder zugeschaltete  Googlemaps-Frau links abbiegen – dann links abbiegen – links abbiegen läßt. steriler KLotz, geometrische Unendlichkeit. So oder so kommt man immer am selben Ort an, ob man nun immer geradeaus fährt oder  immer links abbiegt. Letzteters geht halt schneller.

Landstraße bis NImegk. dann Autobahn. Landstraße durchs Land der Tausend Teiche, in Dreba Suppe und Kuchenplatte. weiter bis Schleiz, dann Rest Autobahn. Ich werde schneller. der Abstand scheint sihc zu verringern. kam an, da pflanzte die So, gerade einen Baum für ihre Enkelin. Einen chinesischen Blauglockenbaum. hätte gerne mitgemacht, aber saß apathisch am Gartentisch und entschleunigte noch. Zwischen-Den-Welten-Gefühl. ich glaube mein Hirn muß auf dem Weg hierher auf der Strecke geblieben sein. Schwindelig. Und immer denken ich weil ich mögicherweise immun bin, dass man mir das an der Nasenspitze ansehen muß. Habe erklärt, dass ich geimpft bin und daher auch möglicherweise keine Viren übertrage, aber schon wenn ich es sage, merke ich, dass es trotzdem unverschämt ist, Leute zu besuchen. Und sicher is eh nix.

5. September, Rheinsberg

Geburtstafsfest. mein ältester, langjährigster Freund. Festlichkeit. der Pavillion am See. Ankommensbier. Aperol SPritz, orange Stürme im Wasserglas. Nein, eher sanfte wogen. es waren sehr viele Menschen. Im Nebenzelt in einer Ecke saßt stumm die Belegschaft. hielt mich an wenige.

4. September, Berlin-Mahlsdorf

Mir waren immer Orte wichtig. Fremde Orte sehen. über sie schreiben. von ihnen berichten. Im falle des Schreibens nähere ich mich ihnen so an,  begreife sie. Manchmal falsch, manchmal richtig, Handgreiflichkeiten sind nicht ausgeschlossen. Im Fall des Theater-Machens ist letzters tatsächlich manchmal nicht zu umgehen. Immer versuche ich den Ort zu entdecken und dann etwas in ihn einzupassen, das “Sinn macht”. oder passt.

So lange die Theater nicht geöffnet sind, und so lange ich nicht reisen kann, um meine Theaterarbeit in Gaza fortzusetzen, suchen wir die kleinen Orte, die anderen Orte. .  wir nehmen in Kauf, ein im wahrsten SInne des WOrtes handverlesenes Publikum zu erreichen, dafür aber alles zu geben.  habe kaum für ein Theatergastspiel je so viel geackert wie für das Einpassen unseres Formates in die Familienzentren Mahlsdorf, Marzahn und das Kunsthaus Flora. die Umständlichkeit des Berufes… die Umstände, die so sehr ins Gewicht fallen, die Mails die im Spam landen. die Räume die wegbrechen. die 10 Zentimenter, die fehlen, um dem Beamer den richtigen Abstand zu geben zur Projektionsfläche. Ich war immer stolz gewesen, Inszenierungen an fremden Orten zu machen. jedem Raum, egal wie untheatral, ob zu dunkel oder zu hell ob ohne STrom oder  ohne Platz, ob im Ausnahmezustand der einschlagenden Raketen in Gaza oder im Kleinkriegsgebiet Windsbach,  einen Zauber abzuringen. oder andersherum: den Zauber zu entdecken, den eben jeder Ort bietet. Es ging immer. Die Frage ist, warum? Die  Begeisterung der Frau vom Humanistischen Verband, die mich fragte, ob ich das, was wir in und mit Gaza machen nicht auch zwischen Mahlsdorf und Marzahn veruchen wollen, schien genug. Ein Impuls, eine Herausforderung. Nun sind aus dem einen Ort drei geworden und wäre das Stipendium der Bundeskulturstiftung (das ich aber eigentlich für die Arbeit mit Gaza erhalten habe) nicht, es wäre die Selbstausbeutung schlechthin.  Zugesagt hatte ich letendlich, weil  die Leute vorschlugen alles zu dokumentieren und aufzunehmen. was aber nun doch nicht klappt. Je schlimemr es wird, desto mehr will ich über mich hinauswachsen. es wird schon.  jetzt erst recht. ich dachte immer ich müsste lernen zu deligieren, aber immer wenn ich loslasse, fällt es unter den Tisch. Trotzdem noch Kamerafrau gefunden. trotzdem trotzdem und obwohl noch nicht einmal klar ist ob wir  von einem der orte bezahlt werden, werde ich mein bestes geben. den Rest aber gab mir der dritte Ort. er ist der schönste, eindeutig ein Kunstraum. Altes großes Haus in schönem Park, das auch in WOrpswede stehen könnte. EIn herrlicher Raum, das richtige Licht, ein Flügel steht in der Ecke,  an den WÄnden schöne Graphiken und Bilder. trotzdem Raum für eigenes… die Leiterin des Hauses ist freundlich, wuselt in grüner Schürze trepp auf trepp ab, nru um mir einen Zollstock zu bringen, damit ich messen kann – obwohl ich schon sehe, dass die Maße sich ausgehen, daß von allem genug da ist. ich messe und skizziere trotzdem, während sie wieder in ihre Keramikwerkstatt geht.

Später als ich sie einladen will und erzählen möchte, was wir machen während der langen Macht der Familien, winkt sie bereits ab. das spiele für sie eh keine Rolle. sie sei an dem abend eh nicht vor Ort. ich will ihr wenigstens Fotos zeigen von dem was wir machen, damit sie es weiß, damit man vielleicht ein andermal etwas zusammen macht. wieder winkt sie ab. sie seinen nicht mehr lange die Träger dieses Ortes, er würde nächstes Jahr von der Bildung übernommen. Sie klang trotz ihrer Gastfreundlichkeit müde und hatte bereits dicht gemacht. “was immer Sie da vorhaben, für uns ist das nicht mehr relevant”. Ich war so erschrocken, dass ich prompt um so freundlicher wurde, obwohl ich mir echt dämlich vorkam. was mach ich denn dann hier? in diesen Deinen schönen Räumen?  Und das schlimmste: ich kann sie versetehen. leider verstehe ich sie sehr sehr gut. Sie hat wahrschienlich selbst  Jahre lang tolle projekte gemacht in dem fernab-Gebäude. irgendwann kann man nicht mehr. Bildung ist saystemrelevant. Kunst, Kultur passt da irgendwie auch immer ein bißchen rein, wenn sie sich unterordnet, hinten anstellt.  Tragen kann sie nicht. sich tragen meistens auch nicht. manchmal darf sie das Sahnehäubchen sein, wenn es passt. am besten Sprühsahne, die man nicht vorher schlagen muß, sondern eine die gleich fertig ist und auf die Schnelle viel dekorarativer ist, auch wenn sie dann bald in sich zusammenfällt. wenn KÜnstler sich nicht einmal mehr für andere Künstler interessieren oder für das was an den besonderen Orten stattfindet und diese verändert, dann bin ich am Ende meiner Kunst. ich weiß nicht mehr wohin noch. Mein Lieblingsort, die Theaterlapelle wurde abgewickelt, das Theater Al Mishal in Gaza restlos zerstört bei einem Luftangriff, die Gottesruhkapelle in WIndsbach, die ich als Kulturort gerne etabliert hätte,  sagte mir ab wegen Corona, ohne auch nunr in Erwägung zu ziehen, was alles gerade wegen Corona noch möglich gewesen wäre an oder mit diesem ort… –   die kleinen anderen Orte wissen nicht zu schätzen, dass man sie sich auf die Fahne zu schreiben versucht. Ich will nicht glauben, dass nur noch der Rückzug in die virtuelle Welt bleibt. Oder die in den eigenen Kopf.  und vielleicht, weil es auch um Output gehen muß: das Papier. die Zeit des Theaters um jeden Preis ist vorbei.

 

29. August, Berlin – Frankfurt Oder – Küstrin, Schloß Tamsel

[…]

Hatte eigentlich nur zu MacDonalds gewollt an der B1. ZU spät die Spur gewechselt und irgendwie hatte ich auch eh nicht halten wollen. Irgendwann auf ,Die „Autobahn der Freiheit“ entlang gerast Richtung Frankfurt Oder. Wer hat sich diesen Namen ausgedacht? Es ist nicht so, dass es hier keine Geschwindigkeitsvorgaben gibt. und man fährt richtung Grenze. Bei Frankfurt dann runter. schöne Orts und Stadtteilnamen. Müllrose. Alt-Beresinchen. Letzteres klingt nach einer zierlichen sehr alten, sehr lieben Tante mit einer unvorteilhaften Kopfbedeckung.

Wieder beinahe in Polen gelandet. (letztes mal war ich hier mit A. der mir, kaum waren wir im Stadtverkehr in den Lenker Griff, fragte, warum ich an der Ampel nicht den Leerlauf reinnehme und mal eben, zwischen Orange-Rot und Grün meine Kupplung neu einstellte. Ich schnauzte ihn an und verwendete das Wort übergriffig, offensichtlich ein Schlüsselwort, das ihn dazu bewog geradeaus nach Polen zum Zigarettenkaufen zu fahren, während ich zum Kleistmuseum fuhr. Vom Zigarettenholen kam er nicht wieder und das wars dann erstmal gewesen. ich bin nicht gut im Zusammen-Ausfahren. Nie halte ich mit. will ich auch gar nicht. ich fahre seltsame Umwege, meistens fahre ich zu langsam, in letzter zeit manchmal zu schnell. Und mein treuster Reisebegleiter ist der ADAC.

Kann nicht fassen, dass ich prompt wieder die Seitenstraße verpasst habe, die die zu Kleist führt, und  bereits fast auf der Brücke lande, die auf der polnischen Seite endet.  Abenteuerlich querfeldein über Gehsteige und Parkplätze und Fußgängerzone / Promenade an der Oder. in Richtung Museum. Der Mann an der Kasse kommt mir so bekannt vor. Traue mich aber nicht nach seinem Namen zu fragen. 

Im Garten des Kleistmuseums liegt  Konfetti. Eine Trauung hat stattgefunden.

Offensichtlich passiert das häufig.

Ich sage „bei aller Liebe zu Kleist“, hier zu heiraten würde ich niemand empfehlen. Irgendwie nicht die beste Schirmherrschaft für eine Ehe.

Er sagt: in diesem Falle müsse man Kleist eben mal vergessen.

Bevor ich gehe, zeigt er mir wo das ehemalige Haus der Zenges und der Kleists gestanden hat. Ich wußte , daß es in der Nähe der Marienkirche war, aber nicht, wo genau. Und auch nicht wie nah die beiden wohnten. Die beiden HÄuse waren getrennt durch einen Torbogen.

Das Gefühl: nie halte ich mit… – dürfte Wilhelmine von Zenge, Kleists Verlobte auch gekannt haben. sie hat es echt versucht. Denkübungen absolviert, ihn ziehen lassen, , akzeptiert, dass er „kein Amt“ nehmen will und studieren auch nicht. Kant gelesen – erst bei „Bauer werden! „Warum nicht Bauer werden?!“ hat sie Einspruch eingelegt. Obwohl man es eigentlich nicht genau wissen kann. von ihren Briefen ist kaum einer erhalten. nur ihr letzter, denn der ging zurück. da saß er in Schweiz, auf einer Insel im Thuner See und hat ihn wahrscheinlich zurückgehen lassen. Oder war bereits anderswounterwegs. oder die Schweizer Post hatte nicht gewußt, wer der Herr von Kleist auf der Insel im see war. Empfänger unbekannt. Ich war mal auf dieser Insel, obwohl  betreten verboten ist und kein Weg hin führt. ich schwamm rüber, ein Handy zum Fotografieren unter meiner Mütze. Vielleicht war dem Postboten das zu kompliziert gewesen. – wie auch immer. keine Briefe von WIlhelmine, nur eben der eine und es ist ein ziemlich kluger und berührender Brief.  sie weiß durchaus, dass es vorbei ist, aber macht sich dennoch Sorgen um ihn. man kann in und zwischen den Zeilen lesen, daß sie viel aufgegeben hat für ihn, Vorwürfe macht sie ihm nicht.

Witzigerweise hat sie später einen professor geheiratet namens Krug, der der Nachfolger von Immanuel Kant wurde an der Universität von KÖnigsberg, also des Mannes den Kleist so verschlungen hatte und wegen dem er an der Wissenschaft zu zweifeln begann (oder sich zumindest darauf berief) und lieber Bauer werden wollte in der Schweiz (aber nur ganz kurz!).

Stehe aber jetzt da, wo früher die beiden Familien gewohnt haben. Wilhelmine war also das girl next door. Die naheliegende Wahl? Inzwischen ist da Baustelle. Fast wie ein Stadtgraben wirkt das längliche Loch.  1945  war es eingerissen worden, in den 50er bebaut. Vor zehn Jahren war dieser Häuseblock ebenfalls abgerissen worden und jetzt weiß man nicht so recht weiter. Gräser wachsen im Loch. Klatschmohn. Seltsam. Wäre der Lo.  hier, er würde sich hineinbeißen in die Tiefe und wahrscheinlich noch Ungeheueres an Land ziehen.

In der “Frankfurter Kartoffel” gesessen, Blick über die Oder. Rinderfilet und Ofenkartoffel. ENtschluß weiter nach Polen zu fahren.

Noch nicht lange verlobt hatte Kleist eine geheimnisvolle Reise unternommen, um deren geheimes Ziel er so viel Aufhebens machte, daß man kaum glauben kann, dass er wirklich eins hatte. die Literaturwissenschaft rätselt bis heute (Industriespionage? EIne Phimose-Operation? Kontakte zu Freimaurern? Glücksspiel?), ich glaube er wollte einfach Abstand haben. auf der Autobahn der Freiheit fahren. Als er losfuhr war sie aber selbst aufgebrochen, nicht weit von Frankfurt auf ein Gut, das jetzt in Polen liegt. Schloß Tamsel hieß es damals. stand sie nicht bereit, um zu winken, als er abfuhr?

Polen.Die Grenzen sind kleine Brücken,  Die Natur ist echter – und die Märkte protzender.  Aber  die Häuser in den Straßen haben noch ihre alten Gesichter. Der bunte Mix der Reklameschilder: die Eleganz der 50erHJahre schriften und der Zahn der Zeit die LED-Ramschichkeit der Angebote. Zigaretten und Alkohole. .Dahinter ist es ausgestorben. Verlassene Häuser, aufgegebene Bürokratien. Graffiti. Warum verändert sich die Landschaft schlagartig hinter der Oder. Die struppigeren Felder, die Feuer auf den Äckern oder der auf den Spitzen der Industrieanlagen. Abfackeln vor  gerade noch blauen HImmel. DieDörfer die sich um die STraße ästeln. Die Die Eichenalleen.Fuhr lange in die falsche Richtung, wissend, dass es die falsche war. Aber die Straße war großartig und bitter und kaum hatte ich die Stadt hinter mir gelassen, war alles zur-Schau-gestellte der Verkaufsstützpunkte verschwunden. Irgendwann ragte an einer alten Bahnlinie eine BAcksteinBurg aus dem Sumpfgebiet. Wie ein kariöser Backenzahn, der aber nach außen hin noch hält, bombenfest, ein Turm ein Stellwerk, ein Bollwerk im nichts., was weiß ich. Irgendwann dann doch umgekehrt,  durch Küstrin hindurch, 7 Kilometer weiter liegt Dabroszyn. Das ehemlige Tamsel. Hier ist sie hin.

Motorrad parken gewollte in einer Schneise, einem Seitenweg so holprig und gewölbt von Kopfsteinpflaster glatt übersehen, dass es eine Straße war. Strafender fassungsloser Blick einer Frau im Auto hinter mir. Ich war dauernd im Weg.

Man ist schon durch den Ort beinahe durch da ragt eine Kirchturmspitze hervor und das Schloß wie ein aus dem Himmel gefallener Kasten, ein altes Gut, das auf den ersten Blick aber wie ein sozialistischer Wohnblock wirkt, nur das terracottagelb leuchtet zwischen den hohen Bäumen. Vielleicht sind alle feudalistischen Zierereien abgeschlagen worden. Entweder als es vom Himmel fiel oder weil der Sozialaismus es sich zurechtmeißelte. Irgendwo weiter hinten soll ein Dinosaurierpark sein.

Hier war sie und trank wahrscheinlich Tee und hat den Abstand den er brauchte vorab gerade noch in letzter Minute für sich vergrößert. Ich verstehe sie. Und ihn hats ja wohl auch ein bißchen gejuckt. Apropos. Hier gibt es echt viele  Mücken.

17. – 28. August

[Zeit voller Kopfzerbrechen. Paracetamol hilft eher nicht, Schreiben im Gegenteil. Nervenscheidwand-Verletzung der Hand macht Bewegungen der Finger zum gefühlten Ameisen-Rennen-Event. wenn ich das Notebook nur berühre ist es als ob Strom fließt oder kriecht. Offensichtlich stirbt die Nervenwand ab und es ist, und der Nerv liegt bloß, also wäre er ein Kabel, dess Isolierung durch ist und deshalb mit den anderen Leitungen interagiert. Was hilft ist mittelmäßige Fenrseh-Serien gucken…]

16. August, Berlin

Geträumt, daß Lo. hätte beim Graben in der Baustelle zwischen “Nadja und Kosta” und der S Bahn Linie das Schwert Excalibur gefunden. ich habs dann an mich genommen, aber nur weil ich fürchtete, er könne sich daran verletzen. Bin dann zum Zelten gefahren und versteckte es in meinem Schlafsack, in den es der Länge nach genau hineinpasste.

11. August, Berlin

Bilde ich es mir nur ein oder gibt es zur zeit extrem viele FernsehSerien über starke Frauen, ob FBI-Agentinnen,  Soldatinnen oder andere Powerfrauen, die nach einem Trauma oder warum auch immer einen Hau weg haben , unter Gedächtnisverlust leiden und ihre eigene Geschichte rekonstruierne müssen? Beinahe unbesiegbar, stark, aber meschugge. Die Serien haben so schöne Namen wie “Blind Spot” oder “Absentia”, so daß ich sie anfange zu gucken, dann aber doch blöd finde und vergesse, daß ich sie je gesehen habe. nach einer Weile stolpere ich wieder über Namen und glotze, falle möglilcherweise dabei sogar in den Schlaf. ein  Teufelskreis von Filmrissen und Lebensabwesenheit. Ganze Staffel “Absentia” geguckt und erst im Finale erinnert, daß ich  a l l e s  schon kannte. Bedenklich.

10. August, Berlin

Die Baustelle haben die Bauarbeiter übernomme. Zu den Tiefen hat der  Lo. keinen Zugang mehr. Morgen danach. sitzt auf der Bürgersteinkante Kaskelstraße gegenüber von seiner eigentlichen WOhnung, die unbetretbar geworden ist und weint. er sei gestern noch  friedlich eingeschlafen auf dem Ausgrabungsfeld. die letzten Fundstücke seien so kostbar, so einzigartig gewesen, dass er sich glücklich schlafen gelegt hatte. die ARbeit getan. abschließen. es muss sich um kleine Löffel gehandelt haben, eine riesige Kachel aus dem 18. Jahrhundert, in der Breite so groß wie eine Tür.  Geformt, als sei sie über einem Torbogen angebracht gewesen, mit zierlichener Musterung. Das Schönste und Ungewöhnlichste was er je gefunden hat. aufgwacht vom Klang, zerbrechender Keramik und dem dumpf-tönenden Klirren von Keramik, wenn etwas in tausend Teile zerbricht.EIner von den Bauarbeitern war darufgetreten und hatte die gesprungenen Hälften dannzum restlichen Bauschutt geworfen.

Immer geht alles kaputt. auch wenn es Jahrhunderte verschont geblieben ist. Mißlungener Versuch Lo. zu trösten mit dem 3. Satz der Thermodynamik einem Knoppers, und dem Gedanken ,, die Kachel habe einen letzten großen Auftritt gehabt, sei geborgen worden und war vielleicht nur ihn bestimmt, für einen Moment. Er hat sie noch gesehen, er hat sie im Kopf, blind zeichnen könne er sie, sagt er.

Momenaufnahmen. Aufgreifen von DIngen, die man nicht zu Bares für Rares tragen kann, aber im Herzen: ebenfalls verloren, der rußige Backstein in den vor wie viel Jahren auch immer ein Kind die Buchstaben gemalt hat: “MAX IST DOOF”. Lag im Untergrund, wurde ausgegraben, nicht nur der Stein war heil geblieben, auch der zeitgenössische Ruß, ohne daß Sand, Erde, oder neue Geschichts-Schichten den Fingerzeig hätten verwischen können . die Botschaft, daß Max doof ist, kam an, im 21. Jahrhundert, dann durfte sie gelöscht werden. ich wollte aber zumindest erwähnt haben.

27. Juli. Berlin – Wittenberg.

G. brachte mich auf den Weg nach M.  nostalgische Gefühle; wenn ich hinter ihm sitze auf seinem Motorrad und nicht selber fahre, ist die FAhrt eine hingebungsvollere. schön. Fähre bei Mauken. der Fährmann zog in Erwägung  uns den Betrieb zu hinterlassen. aber das ist ein alter Trick. in den Märchen geht sich das nicht gut aus, für die die die Fähre übernehmen. WIttenberg. Bahnhof. Abschied. schönster AUsflug seit langem, vielleicht weil man eine Weile eine RIchtung hatte und nicht der Frust des “Hin und Zurücks” die Fahrt verdarb. lange Weiter-Fahrt im Zug, Frau hinter mir telefonierte so laut. Mann am anderen Ende des Abteils stand auf und bat um mehr Ruhe, da ihn das Gespräch in keinsterweise interessiere. Mich leider interessierte UND nervte es zugleich. die Frau kannte wen aus der Öffentlichkeitsarbeitsabteilung des Friedrichstadtpalastes. Offensichtlich haben große Theater mehr Sorgen  als kleine in Zeiten von Corona.

23. Juli, Berlin

Der Platzregen. das kleine Porzellanpuppengesicht das er auf den Steinhaufen drappiert hat. hinter den Gittern der Bauzäune entstehen auch provisorische Ausstellungen.  die Schuhe die er ausgezogen hat liegen vor dem Brg, es sieht aus, als sei einer  in den Steinen verlorengegangen und nur seine Sohlen seien verblieben. Der Regenborgen, kaum geboegen, aber weitreichend, erst blaß dann in starken Farben, der sich über der S-Bahn Nöldner Platz bis weit in Richtung Friedrichshain spannt. die Traufe. die üppig rinnenden Wassermassen von der der Café-Marquise von “Nadja und Kosta” unter der Lo. duscht. wenn man eh nass ist, kann man nicht nass genug werden. die Trockenzeiten der Ausgrabungen verliert sichim Rinnstein.

 

23. Juli, Berlin

der Platzregen. das kleine Porzellanpuppengesicht das er auf den Steinhaufen drappiert hat. hinter den Gittern der Bauzäune entstehen auch provisorische Ausstellungen.  die Schuhe die er ausgezogen hat liegen vor dem Brg, es sieht aus, als sei einer  in den Steinen verlorengegangen und nur seine Sohlen seien verblieben. Der Regenborgen, kaum geboegen, aber weitreichend, erst blaß dann in starken Farben, der sich über der S-Bahn Nöldner Platz bis weit in Richtung Friedrichshain spannt. die Traufe. die üppig rinnenden Wassermassen von der der Café-Marquise von “Nadja und Kosta” unter der Lo. duscht. wenn man eh nass ist, kann man nicht nass genug werden. die Trockenzeiten der Ausgrabungen spült der Rinnstein hinweg.

22. Juli, Berlin

Der Baum bleibt verschwunden. habe den Tatort aber immer noch nicht gesehen, weil mein Schreibzimmer zum Hof geht und mein anderes Zimmer so durcheinander, dass ich es eh kaum betreten kann. Und im Flur liegen immer noch die Relikte. der Sohn hatte beeindruckendere Fundstücke geborgen. einen Lampenschirm aus Glas auf dem die seltsamsten Kristalle wachsen (dem Impuls darüber zu wischen, soll man widerstehen, sagt Lo., weil auch diese Krusten udn Schichten und Ornamente etwas zu erzählen haben), einen massiven EIsenwinkel mit schlichter Verzierung…

ich werde nicht mehr hingehen, der Sog ist zu groß. Es ist letzendlich eine Art Treibsand, in dem man sich selbst verlieren kann. Geburtstagsfeiern entgleiten einem, Schuhe, das Maß…

Daß der Sohn aber gräbt, gefällt mir, er kann das auch maßvoller als ich. er bleibt bei sich. erinnerung an die zeit in der der Palast der Republik abgeissen wurde. er war damals vielleicht zwölf. damals fand man auch Spuren anderer Zeiten: den Friedhof eines alten Klosters. Archäologen waren mit Ausgrabungen beschäftigt. die andere baustelle musste warten. der Sohn hüpfte in den liegengebliebenen Schuttbergen des ehemaligen “Palastes” herum und  fand Scherben von Fallrohren, Kacheln und Sonstiges. Er zeigte sie den “Kollegen” der anderen Ausgrabungsstätte, die ihn aber nur auslachten. das sei ja nichts historisches. der Kosterfund sei viel Älter. die Frage: “aber die Zeit schreitet doch voran? irgendwann sind auch die Relikte des Palastes der Republik historisch – wenn sie es nicht soweiso sind. eine zeit ist zu Ende gegangen. eina neue beginnt… die erstmal die noch ältere zeit heraufkramt und ein Stadtschloß alt auf neu entstehen läßt. ist das nicht der beste Beweis wie schnell DInge aus der Mode kommen, wieder in sind, ob Möchsgebein oder Fallrohrbrüchstückhaftes der DDR.  wieso haben Historiker so wenig Phantasie?

der Sohn erinnert sich nicht an die Geschichte. vielleicht weil die Archäologen damals so wenig motovierend waren.

21.  Juli, Berlin

Offensichtlich hat jemand die Akazie vor unserem Haus abgesägt. Der Sohn fragt, ob ich gemerkt hätte, daß sie weg ist. Laut solls gewesen sein. heimlich in aller Früh. Habs weder gehört noch gesehen. trau mich kaum hinzusehen und habe das Haus heute nicht verlassen.

22. Juli, Berlin

Der Baum bleibt verschwunden. habe den Tatort aber immer noch nicht gesehen, weil mein Schreibzimmer zum Hof geht und mein anderes Zimmer so durcheinander, dass ich es eh kaum betreten kann. Und im Flur liegen immer noch die Relikte. der Sohn hatte beeindruckendere Fundstücke geborgen. einen Lampenschirm aus Glas auf dem die seltsamsten Kristalle wachsen (dem Impuls darüber zu wischen, soll man widerstehen, sagt Lo., weil auch diese Krusten udn Schichten und Ornamente etwas zu erzählen haben), einen massiven EIsenwinkel mit schlichter Verzierung…

ich werde nicht mehr hingehen, der Sog ist zu groß. Es ist letzendlich eine Art Treibsand, in dem man sich selbst verlieren kann. Geburtstagsfeiern entgleiten einem, Schuhe, das Maß…

Daß der Sohn aber gräbt, gefällt mir, er kann das auch maßvoller als ich. er bleibt bei sich. erinnerung an die zeit in der der Palast der Republik abgeissen wurde. er war damals vielleicht zwölf. damals fand man auch Spuren anderer Zeiten: den Friedhof eines alten Klosters. Archäologen waren mit Ausgrabungen beschäftigt. die andere baustelle musste warten. der Sohn hüpfte in den liegengebliebenen Schuttbergen des ehemaligen “Palastes” herum und  fand Scherben von Fallrohren, Kacheln und Sonstiges. Er zeigte sie den “Kollegen” der anderen Ausgrabungsstätte, die ihn aber nur auslachten. das sei ja nichts historisches. der Kosterfund sei viel Älter. die Frage: “aber die Zeit schreitet doch voran? irgendwann sind auch die Relikte des Palastes der Republik historisch – wenn sie es nicht soweiso sind. eine zeit ist zu Ende gegangen. eina neue beginnt… die erstmal die noch ältere zeit heraufkramt und ein Stadtschloß alt auf neu entstehen läßt. ist das nicht der beste Beweis wie schnell DInge aus der Mode kommen, wieder in sind, ob Möchsgebein oder Fallrohrbrüchstückhaftes der DDR.  wieso haben Historiker so wenig Phantasie?

der Sohn erinnert sich nicht an die Geschichte. vielleicht weil die Archäologen damals so wenig motovierend waren.

21.  Juli, Berlin

Offensichtlich hat jemand die Akazie vor unserem Haus abgesägt. Der Sohn fragt, ob ich gemerkt hätte, daß sie weg ist. Laut solls gewesen sein. heimlich in aller Früh. Habs weder gehört noch gesehen. trau mich kaum hinzusehen und habe das Haus heute nicht verlassen.

20. Juli, Berlin

…aber dann doch hängengeblieben. Zunächst schien Essen dringend von Nöten zu sein. aber dann sollte ich vor allem einen Lötkolben holen. drei Lötkolben besitze ich, aber der, den ich brachte war wohl kaputt. er hatte eine Lampe reparieren wollen, aber am Ende taten es doch die Handies. erst im schönen Sommerkleid (wegen der Geburtstagsfeier) am rande, dann doch den Absprung gewagt. egal… die Schnürespandrillos noch ausgezogen, dann in die Tiefe. das schöne Sommerkleid – egal. wenn man am Rande steht, wo Lo. der den Stromkasten anzapfen darf,  auch Tee kocht oder  auf dem herausgehobenen Pflastersteinplatte sitzt wie auf einer Miniaturterrasse und in die Grube blickt, wirkt es wie ein abgründiger Sandkasten. keine Ebene, kein eindeutiges Loch. Drinnen ist es eine ganze Welt ohne oben und unten. begonnen zu graben ohne zu wissen was ich tue, er hatte gesagt, es sei jetzt keine Zeit zu erklären! EInfach den Sand hinter mich schaufeln mit einem verbogenen Blech. “Schau, so!” er zeigt es und eine Ladung  landet in  Gesicht und  Kleid.  – schnell ist es egal. es ist Sand-Taufe. Plötzlich ist es so leicht. Geht von der Hand wie nichts. schaufeln, graben. zwischen den Händen tausend zerbrochene Dinge. Lehmklumpen. GLasscheiben. eine, runder Flschengrund, hat ein T eingravivert, es sieht aus wie das Logo von tengelmann. GIbt es Tengelmann überhaupt noch. oder ist er auch schon Geschichte? weiter. ich grabe mich frei. ich schleudere hinter mich. ich höhle aus. irgendwann stellt sch heraus, dass das Loch dass ich grabe keine Schätze birgt, dass weiß Lo bereits.  sollte dem Zweck dienen, dass ich darin Knien kann und unterhalb des Kellerbodens dort Schichten abklopfen kann, die vielversprechender sind. “ICH KANN DAS JETZT NICHT ERKLÄREN. MACH ES EINFACH”. – “BRÜLL MICH NICHT AN!” “JETZT SIEHST DU MAL WIE DAS IST!” – “WAS IST DENN?” immer wenn wir unter Druck stehen, schreien wir uns an. Immer wenn der eine bestimmt, und der andere wissen will… mal ist er das, mal ich…. kaum ist ar aber in seiner Nische verschwunden, ist es wieder egal. Lo. ist so weit  entfernt… er ist eigentlich sofort vergessen, denn es ist dunkel… – daß das was nicht direkt vor AUgen oder in Händen liegt, eigentlich nicht existent ist.  Lo. mag die Zeit im Genick sitzen – morgen kommen die Bauarbeiter und die Ausgrabungsstätte wird enteignet – aber eigentlich ist eh keine Zeit. Zeit existiert schlichtweg nicht. alle Zeiten liegen in schichten in der grube. ich, unerhalb des Kellerbodens krabbele dann doch höher. hier hatten Menschen ihre Regläsern. der Schuster seine Werkstatt?, hier lagen später russische Soldaten verschanzt. hier klopf man mit dem Hammer und schält Zeug aus der Wand. wieso ist keine Wand? wieso ist alles weich und ich schwimme in einem trockenen Meer, auf Wellen aus Sand. Ich suche nichts. ich finde Weniges. egal. EIn EInweckglas. ein Türscharnier, eine keramikplatte in die sich ein längs liegender Nagel gepresst hat, wie ein Fossil in eine Sollenhofener Platte. EInen Ring aus porzellan in der Größe eines Haribolakritzstückens mit Kokos drumherum- Ehrlichgesagt ist es mir beinahe schon gleichgültig, was da ist. ich wühle mich durch den Grund und denke der Grund ist einfach hier und jetzt da zu sein. Oben und unten gibt es nicht mehr. die NAcht wird kühler, egal. das Kleid ist grau un dfeucht. die nackten Füße graben ebenso wie die Hände. aber die stecken jetzt in Handschuhen, das geht besser, sie werden zu  Schaufelrädern eines RAddampfers. Das schwache Licht… ich kann mir jetzt vorstellen, dass man an einen Punkt kommt, an dem man einfach nur in den Eimer pinkelt und seine Schätze darin wäscht… – bevor das passiert….  die Kurve gekriegt. jetzt zurück oder nie.  die Schuhe, die Jacke vergesse ich. ich merke nicht einmal dass ich barfuß bin. beeile mich, da ist  ja noch das  Fest, zwei Ecken weiter. als ich zurück will in den Hof,  auf die Party, ist schon längst alles vorüber. wie lange ich weg war habe ich vergessen.

19. Juli, Berlin

Gestern Abend dann doch noch zur ehemaligen Garage. In Richtung S-Bahn türmt sich der märkische Sand, dann abfallend geht es in die Tiefe. hin zur Seitenmauer des Cafes wieder steil hinaus. schwindelerregend. man sieht es nicht gleich, nur fern hinten der warme Schimmer der Baulampe. rief seinen Namen und Lo. tauchte auf wie aus einer anderen Zeit, einem anderen Film. ich hätte ihn nicht erkannt. dünn ist er eh geworden, das selbst geschnittene Haar grauer –  finsterer Kumpel seine Augen leuchtenden unter dem Hut hervor.  hätte ich nicht gewußt, daß er es ist, ich hätte mich ein bißchen gefürchtet. wollte gerade Feierabend machen, er wirkte zittrig. wer weiß wie lange er zu Gange war. zu Grabe war. es sei ein Endspurt. denn in zwei TAgen würden die Bauarbeiter kommen. Tee, den ich mitgebracht hatte getrunken. Orangen geholt. er schält sie mit erdigen Händen, Trauerränder-Kante der Nägel. zeigt seine Schätze. holt sie aus einem schwarzen EImer voller Wasser, neun doch nicht Wasser: nicht wundern über den Geruch, schwefel-sauer seien einige Fundstücke, undr Phosphor der Bombensplitter… außerdem habe er reingepisst in den EImer. von seinen HÄnden tropft es, als er mir etwas entgegenhält.  ich nehme es dann doch. Er war schon immer ein elementarer Mensch. sein Barfuß-Gehen in der Sommer-Stadt finde ich zuweilen idiotisch, aber hat seine Gründe. Er hat seine Abgründe. Er ist kein BLender, kein Pseudo-Archaiker. er hat sich in den vielmehr in den Abgrund verbissen und es ist inzwischen egal. “Leute”, sagt er, “kommen und gehen.” die meisten finden es gut. wer ihm unterstellt, er bereichere sich hier, dem bricht sich Bahn die ehrliche Entrüstung und das ebenso ehrliche Angebot: “Nimm die Sachen, nimm sie selber, aber dann mach auch weiter, dann schaffe das Werkzeug hier her und wierder zurück, dann archiviere, kathalogisiere, schreibe auf… jeder kann sehen, wie ernst er die Arbeit nimmt. DIe Leute vom Stadtteilmuseum, das gleich eine Ecke weiter auf seiner Fassade die Schrift trägt RAUM FÜR FREIRAUM, hätten auch mal vorbei gesehen. höflicher Mensch der Direktor (leider nimmt er mich nie ernst).  Auch Lo.’s archäologische Ausgrabungen sind für Museen wie diese nicht wirklich von Interesse. es müsse schon passen. Fände Lo. hier ein ganzes Schuster-Sortiment, hier wo das Haus des Schusters in Dutt gegangen ist, sei es was anderes. aber die vielen “DIngse von Dächern…” Am ENde zu müde gewesen um weiter zu bleiben. Ahnung, dass der Feierabend nicht wirklich gekommen war. ich ging heim. Sehnsucht, nach DIngen zu graben. ob von Dächern oder vom Krieg. ob nach Kinderhänden oder SPiralwindungen, Pisspötten oder keltischen Messern. stattdessen nachts Kuchen gebacken für den Freund…

                                                                               ***

…Der hat heute Geburtstag. Kuchen, die ich ihm backe sind fast immer ungenießbar. das weiß er und isst darum meistens kein Stück. die die er nicht isst, sind aber genau immer die die richtig gut werden. man weiß es freilich nicht immer vorher (denn gut aussehen tun sie meistens schon). Es ist wie mit Schrödingers Katze. am besten läßt man die Kiste zu.

                                                                               ***

Kuchen tatsächlich entsetzlich. Zuckerschock. wenn man schon Backmischungen nimmt, sollte man sich an die Gebrauchsanweisung halten. Immer zu viel des Guten. ich werde ein andermal darüber nachdenken, was das bedeutet. Die Feier war schön. Irgendwann kam dann der Anruf, ich solle doch schnell zur Baustelle kommen… (der Sohn war diesmal vor Ort und grub mit). Hatte nur kurz nach dem rechten sehen gewollt, aber dann… […]

18. Juli, Berlin

Vergessen gehabt, dass viel WIchtigere DInge sich abspielen. die Funde die  der Lo. im Schutt des abgerissenen Garagenhofes geborgen hat (die Hand in der Hand, die Embleme, Orden, die Helme)… – nun ist die Baubstelle sein EIgenreich gewordne und Ausgrabungsstätte. Ich weiß es von A. der ganz aufgeregt einen köchrigen Pisspott anschleppte, den er ausgebuddelt hatte mit Lo. un steht der Pott im Flur. welche Hinterteile besaßen ihn früher? der des Schusters? es ist kein großer Pott, vielleicht war es der Topf der Kinder.  sage A. dass es WG-praktisch ist, wenn einer zu lang im Bad braucht, kann der andere den Pott benutzen. natürilch dennoch unpraktisch, da löchrig. ANflug von Neid. Hätte ich doch nur Zeit! wollte auch gehen in den Erwachsenen-Sandkasten, aber traute mich nicht vor den Augen der Cafe-Sitzer. nicht wegen der Absperrungen, sondern weil es klar ist, dass es das Hoheitsgebiet des Lo.  ist. Er grabe dort von früh bis spät. in der Mittagshitze aber wohl doch nicht.

Stattdessen zu Fuß Dinge erledigt. Blasen an den Füßen. Hatte vergessen wie es ist ohne Räder.

17. Juli, Ingolstadt

Rückreise mit Flixbus. Wut, weil die automatische Ansage sagt, dass  keine Snacks angeboten werden können (wegen der aktuellen Lage), aber “andererseits” man sich freue, die Waschräume zur Verfügung stellen zu können. die andere Seite der Nahrungsaufnahme. glatte Lüge. wurde in Ingolstadt vertröstet, dass man in einer halben Stunde in Münchberg halten würde. diese weitere Lüge aber durchschaute ich dann doch. von Ingolstadt bis Hof in 30 Minuten! Fahrer dann doch nett. Kann nihct aufhören diese Geschichte zu erzählen, obwohl sie banal und im Grunde langweilig ist. Toiletten-Lockdown. Ja. gibt Schlimmeres.

Juli, Neukeferloh

Das leckende Dach, dessen Riss ich nicht finde. die Versuchung, die magische Klebebandrolle aus dem Internet zu kaufen. sie klebt sogar Wasserrohrbrüche während sie geschehen.Die Mutter ist skeptisch, aber was weiß sie schon vom Internet! Nachdenken über Sackgassen und falsch gewählte Namen. wer hätte gedacht, dass Eternit nicht für die Ewigkeit ist. Und Bitumen… es klingt nach Nomadenstämmen in Finnland. Wo nur verlaifen die Risse. eine AMsel trippelt über das Blech zwischen Garten mauer und Terassendach. sie muss sich ducken und läuft wie ein Aufziehvogel. das Geräusch der Füße auf dem Aluminium klingt, als käme es von einem inneren Mechanismus des Vogels. er läuft gerade und schnell und verschwindet dann in den Blutpflaumen.

Juli, Neukeferloh

Der Vater ist schweigsam. er sieht wach aus verfolgt die Gespräche und wirkt beeindruckend wissend. vielleicht weil er schweigt. Sein Bart ist üppiger geowrden und insgesamt wenn er von der Seite mir runzelnder STirn (seines sonst so überraschend glatten, braun gebrannten Gesichts) das Gespräch verfolgt, wirkt er wie Mandy Patinkin in Homeland. Die Mutter un dich besprechen was zu tun ist. ALltägliches. Bei den Zwergen vorbeifahren… zum Beispiel. er sagt nichts, aber ich sehe ihn angestrengt nachdenken. was bedeutet “Zu den Zweregn fahren”. vielleicht klingt es genauso unnachvollziehbar wie alles was wir besprechen.

“Zu welchen Zwergen wollt ihr denn jetzt… schin wieder…?!” sehe ich ihn denken. Behutsame “WIe-DU-Weiß-Information” Dabei hatte er das Wort selbst geprägt vor Jahren, als sie das Areal am Wald, zum Wertstoffhof machten. Wie Du weißt, hast Du damals ja die Arbeiter so genannt, weil sie hochmotiviert mit Schubkarren zu Gange waren, da hin das Holz, dahin die Pappe. die Lampe… kann man noch reparieren! vielleicht hatte auch einer einen Bart getragen, und incht zu vergessen, die Nähe zum Wald. gleich hinter den Zwergen stehen die Tannen dicht. ich erinnere mich sogar, dass an diesem Waldrand zum ersten Mal Glühwürmchen tanzten  – die ersten jedenfalls , die ich je sah. Jetzt ist dort die Neukeferloher BSR. ihre BÄrte haben sie inzwischen versteckt unter blauen Einmal-Schutz-Masken.

[ein Datenverlust! der sich erstreckt vom 10. Juli bis 18. Juli.  und ich bemerke ihn erst jetzt. das “umsonst Geschriebene” wurmt mich dermaßen, dass sich prompt eine Schreibblockade einzustellen beginnt. ich durchbreche sie hiermit hiermit hiermit hiermit. hier mist mist hit hindemith hinter dem horizont honda hoch habe nun ach ach ach hut ab allerleirauh hau rein rauf und runter ruhe sanft ras nicht rüber rigel rot rachenabstrich rübezahl radieschen rapunzel rarara rattenfänger rufe… – nun is gut!]

9. Juli, Erzgebirge

Diesmal doch vorbereitet. Das wohl gute Wetter. die Route durch Tschechien. Oberwiesenthal. Neuendorf – den Ort wollte ich mir merken, aber ich habe vergessen warum. der Bach , der sich durch die Schierlingssterne windet. höher. doch leichter Nieselregen. höher. Nebel. die Frau im Navigationssystem nicht mehr beachtet, die partou hier halten will,  mich im Kreis schicken würde nach Oberwiesenthal Zentrum, keine Ruhe gibt. dann doch gehalten und sie abgestellt. Kehre hinter der Stadt, Fichtelberg. es müsste eine tolle Aussicht sein, aber der Nebel ist jetzt so dicht… doch ein Märchenland! Höher. Tschechische Grenze. denke, ich muß Vigniette kaufen, weiß nicht genau. Hätte eh nicht gemußt. Tankstelle im Niemandland. sehe sie aber nur auf dem Schild.  schnurgerade Straße wie Radweg.  steil abwärtsweiter durch eine Geisterstadt, Ort hinter der Grenze wie ausgestorben . alt und vergangen und vergessen. Die 50er Jahre. die Häuser-Häuser. ich bin in Tschechien… Zug des Gashebel reißt. ADAC. wie immer. wohin und zurück.

***

Der Nebel hat sich verzogen. Sehe nun: So leer ist der Ort nicht. das nächstbeste Lokal, nicht schön, aber dennoch warum auch immer gemütlich. SOlide. Hätte gerne Knödel mit Semmelbrösel und Sauerkraut gegessen, aber fürchtete, nicht fertig zu sein, wenn der ADAC kommt. herrliches Bier, klein aber in ordentlichem Glas. Der ADAC kommt aber nicht. hätte viele Knödel essen können.Es dauerte schon ewig, bis daß ich den ADAC erreicht hatte. kein Netz. nur draußen vor dem Haus, dann die falsche der ADAC-Nummern gewählt. ein Besserwisser-Mann am anderen Ende wiederholt demonstrativ immer wieder, “hier ist der a m b u l a n t e   Dienst  des ADAC!” – “ja, schön! ambulante Hilfe für mein Motorrad. Ist doch richtig. nicht stationäre EInlieferung, sondern erstmal Hilfe vor Ort…” Das Gespräch dreht sich im Kreis.  Der A M B U L A N T E  Dienst sei hier! – NIx ix hier. Und die Leitung ist mies.  es ist ein Ort an dem man aber dennoch bleiben könnte. für immer. und auf ambulante Hilfe vergebens hoffen. Knödel essen. An der Grenze. für immer.

8. Juli,

die unvorhergesehene Route, die seltsame Art Entscheidungen zu treffen.  via Potsdam? via Dresden? durch Tschechien? über Hof? Ich kann die Entscheidung immer erst auf dre Autobahn greffen, 200 m vor der Abzweigung Schönefelder Kreuz. die A9 wäre schneller gewesen. das Entziffern der Wetterprognosen im Handy bereits in Luckau. lang in der Raststätte, weil der Regen so dicht fällt. dann doch weiter, die ausgebesserte Straße – waren hier nicht mal Fahrbahnstreifen aus der Bahn geraten, als wäre der, der sie auf die Straße fuhr betrunken gewesen… – inzwischen alles wieder gerade.

warum zieht es mich ins Erzgebirge? Die weit und breite Stadt Chemnitz endloser Stau, wär so gerne in dem alten Schulhaus übernachtet, in der Pension in der ich versehentlich den Schlüssel mitnahm. NAmen des Ortes vergessen. kurz vor Oberwisenthal. Erzgebirge. schon das Wort.Es klingt so steil und gefährlich.  und dann sieht alles aus wie Hügellandschaften, weich und bauchig, mit schmalen Bächen in den Tälern. die schrohen Häuser. Bleich und düster. dabei so schön gelegen. Märchenlandschaften, aber die Häuser nicht niedlich. wieder Unentschlossenheit, daher nicht Oberwiesenthat, Auch nicht das schöne HOtel versteckt am Waldhang mit Blick ins weite land, dachte an das Prachthotel auf der Straße nach Triest. an den Klippen. der Fahrstuhl zum Meer…. hielt sogar 2 Kilometer später an und fragte nach einem Zimmer. es hätte eins gegeben. WIeso bin ich dann doch weiter. weil geärgert, dass ich für das Doppelzimmer  5 € mehr hätte zahlen müssen, als für das Einzelzimmer, das gerade weg gegangen ist. dummer Geiz. es sah so schön aus. watum fällt es mir so schwer, zurückzufahren.  immer will man weiter wenn man fährt. schon das Halten tut weh.  Egal. einen Fahrstuhl zum Meer hätte es eh nicht gegeben. Weiter. Früher als ich noch hinten drauf saß auf dem Motorrad, also  Beifahrer war, wollte ichimmer anhalten und alles “In echt” sehen, was rechts und links an mir vorbeiflog; jedes Kopfdrehen und genauer Hinsehen hätte NAckenschmerzen bereitet. Wenn man selber fährt, stürmt es auf einen zu, die Welt fällt einem frontal ins Auge und trotzdem hat man sie hinter sich gelassen, bevor man nur denken kann “schön!”. dann ist man süchtig nach mehr. weiter. Dachte Aue müsse schön sein. aber nein. Flöha… auch nix. müde in Bad sowieso. untergekommen. wieder zu Teuer. eigentlich nicht wirklich teuer, aber der Wirt nennt Preis, den er im selben Atemzug um 5 EUro teurer macht, wegen Last-Minute-Buchung. wieso das? Frühbucher-Rabbat ist ja okay, aber Spontanitäts-Straf-Tarif? Er hat doch gespart?! hat nichts notieren mmüssen, musste nicht zum Telefon rennen, nicht im Gästebuch blättern. ZIehe in Erwägung zurück über Flöha, und Aue zu fahren zu dem Hotel am Meer. aber doch zu müde. Wieso reiben die einem hier immer die besseren Preise unter die Nase, die man nicht haben kann? hätte er ihn gleich teurer genannt, wäre ich gut gelaunt in das  stickige Teppich-Rankenbemusterte Zimmer gegangen. Flucht in das beheizte riesige Badezimmer. hockte eine halbe Stunde in der Dusche. dann doch irgendwann warm. Thüringer Klöße und ich dachte ich bin in Sachsen.

3. Juli

Lo. hat die Hand aus Porzellan gefunden, die einer Puppe gehörte, die einem Kind gehörte. dessen Hand verschmolz mit der Puppe.Bomebentreffer von 1944. vielleicht eins von  den acht Kindern des Schusters. die in dem Haus wohnten, das nach dem krieg zum Garagenhof wurde. immer sahen die Garagen aus wie aus alter zeit. ich hätte gerne eine gehabt, aber si ewaren schwer zu kriegen. Er fand noch mehr unter den Garagenhöfen, die nun ebenfalls Geschichte sind. hat man nie danach gesucht? einfach die GAragen darüber gebaut, sie wieder abgerissen 76 Jahre damach… so viel Schutt, so viel verlorenes… und nie guckt einer genau hin? nur Lo. gräbt sich durch die Welt und sammelt die Scherben…

***

langsamer Tag, erst zum Ende hin wirklich zum Schreiben gekommen. aber der Lo. kam vorbei. längst sind wir wieder versöhnt. aber lange nicht gesehen auch. er müsse mir etwas sagen.  ob ich runter komme, ob wir an der Wasserpumpe sitzen wollen. immer sitzt er lieber auf dem Aphalt. seine Zehen sind lang und zierlich, braun gebrannt , das Haar hat er kürzer, mit welcher Gras schere hat er es geschnitten. Tinte wie gebrandtmarkt, zieht einen  Kreis in die Haut. er trägt einen schwarzen Glitzerpulli und schabt an einer Kachel herum. sonst ist alle an ihm erdig und tief verwurzelt mit diesem Leben. Tiefe Verzweiflung. schnell wieder Lachen. irgendeiner kommt. sitzt ebenfalls auf dem Sphalt im Schneidersitz. geht wieder. Die Männer haben geraucht und mir nichts angeboten, dabei hatte ich schon überlebt wie ich ablehnen würde. Leute kommen und begutachten den Linienverzweiger gegenüber der Pumpe und fragen sich was das ist ein Linienverzweiger. Ich erkläre es. Lo. erzählt von den Füchsen im Kiez. Natürlich weiß ich, dass es die gibt, aber weil nie darüber nachgedacht, war ich immer davon ausgegangen, dass es nur einen gibt. Klar, ich sah ja auhc immer nur einen. er sagt, er sähe genau von welcher der drei Nester die Füchse seien, wenn er sie trifft. Natürlich trifft er sie. möglicherweise kennen sie ihn auch heraus unter allen Menschen die hier leben und die allesamt gleich aussehen in den Augen der Füchse. Lo. erzählt viel. sprunghaft und ohne Ende. von den Menschen die nicht mehr hier leben. die alten, die seltsamen, die Armen, dem jungen Autisten, der seinen Eltern zu anstrengend war, vom rotgesichtigen Wille, der längst nicht mehr ins Stadtbild passen würde, immer freundlich durch die Straßen getorkelt, manchmal geschmeidig, manchmal beinahe in zeitlupe. von der Alten, die die katzen gefüttert hat, die irgendwann weg war, aber nimmer noch kam, manchmal sogar in der nacht, um die Katze zu füttern an der alten Apotheke. Ein Hund kommt., trinkt Wasser aus der Vertoefung unter der Pumpe. natürlich kommt er auch zu Lo. ich sitze in meinem neugehäkelten Kleid, das lange Zeit wie eine gehäutete Katze aussah, aber am Ende doch noch form angenommen hat auf meiner Lederjacke.  ich will eigentlich heim. aber ich werde diesen Moment vermissen. ich bleibe. jetzt wo der Hund weg ist, zieht Lo. seltsamerweise noch ein Beil aus dem Wasser. ich vergesse zu fragen warum er dort ein Beil deponiert hat. Dann erzählt er dass jemand ihm ein Haus geschenkt hat in einem steinigen Landstrich in Tunesien, voller Olivenbäume. ein kleiner Streifen Meer. es muss stimmen. es muss stimmen. es muss wirklich stimmer, denn er hat es geträunur wenige Tage vorher. der bluae Himmel, die weißen Wolken, ein Haus aus Lehm. Olivenbäume, so weit das Auge reicht. ob es weit reicht das Auge? Lo. findet immer DInge. er findet und sammelt; er verstreut. er bewahrt.

2. Juli

zu spät zur Blutabnahme erschienen. einen ganzen Tag. ich habe es vergessen über den Theateranträgen. der BioTech-Konzern, der hinter der Impfstudie steht, verkündet Erfolge. Seltsamerweise behaupten die Ärzte/Pfleger/Schwestern im gläsernen Palast, das seien nur die Ergebnisse aus Amerika. In allen Zeitungen wird aber die deutsche FIrma zitiert. was denn nun?! naja, dann weiß man wie immer halt wieder nichts. fhle mich dennoch super-immunrede-und-antowert-stark.

Fahrt zurück heute sehr langsam, weil immer ein Polizeiauto vor oder hinter mir war. Am Brechthaus immer noch kein neues Graffiti, aber jemand hatte Plakate hingeklebt, die zwar abgerissen wurden, aber man kann noch lesen… –  allerdings dann sofort vergessen.  am Platz der Nationen steht immer ein Zitat von Hanna Arendt, das ich mir inzwischen gemerkt habe: “Niemand hat das Recht auf Gehorsam” der Quatsch Comedy Club verkündet: “je weniger es zu Lachen gibt, desto mehr sollte man es tun.”

1. Juli.

Habe ich Superkräfte? bin ich jetzt immun?

29. Juni

Aufgewacht auf einer Tafel Milka Schokolade Dark Karamell. Aus süßen Träumen und völlig verschmiert.   Eingeschlafen über einer Folge The last Kingdom

***

Frau auf Bank vor dem Kinderhaus Felix in Marzahn sieht mich fragend an und sagt schließlich:

„Ein Uhr?“

„Nein, nein, es ist erst kurz vor zehn!“

Sieht enttäuscht aus. Das war weil sie nicht nach der Urzeit gefragt hatte, sondern die Frage war.

„Ein Euro?“

für Brot fügt sie hinzu.

***

[…]

25. Juni

Korrekturen: der Acheron hat gar keine “Unterstömungen” des Vergessens und des Erinnernd. die Flußlandschaft um die Unterwelt herum ist viel klarer umrissen.  es sind fünf verschiedene Flüsse, einer windet sich sogar 5 mal um das Jenseits herum. DIe Lethe ist ein Fluß für sich. der des Vergessens, ja richtig. was aber falsch ist: es gibt keinen Fluß Mneme. Mneme ist eine Muse und ja, sie ist für Erinnerung zuständig.  aber anderswo. Und der  Alt-Bundespräsident hieß Scheel und nicht Schehl. (ich weiß, mit den Korrekturen, insbesondere der Rechtschreibung ist es so eine Sache es nähme kein Ende, wenn ich damit beginnen würde. ich kann nur so Blog-Schreiben)

24. Juni, Berlin

Der Rechner ist so voll und so langsam geworden, dass die ersten tag in berlin nahtlos zu einem einzigen Tag-Und-Nacht-Brei zusammengeschmolzen sind. Filmschnitt. der nicht enden will. Datenmengen, die das Volumen sprengen und sogar zu, Auslagern zu groß sind, weil der Transfer zu viel Platz braucht. die Hand zuckt und klickt. Nerven liegen bloß im wahrsten SInne des Wortes. wo die Nadel des Arztes neben die Vene getroffen hatte (schon okay, kann passieren, aber wie geht das jett weiter?) ist der Nerv verletzt und Ameisen laufen bei jedem Klicken. seltsamerweise laufen sie auch immer höher. der Studienarzt sagte, die Nervenwand sei defekt. und es dauere bis sie wieder neu gewachsen sei. stelle es mir vor wie eine meiner schlampig gelöteten Konstruktionen, wenn die Stellen wo die Drähte bloß liegen aneinandergeraten gibt es Kurzschlüsse. Wirklich genervt bin ich aber in erster Linie von dem zu langsamen Rechner.

[…]

23. Juni, Harthausen – Greding – Wiepersdorf.

Früh ADAC mit gewaltigstem aller ADAC-Fahrzeuge. HInabschweben auf der Tragefläche in die Nippon-Power-Werkstatt Harthausen. beinahe wie EIngeflogen werden. warum fühle ich mich königlich, wenn doch immer nur alles kaputt ist? in der Werkstatt aber erweist sich das Motorrad als völlig in Ordnung. Beim Hans springt sie sofort an. Sein Kollege meint, die jungen Mädchen wollen ja nur von ADAC abgeschleppt werden. Ich wirke also jung und nicht königlich. auch okay. Beim Losfahren wollen dann doch wieder nix. Die Delitscher Büroklammer wird entfernt. endgültigere Überbrückung. Gespräche über Grundstückspreise und dass, wer lieber in Harthausen eine Werkstatt aufmachen will, stattdessen nach Jüterbog ziehen muß, um erschwingliches zu kaufen oder mieten. Hans findet, ich hätte damals das Bahnwärterhäuschen in O. in jedem Fall kaufen sollen. Ich weiß. Und dran denken, den Seitenständer hochzuklappen vor dem Losfahren. Auch das weiß ich. Abfahrt.

Raststätte Greding. hier bin ich  als Kind oft übergeben worden, wenn ich zu den Offenbacher Großeltern sollte. wollte. An der Tankstelle lange festgesessen weil Anruf von Redaktion des populärwissenschaftlichen Fernsehmagazines G, die meine Stellungnahmen zum Thema Impfstudien bis zur Unkenntoichkeit verkürzt und verharmlost haben. Ziehe meine EInwilligung zurück. dann doch wieder zugesagt, weil Gegenvorschlag. es sind nur zwei Sätze geblieben. und ich habe keine zeit das Materuial an sich zum Sichten zu verlangen. ich bin unterwegs. unentwegt. Ärger. Leberkässemmel im Hinterhof der Tankstelle. Frustrierendste Ausblicke. Weitergewollt. wieder die blöde Sendung. warum hab ich mich überhaupt überreden  lassen. weil ich was zu sagen habe. immer denke ich ich hätte was zu sagen. man kann es auch in dem Satz zusammenfassen, der einer meiner Lieblingssätze in Horvaths Stück Kasimir und Karoline ist: “Ich weiß ja nicht, ich mein ja nur…!”

ich hätt halt schon viel zum meinen gehabt. Der Artikel in der TAZ hatte mir viel Raum gegeben und dann doch nicht genug, weil Fotos. Platzerschwendung. Und dabei hatte das Filmteam  beim Drehen kein Ende finden  können. Am Ende sogar noch “Heroe-Shot” gedreht; der Kameramann mußte extra die Steady-Cam aus dem Auto holen. Ein Heldenschuß.  Das ist, wenn die Kamera von untem auf einen Zurast und man steht stark positioniert da. zum beispiel mit verschränkten Armen und sieht super selbstbewußt in die Kamera. Das alles hatte so viel Zeit gekostet. Raum gegriffen. Und am Ende bleibt beinahe nichts? Warum ist nie genug Raum? Selbst wenn man in Harthausen sein will, muss man nach Jüterbog?

***

Wiepersdorf, Nähe Jüterbog. Ich war hier lange nicht. es ist der letzte Halt auf der Reise. ich bin seit Leipzig nur Landstraße gefahren. ich bin Fähre gefahren. der bärtige Fährmann rauchte und strahlte eine Gelassenheit aus… so müsste der Fährmann sein, der einem über den Acheron fährt. Selvies und echte Fotos. die breite ELbe. die unendlichen vielen Wölkchen. die unmerkliche Fahrt. noch schöneres dahingleiten als das hiinabschweben Dank ADAC. ich bin unterwegs. fand schon immer, die ELbe einen magischen Fluß. der zwischen Diesseits und Jenseits besteht aus zwei Strömungen, Lethe und Mneme, eine zum Vergessen und eine zum Erinnern. zum Vergessen der Welt und zur Erinnerung an das Wesentliche.

ich erinnere mich nicht wann ich das letzte Mal in Wiepersdorf war, aber ich war sehr jung. es ist das Landschloß derer von Arnim. und mitgenommen hatte mich damals meine Mentorin B. die ich kurz nach der Wende in M. kennenlernte, beteichnenderweise bei einer Leung von Texten von Bettina von Arnim. der Bettine! nach der bin ich benannt mit zweitem Namen. das wilde Mädchen der Romantik, für den alten Goethe geschwärmt, geschrieben, gelebt, Freundin der unglücklichen Günderrode, die sich erdolcht hat am Ufer des Rheins. Ich glaube sie hatte in den Fluß fallen wollen und noch ein wenig dahintreiben wollen, aber fiel hinten über statt hinab in den Fluß. Die Bettine aber war lebensfroh und sprang herum in der literarischen Welt wie ein anmutiger Kobold. Später dann leider lange eher Ehefrau Achim von Arnims – ich erinnere mich noch an einen Satz aus der lesung von damals, er hätte ihr “mal wieder ein Kind gegriffen”. Wiepersdorf ist ein kleines Dorf. lange gefahren bis ich es erreichte. viele Kiefernwälder durchquert, viele verlassene Nester. Hohen-Kuhnsdorf erinnerte ich noch, es muss die Endhaltestelle des Busses sein, den man von Jüterbog (oder Luckenwalde?) nimmt, wenn man nach Wiepersdorf will. das Schloßgut liegt in einem Park, der für alle offen steht, die sich erholen wollen, lesen wollen, Kultur lieben. man kann sich auch als Stipendiatin bewerben, was ich mit 19 tat mit einem Schreibmaschinengeschriebenen Text, ich hätte ihn beinahe nicht abgeschickt, weil das kleine “w” nicht funktionierte und ich alle ws mit einem schwarzen Fineliner hineinmalen musste. es gab diesen text nur einmal. denn ich hatte keine Zeit gehabt ihn zu kopiernen. wehwehweh. ich kam aber nicht nach Wiepersdorf als Stipendiatin, sondern im Schlepptau der B. Immer denke ich mir die Bettine jung, dabei schrieb sie das meiste in den späteren Jahren. vielleicht stilisierte sie selbst das Bild des jungen Mädchens zurecht.? immer denke ich an die B. die andere B.  wenn ich an die Bettine denke. sie wirkt ebenfalls immer wie ein junges Mädchen. selbst jetzt wo sie alt ist. ihr zu Ehren müsste man eine weitere Figur zu den Gestalten hinter dem Schloß stellen,  oder irgendwo  zwischen die Bäume des Parks, ein Rotkäppchen. – das war die erste Rolle der B. in demem DEFA- Kult-Film.

sitze unter einer alten Eiche, von der ich glaube, dass ich damals auf ihrem untersten Ast gesessen bin. Die B. also nicht die Bettine, sondern die Mentorin, die mich mitnahm, hatte in W: eine Residenz und ich, die ich in der ersten Zeit in Berlin bei ihr in Kaulsdorf untergekommen war, wurde mit genommen. Herzklopfen. die schattigen WInkel des Parks. der algige Entengrütze Teich, der von weiten aussieht wie eine hellgrüne kurzgemähte WIese. die Sonnenterrasse und der breite Weg. Spalierstehende Götter aus Stein. sehr kesser Kriegsgott oder Soldat, der sich auf sein Schwert stützt und darauf zu warten scheint, dass der wind das spärliche Stückchen Stoff um den Lendenbereich wegweht. Vielleicht wurde er just in diesem Moment versteinert.  weiter hinten, an nicht so prominenter Stelle, steht ein spannenderes Grüppchen, seltsame Gestalten, wie Küchenpersonal, das  Rauchpause macht  hinter dem Schloß. Schloss. Menschen, Karikaturen, Elben? einer sieht aus wie rechts die Orangerie…. ich glaube hier durfte ich bei einer Lesung der B. mitmachen. sie hatte mehrere Studenten um sich versammelt und wir lasen Texte mit berlin-Bezug. ich hatte einen kurzen Text zu lesen der mit dem  Satz endete “Endlich… – wir sind in Charlottenburg!”. – worum ging es da? wer will schon nach Charlottenberg!

Erschöpfung von der Fahrt. der Park strahlt eine Ruhe aus… obwohl ein Mensch auf einem winzigen Rasenmäher-Fahrzeug seine Runden zieht, die EIche unter der ich liege umkreist, dann aber doch anderswo weitermäht. vielleicht mäht er den Rasen des Entengrützeweihers. Und uaf dem Dach der der Orangerie klettern Arbeiter herum. an jedem anderen Ort würde nich das stören, oder ich hätte Angst, dass ich störe. aber hier beruhig mich so ziemlich alles. eingeschlafen, aber nur kurz. Gedanke zwischen Wachen und Traum: dass alle Fotos, die wir von Menschen machen, möglicherweise auch Selvies, in einem anderen Universum als Statuen exitieren. Vielleicht gab es nie Bildhauer. oder nur ganz wenige. Vielleicht gab es auch nie Götter. (oder nur ganz wenige) und es sind mehr oder weniger gute, schöne oder verunglückte, verrenkte oder gelungene Momentaufnahmen, die zu Stein erstarrt sind. In eine weiteren Parallelwelt-Szenario landen dann die Seelen der menschen aus Stein.

Wäre gerne länger geblieben. Musikalische Assoziation (ebenfalls in der Hitze des Schattens) eines Volksliedes, das ein ehemaliger Bundepräsident mal sang. das mit dem Wagen, der rollt. Walter Schehl! weil ich im Alter von drei Jahren noch nicht wußte was ein Bundespräsident ist, erklärte man mir, dass sei sozusagen der König. lange hielt ich unser Land für eine Monarchie.

Seitenständer nicht vergessen. Wagen rollen lassen. weiter. es war die schönste Reise von M.  nach B. Stress erst kurz vor Schönefelder Kreuz, weil idiotische LKW-Fahrer mich dauernd von der Mittelspur treiben. Endlich… –  wir sind in Lichtenberg!

21. Juni, Neukeferloh

Ein Facebook-Freund fragt, Miriam geht es Dir gut momentan. Ich kenn ihn kaum, aber die Frageklingt persönlich. Er wiederum schreibt, es ginge ihm okay, aber er sei unterwegs. Schon beneide ich ihn und denke er hielte sich anderswo auf, reiste. Aber er antwortet „Ausländerbehörde und Schule und so“
Unterwegs. Warum heißt es unterwegs? Es klingt, als bewege man sich unterirdisch. Es bedeutet freilich auch einfach, man ist weder da noch dort. In einem geheimen Strom. Unter allen Umständen. Unterhalb der Wege. Stolpert man dahin. Landunter, der Regen fällt und wieder startet die Honda nicht. Ich schiebe mich durch die Welt. Das ist der preis des „Unterwegs sein“.

***

Die Mutter hatte den alten Drucker nur entsorgen sollen, und wollte partou einen neuen Drucker kaufen da wo sie den alten her hatte. Mißverständnis darüber, ob dohc noch Hoffnung bestünde, daß er doch irgendwie noch zum drucken zu bringen sei. Im Laden ließ man sie einen ganzen Satz Tinte kaufen für 50 €, machte testdrucke, und sagte dann, dass da nichts mehr zu machen sei. Sie bestand abwr darauf, dass die Leute dort sich richtig viel Mühe gegeben hätten und sie nicht über den Tisch gezogen hätten. Naja, es erinnert mich an die Werkstatt in Delitzsch. auch sehr nett und ungeheuer kreative Handhabung im Zurechtschnitzen eines Kupplungshebel, aber am Ende gings doch nicht und ich fuhr weg mit einer barock wirkenden Kupplung, die kaum zu bedienen war und einem Büroklammer-Überbrückungs-Konstrukt für den Seitenständer. 130 €. aber sehr nett.

Ich mache mich auf den Weg.

21. Juni, Neukeferloh

Verregnete Mittsommernacht. Dunkel. Der Garten tropft. es ist lange hell, aber hell ist dunkel.

20. Juni, Neukeferloh

Sie kann sich nicht erinnern, einen Rock mit jemem Blumen-Muster getragen zu haben. ich könnte aber schwören. ich sehe sie noch an der Nähmschine und ihn nähen. und ich sehe den Stoff in Augenhöhe um mich flattern. Später erinnern wir uns, dass es vielleicht eine selbstgenähte Sommer-Badetasche gewesen sein mag. Ankerpunkte. wenn man sich austauscht, wenn man Leute von Früher wieder trifft, bekommt man Versatzstücke geschenkt. Mosaikstein für die Erinnerungslücken.

Es stellt sich heraus, dass die Mutter Fieber hat. sie hat ein sehr cooles Thermometer. es erinnert ebenfalls an einen Raumschiff-Enterprise-Phaser, aber einen vom Typ II (Next-generation), nicht einen vom Typ I – die sehen immer aus wie Plastik-Wasseropistolen und in der Impfstoff-Studie benutzen sie sie und  halten sie einem gegen die Schläfe bevor man auf die Station darf, wobei die Temperatur fast immer erstmal 34,5 ist, worauf der Vorgang wiederholt wird und sich dann langsam auf 36, nochwas steigert. seltsame überraschende Unwissenschaftlichkeit. auch mit dem Thermometer der Mutter komme ich nicht klar, aber sie zeigt mir wie er funktioniert, indem sie sich selber misst. dabei stellt sich dann heraus, dass “kein Fieber” bei ihr 38,5 heißt. bin erschrocken über ihre bescheidene Heldenhaftigkeit.

19. Juni, Neukeferloh

Geburtstag der Mutter. die Kuchenform nicht gefunden, dann eine alte Gugelhupfform, die ich für Wandschmuck aus grauer Vorzeit gehalten hatte genommen für die Schokoladen-Tarte. ging überraschend gut. den Vater in den  Regen gescheucht, er solle Blumen pflücken im Garten. erschrocken war er und sagte, dazu sei er nicht vorbereitet. dann aber doch gut. dennoch bin ich hier ein Störfaktor. auch morgens Kuchen essen nicht so gut für den Magen der Mutter wie sich später herausstellt. Bei aller Liebe... fühle mich wie damals als ich mit Sieben Jahren einen schönen Muttertag initiieren wollte mit einer gedeckten Festtafel. Süßigkeiten und Weißwein schienen ein guter Kompromiss. weil um 5:00 früh noch niemand aufstehen wollte und ich nicht länger warten, schenkte ich die Teetasse schon mal voll und setzte mich ans Bett, bis die Mutter wach wurde und streckte ihr den Alk entgegen. Und alle Liebe – viele Jahre lang  – bis ich auf ähnliche weise von meiner Tochter zu eben jenem Anlass geweckt wurde (nur dass eine Zahnbürste bereitgehalten wurde, mit der man mir die Zähne putzte – kein gutes Gefühl! Bei aller Liebe) – dachte ich es sei eine übergriffige und unschöne Muttertags-Geste gewesen, aber inzwischen glaube ich, es war der intuitive Versuch, jemand ein Mittel zu reichen um allem zu entkommen. Und Liebe. gestern bei Aldi eine Flasche Cremont gekauft. die sich auf dem Geburtstagstisch besser macht, dennoch blöd ist, weil sie zur Zeit Antibiotika nehmen muss. ansonsten: Hörbuch, Ingwerkonfekt und SIlber-Shampoo von Tochter und Sohn, Fotos, eine selbstgehäkelte Mütze, Georg-heymgedichte. und eine Sodastream-Glasflasche. die sah ich auch gestern bei Aldi, aber sie passte nicht. das schönste ist das magnetische Klemmbrett, das ich bei K. gekauft hatte, weil es ein rotes Blumen-Muster hatte, von dem ich schwören könnte, dass ich es kenne von einem Rock, den die Mutter trug als ich klein war. der Vater sparte sich einen Schokoladen-Keks vom Munde ab und wir klemmten ihn auf das Brett. eingepackt in Umschlag, auf den er ein Auto malte. den Keks ass er leider später dann doch selbst. trotz aller Liebe.

18. Juni, Neukeferloh

Traum. Ich arbeitete beim Demissionsdient einer Klinik. ich erinnere mich aber nicht an eine Tätigkeit. Nur an ein Papier, das dies belegte. Auf dem Papier war auch ein Krankenwagen gezeichnet, eher eine schmale Pferdekutsche, nicht einmal das – ein Holzkasten, länglicher der an einen Sarg erinnerte. Auf dem Gebrauchsanweisungspapier war er mit einem Pferd davor gezeichnet in bräunlicher Tinte, in echt (also im Traum) war er aber wohl an mein Motorrad gebaut. Der Demissionsdienst war zuständig für Krankenwagen-Fahrten für Leute die bereits wieder gesund waren, also entlassen waren aus dem Krankenhaus und nachhause gebracht wurden. Ich arbeitete aber nicht, ich hatte Pause. Umständliche Entscheidung wo ich das Gefährt parken sollte. Ich hielt vor einem Kino. Das Kino war geschlossen, so dachte ich , der Wagen würde nicht im Weg sein. Dann ging ich eh andere Wege: Neben dem Kino war ein Friedhof. Ich befand mich auf der Höhe einer Stadt, der Friedhof erstreckte sich bergab, es war ein großes Gelände auch eine Friedhofskapelle zog sich schräg nach unten, gotisch, groß, eher ein Dom als eine Kapelle. Den Demissionswagen hatte ich bereits zurückgelassen und sah mich nun doch auf den Friedhof um, denn viele Leute heilten sich um die Kapelle herum auf. jemand sagte es seien die WIndsbacher Knaben. Ich schlenderte hinüber. Niemand sang. Gemurmel, beieinanderstehen, eher wie in einer pause in der Oper. Mnche hockten rauchend zwischen den Gräbern. Kam ins Gespräch mit jemand, einem Mann von dem ich üble Dinge gehört hatte, der aber freundlich wirkte und nicht ahnen konnte, was man über ihn sagte. wir gingen zwischen den Gräbern und es Bestand kein Zweifel, dass dieser Mann unschuldig war, was mir sehr leid tat. (also nich seine Unschuld tat mir leid, sondern die Verleumdung). Ich wollte ihn auf seine Rehabilitation ansprechen, aber traute mich nicht, weil ich nicht wusste, ob er überhaupt wußte, daß man so Schlimmes über ihn sprach. Die Szenerie änderte sich. Der Friedhof war inzwischen übergegangen zu einer ländlichen Sommerwiese, einem Hof, ein Steg mit Wasser. Der Mann war weg. Das Wasser stieg bis über die Wiese, was nicht schlimm war, eher angenehm. Kneippkur-artiges Spazieren. Die J. ehemals Patentante meiner Tochter war dort und redete über dies und das. Auch kam die Sprache auf den Mann mit dem zu Unrecht schlechten Ruf, sie tratschte, aber eher harmloses Smalltalk. Ich versuchte sie taktvoll aufzuklären, dass das, was man sich über den Mann erzählte möglicherweise erlogen war. Dies ging aber nach hinten los, weil die J. gar nichts von den Gerüchten gewußt hatte. Ich schämte mich und sah zu Boden und sah im Wasser einige meiner SD-Karten schwimmen. Ich fischte sie heraus. Nun war auch der A. aus Eckersmühlen da und sagte, die Mini-Mini-SD Karten in der Adapterkarte könne man noch retten, die normalen nicht. Der gotische Dom läutete und die Chorknaben sangen, aber eher wie zum Einsingen. Sie waren immer noch verstreut und außerhalb des Doms. Ich versuchte mich zu erinnern wo ich mein Demissions-Motorrad geparkt hatte, wachte aber auf.

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Der Esstisch, der immer zu einem Viertel voll ist mit Tuppedosen und Pappschachteln voller Medikamenthe. Und Brillen! der Vater hat eine Brille, die Mutter an die zwanzig. jeden Tag scheinen es mehr zu werden. Vermehren sie sich über Nacht? Beide suchen oft nach Brillen. die Mutter kann nicht anders als ihre eigenen finden, denn es sind so viele. überall. der Vater fand seine heute lange nicht. hatte auch vergessen, dass er sie suchte. aber ein bedrückende Unzufriedenheit mit sich verfinsterte ihn. er ist fast immer freundlich, aber heute brach es aus ihm heraus, die Mutter habe ihm die Brille weggenommen. immer habe sie etwas dagegen, dass er sie trüge. Kurz war sie verletzt. dann sah sie auf den berg der eigenen Brillen un dmusste lachen. sagte, man könne es denken, wenn man die vielen auf ihrer Seite des Tisches sähe. es wirke, als horte sie sie.
Was die Mutter immer vergisst: ihre Ohren. Warum grolle ich, wenn sie sie nicht findet, also das Hörgerät oder nicht sagt, dass sie es nicht drin hat und mich reden läßt, unerhört. vielleicht weil ich versuche, die Zustand des Vaters liebend zu tolerieren, als Krankheit eben. aber die Schwächen der Mutter stellen mich vor Abgründe. Es können doch nicht beide gleichzeitig unerreichbar sein?!

17. Juni, Neukeferloh

Geträumt, dass die Israelis ein Atomkraftwerk neben dem Gazastreifen bauen. Und dass ich durch undeutliche Aussprache, in einem Bürobedarfsladen statt Aktien statt Aktenordnern  erworben habe. AUfgewacht mit dem Gefühl, Dinge zu überstürzen. EIne Amsel singt im Garten. Auch mein Smartphone will mich dauern dazu überreden an die Börse zu gehen. weil ich den Pharmakonzern, der hinter der Impfstudie steht, gegoogelt hatte, denkt es voreilig, ich würde Anteile kaufen wollen. Es behauptet die Aktie sei kurz dem explodieren. DInge die einem um die Ohren fliegen.  –  was mich wieder zum anderen Fetzen des Traums zurückbringt…

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Der sehr stumme Vater. wie wichtig ihm die Fahrten nach Glonn sind, hat er über Corona vergessen. natürlich haftet auch das mit der seltsamen Bedrohung durch eine abstrakte Krankheit nicht, es wirkt als verfolge er die Fernsehberichte intensiv, aber meistens schläft er dann doch. wieso trägt man manchmal Masken und manchmal nicht? Er fragt aber nicht. er spricht nicht mehr viel. langsam und in Zeitlupe bewegt er sich. bis nach Glonn hat er nicht mehr das Bedürfnis sich zu bewegen. Nun fehlt selbst der Mutter das oft verfluchte anstrengende Fahren zum Ausblick. es regnet aber eh viel und man will nicht raus. wenn die Sonne durchkommt ist es schwül und glühend. Sitzen im Garten. der Garten ist eine üppige urwaldlandschaft von der einen Seite, von der anderen ein Miniatur-Blumenmeer. Spaghetti gekocht. nichts finde ich in der Küche. nicht einmal italienische Kräutermischung, dann fiel mir ein dass alles im Garten ist. Alles im Garten

16. Juni, Neukeferloh

Stipendium der Bundeskulturstiftung! es ist wie ein Wunder, denn wir hatten damals fast bis zu letzt nicht alle zur Bewerbung nötigen Nachweise. Nur durch das ungeheuere Timing der KSK (nein, nicht die böse Spezialeinheit der Bundeswehr, sondern die Künstlersozialkasse), die just am selben Tag unseren Techniker aufnahm und die Mitgliedschaftsbestätigung rechtzeitig zur Hand war, konnte ich den Antrag überhaupt stellen. es ist ein doppelt tolles Wunder. 

14. Juni, Neukeferloh

Motorradfahren verheerende Folgen fürs Haar. ich seh aus wie Boris Johnson!

13. Juni, Abenberg.

immer ist es wie ein Wunder, wenn man immer höher hinauf fahren kann durch die schmalen Gassen und dann die Burg neben einem emporragt. die letzten Schritte an der kleinen Bugkapelle vorbei, über den grünen Hügel… Mittagshitze. wie seltsam, dass B. und D. direkt an der Kapelle wohnen, beinahe darin. oder in einem Teil. nahtlose NAchbarschaft. es wirkt als hätten sie die buntere Hälfte eines Doppelhauses erwischt. Höre vom Vorhaben der Kirche, die Kapelle zu renovieren, Holzwürme müssen vernichtet werden und aus mehreren Verfahren wurde das Tod durch Vergasen gewählt. Klingt barbarisch und und ungute Assoziationen ploppen im Hirn auf, aber es soll die bessere Wahl sein als Tod durch Überhitzung oder durch Gift. Auch die andere Doppelhaushälfte ist davon betroffen, das ganze Haus wird eingepackt in  Plastikplanen, kein Löchlien darf vergessen sein, keine Naht darf reißen. die Kapelle im Ausnahmezustand, verpackt wie von Christo. stelle mir vor eine Hand käme aus den Wolken und stülpe eine große Glasglocke über den Bau, wie man sie manchmal über Spinnen stellt. Fängt man die langbeinigen dünnen Weberknechte damit und läßt sie zu lange im Glas vergiften sie sich selbst. sie dünsten ein Gift aus, an dem sie selbst sterben. Zu Tode pupsen sie sich. Wie lange mag die Prozedur dauern. wieviel Kirchenmäuse gehen drauf? wie viele Überlenbende wird es dennoch geben?  Wahrschienlich ist es eine völlig gängiges Maßnahme. Daß es eine Kapelle ist, fasziniert mich dennoch. EInmal eingepackt, liegt der Gedanke nah, man könne das Ganze ebensogut in die Tasche stecken und nach Japan verkaufen.

Höre vom Pfarrer B. der in Coronazeiten einen Ein-Manngottesdienst praktizierte indem er im Innenhof des ALtenheims predigte und Trompete blies. Ohne den Ort zu kennen, sehe es vor mir und komme nicht umhin an ein altes KLoster in Montepulciano zu denken, dessen Innenhof mit Kreuzgängen uns beim Cantiere-Festival angeboten worden war als Location für eine Aufführung. Und wieder denke ich das WOrt “Inbrünstig” mit großem Respekt. die Alten hingen am fenster und vielleicht auch Balkonen. Es ist bestimmt besser als die online-Varianten.

Hitze. Erschöpfung. Grillgut. Tofuwurst. die müde Katze, das fenster im Zaun. die schöne zu kurze Zeit.

wäre gerne über Nacht geblieben in Abenberg oder WIndsbach, irgendwo in W: ist noch mein Zelt. Aber für die Nacht sind Unwetter angesagt. Aufbruch rechtzeitig.

Anstrengend, die Fahrt mit dem verschnörkelten Kupplungshebel. Auf der Autobahn müde. hypnoseartige Trance vo Starren auf die Hinterteile von Lastwägen. beinahe eingenickt. Raststätte über Raststätte über Raststätte.

12. Juni

Immer komme ich nur bis Dreba. Zu später Aufbruch. Beim Bäcker kein USB-Stick, vielleicht auch zu früher Aufbruch. Hin-und-her-Reißen der Wege. An der Ostseestraße entlang, Seestraße in stundenlangem Stau. Immer denkt man die Autobahn kommt näher, aber sie scheint unerreichbar. Spät gen Süden, aber immer noch reichliche zeit. Vibrierende Fahrt, bis in die Fingerspitzen kribbelt die Autobahn. Abstecher nach Delitztsch in weiterer Unentschlossenheit. Darf man Exschwiegereltern zum Geburtstag überraschen? Sehnsucht nach Vergangenem. Blumen auf die Schwelle legen? Tochter rät ab. Haltloser Halt, weil Seitenständer des Motorrads offensichtlich lockere Schraube verloren, knickt weg in Zeitlupe. Hilfreiche Menschen. Horror des Deplatziertfühlens. Überraschung! Freundliche Werkstatt, aber langsam. Billig aber doch teuer. Hinterhof einer Häuserzeilen-KleinstadtIdylle. Die obligatorisch nackte Kalender-Frau, allerdings außergewöhnlich schön und geschmackvoll. Der, der die Honda repariert, heißt Marcel. Feilte neuen Kupplungshebel zurecht und überbrückte den Schalter mit einer Büroklammer. Der original Hebel ist zu einem Schnörkel verbogen. Immer brauche ich Kupplungs-Hebel, immer brechen die Seitenständer, als hielten sie nicht das große Versprechen, dass ich weit weit weg will. Dieser also brach nicht sondern bog sich – vor Lachen? Wenn es sich biegt, ist es komisch, wenn es bricht, nicht. Sagt jemand in einem Woody Allen Film. Weg wollen. Weit hinaus wollen. Eigentlich fliegen. Hätte ich doch den Zug nehmen sollen, der nur bis Nürnberg kommt. Was für ein bescheuerter Unfall. Umfall. Hätte mir in Windsbach auch passieren können. 120 €. Und am Ende läßt Marcel doch den Schnörkel-Hebel, statt dem ausgefeilten neuen. Auf dem Rückweg bekomme ich den neuen, einstweilen muss es so gehen.

***

Weiterfahrt erst über Autobahn. Abendsonne. Bin schon müde. Abfahrt in Weißenfels, auf der Landstraße ist der Schnörkelhebel, dann doch ziemlich unpraktisch. Auf Umwegen Richtung Dreba. Die Frau im Navigationssystem, im zwischen Helm und Ohr geklemmtem Handy, beginnt plötzlich tschechisch zu reden und als ihr wieder deutsch einfällt, beginnt mein Handy ein Werbe-Demo für „hey Google“ in Englischer Sprache. Ich soll „Hey Google“ sagen, es sei praktisch, zum Beispiel, wenn ich wissen will wie das Wetter in Pittsburgh ist, worauf ich mich restlos im Randgebiet von Gera verfahre. Dennoch schöner Umweg über winzige Straßen, die, als die Plattenbauten hinter mir liegen in einen Höhenweg zwischen Feldertälen münden. Die Sonne blendet ein bißchen, taucht die zarten Weizenähren in ein Lichtmeer. Der rote Mohn, die blauen Wegwarten. Am anderen Ende Hügel mit Baumreihen. Ein Raubvogel stürzt über den Weg. Ich hoffe auf ein Ankommensbier in einem Licht wie diesem. Aber die Sonne steht schon sehr tief.

***

Dreba. Linde. Endlich, geradenoch Abendsonne bei bier. Alle sitzen im schattigen innenhof, ich bestehe auf dem Abendsonnen-Biergarten in der Laube. Als einzige. Jetzt doch nichzt mehr allein. Eine Braut kommt. Bin ich in eine lokale Hochzeit geraten? Wie gut das Dachzimmerchen bekommen zu haben. wie gut rechtzeitig eingetroffen zu sein. Die Braut ist etwas aus der Form geraten. Nicht gerade derangiert, sitzt mit der Brautjungfer und noch wem in der Laube und es scheint ein kurzer Moment Ruhe zu sein. Sie schleppt das Kleid wie eine Bürde. Ich wollte nie heiraten… – einziger Grund, es doch zu tun, wäre freilich ein schönes Fest zu haben, vorzugsweise unter Apfelbäumen in einem schönen Garten irgendwo an einem Ort, den ich wohl noch nicht kenne – und ein schönes Kleid. Der Anblick der Braut in dem zu weißen Synthetik-Kleid, das sie über die Treppenstufen der Linde rafft, ernüchtert, dass auch dies es nicht wert wäre. Natürlich hätte ich ein anderes Kleid. Deftigeres Leinen. Möglicherweisen etwas von jenem Stoff, den wir in der Schaubude als Projektionsleinwand ausprobiert haben und der zu dicht war und in dem ich im Zelt die kalten Nächte überstand… ja, so was… etwas mit einer Geschichte…. – was wollte ich sagen? Dass ich nicht heiraten will. Und ich schwöre, das ist auch so. es geht so selten gut aus. Projektionen gehören an Wände nicht in Köpfe. Erwartungen (ob gewebte oder andere) gehen immer schief. Arme Braut, ich hoffe ich irre mich

9. Juni

doch nicht so viel selbst gerudert. das meiste rudert G. aber er wollte es ja auch so.

wieso schreibt Fontane von Neu-Ruppin, als beträte er die Stadt zum ersten mal? dabei ist er dort aufgewachsen! wollte er besonders professionell sein? Und dann schreibt er es sei öde. so öde finde ich es gar nicht. er hätte es ja füllen können mit Geschichten seiner Kindheit.

8. Juni.

Es sind drei Tage. Drei Tage raus aus Berlin mit dem Motorrad. Hohenbruch. Verlorenort. Sommerfeld. Beetz. Wall. Papstthum. Überraschenderweise begeben wir uns auf die Spuren Theodor Fontanes, dessen Wanderungen durch die Mark Brandenburg G. entdeckt hatte. Oder anders: er, G. hatte einen spannenden Ort entdeckt, ein altes verlassenes und verfallendes Gutshaus und es hatte sich herausgestellt, dass es ein Fontane Ort gewesen war. Wie es dazu gekommen war, weiß ich nicht, ich war nicht dabei. Aber die Hoffnung, die den G. dazu trieb, sich erstsens das Buch herunterzuladen und zweitens, es auch im Copyshop auszudrucken (erst da merkte er, dass es 2000 Seiten umfasste), war natürlich, weitere geheime Orte zu entdecken. Aber es ist nicht so leicht. Wustrau. Neurupppin… alles bereits ausgiebigst fontanisiert , wie aus dem Ei gepellt, saniert, alles wie es sein soll. Fontane Tafeln. Fontane Restaurants mit Seeblick. Ein Seniorenheim in einem alten Gut. Dachte erst, es sei neu gebaut und auf alt gemacht. Verendende Nacktschnecke im Park, ihren letzten Wege in Agonie möglicherweisem aber wer weiß, sinnlos. hohe Eichen-Allee in der vor dem Prozessionsspinner gewarnt wird. neues altes Brandenburg.

Auch sind es wohl weniger Wanderungen, von denen Theodor berichtet. meistens saß er wohl in der Kutsche. und wenn er über den Neuruppiner See rudert, rudert er nicht selbst, sondern läßt rudern.

Kanu-Camp. weil wir nämlich selbst rudern! Die Besitzerin bietet auch Thai-Massage an. Das Camp hat keinen Zugang zum See, Campingstühle wie von früher. Und Eisdielen Tisch und Stuhl wie aus den 70er Jahren. MetallBögen und Kreise. Die Hütten sehen aus wie früher das Schrebergartenhäuschen meiner Großeletern in Offenbach. Sitze unter einem Kirschenbaum, kein hoher Baum, aber mit großzügig ausgebreiteten Zweigen, seine Kirschen sind noch gelb. G. Schläft noch.

Heftig winkendes winziges Kleinkind winkt aus dem seitlichen Fenster der Hütte zur Nebenhütte hinüber. Man sieht nur ein Näschen und eine blonde Stirn und die wild zappelnden Arme in der Morgensonne. Jetzt ist G. auch wach. Das Fenster klappt auf, er winkt nicht wie das Kind in der Nachbarhütte, aber er sieht nach gutem Morgen aus. Ich bin unter den Apfelbaum gewechselt, er läßt mehr Sonne zu.  wir sind verteilt auf diesem Camp-Areal, wir auf dem Hügel mit den Obstbäumen, andere Menschen in anderen Zusammenhängen. die größte Hütte hat ein Hirchgeweih und bekommt bals ein extra Klo.  weiter hinten hat einer einen Camping-Anhänger mit vielen Schichten Vorzelten darum und einer LED-Lichterkette.  Eine herrische Madame bewohnt das Rückgebäude der Duschen. hat einen Garten aus Kräutertöpfen, den die hegt un dpflegt. WOhnt dort, weil ihr eigenes Haus angebrannt ist. Spannungen mit ihrer Mitbewohnerin, die alles immer falsch zu machen scheint. Spannungen auch zwischen der polnischen jungen Familie. die Frau spricht deutsch, wenn sie den Mann rügt für etwas. Wieso weiß ich diese DInge schon nach einem Tag? Man hat mehr Raum als auf einem richtigen Campingplatz, aber dafür ist man fast weniger unter sich, weil es alles übersichtlicher ist.

Berlin, 5, Juni

Seit langer Zeit erstmals einen luziden Traum gehabt. dieser Träume, in denen man weiß, dass man träumt und plötzlich alle Freiheit der Welt hat. man kan tun was man will, vor allem man kann alles was man will. Fliegen, das Meer teilen. Häuser aus der Erde wachsen lassen. der Sohn hatte ine Zeit, in der er das luzide Träumen trainierte und tatsächlich guten Zugriff auf die Fähigkeit, den Traum zu bestimmen entwickelte. später stellte sich heraus, dass er längst nicht so elemenare Dinge träumte wie ich, die ich dafür alle 1o Jahre mal so einen Traum(hin)kriege. hatte gedacht er fliegt hoch hinaus jede Nacht, aber er meinte, er träume bescheidener, z.B. dass er in ein Bekleidungsgeschäft geht und sofort eine perfekt sitzende jeans findet. Offensichtlich will ich auch nicht mehr so hoch hinaus in meinen Träumen. ich war in der Stadt Berlin, die allerdings eine kleinere Version ihrer selbst war, auch völlig anders aussah und im Erzgebierge zu liegen schien. ich stand in einer kleinen Straße in Kreuzberg, vieelicht war es die Dresdener Straße in der das Kino Babylon steht, einige zwilichtige Gebäude befanden sich in der Nähe, aber auch eine Bahnlinie. ich merkte dass es ein traum war, wußte aber nicht, was ich nun tun sollte, ich flog einige Meter hoch in die Luft, aber es war ziemlich mühsam. ich beschloss stattdessen DInge herzuwünschen, es fiel mir aber nichts ein. ich wollte eine Fähigkeit haben, die ich noch nie im traum hatte und so verschmolz ich mit dem Haus, meine Hand glitt ins Mauerwerl und ich schlüpfte ins Innere. leider war es kein schönes Haus. zwar durchaus illuster und reizvoll, eine Art Opiumhöhle, aber ich spazierte durch das Etablissement hindurch ohne den Wunsch zu verspüren zu bleiben. wieder verschmolz ich mit der Wand und stand im Freien. beinahe vergessenm dass es ein traum war, dann fiel mir tatsächlich nichts anderes ein, nach Windsbach zu fliegen aber weil es schon dunkel wurde entschied ich mich für die Bahn, ich machte eine gewaltige Zaubergeste und stampfte tatsächlich einen Bahnsteig aus dem Boden, ein Zug der zunächst alt und langsam aussah, eine Art Dampflok, erwies sich als schnell und im Nu war ich Nürnberg, hier vergass ich dass ich die Bestimmerin war und saß in Nürnberg fest, studierte Fahrpläne, es wurde entsetzlich umständlich; ich kam nicht einmal bis Wickleskreuth.

Berlin, 28. Mai

Anstrengende Probe. habe Angst mich in den uferlosen Technik-Möglichkeiten zu verlieren. nachher Bier und Hähnchen im Lorenz-Eck mit K. sie erzählte wahre Schauergeschichten von Morden, die um die Ecke in der Naugadter Straße stattfanden. Rentner in Tiefkühltruhen, ein Mann der deren Rente abgreifen wollte und es Jahre lang tat, während der Rentner schon längst im Eis lag. die Truhe (der Mörder hatte dem Rentner mit dem er sich angefreundet hatte, die Truhe selbst kaufen lassen und ihn an Silvester, als es eh überall knallte dann erschossen. lange lag er auf Eis. niemand merkte es. nur ein Mieter im Haus, der alle damit nervte, aus der WOhnung des alten Herrn X, käme seltsamer Gestank. niemand roch etwas. die Polizei kam lange zeit nicht oder fand nichts auffälliges. der Mieter bestand darauf. irgendwann sah man doch nach und fand die Leiche. und später eine weitere.

Seltsam, dass die Rentenanstalt zuläßt, dass Renten einfach so auf andere Konten überwiesen werden dürfen. erst seit neuestem erlauben sie das. Idiotisch.

Berlin, 26. Mai

Einkauf bei McGeiz. Alte zierliche Frau, die Klopapier mit Blümchen hatte kaufen wollen (“Ick kof immer die mit bunt”), aber dann erwiesen die Blumen sich als nur Deko auf der Verpackung, war dennoch freundlich, als die Verkäuferin die Rückgabe verweigerte. sie war lange im Laden. Ihre Meinung zu Corona: “Hör uff! Det is doch alles Larifari!” Ich war bei McGeiz weil ich Sachen kaufen wollte, die vor der Kamera, im SPiel in der Projektion aussehen wie Corona. harter rosaner Hunde-Gummiball mit Noppen. weichrer rosaner Kinder-Gummiball mit Noppen, runder aufklappbare Unterwegs-Haarkamm, rosa. Haribo Him-und Brombeeren/Fruchtgummi, Spülbürsten-Aufsatz. wildgemusterte Unterhose mit Seeigeln. – Die HOffnung war, heute, als der TAZ-Fotograf unsere Probe besuchte, (aber nicht wegen unserer Bühnenaktivität, sondern weil wegen eines Fotos für einen Corona-Artikel von mir, ein Foto unseres Spielformats in der Zeitung unterzubringen. hat nicht geklappt. Möglicherweise andere gute Fotos. aber der Kampf mit dem Himbeer-Virus war doch zu speziell. Wahrscheinlich kann ich den Krimskram ebenfalls nicht zurückgeben bei McGeiz. Habe nur Verwendung für Fruchtgummi und Kamm. der Kamm ist wirklich schön. seine Spikes wachsen aus dem Inneren und wölben sich langsam nach oben wie die Stachelne eines Seeigels. Notfalls auch zum Kämmen geeignet.

Berlin, 25. Mai

[…]

Berlin 24. Mai.

ab morgen dürfen wir in der Schaubude proben für eine Woche, durchgehend. ein Geschenk! Ohne Ergebnisdruck. nur Recherche. ohne zwischendurch aufzubauen, abzubauen. Klausurwoche. Tag und Nacht. seltsame Rückkehr. Abtauchen (oder auf?) in der anderen Welt.

Berlin, 22. Mai

Ich bin manchmal komisch. Dann geh ich an die Luft. Nachert bin ich dann noch komischer. L. Tee vor Marias Laden . Streit. woandershin.

Tuchollaplatz. Der geschlossene Kiosk, Vor „der kleinen Kneipe“ sitzt einer und trinkt Bier. Junge pumpt ununterbrochen Wasser aus der alten grünen Pumpe. Dachte erst „nur so“, das Hinunterdrücken des Pumpschwengels verlangt nach mehr und immer mehr Wasser in der Hitze. Ein Gott hat einen See erschaffen. Gerade will er aufhören, aber andere Kinder kommen mit Eimern, der Gott wird weiterhin gebraucht! Ernste Gesichter. Sehr beschäftigt. Gießen Bäume. Winziges noch zu kleines rothaariges Mädchen in feinen Kniestrümpfen und knallrotem Röckchen umkreist die Pumpe, darf schließlich auch mal, das ganze Gewicht wirft sie der Pumpe entgegen. Nicht viel Wasser kommt. Sie läßt es gut sein und trippelt stattdessen zu einem der Bäume, klettert über die ebenfalls schmiede-eisern-grüne Einfassung Bäume, und puschert ins hohe Gras. Überall wässert man. Vielleicht denken die Kinder später zurück an diesen Sommer, dass er ein außerordentlich schöner gewesen ist. Nebenbeigemerkt ist erst Mai. Die Akazien blühen noch ein bißchen, die anderen Bäume auf dem Platz hängen voll dunkelrosaner Blüten-Puschel, ich kenne ihren Namen nicht. Leute tragen Dinge hin und her. Eine Taube badet im See unterhalb der Pumpe.

 

Mit L. gestritten. Wegen Urheberechtskram. Bereue es jetzt, aber manchmal habe ich diese Angst, dass die Dinge, die ich mache, die Saat die nie aufzugehen scheint (weil eben nicht überall gewässert wird zur Zeit) von anderen plötzlich, Dank eines Sturzbaches von Geld oder besseren Bedingungen, von anderen geerntet werden, denen die Samen oder Sprößlinge sozuagen in den Schoß fallen, ohne dass sie geackert haben wie ich. –Nicht von L.! der ist im Grunde seines Herzens ein selbstloser Mensch. Eine der sich begeistern läßt. Und in trunken vor Begeisterung, meine Projektideen an Werner Herzog nach LA schickt! Wieso? Jetzt da ich es aufschreibe, sehe ich wie absurd meine Angst ist. Als ob es überhaupt jemand juckt zur Zeit. Was in Gaza los ist. Nein, die Chance bestehet kaum, dass Werner Herzog einen Film über den Kulturminister im Gazastreifen macht, einen Film für den ich seit zwei Förderung beantrage, eine Produktionsfirma gefunden habe und auf den ich hingearbeitet habe. Irrwitzige Angst die Butter vom Brot genommen zu bekommen bei gleichzeitiger Verzweiflung, dass keiner am Frühstückstisch sitzt. Vielleicht sollte ich einfach milde lächeln und alles gut sein lassen. Manchmal klappt es auch schon mit der Gelassenheit, aber nicht wenn plötzlich andere in wildem Aktionismus loslegen. Vielleicht bin ich nur neidisch, weil ich selbst wie gelähmt bin. Den Lilien auf dem Feld beim Wachsen zu sehen. Und den Kindern, die die Bäume anpinkeln in aller Unschuld, Ist es ein Akt des Gießens oder markiert jemand ein Territorium?

Berlin 21. Mai

Im Traum in einem ferneren Land gewesen. eine belebte Wüste. ich fuhr in einem offenen Geländewagen durch eine Art Piste. alte Frau in großen Badelatschen mit einen Korb am Arm, schlitterte auf den Sohlen ihrer Flippflopps auf dem heißen Sand. als es Begab ging glitt sie wie ein Skispringer in der Luft weiter. stellte ihre Füße schräg und hielt sich sehr lange. es war atemberaubend. wollte es fotografieren, aber fand mein Handy nicht. versuchte den Moment zu wiederholen, wissend, daß es ein Traum war, und das Szenario mir gehorchen müsse. Hatte aber nicht bedacht, dass das Speichermedium es nicht in die Wirklichket schaffen würde. warum ist das immer noch nicht erfunden?

[…]

Berlin 20. Mai

in der Nacht eine Ansammlung von Raben oder Krähen in den Bäumen am Tucholla Platz, die laut und aufgeregt krächzten. verpasste es leider, aber der SOhn, der es als Gelegenheit nahm eine Zigarette zu rauchen war hingegangen und es muss wohl sehr eindrucksvoll gewesen sein. Hatte gegoogelt, dass sie sich wohl treffen und beratschlagen, wenn es eine Gefahr zu disskutieren gäbe. es sollen auch spezielle Krächzlaute exisitieren für verschiedene Feinde. dchte an die Fake-Raben auf dem Dach der Prüfstelle, die so still und im Kreis saßen rund um das Dach herum. hatte sie erst für unecht gehalten, dann, als sie  hin und her zu wipppen schienen und mit in Köpfen nickten für echt, aber unangenehm konspirativ. Dann doch erkannt, dass es Attrappen waren, sie hingen an einer Galgenähnlichen Halterung an dünnen Ketten. Wer entschied, dass das der rechte  Schmuck sein könnte für ein klinische Prüfstelle?

Um bei Übersinnlichen Skurrilitäten zu bleiben: Auf dem Windsbacher Friedhof hat man den “schwarzen Jesus” der in der Mitte am Kreuz hängt mit einem Baugerüst eingekleidet. seit Wochen hätte er Gelegenheit hinunter zu steigen, sogar eine Art Himmelsleiter hat das Gerüst. Die S. wies mich darauf hin, sie hätte es nun schon länger beoachtet, er wolle einfach nicht hinunter! Es ist ja auch sein Job da zu bleiben. um wessen Verbleib ich mir aber Sorgen mache, sind die wilden Bienen, die in seiner Achselhöhle schwärmen. was immer Windsbach vorhat, sollten es Renovierungsarbeiten, vielleicht ein Lack-Anstrich? sein, so würden sie sicher vertrieben. Windsbach hätte für immer die Gelegenheit verpasst Pilgerstätte zu werden, und Ort eines kleinen Wunders.

Berlin, 4. Mai 2020

ich habe in der letzten Zeit nicht so viel geschrieben wie sonst. DIe Welt dreht sich um Corona. Nur noch, und ich finde das Thema lähmend. Es lähmt mich in jeder Hinsicht. es steht meinem Grund-Lebensgefühl entgegen, dass es Wichtigeres gibt imLeben gibt als die Angst, sich anzustecken. Leben ist Interaktion. und möglicherweise entstand das Leben genau dadurch dass sich das Universum irgendwo was eingefangen hat. vielleicht hat jemand sehr weit weg gehustet und sich nicht die Hand vor den Mund gehalten und ein Tröpfchen ist hier gelandet. Ich bin keine Zynikerin. Und auch ich möchte möglichst lange leben und auch nicht einen quallvollen Atemnot-Tod sterben. aber – Spoiler-Alarm – wir werden alle irgendwann sterben und höchstwahrscheinlich nicht an Husten. Da ich einen solchen allerdings auch nicht verursachen will, halte mich natürlich dennoch möglichst fern. – die Frage ist: wovon? vom Leben? von der Arbeit? von anderen? Von der Arbeit? von der Arbeit mit anderen? Meine Arbeit fing gerade (oder so ungefähr seit 3 Jahren)  mich wirklich zufrieden zu machen, auszufüllen. Sie ist mir wichtig. ich meine damit nicht unbedingt, dass mir “Theater” prinzipiell über alle Maßen wichtig ist, aber speziell unsere Arbeit im Zusammenspiel, im Über-Bande-live-stream-Zusammenspiel mit Künstlern im Gazastreifen war es. ich wäre jetzt eigentlich in Gaza und ich hätte das unglaubliche Angebot angenommen, unser SPielformat dort an vielen Schulen zu unterrichten und einzuführen. Das Zeitfenster das dies mögich gemacht hätte, scheint sich zu schließen.  meine Mission beginnt sich in Luft aufzulösen. Ich brauche aber mehr denn je das Gefühl etwas wichtiges zu tun. Ja, die Was-Wird-Werden-Panik hat mich erreicht, nicht vor der Ansteckung, sondern vor dem Um-Sich-Schlagen, weil man sich von der Angst tyrannisieren lassen. die Existenzangst (ich hatte das Solo-Selbstständigen-Geld verpasst, weil ich ernst nahm was da stand (nämlich, der Anspruch verfiel enicht und es sei genug da für alle) erstmal meine eigentlichen Anträge fertigstellen wollen) hat sich gelegt, es gibt Notprogramme und das ist auch ein bißchen der Grund, warum ich wieder regelmäßiger schreiben werde: der Fonds darstellende Künste hat uns eine kleine Förderung, die der Recherche dient, zukommen lassen.Das Programm heißt TAKE-CARE und ist eine extra wegen Corona eingerichtete Förderung zur Überbrückung. In der Zeit, in der Theater nicht stattfinden kann, darf man sich die Zeit nehmen, es zu überdenken, an der Form zu feilen, Neues auszuloten. Da das was wir sowieos machen: Livestream-Theater mit Leuten die nicht raus dürfen, ist dies eine tolle Motivation. Nun sind wir also, die im Wohnzimmer sitzen und Theater vom Sofa aus probieren werden und nicht unsere Kollegen in Gaza. (dummerweise haben die aber auch probleme mit Corona-Auflagen in so fern wird unsere Arbeit in erster Linie sein: wie kriegt man doch noch eine Echte Theatersituation in das Projekt. denn irgendwo muß Theater auch die echte AUgenblicklichkeit bieten. dazu bedarf es wenigstens eines echten Zuschauers, der im Raum ist. und eines echten Spielers in einem echten theater, egal wie groß und leer oder klein und … ebenfalls beinahe leer. Das ist sozusagen die Einstweilen-Mission. Ich fürchte, sie reicht nicht aus. Denn ohne das klare Ziel vor Augen, echtes Theater in und mit Gaza zu machen (und ich fürchte, dass die normalen Fördertöpfe in Zukunft sehr leer sein werden), ist es erstmal Essig mit der “Mission”. Dieser spezielle Abschnitt (ab 3.Mai 2020…) des Stadtschreiben-Blogs heißt deshalb TAKING-CARE. er wird sich aber nicht nur um Theater-Tests drehen, sondern auch um jede andere Form des CARE-TAKINGS.

3. Mai 2020

Mit L an die Bucht. um die Bucht. wie alle anderen gehen wir und sprechen über das einzige Thema weit und breit. dass dieser Gesprächsstoff nie ausgeht. und dabei ist man ja meistens weitgehend einer Meinung. Aber man kocht es dennoch wieder hoch. Auch darüber dass dieses Thema viel zu viel Aufmerksam einnimmt, sind wir uns einig. und reden weiter. und nun sitze ich hier und schreibe es auch noch auf. dabei war es der erste tag DRAUSSEN, nach so viel Papierkram, Zahlenmist, Abrechnungen und und und… Es hätte ein großer Spaziergang sein müssen, RAUS! Aber es ging nur bis Stralau und wieder zurück. die Bucht hat sich verändert. das Jugendclub-Schiff ist schon lange verschwunden. dafür ist das Wasser übersäät mit Hausbooten in allen Größen. und: Zu viele andere Spaziergänger. Nur wenige Masken. Picknick an der Spitze. L sagt, es sei zu viel Zucker in Capri-Sonne! Na und? Dennoch schöner Tag. zu kurz. zu wenig weit.

Donnerstag, 30. April, Berlin Weißensee

Die Bremsbelege müssen neu gemacht werden. nur noch eine Milimeterhauchdünne Schicht bis zur Bremsscheibe. Nur ein kleiner Eingriff. es sollte schnell gehen. Motormänner Weißensee. Fahre immer gerne nach Weißensee, es ist meine alte Gegend, die erste WG, kurz nach der Maueröffnung. Im Prenzlauer Berg sei sie, hatte B. gesagt, die mir die WOhnung vermittelte und meine Mitbewohnerin, ebenfalls von der B. dort untergebracht, sei dort nur für eine Weile (das selbe hatte sie der anderen, der A. gesagt über mich. Dabei hatten wir beide fest vorgehabt diese Wohnung für uns zu haben in OST-BERLIN und die jeweils ander nur in Kauf genommen. Blind-Date. Double-Blind-Date. denn auch die Wohnung sahen wir erst, als alles schon vollendete Tatsache war, und ja sie lag im Prenzlauer Berg, aber im gefühlten Weißensee. SPitze. einer von mehrern DDR-braunen Wohnblock, die sich an der Ostseestraße entlangziehen, unsere Addresse aber, der Eingang lag in der winzigen Parallelstraße auf dre Rückseite des Blocks. Paul-Grasse-Straße.  50er-Jahren-Bau. Später, da lebte ich schon in Friedrichshain, wurde er neonfarben gestrichen. Inzwischen ist das zum himmelschreiende Grün verrußt zum matten grünlich Grau. eine Parallelstraße weiter verläuft die Lederstraße, hier lieg das Weißensee, das ich liebe, das mit den alten Hinterhof-Fabriken, den Schornsteinen, den Backsteinbauten, den flachen Häusern. den Klinker-Remisen. Wäre auch später beinahe wieder dorthin gezogen, mit dem Blick auf einen solchen Hof, über Mauern und Garagen-Höfe und noch mehr Höfe. in meinem hätte ein Pfirsichbaum gestanden.

Die Werkstatt der Motormänner ist eine von vielen, die in diesen Höfen ihren Sitz hat. Autowerkstätten, Motorradwerkstatt, noch was cooles, was ich immer vergesse. neben den Mülltonnen liegen archaisch-wirkende Holzbretter mit rostigen Nägeln darin. soll sie nicht nehmen, weil sie wahrscheinlich DDT-verseucht seinen – das ganzen Gelände, die halbe Straße sei es.  er hatte mir mal die Baulücke gezeigt, von der das ausging. es dauert doch länger als gedacht. er flucht, weil die Kappe der Schraube, die er lösen muss so festgezurrt ist. es ist eher was zur Zierde, als eine wichtige Schraube. aber ohne sie abzumachen kommt man nicht an die Bremsscheiben. ein anderer sagt “Wer bremst, hat Angst”. Ich bremse fiel. sitze am Baum und schau dem Motormann zu und dem, der noch zuschaut und weitere Kommentare macht. man rätselt, was für ein Geist hinter derzu festen  Schraube sitzt. wer hat so ein verdammtes SIcherheitsbedürfnis? Und keine Ahnung! Griff zum Bohrer. nichts zu machen. das Aufbohren erinnert mich daran, dass ich lange nicht beim Zahnarzt war. es erinnert mich an eine Wurzelbehandlung. zu tief. 

Warten im Büro. weil ein neuer Bremssattel muß her. Motormann googelt, welche für meine Hoda in frage kommen. der Computer ist das bläuliche Blitzdings in mitten einer fremden Zeit aus vergilbten Plakaten: Motorradrennen für die leichtbekleidete Frauen aus den 60er Jahren werben. oder 50ern. es riecht nach Tinte und motoröl. es riecht nach Vergangenem und driesch aufgebrühtem Kaffe. ich schwöre, es riecht nach Leder, aber das its vielleicht eine Assozation, weil die STraße so heißt. ich liebe das Büro, weil es trotz aller Relikte ein Arbeitsplatz ist. alle Relikte sehen aus, als hätte sie jemand in diesem Augenblick zur Seite gelegt, um siie sehr bald wieder zur Hand zu nehmen. alles wirkt “gebraucht”. es wird gebraucht. ich brauche Orte wie dieses Büro. Vielleicht bin eher ich aus der Zeit gefallen und ein gestrandetes Objekt. – im blauen Computer fand der Motormann, dass das zu tief gebohrte Organ ersetzt werden kann durch das Organ eines anderen gestrandeten Versetzstücks. eine alte Maschine, die weit hinten im Hof steht zu Bastelzwecken. ich fuhr los, zu spät für meine verabredung, aber gerade recht um in den ersten Regen nach langer zeit zu geraten. klatschnass. ich glaube, wenn ich krank werde, dann jetzt.

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Schnitzeltag  (im Jelängerjelieber) Schnitzeln und  Brtakartoffeln to go. 

27. April

Dass man jetzt nirgend einfach mal Pinkeln gehen kann, wenn man unterwegs ist! Kein Café um zu gehen. nur Coffe-To-Go.

26. April

Maskenpflicht in Supermärkten und Läden. anderer Blick auf Unbekannte. Wer trägt die professionellen, die mit dem Atemstöppsel drauf, die ich  gruselig finde, weil ich immer denke, der “Stöppsel” ist die Schnittstelle zu irgendeinem Schlauch. auch sitzen sie so straff, das Wort hermetisch kommt in den Sinn, wer trägt die Krankenhaus-DInger? (ich neulich!, weil man sie mir gab, weil meine selbstgebastetlte aus Raufasertapete nicht professionell genug aussah. Und prompt setzte ich siefalsch herum auf!), wer die lebensfrohen geblümten? Wer wickelt nur seinen Schal ums Gesicht.) werWer trägt die Masken auch im Freien? ein neuer Industriezweig. Maria in ihrem Nähstudio näht den ganzen Tag lang Masken, schlicht in der Form aber prächtigem SToff. wunderschöne Muster. sie sind nicht billig, aber das ist ja wohl auch okay. Im Buchladen kann man sie kaufen. Böse Zungen sagen, sie bereichere sich an Corona. Wer sich sein Maul zerreißt, braucht aber erst recht was zum drüberziehen. Die Leute sind Idioten. Neid. Existenzangst. Die sich sonst nie über die freie Marktwirtschaft beklagen, aber wenn  jemand der die ganze Zeit über hilfsbereit und bescheiden ist, sich auf Angebot und Nachfrage einzureichten versucht,  hätte man doch lieber, dass er seinen Laden gleich ganz dicht macht? Unglaublich! Und vor ein paar WOchen noch jammerte man, dass es überhaupt keine Masken gibt. Man kanns den Leuten einfach nicht recht machen. DAS ist die wahre Krankheit. geht mir langsam auf den Senkel, das ganze drumherum.

 

25. April 2020, Berlin

Der Magnolien Busch am Platz vor der Sparkasse / Boxhagener Straße, der vor dem der blaue Zauberer sitzt ist bereits verblüht, die weißen Blütenblätter, liegen nicht einmal mehr auf dem Kopfsteinpflaster. Der stinerne Zauberer sitzt jetzt unter grünem Blätterwerk. es ist der schönste Ort weit und breit, um geküsst zu werden. wieder ein Frühling verpasst. das Jahr ist schon weit. die zeit vergeht wie im Flug. Mist.

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ich bin zu viel drinnen. Jetzt erst gesehen, dass der alte garagenhof neben dem Cafe Nadja und Kosta verschwunden ist. nun ist das hohe schmale Haus in dem das Cafe ist, nicht mehr das letzte in der Reihe, oder das erste das man von den S-Bahn aus sieht. Mehr Raum für Freiraum stand an der seitlichen Fassade, man sah es von der Bahn aus, man las es wie die Überschrift über dem geheimen Kapitel “Kaskel-Kiez”. Ob die Schrift bleibt? Unlesbar zwar aber noch als Relikt, eingemauert von einem neuen Bau?

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Jetzt ist wieder ein tragischer Unfall passiert. Pling. aber jetzt ist es Helene Fischer, die alles verloren hat.

24. April, 2020, Berlin

die Welt ändert sich. oder viel mehr ihre Wahrnehmung. die einzigen DInge die konstant bleiben sind die Nachrichten, die rechts oben in der Bildeschirmecke meines Computers aufploppen. angeblich kommen sie vom Stern und von der Bild. warum sie kommen – jeweils mit einem “Pling”, weiß ich nicht. fast  immer verkünden sie, “Tragischer Unfall!” und dass Lena Mayer-Landrut “Aller verloren!” hat. Diese Nachrichten (und die neulich vom Kulturverein Windsbach e.V., der einen Knigge-Kurs im Landgasthof Dorschenr ankündigte) waren die einzigen, die Corona  ignorierten. beinahe geben sie einen Rest Sicherheit.

23. April 2020 Berlin, nicht Gaza. (virtuelle Reise Israel, Gaza II)

Der zweite Teil der Reise wäre der interssantere gewesen, Palästina. Ganz kurz virtuell in Gaza gewesen. vor einem Krankenhaus, stand ein Arzt von Ärzte ohne Grenzen mit seinem Handy, im HIntergrund sah man die Wand eines Gebäudes und einen Baum, er sprach über die Blockade. In eben dem Krankenhaus war ich mal. Oder war es doch ein anderes. es hätte jedes sein können. der ARzt hieß Mohamed. so hieß der Arzt den ich kannt auch. jeder dritte heißt so. Und das mit dem “ich war hier schon mal,  ich wäre jetzt hier”, das brannte mir natürlich doch zu sehr auf der Zunge, als dass ich es nicht hätte sagen können (zumal die Verbindung bald abbrach – der Arzt musste wieder zur Arbeit) und dann eher Theoretisches von Berlin aus gesprochen wurde. Ich wollte ja die Klappe haben aber hatte die zu wenig sinnliche performance des Moderators nicht ertragen. nicht den Senf dazu geben, unmöglich. wenigstens ein kleines bißchen auf dei Tube drücken. – viel kam aber eh nicht dabei raus, ich muss wohl sehr schlecht verstanden gewesne sein. Scheiß Internet. vielleicht war der Arzt auch gar nicht eingefroren, vielleicht war ich es nur. die auf Eis gelegte WIrklichkeit. das ist es ja eben. ich will meine Arbeit machen. Ich will wirklich DA SEIN. DASEIN DASEIN DASEIN. Existenzielles DASEIN. EInstweilen  soll jemand sein Auge leihen. es soll jemand sein Mikrophon in den Himmel halten, den  Geräuschen entgegen, die in der Luft liegen. statt dessen wird man voll geredet und man sitzt in seinem WOhnzimmer, vor der Insight-Kamera. andere Leute, die mir Dir auf dieser Reise sind, kleben in ihren Briefmarkengroßen Bildausschnitten. Der meine – er war sorgfältig gewählt gewesen – war am ENde der Sessel in meiner Ecke, aus dem die Holzwolle quillt, denn ich hatte umziehen müssen vom Schreibtisch weg in die andere Ecke, in Routernähe in Kabelreichweite. Nicht daß das relevant wäre, aber ich habe gemerkt, dass mich die “Mitreisenden” und ihre Hintergründe visuell weit mehr interessiert haben, als die Referenten, die sonst wo waren. ich will echt!

 

22. April 2020 Berlin – Jerusalem?

Es sind meine ersten Schritte auf Zoom. In der Online-Welt Reisen. Reise nach Jerusalem gebucht! und eine Nach Gaza. wie wird es sein, das zu sein wo ich jetzt wohl wäre, wenn es nicht so gute Ausreden gäbe wie Corona. NUn lasse ich reisen. hänge mich an die Augen anderer. dummerweise schlaflose NAcht. es ist ein seltsames Reisefieber, das ich sonst nur habe, wenn ich wirklich aufbreche. die Angst, ob der Pass doch  vielleicht abgelaufen ist. das Handy nicht klingelt, die S-Bahn zum Flufhafen verpasst wird. hier aber könnte man ruhig sein. man schaltet sich dazu. kann doch nicht so schwer sein? – aber was, wenn das Internet mies ist? was wenn ich nicht auf die Plattform komme. Was wenn ich zu viel reinquatsche…?

Blick vom Balkon des Willy-Brandt-Zentrums. Schmiede-eiserne Pracht weit ins Land. goldene Kuppel der Al-Aksa-Moschee.  Gelernt, daß es bedeutet “der fernste Ort”.  Generell lernt man mehr in einer digitalen Reisegesellschaft. aber man ist eben nicht da. Es ist nirgendwo ein Auge für die Zufälligkeiten, das was im Augenblick  in der Fremde passiert. Es ist nichts fürs Stadtschreiben, denn das lebt für mich vom Sammeln von eigenartigen EIndrücken. hier  bekomme ich präsentiert. Eine Frau von der Uni in Haifa stand mit ihrem Handy oberhalb der Gärten der Bahai und erzählte. es war interessant was so sprach. von der weltoffensten Stadt Israels, in der Palistinänser und Israelis relativ gut zusammenleben – aber daß es im Grunde doch auch eher eine “nebeneinander” sei. vermischen täte da sich nicht viel; Zufällig gingen Leute im Hintergrund durchs Bild. Kein berauschender Anblick. aber immerhin: etwas passiert an dem entfernten Ort hier und jetzt und nicht hier aber fast jetzt “in echt”.

[…]

 

Berlin, 18. April, 2020

Ausflug. Räucherfischsemmel in Klein Wall. sonst hätte man am Forellenzuchtteich gesessen. jetzt auf einer Bank am Parkplatz. weiter. G. vertraut der Frau im Navigationssystem und landet auf der B1. ich in Altlandsberg. irgendwo an der Dorfhauptstraße wirbt einer mit einem selbstgemalten Schild “DDR-Kotlett”. leider vergessen, wie der Ort hieß.

Berlin, 17. April 2020

Es ist Freitag, aber ich dachte es sei Mittwoch. es sollte Schnitzel-To-Go-Tag sein im JAS, aber der war vorgestern. es ist beinahe WOchenende und ich habe drei Tage “verschlafen” im Wachzustand und im After-Math der Antragsstellung. immer wenn ich schlafen will, ruft jemand an. oder will jemand was. 

per email kam Angebot einer Arzneimittel-Studie. Man könnte sich bewerben, um einen noch nicht zugelassenen Corona-Impfstoff zu testen. hatte vor Jahren mal eine Artikel über solche Pharma-Zulassungs-Prozesse geschrieben und bin noch in den entsprechenden verteilern. Frage mich, ob viele Leute sich melden. oder – weil es Neuland ist und noch nie an Menschen getestet wurde – eher keine.

16. April, Berlin.

in Gaza endete die Antragsfrist des Goethe-Instituts um 23:59. die Antragsmaske, die nicht zu bewältigen ist  – und nur jeweils von einer Seite der Welt zu bearbeiten ist, nicht gleichzeitig von beiden. man hakt bereits bei FOrmularseite drei, wenn man die IBAN des ANtragsstellers eingeben soll und das Formular von den Zahlen und Buchstaben behauptet, sie ergäben keine gültige Bankverbindung. Erinnerung an moneygram-Odyssen. vielleicht ist es das Geld das sinnlos ist. ohne die richtige zahl eingegeben zu haben scheint man aber nicht weiter zu kommen. dann doch. dann verschwinden ganze Seiten. dann sind sie wieder da. die falsch eingegebenen Namen. was ist der Postal Code der GAza Association for Culture and arts? richtig, es gibt ja keinen (das hat Gaza mit Irland gemeinsam). um 00:01 heulte und brüllte ich vor verzweiflung, weil die Elektrizität in Gaza wieder abbrach. Um 00:04 fiel mir ein ,dass die Zeitverschiebung möglicherweise die Rettung sein könnte. leider nichts gespeichert. nochmal von vorne. – ich bin zu alt für das… was wird werden? warum ist alles so haarscharf. damit wir die  Hürden nehmen lernen, immer immer wieder. rechtzeitiger beginnen mit allem? ist sowieso alles zu spät? kommen wir durch? mit dem Antrag, mit unseren Ideen? schlängeln wir uns durchs leben? stehen wir noch gut da?

es ist ein schöner Tag, mal wieder.

15. April, Berlin

Der Stichtag für drei wichtige Kulturförderantrage. Seltsames Wort “Stichtag”. Assozation einer langen Schlange von Menschen, die wartet darauf, gestochen zu werden. einer nach dem anderen. nur zwei Anträge sind überhaupt zu schaffen. arbeit an beiden schon seit langem, das war auch der Grund, warum die einfachen Anträge liegen geblieben sind, vor allem der mit dem Hilfsgeld für Soloselbstständige in drei Klicks. der von dem es hieß jeder kriegt das Geld, es habe keine Eile – und dann doch, bzw. doch nicht. (Wollte aufhören darüber zu jammern, ich stehe doch jetzt drüber!). es ist nicht mehr viel zu tun an dn Anträgen. den einen stellt Deeb von Gaza aus, den anderen ich.

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Der Sohn hat einen Magenkrampf. seltsamerweise liegt er angezogen in der leeren Badewanne und krümmt sich. Panischer Abbruch. alles stehen und liegen… lassen. gut sein lassen. Kamillentee gesucht. Paracetamol. Apotheke. dann schlagartig scheinbar alles gut. doch nicht Apotheke? die Deadline rückt näher.  Auch ein seltsames Wort. Oberflächlich wieder Wohlbefinden.

14. April, Berlin

die Menschen werden krank. Sie bekommen noch lange keinen Husten, aber beginnen durchzudrehen. Gestern schrie sich jemand die Seele aus dem Leib. Innenhof. schräg gegenüber. saß an der Fensterbrüstung und hasste die Welt. Versuch mit ihm zu reden war mäßig erfolgreich. zwar sprang er nicht, wäre es aber vielleicht auch soweiso nicht. ich dachte immer es ist einfach die richtigen Worte zu finden. in den Filmen klappt es immer. meine waren lächerlich. und dienten nur jemand anderem im Haus, die Polizei zu rufen. zweifelhafte Maßnahme. heute ist wieder alles ruhig. die Episode der Nacht vergessen. wäre jetzt Zeit von der anderen Seite zu kommen. nicht auf der MAuer zum nebenhaus über den Mülltonnen zu stehen und hinüber zu rufen, sondern von der Straße aus an der Tür zu klingeln. aber ich glaube der Menscht wohnte im Haus das keine Tür hat.

12. April, Ostersonntag.

“Sonnenuntergang kaufen – Preise für Sonnenuntergang”

Das Internet verkommt zur Verkaufsveranstaltung. weil heute Mororradausflug, und mein Mitfahrer ausdrücklich nicht im Dunkeln wieder zurück sein will in Berlin, gegoogelt, wann heute Sonnenuntergang ist. was Google zum dem Stichwort als erstes eingefallen ist, dass man ihn kaufen könne. 17608 Angebote. 20 % für Neukunden. Auch wenn man genauere Angaben macht (SOnnenuntergang Berlin wann?) bekommt man als erstes Fototapeten angeboten. das beantwortet die Frage indirekt. “Immer!” immer ist Sonnenuntergang. In der Wohnung. Im Homeoffice. 50 000 zufriedene Kunden.

[…]

11. April, Ostersamstag

Es soll aber nicht der EIndruck entstehen, ich hielte meinen Sohn für einem stumpfen Klotz. Er hat Physik studiertu und Mathematik! er analysiert die Welt halt lieber und isst lieber Fleisch als Fisch. Die Corona-Zeiten verbringt er mit der Arbeit an Statistiken, die die Realität vorhersagen können, Formeln in denen Todes -und Genusungsfällen rein mathematisch eine Größe sind. (klingt jetzt wieder nicht so positiv, aber das ist der Mathematik geschuldet nicht dem Sohn.)

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die lange, luftige  Schlange vor Rewe an der Warschauerstraße, so weit verteilt standen die Leute, dass ich sie nicht sah und vom Türstehen nach abgewiesen wurde. er sprach nicht, wiest ab , zeigte zum ende der Schlange. er wirkte wie ein Verkehrspolizist aus einem arabischen Land. sein schwarzer Bart wirkte sehr eindrucksvoll. Vor dm nebenan stand ein dünner, windiger mit dunkelblondem Haar, der es gelassener nahm.

vor dem Rewe saß ein Mann, der sich die Schuhe ausgezogen hatte und barfuß und unendlich erschöpft, die Sneakers aber noch in den zittrigen Händen auf den breiten Stufen ausruhte.

eine Frau griff tief in einen Mülleimer und holte eine Flasche vom orangen Grund. sie musste sich serh strecken, sah dabei aber nicht in Richtung Mülleimerloch – das war auch bis zu ihrer Schulter ganz mit ihrem Arm gefüllt. sie sah dabei gespant in die Welt, als verkünde ihr gespannter Blick den aktuellen Stand des Unternehmens. sie sah stark aus.

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Geträumt, ich würde im Meer schwimmen, zunächst badete ich eher im seichten Wasser, schwamm dann weiter hinaus und hatte plötzlihc die EIngebung, dies sei ein guter Weg gesund weiterhin durch die Welt zu reisen. es war auch leicht. ich kam in Dubai an, wo ich den AUftrag an Land ziehen könnte Models zu fotografieren. es war ein sehr gut bezahlter Job. die Models waren extrem dünn in sehr luftigen kleidern aus Tüll, was sie aber eigentlich präsentierten waren Atemmasken, sehr stylish. ich fands doof, aber betrachtet durch die Kameralinse sah es tatsächlich unglaublich schön aus. ich konnte aber nicht fotografieren, der Auslöser war blockiert oder funktionierte wenn überhaupt nur sehr langsam. immer musste ich sagen “Halt stop bleib so!” oder “Bitte nochmal”, da es aber eine Modenschau war, waren alle genervt. ich hielt alles auf und wurde gefeuert.

10. April, Karfreitag

Herrliches Osterwetter. Der Sohne weigert sich Eier anzumalen. Aus Prinzip nicht, weil er keine Beziehung zu Ostern hat. Ostern! Es ist mein Lieblingsfest!

Er sagt, das seien komische Feiertage, weil alles hat zu und dann doch offen und dann doch nicht. Und die Feiertage hätten ihn schon in der Schulzeit geärgert, weil man gar nichts von ihnen gehabt hätte.

„Aber du hattest schulfrei!“

„Ja.“ Sagt er, aber es seien ja eh Ferien also wären die freien Tage frei vertan. Er hätte sie lieber später gehabt zwischen zwei Ferienblöcken.

„Es sind osterferien. Was erwartest Du?“ Ich weiß nicht was ihn stört.

„dass die Läden zu sind. Und dass Macdonalds eine Osteraktion hat, die über einen Monat vor Ostern begonnen hat, aber zu Ostern ist sie dann schon vorbei.

„Toll. Wenn Jesus das hört, muss er echt frustriert sein. Der wird sich auch denken, wozu habe ich mich ans Kreuz schlagen lassen, wenn unterm Strich hängen bliebt: Ostern. Die Tage wo die Läden zu haben und Mcdonalds keine Sonderangebote hat.

„Ich verstehe eh nicht, warum sich keiner wundert darüber, dass der Weltretter einfach so stirbt… – es klingt als würde man die Flucht nach vorne antreten: gar nicht erst den Gedanken zulassen: hat nicht geklappt mit dem Erlösen, sondern es verkaufen als damit wir erlöst werden, musste es ertsmal schief gehen.“

Ja, ich weiß. Ich habe selber meine Probleme damit. Sie Sünden der Welt auf sich nehmen, damit die anderen später doch in den Himmel können werden. Warum muss ein Kind sterben, um den Vater zu versöhnen mit denen, die es verursacht haben. Was bedeutet es, wenn das die Bedingung ist in dieser ganzen Versuchsanordnung Welt. Wieso? – andererseits wieso nicht?

der Sohn findet „damit man sich schlecht fühlt! Schlechtes Gewissen machen. Passiv aggressives Verhalten!“

Okay, auch Jesus war Sohn einer jüdischen Mutter, aber  “Schuldzuweisung” und „passiv aggressiv“ ist jetzt nicht meine Assoziation dazu wenn einer sich ans Kreuz schlagen läßt. – – – Aktiv-massochistisch? Inbrünstig-pazisfistisch? es ist ja immer viel von Liebe die Rede. Aus Liebe will mein Heiland sterben. Ein Gesang aus der Matthäuspassion der mir mal lange im Ohr herumspukte. (da stand aber auch mal der CD-Player versehentlich auf Dauerloop. Eingeschlafen mit „Aus Liiiehibeee…“ und aufgewacht und es hat sich mir eingegraben auf Lebenszeit. –

„Ich hätte dich früher öfter mit ins Konzert nehmen müssen!“

„Als ich mich noch nicht wehren konnte?“

 

Ich bereue das wirklich. Vor allem weil ich ihn tatsächlich früh einmal mit genommen hatte. Es war ein Konzert gewesen, nachmittags, in der Kirche an der Immanuelkirchstraße. Er war noch klein und ich hatte ihn auf dem Arm. Es war bereits voll und es hatte schon begonnen. Wir standen in der hintersten Reihe und er fing an lauthals zu lachen. Ein jauchendes fassungsloses Lachen. Und wirklich laut. Niemand sagte etwas, aber ich ging, weil ich dachte, es würde stören. In der Kirche in der NÖldnerstraße hat der Kantor einmal beim Weihnachsoratorium so lange inne geahalten bis die Eltern mit einem schreienden Kind die Kirche verließen. Der Sohn kennt die Geschichte. Er lächelt müde, als wüsste er es besser, aber er weiß es natürlich nicht. Mütter wissen immer alles besser. Maria wahrscheinlich auch. Würde er jetzt klassische Musik hören – und in Kirchen gehen, statt eine extrem langweilige Form von Hip Hop dargeboten mit 80% robotic voice Filter – und zu MacDonalds, wenn ich ihn damals öfter mitgenommen hätte?

Sitze am Tuchollaplatz. Wieder ist Sonne. Ein Kind wird geschimpft, weil es die Hände in den Mund gesteckt hat. Verzweifelte Versicherung „Ich habe den Popel nicht gegessen!“ Popel essen oder auch nur in der Nase bohren und den Finger in Richtung Mund bewegen in den Zeiten von Corona, ist ein Grund den Karfreitags-Spaziergang abzubrechen. – aus einem Fenster über dem geschlossenen Weinladen hört jemand Element of Crime. Daher an G. gedacht. Fast Sekunden später fuhr er mit dem Rad vor. Akausale Synchronizität ebenfalls in den Zeiten von Corona.

9. April.

Aufarbeitung und Schnitt; das kam dabei raus:
 
 

8. April, Berlin [wo sonst?]

Eigentlich habe ich gar kein Astma. jedenfal sin den letzten Jahren fast nie. es muss mit der panik zu tun. Beschließe über der Panik zu stehen. Sonne brennt. Überall Leben auf dem Tucholla Platz. fuhr daran vorbei auf der weiteren Suche nach dem Medikament, das überall vergriffen ist. schließlich in einer Apotheke in Moabit entdeckt. fuhr aber nicht hin, es sollte geliefert werden. war aber dann nicht da, als ich es abholen wollte. zurück zum Platz, der liegt immer noch in der Sonne. Kinder spielen mit der Wasserpumpe. und spielen Ball. und alles wirkt normal, wenn auch wohldosiert. Sonne vielleicht besser als Medizin.

7. April. Berlin

wieder ein herrlicher Tag. Blauer Himmel. von Rosinenkuchen geträumt. der Duft war unglaublich real, was mich erst nach dem Erwachen wunderte. Der herrliche Himmel ist schwer zu ertragen – dachte ich. aber ich liege am Finster. und das Fenster ist wie eien Tür so hoch. immer hatte ich vorgehabt eine Art Notbalkon zu konstruieren, der das Bett hinaus in den Frühling verschiebt. Stattdessen habe ich seit langem das Fenster nicht einmal mehr geöffnet. Anstatt an der Schwellensituation zu kratzen, immer das Entweder-Oder gelebt. Drinnen oder draußen sein. Der Tag begann gut, denn ich blieb an Gedanken von Alexander Kluge hängen, den der blaue Frühlingshimmel an den Himmel von 1945 erinnerte.  “Aber im exzessiven Frühling des März 1945 zeigten die Bombengeschwader ihre Kondensstreifen auf einem strahlend blauen Himmel. Der unsichtbare Gegner, mit dem wir es jetzt zu tun haben, ist nicht so sehr davon ver-schieden. Die Viren koexistieren in diesen Tagen mit einem ähnlich blauen Frühlingshimmel, wie er für den Frühling 1945 charakteristisch war.”

***

Asthma-Rezept in der Apotheke einlösen gewollt. aber das Medikament ist vergriffen und nicht lieferbar. bleibt einem sofort die Luft weg. außerdem habe ich sie kaum verstanden hinter der Plexiglasscheibe. und unter meinem Motorradhelm. als ich näher rankam hat sie mit den Händen gefuchtelt. ich hab doch nur Asthma!!! und einen Motorradhelm auf!

6. April.

Okay Schluss mit Jammern. lustig ist: das ich mich heute beim Gang zum Kaufland gekleidet habe wie in Gaza.  verschleiert ist doch besser als  diese gruselige Masken. eventuell könnte man auch aus alten BHs zerschneiden und zu je zwei Masken unfunktionieren. so was basteln.  fand auch ein Bayern München Halstuch. Im Internet ploppen jetzt coole models auf überall. In schicken looks mit dazupassendem Mundschutz. morbides chick. Und da ist auch noch die alte Darth Vader Maske des SOhns. nicht die Luxux-Variante, die wirklich originale. die ging verlroen, weil ich sie meiner Mutter mal für eine Demonstration zum Ostermarsch geliehen hatte. aber die halbMaske. Den schönen Tag verpasst. Selber Färben ist Scheiße für die Haare.  Nun jammere ich doch.  Pulmologe schickte Asthmaspray-Rezept.

5. April.

immernoch wütend über das Geld, das nun gestrichen wurde.

Ich weiß, man soll nicht Motorrad fahren im Zustand „aufgewühlt-heulendes Elend“, weil man denkt man ist die einzige, die das Solo-Selbstständigen-Notgeld nicht bekommen hat. Vielleicht sollte man ja jetzt eh nicht fahren ohne ein konkretes Ziel. Darf man sinnlos durch den Oderbruch bis zur polnischen Grenze rasen? Oder Kraftrad und Gedanken kreisen lassen? Benzin ist jetzt billig. Strafen eventuell hoch. Wer dachte sich die treffende Redewendung „ die Decke fällt einem auf den Kopf“? aus – es klingt nach Gehirnerschütterungen, einstürzende Häuser und Ruin. Muß man nicht sogar raus, um zu überleben? das Weite zu suchen. (auch ein schönes Wort!) Das Weite suchen. Nicht finden. Nur den Oderbruch. Weite Steppe. Hochsitz,  auf freiem Feld, seltsamerweise war ein ausgedünntes Armeenetz darüber geworfen, aber ohne jegliche Tarnvorrichtug. Es verheddern sich nur die Füßen darin, ansonsten ist es nur ein lächerliches Fadenscheiniges Gewebe. Ist ja auch eh keiner da. Vielleicht der gesündeste Ort weit und breit? Die Sonne glüht selbst noch am sehr späten Nachmittag. Sie lässt das Notebook-Display in matschigem Technikblau erblinden.

Ruhiger geworden. Schokoladenkuchen. Caprisonne. Nachgedacht, warum mich das mit dem verpassten Notgeld so sehr aufwühlt. – klar, 5000 € haben oder nicht haben kann bedeuten berufliches Sein-Oder-Nicht-Sein. Aber warum haut es so persönlich rein, dass ich beinahe nach Polen durchgebrochen wäre (wo es solcherlei Hilfen wahrscheinlich schon gleich gar nicht gibt).

Folgendes habe ich ausgeschlossen: es kann nicht nur Existenzangst sein. Tatsächlich haben mir bereits drei Kollegen angeboten mit Geld auszuhelfen. Unfassbarerweise sogar mein Techniker der im Gazastreifen ist, der damals – wir machten ein Theaterprojekt, das gleichzeitig in Gaza und in Berlin stattfand – so lange geduldig auf sein Moneygramhonorar hatte warten müssen. Ich habe gerührt abgewehrt. Nein, nein, es geht mir nicht sooo schlecht. Das ist es nicht. und ich habe ja auch noch ein bißchen. und ich bin daran gewöhnt, mit wenig auszukommen. ICH brauche kein Geld. Ich brauche nur Geld, um es in meine Arbeit zu stecken. Meine Arbeit ist mir wichtig. Ich habe bewußt dieses Geld, das sich jeder Solo-Selbständige (ob Künstler oder Handwerker oder Steuerberater) mit drei Klicks hätte holen können, erst mal nicht in Anspruch genommen, weil ich gerade an drei Projekt-Anträgen schreibe, mit denen ich auch anderen Menschen für ein paar Monate hätte Arbeit verschaffen können werde. Oder eventuell könnte. Haben Gekonnt hätte. ich habe bewußt entschieden, ich spare mir diese Option auf, denn der Landesverband der freien Theaerschaffenden bat darum, dass erst mal die dran kommen sollten, die es wirklich dringend nötig haben. Es sei für alle genug da. Auch auf der Seite der Investitionsbank Berlin steht dies so.

Ich bin sauer, weil ich inzwischen weiß, dass viele, die ein dickes Bankkonto haben, nicht so geduldig waren wie ich – oder so blöd. Bin ich missgünstig? Glaub nicht. Ich gönne es ausschließlich allen. Alle, die es beantragt haben waren ja die Zielgruppe. Wieder schnieft es unter dem Helm. Ich aber doch auch! Dass eine Bank behauptet, für alle sei genug da, dann aber die Hilfeleistung vorzeitig einstellt, entsetzt mich, denn es lässt ahnen, dass das, was ich bis gestern als Husten und Schnupfen, der sich nicht noch mehr ausbreiten sollte, bezeichnet habe, ganz andere Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringt. Stampfe ich gerade auf mit dem Fuß, aufs Gaspedal, weil ich denk nur ich habe das Zeitfenster verpasst, oder steckt mehr dahinter. Blickt man in einen Abgrund? Nicht genug Schwimmwesten auf der Titanic? Befinde ich mich mit anderen Herzblut-Künstlern im Zwischendeck? Hat sich ein Bankangestellter um eine Kommastelle verrechnet, oder ist das bereits der Notfallplan: es kann ja gar nicht für alle reichen? Sollte man lieber Verschwörungstheoretische Horror-Romane schreiben, als zum Wutbürger zu werden? Das mit der Kommastelle wäre mir lieber. Menschliche Schwächen kann ich akzeptieren, nicht aber die Ignoranz. Oder um mal wegzukommen von der finsteren Realität: Ich war immer eher auf der Seite der dreizehnten Fee, die nicht zur Taufe eingeladen wurde, weil Dornröschens Eltern nur zwölf Gedecke hatten – und nicht auf der Seite des Königspaares. Was sind das für Schlossherren und Damen, die nur zwölf Teller und Tassen im Schrank haben? waren sie arm? glaube ich nicht. vielleicht überfordert. Neugeborenes Kind, großes Social Event veranstalten… –  Und muss das Kind unbedingt aller Welt vorgeführt werden, wenn man nicht Platz hat am Tisch für alle Welt? Kaffee. Kuchen. Das gute Rosendahl-Porzellan… – meine Güte, dann hätten sie halt noch ein Campinggeschirr dazu getan. aber dass nicht alle eingeladen werden… – nicht okay!

Erinnert mich an die Kindergarten-Tage Geburtstage. Bayern in den 70er Jahren. Das Geburtstagskind durfte sich zwei Freunde und Freundinnen aussuchen, die durften mit dem Kind an einem kleinen Tisch in der Mitte sitzen und Süßes essen und alle anderen saßen drumherum und mussten singen Happy birthday für die in der Mitte. Ich erinnere mich nicht daran, dass “Nicht-ausgewählt-Werden” Saß ich jemals am VIP-Tisch? oder zu oft? – ich weiß es nicht mehr. Aber ich erinnere mich noch genau, dass ich darauf bestand, dass an meinem Geburtstag ALLE am Tisch sitzen sollten. Es war mir peinlich dass andere zugucken, während ich und zwei andere Kinder in eine Partytröte blasen. Konfetti. Kuchen. – – – Ich sah die Berge an Süßigkeiten, die meine Eltern in einem großen Korb dafür einkauften. Es war ein sehr sehr großer Korb. Randvoll mit Schätzen. Kaugummis und Zuckerschnecken und Caprisonnen – So macht man das! Oder nehmt Euch ein Beispiel an Pipi Langstrumpf im Süßwaren-laden. Es muss für alle reichen. Oder man feiert gar nicht!

Okay. Der Vergleich hinkt. Vielleicht ist halt wirklich nicht genug da. Das mit dem Sozialismus hat leider auch nicht geklappt. Was bleibt: ich war also ein nettes Kind und jetzt… – bin eigentlich ich die, die anderen versorgen will. Aber stattdessen sitze Und ich sitze allein im Oderbruch, trinke immer noch oder schon wieder Caprisonne und esse Geburtstagskuchen allen. Ich versuche relativ selbstlos zu sein in meiner Selbstständigkeit. Wahrscheinlich ist das der Fehler. Wer ist man denn, ohne Selbst? Und bin ich selbst zu blöd dreimal auf ein Geld-Abruf-Formular zu klicken??? wo doch alle mir gesagt haben: hol Dir dieses Geld! Vielleicht bin ich sauer auf mich, aber ich halte es nachwievor für wichtig, dass man Rücksicht nimmt. Dass man keine leeren Versprechungen macht. Dass man reinen Wein einschenkt. hätten die Dornröschen-Eltern auch machen sollen: liebe dreizehnte Fee, es ist uns sehr peinlich, denn wir wollten ja ein perfektes Event ausrichten, aber haben nun nicht genug Stühle. Wäre es okay, wenn Du deinen eigenen mitbringst? und auch dein eigenes Besteck? oder magst DU stattdessen zur After-Party kommen? oder zum Resteessen? wir sind einfach überfordert. Wir wollten ja noch Teller dazukaufen aber die Kleine hat die ganze Nacht über gebrüllt wie am Spieß und wir sind fix und fertig und Du…. Du bist doch eine Fee, Du verstehst das.

Auf dem Hochsitz glüht die Sonne, aber es weht ein kalter Wind; außerdem ist die Schutz-Tastatur meines Notebooks davon geflogen. Eigentlich habe ich sie eh nur, weil bei meinem Theater-Format zuweilen mit Wasser vor der Insight-Kamera herumhantiert wird und ich es schon zweimal überflutet habe. Aber zur Zeit ist es ebenfalls sehr praktisch, weil man es so leicht desinfizieren kann. Leider ist es jetzt weg. Vom Winde verweht. Eigentlich ist mein Notebook mein gewerberaum. Notbuch. Zeit aufzubrechen. Ich habe gemerkt, dass ich das Geld gar nicht einmal mehr will. aber ich will nicht dass das so selbstverständlich ist. es sollte gewürdigt werden, dass man leer ausgeht. 

Ganz gestrichen sind die Gelder ja nicht. Das Hilfsprogramm der Berliner Investitionsbank wurde zusammengelegt mit einem anderen aus Bundesmitteln. Es ist aber ein Soforthilfeprogramm, das nur bei Selbstständigen greift, die Gewerberäume angemietet haben oder andere laufende Ausgaben zu zahlen haben. Damit fallen Künstler, die nicht den Luxus haben, einen Probenraum zu besitzen oder gar ein eigenes Theater betreiben, unter den Tisch. – Auch eine schöne Redewendung! Kann man unter einem Tisch Theater machen? Wahrscheinlich ja. Vielleicht kann man auch die dreizehnte Fee einladen und darunter eine geheime Miniatur-Tee-Party veranstalten. Eine Gegen-Geburtstagsfeier sozusagen.

Nein, man muss irgendwann runter von den getarnten Hochsitzen und unter den Tischen hervor und die Frage stellen: Sind nur die Künstler relevant, die etwas Greifbares produzieren? Einen sichtbaren Betrieb vorweisen können? Etwas schaffen, was man am Ende in der Hand hat? ich mache Theater. Etwas das vom Augenblick lebt. Meistens bin ich nur Gast an Theatern. Zur Zeit mache ich virtuell-analoges Theater zwischen Gaza und Berlin. kann es etwas schwereloseres geben, jenseits aller Räume?

Der letzte Hieb ist ein Trostpflaster: auf der Seite, die eben noch verkündete, es sei genug für alle da, rät jetzt: man könne ja auch Sozialhilfe beantragen. Arbeitslosengeld II, Harz IV. Da würden jetzt erst mal auch recht unbürokratisch Mittel vergeben. Toll. Das bedeutet: die einen sind anerkannte Werktätige, die anderen können Betteln gehen? Sozialfall werden, weil man sich sozial verhalten hat?

Eine Woge von Selbsmitleid abwähren in dem man sich den Motorradhelm aufsetzt. eh eine guter Look in den Zeiten von Corona. Visir runter. Rotz und Wasser hochziehen. Weiter. Weiter das Weite suchen. Oder warten auf das bedingungslose Grundeinkommen! Ahnt man nicht inzwischen, dass es „von der Sache her machbar wäre? Ein Lichtblick am Horizont. Genug gejammert.

Das Weite war nicht so weit. kurz vor Strausberg. der Ort heißt Jenseits des Sees. es ist eigentlich also auch kein Ort. Eben ein Jenseits. Strauberg. der Ort heißt Jenseit vom See: ich fihr hier bvorhin schon mal durch und hatte sofort den alten Song “Beyond the sea” im Ohr gehabt. zu erschöpft den perfekten Platz zu finden. das Motorrad an der Straße stehen gelassen. da sind Bänke. Leider besetzt. Alter Mann starrt in sein Handy. früher hätte ich mich dazu gesetzt. Es gibt noch eine Bank, die ist leer, aber da starrt man genau auf zwei die etwas unterhalb am See liegen. der eine streckt seinen nackten Arsch in den Frühling. der andere raucht Schischa. is okay.  Die Picknickdecke doch nicht umsonst mitgenommen. sie stammt noch aus dem Diak. Schwestzernwohnheim Schwäbisch-Hall. Es ist ja nicht nur so, das ich Rechmäßiges nicht bekomme, manchmal habe ich auch unrechmäßig Dinge mitgehen lassen. Eben die Decke. Ausbreiten der Unrechtmäigkeit – schon sehr alt ist sie, abe rmit neuen Flicken – Jenseits der Zeit. ist das erlaubt? Das lichte Schilf. Das Glitzern der Sonne auf dem kalten Wasser hinter den Schischaschwaden und dem nackten Hintern (sehe jetzt das er doch einer Frau gehört). Das parasitäre Grün der Misteln in den Bäumen. Komm nir nicht zu Nahe. Bleib. Geh weg. Die Natur macht weiter. Was geschieht wirklich in der Welt? Der Husten war mir wurscht. Ich habe mich an die Regeln gehalten. Ich habe den anderen Fortritt gelassen. Habe die Eltern gezwungen nicht so oft einkaufen zu gehen. Ich habe Handschuhe getragen, in die Armbeuge gehustet, wenn es denn sein mußte. Ich habe kaum Klopapier gekauft. Ich habe keine Angst gehabt. Jetzt aber fühle ich mich höchst unwohl. Weil ich die Mapßnahmen nicht verstehe. Ich will nicht mehr hingehalten werden und am ausgestreckten Arm verhungern. Ich will das Leben jetzt.  – ein Vogel singt inbrünstig. Es ist ein Star. Perlend überschwänglich und berstend, hast du noch Töne.  –

***

Die Tochter hatte heute Geburtstag – von dem Kuchen stammen auch die Picknickstücke – und hatte sich einen Staubsauger gewünscht. Modell Airforce one. Es schien mir erst ein profanes Geschenk, inzwischen beneide ich sie. Ich will dieses Gerät auch. Vielleicht wird alles gut, wenn aller Staub hinweggerafft ist aus den vier Wänden. Ich brauche eine Mission. Kampf dem Staub. Eine Zeile aus einem Heinz Rühmann Film.

 

4. April.

Ein Paket Earl Grey Tee bekommen! einfach nur so.

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es war nicht ganz wahr was sie sagten:

dass das Geld für die Selbstständigen ausreiche. man solle nicht drängeln, man solle, wenn man nicht in völliger notlage sei, warten und andere vorlassen. jeder bekäme das Geld. es sei für alle gesorgt.

heute erfahren, dem ist nicht so.

immerhin gibts wieder Tee.

3. April

alte Freunde und Freundinnen rufen an. manchmal ist es beinahe Gedankenübertragung. Kostbarkeiten. Neue wiederum sind verschnupft, weil ich funny gifs and emojis nicht immer zu würdigen weiß. die Welt hat doch jetzt Zeit! manche sagen, sie stehe still, was ich bezweifle. da kann man sich doch die Zeit nehmen Worte zu verlieren anstatt gelbe Gesichter, japsende Hunde und Viecher von denen man nicht weiß, ob sie rosa Katzen oder weiße Bären sind, sprechen zu lassen. wie antwortet man auf diese sprachlose Zeichensprache? Es fehlen mir die Worte – – – vielleicht ist ein Knigge-Kurs ja tatsächlich keine schlechte Idee gewesen.

es ist kalt, aber die Sonne scheint. und es sieht nach Frühling aus. eisklater Frühling. gestern nacht “Freud” zu Ende geguckt. war am Ende doch ein ziemlicher Gschmarre.

 

2. April.

Schlafe schlecht. Früh ein , meistens erschöpft und wache immer gegen vier Uhr auf. Manchmal von Aufgeklappten Computer, vielleicht wenn Leute aus Gaza Guten Morgen wünschen. GUt dass der Steuerberater weg ist, denn in der Nacht die Hausarbeit zu tun, ist fast inneres Bedüfnis geworden. Diese Nacht lief die Spülmaschine. In der KÜche gestanden am Fenster, weil draußen in der Nacht eine Glocke Alarm schlug. keine bauchige Glocke, eher ein rastloses Sterbeglöckchen. Als ich das Fenster öffnete, der Ton aber nicht lauter wurde, gemerkt, dass es eine metallener Deckel war, der in der Spülmaschine läutete. Es hat mich nun auch endlich gepackt das Corona-Drama. man sieht und hört die Welt mit anderen Augen und Ohren. Und Wehe wenn einer hustet.

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Die WindsART-Veranstaltung wurde nun doch abgesagt. schade. Naja. eh klar.

1. April.

der Tag an dem man Witze macht.

Hatte aber gedacht, es sei schon der zweite. der 2. April. Ich komme nicht gut klar mit den Zahlen zur Zeit. Soweiso eh, aber auch gerade jetzt ,weil die Steuererklärungen nicht zu bewältigen waren. Jetzt aber auch ohne Steuerberater! GIng es dann doch. die Steuererklärung versenden gekonnt. wie lange und wie umständlich das diesmal war, würde alle langweilen. nur kurz (um es doch wieder interessanter zu machen): ich war so verzweifelt gewesen, dass es mir nach drei Jahren immer noch nicht gelugen ist einen Elster-Zugang zu bekommen, dass ich sogar einen Steuerberater als Untermieter akzeptiert hatte. aNicht gut. seltsame Begebenheit die nach einem Probemonat heute endete. drei Kreuze. er wird es ähnlich sehen. auch weil wir immer nachts WÄsche waschen und das wohl laut ist. dennoch… warum kann das Finanzmat nicht einen Weg bieten, der auch Mac-Usern ermöglicht ihre Steuern zu zahlen, auf dasss sie nicht Zimmer vermieten müssen? Ist man zu so drastischen Mitteln gezwungen? die Rettung war: dass der Sohn doch zahlenaffin ist und einen WIndows-rechner besitzt. und das Zertifikat  noch früher zugesendet bekommen hat als ich selbst. in dem nun leeren Zimmer des Steuerberaters hat sich gute Leere ausgebreitet. Vielleicht wird ein Fitness-Studio hier entstehen. jetzt wo der Steuerberater weg ist und der Sohn zum Lohn den freien Raum nutzt zur EInrichtung obi-erkaufter Werzeuge, Rollen und Ösen, mit denen man ein Fitness.equippment nachbauen kann. ich bin ruhig. es war seltsam genug, einen fremden Menschen in der Wohnung zu haben, der nie grüßte und alles besser wußte, aber dennoch nicht willens war mir mein eigenes Steuerprogramm zu erklären. alle wollen immer, dass man sich in Abnhängigkeit begibt. ich bin letztes Jahr so oft rausgeworfen worden aus Bleiben in der Ferne, dass es nur gerecht ist, dass ich das auch getan habe. (außerdem war ja noch Probezeit!) – der Steuerberater ist nun weg. aber er hat eine alte Teetasse zurückgelassen und Wandschmuck: ein Plakat, das vor Sekten warnt. mit COmic-zeichnungen, die zeigen, was alles passieren kann, wenn man einer Sekte beitritt. seltsam. es ist so seltsam, dass ich es nicht übers Herz bringe, das Plakat abzuhängen. es hängt da ohne SInn, denn ich bin nicht gefährdet; ich würde nie einer Sekte beitreten. aber vielleicht der Steuerberater? WIrd er jetzt der Versuchung widerstehen, jetzt wi das Plakat ihn nicht mehr warnt? wer redet ihm jetzt ins Gewissen? Empathieresistent war er eh. ich glaube wir haben uns beide für jeweils den anderen fremdgeschämt.

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Lustig ist, dass in WIndsbach die Corona-Auflagen offensichtlich nicht so schlimm sind. der Verein WIndsART lädt in zur Veranstaltung “Knigge Regeln” ein. in den Gasthof Dorschner! Da würde ich sofort hingehen, schon um in einem echten Lokal sitzen zu können! Und wird einem dann gesagt wie man sich benimmt, dass man die ELlenbogen nicht auf den Tisch stützt, Bitte und Danke sagt wenn man nach dem Salzstreuer fragt, das Gegenüber nicht anhustet… oder lieber gleich ganz zuhause bleibt…. – es muß ein Irrtum sein. EIn Aprilsscherz. – oder ein Traum. Windsbach in der Ferne. vielleicht eine Insel, die unter einer Glasglocke angesidelt ist. Ausnahmeort. Würde gerne nochmal diese KÄsespätzle mit Schweinefilet essen, oder Schäufele… mit echten Leuten am Tisch die sich zu benehmen wissen (oder es lernen) oder in dekadentem Ungehorsam jenseits jeflichen Benimms auf alle WIdersprüche dieser Zeit anstoßen…

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Neue Serie entdeckt. Netflix. Freud. ORF.  skurrile Mischung aus WIener Schmäh, erotisch-Abgründigem und einem sperrigen jungen Sigmund Freud. Teilweise abstruse Kriminal-Schund-Geschichte. dennoch sehr betörend. versinke in Rauchwolken, die aus dem Blitzdings-Kasten des ächzenden Macbooks kommen und verliere das zeitgefühl. das Internet geht wieder einigermaßen. alles hat mit Sex zu tun, meinte er (nur manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre). das Kartograohieren des unbewußtseins. die Erde ist eine Scheibe und jenseits der Kante…? hic sunt dragones… Monster sind zu erwarten, wenn man ber den Tellerrand blickt. Es ist gut die Drachen ins Auge zu fassen. mußte an den Dekan Schlicker denken, der im gespärch pber die Fresken der Gottesruhkapelle immer darauf bestand, es sei gut, dass die heilige Margarete dort abgebildet ist ohne ihr Attribut, den Drachen. der Drachen st sozusagen nicht der Rede wert. man kann ihn weglassen, er hat nichts zu suchen in der Kirche. – dabei weiß man ja doch, dass es ihn gibt. jenseits der Kante, da wo das Unbewußte beginnt, sind die Ungetüme. und wer schlau ist, zerrt sie ans Tageslicht. oder läßt sie auftauchen. warum gucken die Menschen Game of Thrones, aber gehen nicht in die Kirche?

(abgesehen davon ,dass die Kirchen geschlossen sind. was für ein versagen. wann wenn nicht jetzt wären sie gefragt? vielleicht sollten sie sich den Drachen stellen, anstatt sie auszublenden.  – aber okay, wer weiß, vielleihct dürfen sie es einfach auch nicht. Andererseits… die Baumärkte haben auf? und die Buchläden. Weil wir uns beschäftigen müssen. weil wir lesen wollen. von den unkartograhierten Gefilden, von Drachen und Steuerberatern, von Sekten und Käfern und  Gänsen, Spinnen und Fischen…

und wenn man noch eien Folge “Freud” gucken will und sich  durch den Pop-Up-Seiten-Dschungel klickt, an den noch viel schlimmeren japanischen Mangas vorebi, als je ein Drache sein könnte, an den sich feilbietenden Atombrüsten, an den Horrormeldungen (Lena Mayer-Lndrut verlor alles!) stellt man fest, dass sich die Verhältnisse ändern. die Brüste waren immer schon da. mal sind sie üppig und gehören Mädchen, die wie Kinder aussehen, mal sind sie natürlicher und schockieren durch Echtheit, mal sind sie wie nicht von dieser Welt. Seit neuestem ist das Muster durchbrochen und Leute neben den Brüsen bieten Atem-Masken an. die Bandbreite der Kartographierten Unterwelt. der Lüste und der Angst.

30. März.

Tausche Klopapier gegen Earl Grey Tee (den von Teekanne!)

also ich habe Klopapier, aber benötige dringender meinen Tee. möglichst eben jenen.

[…]

17. März.

St. Patricksday. Gebirtstag meiner Oma. Geburtstag meines guten Freundes L. Tag an den alle wichtigen Beziehungen  entweder begannen oder endeten.

Der Tag fällt dieses Jahr aus.

St Patricksday jedenfalls wurde abgesagt.

ob er dennoch stattfindet, heimlich? bin inzwischen in München. bei den Eltern. sie denken wie ich dass alles ist überflüssiger Mist. es gibt wichtigeres, Demenz. Autounfälle. Versicherungsunterlagen.

wieso rutsche ich in die Rolle der Obacht-Gebenden?

 

16. März. Abbruch.

die Welt hat ein Problem entdeckt.

die Eltern ein anderes. nämlich ein ein kaputtes Auto.

Aufbruch. nach Dublin.

Auf allen Flughäfen der Welt liegen immer junge Menschen mit Rucksäcken übermüdet auf Bänken. nun aber haben sie zudem OP-Masken vor dem Gesicht wirken wie beinahe tot. will wieder umkehren, kann aber nicht.

11. – 15. März, Irland

[Irland. Den ärger passieren lassen, ohne dass etwas passiert. fernab. Grün. Hütte. im Teich wimmeln werdende Frösche. Lust auf Wein. der mit dem Namen “purgatorio” war zu teuer, ein anderer hieß 1000 stories. – oder nur hundert. er war billliger. am Kamin der Götter nebenan. die Bäume pflanzen. über das Land schreiten. Über Steine nachdenken. Beeren pflücken. Tinte kochen. Worte finden. den Blog vernachlässigen, weil ansonsten sprachlos. Glücklich. Farbtropfen. In den Nächten lockt der Dschungel vor dem Fensterglas. Herzen fliegen und Tiere. Tagsüber  grabe ich in der Erde nach noch mehr Steinen. fand ein Stückchen Blei. Rote Hawthorn-Beeren machen taubengraublaue Tinte. Judy liest in alten Briefen. Peter kämpft gegen den großen Stein der keine Bäume duldet. sie wissen inzwischen, die Ire, dass die besucher der Welt erwarten, dass ab und zu im Grünen ein Stein zu stehen hat hierulande. Wozu? egal. Und ein Klo gibt es hier, das erwähnenswert wäre, aber auch hierfür fehlen die Worte… Ach!]

10. März, Ballincollig, Irland

es wäre links links, dann rechts rechts gewesen. Irisches rechts und links vielleicht.

Wein  zu kaufen versucht vor 10:30. nicht möglich. helfender Verkäufer der an der DIY-Kasse bereitstand, bedauerte. (nein, nicht wegen Corona-Maßnahmen, das ist da immer so. weil sie nicht wollen dass die Alkoholiker schon früh in den Supermärktem rumhängen) dann später im Ort in Supermarkt, schöne Flasche gefunden zur echten zeit. Wein hieß Purgatorio, gab ihn aber an der Kasse zurück weil überlesen, das 40 €. Glücklichere Hand in der alten Tankstelle. Glas mit in sich gedrehten Lakritzstangen. man darf sie sich selbst aus dem Glas nehmen. Glücklich darüber, daß man hier nicht das Anlegen von Plastikhandschuhen verlangt, oder ich mit einer Zange herumfuhrwerken muß. von der Tankstelle aus ist der Weg zurück in die Hütte doch anstrengend. es ist ein hoher Hügel. Rast kurz vor dem Gatter.

 

9. März, Ballincollig, Irland

I run out of electricity. – Or did electricity run (away) fromm e? AM I supposed to b e without my regular tools? NO Computer, my phone died, hours ago. Do I rest in peace now? I seem to have escaped the panic-madness in Germany. Dennoch… ganz ohne Strom ist auch Mist. Ich hätte den Billigadapter von „Dealz“ nicht kaufen sollen, er ist schon nach 2 Tagen kaputt. Oder noch besser: meinen eigenen nicht in der Ausstellung lassen sollen. Ob die UCC ihn mir zuschicken wird mit den Sachen zusammen? Sagten, ich solle explizit nicht dabei sein, wenn sie es verpacken. Seltsam.

***

doch auf den Weg gemacht, hinab den Hügel. Gefühl die falsche Richtung eingeschlagen zu haben. will zur nächsten Tankstelle, oder dem SUpermarkt hinter der Brücke am Fuß des Hügels. man hört die Schnellstraße, sie liegt in der anderen Richtung. dennoch stur an Wegbeschreibung gehalten. passiere einen Stier auf der Weide. längliche längs-gelayoutete Schilder in gelb sagen “SLOW”.

textalert1Text Alert areas. mind the gap. the one between the letters. Warnung vor ZWISCHEN DEN ZEILEN. – Was bedeutet Text alert area?

textalert2später erfahren, dass TEXT ALERT AREA wohl darauf hinweist, dass NAchbar hier auf der Hut sind und untereinander in Kontakt stehen und Informationen austauschen. wenn hier jemand rumstreunt oder was kaputt zu machen beabsichtigt, weiß er, dass sich das herumsprechen wird. meine Assoziation gefiel mir besser.  dachte es müsse mit meinen Gastgebern zu tun haben, besonders HAusherrin Judy. denke sie mir text-alertet in the most cautious way. mag ihre Gedichte.

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gestrige Morgenlektüre: David Mammet / “Wiriting in Restaurants” about the territory of texts, about a man (who had to talk about his anger about a missing information-sign in order to get rid of his anger about this and even spent more time to do so than the period he was angry about, caused by the missing sign)

“In his anger he had reverted to a universe where words were clearly magic, were possessed of spirit, and where anything was possible.”

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Älterer Mann vor mir an der Supermarktkasse, kaufte sehr viel Hundefutter. vielleicht wegen Corona, vielleicht auch nur weil er viele Hunde hat.  er wollte mich vorlassen, weil ich nur  wenig einkaufte. aber ich war nicht in eile. “we all ahould not hurry!” Wenn die Iren zu schnell gehandelt hätten im 2. Weltkrieg, wären die Deutschen nicht besiegt worden. – er hatte abe rnichts gegen die Deutschen. liebt München. Und Österreich. Innsbruck. Und some land called “Tyrell”,  keine Ahnung welches, er beschrieb es als Gegend “In between. Dachte es sei etwas Irisches oder Schottisches oder ein Phantasieherrschaftsgebiet aus Game of Thrones. er meinte aber Tirol. zwiscen Italien udn Österreich. China mochte er nicht. glaubt, Corona wäre  gezielte Terrorattacke von chinesischen Kommunisten. gelbe Gefahr. er wollte nicht im Detail darüber sprechen. Obwohl sehr gesprächig und eigentlich auch nicht verbiestert. wirkte sogar ausgesprochen liberal und weltoffen. wußte, das  es mehr gabe auf dieser Welt, als die Welt. Nah-Toderfahrung gehabt. Zeigte mir Narbe an der Innenseite seines Handgelenks. schlängelte sich rötlich. er war freundlich. ob ich nicht doch vor wolle. (immer noch standen wir in der Schlange und sie war nicht wirklich lang. ein Gespräch im Zeitraffer. dachte an Stummfilm, aber mit Sprache. vielleicht auch weil er mich erinnerte an “The late Charly Chaplin”. er krempelte die Hemdsärmel wieder über das Handgelenk undn legte das Hundefutter auf das Kassenband.  “We should not hurry, you are right!” (er meinte nicht wegen des Jenseits, sondern generell, und weil ich wieder sein Angebot vor ihn zu dürfen, ablehnte. Und ja, er hatte vier Hunde.

Ich hatte es nicht eilig, aber in erser Linie weil inzwischen im Adapter und Handy-Laden, mein Handy lädt. Je länger ich brauche, desto mehr geladen wir es sein.

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8./9. März, Ballincollig, Irland
Fahrt nach Ballincolling. Unweit. Zur rechten eine alte Nervenheilanstalt, Judy sagt, darin sei der längste Korridor der Welt. (oder Europas?) Er habe früher zur geschlossenen Station geführt. Hatte man den Korridor hinter sich, hätte man auch gleich dort bleiben können. Channelling the madness.
Irgendwann habe man beschlossen die Anstalt zu schließen und die Insassen allesamt entlassen. Good by, crazy people – sagte Judy als sie davon erzählte und die Finger ihrer Hand verbeugten sich andeutungsweise zu einem Winken – Viele seien noch lange in der Gegen herumgeirrt (buchstäblich) und gestanden, erstaunt über die unverhoffte Freiheit.
Ich dachte der längste Korridor sei der im ersten Stock des Finanzamtes Berlin-Lichtenberg.

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Alte Dame auf Parkplatz vor Supermarkt fuhr ihr Auto versehentlich in den Asia-Imbiss namens  „The Chinese Wall“. War nicht verletzt, aber die Chinesische Mauer bracht restlos in sich zusammen. Sah es nicht. Sah nur das Baugerüstete Haus, das inzwischen wieder entsteht.

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Ankunft auf dem Hügel. Das alte Gehöft. Der grüne Dschungel. Die herzzereißend hirnweiche Puppe im Regentopf. Das Glashaus auf dem Dach der einsten Kuhstalles, die Teeküche. Der alte Kessel auf dem Herd. Ich ahne, daß ich hier Glück habe. Gut sein lassen, das mit dem Geld, das die Uni mir schuldet. Über den Dingen stehen, wie das Gewächshaus das auf dem alten Stall thront. Es schwebt licht grün und leicht wie ein Aussichtsturm.
Meine Hütte steht etwas außerhalb des Hofes. Holzwände, Innen strahlendes weiß, das Wort Elfenbeinturm kommt doch wieder in den Sinn. Elfenbein-Hand-Und-Fuß-Turm. Das ursprüngliche
Projekt bei dem C. mir Dinge über irische Mythen erzählt hätte, die sonst kein (anderer) Europäer zu hören bekäme, und die ich hier niedergeschrieben hätte, ist ja von Tisch. Ob er es vergaß, oder beunruhigt war ob des Whistle-Blowings in Sachen Irische Geheimnisse. Nun sehe ich hier alles mit der mystischen Brille, aber die Elfen und Drachen sind flüchtige Erscheinungen. Sehe sie kaum. Es bleiben nur die Puppen übrig, die im Topf und die an der Steinmauer, deren Haar langsam zu Moos
wird.

***

Supermarkt. Traf eine Frau am Tisch mit den Krapfen, deren Tochter in Ravensburg wohnt. Gelernt daß Ravensburg im Süden liegt und nicht im Norden. Die Frau erklärte mir was in den Krapfen ist, soweit sie es wußte. Was sie nicht weiß ist ob die ihre Tochter demnächst besuchen kann. Weil die Flüge nach München gestrichen sind wegen Corona. Die von Cork sowieso schon lange (schon vor Corona) und die von Dublin ebenfalls jetzt, (wegen Corona).
Nachwievor ist meine erste Assoziation, wenn ich Corona höre, das helle Bier in der schönen Flasche, in das man eine Zitronenscheibe versenkt. Sommer. Strandbar Mitte, Berlin und Oststrand, als es noch
nicht hipp war. 2003. Den Oststrand gibt es längst nicht mehr. Das Bier gibt es natürlich noch. Ob die jetzt ihren Namen ändern? Oder sie die Namensgeber des Virus’ verklagen wegen Urheberrecht? Oder ob es trotzallem gutes Marketing ist? Corona – jetzt erst recht.
Habe beschlossen das mit den gestrichenen Flügen nicht zu glauben. Meiner ginge auch von Dublin nach München. Was kann die Frau das schon wissen. Niemand weiß das jetzt – und mit den Krapfenfüllungen lag sie auch falsch.

 

***

TRAUM. Tom Waits gab einen Workshop für Musiker in einem kleinen Etablissement in Berin, irgendwas zwischen RAW-Tempel und dem Hinterzimmer von Madeleine und der Seemann. Es war kein realer Ort, aber im Traum schien er mir sehr vertraut. organisiert hatte ihn Christina Emig-Könning, die Intendantin der Theaterkapelle. Ich wollte unbedingt mitmachen, aber konnte kein Instrument spielen, nur Klavier, aber konnte mich an kein einziges Musikstück erinnern, das ich in zehn Jahren Klavierunterricht gelernt hatte. Ich wandte mehrere Tricks an, um dennoch mitmachen zu können (an die ich mich jetzt aber ebenfalls nicht erinnern kann). Am Ende sagte Tom Waits den zweiten Tag eh ab. ich interviewte stattdessen seine irische Frau Kathleen.

8. März, Ballincollig, Irland

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Cabin, / Roadbooks Residency. Blick aus Schlafzimmer. Es ist Irland nicht Südamerika. 

 

“BEDROOM POINT OF VIEW” or “FARNHEITEN” 

Beyond my window door

-my bed is my friend in here-

A djungle grows, outnumbering

Narcism

Flowers

(the yellow ones) 

Over their heads. 

WELCHE GOETTER GRUBEN SIE EIN, 

WELCHE HANDSCHUHHÄNDE ZOGEN SIE

AN DEN HAAREN HERBEI? 

 

Schlangenstämme gleiten, 

Deren Häute Haar schimmert samten:

Licht brechend, 

Traum webend

Streicheleinheiten heischend. 

Schlank-rankend

Kurve gekriegen

Ziehen Sie sich in die Länge

Am eigenen Schopf

Wohin auch immer

Ist Grün. 

ICH BIN SICHER HINTER DEM GLAS

AM ENDE PIEKSEN SIE DOCH. 

 

7. März

Früh auf. noch keiner in der Küche. In der Nische am seitlichen Fenster, am hintersten Tisch (es sind Holzplatten auf alten Nähmaschienen Metallgestellen) ziehen Nebelschwaden durch die Morgendämmerung. Blau Blau bewegtes Waschküchen-Blau. Vielleicht ist es die kondensierte Luft aus irgendeinem Gebläse. Vielleicht kocht jemand. Vielleicht ist es auch einfach reine Morgen-Magie.

***

Der dreimal ertrunkene Politiker im Graben heißt nicht Finn. Es handelt sich um eine Partei namens Fine Gael.

***

Pawn-Shop. Nicht aus Not, sondern weil hier eventuell billiger Kabel und Adapter. Tür nicht gleich gefunden. Drückte mir die Nase platt am Schaufenster, aber fand den Eingang nicht. Als doch gefunden schien es Tür in eine andere Welt zu sein. Dennoch vertraut, weil Tom Waits aus einem alten Schallplattenspieler kam. Aber kein Adapter. Schwarz gefärbte Pfandleihfrau schickte mich weiter zu „Dealz“ im Zentrum. Wies den Weg auf einer Karte, die wie meine war, nur dass alles ebenfallstiefschwarz war. Wie Negativ der meinigen. Vielleicht ist es die inverse Welt. Ein Adapter, den ich hier gekauft hätte hätte wahrscheinlich nie in die Steckdose gepasst. Oder nur hätten den Strom in verkehrter Richtung fließen lassen. Weiter über den River Lee. Zentrum nicht weit. Eine Art MacGeiz. Ich spare wo ich kann. Noch mehr Auslagen, die ich nicht erstattet bekommen werde.

Loslassen. Gut sein lassen. Und Schluß mit Cork.

Ich kann mir keine ELfenbeintürme mehr leisten. ich MUSS lernen, das Kleingedruckte zu lesen oder überhaupt auf Verträgen zu bestehen. ich muss aufhören über Tische gezogen zu werden. Aber  ich brauche auch Zeit und Ruhe um überhaupt wieder zu mir zu kommen.

Ich habe beschlossen, die Residenz, die versprochene selbst zu bezahlen.

elfenbeinhuette

 

6. März, Cork

Sheila’s Hostel.

Einer brät Rührei und Speck. Zwei Mädchen beten Tischgebet. Aber keine katholischen Iren, nur Deutsche im Gemeinschaftsküchenraum. Das Tischgebet ist eher ein Zwiegespräch mit Gott. Sehr erfüllt. Die eine bedankt sich, dass sie nicht Corona hat und bittet aber auch, dass es denen die krank sind, besser gehen möge. Sie wissen nicht, dass ich das Gebet höre. Ich hoffe, es gibt einen Gott, dass ich nicht allein das Ohr war. Nicht wegen Corona. Nur so.

Als ich das letzte Mal in Cork war, Höhepunkt Arbeit. Mehr ging nicht. Alles gegeben und alles schien sich endlich auszuzahlen. Buchprojekt in Aussicht. Trickfilmauftrag und ein Stipendium und wenn schon kein Honorar, so doch eine Ausstellung, die mit viel Aufwand und vielen Materialmitteln zu genau dem geworden war, was mit vorschwebte. Nach der Vernissage hatte ich sofort aufbrechen müssen, nicht einmal mehr Zeit alles zu fotografiern. Es schien nichts zu machen, denn es hatte geheißen wir machen eind große finale Veranstaltung. Dann auch Honorar. Ich schiebe den Gang zur Universität vor mir her… Nun bin ich heir und es wird nichts stattfinden und ich muss alles selbst bezahlen. Manchmal denke ich fast, dass alles ist Trick. Oder heimliches Experiment um zu testen wie blöd Künstler sind. Wie weit sie gehen ohne immer wieder Geld. Leider gehe ich immer noch. Weg sein.

Dennoch. Es zu guter letzt in Ruhe zu sehen, ist irgendwie zu spät. Nicht einmal die Auslagen, das weiß ich inzwischen, werden nicht erstattet werden. Vielleicht ein Drittel, vielleicht gar nicht. Seltsame Willkür in allem. Fragt man nach, sind alle genervt. Oder schweigen. Kloss im Hals. Nun gehe ich doch. Der Student der die Frühstückseier briet kommt mit. Es ist seltsam. Hatte gedacht ich ziehe in den Krieg. Nun geht einer mit, der einfach nur das sehen will, was ich gemacht habe. Nun kämpfe ich nicht mehr um mein Geld, sondern zeige und betrachte. Schon ist es besser. Langer Weg. Mother Jones Fleemarket. P hätte beinahe Hut gekauft. Ich einen zerstückelten Keramik Jesus am Kreuz. Hätte gut in die Ausstellung gepasst. Aber für nur den letzten Tag…?

Leider Ausstellung ebenfalls in keinem guten Zustand. Batterien alle. Kabel abgerissen. Lampen durchgebrannt. Strom geht nicht an. Dauernd muss ich dem Mitbesucher erklären, was man jetzt eigentlich sieht und hört. Wenn man hier und dort drückt. Er. findet trotzdem gut. Schöne Begegnung. Studiert Erneuerbare Energien. Interessante Skizze von allem was versucht wird in diesem Bereich und was langfristig nicht funktionieren kann, weil überall Nebenwirkungen anderswo. Global denken müssen. P. reiste über Belgien, Frankreich… 2 Tage Paris. Jetzt schon drei Tage Cork. Aber Cork zu langweilig. Hat noch viele Stationen vor sich. Würde gerne trampen, aber ist sich noch nicht sicher. Arbeitet in einem Teeladen im Magdeburg in dem der Chef zu den Kunden super freundlich ist und wenn sie zur Tür hinaus sind, total ablästert. Lange geblieben. Batterien gekauft. Taschenlampen. Letztes Notblühen. Ruhe sanft, „AFTER-LIFE…“

afterlife

***

 

Touristen hinter mir im Bus in trockener Selbsterkenntnis sagen:

„nine days in Cork! What’s wrong with us!“

Und was ist los mit mir? Es wird Zeit daß ich das Kapitel Cork schließe. Nie werde ich hier Geld verdienen. Die Frage ist, stehe ich darüber oder Kommt dieses Gen wieder durch, daß mich zuweilen zum Kohlhaas mutieren läßt.

 

***

 

Pub. Diesmal zu dritt. Noch schöner als das andere. Saßen oben im 2. Stock. Unten Lifemusik. Beim Bier holen hängen geblieben auf der Treppe, da stand ein Hocker. Entgegen aller Vorsichtsmaßnahme, stand da bereit, weil es einfach der aller allerbeste Platz war. Blick auf die Live-Band, niemand im Weg, über mir raunt es, unter mir tobt das Leben.

 

Halbe Treppe,
Zwischen oben,
Unten und
Allen Winkeln, Nischen
Und so geht es:
rund.
 
Wolke von Musik
das Bier zu teuer. Whisky geht
endlos Lichterketten
entlang,
erfreut mein Herz.
Flötist heißt Liam,
beinahe date,
dann doch zu bang.
 
Habe mich verdrückt.
Dabei schien er nett.
Falle einzig und allein
In mein 6-Raum
Schlafsaal-Bett

5. März, Cork

Der Hunger kam zu spät, und ich. Steil hoch zu Sheila’s Hostel, eingecheckt und wieder hinunter zur großen Straße. Das schmale Lokal, Italiener, der immer volle Geheimtip, in das mich C. letztes Jahr eingeladen hatte, ließ gerade die Rolläden hinunter. Stattdessen Vier-Sterne-Pizza gegenüber. Mit Barbeque-Sauce im Gehen und Bier im Pub. Ich hatte dieses Bier total vergessen. blau mit einem Hasen darauf, Kinnegar, Big Bunny East Coast. Erstmals getrunken in Dublin mit G. Es ist mild, es schmeckt nicht nach Hase. Erinnerungen an ein hohes Haus voller Winkel und Nischen und voller Bier. eine lange Straße, weite Wege in eine Pension… bin aber jetzt nicht in Dublin hier. sondern Cork… –

Ich mag an Irland: daß der Himmel in 3-D ist. grau bläulich. heftig. Schichten von Rot darunter. Daß der Flughafen Kerry aussieht wie ein 60er Jahre (oder spät.50er?)-Kino. zu klein für einen Airport, zu groß für einen Kinopalast. Was wie ein Ticket-Office wirkt, ist die Touristen-Information. Von den Absperrbändern  könnte man denken, sie seien dazu da, die Leute, die Karten kaufen wollen zu organisieren. die leuchtenden Toiletten-Schilder sind so schön, daß man weinen möchte. verlorene Zeiten. alle Menschen sollten immer nach Kerry fliegen…

Man landet kurz hinter der Weide, schafft es noch über den Bach, über die kleine Stein-Brücke (kleiner als das Brückla in WIndsbach) und in dem Augenblick wo man über die Brücke hinweg ist, streifen die Räder der Maschine den Boden. haarscharf. nicht früher, nicht später.

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1.8. km zu Fuß zur Bahnstation.  der Bach windet sich jetzt an der Straße entlag. dreimal ertränkte wer Wahlplakat eines gewissen Finn Gael darin. In regelmäßigen Abständen, einmal schien Finn es aus dem Graben geschafft zu haben, geknickt, aber noch über dem Wasser im Gebüsch. Dann Straßengabelung und eine verlassene Bahnstation, Gitterbrücke von Plattforn zu Plattform. Kein Mensch weit und breit, aber eine entzückende und hellbeleuchtete Wartehalle, in der man Reisende mit heißen getränken und Holkkoffern aus den 50er Jahren vermutet hätte. – leider abgeschlossen. das leuchtende Licht dennoch wärmend. leichter Regen. nicht klar wann der Zug kommt. Ehemaliger Royal-Air-Force-Brite wartete ebenso ahnungslos wie ich. vertraute Fremde. freundliches Gespräch, gute erste Stunde in Irland. immer kommen gute Dinge. und Menschen. Als der Zug kam – es war der falsche – ließ mich der Schaffner mitfahren, weil der falsche Zug, wieder zurückfuhr (durch den 3-D-Himmel) und zum richtigen wurde in Richtung Cork. klebte mit der Nase an der Scheibe, aber die Dunkelheit war schon zu dicht.

Ok.

Die Tür nach draußen des Shelbourne warnt: MIND THE STEP. mind the step. und nochmal mit Ausrufezeichen: MIND THE STEP. sicher nicht unbegründet. sehe Szenarien vor mir von stürzenden Iren zu später Stunde. werde ich das vergessen haben, wenn ich nun (demnächst) aufstehe und in Richtung Ausgang und “Sheila’s Hostel” stürzen werde?

Trinken innerhalb und außerhalb von Nischen. Nicht heimliche Nischen, sondern weil klar ist, daß man auch mal ungestört einfach so für sich trinken will; Trinken immer auch um des Trinkens willen möglich. Nicht Mittel zum Zweck. Gutes Trinken, jedenfalls wenn man maximal zwei Bier trinkt. – Und Trinken in Kombination mit Schreiben hätte in Deutschland schon blöde Kommentare gegeben. Und die Kommentare hätten gleichzeitig dazu gedient, ins Gespräch zu kommen. Hier kommt man genau in dem Moment ins Gespräch, wenn man selber will. Wenn nicht dann nicht. Es ist ein Bierhimmel.

Gegenüber der Theke läuft ein Fernseher, der überträgt G o l f ! ich wußte nichtdass das Fernsehen so was sendet.

Mann mit Händen vor dem Gesicht an der Theke. Jetzt redet eine Frau auf ihn ein.

Frauen im Neben-Kabuff lachen herzlich und dreckig.

Der weiße kleine Ball kommt zum Stehen jenseits des Loches.

Jetzt fällt mir ein daß ich auch hier mit C. war. Weil das Geheimtiplokal noch keinen Tisch frei hatte. Jetzt ärgert mich, dass ich auf Spuren von damals wandle. Morgen trinke ich Whisky, aber wo anders.

Berlin,  y. Februar

zwischen den Gaza-Berlin Vorstellungen war nicht viel Zeit zum Schreiben.

Eine Fahrt nach München, ein Halt in Windsbach [.siehe 4.2.]

Über die Vorstellungen selbst, wäre so viel zu sagen… sie waren beide ein großer Erfolg. ausverkauft und voll, trotz Corona. es funktionierte alles. die Bedeutung und Tragweite, die dieses Expirement hat, hat inzwischen alle eingenommen. ein Besucher kam zweimal. Und war überrascht, wie unterschiedlich die beiden Vorstellungen waren. das ist gut so. der “große Fisch” lebt, er zappelt, er atmet (in diesem Fall eine gute Sache für den Fisch) und wächst. An Land ziehen kann man ihn halt nicht. das gemeinsame Verbeugen: Jamal, Deeb und Salem in Gaza, gestochen scharf auf der Leinwand, wir hinter dem transparenten Vorhang zwischen den dreien wie Geister… immer ist eine Seite der Geist. immer  ist einer nicht da. Die Unschärferelation der beschleunigten Teilchen zwischen Gaza und Berlin. wo wäre der wirkliche Halt?

ich bin wirklch glücklich über dieses Portal. und so viele SPenden! ich wünschte es ginge weiter. und gleichzeitig bin ich erschöpft und müde. “das Bett wird wundervoll sein.”

Berlin, x. Februar

[…]

vorbei, verjährt, doch nimmer vergessen –

ich reise.

Alles was lange währt ist leise

[…]

jr

Berlin, 29. Februar

…und letzte Vorstellung,

Berlin, 28. Februar

vorletzte…

fotos: fkhuhn

Berlin, 25. Februar

Ich habe die letzten beiden kommenden Vorstellungen nicht viel beworben, denn es hieß, sie seien fast ausverkauft. Hörte nun Gegenteiliges. oder zumindest: es sei voll, aber ausverkauft sei es nicht.  wie früher losgezogen mit Postkarten und sie an Orte gelegt, von denen ich dachte es sei vielleicht wichtig. Probenhaus Mitte an der Jannowitzbrücke. hier waren unsere ersten zwei Probentage. ehemaliges Schulgelände DDR-Platten-Schulbau, der DUft, den ich imme rmit Asbesth assoziere, der aber wahrschienlich nur alltäglicher Schimmel ist. im EIngangsbereich fällt er nicht auf, weil es bunte Kreativ-Flut die SInne ablenkt. es ist schön. dir Probenräume sind es leider nicht. Man ahnt noch immer das Schulklassenleid. das sich schälende Linolium. Für die ersten Proben vor meiner Gazareise war es okay.  Gelegenheit genutt um QUittung ausgestellt zu bekommen für die Raummiete vom Oktober. Fahrt zum Senatsgebäude. Finanzplan abgegeben. Und Postkarten auf den HKF-Tisch, da wo alle geförderten  Gruppen ihre Werbung abladen (aber ich glaube nie Fremdwerbung einstecken. die zehn Big-Fish-Postkarten, die ich letztes Jahr dort ließ, sind noch vollzählig da. Dokumentationsbuch, die Printversion des Projekttagebuch-Blogs abgegeben für die Wiederaufnahme; Frau L. nimmt sie freundlich, aber ich seh sie denken Ach Mädchen…. Wer soll das lesen? Hochglanz-Print. AUf dem Tisch einen Gang weiter liegen solche Broschüren stapelweise zum Mitnehmen. Ausstellungskathaloge, Portfolio-Broschüren… Die Hoffnung ist, die Jury liest vielleicht das Projekttagebuch auf diesem Wege hier. Manchmal bedarf es des Hochglanzes. Weiter.  Rote Ampelphasen die ganze STraße zur Greifswalder entlang. Oranges Müllauto der BSR vor mir. große Minimauspuppe in Pink klemmte an der Leiter und sah aus als führe sie schon sehr lange mit. Cooles Pinup-Girl, das sich beißt mit dem schäbigen Orange des Wagens. rückwärtsgerichtete Galleonsfigur. heiterte mich auf. Am Theater unterm Dach gehalten, weil dachte, vielleicht doch auch das Bezirksamt einladen. dieses Gazastück ist vorerst das letzte was ich zu bieten habe, theatermäßig. auch hier der altbekannte Geruch, aber die wesentlichen Dinge ändern sich. Ansprechpartnerin geht in Mutterschutz. (was soll sie dann ins Theater). weiter. alte Gegend, eine der ersten Wohnungen, die ich hatte. Glückliche spannende Zeit. mein Haus ist jetzt blau? Daß in meiner Wohnung jetzt Jürgen Vogel wohnt  habe ich bestimmt schon mal erwähnt. Vielleicht stimmt es auch gar nicht (mehr). im Kreisverkehr um die Zionskirche hängen geblieben. viele Runden lang. Spontane Idee, meine Freundin, die J. in der Kastanienallee in dem letzten verbliebenen besetzten Haus zu besuchen. Haus ist ein letztes Relikt aus der guten alten Zeit. innen immer noch wie früher. Gefühl von Uneinnahmbarer Festung, aber drückte die schwere haustür auf, denn das Banner darüber prangte an, dass man sich nicht abgrenzen solle. und tatsächlich schrie das Tor nur kurz quietchend auf. die wilde Welt, die arabesk bekritzelten Täfelungen der Kassttentüren, der Palmenwald im Treppenhaus. die Buntlackschichten jahrerlanger Botschaften und Statements. die beuligen Briefkästen, in denen auch jemand zu leben scheint. ein MIniaturvolk möglicherweise. Die  Packpapierrollen, das Herausgeworfene. aber alle Türen offen. hinter der letzten, ihrer WOhnungstür atmete es. wollte nicht rufen. Kritzelte selber etwas. dann zu früh am Theater. Recup-Cappuchino bei McDonalds.  Wehmut. Wärme. Warten.

Berlin, 24. Februar

Die fortgeschaufelte Leiche war die eines mannes vom Islamischen Dschihad, der gerade eine Bombe zünden wollte. Sein Leichnam wurde den Leuten in Gaza nicht üper Bulldozer vor die Füße geschaufelt, sondern mit dem Bulldozer nach Israel weggebaggert. Ist das nun schlimmer und weniger schlimm? Der Grund sei, daß Israel seinerseits auf die Rückgabe von Leichen warte. es ist also wie immer: die anderen haben angefangen. nur die Aktionen werden immer menschenunwürdiger. die Grenzen der Menschenwürdelosigkeit wieder um ein kleine Handumdrehung erweitern. Oder um ein Händeklatschen. Es ist mir inzwischen egal wer angefangen hat. es ist mir nicht egal wer wieder nicht aufhört.

ansonsten… ein letzter Tag Ruhe vor den Endproben. Irland-Reisepläne konkretisieren. die Frauenpreis-Statue ins Rathaus Lichtenberg gebracht. wieder ist sie in WIndsbach zusammengeschraubt worden. Der Gedanke an W. läßt Reisepläne nach I. wieder fraglich werden. Wohin? Wohin nicht? Und warum nicht?

Schlüssel immer noch unauffindbar. Meine Tür mit blauem Gaffer zugeklebt.

 

Berlin 23. Februar.

ein Tag voller Überraschungen. gute, schlechte. EIn Achterbahn-Tag. Aprilwetter. Ohne Schlüssel im Regen. Dennoch glücklich. Reisepläne ändern. Meilenstiefel. Immer ist alles anders, aber vielleicht ist das gut. es ist meistens für etwas gut.

***

Nicht gut in Gaza. Raketen nach anderen Raketetn. Bulldozer. EIn toter Mann der wegeschoben werden. die Leute aus Gaza auf Facebook hören das Altbekannte. das Dröhnen der Drohnen und die Raketen-Detonationen. nix neues. die Lage sei “tense”. möglicherweise schlimmer als im November. mit zwei Tagen Beschuß sei zu rechnen. das mit dem weggeschaufelten Toten muß aber doch schlimmer gewesen sien als sonst. Und Netanjahu habe der Aktion applaudiert? eigentlich unvorstellbar. ich hoffe ich irre mich.

Berlin, 21. Febrbuar

zu kalt, aber doch abends mit dem Motorrad zum Hauptbahnhof gefahren, einen Freund treffen, der kurz in Berlin ist. Eisige Fahrt,  aber nur weil zu lange, weil verfahren. Immer verliere ich mich jenseits der Friedrichstraße  im Wald der falschen Abiegepfeile, die immer in die andere Richtung weisen. Unverhofftes Wiedersehen mit dem Sohn / Bruder der Familie Shomar aus Gaza.  Erst die kalte Fahrt, dann der lange Spaziergang durch das Charite-Land… heraus gekommen in der kleinen Straße in der der K. wohnt. Torbogen mit den Kranichen. gegenüber arabisches Lokal. hatte ihn lange nicht gesehen. es ist als wären wir uns vertrauter gewordne in der Zwischenzeit, weil ich seine Stadt inzwischen etwas besser kenne und er mein Land.

Berlin, 20. Februar

Weil wir gedacht hatten, daß Jamal zu den letzten Vorstellungen Ende Februar in Berlin sein würde, um wirkich “In echt” zu spielen, und ich deshalb eh davon ausging, daß im Februar alles anders sein würde, sich das Stück so sehr verändern würde, daß auch die Tatsache, daß Kerstin nicht da sein würde, nicht so schlimm sein würde. natürlich idiotisches Verdrängen der Realität. Jetzt fehlt sie doch sehr. die Musik ist es nicht allein. dieist immer noch sehr schön. Leos Klang schält sich aus dem Atmosphärischen und wird melodischer. man konnte eh kaum auseinanderdröseln wo seine elektronischen WOlken begannen und Kerstins Klang endete; jetzt wo sie fehlt, verschieben sich aber auhc die inhalte. Nun spaziert keine Frau mehr durch die Erinnerung des alten Mannes, es ist nun Leo, dessen zweiter Part der Junge ist.  Es ist anders. Es ist nicht mehr so leicht, aber es fällt mehr  ins Gewicht. Und am ende sind dann doch immer alle Streitereien vergessen, der frust, dass wieder nicht alle zur gleichen zeit am gleichen ort sind, der Strom wieder ausfiel in Gaza… am ende noch wunderschöne Improvisation. Schauspieler fast alle weg. die Stunde in der die Produktionsleitung plötzlich das Megaphon zum singen bringt, und der Techniker türkische Poesie flüstert.  bis spät in der JC-Bar.

Berlin, 23. Februar

Seltsam dass das Internet in Gaza besser ist als im Blo-Atelier. Dafür ist das Wasser aus der Leitung hier wie dort untrinkbar.

Neukeferloh, 6. Februar.

die zittrige Stime des Vaters, wenn er gerührt ist, oder in Panik, geprüft zu werden.

Windsbach, 5. Februar

Steinmetzarbeit bei der S. und dem Mann der S. Berliner Frauenpreis-Statue, wiederum eingelassen in mittelfränkischen Granit-Pflasterstein. der andere war original Berlin-Lichtenberger Herkunft. Unfassbar, dass wieder ein Jahr rum. schöne Gemeinschaftsarbeit. habe den EIndruck der Hund bellt ich nicht mehr so viel an wie früher. Blicke über das weite Retzat-Land, irgendwo weiter hinten liegt unsichtbar die Gottesruhkapelle. eine Flasche Wein.

Windsbach, 4. Februar

– der traurige Wohenmarkt, rastlos blinkender batteriebetriebener Hund, der nicht mehr auf die Beine kam im Regen, das rege Treiben im Bessenhaus zwischen alten Fundstücken, heutigen Kuchenblechen, dem Blättern in einem Bildband Kino und Eisenbahn, Wiedersehen mit der Frau R. , aber nicht auffindbarer Herr L. … Weiter. Erstmals das Turm-Cafe in Betrieb gesehen. Es ist nur ausnahmsweise Cafe. auf Turmfalkenvereinsbasis. Aber es ist mit Abstand das schönste Cafe. ein Zauberort. Nischen. Erker, Balken, kleine Puppenstuben und Spiezeug – eigentlich ist es selbst eine Puppenstube. Fenster in zwei Richtungen der Stadt mit Blick über Dächer und Gassen,   die Tortenberge. noch mehr Kuchen. es ist eng, aber es verbindet. Später ein Raum weiter. Bier. Feierabend der S. schmierte aber doch Wurststullen. gute Runde. Weiter E-Werk. das Gefühl, Kreise schließen sich, DInge lösen sich, Wohlgefallen.  froh daß ich da war.

 

Berlin 24. Januar 2020

ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg. Es fühlt sich an, als sei man am Ziel, und gleichzeitig, als ob JETZT alles beginnt. ja doch glücklich; dankbar. wieder ausverkauft. ich will das weiter machen wie und wo auch immer. In der Pause, kurz vor der Premiere auf der Backstage-Tür-Treppe gesessen,  die Luft tat gut, die Chicken McNuggets besser hier, weil Mcdonalds zu voll. Muß erbärmlicher Anblick gewesen sein, ein Mann kam und fragte ob alle sokay ist und ich eine Mango will. seltsam. Ich kenne das. ich wirke manchmal wie ein armes obdachloses Kind. dabei war es ein MOment wo ich wirklich zufrieden war und nichts wollte als frische Luft. Eine Mango wäre freilich auch  nicht zu verachten gewesen. Freundlicher Mensch. Immer seltsame Wege, die sich kreuzen, um die Schaubude herum.was kommt als nächstes?

memory2Foto: Grosch

Berlin, 23. Januar, 2020

es läuft nicht schlecht. die proben sind – den Umständen entsprechend eigentlich ziemlich großartig… es ist gut. es ist phantastisch. warum liegen die Nerven so bloß. bloßer denn je. ich drohe den Faden zu  verlieren, wann immer mich wer anspricht. HUnger. wieso gab es gestern Lebenrkässemmeln beim Edeka an der Ecke und heute nicht. wieder McDonalds. Produktionen, in denen nicht alle beisammen sind in dieser Zeit vor der Premiere, können sind so schwer greifbar.  Bedürfnis in Arme zu fallen. will Emsemble zu Essen einladen, aber keiner will. Ich vermisse die andere Hälfte des Ensembles. Schwarma essen egal  wie spät es wurde. Oder gerade wiel es so spät wurde. Herzklopfen und Kopfschmerz. Worte kommen nicht leicht.  am Ende stehen doch mehrerebei Macdonalds in der Schlange. doch okay.  trotzdem… unstillbare Sehnsucht nach der Begeisterung.

Berlin, 23. Januar, 2020

Ruhe ist hin. nicht wegen des Lichts. seltsamerweise scheint es jetzt doch auch ohne das zusätzliche Leihgabe-Equippment zu gehen. warum taumele ich plötzlich. Ertrage die DIskrepanz der unterscheidlichen Arbeitsweisen nicht mehr. zwischen den Stühlen. das unverbindliche Chaos in Gaza, das aber so unendlich viel verbindender ist. verbindlich ist auf eine andere Weise: alles geben. alles tun. all in. die sporadische Teilzeit-Begeisterung auf der anderen Seite – die ist ehrlich gemeint. und sie bedeutet viel. und kaum einer meckert wegen der langen Probenzeiten und der noch längeren Wartezeiten (oder umgekehrt). Aber warum ist es so schwerr das Herzblut-Alles und die kluge Terminplanung in einem zu haben? ausgerastet, weil ich den Zeitdruck nicht ertrage, das feilschen um “bitte skypt doch wenigstens”, bitte seid wach und bereit. ich verlange zu viel, ich weiß. wir sind zu eingetaktet, die Ansprüche an die freie marktwirtschaft, das Honorar sind fpr ich nicht zu schaffen. dabei zahle ich ordentliche preise. Ganz udn Gar udn Haut und Haar kann ich in Berlin nicht bekommen. Und in Gaza keine nachvollziehbare terminorientierte Produktionsmaschinerie. wo ist der Elfenbeinturm zwischen den Welten?

 

Berlin, 21. Januar. 2020

NAchricht aus Gaza, das licht ist wieder abgebaut. die schwarzen Vorhänge auch.  die Leihgeber hatten sie doch zurück gebraucht. seltsame Ruhe breitet sich aus in mir.

Berlin 19. Januar, 2020

Technischer Aufbau in Gaza steht. lange fürs Licht gebraucht. da war die Probenzeit und die Kraft fast “alle”. Dennoch ziemlich gute Probe. Chor. wenn GAza-Verbindung abbricht, dafür “Festklopfen dessen was man hat mit Berlin. dennoch wie gerädert nach der probe. Trinken mit K. in der JC-Bar. musste sein. Der späte Feierabend. Abschalten.

Berlin, 17. Januar, 2020

Nun ist es klar, daß Jamal nicht nach Berlin kommen kann. Ich weiß wie wichtig es ihm gewesen wäre. als gute Freundin tut es mir unendlich leid, als Theatermacherin bin ich ein bißchen erleichtert. es wäre so viel Arbeit gewesen, ein neues Konzept auszuarbeiten: Der alte Mann mit seinem abgenagten Riesenfisch im gepäck landet am anderen Ende des Meeres. Er wär dann jetzt da. Es ist ein anderes Stück. Es ist ein anderes projekt. Und ein bißchen erleichtert bin ich, daß es nicht meine Schuld ist, daß es nicht geklappt hat. Was, wenn ich den Einladungs-Brief vertrödelt hätte? Sowas liegt durchaus im Bereich meiner (Un)Fähigkeiten. Wer weiß, wie alles gekommen wäre.

***

Heute herrliches Licht. rede mir ein, ich könne besser schreiben und Programmheft vorbereiten, wenn ich ausfahre und dies irgendwo hinter STrausberg mache. Ins Himmelblaue hineingefahren, aber schon an der B1, noch vor der kleinen alten Kirche, die sich auf den Mittelstreifen gerettet hat war der Stau so gewaltig. nichts ging voran. man kann nur Werbebanner entziffern. Jetzt oder nie – Vasektomie! Darunter ein augenzwinkender Mann. abgebogen  in Richtung Köpenick. Beinahe Friedrichshagen, dann doch nur Schöneweide. Schornsteine weisen den Weg. es wird backsteiniger. solide Vergänglichkeit. Grafftity markiert bereits, daß es sich erübrigt hat. WIlhelminenhofstraße. zwischen den alten Fabrikhallen, dem non-plus-ultra der DDR-Industrie, blitzt die Spree auf. Hof um den Industriesalon. Cafe Schöneweile. leider Kürbischiche statt Hühnereintopf. keine Container mehr, in denen man Kostbarkeiten finden kann, das was Bryan Adams weggewirft im Zuge deiner STudio-Sanierung. Gehört ihm das überhaupt noch? oder hat er nur ein Schnäppchen rausgepickt aus dem alten guten Osten. Backsteinperlen. sah ihn nie. weiß eh nicht wie er aussieht. Vielleicht wenn er singend herumliefe, würde ich ihn – vielleicht! erkennen. is mir auch wurscht. Das gewaltigste ELement  der Gesellschaft ist die Ignoranz steht an einer der Wände. SOnne verschwindet, es wird eisig.  Heizwerk Klingenberg, der eine Schornstein rauchte wieder, aber nur ein ganz klein bißchen.

Berlin, 16. Januar, 2020

Israel hatte angekündigt, man werde den islamischen Dschihad weiterhin in seine Grenzen zwingen und mit der Ermordung weiterer Führer gedroht. Daraufhin flogen zunächst provozierende Geschosse – D. beschrieb sie mir als “Fire-Balloons with Gas” nach Israel und später dann richtige Raketen, zwei fing der Iron Dome ab, zwei schlugen  in leerstehenden Gebäuden in Israel ein.  – Wie schnell das auszublenden ist, wenn man heimlich immer noch denkt eine Premiere ist das wichtigste der Welt. In all dem chaos aus dem Treiben in seinem Wohnzimmer, der herumhüpfenden Tochter im rosa Jogginganzug, dem Wummern der Abschüsse, der Regieanweisung via Telefon via Übersetzerin, den solidarischen Betroofenheitsbekundungen (“How are you?” “Is it ok?), dem “in echt” und dem “in Spiel”, sah Jamal angespannt aus, aber er war so konzentriert wie nie. das mit dem “we don’t care” ist dennoch quatsch. Man macht halt kein Gedöns draus. D., der es immer runterspielt (“it’s normal!”),  “caret” durchaus: sah es  in der früh im update seines Facebook-status’. die berührendsten Worte geschrieben an seine kleinen Söhne, für den Fall, dass es ihn vielleicht doch erwischt. Von der Liebe bis zum letzten Atemzug ist die Rede. Es ist normal, dass Raketen fliegen, aber es ist gut, das Wesentliche gesagt zu haben, für alle Fälle.

Berlin, 15. Januar, 2020

erste Probe (in diesem Jahr) mit Gaza. Man sähe es ihnen kaum an, wenn ich es nicht doch erkennen würde: im Hintergrund das Dröhnen. Es fliegen wieder Raketen. es hatte gedauert bis die Verbindung stand. es geht verhältnismäßig gut. die Zumutung, unter diesen Bedingungen zu proben. Gleichzeitig, weiß ich, dass es nun mal so gehandhabt wird. “We don’t care”. Man könne eh nichts tun. es bedarf dennoch (und gerade deshalb) der Feststellung: wie wissen, dass es schlimm zugeht bei EUch. Dies zu sagen ist wichtig,  auch wenn (und gerade weil) die Leute in Gaza dann sagen können: “Es ist, wie es ist. es ist normal (Aber schön, dass Ihr es merkt).”

Berlin, 14. Januar, 2020

Ich verliere den Kontakt zu Jamal. Die Verabredungen per Facebook funktionieren nicht. macht mich wahnsinnig. ab und zu kommen ein paar Daumenhochs, und “I am ready” oder “Anytime”, aber Anytime ist nie und ich leide unter der Unerreichbarkeit. Unter beiderlei Unerreichbarkeiten.  Werde versetzt, weil er wohl einen Termin beim Kulturminister hatte. Na ist doch schön. Das weiß ich aber nur, weil zufälligerweise Der Kulturminister das gepostet hat. Der Kulturminister ist erreichbarer als mein Hauptdarsteller.

Abends dann doch in die Länge gezogenes Getexte. Immer will er wissen, wie das Ende sein wird. Das Ende vom Stück. berechtigte Frage. wollte es aber nicht vorwegnehmen: JA, es wird Haie geben. Ja, der Fisch wird ein Gerippe sein.  ja er kommt zurück nach Gaza. Nein er rudert nicht übers Mittelmeer.

Es soll sich entwickeln. im  Gespräch. im Spiel. Ich glaube es geht ihm nicht gut. Wie steht es um unsere Pläne, mit ihm im Februar in berlin zu spielen. Ist es machbar…? Ist es gut?

Berlin, 7. -12. Januar,

Steuererklärungen, Zeitverlust, der bewältigte Keller, das Trinken mit Kerstin und Pläneschmiden, wie es weitergeht mit dem Alten Mann und dem Meer. die neue MIniaturpizzaria um die Ecke, wie ein taubenblaues Geheimversteck, ohne Schnickschnack. ohne Toilette. wunderschön. hinterher zu Jean-Claude, die Bar des Begliers mit dem zugemauertem Aquarium. Der Kiez wird wieder vertrauter. Unversehens glücklich und geborgen. fahler Vollmond, sehr hell, aber trotzdem verschwommen unter Nebelschwaden. So kalt ist es nicht, wie er aussieht, der Mond, Dachterrassen-Blicke hinab auf den Kiez, staunen, wieviele Existenzen, Unruhe, ob es mit Jamals Reise von Gaza nach Berlin klappen wird. Ob er aber über … oder aber über… oder aber überhaupt nicht…. – nie ist etwas gewiss. aber es ist auch manchmal gut, nicht zu wissen. wäre langweilig, wenn man alles schwarz auf weiß hätte im voraus. manchmal einfach gut sein lassen, das unversehene Glück.

Berlin, 6. Januar, 2020

Beim Durchsehen der Steuer 2016 fragte der Steuerberater, warum ich bei der Bankverbindung keine IBAN angäbe. Er zeigte auf die Iban-Nummer. “Da ist sie doch…” – dachte: kann der nicht gucken? wurde tatsächlich erstmals darauf hingewiesen, dass ich seit 2016  statt “IBAN” auf allen Rechnungen “ISBN” stehen habe. Erst sehr peinlich, dann entschiedne, dass es doch einfach lustig und ein kleines bißchen poetisch ist.

4. Januar, 2020

Jetzt wo der Sohn da ist. Keller in angriff genommen. Platz von Nöten, denn der Sohn kam mit einem großen Fitnessgerät. VIel weg. viel wiederentdeckt. Captain-Future-Einklebebilder – Lange Zeit vermisster und rätselhafterweise unauffindbarer Computer der Tochter tauchte auf. hatte ihn für die Playstation gehalten und in den Keller gepackt versehentlich. Das STück kein runter kein fern ist von Ulrich Plenzdorf. Gehofft die rote Lederjacke zu finden, die die verstorbene Schauspielerin Käthe Reichel mir mal geschenkt hat. fand aber nur eine andere ihrer Jacken, eine weiße Regenjacke. wirkt wie Kindergröße, denn sie war sehr klein. der Reißverschluß kaputt. dennoch aufgehoben. Stauballergieschub. es ist noch ein weites Feld. es ist ein kleiner Keller.

3. Januar, 2020

Gang mit L. zum Grab des Jan S. Friedhof an der Greifswalder Straße. Überraschenderweise fanden wir das Grab sehr schnell. L. fand es. Kleines Grab. Urnengräberfelder sehen wie Siedlungen von Elfen aus. die echten Gräber wie Vorgärten, bei den Elfen Steintüren ins Nichts mit kleinen Fußmatten davor. die von Jan ist bedeckt mit vielen kleinen Steinen.  Schön und Freundlich. An Reihenhaussiedlung gedacht, aber eine sehr individuelle. jedes Fleckchen anders. schräg hinter Jan liegt einer, dem haben seine Freunde eine Berliner Pilsener Flasche an den Stein gestellt. noch voll. und verschlossen. GlitzerHirsch und Bier. FRemde Namen lesen. wieder vergessen. Steine gesucht, um auch welche hinzulegen. Er eine schwarzen, ich einen weißen.  – Weiter hinten  die düsteren VIP-Grabstätten. Schmiedeeiserne Familienbetten. schwarzmarmorne Diktatoren-Paläste. bei einem Bänke rechts und links, in der Mitte Obelisken wie Raketenabschußrampen. saß hier jemals jemand? Wartezimmer-Situation. Inzwischen aber fehlt die linke Bank.. die Schrauben ragen aus dem Stein. Wer stahl die Bank? wo steht sie jetzt? zerfallener Pavillion für eine Geliebte. Backstein. Schöner, aber doch traurig. Mir fiel Eding-Markierung der “Sons of Chaos” am rande des Torbogens auf. L. dagegen sah daß  Sterbedatum über dem Portal seltsamerweise übergemeißelt. aus der 1 wurde eine 6. Seltsam. da gibt jemand viel Geld aus und dann pfuscht er am Sterbedatum rum. Und wie kam es dazu? War sie  doch nicht tot? Auferstand sie wieder – um dann  fünf Tage später doch zu sterben?

2. Januar 2020, Berlin

Der Sohn kommt. Erstes Wiedersehen mit dessen Vater seit langer Zeit. auch der ernährt sich jetzt gesund, der Vater. kein Zucker kein Nicht-Bio-Fleisch. kein Schwein. erzählt: die Mutter der Mutter eines anderen Sohnes von ihm sei gestorben und vermutet, es sei weil deren Tochter der Mutter jeglichen Spaß am Leben am Ende verdorben habe. kein Shopping. keine kreditkarte kein Alkohol. Er selbst sieht jetzt auch sehr alt aus. sind das die 20er Jahre jetzt? die pc-jahre. ein Spielverderberjahrzehnt. Auch der Sohn sieht gesund aus und erschreckend fitness-studio-fit. Kein runter kein fern – von wem war das STück, sah es am DT vor langer langer Zeit – da war der Sohn noch nicht geboren. Sein Vater  spielte in dem STück. damals lachten wir noch viel über viel und viel war erlaubt. jetzt saß er in meiner Küche und aß den Apfelstrudel nicht. Er fragte kaum etwas nach meinem Leben. – Doch!  nach dem Motorrad. ob ich denn so ein großes überhaupt fahren dürfe. JA, ICH DARF! (ich sagte nicht, dass ich das bis vor kurzem tatsächlich einen MOnat lang nicht durfte). Er erzählte, er habe selbst ein Harley, aber er dürfe sie nicht fahren. vermutete, die neue Frau erlaube es nicht, aber es war die Filmproduktion bei der er eine durchgehende Rolle hat. aus sicherheitsgründen. ging dann. kam nach berlin um zum Zahnarzt zu gehen. er ist nicht glücklich mit dem zahnarzt aber geht zu ihm, weil der ihn besonders behandelt. Nachts! kommt allein in die Praxis. seltsam.

1. Januar 2020, Berlin

Sind jetzt die 20er Jahre? Silvesterparty der Tochter hatte dieses Thema. mein Silvester war von plötzlicher Stadtflucht geprägt. hätte zu Kaufland laufen können, aberdas Motorrad musste ausgefahren werden. die klirrende Kälte erwies sich als warm. Rewe. weil dort gibt es besseren Sahnejoghurt. Ahornsirup. Ist Ahornsirup eins der Worte die 2019 prägen? letztes Jahr fielen mir so viele ein. dieses Jahr komme ich nur auf eines: “Imponderabilien”. Und “Ahornsirup”? Der Rucksack voll Einkauf. Heißhunger, der mich die B1 hinunter trieb zum McDonalds hinterm Tierpark. dann doch nicht gehalten. Lust weiter zu fahren. die idiotiische Gewissheit, man könnte es trotz nur Kunstleder-Sommer-Jacke bis zur Ostsee schaffen… Silvester am Meer. oder wenigstens bis aufs Land. Hinter Strausberg doch kalt. SOnnenstudio. Weil SOnnenstudio auf dem Land leichter zu finden als Landgasthöfe. Schließlich Italiener bei Altlandsberg. Sah zu aus, aber es saß doch einer am Fenster. war der Koch. sah mich beinahe bestürzt an, weil ich vielleicht doch eher aussah wie eine, die sich nur ausaufwärmen will. Freute sich, dass ich essen wollte. La dolce Vita. sah aus wie EIscafe, aber unterirdisch eine Palastartiges Kellergewölbe voll mit leeren gedeckten Tischen. Kerzen. venezianische Leber. Fast sicher, es dann doch noch weiter zu schaffen, aber die Party der Tochter fiel mir ein. Und dass die hälfte ihres Kostüms noch in meiner WOhnung lag. und überhaupt. Was will ich an der Ostsee? immer wenn es mich da hinzieht, lande ich wieder in der Sparkassenfiliale in Prerow, weil ich vergesse, dass Prerow nicht schön ist. Steuererklärung begonnen. erst kurz nach 12 auf die STraße, in die Nacht. neue Schuhe. Tanzen. kein Sekt. Irischer Whisky. Daher heute klarer Kopf.

31. Dezember, Berlin

Die Straßen vor meiner Haustüre sind keine Baustelle mehr. Ungewohnter Anblick von Freiheit. Klirrende Kälte, aber kein Schnee, kein Eis.

Die Wohnung ist leer. Die Mitbewohner haben (alle) Spuren hinterlassen. Viele gute, einige schlechte, äußerst unschöne und welche, die sind wunderlich. der junge Maler, der zu seinem Freund nach Wien zog für ein Jahr, aber gerne wiederkommen möchte, hat große Leinwände mit Gemälden hinterlassen. ich schaue auf eins düsteres mit zwei Sanitätern darauf, aus einem der Weltkriege. es ragt hinter meinem Schrank hervor. er hat auch andere Bilder dagelassen und vier VHS-Kassetten mit  Asterix-Filmen (oder bilde ich mir das ein?) und ein altes Brett auf dem er Farben gemischt hat. das ist das farbenprächtigste Bild von allen. die Wände hat er am Ende gestrichen, sagte er, aber jetzt, da ich dieses Zimmer wieder bezogen habe, im Bett liege und die Wände anstarre, sehe ich, dass er nur einige Stellen übergemalert hat. In einem helleren Weiß als die Wand. Er ist halt ein Kunstmaler und kein richtiger Anstreicher. Weil ich ihm versehentlich lange Zeit keinen Briefkastenschlüssel gegeben habe, hatte er den Briefkasen immer von Innen aufgemacht durch einen HandGriff zum drehbaren Schloß. nun ist es ausgeleiert und geht kaum noch zu. Immer steht der Briefkasten offen. die Unarten des anderen Untermieters (des Unteruntermieters) haben mich aber milde gestimmt und ich empfinde die weißen Wölkchen an der Wand als eine der lustigeren Spuren. das mit dem Briefkasten wiederum fand ich eine Weile sogar praktisch – jetzt ist es eine Herausforderung. Werde mit Magneten arbeiten. passt schon. Der Übermieter, der jetzt den Schaden das unartigen Untermieters (der nicht zahlen will, und manisch-depressive  Schübe hatte, das Waschmittel aufbrauchte und auch sonst alles immer aß ohne es nachzukaufen) trägt, also die zusätzliche Miete zahlt, und den ich sehr mag (und nicht nur weil er so selten da ist), verläßt mich nun auch. er kann sich das Fernab-Sein nicht mehr leisten. er arbeitet in Stettin und hat dort eine eigene Wohnung gekauft, die er renoviert. Er hat auch in meiner Wohnung Wunder vollbracht. Sein kleines Zimmer ist jetzt fast das schönste von allen. Beim längeren Betrachten der schönen DInge, entschieden: es ist eigentlich okay: er hat mehr getan als der andere geschadet hat. Loslassen. Gut sein lassen. Bald beginnt ein neues Jahr. Vielleicht sollte ich gar keine fremden Leute mehr in meiner WOhnung haben. Habe dringendes Bedürfnis nach eigenen Vier WÄnden. Egal wo ich bin, aber in meinen eigenen  vier Wänden erst recht. Außerdem  Neujahrs-Vorsatz: Großzügig sein. GUt-Sein-Lassen ist doch gut. Kleinkriege sind doof. Krieg ist natürlich auch doof. Aber die im kleinen kann man wenigstens vermeiden.

***

30. Dezember, Berlin

die vorzeitigen Feuerwerks-Schüsse klingen fast genauso wie die ferneren Raketen in Gaza. Seltsam. nicht dass ich hochschrecke. es ist nur so ein Bruchteilsekunden Augenblick der Desorientierung.  soll man die Kamera greifen? soll man auf den Balkon rennen? Und wie in Gaza sieht man nicht wo die Raketen fliegen. In diesem Fall, weil es am hellichten Tag ist. Idioten. (hier wie dort).

[…]

26. Dezember, Neukeferloh.

Aufbruch. vor der Fahrt zum Flixbus noch auf dem alten Wald-SPielplatz gewesen. die Kinder wollten hin. schloß mich ihnen an. der Vater, der sonst nie im Ort spazieren gehen will, wollte plötzlich auch mit. verwundert, dass keine Kinder da sind. Immer hieß der Spielplatz “der große SPielplatz”. er ist nicht kleiner geworden, aber verlassener. es gibt hier einfach nicht mehr so viel Kinder. dennoch alles beim Alten. wäre gerne Karussell gefahren, aber allen war es zu nass. und es sei auch kein Karussell, sagen sie. […]

25. Dezember, Neukeferloh.

schönes Fest. der Vater will ein Paket auspacken anch dem anderen. Immer noch lobt er den Baum, schönster Moment als wir “Stille Nacht” sangen. erst wollte keiner, dann totale Rührung. die Stimme, die sich überschlägt. Schöne Bescherung. Auch hier hängt nun ein Baum an der Decke. hatte auch die Lichterkette von der Decke kommen lassen wollen, weil Kabel aus ihr herausragten, sogar mit Lüsterklemmen.  wie ich in irland gelernt habe ist die Richtung des Stromflusses überall gleich von Plus nach minus. Aber wo ist Plus und wo ist Minus? alle möglichkeiten ausprobiert. sogar die abgeschnittene Lichterkette wieder zusammen gelüstert, weil plötzlich nicht sicher, ob sie vielleicht kaputt ging. Aufgegeben. Lichterkette jett doch mit Strom aus der Steckdose. als der Baum geschmückt war, wies mich die Mutter auf einen vergessenen Schalter hin. ja… es gab ja mal Licht. hier hing die große schöne Lampe, die in vielen Filmen meiner Eltern eine Rolle spielte. vielleicht war er einfach aus. will es nicht wissen. Schlafe im Bett der Mutter, das ich mir mit der Tochter teile. schlafe gut. Geborgenheit. lange im Bett geblieben Online-Tests gemacht. ob man im herzen ein Ossi ist oder ein Wessi. und welcher Disney-Charakter. ich bin 100% Ossi (hatte aber einmal geschummelt und behauptet “Specki-Tonne” zur Bio-Tonne zu sagen) und Tinkerbell. die eifersüchtige Elfe aus Peter Pan. Na ja hätte schlimmer kommen können.

[…]

24. Dezember, Neukeferloh

23. Dezember, München

Frau in der S Bahn, sitzt zu dicht als daß ich ihr telefogespräch überhören könnte.

“Wenn Du die Wahl hättest: wärst Du lieber blind oder im Rollstuhl?” – sie hätte jetzt länger darüber nachgedacht. die Stimme im Telefon (beinahe höre ich auch sie) zögert und fragt wohl “wieso…?” – “nur so.” – es käme natürlich auch drauf warum man im Rollstuhl sitzt. ob querschnnittsgelämht (“wie mein Bruder”, sagt sie, “oder schlimmer. oder nur so.” )Die Frau, blond, etwas wirres Haar in seltsamer Stimmung. meint es gut. Wachrüttelgespräch. Auch wegen der Rosa. Ob die am anderen Ende der Leitung nicht doch mal hingehen wolle. die Rosa mache es wahrscheinlich nicht mehr lange. die am anderen nde will aber nicht hin. die Rosa ist aber wohl nicht blind oder im Rollstuhl. Im Rollstuhl ist der Bruder von der Blonden. scheint Nichte oder Ex-Schwiegertochter der R. zu sein. die andere scheint Tochter. Die Tochter kann nicht laufen und hat einen schlimmen Fuß. aber gerade deshalb wärs wichtig, dass sie sich auf den Weg mache, um die Rosa zu sehen. sitzt die Rosa im Rollstuhl? gespräch wird dringlicher. Vorwurfsvoll ist die Frau immer noch nicht, aber doch rehct vehement. Mir ist als hätte sie getrunken. Weihnacht macht dünnhäutig.

ein gespräch in dem es viel um Krankheit get […]

22. Dezember, München

die Stadt ist freundlich. wohlgesonnene Leute. immer nur kurze Wiedersehen, aber warm. Lorettabar. aber die Sationen meiner Schulwege verfallen langsam. die abgerissenen Kacheln am S Bahnhof Rosenheimer Platz und Isartor. die vielen leeren Läden… der 52er Bus fährt anders. Überall ist der Lack ab.

21. Dezember, Neukeferloh

Die Kratzer am silbrigen Auto mit Weihnachts-Eding behoben. auf ausdrücklichen Wunsch der Mutter.

20. Dezember, Neukeferloh

älterer Mann in Copyshop am S Bahnhof Haar unterbricht sein Kopieren damit ich meine 7 Ausdrucke machen kann. Die Menschen sind freundlicher als in Berlin. dennoch unangenehm, hätte nämlich weit mehr gehabt. traute mich aber weder zu warten noch nochmal zu unterbrechen. Fahrt nach Glonn im SOnnenschein, aber immer wenn wir vor den bergen sitzen zieht es zu. Rückfahrt beinahe düster, nur der Horizont sticht wieder gelb in Auge. Wolken wie verlaufene Tusche. Weihnachtspost. der Vater inspiriert mich und umgekehrt. Nikoläuse haben jetzt Autos. die Autos des Vaters sind großartig. musste an den Gaza-Kulturminister denken, an das Kritzelblatt auf seinem Schreibtisch. Ähnliche Fahrzeuge. Tee. Fernsehen. Nachricht des Unter-Untermieters. Er sei jetzt spontan ausgezogen. Zahlen werde er nicht. Hab ich jetzt das davon, dass ich ihn mir heimlich weggewünscht habe? aber das Geld doch nicht! Stelle fest, dass dennoch gute Laune. Nachts zum Briefkasten.  Im Dunkeln sieht mein Kindheitsort noch aus wie früher. Nur die Lichter sind kälter. ich vermisse das wärmere WOlframdraht-Glühbirnenlicht. irgendwo riecht es nach Lagerfeuer. der kleine Briefkasten (es ist tatsächlich der kleinste den ich kenne) ist immer noch der alte. das Gelb ist kaum noch gelb. Auf dem Rückweg duftet es nach Pfeifentabak. Jemand raucht, es muss ein Tabak sein den ich selbst einmal geraucht habe. Avalon? die hatten eine so schöne Tabakdose.

17. Dezember, Neukeferloh

der Vater hätte einen Zahnarzttermin gehabt, aber war nicht dazu zu bewegen hinzugehen. gelogen, dass ich Zahnschmerzen hätte und gebeten, er möge mitgehen. alles Mist. die mißlungenen Versuche, die Sprechstundnehilfen einzuweihen in abstruse Pläne. die Geduld des vaters im Wartebereich, lobte den Zeitschriftenständer, der so platzsparend un dordentlich an der Wand angebracht war. immer wieder die Rückversicherung, dass es nicht um ihn ginge… dass er nur mit gekommen sei, für mich. BIs auf den Zahnarztstuhl habe ich ihn gebracht, den Papierlatz lehnte er ab, weil den bräuchte er ja nicht. aber er saß im Stuhl. wo blieb die Ärztin. immer wieder kam nur eine neue Frau in weiß, die nur SPrechstundenhilfe war.  immer wieder verließ eine den Raum, nicht sicher, was zu tun sei. allein mit ihm schließlich die Wahrheit gesagt und gebeten er möge wenigstens nachsehen lassen. seine Weigerung: er habe ja keine Schmerzen. – “Dann brauchst Du doch auch nichts zu befürchten!” – “Aber die finden doch immer was….!” schließlich kam die Ärztin. weigerte sich, den Vater zu behandeln. oft sei sie schon gebissen worden. die behandlung sei auch weit zu kompliziert. Wut, weil, dass doch dann vorher klar gewesen sein muss, dass das alles so nicht geht. sie entschuldigte sich, ihre Kollegein habe den Termin gemacht vor einem viertel Jahr. sie selbst riete ab. “lassen sie den Zahn wie er ist.” könnte heulen. wofür das alles. die Lügerei, der Zeitdruck, der zu früh abgebrochene Mittagsschlaf des Vaters. und am Ende gibt die Ärztin zu dass es eigentlich eh nicht nötig sei. Nun hat er sogar recht: Es ist gar nicht nötig.  Und ja, die finden immer was… nur dass sie es manchmal doch gut sein lassen. warum auch immer. ob aus Medzinethischen Gründen, gesundem Menschenverstand oder aus Angst, dass ein alter Mann sie in den Finger beißt.

unverrichteter Dinge fuhren wir weg. zu spät für einen Spaziergang, aber die Mutter fuhr ein bißchen in Richtung Berge. Aufgewühlt. zur Ruhe kommen. immer ist die Straße zu eng. der Tag flieht. er ist bereits anderswo beschäftigt. hellgelb und türkis am Horizont, darüber bleierne Wolkenmassive. als wir die echten Berge sahen, wirkten sie längst nicht so grau und schwer wie die WOlkenberge über ihnen, als ginge das Gebirge hinter ihnen weiter. unglaublicher Himmel. auf der Rückreise – immer nur giftgelber Horizont, Walfische und gepanzerte Toere schienen vor ihm zu spazieren. wunderschön und unheilvoll. darüber strich ein Gott und pinselte alles zu, was heißt pinseln, es war das schönste Gemälde, das ich je sah.  graue Wimpernschläge, zartes Erröten,  lodernd von innen –  immer höher schien der HImmel zu werden unter dem taghellen gelben Streif. Keine Ahnung wo die Sonne in all dem steckte. es muss sie jemand vom Firmament gepflückt haben. ein Oben und unten gab es schon lange nicht mehr. der vater meinte, es sei wie der große Brand von Atlanta in “Vom WInde verweht”. ich glaube das trifft es besser. Erschöpft zu hause angekommen. eiegtnlich waren nun alle froh, den Zahnärztinnen entkommen zu sein.

14. Dezember, Neukeferloh

Das neue Haar, das gewöhnungsbedürftig ist. sehr blond. Die Mutter sagt, früher sei so ein blond verpönt gewesen (weil es nicht ganz blond ist, weil ich bereits Ansatz habe.) sie sagt aber, dass sie es nicht schlimm findet, eigentlich im Gegenteil (ich glaube das blond gefällt ihr nämlich in Wirklichkeit gar nicht) – so sähe es natürlich er aus. Naja weil halt die Naturfarbe durchkommt. weil ja eh inzwischen jeder weiß, dass so ein blond nicht echt ist. jetzt ist es okay, wenn sich das mischt. Dem Vater gefällt das Haar. Zwar, sagt er, hätte er mich beinahe nicht erkannt (das hatte ich befürchtet. das befürchte ich immer), aber es gefielet ihm. Es gefällt ihm wirklich, es ist keine Höflichkeit, denn er sagt es alle zwei Minuten. Gewöhnungsbedürftiges Haar… – er gewöhnt sich grundsätzlich nicht mehr. er vergisst es alle zwei Minuten Aber es ist schön dauernd Komplimente zu bekommen. Man muss nehmen was man kriegt. alle zwei Minuten

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Versuch, die Moneygram-hotline anzurufen, um rauszufinden, was mit dem Gaza-Geld ist. rausgefunden, dass es keine Moneygram-Hotline gibt. mit wem telefonierte ich dann 20 Minuten? 15 Minuten in der Warteschleife und immerhin 5 Minuten lang versuchte mich eine Frau durch die Website zu navigieren. Immer beschrieb sie Buttons, die ich hätte anklicken müssen in falschen Farben. Rot. bei mir ist alles rot. ich sehe nur rot. sie behauptet da sei ein Untermenü in Blau. Und mit den referenznummern kann sie auch nichts anfangen. Als ich von der trostlosen Filiale anfange wird ihr Ton ernst und sie sagt (und es klingt selbst etwas erschüttert und absolut ehrlich:) sie hätten keine Filialen in denen man Bargeld einzahlt zum Versand. Irgendwann komm raus, dass sie gar nicht von Moneygram ist. Scheiß Internet. scheiß moneygram. Scheiß Google. weil die keinen Telefonsupport geben, landet man halt bei einem anderen Geld-transfer-unternehmen. zwar kein , aber einem mit Hotline…

langen Beschwerdebrief geschrieben. als er fertig war, schrieb D. es sei nicht Moneygram, die das Geld nicht auszahlen. die Hamas hält es zurück.

 

13. Dezember, Neukeferloh

Gestern schöne Reise. manchmal Glück mit Blablacars. Der Hamster saß angeschnallt auf der Rückbank. Also sein Käfig war angeschnallt worden. hatte im Vorfeld schon auf der Mitfahrzentral-Seite darüber gewitzelt, als ich dem Fahrer die Mitfahrt bestätigte und dass ich kein Problem hätte mit der Anwesenheit eines Hamsters. Die mail war aber erstmal nicht versendet worden, wegen technischer Schwierigkeiten seitens Blablacar. daraufhin neue Mail(s) gesendet mit immer witzigeren Hamster-Kommentaren. und dann noch einen. Blablacar sendete sie dann allesamt 2 Minuten später gleichzeitig. Erkenntnis:  Witze werden nicht besser, wenn sie dreimal hintereinander eintreffen. verpuffte Witze mit schlechtem Timing ärgerten mich dermaßen… – wahrscheinlich geistern sie jetzt aus Frust und ohne Pointe im Tagebucheintrag herum.

Der Hamster selbst kam erst später ins AUto. Baumschulenweg wurde er gebracht. er war tatsächlich der einzige weitere Mitfahrer im AUto und ich sah ihn nie. tief eingekuschelt ins sein Stroh (und eben sehr klein) gab er nicht einmal einen Piep von sich. Fast sicher gewesen er sei tot und am ENde würde es heißen der Fahrer müsse ihn bezahlen und ersetzen. oder vielleicht war der Käfig selbst leer und es gab gar keinen Zwergenhamster. Der Fahrer wollte nicht nachsehen. Angst, das Tier würde vielleicht hinausspringen. Nun werde ich es nie wissen. es ist ein bißchen wie mit Schrödingers Katze und der Heisenbergschen Unschärferelation. so lange man nicht nachsieht ob sie tot ist oder lebt, ist sie beides.

Angekommen nach schöner aber langer Fahrt durch schneebestäubtes Thüringen in schneelosem Bayern, später als gedacht. die Eltern holen mich an der Raststätte Vaterstetten ab. sie umkreisten den MacDonalds vor dem ich stand. Beinahe verpasst. beinahe nicht erkannt.

 

12. Dezember, Neukeferloh

D. schreibt per Whatsapp, das Moneygram-Geld sei ihm in Gaza nicht ausbezahlt worden. die hätten Angst, dass er das Geld für den Bau von Raketen verwende.

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Ich habe gemerkt, dass ich doch zur Zeit ein bißchen viel rumjammere beim Thema Heimatlosigkeit. Dabei ist es ja eigentlich umgekehrt. ich bin mehr denn je gesegnet mit wunderbaren Menschen überall, die mir Unterkunft anbieten, ob in Irland, wo ich jetzt eine Residenz angeboten bekommen habe, in Gaza, und natürlich auch in Windsbach.  Und dass ich mich in meinen eigenen vier Wänden gerade so verloren fühle, ist letztendlich  meine eigene Unfähigkeit, mich abzugrenzen. oder mich zu entscheiden, wohin es endlich wirklich geht. wenn man weiß wo man hin will und bleiben will, muss man sich selbst ein Nest bauen und nicht erwarten, dass man eins angeboten bekommt. vielleicht ist das auch das eigentliche Problem gewesen bisher. ich bin eingeladen worden, anstatt selbst einladen zu können. Und in erster Linie will ich doch wo sein, wo ich arbeiten kann. und wenn ich arbeite, dann arbeite ich wie ein Berserker. Auch habe ich fast noch nie alleine gelebt. Das ist jetzt wichtig. mein Aufbruch von zuhause war damals sehr schnell; weg aus der Heimatstadt. Selbst sein. aber eben in einer WG gewohnt. zu früh ein Kind bekommen und definitiv zu früh mit dem Vater des Sohns zusammengezogen. ihn verlassen, aber eben dann mit Kind gelebt. mit Kindern. Erstmals sind sie aus dem Haus. ich kann ein neues Leben beginnen. wohin? und wohin mit der leeren Wohnung. Untermieter bewohnen sie nun. es ist schön nicht ins Leere zu laufen. aber zur zeit ist es zu viel. Auch droht das erste Kind bereits wieder zurückzukehren. Es ist definitiv zeit ein neues leben zu beginnen. und ich suche den Ort an dem ich wirklich gute Arbeit machen kann. Habs in Windsbach versucht, aber gegen die Institutionen dort anzukämpfen fehlt mir die Kraft. ich kann nur da arbeiten, wo man die Arbeit auch will und sie nicht nur in Kauf nimmt. Was ich also eigentlich will, ist ein Ort an dem ich nicht nur mal eben sein kann, sondern arbeiten kann. Wo die Arbeit Sinn mache, wo ich Sinn mache. Wo ich langfristig sein kann und niemand auf der Couch rumliegen muss, oder nerve weil ich  (vielleicht?) die Weihnachtsdekoration falsch aufhänge oder den falschen Saft gekauft habe. zu wenig helfe oder zu viel. mich zu wenig einbringe oder zu viel. zu wenig dem Bild entspreche, das man sich gemacht hat oder zu viel Senf dazu gegeben habe zu den Selbst-Bildnissen der anderen. es geht immer schief, solange man nicht selbst lebe. Hier sei an den genialen Werbeslogan von Ikea erinnert. Wohnst du noch oder lebst du schon? Es ist Zeit dass ich einen Ort finde, zu dem ich selbst einladen kann.  das Zelt vor der Gottesruh war gut für das Gefühl der eigenen (dünnhäutigen) viel Wände, aber einladen hat man da niemand können. Die teure Kellerwohnung in Neuendettelsau, die Tagsüber das Büro des alten Pfarrers war, war da auch ein Fehlgriff (wenn man mal davon absieht dass sogar Sanitäter und Polizisten mich zuweilen abhielten in eben diese neuen Zweit-Wohnsitze zu gelangen!). Im Traum aber  fliege ich zuweilen durch die Städtearchitektur meiner Traumortschaften, oft verschlägt es mich nach dem Stadtteil, der dem realen Friedrichshain am nächsten kommt. Aber alles ist kleiner dort, eher eine Miniatur von einem Fluss umgeben wie eine alte Stadt in einer Stadt. immer wieder finde ich Wohnung hier, die ich einst gemietet habe, aber vergaß zu beziehen. immer wieder staune ich, was für geräumige spannende Altbauten ich vergessen habe zu beleben.

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Spontaner Aufbruch nach Neukeferloh. Blablacar. der Fahrer  fragt per Whatsapp an, ob ich ein Problem hätte damit, dass ein Zwerg-Hamster mitfährt.

 

11. Dezember, Berlin

Heute ist wirklich der erste Ruhetag. Kommt mir vor, als wäre dieses Jahr eine ununterbrochene reise gewesen. Angekommen bin ich eigentlich nie irgendwo. diese Entscheidungen stehen noch aus. wo ist mein neues zuhause? ist es mein altes? Haus meiner Kindheit? zurück in die Vergangenheit? mein eigenes ist einfach zu voll gerade. Windsbach scheint irgendwie verloren zu sein. es wird ein Sinn dahinter stecken, dass ich dort nie etwas gefunden habe. Oder besser gesagt: es immer so viel offene Arme gab und am Ende doch nie. was soll’s. noch ein Jahr reisen mag sein. dann will ich so was wie  Ruhestand haben. habe ihn dringend nötig. Aber das mit Gaza ist einfach noch nicht bewältigt und vielleicht ist es wichtiger als die Sehnsucht nach Überschaubarkeit. ist ja eh quatsch. nie ist etwas überschaubar (oder gar durch).  Kofferpacken. einstweilen zu den Eltern.

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Doch zu viel liegen gebliebenes. Die Honorar-Überweisungen nach Gaza. Eigentlich seit meiner Rückkehr versuche ich die du machen und kriegs nicht hin. Moneygram, sonst immer einfach online, behauptet irgendwelche Parameter seien falsch. Support-Hotline gibt es nicht. nach einigen Tagen bekommt man aber eine Mail, in der steht nicht viel mehr als “Prüfen Sie alle Parameter”. wollte es daher mit einer Moneygram-Filiale versuchen. sie ist nicht so weit entfernt von mir, aber mit dem Motorrad schwer zu erreichen. Hinter der Lichtenberger Brücke, an der B1. man muss verbotener Weise auf der Brücke halten, entweder bis weit in Richtung Stadtauswärts fahren und dann wenden, oder, wenn der Gegenverkehr abreißt “querfeldein” fahren. Das Motorrad holpert über den Bordstein. es ist ein kalter Tag, mit verschleiertem Himmel, aber die Sonne bricht durch. Trist-schöne Aussicht die Zugverkehrs-Schneise, die in die Stadt geschlagen ist. Es ist eine Gegend, in der ich immer verloren gehe. unter der Brücke zieht sich der Gleise in die Breite; hinter der Brücke beginnt die Häuserzeile, in der sich Money gram befinden müsste, immer noch unerreichbar. bin abgestiegen und jetzt zu Fuß, aber komme nicht über oder unter eine weitere Unterführung: die für die Autos  ist umzäunt, ich muß zurück und noch weiter Richtung Stadtauswärts, dann zurück über Treppen. Niemandsland. Hier irgendwo habe ich meine Führerscheinprüfung absolviert. frage mich inzwischen wie dies möglich war. Moneygram gefunden, aber die Filiale hat geschlossen aus technischen Gründen. – das war gestern. Heute wieder versucht, hatte vorher angerufen, um sicher zu gehen, dass offen ist. die Frau am Telefon klingt verschlafen, doch doch sie sei die Moneygram-Filiale… unter anderem. Und natürlich sei offen! durchgehend. Fragte, was ich mitbringen müsse. Pass? Kreditkarte. und ob das Procedere genauso sei wie wenn ich es online mache. sie sagte ja. wieder der Weg über die Brücke. Dieses Mal bei Regen. noch trostloser, aber Filiale geöffnet. es ist auch ein Hermes-Shop. Wie können Pakete ebenfalls trostlos aussehen, es sind nicht viele, es nicht wenige. man sollte doch denken Pakete verheißen Auspackfreude, die hier sind im Raum verteilt in schäbige Regale und starren einem vorwurfsvoll an. wahrscheinlich will keiner die abholen. Vom Computer tönen fremde Worte in fremder Sprache, nicht klar ob Skype oder Soap-opera ohne Lacher. es dauert ewig. Registrieren lassen. Pass zeigen.  der Name des Empfängers. (“was ist da der Vorname, was der Nachname?”) dabei habe ich doch sogar ein Foto vom Ausweis von J und D. Ist der Name “Jamal” so ungewöhnlich? Okay “Abualqumssan” ist lang. Wohin das Geld ginge? zum dritten Mal sage ich “Palästinensische Autonomie-Gebiete” zum dritten Mal versteht er “Pakistan?” dann endlich die eigentliche Aktion.  ich schiebe die Kreditkarte über den Tresen. Er sagt “Nur Cash!” Aber Ich hatte doch extra gefragt wie das läuft! Angerufen hätte ich. eine Frau habe gesagt, es sei genau wie online. Das sei sicher eine andere Filiale gewesen. “doch! das weiß ich nun wirklich genau. Frankfurter Alle 267! habs in Google Maps gegoogelt um zu sehen, ob es nicht doch noch einen besseren Weg gebe. jetzt fragt er jemand im Hinterzimmer. es ist die verschlafene Stimme. die bestätigt, dass eine Frau angerufen habe. aber die hätte nur nach dem Pass gefragt. ich bin sauer, dass die Verschlafene nicht einmal nach vorne kommt. andererseits bin ich auch froh, dass sie körperlos bleibt. es ist ja eh schon zu viel. die ebenfalls körperlosen Stimmen aus dem Computer klingen jetzt als würde jemand in einem öffentlichen Prozess ein Statement verlesen. es hilft nichts. ich muss das Geld in Bar auftreiben.

Postbankautomat an der Buchberger Straße ist nicht mehr da, weil das dazu gehörige Postamt ebenfalls nicht mehr da ist. Hättet ihr nicht den Automaten sein lassen können? wenigstens?! Ringcenter Deutsche Bank. gibt Geld aber nicht genug. Verdammt, es ist wie in Gaza! Und nur deshalb steh ich ja hier: weil die ATM-Automaten nur immer ein ganz klein bißchen gegeben haben und ich deshalb nicht alle Gehälter hab auszahlen können. am besten man bleibt gleich ganz da in Gaza!

aber eine neue Post hat aufgemacht. man muss durch den Durchgang des Plattenbau-Blocks Frankfurter Allee / Ecke Gürtelstraße. hätte den Rat des Deutsche-Bank-Beamten beinahe nicht verfolgt, denn das kleine uralte Einkaufscenter schräg gegenüber der dunkelroten Backsteinkirche war schon  in Auflösung begriffen als ich vor langer Zeit hier mal zur Paartherapie gegangen bin um die Beziehung zum Vater meiner Tochter zu retten. die Therapie war gegenüber vom Troja-Imbiss und dem leeren Baumarkt. verlorene Posten alles drei. Wieso nennt man einen Imbiss nach einer nach zehn Jahren Krieg zerstörte Stadt? In dem Baumarkt habe ich mal eine Klobrille gekauft, dennoch Pleite. und die Therapie… hat auch nicht funktioniert. seltsamerweise eröffnet aber hier eine Post. Wieso hier? überall machen die Postämter dicht, aber hier aufersteht ein neues. und ich bekomme mein Geld. Zurück zu Moneygram. Inzwischen Klatschnass. Finger wie Eis. Nun geht es schneller, aber die Gebühr für den Transfer kostet 20 €! Aber im Internet, wenn man es selber macht,kostet es nur 2,40! Moneygram-Hermes-Mann drückt seine Verwunderung aus, er selbst mache das nur online. er sagt es freundlich. ohne Pampig zu sein. im Gegensatz zu mir. “Wegen der Parameter!” sag ich. weil ich was mit den Parameter falsch mache.  “Ja,” sagt er, manchmal geht es manchmal nicht.

Ich hoffe das liest einer von Moneygram. Ehrlich…! Manchmal funktioniert es, manchmal nicht? das ist mein Geld, das ist viel Zeit! – also  okay, es ist nicht mein Geld, es ist  das Fördergeld des Hauptstadtkulturfonds. Naja und die 20€ die zahle ich aus eigener Tasche. damit nicht alles umsonst gewesen ist.

 

10. Dezember, Berlin

sehr schöne zusätzliche Vorstellung. es war gut, dass wir Rene nicht einfach die Gaza-Vorstellung gewidmet haben, auch diese Idee stand im Raum. so hat er seine eigene bekommen. Auf dem Bild, das ihm zu Ehren aufgehängt war im Korridor zur Bühne war er im Halbprofil, eher von hinten zu sehen. er steht am Rand des Bildes und richtet einen Scheinwerfer auf die Bühne. dennoch ist er zu erkennen, ein aussagestarkes Bild. es ist eins von ihm (das Geschehen auf der Bühne ist nicht wesentlich auf dem Foto).

Vorstellung war wunderschön. ein Spaziergang durch eine Gartenzeitung, Bonbon-Kolibris, die von einem Waschlappen verschlungen werden, eine Fahrt in einem Papierboot nach Neuseeland. herabfallende Blätter und EIs. teilweise sehr lustig, es wurde viel gelacht, aber die zarten Bilder und die Geschichte darunter brach doch immer durch: wer hätte gedacht, dass ein dunkelrotes Brillen-Etui so sehr nach einem Sarg aussehen kann? Gut, diese Momente ebenfalls zuzulassen. und es kommt ja immer anders. selbst wenn ein Handschuhgeist namens Malte aus dem Sarg kommt. Die Gegenstände, die das Publikum beisteuerte waren wunderbar. der Höhepunkt dann die Schiebermütze, die Renes Freund beisteuerte, Renes Mütze. in der fuhr U. davon. ich sprang mit ins Boot, als Segel ein blauer Regenschirm hinter dem wir verborgen waren. ein kleines Happy End. dennoch. vielleicht auch eine still und heimliche Fahrt über den Acheron in einem Fährboot auf dem dunkel  und verblasst “Coca Cola” stand.

9. Dezember, Berlin

Und unser Lichttechniker ist tot, Rene, der unser Spielformat “Improvisionen”, aus dem sich auch das aktuelle Projekt heraus entwickelt hat, fast von Anfang an betreut hatte. Ein freundlicher, bescheidener Mann,  viel zu selbstverständlich, dass er immer da war. Und weil er zwar “Immer” da war, aber eben immer nur einmal im Monat für die Vorstellung, war immer eben doch immer nur zu kurz um mehr zu erfahren von einander. Morgen spielen wir im zu Ehren eine Extra Vorstellung in der Schaubude. Es ist wirklich eine Ehre, denn Rene muss den anderen Kollegen am Theater gesagt haben, dass wir seine Lieblingsgruppe waren. – aber warum entschied man sich für den Titel “Zu viel Salat”? die Geschichte hierzu ist schwer zu erzählen, so undramatisch und beinahe unpointiert. Offensichtlich hatte Rene, ausdrücklich kein Vegetarier oder gar Veganer, einmal  nach einem Gastspiel oder einem Festival, als alle in einer Pizzeria zusammen saßen, ausgerechnet Salat bestellt. Vielleicht weil alles Andre einfach zu viel Pizza oder Pasta gewesen wäre. ein große Esser war er nicht gewesen. Er bekam seinen Salat, pickte die wenigen Putenstreifen heraus und als man ihn fragte, ob es nicht schmecke, oder ob es ein Problem gäbe mit dem Salat, hatte er geseufzt und gesagt: “nein, nein… -” – es sei nur zu viel Salat. beim Salat.

Sind das sie Geschichten, von denen man will, dass sich andere erinnern, wenn man tot ist? Ich erinnere mich eigentlich lieber an die Gummibärchen, zu denen er nie nein gesagt hat. und sein erstaunt-freudiges  “Ach so!” wenn wir ihn mit neuen Innovationen überraschten. Er hat die Überraschungen immer mitgetragen. verläßlich und ohne viel Wind drum zu machen. “Zu viel Wind” wäre kein passender Titel gewesen. die Begeisterung sah man in seinen Augen, eine stille zarte Begeisterung. das ist manchmal viel mehr als die Strohfeuer-Euphorien, die am Ende verbrannte Erde hinterlassen.

Bin traurig, dass er gestorben ist. Aber Freude, dass wir spielen für ihn. frei und ohne viel Aufwand.

8. Dezember, Berlin

die Oma des B. war schon vor ein paar Wochen gestorben. Daher wohl die Frage per Whatsapp, ob ich das Häuschen nicht kaufen möchte. Die Frage war so überraschend gekommen und traf mich in Gaza, ich hatte den Zusammenhang nicht begriffen. Bertholdsdorf schien so absurd weit weg… Nun entpuppt es sich als verlorene Parallelwelt. Wieder ein mögliches Heim verloren. Und in meinem eigenen…. – da  ist der Unter-Untermieter. er naht. he is… “a lot!” ich schlage mich in die Kissenberge. Aufräumen müsste ich, ruhe will ich. niemand sehen mag ich… – Eine Gedichtzeile von Anna Achmatova (oder Marina Zwetajeva?) dreht in meinem Kopf seine Kreise. das Gedicht heißt “Der Keller der Erinnerung” und endet mit der Zeile “Wo ist mein Haus / und wo ist mein Verstand?” Kein guter Tag. Leer. Aber die Wohnung droht doch zu voll zu sein. Der Unter-Untermieter ist nicht einmal da, aber seit gestern naht er und könnte jeder Zeit eintreffen… also ist er bereits irgendwie da. Schlaflose Nacht, aber selber Schuld, weil zu viel Serien geguckt. Gute-Nacht-Geschichten, die einen zwar einschlafen lassen, aber im Stundentakt wieder aus dem Schlaf reißen. Morgens um 7:30 klingelte der Handwerker. hatte ich vergessen. Malte die Decke der Küche weiß. Weg ist der Wasserschaden der Bewohner über mir. hatte mich schon gewöhnt an die Arabesken im Laufe der Jahre. Ist das jetzt gut?

7. Dezember, Berlin

Der erste Tag Ruhe seit sehr langer Zeit. Wäre unruhig, wenn nicht ausnahmsweise mal wirklich überwältigt und zufrieden zugleich. Gaza, immer so anstrengend, plötzlich in einer Leichtigkeit. einfach nur Spiel. der gut gebaute erste Teil, der improvisierte zweite Teil: das Treiben auf offener See… – habe nachwievor keine Ahnung, wie Jamal es schafft IN DEN OBJEKTEN zu sein und mit ihnen zu spielen, obwohl er beinahe nichts sieht in Gaza. Vielleicht muss man nicht alles sehen, solange die Impulse ihn treffen, der Ton ihn navigiert. Er hüpfte Trampolin in einer runden Dose Fisch mit Klarsichtfolie, er saß auf einem Sofa in einem Zeitungsbild des NEUEN DEUTSCHLANDs zwischen zwei Damen und schien sich köstlich zu amüsieren in ihrer Mitte; er ritt “in einem anderen Land” auf den Elefanten, die auf einem Notizbuch abgebildet waren, alles Dinge aus dem Publikum und er tauschte das mühselige Ruderboot gegen diverse andere Modelle. was für eine Befreiung als da plötzlich eine purpurfarbene Tabletten Schachtel zum Speed-Boat wurde, der alte Mann und die Yacht, winkend und frei… Beinahe zu viel des Guten. Wie kommt man wieder zurück zum Roman, wie schlägt man den Heming-Way wieder ein… und wo bleibt der Fisch? Es ist halt so: es gibt keinen Fisch für Gaza. Der Fisch ist das Anderswo. Am Ende die Diskussion, die den Zauber der vorübergehenden Weltflucht wieder zurückholt in die Wirklichkeit. Bisher hatten wir nie so viel Fragen aus dem Publikum. Und sie gingen an alle, beinahe der Höhepunkt als Isra, gefragt wie es für sie sei, dass da in ihrem Wohnzimmer ein Behilfs-Theater entstanden war, das Bild betrat. Sie strahlte. wirkte so stark. Bin sehr froh, dass wir die Aufführung hier / dort gemacht haben und nicht im Dreambuildung. Life is not a dream. Das Leben hupt. es tobt, es ist laut und Kinder hüpfen hindurch.

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Spenden für Jamals Kulturzentrum: 90 €! – aber Moneygram-Überweisung funktioniert immer noch nicht. von den Honoraren ganz zu schweigen.

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Den Tag im Bett verbracht. immer mehr Kissen. Träume. und ein bißchen Excel-Tabellen. Und plötzlich wieder Nachrichten aus Windsbach, das viel weiter weg zu sein scheint als Gaza. Dem Bommel seine Oma ist gestorben. Nun habe ich sie nie kennengelernt. Habe mich in ihrem Haus eingerichtet, aber getroffen habe ich sie nie.

6. Dezember, Berlin

Glücklich. tolle Vorstellung. bin gerade sprachlos…

 

5. Dezember, Berlin

Warum kommen die Ikealampen, die ich bei Ebay bestellt habe nicht an? weil der Vorbesitzer sie nicht mal losgeschickt hat! wieso überweist Moneygram mein Geld nicht nach Gaza? die Ärgernisse des kalten Alltags verschwinden im Theater. Wieder gut. Seltsame Erfahrung: ich sitze in meinem eigenen Blog. Zu viel Ego? Der Gaza-Blog war immer auch gedacht als Wirklichkeits-Text-Ebene, um in die Poesie der Roman-Geschichte einen roten (oder grauen) Alltags-Faden zu verwegeb. Gestern erstmals Versuch, einige kurze Texte in den Sollbruchstellen der Inszenierung zu lesen. Es kamen nur zwei Sätze über meine Lippen, Papier udn Handtuch geschmisse. geht gar nicht. Ging gar nicht. heute doch nochmal versucht. Nicht als Alleingang, sondern zusammen mit Uta, die die Stimmen der Aussenwelt las. ich in der Projektion. Fühle mich endlich selber “angedockt” und ins Bühnengeschehen integriert. Nerven lagen bloß gestern. Dünne Haut. heute geht es wieder.

4. Dezember, Berlin

wieso rutscht jetzt wieder alles weg? das Internet friert nicht mehr ein, dafür jetzt die Schauspieler. Doch zu viel?Oder lass ich ich alles gefrieren? Pause bei MacDonalds  mit seltsamer Begegnung. einer beschwert sich dass wir Englisch reden und hält den Arm steil empor. Wutausbruch. Wutbürger will CHickenMacNuggets, aber wird hingewiesen dass auch das kein deutsches Wort ist. wird aus Macdonalds verwiesen komt zurück und sagt “Fotze”. schubbse ihn raus. Und dann tut es mir wieder leid. Leute aus MacDOnalds zu schubsen ist keine Lösung. später langes Gespräch. Kein Nazi sei er. Nur AFD. Er wüsste nicht warum er manchmal so sei… Kriegsveteran. Afghanistan. Trauriges Schicksal. Viele Freunde tot. Zum Bund gegangen nach dem 11. September, weil mordswut, weil vorher 11. September nur einfach der Geburtstag seiner Oma gewesen sei. Den hätten “die” verdorben. Tränen. Vernünftiges Gespräch. neue CHicken McNuggets gekauft. Man muss miteinander reden. Auch wenn man verschiedener Meinung ist. gerade dann! Mann wie ausgewechselt. will zum Stück kommen. schon immer habe er mal in die Schaubude gewollt, sagt er, er kenne sogar einen von der Technik dort. Naja nicht wirklich kenen, mal gequatscht in der Kneipe. Freundlicher Mensch. stellt sich heraus, dass er R. meint. unser Lichtmann. “Der ist tot”, muss ich ihm sagen. “Es tut mir leid”. Macht nix sagt er, sein Onkel sei gestern gestorben. Selotsame Logik. Zwei auf einmal besser zu verkraften. Pause ist um. aufgewühlt weiter. Habe mein eigenes Verhaltensmuster durchbrochen (Schubsen!). vielleicht muss man einfach mehgr zuhören. Auch im Stück. zu viel Output zu wenig Input. Motorrad-Heimfahrt zu spät, zu müde, keine Handschuhe. muss Fahrt unterbrechen und mich um Sonnenstudio aufwärmen. sei Jahren war ich hier nicht drin. nachher apathisch noch dort rumgesessen. auch hier kann man einfrieren.

3. Dezember, Berlin

Schaubude. Internet phantastisch. Jamal in der Ferne reicht  Jürgen Zigarette rüber (durchs Internet, durch den zarten Projektionsvorhang)  – der bedankt sich aber läßt sich kein Feuer geben, weil rauchen im Theater verboten ist. Nirgends nicht mal auf der Toilette. “You are not free!” sagt Jamal. Hinreißende kleine Probenspielerei. die Leichtigkeit mit der plötzlich alles geht. Jamals Spiel auf dem Meer für ich allein, großartig. noch großartiger, die Spielereien nach dre Probe. die Töchter, die im Meer schwimmen mit gelbem Aufblas-Rettungsring. Und in einer Aldi-FIschdose herumhüpfen. Vielleicht ist es tatsächlich so leicht?

2. Dezember,  Berlin

letzte Probe im BLO. Internet verheerender denn je. probe nur mit Jamal und der Musik. Verstehe jetzt die Frustration der Schauspieler als ich in Gaza war (und dachte: “wo ist das Problem? ich höre und sehe euch doch gut”). die brüchige Leitung. immer wenn wir beginnen wollen, bricht es ab. Immer nur reicht das Internet für meine einführenden regieanqeisungen. immer denke ich “warum steht Jamal nur rum und führt sie nicht aus?” bis ich merke dass er nur “eingefroren” ist. Erkenntnis: keine Regieanweisungen mehr. einfach klappe halten und spielen lassen.

1. Dezember, Berlin

wenige Tage hier und total außer Atem. Kaum zurück im wohlbehüteten Alltag, fangen die Luxus-Wehwehchen wieder an. Isra in Gaza sagte, ich solle lieber Nelken kochen und inhalieren als Asthmaspray. dachte aber, ich brauch den Spray gar nicht wieder. Kaum zurück werde ich krank. Oder bilde es mir ein. Schlaf-Rythmus auch noch durcheinander. Als Jet-Leg kann man es nicht bezeichnen, es ist ja nur eine STunde Unterschied. aber ich wache immer noch gegen vier auf, wenn  in Gaza die Lautsprecher zu singen anfangen. Fiebriger Zustand. die Situation in der WOhnung auch seltsam. der Mitbewohner des Mitbewohners tauchte wieder auf mitten in der NAcht, gegen die Verabredung. aus der anderen Bleibe sei er rausgeflogen. Vollendete Tatsache die schwer erträglich ist gerade. Rückzug ins Zimmer. und irgendwie dann doch nie klar ob er nun da ist oder nicht. Beginne das Interview mit dem alten Fischer Bakr zu schneiden. immer noch verstehe ich seine WOrte nicht, aber deutlich vor Augen, wie sehr wie aneinander vorbeireden in der Zeit. immer frage ich idiotische Fragen nach “Gestern”, er spricht von 2014. Worte bleiben hängen. “Cora”- “Ball” “Football” habe der erste Sohn gespielt, als die Rakete ihn getötet hat. die anderen drei Kinder kamen durch die zweite um. der Mann der mir immer Tee serviert hat,  der mit der reißverschlußartigen Narbe, damals 22 Jahre alt, hatte dem Kind Ismail zu Hilfe kommen wollen, ihn hatte die zweite Rakete erwischt. Fidaa übersetzt mir abends das Interview. hatten uns im Prenzlauer Berg verabreden wollen, aber kein ruhiges Cafe gefunden. Schließlich Pappel Allee Cocktailbar “Bahamas” Dünne Sandschicht über dem Fußboden, EIn Lagefeuer im Fernseher. Absurder Loccation für den Filmschnitt, die wir legitimieren indem wir einen  “Hemingway” trinken. Erst spät nachts gesehen, dass schon erster Advent ist.

30. November. Berlin

Es ist kalt. Kälte sticht im Ohr. fühle mich nicht willkommen, aber das liegt wohl an mir. die Tochter hat keine Zeit. das ist schon okay. die Proben von Berlin aus sind noch anstregender als von gaza aus. Die Internetverbindung im Probenraum ist wirklich übel. verstehe jetzt, wie nervend es ist. Wieso funktioniert in Berlin nichts? selbst in Gaza gibt es besseres Netz! die Geduld der Schauspieler. dennoch. es fühlt sich an, als hätte ich hier nichts zu suchen. DIe Handgriffe beim Aufbau, die ich anders machen würde, aber inzwischen hat man sich eben anders eingerichtet. Fühle mich einerseits wie ein Gast von außerhalb – in meiner eigenen Inszenierung. andererseits wie jemand, der das was er erfahren hat, nicht vermitteln kann. aber so richtig wills eh keiner wissen. klingt das weinerlich? wahrscheinlich. ich meins nicht so. ist aber so. Gespräch mit der U. – eigentlich über ganz andere DInge (was für Jacke sie anhaben soll), aber dann doch über den “Elefant im Raum”, es sei so unvorstellbar, das mit den Raketen, das könne sich keiner nachvollziehen. Und irgendwie wolle man es auch nicht.  – Ihre Ehrlichkeit berührt mich zu tiefst. dabei ist das alles so unnötig. es ist ja eigentlich erzählbar. und sooooo schlimm war es nicht. und ich bin doch hin, DAMIT ich berichten kann. wozu denn sonst?!

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Zeit, die Geschichte des Fischers Bakr  endlich im Detail “nachzulesen” auf YOutube. Die englischen und arabischen Filmaufnahmen von 2014 zeigen die vier Kinder, dünn und mit geöffneten Mündern und Augen auf Bahren, drei  nebeneinander, sogar übereinander; das vierte schien noch am Leben, aber die Verletzungen zu schwer. grauenvoller und laut-schriller Leichenzug. der sehr viel jünger wirkende Bakr nur kurz zu sehen, wirkte gefasster als vor ein paar Tagen. In der Tagesschau vom 16.7. 2014 war nur ein kurzer und sehr dezenter Blick auf die Bahre zu sehen. die Berichterstattung  dennoch in unerträglichem Understatement-Pathos, dafür aber mit politisch correctem Blick auf beide Seiten. es war nur die Rede davon, dass vier kinder starben. – seltsam, die Geschichte wieder aufzurollen. oder zu sehen dass kein Gras drüber gewachsen ist.

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Der Mitbewohner des Mitbewohners reisst mich aus dem Schlaf. frage mich, ob er manisch-depressiv ist und ob ich mir eine andere WOhnung suchen sollte für den nächsten Monat.

27. November, Berlin

das Flugzeug hatte Verspätung, es war lange nicht losgeflogen. Nächtliches Berlin. Fahrt im Express-Bus. Neben mir zwei Israelis, die die fremde Stadt begutachten und sich wundern wie viele Falafel-Läden es gibt. eine Frau, die aussieht wie ein Model trägt ein Spaghetti-Träger.Sommerkleid und glitzernde Flippflopps und tut so als ob sie nicht friert. immer will mein Rollkoffer auf und davon. Pendelverkehr. Angekommen in einer WOhnung, die sich nicht wie meine anfühlt. zu viel Knoblauch. Und in meinem Bett schläft der Mitbewohner des Mitbewohners. weil es in seinem eigentlichen Zimmer zu heiß sei. er hört nicht auf zu reden. erst als ich ihm Fotos von Gaza zeigen will, sagt er, dass er jetzt dringend schlafen müsse.

Stehe im Kaufland und schreie, weil der Fotoautomat nicht funktioniert. eigentlich rufe ich nur, gut gestützt. Man hört mich bis zu den Wurstwaren, wo die Verkäuferin antortet, sie informiere einen Mitarbeiter. es kommen nur welche auf Gabelstapler-Fahrzeugen, die mit ausdruckslosem Gesicht an mir vorüberrollen. nachdem einer dann doch den Toner wechselt, ist das Papier alle. Ausgerastet.

ich habe in Gaza alles gelassener hingenommen. ich war ruhig. was blieb auch übrig. Jetzt bin ich in der deutschen Hauptstadt und schon die Einreise ins Kaufland ertrage ich nicht. wenigstens hier soll alles funktionieren!

 

26. November. Gaza, Tel Aviv

Abflug. das Zu-Guter-Letzt in Windeseile. das alte Kino, dessen Vorführraum ins Leere geht, der Fischer, der nichts gefanfgen hat. der kleine Umweg zum Ministerium. die zu vielen Geschenke. Die Bilderflut in HÄnden und die kleine Kritzelei auf dem Schreibtisch. Dr. A scheint Autos vor sich hinzukritzeln beim Telefonieren. das gefällt mir. fast hätte ich lieber die Kritzelei gehabt als die beiden Fotogemälde und die Schülerzeichnungen. Weiter. die vor dem Taxi dahinfliegende fremde Welt. – wahrscheinlich gefallen mir deshalb die Dinge so gut, die ich wiedererkenne. Dass die R. es liebt Schokolademstückchen in ihren Kaffee zu tunken. dass jemand bei der Arbeit Schmierblätter mit Autos verziert. Ankerpunkte, scheinbar unbedeutende Schnittstellen. –  gefolgt von wieder Gruseligem: die Fitnes-STudio-Rekklamen, die wie Hardcore-WResting-Plakate aussehen, das Internet-Cafe/Gaming-Zone –  mit dem Namen des Führer (ein letzter Schlag vor der Abreise) über dem LAden.  Die lachenden Jungs, der spielsüchtigste mit dem SpitzNamen, dessen, der nicht genannt werden  darf. Tragikomische Verzweiflung dass es immer und immer wieder einen Laden mehr gibt. der Abschied. Das Herzklopfen an der Grenze, der Alleingang durch den Käfig-Korridor. Der müde Hirte hinter dem Zaun. Das Warten in Socken auf das durchpflügte Gepäck. es dauert. einige Leute Warten. Immer gehe ich alleine über die Grenze und sehe niemand, aber am LAufband, über das nur in großen Abständen die Wannen mit dem Gepäckbergen heranrollen, kommen doch Leute zusammen. Menschen in Socken (oder ohne) wirken wie nicht ganz zu recht anwesend.  auch will man so nicht zur Toilette. Weiter. das zu große Taxi. Durst. Durchleuchtets Gepäck in der Bahnstation Sderot. Der Mini-Grill aus Zink, blitzt auf und wirkt äußerst militant. Erklärung, es handele sich um etwas für Barbecue reicht aber aus. kein Netz in der Bahn. zu schnell umgestiegen. Der zu frühe und falsche Zug, der nicht der zum Flughafen ist. Die Panik zu spät zu kommen. die Freundlichen Leute, die ein Taxi teilen. der Ärger der Taxifahrer in Lod, die wollen, dass wir jeweils eines nehmen. der Israeli, der Dortmund-Fan ist und zum Spiel fliegt. die überraschend unspektakuläre Abwicklung durch die Flughafen-Sicherheit. Aber warum will sie wissen, was der Name meiner Mutter bedeutet? Presseausweis verschafft Ruhe.  Vor dem Panormama-Fenster des Ben-Gurion-Flughafens wird es langsam Dunkel. Flugzeuge donnern. ich soll jetzt einfach so nach hause?

25. November, Gaza

am Nachmittag flog eine Rakete nach Israel und schlug in Ashkelon ein. wieder sagt keiner, wer’s war.

mein letzter Tag. Hatte so schön begonnen am Meer…

24. November, Gaza

ich hatte gehofft zum Red Carpet Festival hier zu sein. es wäre jetzt bald gewesen, aber die Eskalation der Situation vor zehn Tagen hat die Veranstalter dazu bewogen, die Eröffnung zu verschieben. es ist das einzige große Film-Festival in Gaza. ins Leben gerufen nach dem letzten Krieg, als der rote Teppich über die Schuttberge hinweg ausgerollt worden war. Immer noch gibt es keine Kinos hier. und ich konnte mir nie so richtig vorstellen wie dieses Festival abläuft. Immernoch ist es verboten, Filme zu zeigen in dunklen Saelen. die Bildkraft der Filme ist damit geschwächt, der Zauber dahin. Heikle Stellen werden von der Hamas zensiert, die Filme zurechtgestutzt. dennoch – einen roten Teppich in Gaza hätte ich gerne gesehen oder gar betreten. Wie mag das aussehen, wenn wichtige Dialogszenen fehlen, weil sie vielleicht von zu leicht bekleideten Menschen gesprochen werden (von Sex-Szenen ganz zu schweigen). ob der Film einen Sprung macht? Schwarze Balken auftauchen, sich Finsternis ausbreitet  über der Szene? Mutmaßungen. – Generell und Meistens stelle ich mir DInge anders vor als sie in Wirklichkeit sind. Nicht selten liege ich falsch.GAZA

“Das hinter der Mauer, ist das eine Sportarena? ” – “Nein, ein Friedhof.”

“Das da, gegenüber vom Meer, ist das ein Ferienlager für Kinder?” – “Nein, es handelt sich um ein Ausbildungscamp der Hamas.”

“Was kostet sie denn, die Gesichtscreme…?” – (Man hatte mir Enthaarungscreme verkaufen wollen.)

Und das Wort “Danke”, nämlich “Sukran”, das ich in jeder Mail oder Facebook-Nachricht schreibe (meistens setze ich darunter dann meinen Namen) erweist sich als falsch geschrieben. “Shukraan” heißt Danke, “Sukran”  betrunken.

23. November, Gaza

Vor der letzten unserer gemeinsamen Proben Kraft getankt am Strand. früh war kaum jemand dort. Das Boot mit den palästinensischen Flaggen, voll besetzt. ein Familienausflug, weil heute Feiertag ist. alle winken. wollte gerade schon gehen, als der alte Mann kam. Bakr war sein Nachname, ich hatte Bachr verstanden. das Meer. Er begann freundlich zu sprechen, dann aufgeregter. dachte, er erzählte von den Schüssen vor ein paar Tagen, oder den Raketen vor zehn Tagen. die Arme malten niederschlagende Raketen, falteten sich an sein Ohr, geschlafen habe er, als sie einschlugen, in seinem Boot. Verstanden dass das Boot zerstört wurde. zeigte den Kessel, den die Geschosse in den STrand gerissen hatten. Fußball schien er zu spielen. Spät begriffen, dass das was er erzählt von 2014 stammte. er malte das Datum in den Sand.  Im Juli vor 5 Jahren hatte er geschlafen, sich von der frühen Fahrt aufs Meer ausgeruht. seine vier SÖhne spielten Fußball als die Rakete einschlug. alle vier starben. der Fußball blieb heil. Es ist eien alte Geschichte, aber er erzählte sie, als sei das gestern gewesen. jeden Tag kommt er ans Meer, und denkt an die Söhne. seine Frau bleibt zu hause. sie verläßt das Haus nie. Ich will diese Geschichte, sie ist schlimm und traurig genug, nicht erzählen wie so viele Geschichten in Gaza erzählt werden. mit Pathos und dem bösen Zeigefinger. Es wird solche Geschichten auf der anderen Seite auch geben. und natürlich schießt Israel nicht absichtlich auf kleine Jungs die Fußballspielen. Kollateralschäden. etwas das halt passiert. schlechtes Marketing für die einen. Tragödien für die anderen. lange gesessen, ein Mann aus Ägypten kam hinzu, ein Ingenieur, der übersetzte und der junge Mann, der den Tee bringt. sagte nicht so viel, aber auch er war damals vor ort. ein Splitter traf ihn und riss seinen Bauch auf;  zeigte es, als führte er einen Reißverschluß vor. Bewundert, dass nach all dem immer wieder die Nachricht ist, die ich ausdrücklich den Leuten in Deutschland ausrichten soll: “wir sind  doch alle gleich. und wir wollen doch alle Frieden.” man solle nicht schlecht denken oder glauben, die Leute hätten das hier verdient, weil sie Terroristen seien.

Fischer seien sie. Oder Kaffe und Tee verkaufen sie, Fußball spielen sie.

[…]

22. November, Gaza

Der Umzug der Proben in die belebtere Gegend schien gute Idee, es fühlt sich “echter” an. die Straßengeräusche der Händeler aus den Lautsprechern, das Hupen der Autos. das echtere Wohnzimmer, das sich verwandelt – dessen Herzstück ein Stuck-verzierter geschwungener Bogen ist, ein Passpartou, das den großen Raum unterteilt und nun wie eine Guckkastenbühne wirkt. der dünne transparente Vorhang passt genau in den Torbogen, eine Traumbox. die Kinder von Jamal tobten darin herum. eien Tüte Chips wurde zum Objekttheater-Szenenbild, eine Plastik-Schachtel Mohrenköpfe (Ja, in Gaza heißen die noch so!) zu einem Schloss, in dem die Königin Salma regierte – oder war es doch ein galaktischer Space -Palast? Jamal kam gar nicht zum spielen. aber manchmal ist es auch gut einfach nur gucken. vielleicht ist die GAza-Schulkinder-Idee doch gar nicht so schlecht? Jenseits der Politik. erst zurück in meiner WOhnung gemerkt, wie Anstrengend alles ist. es ist eben ein WOhnzimmer. viele Leute wohnen dort. kommen und gehen. ich kann die Probe nicht in Ruhe vorbereiten. alles scheinz gleichzeitig zu geschehen. Kopfschmerz und Erschöpfung. Schwindelig und sprachlos.aber erst als keiner mehr da war, um zu sprechen.

***

heute früh schoss wieder irgendwer.

***

Probe anstrengend und lang. eine Stunde verloren, weil “Electricity cutting”. immernoch weiß ich nie, was das dann im Detail bedeutet. Manchmal wird dann auf die Uhr gesehen und vorausgesagt, dass die in zehn Minuten wiederkäme. oder man eben auf Generatorbetrieb umstellt. oder Notstrom. In diesem Fall, zerhaute der sehr alte Generator des Hauses das Modem. das geschieht dauernd. Jamal ging auf die nächtliche Straße und kaufte ein neues für 15 Euro.. dauerte insgesamt 20 minuten. die andere Zeit war in Berlin was nicht in Ordnung. die Proben selbst schwer im Ton.  Berlin beharrt darauf, die TÖne seien schön.. in Gaza sind sie es nicht. Muß man hinnehmen. Spielfreude kommt abe rnicht so richtig auf. immer wieder schmerzliche Erinnerung daran, dass all das wieder eine AUfführung MIT den Leuten aus Gaza aber eben IN Berlin sein wird. MIT deren virtueller ANwesenheit. das wahre Theatergefühl, der Applaus findet anderswo statt. es tut mir sehr leid, dass das Geld wieder nicht für eine AUfführung in Gaza reicht. ich versprach, es nächstes Jahr wieder zu versuchen. aber es gibt nicht so viele Institutionen die Theater anderswo fördern.

Nachts spät im Taxi heim. die freundlichen Pförtner. der Gang unter den grünen Lichterketten, die leeren Vogelkäfige, die HAlle mit den alten Museumsstücken, Telefonen und Grammophonen, eher verstaubtes Gestern als ein Museum. der AUfzug in dessen metallischem Silber, sich das grün der Lichter spiegelt. sah erstmals das Schild neben dem Fahrstuhl “No guns!”. ein durchgestrichener Revolver. Ich wohne im Dreambuilding. die Leute kürzen das ab: you live in “Dream”?  Die Wohnung “im Traum” wirkt jetzt noch größer und leer, seit die Vorhänge, Scheinwerfer, Beamer und der “Greenscreen”, (der eigentlich nur ein großes grünliches Tuch ist – eher in einem sehr schönem türkis-grün mit einem Blaustich) und all das weg sind. Ich mochte die Farbe des Vorhangs, aber die anderen sagten: es sähe aus wie die Flagge der Hamas, nur ohne Schrift. Es bleibt das zu große Apartment. total müde. aber wieder um vier Uhr wach, diesmal sogar kurz VOR dem Gebetsruf.

21. November, Gaza

Gestern letzte Probe mit allen  Schauspielern in Berlin und mir in Gaza im “Dream-Building”. ein Wechsel scheint nötig, denn für die Aufführung am 6.12. in der Schaubude, wird das Apartment nicht mehr zur Verfügung stehen. besser dann gleich wechseln. WIr verlieren damit eventuell das sehr gute Internet und  haben dann nur eins das okay ist. andererseits ist das Internet des Berliner-Probenraums so  schlecht, dass es fast einfacher ist, wenn beide Seiten gleich schlechte verbindung haben. (denke ich manchmal. ist technisch gesehen wahrscheinlich quatsch. dennoch: immer wieder diese leidenschaftlichen Probeninstruktionen meinerseits, mein Redeschwall, der, wenn er beendet ist meistens die Antowrt zurück bekommt: “WIr haben nur jedes 10. Wort von dir gehört!” Wir Proben wie Kleistsche Figuren in einem nachtschwarzen Kosmos oder einem in dem das finstle chaos herrscht un dplötzlich kommt ein Cherubim daher, der so hell strahlt, dass man wieder nichts sieht, weil man geblendet ist. Taub sind wir sowiso. halb-Blind, halb-taub. “Was, ich? – wer? – Du? Ich seh Euch nicht! – Wer spricht? – Und wo?  Hier! was zum Henker? Was sagst du? – Wer ich? – ich sagte nichts!” in ein Wort gefasst: “Hähhh?”  –  Ich habe in letzter zeit  wenig von den proben geschrieben, weil sie so wahnsinning anstrengend sind, dass ich ,wenn sie vorüber sind, einfach nur froh bin, kurz an etwas anderes zu denken. das heißt aber nicht, dass es schlecht läuft. es ist nur eine enorme Anstrengung. Die Hälfte der Zeit Kampf mit dem Internet. das absurderweise in Gaza super ist, aber in unserem Probenraum mies. daher denke ich immer, wenn ich die proben in Gaza auf dem Schirm habe und gut höre und sehe, dass es den berlinern auch so geht. dem ist aber oft nicht so. Ich gebe dann lauthals Regie instruktionen oder lobe die tolle Verbindung, während mich Uta bereits per whatsapp anruft, um mir zu sagen, dass sie wieder kein Wort verstanden hat, weil alle halbe Sekunde die Leitung hakt. Das wird später anders sein, wenn wir in der Schaubude sind. Dort super-High-Speed-Internet. Gestern, da wir so dringend einen ersten Durchlauf machen wollten, wenigstens der ersten Szenen. großer Frust. Aber gerade wenn man denkt “Das geht so nicht weiter”, flutscht es wieder. Mut und Gänsehaut, dass alles andere wie weggeblasen ist. seltsamerweise sind es oft die Wartepausen, die dann neue behutsamkeiten Spiele hervorbringen.

Gestern, als nur Bild und kein Ton –  Wartepause –  saß Jamal auf dem SOfa saß plötzlich neben ihm. Jürgen lag auf der Bühne herum und plötzlich entstand etwas. aus der Ruh heraus. Und eben genau WEIL niemand wußte, wie es weitgehen würde. es ist wie blind ein Puzzlezusammensetzten, von dem man irgendwann merkt, dass es nicht eines ist, sondern drei gleichzeitig, die ausversehen durcheinander gegeraten sind. 3 mal 3-D-Puzzle. und immer fehlt ein STück oder ein Spieler. “Macht nix” seltsam das gerade das nun die stehende Redewendung geworden ist im Gaza-Team.

Toll ist, dass alle dran bleiben und am ENde der proben doch immer Kraft rausziehen. (oder sich selbst am eigenen Haarschopf.) wir nehmen einander auch immer besser wahr. Der wesentliche Trick dabei ist: nicht zu versuchen, den anderen zu sehen. sondern die Lust zu zeigen und die Sehnsucht, den anderen zu sehen. darum zu kämpfen, die Verbindung aufrecht zu erhalten, anstatt so zu tun, als habe man probleme mit Technik, Kamerastandorten und so weiter.
Jamal immer am besten, wenn man ihm die Augen verbindet und DANN  DIalog-Szene mit dem Jungen / Uta. (Gestern bin ich ausgerastet, weil er heimlich doch wieder versucht hat eine Kameratechnisch (vermeintlich) günstigen Blickwinkel zu produzieren, indem er versucht hat die Wand neben ihm anzuspielen ( weil er dann im Kamerabild halbwegs in der Achse steht, damit es so aussieht, als sähe er Uta in die Augen. klappt natürlich nicht. oder es klappt, aber wirkt bemüht und irgendwie langweilig. dagegen ist das Spiel nach vorne auf der Suche nach einer STimme, die man nicht orten kann, die man aber sucht und zu entdecken versucht, total präsent und tausendmal kommunikativer. Darin liegt eine bittersüße Freiheit im SPielen im Raum, immer aber auch verbunden mit der schmerzhaften Tatsache, dass man nicht wirklich zusammenkommen kann.

Heute also Umzug. VIelleicht gut. “Mumken” das war wiederum mein erstes Wort, das ich aus dem Arabischen heraus pickte. es klang so harmlos und nett. Mumken. Vielleicht. Perhaps.

[…] 

20. November, Gaza

Dr. A. schickt das Foto eines kleinen Mädchens. das auf dem staubigen Boden sitzt und Kugelschreiber verkauft. “Write about her.” sie sieht nicht aus wie die üblichen Straßenkinder. Ja, sie ist möglicherweise ebenfalls barfüßiger als sie vielleicht sein müsste. aber sie scheint nicht extra schäbig gekleidet. Die Füße ragen eher zufällig unter ihrem langen Pannesamtenen Kleid hevor. Mit gekreuzten Beinen sitzt sie. die Palette von Stiften im Schoß, ausgebreitet, ihre Knie spannen das KLeid, so hat sie eine ARt verkaufstisch. EIgentlich sieht es fast so aus, als ob ihr ganzer Oberkörper aus diesem Tisch heraus wächst, so straff gespannt ist das Kleid und knochig das Brett, das ihre Knie bilden. Dünn ist sie. Auf den ersten Blick dachte ich das säße ein Mädchen das ein Musikinstrument spielt, eine Art Zitter oder Xylophon, das aus dünnen grünen Tasten und Tönen besteht. es sind aber die sorgsam ausgebreiteten STifte. einen hält sie in der Hand wie den Schlägel eines Glockenspiels. sie blickt nicht in die Kamera. vielleicht ist das der Grund, warum sie nicht wie eins der wohltrainierten STraßenkinder wirkt, die Dich mit großen Augen ansehen und rauher STimme “Schekel, Schekel” wispern, viel zu nah kommen, unverschämt an dir kleben, wenn du am ATM-Automat stehst und dich nicht herausreden kannst mit “I have no money”. Das Mädchen hat den Kopf in den Nacken geworfen. vielleicht, weil sie von eben diesen Blicken austruht, der Kopf ruht an der Mauer, vor der sie hockt. vielleicht nur für einen Moment, vielleicht ist sie aber generell ein Kind das ganz bei sich ist und nicht nur für diesen verkaufsfreien Augenblick. VIelleicht ist es aber auch das letzte ENde der Unschuld und auch ihre Selbstvergessenheit ist inszeniert, da man von den anderen Bildern bereits genug hat. who knows. “Write about her…” – kann nur mutmaßen. Heute ist Gaza children’s day.  SIe kommt also gerade recht.

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Mehr mit Fotos zu Gange heute. den Fischern die Fotos geschickt, die ich von ihnen gemacht habe. jedenfalls dem schickte ich sie, den ich auf Facebook gefunden habe. dem “Hauptfischer” nicht gesichtet. auf dem Balkon, Probenpause, nach der Dämmerung Schüsse gehört. diesmal gedacht, es wäre Hochzeitsgesellschaft-Salve , von weitem kam Musik. Jamal sagt, der Hafen sei wieder gesperrt und das Meer nördlich vom Hafen in Richtung Israel. keine Bootem nur ein sehr heller Stern jenseits der 6 Meilen-Grenze. es handele sich um ein israelisches Schiff. von dem kommen sie Schüsse. Warnschüsse? immer noch tönt die Party-Musik, wildes Getrommel, im Kontext der Wirklichkeit der Schüsse auf See, verwandelt es sich in ein absurdes Szenario von Kriegspfad-Percussion vom Ufer und dem Krieg auf dem Meer.  was in Wahrheit passiert… keine Ahnung. Ich hoffe es geht den wirklichen Fischern gut.

 

19. November, Gaza

Die Zeit verrinnt. sie wird immer kostbarer. allmählich auch nicht mehr so heiß, es wird leichter sich “angemessener” zu kleiden ohne schweißgebadet zu sein. die proben sind gut. aber anstrengend. mein Englisch wird immer schlechter, weil ich mich langsam nicht mehr reden hören kann. kommt mir vor als hätte ich alle Worte aufgebraucht und abgegriffen. Arabisch wird auch nur Schagwortartig besser. Heute wieder Versuch mit dem Kultur-Minister alleine zu sprechen. aber schon kamen wieder Herren dazu. unter anderem der jetzige Mnister für ELektrizität. vor einigen Jahren war der der Kulturminister. “Are you happy now?” gefragt, noch bevor nachgedacht.

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Bin ICH aber jetzt froh? Habe ich nun der Hamas zugesagt, unsere Theaterform an Schulen im ganzen Gazastreifen zu unterrichten und zu etablieren? Bzw. Workshops zu geben für Leute, die dies dann etablieren? Aber wer jetzt nochmal genau soll die 1500 Kinder unterrichten, oder unterrichtet werden von mir, die 1500 Kinder (auch vergessen zu fragen, wie alt die sind) zu unterrichten? – nicht ich, oder? “Wann?” war auch so eine Frage. vorgeschlagen würde: nächsten DIenstag. realistischer, sagte ich “Ende März 2020”. Natürlich nicht ich. ist ja klar, dass nicht ich. vielleicht würde ich das ja gar nicht im SInne der Autoritäten tun.

Seltsame Dinge nehmen ihren Lauf. wie kam das alles? Wieviele Umwege haben mich hierhergeführt? Kindern Spaß am Theaterspielen zu eröffnen, mit DIngen, die eigentlich gar nicht da sind, aber zum Sprungbrett in eine andere Welt werden. Nicht die Freiheit, die sich die Kinder irgendwann wünschen werden, aber eine im Geist. DIe aber trotzdem zum Anfassen ist, so wie heute bei der Probe die Wäscheklammer zum Fisch im Meer wurde, der an der Angel anbiss und im Hohen Bogen über das Mittelmeer gefolgen kam. ein großer Fisch, der Am Strand und im WOhnzimmer des Dreambuildings landete… – um dort wieder zur Wäscheklammer zu werden.

18. November, Gaza

Nun tauchte Scheich Jassin auch in meinem Traum auf. ich hatte Geburtstag und Leute, die ich aber nicht kannte, hatten eine Überraschungsfeier für mich organisiert. Sie hatten aber fast nur Leute eingeladen die ich nicht kannte. Vertraute Gesichter waren eigentlich nur meine Kindergartenfreundin Cornelia, meine Cousinen Suse und Gwen; alle anderen kannte ich nicht und eben Scheich Jassin, den ich nur von Zeitungsfotos kenne. Abgesehen davon dass er shcon tot ist. Fühlte mich überfordert, zudem stellte sich heraus, dass alle anderen der Leute die ich nicht kannte, Israelis zu sein schienen, jedenfalls hatte sie alle Namen wie Schlomo und Moische; es schien mir aber auch wiederum unhöflich zu sein, zu fragen, seid ihr Juden? Ich war sauer auf die Organisatoren der Überraschungsparty, freute mich aber gleichzeitig, dass jemand immerhin sich die Mühe gemacht hatte mir eine Feier zu veranstalten. Holprige Konversation. Der Scheich war außerdem – abgesehen davon dass er ja im Rollstuhl sitzt – schwerhörig. Ich dachte meine Kindergarten-Freundin könne mir helfen beim Smalltalk, weil sie inzwischen evangelische Pfarrerin ist, somit wenigstens noch andere Religionen vertreten waren, leider war sie aber in dem Traum noch keine Pfarrerin, sondern eben „Im Kindergarten-Alter“. gefühl er fürhle sich benachteilgt, weil einziger Moslem gegenüber so vielen Juden. wollte was nettes sagen, aber es wollte nicht gelingenrum fiel mir plötzlich ein, dass er längst tot ist. Auch das wollte ich aber lieber nicht ansprechen und sagte  – was mir im Traum eine annehmbare Lösung zu sein schien – das allgemeine Unwohlsein sei sicher nur auf die Tatsache zurückzuführen, dass er Rollstuhlfahrer sei.

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Heute früh eigentlich zur Bank gewollt. Aber Jamal hat sich erkundigt: Abheben von Geld via Kreditkarte geht nicht. Es bleibt nur ATM, aber der gesteht minr nur ganz wenig Geld pro Tag zu. Irgendwann werde ich die Honorare auszahlen müssen, aber hab nicht genug Bares. Der Sicherheitsmann der den Automaten bewacht sagt, es länge an meiner Karte. Sparkasse fragen. Dort zunächst nur eine gewisse Linda (eine Kollegin von Anna die für Ikea Fragen Chatfragen annimmt) erreicht.

Miriam: “wieviel Euro stehen mir denn zu, wenn ich im Ausland die goldene Kreditkarte benutzen will? Ich bin im Gazastreifen und der Bankautomat gibt nur ganz wenig Geld!”

Linda: “Ich fürchte, diese Frage ist zu kompliziert für mich. Vielleicht könnten SI eversuchen die Frage umzuformulieren.”

Miriam: “wieviel Geld kann ich pro Tag am ATM-AUtomaten abheben?” in Gaza.”

Linda: “Ich fürchte, diese Frage ist zu kompliziert für mich. Vielleicht könnten SI eversuchen die Frage umzuformulieren.”

Miriam: […!!!]

Dann einen nicht virtueller Sparkassen-Mann, dessen Foto aber auch wie erfunden aussieht gefunden. Sagt ich solle mir einen anderen Bankautomaten suchen. Wäre es da nicht besser die Sparkasse suchte sich eine neue Kundin?

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Freien Morgen am Meer verbracht. Die Frauen die auf mich zukommen, wallendes schwarzer Tuch, kaum die Augen zu sehen, aber die strahlen unverhofft. „Hi Hi!“. Der Kiosk gegen dessen Eisengestänge ich immer bebinahe laufe, jett hat er ein Pappmaschewerbeschild gebastelt, das wie eine Zigarettenschachtel aussieht. Wer nun dagegenläuft läuft gegen „Rauchen gefährdet Ihre Gesundheut“. Die alte Sardienendose im Sand. Das Kind das von seinem Vater im Meer gebadet wird. Später auf mich zuläuft mit strahlender Give-Me-Five-Hand. Erst später kapiert dass er das nicht spontan macht. Das ist das, was er macht. Der Vater fragt dann irgendann dierekter. Ich gebe ihm 5. Schekel. Tee unter dem ausgeblichenen Schirm. Die vier Plastikstühle, die international überall gleichen Plastikstühle, der kleinste gemeinsam Nenner aller Outdoor-Bestuhlung. Gut. Sardienenfischer wollen fotografiert werden. Bestehen darauf: „Mit Netz!“. Der eine ist wundervoll. Sein Freund will ne Menge wissen, aber da geht’s um Sex. R denkt alle Frauen in Europa wollen dauernd und haben auch immerzu Sex. Der andere entschuldigt sich für den Freund und sagt, er habe „a light brain“. Gutes Gespräch über kulturelle Mißverständnisse. Denke ich jednefalls.

17. November, Gaza

Die Rakete, die das Human-Rights-Büro, so gezielt getroffen hat, war wohl keine Rakete aus Israel. das munkelt man unter Journalisten, laut sagen darf man es nicht. Offensichtlich wars der islamische Dschihad. Es würden zuweilen eine Menge Raketen “versehentlich” wo anders einschlagen als geplant. in den Wirrnissen der vielen fliegenden Raketen, könne man sich auch schnell unerwünschter Institutionen entledigen. Das “Independent Committee of Human rights” war keine Wolf-Im-Schafspelz-Organisation. Sondern tatsächlich in enger Zusammenarbeit mit der internationalen Institution HUMAN RIGHTS WATCH. das größte Menschenrechts-NGO in Gaza.

16. November, Gaza

die Jungs in meiner Straße mit Holzgewehren. so schön geschnitzt, dass sie in einem Öko-Spielzeugladen aus Berlin-Mitte oder Prenzlauer Berg stammen könnten, wenn sie nicht so politisch incorrect wären. Die Süßigkeiten im Pistolenformat sind es auch nicht. es gibt sie mit Kaugummi- und Traubenzucker-Munition.

15. November, Gaza ruhigere Nacht, aber dennoch  Detonationen. fiel aber in Schlaf. vielleicht detonierte es auch im Traum. Geträumt, ich sei auf WOhnungssuche. ich hatte eigentliche eine Wohnung, aber den Schlüssel verloren und ich hatte auch noch eine weitere, aber man sagte, da könne ich nicht rein. die Gründe klangen wie Ausreden. Jemand müsse ein Bad darin nehmen. (oder es renovieren?). die neue WOhnung stand auf einem weiten Feld und war aus einem Haus aus billigem Plexiglas, teilweise auch recht schäbigem Plastik mit Kratzern darin, die glänzten in der Sonne, das sah aber so schön aus , dass ich die Wohnung gerne nahm. ein Haus mit wenigen Mietparteien und einem freundlichen Pförtner, der auch dafür sorgte, dass ich Gratis-Coupons bekam. für Schokolade und WIndeln. die WIndeln wollte ich nicht. aber er meinte ich werde sie vielleicht später einmal brauchen. ich verstand, dass dieWOhnung möglicherweise mein Altersruhesitz werden würde. Meine Freundin Uta (die Uta aus dem Theaterprojekt), sagte d,ass sie nicht schlimm, die Schokolade sei super und überredete mich noch mehr Coupons zu bestellen.

ich muss die Freigiebigkeit des Pförtners überstrapaziert haben. die Stimmung war jetzt  nicht mehr so gut. Und in der Nacht sah man durch das Plastik, nun STraßenschlachten von statten gehen. keine Raketen. Nahkampf. von der gegenüberliegenden STraßenseite klappte die Fassade einer WOhnung hinunter und Soldaten in Grün schossen. ich überlegte in welchem Krieg ich mich befände. Überhaupt wußte ich nicht in welchem Land ich war. zog eine Bescherde wegen Ruhestörung in Erwägung, aber bevor ich etwas sagen konnte hieß es, ich müsse ausziehen. aber nicht wegen der Lage, sondern wegen der Coupons.

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Heute ist Freitag. mein Artikel im Neuen Deutschland ist heute die Seite 3. leider zu spät die mail gesehen mit der erneuten Bitte um Fotos. meine Fotos sind wieder irgendwo im Äther hängengeblieben und ich wusste es nicht. es ging mir nicht um MEIN  Foto, aber ich hätte gerne einem der Fotografen von hier das Honorar gegönnt. Heute ist auch Freitag, das heißt Feiertag in Gaza. Wie gut sich die Religionen von einander abgrenzen, jeder hat seinen eigenen Wochenendtag: die Muslime Freitag, die Juden Samstag, die Christen Sonntag.  müssen sich nur noch über alles andere einig werden. will heute nur für mich sein. Probe heute eh nicht möglich.

schnell vergangener Tag. einmal fiel Regen. der Himmel bleib bewölkt. hatte den ganzen zum meer gewollt und dann fast zu spät. nach Sonnenuntergang darf ich nicht auf die Straße. nicht alleine und mit anderen eigentlich erst recht nicht. das aufgewühltere Meer. der Tee mit der Pflanze darin Mariamea. schmeckt nach Salbei. soll der Jungfrau Maria mal geholfen haben. ein Fischer fängt in seinem Sardienennetz einen unerwartet großen Fisch[…]. alle freuen sich. das weiße Pferd an der Mauer geparkt, steht im Sand, unweit der “Love boat” Leuchtreklame. was mag “Love boat” sein? sieht verrucht aus, aber ist es wohl nicht. Gruppe von Frauen geht hinein. das Motorrad vor der Moschee. die durchgesessene Sitzbank mit Frischhaltefolie umspannt – auf den Gedanken hätte ich auch kommen können. über anderen legen Gebets-Teppiche. Lauter Konvoi einer Hochzeitsgesellschaft. strahlender Ehemannaufrecht steht durchs Dachfenster gestreckt. Stolz wie Bolle . Karren mit Kindern dahinter. immer mehr. es kracht. gute Raketen.

14. November, Gaza

Die Nacht ist vorüber. die Terrasse des Hauses schräg gegenüber sieht okay aus. -Die Nerven, die Nerven? vielleicht war das doch wieder anderswo. ein näheres anderswo, aber trotzdem anderswo. komme mir wie ein Idiot vor, aber erleichtert. auf meiner Kamera ist in der Dunkelheit auch nicht viel zu sehen. nur der helle Lichtpunkt, wie ein Komet. der war aber nach dem  Schlag. Oder war es vielleicht doch der Rückschlag der abgeschossenen Rakete und der Lichtpunkt der Abschuß eben jener Rakete durch die israelische Abfangrakete. Nachwievor unvorstellbar für mich, dass die Raketen sich in der Luft auflösen, nur zu einer kleinen Wolke werden ohne dass auch nur irgend ein Bausatzteil zu Boden scheppert. Die VOrstellung in der Nähe einer Abschussrampe des Islamischen Dschihad zu wohnen (oder gewohnt zu haben) ist nicht so toll.

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Es scheint Ruhe eingekehrt zu sein. Vielleicht ist die Operation “closed garden” abgeschlossen. erster Alleingang durch die Stadt in der Früh. das vermeintlich beschossene Haus nicht gefunden. es ist doch alles weiter weg als man denkt. Zum Glück. dafür auf der Ruinenlücke am Ende meiner Straße einen alten Kinderschuh gefunden, genau wie wir ihn brauchen für “Vor der Kamera”, für die Verwandlung zum Boot. ich hoffe, es ist ein absichtlich weggeschmissener Schuh. das heruntergekommene Vergnügungscenter. 3-D-Gaza. der Blick hinunter zum Strand und zum Hafen, die Straße wölbt sich ihm entgegen. weiß nicht, ob man schon wieder hin kann. oder sollte. die überdimensionalen verstaubten Teddybären in den Schaufenstern eines trotz des Versuchs bunt zu sein trostlosen Spielzeugladens. der Bär ist zu groß. und  steckt in seiner Verpackung fest wie Frankensteins Monster. Duft von etwas süßem. gebackene Bananen? die stressige Straßenkreuzung. How are you. How are you? keine ernst gemeinte Frage. Männer betonen es, dass es eher wie klingt wie Was bist du wohl für eine? die alte Bettlerin, die ebenfalls in der Mitte der Straße läuft wie Jamal. ATM. EInkaufen von DIngen, die ich nur in Ruhe finden kann. Earl Grey Tee zum Beispiel. meine eigenen Vorräte gehen zur Neige. Auf dem Rückweg schweißgebadet. es ist so heiß in Gaza und ich bin diese vielen Tücherberge nicht gewohnt. Immer wenn ich anständig aussehen will, fühle ich mich wie aufgelöst. Stress. Schweiß. als zurück: gehört, dass wirklich Waffenstillstand. Auf dem Terrassendach des Hauses gegenüber, von dem ich dachte, es sei getroffen, sitzen wieder Leute. der Vater im weißen Unterhemd, Kinder.

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Der Waffenstillstand ist immer noch. Nur dass leider eine weitere Rakete einschlug. am Meer, ganz dicht an Jamals Kulturzentrum. Nicht Israel wars, verkündet Salem. sein Handy sagt ihm das. das sei irgendwas schief gelaufen. Vielleicht ist jemand beim Islamic Dschihad die Hand ausgerutscht. Werden die dann von ihren Kollegen ausgelacht?

13. November, Gaza

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das “Human-Rights-Buildung” in der Innenstadt von Gaza. neben dem Park  in dem abends die kinder in den buntblinkenden AUtoscooter-Fahrzeugen (aber zum Selberschieben) fahren. warum erwähne ich das? weil die Raketen auch ein Kind hätten treffen können…? unwahrschienlich. die Raketen sind sehr präzise. Und meistens ruft Israel auch vorher an: “5 Minuten!!” so viel Zeit muss sein. Gestern, vielleicht gegen 10:40, denn die Uhr neben dem Feuerlösche blieb stehen zu dieser Zeit, traf eine Rakete das Büro im 5. Stock des Gebäudes, hatte man vorher nicht angerufen, vielleicht weil man in Israel weiß, dass diese Raketen sehr genau sind und auch weiß, wir sich wo aufhält und wann. oder dass die gesamte Belegschaft gerade ein Treffen hat, einen Stock höher. der Hausmeister, Hammad war in dieser Zeit gerade kurz zum Frühstücken nach Hause gegangen. als er wiederkam, war das Büro der Independent Commission for Human rights  verwüstet und die Süd-Wand hatte ein riesiges Loch. seltsame Mischung aus Zerstörung, Schutt, Chaos und Unversehrheit. ein Tagebuch, ein Ordner, der intakt gebliebene Kühlschrank, aus dem mit Hammad eine kalte Flsche Wasser anbietet – – – nein, das war das andere Büro, zwei Etage höher, ebenfalls verwüstet, aber ohne Einschußloch und mit Inseln von Ordnung im Chaosmeer. wollte das Wasser nicht. es schien mir höchst unhöflich, es zu trinken. bekam aber prompt gleich zwei Flaschen. – Hammad räumte am Boden zerstörte Glasrahmen auf, ein altes Fotos jemand fährt Fahrrad in Gaza auf, ein Werbe banner im Standformat fällt immer wieder um. auch das hebt er hebt auf. Sisyphusarbeiten. an der Wand hängt eine gestickte Handarbeit mit dem Namen der Vereinigung. ordentlihc hängt es an der Wand in all dem Chaos. DieBUchstaben der englischen Worte sind ein bißchen durcheinander geraten – in der Stickerei selbst. dauernd hängt mein Auge an der falschen Rechschreibung [ich weiß, ausgerechnet…]  – es hatte übrigens eine weile gedauert bis ich begriff, dass Human-RIghts, nicht human rights watch ist oder eine Filiale der United Nation’s human rights. Irregefügt durch den Werbeordner, der am Boden lag in der Ruinenetage. also keine große International organisation, sondern eben eine der vielen NGOs, die in Gaza auf den Begriff MENSCHENRECHTE! pochen. Klar. es ist eine Tatsache, dass die Belagerung gegen viele Menschenrechte verstößt. das mit der Würde des Menschen… ist nur das eines der vielen… auch gegen die Genfer Konventionen verstößt Israel. Freilich die Hamas ebenso. wer weiß also warum es gerade exakt dieses Büro hatte sein müssen. eine Waffenfabrik… okay. ein extremistisches Trainingslager… eine Bank… ein Fernsehsender (auch etwas das “yesterdays newspaper” war, bzw. last year’s news war: die Zerstörung des Al Aqsa-Senders)… – alles nachvollziehbar “Gute böse Ziele”, aber ein Bürogebäude auf dem Menschenrechte steht (selbst wenn die Rechtschriebung zu WÜnschen läßt)? der Gedanke vom WOlf im Schafspelz drängt sich auf. VIelleicht war es eine sehr kämpferische Komission. eine die die Menschenrechte auch um jeden Preis durchsetzen wollte. wer weiß. will nicht mutmaßen, müsste es wissen. zu spekulieren, dass die was im Schilde führten, wäre genauso politival incorrect wie zu unterstellen, Israel schere sich einen Dreck um Menschenrechte. rausgegangen aus dem hohe Haus. der Aufzug gegenüber der Wohnung, in der sich alle aufhielten, die völlig unzerstört geblieben war sah ebenfalls so gut intakt. Reflex den Knopf zu drücken. unterhalb der Etage aber gähnt der Schacht. zu Fuß durch die smaragdfarbenen Scherben. Es knirscht. es blitzt in der Sonne. Das war gestern.

heute… wäre iweder eine Berlin-probe. Sauer, weil niemand aus Berlin fragt, wie es hier ist.

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Probe mit Berlin schwierig. draußen dröhnt und donnert es. Manchmal ausblendbar, dann schreckt man doch hoch. Bis berlin dringt das aber nicht. die beklagen sich nur über den schlechten Ton. dann Stromausfall. in der zwischenzeit proben die schöne DInge ohne uns, wahrscheinlich viel leichter. nach der probe Schwarmah essen und zum ATM-Automaten um Ratenweise die Gagen abzuheben. Security jungs, die wie rumlungernde Jugendliche aussehen, aber gleich ein heranrollendes Auto zur Hand haben aus der finstere Typen aussteigen und nicht grüßen. weiter gehen gedruft nach Presseausweis und Visum zeigen. dann doch nochmal zurückbeordert zur Passkontrolle. nicht schlimm, aber irgendwie unangenehm. ATM weiterhin sehr knauserig. Schwarmah traurige Oase. Taxi zurück. man soll nicht auf der Straße sein. D. ist endlich einer der mir ehrlich sagt, dass meine WOhngegend keinesfalls eine sichere ist. in einem Elfenbeinturm sitze ich aber doch Dank des israelischen Presseausweis bei dessen Übergabe meine Sachbearbeiterin Vered K. jedesmal sagt “DOn’t remove the sticker”. Er beinhaltet ein GPS-Sende-Dings. Israel weiß genau, dass man nicht auf mich schießen soll. Ich hoffe sie halten sich dran. es fliegen nicht mehr ganz so viele Raketen, aber dafür knallt es gewaltiger und nah. einmal ist ein Funke direkt über mir, er verglüht zischend. ich kapiere immer noch nicht wie das alles funktioniert.

aber ich weiß inzwischen, dass ich die Febster offen lassen soll, wegen mögllicher Druckwellen, die Wohnungen verwüsten, die in der Nähe von Angriffszielen liegen.

 Schräg gegenüber das Haus, in dem manchmal Leute auf der Dachterrasse stehen und wie ich in den Himmel glotzen. da ist was eingeschlagen. die bunten Fenster im Erdgeschoss brennen noch. oben qualmt es, aber im DUnkeln sieht man nichts genaues. niemand schreit niemand rennt auf die Straße. rund um alles still. morgen müsste es sich als Traum heruasstellen. warum ist  keiner da.

Als ich klein war, zwei oder drei  machte mein Vater ein Foto von mir. schwarz-weiß ich in einem Poncho erstauntem Blick gehe mit einem Täschchen durch diie MÜnchner Abtstraße. niemand sonst ist auf dem Foto. als ich es zu Gesicht bekam, habe ich – wir mir mehrfach mitgeteilt wurde – gefragt: War ich da ganz alleins auf der Welt? – So fühle ich mich gerade. Ausgerechnet im 2 Millionen dichtgedrängte EInwohner zählenden Gazastreifen, fühle ich, Einzelkind, mich alleins-auf-der Welt. die Drohnen sind so laut, ihr Summen überlagert sich. wieso muss ich dauernd an das gelbe Wasserflugzeug denken das immer über Treptow herumflog. jetzt wo es so viele Drohnen sind, ist der Ton unerträglich. Zahnärzte. Im Nebel. Spielzeugzahnärzte zum Aufziehen die Bohrer in den Händen haben und  damit eine Chor dirigieren, der ebenfalls aus Zahnärzten besteht mit Bohrern. vibrierende Luft. vor dem EInschlag, war da nicht auch ein wirbelndes Peitschen in der luft, als flöge ein scharfkantiger Bumerang durch die Wlet und zerschnitte die Luft. ich  .Was mache ich hier? wollte ich nicht eigentlich dieses Jahr in einer fränkischen Kleinstadt ausruhen? wie konnte ich mich über die Kleinkriege dort aufregen und behaupten, da sei es im Gazastreifen noch friedlicher. es ist alles falsch. ich habe keine Angst, nur die Wucht von schräg gegenüber sitzt mir noch in der Brust und in der Stirn. und ich bin müde und will nicht schlafen. was wenn man doch auf die Straße rennen muss.

12. November, Gaza

Sehr früh, noch im Halbschlaf die ferne Detonation. die sich anders als sonst überschlagende Lautsprecherstimme. etwas blinkt und löst sich in Rauch auf. eine nebelhafte Geister-Qualle bleibt in der Luft zurück. es sind inzwischen sehr viele Detonationen. man denkt es müsse mehr zu sehen sein, bei dem vielen Wummern und Dröhnen, aber es sind nur kurze Blitze und Nebelstreifen. einmal bebt der Fußboden kurz. die Sonne ist aufgegangen. wirklich zu sehen ist nur weit weg eine Räuschsäule über einem Haus… etwas weiter weg – vielleicht schon Beit Hanoun? fast an der Grenze wäre das.

Habe aufgehört zu zählen. die Detonationen, die irrwitzigen Kondensstreifen, taumelnd. ich weiß, dass ich in einem sicheren Elfenbeinturm sitze. es erschüttert mich trotzdem.

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Die Schulen sind heute geschlossen. Ob sich Isra und ihre Kinder hier im Dream-Buildung wohler fühlen würden? Und Alia, die ich per facebook frage wie geht es dir? schreibt: Listening the bumbing. Der Ton, den die Stadt anschlägt, ist verändert. die Drohnen hört man nicht mehr. oder man überhört sie? die Wasserwagenmelodien lassen auf sich warten, nur selten und fern. Dafür zischt es eben jetzt und es hallt und kracht. zeitlupenartig rollt dieser DOnner heranm bevor er sich entfaltet. linstening the bumbing.dolby surround. Ich selbst, obwohl ich weiß, dass es hier sicherer ist, würde lieber raus gehen. ans Meer. Das Meer ist immer besser… selbst dieses.

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die seltsame Bedeutung des Tons, wenn das BIld fehlt. die Weiten, die Entfernungen. manchmal ist es doch recht nah. Und manchmal ist es einfach nur eine rostige Satellitenschüssle die scheppernd von einem Haus fällt. gemessen an den Zehn Raketen von vor einer Woche ist das hier schon dramatischer. Zumal die hamas plötzlich doch ganz schön säbelrasselnd daherkommt. der Hamasführer (hatte gar nicht mitbekommen, dass sie seit über einem Jahr einen neuen haben!) hielt eine protzige Rede, gab an,  über ein hochprofessionelles Tunnelsystem zu verfügen und es mit Israelischen Panzern jeder zeit aufzunehmen. und dann zählte er die Raketen auf, die er zur Hand hat, daß er ein halbes Jahr lang Tel Aviv beschießen können, rund um die Uhr. er sagte: wenn die Worte nicht treffen, dann müssten eben die Waffen eine andere Sprache sprechen. es klingt ein bißchen nach Clausewitz. Krieg ist die bloße Weiterführung der Politik nur mit anderen Mitteln. aber Clausewitz war ein kluger Stratege. Was für eine Strategie ist es,  dem Feind zu verraten welche Waffen man hat. Es sei denn man hat  keine. dann wiederum kann man es als Strategie gelen lassen. In Israel sagte Benny Gantz (parteivorsitzender der anderen Parteil, die fast genauso viel stimmen hat wie die von Netanjahu, nd deren Profil ich immer noch nicht kapiert habe, außer dass sie eben “die andere Partei” zu sein scheint.),wenn weiter Raketen fliegen, werde Israel seine Politik verschärfen. Der Hamasführer sagte so was wie “DAnn machen wir dass du den Tag verfluchen wirst an dem du geboren bist!”

Und jetzt das?

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Übrigens ist das Meer weitgehend gesperrt. keine Fischer heute, auch nicht innerhalb der zur Zeit erlaubten 6 Mailen. Das betrifft des Meer in Richtung Israel, und den Hafen. ab Khan Yunis dürfen sie Fischer aufs Meer. aber das hilft den Fischern der Hafengegend nichts.

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weil ich so wenig sehe, nur höre, wird das googeln nach Neuigkeiten so wichtig. google hilft über das Gefühl weg aus der Welt gefallen zu sein. gab mir Artikel über die Geschehnisse des 11. 11. : Hamasführer getötet, eine militärische Aktion Israels, entführten ihn, aber hatten ihn nicht töten wollen. entführen aber auch nicht. egal jetzt tot. Raketenwechsel. Alles schien sich zu decken mit dem was ich [nicht] sah. Jamal korrigierte lediglich: es sei ein Oberster des Islamic Dschichad gewesen. Irgendwann doch gemerkt, dass wir beide recht hatten. nur der Artikel den ich las, war von vor einem Jahr. Die DInge wiederholen sich. Hamas läßt jetzt den Islamic Dschihad die Raketen abschießen und abgeschossen werden. die Prozesse bleiben die gleichen. auf den Tag genau… – D: sagt, das werde wohl auch so bleiben, denn der 11.11. ist hierzulande nicht der Beginn des Faschings, sondern der Todestag Arafats. an diesem tag sterben Leute in führenden Position. dafür werden beide Seiten sorgen.

 

  1. November, Gaza

wieder kein erhabener Traum. kein Prophet erschien mir, nur der Altbundeskanzler Helmut Kohl. ich sollte eine Kost-Probe unserer Projektions-Spielform bei einer Life-Schaltung zwischen dem Deutschland der 80er Jahre und dem Ministerium für Kultur in Gaza herstellen. die technische Komponente schien sogar leicht zu sein. aber weder Helmut Kohl noch ich hatten eine Idee, was der Kanzler in der Projektion machen solle. er schien offen für alles und meinte auch er habe Zeit, aber es fiel uns einfach nichts ein.

Aufgewacht mit Muskelkater in den Armen. es kommt vom Halten des großen Wasserbehälters, aus dem das Trinkwasser kommt und den ich hoch halten muss, wenn ich Wasser in den Topf fülle. Anfangs nahm ich nur Wasserflaschen. aber ich glaube ich habe mein Lebenslanges Kontingent an Plastik + entsprechende Tüten bereits in den ersten 12 Tagen Gaza aufgebraucht. Das Wasser aus dem Hahn nur zum Waschen und Putzen.

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Probe. erst schlechte Nachricht, dass Leo krank ist und somit weder Musik vorhanden ist, noch der Text zwischen dem alten Mann und dem Jungen geprobt werden kann. Beginnt schön. wird anstrengend. der Raum sieht nicht gut aus. es ist eben doch nicht das Wohnzimmer von Jamal, sondern ein irgendwie dekoriertes Apartment in einem Dreambuildung. dann, nach 22 Uhr, als der Strom wieder da war und die LED-Fluter nicht mehr die Farben des Bildes ausfressen, sondern das wahre Licht beginnt, taucht man plötzlich in eine “echte” Welt ein. Uta spricht Jungen. Text wird zum Gespräch. glücklicher später Feierabend…

 

  1. November / 10. November, Gaza

geträumt, ich ginge in eine Moschee. den Gesang, der zum Gebet ruft kurz vor vier Uhr früh, der mich bisher jede Nacht hochschrecken ließ, erstmals in den Traum eingebaut. der Stimme nachgegangen. die Moschee sah eher aus wie Jamals Kulturzentrum. Aber man musste über tausend Treppen steigen, deren Stufen aus Marmor sehr hoch waren. ich war besorgt, weil ich mich nicht erinnern konnte, wie ich mich zu verhalten hätte, mir viel nur ein, dass ich wohl die Schuhe ausziehen musste, gleichzeitig schien mir gerade dies falsch.  der Gesang hörte auf und ich stand stattdessen barfuß in dem Supermarkt namens “Meat City”, in dem ich vorgestern versehentlich eine fremde Einkaufstüte gegriffen und mitgehen hab lassen. Nicht mal in Supermärkten verhalte ich mich korrekt. aber es ist die erste Nacht in der ich durchgeschlafen habe.

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Am Meer, erstmals allein. Die Fischer fischen tatsächlich nach Sardinen, im seichten Wasser stehend. das meiste was sie herausziehen, warfen sie wieder ins Meer. in der Brandungen tanzen die grünen Plastikflaschen. Sprach mit einem Mann, der Mohamed hieß. er fragte immer wieder, ob ich wüßte, dass Gaza besetzt sei. “occupation”, you know?”.- ja natürlich, sagte ich. und dass es nicht leicht gewesen sei reinzukommen. daher: ja, natürlich wüßte ich das.  – ob die Leute in der Welt es auch wüßten, fragte er. Ich versicherte ihm, ja, das sei bekannt. zu spät gemerkt, dass das fast noch schlimmer ist, als wenn es niemand weiß. “warum lassen die Regierungen das dann zu?” – er fragte freundlich; es war glaube ich keine Fangfrage gewesen. Wie könne es sein, dass die einen Menschen frei leben dürften, die anderen nicht? wo sei der Unterschied? Moslem, Christ…. wir seien doch alle gleich. er sagte, er sei erst vierzig, aber er fühle sich wie ein alter Mann. sein Bart war grau. war besorgt, die Welt habe ein falsches Bild von den Menschen in Gaza. er sei ein Fischer und kein Terrorist oder religiöser Fanatiker.

Ein Fischer war heute Nacht gestorben. nicht Israel war Schuld. Er war an einem elektrischen Schlag gestorben auf dem Meer draußen, einer der Lampe war hatte einen Kurzschluss, das Wasser, der Strom… – Mit den Lampen in der Nacht ziehen die Fischer die Fische an. Ob es mit den Fischen ist wie mit den Motten? die Motten lieben nicht das licht. aber sie fliegen hinein, weil sie die Orientierung verlieren. Alles ist Licht. die vertraute Dunkelheit wird unsichtbar, weil das Licht zu viel ist. Sie fliegen direkt ins Nirwana. in ihre persönliche Apokalypse. – vielleicht ist das bei uns ja auch so. diese Licht-Am-Ende-Des-Tunnels-Sache. Kein Paradies, sondern da steht nur irgendein Wesen mit einer Taschenlampe oder sitzt auf seiner Terrasse bei einem Windlicht und wir verirren uns in die nächste Welt, in der wir kleine Insekten sind oder gewesen sein werden.

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Schöne Probe abends mit D. und J. die Faszination des Spiels in der Projektion hat Jamal gepackt. Nachts noch zum ATM -Automaten, weil immer vergesse ich, etwas abzuheben. Erste Auszahlungen der Honorare oder Vorschüsse werden dringend. stelle fest, dass ich jeden Tag etwas abheben muss um bei dem geringen Output irgendwann am Ende alle zu bezahlen. Auf dem Rückweg Süßigkeiten, die in großen Pfannen  und Tonnen gemacht werden. wollten gerade Feierabend machen, aber bekam vier Stückchen geschenkt. der Gazastreifen, so hart, so abgewrackt, bitter und staubig ist, er steckt auch voll schwerer Süße. der Honig getränkten Blätterteig-Konfekt, die pistaziencreme, das Argan-Öl-Shampoo, sogar das neu gekaufte Spülmittel, duftet nach Karamell und Rosen. und die Spieluhrtöne des Wasserwagens. Nicht nur “Für Elise” spielt er, auch “Life is but a dream”.  Traum von der Moschee erzählt. Jamal fand ihn so lustig wie er war. D. fand ihn glaube ich eher erhaben, erzählte mir, dass er zweimal religiöse Träume gehabt hatte. einmal sei ihm Scheich Jassin erschienen (der in frühen Jahren bevor er als Hamasbegründer berühmt geworden war,  ein Nachbar seines Vaters gewesen war (also in echt jetzt – also damals)); Scheich Jassin hatte – im Traum –  gesagt, er sei enttäuscht von D. und D. hatte es zur Kenntnis genommen und zurückgefragt, ob er enttäuscht sei, weil er nicht der Hamas beitreten werde, aber Scheich Jassin sagte, nein, aber D. bete zu wenig. Deeb beachtete den Traum nicht weiter, bis ihm einige Zeit später der Prophet selbst im Traum erschien und dies ebenfalls beanstandete. Es muss ein sehr beeindruckender Traum gewesen sein, lichtdurchflutet und warm. seitdem betet der bodenständige D. Warum habe ich nicht solche Träume? meine sind immer nur absurd und ich bin in ihnen verloren wie der letzte Depp.

 

8. November, Gaza

Gestern Feiertag, heute auch. der Tag mit der Familie im Rohbau des Kulturzentrums. die Mädchen, die ihre Tanzchoreographien zeigen. im Handy nach neuen Tanzschritten googeln. meine heiß begehrte Kamera, der Tee, die Süßigkeit, die Wärme von der sie behaupten es sei Kälte. der Winter komme bald. ich fühle nur Mai und Juni, Isra hat mir eine schwarze Decke gehäkelt, ein Tuch, ein Poncho. sich darin einkuscheln ist wie eine Umarmung. Müdigkeit. Geborgenheit, obwohl das alles noch ein Rohbau ist. der Garten, die Terrasse ist schöner als eine fertige Bühne. letztes Mal war hier noch Sand. Ich mag Unfertiges. Gute Neue Worte gelernt. z.B. Blublubblubb, wenn jemand ein Gschmarree erzählt. Und Salem, Jamals Sohn entwickelt Ehrgeiz, Deutsch zu lernen. es begann damit, dass er Tee servierte aber Salz statt Zucker hinein tat (und man tut hier immer viel Zucker in den Tee!). ich hatte nichts sagen wollen, aber Jamals spuckte seinen Tee aus. Salem verschwand eine Weile mit Google-Translate und kam mit einem ziemlich gut gesprochenem deutschen “Entschuldigung” zurück. ich brachte ihm “Macht nix” bei. sehr schade, dass das erste Deutsche Wort nun für immer “Entschuldigung” gewesen sein wird. wir saßen lang. immer dachte ich, jetzt wird man doch irgendwann aufbrechen, aber ich hatte nicht verstanden, dass die Familie heute im neuen Gebäude bleibt. es ist offen zum Garten hin, hohe Säulen, das Foyer mit großen Stühlen, auch in Richtung Meer und zu den trockenen Olivenhainen hin ist es ohne Fenster und Tür. aber es ist ein Gebäude in dem man sein kann. proben könnte – kämen nicht so viele Leute dauernd vorbei und die mechanisch miauende Katze und von neben an die Töne der Bingo-Veranstaltung des Champion-Clubs…

Das alles war gestern.

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Heute ist der Himmel verhangen, warmer Nebel. in dieser Undurchsichtigkeit ist das Summen der Drohnen sogar noch unangenehmer.

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Probe Gaza-Berlin verlief ziemlich gut. kaum Internetausfälle, eigentlich gar keine. schöne Dinge, die sich entwickeln, wenn man das Textbuch zur Seite legt. Ich weiß es ja. der rote Faden, den man braucht, aber man darf ihn auch verlieren, oder ihn loslassen, um ihn wieder zu finden. der schönste Moment war als Jamal und Salem in Hemingways buch standen, Jamal mit der Besenstiel-Harpune, die Seiten umblätterte und plötzlich in einem expressionistischen Holzstich der deutschen Erstausgabe stand, gegen Löwen kämpfend und mit dem Buch selbst. der Junge kommt ihm zu Hilfe, er weiß wie man liest, Ipad-Großzoom-Griff. Salem, der deutsche Worte zu entziffern beginnt. “Derr alte Männ und das Mehrrr”.

Noch schöner: die Dialoge die plötzlich im Raum stehen. eine ganz normale Leseprobe, nur halt zwischen den Welten.

Jamal, von dem ich immer dachte er würde brav in der Ecke seiner grüntuchenen Sofawand bleiben, schwimmt auf die Kamera zu durch einen blauen Ozean, der in Berlin von F. und E. zusammengebastelt wird. ich muss nichts tun. ich schaue und staune nur.

der Augenblick in dem ich dachte verrückt zu werden: meine Taschenlampe ist weg. ohne die geht kein Bild. ich hatte sie eingepackt als ich dachte wir müssten schlagartig den Probenraum verlassen um irgendwo sonst weiter proben, weil der Strom ausfiel und der Gebäudemanager sagte, er würde an einem Feiertag wo sonst niemand im Haus sei, nicht auf Generatorenbetrieb umschalten. ging dann aber doch. eine leichte Schizophrenie wohnt dem Projekt jedoch dennoch inne. der Dolby-Surround-Sound, der Lautsprecherstimmen der Moschee. Es ist die eine rechts von meinem Gebäude und zeitversetzt singt es linkerhand aus der anderen. zwei verschiedene Stimmen rufen zum Gebet. Allahuakbar… ein leicht verschobener Kanon, der sich ins multimedial Unermessliche fortsetzt: durch mein Balkonfenster dringen die zwei Stimmen in die Logitechkamera, gelangen nach Berlin wo sie in den Blo-Ateliers durch die Lautsprecher von Emres Macbook tönen, dort von dessen anderer Logitech-Kamera erfasst werden um nach Gaza zurückge-echot zu werden mit einer Verzögerung von (jeweils) drei Sekunden. dies dringt gleichzeitig in mein Handy, da ich mit Uta Whatsapp-Telefoniere in meinem Schlafzimmer, von dem ich dachte, das es ruhiger wäre, um kurz in der Probenpause zu sprechen wie es weitergeht. Aber Allah ist größer. und lauter. und er ist überall.

 

7. November, Gaza

Tag beginnt am Meer. Letzten Frühling hatten wir in einer Ruine gedreht, in der Jamal herumtappte. Hatte das verlorengegangene Material neu aufnehmen wollen, ging aber nicht nochmal drehbar, da aus der Ruine, die eine Art Puppenstuben-Anblick eines Rest-Badezimmer bot im April, inzwischen ein pompöses Strand-Restaurant geworden ist. Aber die alte Hütte, mehr ein Zelt aus Teppichen und alten rostigen Gittern steht noch im Sand in der „Baulücke“, zwischen einem Hochhaus und einem Hotel – Vermeintliche Hütte des alten Mannes – ist noch da. Eigentlich begann der Tag gut… – endlich das Meer. weiter hinten, weg vom Neubau. unter einem vertrockneten Palmenwedelsonnenschirm. Text durchsprechen. Der Tee an dem alten Tisch, das wenige Drumherum. Das weiß Pferd das im Meer gewaschen wurde, die Mädchen mit den Selvies, die verlassenen Imbisswägelchen. Der Plastikmüll… – habe ich erwähnt, dass ich jetzt manchmal die Rolle meiner umweltbewußten Windsbacher Freunde einnehme, vor dem giftigen Plastikmüll warne, Knistertüten zurückweise (und um so mehr bekomme), vielleicht, weil ich mich nicht verständlich ausgedrückt habe, vielleicht weil man seinerseits auf diesem Rest Freiheit beharrt, den Müll fallen zu lassen wo immer man will und kann. Vom Hundertsten ins Tausendste… – irgendwann versandete die Probe. Plansoll. Warum ist es so schwer die Ziele zu verfolgen. Verabredete Zeiten nie einhaltbar. Wollten da nicht Leute kommen und die Vorhangstange reparieren? Der auf dem Sofa eingeschlafene Hauptdarsteller, die verronnene Zeit. Die Panik, dass morgen wieder Feiertag ist und Übermorgen wohl auch. War am ende so verzweifelt über die gedehnten Zeitbegriffe, daß ich trotz wenig Fortschritt alle Angebote ausschlug, die Probe länger zu machen. Beharren auf wenigstens diesem einen Fixpunkt: In diesem Fall die Feierabendzeit. Es gut sein lassen.

Das alles ist gut zu schaffen, aber ich muss endlich deterministischer denken. Eben so wie im protestantischen Windsbach während des Samson-Projektes. Aber da kann man alle Religionen durchforsten wie man will… am Ende ist man dann doch wieder mehr katholisch als man je gedacht hätte.

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Jamaml sagt, mein “Dreambuildung” sei früher die beste Gegend gewesen. die Gegend sagen alle sei auch generell sicher und teuer. viele Businessapartments. das Meer ist nah. aber “bevor Hamas kam”, eine wirklich gute Gegend. viel getrunken habe man hier, getanzt, gefeiert. “all the time!” – Heute ist es also eine anständige Gegend. aber ein bißchen ausgestorben wirkt es schon. Verwirrung über die WOrte haram und halal. hängt damit zusammen, dass sie in diesem ZUsammenhang mit anderen Assoziationen verbunden sind. Birrel haram. kein gutes Bier. sich nicht die Hände geben, fnde ich – wie in Israel bereits gesagt – auch nicht gut. und wie kann Musik nicht haram sein? – DIe STimme von Fairuz aber schwebt über allem und macht alles gut.

6. November., Gaza

Gestern erster Skype-Theater-Test-Technik-Tag wirklich anstrengend. Immer an den ersten Tagen ist es wie ein nicht zu bewältigender Berg. Die Stromausfälle, trotz Generatoren, die Internetausfälle auf der anderen Seite, das warten auf einander. die nicht ankommenden Whatsapp über den Status der Probe. die Details die ich vergessen hatte zu sagen (wie wichtig das Licht auch auf der Miniaturbühne vor der Insightkamera ist), die Musikerin, die ich nicht im Kameravisier sah und dachte, sie sei gar nicht da. immer ist das nicht da, was ich nicht sehe. es ist aber da. Und dann sitzt man plötzlich doch einfach nur so da. Jamal flätzt auf dem Gaza-Sofa herum und Jürgen in Berlin setzt sich dazu. Zauber. Und Zauber der Bilder. Glücklich über den Kauf der doch teureren Logitech-Kamera. man ist sofort besseren Mutes, wenn das Bild besser aussieht, selbst wenn man weiß, dass die Wirklichkeit sowieso anders ist.  erschöpft aber zufrieden nach der probe. Tolles Team auf beiden Seiten. wollte nach der Anstrengung eigentlich nur noch ins Bett fallen in einem möglichst dunklen Raum. aber der Hunger war noch größer. langer Spaziergang zu Imbiss, der dann aber wie 5Sterne-Restaurant auftischte. ich mag das gemeinsame Essen von verschiedenen Tellern.

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Heute auch Treffen mit Dr. A. Kulturministerium. oder ehemals. Das Kulturministerium wurde geschlossen. Jetzt Erziehung. Naja, ist in Deutschland ja auch manchmal ein und das selbe Gebäude. Wird genug Zeit sein, die vielen Übersetzungsmissverständnisse des letzten Interviews auszuräumen? Lost in Translation. Ringen um einen Dialog. bekomme ich wieder so viel Schokolade? aß bereits eine halbe Tafel zum Frühstück (vergaß einzukaufen), mehr ist zu erwarten.

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war auf ein Gespräch in kleinem Rahmen gefasst gewesen, gut vorbereitet auf viele Fragen und der Beginn eines wichtigen Dialoges, fand mich aber in einem Treffen mit dreizehn fremden Leuten in einem Raum, die ein Kulturfestival-Komitee darstellen, dessen vierzehntes Mitglied ich nun bin. Hurra, vollendete Tatsachen. was mache ich hier?

schwindelig aus dem Ministerium getorkelt. der einzige klare Gedanke, den ich gerade fassen kann ist: mein rechter Schuh ist kaputt gegangen. der Motorradstiefel in dem ich besser auftrete, besser stehe. vielleicht lag’s an den hochhackigen neuen Schuhen, die ich stattdessen anhatte, die einzigen Alternativen, die ich mithabe. und zu denen ich die Seidenstrümpfe tragen muss und vielleicht war auch mein Kleid zu kurz. eigentlich nicht, aber wenn man sitzt rutscht es in Not-Halal-Sondern-Haram-Höhe. falsches Outfit am falschen Platz. Falscher Schuh, den man sich nicht anziehen sollte.

Nachher in Jamals Kulturzentrum zur Ruhe gekommen. der ferne Streifen Meer. der verschleierte Himmel. schöne Textprobe. später sogar noch bessere mit den Projektionen. ich merke, dass ich besser bin, wenn ich mich auf jeweils einen Menschen konzentriere. zwei geht auch gerade noch. alles andere ist zu viel.

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5. November, Gaza

habe mich in den letzten Tagen “wie aus der Welt gefühlt”. Nachrichten aus Deutschland eigentlich nur auf Facebook, im Sinne von Daumenhochs. Dabei ist es ja eigentlich umgekehrt: ich bin hier! die anderen sind weg. Und ich will hier sein, weil man nur so überhaupt was mitbekommet (ob mans kapiert ist ne andere Frage. wie immer fühle ich mich mehr denn je: Schwer von Begriff). was ich begreife (bisher wußte ich es nur): ich beginne zu spüren, wie wenig ein paar Raketen, 2 Verletzte und ein Toter bedeuten in der Welt. es fällt kaum ins Gewicht. wenn man selber da ist, denkt man es sei das wichtigste auf der Welt. bin ja selber so. heute sind die Raketen schon wieder etwas weniger wichtig, weil heute die erste gemeinsame Probe ist. Wiedersehen mit meinen Schauspielern in Berlin via Skype. Erste gemeinsame Kamera/Beamer/livestream-Tests. Internet scheint einziges Mittel gegen das Nicht-Überall-Gleichzeitig-Sein Können.

[…]

4. November, Gaza

Gang zur Security war nicht schlimm, aber dauerte doch länger als nur “5 Minuten”. es ist seltsam, wenn man nach seinem ganzen Lebenslauf gefragt wird, aber immer wenn man die Wesentlichen Dinge erzählen will, hakt die Autorität nach und will anderes wissen. Noch niemals in meinem Leben wurde ich nach meinem Schauspielschulen-Zertifikat gefragt. Ich beginne nun selbst darüber nachzudenken… vielleicht wird es irgendwann ja wirklich einmal wichtig. vielleicht will nicht nur die Hamas das so genau wissen, sondern irgendwann auch die Rentenversicherungsanstalt. Vielleicht sind diese anderen Blickwinkel manchmal gut, um sich selbst mit anderen Augen zu sehen. eben zum Beispiel in diesem Raum mit den drei Männern. klein mit zwei Schreibtischen. auf dem einen ein kleiner Globus mit pistazienfarbenem Meer. die unterschiedlichsten Bärte. Der der die Fragen stellte, hatte den schönsten Bart und die klügste Brille, sein Vorgesetzter,  überwachte von der Seite,  fragte am ENde und bestimmte das wie und wie lange unserer Arbeit. Heldenbart, kämpferischer. für mich mitgekommen waren  K. von der Association der Kulturzentren, kein Bart und mein Übersetzer D. Errol-Flynn-Bart – nicht zu vergessen: ein weiterer Übersetzter, einer für den HAmas-Obersten, um zu sehen, ob mein Übersetzer auch richtig übersetzte. FReundlicher Bart wie Windhauch. warum schreibe ich über Bärte? – ich weiß es nicht. vielleicht weil es alles nicht so spektakulär war. nicht so wie letztes Mal. –  kann nicht klagen über irgendwas. es ist halt nun mal so, dass man durchleuchtet wird. hätte nur selber gerne auch ein paar Fragen gestellt. die Anspannung erst später gespürt, als ich nachher auf der sonnigen Straße stand.

3. November, Gaza

die heutige Nacht war ruhig. und ich habe Internet. Erschreckende Abhängigkeit. es ist beruhigender zu wissen, welche Raketen von wo nach wo geflogen sind, als wenn man nur die Explosion hört direkt nebenan. eigentlich idiotisch, als wäre es ein “Sicherheitsnetz” dieses gigantische worldwideweb. Und wieder muss ich korrigieren: der “Rückschlag”, war ein eirklicher Rückschlag. Der islamische Dschihad hatte eine Rakete nach Sderot geschossen und ein Haus wurde zerstört. die israelische Stadt Sderot, die so nah am Gazastreifen liegt, dass kein Tourist sich dorthin verirrt. kein Hotel gibt es dort, kein Hostel keine Pension. zweimal war ich dort über Nacht und  hatte einmal in einem Kino geschlafen und einer Bombshelter und einmal in einer WOhnung von Leuten, die mir einen Schlafplatz angeboten hatten. Seltsame fremde WOhnung aus Plüsch und einer Porzellanpuppensammlung. eine alte Frau und ihr Liebhaber im Rollstuhl, den man vor mir versteckt hielt und der Sohn Erik. Freundliche Menschen. seltsame Fremdheit. Erik hatte gesagt, als ich ihn fragte, wie das sei, wenn fast jede Woche mindestens eine Rakete fliegt, ob er die Leute in Gaza hasse: “I don’t care.”

Ich hoffe nicht sein Haus wurde zerstört. um 2 Uhr nachts vorgestern nacht flogen dann 10 Raketen von Israel nach Gaza, Beit Lahyia, Rafah, Khan Junes. Nur die zwei gehört, die in Gaza einschlugen. Zerstört wurde ein leeres Trainingslager der Hamas und eine Farm. auf seinem Land hatte sich ein Farmer schlafen gelegt, der starb bei dem Angriff. drei wurden verletzt.

eine weitere Korrektur: das Gewehr am Rondell zeigt natürlich nicht hinaus aufs Meer (wieso dachte ich das?), sondern in Richtung Israel.

wieder Alltag nach der Gewalt der Nacht. oder die Gewalt ist Alltäglich. Langer Tag auf der Suche nach Licht für den Probenraum. wollte einfache Stehlampe wie sie doch jeder in der WOhnung hat. aber es gibt nur diffuse LEDs. klar. weil die nicht so viel Strom verbrauchen. keiner will hier 40Watt-Lampen in seiner WOhnung, wenn es nie STrom gibt. aber irgendeinen kleinen LED-Mist kann man immer irgendwie hell kriegen. Ein Lampenladen befand sich direkt gegenüber des alten Cinema Nasser, das leer steht un dnicht benutzt werden darf. die Spiegelung der kleinen LED-SPots  im Fensterglas, als wären sie Festival-Lichter, scheinwerfer an der zerfallenden Kinofront. am Ende kauften wir akku-betriebene Camping Lichter, ähnlich wie der aus der Windsbacher Fundgrube. Und wo anders noch 50Watt- LED-Fluter, aber mit abgeschnittenen Kabeln.

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Lerne, dass die Pläne nicht funktionieren. Nicht nur wegen der Raketen, sondern auch, weil plötzlich Events locken, Angebote zu denen man nicht nein sagen kann. die Vernissage einer Ausstellung, zu der der Kulturminister einlädt. Das große offizielle Kulturzentrum, das so teuer ist. der große Saal, die perfekten Zeichnungen, gedruckt auf teurer synthetischer Leinwand, statt auf Papier. Seltsam wenn Karikaturen offizielle Ausshängeschilder sind. Selbstbestätigung. Fingerzeigendes Pathos. es ist dennoch schön, vertraute Gesichter wiederzusehen, die Probe verschiebt sich  nach hinten. Aber zum Kulturminister ging ich gerne.

 

Es sind die anderen “Inponderabilien”, Unabwägbarkeiten, eben das, wo mit man nicht rechnen kann, von dem man aber weiß, dass es einem treffen kann.  der Anruf, von dem Jamal sagt “No problem”, aber doch nervöst wird. Hamas-Security, ich müsse sofort das Visum verlängern. es ist eigentlich noch gültig. aber erscheinen muss man sofort. das Amt wirkt harmlos. man will die Einreiseerlaubnis sehen, die ich in eine Klarsichthülle getan hatte, welche aber so zerknüllt aussieht, dass der Hamasbeamte sie mit vorwürfsvollem Blick gleich wegwirft. EIn Hauch von Scham befällt mich. dann warte ich. nichts geschieht. andere werden aufgerufen. dann heißt es, ich könne nicht mehr drankommen heute. ich hätte mich morgen wieder einzufinden. die immer noch gültige Erlaubnis bekomme ich zurück in einer neuen Hülle.

Morgen wieder hin. wieder ein halber Tag Probe dahin. Jamal bittet, dass D. morgen mitgeht, weil er Angst hat, die Nerven zu verlieren. oder in Wut zu geraten. Nicht weil er zur Security muss, sondern weil er Sofort jetzt zu erscheinen hat.

Da der Vormittag eh vorüber ist, weitere Notwenidgkeiten abgearbeitet. den Vertrag unterschrieben für die Unterkunft. hätte gerne die Miete vom Projektkonto überweisen, aber der Besitzer sagt, es ginge nur Cash, er könne gerade die IBAN nicht finden. Ansonsten äußerst sympathischer runder Mann mit Kaiser Wilhelm Bart und lachenden Augen. Das “Dreambuilding” vielleicht doch nicht so abgehoben. sogar ein Save-Place für Frauen ist in einer Etage unter mir untergebracht.

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Junge Frauen in der STraße grüßen mich mit “Shalom”. Jamal gerfragt, warum SHalom, ob man mich für jemand aus Israel hielte [Israelis haben keinen Zutritt zum Gazastreifen], er vermutet, weil Shalom das einzige Fremdwort ist, das sie kennen. eigentlich ja gutes Wort. Hallo. Frieden. Aber Frieden eben auch Fremdwort.

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Um ein eigenes Kulturzentrum zu eröffnen, muss man eine Versicherung abschließen, damit man abgesichert ist, falls etwas passieren könnte. oder damit nichts passiert.

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vor ca. zwei Monaten verbot die Hamas die e-zigarette, weil sie der Gesundheit schade. die echten Zigaretten aber sind erlaubt.

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Durch den Text gehen. Bilderwelten. schöne probe endlich. Tag wieder rum.

blau-lila-rötliches Meer, heidelbeerfarbener Himme. Schawarma gegessen. doch noch einen Lampenladen gesehen, fast nur eine Ecke weiter, der klassische Lampen hat. andererseits aber sehr teuer für Gazaverhältnisse. merke, dass Jamal zu recht für das selbe Geld lieber “richtiges Theaterequippment” kaufen würde. ATM-AUtomat gesucht. immer knausriger werden diese DInger. Tagesration des abhebbaren Geldes mal so mal so, meistens weniger. Gang zurück von Schawarma-Imbiss wieder durch die Einkaufswütige Gegend, die Straßenkinder… denen wir nichts geben wollen, sollen. diesemal bringen sie Jamal in Rage, nicht mich. WOrte und Dinge fliegen uns hinterher.

2. November, Gaza

In der Nacht erwacht vom Donner einer Explosion. Eine weitere folgte. Es war gegen zwei Uhr nachts. Rauch stieg nirgendwo auf, von keinem Fenster aus sah ich Feuer, freilich seh ich nicht in alle Himmelsrichtungen. Bald darauf das Surren in der Luft…

Ein unverhoffter Moment Internet läßt mich per Whatsapp die Gaza-Post lesen. Zwei Raketen flogen vom Gazastreifen in den Süden Israels, waren aber vom Iron-Dome abgefangen worden. Was ich hörte war das dann der (sehr nahe!) Lärm des Rückschlags eben jener Raketen?

Seitdem das ständige Brummen und Surren der Drohnen, die ich aber nie sehe. Erschöpfter Morgen.

  1. November, Gaza

Ich muss nicht ins Hotel diesmal, aber die Wohnung die man für mich und auch für die Proben mietete ist gigantisch und teurer als meine 4 Zimmerwohnung in Berlin. Sie hat Wasser und Strom und Internet. Eine riesige Terrasse mit Schaukelstuhl und ich komme mir etwas verloren vor. Als wohnte ich sogar noch unangemessener als in dem Hotel. Das hohe Haus heißt Dreambuildungetzt. Eine Art ELfenbeinturm, und ganz oben wohne ich. Jgtzt werden erst recht alle denken, ich sei reich. Und das Internet funktioniert leider doch nicht. Man dachte man könne das W-LAN eines journalisten-Freundes nutzen dessen Büro in einem andern Traumgebäude residiert, Luftlinie 200m. ich erwische 2 Balken seines Netzes, aber schaffte es nie wirklich online.

                                                                      ***

Die Wohnung ist fast unanständig groß für nur mich. Aber es ist die Rede davon, dass auch Isra [Jamals Frau] und die Kinder hier einziehen werden. Tatsächlich wäre das schön, es sind so viel Räume – und Isra verstehe ich gut.

Freitag, Feiertag. Vormittags geprobt. dann zum Meer. An den leeren Fisch-Markthallen vorbei. Beinahe in einen zertretenen Fisch getreten. Fischerboot-Romantik, gemalt auf die Beton-Wände am großen Kreisverkehr am Hafen, gegenüber der Moschee. Jamal gefilmt wie es an der Mauer entlanggeht. Kamera ruhig gehalten während auf der Verkehrsinsel an ein Monument gelehnt. Es erst später beachtet, als ich fertig war mit der Aufnahme, es ist ein gewaltiges Gewehr das in Richtung Meer zielt.

                                                                            ***

Kulturzentrum am Freitag angenehm, da ruhig; nur Familie. Isra und die Kinder. Habe das Gefühl, dass sie nichts weiß von dem Alle-Wohnen-Zusammen-Deal. Und natürlich ist es eine blöde Idee gewesen, Es wäre ja auch unpraktisch für die Kinder, die anderswo in die Schule gehen. Der eigentliche Grund für die Wohn-Idee war eine Anstandsdamen-Sache, die der Hamas-Security wichtig war zu verkaufen. Ist ja in Ordnung. Wenn sie nicht anders zu überzeugen sind, dass hier nur gearbeitet wird und nichts Unanständiges passiert, dann meinetwegen. Meinetwegen. Meinetwegen könnte man mir auch einen Keuschheitsgürtel umschließen. Warum kann man das nie vorher erfahren? Sitze jetzt, da ich das schreibe in dem Elfenbeinturm wie im Tal der Ahnungslosen – wieder kein Internet, trotz der eben noch gekauften Simkarte -, schaukle auf dem Marmorboden der Terrasse in meinem Schaukelstuhl und könnte mich Ohrfeigen, dass ich immer noch nicht die Sprache spreche.

 

  1. Oktober, Jerusalem-Gaza

froh einen Tag länger geblieben zu sein. Als ich mir meine Gaza-Entry-Permission der anderen Seite (2. Hürde) ausdruckte am Tresen im Hostel, O. kennengelernt, John Cage-Fan, Musiker, Begeistert von der Idee, dass ich mit Gaza zusammen via live-stream Projekte mache. Ob die Leute in Gaza dass auch mit seinen Musikern zusammen versuchen würden. „Leave the politics behind“, just play…

Heute früh sehr früh dann gefrühstückt. Wieder die Angst, den Buss in Richtung Grenze nicht zu bekommen, den um 10:00. Der nächste um 13 Uhr wäre zu spät. Erinnere mich an Odyssee rund um die Central Busstation herum. Musste damals schließlich 2 Minuten Taxi nehmen um die Haltestelle zu finden in mitten von Kreisverkehren und dreispurigen Straßen. Die Taxifahrt hatte mehr gekostet als die 90 minütige Busfahrt nach Sderot. Deshalb dann schon um 8:30 vor Ort. Kein schöner Ort zu warten. Nagende Besorgnis, die richtige Haltestelle befände sich auf der anderen Straßenseite, 6 Fahrspuren weit. 492 Bus. Kann das Ziel lesen, aber es heißt nicht Sderot. Drei verschiedene Leute gefragt, die in drei verschiedene Busse stiegen. Immer wenn ein Wegweisender Mensch außer Sichtweite war, den nächsten gefragt.

Sitze im Plexiglas-Bushäuschen. Laut, aber langsam erleichtert, dass am rechten Ort. Jetzt winkt der Einweisende Securuity-Mensch, ich soll da nicht sitzen. Aktueller Wegweiser-Mann erklärt: „They found a bag…“

Erst muss man etwas abseits neben dem Wartehäuschen stehen. Irgendwann wird abgesperrt und man wird noch weiter weg gewiesen. Routine-Aktionen. Potenzieller Sprengstoff-Fund. Es ist eine blaue Tasche, die nicht wirklich nach einem Terroranschlags-Tool aussieht, aber wer weiß. Perfider Schein von Harmlosigkeit. Mehr Angst, der Bus könne sich dadurch verspäten, als dass hier wirklich gleich alles in die Luft fliegt. Ausgerechnet… Wichtigkeit des schmächtigen Secuity-Mannes beim Stoppen der heranfahrenden Busse. Oder der anhaltenden Autos, die ihre Kinder zum Bus bringen. Besorgt wirken die auch nicht. Bombementschärfungseisatzwagen dann doch beeindruckend. Die Umständlichkeit der Schutzrüstung. Die auszurollenden Kabeltrimmeln. Die sich drehenden Belüftungs-Rädchens. Der lange Weg der Schnur, die ich erst nicht begreife, dann sich als Fernzündung entpuppt. Der ohrenbetäubende Lärm. Das splitterne Acrylglas. Die vernichtende blaue Tasche, wahrscheinlich hat sie jemand einfach liegen lassen. Was wenn das mir passiert?! Es wäre sehr peinlich.

Das Szenario ist bereits vergessen, als der Bus dann pünktlich kommt. Frage den Fahrer, ob er auch an der Haltestelle Mordechai anhält. Er sagt er verstünde kein Englisch. Dabei frgate ich nur „stop mordechai? – Mordechai? Mordechai???“

Französisch, sagt er, verstünde er. „Mordechai“ versucht mit französischem Akzent. Egal.

***

Die Haltestelle heißt Yad Mordechai und ist der nächste öffentliche Verkehsmittel-Halt am Gazastreifen. Eine Tankstelle, ein Restaurant, ein Laden mit Getränken, Eis und Spielzeug. Real-Madrid-Fußball für Jamals Sohn entdeckt. Genau sowas gesucht und gefunden. Taxi bestellt. Kam prompt. Leider Mißverständnis: fuhr zum Kibbutz Erez statt zum Grenzübergang Erez. Beharrte freundlich darauf dies sei der Ort, wo ich hinwolle. Auch ein Schlagbaum und Drahtzaun. Aber bunter und Bäume.

Erez-Gaza war er noch nie gewesen.

***

es geht schnell diesmal. Israel Gepäck-Check in Sekunden. Nichts zu öffnen, nichts zu erklären. Der Gittergang, wieder bestehen Männer darauf, dass ich ihn nicht lang laufe. Zu müde für Protest. Nächster Kontrollpunkt ebenfalls schnell. erst finale Kontrolle der Hamas-Sicherheit, endlos. Alle Sachen auseinandergenommen. Den Zeitungartikel der SZ, den meine Mutter mir mitgegeben hat schon vor Wochen habe ich ihn eingesteckt und nie Zeit gehabt ihn zu lesen. Über Israel. Mit großen Davidstern-Graffiti. Was da drin stehe. – ich weiß es nicht (ich habe ihn immer noch nicht gelesen). Und auch nicht so deutlich angesehen: Hamas entdeckt schneller als ich, dass im Stern jemand reingekritzelt hat „Free palestine“. Anderer Hamas-Mann entdeckt wiederum, da stünde wiederum ein „k“ über dem zweiten „e“. Freak palestine. alle mühsam eingepackten Geschenke neben die auseinander. Sogar die Playmobil-Meerjungfrau für Jamals Tochter. Neu verpackt! Mann, das ist doch nicht dein Geschenk! Es dauert sehr lange. Irgendwann kommen Jamal und Kamal. Will nicht dass sie die jetzt mickrigen Geschenke sehen. Sage dem Hamas-Mann „You killed the surprise!“ – das sagt er (und glaubhaft) bedauere er. Irgendwie dennoch nicht unfreunliches Durchleuchten. Wieder stelle ich fest, dass ich seltsame Dinge mit mir führe. (Flashback in meiner Jugend. Als ich bei einer Wahlveranstaltung von Oskar Lafontaine anwesend war, auffiel durch umständliches Kramen in der Tasche nach einem Fotoapperat und am ende abgeführt wurde wegen Verdacht ein Attentat auf Oskar Lafontaine verüben zu wollen, unter anderem auch deshalb weil der Inhalt der Tasche so seltsam war. Man hielt mich für eine militante Monarchistin, weil ich Zeichnungen von Kaiser Wilhelm II bei mir führte, einen Stapel Fernsehzeutungen (für eine Pappmache-Collage) und ein Cuttermesser. Später bekam ich zur Entschuldigung die Biographie von Oskar Lafonatin mit Widmung „in Erinnerung an einen unvergesslichen Tag“. Bin nie wieder zu einer SPD-Veranstaltung gegagnegn.

Der Tag ist wie man sieht tatsächlich noch in Erinnerung. Immer falle ich auf. der gelehrte Israeli hielt mich für raffiniert-aggressive Evangelikale, die SPD für eine Terroristin, und die blode ältere Dame aus Südafrika aus meinem Schlafsaal heute früh sagte, als ich ihr zögernd mein reiseziel nannte, das passe. Ich sähe auch aus, als sei ich aus Gaza. Es klang wie ein kompliment. Aber irgendwie dennoch seltsam. Ich weiß nicht für was die Hamas mich hält, aber irgendann wurde der Mann sehr freundlich. Eigentlich tatsächlich ab „You killed the surprise!“ er sah auch das ausgedruckte Manuskript zu „Hemingway. Gaza. Big Fish. Was denn der „Big fish“ sei, wollte er wissen. Hemingways Geschichte erzählt und den Roman hochgehalten. Da dachte er, der Roman sei von mir.

Nein, neue Geschichte nach der alten Geschichte. Es wird ein Theaterstück. Er sagte er käme es sich ansehen. Na ja, vielleicht lieber nicht…. – aber die meisten Leute, die sagen „Ich komm zur Premiere“, kommen am Ende ja doch nicht.

Er sagte, er hoff ich würde wirklich ein Buch schreiben über die Fischer in Gaza.

Fahrt durch den Gazastreifen zum Meer. Hoffte wir würden erstmal am Strand sitzen in Ruhe, aber es geht gleich zu Jamals Kulturzentrum. Es ist schön geworden. Es ist riesig. Es ist voller Menschen, von denen ich nicht weiß, ob sie jetzt zum Projekt gehören oder nicht. Rutsche in das soundsovielte Konzeptionsprobengespräch. Gefühl die Zügel zu verlieren. Ohnmacht. Jamal telefoniert parallel. Zu viel. Verlust der eigenen multitask-Fähigkeit. Lost in translation. Das Gefühl, alle pitchen ihr eigenes Projekt und wollen gleichzeitig von mir wissen was die Idee beim Fisherman sei. Was sei anders als bei dem Film mit Anthony Quinn? Erzähle vom Konzept. aber alle wollen wissen wie der „Big Fish“ denn aussähe? Das ist es ja: es gibt keinen Big Fish. Nur die Sehnsucht danach. Das was den Fischer aufs offene Meer hinaus zieht.

Es geht darum, während der Proben herauszufinden, wie der Fisch aussieht in der Vorstellung des alten Mannes. Was er am ende wirklich ist… man wird sehen.

Verdammt, ich glaube immer noch, die Leute denken ich habe gar kein Konzept.

Müde. Immer mehr Menschen kommen. Am Himmel steht eine unglaubliche Mondsichel mit einem Stern darunter. Erschrocken, dass sie plötzlich weg ist. Das sei kein Mond, sondern die Beleuchtung des Hauses gegenüber. –Oder die Hamas habe den Mond vom Himmel geschossen. Irgendwann verschwindet die Wolke und der Mond ist wieder da. Erleichterung. Manchmal habe ich das Gefühl ich werde hier im Wahnsinn enden. Heute noch nicht. Der Mond ist da. Allerdings könnte ich schwören, dass er viel zu weit unten am Himmel hängt.

Jerusalem, 30. Oktober.

Ich bekomme ihn, den israelischen Gouvernemnet Presseausweis. damit ist die erste Hürde so gut wie genommen. Überlegung früh zum Büro zu fahren und gleich weiter zur Grenze, erfahrungsgemäß aber knapp. Horrorvorstellung mit allem Gepäck den Bus nach Jerusalem-Malha zu suchen, auszusteigen und in dem Niemandsland zwischen Sportarenen, Shopping Mall und Technology Park herumzurollen. Suche nach Bussen immer in Panik. unauffindbare Nummer 31 oder 6. Vor der 18 warnt man mich, der führe Umwege. in Malha Abkürzung nehmen gewollt durch Shopping Mall, prompt jegliche Rest-Orientierung verloren.

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Es ist zu spät für Gaza heute. An dem Gespräch mit dem Direktor des Pressebüros, der mehr wissen wollte über diesen Hitler-Sportladen-Artikel, den ich endlich schreiben will (siehe letzte Gaza-Reise). hatte befürchtet, es werde ein Rechtfertigungs-Oder-Aufklärungs-Gespräch, tatsächlich aber sehr gutes Gespräch. Ich empfinde jegliches Sprechen als gut, das die politischen roten Fäden zu entwirren versucht, sie aber auch kurz ruhen läßt zu Gunsten der persönlichen Ansichten oder eigenen Geschichten. eine Agenda hat jeder, die Gespräche, bleiben in Erinnerung, wenn sie darüber hinausreichen. An dem Gedankenaustausch lag es dann aber nicht, dass es zu spät war. Das so unsagbar wichtige Capturing device, ohne das die Live-Schaltungs-proben schwer sind, tauchte endlich im Internet auf. bestellte es noch vom Pressebüro aus bei Amazon und ließ es zu meinem Techniker Emre schicken. In letzter Minute gesehen, dass Amazon den Vorgang kurz nach der ersten Bestätigungsmail wieder cancelte, weil denen das alles zu undurchsichtig war. warum kauft jemand unter meinem Namen in Israel ein Gerät und dann kriegt es ein Mann in Berlin mit türkischem Namen? Hie ruhen die kapitalistischen Interessen für einen Augenblick zu Gunsten der Kundensicherheit. Gewußt dass Google, Amazon, facebook und die Nachrichtendienste genau hinsehen. War mir immer wurscht, aber hier hört der Spaß auf. das ist kostbare Zeit! Account gleich für 2 Stunden gesperrt.

 

Junger Mann mit Jamuka im Bus zurück (Nummer 31), der mir bestätigte, im richtigen Bus zu sitzen, stellte sich als Schlomo vor, als sehr religiös und in der Lage, lange Vorträge zu halten über die Bibel mit wichtigen Informationen für Christen, wollte aber erst wissen, was für eine Christin ich sei. Dachte, er fragte, ob ich evangelisch sei, er meinte aber evangelikal. Erzählte von großer Angst der jüdischen Gelehrten vor Evangelikalen, weil die dauernd versuchten die Juden auf die Seite ihres Glaubens zu ziehen. Spenden viel Geld an Israel, aber wollen offensichtlich mit allen Mitteln missionieren. Fragte woher die Angst, es könne einen ja niemand zwingen. Aber er bekam durch diese Frage noch mehr Panik, hielt es vielleicht für eine evangelikale Fangfrage. Auch wollte er nur ganz langsam reden. Kreuzzüge. es war ein sich dehnendes Gespräch und ich ahnte, dass ich längst an meiner Haltestelle vorbei gefahren war. aber er hatte ja gesagt, er wolle mir Bescheid geben und ich dachte es sei unhöflich das Gespräch zu unterbrechen, zumal ich ihn schließlich doch überzeugt zu haben schien, dass ich einfach nur an Religion im allgemeinen interessiert sei und keine Fanatikerin. Irgendwann fiel ihm doch ein, dass ich zu weitgefahren bin. Verdammte Höflichkeit in diesen Dingen. Manchmal ist unhöflich besser. Unhöflich finde ich auch wenn man aus religiösen Gründen der Gesprächspartnerin nicht die Hand gibt beim Aussteigen an der viel zu späten Bushaltestelle. aber so isses halt. ist bei den sehr religiösen Muslimen ja auch so. und bei der Hamas. – Wie ist das bei den Evangelikalen?

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Erst vom Hostel aus dann doch noch den Kauf getätigt, Fiebrig auf der Terrasse. vielleicht tut ein letzter Tag in Ruhe gut. und es ist ja doch immer viel. Jerusalem ist viel. alles ist viel. nur zu wenig Wasser fließt hier. kein Fluß ist immer schlecht. Jerusalem. Altstadt. Dämmerung. die sich schließenden Pforten rund um die Gegend des Tempels. bedauern mit einer Prise Triumph, man hält mir Popcorn entgegen, das ich kaufen könnte. Western Wall. wollte gar nicht bis zur Mauer, aber dann doch. hatte einen Zettel vorbereitet, um ihn in die Ritze der uralten Wand zu stecken mit einer Bitte. es dann nicht getan, weil doch was anderes gewünscht. Raunen wie Brunnenwasser und Nachtigallen, liebliches und heiseres Leid um mich herum. Beten. Bitten. Betteln. ebenso. wenn man wieder geht, soll man der Wand nicht den Rücken kehren. daher rumpelt man dauernd jemand fast um. außerhalb der Altstadt wirkt die Stadt leer und bitterbunt. erschöpfter Weg zurück bergan und “Inbetween”.

 

29. Oktober 2019 Berlin-Tel Aviv-Jerusalem

Früh los. So früh fährt noch keine S-Bahn und kein Bus vom Nöldner Platz. Nehme den Rollkoffer. Für den Fußweg zum Ostkreuz länger gebraucht als gedacht, der Rollkoffer rollt dahin, mal holprig mal ist es, als führe man bereits. Dann doch den Zug fast verpasst. Um vier Uhr früh – er fiel aber eh aus. Irgendwas ist immer nicht.

Es hatte wieder ein früher Flug sein sollen, weil ich gehofft hab, noch am selben Tag die Pressebüro-Karte zu bekommen. Flug ins Ungewisse. Nix ist klar. Wenn ich die Karte nicht bekomme… bleib ich dann in Jerusalem bis ich sie bekomme? Erkämpfe ich sie mir. Flehe ich auf dem Gouvernment Pressoffice, ziehe ich weitere Empfehlungsschreiben heran, heule ich rum? Oder setze das Projekt in den Sand von Tel Aviv, Stadtstrand. Wieso ist das immer so schwer…

Wenn man in der Schlange steht beim immer und immer wieder Durchleuchten des Rucksacks des Beamers sowieso, auch beim Beobachten wie es anderen damit ergeht, ihre innerstes nach außen zu kehren, die Tascheninhalte (Wieso muss die Frau mit dem Mega-Ethno-Wickeltuch-Kopgschmuck ihre Kopfbedeckung nicht abwickeln, aber alle Halstücher müssen in die Plastikschalen? ) – denkt man irgendwann eh, man wird nie ankommen.

Hessen hinter mir reden von Second-Hand-Erfahrungen mit Israelischer Security. Eine Bekannte des einen sei mit EL-Al geflogen und habe hinterher berichtet: „Nie wieder El-Al“, die hätten ihr in die Fotze geguckt.

Das Gefühl, nie anzukommen… – auch im Flugzeug, das noch auf dem Rollfeld steht – schon weil ein Stuart aus dem Lautsprecher betont, es würde nicht mehr lange dauern, es würden nur noch ein paar Zahlen eingegeben, dann ginge es los, klingt irgendwie komisch. Was geben die denn so kurz vorher noch zahlen ein? Sie beharren auf das Abschalten aller elektronischer Gerät, da eine außergewöhnliche sehr seltene Wetterlage herrsche. ? ich seh nur einen milden Himmel und ein paar Regentropfen laufen wie Tränen an den Fenstern entlang, als das Flugzeug sich schließlich dochi n Bewegung setzt. Ein kurzer Nebenschleier, dann sind wir schon in der geheimen Sonnen-Wolkenwelt. Das war außergewöhnlich seltene Wetterlage? Dann die üblichen Durchsagen, dass es sich um einen Non-Smoking-Flight handele. Gab es jemals einen auf dem es erlaubt gewesen sei? Einen Smoking flight, in dem alle vier stunden lang vor sich hinquarzen. Irgendwo in einem Paralluniversum existieren sie vielleicht gehüllt in eine Wolke von Nikotin, unsichtbar, unerhört. Nebenfrau tauscht Platz mit anderer Frau über vier Bankreihen hin. Familien wollen zusammenbleiben. Ich sitze am Fenster. Warum habe ich immer das Glück, am Fenster zu sitzen? Leider schiebt eine Hand aus dem Hinterhalt es zu., ich habe aber noch das andere schräg vor mir zum Rausstarren. Atemberaubend, dreht sich das Flugzeug erst der Sonne zu, die rotgolden alles überstrahlt, dann nach Süd-Osten. Die Wolken kräuseln sich und sehen synthetisch aus. als Kind hatte ich eine Barbiepuppe mit üppiger Lockenpracht. Solch dicht und klumpig-kringelig, Weiter hinten ragen sie plötzlich steil wie steile Gebirgswände eines Canyons empor. Als hätte jemand mit einem Tortenheber oder Spachtel plötzlich eine Linie gezogen und die gelockten Wolken nach oben verschmiert. Vielleicht ist es doch eine seltsame Wetterlage. Alles ist seltsam heute.

Anflug auf Tel Aviv. Man sieht nicht wo das Meer in den Himmel übergeht, die Küste sieht aus als schwebe sie mitten im luftleeren Raum, eine Art Atlantis, das von sonstwo her kommt.

Handy nach dem Ankommen empfängt mich mit Tarif-Infos, seltsamerweise mit dem Grußwort:

„Willkommen in Palästina!“

 

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Reisegruppe Belgischer Amerikaner von einer christlichen Sekte in der Warteschlange bei der Passkontrolle, erst für Großfamilie beim Familientreffen gehalten. Eine Frau mit grauen Zöpfen tauscht mit mir Adressen.

 

Jerusalem City hall. Unweit des Hostels. Es ist wirklich ein Bürgergarten. Ein Flügel steht da, auf dem jeder spielen kann der will. Weiter hinten das überdimensionale Radio, an dessen Sendersuchlauf man drehen kann. Vom Himmel gefallene Dinge. Und steinerne Liegestühle mit Blick auf einen blaugefliesten Brunnen.

Virtuose spielt erst Unglaubliches, auf Rachmaninoff-Klavierkonzert-Niveau, dann plötzlich Havenu Schalom alechem /Wir bringen Frieden für alle. (dachte immer dass singt man nur in evangelischen Zeltlagern) Und Hava Nagila. Dann klingt etwas wie Smetanas Moldau. Müde erschöpft. Frau im Vorübergehen, sagt was Nettes, verstehe es aber nicht.

 

16. Oktober, Cork.

Glücklich und erschöpft nach der Eröffnung. könnte ich noch einen Tag hier sein… es wäre so schön gewesen noch zu sehen, wie alles dann “in echt” funktioniert. hatte in der letzten Zeit eigentlich nur diese Erfolge, die einem berauschen, die man aber nicht genießen kann. dennoch glücklich un derschöpft. und mit Hoffnung auf eine ruhigere Zeit hier nächstes Jahr.

PV 151019 UCC Kleist 026

Cork, 15. Okt. 2019

Jesus’ Herz schlägt immer noch nicht. ich habe alle Drähte ausgetauscht. alle Lötstellen auf und wiederzugelötet. ich habe alle Kontakte isoliert und ich staune, dass der Weihrauchartige DUnst des Lötzinns nicht längst Feueralarm in der Ausstellung ausgelöst hat. die Zeit wird knapp. nerven legen bloß wie die Drähte, die ich noch nicht isoliert habe. Hasse es, wieder um Rat zu fragen, habe es aber  eben leider nötig. Oft antworten dann Männer und fügen ein “Mäuschen” an igre Erklärung. Hast Du denn auch den Stecker in die Steckdose gesteckt, Mäuschen? Hat denn deine Batterie noch Saft? Hast Du die Leuchtdiode auch richtigrum angelötet? – die Iren sind da irgendwie anders. Sie sind total gutgelaunt und strahlen erst einmal grundsätzlich freudigen Respekt aus: wenn sie dann einen Vorschlag machen, ist er einfach nur konstruktiv, ohne diesen patriarchalen Unterton. ohne Mäuschen eben. Allerdings stellt sich heraus, dass Mäuschen tatsächlich nicht bedacht hat, dass die Richtung des STroms bei den LEDs tatsächlich durchaus relevant ist. Er fließt von plus zu minus. klar weiß man ja. Mäuschen dachte halt, weil in Irland die AUtos auch auf der anderen Seite fahren, dass das beim Strom auch so ist.

alles ist fertig, gerade so. jetzt. genau jetzt. es fehlt noch eine Kerze, eine Kerze wäre schön für die Karl Marx’sche nebelkammer. Aber ich will nicht nochmal in die Welt hinaus. alles ist gut so wie es ist.

Cork, 14. Okt. 2019

John Banville war tatsächlich im Gespräch in Sachen Nobelpreis, allerding entpuppte sich das ganze als ein gezielter STreich. jemand rief ihn an, während er bei seinem Physiotherapeuten auf der Massagebank lag. war aber nicht Stockholm, sondern jemand, der mit den geheimsten WÜnschen von Autoren zu spielen weiß. Fiese Fake-News. John Banville wiederum setzt das Gerücht ind ie Welt, ER selbst habe das Gerücht in die Welt gesetzt. cool. Ob er dennoch meine Ausstellung eröffnen wird. Immernoch besser einer den man in mit einem Nobelpreis irgendwie in Verbindung bringt, als jemand der ihn bekommt und dann  besseres zu tun hat, als die Ausstellung zu eröffnen.

wieder durchgeackert. das zusammengelötete DIng (es handelt sich quasi um das Herz von Jesus) blinkt und schlägt erst und dann wieder doch nicht. ich arbeite lang bis in die Nacht hinein. der Zimmermann heißt Paul. der IT-Mann auch. letzterer hat eine Alternative zur Lochwand im Keller der Universität gefunden, uralte Europaletten so dekorativ und mit rostigen Nägeln gespickt, dass das Manifest der kommunistischen Partei sich hervorragend daran machen wird.  es ist schon lange nicht mehr so, dass ich das gefphl habe, allein an einer Ausstellung zu arbeiten. Und einer namens WIlliam leiht mir seien Brille. sogar über Nacht! es ist besser einen ZUgang zu Jesus’ herz zu legen und zu löten wenn man etwas dabei sieht.

zauberhaftes Lokal. es ist wie durch drei Lokale gehen und plötzlich im Freien zustehen und doch in einem Lichtermeer. Efeu. Alu-Fässer. Sofas. Wärme. C. spricht von irischen Göttern. SIe haben eine die heißt Anja. oder Enya? er weiß viel wundersame Dinge zu erzählen…

Cork, 13. Okt. 2019.

der Fluß heißt Lee. überall auf den Karten und auch an den Brücken heißt es aber “The River Lee”, als gehäre die Bezeichnung Fluß zum Namen dazu.  denke an den Film “Das Mädchen Rosemarie”. nicht “Rosemarie”, sondern, das “MÄdchen….”

Der Fluß. er ist erstaunlich breit. dann wieder überraschend schmal. Wenn man sich an ihm orientieren will, geht man verloren. es dauert bis ich rausgefundne habe, dass vom breiten River Lee tausend Kanäle abgehen, die immer seltsame Wege nehmen. schöner Ire, in meinem Alter, weist mir Weg über Brücken, um mich zur Uni zurückzuführen, hat einen Bruder in frankfurt, den er bald besucht. und schon trennen sich die Wege. erstmals bedauern über sowas. die nächste Brücke führt wieder auf die andere Seite. muss wieder fragen. Scharf-spitzuge hohe Kirche. übervolle zweige einer Eberesche im Kirchhof. eher ein Garten. ein DOm. ein Schloß. darunter fließt jetzt scjwarz wieder ein Arm des Flusses Lee. Forder’s Funeral home. tiefschwarzes Wasser. Backstein-Quai, etwas wollte ich mir merken – vergessen.  ich komme spät zum Hotel. später als ich wieder gehe, um C. zu treffen, frat er mich, ob mir bei meiner gestrigen Heimkehr in der Nacht etwas aufgefallen sei am HOtel. an den rosanen Fluß gedacht. “wieso?” gefragt. weil jemand ertrunken sei, im river Lee. ein Obdachloser wahrscheinlich. man weiß es nicht genau. irgendwo, zwischen dem Rosa Licht und den DIsco-Beats, oder dem bachigen Wasser des Kanals. da wo vor dem Fensterglas ich ich meine Zitronen-Butterfische esse. Heringe sind es gewesen.Frage mich was shclimmer ist, wenn jemand aus versehen oder Verzweiflung in den River Lee stürzt.

Cork, 12. Okt. 2019

das Frühstückbüffet des Hotels bietet HOnig mit Bienenwaben drumherum. Leute fotografieren und twittern es. sitze am Fenster und starre auf den Fluß.Man kann auch von der Karte bestellen. was sind “Kippers”. bestelle sonst nicht Fische, die ich nicht kenne, aber das Wort Zitronen-Butter klingt zu verlockend. heute ist der einzig wirklich freie Tag, den ich habe. ich esse lange und schaue dem Fluß nach. heute wäre zeit alles aufzuarbeiten, was ich noch brauche. einen Film bearbeiten.  Kabel einer Installation zusammenlöten, die an der ersten zentralen Wand hängt. wichtige Dinge fehlen leider doch. Drähte zum Beispiel. Kleinen Laden ganz in der Nähe gesucht. Bus gefunden.  Zu weit gefahren. es regnet, aber C. gab mir einen Schirm. die Lötsachen in in einer Papiertüte von Easens. trotz Schirm weicht die Tüte schon auf. 10 Minuten rund um eine Kreuzung verbracht ohne den Laden zu sehen. immer zum Kino gesehen. eine Frau mit Schirm stand davor, als stamme sie selbst aus einem Cinema Noir film. wo ist der Laden? einen anderen gefunden, der mich schräg über die Kreuzung verwies, wieder sah ich den Laden nicht. hielt einer alten Frau, die helfen wollte, ratlos mein Handy samt googlemaps vor die Nase. sie wehrte ab, aber zeigte mir das Geschäft. es sah unsichtbar aud, weil die Rolläden runter waren. geschlossen.  anderes Geschäft gesucht, soll weiter weg sein. Bus aner nicht weit von hier, fährt hin. rechts? links? wenn man über die Straße will erst nach unten schauen. auf den Boden schreiben sie in weiß in welche Richtung man schauen soll, um nicht überfahren zu werden.  Sitze in einem bus mit dem ich 17 STationen fahren soll.  farge eine Frau, Frage den Fahrer nach der Station, sie kommt aber nie.  Vororte, die hoch oben lliegen, Blicke über grüne Hügel. Aussicht die der in Bertholdsdorf ähnelt. ferne Hügel auf denen Vieh weidet. der Regen hat aufgehört, es fählt sich an, als gäbe es irgendwo einen Regenbogen. ENdstation. Der Fahrer denkt lange nach dann weiß er  was schief gelaufen ist. es sei der richtige Bus, aber der in die falsche Richtung. 17 Stationen und alle die ich schon falsch gefahren bin. bin ich überhaupt noch in Cork? das einzige was mir bekannt vorkommt, ist der Baumarkt. selber Name wie der ohne Lochplatten. aber andere Filiale. ich gebe mich dem falschen Bus hin. es ist sehr entspannend. der Tag tut gut. es ist wie ein Sightseeing-Bus, nur ohne jemand der einen bequatscht. die Stadt sieht sauber aus.  das andere Ende ist öder. Fahre ich städnig in die falsche Richtung, weil die Busse von der falschen seit aus losfahren? E sist das slebe wie mit Israel. da fahre ich imme rin die falsche Richtung weil die Schrift von rechts nach links geht. irgendwas ist immer falschherum. große breite Straße die durch ein Industriegebiet geht. Macdonalds rechts. Deutsches Küchenstudio links. Laura Ashly-outlet. wieder ein WOodies! diesmal der von gestern! Und C. sagte, hier führe kein Bus hin! der Alden den ich suche heiß Callahen’S ELectronics. er ist kurz vor einer AUtonbahn-Brücke. es ist fast vier Uhr nachmittags. wie konnte ich denken, dies sei der entspannteste Tag? Callahen’s entpuppt sich nicht als irischer Conrad, sondern eher ein LAden in dem man eine Waschmaschine kaufen kann. einzelne Drähte oder gar mini-Laitsprecher-Komponeneten oder LEDs gibt es nicht. Verkäufer weist mich aber darauf hin dass ich wahrscheinlich eh in einen anderen Laden wollte namens  vergessen. er klang genauso wie Callaghans. der Callahans-Mann schickt mich zu O’Callahens und schriebt den Namen in schöner Handschrift auf. es sei nicht weit, aber um 16 Uhr seien die schon zu. Aus Verzweiflung gehe ich zu Mcdonalds,  kaufe aber noch Telefonkabel. wenn man es aufschlitzt kann man es ausschlachten und die einzelnen Kabelstränge verwenden. Und zu Woodies gehe ich auch und kaufe sehr sehr viel. das meiste aber nicht nur aus Frust, sondern auch weil der nächste Bus erst in 40 Minuen geht. auch er geht von der anderen Seite ab als der, die ich denke. ich sitze in dem Bushäuscen und zeihe das neu werwobene Cuttermesse und schlitze das Callghan-Kabel der länge nach auf. ein Kind, das aus einer Gartenhecke lugt betrachtet mich ängstlich.

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Jener John Banville, der meine Ausstellung eröffnen soll, sei für den Nobelpreis für Literatur vorgeschlagen, heißt es! kann das wahr sein? kommt der dann wirklich? ist ja schon eine Ehre, so was!

Cork, 11. Okt. 2019

Noch keine Zeit für Spa. Langer Abend. ZU früh am verabredeten Ort. St. Patrick’s Key, Brücke. Dämmerung. Wird kalt. Zu wenig Zeit für ein Bier irgendwo vorab. Zum eigentlichen Restaurant will ich noch nicht. Es ist schön jemand in der Stadt zu treffen. Betrachte Schaufenster. Irish Pubs. Randvoll. Kleines Theater oder Cabaret, Glühbirnen umrankt. Handarbeitsladen mit gehäkelter Blaumeise, die aussieht wie ausgestopft. Wäre alternative zu dem Vogel der an eine Wand soll, jener Wand die den Titel hat „How to deal with loss“ . ich hasse ausgestopfte Vögel, aber einer würde sich gut machen neben den leuchtenden Fake-Mumien aus Holz Papier und meinem in tee gebadeten alten Kopfkissen-Bezug. Auf den Treppen gesessen vor einer Sprachschule. Angefangen ein Buch zu lesen von John Banville, der Schriftsteller, der die Ausstellung eröffnen wird. Es scheint eine weit größere Sache zu werden als damals vor zwei Jahren. Fühle mich all dem gerade nicht recht gewachsen. Wäre auch gut, das Buch gelesen zu haben vielleicht. Es heißt „The sea“ und dem Cover nach, sieht es aus wie eine leilchte Lektüre. Festgestellt, dass mein Englisch in den letzten Jahren zwar dank viele Fenrsehserien-Im-Original-Sehens gut geworden ist, aber eher auf Netflix-Niveau. Das Buch übt einen gewissen Sog aus, lese schnell, aber verstehe nicht viel. Es sind faszinierende aber mir unbekannte Worte darin. I’m Drawning in words and language. Schaffe nur zwei Seiten. Die Kälte. Die Erschöpfung. noch nicht um Spa gewesen. Da kommt C….

Kenne ihn nun seit längerem nur so korrekt gekleidet hinter seinem Schreibtisch, aber es ist schon klar, dass er nicht der typische Archivar-Leiter ist. AUs dem Norden ist er. Und da seien alle Rebellen. Dabei fällt mir ein dass ich meinem SOhn eine Reise zum Set von Game of Thrones hatte schenken wollen zum Geburtstag, aber er kam dann gar nicht nach Berlin, als dass ich ihm eine Reise nach NordirIirland hätte schenken können.

schöner Abend. als ich zum Hotel kam leuchtete der dunke Fluß rosa, weil irgend ein Event stattfand. Müde. wieder das straffe Bett,

Cork, 10. Okt.

Auf den Zäunen und Steinmauern sitzen vereinzelte Raben. sehen aus wie Dekoration, sind aber echt. die kleinen Reihenhäuser, hell, bunt, alt, freundlich. Luvly! warum sehen in Deutschland solchen Häuser immer langweilig und einztönig aus? hier malt jeder seins an wie er will (in Absprache mit den Nachbarn, sagt C. prächtig und persönlich. Selbst die etwas angeschlagenen und rissigen sehen nett aus. einer malt seins knallrot an, einer mintfarben, der übernächste gar nicht, über ein anderes kriecht Efeu. Passt. Und auf den Sockeln der Gartenmauern sitzen die Vögel. Universitätsgelände, der große Park. C. hatte gewarnt, dass die Bibliothek zur zeit schwererreichbar ist, man müsse Umwege gehen, die er mich aber nicht sagt, weil es einfacher sei, zu fragen. Studentinnen gefolgt, die Geheimwege zu kennen scheinen. Kleine Kanäle, schmale Treppen, überbordendes Gebüsch. Sprühregen zart wie aus einem Wasserzerstäuber es beginnt alles gut. es wirkt alles so gesund. freundlich. Die grün blinkenden Apothekenkreuze… wirken in Irland noch grüner. Fahrt mit C, im Auto zum Baumarkt. Auf der Straße oberhalb des College-Parks übt ein älterer Mann Fahrradfahren auf der Kreuzung. Möglicherweise e-bike.

Baumarkt, etwas außerhalb. C. hat wenig Zeit. Qualvoll, durch Baumärkte zu rasen ohne Zeit. Lötkolben gegriffen in Eile. eigentliches Ziel war, weiße Lochplatten zu kaufen. die gibt es aber nicht. Lötkolben eigentlich auch nicht, dann aber doch. auf dem Rückweg zur Ausstellung den Mann wiedergesehen auf dem Rad, kurvte immer noch um den Block

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nachmittags kurze Pause. Cafeteria der Glucksman Galerie. hier hatten wir damals ausgestellt, vor zwei Jahren. Etwas Wehmütig, weil es eben doch schöner war, gemeinsam mit jemand eine Sache zu entwickeln; vermisse das “Zusammenarbeiten”. im Glasraum gestanden, in dem die erste Ausstellung damals entstand. Beton und Glasfront. Die Glucksman Galerie steht im Park wie auf einer Insel im Grünen. man geht über eine Brücke und läuft direkt in den gläsernen Raum hinein und sieht auf noch mehr grün, denn auch die Rückwand ist aus Glas. hier schwebt man. Wehmut, auch weil er leer ist und man sofort die eigenen Sachen wieder an den Wänden heraufbeschwört.

         [„…Vorbei verjährt doch nimmer vergessen. Ich reise alles was lange währt ist leise…“}

Der neue Ausstellungsort aber ist lebendiger, ein klassischer white cube in dem man sich herrlich verschachteln kann in all die Konstruktionen aus Papier, in Tinte, in alten Schachteln mit Drähten darin, die Töne von sich geben, flackern oder flimmern. Telephonleitungen in die Unterwelt

Linsensuppe. Ingwertee. Neben der schweren Glas und Beton-Schiebe-Tür gesessen, die alle Nase lang jemand auftat, um eine zu rauchen. meistens nicht zu, weil wirklich schwer. Zug. fühle Erkältung schlimmer werden. Hotel hat Saune und Spa.

 

Irland, 9. Oktober

Hatte damit gerechnet, dass die Flughafen-Security in Berlin die mühsam gepackten Koffer  auseinandernimmt. Fast alle Ausstellungsobjekte sehen aus wie Bomben und Sprengsätze eines ANfängers. Zur Seite winkt man mich dann einzig, wegen dem Inhahlt meiner Bauchtasche, die ich völlig vergessen hatte. Der Taschengrill wird begutachtet und der Letherman einkassiert. Der Polizist entschuldigt sich dafür. HÄtte ihn mir per Post geschickt, das hätte aber 9 Euro gekostet! den taschengrill darf ich dann doch mitnehmen.

Flughafen in Kerry… noch kleiner als der in Saarbrücken. Und er sieht aus wie ein altes Kino. Frau im Hotel an der Rezeption erzählt entzückt, der Flugjafen sei so winzig und übersichtlich, dass man auch noch nach dem Sicherheitscheck nochmal an die frische Luft darf, wenn man eine rauchen will. es seien eh nur ein paar Schritte. Nachfahrt im Auto nach Cork. Der blinkende Mittelstreifen auf der kleinen kurvenreichen Straße. die AUtos die entgegenkommen lassen einen erstarren.

BIn sehr erledigt und hatte keine Zeit zu essen. es ist das erste Mal, dass ich richtig abgeholt und sogar zum Hotel gefahren werde. Und es ist nicht Sheilas Place oder das HOstel in der Whisky-Destille mit sieben schnarchenden Kerlen im Zimmer! Gigantisches Doppelzimmer und Bad mit Badewanne und Dusche. EIn MOnitor und Fernseher begrüßt mich namentlich. ich falle ins Bett. Schaffe es sogar noch mich unter die straffgespannte Bettdecke zu zwängen und schlafe sofort ein.

Berlin, 8. Oktober.

Die sprechende Waage des Ex-Freundes, die mich früher immer ignoriert hat, ausgeliehen. Seltsamerweise hört sie nun nicht auf zu quasseln. Übereifrig. Sie sei “bereit”, stehe zur Verfügung. Koffer wiegen 19,96 kg und 20,00 kg.

Abends letzte Lötarbeiten bei L. Irgendwie macht L. alles selber, was ich machen will. selegiert aber blöde AUfgaben wie Aluminium sägen. Bekomme ALuminiumstaub in die Augen. Nachts spät heim. Und Schlüssel vergessen. Verzweifelt und müde. WIe kam ich in die WOhnung. Unbeschreibbar.

hatte am Ende der Nacht nochmal vergleichen wollen, ob die Rost -und die sprechene Waage übereinstimmen, leider fiel der Koffer um und etwas zerbrach.

Will ich wissen was?

Berlin, 7. Oktober

Seit Tagen versuche ich meine Koffer zu packen für die Ausstellung in Irland.

2 x 20 Kilo. woher wissen wieviel das ist. Mitbwohner will Waage kaufen, weil er ähnliches Problem hat, leider nimmt er die Waage mit auf seine Reise, bevor ich sie benutzen kann. Uralte Zieh-waage, eher ein rostiger Haken mit noch rostigerer Feder sagt mal mehr mal weniger. diese Ausstellung wird eh immer komplizierter.

Auch weil die alles vorher wissen wollen. wie in Auftrag geben DInge zu kaufen deren ENglischen Namen ich nicht kenne. Google Translate hilft auch nichts, da Deutscher Fachbegriff ebenfalls in meinem Wortschatz fehlt. die STifte in Klappscharnieren… heißen die so? ich bezeichne sie auch zuweilen als “Buppsel”

Berlin, Anfang Oktober.

Der Staub der Stadt – oder meines Kellers – hat mich umgehauen. Und die NÄchte sind schon kalt. war so lange nicht krank. wieso gerade jetzt. Schwer zu ertragen, die letzten schönen Spätsommertage verpasst zu haben. die nach hinten verschobene Ausstellung  in Irland hat mich durcheinandergebracht. bin wie blockiert und offnsichtlich nicht mehr multitask. Müdes Husten. Wäre gerne wieder anderswo. Ansbach beispielsweise lädt ein: Gerichtstermin wegen der Führerschein-Sache. Kann aber eh nicht hin. Ach Mann, dann zahle ich das halt.

 

Immer noch September, aber schon später.

Bertholdsdorf.

Es wäre der Neuanfang, den ich so gerne hätte. die Zeit hat wieder nicht gereicht. nur für drei Tage. Noch ist das Haus fremd. ich muss mein Hirn zusammenhalten, dass ich keine Fehle rmach. wo hin  kommt was? was  geht und was nicht.  es ist kalt. man könnte alles warm machen, aber vielleickz wohnt es nicht für drei Tage…? das Buch schreiben wird wohl erst nächstes Jahr stattfinden. egal. kann grad nur immer  so weit planen wie meien NAsenspitze aus dem Fenster reicht. es ist schon Ende September und es ist alles lange her. viel passiert. Mein Drehbuch hat eine Filmproduktion und einen Sender gefunden, ich müsste stolz sein. Meine Ausstellung in Irland steht bevor. Ich müsste  in die Luft gehen vor Ärger, weil die Iren offensichtlich keine Termin kalender besitzen. und EMails nie lesen und  und und… – aber es sind Iren und wer würde nicht heimlich wünschen, Irisch zu sein??? – Irland im Herbst. WIndsbach im Herbst. warum will ich immer da sein wo ich icht bin? – in diesem Falle also Betholdsdorf. es ist nicht weit von Windsbach. das Haus birgt Rätsel. Dinge in ihm, die mich eigentlich nichts angehen, aber die mich doch eben sehr an meine eigene Oma erinnern, erinnern mich an andere Zeiten. 

Nicht die Heizdecke benutzen! Miene Freundin A. warnte bereits. und ihc weiß es ja selbst. man will WÄrme, aber diese Drähte, versteckt un din watte verpackt, das taugt ja doh nicht wirklich. weil eigentlich will man ja andere WÄrme. egal. Rosa Bettwäsche gekauft und einen Mantel… – ich hätt ihn nicht gekauft, wenn er nicht wirklich der Mantel aller Mäntel gewesen wäre.

Das Haus in der letzen Spätsommer-SOnne. im Innenhof. man muss wandern um sie zu spüren. Viel Stein.  viel Ruhe. 

Im WOhnzimmer,  die Schrankwand. genau wie die meiner eienen Oma aus Bad Kissingen. einmal sagtfe sie mir, ich könne mir eine ihrer Schallplatten aussuchen, eine, die in der Schrankwand  im Fach Scheibe für Scheibe standen in Quadratischen Papphüllen… –  als Geschenk. Ich war acht JAhre. Und wählte eine auf der Fritz Wunderlich drauf war. ich hatte aber gedacht, das sei Hans Rosenthal. ich dachte die platte handele von der Quiz-Sendung “Dalli-Dalli”!  so kann man irren. Was dachte ich denn? dass Quiz-Shows der 70er-Jahre im SOundformat funktionieren? Ich hab einfach kein gutes Gespüt für Gesichter. das ist nichts schlimmes. eine sachte leise neurologishe STörung. wo ist die Plate jetzt?

Seltsamer und durch und durch unlogischer Gedanke, die Platte könne sich in der Schrankwand der mir fremden Oma befinden.  Natürlich ist es nicht so. aber eine rote Wachmalkreise findet sich in der Küche. auch die könnte mit mir was zu tun haben. Das Bett ist ein Paradies. das Rosarot der Fundgrube tut das seine. ich würde hier bleiben. aber ich muss es mir hinter die Ohren schrieben: nicht die Heizdecke benutzen.

Nachts Geräusche aus dem Keller  – es ist ein schöner Keller… – ein freundlicher… Erdkröte blickte mich verwundert an, als ich den Geräuschen nachging. eine Maschine unten – wohl zur ENtwässeurng. es ist als würde etwas in Gang gesetzt. einfach so. nur weil ich da bin?oder sonst auch?

nochmal Fundgrube. Mantel entdeckt. kann man das tragen? es ist aus der Fundgrube! Jaaaaaa natürlich. der Mantel ist grau, aber der Schnitt ist  super. und man kann ihn eper Reißverschluß horizontal und vertikal  trennen. dann hat man eine Jacke und etwas wie einen nicht ganz schließenden langen Rock. das DIng ist unglaublich. Auch ist die Fundgrube hilfreich wenn man sich einrichten will. was ist der Inbegriff vn “Eingerichtet-Sein”?  Bettwäsche? Knäckebrot? eine Nachttischampe von Ikea, Modell Lampan? der warme Mantel? — Betrachtet im Schrankspiegel auf dem Dachboden. ein schöner Schrank. noch älter. so einen wiederum habe ich in Berlin. Innen sind Chenikalien und Laborgeräte. Und wieder ploppen die Erinnerung auf. Früher… – sehr lange her, war ich mal “die mit dem Chemie-Labor im Garetnschuppen”. Träume eaus denen nichts wurde: Chemie studieren. Ach was: radioaktive Elemente entdecken. hat nicht geklappt. Egal. es gibt ja auch schon genug Radioaktiviät af der Welt.fühle mich dennoch angekommen hier. ein fremdes Haus, das sich mir öffnet. Danke!!!!

schöne Träume. lange geschlafen. das ist selten, dass ich so lange schlafe. aber ich sagte es ja schon: es ist ein paradies. und es ist rosa.

Betroldsdorf. anderer Tag

Ich war hier schon mal.

Es war vor zwei Jahren bei einer Fahrradtour mit den Hubers von Windsbach nach Heilsbronn. Ich erinnere mich an ein Haus noch vor Bertholdsdorf, ein Schild sagte, dort wohne der „letzte Künstler vor der Autobahn“. Ich wußte wieder nicht welche Autobahn. Hatte gerade das Gefühl gehabt, irgendwo zu sein jenseits der Autobahnen. Dann kam Bertholdsdorf, auf dann ab, eine Kirche,, dann ein Gaststätte, weiß und ein Biergärtchen dahinter. Ich wolte mir den Namen des Ortes merken, weil das Lokal so schon aussah, schlicht und einfach und idyllisch. Kein großes Wochenendziel, aber eben der Dorfgeasthof schlechthin. Ich merkte mir den Namen des Orte, vergaß aber den Biergarten. Nie da gewesen. Jetzt beim ersten Spaziergang durch den Ort, habe ich ihn wieder entdeckt. Die Sonne kam raus. Der hohe terrassenartige Berghang gegenüber der Straße. Schafe, Lämmer, Ziegen? Nachmittagssonne. Die Straße entlang. Auf einem Straßenschild ist eine Katze gemalt. Von der anderen Siete ist der Kopf abgeblättert, die Katze sieht aus wie ein heulende Wolf. Baumhohe Sonnenblumen, der Hahn auf dem Gemeindehaus. Die alte Mauer, die einem nach oben zieht. Kirche. Solide. Dunkles Gebänk. Noch dunklere Ölgemälde eines Altar-Triptichons. Petrus blickt aus dem linken Flügel, als wäre dieser gerade überraschenderweise aufgeklappt worden jesus am Kreuz in der Mitte, sehr erhaben als führe er mitsamt dem Kreuz gen Himmel schon bald, Maria in seltsam ungläubiger Trauer. Dunkel. Mir fällt kein anderes Wort an. Nicht Finster, nicht düster. Der Rest der Kirche aber doch hell. Hell ist auch wieder falsch. Man könnte sich fromme Leute aus dem Biedermaier in den Bänken sitzend vorstellen. Frauen mint hochgeschlossen, schlichten Kleidern und straffem Haar. Männer mit Bärten. Der Himmel der Kirche in Pastellton, zarten grünen Pflanzen. Gehegt, gepflegt, nicht aus heiterstem, aber freundlichen Himmel hängt ein Kronleuchter an schweren (und wieder dunklen) Ketten. Es ist keine leichte Kirche. Aber sie ist freundich. Buntes Glas in den Fenstern, kein tiefblaues, rubinrotes, sterngelbes, sondern solches das aussieht wie beinahe durchsichtig gelutschte Bonbons. Lutscher aus dem Glas das beim Ilios neben der Tür steht. Die Kirche ist nicht farbenprächtig, aber sie ist freundlich. Es gib die dieseitige Welt hinter der Scheibe. Und sie sieht schön aus. Zurückgegangen. Am Ende des Ortes ( von mir aus gesehen am Anfang) ist ein Spielplatz mit Bank und Tisch Tee getrunken aus dem Thermosbecher. Jemand fährt Holzstämme und grüßt. Hier schreibe ich jetzt. Bertholdsdorf. Hier wohne ich jetzt.

Der Wanderzirkus ist müde. Kein Zelt. Dach über dem Kopf. Ein neuer Ort.

Anfang September

A weng a Gschmarree is immer schee… – vergessen wer es gesagt hat.

die letzten Nächte im Zelt. Es wäre der Tag, an dem wir eine weitere Aufführung „Bilderstürme / Samson“ gespielt hätten. Geld war aber alle und ich bin zu ausgepowert, das zu stemmen. Stattdessen ein Treffen aller Mitwirkenden zum Grillen. Gottesruh. Wetter nicht so gut. Könnte aber auch schlechter sein.

Als wir alles eingekauft und aufgebaut hatten (außer dem 4 Euro-TAschengrill habe ich auch einen für 2 Euro im Werkhof Dettelsau erworben), kommt 20köpfige schwäbische Wandergruppe und will einkehren. Bier gegen Spende. Fängt gut an.

Geharktes Laub, nicht ganz trocken, vor der Gottesruh in der Grillschale verbrannt. Der Qualm zieht ins Innere der Kapelle. Es riecht katholisch. Fast wie Weihrauch.

Später riecht es nach Schweinebauch, aber irgendwie auch heilig. Gesegneter Mahlzeit.

Grillen und Feuer in der Grillschale vor Gottesruh. lange Tafel von Bierbänken. Glücklich. spät in die Nach, fast alle da.  Der einzige, der den Taschengrill auf Anhieb zu öffnen weiß, ist der Peter H.

Windsbach, 7. September

noch kältere Nacht. Frühstück mit S. und K. im Kantorenhof. Laub-Rechen, Flaschen wegbringen. Gerade als ich gehen wollte, kamen Leute auf Rädern, die die Kapelle ansehen wollen. Kann nicht widerstehen doch noch zu warten, was die Leute sagen. Waren aus Erlangen gekommen, extra um die Gottesruh zu sehen. Kleine Kapellenführung. Erst spät kommt im Gespräch raus, dass es Leute waren, die uns auf dem Festival in E. Hatten spielen sehen. Hatte ihnen Postkarten gegeben und weil sie es zur Vorstellung nicht geschafft hatten, kamen sie stattdesen jetzt. Ehepaar 25jährigen Hochzeitstag, mit Sohn und Tochter. Und kommen von Erlangen nach Windsbach. Und gerade an dem Tag bin ich gerade noch da! Unglaublich! Gerührt und doch wieder voller Mut. Der Wanderzirkus ist vielleicht nicht einheimisch, aber schlägt seine Heringe in den Boden und fasst Fuß immer zur rechten Zeit. Es ist schon was wert! Und es muss für was gut sein.

Ende August, Grasbrunn

die sachte Windung, pechschwarz und glänzend, sah erst aus wie ein länglicher Flicken Teer, aber bewegte sich dann und glitt dahin. vielleicht nicht mehr rechtzeitig. lange keine Ringelnatter mehr gesehen, der Vater sah sie, die Mutter am Steuer nicht.

Sonnenblumen am Rande der Felder sehen aus als schämten sie sich.

Ende August Berlin – Tharandt – Niderschlag

Autobahn, nicht die A9,  irgendwo  Höhe Spreewald entgleisen die Striche am Boden. die unterbrochenen markierungen haben mal Schlag nach links, mal nach rechts. beginnen gerade, aber rutschen dann weg. vielleicht fuhr einer das Mal-Fahrzeug in Volltrunkenheit? oder ein lehrling fuhr und der Verantwortliche Ausbilder schrie ihn (über eine Fahrstrecke von vielen Kilometern hinweg ) an, was den Azubi immer mehr aus der Fassung gebracht haben muss. Oder er war allein un dglückselig und hörte Walzermusik.

Die Reise nach München diesmal über Dresden. Wollte durch Tschechien fahren, aber wußte nicht, dass Mautstraßen teuer. Hin-Und-Her-Geiere im Grenzgebit. Vorher Tharandt, Überlege dort zu halten, weil Stadtname vertraut aus Kleists Brief aus einer Serie von unzumutbaren Briefen an seine Verlobte, als Kleist eine Reise nach Würzburg tat, von der keiner weiß warum und zu welchem Zweck. Wilde Theorien kursieren. Vielleicht wollte er aber auch einfach nur mal nach Würzburg. Oder weg von der Verlobten. Er hatte eben jener Verlobten geschrieben, in dem schönen Tale von Tharandt gäbe es so schöne Frauen. Arsch! Die Stadt ist schön. Das Tal schlängelt sich dahin. Schieferdachhäuser wie aus einer Modelleisenbahnstadt. Hohe Tannen. Eine Burg? Ein Schloß weiter oben. Das erste private SPielzeugmuseum. Vielleicht gibt es dort Modelleisenbahnstädte wie eben diese und darin ein Spielzeugmuseum mit einer Modelleisenbahnstadt… und russische Puppen. „Siehe, die Welt kommt mir vor wie eingeschachtelt…. das kleine ist dem Großen ähnlich…“ (ein weiteres Kleist-Brief-Zitat, aber ein aus einer schöneren Serie von Briefen, nicht an Frauen.). In Tharanbdt gibt es auch eine Motorradwerkstatt vor der nur Motorräder parken dürfen, all anderen Fahrzeuge würden umgekippt, besagt ein Schild. Auch die Werktatt sieht aus wie ein Spielzeug-Häuschen. Steige umständlich ab, beobachtet von einem älteren Mann. Der mir erst als ich abgestiegen bin und in den Hof gehen will, sagt, dass der Werkstattmann nicht da sei.

Hätte gerne Öl nachfüllen lassen. Habe immer Angst, es zu vergessen. Im schönen Tale von Tharandt hätte ich es gerne getan / tun lassen. Stattdessen ins Schillereck. Sitze vor dem Lokal und esse Hirschgulaschsuppe und gebackene Apfelringe. Es wird kalt. Wenn ich es heute nicht bis München schaffe, bräuchte ich einen besseren Schlafsack. Kein Baumarkt, kein Sportgeschäft auf dem Weg. Wegbeschreibung der Schillerecks-Wirtin um wenigstens Tankstelle zu finden und in richtung Autobahn zu kommen. Leider in die entgegengesetzte Richtung gefahren; weitergefahren in falsche Richtung, dann in richtige, in einer Stadt, die ein Mann aussprach, als hieße sie „Dipsch“, aber in Wirklichkeit möglicherweise Dippoldiswalde heißt. (vielleicht aber doch falsch gefahren und „Dippsch“ ist einfach ganz woanders. Hinter Dippsch dann lange weiter richtig gefahren bis ich nach 35 km an einer Stadt herauskam, von der es nur 8 km bis Dippoldiswalde waren. Irgendwo sind Fehler passiert. Dafür Kurven-Fahren geübt. Rauf und runter und dann eben wieder rauf. Im Fichtelgebirge gelandet. Schön. Sehr schön. Leider kein Schlafsack. Zelten daher ausgeschlossen

Altes Schulgebäude, jetzt Pension im „Gebirge“, angeblich höchst gelegener Ort Deutschlands, über 800m. Aber wahrscheinlich vergaß Wikipedia, daß es Bayern gibt. Niederschlag bei Oberwiesenthal. Nicht Regen in O. sondern die Stadt heißt so. wollte sie googlen, um zu wissen, was es mit der Stadt auf sich hat, aber es kamen immer nur Wetter.com.Updates.

Berlin, August

Die immer noch offene Straße vor meiner Haustür. Kein Ende. In der Zwischenzeit ist die Straße von Windsbach nach Ismansdorf und sonst wohin bis in alle Ferne längst fertig gestellt – in meiner Staße in Berlin geht nichts voran. Oder aber es geght voran, aber sobald eine Arbeiterkolonne die Straße zugemacht hat, darf die nächste die wieder aufreißen. Offensichtlich wollen sehr viele Bauarbeitertruppen eben diese eine besondere Straße aufreißen. Vielleicht ist es eine Modellstraße an der viele lernen? Ich habe mich an die Pflastersteinhaufen gwöhnt, ihre bläuliche spielgelglatte Oberfläche ist nichts gegen ihre anderen Seiten, als hätten Kinderhände Monster und Planeten hineingezeichnet. Vielleicht aber gehen ganz einfach andere Dinge voran, die ebenfalls wichtig sind, insgeheime, unterirdische.

Über manche Baulöcher ist beinahe Gras gewachsen. Jedenfalls an den Rändern. Der Bauarbeiter im Loch zwischen Mohn und hohen Gräsern, sieht aus wie ein Gärtner. Oder ein Totengräber in einem ungewöhnlichen Friedhof.

Filmproduktionsfirma-Findungsprozess. Licht am Ende des Tunnels. Drehbuchförderungsrate retten. Die Ausstellung für Irland auf den Weg bringen. Kommunikations-Störungen,  die Kuratorin meldet sich nie. weißglut. No-response das ist irgendwie das schlimmste, wenn Leute nix sagen.   oder: dann alles auf einmal sagen. August-Sonnenabende. Die Stadt in der Hitze ist schön. Balkon über dem Jelängerjelieber mit K und L. Die K. ist wie eine Anstandsdame. Sie weiß das aber nicht. Sehr gut alles so. Späte Nacht. Ausflüge mit L.? Tagsüber dann doch die Lust, sich zu verkriechen und nichts zu tun als Schreiben. Zimmer ausgemistet. Hasenheide mit der Holländischen Schauspielerin E. Erzählt absurde Männergeschichten mehrerer Frauen in ihrer Familie (in unterschiedlichen Generationen) die alle inclusive sie selbst Affären gehabt hatten mit deutschen Männern namens Schulze (– oder war es ein anderer Name? Kunze? Krause?) – Den Tatbestand entdeckt bei der Lektüre der Tagebücher ihrer Mutter und Tante; hatte dann herausfinden wollen, ob es sich zufällig um die Schulzes/Kunzes/Krauses aus ein und der selben Familie handele. Ihr persönlicher Schulzes/Kunzes/Krauses und einziger Ansprechpartner in dieser Sache, habe aber nichts von dieser Recherche wissen wollen, weil „die Vergangenhheit halt die Vergangenheit ist“. Schluß aus. Später stellte sich aber raus, dass er selbst einen biographischen Roman geschrieben hat, voll von Vergangenem. Eben auch mit Bezug auf die Affäre mit der E. Die aber ihrerseits auf äußerst taktvolle Weise beendet worden war. Vergleichsweise andere Sicht des Affairenendes im Roman des Schulze/Kunze/Krause, der dachte, sein zu großes Gemächt sei der Grund gewesen. Sehr lustig wie die Wahrnehmung der Vergangenheit von Männer wie (nicht nur) Schulzes/Kunzes/Krauses variiert von der weiblichen Sicht. Andererseits passiert eben genau dies, wenn Frauen zu taktvoll sind und die Dinge nicht beim namen nennen. Egal. Viel gelacht. Wenig gegessen. E. ißt ein Müsli mit Joghurt vom Frühstücks-Büffet und vergisst mehr zu bestellen. Hinterher festgestellt, dass sie trotz nur Müsli doch gesamten Büffet-Preis zahlen muss. Last-Minute-Essen-Fassen bevor sie zum Zug muss. Käsekuchen. Viel Käsekuchen. Schön sie wiederzusehen. Sie hüpft hinein in die Szenerie und schon ist sie wieder verschwunden. So wie in der Schulze/Kunze/Krause-Sache. Ob sie ihren Zug bekommen hat? Die Gefahr, dass sie in den falschen steigt, besteht immer. Sie ist die einzige Person die ich kenne, der ich auch zutraue 50 km zu verfahren zwischen Windsbach und Untereschenbach.

Ausstellung-Sachen in Ordnung gebracht. Flohmarkt-Kauf Lötkolben funktioniert. Die Aufregung, wenn die Lämpchen am Ende der Drähte wirklich und wahrhaftig aufleuchten. Töne von sich geben.

Flohmarkt Boxhagener Platz. Mütze für Jamal gekauft. Er kann sie tragen auf der Bühne als Hemingways „alter Mann“, es ist aber auch genau eine solche wie er immer selbst getragen un dann verloren hat. Seine Frau hatte mir den Auftrag gegeben, eine solche wieder zu finden, in Gaza würde sie keine solche finden. Guter Fang. Auch sonst. Innereien von alten Scheinwerfern. Ein Halstuch, eben die Mütze. Und ein eine kleine metallene Schachtel, die sich zum Taschengrill umfalten läßt. Drinnen noch etwas, das aussah wie Drogen, aber sich herauskristallisierte als Brennstoff in einem Plastiktütchen beschriftet mit „VEB sonstwo“.

Erbeer-Spinat-Mascapone-Torte mit Uta. Insgeheim gehofft, sie, die Torte möge nicht nach Spinat schmecken, dann doch enttäuscht, weil sie auch sonst nach nichts schmeckte.

11. August, Abenberg

Aufgewacht weil Billy an der Tür des Schlafhauses klopft. Er hat den ADAC-Mann mit, der soll JETZT den Spiegel reparieren. Panische Aktion. Übergeworfenes Kleid von gestern., die Schuhe verkehrt herum angezogen. Aus dem Schlaf gerissen hatten sie mich nicht, aber aus dem Schreiben, fast das selbe, weil in anderer Welt unterwegs. fast ein noch fragilerer Moment, um mit dem falschen Fuß aus dem Bett zu steigen und in den Tag katapultiert zu werden. Später stellt sich heraus, dass es dem ADAC-Mann nicht anders ergangen ist. Es ist kein offizieller Ruf eines gelben Engels, sondern eben ein Wachrütteln des Nachbarn enefalls aus heiterstem Himmel. Er ist aber nett, scheint kein Problem damit zu haben. Ich verbringe den vormittag mit ihm in seinem Garten und hole Frühstück, das allerdings spärlich ausfällt, weil der Bäcker in Abenberg Urlaub hat und der gerühmte EDEKA alles hat, nur leider keine frischen Brötchen (aber Müller-Knickjoghurt im Angebot für nur 29 Cent – allerdings mit Verfallsdatum Juli) und bis in die Tischgebet-Bäckerei schien es mir zu weit. Wilde Gewächshäuser, Enten, die wie Gänse aussehen, Geschenk eines alten Fachwerkholz-Nagels. Wundervolle Geschichten gehört aus dem ADAC-Erfahrungsschatz. Einmal musste er zwei Motorradfahrer auf einer Raststätte abholen weils regnete standen die Räder unter der Überdachung der Toiletten. Gefragt nach dem Problem, sagte der eine, bei Regen ginge seine Maschine immer aus. Der andere sagte, bei seiner sei es das gleiche. Es sei ein bekanntes Problem. Abgeschleppt werden wollten sie (Von Mittelfranken ) bis nach Düsseldorf, weil da hatte der Ausflug eh hingehen sollen. Aber nur bei schönem Wetter.

[…]

10. August, Abenberg

Sie füttert die Hühner des Nachbarn in dem sie Salatblätter von der Burgmauer herab in den Garten des Nachbarn fallen läßt. Schon ist alles voller Hühner und einem Hasen. Von oben sehen sie aus wie ein fliegender Flickenteppich. Sie wirft auch Brot, die Hühner erschrecken kurz, ihr heiseres stimmbändergezerrtes Gurren bleibt ihnen für den Bruchteil einer Sekunde im Hals stecken, dann sind sie noch aufgeregter. Es muss eine Art Schlaraffenland-Wunder sein: Feinkost fällt aus heiterstem Himmel.

Überall war heut heiterer Himmel. In der Regentonne spiegelt sich die Satelitenschüssel, und die Wolken darüber. Darunter. Wenn man die Tonne antippt vibriert die Schüssel und wird zum Raumschiff. Billy sagt: es sieht aus wie wenn ein Klingonisches Schiff die Tarnvorrichtung aktiviert, der Raum verkrümmt sich, das Schiff verschwindet. In diesem Fall in der Regentonne in Billy und Danas Gästehaus. Das Haus ist ein kleines Wunder. Ein halbes Jahr lang Museum, das andere Unterkunft. Es ist auch ein Arbeitsaufenthalt. Texte illustrieren. Ersatz-Welten bauen. In den Nischen Dinge finden, die sich umfunktionieren lassen zu einem Spaziergang durch den Weltraum. Es wird Abend. Es gibt nichts, absolut nichts in diesem Haus, was nicht schön ist.

Abends ruft B. den ADAC, weil er keinen Schraubenschlüssel hat um den Spiegel meines Motorrads festzuschrauben. Versuch, die abzuwehren. Der ADAC hat genug getan in der letzten Zeit (einmal hätte er mich beinahe überfahren, aber ansonsten…). Das darf man nicht überstrapazieren. Offensichtlich ist es wohl aber ein Witz. Der ADAC ist der Nachbar. Der mit den Hühnern. Ich beharre darauf, dass es nicht eilt. Nicht kommen! D,. findet eine Kneifzange. Mit der wird es auch gehen.

9. August, Abenberg

Die Stadt ist noch mehr als Windsbach eine Auf-Und-Ab-Stadt. Freilich eine Burghoch oben… egal wo man ist in der Stadt, immer wenn man empor sieht, ist da diese Burg…Der Gang zur Pizzeria. Zu welcher? Eine ist näher, die andere angeblich besser. Ein alter Mann mit leuchtenden Augen – wirkt wie ein Lehrer oder Stadtführer, ist aber Standesbeamte. Gespräch über moralische Verantwortung von Standesbeamten, hat innovative Ansichten was sein Brufsstand abgesehen von „Willst Du…?) noch so fragen könnte, um zu prüfen ob es die Kunden ernst meinen. Dachte an den Hüdi, der sagte bei 90% aller Hochzeiten, die er ausrichtet gehe die Ehe eh wieder in die Brüche. (dass der das so dagt! Er braucht ein besseres Marketing, der Hüdi. Wenn ich jemals heirate dann nicht beim Hüdi. – oder doch, weil ich mag ja gar nicht verheiratet sein). – – – Die Pizzaria ist weiter unten in Richtung Bäckerei Schmidt (die mit dem Tischgebet). Beinahe Abendhimmel. Der Zimmermann auf dem Dach vor den weißen Wolken. Fern über allem, aber ließ sich fotografieren, ohne es sich anmerken zu lassen. Die Stadt ist schwindelerregend schön. Kann nicht aufhören zu fotografieren (nicht nur Zimmermänner). Geteilte Pizza. Abendrot. Kind mit einem Plastik-Traktor und Hänger fährt vorbei mit ernstem Gesicht…und wieder zurück. Die Eltern jeweils hinterher.

8. August, Aben(d)berg.

Eine dieser Nachbarstädte heißt Abenberg. Dachte früher es hieße “Abendberg”. Tatsächlich bin ich hier oft durchgefahren wenn die Sonne gerade am Untergehen war. Die Burg im Abendlicht. Immer denke ich mir die Stadt im Abendrot.

Ich verlas mich schon mit dem Finger auf der Landkarte, als ich ein Teenager war und mich fragte, wo dieses Windsbach denn sei. Und: Wie heißen die Orte, die auf dem Weg nach W. liegen? Jetzt liegt die Stadt W. hinter mir und ich müsste mal wieder nach Berlin. Es ist aber schöner den Weg nicht gleich zu gehen. Ich fahre ihn Grundsätzlich in Etappen. Diesmal ist die erste Etappe 12 Kilometerweit.

Als ich oben auf dem Burgparkplatz ankomme, liegt ein schwarzer-wollener Handschuh auf dem Weg und zeigt auf die Burgkapelle. jemand hat ihn verloren, aber er ist da wie für mich zurechtgelegt. wegweisend…

[…]

8. August, Windsbach

Ich habe meine Zelte abgebrochen. Der Regen war zu heftig. Die Luft rauslassen aus der Matratze. Schlafsack zum Trocknen aufgehängt in der Dachkammer der So. der Termin im Rathaus, zu dem ich durchnässt komme. Wo immer ich sitze oder den Motorradhelm ablege, hinterlasse ich nasse Abdrücke oder kleine Pfützen. Vielleicht auch einen Eindruck. (Frage wäre nur welchen?) Vielleicht war ich e Art Wanderzirkus, das Wort ist mir irgendwie hängengeblieben, eine wohlgesonnene Metapher, die jemand sagte, um zu erklären, warum es manchmal schwer sei mit der Förderung. Das Wort gefällt mir, Wanderzirkus. Und ein Zelt hatte ich ja auch. Die Wehmut über den Begriff stellt sich erst ein, als ich eben jenes Zelt in dem das Wasser (zwar nicht bis zum Halse) steht, aber doch bis zu den Knöcheln, abgebaut habe. Ich war mehr als ein Wanderzirkus (denn die haben ihre immer gleichen Nummern im Repertoire. Die Elefanten, die einen Knicks machen, die Bauchtanzfrau mit der Pythonschlange um den Hals. Zwei Clowns und ein paar Pudel die durch einen Reifen springen. Vielleicht sogar Löwen. Egal ob großartig oder popelig. Der Wanderzirkus hat immer die gleichen Nummern im Programm, egla in welche Stadt er kommt. Ich aber habe etwas mit und für eine Stadt zugeschneidert, nach Maß. MIT den Leuten dieser Stadt. Und vor allem:

Der Wanderzirkus gerne geblieben. Er ist ja nur ein Wanderzirkus, weil es offensichtlich halt nicht anders geht.

abends dann doch gerührt, weil die Sa. vom Kantorenhof  simst, jetzt, wo das Zelt weg sei, fühle sie sich irgendwie verlassen.

7. August, Windsbach. Nass isses…! Und alles hat zu?

7. August, Neukeferloh

Das Motorrad springt fast sofort an, noch keine 50 meter fahre ich durch den Ring in dem meine Eltern wohnen (er ist benannt nach dem früheren Wasserwerksdirektor) und in dieser Reihenfolge laufen mir beinahe ins Rad: ein Kind mit Roller, das sich völlig aus dem Nichts elegant vom Bordstein zwischen die parkenden Autos gleiten läßt und direkt vor meinem Motorrad mit einem freundlichen Nicken in meine Richtung im Garagenhof gegenüber verschwindet. Dann 20 Meter weiter das selbe nochmal nur mit einem schwarzen Eichhörnchen. Als ich aus dem Ring fahre, durch die Kurve nicht ganz rechts auf der Fahrbahn, weil ein dicker Jeep in der Kurve parkt, crashe ich fast frontal in ein Fahrzeug des ADAC. Vielleicht sollte ich lieber bleiben. Und immer noch schwankt mein linker Rückspiegel im Fahrtwind. Immer vergesse ich, ihn festzuschrauben.

Fahrt schön bis Eckersmühlen. zu langer Zwischenstopp. Und ich hatte auch gedacht es sei dann nur noch 20 Minuten bis Ansbach… jetzt beginnt der große Regen, von dem es hieß es gebe ihn nicht. nicht hier. nicht jetzt.

6. August,

Vater besser. Und die Windsbacher Abrechnung ruft. Fahren? Nicht-Fahren? Vater besser, aber nicht gut genug vielleicht. Wenn ich nicht fahre – Wenn ich  nicht jetzt fahre, wird alles liegen bleiben bis Mitte September, denn dann ist die Frau die die gelder überweist, aber jetzt nicht überweisen kann, weil keine eingegangen sind von den Förderern, in Urlaub bis Mitte September und dann bleibt alles liegen bis Mitte September… und Mitte September geht auch die Frau von dem anderen FOnds in Urlaub. Ich habe die meisten Sachen selber vorgestreckt. aber komme an meine Grenzen. das einzige, was ich sonst noch tun kann ist Häkeln. Graue Fäden spinnen. Schlafen. spinnen…

Wenn ich heute führe… ich bin wach und würde gerne… Gewitter sind in der Nacht zu erwarten. lieber morgen ganz früh? da soll alles trocken sein…

 

5. August, Weißenfeld

Ich habe seit einem jahr die Sehnsucht in München oder besser gesagt außerhalb von München in einem Biergarten zu sitzen. (ich weiß, das sind nämlich die eigentlichn Gärten, die einen hinwegtrösten über die Tatsache, dass wir aus dem noch eigentlicheren Garten vertrieben sind!). die Zeit war nie. Heute auf dem Weg vom Krankenhaus in einen Stau geraten… – überhaupt: immer fahre ich falsch. immer brauche ich das doppelte der zeit. fahre in die falsche Richtung oder verpasse die AUtobahn zufahrt oder mein Hirn wird restlos lahmgelegt weil da ein blaues Schild prangt mit vier verschiedenen Autobahnnamen und allesamt sind rot durchgestrichen… – wie kommt amn überhaupt vom Fleck? Namen springen ins Auge, die mir nichts sagen, obwohl ich offensichtlich nicht fern von ihren Ortschaften aufgewachen bin. “O -t-t -e-n-d-i-c-h-e-l” zum Beispiel. Kann das sein? wie konnte mir ein Ort namens Ottendichel entgehen. Wie entging ich ihm bisher? “Dagelfing” kenne ich, da war der Flohmarkt auf dem ich Samsons Panzer gekauft habe. aber wie kann die AUtobahn durch diesen Ort führen? und wie kann es sein, dass ich sie immer verpasse? Hin zum Klinikum geht es immer, aber zurück…??? es ist fast so schlimm wie die Umleitungen um Merkendorf herum. vielleicht müssen manche Orte für eine Weile Tabu sein.

Zurück verlass eich die AUtobahn immer zu früh und fahre über Land. manchmal schnell, manchmal im Stau. immer ist da dieser Biergarten in Weißenfeld für den ich nie Zeit habe. Heute im Stau gestanden, den Weg zur Autobahn, die autobahn entlang und dann erst recht als ich sie verließ. ausgebrochen auf den Radweg. dann wieder gestanden und dann vor dem Biergarten kam der Verkehr gänzlich zum Erliegen. Schicksal.  neben der Lokaltür hat jemand ein prächtiges Softeis fallen lassen. Kopfüber. Waffel ragt spitz aus weißen Eishügel-Landschaften. Garten. Blonde Kellnerin mit sanftem Blick. Schweinebraten in dunkler Biersoße. Alkohlfreies (!) Hefeweizen. Viele Fliegen. eine ertrinkt im Bier. Wurscht. nebenan kriechen die Autos einher. man ahnt sie nur hinter den Hecken, in den Nischen, beim Bier. Auch als sie sich aus dem Staub gemacht haben, sitze ich noch hier. die Tochter liest mir vor, wer mir in Berlin geschrieben hat. die Motorradwerkstatt Kreiselmayer zum Beispiel schickt Bargeld (gefühlte 30 Silberlinge, nur im Endeffekt weniger) für die verkaufte alte kaputte Maschine. Organhandel…. oh weh. schlechtes Gewissen hinweggespült mit noch einem alkohlofreien Weizen…. Ach Mann, so ein schöner Biergarten und schon ist er verdorben. Weißenfeld. irgendwo schrägt rechts von Ottendichel. Vor Vaterstetten. neben Baldham. Bald ham. Bald nach hause. DIe Silberlinge darf die Tochter behalten. sie sagt, sie hätte mich lange nicht gesehen. Tatsächlich. einmal kurz nach ihrem Gebirtstag im April. dann nicht mehr. ich will irgendwann mal wieder nach berlin. aber so lange der Vater krank ist und die Bildersturm-Gelder nicht fließen… ziehe in Erwägung hier sitzen zu bleiben in Weißenfeld. wieder eine Fliege… ach scheiße. hier isses auch nicht so…. dass man ewig festsitzen mag. als ich gehe sehe ich das Softeis immer noch neben der Tür. Vielleicht ist es doch eine Installation. Es ist immer noch warm, auch wenn die SOnne untergegangen ist. hätte es nicht zerflossen sein müssen?

4. August., München-Neukeferloh

Seltsam im Haus der Kindheit zu sein ohne die Eltern. Dinge die ich hier sonst nur tue, wenn die Eltern da sind (Quizsendungen gucken zum Beispiel) bekommen plötzlich eine Wichtigkeit. entweder dadurch, dass man sie extra NICHT macht, sich über die Rituale und die ungeschriebenen Gesetze des Hauses hinwegsetzt – oder dadurch dass man sie überraschenderweise fortsetzt, obwohl man sonst immer innerlich die Augen verdrehte. AN manchen Stellen breite ich mich aus, Wolleknäul-Wirrnis, gescheiterte Aktionen einer verzweifelnden Ariadne. wie kommt man hier wieder raus? andere Stellen werden ordentlich. hier kämpfe ich offiziell gegen die Mutter, die es liebt papiertüten aufzuheben und als Verpackung für alles mögliche zu nutzen.  auch die innere Umpuschelungen von Kekspackungen taugen dafür, andere (obdachlose) Lebensmittel zu beherbergen. es ist ein tatsächlich gutes System, das sie hat, aber es sieht so unschön aus. Dilemma. Nachts lange im Garten. das ist neu. das mache nur ich hier.

Dem Vater geht es nicht schlecht. ungeduldig wird er aber, wann er endlich abreisen könne. Wohin ist unklar. Als er noch auf Station 22 lag und einen wunderschönen Blick über ein grünes Meer an Bäumen hatte, aus dem einige Hochhäuser fern ragten, dachte er noch, er sei in der NÄhe von Frankfurt. dass hinter dem Blattwerk die Skyline der Innenstadt begänne.  Jetzt, auf Station 21 – das Zimmer ist ansonsten identisch – ist der Blick ein anderer. belebtere Gegend, unter dem Zimmer verläuft der Hauptweg zum Klinikum, ein in die Länge gezogener Garten, Bänke, Nischen, ein Cafe…  der Ort ist ihm ein Rätsel. Ganz sicher nur ist er: das ist nicht München. die Argumentationsketten sind Teufelskreise. das Erstaunen darüber, dass ich täglich hier her komme – von so weit – und wieder so schnell zurück fahre. WOhin und zurück. woher auch immer. und wieder. wo war das gleich. Er wirkt dabei übrigens in keiner Weise dumm. es ist immer wieder aufs neue die berechtigte Frage, die im Augenblick neu aufploppt.

Und es gibt ja auch nur den Augenblick… – denke ich.

Auch wenn ich gerade in der Fernsehserie “Legion” eine gegenteilige ARgumentation gehört habe: nämlich, dass es genau eben die Gegewart NICHT existiert, weil die Zeitspanne, in der wir die Welt um uns herum wahrnehmen so lange ist, weil wir so schwer von Kapie sind, weil unsere  Synapsen die letzten Trantüten sind, nicht schnell genug schließen und die Schaltkriese umständliche Verkehsstaus… Wenn wir realisieren, dass das Glas umkippt, liegt es schon längst am Boden. Es gibt nur die Scherben der Vergangenheit. und die Zukunft, die als solche eh noch Zeit hat. Der Moment indem die Welt passiert ist jenseits unserers Begriffs. (oder mit anderen Worten, Worte die Billy Wechsler wählte als Titel für eins seiner Werke: Das Morgen ist der Schnee von Gestern) – – – aber ich verirre mich wieder in fremden Gedanken. dass die Gegenwart nicht exisitiert, das wollte ich ja eben nicht glauben. Eine viel schönere Ansicht ist die der Perser. Ein Pakistanischer Drehbuchautor erzählte mir vor ein paar Monaten, dass nämlich deren Sprache nur zwei Zeiten kennt: die Gegenwart,  also jetzt. Also DER Augenblick. – – – und DIE ANDERE ZEIT. also die, die gerade nicht ist. und nicht ist sowohl das was war als auch das was sein wird. es ist beides gleichermaßen “NICHT DA”. kein Unterschied also. das gefällt mir. es ist eigentlich auch das beste Navigationssystem von allem. Es ist ein bißchen die Weltsicht meines Vaters, denke ich.  Ob man das auch auf Orte anwenden kann? das wo ich bin, wo ich festsitze (oder liege) und alles andre, wo ich nicht sein kann.

 

2. August, München-Bogenhausen

Vor den AUfzügen stehen die ungenutzen Betten, unberührt wie unter Frischhaltefolie. Automat mit Kopfhörern, ebenfalls eingeschweißt glänzen sie so dass man unbedingt einen haben möchte. obwohl man keinen braucht.

Heute nun erst ist die OP.

die große Angst vor der Narkose, dass vielleicht alles, restlos alles dem Vergessen anheheimfällt. das das Aufwachen vielleicht nicht gut gelingt. wie entscheidend könnte der Moment sein, in dem er erwacht. was wenn dann die Wirklichkeit zu erschlagend ist. keiner da. oder die falschen Leute da. im falschen Film aufwachen ist besser als gar nicht.

***

ein paar Stunden warten in einem Lokal namens “Hans im Glück”. der Name gefiel mir. Er schien Gutes zu verheissen.  Ging dann doch zurück in die KLinik. scheinbar zu früh, aber doch gerade recht. es verlief gut. er ist wach. er kennt mich. er hat keine Schmerzen. das Gewächs (offensichtlich kein Dornbusch) eins der besseren, die man in sich ausgraben lassen kann. er beschwert sich, dass er keine Hose anhat. alles andere scheint gut.

1. August.

die Zeit eignet sich nicht zum Arbeiten. zu tun wäre viel. Unruhe. Worte finden scheint zwecklos. Tatsächlich ist das einzige, was ich gerade kann: Häkeln. Beginnt so das Alter? ist es das was die alten Frauen machen: sie versuchen nicht den Faden zu verlieren, klappern mit den Nadeln und spinnen ihre Fäden ohne mehr geben zu müssen. es kann nebenbei geschehen oder aber das einzige, was überhaupt geht. immerhin geht noch was. ansonsten Leere. irgendwann stellen sich dennoch dummer Gedanken ein. Vorstellung eines Dornbusches der im Körper meines Vaters heranwechst. Dass die Operation sein muss, habe ich jetzt akzeptiert.

30. Juli, München-Bogenhausen

Heute kommt der Vater ins Krankenhaus. Recht früh. Allerdings das abends schon bestellte Taxi kommt nicht. Es scheint ein kleines Taxi-Unternehmen zu sein, der morgige (also heutige) Fahrer hatte gestern abend die Fahrt noch mit “Bis morgen, Gute Nacht” per Whatsapp quittiert, heute sagt er ab, er sei wo anders unterwegs. zu spät im Klinikum Bogenhausen. die Mutter fragt dauernd leute wohin  wir müssen, wartet die Antworten aber kaum ab. der Vater will eh gleich wieder gehen.  Natürlich ist er enttäuscht, weil es halt eine blöde Strategie war, das Krankenhaus als Erholungshotel anzupreisen. Die Fahrt mit dem Aufzug war noch schön. ein Mann stieg ein, der freundlich alle Anwesenden im Fahrstuhl grüßte und weil keiner richtig zurückgrüßte, leise und lächeln begann festzustellen, dass Fahrstühle immer Unwohlsein ausstrahlen. die Leute seien so schweigsam und bedrückt. Er blickt erwartungsvoll in die Runde und ich gebe ihm dann recht. Vielleicht läge es auch am Einrichtungsort. In Krankenhäusern, sei jeder mit seinem Kram voll. Er möglicherweise ein bißchen weniger.

Das gebuchte Zimmer ist noch nicht fertig. und irgendwann dann wieder ist es schon vergeben. Warte-Ecke, eine Art Erker, die vom Krankenhausflur den Ausblick zum Innenhof hin freigibt. Rolladenverhangene Fenster, nur eins ist offen. Eine Uhr blickt aus dem Fenster, wahrscheinlich fiel sie herab, lehnt jetzt an der Fensterinnenwand und guckt über den Fensterrand, als hätte sie alle Zeit der Welt.

MAnn – etwas gebückt laufend,  im Krankenhaushemdchen, das hinten offen ist, schlappt vorbei, er hält den Kittel mit beiden Händen hinten zu und sieht dabei aus wie ein Eisschnellläufer in Zeitlupe, der sich auf dem Blanken Linolium beinahe spiegelt.

Wo bleibt das versprochenn gebuchte Doppelzimmer? Warum das erneute Laufen durch GÄnge, durch Institutionen. Bei Grey’s Anatomy kommen immer die Ärzte aufs Zimmer und erklären (manchmal auch durchaus kontrovers) was geht. Und was nicht. Uns am Ende geht dann doch immer, das was nicht geht. Hier wird man last-minute-beschwatzt. Gut-Sein-Lassen…. wieder der Mann aus dem Fahrstuhl. jetzt kennt er mich nicht mehr.

Der Arzthehlfer-Tresen in der Anaesthesie ist nicht besetzt, die Arzthelferinnen seien krank. Der Vater sagt (und mit der Zeit immer konspirativer und überzeugender) “Komm, wir gehen jetzt einfach!” – dennoch ist es eines der angenehmeren Wartesituationen. die Wartenden organisieren sich, sprechen sich aus der Seele. Der Vater spricht ihnen aus der Seele, weil er dauernd betont, dass er nicht freiwillig hier sei und “lieber sonst wo” sei. Einer der wartenden sieht aus wie Hermann Hesse. Von Ferne singt jemand mit ziemlich wohlklingender Stimme ein Weihnachtslied. Es klingt nah und fern zugleich. die Akustik in den Fluren ist gut. Plötzliches Gefühl der Desorientierung, zeitlich wie räumlich. Anaesthesie. Die große rätselhafte Wissenschaft. Weg-Sein. Anheim-Fallen. Wie lange. Wohin….

 

29. Juli

Heute kommt die finale Asphaltschicht auf die Straße die nach Ismansorf führt. in der Zwischenzeit war sie mit einer klebrigen Ziwschenschicht versiegelt und lag wieder glänzend und schwarz vor der Tür wie ein unüberquerbarer Fluß. Der Ludwig warnt davor den Fluß zu betreten, man ruiniere sich die Schuhe – und vorallem ruiniere man die Baustelle. wir sitzen vor der Kapelle und warten ob jemand kleben bleibt auf der “finsteren Leimrute”. der Nabbd er seinen Hund ausführt und die in der Mitte des Weges tut – der Hund der schleunigst an den den Rand jenseits des Teers ausweicht. Die Tritte des Mannes machen glitschende  Geräusche, seine Sohlen jaulen auf. DAs Motorrad, das ganz am Anfang Spuren hinterlassen hat, muss irgendwie noch entkommen sein. Vielleicht landen Ufos in der Mitte der STraße. der Erstkontakt verläuft nicht gut, denn das Ganze wird für eine Falle interpretiert. Außerirdische kommen Nicht vom Fleck. Am Samstag die Hochzeitsgesellschaft, die allesamt hinter der Braut hermaschiert, aber nicht vor weit kommt. Einer trägt die Schleppe, so lange er sie hoch hält und der weiße lange Schleier den Boden icht berührt flattert er noch hauchdünn über dem zähen Malstrom, berührt er ihn kommt sie nicht los. ausd en weißen Schuhe könnte sie noch schlüpfen, aber der Schleier (ohne Schleier ist sie ja keine gscheite Braut), die Blumenkinder stecken fest, die Blütenlätter ihrer Körbchen  werden auf ewig weiße Flecken sein. Nie kommt der Zug am ALtar an und trotzdem ist sie in die Falle gegangen. [- – – so kam es dann freilich nicht, weder landeten Ufos, noch blieb dei Hochzeitsgesellschaft kleben. Nur Spuren von Konfetti hiterließen sie. Ich war nicht da und sah es nicht, hörte sie aber dann durch die Stadt fahren mit lauter Feuerwehr-Eskorte. Entweder weil diese kam und die Braut aus dem Asphalt rettete oder aber weil Braut und Bräutigam selbst Feuerwehrleute waren.] – Nein, natürlich klebte  niemand fest. Unter anderem auch, weil der L. aufpasste. Und die Bauarbeiter ihre Maschinen aufstellten vor alle Zugänge, Schilder warnen ließen. Aber natürlich will man trotzdem drauf. Jetzt erst recht.

Heute also wird die Wolframs-Eschenbacher Straße geteert. ich werde die Ruhe vermissen (denn der Baulärm ist maßvoll und nichts gegen die Autos.) und die Bauarbeiter ebenfalls.

28. Juli,

1743

Das Müllerknäblin von der Kötschenmühle bei Pleinfeld, vier Jahre alt, fiel beim angestauten Mühlbach in das Wasser. Durch das umlaufende Mühlrad wurde das Kind unten durchgedreht, der Vater eben auf dem Mühlsteg stehen u. dies sehend, verlobte augenblicklich das Knäblein zur Mutter Gottes auf dem Espan zu Fiegenstall

Er sucht es, das kind und fand es nicht, rief es überlaut und kommandierte: „Wo bist Du?“

Das Kind an einer Bachstaude sich festhaltend rief: „Vaterla, do bin i!

Das Kind wurde unverletzt aus dem Wasser gezogen

Durch einen Ort gefahren namens Fliegenstall. Kein schöner Name. Gedane an schlagende Kuhschwänze, um die Wolken von Pferdebremsen kreisen. Man hört dicke Brummer, die an einer zerbrochenen Fensterscheibe irre werden. Warum hielt ich gerade hier? – wenn auch etwas neben dem Ort, zwischen Feld und Hügel, auf dem eine kleine Kapelle stand. Um kurz Pause zu machen, auch und mich in die Büsche (eben jenes Maisfeldes zu schlagen). Es ging dann nicht, denn es kam wer, noch bevor ich vom Motorrad absteigen konnte. Kein Bauer. Ein älterer Mann stieg aus einem Auto und wandte sich der Kapelle zu. Ein Zuständiger. Mesner? Küster? – „Grüß Gott.“ – „Grüß Gott.“ gell, ein schöner Ort sei das um eine Pause einzu legen, sagt er. Nun erst wende ich mich der Kapelle zu. Ich stimme ihm zu.Nicke anerekennend. Ja, schöne Kapelle wie sie da in der Gegend steht, allein auf dem Hügel. blickt über ihren Gartenzaun über die Lande hinweg. Eben nicht allein. Da ist ja noch der „Zuständige“. Man könne hier auch schön seinen Proviant essen, sagt er. Wieder nicke ich, dabei bin ich ja wegen eben genau aus Gegenteiligen Gründen hier. – „Sind sie der Mesner?“, frag ich. Nein, Hausmeister sei er, sagte er. Wollte eine Ankündigung anbringen, aber er ließ mir den Vortritt, nicht stören lassen solle ich mich (denkt, ich sei hier, um die Kapelle zu besuchen), ich solle nur hinein gehen. – Das Maisfeld muss warten.

Der winzige Raum. Die wenigen Bänke, rechts und links, Miniaturausgabe eines Kirchenraums, vorne sehr hell und weiß der Altarraum. Warum denke ich an eine Puppenstube? Der Maria gewidmet. Wenn nicht gar ein Puppentheater. Es ist ihre Show. Lange keine gesehen, keine Maria. Ich bin wieder im katholischeren Bayern. Sie sieht freundlich aus. Ich setze mich auf eine der wenigen Bänke, es ist ein ausgesprochen freundlicher Raum. Winzig. Einmal hat sich hier einer hineingeflüchtet vor einem Gewitter, aber der Blitz schlug ein ins Kreuz und man hatte den Mann am nächsten Tag gefunden in der Kapelle, tot. An Herzinfarkt gestorben. Sehe ihn vor mir sitzen, halb nach unten gerutscht, aber gerade, steif wie ein Brett mit geöffnetem Mund und gen Himmel verdrehten Augen. Hätte die Geschichte eine Moral, müsste der Mann einer gewesen sein, der sonst nie in die Kirche gegangen ist und nur in der Not des Unwetters. Und das wäre dem Himmel nicht genug gewesen…. wäre aber auch keine schöne Moral, sondern eine sehr ungnädige. Außerdem tu ich dem vom Blitz getroffenen sicher Unrecht. Nirgends steht geschrieben, dass er nicht auch sonst in die Kirche ging. Noch eine Geschichte steht geschrieben (mit der Hand in hellblauer Tinte), daß im Jahre 1733 ein Bauer namens Adam Minderler, „ein ehrlich, frommer Dorfsmann“ ließ die Kapelle bauen, nicht mehr als ein Altar mit einem Türmchen drum. 1749 kam eine Glocke dazu. Weil beliebt als Wallfahrtsort, hatte man um 1800 herum man den Raum mit den Bänken dran bauen wollen, aber „kriegerische Auseinandersetzungen“ ließen den damaligen Pfarrer den Anbau nicht „wagen“. Der wird sich gedacht haben: Am ende fällt eine Kanonenkugel drauf und alles war umsonst. (es dauerte dann noch bis 1962, bis der Raum gebaut wurde. Vielleicht weil ja immer irgendwo Auseinandersetzungen drohen). Die Maria soll auch, so der der Pfarrer K. 1743, ein Wunder bewirkt haben. Eben das mit dem Müllerskind in der Mühle. Da sagte aber dann später der sogenannte Kapellenhausmeister, als wir noch eine Weile draußen saßen vor der Kapelle, das mit dem Wunder hörten die Pfarrer hier nicht gerne, das müsse ja vom Papst als solches bestätigt sein, das dürfe man so nicht sagen. Ich hatte ihn gefragt, ob das kind denn dann tatsächlich der Mutter Gottes verheiratet worden war, aber das ist nicht bekannt. Wahrscheinlich dann wohl nicht. Es ist kein Gottgeweihter aus dem Bub geworden, nehme ich an. Sonst stünde es geschrieben. Der Bub wird vielleicht später, so mit 16 gesagt haben: „Vergiss es, ich soll Pfarrer werden oder ins Kloster gehen? Gschmarree! Nur weil Du, Vaterla nicht aufgepasst hast und ich ins Wasser gefallen bin? Und noch nicht einmal richtig hingeschaut hast Du, sondern gebetet und meine Zukunft verplant!“

Der sogenannte Hausmeister, inzwischen hat er mir erzählt, sein Name sei Herr Mathae, und ein Polizist im Ruhestand, wußte leider nicht was aus dem Müllerssohn geoworden war. Und meinte, man solle lieber nicht von einem Wunder sprechen, da es nicht als solches vom Papst anerkannt worden war (im Vatikan angefragt hatte man auch nicht). Auch dass mit dem Mann der vom Blitz getroffen am Herzschlag gestorben war… – irgendwie ja ein Minuspunkt in Sachen „Maria hilft“.

Da stellte sich aber auch gleich wieder raus, dass ich die Geschichte im Inneren der Kapelle nicht genau gelesen hatte. Vom Blitz getroffen war niemand worden. Ein Unwetter habe nur gedroht.

Und dann stirbt er ganz von allein? Ausgerechnet dort? Fast noch unheimlicher.

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Es ist ein gutes Gespräch. Erzähle ihm von „meiner Kapelle“. Er will wissen ob sie denn evangelisch sei. Aber eigentlich spiele es eh keine Rolle. In hundert Jahren, denkt er, sei das eh abgeschafft: evangelisch-katholisch. Und zwar aus Kostengründen. Ich glaubs nicht recht. So wie er das Modell beschreibt, klingt’s, als sollten sich beide ein Haus teilen, nach Belegungsplänen und wechselnden Öffnungszeiten. Hätte gerne Näheres gehört, aber immer noch müsste ich dringend…

ich fahre los, verspreche vorsichtig zu fahren, weil zu viele Motorradunfälle habe er schon gesehen als Polizist. Ich reise weiter auf der Suche nach einem ferneren Maisfeld. Und mit Ideen für futuristische Science-Fiction-Geschichten über katholisch-evangelische Verwaltungskriege rund um die Gottesruhkapelle.

PS und natürlich heißt es doch nicht Fliegenstall, sondern Fiegenstall.

Weiterfahrt über Lande nach Neukeferloh. Apfelkuchen.

27. Juli,

 

Heute Hochzeit in der Gottesruh, bin aber eh heute weg und viel unterwegs. Stadtcafe. Bertholdsdorf. Wieder Stadtcafe. Ein heißer wndervoller Tag.  Johann wartet auf zu erwartende Brautentführungsgruppe. Streit über Brautentführungen im Allgemeinen. Ob es gut ist, wenn die gelingen und die Braut dann am ENtführungsort weiterfeiert oder ob das schlecht ist. der Halter habe früher legendäre ENtführungen gemacht. Es klang, als ob am Ende die gesamte Gesellschaft dort weitergefeiert habe. Johann sagt so liefe das bei ihm nicht. Er wüßte, dass man so ganze Hochzeiten verderben könne. Das mache er auf gar keine Fall. Es seien schon viele Bräute abgefüllt worden und dann… – er macht eine Pause und redet dann nicht weiter. (Stockholm-Syndrom?) Ich finde eher, das muss eine Hochzeit aushalten. und vor allem ist es doch ein Test für den Bräutigam, ob der taugt. Ob der sich ins Zeug legt und für seine Braut kämpft. Irgendwann sind alle  weg Fußball gucken.

Regenbogen über der Bug Abenberg, obwohl kein Regen fiel.

Brautpfennig gefunden. Sonnenblumen haben sie vergessen. eine ist noch schön.

26. Juli

Das Kreuz, das mir damals ins Auge fiel auf dem Windsbacher Friedhof, weshalb ich auf auf den Künstler Blalla stieß, der unter ihm begraben liegt, ist gar kein Kruez, sondern ein Leichenbrett.

Das ist das Holz, auf dem der Tote aufgebahrt liegt. Zur Erinnerung stellt man es dann auf. Assoziation eines Holzschiebers, mit dem man Brote in den Ofen schiebt. Oder herausholt. Ins Jenseits befördert wie die Gretel die Hexe. Es sei ein Provisorium, etwas aus Glas und Stahl kommt später einmal aufs Grab. NeuesWorte gelernt. Und endlich die bereits erahnte Bilderwelt des Blalla „in echt“ erlebt.

Museum, zwischen dem Wald, dem Weizenfeld und den bellenden Hunden im Garten. Weil zu früh, zur Besichtigung verabredet um 10:00, war aber viertel vor. Hatte gedacht ich sitz noch am Wegesrand und schau in die Landschaft, aber die anschlagenden Hunde lassen mich noch für eine viertelstunde das Weite suchen. versteckt auf dem Jägerstand über das Korn geguckt wie über den Tellerrand bis es Zeit war, offiziell zu erscheinen. Schönste gesehene Galerie seit langem. Eine insgeheime.

Hohe Scheune, licht und hell. Holzkathedrale randvoll mit Bildern. Geballte Ladung Lebenslust und Schmerz, Phantastische Höhenflüge und Stürze durch Universen voller Schreckgestalten und vermeintlichen Heilsbringern mega-horror-potent. – im Kleinen, im Großen, wild und zart. In weiß-getünchte Vogelkäfige gesperrt, auf übermalte Kinderkitschbilder, auf großen Gemälden in Öl wimmelt es unanständig . Wieso wirkt der Raum trotz allem Leid, das dahinter stecken muss, so fröhlich? Das Holz duftet so gut, die Dielen sind so schlicht-edel und rein, Eva Z. fegt die toten Wespen weg, damit ich nicht drauf trete. Der Tod ist so oder so präsent. die Bilder, die zu schweben scheinen himmelhochjauchzende und schreiende Kunst, fallen manchmal herunter. Vielleicht poltert der verstorbene Blalla in dem für ihn als Atelier bestimmte Haus und will umbauen? Sie sagt, sie erlebe es oft, dass seltsame Dinge passieren, wenn sie Bilder von hier nach dort fährt. Autopannen. Der ADAC der die Bilder am Wegesrand abstellt. Fragte mich (und sie) ob der Blalla einer gewesen sei, der den Zahn der Zeit, der an den Bildern nagt begrüßt hätte. Hätte es gedacht, sie sagt aber nein: er sei eher einer gewesen, der heimlich in Museen nochmal nachgebesser hätte, wenn etwas auf einem seiner Bilder verblichen sei oder beschädigt. Schmiere habe sie mal stehen müssen und er mit Pinsel und Werkzeug in der Tasche habe in Eile nachgebessert.

Von Weitem sieht alles so bunt aus. Bunt-schwarz, perlend.Lebensfroh. Von nahem springen Dir die Penisse ins Gesicht. Mag die die, die schwarz und abgründig sind, sind immer auch sternen-durchwirkt, Milchstraßen-spritzer. Wixstrahlend. Spermadurchflutet. Blallas Albträme sind schwarz und bunt zugleich. Mickymäuse leben in ihnen, sterben am Kreuz. Bin nicht sicher, ob sie die Schuld auf sich nehmen oder sich zu tiefst schuldig gemacht haben, schuld sind. alles schreit Kindsmißbrauch. Aber vielleicht sollte man vorsichtig sein mit den Hobby-Psycho-Erklärungen. Überhaupt nicht erklären. Schauen. Die Wut auf die Institution. Die feuchten Träume, die sich über di Leinwand erstrecken, plastisch hervor treten. Warum kommt es mir dennoch höchst lebensbejaend vor? Lachen gemusst. Darf man das? Ja, okay, die viele Schwänze… manchmal sind’s mir einfach zu viele. Wenn man unscharf guckt und alles verschwimmen läßt, könnte es etwas fürs Kinderzimmer sein. – Bloß nicht! Draußen vor dem Fenster schimmert die Natur in Grün und hätte beruhigendes Blätterwerk zu bieten (Überhaupt… Windsbach. Das hätte ihm in den letzten jahren gut getan. Die großen Städte seien zu viel gewesen am Ende). Wenn man am Fenster steht und noch oben blickt, hängt da ein Bild aus dem hervor beugt sich ein schwarzer Jesus (nicht so schwarz wied der auf dem Friedhof in W. Es ist eher ein schlammigesdunkelgrau. Nix mit Auferstehung. Licht ist nur die Gitterstruktur im Hintergrund. Assoziation einer Bahnhofshallen-Architektur. Er reihert sich die Seele aus dem Hals. (vielleicht kam er zurück auf die Welt und musste sehen, was in seinem Namen getan wird. Ist ja auch oft zum Kotzen!) Seine Spuckfahne hängt wie Fliegenleimstreifen herab, Libellen kleben an ihm. Droht auf mich herabzutriefen, aber der Augenlick fror ein. Nie erreicht mich die Kotze. Das mag jetzt widerlich klingen, aber ganz ehrlich. es ist eine ungewöhnliche Perspektive. ich stehe in einem HAus, das steht in Mitten von Natur, abgeschieden und fern von allem und wie ein Blitz aus (heiterem?) Himmel  blickt mich dieser traurige, modrige Jesus an… “vergib, denn…/ Nimm diesen Kelch… / Abe r nicht… – oder doch?” ein Ich blicke und staune. Das alles ist nicht nur blasphemisch. Ich beharre auf meinem ersten Eindruck, damals im Dezember 2018: das geht nicht gegen Gott. Das geht gegen das, was im Namen Gottes geschieht auf der Welt. Vielleicht geht es ein bißchen gegen die Welt. die Weltmächte, aber nicht gegen die ganze. und ein paar Bilder sind einfach nur wunderschön. . Familie von Sternen spaziert durch die Milchstraße. dem Vater gewidmet. Es wäre großartig, wenn viele diese Bilder sehen und vor allem: sich nicht abschrecken ließen 

Reich beschenkt wieder weggefahren.

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***

In Moosebach hängt noch mein Bildersturm-Plakat an der Ankündigungstafel. In der Fundgrube einen Wasserkocher gekauft. Vorbei an der Kleinöder.Ranch (Die „Ponderosa“ von Windsbach nur ohne Fleisch, aber mit Holz)

Zwischen Mozartring und Hauptstraße: Mann mit freiem Oberkörper und weißem Frottierhandtusch um den Nacken balanciert eine Bierflasche vor sich her in der Mittagshitze. Schritte aus der Hüfte, rechts, links, er wankt nicht, aber er schreitet seltsam einher.

Ins Stadtcafe gewollt, es blinkte „geöffnet“, war aber zu, dann stattdessen zum Il Corso, wo ich nun wiederum antreffe: den Stadtcafewirt. Der Hüdi und der Johann vergleichen die Quadratmeterzahlen von Wohnungen, die sie in ihrem bisherigen Leben bezogen hatten. Und ihre Schuhgrößen. Und tauschen sich aus über „wo kaufe ich Servietten“.

Mittagsschlaf im hitzigen Zelt. Regen tröpfelt, zu wenige Tropfen. der Tag endet richtig toll, weil die Rüttels und der Ludiwig Bayer sich kennen lernen und die Gottesruhkapelle wieder neue Geheime WInkel offenbart. was für ein wunderschöner Tag.

 

25. Juli

Wenn man beim Ilios sitzt mit der Blickrichtung unteres Tor in der Abendsonne ist die STadt ein Traum. meist andersherum gesessen, dann ist es, als ob man noch zu viel vor sich hat.  Die Stadt scheint auf einen zu zu kommen,  Der Berg, die Bürde. Anderherum sieht alles leicht aus. Der J. würde die Innenstadt verkehrsfrei machen.  Und Bäume pflanzen.. Ich finds eigentlich gar nicht schlecht wie es ist. Okay, vielleicht ein paar Akazien. Selbst die Autos stören mich nicht. EIn paar möchte ich nicht missen. Es  hat was Beruhigendes, wenn immer wieder der Kleinbus des Knabenchors vorbeifahhrt oder in gefühlter Dauerschleife der Radio Weinl. Vielleicht könnte es eine Einbahnstraße sein, der Verkehr sollte nur bergab führen, man könnt sogar die Motoren ausstellen und sich rollen lassen.

Morgens sehr früh erwacht. Bauarbeiter Wiedersehensfreude. die Straße ist nicht mehr so schwarz, sie wirkt bestäubt. Staubig. der Wegesrand wir gemacht werden. leider ist deshalb auch die Baggerschaufel-Strandkorb verschwunden.

Erstens: Dekanat. das Paket war durchaus richtig adressiert an meine Berliner Adresse. da hat man es nicht zustellen können, weil keiner da.  auch keinen Zustellzettel in den Briefkasten getan. Dann ging das Paket zurück an den Absender. In Ermangelung eines WOhnsitzes hatte ich wohl darufgeschrieben Miriam Sachs, Gottesruhkapelle. So peinlich dieses Hin-und-Her ist, ein kleines bißchen freut mich das jetzt doch, das so was dann doch irgendwo ankommt. dennoch…

Zweitens: .Neuer Zustellversuch. Frau Viebeck sagt, das koste dann aber nochmal 16 €. – Mist. – Nichts zu machen. Und die Wapperln müssen ab. immerhin interessante Information weiß sie  unter dem Strichcode zu entschlüsseln: ein neues Postamt gäbe es in der Leopoldstraße, Berlin Lichtenberg. da sei das Paket gewesen. Wahrscheinlich wird es da wieder landen. Immerhin. Eine Post! Berlin hat wieder eine Post! Ich zieh die Wapperln ab und heb sie auf. Leopoldstraße. Merken. Hingehen. Sich Beschweren!

Drittens Rathaus. die zuständige Frau für die Finanzen stellt sich als die heraus, die mich vor zwei Jahren eine Aufnahme machen ließ, um eine alte Photographie nachzustellen. Sie hat das Zimmer neben dem Bürgermeister, das früher der 2. Bürgermeister Rühl hatte. Aus dessen Fotoalbum  stammte das Bild.

 

Wenn ich den Film heute nochmal machen würde, würde ich die P. aus dem Zimmerchen über dem Dönerimbiss blicken lassen.

24. Juli,

Im Dekanat Windsbach ist ein großes Paket angekommen mit meinem Namen darauf und vielen Klebewapperln der Post. die Frauen im Büro wunderten sich und riefen an. Ob es sich um das verlorene Paket handelt? aber wieso ging es ans Dekanat. Rätselhaft. Es müsste beinhalten: eine Kopflampe von Norma mit Klappbrille daran und austauschbaren vergrößerungsgläsern. mehrere Fotos von Hedi Lamarr als Delila und andere Tischrequisiten der SAMSON-Werkschau. Und eben die WÄscheberge des Sommers. Aber – Gottlob – niemand öffnete es. Wer will schon seine Dreckwäsche von der Kirche in Augenschein genommen wissen.  Hörte mich sagen: “Ich hols morgen ab!” Es klingt nach einem Ausflug in die STadt W. es kribbelt in den Füßen. Ausfahren…?

Es gäbe ja noch andere DInge einzusammeln, und vor allem Geld auszuzahlen. Originalbelege ins Rathaus bringen. sehen was in dem Paket alles noch so ist.

***

die Fahrt ohne Blick auf den Ölstand. doch dann unsicher geowrden. ist da überhaupt Öl drin? Umwege durch die Stadt Eching. doch, Öl ist drin! Erstmals gelang es, fast durchgehend Landstraße zu fahren und dennoch die STadt Ingolstadt zu umgehen durch kurzes STück Autobahn. Stolz. Mittelpunkt von Bayern Marillenknödel. Wege an feldern vorbei, Hopfen-Alleen.  kleiner Bau wie öffentliches WC trug in blau die Aufschrift “NEVER!”, nur von Weitem gesehen, flog weiter. Zwischen Röttelbach und Roth, umgekippter STrohballen-LKW im Kreisverkehr. Wieso dauert es am Ende doch immer den ganzen Tag? ANkunft Gottesruh Abends. mit J. ein Ankuftsbier getrunken.

23. Juli,

Beim Überfliegen festgestellt, ich schreibe  überraschend viel über Gärten. Die Sehnsucht, das weite Land zu begrenzen, einzuzäunen. gegebenenfalls Verbotsschilder aufzustellen. Erinnerung an eine Zeile in einem Kinderbuch, das man mir früher vorlas “Will das Kind ein wenig Warten, kauft der Vater einen Garten. In dem Garten steht ein Haus” Meinen Kindern las ich das Buch wohlweislich nie vor. in “meinem” garten steht das Haus des Hausmeisters. zu mehr habe ich es nicht gebracht, einer Mietswohnung in belrin-Lichtenberg. ein blaues Zelt im Garten der Gottesruh. In Berlin nie in den “Gärten der Welt” gewesen, an denen ich aber oft vorüber fahre. Es ist ein sehr großer Garten voller Gärten. und er kostet im vergleich zum Garten Eden Eintritt (und nicht Austritt, dessen Preis der verlust der Unschuld und überhaupt das ganze mühevolle Leben ist). Der Name ist zu schön, man könnte enttäuscht sein. Ich hatte immer gedacht der Park hätte schon so geheißen zu DDR-Zeiten. mir gefiel, dass das Land aus dem die Einwohner nicht ausreisen konnten und in das auch die Einreise immer problematisch war, ein globales Paradies erschafft, das ich mir vorstellte wie Schrebergärten für alle Länder der Erde, in die man sonst nicht gelangt. welch wehmütoger Name für einen Park der zur Zeit der BUGA zeigen sollte, dass man zu so was ebenso fähig war, wenn nicht fähiger. der Name kam erst nach der Wende. Es soll in dem Park einen chinesischen Garten geben, der den Namen “Garten des wiedergewonnen Mondes” trägt.

Mit dem Vater im Wartezimmer des Urologen. . Seine Verzweiflung darüber, hin zu müssen und nicht zu wissen, was er dem ARzt sagen soll. Die Beteuerung, er müsse gar nichts sagen, es sei ja der Arzt, der das Sagen habe. die Sorge kreist im halbe-Minuten-Takt. Ablenkung bringt nur der Wasserspender. Die Zeitungen auf dem dem Tisch sind alle Mist. Seltsamerweise alles sogenannte “Frauenzeitschriften”. Der Vater legt sie gleich wieder weg. trinkt Wasser aus dem kleinen Pappbecher. weiß aber imme rnoch nicht, was er hier soll. Und was dem Arzt sagen?! Das Zimmer füllt sich. ich flüstere dem Vater ins Ohr, dass die alle das gleiche Problem hätten wie er. aber die müssten alleine hier sitzen und deshalb solle der Vater es (auch aus Taktgefühl) auch mit Fassung tragen. Noch während ich flüstere zeigt er zur Sitzreihe gegenüber und sagt “Der da in der Ecke hat gelacht!”

22. Juli, Neukeferloh-Grasbrunn

Ich wollte zum Meer… – Aufgewacht aus einem Traum, der mich einem Taucher folgen ließ, der aber zu Land unterwegs war in einem alten Taucheranzug (so einem mit großer Glaskugel, in der der Kopf steckt . Sehr umständlich war es, ihm zu folgen, denn er schritt langsam, beinahe in Zeitlupe, eben so als bewegte er sich bereits unter Wasser. Ich dachte er ginge zum Meer, aber es kamen Zweifel auf, ob das sein Ziel war. Vielleicht handelte es sich noch nicht einmal um einen Taucher. Ich gab auf. Auch weil mir ein Gedicht im Kopf rumspukte und ich es gerne aufgeschrieben hätte. Im Traum schien es wirklich große Literatur zu sein. Ich erinnere mich aber nur an die ersten Zeilen: Es war einmal ein Astronaut, der hatte eine zweite Haut… es handelte von seinem Bruder, der einen Raumanzug trug, der mit seinem Körper verschmolz und er war fähig  zu atmen  durch diese Haut. Zwischen den Membranen zirkulierte  Sauerstoff, der entstand zwischen der eigenen Haut und der weißschimmernden Anzugshaut durch chemische Reaktionen. Außerdem setzte sich der Astronaut für Tierschutz ein, was ich genau noch weiß weil auch die betreffende Zeile im Gedicht sich exakt auf „Haut” gereimt hatte  (“da man mit einem Amt im Tierschutz ihn betraut“). Grundsätzlich bestand das Gedicht ausschließlichaus Zeilen die mit „gebaut“, „laut“ und „ergraut“ endeten und somit glaube ich, kann es auch keine große Literatur gewesen sein.

In dieser Zeit von Leuten in Raumanzügen zu träumen liegt nah, das Jubiläum der Mondlandung, der Text von dem treibenden im All, den BIlly Wechsler mir gegeben hat… -Der Taucher aber, verloren in seinem Anzug… wüßte gerne was es mit ihm auf sich hatte.

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Mittags Glonn und Kastensee. Spaziergeh-Schritte. Mehr geht nicht. Die Mutter würde gerne weiter, der Vater ist müde. Nachhauseweg, Umleitungen schlängeln einen durch den Ort Harthausen, welcher wegen Stadtfest gesperrt ist. Junge Mädchen sitzen in einem Baum und tippen gelangweilt auf ihren Handies rum. Früher Abend im Garten. Gießen.

***

Unter den Essigbäumen im leeren Liegestuhl sei die Uri gesessen… Die Oma Sofie. Da saß sie oft zu Lebzeiten. Was gäbe mir das Recht zu widersprechen, der Stuhl sei leer, niemand sei da gesessen. Was weiß denn ich. Und wer weiß das schon überhaupt. Sie saß da gerne als sie in ihren letzten Jahren bei meinen Eltern lebte. An dem Garten, an den wildwuchernden Essigbäumen hatte sie früher nie ein gutes Haar gelassen, erst gegen Ende ihres Lebens vergaß sie die Schrebergarten-Richtlinien, die ihr selber immer im Genick gesessen hatten und hörte nicht auf zu sagen: wie im Paradies.

21. Juli, anderswo

In Herzogenaurach fiel einer aus einem Riesenrad, In Nürnberg, im Stadtteil St. Jobst ein anderer beim Fensterputzen aus dem dritten Stock. In Jerusalem stürmten über 100 extremistische  Siedler  die Al Aqsa Moschee und versuchten in aller Eile zu beten. die Gartentüren in meiner Straßen bleiben geschlossen. ich habe Sehnsucht nach dem Meer.  an den Flug im happy butterfly gedacht. Heißt er so?

20. Juli, nirgendwo

wäre heute gerne zu einem Event des A. gegangen, meines technischen Leiters, der heute wahrscheinlich Eckersmühlen musikalisch und lichttechnisch zum Beben bringen wird. in meinem Kalender steht der Termin schon seit Januar mit dem Wortlaut “ja jetzt kommt die super Alex schow” (ja, “schow” ist falsch geschrieben, aber so stehts im Kalender). Stattdessen hätte ich beinahe die Eltern überreden können zum STädtefreundschaftsfest nach vaterstetten zu gehen in den Abendstunden (das hätten sie aber nicht einmal früher gemacht als ich noch ein Kind war). war dann aber doch einfach ein schöner Abend zu hause. Fischstäbchen-Essen im Garten. Sprengen des Rasens. der Schlauch landete am ENde in den Zweigen des Kirschbaums wie eine endlose grüne Mamba. dennoch. Aschenputtel-Gefühle. Seltsamer Trost wegen des verpassten Festes schreibt Billy, der mich per Whatsapp auf dem laufenden hält vom “Den-Rest-Von-Vikings-Gucken-In-Größerer-Runde” mit Bier. Der poetischste Veranstaltungstip aber kam vom Bommel, und das Gute ist, dass er kein Verfallsdatum hat. wenn ich mal wieder in W. sein sollte, müsse  ich nachts zwei Kilometer nach Neuses laufen, in den Himmel schauen und Westernhagens “Freiheit” hören.

19. Juli, München-Neukeferloh

Ich schreib immer “MÜnchen”, denn wo ich bin, gehört zu München, aber Neukeferloh liegt östlich von der Stadt M. vor meiner Haustür beginnt der Wald. – falsch. Vor meiner Haustür ist der Garagenhof. Da es sich um eine Reihe von Häusern handelt – der Ort meiner Kindheit kann eine Reihenhaussiedlung genannt werden – bin ich einerseits umgeben von Garagen auf deren Dächern noch die verschossenen Bälle meiner Kindheit verblassen und die letzte Luft verlieren. andererseits liegt hinter dem Haus Haus der Garten, eine weitere HÄuserreihe und dahinter beginnt der Wald. Die Eltern sagten lange Zeit “Da ist Dein Wald”, daher glaubte bis zu meinem 7. Lebensjahr, er gehöre mir tatsächlich. Ich bin ein EInzelkind. Leider. Der Garten aber gehört mir – und auch wieder nicht. Er geht eigene Wege. Die Wege verschwinden. die Pflanzen haben ihn übernommen. Er wird immer verwunschener, die Essigbäume sind wie Arkaden, hinter denen ein Urwald beginnt auf engstem Raum, der Garten war nie groß. Jetzt scheint er noch kleiner, die Nutzfläche ist winzig, aber ist auch unermeßlich groß, denn das Dickicht hat ihn unergründlich gemacht und es könnten Geheimänge und ganze Urwälder entstanden sein in der Zwischenzeit. Die Blutpflaume darin überragt alles. In ihren Zweigen saß früher mein Wellensittich. Grenze un djenseits des Drahltzauns (gibt es ihn überhaupt noch?)  sind die Thujen. sie sind unverschämt groß. Eine hat sich zum mächtigen Friedhofsbaum erhoben, Vögel wohnen in ihrem Dickicht, so kann niemand darauf bestehen, dass man ihn abschlagen muss. der Garten geht ums Eck, da ist es lichter. da ist der Kirschbaum, dessen eine Hälfte Kirschen trägt und weiß blüht und dessen andere Hälfte ros Blüten trägt und nur Zierde ist. ein japanisch-deutscher Baum. daneben war mein Teich, Molche lebten hier zwei Jahre, winzige Frösche, die nie groß wurden. der Teich kippte um, eine Teichmuschel, die für gutes Klima hätte sorgen sollen verreckte in ihm und das Projekt war gescheitert. Noch heute kommen die Nachfahren der Molche hier her und werden sich ärgern über die Vorfahren, die keine gute Kinderstube gewählt hatten vor so vielen Jahren. Die EInen werden  in einer Reihenhaussiedlung am Wald groß, die Anderen in einem Plastikschalen-Teich-Projekt eines Mädchens, das im Wald gerne Molche fing. Ein Weibchen, grau mit orangem hochschwangerem Bauch war drunter gewesen, dem blieb nichts anderes übrig, als seine EIer in die neue zwangsweise Heimat zu legen. Da wo der Teich war, wächst Schilff, fast sieht man das Grab meines Vogels nicht mehr.  Stein aus einer zerfallenden italienischen Gartenmauer aus Aquileia. Schmetterlingsbaum. Felder von Thymian. Lavendel, die Brombeerranke wurde nie eine Hecke,  ist ein einziger dorniger Arm, der (all die Jahre!) über die wenigen Steinplatten reicht, langt, fast schon mein altes CHemielabor erreicht hat. Greift er nach dessen Tür? es sind kaum mehr Labordinge darin, ein zerbrochner Erlenmayerkolben, ein Dreifuß. Die Destillierröhre (sie war am teuersten) muss noch irgendwo sein, spinnenbewebt, die vielen Gifte hat die Mutter längst entsorgt. Harken und Besen und Rechen sind jetzt darin. es ist kein Labor mehr. es ist jetzt das, was es ursprünglich wohl mal gewesen sein muss: ein Geräteschuppen. winzig. Damals ware es eine Parallelwelt. Ein Alternativ-Universum, in dem ich Chemiekerin hätte werden können. ich scheiterte an dem Projekt, aus Bärlapp-Sporen Radium zu extrahieren.

HInter dem Garten beginnt beianhe der Wald. leider nicht gleich. es ist dort eine weitere Reihe von Häusern. Doppelhaushälften und ein weiterer Garagenhof. Unser eigenes Gartentürchen hin zu den anderen Häusern benutzten wir nie. es ist zugewachsen und wahrscheinlich sogar verriegelt. wer von unseren Reihenhaus-Nachbar jedoch aus seinem Gartentürchen gehen will, bekommt den Zorn des Herrn H.. zu spüren, der Herr über die STraße, die an seinem Haus vorbei zu den anderen Doppehhaushälften führt. der STreit ist: ist es eine Straße oder ein Privatweg? der Weg führt zu einem Sandkasten, man könnte denken, dann müsste es ein öffentlicher Weg sein. er ist befahrbar, er ist breit. Man darf ihn aber laut H. nur betreten, wenn man die Thujen schneiden will (die man gar nicht schneiden will, aber gefälligst endlich mal sollte) oder der Briefträger ist oder in einem der anderen Häuser wohnt die an dieser Straße liegen. 

Gestern fielen ein paar Äpfel vom Baum in einem der Gärten in unserer Reihe. nicht auf die verbotene Straße fielen sie, sondern in den Garten daneben. die alte Nachbarin öffnete ihr HIntertürchen ging drei Schritte auf den verbotenen Weg, öffnete das Gartentürchen der befreundeten Nachbarin und klaubte ihre Äpfel auf. sie wollte wieder in das eigene Grtchen zurück, aber da kam schon der donnernde Herr H. (als wär er die Zauberin aus Rapunzel) oder einer jener Götter, die ein Problem mit Apfelbäumen und Gärten haben oder ein amerikanische Waffenfreek, der seine Schrotflinte ausprobieren möchte. die Frau durfte weder zurück in ihren Garten noch den der Nachbarin noch sich vom Fleck rühren. die Polizei sollte geholt werden. Gleichzeitig schrie der Herr H. “Hauen sie ab, verschwinden Sie!”

Was ist das mit Gartenzäunen? wehe dem, der sie übertritt! (Oder Bilderstum-Plakate versehentlich anbringt.) was ist das mit Gärte generell? haben wir alle den rauswurf aus dem Paradies nicht verkraftet? Zurück wollen wir doch wohl auch nicht, dazu machen wir uns alle das Leben zu gerne zur Hölle.

18. Juli, München

geträumt, ich sei im Umleitungsgewirr um Merkendorf hängen geblieben. Waldlichtung auf der alle Wege endeten, keine hätte man zurückfahren dürfen, denn alle waren Einbahnstraßen. Das Gras auf der Lichtung, auf der ich nun stand, wuchs schnell in die Höhe, verbarg mich, duftete (!) und fiel dann zusammen und lag mir zu Füßen wie geerntetes Heu. Mit Rückenschmerzen aufgewacht. Ich bin das weiche Bett nicht mehr gewöhnt.

[…]

17. Juli nach München

Fahrt über Mitteleschenbach, Kurz-Vor-Spalt, über die kleien Ortschaften (irgendwo hier soll es eine Mumie geben in einer Kirche), über Weißenburg. Lange Zeit frustrierende Fahrt hinter einem LActrose-Frei-Tanker her, der nicht zu überholen war, weil zu viel Gegenverkehr war. Gerade die strecke vor Rueprtsbuch, wenn es so gerade nach unten und dann wieder hoch geht, kroch der KOnvoi hinter dem veganen Gefährt her. Ingolstadt nervt. Man kommt nicht drumrum. Dann AUtobahn.

Es ist die gleiche Maschine, nicht die selbe. Die gleiche, die also auch gleich fahren müsste. warum fährt sie so viel schneller, warum fühle ich mich viel freier auf der Autobahn, der Stress den bisher jede Überholaktion gemacht hat, ist wie weggeblasen. als  ich nach München fuhr, fiel mir erst auf, dass ich mit der neuen Maschine noch nie richtig auf der Autobahn gefahren bin (außer bei Regen und WInd  im Dunklen  nach Nürnberg, wo man nie weiß wohin einem die Spuren gleich wieder hinschleusen, im Gewirr der orangen und weißen Kriegsbemalungen der Straße. Es ist mehr denn je wie Fliegen. Lebensfreude. Angekommen bei den Eltern verschwitzt unter der Motorradkluft; zwischen den Rosen die Klingel gesucht. der Vater hätte beinahe nicht die Tür aufgemacht, weil er dachte ein unbekannter schwarzer Mann stünde vor der Tür.

16. Juli, Windsbach.

Doch froh über den verschobenen Abschied. die sich schließenden Kreise in den letzten Momente doch noch einen Termin bekommen im Rathaus. und tolles Gespräch (endlich mit einem sehr gläubigen ein Kirchgänger und Stadtrat,  mit dem ich auch über Samson und über das Spielen auf dem Altar zur Sprache kam.  da waren glaube ich viele nicht so glücklich drüber, aber kaum einer sagte was. Hintenrum hörtmans ja dann doch. ist ja auch vielleicht der Rede wert. WIr haben das nicht leichtfertig getan, aber es ist am Ende doch eine sehr grundsätzliche ENtscheidung: stellt man eine (Bibel)-Geschichte in den Raum einer Kirche… kommt man dann um den Altar rum? spart man ihn aus drückt man sich nur an den Wänden umher, wenn doch in der Geschichte eigentlich genau das passiert: ein Gottgeweihter opfert sein Leben. wo sonst als auf dem Altar kann er geboren werden? oder geopfert werden? – Ich meine die Fragen ernst und ich stelle auch sie in den Raum. liebe Leute, sprecht, redet, schimpft, spuckt es aus:  Was geht, was geht nicht?  Schön fand ich die Aussage des Theologen Rastschock, der meinte, wenn es der Handlung der Geschichte (also vorausgesetzt, es ist eine aus der Bibel) diene, dann sei es in Ordnung. wenn es “Nur so” passiere, dann nicht. ich weiß nicht… in der STadtkirche wäre mir die Idee nicht einmal gekommen Theater stattfinden zu lassen. aber in der Gottesruh… irgendwie sehe ich diesem rosr-rosaroten Altar immer auch einen Richtblock. er sieht mir aus, als wären da schon Ziegen drauf geschlachtet worden. hier haben mir schon Käfer den Weg ins Alte Testament gezeigt. Vögel landen auf ihm, atemlos und kurz vor ihrem ENde. vielleilcht bin ich da doch zu gewöhnt daran, dass es bunt zugeht, auch ohne dass ich Schneeflocken auf ihn fallen lasse oder den Samson zur Welt bringe. –  Ich wünsche mir Dialog und Austausch. erst wenn wir reden und ins Gespräch kommen, gehen Türen auf. 

Manche quietschen, zu manchen verliert man den Schlüssel, manchmal rieselt Rost.

Kreise schließen sich. Begegnungen in letzter Minute noch Umarmungen. Wieder gut. Glücklich auf der Kerwah gesessen gestern. Wieviele Männer kommentierten das Herren-WC der Stadthalle, das – wie man hört –  eine “Pissrinne” bietet, was offensichtlich nicht mehr selbstverständlich und ein willkommene Rarität ist. (was weiß ich denn schon!).  Gefreut, dass so viele vom Projekt noch kamen. lange gesessen. Das nicht endende Feuerwerk, Spiralen Sterne in den Sternen, immer noch eine Eruption, immer noch ein gewaltiges Krachen. Assoziation als handele es sich um zerplatzende Träume zerplatzen, aber dann zerplatzen sie halt auch dermaßen schön, bunt und laut. wir saßen am Weiher auf dem Gehsteig, ältere Frauen kamen aus den Häusern in Pyjamahosen, ebenfalls um die Raketen zu sehen. Es hält hält halt nicht ewig. zurück auf dem Festplatz noch in katholischerer Runde gelandet und wieder festgestellt, dass es eh wurscht ist. die Institutionen interessieren mich nicht. die Gespräche mit Menschen interessieren mich. Dennoch sagte der Pfarrer Peters, er hoffe ich würde irgenwann mehr als nur Esoterisch unterwegs sein. – Beteuerung, dass ich alles andere als esoterisch bin. aber wahrscheinlich meinte er eher damit, ich solle nicht immer den Christengott mit den griechischen Göttern (und mit griechischen GÖttern meine ich Zeus, Apollon, AThene  und co  und nicht etwas die Belegschaft vom Iios!) vergleichen. Ich erinnerte ihn daran, dass er immer noch nicht mein Motorrad gesegnet hat. Freundlichkeitansonsten war es einfach ein schöner Abend. ich habe hier viel bewirkt. z.B. endlich jemand das Karamell-Popcorn von Werther’s Echte ans Herz gelegt. ich habe keinen persönlichen Scheiß gebaut. Und vieles ist wieder gut geworden. Morgentee kurz vor der Abfahrt im Garten der Sa. dann Auf und davon.

15. Juli Windsbach.

Die Bauarbeiter sind bald so weit, die Straße zu teeren. der Ludwig B. weiß alles darüber. ich könnte es auch wissen, denn der Staatsbeauftragte, mit Namen Fehler erklärte es mir haarklein, zeigte mir die Zahlen, die belegten wie plan und eben die Kieselsteinschicht der STraße ist. alle 20 m sei gemessen worden und alle Abweichungen lägen unter dem Richtlinienwert von 2 cm. die Schwankungen betrügen eher 2mm, so ebenwedig sei sie Straße. (Und dass obwohl so viele Idioten drüber  hinwegfahren obwohl gesperrt ist. Und obwohl der Ludiwig B. auch immer die Sperr-Schilder aufstellt. das müsste er nicht, aber es liegt ihm am Herzen. so wie ihm am Herzen lilegt, dass hinter der Kirche aufgeräumt ist und dass ein Vogelhäuschen im (ehemaligen) Eichenspinner-Baum hängt. Die Stadt und die Kirche sollen wissen, dass es diese guten Geister gibt. wollte ihn nach dem Konzert der So. vorstellen, aber da war er die Baustelle bewundern und so wude es nichts. Gemeinsame Brotzeit auf der Bank vor der Gottesruh.Es beginnt sich die Ruhe einzustellen, Freude über die getane Arbeit. man weiß wieder für wen. einfache Leut. Komme auch wieder zum Schreiben. Geschichten spinnen sich im Kopf zusammen und kribbeln im Bauch.

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obwohl der Termin im Rathaus doch wieder ausfiel, froh noch einen Tag geblieben zu sein. Zeit die man nicht hat, beginnt doch die eigene zu werden.

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Herrn Lechner getroffen, Heimatmuseum. war schon lange nicht mehr da. EIntauchen in die Schatzkammer. Wieso steht die Samson-geschichte nicht in der großen Schmuck-Bibel? das hätte der Koran sich verbeten, dass man in ihm herumkürzt! ich liebe am Heimatmuseum, dass eine so bunte Mischung ist. Kein steriles Sortiment, eine prächtige überbordende Sammlung. der Playmobil-Luther, neben dem alten Stich, das lexikon, auf dem man mit sprechenden Aperaturen herumfahren kann, die das Buch zum Tönen bringen. Retro-High-Tech. großartige AUsstellungsstücke. Wußte nicht wie zierlich Sargnägel sind. wie zart sich haare zu Schmuck spinnen lassen. oder zu Gold? Und irgendwo liegt ein Büchlein, das den kleinen Karl lobt, er sei brav gewesen und ein guter Schüler. dav

Ausgefahren. Weizenfeld hinter WInkelhaid wies Schild auf auf dem stand Henglein Kloßteig. als wüchsen dort Plastikbeutel mit Knödeln darin. oder stangen voll gerolltem Blätterteig. Dana in Schwabach im LAdencafe besucht. Copyshop. Verabredet für Kerwa mit immer mehr. Vorfreude. letzter Tag. letzter Abend. nochmals Il Corso. Hüdi beschwert sich über Gäste, die  ihm blöd kommen. (“wenn die blöd kommen… – ich kann noch blöder!”)

14. Juli, Windsbach

Zelt getrocknet. wieder Konzert, Leute kommen sehr sehr früh. Rückzug in die Baggerschaufel, drin eingeschlafen. Musikfetzen der Chorprobe bis in den Traum. dann aufgewacht und doch zum Konzert gegangen. Die So. sitzt neben mir umd sagt, die Musik klingt wie aus den 70er Jahren. es stimmt. Witzige Musik, vielleicht etwas zu lautes Synthetisches Keyboard. Wenn der Kirchenchor a capella singt, klingt er wunderbar.  ein schönes Konzert. nicht direkt mein Geschmack, aber irgendwie auch wieder doch.  froh dagewesen zu sein, also drinnen. Abendsonne Scheiderer Schäufele. der Hochbetrieb des Kinderkarussels, es läuft immer, weil immer einer anschiebt.

Der Richard  zieht aus dem Kantorenhof aus. Bürostuhl voller Bücher zum Parkplatz und zum AUto seines Vaters. die Bücher fallen, Frau D. , Witwe des Kantors und Komponisten, der dem Vater der Sa. nachfolgte, trägt sie ihm hinterher und rät nicht alles auf einmal zu transportieren, aber die Bücher und Notentürme in einem Wegzuschaffen wird zur wahnwitzig zwingenden Notwendigkeit. was alles durch den Gottesruh-Garten rollt (abgesehen von meinem Motorrad und den Schubkarren). wieder geht eine Zeit zu Ende. Auch er sagt, es sei nun genug.  Gut. Gut sein lassen. is ja auch gut.

 

13. Juli, Windsbach

Mit maßvoll ist auch gemeint maßvoll. Nicht volle Maßkrüge.

Fühle mich dennoch als sei es nicht maßvoll gewesen. Vielleicht vertrag ich nix mehr. Es war eine Maß! Eine einzige. Trommelnder Regen in der früh. fühlt sich an, als fielen die Tropfen direkt in mein Hirn. Und in der Gottesruh flog die Sicherung raus. Kein Tee. Wo doch eine Hochzeit ist heute. Eine Kindergärtnerin, die sehr nett sein soll laut ihrer Kollegin, heiratet. Leute kommen. Eine Frau bringt Sonnenblumen zusammen mit ihrem Kind. Sie trägt die Blumen, das Kind den Autoschlüssel. Sie sagt wo sie ihn anfassen soll: Unten. WO ist unten fragt das kind. Sie sagt ihm wo unten ist. Wäre schön nochmal jemandem die Welt zu erklären. Dachte das gestern schon, beim Wolken-Entdecken. Sicherungsprobkem erkannt und behoben. erleichtert. weiter geschlafen.

Der Regen wird heftiger. Das Zelt hält dicht, aber klamm ist es doch. Mein Rücken schmerzt. Es gibt nicht mehr viel Gründe hier zu sein. Aber ein wesentlicher ist eigentlich genug.

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Mitbewohner in Berlin instruiert, sich auf ein aus allen Nähten platzendes Paket gefasst zu machen. of course, he said.

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Abends doch wieder Kerwa. Der Junge am Stand “Glückshafen”, kennt mich noch. Dennoch… schon als ich das Los zog gewußt, dass “Danke” draufstehen würde. Macht aber nichts. Was hätte man denn gewinnen können? eine billiglastik-Meerjungfrau Barbie zum Beispiel. mit abnehmbaren Schwanz. fand eine solche dann im Bierzelt, die machte die Runde durch die Bierkrüge. Unglückseliges Weibsstück. Ihr dunkelrotes Haar zog Fäden durchs Bier.  man fingerte sie wieder raus, dabei verlor sie auch ihr Oberteil. die Band war gut. Polizei, die jemand gerufen hatte, weil jemand anderes gesagt hatte, das Bayern-Käppi, das da eben der erste jemand  (Möglichereise  etwas zu hoch erhobenen Hauptes) zur Schau stellte, gehöre abgefackelt. Kamen sie zu zweit und sagten, sie seien gerufen worden, weil ein Brandanschlag geplant worden sei gegen jemand. man müsste drüber lachen. aber es ist schon übel. Obrigkeitsgepetze. Kuschereien. Üble Nachrede. Was treibt die Leute nur?  Nicht zu lange im Bierzelt geblieben. der Regen hatte aufgehört, Fahrt mit dem Butterfly. der BLick in die Runde der leuchtenden Kirchweih, dann um die Kurve in dunklen WOlken-Landschaften. Lebendig. NIemand wird abgefackelt. es brennt nur ein bißchen in den AUgen. es ist so schön…. es ist fast vorbei. Danach die obligatorische Schneemaß beim Helmreich. Hinterhof, der sich uasnahmsweise auftut und in eine andere Welt führt. Ich bleibe dabei: die Schneemaß schmeckt nach Kuchenrührteig. keinerlei WIrkung. dennoch gut.

helmreich

Es gab mal Außenbetrieb im Helmreich (vor dem Helmreich!)

Windsbach, 13. Juli

Jetzt ist sie  [Spoiler-alarm!] tot. Der letzte Drache trug sie weg in seiner linken Klaue. Zu viel des Guten gewollt. Die Umkehr in finsteren Größenwahn. dumm gelaufen.

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Wieder zurück nach W. Die Fahrt mit dem Blablacar teilweise verschlafen. Träume von Haarrissen im Asphalt der Autobahn, an denen kleine Fischer mit hohen Gummistiefeln standen und angelten. Aus den Spalten leuchtete es gelb. Sie wollten nicht sagen, auf welchen Fang sie aus waren. Das siebenjährige Mädchen hinter mir schrieb mir ihren Namen auf den linken Arm, damit ich ihn nicht vergesse. Brachte mir auf arabisch die Sätze bei: „Mach die Tür zu“ und „Dein Haar ist schön“, beides wieder vergessen. Hätte es auch auf die Haut schreiben sollen. Neben mir asiatische Yoga-Lehrerin mit weißblond-gefärbtem langen Haar. Das Mädchen fand nebeneinander sähen wir aus wie Anna und Elsa. Wieder schlief ich fiel. In letzter Zeit falle ich in Schlaf bei jeder Gelegenheit. Aufgewacht in der Gegend vor Bayreuth. Der Himmel bot eine Zirkusvorstellung von Wolkenbergen. Springende Löwen, Hunde und ein Kamel, das sich langsam in ein Dromeda und dann in einen Drachen auflöste. Das Kind staunte. Besonders das Kamel war so echt… habe dieses Spiel lange nicht gespielt, sie spielte es zum ersten Mal. Wir suchten, das war hinter Bayreuth noch lange nach weiteren Tieren, aber es kamen keine mehr.

In Roth lag ein Gewitter in der Luft. Das Motorrad stand noch gut auf dem Parkplatz, sprang an, tat gut. Wieder Halt gemacht in Abenberg.  Zufall. B. saß neben dem Burgwächter auf dem Mäuerchen mit Tablett und zwei leeren Kaffeetassen – und neben dem rieisgen Notausgangsschild. Es ist eine Plane gespannt über einen Bauzaun. Hinter dem Schild geht es tief runter ins nichts. Ob die Leute sich in der Not hinabstürzen? Oder ratlos vor der Plane stehen bleiben und nicht wissen wohin…

Angekommen. Zelt steht noch, kaum nass. Aber eine dicke Nacktschnecke lag auf meiner Matte und hinterliße Silberspur. Aus dem Stiefel, den ich anzog, krabbelte ein langer schwarzer Käfer an meiner Wade hoch. Es ist nicht mehr ganz mein Zelt.

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Maßvolle Kirchweih. Schöner Nachtspaziergang. Neue Menschen. Viele Geschichten. Unerzählbare.

Berlin, 11. Juli

Vergass, wie gut der Stadt der Sommer tut. Ingwerbrause bei Micha. Von irgendwo her tönt eine coole Version des Affen-Songs aus dem Dschugelbuchs. Die Bäume haben sich verändert, von vielen hängen Äste herab auf skurrile Weise. Ein Baum ist regelrecht entwurzelt, als hätte die Erde ihn ausgespien. Dinge ordnen. Rechnungen begleichen. Liegengebliebenes. Die Kleiderberge um den Sessel herum, da hatte ich noch was zelttaugliches gesucht in letzter Minute. alles “Zelttaugliche” ist jetzt irgendwo auf Postwegen unterwegs zu mir. Das rythmische Gurren der Türkentauben wenn es viele klingt es, als lästerten sie. Wo ist Lorenc? Dem schmalen Haus ohne Tür zwischen dem Stuck-Laden und d em großen Eckhaus, in dem die Apotheke nicht mehr ist hat seine Efeu-Pracht verloren. Obwohl es immer noch rätselhaft ist, wie man hinein kommt ohne Tür, sieht es längst nicht mehr so verwunschen aus wie mit Efeu. (heimlich gedacht, der Bewohner müsse sich an den Ranken hinaufziehen zum Fenster). Ich fühle mich frei. Dass ich morgen wieder fahre ist idiotisch. Eben doch nicht frei. Motorrad holen. Dann frei. Wo bleibt mein Paket?

Berlin , 10. Juli

Angereist (eigentlich fast nur) für das Öffentlichkeitsarbeits-Treffen des Netzwerkes Alleinerziehende… aber dann waren nicht einmal alle da. vielleicht besser so. zu viele Meinungen. Das Logo, die Frau mit dem Kind… ob das nicht auch ein mann sein könne. damit die Väter sich nicht übergangen fühlen! bei aller Liebe…! Die Lichtenberger Lilli mit ihren weichen Hüften und ihrer üppigen Brust soll plötzlich ein Mann werden? Vergesst es! Hört auf PS zu sein. Klar gibts auch Väter. und die sind ebenso wichtig. aber noch sind es mehr Frauen. und es waren so lange die Frauen, die unbeachtet waren. die müssen jetzt mal vorgehen. alles der Reihe nach.

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Abends Game of Thrones aufgearbeitet. hatte vergessen, dass ich es nie zu Ende geguckt habe. es geht zur Neige. es wird nicht gut ausgehen. die unantastbare Drachenfrau… in der Fremde (aber war sie nicht immer fremd?) fühlt sie sich plötzlich ungeliebt. ein Hauch von PAranoia über dem schönen Gesicht. Und natürlich iste s umgekehrt. Weil sie die Liebe fast zum Greifen nah sieht, fühlt sie sich ungeliiebt. und ein Drachen stürzt ins Meer. ich habe sie immer aerodynamisch unglaubhaft gefunden. Platsch.

Windsbach, 9. Juli

Die Nachwehen des Projektes, der Treppensturz sitzt mir doch noch in den Gliedern.  Schüttelfrostiger Aufbruch sehr früh. Berlin ruft. Müde. Die Post der Frau Viebeck hat noch nicht auf, daher das große Paket mit allen Sommersachen und sonstigem Kram,  für das auf dem Motorrad kein Platz war doch aufs Motorrad gepackt. tetris-artiger Turm hinter mir auf dem SItz. Über mir. Balanceakt, der eigentlich nur schief gehen kann. Zwischenstop/Frühstücken in Abenberg. Pfarrer Brendel. Seit langem erstmals wieder bei einem Tischgebet anwesend gewesen. Und das in der Bäckerei-Kette Schmidt. Seltsame Feierlich/Förmlichkeit in der Sonne. Wünschte ich hätte seine Sicherheit. Unverhoffte Freude, dass sie Earl Grey Tee haben dort. Das Paket doch abgeladen von der Maschine und es in der kleinen Edeka-Postfililale aufgegeben. 16 €! Hoffe es kommt an bevor ich wieder weg bin. Nicht nur deshalb noch rumgetrödelt in Abenberg. Cafe Rock. Burg. Neben der Burgkapelle, Abschied von BIlly und Dana. sich nicht verbiegen müssen. ENtspannter Moment in der Sonne. Im phantastisch zartbunten Garten. Das Herz am Holzschuppen, die Kartoffeln auf dem Tisch. die Katze im Gras. Einen Moment dachte ich, ich kenne die Katze – Unsinn – es war, weil sie aussah wie die, die ein paar Tage lang ind er Gottesruh aufkreuzte. DIe von der ich dachte, sie sei schwanger und würde ihre Jungen vielleicht in der Kapelle bekommen, wenn ich die Tür nicht schlösse. Manche Katze ähneln sich sehr. Hab ich die Tür geschlossen?

Es ist kühler heute. ein Hauch von Herbstahnung. die SOnne brennt trotzdem. ich glaub mich schüttelt die Müdigkeit.

Windsbach, 8. Juli

Morgens kam A. die letzten techniksachen ausgetauscht. der Grill weg. dann Morgenkaffe an der Tanke und die Rezension gemeinsam gelesen.

edf

delila

Tagsüber Balanceakte mit dem Motorrad. die Aushängeschilder und Plakatständer einsammeln, am ENde doch mit Hilfe und Hänger. Abends Pflugsmühle. diesmal idyllisch. die schönen Plätze an der Mauer mit dem Blick über die Wiesen waren frei. leider modriger Dunst vom Kanal. dann doch wieder ind er mItte Platz genommen. ENdlich Schäufele. Feierabend-Gefühl.

Windsbach, 7. Juli

Morgens aufgewacht vom leisen Regen, der auf das Zelt fiel, erster Tag in Ruhe. Morgen danach, aber schön. Der vergessene Rucksack neben dem Grill, aber kaum wichtiges darin, da er randvoll war mit Brötchen und Würsten, die inzwischen verbraten und gegessen sind.

Die abgekoppelte Schaufel des Baggers, die am Wegrand, am Hang, etwas unterhalb des Maisfeldes liegt – der Querschnitt der hellen lehmigen Erde, das hohe Gras, Mohnblumen, drumherum – reißt ihr Maul auf. Könnt ein Schlund sein, in dem man vergeht, oder aus der Welt in eine andere Welt. Habe jetzt ca 1 ½ Monate im Garten der Gottesruh verbracht. Immer war etwas, so viel zu tun. Heute ist der erste Tag Ruhe. Abstand nehmen. Nicht viel Abstand. Quer über die Baustellenstraße, da wo die Schaufel einem entgegen gähnt. Mittagsschlaf in ihrem Schoß.

Müllwegfahren. Wo tut man den hin? Gibt es keine allgemeine Mülltonne? keinen Wertstoffhof? Flaschencontainer hinterm Bahnhof. Aber Papiermüll? Edeka Nähe Fundgrube.

Dann Neuendettelsau Flohmarkt. Erinnert an eben jenen vor zwei Jahren. Die üblichen Krimskramshändler mit immer den selben Waren und selben Preisen. Auf Tischen und Batterien, Wäscheleinen, Arbeitshandschuhe, Nagelscheren, Feuerzeuge. Die wenigen privaten Händler vereinzelt verteilt über den Besenbeck-Parkplatz. Schwüle Hitze, Wolken. Nicht viel los. Einer sagt: „Einpacken?“ der andere sagt. „ Auf keinen Fall! Daheim steh I a nur blöd rum.!

Hose gekauft. Ein Hauch von Pluderhose. Hatte gefragt, ob ich eine Quittung bekomme. Der Verkäufer hatte ja gesagt, aber schrieb dann nur auf eien Zettel: „Hose, 10 €“ und ein gekritzeltes Etwas als Unterschrift. Sing, hieße es. Den Namen, das Datum musste ich dann bereits selbst drauf schreiben. Ob man „Sing“ so schriebe? „jaja“ hat er gesagt. Nach seiner genauen Adresse zu fragen hatte ich dann schon keine Lust mehr. Hab ich halt einen Zettel, auf dem steht „Hose“

Das Kind sagt Uiii. Grill und Bratwürscht… Da hat jemand ein Fest gemacht. Aber keine Mens chen seine da. Nur ich. Kleiner Junge undj Mutter auf Rädern fahren zur Gottesruh; Kind hatte Hochzeitsfoto gesehen und wissen wollen, wo das gewesen ist. Fährt die Mutter mit ihm hin, er auf dem kleinen gelben, sie auf dem großen roten Rad (das er, obwohl er gerade mein blaues Motorrad betrachtet, das schönste Rad von allen findet, weil es nämlich rot ist, weil Rot ist seine Lieblingsfarbe). Warum erfüllt es mich mit Stolz, dass sie auf den Bierbänken sitzen und Limonade trinken? Als hätte ich sie eigenhändig gezimmert und nicht nur beim Fristo ausgeliehen.

Das Cello-Konzert. Hatte es eigentlich hören wollen aber die strömenden Leute sind mir gerade zu viel. Muss an den Herrn B denken, der sich den Samson gestern auch von der Empore ansah und nicht unter den Leuten sitzen wollte. Manchmal muss man Abstand nehmen. Habe mich in die Baggerschaufel zurückgezogen. Die Töne wehen herüber durchs hohe Gras bis hinein in den Schlund. Vielleicht ist es auch ein Ohr. Der Himmel reißt wieder auf, die Sonne glüht. Ich weiß, dass der Bach im Inneren schöner zu hören wäre. Habe Cello immer geliebt, weil man kann die Musik durch und durch spüren. Momentan ist die Ferne aber auch okay. Brauche einen Moment Abstand. Seltsame Perspektive. Die Straße in ihrem Zustand ein zu breitgeratener Kiesweg liegt in der Sonne wie ein apokalyptischer Wanderweg. Erstaunlich viele Menschen flanieren hier. Die Frau mit dem langen blauen Haar und ihr Begleiter, schon weit in Richtung Wald, andere kommen näher in gleißendem Licht. Wohin? Und nun ist Wind.

Seltsame Schmetterlinge, sandfarben und staubbedeckt flittern um meine neue Hose (Flohmarkt, aber Neuware, in der selben Farbe wie das Gefügel. Sie flattern wie elektrisiert um mich herum, erst einer, jetzt sind es schon drei. Liegt es an der Bekleidung? Sind es vielleicht die wenigen Überlebenden des Eichenspinner-Genozids, die sich nun rächen wollen, weil ich sie verraten habe?) oder kamen sie schon mit dem Stoff?

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Gestern also der vorerst letzte Bildersturm… eine weile lang kein Licht am Ende des Tunnels gesehen, weil die Widerstände so unüberwindbar schienen. Die Mission so unerwünscht. Hat ne Weile gedauert bis ich kapiert habe, das die Mission nicht sein kann, da anzuzknüpfen, wo man vor einem Jahr aufgehört hat, nicht die Leute, die von heute auf morgen nichts mehr wissen wollten, davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, für eine Idee alles zu geben. Keiner will eines besseren belehrt sein. Und man kann niemand zwingen einen zu nehmen wie man ist. Alles was ich tun kann ist eine Sache an die ich glaube umzusetzen. Es sind neue Leute gekommen. Und neue Freundschaften entstanden und ich habe am Ende gemerkt, dass ich alles andere als allein bin. Glücklich. Eine große Sache. Gewaltigerer Abend als gedacht. Und viele blieben noch bis spät in den Abend hinterher sitzen auf den Bänken vor der Kapelle. Inbegriff von: Traum wird Wirklichkeit. Klar, die Träume werden nie genauso wahr, wie man es sich vorstellt. Ich glaube (und viele sagten es), dass die beiden Bilderstürme sogar noch besser als im letzten Jahr gewesen sind. Das erste vielleicht noch ausgereifter, das zweite eh rahmensprengend, gewagt – bunt und verführerisch… es fühlt sich aber im Gegensatz zum groß verkündeten letztem Jahr wie ein insgeheimer Erfolg an. Letztes Jahr wollte man, daß es ein Erfolg wurde. Es wurde groß beworbent wie etwas, das man gesehen haben muss. Jetzt insgeheime Perle. Um so mehr berührt mich die Andacht und die Inbrunst des Spiels. Und noch nie so persönlich innige Dankesworte von den Mitwirkenden. Glücklich. Zufrieden. Stolz. Bis spät in der Nacht noch gesessen. Die K. half noch beim aufräumen. Und hinterher im Garten den finale Feierabend in der späten Nacht. Es ist immer anders, wenn die Träume wahr werden. Gut so.

6. Juli. und heute “SAMSON….” ab 16:00 in der KapelleSamsonGottesruh_JimAlbrightFoto_020719 (49)-1

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Windsbach 5. Juli

um 7 Uhr früh aus dem Zelt in Badelatschen. Überlegt, ob schon Schuhe anziehen? aber DIxiklo lieber in Badelatschen betreten, die man waschen kann. dann GOttesruhkapelle vorzeitig und früh mit dem restprogrammieren beginnen… ein Tee… gut un der Zeit… dann doch nicht. Probe. weiter. Rechnerabsturz. wer holt das Grillgut? Filme fertig,nur die Marienfigur die im Barocken Kleid der Kapelle  von den Bilderstürmen niedergetrommelt wird, wollte nicht fallen. der Film hakt. Ein Zeichen? Die Knaben kommen… das Grillgut trifft ein. Der Dekan…die BIlderstürmer….  und die Vorstellung beginnt. EIntauchen in den vertrauten schönen Ablauf. erst als ich beim Vogt-Psalm “Die Himmel erzählen…” stehe neben dem Dekan  in meinen immernoch Badelatschen wie im falschen Film und dennoch passt alles. Grillen. Gottesruh. Der DOmmel mit Hut hat die Gießkanne der Vogts zerhauen, weil er so inbrünstig beim Bildersturm auf sie darufgeschlagen hat. Was ihm dann leid tat. Idyll von menschen die an den Tischen saßen und den Abend mochten. Feierabend. Glücklich.

Windsbach 4. Juli

seltsamste blaue Flecke. vielleicht fiel ich gar nicht, sondern wurde von Außerirdischen Entführt, die mit seltsamen Stempeln spuren auf der Haut hinterließen. Auch eine Form des “Auserwählte-Seins”? es sind eigentlich keine Blauen Flecke, eher lila-schwarze Anfänger-Tattoos. Erst nicht laufen gekonnt. Aber sobald ind er probe, dann doch. der Körper hält sich zurück, wenn er begeistert ist.

Probe und Film-Programmieren bis spät nachts mit A. bis wir nicht mehr konnten. Das ist alles Arbeit, die ich eigentlich schon vor Wochen fertig gemacht habe. aber es hatte sich herausgestellt, dass mein Computer einfach zu schlecht ist, zu voll, um die Vorstellung zu schaffen (bzw. der Beamer ist zu gut für ihn). alles neu eingegeben in As Rechner. zu viel offene Baustellen. 

WIndsbach, 3. Juli

Wortlose Endprobenzeit…. voll und reich und wie immer am Ende des Wahnsinns. Achterbahnfahrt an Gefühlen, kleinen Wundern. Nächte in der Kapelle allein mit den Beamern, BIldern und Hans Moser, der singt “Wenn der Herrhott net will…” dem WUnsch Zeit zu haben. die Kapelle eigentlich immer “jenseits der Zeit”. Bauarbeiter immer wieder Engel. Der B. der ein Vogelhaus im BAum angebracht hat, eins das er selbst gebaut hat, in den Baum in dem der Eichenspinner befallen hatte und auch den Herrn B . befiel. Katholischer Kunsthistoriker aus Coburg freundliche Gespräche. die Fülle des neuen Filmmaterials. immer noch keine Werbung auf der Seite der Stadt. dabei grandiose Probenfotof von FLZ.Fotograf.  Nachts die Lichter löschen. das des Beamers vergessen. wenn man zurücj geht auf die Empore und das gerät ausschaltet, erstmals wieder stockfinsternis. Die vertraute Dunkelheit… die vermeintliche. Sturz die Treppe hinab, auf einmal hat die Welt kein oben und unten mehr.  muss geschrien haben, die K. hörte es in der Nacht vom Balkon zimmer. Tiefpunkt. kann nicht mehr. Schwindel. Windsbach ist ein Ort an dem ich mich erinern konnte, dass es Sterne am HImmel gibt. in Berlin sind sie kaum anzutreffen. es ist so weil es hier noch dunkel wird in der Nacht. Blitze im Hirn. ich wünschte, ich hätte noch Zeit hier. am Ende fehlt sie immer. ENtkräftung.

29. Juni, Windsbach

 

28. Juni, Windsbach

schlecht geschlafen. die  Nacht wurde wieder kühler. Schlafsack-Konzept um 2:15 ändern. doch kalt. um 4:30 wieder die Vögel viel zu laut. nochmal erschöpft eingeschlafen bis 7:00. der gestrige Tag hat das Wasser  im Regenfass vor der Gottesruh komplett verdampfen lassen. Knochentrocken. die eigenen Knochen schmerzen. Fuß neulich verknaxt, beim Vorhang-Aufhängen.Woher weiß man was Sackgassen sind und was nicht. Vorhang ja oder nein?

Helmreich. Pralinen-Frühstück. Süße Ruhe. Der Tierarzt kommt zufällig vorbei und klärt mich über das Fördermißverständnis im Rathaus auf. STadtratsbewilligung bedeutet nicht Förderbescheid. Formalitäten. wird schon, meint er.  WOhlwollen. Geduld. Außerdem erhalte ich Antwort auf ganz andere Fragen, den Samson betreffend. plage mich nämlich schon länger mit der Frage: wie schafft einer das, 300 Füchse zu fangen, sie aneinanderbar zu binden paarweise, die Schwänze anzuzünden und sie durch die Felder zu jagen. veterinärmedizinische Expertise lautet: “Füchse sind nicht brennbar!”

***

Um das Zelt schweben Glühwürmchen. ich erinnere mich an letztes Jahr, da tanzten sie im Garten der Sa. es war noch alles gut, der Sohn war noch am Leben und ich dachte, dies würde mein neues Leben. Die geisterhaften Lichtpunkte haben etwas beruhigendes. Dafür wühlt ein weitaus größeres Vieh im Garten der Sa. herum. Werther’s Karamell Popcorn in einer der Taschen gefunden. Noch sehr gut erhalten.Es war ein guter Tag. Erst der Ärger mit der immer noch unklaren Fördersituation im rathaus. Versuch, hinzugehen und es zu lösen, aber es hing ein Pappschild da, sie hätten heute nur bis 10:30 geöffnet. Helmreich. Radio Weinl. (Glühbirnen gekauft und irgendwie auch in anderer Hinsicht „erleuchtet“ aus dem Laden gegangen, am großen Hund vorbei). Bin jetzt aber froh, dass ich nicht ins Rathaus konnte. Erster Tag in völliger Ruhe. Jenseits der Stadt. Weit gekommen. Weit weit weit. Trotzdem erstmals bei mir. Die kApelle sieht plötzlich so groß aus. Konnte mich nicht aufraffen ind ie Stadt zurückzugehen für Internet und sonstiges wie z.B. einen Carabinerhaken kaufen. Und just in diesem Moment kam der B. vorbei und schenkte mir einen. Einen Carabiner.

What are the odds?

27. Juni, Windsbach

Ruhiges Arbeiten ab 4:30. Die Sa. gibt Wasser und den Schädel eines Rehs. Das eine für mich, das andere für Samson. (okay, ein Löwenschädel  wäre besser gewesen, aber sie hatte halt nur ein Reh). Trickfilm: den Löwen in der Apsis zum Sprung animieren.

Grossmüller-MAN-LAstwagen fährt vor der Kapelle Kies. Immer sehe ich ihn nur rückwärts fahren. So, als führe er, während ich hier auf der Bank sitze und schreibe einmal durch ganz Windsbach, einmal rund um die Welt und käme (immer noch im Rückwärtsgang) bei Ismansdorf wieder heraus, um sich aufs Neue in meinen Blick zu schieben.

Die Bauarbeiter sind wunderbar. Werkzeug geben sie, Leitern, Butterbrezeln… Und schwärmen von der Kapelle. Weiß Und arbeiten mehr oder weniger durch bis 17 Uhr. Bei der Hitze!

Die So sagt, die Welt drehe durch, Sonnenstürme müssten her, damit zu erwarten. Der Mann der So sagt, oder der Nepomuk. Erst nicht gewußt, wen er meint. Er meinte den aus Jim Knopf. Vielleicht bedarf es auch eines Richters. Eines Samsons.

Abends Abenberg. Entzückender Edeka mit Post. Suche nach „Kulturhaus“, die Edekafrau weiß es, rennt mir aber aus dem Laden hinterher um ihre Wegbeschreibung zu revidieren. Dort Lesung. Wunderschöne Lyrik von drei ganz unterschiedlichen Dichtern in einem Raum, von außen unscheinbar, von innen ein lebendiges kleines Museum. Bildwerk. Bunt. Lebendig. Im Raum tanzen die Worte, zwischen den Gedichten unverkrampftes Gespräch. Froh, dagewesen zu sein. Es ist gut, ab und zu anderes zu hören als den eigenen Brei. Danach Fleisch und Bier auf Mittelaltermarkt, Eckersmühlen. Die Katze weiß nicht wohin mit der Maus. Keiner (auch ich nicht) will sie haben. Isst sie sie dann doch selbst. Übrig bleibt nur das Gedärm.

26. Juni, WIndsbach.

Vor der Gottesruh. NOCH kriechen diese seltsamen Wesen ind er Eiche herum. P1370527(Vom Fenster der Gottesruh aus aufgenommen.)

P1370520

Der Genozid an den Prozessions-Spinnern hat begonnen. An dem Stamm mit dem weißversponnen Nest unter dem die Raupen sich winden, kriecht ein weiteres weißes Tier. Apokalyptischer Ganz-Körper-Schutzanzug des Kammerjägers. (heißen die auch so, wenn sie nicht in Kammern jagen, sondern unter freiem Himmel?). Ich könne ruhig bleiben, sagt er, an meinem Tisch vor der Kapelle. Aber der Geruch des Sprühklebers ist doch unangenehm. Löst Erinnerung an Tränengas in Gaza aus. Nicht jammern. Den Spinnern geht es jetzt viel schlimmer.

***

Die heißen Tage bringen einen um den Verstand. Imme rnoch kein Förderbescheid zu haben. Das Rathaus vergisst, was es in den Stadtratssitzungen schon zwei mal (laut FLZ sogar drei) mal beschlossen hat. Alle die es wissen sind unerreichbar oder in Urlaub. Keine Förderungen? Wie stellt Ihr Euch das vor? Wir hatten doch schon begonnen zusammenzuarbeiten. Die Workshop-Postkarten wurden doch im Mai (mit Förder-Nennung) vom Rathaus verteilt. Und jetzt in den Endproben bröckelt das gesamte Konstrukt? Habe das Gefühl, mich im Freien Fall zu befinden. Eine Reißleine gibt es nicht. Um Antworten muss man ringen. Vom Sach-und Diensteistungs-Support, der ja bereits begonnen hatte ist keine Rede mehr. Keine Werbung? Kein Verteilen von Postkarten? Keine Bierbänke?

Es muss ein mißverständnis sein. Es muss mit der Hitze zu tun haben. Es darf alles nicht wahr sein. vielleicht sind es Fieber-Gespinste, Hitzeflimmern. vielleicht bin ich noch in einem Traum. Aber in wessen?

Bierbänke bei Fristo leihen. Klappt. Positiv denken. Es ist der normale Endproben-Wahnsinn. Bilderstürmer-EInmarschkoordinieren… – klappt immerhin beinahe. Alle können, nur immer einer dann doch nicht.

Gottesruh-Proben heute nicht möglich, weil die Schüler Abi-Gottesdienst üben. Schüler weit strenger als Dekan. Der Vorhang habe zu verschwinden und die Kartons vor den Fenstern. Er erinnert mich an den Aushilfslehrer Ettengruber für Reli und Mathe aus meiner Schulzeit. Der Schüler wird bestimmt mal Bischof. Und wenn man wirklich nur noch heulen möchte (aber Flüssigkeitsverlust bei diesen Temperaturen geht gar nicht – Ohrwurm der Game-Of-Thrones-Titelmusik verhindert es aber eh!), macht der Abend alles wieder gut.

Großartige Probe mit Brendel, Billy und Nik. Dann Plakate-Kleben in Elberdorf. Die Sonne ist noch nicht untergegangen. Spät Il Corso. Es schien ein Feierabend bier zu sein, aber das Treiben beim Hüdi erinnerte mich an die Hochzeitsgesellschaft des Samsons. Da geht was.

25. Juni,Windsbach. Die Warnung meines Pappschildes “Vorsicht Prozessions-Spinner” an der Eiche vor der Gottesruh ist offensichtlich doch keine ausreichende Maßnahme. Stadt verständigt. Kirche. Mann erscheint und sieht außer den versponnen Raupen auch freilaufende. Prozessionen, Raupe an Raupe. überall. und die Eiche ist komplett befallen. Ich wohne in direkter Nachbarschaft mit Millioenenn von haarigen Prozessoren. Der (vergnügte) Herr B., den weiß ein Lied davon zu singen. Möglicherweise sollte ich doch umziezhen. Die So. besteht e gutachtet. Achten. Achten Achten.  beide kramten wir in den Schätzen in dem Zimmerchen, das einmal vor langer zeiit ein Nähstudio war. Schnittmusterbögen einer Tante CHristel, vergilbte Kunstwerke aus ferner Zeit.

Abends PLakate aufgehängt. Moosbach. Dettelsau. WIndsbach Katholische Kirche. Petersdom. Die hartblickende Maria. wie versöhnt man sie. Der SOhn hält etwas in der Hand, das wie ein dunkler Nasser Schwamm aussieht.  Sie selbst steht in einer Mondsichel. Wieso betrittst Du den Mond? er lächelt seltsam, sein Gesicht in Bandagen. tut es weh? Kerze angezündet. die Münzen verhallen in der STille die Fenster sind rot, darin leuchtet die Schrift. es ist kein schöner Raum, aber er tut doch gut. Und er ist Insektenfrei

23. Juni, Erlangen. Nun hätten wir beinahe den Publikumspreis gewonnen!!!! es muss um ein oder zwei Stimmen gegangen sein. Egal. Nicht egal. Hätte ich doch nicht so positiv für das andere STück gevotet. Hätte Hätte Fahrradkette. Knapp daneben ist auch vorbei. Trotzdem… Bainahe ist auch nahe. vorbei.

Marionettentheater3

Marionettentheater2

20.  Juni. Erlangen

nun dachte ich, der Ort an dem wir spielen, es ist von außen  eine riesige Kirche, von innen ähnelt es dem Gemeindehaus des Dekans, nur dass der Saal verdunkelbar ist, aus zwei Räumen besteht. Tatsächlich ist es nur einer. Luther-Saal und Commenius Saal, am Ende stellt es sich als nur die HÄlfte des letzten heraus, der wiederum melanchton heißt.Mit Commenius hatte ich mich gerade abgefunden. Aber nur Melanchton? Zum Vorhang aufhägen zieht Melanchton  die selbe Schienenkonstruktion wie das Gemeindehaus WIndsbach, von dem ich weiß, dass sie nicht magnetisch ist. Leider wollte es die Testivaltechnik mir nicht glauben.

Festival -Leute sind sehr freundlich. die Melanchton-Vermieter dagegen…. der halbe Saal kostet 400 €. der andere (Luther) kostet ebensoviel. beide für 800. kann das Festival sich nicht leisten. Ob man wenigstens das Publikum durch den Luthersaal führen könne, dasss ie nicht quer über die Bühne latschen müssen? Nein! Auch das würde dann 400 € kosten. Und wir sollten uns mal endlich entscheiden. Luther oder Melanchton und Commenius. Wenn man in Urlaub führe, wüsste man doch schließlich auch Ob man Mallorca oder Capri buche.

Capri. was für ein Wort. Früher. Golf von Neapel. Ischia. Sirenen gibt es da und ich wünschte beinahe ich wäre dort.

Warum sind die so? das ist ein junges Festival, alle anderen Spielorte geben ihre Stätten umsonst oder für einen Ehrensold. Weiß die Kirche nicht, was in der BIbel steht zum Thema “Grundbesitz”?

Diese Kirche eignet sich eher für Seminare von Siemens, nicht für Theater.

Und irgendwann beginnt der Zauber doch und es wird eine schöne Vorstellung. Zwei sogar. die erste okay, die zweite richtig toll. Fix und Fertig, verschwitzt und alle. aber dennoch ein schönes Gastspiel.

Der Abendhimmel schlierig und blau. Geisterhaft wie ein Röntgenbild.

 

19. Juni, Berlin-Erlangen Fahrt nach Erlangen mit Ensemble. Betriebsausflug. Könnte nett werden. Untergebracht im theologischen Studienheim. Zimmerchen mit einem blaustichigen Foto von der chinesischen Mauer an der Wand. eine Wand in Pistazienfarben, dieanderen weiße Raufasertapete. In den  Waschräumen  der Männer sind die einzelnen Duschkabinen  nach den Evangelisten benannt. bei den Frauen nach den Büchern des alten Testaments. Die Toilette heißt Exodus.

18. Juni, Die Assisstentin, die aus Berlin kommen wollte, hat jetzt doch abgesagt, weil ihr aktueller Job in Neapel sich doch noch länger hinzieht. bin eh an einem Punkt, wo kaum noch Ruhe ist, jemand von außen einzuführen in die Begebenheiten vor Ort. Dafür begrüßte mich heute mein Handy mit der Stimme. Hallo ich bin Deine Assistentin ich bin immer für Dich da. Und da sind noch die Bauarbeiter vor der Gottesruh. tolle Leute. stellen Dir einfach so ne Leiter an die Außenwand der Kapelle weil sie sehen, dass die, die ich hab zu kurz ist, um die Fenster abzudunkeln. (hätte es auch so gekonnt, aber halt umständlicher und mit Einsatz von Anfänger-Akrobatik. Aber Windsbach liegt für einen Tag hinter mir. In Berlin sihc erst wieder zurecht finden. Hochwasser hätte es gegeben. Das muss das gewesen sein, das in W. mein Zelt unter Wasser gesetzt hat. WIll ich nachsehen gehen im Keller? Wasserschäden-Bwältigung  heute schwer unterzubringen.

Berlin, Tag ist heiß. Er beginnt effektiv mit dem Ausdruck von KfZ-Unterlagen, der Beginn endet aber mit einem Papierstau des Druckers. Hitze. Berlin-Biesdorf Vorhangstoff abholen im Gewerbebiet Berlin-Biesdorf. Geburtstagspaket für die Mutter  losschicken. Alle Postämter in meinem Umkreis sind vom Erdboden verschwunden oder Imbissbuden geworden. Zum Glück Tagesfahrkarte gekauft – aber dann doch Taxi rufen gemußt, weil Hitze und Vorhangpaket und Buslinien-Netzt Biesdorf einfach zu viel (bzw. zu wenig) ist.  KfZ-Zulassungsstelle schwatzt mir ein extra-Kleines Nummernschild auf, das extra kostet. behauptet das andere sei ein “Kuchenblech”. später beim Schildstanzen erfahre ich ,dass mit Kuchenblech genau die Größe gemeint ist, die mein Vorbesitzer hatte. Reklamation würde erneut 40 € bedeuten. Dafür dann bei Ikea den Gratis-Nachfüll-Becher ausgiebig genutzt. Warum kann man nicht einfach bei Ikea bleiben? Und für den Rest des Lebens Hot-Dogs essen und aus immer dem selben Becher Johannisbeerlimonade trinken? Abends dann in der Bettenabteilung in tiefen Schlaf fallen. Abends Probe für Erlangen.

 

17. Juni, Windsbach. TRAUM. jemand hatte mich an den Baum vor der Gottesruhkapelle gebunden, die Seile waren aber dünn wie Spinnweben. war klar, dass man sie jederzeit zerreißen könnte, aber ich war zu müde dazu und ließ es geschehen. während ich einschlief (im Traum) fiel mir ein, dass die Fäden wahrscheinlich giftig sein müssten, und ein Narkotikum darin verwebt. Ich dachte sogar noch im tarum darüber nach ob der Traum den ich im Traum haben würde, wenn ich einschliefe am Baum (im Traum), etwas mit dem Prozessions-SPinner zu tun hätte. ich war aber an eine Pappel gefesselt, nicht an eine Eiche trotzdem befand ich mich in einem Bett, das eher einem Kokon glich. ich schlief gut. als ich aufwachte, hatte ich die Vorstellungen der Bilderstürme verschlafen. die Leute, die mitwirkten, sagten aber, das mache nichts, denn es hätte sich eine weitere Gelegenheit geboten, die Bilderstürme aufzuführen. ich war überrascht und beeindruckt, dass Pfarrer Brendel ein Gastspiel im Vatikan organisiert hatte. Ich freute mich. zumal alles bereits im Gange war. [ich habe oft diese Albträume, auf die Bühne zu müssen und nicht zu wissen, welches Stück gespielt wird, keinen Text zu können, völlig unvorbereitet zu sein, in diesem Traum dagegen, war es wie an seinem Geburtstag aufzuwachen mitten in einer Überraschungsfeier]. wir arbeiteten uns durch den hohen Gang des Petersdoms.  einige machten Musik, andere Warn-Up-Übungen, der Billy jonglierte mit Bällen. eine andere testete den Hall und ob die Stimme trüge. keine Aufführung, eher ein sich durcharbeiten durch eine große Sache. Wachte diesmal vom 6:30-Wecker auf. nicht kalt, aber Morgen-Nebelschwaden.

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Als ich den Traum dem A. erzählte, meinem technischen Leiter, meinte er, Petersdom sei cool, aber ich solle nicht vergessen welcher Akt schon das Abdunkeln der Gottesruh (vom Gemeindehaus gar nicht erst anzufangen!) gewesen sei. ich solle mir das mit dem Vatikan nochmal überlegen.

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Abreise nach Berlin. Nur für einen vollgepackten Tag Proben fürs Festival in Erlangen. Dafür aber dann auch die Techniksachen und der Kram, der ja schon so gut wie in Erlangen wäre,  wieder nach B. mitnehmen, um ihn dann einen Tag später wieder nach Franken zurückzubringen. Superschwere Tasche. Im Zug ruhiger geworden.

Die Kirche im Dorf lassen. Weiterer Hinweis von jemand, der vom Vatikan-Traum gelesen hatte und meinte, der neue Gastspielort, sei keineswegs größenwahnsinnig, mein Unterbewußsein, habe sich nicht den gewaltigsten aller Auftrittsorte gesucht, sondern nur eine andere christliche Religion. Die katholischen Kirche von Windsbach hätte ich damit gemeint. Peters-Dom! die Kirche vom Josef Peters!

***

 

16. Juni, Windsbach. Nun ist das Zelt doch triefnass. das einzig Trockene darin ist ein Glas Senf, das übig geblieben ist vom Grillen nach dem Workshop. Kann aber nicht viel tun, da ich die restliche Technik aus dem Gemeindehaus holen und Plakat-Aufsteller vorbereiten muss. Zeitfenster ist die Zeit, wenn Kirche ist. es regnet immer noch. Schleppen trepp auf treppab. Der Kindergottesdienst ist um. vertraute Gesichter, vorrüberhuschende, die einen nicht mehr kennen. und dann doch. das erschrockene Gesicht des Jungen, der nicht weiß, ob er mich grüßen darf; Kleinstadt-Ausnahmsweise. Ignoriert werden tut weh. vielleicht muss man aber einfach das Ignorieren ignorieren. Dann wird alles besser. es regnet nicht mehr. Spagehtti gekocht mit und bei J. Dann Zelt getrocknet. leider offen gelassen und der grade getrocknete Schlafsack, noch halb in der Sonne, halb im Zelt bekam den nächsten Regenguss ab. Spät Videoprojektionen in der Gottesruhkapelle. ein kleines Fest. Der Jesus am Kreuz schien sich zu bewegen. Ich weiß ihn zu beleuchten. Am Nachmittag hatte ich eine schöne Begegnung gehabt mit einer Frau, die für eine Hochzeit den Blumenschmuck macht. sprach Schönes über die Kapelle. Durch ihre Augen erstmals gesehen, dass der Löwe Flügel hat.  Sie selbst sieht Licht, das vom Kreuz ausgeht. war neidisch, dass ich keins sehe. Aber immerhin habe ich ja den Beamer. Muss ich mir mein Licht halt selber machen.

Die Spinne in der Ecke der Abstellkammer ist erschreckend groß geworden. Dagegen die tote Hornisse neben dem Altar, die ich immer vergesse wegzunehmen wird zierlicher und wirkt durchsichtig. ein Falter schwirrt um die Lampe. erster Moment Ruhe, während er fast durchdreht und die Ikea-Lampe namens Lampan für die Apokalypse hält.

 

15. Juni, WIndsbach: 4:40 die Vögel singen über dem Zelt. und gegenüber dem Zelt  die Eiche, sagt der Herr B, sei die Eiche befallen vom Eichenprozessionsspinner und der sei gefährlich. Neuendettelsau. Lachsnudeln. Theresa singt im grünen Baum.

14. Juni, Windsbach. Wenn man ins Gefängnis ginge… -könnte man die 500 € dann behalten? Und ich vergaß das Licht auszumachen gestern Nacht. Ach Mist.

außer dem gestrigen Katastrophen-Super-Gau war es eigentlich ein guter tag gewesen. Samson-Probe. Fahrt nach Abenberg, Billy Wechsler treffen. er wohnt ebenfalls halb in einer Kapelle. neben der Burg. Treppen hoch, Rosen umrankt. wilde Blumen. zwischen den Blumen Dinge, die auch im Garten der So. stehen könnten. Begeisterung. Gedankenblitze; Hätte einfach nur nachhause fahren sollen, nach dem inspirierenden Treffen. – 

Heute  dann erste gemeinsame Probe.  die K. deren Instrument wie ein 8-Monats-Schwangerschafts-Bauch aussieht. und der Billy, der staunt wie schwanger diese Frau plötzlich ist. Und das von einem Engel und nicht von ihm. jungfräuliche Empfängnisse passieren übrigens auch bei Star Wars. es sind die Midi-Chlorianer (Die Frau Fuchs, die in Heilsbronn diesen antroposophischen Gespächszirkel leitet, würde sie “Geistkeime” nennen), die als Interface zwischen  der Macht und den Menschen funktionieren. und manchmal bringen sie Leben hervor.

***

was mach ich hier?  was wird das?  Ein Mosaik von Gedanken, Material, Bildern ,Musik und Theater. die Summe aller Teile und das Ganze. eigentlich ist der Vorgang des Zusammenpuzzelns schon der wesentliche Akt. nichts fertiges, sondern etwas das wird.

“Und was is des jetzt genau?”

“Schau ma mal, dann seng ma’s scho!”

***

Wann wurde der Mond so rund? war er nicht gestern noch  eine halbe Sache? Grillen zirpen vor der Gottesruh.  erster Abend, den ich in Ruhe verbringe. Dettelsau ist zu weit. froh noch ein zeltdach über dem Kopf zu haben. die Natur brodelt. Manchmal wirkt es so, als ob die Gottesruh von ihr befallen ist. Feuerkäfer quillen aus ihrem Stein. Zwischen den hohen Gräsern und dem Mauerwerk wimmeln rote Punkte und verstreuen sich in die Welt. manchmal aber steht sie einfach wie ein fels in der Brandung inmitten von all dem. die Bauarbeiter lieben die Kapelle. die haben sie entdeckt für sich. tolle Leute. und eigentlich die ersten die wirklich eine HIlfe sind. stellen Dir mal einfach so eine Leiter ans fenster, damit Du nicht an der Wand kleben musst wie eine Eidechse. und wenn dein Cuttermesser sich als stumf erweist, siehts einer von Weitem und gibt dir einen besseren.

12. Juni. Windsbach

wie die Pfarrerin Walz wirklich die einzige ist, die das Schloß der GOttesruh in und auswenig kennt… […]

11. Juni. zu langsam in allem. Rüge, weil Plakat aufgehängt am Gemeindehaus. wegen Kleberesten. überhaupt zu viel Klebereste. dabei hatte ich bis nachts um 12 doch alles sauber gemacht. na ja irgendwas klebt immer. vielleicht klebe ich ja. alles klebt. sollte man nicht einfach still und heimlich sang und klanglos auf und davon?  Fäden ziehen. Gottesruhschlüssel geholt, aber er schließt nicht. De javue. Macht auf macht auf Macht auf!  anstregende Probe. abendsrumgekritzelt in der Gottesruhkapelle. virtuell nicht in echt. Nachtweg nach N. hinter Reuth Wettelleuchten. halber verschwommener MOnd. wolken wie auf Ölberg-Gemälden. Unheilvoller NAchthimmel. Zucken in rotem Schein

10. Juni Neuendettelsau-München-Dachau-Neuendettelsau. Partybus der Frau G. der erste Tag ohne irgendetwas zu machen. Kindheitsfreundin wiedergesehen. sie sieht aus wie damals und ist umgeben von Kindern die auch alle aussehen wie sie damals als Kind. erkenntnis, dass sich unsere Erinnerungen nicht dekcen, aber ergänzen. Glückliche Wolke von Menschen. Schloß. Am Ende der Mons ist aufgegangen. das zärtlich vertsimmt Klavier. wunderschön…

9. Juni. immer diese verschlossenen Türen. es ist Pfingsten. wieso ist diese Kapelle von der es heißt sie sei von 8:30 – 18:00 ab Mai geöffnet, immerzu zu? kann nichts tun. Kann man nichts machen. außer Plakate aufhängen in der Stadt.

8. Juni Fahrt nach Erlangen. C. diesmal kaum Bienen. Aber in Erlangen nur Leute in Trachten unterwegs. Kerwah. Berg. will mit Motorrad weiter aber man rät ab, wegen des Hullahuppreifens und weil viel Polizisten  unterwegs sind. weil Kerwah ist. Also ohne Apsis-STäbe ankunft in W. Und Stadtfest ist. fühle mich fremder als vor zwei Jahren als ich viel fremder war. sitze am Tisch mit jungem Mann mit zerbrochener Kniescheibe, der gerne schunkelt. diese Band ist die selbe von letztem Mal. ich will heim nach Fürstenried. Freunde kommen und gehen. Fliehender Bürgermeister. Fliehende Freunde. Müde. zum Zelt. zur Gottesruh. die ist… zu.

7. Juni. was tat ich an diesem Tag? alles verschwunden. An Samson-Monolog geschrieben. 6m Fiberglasstäbe gekauft für Bühnenkonstruktion.gerollt sehen sie aus wie ein Hullahuppreifen. (Frauen sprechen einem darauf an und sagen “Hullahupp”; Männer sagen “Antennenkabel”.

6. Juni, Berlin. morgens zu Dr Jurk. Kopfschmerzen und Schmerzen im Rücken. habe die richtige Versichertenkarte nicht mit. außerdem war mein termin gestern. werd weggeschickt, bleibe aber. Abends Auftritt. schöne Zuschauer.

5. Juni  Erlangen.  mit C. im Garten, ihre Bienen scheinen sie zu fliehen. unheimliche Beschreibung der flirrenden Geräusche, die die Königinnen machen, kurz bevor sie geboren werden. beinahe auf der Welt das häutchen aus Wachs beinahe durchsichtig kündigen sie ihre eigene Geburt an. Gegenseitige Seelsorge. beide erschöpft. mit dem Zug weiter. Eben weil erschöpft. Erlangen scheint schön zu sein. Spielort besichtigt, der aber nicht der unsere ist. derjenige der der unsere ist, sieht genauso aus wieder das Gemeindehaus des Dekan Schlicker. Stein vom Herzen fiel, als sich herausstellte, dass dieser Raum aber abzudunkeln ist. weitgehend.

***

Die Tage rasen dahin. Zu viel um es aufzuschreiben.

Windsbach. 4. Juni

Die Zecke hat ihren Kopf verloren – oder andersherum gesagt: Ihr HInterteil ist weg, ihr Hirn steckt in meinem Rücken und juckt. Mist. eine andere die ich an der Backe hatte (tatsächlich) hat die J. rausgezupft. die Natur nervt zuweilen und sauft einen aus. Waschmaschine. Ordnung reinbringen. wusch die rote Nelke versehentlich mit, aber irgendwie schien es ihr nichts ausgemacht zu haben. sieht aus wie frisch gewaschen. Nachts lange in der Kapelle. Maßgenommen, diesmal mit Schnüren. Zollstock brach. Aber das Kreuliniengerät hilft jetzt doch. Fluchtpunkte. den Jesus wieder enthüllen. die Dornenkrone piekst. Fliegende Wechsel. morgen fahre ich nach Berlin. eigentlich nur zu Terminen, die ich entweder noch nicht habe oder wahrscheinlich eh verpassen werde. und zu einem Auftritt. Müde aber ruhig. beim Abmessen der Höhe in den Fresken Neues entdeckt: im jüngsten Gericht ist ein kleiner Kopf. er befindet sich auf der Seite der Guten, aber nicht in der Höhe bei denen die in Paradies kommen, sondern  ganz unten. (links vom Fuß vom Jesus mit dem Schwert) er wirkt, als sei er zu spät gekommen, um es noch ins Bild zu schaffen. man sieht nicht einmal den Kopf ganz. vielleicht kommt er auch gerade erst an. war am ENde spät nachts, die Nacht sehr warm, das Zelt lockte, aber dann doch nach Dettelsau gefahren. weil von dann früher Aufbruch.

Windsbach, 3. Juni

Von Zecken befallen. Eine, die schon riesig ist, sitzt am Rücken. Wo man alleine nicht hin kann. Vielleicht krieg ich die Schlafkrankheit. Dann ist auch Ruhe. Gestern Nacht, erste Nachtigall gehört. Ich mag nicht mehr mein Federber… – der Schlafsack ist jetzt doch ziemlich nervig. Alles Reißverschlüsse klemmen und lassen sich nicht zu ziehen.

Morgens die freundlichen Bauarbeiter.

Die Kapelle vermessen. Der Obi-Laser-Zollstock funktioniert nicht. Jedesmal en anderes Ergebnis oder er sagt gleich „Error“. Normaler Zollstock sagt komplett anderes und der der freundlichen Bauarbeiter wiederum anderes. Alles was ich wirklich sehe ist wo die Gottesruh schief ist. Dank des anderen Fehlkaufs, dem Kreuzlinien-Messgerät. Ist dann aber doch hilfreich. Außerdem sieht es toll aus, wenn die roten Linien sich kreuzen. Die Mitte des Raumes ist der Fußnagel vom Jesus. Also der Nagel im Fuß vom Jesus.

1. Probe zu „Samson“ in der Gottesruhkapelle. Kann man überhaupt unter dem Jesuskreuz spielen? Das alte Theatersprichwort „Kinder und Hunde stehlen dir die Schau“ wäre zu erweitern: und der Jesus am Kreuz. Er stiehlt aber nicht. Er ist da und in seiner Präsenz wird man kleiner. Und auf gar keinen Fall die Hände ausbreiten!

Samson, der erste Selbstmordattentäter, der Ausgang der Mission stand von der Wiege an fest: der wird Superkräfte haben, den ungläubigen Feind bezwingen und sterben. N. brachte nun den Gedanken auf: vielleicht weiß er gar nichts von seiner Mission. Nur die anderen wissen, dass er auserwählt ist zu Höherem. Die Eltern sagen es ihm nicht. Vielleicht wollen sie ihm die Bürde ersparen, dass er die Welt retten muß. Was sie ihm aber dennoch aufbürden ist dieses Gefühl: anders zu sein. Du darfst Dir das Haar nicht schneiden, halte dich fern vom Alkohol, Finger weg von Unreinem Das weiß er und es trennt ihn noch mehr von der Welt. Nie ein Haarschnitt wie man ihn jetzt halt so trägt. Nie einen trinken gehen mit seinen Freunden. Hat er überhaupt welche? Zuweilen sieht man ihn komisch an. Wenn dann erstmals der Geist des Herrn über ihn kommt, muss es ihn nicht verstören? Es brennt kein Busch der zu ihm spricht, kein Engel gibt ihm den Beipackzettel. Die Kraft kommt über ihn, er zerreißt einen Löwen mit bloßer Hand. Sagt man das den Eltern? Ist er stolz drauf, kann ers nicht fassen? Was war das? Wer bin ich?Wieso???

wüßte er von seiner Mission, wäre das Wieso geklärt, es bliebe dennoch die Frage: wieso ich? Und: War’s das jetzt?Und: Wieso ein Löwe?

Der verschleierte INRI, als schliefe er. Zurückgezogen in einem Kokon. Ist es nicht auch die Gottes-Ruh-Kapelle? .Der Herr Lechner kam mit einer Stadtführungsgruppe („Laßens das nur so, das passt schon!“). Nun denken die Leute, ich sei Restaurateurin.

***

Dettelsau. Spät nach dem Besuch bei der J. Erstmals das neue Zimmer bezogen in Dettelsau bei den G.s. Kein Umzug. Eher eine Expansion. Das Zelt immer noch der geheime Hauptwohnsitz. Fahrt etwas beschwippst von Hugo mit Pfefferminzblatt und EIs mit der J. dennoch sichere Fahrt nach Neuendettelsau. Das noch fremde Zimmer in der Nacht. Es riecht süß. Holzverkleidung, Wandteppich mit Bäumen und Amseln. Die Rosenkissen, die Früchtekissen, Das Sterbebild des Sohns. Eine kleine gelbe schreibmaschienenbeschriebene Karteikarte mit ein paar Zeilen von Dag Hammerskjöld. das Bett klappt aus der Wand. Ein steinerner Heiliger blickt in die Ferne – und zu meinem Bett. Erinnere mich, dass er Dag Hammerskjöld gemocht haben muss. Schrieb was von ihm in mein Poesiealbum damals. Der Zusammenhang von Güte und Glück. In tiefen Schlaf gefallen und es ist schon ziemlich angenehm, wenn man nicht nachts aufwacht und friert, weil der Schlafsack nicht richtig zugeht.

Windsbach, 2. Juni

Der erste Tag in Ruhe. Wenn nicht dauernd alle anriefen, die sich ausgiebig entschuldigen wollen, dass sie nun doch nicht mitgeholfen haben. Wollen es wieder gut machen und vorbeikommen. A Ruah is! Was hab ich denn davon. Muss man auch noch nett und verständnisvoll sein. Ich will einfach nur Ruhe und stolz sein, dass ich alles (fast) alleine gemacht habe.

Der erste Tag Ruhe, zwar trotzdem viel (Stein. Motorrad. Eckersmühlen. Kaffee Balkon. Erlangen-Gastspiel ins Auge fassen. – aber alles geschieht in Ruhe und weil es einfach nur so eins nach dem anderen passiert. In Stein das Motorrad. Gekauft. Der Vorbesitzer sprach viel erkläre alles, den Stolz auf die gute Honda, sah man ihm an. der Tankrucksack, den es dazu gab mit den vielen Reißverschlüssen, die Wohnung, in der eine Katze vermisst wurde. Die Frau, die das Motorrad eigentlich fuhr, jetzt aber nicht mehr kann nach dem Unfall. Freundlich, älter als ich, aber wie ein junges Mädchen, das man mit einm heftigen Schlag aus heiterstem Himmel (eben dem Unfall, für den sie nichts konnte) eingeschüchtert hat. Und ich fuhr davon mit ihrem Rad. Kam mir vor wie unanständiger Nutznießer, auch weil ich mein eigenes Motorrad betrüge. Es steht in Feuchtwangen und ich glaube es kann nicht glauben, dass nur weil die Kupplung… – Verrat. Gefahren. Freiheit. Hinter mir fuhr weißer Oldtimer. Hitze in Eckersmühlen. A. Balkon Kaffee. Bienenstich. Internet. Freudige Erkenntnis, dass wir genau in „seiner“ Spielstätte (also im selben Haus) in Erlangen spielen beim Arena Festival – große Freude. – Und dann doch nicht. Scheint ein Fehler auf der Website zu sein. Naja besser das Auf-Und-Ab der Achterbahn-Freude, als gar keine gute Nachricht.

Der erste Tag Ruhe. Dann beinahe vergessen, dass der Umzug nach Dettelsau ansteht. Habe mich aber inzwischen an das Zelt gewöhnt. Die eigenen vier Wände sind (wenn man vom frühen Lärm der Vögel absieht) die ruhigste Bleibe. Niemand hinterherhecheln. Nichts falsch machen. Witzigerweise dachte der Dekan gestern dennoch prompt, ich hätte im neuen Gemeindehaus genächtigt (weil ich schon so früh da gewesen war vor dem Workshop. Und prompt war ich ebenfalls spät in der Nacht noch da, weil so viel abzuräumen und bauen war, als er wiederkam.

Ich persönlich finde ja, dass es nichts traurigeres gibt als ein leeres Haus und es deshalb gar nicht schlecht ist, Leben in die Bude zu bringen. oder Zauber. Budenzauber. – Der erste Tag Ruhe aber ist noch besser. Und dann hat dir einer eine Blume ins Haar gesteckt und auf einmal ist die Ruh auch hin. Aber anders. Egal.

Der erste Tag in Ruhe. Der Rasen vor der Gottesruh, von dem der vergnügte Mann (der es wissen muss, denn er mäht beruflich Rasen) sagt, er gehöre gemäht, ist eher wilde Wiese. Liegt man unter dem Baum etwas weiter gen Gartentürchen und blinzelt zur Kirche hin, ist es eine wahre Pracht. Die hohen Grashalme, ihre Köpfe Samensprenkel im Grün über Grün. Es zerfließt, es summt, die Hitze macht eh schwummrig. Farnbverlauf des Grüns hin zum Ocker des Hauses der alten Frau Vogt. Grillen zirpen. Im Ohr: Ich bin der Welt abhanden gekommen. Endlich eine Ruhe ist.

Windsbach, 31. 5. – 1. 6. Workshop vom Auserwählt-Sein.

fällt mir schwer darüber zu schreiben. Bin total erleichtert und glücklich. weils toll war. der Freitag in der Kapelle noch etwas andächtiger, behutsamer, der Samstag  im Gemeindehaus mit Grillen vor der Kapelle danach. mehr leute da als gedacht. andere als gedacht. den Workshop halen war leichter als ihn vorzubereiten. viel dazugelernt. Muss nicht immer nur der gewaltige Fingerzeig (oder das herauspicken mit spitzen Fingern ) sein. Da viele Künstler / Musiker da waren, ging es viel um Inspiration: bewegt sein, eine Sache hevorzubringen. ein Musikstück in einer ganz bestimmten Weise zu sehen und entsprechend umsetzen zu wollen. wählst Du die Musik aus oder wählt sie dich?spiele ich für mich, gebe ich was dazu oder treffe ich jemand mit einem Ton.  sind wi r kleine Götter wenn wir uns auserwählen, verlieben?

wie beschreibe ich das konkret? [später! …]  könnte glücklich sein jetzt, aber es überwiegt dann doch die Wehmut des Abbaus (bis 12 Uhr nachts.), weil es nun seine Schuldigkeit getan hat, obwohl noch so viel mehr möglich gewesen wäre. Da wäre… nutzbar. mehr mehr mehr. aber das ist ja immer der fehler. immer mehr zu wollen. mehr geben, mehr nehmen. vielleicht ist es nie genug, weil: dass immer wenn es am Schönsten ist, man aufhören soll, das ist doch irgendwie auch ein Gschmarre.

 

Windsbach, 30. Mai 2019

Umbauwahnsinn. Fenster abkleben mit Pappkarton. Glücklicherweise hat es viel Pappe im Papiermüll des neuen Dönerladens.

Regen in der Nacht im Zelt. sehr früh wach und auf. der Tag war trotzdem zu kurz.

Der J. hilft neues Licht aus Eckersmühlen zu holen. Mit Motorrad unmöglich  zu schaffen. Und bei Obi eine Bierbank zu kaufen. Auch nicht zu schaffen mit Motorrad. Bierbank Spontankauf, weil ich keine Lust mehr habe nach einer Garnitur zu betteln überall. Besenbeck Weintrauben, Wasser und Salztstangen. Wiener Würstchen. Und Leberkässemmel: Pause gemacht an der Gottesruhkapelle. Bierbank eingeweiht. eine Bierbank ist wichtig. ein Platz zum sitzen essen und reden, aufschreiben und trinken ist wichtig. erst als sie im hohen Gras vor der Kapelle steht, werde ich ruhig, dass der Workshop funktionieren wird.

Dann Gemeindehaus Lichteinrichtung bis spät nachts (für Tag II des WOrkshops). der nun dunkle Raum lilchtüberflutete Camera oscura. eine Spielwiese in einem Traumraum hinter zartem Vorhangstoff. eine Welt in der Welt. zu allem bereit.

München, 29. Mai 2019

Geburtstag. nach  München geflohen.

Der Vater vergisst, dass ich Geburtstag habe. um so öfters gratuliert er mir.

hörte dann aus W. ein Fensterladen sei abgeboren am Gemeindehaus. man dürfe sie nicht benutzen. wie verdunkle ich nun das Haus? Ausdrückliche (verständliche aber dennoch unverständliche) Bitte, es nicht mit den Fensterläden zu tun.  Wie denn dann? das Haus ist in erster Linie hell und Lichtdurchflutet. habe nun aber nur einen einzigen Tag um alles wieder umzubauen. Dekanatssaal (der mit dem Kaffe für alle) möglicherweise Alternative. aber wann wie und was wenn nicht möglich.

WIndsbach28. Mai 2019

Workshop-Vorbereitung Für das Spiel in den Projektionen. ALles andere findet in der Kapelle statt. Konnte nicht in den Dekanats-Saal, weil da war “Frühstück für alle”. Gemeindehaus vielleicht eh bessere Wahl. der Duft nach Holz. der Boden allerdings von Stein, viele Türen, viele Tassen, nichts gefunden. So viele Toiletten…. keine Leiter?  Noch ehr Toiletten…hätten sie nicht eine für die Gottesruhkapelle übrig gehabt? (immerhin ist da dieses Dixie-Klo von der Baustelle.)Workshop-Vorbereiten irgendwie immer ineffektiv. Fundgrube Kabel kaufen. Dies und das. Haken. Zwischen dem Gartenbedarf, aber im Indoor-Bereich sitzt ein alter Mann auf einem Gartenmöbel. Lange eingekauft. fast eine STunde. Da saß er immer noch. Er saß aber so in Ruhe, dass ich ihn nicht stören wollte. Vielleicht ist alles richtig so. Das meine ich auch generell. Dann wieder Regen. Rolle bergab auf geliehenem Fahrrad.  Eher aus Regengründen am Knabenchor gehalten, Vertrag abgegeben. Kleinigkeiten auf die Reihe kriegen. Fries Ösen gekauft, Korkenzieher ersetzt Handbohrer, Rouladen- Stecknadeln. Radio Weinl Glühbirnen gekauft. Geschenk-Oase endlich hängt mal ein Plakat. Stadtcafe. Kleiner Junge um die vier Jahre, der nach dem Helden einer Mozart-Oper benannt ist, ordert eigenmächtig mehr Limo im Stadtcafe, die Eltern canceln die Bestllung vom Tisch aus (verständlicherweise, denn sein Glas ist noch nicht einmal leer), dennoch schade, denn der Held machte es überaus geschickt. man sieht so schön wer über die kleine Brücke geht. ach da läuft diese Frau da. hat immer die selbe Jackn o. und an Hund hats.

[…]

Abends nach München. Farbschichten am Himmel, übereinander gestapelt gelb orange und ein rosiges Türkis. 

Windsbach, 27. Mai, 2019

schöner Tag, mittags kurz Regen, Zelt hät aber dicht. vergnügter dünner Mann in Arbeitshosen mit Stoppel-und-Schnurrbart ging an der Gottesruhkapelle vorbei. noch nie sei er drin gewesen in der Kapelle. pfeift durch die Zähne, als er sie dann doch betritt. Guckt und checkt die Fresken durch, Aha, Ach so ein Engel. Findet es gehöre eine Heizung rein. Nicht nur weils kalt ist sondern weil es zu feucht ist. tastet die WÄnde ab. hier schau. ist  doch klar, dass die Bilder verschwinden. Und die Risse… – er zeigt dahin wo die heilige Margarete mit dem STab etwas beleidigt in die Ferne starrt. Diese helle Wand kenne ich eigentlich in und auswendig, aber diese Risse…? waren die schon da, oder nicht.  Er ist sich total sicher. Das käme von den Dampfwalzen der Bauarbeiter.  Als Junge hat er am Weiher gespielt, es klang als hätte er des öfteren was angestellt, was wollte er lieber nicht sagen.  Abendsonne. Feierabendgefühl. schönster Abend bisher. Immer wenn ich beim Il Corso Pasta mit Lachs bestelle, krieg ich Schinken-Sahne. Dennoch Freude darüber, weil es etwas Vertrautes ist. Spaziergang am neuen Dönerladen vorbei,  keine Oase so weit man es durch die Scheibe beurteilen kann. Einer, vielleicht der neue Wirt scheint wütend und fuchtelt wild mit seinem Handy herum. es wirkt wie ein Wutausbruch, aber in anmutigem Rahmen, es ist klar, dass dem Handy nichts passieren wird.

Windsbach, 26. Mai 2019

In der Früh heller Nebel, durch den die SOnne aber ein kleines bißchen durchscheint. die Baumstümpfe sehen aus wie kleine Menschen oder seltsame Wesen, stehen dicht und stecken leicht schief die Köpfe zusammen; einer scheint vor sich hin zu blicken, sieht aus, als ob er im Gehen denkt. Und das als Baum!

Windsbach, 25. Mai 2019

Die eigenen vier Wände sind blau und dünn, Tautropfen glitzern auf ihnen. die Vögel in der früh erschreckend laut. Tag beginnt in Zeitlupe. Apotheke. Kopfweh. selber Schuld. drei Bier auf nüchternen Magen. Schwindel. Technische EInrichtung ohne Techniktransport schier unmöglich. vergessenes Kopfkissen geholt. ver- und-zerstreutes Kind klaut sich zusammen. und verschickt andere Dinge. ADAC holt Kraftlad und fährt es nach Ansbach. Ade. leider eine Werkstatt, die erst am Dienstag aufmacht. T. getroffen. er muss jetzt nicht mehr SOzialkunde lernen, sondern etwas über Krankenpflege. Helf ihm die Unterschiede von Erbrochenem zu unterscheiden (in der Theorie). lerne interessante Varianten: schleimig,  kaffeesatzartig, gallig. und WOrte wie Pflegemaßnahme, Wadenwickel und Schädel-Hirn-Trauma. dann Fenster-Abdeckungen für die gottesruh geschnitten. Dann. Picknick vor der Kapelle, Arbeit. die Fenster wieder verdunklen.

 

Windsbach, 24. Mai 2019

Dürrenmungenau. wenn man den Schildern glauben würde, käme man niemals hin. Das üppige Grün, die weite Allee. Hell und klar. Pfarrhaus-Garten Kuchen Workshop-Gespräche. Gegen Abend angekommen in W. 3 Meter hinter dem Ortsschild ging die Kupplung kaputt. Fohlenhof. Kurz vor der Fundgrube. Freundliche Leute in dem grauen Haus mit der 1.FCN-Fahne. ich solle das Motorrad nicht einfach da stehen lassen, hier werd viel geklaut (sogar Blumentöpfe!). Das andere Windsbach, Gewerbegebiet. wo doch in Windsbach sonst nirgends geklaut wird. Nun steht es wohl behütet und ich habe neue Leute kennen gelernt. Das Haus hatte ich schon früher immer angesehen, es wirkte so ordentlich. Fast wie ein Modell, aber trotzdem bleibt das Auge Hängen, an den Details. Die Vereinsflagge. ein EIsbär. Die gußeisernen Raben. W. weist Weg zu Werkstätten, die aber Betriebsurlaub haben. Fahrt zur Gottesruhkapelle, erinnerte sich an die Hochzeit eines Freundes, die darin stattgefunden hatte.  Müde und alle. bin wieder da wo ich angefangen habe.  Wie ist das zu schaffen ohne Motor. Antriebslos im Ilios Kummer im Bier ertränkt. SPäter. es wird eben anders gehen müssen. das ist ja die ganze Zeit wohl schon die Lehre… Schlafen. Der Schlafsack, den die Tochter mir mitgab hat einen Kaputten Reißverschluß. es schien egal, ist es aber nicht…

von unten nach oben zu lesen – kann Spuren von Rechtschreibfehlern enthalten]

 

Berlin – Dreba – Neustadt/Orla, 23. Mai 2019

Der Aufbruch von Berlin nach Windsbach hätte früh sein können aber es überfiel mich ausgerechnet in der Früh eine seltsame Arbetswut. in Büchern gestöbert nach Texten zum Thena “Auserwählt-Sein”. Der ächzende Drucker. Die  neu gepackte Tasche. Der plötzlich aufgetauchte Mitbewohner. die Hochzeit unsererbeider FReundin B. die ansteht. die Lust, plötzlich die Küche zu putzen… das gestern frisch bezogene Bett. klare Anzeichen dafür, dass ich diesmal gerne  geblieben wäre. Die vertraute Welt ist zu verlockend, vor allem das Bett. Hierbleiben, in den Kopfkissen den Hals verdrehen richtung fenster, über die Höfe schauen, die Kinder im Hof nebenan hören und in den Auserwählten-Texten kramen. König David. Samson. Harry Potter. Matrix. die biblischen Leihmütter des Alten und Neuen Testaments. Hannah, Elisabeth, Maria… eigentlich sind die Frauen die Auserwählten und ihre Kinder die Geweihten.  Der Workshop zum Thema naht. die Spannung steigt. wie schlägt man die Brücke von den klassischen Texten zu der Sehnsucht, die man selber hat: es möge jemand da sein, der unter allen anderen Menschen “ausgerecht mich” erwählt. wozu auch immer. zur Frau. Zum Mann. zur Heldin, die einen Kampf zu bewältigen hat. Bestimmt gibts auch Leute, die einfach nur in Ruhe gelassen werden wollen, aber ich glaube viele andere wünschen sich eine Aufgabe. entweder man wählt sie selbst, oder man freut sich bis über beide Ohren strahlend vor Glück, dass es jemand gibt, der sie enem zutraut.

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Dann doch aufgebrochen. Polizei hielt mich an bereits in Treptow, weil ich in die gesperrte Straße einbiegen wollte indem ich über den Bürgesteig fuhr. Ja, ich sah die Herren von der Polizei da stehen, aber es schien mir absolut okay, die zwei Meter überbrückend den Gehsteig zu nutzen.  —  ist nicht okay.  es sei “dreist”. ich erklärte es sei gesunder Menschenstand und viel Naivität. man ließ mich weiter fahren. brauchte aber dennoch ewig um Berlin zu durchqueren. Frau im Navigationssystem (auch hier klärte mich die Polizei auf, das ein Stöppsel im Ohr okay sei, zwei aber nicht.  – Toll. wo die doch eh dauernd verrutschen unter dem Helm . Woher soll man wissen, welche Seite den Abgang machenn wird?)

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Sch… auf die Kopfhörer und die Frau im Navigations-System mit ihren blöden Google-Maps-Infos. Ja, ich gab “Autobahn vermeiden” ein, aber da schwebten mir kleine schöne Miniatur-Landstraßen vor, nicht Wege, die durch alle großen Städte führen, die sich durch Ampeln auszeichnen, die alle in einer Entfernung von 10 Meter installiert und allesamt immer rot sind. Kam dennoch früh an. hätte es sicher auch  bis W. geschafft, aber gönne mir den Halt auf halber Strecke. der Wunsch, einmal in der Nachmittagssonne im Garten der “Linde” in Dreba ein Ankuftsbier zu trinken. hätte geklappt, aber dann in Neustadt / Orla gelandet…

Die Ernst-Thälmann-Straße gesucht. Dimitroff fand sich von allein. Apotheke, die erst um 19 Uhr schließt ist in der Ernst-Thälmannstraße. In Ermangelung des Dr. Jurk ein ABC-Pflaster erworben. es schien besonders notwenidg zu sein, es zu kaufen, weil ich auf dem Weg von Dreba, wo ich schon ein Zimmer genommen hatte, nach Neustadt, um zur Apotheke zu fahren, die dicke Motorradjacke doch nicht mehr wollte und nur in der dünnen Joggingjacke fuhr. Jetzt erst schmerzt die Schulter. Wäre ich nicht zur Apotheke zu dünn angezogen, wäre die Apotheke nicht von Nöten gewesen. Aber dann hätte ich nicht Dieter und Sandra kennengelernt. Die passten auf meine Honda auf während ich zur Apotheke ging. (“wir erzählen uns was später!”, den Weg gezeigt bekommen von Dieter, im Rollstuhl, der fuhr voran in Richtung Thälmann. Marktplatz Neustadt. leider verchwindet gerade die Sonne. trotzdem gerne sitzen geblieben. erster Moment Ruhe. das hätte eigentlich der in Dreba im Garten sein sollen, aber was kann einem Schöneres widerfahren, als wenn einem zwei Leute das Motorrad bewachen, eine sagt sogar “schöne Maschine, muss teuer gewesen sein!” und als ich zurükkam: “Willkommen in Neustadt!” – und ich dachte immer STädte, die “Neustadt” heißen  müssen langweilig sein (weil es so viele von ihnen gib).

Windsbach, 14. Mai 2019

Das vernichtende Urteil des Herrn Fehler (der Name ließe auf einen Irrtum hoffen, aber er machte einen sehr qualifizierten Eindruck), Bauleiter der Baustelle Wolframs-Eschenbacher Straße: Ganz ausgeschlossen sei es, dass da je ein Geheimgang existiert habe, der von der Gottesruhkapelle nach (welchem) Eschenbach (auch immer) geführt haben mag. Viel zu sumpfig sei der Boden. Selten habe er so ein schwierige Baustelle geleitet. Bereits nach 50 cm stieße man auf Grundwasser. Ein Geheimgang sei da nicht realisierbar, im Windsbach des Mittelalters schon gar nicht. Schade. Ich hatte nie aufgehört, an diesen Gang zu glauben.

München, 10. Mai

und heut war der Prinz Charles in Glonn. Da wo mein Vater jeden Tag hinfahren will, auf die Berge schauen und Leberkässemmel essen. Ausgerechnet. (Nur, dass der Prinz Charles nicht da war, wo meine Eltern immer sitzen, sondern auf einem Bio-Bauernhof des Inhabers von “Hertha-Wurst”). Weil es regnete, verzichtete mein Vater ausnahmsweise auf die Reise. Möglicherweise wäre alles gesperrt gewesen. Ein Glück. Trotzdem seltsam. Von allen bayrischen Käffern fährt der genau da hin wo meine Eltern fast täglilch ihre Leberkässemmeln essen. Was immer der Prinz Charles heute in Glonn gemacht hat, ich glaube: einfach nur für eine Stunde im Liegestuhl auf die Berge schauen bei einem Bier, Bayern 2 hören vom Autoradio  wär ihm bestimmt lieber gewesen als alles andere (möglicherweise inclusive Knabenchor-Ständchen)

***

Dach der TU. Erstmals begriffen, dass auch die Stadt München nah an den Bergen gebaut ist. (dachte immer nur, durch die Schneise der A99 an der mein Heimatort liegt, sähe man die Alpen). Erstmals sah ich München und Gebirge in einem Bild. Und dann spann sich noch dieser Regenbogen , es war ein doppelter und alle fotografierten wie wild, ich aber sah ihn als erstes. Dok.filmfestival eröffnet. Im Gespräch mit einem Pakistanischen Filmemacher gelernt, dass das Wort für Gestern und Morgen in seiner Sprache ein und das selbe ist. Es gibt nur die Zeit in der man sich augenblicklich befindet – und die, die nicht ist.

Wie wenig ich meine Geburtstadt kenn. Sie von oben herab zu betrachten hilft ein wenig.

 

Windsbach, 9. Mai

Die blühenden Teetassen im Garten der So., die zwischen den Blumen wachsen, die Milchkännchen, die aufblitzen an Stilen. Das Huhn, das ich hätte greifen und in den Karton packen sollen, aber es entkam.

***

[Aufgeschnapptes (eine Runde, in der mehrere Gespräche gleichzeitig liefen), allerdings nur mit einem Ohr gehört. kein Anspruch auf Vollständigkeit.]

THEMA EUROPAWAHL.

„Zu meinem 85. Geburtstag hat mir der Söder gratuliert.

[anerkenndendes Ahh und Oh] Und der…“

„…Jürgen Ludwig?!“

„Ja genau. Genau der.“

„Die müsen sich auch mal mehr um die Leute kümmern nicht nur um die Wahl.“

„drum!“

„Weißt du wen du wählst?!“

„Scho, aber ich sag’s net“

„mir hat der Zimmermann fast besser gefallen“

„als wie wer…?“

„Der is ja scho dot!“

“Timmermann!”

„Der hat mir trotzdem besser gfallen.“

„CSU? SPD?“

„Des is doch Wahlgeheimnis…!“

„also jedenfalls solls nicht schlechter werden als es schon war.“

„Genau.“

„Der Zimmermann, der hat auch a Aussprache.“

„Mir hat der auch besser gefallen.“

„Ich geh überwiegend nach Gesicht.“

„Um die 700 Kandidaten sinds.“

„Muß man da mehrere ankreuzen?“

„Muß lukrativ sein, wenn sich so viele aufstellen lassen.“

„wir haben unser Ding schon abgegeben.“

[anerkennendes „Aha“.]

„Wir mussten immer in die Schul, jetzt müss ma in die Turnhalle.“

„die jüngern werden radikal.“

„Oder grün.“

„des is a kei Sach.“

„Uns geht’s doch eigentlich gut.“

„Und Geld ham wir ahh, oder?“

„Ja.“

„Trotzdem…!“

[THEMA FLÜCHTLINGE, DIE ZU MCDONALDS GEHEN]

„…da waren lauter so Schlumpeln drin gesessen mit ihre Haufen von Kindern.“

„Und dann habens kei Geld?“

„I kann mir des ah net leisten, dass ich jeden Tag zu Macdonalds geh!“

[es drängt sich die Frage auf, wie die Person dann wissen kann, ob die Anwesenheit der Schlumpeln nicht auch eine eher einmalige Sache gewesen ist. ]

„Mei Mutter hat immer gsagt, so langs was zu essen gibt, geht’s uns gut.“

„Ja.“

„Und die…- kriegen alles!“

 

THEMA WINDSBACHER KNABENCHOR

“Die singen jetzt vor dem Prinz Charles”

“Aber der hört doch schwer!”

 

Windsbach, 8. Mai

Es regnet. Es ist ein bißchen kälter als gedacht. Im Stadtcafe hängt ein Schild es sieht aus wie “Buse” heißt aber “Pause”. Pause bis 13:30. Leberkäs-Semmel vom Rosenberger einstweilen. dann warten dass die Buse um ist.  Störche fliegen in Kreisen. Eigentlich regnet es nicht wirklich, eher ein leises Tröpfeln. Ein Moment zwischen allem.

***

Buse um. Stadtcafe geöffnet. Tischgespräche von nebenan. Seitwann steht hier ein bunter Clown in der Fensterniesche? Johann sagt, wenn McDonalds solche clowns als Gastgeber für Kindergeburtstage einsetzt und als Identifikationsfigur, dann beschwere sich niemand. Nachdenken über die 80er Jahre. Stimmt. Da waren Clowns noch kein No go. Ronald McDonald hieß er… was ist aus ohm geworden. Gibt es den noch? Hat man Abstand von ihm genommen?

 

***

Was das für ein weißer Passat sei, der bei Reuth schon so lange auf dem Feld steht?

“Der mit dem polnischen Kennzeichen? –

“Nein, gar kein Kennzeichen.”

“Kennt man ja, da is irgendwas kaputt, und dann stellt einer einfach seinen Schrott wo ab.”

Wem mag das Auto gehören.

Manchmal tut man das ja nicht einfach nur so. (Wer, wenn nicht ich weiß das!) Es gibt Hintergründe. Zusammenhänge. Vielleicht sogar Tragödien. Vielleicht ist dem Passat-Besitzer ein Unglück geschehen? Vielleicht ist er über einen Stein gestolpert, in ein Loch gefallen, in einen Kaninchenbau oder den sagenhaften unauffindbaren Geheimgang der unterirdisch von der Gottesruhkapelle nach Mitteleschenbach führt (über Reuth allerdings doch erheblicher Umweg). Oder vielleicht hat auch dem seine Werkstatt keinen Bock gehabt das Teil zu reparieren und dem Passat-Menschen gesagt, hau bloß ab mit dem Teil. Ich meine, wer läßt schon gerne sein Fahrzeug zurück? Die umstände fallen ins Gewicht. Beispielsweise mein tot-und teuer-gesagtes eigenes Kraftrad… alle Hebel in Bewegung. Dauert. Während ich im Gazastreifen die mit Ach-Und-Krach immer noch fahrenden Urahnen meines Modells bewunderte, Maschienen, die dem Begriff „naked Bike“ in andere Dimensionen weiterspinnen, und Geld zusammenkratzte für die Reparatur, stand mein Rad und schlug Wurzeln hinter der Gottesruh neben den Rechen und Eimern und Farbtöpfen. Und schien dableiben zu wollen, wegschieben ließ es sich nicht. Das hast Du davon. Muß halt nächstens besser sehen wo du bleiben kannst. Wahrscheinlich war es auch tief verletzt, dass ich mir hatte einreden lassen, es sei Schrott. Die weiche Senke, der unebene Grund. Wäre selber gerne in Grund und Boden versunken. Geschämt, weil ich diese Dinge nicht in den Griff kriege. Saß wie Don Quijote auf dem blauen Ross, einen Besen in der Hand um mich vom Mauerwerk abzustoßen, um über das Erdloch hinwegzukommen (oder die Bande, die Wurzeln zu kappen, die geschlagenen?) Manche Dinge lassen einem nicht los. Die kleine Kapelle gehört dazu. Hätte ja gerne längst das Weite gesucht. Habe es sogar gesucht. Als es schließlich doch wieder auf der Straße stand und ich fahren konnte, endlich! Löste die Erleichterung die Scham ab. Laß gut sein. Die Entropie der Belange. Weitermachen. Weiterfahren, als wär nix gewesen. Vielleicht tun die Passat-Beitzer ja auch ihr bestes um wieder in die Gänge zu kommen. Manches dauert halt und – 2. Gesetz der Thermodynamik: Alles was schief gehen kann geht schief.

***

Immer noch STadtcafe. Eindrückliche Schilderung von unheimlichen Orten außerhalb der Stadt W. der sternförmige Bau des Zellengefängnisses von N. Von 1868. Bollwerk. Spinnennetz.

Der H., der im vorderen Bbereich des Stadtcafes sitzt, an einem der runden Tische, die zu Stammtischen geworden sind, seit der Halter zugemacht hat, erzählt davon. War seine erste Arbeitsstelle. Lange her. Mag nicht, wenn man sagt, er sei “Wärter” gewesen. “Wärter gibts im Zoo.” Er hingegen hatte die Aufsicht über Menschen und hat sie auch so behandelt, auch wenn man zuweilen anderes von ihm erwartet hat. Eindrucksvolle Beschreibung der Anstalt. Assoziation eines Spinnennetztes, weil er die Bauweise und auch den betrieb so beschreibt, die Hauptaufsicht in der Mitte, die Seitenflügel davon abgehend. Osten, Nordosten, Nordwesten und Wesen. Im Südlichen Trakt waren Verwaltung und Schulung. Gefägniskapelle. Der Kirchenflügel! Lange gänge von Einzelzellen in mehreren Stockwerken. wenn der H. den Auftrag hatte, in einen Trakt zu gehen in eine der Zelle, und ein paar Worte wechseln wollte mit dem Insassen, habe bereits die Klingel geschrillt. Die Zeit hat er sich aber dennoch genommen. später haben ihn alle, die wieder auf freiem Fuß waren imemr sehr freundlich gegrüßt. All das erzählt er so nach und nach. Bescheiden. Eher die anderen drängen, („erzähl nochmal das mit der Kerwah…“). Mag den H. Held des Alltags. Kann man schon mal so sagen. Erst hinterher – der Regen hatte nachgelassen, ich ging weiter – fiel mir ein, dass ich Bilder gesehen habe von der alten Gefängnisburg. Nürnberger Prozess. Das muss auch da gewesen sein! Später Wikipedia. 1919 baute man den Justizpalast an. Das Zellengefängnis sei somit „die Keimzelle des Nürnberger Justizareals an der Fürther Straße“. Ab 1933 hatte es sich mit Verfolgten der Nazizeit gefüllt. Nach 1945 dann mit den Nazis selbst. Nürnberger Prozess. Angeklagte und Inhaftierte, die als Zeugena auzusagen hatten gegen die Hauptangeklagten waren anderswo untergebracht, als die VIP-Nazis, die einen durften in die Gefängniskirche, die anderen nicht. Später gab es während der Prozesse dann doch gemeinsame Gottesdienste. Die amerikanischen Aufseher mussten darauf achten, dass Zeugen und Angeklagte nicht miteinander sprachen. Sie kommunizierten dann während des Singens. Änderten die Texte der Kirchenlieder. Lauthalser Gesang, um zu vereinbarn, was man auszusagen hatte, was nicht. Statt „Ach Gott, laß dir befohlen sein“ sangen sie vielleicht „Ach Gott, laß Krupp von Bohlen sein es kommen andre Zeiten…“ Oder bei „Befehl Du Deine Wege…“ sah man seinen Nachbarn bedeutungsvoll an und sang mehr als inbrünstig

DEN Herren must du trauen /
wann dirs soll wohl ergehn:
Auf sein Werk must du schauen /
Wann dein Werk soll bestehn.
Und morgen gibt es Prämien
Mach du nur kein Geschrei
die wird man dir nicht nehmen /
Schützt du den Robert Ley

***

 

weitergegangen, als es nicht mehr regnete. Immer noch Ostereier wie Schnüre von Frosch-Laich, aber freilich bunt und… (der Vergleich ist eh blöd)  schön winden sich um den Brunnen. Im Cafe Helmreich neue Pralinensorte entdeckt. Grand Manier. wpreche es falsch aus. Frau Helmreich korrigiert erst, als ich frag, wie mans ausspricht. aus dem hinteren Cafe-Bereich, eine ältere Runde, wehen Wortfetzen. Kreuz-und-Quer-gespräche. aus einem Strang beschwört sich ein Bild hervor, wie riesengroß die Bleche der  alte Bäckerin Lades gewesen waren. Von einem Hans ist die Rede. und von den duftenden Blechen. Groß und schwer zu heben. aber die Mutter habe es gut hingekriegt.

***

[…]

Berlin-Kreuzberg, 6. Mai.

lange nicht im Görlitzer Park gewesen. der schmale Streifen, der sich von Kreuzberg bis Treptow zieht. die überwucherte Bahnlinie ist fast nicht mehr zu erkennen, im alten Bahnhofsgebäude ist ein cooles Cafe. sieht zu aus. Ma. meint, vielleicht noch verbarrikadiert vom ersten Mai. der Himmel ist blau mit vielen Wolken, man kommt der Stadt abhanden. Amphitheaterartige Steinstufen im Halbrund. die Häuserzeilen vor uns und hinter uns haben kaum Bedeutung. der Himmel scheint sehr nah, er wölbt sich wie selten in der Stadt. die WOlken sind wie greifbare Schlagsahne. Becher Pappkaffee vom Türken, billig. nicht ganz schlecht. Ma. vom gastspiel in Erlangen erzählt. und was wir da eigentlich machen. hatte fast vergessen, dass er neu im Ensemble ist. schön Ersatz-Probe.  Auf dem Rückweg an den Donna-Summer-Song gedacht. Wurde nämlich kein Ohrwurm: weiß nichts mehr von der Melodie und den Text hatte ich nicht verstanden. Das ärgert mich jetzt doch. wie oft hätte ich ihn denn noch hören müssen? alles umsonst.

Berlin, 5. Mai

Es ist kalt. es sieht warm aus, aber es ist kalt. vor mir geht eine Mutter mit Kind Namens Loki. Loki will Eis, aber Eis ist ungesund. Frage mich nach wem das Kind benannt ist. nach dem verrückten Schamenen-Typen in “Wikings” oder der Ehefrau des Alt-Bundeskanzlers. Lust bekommen Eis zu essen. Aber ist kalt. In der früheren Videothek Spargelcremesuppe gegessen. Geschrieben, gelöffelt geschrieben, die Playlist muss (aber wann? und wie?) plötzlich in den Endlosschleife-Modus gesprungen sein. Es spielt immer und immer wieder der selbe Donna-Summer-Song. Es muss aber eine Weile gedauert haben, bis mir das auffiel (“Es ist ein schönes Lied, Micha, aber können wir jetzt doch mal eine andere Musik hören?”). er lacht.

Berlin, 30. April.

In der Sparkasse schließt jemand die Fenster für den ersten Mai. alles was Glas ist bekommt ein Schutzschild. die Abendsonne spiegelt sich im milchigen Acrylglas.  Rosaner HImmel. der Magnolienbaum mit dem blauen Zauberer, der davor sitzt, ist bereits grün. ich habe die Blüten verpasst, nicht anhaltender Liebeszauber. . Eh wurscht.  Hauptstadtkulturfonds-Abrechnung nimmt kein Ende. dachte ich geh aus dem Haus um irgendwo schön zu frühstücken, immer noch nichts eingekauft, der Kühlschrank ist leer. nichts schmeckt. dann gesehen, dass es schon Abend ist. und die Nacht vor dem Ersten Mai. Im Copyshop haben sie das früher auch gemacht, die Fensterscheibe verbarrikadiert. lange Jahre schien es nicht mehr nötig zu sein. ich hätte beinahe vergessen, dass Erster Mai ist. Bin zu müde für die Nacht auf den Tag. Ahnung, dass es auch vor meine Haustüre Dinge gibt für die es sich lohnen würde zu kämpfen. das Verschwinden der letzen Geheimstellen, der Brachen, der wilderen Ecken der Rummelsburger Bucht. Eine Frau erzählte davon in der Buchhandlung: von der Unterschriftensammlung zum STopp der Bebauung. ich hatte auch unterschrieben und noch befürchtet, dass nicht genügend Unterschriften zusammenkommen. 20 000 wären nötig gewesen… –  es waren aber weit mehr! nur dass nicht mehr Zeit war, diese auszuwertenund zu präsentieren. DieFrau erzählte, dier Entscheidung sei vorverlegt worden, so war keine Zeit mehr. es schien, als sei es Absicht gewesen. Viele hatten protestiert, viele hatten kluge Reden gehalten. die Politik hüllte sich in schweigen, ließ reden und stimmte dann ab. außer den wenigen Grünen waren sich alle einig, ob AfD, CDU, SPD und Linke: der Rummelsburger See bedarf eines Hotels, es braucht das große Geschäfte und nicht das, was die Menschen wollen.

An den alten Herrn Fuchs gedacht auf seinem Kohlen-Kahn, der da lebte auf seinem Hausboot mit fünf schwarzen Hunden, in der Biegung der Bucht, da wo es noch ein bißchen verwunsche ist. noch. irgendwann war er auf und davon gesegelt.

 

Dreba, 27. April

Fast nur Landstraße. über den Ort Moderwitz gelächelt, da Vorstellung von sehr sehr altbackenem Humor. Uraltwitzen jenseits von gut und böse. die Assoziation rächte sich aber, weil (ebenfalls langsam ein alter WItz und gleichzeitig Dauerbrenner) das Motorrad absoff und nicht wieder anspringen wollte. ging dann aber doch. Ärgerlicherweise gestern Abend vergessen die Handschuhe vom Motorrd mit ins Zimmer zu nehmen. Dreba, zur Linde. der helle weite WIrtshaussaal, der Holzboden, die Schieferdachhäuser, zu kalt für den Biergarten, der Männerstammtisch, von dem es “von Früher” tönt. Männer klingen wie mein alter Freund Alexander W.  zu dem der Kontakt abbrach. Problem, dass alte Männer so viel Wissen haben von der Welt und man selber entdeckt die Welt und weiß es zwar nicht besser aber dafür von der Wucht der aktuellen Erlebnnisse getroffen, von den Dingen, die einem um die Ohren geflogen sind in der letzten Zeit. zu viel zu erzählen gehabt beide und zu wenig Zeit um zuzuhören einander. Wie mag es ihm gehen?  Die HÄnde sind eisig. In Halle Handschuhe kaufen. die alten, ich fand sie an der Agip-Tankstelle in WIndsbach und sie waren eigentlich Baumarkthandschuhe sind nicht nur nass, sie sind auch verschmort, weil ich sie über dem AUspuff trocknen wollte, dann aber vergass sie  runterzunehmen, als die HOnda doch ansprang.  um die Finger herum sind sie nun gegrillt und verschmort und sehr eng. Suche nach Polo/Motorrrad-Bedarf. Navigationssystem scheitert an Umleitungsschildern in Halle. Irgendwann gibt die Frau auf und sagt nicht mehr Konkretes wie “jetzt links abbiegen” oder “nach 500 m rechts”, sondern “Fahre los in Richtung Nordwesten”. Und sie sagt es nicht mehr mit dem Besserwisser-Unterton akribischer Planmäßigkeit, sondern mit einem Hauch von resigiertem Pathos. “Mach was du willst” schwingt mit. HAndschuhe gekauft, viele Umwege. In Aken gab sie schließlich ganz auf. ihr letztes Wort war: “NIMM DIE FFÄHRE…!!!” Das “…und laß mich in Ruh!”konnte man sich dazu denken. An der ELbe gesessen bevor ich ihren letzten Rat annahm. Aber ich wollte die Fähre eh nehmen. eine grüne Raupe kriecht über meine Hand. sehr zierlich und zartgrün. es ist eine schöne Fahrt.

[…]

Windsbach – Pottenstein – Dreba, 26. April

Nur kurz. Buch abgegeben. Postkarten umgeschichtet. Helmreich Pralinen. Weiter. vergessen, den Führerschein in Neuendettelsau zu holen. Pottenstein, Oberfranken, meine Freundin, die ich lange nicht sah, mit der mich schon so lange Wichtiges aus der Kindheit verbindet…  Das Erlernen der “Geheimschrift” das evangelisiche Zeltlager. Sie erkundigte sich nach dem M. habe ihr sagen müssen, dass er tot ist. Was er uns jeweils bedeutet hat, ist so geheim wie die Schrift (so geheim sie damals schien;  wenn man nach Israel fährt erkennt man, dass viele sie drauf haben) – Sie wohnt jetzt in der NÄhe der Himmelsleiter und hat sich kaum verändert. Schönes Innehalten in Biergarten-Lokal. die Wirtin sah aus wie Liesel Karlstadt.

Nicht mehr sehr viel weiter gefahren, da kalt. DasTeichland ohne Sonne wirkt düster. Müde.

 

Windsbach, 25. April

die Freude über die Fahrt von M. nach W.  weil das Motorrad funktioniert und in der neu entdeckten Werkstatt nur 20 € ins Sparschwein gekostet hat. Die Gespräche am Wegesrand kurz vor Windsbach, wegwesiend und freundlich. Der Abendhimmel beim Ankommen. Nachricht über den toten Hund. Das Haus riecht anders, jetzt wo der Hund nicht mehr da ist. dass er gestorben sien muss, fast im selben Augenblick gedacht, als ich das Haus betrat. War ein unbändiger toller Hund. nun liegt er im Garten. Erinnerung an die Definition der Stadt Windsbach des ehemaligen Chorleiters Karl-Friedrich Beringer (vor langer zeit): Windsbach – da sei der Hund begraben. Das hieße nun unter anderem im Garten neben dem Kellerberg. der Garten blüht berauschend schön. als ich das letzte Mal hier war er noch trist, Laub geharkt und Wein beschnitten. Jetzt ist er nicht mehr trist, nur ein kleines bißchen traurig, wegen dem Hund. Wegen des Hundes. 

München, 24. April

im Keller. die Schatztruhe meiner Kindheit war der Schneideraum der Eltern. und das kleine Kino. im Vorratsraum hinter den Regalen mit den Lebensmitteln und den schwarzen  Filmrollen-Kartons steht immer noch der große  Kino–Projektor. ein alter Ernemann. durch ein Fenster in der Wand reicht der staubige Lichtstrahl in den Arbeitsraum, in Gang gesetzt mit der HAndkurbel, dann übernimmt der Motor, das Rattern,  der Transport der BIlder,  an die Wand geworfen auf der anderen Seite, der immer etwas zu dumpfe oder zu schepprige Ton. das Geräusch, das der Film macht, wenn er reißt und der Zauber sich plötzlich ein mechanisches Geschäft entpuppt.  DAs Kino war Hobby. nebenan am Schneidetisch fand die eigentliche Arbeit meiner Eltern statt. Filmstreifen wanden sich wie Schlangen. Spiel der kleinen M. mit den bunten runden Spulen. Leuchttürme.

Der Keller ist nachwievor eine Unterwelt von Zauberkammern, zwar heimgesucht von Wasserschäden, in letzter Zeit als Abstellplatz mißbraucht. es wr nicht Priorität, aber ich musste es tun: die lange gelbe Lichterkette, eigentlich ein Schlauch installiert. er windet sich jetzt vom “ZUschauerraum” (zwei Reihen a 5 Kino-Klappsessel, ehemals Inventar des alten Emelka Kinos AUgsburg, das abgerissen worden war vor langer Zeit) über den Scheindetisch hin zur Wand wo ein Papiermodell eben jenes alten Kinos steht. ein Kino in einem Kino. kurz entzündet, erleuchtet. dann wieder Dunkelheit. alte Gute Geister wiederheraufbeschwören. Das Notausgangs-Schild aus den 50er-Jahren bringt letztes Licht in dei Dunkelheit.

München, 23. April

Die Idee, ausschließlich im Augenblick zu leben und so geduldig zu sein für die immer gleichen Fragen, immmr wieder gleichmütig antworten, weil sie jedesmal neu sind, wenn man ausschließlich im Augenblich lebt. Wie lange bleibst du? Wie lange bleibst Du? Heute bleibst du aber noch, ja? Bleibst du noch heute?

Bliebe diesmal wirklich gerne. Der hellgrüne Garten mit den bunten Tulpen. Gras wie dichter Teppich zum drauf liegen. Immer müde. Nur mein Vater ist noch müder. Bleibst du noch?

Die Idee mit dem Leben im Augenblick bröckelt in den 5 Stunden Warten in der Notaufnahme des Klinikums Bogenhausen.

Die Fahrt in der Nacht. Die Mutter fährt. Kennt den Weg, ist aber in der Nacht nicht sicher. Stimme der Frau aus dem Navigationssystem. Ihr Weg ist umständlich. „Wer spricht da?“ will der Vater wissen.

Der große Wartebereich, der nicht einmal ganz voll wirkt, es heißt aber „Sie gehen ja, was hier los ist…! – in den Krankenhausserien, die ich sehe, sieht es immer voller aus. Höre die Schwester hinter dem Tresen jemandem, der nach uns kommt sagen „Bitte schön, wenn Sie 5 Stunden warten wollen…“ Die Leute gehen wieder. Hatten nur Kopfweh.

Eine andere Frau, aber mit schlimmeren Kopfschmerzen ist schon den ganzen Tag hier und wartet „auf den Professor“ soll Lumbalpunktion bekommen. Aus den Krankenhausserien, die ich sehe, weiß ich dass das sehr weh tut. Der Schwester fällt ein, dass der professor schon gegangen ist. Es ist ihr peinlich. Sie telefoniert rum für die mit dem schlimmen Kopfweh. In ihren Telefonaten hört man den Unterton der Schuldzuweisung, weil „Der Herr Professor einfach gegangen ist…“. In den Krankenhausserien, die ich sehe, tun das nur die Bösewichte. Einfach gehen.

Wie lange bleibst du? Schön, dass du bleibst. Und so lange?!

„Es ist schon halbelf. Da fahren wir dich aber auf alle Fälle noch nach hause, wenn wir hier raus sind“, sagt der Vater. Das sei zu weit, sag ich. „wie weit denn?“ Bis Berlin. Er runzelt die Stirn.

Hat er vergessen, dass er sonst immer fragt „wie lange bleibst du?“

Nach Berlin sei es eventuell zu weit, es sei ja jetzt schon sehr spät…

„Ich kann ja bei Euch übernachten? Ich bin doch zu Besuch!“

„Natürlich. Kannst so lange bleiben wie du willst!“ er freut sich über die gute Idee. Nach einer Weile fügt er hinzu: „Wie lange kannst Du denn bleiben?“

wir sitzen nicht gut. Direkt uns gegenüber der stumme Fernseher. Man kann nicht weggucken. Man versteht nichts. Explosionen, Feuerwehrleute, Newsbanner. Die Mutter denkt, es ist ein Actionfilm (oder sagt es, um den Vater zu beruhigen. Der nimmt es aber gelassen hin. Wünschte, wir säßen weiterhinten gegenüber de nMassagesesseln. Oder auf den Massagesesseln. Aber gegenüber den Massagesesseln sitzt schon wer. Kann mir nicht vorstellen, dass man auf den Massagesesseln sitzt, sich massieren läßt und gleichzeitig sitzt jemand gegenüber und guckt zu. Ob überhaupt jemand dieses Angebot nutzt? Man hat nicht die Ruhe.

13:40 Solitaire spielen im Computer. Der Vater nickt anerkennend, obwohl in Spielkarten nie interessiert haben. Die Mutter holt ständig Wasser vom Wasserautomaten. Obwohl ich ihr die Wasserflasche hinhalte, die ich mitgenommen habe. „Aber hier ist es gratis.“ vor uns sitzen jetzt ein italienischer Vater mit geschwollener Hand und seine Tochter, die ist ungefähr 14. ihre Stimme perlt sanft in weichen süditalienischen Tönen. Der Vater wirkt fiebrig, läßt es sich aber nicht anmerken. Die Frau, die der Professor vergessen hatte, wird eingewiesen; soll es selbst entscheiden, ob sie diese Lumbal-Punktion will oder nicht. Ich glaue, die will jett einfach ein Bett. Wieder der Gedanke an den Massage-Sessel. Der Raum leert sich. Die Schwester am Tresen packt ihre Sachen. Schichtwechsel. Der Mutter fällt ein, dass sie das Auto umparken sollte. Ich komme mir nutzlos vor. Hätte ich nur den Führreschien gemacht fürs Auto, als ich den fürs Motorrad gemacht hab. Um den Vater von der Dauerschleife der Explosionen im fernsehen abzulenken, zeige ich ihm Fotos aus dem Gazastreifen. Der Vater bräuchte eigentlich eine OP. Aber Angst vor Dauernotstand größer als der vor den Notaufnahmen der letzten Woche. Tagsüber nickt er im Sitzen oft ein. Hier scheint er hellwach. Tagsüber sitz ich ihm oft gegenüber. Hier sitzen wir nebeneinander. Perspektivwechsel. Wieder die Feuerwehrleute im Fenrsehen. Dauernotschleifen. Doch fast in Schlaf gefallen. Zärtliche Schulter.

22. April, München/Neukeferloh

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München/Neukeferloh, 21. April, Ostersonntag

früh wach, weil schon um 20 Uhr ins Bett. 4 Uhr. Um 5 in den Garten, noch in der Dämmerung. Ostereier bemalt und im Garten versteckt. Matthäuspassion gehört. Buhuß und Reu! Im Haus Dinge verstecken ist schwer, denn es ist überall voll von kleinen Schätzen. vielleicht zu viel des Guten, vielleicht auch nicht.

In Windsbach wurde immer so viel erzählt, dass die Osternacht so schön sei in der Gottesruhkapelle, die Sonne ginge direkt auf im Fenster der Apsis… –  Im Ort meiner Kindheit gibt es keine Kirche mehr. die Protestanten haben sie verkauft, es steht jetzt da ein häßliches Haus. Mögen sie bekommen haben dafür 30 Silberlinge und gekauft haben davon einen Töpfersacker (was immer das auch sein mag – ich stelle es mir vor wie eine Brache auf der zuweilen ein Keramikmarkt stattfindet, so einer wie in Rheinsberg, wo mein Ex-Freund immer hinfahren wollte, wo alles erschwingliche häßlich ist und alles Schöne unbezahlbar)  – – – Eine neue katholische Kirche gibt es, am anderen ENde des Ortes, sie ist aber noch häßlicher als das Haus auf dem sogenannten Töpfersacker…

 

Bildschirmfoto 2019-04-21 um 11.04.28

Also ein unfruchtbares Land für tote Heimatlose, aus dem früher Keramik gemacht wurde. Es ist schon eine wunderschöne Musik. Eltern wollen lieber – wenn scon Bach – lieber die H-Moll-Messe hören mit dem seltsamen Argument, die Passion passe nicht zum Oster-Sonntag, weil Jesus da ja schon auferstanden sei. Und weil sie die CD gar nicht haben (schlagenderes Argument). Im Radio kommt Beethoven. Im Internet kommt aber doch die Passion, auf der ich zu Ostern bestehen muss, sie kommt aber aus meinem Computer so leise, dass nur ich sie höre. Die Mutter findet ihr Hörgerät nicht.  Nun hören wir Beethoven und Bach gleichzeitig. Duett und Chor “…Sind Blitze, sind Donner in Wolken verschwunden…” mochte ich immer sehr. Die Windsbacher Knaben sollen angeblich einmal stattdessen “Sind Pizza, sind Döner in Wolken verschwunden” gesungen haben, sogar die Solisten hätten (angeblich) mit eingestimmt und ebenfalls “Pizza und Döner” statt Blitze und Donner” gesungen und der Dirigent, der Herr Beringer, habe nicht unterbrochen. manche Dinge muss man durchziehen. (Vielleicht habe iich es auch falsch verstanden und es hieß: “Pizza und Pommes.”)

Die Mutter hat auch für mich Sachen versteckt. Tatsächlich geisterten wir beide früh im Haus herum und wollten den jeweils anderen überraschen. immer ist da eine Sache, die am Ende unaufindbar bleibt. Diesmal dummerweise eine Packung Rinder-Carpaccio. (weil wir gerne Sachen verstecken, sind es immer auch andere Dinge als nur Eier.  Eier, zumal sie bunt sind, sind leicht, aber dünne Scheiben von Wurstwaren… Dafür fand sich das Hörgerät.  Dem Vater gehts besser.

München, 20. April

Fieber in der Nacht. Motorradfahrt ohne gscheite Jacke trotz Sonne nicht gut. Geträumt, die Japanische Regierung wäre bereit die Bilderstürme II zu finanzieren. Bestätigungsschreiben in Japanisch trieb mich in  den Wahnsinn. es war nicht klar, ob die Finanzierung gut oder schlimm war. es schien mit gewaltigen Bedinungungen verknüpft zu sein. eine asiatische Frauenstimme sang mich immer wenn ich erwachte aufs neue in den Schlaf, der Schlaf drehte sich wiederum um die Finanzierung.  39,5 Fieber. (Die Eltern besitzen ein Thermometer). die Frauenstimme versprach gutes, aber ich wusste, dass ich ihnr nicht trauen konnte.

Heute geht es mir gut. das mit den Japanern muss von dem Interview herkommen mit dem Hamas-Minister, der etwas von einem neu zu bauenden Kulturzentrum sagte, das mit Geldern der “Japanese Authorities” finanziert werde. das hatte mich verwirrt. es schien kein sinnvolles Zentrum zu werden. groß und unbezahlbar für normale Künstler. EIn Alles-Und-Nichts-Projekt. wieso träume ich sowas?

der Vater sucht seine Brille. Er ist sehr verzweifelt und sagt, er fände nichts mehr in seinem Leben und morgen sei er vielleicht tot. wir suchten alle, die Mutter fand sie.

 

Berlin-Windsbach, 19. April.

die Sonne ist noch nicht aufgegangen, ein zart rosa-pfirsichfarbener Streifen am Horizont kündigt sie an, das Auto legt sich in die Kurve hinter Adlershof, die STraßenlaternen leuchten wie fröhliche kleine runde Punkte  vor tiefem HImmelblau bis Rosa, die größte der Lichter ist ein riesiger satter Vollmond. es ist wunderschön. An den Himmel über dem Meer in Gaza gedacht, ähnlich groß und in ähnlicher Farbe: die Sonne.

Mitfahr-Fahrt hatte sehr früh begonnen. 5 Uhr vom Bahnhof Lichtenberg in einem Auto mit drei Männern, die nach  Rothenburg fahren um von dort an den Bodensee zu wandern.

Die Jungs zählen einander auf, was sie alles mit haben und was sie alles vergessen haben. einer hat nur kurze Hosen, dafür aber kiloweise Bananen. ein anderer hat den kleinesten Rucksack aber am meisten Sachen mit zum Beispiel Werkzeuge. Er bedauert, seine Mini-Säge nicht  mitgenommen zu haben, was auf Verständnislosigkeit bei den anderen führt.  keiner hat ein Zelt, aber der, der am Steuer sitzt, hat eine 300g schwere Not-Zelt-Plane. keiner kann sich was drunter vorstellen. Hoffnung des einen (der mit ohne Säge), man könne die Plane auch als HÄngematte benutzen. Es wird ihnen nach und nach klar, dass sie zu wenig essen mit haben. Un dkein Klopapier. “Aber ich hab Bananen”, sagt der mit den Bananen. den Zusammenhang verstehe ich erst nicht. Vielleicht weil Bananen verstopfen?

Der ohne Säge, hat dafür Heilwasser in einer Glasflasche mit, weil seine Freundin Stefanie die ihm mitgegeben hat. Weil die trinkt nur noch Heilwasser. Sind sich nicht sicher, ob Ostersamstag auch eine Feiertag ist und wollen in jedem Fall möglichst bald zu MacDonalds. außer der der fährt, der mag keinen MacDOnalds und fährt nur auf Rastplätze wo es ausnahmsweise keienn MacDonalds gibt. Frage mich ob es gut geht mit den dreien. Ich werde abgesetzt an der Tankstelle in Neuendettelsau udn sie freuen sich auf Einkäufe dort.

***

Neuendettelsau.

Der  damals vergessene Führerschein im “grünen Baum”, leider ist noch nicht offen. HAmmons. Kellner  (der zu Fasching als FBI-Agent ging, aber wie ein Selbstmordattentäter aussah und nicht wußte, dass es auch einen Besenbeck gibt, der ein kleiner Eisenwaren ist. (Die So. kommentierte es mit “Da siehst, dass das FBI keine Ahnugn hat!”) ist sehr freundlich und tätowiert. Tee. Warten dass der grüne Baum aufmacht. erst Baum, dann Zug. Windsbach, das Motorrad klar kriegen, das ich beim letzten Mal stehen lassen musste, weil die Werkstatt in W. es nicht reparieren wollte. Vertrauen erschüttert. Erde bebt hier lange schon. Ob es noch da steht, wo es steht?  Es muss aufhhören, dass ich mich in die Welt verstreue. So abhängig von anderen bin ich nur hier. und vielleicht ein bißchen in Gaza.

Der Hüdi fährt vorbei. hatte mir schon überlegt, wer wohl der erste Mensch in N. sein könnte, den ich kenne. hatte an die Frau G. gedacht. aber es ist der Il Corso-Wirt aus W. Schon denke ich, dass das ein Schicksalswink sein könnte und fahre (statt den Führerschein zu holen aus dem grünen Baum) in die Stadt WIndsbach. Dinge einsammeln. Dinge dalassen.

Grad wo ich hab nachdenken wollen über die Abhängigkeiten von anderen, schon bietet sich Mitfahrgelegenheit. ist aber wohl ok. der Hüdi hat von mir einen  kleinen Imagefilm gemacht bekommen letztes Jahr, nur so. Da darf man sich auch mal kutschieren lassen.

***

Windsbach…

Bilderbuch-Anblick des Ortes in der Frühlingshitze . Geschmückter Brunnen vor Helmreich. Die P. sitzt mit ihrem Mann auf der Bank vor dem Rathaus. In der Stadtkirche ist der Gottesdienst gerade zu Ende. Orgelklänge. Das neue Gemeindehaus steht offen, es ist keiner da, aber man kann rein. Duft nach frischem Holz. Weiter. Gottesruhkapelle, da steht mein Motorrad. Heimat braucht ein Zuhause. oder eine Garage. oder den ADAC.  habe viel nachgedacht über Heimat in der letzten Zeit. der anstehende WOrkshop “vom Auserwähltsein”, die Psalmen Davids für das Gottesruhprojekt im Juli. Stolpere jetzt des öfteren über Stellen im Alten Testament in denen dieser Gott erstaunlich klare Aussagen macht zum Thema Heimaterde. Die Erde gehhöre Gott. Der Mensch darf sie nutzen. aber man solle sich hüten davor zu sesshaft zu werden. alle 49 Jahre solle das LAnd neu aufgeteilt werden. Tabula Rasa. Damit andere auch mal was davon haben. So gesehen, müsste ich das Klagen lassen darüber, dass so viele vegane Bayern, Franken und Schwaben mein Viertel in Berlin umgestalten. SO gesehen ist Israel auf einem ganz falschen Kurs. Die Westbank anektieren? – Allenfalls Tauschen: Netanjahu zieht nach Ramallah und die Autonomiebehörde nach Tel Aviv und Jerusalem.  Und meine Idee des Vorjahres, eine Weile in W. ansässig zu werden… – eigentlich keine schlechte. In der Theorie. Mein Gefühl ist heute: Nichts wie weg. nach München. . Man hängt halt doch an der Heimat. und ist nicht so frei, wie der Gott sich das wünscht.  – Der Mann vom ADAC, der kommt ist de erste, der sich mal nicht lustig macht über meine Motorradprobleme, sondern mir, sondern mir einfach mal erklärt was ich tun kann. es fährt!  Heimat brauch ein Motorrad unter dem HIntern. vor der Fahrt nach München zu den Eltern noch zum Ilios. Auch ein Hauch von fremder Heimt.  GUte Ratschläge bekommen von einem Jungen, der sich in die Problematiken altes Motorrad – Neues Motorrad  erstaunlich  altersweise und emnpathisch hinein dachte. . Er verstand, dass das erste Motorrad etwas besonderes ist. Schlug vor, die selbe Maschine nochmal zu kaufen, und immer wenn etwas an meinem alten Kaputt ginge, es von dem neuen zu nehmen. Die meisten raten einem zur umgekehrten Organspende. Dann musste er weg, Fußball-Spielen. Frage mich, ob er mit den anderen Kindern, die ich in W. kenne, zusammen spielt.

Berlin, 18. 4.

Kopfweh hört nicht auf.  denke an den zerbrochenen Buddha-Kopf. wünschte aus meinem Ohr wüchsen BLumen. Ich müsste das Material aus Gaza übersetzen lassen, es ist so viel.

Der Tochter gefiel der kitschige Pyjama, genau solchen wollte sie, sagt sie. in berlin kann man ihn tragen mit Ironie. Die selbstgestickte Katze hält sie für einen HAsen. Dafür spricht sie mich ebenfalls auf die CDU-Werbung an. Möglicherweise muss ich nach MÜnchen. Dabei echt froh, dass gerade angekommen. dem Vater geht es nicht gut.

Berlin, 17. 4.

Der erste Mensch den ich sehe, als ich das HAus doch verlasse ist der Lo. Er gratuliert mir zu den Plakaten, die überal hängen. Ich verstehe nicht. Er meint die Europa-Wahl und fragt, warum ich mich ausgerechnet für die CDU aufstellen hätte lassen. Entfernte Ähnlichkeit soll ich haben mit der Abgeordneten. aber eben wirklich nur aus der Entfernung. Erster Gang zu Kaufland. Nur das nötigste. Weiterschlafen. Fieber. Kopfweh.

Kuchen gebacken für die Tochter, ihren Geburtstag nachzufeiern.  Sie bekommt zwei Bücher, eins über Brecht, ein seine gesammelten Werke. Lippenstift aus dem Duty Free Shop. Den rosa Pyjama aus Gaza mit dem Hund drauf der jetzt eine Katze ist. und eine Rekonstrukton des wunderschönen BUddha-Kopfes aus Ton, den sie letztes JAhr bekommen hat, der aber zerbrach. ich habe ihn geklebt und in die Lücken Efeu gepflanzt. ein Zweig wächst aus seinem Ohr. ansonsten: Haarklemmen aus den 50er Jahren, Süßigkeiten aus Israel, dies und das.

 

Berlin, 16. 4.

Nur verkrochen unter der Bettdecke. die andere Variante des Verschleiert-Seins.

 

Berlin, 19. April.

die Sonne ist noch nicht aufgegangen, ein zart rosa-pfirsichfarbener Streifen am Horizont kündigt sie an, das Auto legt sich in die Kurve hinter Adlershof, die STraßenlaternen leuchten wie fröhliche kleine runde Punkte  vor tiefem HImmelblau bis Rosa, die größte der Lichter ist ein riesiger satter Vollmond. es ist wunderschön. An den Himmel über dem Meer in Gaza gedacht, ähnlich groß und in ähnlicher Farbe: die Sonne.

Mitfahr-Fahrt hatte sehr früh begonnen. 5 Uhr vom Bahnhof Lichtenberg in einem Auto mit drei Männern, die nach  Rothenburg fahren um von dort an den Bodensee zu wandern.

Die Jungs zählen einander auf, was sie alles mit haben und was sie alles vergessen haben. einer hat nur kurze Hosen, dafür aber kiloweise Bananen. ein anderer hat den kleinesten Rucksack aber am meisten Sachen mit zum Beispiel Werkzeuge. Er bedauert, seine Mini-Säge nicht  mitgenommen zu haben, was auf Verständnislosigkeit bei den anderen führt.  keiner hat ein Zelt, aber der, der am Steuer sitzt, hat eine 300g schwere Not-Zelt-Plane. keiner kann sich was drunter vorstellen. Hoffnung des einen (der mit ohne Säge), man könne die Plane auch als HÄngematte benutzen. Es wird ihnen nach und nach klar, dass sie zu wenig essen mit haben. Un dkein Klopapier. “Aber ich hab Bananen”, sagt der mit den Bananen. den Zusammenhang verstehe ich erst nicht. Vielleicht weil Bananen verstopfen?

Der ohne Säge, hat dafür Heilwasser in einer Glasflasche mit, weil seine Freundin Stefanie die ihm mitgegeben hat. Weil die trinkt nur noch Heilwasser. Sind sich nicht sicher, ob Ostersamstag auch eine Feiertag ist und wollen in jedem Fall möglichst bald zu MacDonalds. außer der der fährt, der mag keinen MacDOnalds und fährt nur auf Rastplätze wo es ausnahmsweise keienn MacDonalds gibt. Frage mich ob es gut geht mit den dreien. Ich werde abgesetzt an der Tankstelle in Neuendettelsau udn sie freuen sich auf Einkäufe dort.

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Neuendettelsau.

Der  damals vergessene Führerschein im “grünen Baum”, leider ist noch nicht offen. HAmmons. Kellner  (der zu Fasching als FBI-Agent ging, aber wie ein Selbstmordattentäter aussah und nicht wußte, dass es auch einen Besenbeck gibt, der ein kleiner Eisenwaren ist. (Die So. kommentierte es mit “Da siehst, dass das FBI keine Ahnugn hat!”) ist sehr freundlich und tätowiert. Tee. Warten dass der grüne Baum aufmacht. erst Baum, dann Zug. Windsbach, das Motorrad klar kriegen, das ich beim letzten Mal stehen lassen musste, weil die Werkstatt in W. es nicht reparieren wollte. Vertrauen erschüttert. Erde bebt hier lange schon. Ob es noch da steht, wo es steht?  Es muss aufhhören, dass ich mich in die Welt verstreue. So abhängig von anderen bin ich nur hier. und vielleicht ein bißchen in Gaza.

Der Hüdi fährt vorbei. hatte mir schon überlegt, wer wohl der erste Mensch in N. sein könnte, den ich kenne. hatte an die Frau G. gedacht. aber es ist der Il Corso-Wirt aus W. Schon denke ich, dass das ein Schicksalswink sein könnte und fahre (statt den Führerschein zu holen aus dem grünen Baum) in die Stadt WIndsbach. Dinge einsammeln. Dinge dalassen.

Grad wo ich hab nachdenken wollen über die Abhängigkeiten von anderen, schon bietet sich Mitfahrgelegenheit. ist aber wohl ok. der Hüdi hat von mir einen  kleinen Imagefilm gemacht bekommen letztes Jahr, nur so. Da darf man sich auch mal kutschieren lassen.

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Windsbach…

Bilderbuch-Anblick des Ortes in der Frühlingshitze . Geschmückter Brunnen vor Helmreich. Die P. sitzt mit ihrem Mann auf der Bank vor dem Rathaus. In der Stadtkirche ist der Gottesdienst gerade zu Ende. Orgelklänge. Das neue Gemeindehaus steht offen, es ist keiner da, aber man kann rein. Duft nach frischem Holz. Weiter. Gottesruhkapelle, da steht mein Motorrad. Heimat braucht ein Zuhause. oder eine Garage. oder den ADAC.  habe viel nachgedacht über Heimat in der letzten Zeit. der anstehende WOrkshop “vom Auserwähltsein”, die Psalmen Davids für das Gottesruhprojekt im Juli. Stolpere jetzt des öfteren über Stellen im Alten Testament in denen dieser Gott erstaunlich klare Aussagen macht zum Thema Heimaterde. Die Erde gehhöre Gott. Der Mensch darf sie nutzen. aber man solle sich hüten davor zu sesshaft zu werden. alle 49 Jahre solle das LAnd neu aufgeteilt werden. Tabula Rasa. Damit andere auch mal was davon haben. So gesehen, müsste ich das Klagen lassen darüber, dass so viele vegane Bayern, Franken und Schwaben mein Viertel in Berlin umgestalten. SO gesehen ist Israel auf einem ganz falschen Kurs. Die Westbank anektieren? – Allenfalls Tauschen: Netanjahu zieht nach Ramallah und die Autonomiebehörde nach Tel Aviv und Jerusalem.  Und meine Idee des Vorjahres, eine Weile in W. ansässig zu werden… – eigentlich keine schlechte. In der Theorie. Mein Gefühl ist heute: Nichts wie weg. nach München. . Man hängt halt doch an der Heimat. und ist nicht so frei, wie der Gott sich das wünscht.  – Der Mann vom ADAC, der kommt ist de erste, der sich mal nicht lustig macht über meine Motorradprobleme, sondern mir, sondern mir einfach mal erklärt was ich tun kann. es fährt!  Heimat brauch ein Motorrad unter dem HIntern. vor der Fahrt nach München zu den Eltern noch zum Ilios. Auch ein Hauch von fremder Heimt.  GUte Ratschläge bekommen von einem Jungen, der sich in die Problematiken altes Motorrad – Neues Motorrad  erstaunlich  altersweise und emnpathisch hinein dachte. . Er verstand, dass das erste Motorrad etwas besonderes ist. Schlug vor, die selbe Maschine nochmal zu kaufen, und immer wenn etwas an meinem alten Kaputt ginge, es von dem neuen zu nehmen. Die meisten raten einem zur umgekehrten Organspende. Dann musste er weg, Fußball-Spielen. Frage mich, ob er mit den anderen Kindern, die ich in W. kenne, zusammen spielt.

Berlin, 18. 4.

Kopfweh hört nicht auf.  denke an den zerbrochenen Buddha-Kopf. wünschte aus meinem Ohr wüchsen BLumen. Ich müsste das Material aus Gaza übersetzen lassen, es ist so viel.

Der Tochter gefiel der kitschige Pyjama, genau solchen wollte sie, sagt sie. in berlin kann man ihn tragen mit Ironie. Die selbstgestickte Katze hält sie für einen HAsen. Dafür spricht sie mich ebenfalls auf die CDU-Werbung an. Möglicherweise muss ich nach MÜnchen. Dabei echt froh, dass gerade angekommen. dem Vater geht es nicht gut.

Berlin, 17. 4.

Der erste Mensch den ich sehe, als ich das HAus doch verlasse ist der Lo. Er gratuliert mir zu den Plakaten, die überal hängen. Ich verstehe nicht. Er meint die Europa-Wahl und fragt, warum ich mich ausgerechnet für die CDU aufstellen hätte lassen. Entfernte Ähnlichkeit soll ich haben mit der Abgeordneten. aber eben wirklich nur aus der Entfernung. Erster Gang zu Kaufland. Nur das nötigste. Weiterschlafen. Fieber. Kopfweh.

Kuchen gebacken für die Tochter, ihren Geburtstag nachzufeiern.  Sie bekommt zwei Bücher, eins über Brecht, ein seine gesammelten Werke. Lippenstift aus dem Duty Free Shop. Den rosa Pyjama aus Gaza mit dem Hund drauf der jetzt eine Katze ist. und eine Rekonstrukton des wunderschönen BUddha-Kopfes aus Ton, den sie letztes JAhr bekommen hat, der aber zerbrach. ich habe ihn geklebt und in die Lücken Efeu gepflanzt. ein Zweig wächst aus seinem Ohr. ansonsten: Haarklemmen aus den 50er Jahren, Süßigkeiten aus Israel, dies und das.

 

Berlin, 16. 4.

Nur verkrochen unter der Bettdecke. die andere Variante des Verschleiert-Seins

 

Tel Aviv, 14. 4.

der Bus weg, die Bahn fährt erst zu spät. wieder Taxi zum Flughafen Tel Aviv. diesmal wieder ein geschäftstüchtiger Taxifahrer, starker Mann-Typ mit rasierter Glatze und Sonnenbrille, den unverschämten Preis nimmt er gleich doppelt, von mir und dem amerikanischen Ehepaar, das plötzlich auch noch  mit reinhüpft. Ich glaueb am ENde hatte jeder vom anderen gedacht, dass er für die Fahrt des anderen mitgezahlt hätte. Bereue jetzt mich aufgeregt zu haben über den preis des Gaza-Taxis zur Grenze.  Fahrer aufgewachsen im Irak, stolz in Israel zu leben. wählte, wenn ich es richtig verstanden habe Netanjahu, nicht weil er ihn gut findet, sondern weil es ihn ankotzt, dass so viele ihn scheiße finden. ansonsten aber kein empathischer Mensch. Macho, der von mir wissen will auf welcher seite ich stehe: Israel oder Palästina? klare Ansage, los, sag schon!  – weigere mich, so einem in drei Sätzen -geschweige denn einem zu antworten. dem Ehepaar aber, das es wissen wollte von Gaza erzählt, leider unterbrach mich der Taxifahrer immer und wollte mir erzählen wie es da sei. (diesmal aber in mehr als einem Satz). Auch einer, der nicht zuhört oder dem man die Welt nicht anders als im Fuck-You-Modus erklären kann. ich kann es jedenfalls nicht. Und natürlich ist “Fuck-You” falsch. was ist die Alternative. die Sprachen der Welt lernen. leiser sprechen. Mehr Zeit haben. die ganze Zeit lang Taxi fahren und sich mit den Menschen auseinandersetzen. mein Kopf platzt. Zwischenstop in Thessaloniki, bringt etwas Ruhe. Freunde, die ich lange nicht sah, Blicke über Dächer bis zum Meer. die Ruhe! Was für eine Ruhe. Beim letzten Mal kam mir die Stadt so hektisch und laut vor. gegen Gaza und Tel Aviv wirkt sie wie meditativ und freundlich. Auch hier sprechen wir alle drei nicht ein gemeinsame Sprache. Macht nichts, denn es besteht keine Not. Wohllaute, Lächeln. Umschalten. wenig sehen. die Katze auf meinem Bett in der Nacht. der Balkon in der Sonne. das Geburtstagsgeschenk für die Tochter: der Plüsch-Pyjama aus Gaza, den eine Katze hätte zieren sollen, aber es war nur noch einer mit Hund zu finden gewesen, umarbeiten, so dass aus dem Hund eine Katze wird. K. sagt “very nice, but it is still a dog!” Trotzdem pures Glück. Und endlich lange warme Dusche! griechisches Shampoo, Oliven und Pistazien. ich glaube ich stand eine Stunde darunter. Das in Gaza gesparte Wasser versickert wie eine Flut im Abfluss. geweint, aber ohne Grund.

***

Über Thessaloniki zu fahren, war gute Idee. abgesehen davon, dass Umweg-Flug billiger als Direktflug, auch doe Projekt-Idee weiter entwickelt. Griechenland. die andere Seite des Mittelmeeres. Käme Hemingway’s alte Mann hier an? Stünde eine Willkommens-Blaskapelle am Hafen? oder fährt See-Watch durh die Ägaeis und wundert sich über den Fischer mit dem zu großen Fisch? ein Flüchtling mehr? ist Griechenland die Rettung? Vielleicht steht da auch ein antiker Tragödien-Chor a la Sophokles und warnt und redet zu, rät ab…. steht am Ufer und redet mit den Wellen… Sprechgesang. Singende Säge…. – Ob mein Freund G. dazu eine Komposition machen könnte… fast nicht zu fragen gewagt, dabei war es fast keine Frage. stille Freude, dass die altbewährten Zusammenarbeiten wie von selbst passieren. wenn alles andere so mühselig ist. Zeit vergeht wie im Flug. Im Flugzeug dann habe ich das Glück, einen Fensterplatz zu haben. auf ihm sitzt aber ein alter Grieche mit hinreißendem Schnurrbart, sonnengegerbtem Gesicht und einer Flasche Wasser, an die er sich klammer. Er sieht aus, als flöge er zum ersten Mal. den ganzen Flug über mich geschämt, dass ich ihm den Platz nicht überlassen habe. Kindisch! ich habe viele Wolkenmeere gesehen in der letzten Zeit. Diese sahen wie Blumenkohl aus. ich hätte sie dem alten Mann überlassen sollen. angekommen in Schönefeld. Nicht nach Hause gewollt. dann doch. schlaflose Nacht. Kopfschmerzen und Fieber.

 

14. April

Abreise / Gaza – Tel Aviv – Thessaloniki – Berlin

an der Grenze wieder Schwierigkeiten. letztes Mal durfte das Taxi einfach durchfahren. der Hamas-Checkpoint, das Container-Office-1 flog nur so an uns vorbei, erst am letzten Kontrollpunkt, bevor der “Käfig-Gang” beginnt, musste das AUto kehrtmachen.  warum ist es jetzt so kompliziert? “Problem!” heißt es. WO man sonst immer nur hört “Fesh mushkela” – “NO Problem”. sitze mit Jamal wieder zwischen den Stühlen und warte. das Problem ist, dass ich zu lange geblieben bin. Einen Tag! ein Rechenfehler meinerseits. ein Visum für eine Woche bedeutet sieben Tage, nicht acht. ist das jetzt wirklich ein Problem, oder muss man einfach was bezahlen?

***

Draussen. wieder hatten Prozeduren stattgefunden, die ich nicht verstand. Telefonate, hin und her. Okay, ich bin eine Tag zu lang geblieben, aber muss ich deshalb jetzt noch länger bleiben? Kopfweh. Erinnerung an Verhör vor einem Jahr. bittenincht nochmal. dann aber plötzlich hält man mir meinen pass hin. “Go.” das Visum behalten sie zurück. Abschied. Kein Gedanke an eine Umarmung. Staubige Eile, ein zwangsweises Taxi wartet schon. 

Taxi vom Hamaskontrollpunkt zum AUsreisepunkt fährt nur eine Minute. man muss es nehmen. kostet mehr als eine Fahrt durch den ganzen Gazastreifen. weiter zu Fuß durch den Gittergang. kurz vor dem Schließen der israelischen Seite der Grenze dann doch rechtzeitig am Terminal in Erez.

Auf der anderen Seite  heimliche Freude auf das Meer in Tel Aviv, rein rennen alles hinter sich lassen. Nicht zweimal in den selben Fluss… – Aber arabischer Taxifahrer aus Ber Sheva mit gutem Gesicht, erinnert mich an  Nelson Mandela, ist zu freundlich, als dass ich seine EInladung zum Kaffe kurz vor Sderot hätte ausschlagen können. Earl Grey Tee. Kopdschmerz läßt nach. hätte mir keine freundlichere Fahrt wünschen können  zur Bahnstation Sderot. ZUg war weg. Egal. vom Leben erzählt und erzählt bekommen… –  Das Meer ist zu kalt, als ich in Tel Aviv bin. hab aber eh Fieber und es ist  deshalb besser so.

***

Tel Aviv.

Sherut-Nummer 16. Netter normal-freundlicher Mensch namens David um die 50. unterrichtet Erwachsenenbildung für Leute, die Real-Estate-Licence haben erwerben wollen, ist Berater für Businessleute im Bereich Feng Shui und arbeitet halbtags im Bereich Security. Erkundigte sich freundlich besorgt ob es den menschen in Gaza gut ginge und ob sie genug zu essen hätten. Ist der Meinung, man sollte unbedingt die Grenzen öffnen, aber besser nur die nach Ägypten und  die in Richtung Meer.

Die Sonne ist verschwunden. Sie tauchte tatsächlich nahtlos ab, am Horizont ins bewegten Meer. Wunderschöne Wellen. kann icht schlafen.

***

Viele Militär-Flugzeuge und Hubschrauber heute Nacht, wenn das Lachen und Pling-Plang des Tages wegfällt, ist der Strand nur noch Wellen und Maschienen über dem Meer.

In der Nacht, gegen 23 Uhr: großer Hubschrauber der die Brandung erleuchtete, als wäre er eine in der Luft beinahe stehende riesige Taschenlampe, tastete die Streifen der Felsen ab, die zwischen Strand und offener See wie die Reste eines letzten Grenzwalls liegen. Der Lichtstrahl reißt einen schmalen Spalt Tageshelligkeit in die Nacht. Die schwebende Suchmaschine sehr bedrohlich, das Lichtspiel aber auf seltsame Weise schön. Erleuchtete Kronen der Wellen. Was suchte man? Oder wen? Auf ein unsichtbares Zeichen knippste sich die Taschenlampe aus, der Hubschrauber machte kehrt. Stellte mir vor der Strahl galt dem alten Mann und dem Meer. Dem Fischermann, den Jamal und ich uns in Gaza vorstellen. Vielleicht hat er sich im Kurs geirrt und der nicht zu fassende Fisch hat ihn hier her verschlagen.

13. April, Gaza

Jamal sagt “Sei nicht zu streng, Mariam….”. Er hat Recht. Es ist nicht das, was hängen bleiben darf, das mit dem Hitler. Weder soll es an den Reklametafeln kleben, noch als das, was unterm Strich hängen bleibt in all diesen Gaza-Impressionen. Es ist weder das Huhn, noch das Ei. Es ist ein Symptom.

Jamal erzählt vom kleinen Hassan, der in seiner Nachbarschaft aufwuchs, ein Kind mit vielen geschwistern. Der Name Hitler fiel imer dann, wenn der Vater wütend war über die Israelis. Ein Familienritual. Nichts böses dabei denken. weil man ja nicht böse ist. die andern sind es. woher soll man wissen (wollen), dass es den anderen vor kurzem noch viel schlimmer ergangen ist?

[die Frage “woher wissen” würde ich wirklich gerne der Deutschen Botschaft weitergeben, dem Auswärtigen Amt und dem Goethe-Institut]

Letzter Morgen bricht an… schwer zu packen. Den Fundgruben-Koffer, der so gut über Asphalt rollt, rollt im Staub des GAzastreifens nicht ganz so rund. er ist auch fast leer jetzt, denn die meisten Sachen die ich mithatte waren Geschenke oder Theater-Kram und somit ist er unnötig groß. Und ich habe ja noch einen kleinen Koffer in Gaza, den von letztem mal, als meiner zu klein war für die Geschenke, die ich wiederum zum weiterleiten mitnahm oder auch selber bekam und einen größeren brauchte. Mein alter kleiner dunkelblauer Koffer, den ich fast vergessen hatte! Er kommt wie gerufen. Und der Fundgruben-Koffer geht an Jamal.

Auch das passt, denn der getauschte ging  kaputt als ich vor einem Jahr (fix und fertig und wie bestellt und nicht abgeholt am Alexander Platz ankam aus Gaza und über die BVG fluchte in später Nacht. (ich habe nicht auf den fremden Koffer eingehauen! Ehrlich, ich habe nur geflucht, er ging fast ganz von alleine kaputt!). Gute Lösung, den schöneren, den aus der WIndsbacher Fundgrube nun hier zu lassen. Jamal grinste und meinte, es sei ein sehr schöner Koffer, keiner in Gaza habe einen so schönen Koffer. Er lächelte hintersinnig und es schwang die Aussage mit, dass man Koffer in Gaza auch selten brauche. jedenfalls nicht zum verreisen.

Wir haben ihn einstweilen benutzt, damit ich noch mehr Sachen dalassen kann, die ich brauchen kann, wenn ich wieder komme. viellelicht auch, DAMIT ich wiederkomme.

Ich packe meinen Kaffer und lasse da: den schwarzen zarten Wollmantel aus dem Texilhauhaus Rühl, der hervorragend den Ansprüchen der Damenmode hier entgegenkommt. den elastischen rosa Motorrad-Schal, mit dem man sich schnell verschleiern kann, wenn es nötig ist. die Flies-Jacken, die ich bekommen habe von Isra (für den SOmmer zu warm, für nächstesmal im November gerade richtig), von denen man mir in WIndsbach sagte, sie seien keine gute Qualität, weil sie fuselten. andereseits fuselt die Windsbacher Esprit-Jacke ebenfalls. Ferner: eine Schallplatte mit wunderschönem Cover “Lucia di Lammermoor”, die Jamal mir geschenkt hat, Ich durfte sie mir aussuchen aus seinen Sammlung, er selber hat keinen Schallplattenspieler. Als ich mir Lucia aussuchte, sah ich aber,dass Jamals Tochter der schönen Frau im blauen Kleid auf dem Cover wehmütig hinterher sah; Lucia kommt auch in den geparkten Koffer. Ansonste habe ich da gelassen: Medikamente für eine alte Frau, die an Diabetes leidet. Alle geben immer lieber Kindern was, ich finde alte Menschen, haben auch das Recht gesünder zu leben. Weitere Medizin ging an  eine Frau, die mehr oder weniger von Plastik lebt. auf einer Müllhalde von Plastik vom Verkauf davon. sie verheizt es sogar. Ihre Kinder haben Asthma. Inhalatoren.

***

Der kleine Koffer  für die Reise ist nun auch wieder voll bis oben hin! wieder überhäuft man mich mit Geschenken und die Spieluhr, die beim öffnen das Lied der Wasserhändler (auch bekann als “Für Elise” spielt… ist nur eins von vielen sperrigen Sachen. Es ist aber auch das schönste was ich überhaupt jemals in der Fremde bekommen habe. Dennoch: Reisen wäre so schön ohne Gepäck. mir graut vor den zahhlosen Grenzübergängen und Sicherheitschecks. Hemingway, als er in den spanischen Bürgerkrieg zog, hatte nur einen Hut mit und ein Notizheft und einen STift. Oder wars  eine kleine Umhängtasche? Mehr bedürfte es nicht, meinte er. – Jedenfalls behauptete er es. oder war es anders.  Nicht einmal eine Umhängetasche? Aber Hemingway und eine Umhängetasche passt irgendwie nicht. vielleicht war es doch ein solider kleiner Koffer. – ein Koffer muss schon sein. schließlich wird er ja wohl auch Geld mitgenommen haben, möchte man denken, in der ATM-losen Zeit.

Gaza, 12. April

Wut über misslungenen Dreh beim Versuch, den Verkäufer des neuen Hitler-Ladens zu interviewen. Der ist kamerascheu und das muss man hinnehmen. Erschrocken über die plötzliche Weigerung der jungen Übersetzerin, wenigstens das Tonmaterial zu verwenden. Ihre Stimme war wie ein Hauch im Wind. Wüsste so gerne wo genau die Ängste sitzen, die so plötzlich hochkochen. Ist es die Angst selbst Unannehmlichkeiten zu bekommen oder die anderen Unannehmlichkeiten zu bereiten, oder die Angst vor den Unannehmlichkeiten die man bekommt, wenn andere Unannehmlichkeiten bekommen. Nicht wütend über ihre Angst, aber wütend, dass sie es mir nicht erklären mag. Denn die Gespräche waren eigentlich brauchbar. Über die Kraft oder die Bedeutungslosigkeit der Namen. Wut auf den Kameramann, der die Pause nutzte, die ihm die Weigerung des Verkäufers, im Bilde zu sein, brachte. Während ich noch propagnda machte, ließ er sich hinter mir am Tresen schon Jeans in seiner größe zeigen.. Schubbste ihn hinaus. – Und nun wieder die Kinder! Bin müde und erschöpft. Geht weg! Laßt mich in Ruh, seid wieder stolz und aufrecht und heldenhaft! Weil sie nicht gingen, erhob nun ich meine Kamera, die kleine (eh besser als das große Geschütz des viel zu professionellen Kameramanns). DAs Mädchen zog den Reißverschluß seines dunklen Rollklagenpullovers bis oben, es reichte bis über den Kopf, auf schwarzem Gewebe prangte nun da, wo ihre Gesicht hättes sein müssen, das Bild einer makaberen Cartoon-Henne. Kleiner Junge dagegen, mit abstehenden Ohren und wilden Augen grinst böse in die Kamera und zog seinerseits die Ohren noch weiter in die Länge. Angemessener Blick eine trainierten Clowns. Angst dass er wieder „Fuck you“ sagt. Ich ergebe mich und krame nach einer Münze.

Es sollte nicht „Fuck you“ heißen, es sollte „Fuck Hitler“ heißen.

Ich kapituliere, halte ihm den Schekel hin, unterstütze das System und füge mich in meine Rolle wie er sich in die seine. Er greift nach dem Geld, ich entziehe und zög’re.

„Say: Fuck Hitler!“

„Fuck, Hitler“

wahrscheinlich pädagogisch unwertvolle Verhaltenstherapeutische Maßnahme in Ermangelung einer, die man „apropriate“ nennen könnte. Besser als wie nix.

„Fuck Hitler. Fuck Hitler, Fuck Hitler…fuckhitlerfuckhitlerfuckhitler“

Ein Heer von Kindern lernt den neuen Text.

 

Gaza, Beit Hanoun

Beit Hanoun. Bild 1+2: 2015, also ein Jahr (!) nach dem Krieg; Bild 3+4: 2018;2019

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Die Stadt hat sich verändert. im Zentrum kaum mehr Lücken im Gebiss der Stadt. es läuft. es hat sich eingespielt. die Fassaden, die Läden, die lauten Straßen;  die denen es wirklich schlecht geht, sieht man nicht. und die fragen auch nach nichts. Aber das ist wohl überall so. ein Zeichen dafür, dass Gaza langsam ankommen wird in den Scheren der kapitalistischen Welt. den Gewinn machen andere. Die Stunden Null soll man nicht glorifizieren, ich weiß, aber es schien mir früher ehrlicher. solidarischer.

In Grenznähe ist es anders. Hier ist viele Jahre nichts aufgebaut worden. Erinnerung an kleinen Jungen in Beit Hanoun in der NÄhe der HÄuser-Gerippe-Ruinen, mit verletzter Hand, der das im Sand nur langsam fahrende Auto nicht ertrug, weil es ihn an die Panzer erinnerte. war damals vielleicht sechs, jetzt muss er um die elf sein. was so schlimm damals war, dass alle ihn beruhigen wollten, die Leute von der Hilfsorganisation sprangen sogar aus dem “Panzer” und rannten hinter ihm her, weil sie ihm erklären wolltem, dass sie “die Guten” waren. der Junge schrie noch mehr. erst die Menge der anderen Kinder, die aus den Ruinen auftauchten wie aus dem (wörtlichen) Nichts, stoppte die Jagd. stumme Verständnislosigkeit auf beiden Seiten. Irgendwann Trost. das letzte Geld. nachdem aber damals niemand fragte. Die Stadt hat sich verändert, in den Randbezirken hat es bis jetzt gedauert, bis die zerstörten HÄuser wieder in Stand gesetzt worden sind. der Taxifahrer hält da, wo wir damals angehalten hatten, wegen des Jungen. als ich wiederkomme vom Foto-Machen, erzählt mir ein Bauarbeiter, einfach mal ebenso dass er Hitler hasse. schreckliche Dinge habe der getan. ich kanns kaum glauben. es muss daran liegen, dass der Taxifahrer den Schwarm von Kindern mitbekommen hat, die für einen Schekel ihrer Abneigung gegenüber den Ex-Power-Machthabern auszudrücken wissten. Vielleicht muss man einfach den ganzen tag Taxi fahren, von Zeit zu Zeit anhalten, Münzen verteilen und weiterfahren. Selbstläufer. irgendwann glauben es die Menschen von alleine. 

***

 

12. März, Gaza, morgens

Der Laden “Hitler 2” ist nicht registriert unter diesem Namen, sondern unter einer Company namens Ex-Power. Sinnvolle Maßnahme wahrscheinlich, so taucht man unter dem Radar der israelischen Gewerbeaufsicht ab und auch die Hamas muss sich nicht weiter äußern zu dem Thema, weil ja offiziell ein ganz harmoser Name angegeben wurde. Letztes Jahre hatte es nämlich (ohne dass ich nur igrendwas davon  verlauten hätte lassen) geheißen, das sei ja schrecklich, ganz schlechte Außenwirkung, man werde die Umbenennung des Ladens sofort in die Wege leiten. Alles, was dabei herauskam war jetzt also, dass es nun nicht nur Hitler 1 gibt, sondern auch noch Hitler 2. Hassan sagt: “und wenn Gott will…”, dann bald Hitler 3. Inshallah”. Offiziel heißen beide offiziell “Ex-Power”. Ex-Power. Die Mächte von Früher, die Übermächtige  Vergangenheit. oder die Gewalt, die aus etwas hervorgehen. Ex-Power. – – – Oder die Anziehungskräfte der  Verflossenen?  Dachte heute an diese (meine) Exen, denn im Traum war einer von ihnen überraschend aufgetaucht, er hatte im Lotto gewonnen, war reich geworden und sich prompt Superkopfhörer gekauft, mit denen er Musik hören konnte. An den Ohrmuscheln waren komplizierte Rädchen und High-Tech-Steuereinheiten. Er hörte und hörte nicht,  abgeschottet von der Welt.  Weil er nun reich war, brachte er mir irgendwelche Altlasten vorbei, die er nicht mehr wollte. ich saß in einem gläsernen Haus und sah ihn kommen, wollte aber nicht aufmachen. erstens weil ich das Zeug ebenfalls nicht wollte und zweitens, weil ich mich ärgerte, dass er sich erst jetzt und erst in diesem Zusammenhang meldete. Ex und Hopp. Aufgewacht. nochmal geärgert, weil ich natürlich trotzdem gerne gewußt hätte, was er so macht… Wozu sind Träume sonst da?! Szenarien durchgehen. Unbegreifliches auf den Kopf stellen, bis man es doch im (Be)-Griff hat. und sich aus dem Kopf schlägt.

Aufgewacht schweißgebadet und fiebrig zwischen den vielen Kissen Im Hotel Marna. heute elend. Kopfschmerz. schwindel. besser beim Frühstück, aber nur weil Ruhe herrscht. Der Kellner  weiß inzwischen, dass ich zweimal Pfannkuchen esse zum Frühstück. Viel mehr gibt es auch nicht. Seltsame Mischung zwischen dem Luxus, den ich nicht will und der Dürftigkeit, die mir nichts ausmacht. Die alten Kinogeräte inzwischen entdeckt, die nicht mehr in der Empfangshalle stehen, sondern in einem anderen Zimmer. Der HOtelmanager, Sohn des alten Besitzers zeigte sie mir. auch das Foto dessen Negativplatte noch in der uralten Kamera gewesen war. Der Großvater als kleiner Junge neben seinem Vater und Großvater. Studioaufnahme, orientalische Motive im Prospekt des Hintergrunds. das dreijährige Kind mit Turban. wahrscheinlich verkleidet worden im Foto-Atelier. Filme seien früher auch im Hotel gezeigt worden, sagt der HOtelmanager, der einem Mathematiklehrer in meinem alten Gymnasium gleicht. leider war ich in EIle und habe wieder alle Jahreszahlen vergessen. Wenn ich wieder hier her komme, im November, ihn in Ruhe fragen. Später erinnerte ich mich, dass ich möglichst nächstes Mal das HOtel wieder meiden wollte. Selbst eine WOhnung mieten wäre billiger.

Gaza, nicht mehr ganz Zentrum

Das Meer. Die Steinbänke am Meer, auf  deren Rückseite die Namen aller unerreichbaren STädte geschrieben stehen, in der Schnörkelig-schönen Schrift. Pastell der Bemalung vor dem Blau des Wassers.

EInkauf von Fischen, zwei große Fische, die in diesem Meer gefangen wurden. Sie sind teurer und sie sollen für mich sein, darauf bestand man. die anderen sind (ich glaube auch nicht billig!) von der HAndels-Kette, die Hühnerfleich und FIsch aus Brasilien und Uruguay importiert. Der Manager als ich nachfragte, zeigte mir alle Kühlräume, vielleicht weil er  dachte, ich befürchtete, der Fisch würde die lange Reise nicht gut überstehen. In Containern kommt er über das Meer geschwommen und wartet auf die EInreise. Aber in bereitstehenden Kühlcontainern. stelle  mir vor, es sei für den Fisch ebenso schwer nach Gaza eingelassen zu werden, wie für mich diesmal. Das Visum, das nicht vorliegt, obwohl es versprochen wurde, die Anrufe bei der Hamas, die Behauptung, der Zuständige sei nicht mehr “Im Amt”, die zugesteckte Telefonnummer des Grenzbeamten in Office 1, der sich aber am nächsten Tag nicht mehr erinnern kann. der Fisch muss warten bis er schwarz wird und stinkt. – Nein, sagt der Fisch-Importeuer, so sei es zur Zeit nicht. “Es läuft”. die Fische liegen auf EIs in Kühlcontainern an der Gütercheckpoint, auf der israelischen Seite. wenn Nachschub benötigt wird, ruft man an.

Nur manchmal, kann es passieren. im Krieg oder auch sonst, wenn die Bedingungen ungünstig sind, manchmal passiert es, dass die Elektrizität ausfällt. er erinnert sich an “einmal, im letzten krieg….”, als er die Tür des Containers öffnete: der Gestank, der dem Händeler entgegen schlug! der Berg von mehr-als-totem Fisch. Berge von aufgetautem, verwesenem Fisch. teurer als der Verlust der Ware sei es gewesen, den Fisch “zu begraben”. ich frage “wo?” er sagt es, aber es klingt ein bißchen vage.

***

[…]

11. April, Gaza

Der Name, des Ladens der nicht genannt werden darf, ist immer wenn ich in Gaza bin in vieler Leute Munde. Er heißt so:

Hassan_H

Ich bin über ihn mehr oder weniger gestolpert vor einem Jahr. Der Fuß verfängt sich in irgendeinem Schlagloch, man bleibt stehen blickt auf und steht vor einem Laden, noch geschlossen sieht es aus, als stünde man vor einem dunkelroten Container. Mit Gaffertape steht Hitler drauf.
Hitler schien noch zurückgezogen jenseits des Tageslichtes im Inneren der Eisenbox zu existieren. Es war ein schöner Morgen, der erste meines Workshops, im Februar 2018. jeden Tag schielte ich nach dem Laden, immer war ich zu früh. Hitler schlief noch. Wenn ich Abends zurückkam, fuhr mich meistens jemand über andere Wege zu den Shomars. Bis ich eines Tages doch den Laden in den Abendstunden geöffnet fand. Sportswear. Herrenbekleidung. Vor den Stufen standen kahlköpfige Schaufensterpuppen in coolen Hemden Spalier. Über allem prangte der Name in gelb-orange-roter Leuchtreklame H I T L E R.

„Bist DU der Inhaber? This is your shop?“
junger Mann, das schwarze Haar gestylt, gut aussehend und natürlich sportlich schick bis stylish gekleidet, nickt.
„Du bist Hitler?“
„No!“ Sein Name ist Hassan
„Hassan Hitler?“
Sagte, es sei nur ein Name.

Aber warum gerade dieser Name???

er zuckt die Schultern. Weil es ein starker Name sei.
Ob er denn was wüßte über diesen Hitler?
Dass er Deutschland stark gemacht habe. Ein Sieger-Typ.
Aber das sei ja falsch. Deutschland zerstört habe er! In jeder Hinsicht. Ich redete vom Nachkriegsdeutschland. Dem Schock, nicht nur des Besiegt-Seins“, sondern viel mehr…. – mir fehlten die Worte – der verlust der Integrität? Aber Hassan Hitler verstand eh kaum Englisch. Er sah nur eine Frau die mit Händen in der Luft rumfuchtelte, vom Verlust des moralischen Kompasses stammelte, von Konzentrationslagern, von der planmäßigen Grausamkeit, den „Feind“, nicht nur zu töten, sondern zweckmäßig und pragmatisch zu entmenschlichen in Arbeitskraft und Warenwert zu zerlegen. Was heißt Feind, das erklärte Feindbild halt.
„The Israelis, yes?“  Die Juden.
„yes, sure. He killed the Jewish.“ Aus seinem Mund klingt es nicht so, als sei es das Schlimmste der Welt. 

Jetzt beginnt  die seltsame Frau von Zahngold und Lampenschirmen zu reden. mit den Armen zu fuchteln. eine Scharade. erklaer warum das Dritte Reich schlimm war. Toeten nicht gleich Toeten ist. Hassan Hitlers Kollege steht zwischen Tresen und Spiegel und weiß die ganze Zeit nicht ob er lachen soll oder sich verunsichern lassen. Er hört aber durchaus zu. Schade, dass er kein Englisch versteht.
Ich kann es nur in einfachen Worten sagen und mit Händen und Füßen.
„H e  w a s  t h e  w o r s t!“
And  he killed the Jewish, but not because they were Jewish, because he needed someone to blame... – wieder zu kompliziert. And bz the way: „He was half-jewish himself!“ – 

Hassan sagt prompt, er habe speziell nichts gegen Juden im Allgemeinen, und somit auch nicht gegen Hitler. Moeglicherweise kam meine Argumentation im Eifer des Gefechts rueber, als hasste ich HItler WEIL er halb-juedisch gewesen ist. (Was noch nicht einmal erwiesen ist. Verdammt. wieso ist das so ein schwieriges Thema! – Neuer Versuch:
“He would have killed the Arab people too!”

“HItler kills arab people?” Hassan und sein Freund horchen auf. NUn ist es zwar eine Tatsache dass Deutschland zeitweise in den Arabern Verbuendete hatte gegen England. Ein taktische Zweckmaessigkeit. Gesprochen hatte er damals in Deutschland anders. Juden, Araber  eine ethnsche Gruppe. Beides Semiten, Ich muss das Zitat fnden. So oder so, es kamen auch Araber um in den KZs, also kann man schon sagen, ja: HItler killed Arab people. He killed many many many.  And Finally he killed himself!“
Hassan guckt, als wüßte er noch nicht einmal, dass dieser Hitler tot ist.
„World war II!“
„Died in the war?“
„Yes!“ Aber nicht wie Dschihad!” fuege ich schnell hinzu. “Einfach nur weil er verloren hatte und keine Verantwortung uebernehmen wollte. like a coward.  Feigling! No Dschihad!”
Ich argumentiere nicht gut, aber unter anderem deshalb, weil ich mit dem Handy nach den Bildern google, die mich in meiner Schulzeit damalsl umgehauen haben. „Google – Konzentrationslager – Gaskammer“. – Wieso findet man nur Fotos auf denen steht „Arbeit macht frei“! Stacheldraht im Gegenlicht.
Ich ahne, was er denkt.  Von Stacheldraht umgeben ist auch dser Gazastreifen. –

„It was different!“
“How different? Our people are captured and killed scince many years!”

Können wir uns nicht alle einfach darauf einigen, dass Hitler Schuld ist?
Anstatt ihn zum Herren-Ausstatter zu machen?

„You must find another Name for your shop!“

Ohne Hitler kein traumatisiertes Volk Israel. Ein Volk, das lange auf einen Staat Israel hatte warten müssen und dann war er plötzlich da, der Staat. Eine lägst fällige Gründung. Und doch irgendwie auch eine hastige Wiedergutmachungs-Geste der Welt. Und wie alle vollendeten Tatsachen der Welt, nicht ganz rund. Ich glaube wirklich, dass das das Wichtigste ist, was Deutschland beitragen könnte, um diesem alttestamentarisch-neuzeitlichen-ewig-aktuellen Nahostkonflikt bzw. seinem Verständnis etwas Neues hinzuzufügen: Vom „Was bisher geschah“ zu berichten. Ob mit Händen und Füßen wie ich oder durch kluge Aufklärungskampagnen. Wie kann ein geschlagenes und mißhandeltes Kind heranwachsen (zur Supermacht) ohne selbst gewalttätig zu werden? Wie kann ein über alle Maßen sicherheitsbedürftiges Kollektiv von Menschen nicht Zäune errichten und denken, dies sei lebensnotwendig. Der Teufelskreis der Gewalt, der Besatzung ist nicht zu durchbrechen, aber vielleicht kann man HItler mit einbziehen und so mehr Empathie in die Geschichte hineinschmuggeln.

Hassans Freund hat sich inzwischen  die Handy-Google-Ausbeute angesehen. Auch Hassan ist stiller geworden und entschuldigt sich. „I didn’t know….“
Er steht bei den Hemden, einige tatsächlich sehr „Armee-Style\ish“, aber vielleicht ist das doch einfach nur Zufall. Seine dunklen Augen blicken reumütig.

„YOU MUST FIND ANOTHER NAME FOR YOUR SHOP!“

Das sei teuer. “Allein die Visitenkarten…” er reicht mir eine in dem dünne Hippster ihre Hemden präsentieren. Der Name „Hitler“ steht in der Mitte. Die arabischen Schriftzeichen kann ich nicht lesen. “Und die Leuchtschrift!”

“Was tät denn das kosten, wenn Du deinen Laden umbenennst?”
Er scheint tatsächlich zu ueberlegen:
„50 000 Dollar!“
Und ich hatte schon darüber nachzudenken begonnen, ob es nicht in Deutschland Stiftungen gäbe, denen so ein Namenswechsel im unerreichbra fernen Gaza etwas wert wäre. Die Friedens-Stiftung, Heinrich Böll, Rosa Luxemburg, das Goethe-Institut?

Jamal, der das ganze damals filmte und übersetzen half, lachte: „Wenn Du “Hitler” Geld gibst, damit er sich einen anderen Namen sucht für seinen Laden, hast Du nächste Woche den ganzen Gazastrafen voller Läden namens Hitler, die Geld wollen dafür dass sie ihren Laden umbenennen.“

Wir gingen. Ich war froh, dass Jamal besser informiert war über Nazi-Deutschland. Er wußte von den KZs, und dass es eine schlimme Zeit gewesen sein muss. ER sah mich an etwas mitleidig und trotzdem freundlich und etwas verschmitzt:

„Aber die Leute in Deutschland mögen Hitler trotzdem, yes?“

„No!!!!“ Noch so ein Missverstaendnis! “No, they hate him! Erverybody hates him. He is…. the worst!“ Dass wir das in der Schule lernen, dass wir das aufarbeiten von Kindheit an, dass wir alles versuchen, um nicht mit der Nazi-Vergangenheit identifiziert zu sein. – Er ist überrascht. Er dachte, die Deutschen fänden Hitler gut.
Ich beginne die Ausmasse des Mißverständnisses zu erahnen.
– Ja okay, natürlich gibt es auch Leute, die immer noch denken, es sei eine große Zeit gewesen. „Aber das sind sehr wenige. Sehr sehr sehr wenige. Jedenfalls niemand den ich kenne… – – -“ Dass es immer mehr werden, sage ich lieber nicht. Habe überhaupt, das Gefühl, dass ich immer weniger subtil argumentieren und erklären kann. Besser Polemik und Schlagworte.
Aber ich verstehe jetzt warum die Straßenhändler letztes Jahr dachten, ich freu mich, wenn sie mich mit steil erhobenem Arm begrüßten, wenn  sie hörten, ich sei aus Deutschland. Als ich dann gesagt hab, „Hitler over! No Hitlergruß! We never ever  do that“, schienen sie zu verstehen; HItler over und richtig, inzwischen “new leader” Angela Merkel. Daumen hoch. We like Angela Merkel. Ich solle sie gruessen. Die Frage war dann HOW? Ob es denn einen speziellen Angela Merkel-Gruß gäbe.

Deutschland müsste etwas tun. Die Botschaften müssten aufklären, welche Rolle Deutschland in all dieser Ausgrenzungs und Eingrenzungs-Politik spielt. Die Rolle „Wir halten uns raus, wir haben damals zu viel Schuld auf uns geladen, Damals“ ist eine feige. Man muss ja niemand vorschreiben was er zu tun hat. Vielleicht nicht einmal einem Hitler-Ladenbesitzer, aber man kann erzählen, was die eigene Rolle einmal war. Und dass damit eigentlich die Dinge ins Rollen gekommen sind. Eine Lawine von Trauma und Gewalt und Paranoia und Existenzangst und noch mehr Gewalt. Und es würde der deutschenn Außenpolitik vielleicht auch nicht schaden, über seine Außenwirkung nachzudenken.

***

drei Stunden später bekomme ich einen Anruf aus dem Hitler-LAden und einen Heiratsantrag.
Ich sage, ich könne auf gar keinen Fall jemand heiraten der Hitler hieße oder einen Laden in dessen Name führe.
„No problem, no Hitler!“
Ob er den Laden umbenenne, wenn ich ihn heiratete? (nur so eine Frage, sie erübrigte sich jedoch. Erstens weil in diesemMoment ein Anruf von der Security kam, ich habe sofort dort zu erscheinen, zweitens weil der Heiratsanfrage nicht von Hitler sondern Hitlers Freund kam und drittens das Hamas-Ministerium für Kultur sich meldet, es habe gehört ich erkundige mich nach einem Laden namens Hitler. Man hätte von diesem Namen nichts gewußt, und werde veranlassen, dass dieser umbenannt werde.

Wie wissen die das alles so schnell?
Das mit dem Laden (nachdem sie es Jahre lang nicht bemerkt haben, obwohl doch die Leuchtschrift so hell blinkt!) und auch das mit dem Heiraten. Und überhaupt. Weiß dieses halbe Hemd wie alt ich bin? – Aber es ist natürlich eh nur business. Wie der Name. „strong name!“ „Strong country“

Seit der Ankündigung der Hamas, der Laden werde umbenannt, habe ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen. Hassan tat mir nun wieder leid. Er scheint ja auch wirklich das Ausmaß der Stärke des Hitler nicht gewußt zu haben. Seine Entschuldig klang echt. Vielleicht muss er nun wirklich viel Geld bezahlen für ein neues Ladenschild. Und neue Visitenkarten.
Das alles war vor einem Jahr. Als ich dieses Jahr aus dem Taxis steige, wieder ist es die erste Fahrt, sind es die ersten Schritte, diesmal in einer anderen Gegend, es ist nahe dem öffentlichen Garten, im Zentrum von Gaza, da wo die kleinen Betteljungs „Fuck you!“ riefen, als ich ihnen keinen Schekel gab, in dieser verkaufswütigeren Gegend, stolpere ich wiederum über Hitler. Diesmal ist es: …P1370116

 

 

10. April, Gaza

Seltsame Wurzeln von den Ästen eines Baumes herabhängend wie die weißen Fäden am Gewand der orthodoxen Juden oder wie Krankenhaus-Schläuche,klininsche Zugänge. davon geträumt. die Wurzeln wuchsen wie die Bärte von Zauberwesen. der Baum, der Traum mag inspiriert sein von der Zur-Kenntnis-Nahme dass die neue Staffel Game-Of-Thrones beginnt, von den Zauberbäumen von WInterfell, sich schlängelnd vor dem Hotel Marna.

In der wirklichkeit des Abends hatte ich dem Baum nur einen kurzen Augenblick geschenkt, als ich abends nochmal das Hotel verließ:

Mann in der Securitykabine vor dem  Hotel blickt mißtrauisch auf, weil ich nochmal spät ausgehe. Darf man eigentlich nicht. Um so mehr das Gefühl von Freiheit. der verhasste Bekleisdungsladen. der Park. Die buntblinkenden Kinderfahrzeuge auf dem nächtlichen Platz, wie außerirdische Fahrzeuge, in die Länge gezogene Pracht. zu viel, zu bunt. drinnen sitzen winzige Kinder, von außen schieben aber irgendwelche Erwachsene und die Eltern laufen nebenher. es klingt. es gibt Töne von sich, seltsame Melodien. Alles zusammen könnte aus einem japanischen Zeichentickfilm stammen Chihiro in Gaza. die Kinder drehen angespannt an ihren Lenkrädern herum, eigentlich lenkt aber wer anderes. Determinismus. ich bin froh, mal allein unterwegs zu sein. Wasser kaufen. ein Geschenk. fast alles geschafft. Die Generatoren brummen in der Nacht. die Autohuppen sind verstummt. das einzige was mir fehlt ist der Durchblick. ich verstehe immer noch nichts.

9. April, Gaza

nein neute sind die. bleibt eh alles beim alte.

Männer schieben einen stehengeblienenden Ford.

8. April, Gaza

Heute Wahlen in Israel

7. April, Gaza

Die schöne tiefe STimme von Fairuz, die aus dem Radio klang, morgens im Hotel. Gaza so laut. vor meinem Fenster der polyphone Straßenverkehr, das permanente Hupen der Autos. anderer Klang als in Deutschland oder auch Rom oder Paris. es ist nicht das lange genervte Hupen, weil etwas nicht vorangeht, die Töne der Autos sind wie Verständigungssignale. vielleicht weil keine Ampeln vorhanden sind, aber vor allem weil die Menschen angehupt werden. Brauchst du ein Taxi? siehst du mich? steig ein oder steig nicht ein. Aber steh nicht rum. Es reißt nicht ab, das KOnzert. manchmal fügt sich eine Melodie hinzu, Beethoven Für Elise. Jingle einer Wasser-Lieferanten. Weil wasser aus der leitung – nicht trinkbar. In der Nacht, fast schon am frühen Morgen ist es still. dann beginnt vor fünf der Gesang. die Stimmen von fern und nah, nicht einstimmig, aber trotzdem ein Großes Ganzes. Rätselhaft… sehr bewegend.

ein wenig müde, aber trotzdem ruhig. Immer noch singt Fairuz.

Ich bin diesmal nicht die einzige die in dem großen Hotel wohnt, es waren da noch NGO-Leute aus England, die sind aber jetzt weg. seltsame Mischung aus, “etwas verloren fühlen” in der großen Restauranthalle zu viel beachtet zu sein (Securitymäßig)  und dann wieder zu wenig. Abends ist die HAlle dann doch immer voll, viele kommen her um zu essen. Wer es sich leisten kann. Shisha-Wolken. Hublibubli. Dann muss man die Bestellungen per Ipad abgeben. alles vergessen, wenn Fairuz singt. es wird ein guter Tag werden. Gang zum Kulturministerium. […]

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Hamas nicht immer wie Hamas. Das förmliche Sitzen vor dem großen Schreibtisch des Kulturministers, rechts zwei Sitzgelegenheiten, rechts zwei Sitzgelegenheiten. Tee wird serviert. Noch etwas angespannt. Höflich. er beginnt mit der Eröffnung, DIalog ist wichtig. Man müsse nicht immer einer Meinung sein. wichtig sei es ins Gespräch zu kommen. freundliche Augen. ein wenig müde wirkt er. wie kommt man an diesen Job? vorher Bildungsminister gewesen. vor einem Jahr war unser Gespräch förmlicher, dennoch leichte verkrampfung meinerseits, während er aufzählt, was in Planung ist.  Sich räuspern. Nachhaken. Dauernd klingelt sein Handy, er geht aber nicht ran. Nochmal räuspern, meine Frage, warum diese Planungen so große Dinge sein müssen. eine große Mehrzweck-Halle für alles und für alle und von Japanern Finanziert? kanne s nicht lieber ein kleines Theater sein, das dann auch wirklich signalisiert: es gibt Theater und hier ist es zu hause und es ists ein Raum, der auch wirklich den Theaterleuten gehört, und sie müssen nicht teure Miete zahlen, und rumrechnen, ob sie sich das Ding für einn Tag oder 1 1/2 Tage leisten können.  Er reicht mir einen Schokoriegel rüber. das bringt mich aus dem Konzept. schmeckt aber gut. die Waffel bröselt. Die Frage: wie viel Raum kann Theater haben in Gaza,  gerade jetzt wo das letzte wirkliche Theater zerstört ist. es gäbe ja noch ein großes Center mit Bühne, sagt er, eins für alle Künste. Alle Künste klingt gut, das zerstörte Al-Mishal-Theater war letztendlich auch sowas: stand offen für alle Künstler. hatte eine richtige Theater-Bühne, mit Rang, eine zauberhafte Atmosphäre, unten im Erdgeschoss sah ich Schriftsteller disskutieren, Maler hatte kleine STudios in irgendwelchen Büro–Hinterzimmern; man konnte sich einnisten — und trotzdem war noch genug Platz für . ist aber wie ein bißchn was von allem. nichts wirklich. Ein ist ein bißchen wie All-inclusive… – Und apropos All-inclusive – Alles-Unter-Einem-Dach:  das ist ja das was (angeblich jedenfalls) die Israeliss dazu bewogen hat das Theater ins Visier zu nehmen. weil angeblich extremistische Hamas-Leute dort ebenfalls Quartier bezogen hätten. So gesehen müssen Theaterleute machnal vielleicht auch mal unter sich bleiben. (jetzt wo ich das aufschreibe merke ich, dass die Frage nicht nur brisant war, sonder eigentlich auch etwas unhöflich. es schwingt ja mit: Könnt Ihr nicht unter Euch bleiben, wo man Euch doch dauernd abschießt. Der Gedanken ist ja auch nicht unberechtigt, aber wenn man bei diesem speziellen Minister sitzt und die Hamas den Dialog sucht und mit freundichen Augen zuhört und Schokoriegel verteilt, ist es eben doch eine unhöfliche Frage. Und er spricht jetzt auch etwas aufgebrachter, er sei es leid, dieses Spiel, die Israelis schösse schließlich immer wie es ihnen in den Kram passe. Kinder kämen ums Leben, und dann hieße es, die Hamas habe sich hinter denen versteckt.

Es  ist später dann auf dem sandigen Ruinengrundstück des ehemaligen Theaters als auch Jamal bestätigt: Noch nie sei da wer von der Hamas im Theater gewesen. keine der Autoritäten habe dort ein Büro gehabt. Er schlappt durch den Sand, da wo man die Eingangshalle des Theaters war. man erkennt nichts mehr, nur der Aufzugschacht ragt aus dem Sand wie ein Kamin. “Raketen sind inzwischen sehr clever…” sagt er.  sie wüssten ihr Ziel sehr genau zu treffen. Man könne einzelne Individuen treffen, wenn man wolle. Ein Theater gänzlich platt zu machen, in dem noch nicht einmal diejenigen anwesen waren, die es treffen hätte sollen… – – –

Der Kommentar der Hamas hatte damals  übrigens gelautet, sie hätten sich gegenüber auf der anderen Straßenseite befunden. Auf der anderen Straßenseite… da ist eine Tankstelle. die Tankstellen, die hier immer wie verfallene Prachtbauten aussehen, hohe große offene Gebäude auf Säulen, grau und archaisch. Benzin. nicht nur für die AUtos, auch für die Generatoren. Vielleich betrieb die HAmas ja eine Tankstelle? oder saß sie in dem  HAus mit der himmelblauen Mauer und dem Donald Duck drauf? “Es kann auch einfach eine Straße weiter gewesen sein, sagt Jamal. die Straßen haben selten Namen. Hausnummern schon gar nicht. letztes Jahr fuhr ich mal in einem Taxi und Ziel der Fahrt war einfach nur “Abu Shomar” Der Fahrer stieg mehrfach aus und fragte irgendwelche Passanten.Am ende funktionierte es sogar. Was will ich damit sagen…? die Wahrheit ist ein Teig verknetet mit Halbwahrheiten und Hirngespinnsten. Ich blicke weniger denn je durch.

Der Minister schiebt mirnoch einen Schokoriegel rüber. kurz vor eins schien er mir nervöser zu werden, rieb seine FInger, blickte aufs Handy, dass Punkt eins, gleichzeitigmit dem Gebetsruf aus dem LAutsprecher zu tönen begann. Allahuaakbar. er scheint sich damit abgefunden zu haben, dass wir länger als eien Stunde reden. es scheint okay zu sein. Kann man auch noch einen Schokoriegel essen. vorhin kam ich mir wie ein kleines Mädchen vor, dass mit  einer Süßigkeit abgespeist wird. inzwischen spreche ich immer lieber mit ihm. Er sagt es sei alles nicht so leicht. Ihm liegt die Literatur am Herzen. Seine Idee ist, man kann ihr auch einen Platz in Gaza geben, im Kleinen. Am Strand. kleine Bibliotheken einrichten, Steinregale mit ein paar Büchern drin, so dass auch Kinder, die sonst nie ein Buch in die Hand bekämen, eins aufschlagen könnten und darin blättern. Die Leute lesen  nicht, wenn sie hungrig sind und verwzeifelt. aber sie gehen ans Meer. Und wenn sie dort ein paar STunden verbringen udn sich einen kleinen Pappbecher Kaffee leisten, dann greifen sie vielleicht auch nach einem Buch. Die Idee ist schön. sie ist einfach. er spricht in zurückhaltender aber ehrlicher Begeisterung. es seien kleine Schritte, aber anders ginge es nicht. auch er müsste da mit viel Vorsicht rangehen. Die Idee mit den Büchern gefällt mir besser als die von der japanischen Mehrzweckhalle. Später der Gang durchs Ministerium. stelle fest, dass es wirklich ein sehr buntes Ministerium ist. auf dem Dach spielen Studenten Theater. ein Workshop. Improvisation mit Alltaggegenständen. Und Frauen und Männer gemischt. offene begeisterte Gesichter.  zarter Windhauch. Sonne. Der Minister lächelt. weiß nicht genau warum. es ist sehr neu, dass hier Theater auf dem Dach stattfindet. und unten ist ein Geschichten-Erfinde-Workshop für Kinder… Er sagt, wenn so viel Kulturstätten zerstört seien, müsste eben das Ministerium als Unterschlupf einspringen. Hmmm.  In der Tat habe ich noch nie ein Ministerium gesehen, das so belebt wirkt und trotzdem ziemlich unaufdringlich. An der Gartenmauer sind runde Holzplatten angebracht, ein “Irgendwas”, das mal was anderes war, auf das man jetzt malen kann. noch isses weiß. mal sehen was drauf kommt.

Es ist leichter ein Schwarzbild zu zeichen. ich will nur wirklich kein Loblied auf die Hamas singen, aber ich finde generell, es ist an der Zeit hinzusehen, sehr genau Der Blick macht den Unterschied, die Sichtweise muss man nicht teilen.

Nach dem Gang zum Ministerium mit Jamal dann zum ehemaligen Theater Mishal gefahren. Im Sand,zwischen den Plastikflaschen und den Süßigkeitenpapieren, dem Drahverhau und knistrigen Plastiktüten nach etwas, das nach einem Theaterrelikt aussieht Ausschau gehalten. ein altes Plakat? ein Gaderobenspiegel, eine Scheinwerferblende – mein Beamer? nichts gefunden als ein verblichener rechter Flipflop.

Das seltsame war, dass in dem Augenblick, als ich aus dem Auto stieg, etwas explodierte. Rauch stieg auf. als wäre das Theater nochmal heimgesucht. Kann man es noch mehr zerstören? Und seltsam, dass ich ohne mit der WImper zu zucken nur meine Kamera einschaltete, nochmal krachte es, eigentlich hätte in diesem MOment das Theater wieder  aus heiterem Himmel herabfallen oder aus dem Boden gestampft werden müssen.  die kleine Ehrensalve war jedoch nichts als etwas übriggebliebene Munition, von einer Hochzeitsgesellschaft. In meinem Land würden d Konfetti fliegen. JAmals grinste und sagte. “wir können in Gaza nur Bomben. Krieg! Hochzeit! Trauerfeiern! Kindergebirtstage. egal was, immer knallt es.”

 

6. April, Gaza

Die Fischerboote mit den Generatoren-betriebenen Scheinwerfern, die Security am Hafen. Ernsthaft Herr über die Schranke, mit dem abgeblätterten Farblack. das schief in den Sand gesetzte große Schiff. erstmals dürfen die Fischer weiter hinaus als 3,5 km. so viel wie versprochen aber nun denn dann doch nicht. Eben doch nicht Grenzenloses Meer. ich mag die eben mal hingestellten Plastikstühle, jemand bringt einen Pappbecher mit Tee. Es sieht nicht schick aus, aber es ist am Meer. Einer  reitet ein weißes Pferd vorbei. Am Hafen fahren Jungs, schon zwischen 17 und 20 Gokart,  hormongesteuert. crashkurs. How are you how are you. Manchmal kippt es um. der andere Terror, das organisierte Elend. die “zu viel”en bettelnden Jungs, schon zu routiniert, schon zu unhöflich. Fuck you — wenn man nichts gibt. brachte mich aus der Fassung. hätte heulen können über die verlorene Unschuld. Früher war alles besser hätte man in Deutschland gesagt. hier ist früher, der letzte Krieg. daher erübrigt sich jeder Gedanken an früher oder später besser. immer so oder so scheiße. Selber Fuck you.

Ansonsten: ein guter Tag, viel geredet. viel gelernt.

5. April, Gaza

Marna Hotel. es ist das älteste Hotel in Gaza. standen beim letzten Mal noch alte Kameras und Fotoaperate und Normal-8mm-Projektor in der Lobby herum. jetzt ist es beliebigerer Nostalgiekram. es hieß vor einem Jahr, der Vater (Großvater) des Besitzers habe das Kino geliebt, deshalb  stünde das da. vielleicht ist der Vater nicht mehr da…? rollte mit dem Koffer an der Security vorbei. HOtelangestellter überbimmt Fundgruben-Koffer und trägt ihn stattdessen über der Schulter. die Aktion macht keinen Sinn. Außer dass ich sehe, der Mann ist stark.

Schöner Tag in der Nähe des Meeres. wilder Wein, Rebenstöcke auf trockener Erde. Weites Land, Zäune mit zerrissenen Bauplanen, weißes Pferd mit Reiter. Eselskarren. zwei Reisebusse, die möglicherweise die Leute zur Grenze fahren damit wieder protestiert wird. ich verpasse diese Busse, weil der Tag zu schön ist. hier entsteht das neue Kulturzentrum. die erste Etage schon fertig, hoher Raum, die Kinder nutzen es bereits als Bühne. Ballett und Fußball. noch keine Türen. gegrillt mit Jamals Familie. zwischen dem künftigen Saal und dem Garten, in wuchernd-hohe Gräser zwischen Drahtverhau, Eisen, das sich windet wie Schlangenleiber, Sand. an der Gartenmauer Kino. Filme, die man an die Wand werfen kann, während man auf der Terrasse sitzt. es wird dann Gazas erstes (wenn auch heimliches) Kino sein. Immer weniger stört mich die fremde Sprache. kommt mir immer mehr so vor als verstünde ich sie, obwohl ich nachwievor keinen Schimmer habe. es ist kein Problem. (und das wiederum ist sogar ein Satz den ich auf arabisch sagen kann. wenn man ihn oft genug sagt, hat man möglicherweise wirklich keine. Stelle mir vor ich bin alt und dement und hätte die Bedeutung der Worte vergessen, verstünde aber noch, dass ich von Menschen umgeben bin, die ich mag und “irgendwie verstehe”. Sich anschmiegende Töchter. vermisse meine eigene, die heute Geburtstag hat. Stattdessen Geschenke an andere Kinder. solarbetriebener Käfer aus Deutsches-Museum-Shop, schien mir sinnvolles Geschenk. da es in Gaza keinen regelmäßigen Strom gibt. aber Sonne.

Dann doch noch zur Grenze. Im Radio des Taxis live-Übertragung. wage nicht zudenken, dass es von den Grenzprotesten kommt, es klingt dramatisch. andererseits klingt es auch wie die Live-Übertragung eines Fußballspiels. je länger man hört, desto sicherer bin ich, dass es sich um Sport handeln muss. Jamal sagt, nein, es sei ein Bericht von der Grenze. Ich las schon oft, dass die Proteste an der Grenze, Hamas-gesteuert sind. Und zur Zeit ist eigentlich einvernehmliches “Nicht-Zu-Viel-Nicht-Zu-Wenig angesagt. Ich hatte auch davon gelesen, dass Zelte aufgestellt sind und Leute Tee trinken und manche ihre Kinder mit nehmen zum Krawall machen; dass die Leute das machen, damit die Botschaft rüber kommt, dass die Gewalt inzwischen zum Alltag gahöre, und dass man sich andersherum den Alltag nicht stören lasse, nur weil einem von Israel  Gewalt angetan wird.  – – –

ist das gerade wieder der Fall? spricht der Reporter inmitten von einschlagenen Raketen?

Ich  hatte mir ja schon  vorgestellt, dass dass heftige Demonstrationen seien. stellte mir  kleine Zelte vor, ein Hauch von spanischem Bürgerkrieg, vielleicht. Hatte Jamals Frau versprochen, wir würden nur kurz hin, nur von weitem sehen. ich wollte es mit eigenen Augen sehen.  Das mit den Zelten hatte ich falsch verstanden. keine improvisierten hausgemachten Planen, keine Camping-Garnitur, keine alten Beduinen Teppiche über Holzbretter geworfen… – es ist wirklich ein einziges großes Festwiesen-Zelt. Würde die Stimme eines  Oktoberfest-Confronciers durch ein Mikrofon eine Tombola akündigen, es wirkte wie das Bierzelt der WIndsbacher Kirchweih. Es ist keine insgeheim von der Hamas angestiftete und gesteuerte Sache, es ist wirklich eine offizielle Feiertags-Veranstaltung. Und Hinz-Und-Kunz gehen hin. es sind so viele Kinder hier, dass es nicht einmal mehr ins Auge fällt. Kind mit Krankenhaus-Mundschutz und palästinensischer Flagge latscht durch den Sand. Hochgeschlossen gekleidete junge Frauengruppe  macht Selvie, sucht aber dann das Weite als sie sich ihrerseits/meinerseits  versehentlich fotografiert fühlen. 6jähriger mit verkniffenem Gesicht präsentiert seine Waffe, Steinschleuderband (glücklicherweise ohne Stein).

David ohne Goliath. Andere Kinder lassen Papierdrachen steigen. weiter unten an der Grenze kommt nun doch wieder Gas zum EInsatz. Unangenehmer als das in Ramallah. aber hier ist die Grenze ja eh dicht. geht man halt nicht hin. Hätte das kind einen STein und würde ich von der anderen Seite fotografieren, jetzt wo noch ein bißchen dunkler Qualm über den Fahnen liegt, ich hätte auch ein ziemlich starkes Zeitgeschichte-Foto. habe inzwischen das Gefühl, das ist alles Show. es entspricht vielleicht irgendeiner Wahrheit, aber die entsteht auch erst indem man die Kamera ins  SPiel bringt. Gegenseitige Annäherung der Bedürfnisse im SInne des Dramas. Und letztendlich setzt sich das sogar fort über die Grenze hinweg. sobald ein Initialzündungsfunke gewünscht wird, ist er garantiert zur Hand. mal passt es der einen Seite, mal der anderen, mal beiden. zum Kotzen. Letzendlich ist es in gewisser Weise doch eine Sportveranstaltung. Heute jedenfalls. zu anderen Zeiten ist es anders. Wir fahren zurück. dass wir das nicht in einem Massenveranstaltungbus gemacht haben, sondern in einem Taxi, macht es auch nicht soooo viel besser. bin froh wieder zurück beim zukünftigen Culture-Center zu sein. Feuer wird gemacht. es wird kühl. habe lange nicht in die Flammen eines Feuers geschaut und in der Glut rumgestochert. Jamal sagt: es sei das, was alle Menschen machen, sobald sie an ein Feuer kommen. in die Flammen starren und mit etwas drin herumstochern. er sagte es letztes Jahr auch. meine einzigen Feuer im letzten Jahr waren in WIndsbach und Gaza. langsam sehne ich mich wieder nach einem eigenen Herd.

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in der Nacht von den Drachen geträumt. es waren aber die vom Himmel über Dublin.  die Szenerie war auch Nacht. Grenze. die Papierdrachen waren groß, schrien wie Möwen. Möwen, die wie wahnsinnige Insassen einer schlimmen Anstalt klingen. ich ließ mir das Haar lang wachsen, es verhedderte sich in den Schnüren  an denen die Möwen stiegen. ich wollte zurück und zwar in der Zeit.

Geh zu ihr und laß…

 

4. April, Gaza

Der Koffer aus der Windsbacher Frundgrube rollt durch den Gittergang. leicht und fast schwerelos, obwohl vollgepackt mit Geschenken und Zeug. Im Sand um den Grenzübergang schon schwerer. Verrenkungen bei der Einreise. Sehr ungewiss war diesmal alles. Übers Wochende wird wieder protestiert, sie gucken sehr genau was wie von wem an die Aussenwelt weitergegeben wird. Ohne den Presseausweise wäre ich zwar nicht über die erste Hälfte der Grenze gekommen, ab im Gaza-Grenzbereich ist es besser, die Pressekarte wegzustecken; hier gehe ich mit Mühe und Not und nur als „Vocal Coach“ für Theater durch. Und auch nur weil viele Menschen viele Klinken geputzt haben. Zu den Protesten, die ab heute wieder zu erwarten sind, dürfte ich gehen als Protestierende, aber nicht als eine von der Pressefrau. Meine Kamera funktioniert eh nicht richtig. Ich kann filmen, aber alles was ich aufnehme ist nur in meiner Kamera zu sehen. Wenn ich es auf den Computer packe und schneiden will, ist es nicht lesbar. Fotos funktionieren.

“Vocal Coach”. Nicht meine Idee. Ich war verwundert, als ich es las; es steht jetzt auf dem Visum, für das viele in Gaza gestern und vorgestern ihre Zeit geopfert haben. Darf es nicht verlieren. Vocal Coach. Stimm-Trainerin? Leuten beibringen, ihre Stimme richtig zu benutzen. Ausgerechnet ich!!! Vor einem Jahr war es einfacher, herzukommen Dinge ändern sich dauernd. Besser werden sie nicht, auch wenn es oberflächlich gesehen den Anschein hat. Die wieder ein bißchen schicker gemachte Stadt, die bunt-leuchtenden Spielzeug-Scooters für Kinder zwischen die Einkaufstraße, Straßenhändeler-Hauptverkehrszone, die grauenvollen Schaufensterpuppen, die aber auf dem Gehsteig stehen wie erstarrte Bordsteinschwalben, hochgechlossen gekleidet. Nur dass der Bordstein fehlt. Sand. Stolpersteine (ich gebrauche das Wort nicht richtig, ich weiß); bettelnde Kinder, die es zu den offensichtlich schlimmsten Zeiten nicht gab, sind mehr geworden, seit letztem Jahr nicht mehr mehr, aber haben ihre Performance zu zombiehafter Routine ausgearbeitet. Billigpreise. Kaum einer kann sich mehr was leisten. Und kaputt geht dennoch dauernd was. Immer noch Lücken. Und die Einstürze der letzten Zeit: Einbrüche, klaffende Lücken in der Gebissreihe der seltsamen Häuser. Ein Theater wird nicht so vielen fehlen wie das Versicherungs/Bank-Imperium, das neulich gezielt zerstört wurde. Wie vesichert man überhaupt in einem solchen Landstrich? Beziehungsweise wie zahlt man aus? Habe diese Dinge eh nie verstanden. Leute stolpern und fallen Treppen runter und bekommen Geld für ihre Unfälle. Dinge gehen kaputt, es gibt Schmerzensgeld. Häuser brennen ab, man untersucht wer Schuld ist, einer kriegt Geld… Wie funktioniert das im Gazastreifen? Und ist so eine Versicherungsimperium dann auch versichert, wenn es von einer Rakete getroffen wird? In diesem Fall, in diesem Wegbruch, liegt der Gedanke schon nahe, dass der Hauptkunde offiziell oder inoffiziell die Hamas, offiziell kein Teilhaber der Versicherungsanstalt, sein muss. Mutmaßungen. Wer weiß. „Mumken“ mein arabisches Lieblingswort: „Vielleicht“

Gestern noch abends in ein Symposium für Autoren geraten. Kaum ein Wort verstanden, aber die Atmosphäre war bewegend. Man konnte hören (ohne ein Wort zu verstehen), dass die Sprechenden, ob auf dem Podium oder in den Zuschauerreihen, etwas zu sagen hatten. Kenne es sonst eher so, dass jeder gerne zu Wort kommt, sich selbst gerne reden hört, aber niemandem wirklich was unter den Nägeln brennt. Interessanter Gedanke – eine Schriftstellerin, die im Publikum saß, sprach ihn aus: dass dem Gazastreifen das Format der Kurzgeschichte angemessen ist, denn die Dinge ändern sich so schnell, ein Roman zerfiele prompt in zu viele Teile (oder müsste gar eine ganze Saga sein a la „die Buddenbrooks“ – das sagte sie freilich nicht, das ist mein Senf). Ich glaube sie hat recht! Jede Reise nach Gaza im Abstand von einem Jahr, hat meine jeweilige Recherche über den Haufen geworfen. Mein Buch ist fertig und bereits veraltet. Wenn ich noch ein bißchen warte, ist es vielleihct wieder aktuell. Ein Blog taugt vielleicht… aber er müsste nahtlos sein. Nicht abbrechen. Dinge verändern sich. Dauernd. Ich bin total müde.

3. April, Tel Aviv

Geschenkter Tag in Tel Aviv.

Ich war sauer, dass die Leute in Gaza vergessen hatten, dass ein palästinensischer Feiertag ist. Irgendwas mit Mohamed, weil er in den Himmel aufgefahren ist ausgerechnet heute vor langer Zeit. Hätte ihnen das nicht früher einfallen können? Und trotzdem jetzt ganz froh über den Warteschleifentag.

Frau in blauem Bikini steht am Strand wie in Yoga-Pose in stiller Balance, macht in Wahrheit aber nur Selvie. Jetzt kommt noch ein Mann dazu in knapper Badehose. Sieht sich erst ihre Fotos an und dann sie. Stellt sich hinter sie zu weiterem Selvie, seltsamerweise mit erhobenem Zeigefinger.

Höflicher anderer Mann will von mir das Strand-Wifi-Passwort wissen. Gibt es das? Er meint ja, weil es doch ein öffentlicher Strand sei.

Paar mit kleinem Mädchen in Rosa. und weißen Schuhen. Kind soll Steine ins Meer werfen, läßt sie aber nur in den Sand fallen. Schritte in Richtung Wasser, auch wieder falsch.

Soldat in Uniforn auf einem Elektroroller fährt erst von links nach rechts den Strand hinunter, kehrt dann zurück, weil es nicht weiter geht, nun ebenfalls mit Handy zu Selvie-Zwecken in der Hand. Dass diese Roller auch hier fahren, im Sand! Da wo der Sand feucht ist, scheint es zu gehen. Über einen SOldaten auf einem Quad hätte ich mich nicht gewundert, aber die IDF auf einem Roller? Egal wie modern und mobil die Dinger sind und wie schnell sie fahren, sie sehen doch immer aus wie Kinderspielzeuge.

Ein Militärhubschrauber fliegt von rechts nach links, nach Süden, die Küste entlang. Vielleicht nach Gaza?

Komme mir langsam wie eine Betrügerin vor, die in Israel rumtrödelt und sich vor der großen Aufgabe drückt. [wichtige nebenbemerkung: Jegliche SPendengelder, die ich gesammelt habe werden direkt für Gaza verwendet. alles anderen Anreise-Kosten zahle ich natürlich von meinem eigenen Geld] Weil es aber wieder „Höhere Macht“ ist, doch recht froh über die Sonne und das meer. Und den Strand und dass er kein offenes Netz hat. Ich habe gestern Gute Filmaufnahmen gemacht vom Tränengas-Regen von Steinewerfenden jungen Männern und vor allem von den freundlichen Tee-Verkäufern, die mir von dem Toten erzählten, Bilder zeigten, das was sie ihn ihrem Handy zeigten und sagten war interessanter als meine Aufnahmen, so hab ich sie beim Handy-Zeigen gefilmt. Und natürlich habe ich mal wieder keinen Ton. Und das bereits geschnittene Matreial läßt sich nicht hochladen. Korrupte Dateien, heißt es. Soll es nicht sein? Dass ich heute nicht nach Gaza kann ist auch ärgerlich, weil ich gestern noch eine Einladung ausschlug von dem „Cousin des Märtyers“. Ich war aber beunruhigt ob ich noch über die Grenze komme oder nicht, musste nach Jerusalem zurück und nach Tel Aviv, weil ich dachte gleich früh fahre ich nach Gaza (was ovn tel Aviv schneller geht). H#ätte ich zu der Familie des Toten gesollt? Warum? Um mehr zu erfahren? Aus Sensationlust. Kann man nicht ein andermal wiederkommen, wenn es niemand mehr interessiert?

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Einer am Stadtstrand von Tel Aviv sah ein feuriges Geschoß in den Nacht, hielt es für eine Rakete, es war aber ein Komet. Wahrscheinlichkeiten. What are the odds?

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Ich darf einen Ferientag haben. Meine einzigen Ferien in diesem Jahr waren 10 Tage im Dezember in Windsbach und das artete aus in totaler Selbstverausgabung,

Es ist auch ein Tag um Ordnung zu bringen in die Dinge. Nochmals Wäsche gewaschen auf dem Dach des Beachfront-Hostels. Stellte mich so doof an, dass einer der Jungs, er wirkte eher wie der Manager, mir helfen musste. Gutes Gespräch über die Wahlen. Und Gaza. Das Interesse, das bisher niemand hatte ausser der italienischen Schiffsköchin, tat gut. Der Mann war in Gaza 2006 stattioniert, als die Israelis noch in Gaza anwesend waren. Er bedauerte dass der Kontakt so abgeschnitten ist. Letztendlich ist das einzige was dauerhaft zu besseren Verjältnissen führen kann, dass die Menschen sich gegenseitig wahrnehmen. Im wahrsten Sinne des Wortes.

dig

Zu Godman’s gegangen am Strand entlang. Es ist das schönste Restaurant am Meer, das ich kenne. Große Terrasse, weißlackierte Korbstühle, türkisfarbene Teller. Man könnte es übersehen, aber wenn man drin sitzt, bzw. draußen nur Augen für die See. Das alte Tel Aviv-Yaffa, wie eine Burg. Vielleicht leigt es am Mohamed-Feiertag, so viele arabische Familien am Meer, viele stehen verschleiert im Wasser; an Fotos von Früher gedacht. Der alte Mann und das Meer gelesen. Als ich nach Gaza ging, (halbwegs) hatte ich es mit, es ist eines der Dinge, die wichtig sind, mitzubringen für ds Projekt. Wie könnten wir uns über eventuelle Hemingway-Textstellen für das Stück verständigen, wenn jeder nur den Film mit Spencer Tracy irgendwann mal gesehen hat. Es ist ein Buch das so viele unterschiedliche Menschen zu den unterschiedlichsten Zeiten beeindruckt hat. Meine Tochter. Mich als ich in ihrem Alter war. Jamal in Gaza, der es als Sujet vorschlug, den israelischen Zollbeamten am Checkpoint Erez, der mir, als ich nach ein paar Stunden schon wieder zurück musste, mir mein durchstöbertes Gepäck in einer Flughafen-Schale präsentierte. Was für ein Haufen von Chaos! Feuchttücher-Packung zwischen einem Haufen Münzen, Euros, Cents, Schekel, eine Strumpfhose, das Etui mit den Spendengeldern, Zahnbürste, Nüsse, Empfehlungs-Schreiben, die Powerbank… – und die arabisch-englische Ausgabe von „Der alte Mann und das Meer“. Erst schlug ich die Hände über den Kopf zusammen und sagte „What a Mass you made!“ zu dem israelischen Grenzbeamten. Er lächelte nicht, blickte ernst, aber dann nahm er das Buch aus dem Haufen von Dingen heraus, hielt es hoch und sagte „this…. is… a good book!“

Ich lese es mit neuen Augen. Hatte vergessen, dass der alte Fischer Baseball-Fan ist und wenn er die Hoffnung verliert, immer wieder an Joe Dimaggio denkt: wie der es gemacht hätte mit einem solchen Fisch. – An die Hirten gedacht und ihre Grüße an „Ronaldo“. Die Joe Diamaggios und Ronaldos sind die kleinsten gemeinsmen nenner der Welt. Sie sind wichtig für die Verständigung. Und fürs Durchhalten. Krieg. Sport. Heimat. Liebe. Wie sagte Bommel mal: Die Liebe zu Deinem Verein ist die wahrste und uneigennützigste Liebe, die es gibt.

Nebenbei fast, beim Googeln, entdeckt, dass heute ein (unspektakulärer Angriff auf Jugendliche im Außenbereich des Gazastreifens im Osten erfolgten. Die Bilder sehen aus wie die, die ich von den Hirten-Jungs machte vom Käfig-Gang aus. Das war zwar mehr nördlich, aber wer weiß. Hängen im Grenzbereich rum, wollen rauchen, über Fußball reden und kriegen plötzlich was ab. Man kann sagen: was müssen die ausgerechnet da rumhängen? Man kann auch sagen: wo denn sonst! Ist ja sonst alles überfüllt und dichtgedrängt. Vielleicht ist es auch das Gefühl von Nervenkitzel, von etwas was ins Gewicht fällt.

 

2. April, Ramallah

Dachte, es wäre ein guter Tag um nach Ramallah zu fahren […]

TraenengasRennenÄlterer Junge ist sauer wegen Tränengas-Attacken, Ramallah, 3.4 und rennt in Richtung Grenzübergang
TraenengasKindJunge schützt sich vor Tränengas, während Krawallen wegen eines erschossenen jungen Mannes, am 3.4. in Ramallah (Nähe Checkpoint Qalandiya).

Heute wurde in Ramallah ein 23jähriger Junge erschossen. Israelische Soldaten waren offensichtlich in einem Camp aufgetaucht, die SItuation eskalierte. Als ich früh nach Ramallah kam, war all dies schon geschehen, die Busse fuhren nicht wie gewohnt direkt von Jerusalem nach Ramallah, der Checkpont Qalandiya war gesperrt und entwickelte sich im Laufdes Tages (da war ich anderso und aß in Ruhe und interessantem Gespräch Kekse in der Rosa Luxemburg Stiftung) zum Ort schlimmer Krawalle. Tränengas-Feuerwerk von der einen Seite, Steine flogen von der anderen. Wenn man das fotografiert, fliegen noch mehr, ich fürchte dass da ein fataler Zusammenhang besteht. Tränengas brennt in den Augen, Huten Atemnot, auf den Fotos sieht es aus wie ein Hauch von Patina. Wie landete ich plötzlich auf dem Mittelstreifen hinter dem Schutzschild eines kleinen Imbisswagens? Freundliche Teeverkäufer, Freunde und Verwandte des Toten. Er habe sich nicht provokant benommen, er sei auf Verdacht hin erschlossen worden, sagte sein Cousin. er wurde mir erst zunächst als “Der Onkel vorgestellt” man suchte nach der korrekten Verwandtschafts-Status, fand ihn via Google-Translation “Cousin des Martyrers” sagte die Google-Stimme aus dem Handy.

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3.4. 9:00 früh, Jerusalem

Rumgetrödekt beim Frühstück im Hostel.Hätte gerne mit der coolen Italienierin aus Genua mit der rauen Stimme gefrühstückt, die Köchin ist auf einem Schiff, aber sie schlief noch. Zu viele Deutsche hier. Alter Jude, der weise aussieht, als wollte man gerne mit ihm reden, monologieiserte vor einer jungen Deutschen über naja A L L E S. die Schuld der Deutschen, den Holocaust. Den Nah-Ost-Konflikt, die Araber. Schien in vielem Recht zu haben die geballte Aldung jedoch war schwer zu ertragen. Kein Gespräch, ein Vortrag. Das Mädchen kapituliert als Nachfahrin der Täter und verdrückt sich irgendwann an an die Orangensaftpresse. Aufatmen. Das Erweiterte Wohnzimmer war auch plötzlich in zwei Lager geteilt, obwohl das keiner wollte. Llieber würde man die Schuld von damals los sein, aber sie kriecht in die Sofaritzen oder sitzt da sowieso fest. Drei junge amerikaner setzten sich dann wieder zu ihm und wurden ge-high-fivt- weil sie jüdischer Abstimmung waren.

Egal wie sehr man im Recht ist. Wenn man monologisiert bekommt das Recht einen schalen Beigeschmack. Muss man sich merken. Aufbruch.

Ich hetze hin und her. Das kostet Geld und Zeit. Die kurze Fahrt nach Gaza gestern, am selben Tag zurück nach Jerusalem, das den Vorteil des extrem angenehmen „Erweiterten-Wohnzimmer-Gefühls“ im Hostel „The Post“ hat und den, dass man von Jerusalem mit dem Bus direkt in die Westbank fahren kann, er fährt direkt über die Grenze nach Ramallah ohne dass man die Grenzkontrollprozeduren durchmachen muss. Der Termin (bei der Rosa Luxemburg Stiftung) stand schon länger fest, dass verschiebt den finalen Aufenthalt in Gaza wiederum um einen Tag. Es könnte ein ruhiger Tag werden, hatte ich gedacht,

Bus von Jerusalem nach Ramallah doch länger gesucht, fährt von Ost-Jerusalem. Andere Atmosphäre, als das schickere Jerusalem, improvisierter, aber auch lebendiger, gefällt mir besser, wohler fühle ich mich dennoch in der Hostel-Nähe.

10:00, Bus nach Ramallah

Den Bus schließlich doch gefunden; der, der direkt durchfährt nach Ramallah, fährt jedoch nicht, jedenfalls nicht durch. Wollte die Rosa Luxemburg Stifung (die Außenstelle für die palästinensischen Gebiete und die Westbank) besuchen, die dasTheater-Projekt in Gaza mit fördert. Und natürlich Ramallah sehen. Stellte es mir früher wie eine Wüstenstadt vor mit einem hohen Turm in dem Arafat eingesperrt war wie Rapunzel. Als er im Sterben lag flog man ihn durch die Weltgeschichte herum, nach Paris, da lag er im Koma. Aus Rapunzel wurde Dornröschen. Als er starb flog man ihn zurück (oder starb er in Ramallah, ich weiß es nicht mehr! Nur noch, dass er gerne in Jerusalem begraben worden wäre und dass man Erde von da nach Ramallah holen ließ, in der oder mit der wurde er dann einzementiert, damit man ihn irgendwann in besseren Zeiten doch in Jerusalem beerdigen lassen könnte. Coffin-To-Go. Es klingt ruhelos. Das Grab in Ramallah nicht gesehen, denn ich wurde unruhig über den weiteren Verlauf des Tages.

Dabei war die “Einreise” eigentlich nicht wirklich schwer gewesen, der Bus fährt bis zum Grenzpunkt Qalandiya, (man läuft ein paar Meter, windet sich durch Gittertüren, Drehkreuze, an hohen Mauern entlang und Wachtürmen, stelzt durch den Matsch, klettert über Betonblöcke und ist schon mitten in der Stadt. Qalandiya wie Fragment einer verrotteten Burg. Eigentlich eindrucksvoller als der Grenzübergang Erez nach Gaza. Schon der Name. Könnte aus Game of Thrones stammen. Eine Feste, die die blonde Drachen-Frau erobert im Flug und befreit. Oder ein Gefängnis daraus macht, je nach Staffel. HOhe Mauern. Graffiti. Ikonengleicher Arafat. Die palästinensischen Farben. Viele Schirftzeichen. Bildete mir ein, auch einen Weihnachtsmann abgebildet zu sehen. (ich weiß, Männer mit weißen langen Bärten, sind hier meistens nicht der Weihnachtsmann, sondern eher Scheich Jassin, aber dieser hatte rote Mütze mit weißer Bommel. Ansichtssachen. Sherut-Sammeltaxis auf dieser Seite heißen nicht Sherut sondern „Service“. Es hat nicht lange gedauert. Die Stadt berstendes Leben, voll, laut, schön, Frauen gehen nicht alle verschleiert, wilde Mischung. Rosa Luxemburg Stiftungs-Schild an einer Tankstelle entdeckt. die vertraute klare Schrift in Rot. – Wieso an einer Tankstelle? schon denke ich, ich bin schon da, aber es ist noch weiter, die Stadt verändert sich, wirkt plötzlich wie Stadtrand. bergauf, bergab, rechts und links liegen Täler voller Neubauten, stechen vor graublauem Gewitterhimmel hell und schön hervor. wenig Mülle, aber wenn sieht auch dieser irgendwie ästhetisch aus. muss am Licht liegen. wenn etwas zu grau und trostlos aussieht, hängt plötzlich knallrosa-Wäsche zum trocknen aus, oder ein telefonkapel-verteiler-Kasten ist bunt bemalt. ich bin ohne es zu wissen viel zu spät in der Stiftung.

Kekse. Wasser. Rosa Luxemburg-Filial-Leiterin klärt mich über den Gund auf, der Komplikationen an der Grenze auf. Eben das mit dem Jungen. Das Begräbnis (oder Totenwache?) sei in der Nähe der Grenze abgehalten worden, oder sei noch im Gange.

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Hätte gerne das Grab von Arafat gesehen. (scheint momentan mein Hauptaugenmerk beim Sight-Seeing zu sein. Erst Samson, dann David, und der einzige, der wahrscheinlich wirklich in seinem Grab liegt, in Beton gegossen und einmal mehr festgehalten um jeden Preis, den sehe ich nicht. Höre, dass man für den Grenzübergang von Ramallah nach Israel mehr Zeit einplanen muss. Und ich habe ja noch die Weiter-Reise nach Tel Aviv vor mir. Weg zurück. Junge Frau hilft BUs finden, findet keinen. tatsächlich liegt eine Spannung in der Luft. Die Wachtürme sind schon in Sicht, da muss  man aussteigen, wohin ist klar. Mann gibt Zeichen, ich solle meinen Schal ums Gesicht wickeln und  die Nase zuhalten. vor mir laufen immer mehr Menschen zusammen, oder sammeln sich, weil es nicht weitergeht. Salven von Tränengas kommen nieder. Ambulanzwägen fahren vorbei, kleine Kinder  husten. Erwachsene scheuchen sie weg, was sollen die Kinder hier? aber die Kinder, Jungs natürlich sind neugierig. ihre Nasenspitzen schauen doch aus ihren hochgeschlossenen und über den Munsgezogenen Jacken hervor. Husten. Weinen. Dabei fällt mir ein, dass ich schon lange kein Asthma mehr gehabt habe.

Fotografiert. Gefilmt. gute Bilder. – gibt es gute Bilder? stelle fest, dass palästinensische Jugend zur Höchstform aufläuft, wenn sie die Kameras sehen.  Steine fliegen. einer wirft eine Granate. aber es scheint eine Attrappe zu sein. Seid ihr bekoppt? ich lasse das Filmen. Fotos sehen eh wie weichgezeichnet aus im Tränengasnebel. es sieht nahezu superschön aus. es ist wie mit der Unschärfeletaion, kaum sieht man hin, verfälscht der Blick, das Messergebnis.

 

Abwarten. Tee-Trinken.  ein alter Mann zieht mich auf den Mittelstreifen der gesperrten Straße, hinter das Plastikglas seines Inbisswagens. Kaffe, Tee.hinter seinen Neues Tränengas-Feuerwerk. er ist freundlich, er ist ruhig. So ungewöhnlich ist das alles vielleicht nicht. ein anderer kommt, er spricht gut Englisch und erzählt von dem toten Jungen, den er gut kannte, ein Neffe seines Freundes. nichts getan habe der Junge. gerarbeitet habe er. “Unter Verdacht” sei er geraten. dann sei alles sehr schnell gegangen. Neues Tränen-Gas rieselt nieder. erst hört man die Schüsse, dann sieht man die Nebel-Kometen. die beiden Männer winken mich zu ihrem Auto , es ist inzwischen wirklich zu viel… Nebel. Unpassenderweise sitzt mir plötzlich Zeile aus dem Prinz von Homburg im Kopf “Jetzt unterscheid ich Farben noch und Formen und jetzt liegt Nebel alles unter mir.” – es ist dieses spezielle HUsten und Brennen und Tränen das Schlimme, das Beängstigende ist, dass man in all diesem Neben wirklich den Überblick verliert.Wer wie wo was falsch macht, wer angefangen hat, wer eins draufsetzt, das ist eh ein Brei von nicht aufzuarbeitenden Mißgriffen. Aber für Gras über etwas wachsen lassen ist es viel zu spät. Das Auto ist wie eine Insel in einem Meer von blauem Dunst. Hamed zeigt mir Bilder in seinem Handy. der tote Junge (Mann) sieht wirklich sehr jung aus, eine schmales gesicht, große weitaufgerissene Augen, irgendwie orientierungslos… es ist eine Nah-Aufnahme und ich traue mich nicht zu fargen, ob der Getötete noch am Leben war oder ob es eine AUfnahme von der AUfbahrung ist.  er zeigt mru auch seine Mutter. zeitloses BIld einer Frau in dunkelbraunem Tuch, wehklagend an der Leiche. seltsamerweise hebt sie zwischendurch kurz die Decke mit der der Tote bedeckt ist auf und sieht auf seinen Fuß. ein Laut des Erstaunens unterbricht das lauthalse KLagen, der blanke Fuß reißt heraus, es ist ein kurzer Alltags-Mißgriff, zu wenig Decke. der Fuß sieht aus, als fröre er.

Ein anderer Mann kommt. starkes Gesicht. Gerötet vom Gas, er wirkt als lächelte er. Höfliche Begrüßung. wird mir vorgestellt als der Onkel des Jungen. wie kann er lächeln?  Man spürt meine Irritation, denken es läge daran, das sich mich wunderte über das Verwandtschafts-Verhältnis. Man sucht nach dem korrekten Wort, denn “Onkel” ist falsch” das Handy wird jetzt zum Universal-Übersetzer. man hält es mir entgegen und es weiß zu verkünden: nicht Onkel des Toten, sondern “Cousin des Märtyrers”.

Ich werde eingeladen, die Familie zu besuchen, es sei nicht weit. Jede echte Journalistin hätte dankend angenommen, aber ich habe Angst in etwas hineinzugeraten, für das mir die “Angemessenheit” fehlt. Der Junge hieß so ähnlich wie Edwin. wahrscheinlich anders. Mohamed Edwin? Stattdessen fährt man mich zur Grenze. so viel Freundlichkeit. die paar Schritte…! der Rest dauert nicht sehr viel länger als vorher. Israelische, sehr jungen Grenzfrauen und Männer lachen verlegen.

***

Edwan hieß er. Mohammed Edwan. es wurden auch noch drei andere verletzt, überlebten aber. In Tel Aviv, springe ich zu früh an die frische Luft. hatte gedacht, meine Haltestelle erkannt zu haben. eine junge blonde Soldatin googelt mir den Weg, dann ein schwarzer Araber auf einem E-Bike, der mir den sehr umständlichen weg erst erklärt, dann aber doch durch die Nacht schwebt auf seinem weißen Rad. immer ein STück voraus, einfach nur so.

 

2. April, Erez-Crossing / Gaza

sdrbin gestern endlich nach  Gaza aufgebrochen, aber nur bis Beit Hanoun gekommen (am Rande des Gazastreifens). Freundliche Grenzbeamten (auf beiden Seiten). der Ganz zwischen den Übergängen, früher fand ich ihn erschreckend, ein kilometerweit in die Länge gezogener Rattenkäfig schien er mir. empfand ihn diesmal eher wie einen Gang zwischen den Welten, Gang, den man tun muss, im wahrsten Sinne des Wortes, um nicht zu schnell von einer Welt in die andere gespuckt zu werden, den man tut, um sich vorher nochmal zu sammeln.  Sonst fahren hier kleine Miniatur-Fahrzeuge und helfen mit dem Gepäck, gestern war der Gang voller Pfützen und deshalb fuhr zunächst nichts. laufen eh besser. im Sommer ist das Land rechts und links hinter den Gittern wie verbrannt. im Frühling ist es beinahe schön. die Krawalle sind anderswo und haben wohl auch erstmal aufgehört. Rechts zwischen meinem Gehege und den weiteren Zäunen und Mauern  weiden Schafe und Ziegen und zwei Jungs  sitzen auf einem Stein-Plateau und trinken Tee. würden gerne Rauchen, ob ich was zu rauchen hätte?  hab ich nicht. hätte gerne Tee. aber  der Tee ist offensichtlich auch aus.

there were shepherds living out in the fields nearby, keeping watch over their flocks…

Gespräch  am Beinahe Nachbarzaun. wenn man zu lang durch die Gitter starrt und beginnt wie Rilkes Panther sich in Trance zu bewegen (in meinem Fall nur ein leichtes Verlagern des Schwepunktes – Rechts-Links-Rechts-Links – verliert man den Fokus. Tiefenunschärfe. weitergehen… Händels Messias im Kopf spukte herum… und die dringlichen Rufe der jungen Männer. sie riefen nichts politisches, kein “I love” you oder so, sie riefen aus tiefster Seele die Namen ihrer Lieblingsfußballer “Ronaldo!!! Messi!!!”, also könnte ich den beiden was ausrichten, wenn ich wieder draussen wäre.

1. April, Jerusalem, Hostel-Bar-

Erst reden sie über die Wahlen. ein Man und eine Frau. reden Englisch. aber sind beide Israelis? oder nur er, aber sie fühlt sich so.  ich habe nicht verstanden: ER will nicht wählen, ist aber wohl total rechts eingestellt. rechts in Israel heißt: Gaza platt machen entweder durch Rund-Um-Besiedelung oder durch ENDLICH MAL konsequenten Beschuss. finally. Zur zeit ist selbst Natenjahu einer der (pragmatisch) gemäßigteren. Nicht, dass er sagt, er wolle das. er sagt nur, seine Familie wähle immer rechts. und er auch. ich sitze daneben und rese zufällig gerade einen Artikel über die Parteien, die am 8.3. antreten. komme aber nicht dazu, weil die beiden so laut sprechen.

Jetzt reden sie  plötzlich übers CHristentum.:

SIE: “I never understand the holy trinity, before I saw game of thrones“.

Der heilige Geist sei wie ein Interface.

Er: “I am blind. Show me how to see the lights.”

Ich verstehe nicht alles. es ist zu laut. ich  MUSS was verpasst haben weil:

ER: Kennst Du Adam Sandler? er ist dieser typische Israeli-Guy….

SIE: Aha…

Seltsam: Wie kamen wir vom heiligen Geist zu Adam Sandler? Ihn (Adam Sandler)  hörte ich das letzte mal von jemand erwähnt, das war MOhamed, in Gaza. er fand das sei DER LUSTIGE SCHAUSPIELER überhaupt!

Ist Adam Sandler der kleineste gemeinsame nenner des Nahost-Konflikts? So wie “hava Nagila” der folklore-DAuerbrenner sogar ein totaler Ohrwurm für  junge Schauspielern in Gaza war, sie liebten das Lied , aber hatten nicht verstanden , dass es in der Theaterinszenierung, in der sie mitwirkten als symblisches Zitat der bösen israelischen Kultut gebraucht wurde. Ohrwurm ist immer stärker als politische Agenda.

Muss  aufs Klo. mehr Leute kommen und füllen die Lücke zwischen mir und dem Paar. SIE: “nachdem Jesus starb”, ist das beinahe Letzte was ich aufschnappe.

ER: “Er kam back like a Zombie??? Rein physialisch…?”

Mehr höre ich nicht. nie werde ich mehr verstehen als Fragmente.ob Netanjahu zurückkommt. ich hoffte immer, dass nicht. aber vielleicht sind die Alternativen noch schlimmer. eine coole Frau soll’s geben. aber das ist wohl eher unwahrscheinlich, dass es die wird. Aber um den Bogen zu schließen und zu Game of Thrones zu schließen. Da sind die Frauen die starken.

 

31. 3/1. April

Nachrichten gegoogelt an der Bar des sehr schönen Hostels in Jerusalem, das in einem ehemaligen Postamt untergebracht ist.auch hier bekommt man ein (fast Gratis Bier (wenn man in der ersten STunde nach dem einchecken eins bestellt).

15:46

die Assistentein von Jamal per facebook gefragt nach dem Einladungsbrief, den ich an der Grenze brauchen werde. sie entschuldigt sich – ihr Mann sei tot.

Ich drücke ihr mein Beileid aus. in meinem Kopf rattern tausend Gedanken gleichzeitig. Der Mann, natürlich noch jung, wie sollte er anders gestorben sein, als im Zuge der Proteste an der Grenze?! ich google weiter nach Nachrichten. das Bier ist leer. ich bestelle einen Whisky. die Gedanken rattern immer noch und zwar wild durcheinander: 1. die Assistentin  tut mir leid, sie heißt A. und hat zwei Kinder. andererseits (Gedanke Nummer 2), sie hat mir viel erzählt von dem Mann. ein Mann der wütend wird, wenn A. fröhlich ist oder lacht oder überhaupt tätig ist im Theater. Sie ist aber grundsätzlich ein fröhlicher Mensch mit viel Hingabe fürs Theater, sie lacht gerne. ertappe mich bei dem gedanken, maybe it’s not just a bad thing. 3. Gedanke: Und die Hamas zahlt 3-5000 Dollar wenn Familienangehrige bei den Protesten gegen Israel sterben. 4. Gedanke. das ist natürlich entsetzlich. keine Hinterbliebenenrente, sondern Blutgeld. 5. Gedanke: Hör auf zu denken, das ist alles entsetzlich. alleinstehende Frauen, auch WItwen haben es schwer in Gaza. sie haben kaum rechte und können bestenfalls von Almosen leben. Außerdem: ich kannte den Mann ja nur vom Hörensagen, vielleicht ist er ja doch auch nicht nur ein Unterdrücker gewesen. 6. Gedanke. ich sollte endlich hinfahren, um mir selbst ein Bild zu machen und A. trösten. 7. der Barkeeper, es ist wieder der Hippster-Geschichtsstudent, der mich dauernd ignoriert, seit ich an der Existenz eines König Davids gezweifelt habe, verkündet gerade, dass Happy hour; man bekommt Getränke nachgefüllt. ich hasse ihn plötzlich, schon weil er “happy hour” sagt, wo doch in Gaza wieder jemand am Zaun gestorben ist. Gedanke 8: gilt der refill auch für Whisky? Gedanke 9. ich bin das letzte.  – Na und. der israelische Hippster kommt mir gerade recht, auf jemand muss man doch sauer sein. ich verzichte auf den Happy-hour-refill und verkünde, dass der Mann meiner Freundin gerade gestorben ist in Gaza. Gedanke 10 = Gedanke 6. ich sollte endlich hinfahren. Gedanke 11. Was wird jetzt aus meinem Einladungsbrief? und wer wird übersetzen, denn Jamal spricht nicht gut Englisch. ich rufe ihn an. es stellt sich heraus, nicht A’s Ehemann ist tot, sondern ihr Schwiegervater, der starb an Krebs. Schäme mich für zu viele Gedanken gleichzeitig – und fürs schlampig Lesen. “Dad husband dead” heißt “des Ehemanns Dad ist tot” hatte es für Tippfehler und vergessene Interpunktion gehalten “Tot, Ehemann tot!”. Ich habe bisher 760 € an Spenden gesammelt. teils für das Kulturzentrum, das das zerstörte Theater vielleicht ersetzen könnte, teils für Medikamente. Zum Beispiel für A.’s Familie. Sie hatte immer von Familienmitgliedern gesprochen, die krank seien – und ich hatte nur die zuckerkranke Mutter auf dem Schirm. Hatte ihr gesagt: ich komme ja bald, dann kaufen wir Medizin.  so viel läuft falsch. und nie gibt es einen richtigen Zeitpunkt.

Heute fahre ich. stehe wahrscheinlich noch nicht auf der Einreiseliste. aber wer weiß. selber sehen.

 

31. März, Jerusalem

Es ist die Zeit in der vor einem Jahr an der Grenze heftige Proteste (“The great return March”) stattfanden und viele im Zuge der Unruhen starben. Vor einem Jahr hatten wir mit “Proben via skype”  beginnen wollen für das Projekt West-Östlicher DIvan, saßen an Förderanträgen für das aktuelle Projekt ALTER MANN. GAZA. MEHR, aber das aktuelle Geschehen war zu heftig. Wie konnte ich vergessen, dass das eine Jahresevent zu werden droht. Ist es natürlich schon längst: 30.3.  Land day geht auf die Enteignungen der Araber 1978 durch die Israelis zurück. Verhängte Ausgangssperren, Proteste, Genreal-Streiks folgten.  Im letzten Jahr endeten die Proteste erst Mitte Mai, am  Tage der Katastrophe (Nakba).  hatte letztes JAhr noch gedacht, es sei ein rein palästinensischer gedenktag (die Katastrophe ist die Staatsgründung Israels am 14.5.), jetzt gelsesen dass der Tag auch eine israelische Perspektive hat. die jüdische Version der Nakba ist wiederum die Vertreibung der Israelis aus den autonomen palästinensischen Gebieten. Was wurde aus der Idee von damals, dass mit der Gründung des israelischen Staates auch die eines palästinensischen vorgesehen war? Längst ein Hirngespinst?

bekam heute endlich den israelischen Presseausweis. diesmal kürzere Reise, dennoch weit  ab vom Schuß (blöde Redewendung, fällt mir gerade auf): Jerusalem -Malha ist die frustrierendste Gegend die ich bisher sah. Palastgleiches EInkaufszentrum, business-Wolkenkratzer, Parkplätze, Niemandsland und eine Sportarena. diesmal reingedruft. Gratiskaffee, Internet und das kleine blaue Kärtchen. Zeitungsberichte verglichen. ALJazeera findet Israel brbutaler denn je, New York Times findet trotz allem weniger schlimm, als man hätte denken können. Israelische Zeitungen kann ich nicht lesen. Schriftzeichen entioffern ja, verstehen nicht. aber überall taucht das eindrucksvolle Foto eines Palästinensers am Zaun auf, der im Profil mit spitzem Bart einen Stein schleudert gen Israel. Komisch, dass ich in all dem aktuellen Geschehen doch wieder an den kleinen David gegen den großen Goliath denken muss. Und wieder ist das Mächteverhältnis genau umgekehrt. Gabs David jetzt, oder nicht? Und Samson? von dem muslimische Gelehrte vor langer Zeit meinten, er wäre ein bedeutender Dschihadist gewesen. 1973 schaffte es der Name Samson ins Vokabular der israelischen Militär-Strategen. Mosche Dajan “bot” die Samson-Option Golda-Meir an vehemnt “an”, 13 Atombomben gefechtsgbereit zu machen, um notfalls im Jom-Kippur-Krieg Araber und Israelis gliechermaßne auszuradieren. Sie wollte aber nicht.

30. März.

Jerusalem ist anstrengend. auch am Sabbat. Abwehraltungen zuweilen von Nöten, will man nicht einen “Pusch in die Heiterkeit” kriegen, oder sich von jemand abküssen zu lassen – natürlich nur zwecks WIllkommen-Geheißen-Werdens. seltsame Begegnungen. Bloß niemand freundlich anlächeln. Alte MÄnner mit weißen BÄrten und Kippa sehen so vertrauenserweckend aus, entpuppen sich aber zuweilen als dirty-Old-Men, die nicht nur lachen und Hava-Nagila-SIngen-wollen. (where is the problem, Miriam? be “maztok”, lustig) – ich bin halt grad nicht lustig. Wenn, dann eher selbst mein bester Witz. –  Und Nicht in Autos steigen zu Orthodoxen! –  Und da sagen alle “Relax”? Am Grab von König David gesessen, bzw. der Hälfte des Grabes. denn es ist geteilt und es gibt eine Trennwand, die das Grab halbiert: Männer rechts Frauen links. Saß ich zu seinen Füßen oder seinem Haupt? Und gabs wirklich einen König David. cooler angeblich unreligiöser Hippster mit kurzem Pferdeschwanz und modernem Bart, der Geschichte studiert, war beledigt, als ich ihn das fragte. Saß lange am Grab und weil von der Männerseite her jemand schön sang und ich so auch jemand weiteren abschüttelten konnte. Sex kommt eh aus der Mode, sagt “Der Stern”, bzw, zitiert eine Studie, die besagt dass  Sex bei jungen Leuten in Amerika kein Trend mehr ist.

29. März, Tel Aviv – Bet Shemesh

Schaut das Land an, wie es ist…

Ärger mit Eisenbahn. Ticket gekauft, aber Jerusalem (heute) nur über Umwege erreichbar. Und es ist Freitag. Kein Gedanke, das Press-Office vor 12:00 zu erreichen. Das schon gekaufte Ticket anders nutzen? Bin eh zu blöd um mich in diesem Land schneller zu bewegen als im Schildkröten-Tempo. habe lange auf einen ZUg gewartet, dann aber 10 minuten vor Abreise beschlossen doch das EIsenbahnticket zurückzugeben und mit dem Bus direkt zu fahren. GIng nicht. zurück auf dem Bahnsteig, war der ZUg dann gerade weg. der nächste fährt eine halbe Stunde später. Hätte in Lod umsteigen sollen, bin aber in Lod-Ganei-Aviv ausgestiegen. Nächster Zug geht in einer Stunde. Die Bänke sind kalt. Das Internet ist außer Reichweite. Lernen diese Mißgriffe hinzunehmen. es sind ja meine. wenn das Presse-Büro bis 14:00 aufhat (ich erinnere mich vor einem Jahr an einem Fretitag NACH 12 da gewesen zu sein), ist es immer noch möglich. Vögel singen. ein Specht schnalzt und perlt vor sich hin. im Pressebüro angerufen. erst war immer eine Warteschleifenmusik dran, super dramatisch-kitschig. Bon Jovi??? dann nimmt jamand ab und legt auf. nochmal Bin Jovis Nummer gewählt. Jetzt nimmt jamnd ab der sich ausschüttel vor LAchen als ich frage”Ist das das Gouvernment Press office in Jerusalem?”

Zahlendreher. neue Wahl. jemand der rein zufällig heute im Amt ist, sagt mit, dass Freitags  geschlossen ist. Und morgen natürlich auch. HImmel! Habe ich mir hier freie Tage erschlichen? oder ist es wieder ein Fall von unbewußtem  Selbst-Boykott, wie ihn mir meine Mutter des öfteren unterstellt? weitere 30 Minuten in Lod-nochwas.

Jetzt Lod. das Lod. in einer STunde geht der Zug nach Bet-Shemesh. dann Jerusalem. ich kann machen was ich will heute und so langsam ich will.

***

Bet Shemesh,

in der Nähe von Bet Shemesh, auf einem bewaldeten Hügel

Der allererste Selbstmordattentäter der Weltgeschichte war ein Israeli. sozusagen. kann man natürlich so nicht sagen. Er riss 3000 Feinde und Andersgläubige mit im damaligen Gaza. jetzt liegt er (wahrscheinlich nicht) etwas entfernt vond er Stadt Bet Shemesh auf einem bewaldetetn Hügel, man kann dort Grillen, zahhlose kleine Wege führen hoch, man kann Picknick machen und Rast an Tischen am Wegesrand. es nieselt, drum ist keiner da. KLatschmohn blüht. Avi staunt über das Wort. er kennt sich aber besser aus in der Flora und Fauna als ich. auch auf Deutsch. Cycklamen gerlent. Alpenveilchen? und as hebräische Wort dafür auch, aber wieder vergessen. es lautete so ähnlich wie Eisenbahn. das Navigationssystem sucht nach Samsons Gebeinen. das Taxi schlängelt sich bergan.

Manchmal muss man Taxi fahren. gerade wenn man es kaum hinkriegt, das mit dem Zug. Fahr enicht gerne Taxi. wird man meistens übers Ohr gehauen. oder angemacht. oder beides. oder gar nicht erst gefahren (z.B. wenn man zum Grenzübergang nach Gaza will). Wenn man zum alttestamentarischen Superhelden will ist es auch nicht so leicht. Der erste Taxifahrer, den ich fragte, ob er mich zu “Schimschon” fahren könnte, verstand nicht wohin ich wollte, nach langem hin und her und dem Vorlegen von Google-Earth-Bildern, sagt er nein, da wolle er nicht hin, da seien die Wege matschig. Mann! das ist doch Euer Superheld, Bilderstürmer, Tempelreinreisser, Von-Gott-Auserwhäter… – kann man doch wohl verlangen mal durch den Matsch zu fahren mit seinem (eh nicht so sauberen TAxi).

Ausgestiegen. kurz vor Aufgeben und Doch-Wiers-Weiter-Mit-Dem-Zug nach Jerusalem. Dann kam anderes Taxi. Avi. Der Fahrer kannte den Grabstein-Ort auch nicht, aber die Zentrale, die er konsultierte wußte es. Schlechtes Gewissen. Hätte ich ihm das mit dem potenziellen Matsch sagen sollen? Er winkt ab. Er lächelt. Da sei er noch nie gewesen. 30 Jahre hier in Bet Shemesh. aber Samsons Grab nie gesehen. Er trägt einen Hut auf silbrigem Stoppelhaar. ENglisch spricht er nicht so gut, sagt er.

“Just al little.” – woher ich sei?

“Berlin.”

“Deutsch? – ja… das geht auch…”

Da entstand diese kurze STille der Mutmaßung und des Rechnens. Ist seine Familie aus Deutschland geflohen? war er als Kind noch dort? Für ein Vorkriegskind ist er zu jung…  – mit einer Schweizerin ist er verheiratet, sagte er dann. irgendwo im Kanton Bern gelebt. Bern! Da war ich mal. da habe ich einen Werbespot gedreht für einen Handyanbieter. Er war in Bern aktiv gewesen im jüdischen Turnverein. lEr ächelte als er hinzufügt: “Das ist schon lange vorbei” […]

Als das Auto nicht mehr weiter kann und ich aussteige, Avo gefragt, ob er mitkommen will. die letzten Meter also zusammen Sightseeing im Nieselregen.

Samons Grab. Und das seines Vaters. Die Mutter hat keinen Grabstein bekommen. Hat sie aber auch nix verpasst. Grab sieht aus wie zwei Luxus-Dixi-Toiletten nebeneinander. davor ein paar alte Camping-Stühle, ausgeblichene rote Sitzpolster, umgekippter Beistelltisch. In den Felsen eingelassen ein kleines Bücherregal, man kann in der Bibel lesen, wenn man kann. Jungs mit einem off-Road-FAhrzeug zwischen Jeep und Quad haben es bis über eine Höhle geschafft und stehen etwas protzig über uns, aber doch wie bestellt und nicht abgeholt in der Gegend rum. Blick über die ferne Stadt. Die Jungs sind weg. die Höhle ist wie ein niedriger Unterschlupf. Öl gepresst hat man in diesem Höhlen, STeine zermahlen die Früchte. alle Berge seien voll davon. Schöne Verbindung zu Samson, der Jahre lang in gefangenschaft Mühlsteine mahlen musste. Blind. Blind vor Vertrauen. eine traurige aber realistische Liebesgeschichte.

Als ich frage, was die Fahrt kostet, strahlt er und sagt: nur so viel wie ich lust hab zu geben. das sei keine Fahr gewesen sondern ein Ausflug.

Die Fahrt zurück nicht minder schön. denke an den EIsenbahnfrust zwischen Lod und Lod. dem geschlossenen Pressebüro.  Wenn ich nicht idiotisch rumgetrödelt hätte,  und wenn dem anderen Taxifahrer der Weg nicht zu matschig gewesen wäre (war er gar nicht!), hätte ich nicht diesen ersten freundlichen Taxifahrer getroffen. Che sera, sera! er lächelt. sein Tag war bisher auch nicht so toll. er fährt ein behindertes Mädchen zur Schule jeden Tag, dem Kind passierte ein Mallheur, er musste den Sitz eine Stunde lang reinigen. war gerade fertig damit und fuhr an der Bahnstation vor…  die Freuden der deterministischen Welt. Und das gute an ihr ist, dass einem nicht wirklich was passieren kann, was einem nicht anderswo auch passieren würde. che sera sera. what ever will be will be. oder um es mit Hans Moser zu sagen: “Wenn der Herrgott net will nutzt des gar nix”. oder eben doch.

[…]

 

28. März, Berlin-Schönefeld – Tel Aviv-Ben Gurion

Auf dem Triebwerk der Easyjet ist ein schmaler Metallstreifen angebracht und sicherheitshalber haben sie draufgeschrieben: kein Trittbrett. Es ist mit 13 Schrauben angebracht und es wirkt wie eine Ablagefläche. Aber was könnte man draufstellen? Magnetische Porzellanfiguren? Eine Flasche Whisky? Host Point steht darüber geschrieben. Irgendetwas das ein Gastgeber seinen Gästen anbietet, wenn sie seine neue Maschine ansehen kommen. Aber man soll ja eben wohl nichts draufstellen oder sich draufsetzen oder Ellenbogen abstützen. Der Zweck wird wohl ein aerodynamischer sein, der über meinen Horizont geht.

Die tintigen Schatten, die die zarten Wattebausch-Wolken werfen über dem Meer.

Keine Probleme bei der Security diesmal. Frau im Passkontrollhäuschen wirkte dennoch unsympathisch. zum vierten Mal bin ich hier.

Fahrt in Sammeltaxi durch die volle Stadt. Neue im Stadtbild ist, dass dauern starr und Aufrechtstehende Menschen am Bus vorbeisausen. Auf Rollern. Sehen aus wie Kinderroller sind aber wohl doch motorisiert. Sehr schnell, sehr cool. Durch die Schreibe des Busses heraus, der auf der Nebenspur an der Ampel wartet, starrt mich ein dürrer Hund mit struppigem Fell an. Ankommen. Stolz darauf den Weg zum Meer noch zu kennen. Ein geschenkter Tag.

In meinem alten Hebräischwörterbuch steht als Prolog der Satz (vielleicht aus dem alten Testamnet ):

Schaut das Land an, wie es ist,

und das Volk, welches darin wohnt.

***

Tel Aviv,

Im Hostel das selbe Bett bekommen, das ich vor einem Jahr hatte. gebe zu, ich genieße den Aufschub am Meer. das Beachfront Hostel ist eins der letzten kleinen altmodischen Häuser, wie reingepresst in die moderne Skyline gegenüber vom Strand. aber so shick wie aus der ferne sind auch die Hochhäuser nicht. ein bißchen ausgestorben, verstaubt, Gottlob, dass das immer noch eine Gegend ist, in der Ramschläden überwiegen, alles nur theoretisch schick ist und in der Praxis eine andere Patina hat. Das türkis gestrichene Hostel,  die Farbe schon etwas abgeblättert. man kriegt ein gratis Bier wenn man ein Bild postet von den Lounge auf dem Dach. bis spät am Strand und aufs Meer gestarrt. es wird kühl. Kanne Earl Grey in Strand-Bar Areal La Mer. Cooles Remix des Dschungelbuch-Songs „Trust in me“ – leider schlecht gesungen. Fetzen von originalen Instrumentals des Films, Technobeats und dann dieser verführeische Schlangensong. Die Shisha Wolken von nebenan. Die untergehende Sonne die in einem milchigen lila Himmel versinkt, verschleiert und unten dann knapp über dem Meer doch wieder durchkommt. Sonnenuntergang mit IDF-Flugzeugen. Jetzt wo die Sonne weg ist, bin ich zu dünn angezogen. Immer ist alles genau in der entgegengesetzten Richtung als ich denke. Fährt der Militärhubschrauber heim und hat Feierabend oder fängt er erst an. Wo liegt Gaza? Nie ohne Seife Waschen –Er hat Feierabend.

Berlin, 27. März

Paul und Paula Buchhandlung bei mir um die Ecke hat in letzter Minute Der alte Mann und das Meer auf Arabisch aufgetrieben.  Alia, Jamals Assistentin war total überrascht gewesen, dass ich gefragt hatte, ob ich das Buch mitbringen soll. sie meinte, in Englisch sei es bestimmt “nicer” Aber vielleicht nicht verständlich?!!! Am Ende werden wir wahrscheinlich eh nicht viel Originaltext verwenden, aber einmal gelesen haben. Unser Projekt allerdings trägt den Manem GAZA. ALTER MANN. MEHR. sehr sehr frei nach Hemingway.

Berlin. 26. März.

Das Timing freilich ist nicht gut. es ist wieder sehr unruhig dort. Hamas in doppelter Angriffshaltung. Gegen Israel, gegen die Demonstranten in Gaza selbst, die endlich in Frieden leben wollen, und dann platzt es noch aus den Hamaspressesprechern heraus, dass die Raketen, die erstaunlich weit bis Tel Aviv geflogen sind, nicht einmal die ihren seien, sondern auf das Konto einer anderen Gruppe gehen (muss sie ja wiederum doppelt ärgern: ausgerechnet die so erstaunlich weitreichenden!). Netanjahu wiederum feuert zurück und darüberhinanus auch innenpolitisch in alle Richtungen. Vielleicht schlagen die Menschen am meisten um sich, wenn sie nicht wissen wie es weitergeht. Jerusalem Press office verlängert meinen israelischen Presseausweis. diesmal haben sie ziemlich rumgeeiert. Ich kann ihn abholen in Jerusalem am 29.März. Es wird wieder ein bißchen konkreter. Sieben Sachen packen. noch so viel zu tun. Was mitbringen? Was nicht? Jamal würde sich über eine Flasche Wein freuen. Aber seine Frau würde schimpfen. Die Kamera. Die Berge von Schokolade. die Fördergelder. einen neuen Beamer? wo der alte ja ebenfalls “in Dutt” ist. Habe realisiert, dass ein neuer besser mehr als 5000 ANSI LUMEN bringen müsste, da in Gaza Theater nicht im Dunkeln stattfinden darf (Den Effekt, den Projektionen dann haben kenne ich von der Christmette in Windsbach, er ist gleich 0). Im Copyshop Fotos vom letzten Jahr auf Forex-Platten drucken lassen. Rumrödeln. Dinge organisieren. Hauptstadtkulturfonds-Abrechnung abschließen. Kuchen-Backen für Sohn, der Geburtstag hat. – Und dauernd schöne Begenungen, neulich schon L. auf dem Kaufland-Dach, A. in der Buchhandlung, die Tochter, meine Schauspieler des letzten Jahres und auch welche von vor langer zeit… wollen was mitgeben auf den Weg… Bin total gerührt und stelle fest, dass ich eigentlich doch lieber hier bliebe.

Berlin, 24. März.

Entschluß wieder nach Gaza zu fahren und zu prüfen ob das Projekt nicht doch stattfinden kann, auch wenn dort das Theater vom Erdboden verschwunden bzw in Schutt und Asche gebombt wurde. Das war im August passiert, als ich wohlbehütet in Windsbach war und den Gedanken an das nächste Jahr, also an dieses schlichtweg verdrängte.  Kein Ort –  ein guter Grund, ein projekt zu canceln. Genauso gut kann man aber sagen: jetzt erst recht. Nicht die Lokalitäten zählen, sondern das Gefühl gebraucht zu werden. Freilich, das mit dem gebraucht werden…  – Lügen in die eigene Tasche! – …redet man sich ja meistens ein, manchmal ist man von Nöten, manchmal ist man selbst die Not. hats nötig, benötigt zu werden. Auf Deutsch klingt das gleich so dramatisch, auf Englisch isses besser. needs. personal need, das was einem treibt. Nun hat es diesmal lange gedauert, bis mich was getrieben hat. Wird Zeit.

***

Schöne Stunden mit Tochter. selten Sorgen, immer das Gefühl, sie macht ihren Weg oder alle ihre Wege gut.

neue Folge The Orville geguckt. sehr berührende Holo-Deck-Folge. Hoffnungslose Liebe des Piloten zu einer Frau aus der Vergangenheit. Zeitkappselfund eines 400 Jahre alten Handies.

weil in Rotz-Und-Wasser-Heul-Stimmung, schnell noch andere Serie angefangen. The good fight. besser. schon den Titel mag ich.

Berlin, 21. März

Sehnsucht nach neuen Kontexten, Dazugehörigkeits-Phatasien. reise in die Vergangenheit und in eine kleine STadt namens Windsbach. Aufblühen. Ruhe finden. Angst vor Krankheit. Erleichterung dass nicht. Reinschmecken. Zunge verbrennen. Irrglaubensrichtung, Missgriffe, Minenfelder, Cherubim vor Paradiesestür. Erkenntnisverweigerung. Erkenntnis. Überforderung und Überfordern und Überfordert werden. Gesünder leben. wer hätte gedacht, dass ich Süßkartoffeln so gut schmecken. Baustellen-Heimat-Ahnung,  Ruhebedürftigkeit. Lebensplanung. Noch größere Sehnsuch nach Zuhause. Vergesslich werdende Menschen. selber vergesslich werden. Selbstvergessenheit wäre besser. Demenz ist nur im absoluten Leben im Augenblick erträglich. Lebensumplanung. Auftauchen: heimlicher Beinahe-Geliebter von früher bietet mir an Pistanzien zu pflücken in der Türkei für einen Sommer. Auch keine gute Idee. Roman beendet und in Meran einen zunächst schönen Badeanzug gekauft, der sein wahres Gesicht zu spät zeigte und sich in Berlin als ausgesprochen häßlich entpuppte; in Dublin dafür eine neue Mütze, die hält, was sie versprochen hat. ansonsten Wohnung entrümpeln. Kistenweise Zeug loswerden. los sein. Lose kaufen. Nicht gewinnen. Weitermachen.das Naheliegende ist manchmal der Umweg. das Navigationssystem des Odysseus einbauen lassen in die totgesagte Honda?

Seit letztem Jahr hadere ich damit, wieder nach Gaza zu fahren (natürlich nicht mit dem Motorrad) , aber ich glaube es ist eine gute Sache eine Arbeit fortzusetzen, die einen Unterschied macht

Berlin, Datum vergessen

Ein Nieselregentag, aber frühlingshaft. anstrengende Zeit, jetzt wird es ruhiger. Vormittags Förderantragskämpfe. viel geschrieben. gegen nachmittag kommt die Sonne raus und brennt schon beinahe im Gesicht. Immer noch, immer wieder  ist meine Straße Baustelle. Leute getroffen. in der “Videothek” Kaffee getrunken.  Am Kiosk beinahe Marmeldade gekauft. Lorenc ruft an, dachte ich hätte ihm eine SMS geschickt die mit Schatz, ich vermisse Dich beginnt. Sie war aber von wem anderen. haben uns trotzdem getroffen, er sagt, er säße vor dem früheren Netto – der mal ein früherer Plus war und jetzt ein häßlicher Wohnblock. davor die Grünflächen sind aber immernoch okay. die SOnne aber war schon gewandert. “Sie läuft wie ein Held ihre Bahn, sie geht auf an einem Ende des Himmels und läuft wiederum bis an das Ende…” Vogt-Psalm. oderbesser gesagt König-David-Psalm. Nun war sie also schon weg, aber L. schlug Kaufland vor. da könne man sie noch etwas genießen. – – – wie konnte ich das nicht wissen?! dass die Sonne über Kaufland noch bis in die Abendstunden  scheint (aber das ist ja manchmal so in fremden Ländern. in Spanien scheint sie, laut eines Liedes gesungen von Imca Marima in den 70ern, von Tag bis Nacht. Wie konnte ich wissen, dass man aufs Dach von Kaufland kann! niemand da. nur wir und rings um mein Kiez. , das Ringcenter, das schiefe Haus in der Nöldner Straße Richtung Rummelsburger Bucht, der dunkle Turm vom Ostkreuz, Friedrichshain, die schönen Häuser hinter der Bahnlinie, das Rentenversicherunggebäude mit dem hohen breiten Turm, von dem ich immer dachte ein Maler müsse darin sein Studio haben. ich sah ihn auch vom Dach meiner ersten WOhnung in Friedrichshain. (da dachte ich noch, ich selber würde einmal ein Maler sein, der in diesem Turm sein STudio haben würde!). Aber wer will schon in der Rentenversicherung wohnen, zumal die unten an ihren Fenstern zur Straße hin immer noch Schmucke GItterstäbe haben, in die früher mal Hakenkreuze eingearbeitet waren. Man erkennt sie noch, wenn man es weiß. Nach 45 hatte man einfach ein paar STücke rausgesägt um die Vergangenheit loszuwerden.

Sitzen auf einer Stufe und reden Unsinn und behaupten, die Beatles hätten hier vor der Wende ihr letztes Konzert gegeben. Und hätten sich dann getrennt. überlegt, welche Beatles-Songs entstanden sind, inspiriert vom Rundumblick über Berlin-Lichtenberg-Friedrichshain-Treptow. Lorenc findet “Lissy in the sky with diamonds” ich finde “Opladi oplada”. Lorenc meint, ich spräche es aus,als sei es mit P geschrieben. es hieße aber “Obladi, Oblada”. Ich meine, es hieße Lucy und nicht Lissy. einigen uns beide auf die Existen von Parallelwelten. das habe ich soweiso immer geglaubt. das ist auch das einzige aller Weltbilder in dem ich sowohl einen Gott, als auch den Determinismus und gleichzeitig den freien Willen unterbringen kann.

Und die Beatles auf ihrem Abschiedskonzert über Kaufland.

Cork

Stämmiger Mann an der Pforte des Bibliotheksgebäudes, der wohl bereits mitgeholfen hatte, als die große Box (Ausmaße eines Zwei-Personen-Sarges – die Assoziation kommt mir, weil die Ausstellung damals Re-Animationen hieß) von der Glucksman-Galery in die BIbliothek geschafft wurde im Februar, ist polnischer Abstammung und Rachel hört nicht auf mit ihm zu reden über die Bedeutung seines Namens, der wohl so ähnlich  wie “Gott” klingen mag – auf Polnisch. Weil sie extrem sprachbegabt ist und alle Sprachen auch akzentfrei aussprechen kann, außerdem entzückt ist von der Gelegeneheit ihren Wortschatz zu vermehrern, zählt Rachel alle polnischen Worte auf, die sie kennt und gut findet (“Gott” ist  auch darunter) und will weitere Worte lernen. Sollen sie reden. Der weiche, plätschernde Wortfluss hat etwas beruhigendes. Nicht-Verstehen überhaupt hat augenblicklich etwas sehr beruhigendes. Das fiel mir schon bei dem alten Mann aus Hongkong auf. Und warum klingt im deutschen das Wort GOTT so hart und endgültig, im polnischen hat es etwas Sanftes, fast Intimes. Vielleicht liegt das aber auch an Rachel. Sie flirtet. Nicht mit dem Mann, sie flirtet mit der fremden Sprache. Ich glaube, sie flirtet mit allen Sprachen der Welt. Und sie ist immer im Amt des Übersetzens, von klein auf hineingewachsen in die Rolle, als Schwester von zwei Gehörlosen Mädchen, denen sie die Welt verlauten  ließ. Rachel ist eine, die die Scherben des Turms zu Babylon, die zerbrochenen Buchstaben und die Auswirkungen jeglicher Sprachverwirrung wiedregutzumachen, auf diese Erde gekommen ist. glaube ich.  Gang durch die unterirdischen Korridore eingelullt in fremde Wortklänge ins Archiv der Bibliothek. da liegen also nach dem Abbau der Ausstellung meine “Adaptionen”. z.B. das Manifest. heimlicher Gedanke, was wäre, wenn man meine Arbeiten hier vergäße, sie Wurzeln schlagen würden in die Bestände des Archivs hinein. Irgendwann fände einer das (bzw. mein) Manifest der kommunistischen Partei (nicht so abwegig, dass das Manuskript, das tatsächlich verschollen ist, in Irland gelandet ist. Karl Marx hätte es Friedrich Engels gegeben haben können zum Ins-Reine-Schreiben und der könnte es hier verloren haben bei einem Rendezvous) und nachdem es ein Jahrhundert hier in einem ehrenwerten Institut in Würde gealtert wäre, könnte der zukünftige Finder denken es sei das echte. In der Regel stemple ich schon irgendwas wie “NICHT echt” oder “ORIGINAL – by MIRIAM SACHS” drauf auf die “Fäschungen” (Rachel besteht darauf, dass das Wort “Fake” besser ist und dass es vorallem ein sehr positives Wort sei. Ihr Vorschlag für die neue Ausstellug ist: “AFTER-LIFE – and how to fake it”). RAchel ist wie ein sprudelnder Wasserfall. sie hat mich schon reingeredet in 2 Workshops und einen Vortrag und eine Posiums-Diskussion…. – jetzt redet sie über eine ganz andere Ausstellung, die aber keiner hier will. über die Leichenfunde in dem katholischen Nonnenkloster, kleine Skelette von nach der Geburt ermordeten unehelichen Kindern. Es war durch die Presse gegangen, ich erinnere mich. In Irland hätte man es versucht tot zu schweigen. eine Weile denke und fürchte ich, sie wolle dieses Thema auch noch in unser projekt hinein bringen, aber sie erzählt davon weil es sie beschäftigt.

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Kauf eines Koffers bei TKMax, Cork. da ich einen Teil unserer Ausstellung wieder mit nach Berlin nehme. Die Größe der Bilder vorher im Büro des German-Departments der UCC ausgemessen. In Ermangelung eines Maßbandes mit “Hühnerdapperln”. ähnliche Prozedur bei TK-Max. Auch der Größte aller großen Koffer (viel größer als der, den ich in der Fundgrube erwarb) ist nicht so groß wie das größte der Bilder. Hoffen auf diagonales “Passt schon”. Passt beinahe. (Satz, der auch auf meine Schuhe zutrifft!) Cork sieht so niedlich aus, aber erstreckt sich doch über weite Strecken. Zurück zur Universität. Rachels Assistentin hilft, wir verstehen uns gut, haben viele Gemeinsamkeiten, darunter unter anderem: keinen Auto-Führerschein. Eilender Gang durch die Stadt, Lebensmitteilungen, Austausch über die anderen gemeinsamkeiten, Vorliebe für Tinte und Feder – ich Kalligraphie, sie Zeichnung; Poesie, Russische Literatur um 1800, das Rollen des leeren Koffers…guter Dinge…

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Zurück in der Universität, bin ich fix und alle. der Tag ist fast rum. die Füße schmerzen, fühle mich wie Aschenputtels Stifschwestern. sowohl wie die eine, der die Mutter die Ferse abgeschlagen hat, als auch die, deren Zehen dran glauben mussten. als ich mit dem überdimensionalen Koffer kurz doch nochmal schnell die zukünftigen (im Oktober) Ausstellungsräume fotografieren will, kome ich wieder mit dem polnischen Gott ins Gespräch. Er stellt mich seinem Kumpel vor als “Rachels friend, an artist” und dass ich im Oktober hier ausstellen will. der Kollege starrt auf den Koffer und will wissen, wie die Ausstellung hieße. “Bisher “Re-Animation”, hole ich aus und will erzäheln, aber er nickt, als wüßte er bereits Bescheid.  Immer läßt er den Koffer nicht aus dem Auge. Ob da die Ausstellungsstücke drin seien; ich sage ja . “That’s dark!”, sagt er. Nicht unfreundlich, in Anbetracht dessen dass er – wie sich aber erst späetr rausstellt,  dachte, ich sei die mit der Nonnenkloster-Kinderleichen-Ausstellung. Frage mich, was er dachte, was in dem Koffer sei.

Wenn man “Leichenfund, irisches Kloster” eingibt bei Google kommen fast gleich Artikel über das Massengrab in einem Kloster, das ledige Müttern “geholfen hat”. 800 Kinder wurden entsorgt und in einem Abwasserschacht gefunden. das erste Google-Ergebnis an erster Stelle ist jedoch eine Anzeige der  desinfect GmbH-Beratung bei Leichenfund

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Um 18 Uhr geht der Bus zurück nach Dublin. Warteschlangen vor dem Einsteigen. alter Mann mit gebrochenem Arm, der hinter mir wartet, entschuldigt sich, dass er mir nicht beim EInlade des Koffers helfen könne, wegen des Armes. Wahnsinn. in Berlin würde da keiner fragen. ich winke ab und sage kein Problem. er sagt, ich sei wohl nicht von hier. eine irische Frau würde nie davon ausgehen, dass sie einen Koffer alleine in den Bus hiefen müsse. Der Mann ist sehr freundlich. stammte aus Cork, aber wohne jetzt in Tipperary. Die ganze Fahr über geht mir der entsprechende Song nicht aus dem Kopf. in meinem Hirn spielt eine DIxieland-Kapelle “It’s a long way to…” Irgendwann schlafe ich ein.

Cashel-Cork.

Aufgewacht kurz vor einem Zwischenstop in der Stadt Cashel. Junger Mann im Bus hinter mir im Bus redet mmit Griechinnen, er kenne Griechenland, seine Mutter lebe dort seit kurzem (“Really?), er habe Crazy people getroffen dort. liked it there. Die Griechinnen steigen aus, wollen noch schnell wissen wo es zu dieser Burg ginge und werden beruhigt, der Bus hielte ganau dort. es sei nicht zu übersehen. es sei in Irland das was bei den Griechen die Akropolis sei. Lust auszusteigen. Am Ende haben sie dort Game of Thrones gedreht. The Rock of Cashel. Felsen in grünen Hügeln. Bus ist eigentlich falsche Reiseweise. mit dem Motorrad wäre es großartig. Dragonstone. Westeros. Gegoogelt und festgestellt: Nein, Game of Thrones liegt in Nordirland.

Mitchelstown. Bronzestatue eines Patrioten namens Mandevielle ragt über einen Parkplatz. Als hielte er ein Plädoyer, das Gesicht dem Reisebus zugewandt, den Arm nach hinten als verwiese er auf etwas wichtiges in seinem Rücken – etwas das aber nur der Fischimbiss-Stand sein kann, der sich zwischen ihn und die Häuser hinter dem ansonsten leeren Marktplatz gedrängelt hat. Sieht aus als mache er Werbung für den Imbiss. Hunger bekommen. Der Bus ist spät. Hoffnung, Rachel möge mich abholen vom Bus, aber ich weiß es nicht sicher, denn mein Handy-Akku ist leer. vergessen Adapterstecker mitzunehmen. In Cork war ich oft. Aber nie Zeit am Meer zu sein. Auf bessere Bedingungen warten. Bequemere Schuhe anziehen. nicht zu spät kommen. nicht den falschen Kanal entlang laufen. Die Stadt ist hinreißend. der HImmel ist blau bei der Ankunft. Aber Weg zum Universitäts-Campus zu Fuß ist weit. Nieselregen. stärkerer Regen. Cork ist eine Stadt, in der man bei Regen Regenbögen vermuten möchte. Auch ohne ist es eine schöne Stadt

 

Dublin 3

Sehr früher Morgen, weil ich den Bus nach Cork erreichen muss.  und weil ich das Schlafen irgendwann aufgegeben habe. So früh fährt noch keine Straßenbahn, aber der zentrale Busbahnhof ist nicht weit, drei oder vier Stationen. Es ist schön ohne Gepäck zu reisen. Dunkelheit, nur die Schienen blitzen manchmal auf. Noch kein Frühstück im Hostel. Am Laden einer Coffeeshop-Kette namens “Insomnia” vorbei, aber auch die war zu.  Industriecharme nimmt zu nach bereits einer Haltestelle. Markthallen bekommen Karton-Stapelweise Champignons geliefert. Der Fluss ist nahe und vielleicht ist auch der Hafen nicht weit. Seltsamer Ton liegt in der Luft, der zu schön klingt, um alarmierend zu sein. Nicht endend. lauter, etwas beängstigend, aber doch beruhigend da von der Lautstärke abgesehen immer gleichbleibend. erschrocken eher über den geisterhaften Bruchteilsekunden-Gleitflug eines Papierdrachens, der am Himmel aufblitzte und wieder verschwand. weitere Flugkörper,  ihre fahle Helligkeit reißt Lücke in den finsteren Morgenhimmel, eher noch Nacht. Keine Drachen, eher Gespenster, entpuppen sich dann doch einfach nur als Möwen, wirken  aber wie Vampire. Die Bewegungen der fast statischen Flugobjekte scheinen unberechenbar, obwohl die Nachtvögel so tun als segelten sie nur so dahon. Dazu der Ton – er wird jetzt leiser, denn ich lasse ihn hinter mir. Markthallen-Mann namens Paul grüßt freundlich. Erzählt einen Bruder in Berlin zu haben, er habe Berlin gesehen. mehrmals. damals, als die Mauer noch da war und später auch. Mit Mauer habe es ihm besser gefallen. Ich frag ihn, was für ein Ton das sei. Man hört ihn immer noch aus der Ferne. Er sagt, es sei irgendein Alarm. Fast schuldbewußt runzelt er die Stirn, schnalzt mit der Zunge und zieht Luft zwischen die Zähne, als täte es ihm leid, zuzugeben, dass in seiner Stadt, zuweilen Alarm geschlagen wird (ich denke ja immer noch, dass es mit den fahlen NAchtvögeln zu tun gehabt haben muss!); Welcome to Dublin. sagte er, als ich ihm sagte, es sei mein erster Morgen in Dublin. Fremde Städte in der ersten Zeit, namentlich in den frühen Morgenstunden, wirken so freundlich. Noch hat man nichts falsch gemacht…

Busstationsgebäude noch zu. Unterhaltung mit einem ebenfalls wartenden alten Chinesen; freundliche Unterhaltung – lange – kein Wort verstanden. Nur: dass es offensichtlich in Hongkong zu viele Menschen gibt. Das sagte er ausgesprochen deutlich, alles andere… keine Ahnung. Genickt. Eireann-Bus-Angestellter , der die Tür zur Halle schließlich aufsperrte, wußte (und sagte es “unter uns und ihm Vertrauen”, dass es billigere und schnellere Wege gäbe,  um nach Cork zu gelangen als mit der zentralen Bus-Company;   wies den Weg zu Konkurrenz-Bus, den ich dennoch nicht gfand. Dafür einen kleinen Hafen, in den der Kanal mündet. Die Nachtvögel haben sich inzwischen im Licht der Sonne zu echten Möwen materialisiert. jetzt sehen sie harmlos und langweilig aus. Stift gekauft, der nicht schreibt. Kaugummi, den ich nicht kenne. KAffee, blaue Bonbons, die aussehen wie Mottenkugeln. Capri-Sonne. dann doch zur Eireann-Bushalle zurück. in der Halle gewartet. An der Decke schwebt ein Heliumgefülltes Herz. In der Ecke hocken kichernde Iren. wem hat es sich entrissen, das Herz? Wird es irgendwann sachte nach unten sinken, oder holt es jemand von oben herab. Und vor allem wann?

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Ich finde es nett, dass sie unterhalb des Bordsteins “Look right” oder “Look left” auf die Straße schreiben in großen weißen Lettern. Die Iren selber werden ja wissen wohin die gucken müssen, wenn sie über die STraße wollen. so scheint es also für menschen von außerhalb geschrieben worden sein; für Außer-Irische. Und für insbesondere mich, die ich eh nicht weiß wo rechts ist und wo links,  haben sie noch einen Pfeil hinzugefügt.

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Sehnsucht wächst, in diesem Land länger zu bleiben als 38 Stunden. Bin zum vierten Mal hier und denke das jedesmal. Vielleicht sollte ich mir wenn ich das nächste Mal hier bin, das wird im Oktober sein, zur Ausstellungseröffnung, einfach ein Motorrad kaufen, und dann damit zurückfahren. Ich würde immer in der Mitte der Fahrbahn fahren, um nichts falsch zu machen. Das letzte Mal fuhr ich hier mit dem Ex-Freund. das heißt er fuhr. einmal hielten wir, weil eine Herde Schafe die Fahrbahn kreuzte – oder waren es Kühe? ich stieg aus, weil es so lange dauerte, immer kam noch eine. der Blick in der Richtung, aus der sie kamen zeigte dann einen nicht endenden Zug bis hin zum Horizont. es muss die Gesamtheit aller KÜhe derühe Irlands gewesne sien – möglicherweise inclusive Nordirland. Time-Out. schöne Reise damals. Schöne Ausstellung damals. Die Dinge von damals hole ich jetzt also persönlich ab, weil, wenns DHL macht, es teurer ist.  Der Bus wiegt mich in den Schlaff und ich verpasse  die Landschaft […]

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Aufgewacht kurz vor  Zwischenstopp in einer Stadt namens Cashel…

 

Dublin 2

Natürlich bringt die versehentliche Buchung eines Bettes in einem gemischten Schlafsaal für acht Personen schlaflose Nächte. Obwohl das Hostel so hipp und weitläufig cool ist, scheint schon alles zu schlafen, als ich gegen 23:30 ins Zimmer tappte. Die schlafen schon alle? Es ist echt noch nicht spät. ich war, weil ich völlig ohne Gepäck reise, vor dem einchecken noch spazieren gegangen [feiner Niesel-Regen und Wind; Rotlichterne aber anständige) Sackgasse endete in wunderschöner Kneipe. Nicht Totlicht-Millieu, sondern einfach eine Gasse voll rotem Licht, das sich in den Pfützen spiegelt und an den Backsteinwänden bricht. Frank Ryan’s Bar – sah aus wie solides Dubliner Pub. Eichenfässer, Darts, unverputzte Wände, leider roch es nach Räucherstäbchen. Wieder gegangen. Champios League geguckt in techechischem (!) Grillrestaurant, das Erdinger Weisse  (!) ausschenkte. Rippchen.]

Dann wirklich müde. Betrete Schlafsaal um 23:31. Und das Licht ist schon aus, nur der Türspalt erleuchtet Betten rechts und links in denen verschlafene Männer sich zur Wand wälzen und knurren. Tür vorichtig zu. dann leider stockdunkel. Hätte doch gerne gewußt, wer da noch so ist in “meinem” Schlafsaal – oder wo überhaupt mein Bett steht. Handylicht führt zu Hochbett in hinterem Bereich. Angezogen geblieben, nur den Bauchgurt mit den Wertsachen, weil er drückt, im Liegen abgenommen… immerhin ist alles ruhig. nicht alle Betten sind belegt. keiner schnarcht… –  23:59 jetzt macht einer Licht. eine Tür habe ich nicht gehen hören… jemand kramt in einem Schrank und packt. ewig. falle wieder in Schlaf, bis dann doch die Tür ins Schloß fällt. der Lichtmacher ist gegangen, leider hat er das Licht nicht aus gemacht. Aber es wird leerer. 0:30 geht noch einer. offensichtlich schlafen die Leute hier nicht schon, sondern noch. die gehen jetzt erst aus! Und seltsamerweise im Halb-Stunden-Takt! 1:05; 1:35… nein, das war nun wieder ein Neuzugang. Manche tappen dezent durch den Raum, wie ich im Geister-Blaulicht ihrer Handies, was aber (wie ich jetzt feststelle) nicht weniger nervend ist; bemühte Behutsamkeit zieht alles in die Länge. Andere poltern drauf los, einer hat Husten. Ich meinerseits schrecke jedesmal hoch, taste nach meinem Bauchgurt und jedesmal kanllt die Metallschnalle an das Gestänge des Hochbettes mit einem markerschütterndem “Pling”. Hat fast was rituelles. Gegen 2:40 ist der Schlafsaal wieder weitgehend voll, Tiefschlaf-Phase. 2:41 – Gesicht mit wildem roten Bart schnellt an der Kante meiner Matratze empor. “I guess this is my bed!” – “Was?” “You are in my bed! room 525, 7 b.” Schneewittchen-Situation. Sieben Kerle, eine Frau, und die hat im falschen Bettchen geschlafen. immerhin nur in einem! “Who cares, go away!”  soll er halt in meinem Bett schlafen! “Which one is your bed…?” Wenn ich das wüßte, läg ich doch nicht in seinem. Mist. in einer romantishen Komödie wäre so eine Verwechslung der Plotpoint zu hinreißender Liebesgeschichte. Ein Ire mit rotem Bart! ich aber bin nur müde. Ruhe kehrt ein. Jetzt schnarcht doch einer. lauthals. Wahrscheinlich der Bärtige. Er hört erst auf  kurz nach drei, als er seinerseits aus dem Schlaf gerissen wird von einem anderen Typen, der behauptet, der Ire wiederum läge in seinem Bett. Seltsam. ich dachte wir wären endlich komplett. Ich ahne logistische Komplikationen. Immerhin ist der Ire jetzt wach. So tun als schliefe man, damit die Männer nicht doch noch auf ihren eigenen Betten bestehen.  So tun als ob man schläft ist das was dem Schlaf am nächsten kommt. Es ist ruhig, ich kann aber nicht schlafen, weil ich weiß, dass ich nur ein kurzes Zeitfenster habe, das sich geschlossen haben wird, wenn der Bärtige  früher einpennt als ich… offensichtlich liegen wir aber beide wach. ich beginne mich zu schämen. hätte ich doch nur Licht gemacht. immer wenn man besonders behutsam sein will, nervt man am Ende doppelt. dann überlegt, wei es in der romantsichen Komödie weitergehen würde… – Zeitfenster verpasst. Er schnarcht. Keine romantische Kömödie. Farce. Immerhin schnarcht er regelmäßig, keine SchlafApnoe, wo man plötzlich selbst unter Adrenalin steht, weil man denkt neben einem stirbt gerade einer an Sauerstoffmangel. Und das in eigentlich meinem Bett! 7d.

Die seltsamste Begegnung der Nacht war aber die gegen vier, die mit einem leisen Klopfen begann. Ich hatte es erst im Traum verbucht als das Picken eines Grünspechtes, der in einem Pinienwald (Karbonzeitalter, eine fahle Sonne schien), nach winzigen Schildkröten suchte, die unter der Rinde der STämme (die Bäume waren eigentlich keine Pinien und sahen aus wie die in dem Kinderbuch Wo die wilden Kerle wohnen) um die Wette liefe und … – egal. dann erwies es sich als beharrlich-dezentes Kopfen an die Schlafsaal-Tür. SPringe nun doch auf. “Pling”. die Gürtelschnalle läutet. Als ich die Tür öffne, steht ein verzweifelter dünner Mann vor mir,  total “sorry”, aber… – und es war ihm ersichtlich selber peinlich – er hätte seine Schuhe vergessen.

Der 7. Zwerg. Im Disney-Film der ohne Bart. Allen setzt dieses zu volle HAus, die NÄhe zu so viel fremder Existent zu. Dennoch Rätselhaft.

Berlin-Schönefeld – Dublin 1

Den Mittelpunkt des Ryanair-Triebwerks ziert ein Kringel, eine schnörkelige “6” oder “9” oder ein “G”. Ohne die kleine Verzierung sähe man kaum, dass die MAchine auf Hochtouren läuft, so schnell routiert ihr Inneres. Das Auge des Sturms. Der krakelige Kringel dagegen macht es irgendwie zum Kinderspielzeug. oder zu den hypnotisierenden Augen der Schlange Kaa. Windig soll es in Dublin sein, stürmen. Ich habe mir einen späten Flug rausgesucht, das ist entspannender als früh um halbfünf Angst zu haben, dass Pendelverkehr ist oder man in der S-Bahn zum Flughafen einpennt oder man statt vor dem altbewährten Schönefeld auf dem noch nicht gebauten Berliner Flughafen in spe steht, weil die Ausschlilderung irreführend ist (alles schon passiert!). Heute ist alles entspannt. allerdings stelle ich fest, dass die dreiteitägige Geschäftsreise in der Praxis nur aus einem Tag bestehen wird. der Rückflug wird wieder früh sein. Die Reisen werden generell hektischer. Aufenthalte oder Kämpfe um Aufenthalte.

[…]

Die Frau im pinken kurzen Kleid, die die Arme kreuzt und sich an ihren eigenen Oberschenkeln festhält, während sie aus dem Flugzeug rutscht – auf der Emergency-Instruktions-Tafel. Bilderbogen-Helden sind gemalt in seltsamer Ruhe. Offensichtlich befinden sich die Personen in Hektik-Situationen, krümmen sich mit über dem Kopf geschlagenen Händen in ihren Sitz, stülpen Kindern Rettungswesten über oder gehen gar aus der Notausgangtür des Flugzeuges hinaus an die Luft. Gezeichnet sind sie aber in statischer Ruhe mit ausdruckslosem Zombie-Blick. Unheimlich. –

Der reale Start zieht sich hin.. Immer werde ich müde in Flugzeugen, es überfällt mich eine Ruhe, vielleicht ebenso wie die Emergency-Comic-Figuren. Ich fliege gerne, ich liebe die Luft. aber möglicherweise schüttet mein Körper prophylaktisch irgendwelche Valiumartigen Substanzen aus, die mich einlullen. Der Rest ist Nebel. Auch Berlin-Schönefeld liegt in einem dämmrigen nasskalten Blau. Waschküche mit schlierigen Hoffnungsschimmern. Über den Wolken. grenzenlose Freiheit. Ausnahmsweise. Das alles hier ist aber NICHT Freiheit. es ist Arbeit. Dem Nachjagen der Freiheit, seine Arbeit zu tun. Fliege  nach Irland, drei Tage mit dem Bus, Ausstellungsobjekte einsammeln und sie an einen neuen Ausstellungsort bringen. Fliegen wir überhaupt noch? DIe Maschine rollt immer noch (rückwärts!) auf dem Rollfeld herum. vielleicht befinde ich mich in einem neuen Modell von Flix-Bus. Enger. gigantischer. Starre immernoch auf die Peronen auf dem laminierten Instruktionsblatt. ein Mann kriecht am Boden herum und über ihm sind Rauchschwaden. Who cares. erst als wir abheben schaue uch aus dem Fenster.

Die Fußballfelder von oben, wie futuristische Tasten auf einer komplizierten KOnsole. oder einem Motherboard. Schwimmbecken wie schimmernde Aulen,  die Gegend gespuckt. Schon weichzeichnen sich Wolkenfetzen in die blaue Stunde. Schwellengefühl. Zwischen den Welten. Weder-Noch-Gefühle. Gedanke an Kindheitsverstecke im Inneren der Federbetten. Die himmelblauen Bettüberzeuge der Eltern, die tiefer blauen Federbetten. Mich hineingeknüpft und abgetaucht. Kleine Meerjungfrau gespielt. Schaum auf dem Meer? Seelen-Emanationen über dem Wasser? “Wie-Neu-Gefühl.” Auch fürs Fliegen in einem Zeppelin eignete sich das Zwischenreich des Federbettes.

Letzte Lichter der Spielzeughäuser. Püntchen-Ereignisse. jetzt Nebel oder WOlkenberge. Als wir aufbrachen war es ein restlos Blaue-STunde-Himmel. Jetzt aber bahnt sich sowas wie ein lichtstreif an. Das Flugzeug hechtet dem Sonnenuntergang hinterher. Gen Westen, eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit, erheischt es einen zarten Orangeschimmer und etwas hellblau. Hinter uns herrscht tiefe Nacht.

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Dublin, Flughafen-Bus. hinein in die schöne Stadt. sitze vorne im Doppeldecker-Bus, oben. “No standing in the upper Saloon”, sagt ein Schild. Gedanke an Hinterzimmer in Wild-West-Szenerie. Leute beim verbotenen Pokerspiel. man darf sitzen, nicht stehen und den anderen in die Karten gucken. Draußen stürmt es. kam kaum rein in den Bus. fühle mich leicht, ich habe kein Gepäck, falle nicht ins Gewicht. oben linsk im Bus heutl der WInd durch die Lautsprecher. Endloser Tunnel hinter dem Flughafen. wenn man rauskommt, liegt die Stadt bereits vor einem. war das so als ich mit G hier fuhr vor zwei JAhren?  Die Lichter aber sind immer noch so wie damals. Die Iren haben grünere Ampeln, und die wegweisenden Lichtköpfe, in den Boden eingelassen (der daraus emporwachsend?) auf dem Rollfeld leuchteten wie… keine Ahnung… Elfenstaub-Klumpen? So ein helles Grün habe ich noch nie gesehen.  jenseits der Leuchtdiode. Die STadt ist fast überall schön. kaum ein häßliches Haus. Selbst der Drahtverhau über den Backsteinmauern eines… Gefägnisses??? Nein: “Foofball-Academy for Children”, der sich in Spiralen dahinwindet und ein  schmales grünes Feld haushoch umgibt… – selbst das. schön. Die gebogenen Stahlträger-Konstukte am North Quai. das breite Wasser, randvoller Fluss. dann Fahrt durch Bilderbuchgegenden. schwarzlackierte BAcksteinhäuser mit gelben Narzissen in Reih und Glied an der Brüstung entlang; grüne, orange. Pubs, Kneipen Hostels, Fähnchengeschmückte Häuser, olle kleine Lädchen, Waschsalons, klein und schmal und so erleuchtet, dass man die Maschinen sich drehen sieht.  Licht haben sie drauf, die Iren. den Namen eines Hostels erkannt, das ich beinahe gebucht hätte. wieso habe ich nicht dieses genommen, in dieser herrlichen Gegend, seltsame Mischung aus altmodisch und modern, WInkelgassenartig. Zauberhaft. leider verschlägt es mich in totere Gegend. Industriecharme, aber fast etwas steril. Smithfield Square. Mein direkter Nachbar ist Jamerson Whisky. passt ja nun wieder. eigentlich wirkt das HOstel eher so, als befände es sich selbst in einer Destille, irgendeinem alten BAckstein-Trakt der Brennerei. Sehr cool. sehr Dynamisch. zu laute Musik. ich bin alle. Und hatte ich tatsächlich ein Bett in einem gemischten Schlafsaal gebucht? der Geiz wird mich vermutlich um den Schlaf bringen.

[…]

 

Berlin, 11.  März

Heute Sozialkundetest meines Kumpels T., der damals geholfen hat bei den “Bilderstürmen-Aufführungen” in W. Im letzten September. Er lernt so viel er kann, dabei ist grad viel los in seinem Leben. Zog gestern vom Flüchtlingswohnheim in der Windsbacher Hauptstraße nach Ansbach. Er teilte es mir per SMS auf Englisch mit. Today morning Kuller-Man of So. ajust everything. Ich verstand erst nicht, aber dann doch: Kuller ist der Mann von der So. genannt Guller, was verwirrend ist, weil es auch der selbstgewählte Rufname seines Bruders ist, wodurch ich nie weiß, wie ich wen nennen soll. Vielleicht dachte der T., dass das “G” die weiche, einheimische Aussprache für das eigentlich harte “K” sei.

Die So und Kuller-Man also, die sich viel um den T. kümmern haben ihm eine neue Unterkunft besorgt, denn die  in der Hauptstraße wird aufgelöst. ich war nur einmal dort, um mit dem T. für seinen Sozialkunde-Test am Montag zu lernen. Fragen  die ich erstmal vom Bürokraten-Deutsch in verständliches Deutsch und dann ins Englische übersetzte. – Obwohl der T. immer sagt “Auf Deutsch, please!” er ist so wissbegierig – aber diese Sozialkundeblätter… Das Wissen hat er, aber  wie kann er (oder irgendwer anderes) diese Fragen entziffern! Eine neue Seite der Stadt W. gesehen. Die dunkle Eingangshalle. Der etwas schief hängende DInA4-Ausdruck “herzlich willkommen”. Vielleicht sieht es nur so trist aus, weil es in Begriff ist sich aufzulösen? Schade. ich hätte gerne sein Zimmerchen, das doch jetzt sicher noch ein bißchen leer stehen wird. Das wäre ein Stadtschreiberzimmerchen!

 

Berlin, 7./8. März

Frauentag,

In Berlin erstmals ein Feiertag. eigentlich toll, aber jetzt kann ich nicht einkaufen. Und sonst bekam man immer Blumen geschenkt in den Kaufhallen. jetzt sind sie zu. und weil das allen anderen auch nicht geschnellt haben, gehen alle zum Edeka am Bahnhof Lichtenberg. Warteschlangen bis über Rossmann zur Rolltreppe.direkt am EIngang steht ein Türsteher (ohne Blumen) und läßt die Leute nur einzeln rein, je nach dem wie viele grad rausgehen. Und die Frauen, die ich heute gerne getroffen hätte, sind alle verreist, weil der zusätzliche Freie Tag das Wochenende verlängert. Frauentag. Wer geht jetzt demonstrieren, wer macht sich gemeinsam stark? der einzige Menschenauflauf ist vor EDEKA. BIn dennoch glücklich. Gestern nun endlich die Verleihung des Frauenpreises, für den ich die Skulptur gemacht habe.  Acrylglasfigur aus mehreren Schichten in den Umrissen des Bezirkes Lichtenberg, gleichzeitig den Umrissen einer Frau, die die So. nun auf den Namen “Lichtenberger Lilli” getauft hat. Sie steht auf einem Beliner Kopfsteinpflasterstein (die Figur, nicht die So.), den ich von Berlin nach München nach Windsbach und nun wieder zurück nach Berlin geschafft habe. im Gepäck hatte ich mehrere Varianten, die Us waren der Meinung, WIndsbacher Steine taugten besser, was natürlich stimmen mag, auch viel sauberer sind die WIndsbacher Steine. ich erwähne es wahrscheinlich zu oft, dass schon Goethe sagte, die Stadt W. sei “Leidlich gepflastert”. aber Goethe hin und So.u.G.U. her, Berlin-Lichtenberger Pflaster ist ein heißes. ein wenig schmutzig, etwas geschichtsträchtig. zuweilen wurde in Berlin mit solchen Steinen auch geworfen. jetzt schlägt man sie seit 4 Jahren regelmäßig vor meiner Tür aus der Erde, gräbt die Straße aus, macht die Straße wieder zu, reißt sie wieder auf, türmt die Summe ihrer Teile auf zu HÜgeln aus kleinen und großen Blöcken, als lägen sie zur Auswahl bereit.

Ich nahm drei aus Granit und einen Basalt, das ist das Material, auf dem man bei Regen so leicht ausrutscht mit dem Moped, wenn man eins hat. – Schon ne Bürde! Rucksack ist schwerer denn je. Die zwei Steine, die der Mann von der S. aufgebohrt hat, um den Fuß der Lilli darin zu versenken, sie festzunageln (ihren durchsichtigen Leib etwas nachhinten gebogen (“Buck di!”) sind nun also wieder in Berlin gelandet. der Bürgermeister fand sie “Hammer!” und sie gehören jetzt zwei tollen Frauen, einer 80 Jährigen Ärztin, die in ihre Praxis auch kostenlose Sozialberatung eingeführt hat und damit Unglaubliches bewirkt, die andere ging an eine Frau, die die WÜste der Stadt grün machte, sich für soziale Stadtplanung eingesetzt hat, für Naturschutz, für Flüchtlinge, für Integration, und nebenbei wurde noch (und ich fands super, dass es fast nebenbei gesagt wurde) erwähnt, dass sie ehemals ein Mann gewesen ist. FInd ich super. – – – Die anderen Steine aber hab ich in W. gelassen, an der Rezat unter einem Baum. Basst scho.

und Berlin? der blaue Himmel, der Regen, die bauschigen WOlken. die verstreuten Blätter des letzten Herbstes in den Korridoren des U Bhf. Tierparks. die lätscherten roten Rosen des Frauentags am U Bhf Lichtenberg. die älteren Männer mit Blumensträussen und dem Anflug von Stolz im Gesicht, es richtig zu machen. Das sind die EInheimischen, die den Frauentag früh genug auf dem Schirm zu haben gelernt.

Berlin, 6. März

Als ich am S Bahnhof Nöldner Platz spät in der Nacht ankam (freilich mit dem Motorrad wäre es später geworden), erstmal auf der Bank auf dem Bahnsteig sitzen geblieben. Umschalten. wieder zuhause.  noch nicht bereit für die Treppe und den Weg. weitere Bahnen kommen an, fahren weiter. Ein ausgestiegener Typ kommt und sagt: “schöne Hose”

Er meint meine nun gänzlich überflüssige Motorradhose. Ich sage, Danke.

Er sagt, er hätte genau so eine zuhause.

“Aha.”

Ob ich die kaufen will.

Muss nun doch lachen. Ich bin zurück in Berlin, ohne Frage. Fremde Leute wollen einem ihre Hosen verkaufen.

Ob er ein Motorrad dazu habe, frag ich. Weil Motorradhosen sind so ziemlich das einzige, was ich jetzt im Überfluss habe.

“Ach echt?” und wieso und bla….”  – dachte jetzt werde ich beschwallt von irgendeinem Freak… oder umgekehrt. kann auch passieren.  – Aber dann war das irgendwie der erste Mensch, der echt kapiert hat, wie schlimm das ist, wenn dein Motorrad kaputt und unreparierbar ist. Und mag ja sein, dass ich es nicht “richtig” zu fahren weiß, es kaum auf den Hauptständer kriege, aber es ist doch mein erstes Motorrad gewesen. so was wie obdachlose Heimat. Erste Freiheit. Das sag ich nicht zu dem Typen, aber er – selber kein Fahrer, nichtmal in Autos setzt er sich ohne weiteres, weil als Kind einen sehr schlimmern Unfall gehabt) – scheint es zu versetehen. Schlicht und ehrlich und ohne jede weitere Absicht sagt er:

“Det is ja echt schlimm für dich”

Tat gut. Wir redeten noch ein zwei Sätze, wünschten einnander alles Gute und gingen dann unserer Wege.  Heimat braucht Gemeinschaft.

oder um es einem Dialog in der Science-Fiction-Serie “The Orville” zu  entnehmen: Patriotism is only for people with large families.

 

Windsbach, 2. März – 6. März

[…aus persönlichen Gründen gelöscht. – Leute, sagt mir ruhig, wenn ich mal was schreibe, was jemanden – aus welchen Gründen auch immer verletzt – mein Schreiben will niemand schaden, ich schreibe eigentlich eher, weil ich staune, weil ich bewegt bin, meistens weil ich Menschen großartig finde. Diesmal ist das, was ich von ganzem Herzen als “Hommage” empfinde, für die Betroffenen etwas ganz anderes. Momente festhalten, Begegnungen vor dem Vergessen bewahren, ist immer eine Sache der Wahrnehmung. Man nimmt Wahrheit. So gut es geht. Aber schon in dem Moment wo man sie zu Papier bringt, ist es eben doch nur etwas, was hängen geblieben ist. es kann nie so wahr sein wie die Wahrheit des anderen. Ich lösche hiermit eine Begegnung, die mir eigentlich die liebste war in der letzten Zeit. ich bedauere das sehr, Entschuldige mich und hoffe nur, dass die Beweggründe die richtigen waren und nicht weil irgendwer einfach nur ne blöde Bemerkung gemacht hat über eine kleine Geschichte, die voller Hochachtung  geschrieben worden ist. ]

***

Sitze vor der Sparkasse und surfe im Internet. sachte und leise wird aus dem Nieseln ein Regen. Wann wäre der Punkt wo der Rechner wieder einen Wasserschaden bekäme?  EInladung einer freundlicher Frau. In die Fremde gegangen. Das leere Eck-Aquarium, ehemals weite Unterwasser Welt, jetzt ausgelassen und auf dem Trockenen. das Raucherzimmer mit dem offenen Fenster, für das sie sich entschuldigt. Überraschende EInladungens, einfach so. wegen des Regens und überhaupt. Eine Tüte unraffinierten Kokosblüten-Zucker und ich bin schon allein von dem neuen Wort überwältigt.

 

***

Stadtcafe. Älteres Ehepaar will zahlen.

SIE (zu ihm): „Ach jetzt hab ich mein Geld vergessen. Zahl du!“

Stille

ER (guckt sie an.): „Du hast doch noch nie a Geld gehabt.“

 

***

Am Rezatufer. Die große Brücke links, kleines Brückla rechts. Zwölfe-Läuten. Endlich wieder schöner Vor-Frühlingstag. Vögel zwitschern, kreiselndes Wasser, Geplätscher – träumte heute, ich hätte eine durchsichtige Plastiktasche im Regen stehen lassen und über Nacht hatte sie sich verwandelt in ein wunderschönes Aquarium, ein Biotop, klares Wasser, große und kleine Fische darin. Mein Herz schlug heftig. Und weil ich nah an der dünnen Membran stand und weil es nicht aus Glas war, übertrug sich der Herzschlag auf den Fisch, der auf der anderen Seite sich an der weichen „Scheibe“ entlang drückte. Vielleicht rief auch der Herzschlag den Fisch erst ins Leben. Andererseits starben auch Fische im Laufe des Traums, weil ich sie mit Rindfleisch gefüttert hatte. („Mit Rindfleisch!“ lästerte eine Art Feuerwehrmann oder Naturschutzbeauftragter, der der Sache nachging. Es hatte keine Folgen, aber wie abwertend er es sagte zu seinem Kollegen, beschämte mich tief. Ich war erstaunt, aber auch erleichtert, weil ich gedacht hatte, das Plastik sei schuld – das mit dem Rindfleisch dagegen, das kann schon mal passieren, dass man es für Fischfutter hält, obwhl die Fische Vergetariert sind..)

Schau gerne in Wasser. Dieses ist hell. Komisch, dass es hier keine Bank hat. Der Boden ist doch noch sehr kalt.

[bedauerlicherweise gestrichen]

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Die traurigen Fensterrahmen im Bahnhofsgebäude in Heilsbronn.

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Schlüssel Gottesruh. Sachen holen, Sachen dalassen. Logistisches. hier und da. hin und zurück. Aufab. Wohin-Woher. Die J. ist so fit, selbst ihr HUnd hinkt hinterher. Gespräche im Laufen. schwer. Dabei Müll eingesammelt.  Am Ende hatten wir einen ganzen gelben Sack! Sonst… – wenn sie nicht abgelenkt ist durch mein Reden über die Bauchschmerzen vom Gerede schafft sie alleine sogar täglich zwei! Sehr krass. Und von weit in der Ferne, aber dennoch sehr präsent hört man den FAschingsumzug aus Mitteleschenbach herüberwehen. Schön. in der Theorie wären wir beide gerne dort. in der Praxis sind wir zu erschöpft. 

***

Rosenmontag.  dass hier Fasching so wichtig ist?! In Berlin feiert das keiner. hier sind selbst die Leute in den Geschäften ob gewzwungenermaßen oder freiwillig sei dahingestellt, verkleidet oder haben eine Luftschlange um den Hals. Hammons in Neuendettelsau: Kuchenthekenfrau mit rosaroter Brille und Hippikleid, eine hat ein Stofftörtchen im Haar und eine ist Tabaluga. Kellner, der mir Tee bringt scheint verkleidet als Selbstmodattentäter. vieleicht ein Faschingsmuffel, der protestiert? als er wieder ging, von hinten gesehen, dass er kein Selbstmordattentäter war, sondern FBI.  Erwies sich aber als nicht gut informiert, als ich ihn nach dem Weg zum Besenbeck (nicht dem großen Besenbeck, sondern dem kleinen HAndwerkslädchen) fragte.Nannte mir aber einen anderen EIsenwarenladen ind er NÄhe des Rathauses in N.

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Faschings-Dienstag. Sogar die Frau Helmreich!

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Schrauben gekauft. Fries besser ausgestattet als Bauhaus Stein – und super Beratung. Obi Berlin-Lichtenberg ebenfalls besser als Stein, aber nicht besser als Lädchen in Dettelsau in der Nähe des Rathauses, wo der HAmmons-FBI-Attentäter  mich am Ende hingeschickt hatte. Und natürlich stand gut leserlich “Besenbeck” darüber. Sehr coole Handwerkerladenfrau  verwundert es nur ein bißchen, dass die So. die mit ist, mich vorstellte als eine die aus Berlin ist und Gewinde-Schrauben braucht, die kleiner als M3 sind. Es klang als wäre ich extra deshalb angereist. – und Hutmuttern dazu! und zwar für einen Berliner Frauenpreis; es wundert sie nur ein bißchen, weil neulich auch jemand aus Berlin per Internet extra in Dettelsau eine Stockspitze bestellt habe, die es sonst nirgends gäbe (laut Internet!) – und das obwohl der Besenbeck-Laden nicht einmal im Internet wirbt mit den STock-Spitzen.  Es wird immer besser. immer mehr Frauen-Hände wirken mit. Immer mehr gewinne ich Spaß an dem Projekt und an der Welt der Schrauben. an dem Projekt, eine scheibchenweise Acrylglas-Frau aus Berlin-Lichtenberg ausgerechnet in WIndsbach  Dingfest zu machen.

Auch den Großen Besenbeck weiß ich zu schätzen. besonders den Hinweis, dass in den Mülleimer rechts neben der Tür kein Müll einzuwerfen ist.

***

NIcht nur bei der Frau B im Gestell, sondern auch bei mir zwickts auch. Nicht im Gestell, sondern im Gefährt. Grad saison-überholt, jetzt wieder in der Werkstatt. Die Signale meiner Honda sind klar. Sie scheint zu wissen wo sie hingehört. wie die Mutter des B. – Aber Blöd is schon. Hätte mein Motorrad, das offensichtlich seinen Hauptwohnsitz in W. zu haben glaubt, nicht auch einen Urlaub in Berlin in Erwägung ziehen können? Wo doch alle wegfahren, kaum sind Ferien. habe es diesmal geschoben. gleich hielt ein Mädchen mit dem Auto an, Tochter des Werkstattmannes aus Mitteleschenbach (der hatte mich auch mal abgeschleppt) und bot HIlfe aus Mitteleschenbach an, wo ihr Vater zufällig eine Werkstatt hat (und zufällig kenne ich den sogar, der hat meine HOnda letztes Jahr für den ADAC abgeschleppt über die andere Brücke zum Baumeister. seltsamer Zufall. hab aber tapfer weitergeschoben, nochjemand kam helfen. die Leute sind echt freundlich hier. die letzten Meter aber dann doch alleine. nun steht sie wieder auf dem Hof. des B.

***

Doch noch den ADAC holen? Manchmal geht man besser zu Fuß. Oder löst sich in Luft auf.  oder fährt Bahn. Die Maschine kaum noch zu retten. Wohin dann damit. Und wie überhaupt jetzt wohin und warum. Nicht mal der Baumeister, sagt der Baumeister könne da etwas tun. Und auf seinem Gelände will er sie nicht. ADAC, der sie nach Berlin schafft? Leider Führerschein im “grünen Baum” liegen gelassen.  

Bei mir im Viertel, in Berlin-Rummelsburg gibt’s gar keinen Fleischer. Nur vegane Franken. Von denen bin ich weg. Dafür gibts im ehemaligen Fleischer  eine Galerie, die heißt after the Butcher.

 

Aus. hätte sie doch vom Pfarrer Peters segnen lassen sollen.

***

Windsbach, 1. März

Ab heute darf ich Motorradfahren und ab heute ist das Wetter schlecht. wenn es anspringt, gleich früh es zum Baumeister fahren – oder doch schieben. je nach dem. dann ab morgen möglicherweise wieder Freiheit. Mal sehen.

28.2.

In Wicklesgreuth laufen rätselhafte Banderolen über die Infoleiste. Ein Mädchen in buntem Faschingsrock aus Tüll und tiefrollendem RRR aber spanisch, nicht fränkisch, sagt es sei kein Zug mehr, der nach Windsbach führe. Auf eine Party nach Spalt geht sie. Und Leute aus Windsbach fahren sie hin und die müssten theoretisch dann auch wieder nach W. zurück, aber ob ich mitfahren dürfte… das wüsste sie nicht genau, aber vielleicht ja. Es klingt zu spannend, als dass ich es nicht riskieren wollte. Und am Ende landet man vielleicht in Spalt, im Fasching! Ob es in Spalt ein Wasser gäbe, fragt sie rätselhafterweise. Ich weiß es nicht. Doch… ! ich ging mal über eine Brücke in Spalt. Aber wieso will sie das wissen? – Nur so, sagt sie. Sie fährt jetzt doch nach Heilsbronn zurück. Von da könnte sie eher abgeholt werden von den Windsbachern. Ich habe inzwischen den Taxiruf zu googeln versucht, aber habe kein Netz. Nun ist sie sich plötzlich doch fast sicher, dass ich mitkönnte im Auto. Trepp auf Trepp ab. Fahrkarte zurück oder schwarz?  Aufzug oder Rampe. Hin oder her. Sie raucht. Macht die Zigarette wieder aus. Der Zug kommt. Sie sieht hinreißend aus. Merke erst jetzt wie lange ich nicht Fasching hatte. In Berlin kräht kein Hahn nach Fasching. In Berlin krähen eh keine Hähne. „Waaaas kein Fasching in Berlin?!“ Sie sagt es total überrascht und meine Stadt kommt mir vor als sei es ein hinterwäldlerisches Kaff. Sie ist aus Valencia. Jetzt Sachsen bei Ansbach. Ihr Kostüm ist sehr bunt, aber sie trägt schwarz dazu, es hat Stil. Ihr Haar ist lang. Der Zug kommt. Also zurück nach Heilsbronn? Ein älterer Mann am Fahrkartenautomat Wicklesgreuth ist im Gegensatz zu ihr sicher, es führe doch noch was nach Windsbach. Sie aber sagt nein. Und die Banderole…. nachwievor rätselhaft. Und wer weiß, vielleicht ist mein von neulich Traum ja wahrgeworden und der Schw.  hat die Bahnlinie lahm gelegt durch einen gezielten Tritt in den Automaten… der aber wie gesagt doch heil ist (der ältere  Herr erwirbt gerade eine Karte) – – –

egal… natürlich glaube ich der Faschingsfrau. Sie mag irren, aber Irrwege sind immer die verlässlicheren. So lande ich in einem Auto nach Spalt mit ihr, mit C. aus Argentinien, die im September ihren Zeigefinger berloren hat, aber man konnte ihn annähen, und sie ist freundlich und hat auch dieses rollende R – klasse und ihr Mann ist auzsgerechnet Vegetarier, obwohl doch als vegetarischen Franken bei mir in berlin in meinem Viertel wohnen… – “Nein, nein…” ihr Mann sei ebenfalls Argentinier. Sie denkt nach, dann sagt sie, dass das aber auch ungewöhnlich sei.  Argentinier essen sonst ALLE Fleisch.  Sie tut mir leid, weil sie doppelt kochen muss, und vielleicht auch wegen des Fingers, der immer noch schmerzt, aber ansonsten… ich beneide sie. Sie hat es geschafft, hier Fuß zu fassen und obwohl sie selber lacht über alle Fehler die ihr passieren (weil die Logik dieser Sprache echt schwer ist!), glaube ich , dass sie es gut macht. Neben ihr sitzt ihrer Tocher die wunderschön maskiert ist als Indianerin (aber wirklich schön! Nicht Billig-Kostüm-mäßig) Ich beneide die beiden Mädchen. Ich werde abgesetzt in Windsbach vor dem Il Corso . Die Ankuft ist irgendwie wie das Intro eines Films. Eine kommt an, der Rollkoffer blitzt auf in der DUnkelheit und die Kamera fährt über die kleine Welt.  Diese Welt ist ganz bei sich. Uneinnehmbar, sehr präsent. Bei der Blumenhexe brennt noch Licht, obwohl es nach neun ist … sie geht in ihren lichtdurchfluteten Räumlichkeiten einher mit einem Strauss Frühlingsblumen im Arm. Nur so. Ist schon Frühling? Eine Frau mit weißem Wischmob-Hund überquert die Straße vor einem anfahrenden Auto, – der Dekan Schlicker, ich seh ihn, aber er mich nicht. Er steigt aus seinem Bus. Beim Il Corso herrscht ungutes Neon-Licht, ich sollte hier einkehren, abe im Ilios habe ich noch Schulden. Ich rolle weiter, durchs Stadttor. der Koffer hüpft über die Stiegen. Der Ilios-Besitzer  an einem Tisch mir einer blonden Frau um die über 50, die mit stoischem Blick und rotsamtenen Teufelshörnchen neben ihm sitzt. Sie meint, die Teufel seien die wahren Wegbegleiter. Diese Teufelshörner… Ich bin echt müde und so sehr ich mich benüht habe, ich bin wirder zu spät hier, oder zu früh…. Ilios. – “He Miriam hast Du Farbe von Sonne an Arm”

 

27. Februar.

war natürlich nicht die erste Biene. ich sah schon welche auf dem Windsbacher Friedhof um den schwarzen Jesus herumschwirren, wo sie bekanntlich im Frühling wohl wieder herumhängen und schwirren werden – in der rechten Achselhöhle des Herrn Jesus. – Und Volksbegehren hin oder her, so schwer es die Bienenvölker haben – die von unter dem Jesusarm, die sind gesund und leiden weder unter Milben noch Pestiziden.

Die Götter auf  deine Seite bringen.

Heute war ein wolkenloser Tag. in der Sonne mit dem Blick auf die Berge, aber Augen zu, glücklich. in zwei Tagen darf ich wieder Motorradfahren. Frühlingsgefühle.

München, 25. Februar

erste Biene…

München, 24. Februar.

Flohmarkt in Daglfing. Sonnenlicht, aber kalt. Bücherfunde, beinahe Adidasjacke, sie schien mir zu teuer und ich dachte, vielleicht kaufe ich sie am Ende doch, wenn ich nichts anderes gefunden habe. Dann im Schatten zwischen  vielen Kartons (ich glaube hier kaufte ich schon mal etwas ein altes HAndgeschriebenes Rezeptbuch aus den 30er Jahren) ragte ein Ungetüm von einem Etwas aus einer Sporttasche. Dachte erst ein Reitsattel, es war aber eine American-Football-Rüstung. Sah aus als hätte sich ein Superheld gehäutet, seine Bärenkräfte abgelegt und von der Bürde des Action-Figuren-Daseins befreit, davon gegangen. Das alter Ego lag im Schatten neben einer Bücherkiste, obenauf das Drehbuch von Inglorious Bastards” Bevor ich den Satz “Wer kauft denn sowas?” zu Ende denken konnte, dachte ich an Samson. Raue Schale, weicher Kern, Aussen Raubtierfell, innen Honigsüß. Wer immer im Gottesruh-Projekt die Superheldenrolle verkörpern wird, zwischen die Mauern der Apsis gekettet: eine bessere Kostüm-Bürde kann ich ihm kaum finden. eine Rüstung in die und aus der man schlüpfen kann. Mensch,  Messias, Auserwähler, je nach dem.  ich dachte es würde unbezahlbar sein (mein Kostümbudget schrumpfte in diesen Tagen auf 0)…

was das denn kosten tät?

Der Händler, selber ein stattliches Mannsbild sieht mich an.

“Na ja…”

Weil ich denk, dass er denkt, dass ich das wirklich nutzen will als das was es ist und deshalb auch kaufwillig bin, frag ich erstmal:

“Was issn das überhaupt?”

Er säufzt. die Kundin hat also keine Ahnung. Dass das eine American Football Ausrüstung sei. Komplett! Und nicht nur irgendeine. Profi-Montur. Er selbst sei einer der wenigen Deutschen Gewesen, die in den USA Profi-Football gespielt haben. – Mist, klingt, als würde es wirklich teuer.

“Es wär nicht für mich….”, sage ich zaghaft. Er grinst. Das dachte er sich schon. – soll ich ihm jetzt sagen, dass eine Theater-Produktion in einer evangelischen Kapelle in Mittelfranken seinen Panzer umfunktionieren wird zum Broken-Action-Heroe-Outfit? Dann wird es vielleicht noch teurer, weil er es als Sakrileg empfindet. Vielleicht hängt er noch an dem Ding. – Wieder seufzt er:

“Ich will das nicht nochmal mit nach hause schleppen. – Gib mir einen Zehner…”  Krass! Mit  Sporttasche! und Zubehör (das ich wahrscheinlich nicht brauche, aber egal)

“Da liegt noch ein Lineal neben der Tasche, können wir das auch haben” Meine Mutter! Total peinlich. die feilscht selbst, wenn ein Buch nur 50 Cent kostet. 

“Das Lineal von der Oma?”, fragt der Mann.

“Ja”, sagt meine Mutter. – Warum will meine Mutter ein Lineal?

Mit solchen Linealen, sagt der Händler, sei er in der Schule noch verdroschen worden. Hände ausgestreckt, Zack.

“Dann wollen SIe das ja bestimmt loswerden!”

“Mama!”

Natürlich kriegen wir das Lineal. und noch drei Bücher frei nach Wahl.

Jetzt will er aber doch noch wissen, was ich mit seiner Rüstung vorhabe. Ich erzähle es ihm.

“Theater?”, fragt er; und: “Welches denn? Münchner Kammerspiele?”

“Nein. ich will an einer sehr besonderen Kapelle eine kleine Workshop und Theaterreihe starten. Ein Theaterstück ist Samson gewidmet.”

“Samson?!” Da passe gut, denn das sei sein Name.

“ohne Scheiß? Ehrlich?” (Kann ja jeder sagen, dass er “Samson” heißt!)

Er reicht mir seine Visitenkarte rüber. Heißt der Mann doch tatsächlich Samson!  [Vorname geändert] Und eigentlich sieht er auch so aus wie ich mir den etwas in die Jahre gekommenen Bibelhelden vorstelle.

Wo denn die Kapelle stünde, will Samson wissen. Falls ich noch ein paar ehemalige Footballer bräuchte für meine “Passionsspiele”

“Leider weit weg. Mittelfranken. Irgendwo zwischen Nürnberg und Ansbach…” Er findet das gar nicht weit weg. in Amerika würde man dauernd von Stadt zu Stadt fahren, 150 das seien doch keine Wege! Man reise doch gerne von Stadt zu Stadt im eigenen Land.

Die Sonne ist ein bißchen gewandert. Während meine Mutter noch in den Bücherkisten nach drei Gratisbüchern wühlt, fällt nun doch ein bißchen Licht auf alles. Mein Vater etwas weiter weg steht etwas verloren in der Gegend und wartet unseren Kaufrausch ab.

Die Visitenkarte stecke ich ein.

Ich habe Samsons glorreiche Reliquien erworben! und zum ersten Mal seit langem irgendwie das Gefühl, es wird doch noch alles gut. die Adidasjacke kann mir gestohlen bleiben.

Windsbach, 23. Februar

Geträumt, der Schw. das freundlichste Urgestein, das ich in der letzten Zeit in W. kennen gelernt zu haben die Ehre hatte, habe aus  Empörung über einen Fahrkartenautomaten, der ihm trotz rechtmäßigem EInwurf von Geld, den Fahrschein vorenthielt, dem selbigen einen Tritt verpasst, so dass dieser in die Luft flog bis Heilsbronn und auf den Schienen lag mit schlimmen Beulen und stillgelegt. alles lag still, und die Bahnen fuhren nicht mehr. der Mond schien helle und eine Schaffnerin rang die Hände und versuchte auszurechnen, was das alles koste, aber wollte es am Ende doch nicht wissen, weil das Gerücht umging, ein “Wühltisch” habe eröffnet eine Bahnstation weiter. Von überall flogen  Leute herbei, auch die Schirmmütze des Schw. die sich als  hervorragendes alternatives Fortbewegungsmittel herausstellte: er hockte darin, mal mit verschränkten Armen und der eisige Februarwind zauste ihm den Schnurrbart, als sei die Mütze ein fliegender Teppich, mal aufrecht stehend als sei sie ein Surfbrett. der Mond, der jetzt riesig war ließ die Schienen wie silbrige Kanäle aufleuchten, ich wollte gerade auf ihnen entlang balancieren, das waren sie Bäche von Lötzinn.  eine schier göttliche STimme donnerte aus dem Himmel “Mach dich vom Acker”. ich sagte, das ginge nicht. mein Fuß steckte schon im Zinn fest. Das aber war eine AUsrede, weil das Zinn noch flüssig war. ich beneidete den weitgereisten Schw. der bessere Tricks drauf hatte, selbst wenn ihm FAhrkartenautomaten  seine Tickets vorenthalten.

Schöner Morgen. Spagehtti. Hörensagen von Fremder Frauen von Freunden, derer Dreiecksgeschichten. dann Aufbruch. In Heilsbronn schien alles in Ordnung.

Windsbach, 22. Februar

Seltsamer Tag, himmelblau, Traurigschön, Akku alle, aber fast alle die ich anrufen wollte, liefen mir so über den Weg. Gedeckelter Brunnen vor Helmreich taugt zum Schreibpult. den T. von dem eben noch im Stadtcafe die Rede gewesen war, kam am Brunnen vorbei. Ihn leider traurig gemacht, weil ich ihm vom Tod des Herrn W. erzählte. Er wußte es noch nicht. kleine rosane Anemone (oder war es eine Ranunkel?) gekauft. er hatt erst gezögert, denn in Äthiopien sind Blumen unbezahlbar und befürchtet, dass es 80 € kosten würde. strahlte, als es nur 2 geteilt durch 2 war. Lange nach dem ABfall für den Topf gesucht, als wir ihn fanden, lag dort ein weißer kleiner Engel ohne Flügel, mit ramponiertem Bein. Vorschlag, auch den Engel zu begraben.

Auf dem Grab des Malers Blalla lag Katzenkacke. hatte mich sehr aufgeregt, weil gedacht: wer läßt denn seinen Hund auf ein Grab scheißen?! später meinte die So., als ich es erzählte, vielleicht sei es ja eine Katze gewesen. Beruhigender Gedanke. War nicht mal drauf gekommen, weil ich nie drüber nachgedacht hatte, wie Katzendreck aussieht. Sieht man ja selten. Eben deshalb, weil die Katzen, reinlich wie sie sind ihn vergraben. In diesem Fall (allerdings etwas zu oberflächlich) in der Erde in der der Blalla ruht. Das raschelnde Laub aber da gelassen, es passte ganz schön zu dem rauen Holz.

 ***

21. Februar, Windsbach

Der Dönerimbiss ist weg. Vor dem Haus liegen Rigips-Platten, Bauschutt und Paletten. das Fenster in dem die P. manchmal winkt, wirkte die Tage über leer und verlassen. Heute abend brannte Licht und ich sah erstmals beide im Fenster. Sie sah mich und winkte, er kam später dazu, da war sie schon mitten in der Vision. Die Frau des Döners-Betreibers träumt von einem Laden der heißt “Imbiss der Köstlichkeiten”, es gibt darin Milch und Honigseim – nein, Hafermilch und Mandelkerne, Salate, vegetarisches Essen. zwei Hauptgerichte pro Tag, Humus und Gemüse, feine Saucen. allen Leute werden freundlich bedient, die Kinder sind glücklich, denn sie bekommen Süßigkeiten, die es sonst nirgendwo gibt. Und man sitzt auf schönen Kissen. – Autos fuhren vorbei, ich verstand nicht jedes Wort, aber ich stand mit großen Augen auf dem Gehweg in der Dämmerung und sah ihr beim Träumen zu. Der “Imbiss der Köstlichkeiten” entstand vor meinen Augen und Ohren, wurde zu einem Zelt unter Palmen, einer Oase… und ausgerechnet ich, die ich sonst lieber eine Leberkässemmel von schräg gegenüber gegessen haben würde, ich die ich beim Wort “vegan” oder “vegetarisch” sonst sofort trotzig werde und nicht anders kann als lauthals von meinen letzten MacDonalds-Besuchen zu schwärmen, ich stand und war wie verzaubert. Ihre Augen leuchteten im Fenster; der Mann der P. kam und zwängte sich dazu, erst mißtrauisch, dann freundlich, küsste seine Frau auf die Backe und rief runter, ob ich nicht eher eine sei, die Fleisch esse, und wenn ja,dass er mir dann einen Döner zubereite mit scharfer Chilisauce. SIe lächelte und schüttelte den Kopf. Das Enge Fenster in der Mitte der Gibelwand, kaum mehr Fassade. Stube. Licht. Wirkte wie ein gerahmtes Bild. Engel mit grochenem Flügel. Die Euphorie, die wiederum Schwingen verleiht. Momentaufnahme, Bild an der GIbelwand, ausnahmsweise von innen nach außengekehrt. dann war der Rahmen wieder leer. Dauernd denke ich jetzt an die Köstlichkeiten. vielleicht müssen manche Projekte Projektion bleiben. Imagination, jenseits der Friktion der Wirklichkeit, jenseits des Bauschutts, der Mißgunst der Rachsüchteleien und dem Spalierlauf zwischen den Fettnäpfchen, in die man vertrauensblind tappt. man sollte öfters die Köstlichkeiten der Träume aussprechen, das ist bereits der erste Hauch von Wirklichkeit. Und mal ehrlich: in meinem inzwischen hippen Viertel in Berlin-Lichtenberg/ Rummelsburg, in dem alle ausgewanderten verganen Franken zu wohnen scheinen, ertrage ich nicht ein einziges weiteres veganes Cafe, aber ein “Imbiss der Köstlichkeiten” in einer mittelfränkischen Kleinstadt, gegenüber vom Metzger Rosenberger, ist etwas anderes, eine poetische Oase, ein widersinniger und gerade deshalb unsagbar schöner Gedanke.

***

Manche Dinge sind unaussprechbar. vielleicht sollte man eh weniger Worte verlieren und sich an die Kleinigkeiten halten. Herz neben Gulli, Spalter Straße. die kleinen Knabenknöpfe mit ihren Wangenrot-Rostflecken unter den Fensterläden des Hauses vor dem Pistazienfarbenen Haus. kleinen Weg hinter der alten Brücke entdeckt, Abkürzung. Holzdatsche, hinter dem Fenster locken Federbettberge. Hubschrauberfamilie am Abendhimmel in der Nähe von Kattelbach. Es ist kalt. aber der Himmel ist lichtdurchflutet. Inflationäre Ausmaße beim Kauf von Helmreich-Pralinen, vielleicht zu viel. sicher zu wenig. Zahnarztbesuch kurz und schmerzlos. Stadtcafe. Gesprächsthema am Nebentisch. wieviel Fleisch isst ein Duchschnittsmensch an Fleisch. 5 kg. 100 g am Tag – mal sieben?  1,1kg.  – “des frißt’ ja scho allein mit dem Sonntagsbrootn weg.”

Mittlerweile reden sie über einen freundlichen klugen Menschen, der möglicherweise abgeschoben werden soll. (“moanst Du den, der immer so schee grüßt?”) Frage mich, ob vom Äthiopier T. die Rede ist. Man ist sich einig: nicht alle von dene daugen, “aber der scho.” Später selbst im Tischgespräch hängengeblieben. “Waggerla…!” Schön. Und wiedermal ging es um den Duft, als der Dauscher noch die Waffeln gemacht hat, da wo jetzt Helukabel ist.  […]

***

20.2.

Na tolle Wurst, ich habe die Welt aboniert. – und so schön das als Satz für den Tagesbeginn klingt, es ist wirklich saublöd. Nur weil ich zu recherchezwecken einen einzelnen ARtikel erworben hab, schon bucht der Springer-Verlag ab jetzt monatlich 9 € ab.

19.2. Neuendettelsau

Der Fundgruben-Koffer rollt wieder gen Windsbach. so müde…!

seit zwei Tagen schlecht geschlafen, der MOnd schien so hell ins Fenster. Ankuft in Dettelsau, viel zu früh für die Sitzung des Dekanates. HAmmons. könnte sofort pennen. Zog  Power-Nap auf der Toilette in Erwägung. stattdessen Espresso und Tee. Nachts spät die Felder im MOndlicht… der weiße Nebel wunderbar

18. 2.

ZUr BSR gefahren. Sachen entsorgt. WOhnung leert sich langsam, aber wirklich sehr langsam. WOllten Feuer machen, aber I. vergass die Dinge, die er verbrennen wollte. stattdessen SOnne untergehen gesehen an der Bucht und im JAS auf dem rotsamtenen Sofa gesessen und Rippchen gegessen. Über Gott udn die Welt geredet und vor allem die islamische Vorstellung der Hölle. sehr konkret. die alte Mutter des Besitzers – erstmals erfahren, dass sie Eva heißt – kennengelernt. Es ist schön mit I. er verknüpft mich wieder mit meinem Viertel. Neuer Blick auf die alten vertrauten Dinge, weil sie ihm neu sind stippst er sie an und es tun sich kleine bunte Blumen auf. ich bleibe dennoch dabei: Noli me tangere!

17. Februar.

immer zu spät! Jetzt kommt dieser I. wieder daher, JETZT! ist jetzt single und möchte reisen. Afrika, Cuba. wohin immer ich mag. Ich kann aber nur entweder Windsbach oder Gazastreifen. Beides für ihn nicht sooo toll. Seltsam. als ob das Universum sich plötzlich dazu entschlossen hat, einem alle WÜnsche zu erfüllen. leider aber mit ganz schlechtem Timing. Wie glücklich wäre ich gewesen vor 8 Jahren! die Lektion heißt wahrscheinlich: WAS WILLST DU WIRKLICH? SO WIRKLICH, dass du es auch noch nach 8 Jahren magst. Ach Mist. geschenkter Gaul.

16. Februar

war eine schöne Premiere. volles Haus, Szenenapplaus und ein lachendes Kind… nun ist es wieder vorbei und die Anstrengung der letzten Wochen hat mich wieder mal völlig eingenommen. zum Weiterplanen kaum Zeit. Wie kommt man wieder zusammen…? Wenn man es doch immer vorher wüsste, dass es gut wird / ist / geworden ist…

Premierenfeier ging weiter bei Jean-Claude, der Bar mit den eingemauerten Fischen. Jean-Claude sagt, die Fische liebten die Mauer. es wäre ihnen lieber als wenn die Sonne ihnen ins Wasser scheint. Kann sein, kann auch nicht sein. wer weiß schon was Fische wollen.

Eigentlich nur schlafen gewollt, aber I. rief an…

15. Februar, Berlin

Vom Fenster des Theaters, dem Gaderobenfenster aus, sieht man schräg auf den Bahnsteig Greifswalder Straße, die Lautsprecheransagen und der singende Ton der heranglietenden bahnen haben etwas sehr beruhigendes. das Zurückbleiben-Signal der S-Bahn klingt wie roter Alarm bei Battlerstar Galactica. Schöner Himmel, Blau, gleißendes Licht, der Wohnblock zur linken ist jetzt. wo die Sonne untergeht in fast mediterranes Amber getaucht.
Selten war ich vor einen Premiere so ruhig. Habe im Magazin die Requisiten ausgemistet, dann meinen Rucksack entrümpelt. 64-GB-Mini-SD-Karte gefunden. einen noch aufbrühbaren Teebeutel Earl Grey, wieder diesen Fristo-Getränke-Bon… – in einer Stunde und einer dreiviertel STunde  beginnt die Vorstellung. eine kurze andere Geschichte…

14. Februar, Berlin

Viel S-Bahn gefahren in der letzten Zeit. gestern vor der probe: auf den ersten Blick jung und herb-Hippe Frau, die aber doch älter war und Babysitterin eines 9jährigen Kindes, und eben jenes Kind, ein Mädchen unterhielten sich von Früher.

Kind:
In der Zeit in der du gelebt hast, hätte ich nicht gerne gelebt.

Frau:
war nicht alles schlecht.
wir hatten keine Telefone, aber jeder konnte jeden einfach so besuchen, vorbeischauen, einen Zettel an die Tür hängen, wenn niemand zuhause war.

Kind:
Waaas?

Frau:
Und man konnte auch als Kind einfach auf die Straße und musste keine Angst haben ,dass was passiert.

Stille

Kind:
ich wünschte ich hätte in deiner Zeit gelebt.

in anderem Gespräch NACH der Probe, gegen 22 Uhr Sympathie für Obdachlosen der Taschentuch-Packungen zum Verkauf anzubieten hatte; solariumsgebräute junge Frau mit zu schwarz gefärbtem Haar sagte zu ihrer Freundin, „von dem tät ich nicht mal eins nehmen, wenn mir der Rotz über die Schnauze läuft.“

11. Februar, Berlin

Warum ist der Künstler Blalla nach Windsbach gezogen?

Ortswechsel in Umbruchzeiten, tun sie gut? war die Stadt ihm gewogen? Und was ist gewogen? Wogen Wellen Stürme. Wiegt man ab? Wägt man? Wagt man? Darfs ein bißchen mehr sein? Weniger? Blitzschlag aus (zwar nicht) heiterstem Himmel heute morgen. AUS.

Nicht aus, aber dieses Jahr wird hart.

Kleinstädte sind nicht weniger Minenfelder als Krisengebiete, aber in letzteren ahnt man die Gefahren, beäugt die Freunde und Feinde. fragt sich freilich behutsamer wer ist wer, rechnet mit Auseinandersetzung, sieht sich in die Augen, trägt das Risiko. Erklärte Feinde sind mir lieber als Hobby-Gutmenschen. mit Feinden kann man sich auseinandersetzen, die anderen brechen dir das Genick.

mein eigenes Genick ist mir im übrigen ziemlich wurscht, an irgendwelchen Determinismus-Fäden hängt man eh. immer, glaube ich inzwischen – oder glaube, dass ich das glaube. Aber bei dem Genick meiner Arbeit hört der Spaß auf.  da verläuft die Linie. No-Go. Ich habe mich in der letzten Zeit viel mit Deadlines Herumgeschlagen, es wird Zeit das ich die Silberlinie in all dem finde. irgendwo muss sie sein.

***

Micha vom Cafe “Madeleine und der Seemann”  bei dem ich heute länger war, weil ich meinen Schlüssel in der Wohnung liegen hatte und nicht reinkam, lachte. je sachlicher und trockener ich die Sache erzählte, desto mehr lachte er. Er versuchte zwischen durch ein ernstes Gesicht zu machen, das wiederum brachte mich zum Lachen. Vieleicht ist das das Silver-Lining: Irgendwann wird alles eine super Geschichte gewesen sein.  De Fakto bin ich nachwievor für den Rest des Jahres ruiniert. Aber was zum Henker solls?! Er bedankte sich am Ende für die Geschichte und ich war verblüfft, weil es mir besser ging. Nicht weil ich diesen ganzen Bullshit losgeworden bin, sondern weil ich noch nie jemanden so wunderschön zum Lachen gebracht habe. Andere Art der Katharsis. Ohne rumheulen, nur so.

Bliebt die Sache mit dem Schlüssel. Keiner da in der eigenen WOhnung, aber die Nachbarin. Es funktionierte der alte Trick: durch deren Wohnzimmerfenster steigen und am SIms entlang balancieren bis zum Fenster der eigenen WOhnung, in dem zwar leider nur das obere Fensterquadrat offen steht, was einen halben Zeitlupen-Kopf-Über-Schlag (aber mit den Füßen im Backstein-Rahmen des Fensters) abverlangt. Im Sommer geht das besser, da stehen die unteren großen Fenster meistens ganz auf. Im Winter kann man stolz sein, es ist in jeder Hinsicht  cooler. Habe gemerkt dass ich: Erstens lange nicht mehr den Schlüssel vergessen hatte und in der Zwischenzeit offensichtlich zugenommen habe. Zweitens, dass ich inzwischen Nylons von besserer Qualität trage, denn die Turnerei absolvierte ich ohne Laufmasche. Und drittens: .ich hab’s noch drauf, aber meine Mitbewohner, haben was auf den Ohren, saßen währenddessen  gemütlich in der Küche und wunderten sich, dass keine Tür gegangen war. Der Held ist der, der es durch alle Räume schafft. 

Alles andere: Komödie ist Tragödie plus Zeit. irgendwann werde ich drüber lachen.

8. Februar, Berlin

Ein großes Paket, lang und flach, aber groß kam an; hatte es vergessen gehabt: dass ich ein Bild des in Windsbach verstorbenen Künstlers Blala erworben hatte. nun ist es da und größer als erwartet. wimmelnde Gestalten, die sich hauen, Bilderstürmer, die die Bilder längst hinter sich haben und nun selbst aufeinander einschlagen. es ist ein lustiges Bild, nicht schön. nicht nicht schön, die behende Komik der umständlichen Wirklichkeit. – Wo soll es hängen?was war sonst noch? Unterteil meines Bettes fiel mir auf den Kopf. Lange im Je-Länger-Je-Lieber, womöglich zu lange. Proben für den Phaeton mal gigantisch gut, mal anstrengend. Ein Windsbacher Psalm kommt vor, kurz und vielleicht. Ich lebe hier wieder ungesund. Das ewige Licht  – des Verstärkers auf dem Schrank gegenüber meines Bettes. wieviel Strom kostet der rote kleine Punkt?

3. Februar.

Es soll eine Sauna geben in Gunzenhausen mit integriertem Brezel-Backofen. Es gibt keine Aufgüsse, sondern ab und zu kommt eine, die Brezelteig in den Ofen legt. Es duftet nach Brezeln statt nach Eukalyptus-Aufguss und nach 1o-15 Minuten, also einer Zeit die auch ein gutes Zeitmaß ist für einen Saunagang, ist die Brezel fertig und man darf sie essen. Es klingt als wärs das Paradies. Nackt an einem Ort an dem man nicht friert und der Duft von Gratis(?)Brezeln. Freilich will man auch Butter drauf und Käse dazu…  und ob die Salzkörner stören? Man zu durstig wird? oder das Korn irgendwo kleben bleibt wo es nicht soll?

Bei meinem letzten Berliner Saunabesuch knippste sich jemand die Fußnägel ab. sie flogen in alle Richtungen. also wollen wir uns nicht beklagen wegen Kleinigkeiten.

1. Februar, 2019

Neues Wort gelernt, dessen Bedeutung ich noch nicht kenne, aber ich werde mich hüten es zu googeln, da die reale Bedeutung hinter dem Klang nur zurückfallen kann.

Versucht die Stadt anzurufen, wegen des Bewilligungsbescheids, war aber immer nur ein sehr lautes automatisches Band dran, möglicherweise hat es was mit dem Bienenvolksbegehren zusammenhängen mag, weil da sicher viel zu tun ist. (Assoziation: Bienen fliegen durchs Rathaus und sammeln Unterschriften, es summt und brummt, versehentlich wird jemand gestochen, möglicherweise mit allergischer Reaktion. Honig tropft auf Papier… – aber schon wieder vermenge ich Tier-Angelegenheiten mit Beruflichem!). Weil niemand erreicht, auf der Seite rumgeklickt. Programm der vorgestrigen Stadtratssitzung gelesen. Es waren außer unserem Antrag sehr viele Tagesordnungspunkte, hängen blieben mir:

Neue Grüne stellen sich vor. –  Waldstrandbad: man bereitet sich auf die Badesaison 2019 vor [wie?]. – Der Männergesangsverein braucht neue Buden fürs Kellerfest und in Wernsbach will wer eine Hackschnitzelheizung mit Lagerfläche bauen. – Da ist es, das neue Wort.

31. Januar 2019

Die gute Nachricht kam vom Tierarzt!

Hätte ich das vor zehn Jahren ahnen können? Hätte ich vor zehn oder dreißig Jahren eine Fünf-Sekunden-Vorschau erhalten auf mein Leben heute  und ich hätte mich am Fenster sitzen  und eine Email vom Tierarzt G. aus der Stadt W. mit solcher Erleichterung lesen sehen, ich hätte wahrscheinlich vermuten müssen, dass ich mir in der Zwischenzeit einen neuen Wellensittich zugelegt haben musste, der aus welchen Gründen auch immer in der STadt WIndsbach in Behandlung ist. (obwohl ich mir nach dem Tode des ersten vor dreißig Jahren geschworen hatte, dass es nie wieder einen geben könne). Aber Tierärzte bringen manchmal eben nicht nur Nachrichten wie “Es ist wie ein Wunder, daß der Vogel die Höhensonne, die DU vergessen hattest auszuschalten vor dem Vogelkäfig, überlebt hat” oder “Fliegen wird er nicht mehr können, aber auch mit gebrochnem Flügel kann man alt werden” oder “Da kann man nix mehr machen, aber zehn Jahre, das ist wirklich ein langes Leben gewesen!”

Diesmal war die Nachricht nicht Tier-relatet, sondern ganz einfach schlicht und ergreifend: der Stadtrat Windsbach hat die Gelder für die neuen “BILDERSTÜRME” bewillgt, bzw. der Umwidmung zugestimmt, es kam so haarscharf und knapp vor dem Aus, die Steine vom Herzen fielen poltertend herab, hätte heulen können, aber aus respekt vor meinem verstorbenen Vogel flossen keine Tränen.  habe eh beschlossen mein nahe am Wasser gebautes Haus etwas weiterab neu zuerrichten.

28.-29- 1. Meran – München- Abensberg

Meran. Ich vermisse Erica. Ich habe verhandelt mit der Wohunungsbeauftragten wegen eienr Lampe, die ich nicht kaputt gemacht habe, auf deren Zustand („Kaputt“) ich aber hinwies. Wann kommt der Bus? Schaff ich den Zug? Apricosen-Dolci in Bozen. Weinberge mit Schneedecke. Innsbruck.

Erhielt vorgestern Einladung zum Geburtstag aber erst im Juni. Partybus! Meine erste Anwesenheit in einem Partybus mit Gesang von Dettelsau nach München. Werde die Tage zählen! Ein Bus. Könnte dann in München bleiben bei den Eltern, ABER: Partybus zurück NACH Dettelsau scheint der eigentliche Deal zu sein.

Vaterstetten. München Hauptbahnhof. Tabakladen gibt es nicht mehr. Ein anderer Laden nahe am Gleis 22 nach Roth hat keinen Avalon.

Adelsschlag. Was ist das für ein Name für eine Bahnstation?

Roth. Warten, Unsicherheit, Bus. Wattebauschwolken.

KleinAbensberg hat eine Staatsstraße?

Augenblicke der Häuser mit Holzfensterläden wie Lidschläge,

Warum schlägt mein Herz so wild? Neuland in einer Gegend, die mir aber ein kleines bißchen verraut ist. Mal mit dem Motorrad durchgefahren, aber, mit dem Bus wirkt es anders. Oder mit Rollkoffer erstrecht. Anderswo. Bei-nahe. Immer ist alles nur beinahe, Und der Bus, fährt hinreißende Umwege. Noch mehr Wolken-Bausch-Formationen.

Bitte VORNE AUSSTEIGEN, sagt der Fahrer. Warum? Keine Ahnung!

Hier gibt es auch einen BAUMEISTER!!! hat ein Auto als Bild. Gibt es da einen Zusammenhang? Ein Zusammenhang täte mir gut. Aber Baumeister kann niemals Baumeister sein.

Die Stimme der automatischen Ansage der Stationen sagt „AbenBERG mit seltsamer Silbenbetonung. Als wäre die Frau selbst verwundert über den Ausgang der Ansage: AbenBERG??? Echt? Ist da en Berg?

Neuland. Hier war ich nie. In de, altbekannten Orten in der Nähe habe ich momentan nix mehr verloren – was nicht stimmt. Mehr oder weniger ALLES. Das „Kling“ der Bushaltestelle, wenn einer aussteigen will. Will aber nur einmal einer, daher nur einmal das KLING, ich verlasse den Bus erst an der Endstation Milchhaus. Vorher fragt mich der Fahrer, oh ich mich auskenn, obwohl es nicht stimmt, sage ich JA. Er sagt, ob ich Feuer mag? Ja, sag ich. Denke an andere Feuer. Hier sagt er, wär eins GEWESEN: ein ausgebranntes Haus in Dürrenmungenau. Ja, so ein Feuer das tät ich natürlich nicht mögen. Was denn hier gebrannt habe? – Ein Hof, eine Garage! Sagt der Fahrer. – Was denn die Ursache gewesen sei, frag ich. Er zuck die Schultern und macht eine Geste, Money Money. Ausgebrannt sein bringt mehr als bei der Stange bleiben. Ich komme an in einer fremd-vertrauten Gegend. Schloßstraße hatte er gesagt. Wie bei Monopoli. Ich bin zu früh. Ich laufe um die Mauern des Schloßes. Der Rollkoffer – vier Rollen! – aus der Windsbacher Fundgrube, ich kann ihn nur empfehlen! Rollt geschmeidig durch den Sonnenuntergang. Immernoch zu früh, geh ich halt Friedhof. Ein frierender sehr sehr weißer Jesus am Kreuz, ein anderer an einem Grab, der sehr symetrisch wirkt und stark und rosafarben und: ein Kreuz, das aus einem Grab heruaus kriecht aus Efeuranken. Nicht absichtlich, einfach so. Ankommen. Guter Kaffee. Bücher. Erstmals seit langem angenehm ruhig.

26.1. Meran

Die Berge heute nicht in einem Rot-Orange-Ton, kein Alpenglühen, nur ein fast unmerklicher Schleier. Nicht das 50erJahre-Agfa-Color , diesmal eher 70er, 80er. Die Dekoltee -Hügel, fast eisfrei. Geträumt von Zugfahrt die auf 35-mm-Film gedreht wurde, aber auch live in einem Kino vorgeführt wurde. Der Zug war beim ein historischer Zug gewesen, sah dann aber aus wie die Berliner S-Bahn. Die Tochter im Alter von vier Jahren, in blaues Tüll-Kleid gekleidet von der Ausstattung unterhielt sich spontan mit den Shirley Temple. Dauernd saß jemand auf meinem Kleid oder ich verwickelte mich in den Schal eines Herren. Amüsiertes wohlwollenen Lachen, auch meinerseits. Wir endeten an einer Tafel sitzed, Weihnachts-Geschenke auspackend nah war ein Fluß oder See (vielleicht auch das Meer? Aber ein ruihiges, glattes). Weil Winter, war das Wasser still, klar aber so finster das man hinunter tauchen musste, um zu sehen, dass es klar war. Sah die ungewöhnlichsten Fische – war nach einem Karpfen für die Tafel getaucht, aber es waren viel größere dort. Sie schwebten winterstarr und reglos, man hätte sie leicht fangen können, aber sie waren zu groß. Ich markierte sie an ihren Ohren (?) für ein andermal. Das Wasser war eiskalt.

Der Wassertraum muss mit der Therme zu tun haben in der ich gestern nun doch endlich war, weil das Bohren im Apartment in der Früh einfach zu laut war. Eine wunderschöne Wasserwelt. Becken in allen Temperaturen. Zwei davon Radon-haltig – hatte es immer für ein radioaktives Element gehalten. Eine junge Frau mit langem roten Haar hockte allein im Eisbecken, die Arme leich von sich gesteckt, angewinkelt, als direigiere sie im Hocken. Ich glaube dieses Bild nährte die Fische im Traum.

Erica wird mir fehlen. Die letzten Tage fast nur im Inneren des Imbiss zum Essen; fragte mich, ob ich eine Freund hätte. „Ho perduto il mio ragazzo“ – schon beim antworten geahnt, dass es nicht ganz korrekt gesagt war, aber auf anderer Ebene auch Wahrheit. Sie lachte; es klämge, als hätte ich ihn beim Spazieren gehen verloren, als sei er mir aus der Tasche gefallen und läge jetzt irgendwo rum. Letzteres wage ich zu bezweifeln, wird ihn schon jemand eingesteckt haben. Aber der erste Teil, glaube ich stimmt.

***

Italienischer Earl Grey schmeckt überhaupt nicht nach Earl Grey. zwei verschiedene Sorten, weit gegangen dafür! nichts. Und die Aprikosen-Croissants waren vergriffen.

24. 1. Meran

Hatte überlegt, heute ins Theater zu gehen. Der Prozess. Kafka schrieb ihn  teilweise hier in Meran. Aber Bauarbeiten im Haus, das grausame Bohren hat mich nisher nicht viel schreiben lassen.  Abends schreiben und Wein trinken bei E.

sdr

Wieder beinahe in Polen gelandet. Abenteuerlich querfeldein in Richtung Museum. Der Mann an der Kasse kommt mir so bekannt vor. Traue mich aber nicht nach seinem Namen zu fragen. Ich packe meinen Koffer gespielt. Was immer mir einfällt von dem was ich gesehen habe in der Ausstellung, soll ich aufschreiben. Es erinnert an „Am laufenden Band“, nur daß man nicht mitnehmen darf, was man noch im Kopf behalten hat. Bevor ich gehe, zeigt er mir wo das ehemalige Haus der Zenges und der Kleists gestanden hat. Ich wußte , daß es in der Nähe der Marienkirche stand, aber nicht, wo genau. Und auch nicht wie nah die beiden wohnten. Die beiden HÄuse waren getrennt durch einen Torbogen.

Inzwischen ist da Baustelle. Fast wie ein Stadtgraben wirkt es. So lange ist da schon eine Lücke 1945 eingerissen, in den 50er bebaut. Vor zehn Jahren abgerissen und jetzt weiß man nicht so recht. Seltsam. Wäre Lorenc hier, er würde sich hineinbeißen in die Tiefe und wahrscheinlich noch Ungeheueres an Land ziehen.

Im Garten liegt noch Konfetti. Eine Trauung hat stattgefunden.

Offensichtlich passiert das häufig.

Ich sage „bei aller Liebe zu Kleist“, hier heiraten würde ich nicht. Irgendwie nicht die beste Schirmherrschaft für eine Ehe.

Er sagt: in diesem Falle müsse man Kleist eben mal vergessen.

Die grenzen sind kleine Brücken, dahinter ist es ausgestorben. Verlassene Häuser, aufgegebene Bürokratien. Graffiti. Warum verändert sich die Landschaft schlagartig hinter der Oder. Die struppigeren Felder, die Feuer auf den Äckern oder der auf den Spitzen der Industrieanlagen. Abfackeln. Die Eichenalleen. Die Natur ist echter und die Märkte protzender. Und die Häuser in den Straßen haben noch ihre alten Gesichter. Der bunte Mix der Reklameschilder: die Eleganz der 50erHJahre schriften und der Zahn der Zeit die LED-Ramschichkeit der Angebote. Zigaretten und Alkohole. Ich fuhr lange in die falsche Richtung, wissen, dass es die falsche war. Aber die Straße war großartig und bitter und kaum hatte ich die Stadt hinter mir gelassen, war alles zur-Schau-gestellte der Verkaufsstützpunkte verschwunden. Irgendwann ragte an einer alten Bahnlinie eine BAcksteinBurg aus dem Sumpfgebiet. Wie ein kariöser Backzahn, der aber nach außen hin noch hält, bombenfest, ein Turm ein Stellwerk, ein Bollwerk im nichts., was weiß ich. Irgendwann dann doch umgekehrt, wieder durch Küstrin hindurch, 7 Kilometer weiter liegt Dabroschyn. Das ehemlige Tamsel. Hier ist sie hin. Man ist schon durch den Ort beinahe durch da ragt eine Kirchturmspitze hervor und das Schloß wie ein aus dem Himmel gefallener Kasten, ein altes Gut, das auf den ersten Blick aber wie ein sozialistischer Wohnblock wirkt, nur das terracottagelb leuchtet zwischen den hohen Bäumen. Vielleicht sind alle feudalistischen Zierereien abgeschlagen worden. Entweder als es vom Himmel fiel oder weil man es nach 1945 zurechtmeißelte. Irgendwo weiter hinten soll ein Dinosaurierpark sein.

Hier war sie und trank wahrscheinlich Tee und hat den Abstand den er brauchte vorab gerade noch in letzter Minute für sich vergrößert. Ich verstehe sie. Und ihn hats ja wohl auch ein bißchen gejuckt. Apropos. Hier gibt es mehr Mücken.

Als ich das Motorrad parken wollte in einer Schneise, einem Seitenweg so holprig und gewplbt von Kopfsteinpflaster glatt übersehen, dass es eine Straße war. Strafender fassungsloser Blick einer Frau im Auto hinter mir. Ich war dauernd im Weg.

 

August

[Zeit voller Kopfzerbrechen. Paracetamol hilft eher nicht, Schreiben im Gegenteil. Nervenscheidwand-Verletzung der Hand macht Bewegungen der Finger zum gefühlten Ameisen-Rennen-Event. wenn ich das Notebook nur berühre ist es als ob Strom fließt oder kriecht. Offensichtlich stirbt die Nervenwand ab und es ist, und der Nerv liegt bloß, also wäre er ein Kabel, dess Isolierung durch ist und deshalb mit den anderen Leitungen interagiert. Was hilft ist mittelmäßige Fenrseh-Serien gucken…]

16. August, Berlin

Geträumt, daß Lo. hätte beim Graben in der Baustelle zwischen “Nadja und Kosta” und der S Bahn Linie das Schwert Excalibur gefunden. ich habs dann an mich genommen, aber nur weil ich fürchtete, er könne sich daran verletzen. Bin dann zum Zelten gefahren und versteckte es in meinem Schlafsack, in den es der Länge nach genau hineinpasste.

11. August, Berlin

Bilde ich es mir nur ein oder gibt es zur zeit extrem viele FernsehSerien über starke Frauen, ob FBI-Agentinnen,  Soldatinnen oder andere Powerfrauen, die nach einem Trauma oder warum auch immer einen Hau weg haben , unter Gedächtnisverlust leiden und ihre eigene Geschichte rekonstruierne müssen? Beinahe unbesiegbar, stark, aber meschugge. Die Serien haben so schöne Namen wie “Blind Spot” oder “Absentia”, so daß ich sie anfange zu gucken, dann aber doch blöd finde und vergesse, daß ich sie je gesehen habe. nach einer Weile stolpere ich wieder über Namen und glotze, falle möglilcherweise dabei sogar in den Schlaf. ein  Teufelskreis von Filmrissen und Lebensabwesenheit. Ganze Staffel “Absentia” geguckt und erst im Finale erinnert, daß ich  a l l e s  schon kannte. Bedenklich.

10. August, Berlin

Die Baustelle haben die Bauarbeiter übernomme. Zu den Tiefen hat der  Lo. keinen Zugang mehr. Morgen danach. sitzt auf der Bürgersteinkante Kaskelstraße gegenüber von seiner eigentlichen WOhnung, die unbetretbar geworden ist und weint. er sei gestern noch  friedlich eingeschlafen auf dem Ausgrabungsfeld. die letzten Fundstücke seien so kostbar, so einzigartig gewesen, dass er sich glücklich schlafen gelegt hatte. die ARbeit getan. abschließen. es muss sich um kleine Löffel gehandelt haben, eine riesige Kachel aus dem 18. Jahrhundert, in der Breite so groß wie eine Tür.  Geformt, als sei sie über einem Torbogen angebracht gewesen, mit zierlichener Musterung. Das Schönste und Ungewöhnlichste was er je gefunden hat. aufgwacht vom Klang, zerbrechender Keramik und dem dumpf-tönenden Klirren von Keramik, wenn etwas in tausend Teile zerbricht.EIner von den Bauarbeitern war darufgetreten und hatte die gesprungenen Hälften dannzum restlichen Bauschutt geworfen.

Immer geht alles kaputt. auch wenn es Jahrhunderte verschont geblieben ist. Mißlungener Versuch Lo. zu trösten mit dem 3. Satz der Thermodynamik einem Knoppers, und dem Gedanken ,, die Kachel habe einen letzten großen Auftritt gehabt, sei geborgen worden und war vielleicht nur ihn bestimmt, für einen Moment. Er hat sie noch gesehen, er hat sie im Kopf, blind zeichnen könne er sie, sagt er.

Momenaufnahmen. Aufgreifen von DIngen, die man nicht zu Bares für Rares tragen kann, aber im Herzen: ebenfalls verloren, der rußige Backstein in den vor wie viel Jahren auch immer ein Kind die Buchstaben gemalt hat: “MAX IST DOOF”. Lag im Untergrund, wurde ausgegraben, nicht nur der Stein war heil geblieben, auch der zeitgenössische Ruß, ohne daß Sand, Erde, oder neue Geschichts-Schichten den Fingerzeig hätten verwischen können . die Botschaft, daß Max doof ist, kam an, im 21. Jahrhundert, dann durfte sie gelöscht werden. ich wollte aber zumindest erwähnt haben.

27. Juli. Berlin – Wittenberg.

G. brachte mich auf den Weg nach M.  nostalgische Gefühle; wenn ich hinter ihm sitze auf seinem Motorrad und nicht selber fahre, ist die FAhrt eine hingebungsvollere. schön. Fähre bei Mauken. der Fährmann zog in Erwägung  uns den Betrieb zu hinterlassen. aber das ist ein alter Trick. in den Märchen geht sich das nicht gut aus, für die die die Fähre übernehmen. WIttenberg. Bahnhof. Abschied. schönster AUsflug seit langem, vielleicht weil man eine Weile eine RIchtung hatte und nicht der Frust des “Hin und Zurücks” die Fahrt verdarb. lange Weiter-Fahrt im Zug, Frau hinter mir telefonierte so laut. Mann am anderen Ende des Abteils stand auf und bat um mehr Ruhe, da ihn das Gespräch in keinsterweise interessiere. Mich leider interessierte UND nervte es zugleich. die Frau kannte wen aus der Öffentlichkeitsarbeitsabteilung des Friedrichstadtpalastes. Offensichtlich haben große Theater mehr Sorgen  als kleine in Zeiten von Corona.

23. Juli, Berlin

Der Platzregen. das kleine Porzellanpuppengesicht das er auf den Steinhaufen drappiert hat. hinter den Gittern der Bauzäune entstehen auch provisorische Ausstellungen.  die Schuhe die er ausgezogen hat liegen vor dem Brg, es sieht aus, als sei einer  in den Steinen verlorengegangen und nur seine Sohlen seien verblieben. Der Regenborgen, kaum geboegen, aber weitreichend, erst blaß dann in starken Farben, der sich über der S-Bahn Nöldner Platz bis weit in Richtung Friedrichshain spannt. die Traufe. die üppig rinnenden Wassermassen von der der Café-Marquise von “Nadja und Kosta” unter der Lo. duscht. wenn man eh nass ist, kann man nicht nass genug werden. die Trockenzeiten der Ausgrabungen verliert sichim Rinnstein.

 

23. Juli, Berlin

der Platzregen. das kleine Porzellanpuppengesicht das er auf den Steinhaufen drappiert hat. hinter den Gittern der Bauzäune entstehen auch provisorische Ausstellungen.  die Schuhe die er ausgezogen hat liegen vor dem Brg, es sieht aus, als sei einer  in den Steinen verlorengegangen und nur seine Sohlen seien verblieben. Der Regenborgen, kaum geboegen, aber weitreichend, erst blaß dann in starken Farben, der sich über der S-Bahn Nöldner Platz bis weit in Richtung Friedrichshain spannt. die Traufe. die üppig rinnenden Wassermassen von der der Café-Marquise von “Nadja und Kosta” unter der Lo. duscht. wenn man eh nass ist, kann man nicht nass genug werden. die Trockenzeiten der Ausgrabungen spült der Rinnstein hinweg.

22. Juli, Berlin

Der Baum bleibt verschwunden. habe den Tatort aber immer noch nicht gesehen, weil mein Schreibzimmer zum Hof geht und mein anderes Zimmer so durcheinander, dass ich es eh kaum betreten kann. Und im Flur liegen immer noch die Relikte. der Sohn hatte beeindruckendere Fundstücke geborgen. einen Lampenschirm aus Glas auf dem die seltsamsten Kristalle wachsen (dem Impuls darüber zu wischen, soll man widerstehen, sagt Lo., weil auch diese Krusten udn Schichten und Ornamente etwas zu erzählen haben), einen massiven EIsenwinkel mit schlichter Verzierung…

ich werde nicht mehr hingehen, der Sog ist zu groß. Es ist letzendlich eine Art Treibsand, in dem man sich selbst verlieren kann. Geburtstagsfeiern entgleiten einem, Schuhe, das Maß…

Daß der Sohn aber gräbt, gefällt mir, er kann das auch maßvoller als ich. er bleibt bei sich. erinnerung an die zeit in der der Palast der Republik abgeissen wurde. er war damals vielleicht zwölf. damals fand man auch Spuren anderer Zeiten: den Friedhof eines alten Klosters. Archäologen waren mit Ausgrabungen beschäftigt. die andere baustelle musste warten. der Sohn hüpfte in den liegengebliebenen Schuttbergen des ehemaligen “Palastes” herum und  fand Scherben von Fallrohren, Kacheln und Sonstiges. Er zeigte sie den “Kollegen” der anderen Ausgrabungsstätte, die ihn aber nur auslachten. das sei ja nichts historisches. der Kosterfund sei viel Älter. die Frage: “aber die Zeit schreitet doch voran? irgendwann sind auch die Relikte des Palastes der Republik historisch – wenn sie es nicht soweiso sind. eine zeit ist zu Ende gegangen. eina neue beginnt… die erstmal die noch ältere zeit heraufkramt und ein Stadtschloß alt auf neu entstehen läßt. ist das nicht der beste Beweis wie schnell DInge aus der Mode kommen, wieder in sind, ob Möchsgebein oder Fallrohrbrüchstückhaftes der DDR.  wieso haben Historiker so wenig Phantasie?

der Sohn erinnert sich nicht an die Geschichte. vielleicht weil die Archäologen damals so wenig motovierend waren.

21.  Juli, Berlin

Offensichtlich hat jemand die Akazie vor unserem Haus abgesägt. Der Sohn fragt, ob ich gemerkt hätte, daß sie weg ist. Laut solls gewesen sein. heimlich in aller Früh. Habs weder gehört noch gesehen. trau mich kaum hinzusehen und habe das Haus heute nicht verlassen.

22. Juli, Berlin

Der Baum bleibt verschwunden. habe den Tatort aber immer noch nicht gesehen, weil mein Schreibzimmer zum Hof geht und mein anderes Zimmer so durcheinander, dass ich es eh kaum betreten kann. Und im Flur liegen immer noch die Relikte. der Sohn hatte beeindruckendere Fundstücke geborgen. einen Lampenschirm aus Glas auf dem die seltsamsten Kristalle wachsen (dem Impuls darüber zu wischen, soll man widerstehen, sagt Lo., weil auch diese Krusten udn Schichten und Ornamente etwas zu erzählen haben), einen massiven EIsenwinkel mit schlichter Verzierung…

ich werde nicht mehr hingehen, der Sog ist zu groß. Es ist letzendlich eine Art Treibsand, in dem man sich selbst verlieren kann. Geburtstagsfeiern entgleiten einem, Schuhe, das Maß…

Daß der Sohn aber gräbt, gefällt mir, er kann das auch maßvoller als ich. er bleibt bei sich. erinnerung an die zeit in der der Palast der Republik abgeissen wurde. er war damals vielleicht zwölf. damals fand man auch Spuren anderer Zeiten: den Friedhof eines alten Klosters. Archäologen waren mit Ausgrabungen beschäftigt. die andere baustelle musste warten. der Sohn hüpfte in den liegengebliebenen Schuttbergen des ehemaligen “Palastes” herum und  fand Scherben von Fallrohren, Kacheln und Sonstiges. Er zeigte sie den “Kollegen” der anderen Ausgrabungsstätte, die ihn aber nur auslachten. das sei ja nichts historisches. der Kosterfund sei viel Älter. die Frage: “aber die Zeit schreitet doch voran? irgendwann sind auch die Relikte des Palastes der Republik historisch – wenn sie es nicht soweiso sind. eine zeit ist zu Ende gegangen. eina neue beginnt… die erstmal die noch ältere zeit heraufkramt und ein Stadtschloß alt auf neu entstehen läßt. ist das nicht der beste Beweis wie schnell DInge aus der Mode kommen, wieder in sind, ob Möchsgebein oder Fallrohrbrüchstückhaftes der DDR.  wieso haben Historiker so wenig Phantasie?

der Sohn erinnert sich nicht an die Geschichte. vielleicht weil die Archäologen damals so wenig motovierend waren.

21.  Juli, Berlin

Offensichtlich hat jemand die Akazie vor unserem Haus abgesägt. Der Sohn fragt, ob ich gemerkt hätte, daß sie weg ist. Laut solls gewesen sein. heimlich in aller Früh. Habs weder gehört noch gesehen. trau mich kaum hinzusehen und habe das Haus heute nicht verlassen.

20. Juli, Berlin

…aber dann doch hängengeblieben. Zunächst schien Essen dringend von Nöten zu sein. aber dann sollte ich vor allem einen Lötkolben holen. drei Lötkolben besitze ich, aber der, den ich brachte war wohl kaputt. er hatte eine Lampe reparieren wollen, aber am Ende taten es doch die Handies. erst im schönen Sommerkleid (wegen der Geburtstagsfeier) am rande, dann doch den Absprung gewagt. egal… die Schnürespandrillos noch ausgezogen, dann in die Tiefe. das schöne Sommerkleid – egal. wenn man am Rande steht, wo Lo. der den Stromkasten anzapfen darf,  auch Tee kocht oder  auf dem herausgehobenen Pflastersteinplatte sitzt wie auf einer Miniaturterrasse und in die Grube blickt, wirkt es wie ein abgründiger Sandkasten. keine Ebene, kein eindeutiges Loch. Drinnen ist es eine ganze Welt ohne oben und unten. begonnen zu graben ohne zu wissen was ich tue, er hatte gesagt, es sei jetzt keine Zeit zu erklären! EInfach den Sand hinter mich schaufeln mit einem verbogenen Blech. “Schau, so!” er zeigt es und eine Ladung  landet in  Gesicht und  Kleid.  – schnell ist es egal. es ist Sand-Taufe. Plötzlich ist es so leicht. Geht von der Hand wie nichts. schaufeln, graben. zwischen den Händen tausend zerbrochene Dinge. Lehmklumpen. GLasscheiben. eine, runder Flschengrund, hat ein T eingravivert, es sieht aus wie das Logo von tengelmann. GIbt es Tengelmann überhaupt noch. oder ist er auch schon Geschichte? weiter. ich grabe mich frei. ich schleudere hinter mich. ich höhle aus. irgendwann stellt sch heraus, dass das Loch dass ich grabe keine Schätze birgt, dass weiß Lo bereits.  sollte dem Zweck dienen, dass ich darin Knien kann und unterhalb des Kellerbodens dort Schichten abklopfen kann, die vielversprechender sind. “ICH KANN DAS JETZT NICHT ERKLÄREN. MACH ES EINFACH”. – “BRÜLL MICH NICHT AN!” “JETZT SIEHST DU MAL WIE DAS IST!” – “WAS IST DENN?” immer wenn wir unter Druck stehen, schreien wir uns an. Immer wenn der eine bestimmt, und der andere wissen will… mal ist er das, mal ich…. kaum ist ar aber in seiner Nische verschwunden, ist es wieder egal. Lo. ist so weit  entfernt… er ist eigentlich sofort vergessen, denn es ist dunkel… – daß das was nicht direkt vor AUgen oder in Händen liegt, eigentlich nicht existent ist.  Lo. mag die Zeit im Genick sitzen – morgen kommen die Bauarbeiter und die Ausgrabungsstätte wird enteignet – aber eigentlich ist eh keine Zeit. Zeit existiert schlichtweg nicht. alle Zeiten liegen in schichten in der grube. ich, unerhalb des Kellerbodens krabbele dann doch höher. hier hatten Menschen ihre Regläsern. der Schuster seine Werkstatt?, hier lagen später russische Soldaten verschanzt. hier klopf man mit dem Hammer und schält Zeug aus der Wand. wieso ist keine Wand? wieso ist alles weich und ich schwimme in einem trockenen Meer, auf Wellen aus Sand. Ich suche nichts. ich finde Weniges. egal. EIn EInweckglas. ein Türscharnier, eine keramikplatte in die sich ein längs liegender Nagel gepresst hat, wie ein Fossil in eine Sollenhofener Platte. EInen Ring aus porzellan in der Größe eines Haribolakritzstückens mit Kokos drumherum- Ehrlichgesagt ist es mir beinahe schon gleichgültig, was da ist. ich wühle mich durch den Grund und denke der Grund ist einfach hier und jetzt da zu sein. Oben und unten gibt es nicht mehr. die NAcht wird kühler, egal. das Kleid ist grau un dfeucht. die nackten Füße graben ebenso wie die Hände. aber die stecken jetzt in Handschuhen, das geht besser, sie werden zu  Schaufelrädern eines RAddampfers. Das schwache Licht… ich kann mir jetzt vorstellen, dass man an einen Punkt kommt, an dem man einfach nur in den Eimer pinkelt und seine Schätze darin wäscht… – bevor das passiert….  die Kurve gekriegt. jetzt zurück oder nie.  die Schuhe, die Jacke vergesse ich. ich merke nicht einmal dass ich barfuß bin. beeile mich, da ist  ja noch das  Fest, zwei Ecken weiter. als ich zurück will in den Hof,  auf die Party, ist schon längst alles vorüber. wie lange ich weg war habe ich vergessen.

19. Juli, Berlin

Gestern Abend dann doch noch zur ehemaligen Garage. In Richtung S-Bahn türmt sich der märkische Sand, dann abfallend geht es in die Tiefe. hin zur Seitenmauer des Cafes wieder steil hinaus. schwindelerregend. man sieht es nicht gleich, nur fern hinten der warme Schimmer der Baulampe. rief seinen Namen und Lo. tauchte auf wie aus einer anderen Zeit, einem anderen Film. ich hätte ihn nicht erkannt. dünn ist er eh geworden, das selbst geschnittene Haar grauer –  finsterer Kumpel seine Augen leuchtenden unter dem Hut hervor.  hätte ich nicht gewußt, daß er es ist, ich hätte mich ein bißchen gefürchtet. wollte gerade Feierabend machen, er wirkte zittrig. wer weiß wie lange er zu Gange war. zu Grabe war. es sei ein Endspurt. denn in zwei TAgen würden die Bauarbeiter kommen. Tee, den ich mitgebracht hatte getrunken. Orangen geholt. er schält sie mit erdigen Händen, Trauerränder-Kante der Nägel. zeigt seine Schätze. holt sie aus einem schwarzen EImer voller Wasser, neun doch nicht Wasser: nicht wundern über den Geruch, schwefel-sauer seien einige Fundstücke, undr Phosphor der Bombensplitter… außerdem habe er reingepisst in den EImer. von seinen HÄnden tropft es, als er mir etwas entgegenhält.  ich nehme es dann doch. Er war schon immer ein elementarer Mensch. sein Barfuß-Gehen in der Sommer-Stadt finde ich zuweilen idiotisch, aber hat seine Gründe. Er hat seine Abgründe. Er ist kein BLender, kein Pseudo-Archaiker. er hat sich in den vielmehr in den Abgrund verbissen und es ist inzwischen egal. “Leute”, sagt er, “kommen und gehen.” die meisten finden es gut. wer ihm unterstellt, er bereichere sich hier, dem bricht sich Bahn die ehrliche Entrüstung und das ebenso ehrliche Angebot: “Nimm die Sachen, nimm sie selber, aber dann mach auch weiter, dann schaffe das Werkzeug hier her und wierder zurück, dann archiviere, kathalogisiere, schreibe auf… jeder kann sehen, wie ernst er die Arbeit nimmt. DIe Leute vom Stadtteilmuseum, das gleich eine Ecke weiter auf seiner Fassade die Schrift trägt RAUM FÜR FREIRAUM, hätten auch mal vorbei gesehen. höflicher Mensch der Direktor (leider nimmt er mich nie ernst).  Auch Lo.’s archäologische Ausgrabungen sind für Museen wie diese nicht wirklich von Interesse. es müsse schon passen. Fände Lo. hier ein ganzes Schuster-Sortiment, hier wo das Haus des Schusters in Dutt gegangen ist, sei es was anderes. aber die vielen “DIngse von Dächern…” Am ENde zu müde gewesen um weiter zu bleiben. Ahnung, dass der Feierabend nicht wirklich gekommen war. ich ging heim. Sehnsucht, nach DIngen zu graben. ob von Dächern oder vom Krieg. ob nach Kinderhänden oder SPiralwindungen, Pisspötten oder keltischen Messern. stattdessen nachts Kuchen gebacken für den Freund…

                                                                               ***

…Der hat heute Geburtstag. Kuchen, die ich ihm backe sind fast immer ungenießbar. das weiß er und isst darum meistens kein Stück. die die er nicht isst, sind aber genau immer die die richtig gut werden. man weiß es freilich nicht immer vorher (denn gut aussehen tun sie meistens schon). Es ist wie mit Schrödingers Katze. am besten läßt man die Kiste zu.

                                                                               ***

Kuchen tatsächlich entsetzlich. Zuckerschock. wenn man schon Backmischungen nimmt, sollte man sich an die Gebrauchsanweisung halten. Immer zu viel des Guten. ich werde ein andermal darüber nachdenken, was das bedeutet. Die Feier war schön. Irgendwann kam dann der Anruf, ich solle doch schnell zur Baustelle kommen… (der Sohn war diesmal vor Ort und grub mit). Hatte nur kurz nach dem rechten sehen gewollt, aber dann… […]

18. Juli, Berlin

Vergessen gehabt, dass viel WIchtigere DInge sich abspielen. die Funde die  der Lo. im Schutt des abgerissenen Garagenhofes geborgen hat (die Hand in der Hand, die Embleme, Orden, die Helme)… – nun ist die Baubstelle sein EIgenreich gewordne und Ausgrabungsstätte. Ich weiß es von A. der ganz aufgeregt einen köchrigen Pisspott anschleppte, den er ausgebuddelt hatte mit Lo. un steht der Pott im Flur. welche Hinterteile besaßen ihn früher? der des Schusters? es ist kein großer Pott, vielleicht war es der Topf der Kinder.  sage A. dass es WG-praktisch ist, wenn einer zu lang im Bad braucht, kann der andere den Pott benutzen. natürilch dennoch unpraktisch, da löchrig. ANflug von Neid. Hätte ich doch nur Zeit! wollte auch gehen in den Erwachsenen-Sandkasten, aber traute mich nicht vor den Augen der Cafe-Sitzer. nicht wegen der Absperrungen, sondern weil es klar ist, dass es das Hoheitsgebiet des Lo.  ist. Er grabe dort von früh bis spät. in der Mittagshitze aber wohl doch nicht.

Stattdessen zu Fuß Dinge erledigt. Blasen an den Füßen. Hatte vergessen wie es ist ohne Räder.

17. Juli, Ingolstadt

Rückreise mit Flixbus. Wut, weil die automatische Ansage sagt, dass  keine Snacks angeboten werden können (wegen der aktuellen Lage), aber “andererseits” man sich freue, die Waschräume zur Verfügung stellen zu können. die andere Seite der Nahrungsaufnahme. glatte Lüge. wurde in Ingolstadt vertröstet, dass man in einer halben Stunde in Münchberg halten würde. diese weitere Lüge aber durchschaute ich dann doch. von Ingolstadt bis Hof in 30 Minuten! Fahrer dann doch nett. Kann nihct aufhören diese Geschichte zu erzählen, obwohl sie banal und im Grunde langweilig ist. Toiletten-Lockdown. Ja. gibt Schlimmeres.

Juli, Neukeferloh

Das leckende Dach, dessen Riss ich nicht finde. die Versuchung, die magische Klebebandrolle aus dem Internet zu kaufen. sie klebt sogar Wasserrohrbrüche während sie geschehen.Die Mutter ist skeptisch, aber was weiß sie schon vom Internet! Nachdenken über Sackgassen und falsch gewählte Namen. wer hätte gedacht, dass Eternit nicht für die Ewigkeit ist. Und Bitumen… es klingt nach Nomadenstämmen in Finnland. Wo nur verlaifen die Risse. eine AMsel trippelt über das Blech zwischen Garten mauer und Terassendach. sie muss sich ducken und läuft wie ein Aufziehvogel. das Geräusch der Füße auf dem Aluminium klingt, als käme es von einem inneren Mechanismus des Vogels. er läuft gerade und schnell und verschwindet dann in den Blutpflaumen.

Juli, Neukeferloh

Der Vater ist schweigsam. er sieht wach aus verfolgt die Gespräche und wirkt beeindruckend wissend. vielleicht weil er schweigt. Sein Bart ist üppiger geowrden und insgesamt wenn er von der Seite mir runzelnder STirn (seines sonst so überraschend glatten, braun gebrannten Gesichts) das Gespräch verfolgt, wirkt er wie Mandy Patinkin in Homeland. Die Mutter un dich besprechen was zu tun ist. ALltägliches. Bei den Zwergen vorbeifahren… zum Beispiel. er sagt nichts, aber ich sehe ihn angestrengt nachdenken. was bedeutet “Zu den Zweregn fahren”. vielleicht klingt es genauso unnachvollziehbar wie alles was wir besprechen.

“Zu welchen Zwergen wollt ihr denn jetzt… schin wieder…?!” sehe ich ihn denken. Behutsame “WIe-DU-Weiß-Information” Dabei hatte er das Wort selbst geprägt vor Jahren, als sie das Areal am Wald, zum Wertstoffhof machten. Wie Du weißt, hast Du damals ja die Arbeiter so genannt, weil sie hochmotiviert mit Schubkarren zu Gange waren, da hin das Holz, dahin die Pappe. die Lampe… kann man noch reparieren! vielleicht hatte auch einer einen Bart getragen, und incht zu vergessen, die Nähe zum Wald. gleich hinter den Zwergen stehen die Tannen dicht. ich erinnere mich sogar, dass an diesem Waldrand zum ersten Mal Glühwürmchen tanzten  – die ersten jedenfalls , die ich je sah. Jetzt ist dort die Neukeferloher BSR. ihre BÄrte haben sie inzwischen versteckt unter blauen Einmal-Schutz-Masken.

[ein Datenverlust! der sich erstreckt vom 10. Juli bis 18. Juli.  und ich bemerke ihn erst jetzt. das “umsonst Geschriebene” wurmt mich dermaßen, dass sich prompt eine Schreibblockade einzustellen beginnt. ich durchbreche sie hiermit hiermit hiermit hiermit. hier mist mist hit hindemith hinter dem horizont honda hoch habe nun ach ach ach hut ab allerleirauh hau rein rauf und runter ruhe sanft ras nicht rüber rigel rot rachenabstrich rübezahl radieschen rapunzel rarara rattenfänger rufe… – nun is gut!]

9. Juli, Erzgebirge

Diesmal doch vorbereitet. Das wohl gute Wetter. die Route durch Tschechien. Oberwiesenthal. Neuendorf – den Ort wollte ich mir merken, aber ich habe vergessen warum. der Bach , der sich durch die Schierlingssterne windet. höher. doch leichter Nieselregen. höher. Nebel. die Frau im Navigationssystem nicht mehr beachtet, die partou hier halten will,  mich im Kreis schicken würde nach Oberwiesenthal Zentrum, keine Ruhe gibt. dann doch gehalten und sie abgestellt. Kehre hinter der Stadt, Fichtelberg. es müsste eine tolle Aussicht sein, aber der Nebel ist jetzt so dicht… doch ein Märchenland! Höher. Tschechische Grenze. denke, ich muß Vigniette kaufen, weiß nicht genau. Hätte eh nicht gemußt. Tankstelle im Niemandland. sehe sie aber nur auf dem Schild.  schnurgerade Straße wie Radweg.  steil abwärtsweiter durch eine Geisterstadt, Ort hinter der Grenze wie ausgestorben . alt und vergangen und vergessen. Die 50er Jahre. die Häuser-Häuser. ich bin in Tschechien… Zug des Gashebel reißt. ADAC. wie immer. wohin und zurück.

***

Der Nebel hat sich verzogen. Sehe nun: So leer ist der Ort nicht. das nächstbeste Lokal, nicht schön, aber dennoch warum auch immer gemütlich. SOlide. Hätte gerne Knödel mit Semmelbrösel und Sauerkraut gegessen, aber fürchtete, nicht fertig zu sein, wenn der ADAC kommt. herrliches Bier, klein aber in ordentlichem Glas. Der ADAC kommt aber nicht. hätte viele Knödel essen können.Es dauerte schon ewig, bis daß ich den ADAC erreicht hatte. kein Netz. nur draußen vor dem Haus, dann die falsche der ADAC-Nummern gewählt. ein Besserwisser-Mann am anderen Ende wiederholt demonstrativ immer wieder, “hier ist der a m b u l a n t e   Dienst  des ADAC!” – “ja, schön! ambulante Hilfe für mein Motorrad. Ist doch richtig. nicht stationäre EInlieferung, sondern erstmal Hilfe vor Ort…” Das Gespräch dreht sich im Kreis.  Der A M B U L A N T E  Dienst sei hier! – NIx ix hier. Und die Leitung ist mies.  es ist ein Ort an dem man aber dennoch bleiben könnte. für immer. und auf ambulante Hilfe vergebens hoffen. Knödel essen. An der Grenze. für immer.

8. Juli,

die unvorhergesehene Route, die seltsame Art Entscheidungen zu treffen.  via Potsdam? via Dresden? durch Tschechien? über Hof? Ich kann die Entscheidung immer erst auf dre Autobahn greffen, 200 m vor der Abzweigung Schönefelder Kreuz. die A9 wäre schneller gewesen. das Entziffern der Wetterprognosen im Handy bereits in Luckau. lang in der Raststätte, weil der Regen so dicht fällt. dann doch weiter, die ausgebesserte Straße – waren hier nicht mal Fahrbahnstreifen aus der Bahn geraten, als wäre der, der sie auf die Straße fuhr betrunken gewesen… – inzwischen alles wieder gerade.

warum zieht es mich ins Erzgebirge? Die weit und breite Stadt Chemnitz endloser Stau, wär so gerne in dem alten Schulhaus übernachtet, in der Pension in der ich versehentlich den Schlüssel mitnahm. NAmen des Ortes vergessen. kurz vor Oberwisenthal. Erzgebirge. schon das Wort.Es klingt so steil und gefährlich.  und dann sieht alles aus wie Hügellandschaften, weich und bauchig, mit schmalen Bächen in den Tälern. die schrohen Häuser. Bleich und düster. dabei so schön gelegen. Märchenlandschaften, aber die Häuser nicht niedlich. wieder Unentschlossenheit, daher nicht Oberwiesenthat, Auch nicht das schöne HOtel versteckt am Waldhang mit Blick ins weite land, dachte an das Prachthotel auf der Straße nach Triest. an den Klippen. der Fahrstuhl zum Meer…. hielt sogar 2 Kilometer später an und fragte nach einem Zimmer. es hätte eins gegeben. WIeso bin ich dann doch weiter. weil geärgert, dass ich für das Doppelzimmer  5 € mehr hätte zahlen müssen, als für das Einzelzimmer, das gerade weg gegangen ist. dummer Geiz. es sah so schön aus. watum fällt es mir so schwer, zurückzufahren.  immer will man weiter wenn man fährt. schon das Halten tut weh.  Egal. einen Fahrstuhl zum Meer hätte es eh nicht gegeben. Weiter. Früher als ich noch hinten drauf saß auf dem Motorrad, also  Beifahrer war, wollte ichimmer anhalten und alles “In echt” sehen, was rechts und links an mir vorbeiflog; jedes Kopfdrehen und genauer Hinsehen hätte NAckenschmerzen bereitet. Wenn man selber fährt, stürmt es auf einen zu, die Welt fällt einem frontal ins Auge und trotzdem hat man sie hinter sich gelassen, bevor man nur denken kann “schön!”. dann ist man süchtig nach mehr. weiter. Dachte Aue müsse schön sein. aber nein. Flöha… auch nix. müde in Bad sowieso. untergekommen. wieder zu Teuer. eigentlich nicht wirklich teuer, aber der Wirt nennt Preis, den er im selben Atemzug um 5 EUro teurer macht, wegen Last-Minute-Buchung. wieso das? Frühbucher-Rabbat ist ja okay, aber Spontanitäts-Straf-Tarif? Er hat doch gespart?! hat nichts notieren mmüssen, musste nicht zum Telefon rennen, nicht im Gästebuch blättern. ZIehe in Erwägung zurück über Flöha, und Aue zu fahren zu dem Hotel am Meer. aber doch zu müde. Wieso reiben die einem hier immer die besseren Preise unter die Nase, die man nicht haben kann? hätte er ihn gleich teurer genannt, wäre ich gut gelaunt in das  stickige Teppich-Rankenbemusterte Zimmer gegangen. Flucht in das beheizte riesige Badezimmer. hockte eine halbe Stunde in der Dusche. dann doch irgendwann warm. Thüringer Klöße und ich dachte ich bin in Sachsen.

3. Juli

Lo. hat die Hand aus Porzellan gefunden, die einer Puppe gehörte, die einem Kind gehörte. dessen Hand verschmolz mit der Puppe.Bomebentreffer von 1944. vielleicht eins von  den acht Kindern des Schusters. die in dem Haus wohnten, das nach dem krieg zum Garagenhof wurde. immer sahen die Garagen aus wie aus alter zeit. ich hätte gerne eine gehabt, aber si ewaren schwer zu kriegen. Er fand noch mehr unter den Garagenhöfen, die nun ebenfalls Geschichte sind. hat man nie danach gesucht? einfach die GAragen darüber gebaut, sie wieder abgerissen 76 Jahre damach… so viel Schutt, so viel verlorenes… und nie guckt einer genau hin? nur Lo. gräbt sich durch die Welt und sammelt die Scherben…

***

langsamer Tag, erst zum Ende hin wirklich zum Schreiben gekommen. aber der Lo. kam vorbei. längst sind wir wieder versöhnt. aber lange nicht gesehen auch. er müsse mir etwas sagen.  ob ich runter komme, ob wir an der Wasserpumpe sitzen wollen. immer sitzt er lieber auf dem Aphalt. seine Zehen sind lang und zierlich, braun gebrannt , das Haar hat er kürzer, mit welcher Gras schere hat er es geschnitten. Tinte wie gebrandtmarkt, zieht einen  Kreis in die Haut. er trägt einen schwarzen Glitzerpulli und schabt an einer Kachel herum. sonst ist alle an ihm erdig und tief verwurzelt mit diesem Leben. Tiefe Verzweiflung. schnell wieder Lachen. irgendeiner kommt. sitzt ebenfalls auf dem Sphalt im Schneidersitz. geht wieder. Die Männer haben geraucht und mir nichts angeboten, dabei hatte ich schon überlebt wie ich ablehnen würde. Leute kommen und begutachten den Linienverzweiger gegenüber der Pumpe und fragen sich was das ist ein Linienverzweiger. Ich erkläre es. Lo. erzählt von den Füchsen im Kiez. Natürlich weiß ich, dass es die gibt, aber weil nie darüber nachgedacht, war ich immer davon ausgegangen, dass es nur einen gibt. Klar, ich sah ja auhc immer nur einen. er sagt, er sähe genau von welcher der drei Nester die Füchse seien, wenn er sie trifft. Natürlich trifft er sie. möglicherweise kennen sie ihn auch heraus unter allen Menschen die hier leben und die allesamt gleich aussehen in den Augen der Füchse. Lo. erzählt viel. sprunghaft und ohne Ende. von den Menschen die nicht mehr hier leben. die alten, die seltsamen, die Armen, dem jungen Autisten, der seinen Eltern zu anstrengend war, vom rotgesichtigen Wille, der längst nicht mehr ins Stadtbild passen würde, immer freundlich durch die Straßen getorkelt, manchmal geschmeidig, manchmal beinahe in zeitlupe. von der Alten, die die katzen gefüttert hat, die irgendwann weg war, aber nimmer noch kam, manchmal sogar in der nacht, um die Katze zu füttern an der alten Apotheke. Ein Hund kommt., trinkt Wasser aus der Vertoefung unter der Pumpe. natürlich kommt er auch zu Lo. ich sitze in meinem neugehäkelten Kleid, das lange Zeit wie eine gehäutete Katze aussah, aber am Ende doch noch form angenommen hat auf meiner Lederjacke.  ich will eigentlich heim. aber ich werde diesen Moment vermissen. ich bleibe. jetzt wo der Hund weg ist, zieht Lo. seltsamerweise noch ein Beil aus dem Wasser. ich vergesse zu fragen warum er dort ein Beil deponiert hat. Dann erzählt er dass jemand ihm ein Haus geschenkt hat in einem steinigen Landstrich in Tunesien, voller Olivenbäume. ein kleiner Streifen Meer. es muss stimmen. es muss stimmen. es muss wirklich stimmer, denn er hat es geträunur wenige Tage vorher. der bluae Himmel, die weißen Wolken, ein Haus aus Lehm. Olivenbäume, so weit das Auge reicht. ob es weit reicht das Auge? Lo. findet immer DInge. er findet und sammelt; er verstreut. er bewahrt.

2. Juli

zu spät zur Blutabnahme erschienen. einen ganzen Tag. ich habe es vergessen über den Theateranträgen. der BioTech-Konzern, der hinter der Impfstudie steht, verkündet Erfolge. Seltsamerweise behaupten die Ärzte/Pfleger/Schwestern im gläsernen Palast, das seien nur die Ergebnisse aus Amerika. In allen Zeitungen wird aber die deutsche FIrma zitiert. was denn nun?! naja, dann weiß man wie immer halt wieder nichts. fhle mich dennoch super-immunrede-und-antowert-stark.

Fahrt zurück heute sehr langsam, weil immer ein Polizeiauto vor oder hinter mir war. Am Brechthaus immer noch kein neues Graffiti, aber jemand hatte Plakate hingeklebt, die zwar abgerissen wurden, aber man kann noch lesen… –  allerdings dann sofort vergessen.  am Platz der Nationen steht immer ein Zitat von Hanna Arendt, das ich mir inzwischen gemerkt habe: “Niemand hat das Recht auf Gehorsam” der Quatsch Comedy Club verkündet: “je weniger es zu Lachen gibt, desto mehr sollte man es tun.”

1. Juli.

Habe ich Superkräfte? bin ich jetzt immun?

29. Juni

Aufgewacht auf einer Tafel Milka Schokolade Dark Karamell. Aus süßen Träumen und völlig verschmiert.   Eingeschlafen über einer Folge The last Kingdom

***

Frau auf Bank vor dem Kinderhaus Felix in Marzahn sieht mich fragend an und sagt schließlich:

„Ein Uhr?“

„Nein, nein, es ist erst kurz vor zehn!“

Sieht enttäuscht aus. Das war weil sie nicht nach der Urzeit gefragt hatte, sondern die Frage war.

„Ein Euro?“

für Brot fügt sie hinzu.

***

[…]

25. Juni

Korrekturen: der Acheron hat gar keine “Unterstömungen” des Vergessens und des Erinnernd. die Flußlandschaft um die Unterwelt herum ist viel klarer umrissen.  es sind fünf verschiedene Flüsse, einer windet sich sogar 5 mal um das Jenseits herum. DIe Lethe ist ein Fluß für sich. der des Vergessens, ja richtig. was aber falsch ist: es gibt keinen Fluß Mneme. Mneme ist eine Muse und ja, sie ist für Erinnerung zuständig.  aber anderswo. Und der  Alt-Bundespräsident hieß Scheel und nicht Schehl. (ich weiß, mit den Korrekturen, insbesondere der Rechtschreibung ist es so eine Sache es nähme kein Ende, wenn ich damit beginnen würde. ich kann nur so Blog-Schreiben)

24. Juni, Berlin

Der Rechner ist so voll und so langsam geworden, dass die ersten tag in berlin nahtlos zu einem einzigen Tag-Und-Nacht-Brei zusammengeschmolzen sind. Filmschnitt. der nicht enden will. Datenmengen, die das Volumen sprengen und sogar zu, Auslagern zu groß sind, weil der Transfer zu viel Platz braucht. die Hand zuckt und klickt. Nerven liegen bloß im wahrsten SInne des Wortes. wo die Nadel des Arztes neben die Vene getroffen hatte (schon okay, kann passieren, aber wie geht das jett weiter?) ist der Nerv verletzt und Ameisen laufen bei jedem Klicken. seltsamerweise laufen sie auch immer höher. der Studienarzt sagte, die Nervenwand sei defekt. und es dauere bis sie wieder neu gewachsen sei. stelle es mir vor wie eine meiner schlampig gelöteten Konstruktionen, wenn die Stellen wo die Drähte bloß liegen aneinandergeraten gibt es Kurzschlüsse. Wirklich genervt bin ich aber in erster Linie von dem zu langsamen Rechner.

[…]

23. Juni, Harthausen – Greding – Wiepersdorf.

Früh ADAC mit gewaltigstem aller ADAC-Fahrzeuge. HInabschweben auf der Tragefläche in die Nippon-Power-Werkstatt Harthausen. beinahe wie EIngeflogen werden. warum fühle ich mich königlich, wenn doch immer nur alles kaputt ist? in der Werkstatt aber erweist sich das Motorrad als völlig in Ordnung. Beim Hans springt sie sofort an. Sein Kollege meint, die jungen Mädchen wollen ja nur von ADAC abgeschleppt werden. Ich wirke also jung und nicht königlich. auch okay. Beim Losfahren wollen dann doch wieder nix. Die Delitscher Büroklammer wird entfernt. endgültigere Überbrückung. Gespräche über Grundstückspreise und dass, wer lieber in Harthausen eine Werkstatt aufmachen will, stattdessen nach Jüterbog ziehen muß, um erschwingliches zu kaufen oder mieten. Hans findet, ich hätte damals das Bahnwärterhäuschen in O. in jedem Fall kaufen sollen. Ich weiß. Und dran denken, den Seitenständer hochzuklappen vor dem Losfahren. Auch das weiß ich. Abfahrt.

Raststätte Greding. hier bin ich  als Kind oft übergeben worden, wenn ich zu den Offenbacher Großeltern sollte. wollte. An der Tankstelle lange festgesessen weil Anruf von Redaktion des populärwissenschaftlichen Fernsehmagazines G, die meine Stellungnahmen zum Thema Impfstudien bis zur Unkenntoichkeit verkürzt und verharmlost haben. Ziehe meine EInwilligung zurück. dann doch wieder zugesagt, weil Gegenvorschlag. es sind nur zwei Sätze geblieben. und ich habe keine zeit das Materuial an sich zum Sichten zu verlangen. ich bin unterwegs. unentwegt. Ärger. Leberkässemmel im Hinterhof der Tankstelle. Frustrierendste Ausblicke. Weitergewollt. wieder die blöde Sendung. warum hab ich mich überhaupt überreden  lassen. weil ich was zu sagen habe. immer denke ich ich hätte was zu sagen. man kann es auch in dem Satz zusammenfassen, der einer meiner Lieblingssätze in Horvaths Stück Kasimir und Karoline ist: “Ich weiß ja nicht, ich mein ja nur…!”

ich hätt halt schon viel zum meinen gehabt. Der Artikel in der TAZ hatte mir viel Raum gegeben und dann doch nicht genug, weil Fotos. Platzerschwendung. Und dabei hatte das Filmteam  beim Drehen kein Ende finden  können. Am Ende sogar noch “Heroe-Shot” gedreht; der Kameramann mußte extra die Steady-Cam aus dem Auto holen. Ein Heldenschuß.  Das ist, wenn die Kamera von untem auf einen Zurast und man steht stark positioniert da. zum beispiel mit verschränkten Armen und sieht super selbstbewußt in die Kamera. Das alles hatte so viel Zeit gekostet. Raum gegriffen. Und am Ende bleibt beinahe nichts? Warum ist nie genug Raum? Selbst wenn man in Harthausen sein will, muss man nach Jüterbog?

***

Wiepersdorf, Nähe Jüterbog. Ich war hier lange nicht. es ist der letzte Halt auf der Reise. ich bin seit Leipzig nur Landstraße gefahren. ich bin Fähre gefahren. der bärtige Fährmann rauchte und strahlte eine Gelassenheit aus… so müsste der Fährmann sein, der einem über den Acheron fährt. Selvies und echte Fotos. die breite ELbe. die unendlichen vielen Wölkchen. die unmerkliche Fahrt. noch schöneres dahingleiten als das hiinabschweben Dank ADAC. ich bin unterwegs. fand schon immer, die ELbe einen magischen Fluß. der zwischen Diesseits und Jenseits besteht aus zwei Strömungen, Lethe und Mneme, eine zum Vergessen und eine zum Erinnern. zum Vergessen der Welt und zur Erinnerung an das Wesentliche.

ich erinnere mich nicht wann ich das letzte Mal in Wiepersdorf war, aber ich war sehr jung. es ist das Landschloß derer von Arnim. und mitgenommen hatte mich damals meine Mentorin B. die ich kurz nach der Wende in M. kennenlernte, beteichnenderweise bei einer Leung von Texten von Bettina von Arnim. der Bettine! nach der bin ich benannt mit zweitem Namen. das wilde Mädchen der Romantik, für den alten Goethe geschwärmt, geschrieben, gelebt, Freundin der unglücklichen Günderrode, die sich erdolcht hat am Ufer des Rheins. Ich glaube sie hatte in den Fluß fallen wollen und noch ein wenig dahintreiben wollen, aber fiel hinten über statt hinab in den Fluß. Die Bettine aber war lebensfroh und sprang herum in der literarischen Welt wie ein anmutiger Kobold. Später dann leider lange eher Ehefrau Achim von Arnims – ich erinnere mich noch an einen Satz aus der lesung von damals, er hätte ihr “mal wieder ein Kind gegriffen”. Wiepersdorf ist ein kleines Dorf. lange gefahren bis ich es erreichte. viele Kiefernwälder durchquert, viele verlassene Nester. Hohen-Kuhnsdorf erinnerte ich noch, es muss die Endhaltestelle des Busses sein, den man von Jüterbog (oder Luckenwalde?) nimmt, wenn man nach Wiepersdorf will. das Schloßgut liegt in einem Park, der für alle offen steht, die sich erholen wollen, lesen wollen, Kultur lieben. man kann sich auch als Stipendiatin bewerben, was ich mit 19 tat mit einem Schreibmaschinengeschriebenen Text, ich hätte ihn beinahe nicht abgeschickt, weil das kleine “w” nicht funktionierte und ich alle ws mit einem schwarzen Fineliner hineinmalen musste. es gab diesen text nur einmal. denn ich hatte keine Zeit gehabt ihn zu kopiernen. wehwehweh. ich kam aber nicht nach Wiepersdorf als Stipendiatin, sondern im Schlepptau der B. Immer denke ich mir die Bettine jung, dabei schrieb sie das meiste in den späteren Jahren. vielleicht stilisierte sie selbst das Bild des jungen Mädchens zurecht.? immer denke ich an die B. die andere B.  wenn ich an die Bettine denke. sie wirkt ebenfalls immer wie ein junges Mädchen. selbst jetzt wo sie alt ist. ihr zu Ehren müsste man eine weitere Figur zu den Gestalten hinter dem Schloß stellen,  oder irgendwo  zwischen die Bäume des Parks, ein Rotkäppchen. – das war die erste Rolle der B. in demem DEFA- Kult-Film.

sitze unter einer alten Eiche, von der ich glaube, dass ich damals auf ihrem untersten Ast gesessen bin. Die B. also nicht die Bettine, sondern die Mentorin, die mich mitnahm, hatte in W: eine Residenz und ich, die ich in der ersten Zeit in Berlin bei ihr in Kaulsdorf untergekommen war, wurde mit genommen. Herzklopfen. die schattigen WInkel des Parks. der algige Entengrütze Teich, der von weiten aussieht wie eine hellgrüne kurzgemähte WIese. die Sonnenterrasse und der breite Weg. Spalierstehende Götter aus Stein. sehr kesser Kriegsgott oder Soldat, der sich auf sein Schwert stützt und darauf zu warten scheint, dass der wind das spärliche Stückchen Stoff um den Lendenbereich wegweht. Vielleicht wurde er just in diesem Moment versteinert.  weiter hinten, an nicht so prominenter Stelle, steht ein spannenderes Grüppchen, seltsame Gestalten, wie Küchenpersonal, das  Rauchpause macht  hinter dem Schloß. Schloss. Menschen, Karikaturen, Elben? einer sieht aus wie rechts die Orangerie…. ich glaube hier durfte ich bei einer Lesung der B. mitmachen. sie hatte mehrere Studenten um sich versammelt und wir lasen Texte mit berlin-Bezug. ich hatte einen kurzen Text zu lesen der mit dem  Satz endete “Endlich… – wir sind in Charlottenburg!”. – worum ging es da? wer will schon nach Charlottenberg!

Erschöpfung von der Fahrt. der Park strahlt eine Ruhe aus… obwohl ein Mensch auf einem winzigen Rasenmäher-Fahrzeug seine Runden zieht, die EIche unter der ich liege umkreist, dann aber doch anderswo weitermäht. vielleicht mäht er den Rasen des Entengrützeweihers. Und uaf dem Dach der der Orangerie klettern Arbeiter herum. an jedem anderen Ort würde nich das stören, oder ich hätte Angst, dass ich störe. aber hier beruhig mich so ziemlich alles. eingeschlafen, aber nur kurz. Gedanke zwischen Wachen und Traum: dass alle Fotos, die wir von Menschen machen, möglicherweise auch Selvies, in einem anderen Universum als Statuen exitieren. Vielleicht gab es nie Bildhauer. oder nur ganz wenige. Vielleicht gab es auch nie Götter. (oder nur ganz wenige) und es sind mehr oder weniger gute, schöne oder verunglückte, verrenkte oder gelungene Momentaufnahmen, die zu Stein erstarrt sind. In eine weiteren Parallelwelt-Szenario landen dann die Seelen der menschen aus Stein.

Wäre gerne länger geblieben. Musikalische Assoziation (ebenfalls in der Hitze des Schattens) eines Volksliedes, das ein ehemaliger Bundepräsident mal sang. das mit dem Wagen, der rollt. Walter Schehl! weil ich im Alter von drei Jahren noch nicht wußte was ein Bundespräsident ist, erklärte man mir, dass sei sozusagen der König. lange hielt ich unser Land für eine Monarchie.

Seitenständer nicht vergessen. Wagen rollen lassen. weiter. es war die schönste Reise von M.  nach B. Stress erst kurz vor Schönefelder Kreuz, weil idiotische LKW-Fahrer mich dauernd von der Mittelspur treiben. Endlich… –  wir sind in Lichtenberg!

21. Juni, Neukeferloh

Ein Facebook-Freund fragt, Miriam geht es Dir gut momentan. Ich kenn ihn kaum, aber die Frageklingt persönlich. Er wiederum schreibt, es ginge ihm okay, aber er sei unterwegs. Schon beneide ich ihn und denke er hielte sich anderswo auf, reiste. Aber er antwortet „Ausländerbehörde und Schule und so“
Unterwegs. Warum heißt es unterwegs? Es klingt, als bewege man sich unterirdisch. Es bedeutet freilich auch einfach, man ist weder da noch dort. In einem geheimen Strom. Unter allen Umständen. Unterhalb der Wege. Stolpert man dahin. Landunter, der Regen fällt und wieder startet die Honda nicht. Ich schiebe mich durch die Welt. Das ist der preis des „Unterwegs sein“.

***

Die Mutter hatte den alten Drucker nur entsorgen sollen, und wollte partou einen neuen Drucker kaufen da wo sie den alten her hatte. Mißverständnis darüber, ob dohc noch Hoffnung bestünde, daß er doch irgendwie noch zum drucken zu bringen sei. Im Laden ließ man sie einen ganzen Satz Tinte kaufen für 50 €, machte testdrucke, und sagte dann, dass da nichts mehr zu machen sei. Sie bestand abwr darauf, dass die Leute dort sich richtig viel Mühe gegeben hätten und sie nicht über den Tisch gezogen hätten. Naja, es erinnert mich an die Werkstatt in Delitzsch. auch sehr nett und ungeheuer kreative Handhabung im Zurechtschnitzen eines Kupplungshebel, aber am Ende gings doch nicht und ich fuhr weg mit einer barock wirkenden Kupplung, die kaum zu bedienen war und einem Büroklammer-Überbrückungs-Konstrukt für den Seitenständer. 130 €. aber sehr nett.

Ich mache mich auf den Weg.

21. Juni, Neukeferloh

Verregnete Mittsommernacht. Dunkel. Der Garten tropft. es ist lange hell, aber hell ist dunkel.

20. Juni, Neukeferloh

Sie kann sich nicht erinnern, einen Rock mit jemem Blumen-Muster getragen zu haben. ich könnte aber schwören. ich sehe sie noch an der Nähmschine und ihn nähen. und ich sehe den Stoff in Augenhöhe um mich flattern. Später erinnern wir uns, dass es vielleicht eine selbstgenähte Sommer-Badetasche gewesen sein mag. Ankerpunkte. wenn man sich austauscht, wenn man Leute von Früher wieder trifft, bekommt man Versatzstücke geschenkt. Mosaikstein für die Erinnerungslücken.

Es stellt sich heraus, dass die Mutter Fieber hat. sie hat ein sehr cooles Thermometer. es erinnert ebenfalls an einen Raumschiff-Enterprise-Phaser, aber einen vom Typ II (Next-generation), nicht einen vom Typ I – die sehen immer aus wie Plastik-Wasseropistolen und in der Impfstoff-Studie benutzen sie sie und  halten sie einem gegen die Schläfe bevor man auf die Station darf, wobei die Temperatur fast immer erstmal 34,5 ist, worauf der Vorgang wiederholt wird und sich dann langsam auf 36, nochwas steigert. seltsame überraschende Unwissenschaftlichkeit. auch mit dem Thermometer der Mutter komme ich nicht klar, aber sie zeigt mir wie er funktioniert, indem sie sich selber misst. dabei stellt sich dann heraus, dass “kein Fieber” bei ihr 38,5 heißt. bin erschrocken über ihre bescheidene Heldenhaftigkeit.

19. Juni, Neukeferloh

Geburtstag der Mutter. die Kuchenform nicht gefunden, dann eine alte Gugelhupfform, die ich für Wandschmuck aus grauer Vorzeit gehalten hatte genommen für die Schokoladen-Tarte. ging überraschend gut. den Vater in den  Regen gescheucht, er solle Blumen pflücken im Garten. erschrocken war er und sagte, dazu sei er nicht vorbereitet. dann aber doch gut. dennoch bin ich hier ein Störfaktor. auch morgens Kuchen essen nicht so gut für den Magen der Mutter wie sich später herausstellt. Bei aller Liebe... fühle mich wie damals als ich mit Sieben Jahren einen schönen Muttertag initiieren wollte mit einer gedeckten Festtafel. Süßigkeiten und Weißwein schienen ein guter Kompromiss. weil um 5:00 früh noch niemand aufstehen wollte und ich nicht länger warten, schenkte ich die Teetasse schon mal voll und setzte mich ans Bett, bis die Mutter wach wurde und streckte ihr den Alk entgegen. Und alle Liebe – viele Jahre lang  – bis ich auf ähnliche weise von meiner Tochter zu eben jenem Anlass geweckt wurde (nur dass eine Zahnbürste bereitgehalten wurde, mit der man mir die Zähne putzte – kein gutes Gefühl! Bei aller Liebe) – dachte ich es sei eine übergriffige und unschöne Muttertags-Geste gewesen, aber inzwischen glaube ich, es war der intuitive Versuch, jemand ein Mittel zu reichen um allem zu entkommen. Und Liebe. gestern bei Aldi eine Flasche Cremont gekauft. die sich auf dem Geburtstagstisch besser macht, dennoch blöd ist, weil sie zur Zeit Antibiotika nehmen muss. ansonsten: Hörbuch, Ingwerkonfekt und SIlber-Shampoo von Tochter und Sohn, Fotos, eine selbstgehäkelte Mütze, Georg-heymgedichte. und eine Sodastream-Glasflasche. die sah ich auch gestern bei Aldi, aber sie passte nicht. das schönste ist das magnetische Klemmbrett, das ich bei K. gekauft hatte, weil es ein rotes Blumen-Muster hatte, von dem ich schwören könnte, dass ich es kenne von einem Rock, den die Mutter trug als ich klein war. der Vater sparte sich einen Schokoladen-Keks vom Munde ab und wir klemmten ihn auf das Brett. eingepackt in Umschlag, auf den er ein Auto malte. den Keks ass er leider später dann doch selbst. trotz aller Liebe.

18. Juni, Neukeferloh

Traum. Ich arbeitete beim Demissionsdient einer Klinik. ich erinnere mich aber nicht an eine Tätigkeit. Nur an ein Papier, das dies belegte. Auf dem Papier war auch ein Krankenwagen gezeichnet, eher eine schmale Pferdekutsche, nicht einmal das – ein Holzkasten, länglicher der an einen Sarg erinnerte. Auf dem Gebrauchsanweisungspapier war er mit einem Pferd davor gezeichnet in bräunlicher Tinte, in echt (also im Traum) war er aber wohl an mein Motorrad gebaut. Der Demissionsdienst war zuständig für Krankenwagen-Fahrten für Leute die bereits wieder gesund waren, also entlassen waren aus dem Krankenhaus und nachhause gebracht wurden. Ich arbeitete aber nicht, ich hatte Pause. Umständliche Entscheidung wo ich das Gefährt parken sollte. Ich hielt vor einem Kino. Das Kino war geschlossen, so dachte ich , der Wagen würde nicht im Weg sein. Dann ging ich eh andere Wege: Neben dem Kino war ein Friedhof. Ich befand mich auf der Höhe einer Stadt, der Friedhof erstreckte sich bergab, es war ein großes Gelände auch eine Friedhofskapelle zog sich schräg nach unten, gotisch, groß, eher ein Dom als eine Kapelle. Den Demissionswagen hatte ich bereits zurückgelassen und sah mich nun doch auf den Friedhof um, denn viele Leute heilten sich um die Kapelle herum auf. jemand sagte es seien die WIndsbacher Knaben. Ich schlenderte hinüber. Niemand sang. Gemurmel, beieinanderstehen, eher wie in einer pause in der Oper. Mnche hockten rauchend zwischen den Gräbern. Kam ins Gespräch mit jemand, einem Mann von dem ich üble Dinge gehört hatte, der aber freundlich wirkte und nicht ahnen konnte, was man über ihn sagte. wir gingen zwischen den Gräbern und es Bestand kein Zweifel, dass dieser Mann unschuldig war, was mir sehr leid tat. (also nich seine Unschuld tat mir leid, sondern die Verleumdung). Ich wollte ihn auf seine Rehabilitation ansprechen, aber traute mich nicht, weil ich nicht wusste, ob er überhaupt wußte, daß man so Schlimmes über ihn sprach. Die Szenerie änderte sich. Der Friedhof war inzwischen übergegangen zu einer ländlichen Sommerwiese, einem Hof, ein Steg mit Wasser. Der Mann war weg. Das Wasser stieg bis über die Wiese, was nicht schlimm war, eher angenehm. Kneippkur-artiges Spazieren. Die J. ehemals Patentante meiner Tochter war dort und redete über dies und das. Auch kam die Sprache auf den Mann mit dem zu Unrecht schlechten Ruf, sie tratschte, aber eher harmloses Smalltalk. Ich versuchte sie taktvoll aufzuklären, dass das, was man sich über den Mann erzählte möglicherweise erlogen war. Dies ging aber nach hinten los, weil die J. gar nichts von den Gerüchten gewußt hatte. Ich schämte mich und sah zu Boden und sah im Wasser einige meiner SD-Karten schwimmen. Ich fischte sie heraus. Nun war auch der A. aus Eckersmühlen da und sagte, die Mini-Mini-SD Karten in der Adapterkarte könne man noch retten, die normalen nicht. Der gotische Dom läutete und die Chorknaben sangen, aber eher wie zum Einsingen. Sie waren immer noch verstreut und außerhalb des Doms. Ich versuchte mich zu erinnern wo ich mein Demissions-Motorrad geparkt hatte, wachte aber auf.

***

Der Esstisch, der immer zu einem Viertel voll ist mit Tuppedosen und Pappschachteln voller Medikamenthe. Und Brillen! der Vater hat eine Brille, die Mutter an die zwanzig. jeden Tag scheinen es mehr zu werden. Vermehren sie sich über Nacht? Beide suchen oft nach Brillen. die Mutter kann nicht anders als ihre eigenen finden, denn es sind so viele. überall. der Vater fand seine heute lange nicht. hatte auch vergessen, dass er sie suchte. aber ein bedrückende Unzufriedenheit mit sich verfinsterte ihn. er ist fast immer freundlich, aber heute brach es aus ihm heraus, die Mutter habe ihm die Brille weggenommen. immer habe sie etwas dagegen, dass er sie trüge. Kurz war sie verletzt. dann sah sie auf den berg der eigenen Brillen un dmusste lachen. sagte, man könne es denken, wenn man die vielen auf ihrer Seite des Tisches sähe. es wirke, als horte sie sie.
Was die Mutter immer vergisst: ihre Ohren. Warum grolle ich, wenn sie sie nicht findet, also das Hörgerät oder nicht sagt, dass sie es nicht drin hat und mich reden läßt, unerhört. vielleicht weil ich versuche, die Zustand des Vaters liebend zu tolerieren, als Krankheit eben. aber die Schwächen der Mutter stellen mich vor Abgründe. Es können doch nicht beide gleichzeitig unerreichbar sein?!

17. Juni, Neukeferloh

Geträumt, dass die Israelis ein Atomkraftwerk neben dem Gazastreifen bauen. Und dass ich durch undeutliche Aussprache, in einem Bürobedarfsladen statt Aktien statt Aktenordnern  erworben habe. AUfgewacht mit dem Gefühl, Dinge zu überstürzen. EIne Amsel singt im Garten. Auch mein Smartphone will mich dauern dazu überreden an die Börse zu gehen. weil ich den Pharmakonzern, der hinter der Impfstudie steht, gegoogelt hatte, denkt es voreilig, ich würde Anteile kaufen wollen. Es behauptet die Aktie sei kurz dem explodieren. DInge die einem um die Ohren fliegen.  –  was mich wieder zum anderen Fetzen des Traums zurückbringt…

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Der sehr stumme Vater. wie wichtig ihm die Fahrten nach Glonn sind, hat er über Corona vergessen. natürlich haftet auch das mit der seltsamen Bedrohung durch eine abstrakte Krankheit nicht, es wirkt als verfolge er die Fernsehberichte intensiv, aber meistens schläft er dann doch. wieso trägt man manchmal Masken und manchmal nicht? Er fragt aber nicht. er spricht nicht mehr viel. langsam und in Zeitlupe bewegt er sich. bis nach Glonn hat er nicht mehr das Bedürfnis sich zu bewegen. Nun fehlt selbst der Mutter das oft verfluchte anstrengende Fahren zum Ausblick. es regnet aber eh viel und man will nicht raus. wenn die Sonne durchkommt ist es schwül und glühend. Sitzen im Garten. der Garten ist eine üppige urwaldlandschaft von der einen Seite, von der anderen ein Miniatur-Blumenmeer. Spaghetti gekocht. nichts finde ich in der Küche. nicht einmal italienische Kräutermischung, dann fiel mir ein dass alles im Garten ist. Alles im Garten

16. Juni, Neukeferloh

Stipendium der Bundeskulturstiftung! es ist wie ein Wunder, denn wir hatten damals fast bis zu letzt nicht alle zur Bewerbung nötigen Nachweise. Nur durch das ungeheuere Timing der KSK (nein, nicht die böse Spezialeinheit der Bundeswehr, sondern die Künstlersozialkasse), die just am selben Tag unseren Techniker aufnahm und die Mitgliedschaftsbestätigung rechtzeitig zur Hand war, konnte ich den Antrag überhaupt stellen. es ist ein doppelt tolles Wunder. 

14. Juni, Neukeferloh

Motorradfahren verheerende Folgen fürs Haar. ich seh aus wie Boris Johnson!

13. Juni, Abenberg.

immer ist es wie ein Wunder, wenn man immer höher hinauf fahren kann durch die schmalen Gassen und dann die Burg neben einem emporragt. die letzten Schritte an der kleinen Bugkapelle vorbei, über den grünen Hügel… Mittagshitze. wie seltsam, dass B. und D. direkt an der Kapelle wohnen, beinahe darin. oder in einem Teil. nahtlose NAchbarschaft. es wirkt als hätten sie die buntere Hälfte eines Doppelhauses erwischt. Höre vom Vorhaben der Kirche, die Kapelle zu renovieren, Holzwürme müssen vernichtet werden und aus mehreren Verfahren wurde das Tod durch Vergasen gewählt. Klingt barbarisch und und ungute Assoziationen ploppen im Hirn auf, aber es soll die bessere Wahl sein als Tod durch Überhitzung oder durch Gift. Auch die andere Doppelhaushälfte ist davon betroffen, das ganze Haus wird eingepackt in  Plastikplanen, kein Löchlien darf vergessen sein, keine Naht darf reißen. die Kapelle im Ausnahmezustand, verpackt wie von Christo. stelle mir vor eine Hand käme aus den Wolken und stülpe eine große Glasglocke über den Bau, wie man sie manchmal über Spinnen stellt. Fängt man die langbeinigen dünnen Weberknechte damit und läßt sie zu lange im Glas vergiften sie sich selbst. sie dünsten ein Gift aus, an dem sie selbst sterben. Zu Tode pupsen sie sich. Wie lange mag die Prozedur dauern. wieviel Kirchenmäuse gehen drauf? wie viele Überlenbende wird es dennoch geben?  Wahrschienlich ist es eine völlig gängiges Maßnahme. Daß es eine Kapelle ist, fasziniert mich dennoch. EInmal eingepackt, liegt der Gedanke nah, man könne das Ganze ebensogut in die Tasche stecken und nach Japan verkaufen.

Höre vom Pfarrer B. der in Coronazeiten einen Ein-Manngottesdienst praktizierte indem er im Innenhof des ALtenheims predigte und Trompete blies. Ohne den Ort zu kennen, sehe es vor mir und komme nicht umhin an ein altes KLoster in Montepulciano zu denken, dessen Innenhof mit Kreuzgängen uns beim Cantiere-Festival angeboten worden war als Location für eine Aufführung. Und wieder denke ich das WOrt “Inbrünstig” mit großem Respekt. die Alten hingen am fenster und vielleicht auch Balkonen. Es ist bestimmt besser als die online-Varianten.

Hitze. Erschöpfung. Grillgut. Tofuwurst. die müde Katze, das fenster im Zaun. die schöne zu kurze Zeit.

wäre gerne über Nacht geblieben in Abenberg oder WIndsbach, irgendwo in W: ist noch mein Zelt. Aber für die Nacht sind Unwetter angesagt. Aufbruch rechtzeitig.

Anstrengend, die Fahrt mit dem verschnörkelten Kupplungshebel. Auf der Autobahn müde. hypnoseartige Trance vo Starren auf die Hinterteile von Lastwägen. beinahe eingenickt. Raststätte über Raststätte über Raststätte.

12. Juni

Immer komme ich nur bis Dreba. Zu später Aufbruch. Beim Bäcker kein USB-Stick, vielleicht auch zu früher Aufbruch. Hin-und-her-Reißen der Wege. An der Ostseestraße entlang, Seestraße in stundenlangem Stau. Immer denkt man die Autobahn kommt näher, aber sie scheint unerreichbar. Spät gen Süden, aber immer noch reichliche zeit. Vibrierende Fahrt, bis in die Fingerspitzen kribbelt die Autobahn. Abstecher nach Delitztsch in weiterer Unentschlossenheit. Darf man Exschwiegereltern zum Geburtstag überraschen? Sehnsucht nach Vergangenem. Blumen auf die Schwelle legen? Tochter rät ab. Haltloser Halt, weil Seitenständer des Motorrads offensichtlich lockere Schraube verloren, knickt weg in Zeitlupe. Hilfreiche Menschen. Horror des Deplatziertfühlens. Überraschung! Freundliche Werkstatt, aber langsam. Billig aber doch teuer. Hinterhof einer Häuserzeilen-KleinstadtIdylle. Die obligatorisch nackte Kalender-Frau, allerdings außergewöhnlich schön und geschmackvoll. Der, der die Honda repariert, heißt Marcel. Feilte neuen Kupplungshebel zurecht und überbrückte den Schalter mit einer Büroklammer. Der original Hebel ist zu einem Schnörkel verbogen. Immer brauche ich Kupplungs-Hebel, immer brechen die Seitenständer, als hielten sie nicht das große Versprechen, dass ich weit weit weg will. Dieser also brach nicht sondern bog sich – vor Lachen? Wenn es sich biegt, ist es komisch, wenn es bricht, nicht. Sagt jemand in einem Woody Allen Film. Weg wollen. Weit hinaus wollen. Eigentlich fliegen. Hätte ich doch den Zug nehmen sollen, der nur bis Nürnberg kommt. Was für ein bescheuerter Unfall. Umfall. Hätte mir in Windsbach auch passieren können. 120 €. Und am Ende läßt Marcel doch den Schnörkel-Hebel, statt dem ausgefeilten neuen. Auf dem Rückweg bekomme ich den neuen, einstweilen muss es so gehen.

***

Weiterfahrt erst über Autobahn. Abendsonne. Bin schon müde. Abfahrt in Weißenfels, auf der Landstraße ist der Schnörkelhebel, dann doch ziemlich unpraktisch. Auf Umwegen Richtung Dreba. Die Frau im Navigationssystem, im zwischen Helm und Ohr geklemmtem Handy, beginnt plötzlich tschechisch zu reden und als ihr wieder deutsch einfällt, beginnt mein Handy ein Werbe-Demo für „hey Google“ in Englischer Sprache. Ich soll „Hey Google“ sagen, es sei praktisch, zum Beispiel, wenn ich wissen will wie das Wetter in Pittsburgh ist, worauf ich mich restlos im Randgebiet von Gera verfahre. Dennoch schöner Umweg über winzige Straßen, die, als die Plattenbauten hinter mir liegen in einen Höhenweg zwischen Feldertälen münden. Die Sonne blendet ein bißchen, taucht die zarten Weizenähren in ein Lichtmeer. Der rote Mohn, die blauen Wegwarten. Am anderen Ende Hügel mit Baumreihen. Ein Raubvogel stürzt über den Weg. Ich hoffe auf ein Ankommensbier in einem Licht wie diesem. Aber die Sonne steht schon sehr tief.

***

Dreba. Linde. Endlich, geradenoch Abendsonne bei bier. Alle sitzen im schattigen innenhof, ich bestehe auf dem Abendsonnen-Biergarten in der Laube. Als einzige. Jetzt doch nichzt mehr allein. Eine Braut kommt. Bin ich in eine lokale Hochzeit geraten? Wie gut das Dachzimmerchen bekommen zu haben. wie gut rechtzeitig eingetroffen zu sein. Die Braut ist etwas aus der Form geraten. Nicht gerade derangiert, sitzt mit der Brautjungfer und noch wem in der Laube und es scheint ein kurzer Moment Ruhe zu sein. Sie schleppt das Kleid wie eine Bürde. Ich wollte nie heiraten… – einziger Grund, es doch zu tun, wäre freilich ein schönes Fest zu haben, vorzugsweise unter Apfelbäumen in einem schönen Garten irgendwo an einem Ort, den ich wohl noch nicht kenne – und ein schönes Kleid. Der Anblick der Braut in dem zu weißen Synthetik-Kleid, das sie über die Treppenstufen der Linde rafft, ernüchtert, dass auch dies es nicht wert wäre. Natürlich hätte ich ein anderes Kleid. Deftigeres Leinen. Möglicherweisen etwas von jenem Stoff, den wir in der Schaubude als Projektionsleinwand ausprobiert haben und der zu dicht war und in dem ich im Zelt die kalten Nächte überstand… ja, so was… etwas mit einer Geschichte…. – was wollte ich sagen? Dass ich nicht heiraten will. Und ich schwöre, das ist auch so. es geht so selten gut aus. Projektionen gehören an Wände nicht in Köpfe. Erwartungen (ob gewebte oder andere) gehen immer schief. Arme Braut, ich hoffe ich irre mich

9. Juni

doch nicht so viel selbst gerudert. das meiste rudert G. aber er wollte es ja auch so.

wieso schreibt Fontane von Neu-Ruppin, als beträte er die Stadt zum ersten mal? dabei ist er dort aufgewachsen! wollte er besonders professionell sein? Und dann schreibt er es sei öde. so öde finde ich es gar nicht. er hätte es ja füllen können mit Geschichten seiner Kindheit.

8. Juni.

Es sind drei Tage. Drei Tage raus aus Berlin mit dem Motorrad. Hohenbruch. Verlorenort. Sommerfeld. Beetz. Wall. Papstthum. Überraschenderweise begeben wir uns auf die Spuren Theodor Fontanes, dessen Wanderungen durch die Mark Brandenburg G. entdeckt hatte. Oder anders: er, G. hatte einen spannenden Ort entdeckt, ein altes verlassenes und verfallendes Gutshaus und es hatte sich herausgestellt, dass es ein Fontane Ort gewesen war. Wie es dazu gekommen war, weiß ich nicht, ich war nicht dabei. Aber die Hoffnung, die den G. dazu trieb, sich erstsens das Buch herunterzuladen und zweitens, es auch im Copyshop auszudrucken (erst da merkte er, dass es 2000 Seiten umfasste), war natürlich, weitere geheime Orte zu entdecken. Aber es ist nicht so leicht. Wustrau. Neurupppin… alles bereits ausgiebigst fontanisiert , wie aus dem Ei gepellt, saniert, alles wie es sein soll. Fontane Tafeln. Fontane Restaurants mit Seeblick. Ein Seniorenheim in einem alten Gut. Dachte erst, es sei neu gebaut und auf alt gemacht. Verendende Nacktschnecke im Park, ihren letzten Wege in Agonie möglicherweisem aber wer weiß, sinnlos. hohe Eichen-Allee in der vor dem Prozessionsspinner gewarnt wird. neues altes Brandenburg.

Auch sind es wohl weniger Wanderungen, von denen Theodor berichtet. meistens saß er wohl in der Kutsche. und wenn er über den Neuruppiner See rudert, rudert er nicht selbst, sondern läßt rudern.

Kanu-Camp. weil wir nämlich selbst rudern! Die Besitzerin bietet auch Thai-Massage an. Das Camp hat keinen Zugang zum See, Campingstühle wie von früher. Und Eisdielen Tisch und Stuhl wie aus den 70er Jahren. MetallBögen und Kreise. Die Hütten sehen aus wie früher das Schrebergartenhäuschen meiner Großeletern in Offenbach. Sitze unter einem Kirschenbaum, kein hoher Baum, aber mit großzügig ausgebreiteten Zweigen, seine Kirschen sind noch gelb. G. Schläft noch.

Heftig winkendes winziges Kleinkind winkt aus dem seitlichen Fenster der Hütte zur Nebenhütte hinüber. Man sieht nur ein Näschen und eine blonde Stirn und die wild zappelnden Arme in der Morgensonne. Jetzt ist G. auch wach. Das Fenster klappt auf, er winkt nicht wie das Kind in der Nachbarhütte, aber er sieht nach gutem Morgen aus. Ich bin unter den Apfelbaum gewechselt, er läßt mehr Sonne zu.  wir sind verteilt auf diesem Camp-Areal, wir auf dem Hügel mit den Obstbäumen, andere Menschen in anderen Zusammenhängen. die größte Hütte hat ein Hirchgeweih und bekommt bals ein extra Klo.  weiter hinten hat einer einen Camping-Anhänger mit vielen Schichten Vorzelten darum und einer LED-Lichterkette.  Eine herrische Madame bewohnt das Rückgebäude der Duschen. hat einen Garten aus Kräutertöpfen, den die hegt un dpflegt. WOhnt dort, weil ihr eigenes Haus angebrannt ist. Spannungen mit ihrer Mitbewohnerin, die alles immer falsch zu machen scheint. Spannungen auch zwischen der polnischen jungen Familie. die Frau spricht deutsch, wenn sie den Mann rügt für etwas. Wieso weiß ich diese DInge schon nach einem Tag? Man hat mehr Raum als auf einem richtigen Campingplatz, aber dafür ist man fast weniger unter sich, weil es alles übersichtlicher ist.

Berlin, 5, Juni

Seit langer Zeit erstmals einen luziden Traum gehabt. dieser Träume, in denen man weiß, dass man träumt und plötzlich alle Freiheit der Welt hat. man kan tun was man will, vor allem man kann alles was man will. Fliegen, das Meer teilen. Häuser aus der Erde wachsen lassen. der Sohn hatte ine Zeit, in der er das luzide Träumen trainierte und tatsächlich guten Zugriff auf die Fähigkeit, den Traum zu bestimmen entwickelte. später stellte sich heraus, dass er längst nicht so elemenare Dinge träumte wie ich, die ich dafür alle 1o Jahre mal so einen Traum(hin)kriege. hatte gedacht er fliegt hoch hinaus jede Nacht, aber er meinte, er träume bescheidener, z.B. dass er in ein Bekleidungsgeschäft geht und sofort eine perfekt sitzende jeans findet. Offensichtlich will ich auch nicht mehr so hoch hinaus in meinen Träumen. ich war in der Stadt Berlin, die allerdings eine kleinere Version ihrer selbst war, auch völlig anders aussah und im Erzgebierge zu liegen schien. ich stand in einer kleinen Straße in Kreuzberg, vieelicht war es die Dresdener Straße in der das Kino Babylon steht, einige zwilichtige Gebäude befanden sich in der Nähe, aber auch eine Bahnlinie. ich merkte dass es ein traum war, wußte aber nicht, was ich nun tun sollte, ich flog einige Meter hoch in die Luft, aber es war ziemlich mühsam. ich beschloss stattdessen DInge herzuwünschen, es fiel mir aber nichts ein. ich wollte eine Fähigkeit haben, die ich noch nie im traum hatte und so verschmolz ich mit dem Haus, meine Hand glitt ins Mauerwerl und ich schlüpfte ins Innere. leider war es kein schönes Haus. zwar durchaus illuster und reizvoll, eine Art Opiumhöhle, aber ich spazierte durch das Etablissement hindurch ohne den Wunsch zu verspüren zu bleiben. wieder verschmolz ich mit der Wand und stand im Freien. beinahe vergessenm dass es ein traum war, dann fiel mir tatsächlich nichts anderes ein, nach Windsbach zu fliegen aber weil es schon dunkel wurde entschied ich mich für die Bahn, ich machte eine gewaltige Zaubergeste und stampfte tatsächlich einen Bahnsteig aus dem Boden, ein Zug der zunächst alt und langsam aussah, eine Art Dampflok, erwies sich als schnell und im Nu war ich Nürnberg, hier vergass ich dass ich die Bestimmerin war und saß in Nürnberg fest, studierte Fahrpläne, es wurde entsetzlich umständlich; ich kam nicht einmal bis Wickleskreuth.

Berlin, 28. Mai

Anstrengende Probe. habe Angst mich in den uferlosen Technik-Möglichkeiten zu verlieren. nachher Bier und Hähnchen im Lorenz-Eck mit K. sie erzählte wahre Schauergeschichten von Morden, die um die Ecke in der Naugadter Straße stattfanden. Rentner in Tiefkühltruhen, ein Mann der deren Rente abgreifen wollte und es Jahre lang tat, während der Rentner schon längst im Eis lag. die Truhe (der Mörder hatte dem Rentner mit dem er sich angefreundet hatte, die Truhe selbst kaufen lassen und ihn an Silvester, als es eh überall knallte dann erschossen. lange lag er auf Eis. niemand merkte es. nur ein Mieter im Haus, der alle damit nervte, aus der WOhnung des alten Herrn X, käme seltsamer Gestank. niemand roch etwas. die Polizei kam lange zeit nicht oder fand nichts auffälliges. der Mieter bestand darauf. irgendwann sah man doch nach und fand die Leiche. und später eine weitere.

Seltsam, dass die Rentenanstalt zuläßt, dass Renten einfach so auf andere Konten überwiesen werden dürfen. erst seit neuestem erlauben sie das. Idiotisch.

Berlin, 26. Mai

Einkauf bei McGeiz. Alte zierliche Frau, die Klopapier mit Blümchen hatte kaufen wollen (“Ick kof immer die mit bunt”), aber dann erwiesen die Blumen sich als nur Deko auf der Verpackung, war dennoch freundlich, als die Verkäuferin die Rückgabe verweigerte. sie war lange im Laden. Ihre Meinung zu Corona: “Hör uff! Det is doch alles Larifari!” Ich war bei McGeiz weil ich Sachen kaufen wollte, die vor der Kamera, im SPiel in der Projektion aussehen wie Corona. harter rosaner Hunde-Gummiball mit Noppen. weichrer rosaner Kinder-Gummiball mit Noppen, runder aufklappbare Unterwegs-Haarkamm, rosa. Haribo Him-und Brombeeren/Fruchtgummi, Spülbürsten-Aufsatz. wildgemusterte Unterhose mit Seeigeln. – Die HOffnung war, heute, als der TAZ-Fotograf unsere Probe besuchte, (aber nicht wegen unserer Bühnenaktivität, sondern weil wegen eines Fotos für einen Corona-Artikel von mir, ein Foto unseres Spielformats in der Zeitung unterzubringen. hat nicht geklappt. Möglicherweise andere gute Fotos. aber der Kampf mit dem Himbeer-Virus war doch zu speziell. Wahrscheinlich kann ich den Krimskram ebenfalls nicht zurückgeben bei McGeiz. Habe nur Verwendung für Fruchtgummi und Kamm. der Kamm ist wirklich schön. seine Spikes wachsen aus dem Inneren und wölben sich langsam nach oben wie die Stachelne eines Seeigels. Notfalls auch zum Kämmen geeignet.

Berlin, 25. Mai

[…]

Berlin 24. Mai.

ab morgen dürfen wir in der Schaubude proben für eine Woche, durchgehend. ein Geschenk! Ohne Ergebnisdruck. nur Recherche. ohne zwischendurch aufzubauen, abzubauen. Klausurwoche. Tag und Nacht. seltsame Rückkehr. Abtauchen (oder auf?) in der anderen Welt.

Berlin, 22. Mai

Ich bin manchmal komisch. Dann geh ich an die Luft. Nachert bin ich dann noch komischer. L. Tee vor Marias Laden . Streit. woandershin.

Tuchollaplatz. Der geschlossene Kiosk, Vor „der kleinen Kneipe“ sitzt einer und trinkt Bier. Junge pumpt ununterbrochen Wasser aus der alten grünen Pumpe. Dachte erst „nur so“, das Hinunterdrücken des Pumpschwengels verlangt nach mehr und immer mehr Wasser in der Hitze. Ein Gott hat einen See erschaffen. Gerade will er aufhören, aber andere Kinder kommen mit Eimern, der Gott wird weiterhin gebraucht! Ernste Gesichter. Sehr beschäftigt. Gießen Bäume. Winziges noch zu kleines rothaariges Mädchen in feinen Kniestrümpfen und knallrotem Röckchen umkreist die Pumpe, darf schließlich auch mal, das ganze Gewicht wirft sie der Pumpe entgegen. Nicht viel Wasser kommt. Sie läßt es gut sein und trippelt stattdessen zu einem der Bäume, klettert über die ebenfalls schmiede-eisern-grüne Einfassung Bäume, und puschert ins hohe Gras. Überall wässert man. Vielleicht denken die Kinder später zurück an diesen Sommer, dass er ein außerordentlich schöner gewesen ist. Nebenbeigemerkt ist erst Mai. Die Akazien blühen noch ein bißchen, die anderen Bäume auf dem Platz hängen voll dunkelrosaner Blüten-Puschel, ich kenne ihren Namen nicht. Leute tragen Dinge hin und her. Eine Taube badet im See unterhalb der Pumpe.

 

Mit L. gestritten. Wegen Urheberechtskram. Bereue es jetzt, aber manchmal habe ich diese Angst, dass die Dinge, die ich mache, die Saat die nie aufzugehen scheint (weil eben nicht überall gewässert wird zur Zeit) von anderen plötzlich, Dank eines Sturzbaches von Geld oder besseren Bedingungen, von anderen geerntet werden, denen die Samen oder Sprößlinge sozuagen in den Schoß fallen, ohne dass sie geackert haben wie ich. –Nicht von L.! der ist im Grunde seines Herzens ein selbstloser Mensch. Eine der sich begeistern läßt. Und in trunken vor Begeisterung, meine Projektideen an Werner Herzog nach LA schickt! Wieso? Jetzt da ich es aufschreibe, sehe ich wie absurd meine Angst ist. Als ob es überhaupt jemand juckt zur Zeit. Was in Gaza los ist. Nein, die Chance bestehet kaum, dass Werner Herzog einen Film über den Kulturminister im Gazastreifen macht, einen Film für den ich seit zwei Förderung beantrage, eine Produktionsfirma gefunden habe und auf den ich hingearbeitet habe. Irrwitzige Angst die Butter vom Brot genommen zu bekommen bei gleichzeitiger Verzweiflung, dass keiner am Frühstückstisch sitzt. Vielleicht sollte ich einfach milde lächeln und alles gut sein lassen. Manchmal klappt es auch schon mit der Gelassenheit, aber nicht wenn plötzlich andere in wildem Aktionismus loslegen. Vielleicht bin ich nur neidisch, weil ich selbst wie gelähmt bin. Den Lilien auf dem Feld beim Wachsen zu sehen. Und den Kindern, die die Bäume anpinkeln in aller Unschuld, Ist es ein Akt des Gießens oder markiert jemand ein Territorium?

Berlin 21. Mai

Im Traum in einem ferneren Land gewesen. eine belebte Wüste. ich fuhr in einem offenen Geländewagen durch eine Art Piste. alte Frau in großen Badelatschen mit einen Korb am Arm, schlitterte auf den Sohlen ihrer Flippflopps auf dem heißen Sand. als es Begab ging glitt sie wie ein Skispringer in der Luft weiter. stellte ihre Füße schräg und hielt sich sehr lange. es war atemberaubend. wollte es fotografieren, aber fand mein Handy nicht. versuchte den Moment zu wiederholen, wissend, daß es ein Traum war, und das Szenario mir gehorchen müsse. Hatte aber nicht bedacht, dass das Speichermedium es nicht in die Wirklichket schaffen würde. warum ist das immer noch nicht erfunden?

[…]

Berlin 20. Mai

in der Nacht eine Ansammlung von Raben oder Krähen in den Bäumen am Tucholla Platz, die laut und aufgeregt krächzten. verpasste es leider, aber der SOhn, der es als Gelegenheit nahm eine Zigarette zu rauchen war hingegangen und es muss wohl sehr eindrucksvoll gewesen sein. Hatte gegoogelt, dass sie sich wohl treffen und beratschlagen, wenn es eine Gefahr zu disskutieren gäbe. es sollen auch spezielle Krächzlaute exisitieren für verschiedene Feinde. dchte an die Fake-Raben auf dem Dach der Prüfstelle, die so still und im Kreis saßen rund um das Dach herum. hatte sie erst für unecht gehalten, dann, als sie  hin und her zu wipppen schienen und mit in Köpfen nickten für echt, aber unangenehm konspirativ. Dann doch erkannt, dass es Attrappen waren, sie hingen an einer Galgenähnlichen Halterung an dünnen Ketten. Wer entschied, dass das der rechte  Schmuck sein könnte für ein klinische Prüfstelle?

Um bei Übersinnlichen Skurrilitäten zu bleiben: Auf dem Windsbacher Friedhof hat man den “schwarzen Jesus” der in der Mitte am Kreuz hängt mit einem Baugerüst eingekleidet. seit Wochen hätte er Gelegenheit hinunter zu steigen, sogar eine Art Himmelsleiter hat das Gerüst. Die S. wies mich darauf hin, sie hätte es nun schon länger beoachtet, er wolle einfach nicht hinunter! Es ist ja auch sein Job da zu bleiben. um wessen Verbleib ich mir aber Sorgen mache, sind die wilden Bienen, die in seiner Achselhöhle schwärmen. was immer Windsbach vorhat, sollten es Renovierungsarbeiten, vielleicht ein Lack-Anstrich? sein, so würden sie sicher vertrieben. Windsbach hätte für immer die Gelegenheit verpasst Pilgerstätte zu werden, und Ort eines kleinen Wunders.

Berlin, 4. Mai 2020

ich habe in der letzten Zeit nicht so viel geschrieben wie sonst. DIe Welt dreht sich um Corona. Nur noch, und ich finde das Thema lähmend. Es lähmt mich in jeder Hinsicht. es steht meinem Grund-Lebensgefühl entgegen, dass es Wichtigeres gibt imLeben gibt als die Angst, sich anzustecken. Leben ist Interaktion. und möglicherweise entstand das Leben genau dadurch dass sich das Universum irgendwo was eingefangen hat. vielleicht hat jemand sehr weit weg gehustet und sich nicht die Hand vor den Mund gehalten und ein Tröpfchen ist hier gelandet. Ich bin keine Zynikerin. Und auch ich möchte möglichst lange leben und auch nicht einen quallvollen Atemnot-Tod sterben. aber – Spoiler-Alarm – wir werden alle irgendwann sterben und höchstwahrscheinlich nicht an Husten. Da ich einen solchen allerdings auch nicht verursachen will, halte mich natürlich dennoch möglichst fern. – die Frage ist: wovon? vom Leben? von der Arbeit? von anderen? Von der Arbeit? von der Arbeit mit anderen? Meine Arbeit fing gerade (oder so ungefähr seit 3 Jahren)  mich wirklich zufrieden zu machen, auszufüllen. Sie ist mir wichtig. ich meine damit nicht unbedingt, dass mir “Theater” prinzipiell über alle Maßen wichtig ist, aber speziell unsere Arbeit im Zusammenspiel, im Über-Bande-live-stream-Zusammenspiel mit Künstlern im Gazastreifen war es. ich wäre jetzt eigentlich in Gaza und ich hätte das unglaubliche Angebot angenommen, unser SPielformat dort an vielen Schulen zu unterrichten und einzuführen. Das Zeitfenster das dies mögich gemacht hätte, scheint sich zu schließen.  meine Mission beginnt sich in Luft aufzulösen. Ich brauche aber mehr denn je das Gefühl etwas wichtiges zu tun. Ja, die Was-Wird-Werden-Panik hat mich erreicht, nicht vor der Ansteckung, sondern vor dem Um-Sich-Schlagen, weil man sich von der Angst tyrannisieren lassen. die Existenzangst (ich hatte das Solo-Selbstständigen-Geld verpasst, weil ich ernst nahm was da stand (nämlich, der Anspruch verfiel enicht und es sei genug da für alle) erstmal meine eigentlichen Anträge fertigstellen wollen) hat sich gelegt, es gibt Notprogramme und das ist auch ein bißchen der Grund, warum ich wieder regelmäßiger schreiben werde: der Fonds darstellende Künste hat uns eine kleine Förderung, die der Recherche dient, zukommen lassen.Das Programm heißt TAKE-CARE und ist eine extra wegen Corona eingerichtete Förderung zur Überbrückung. In der Zeit, in der Theater nicht stattfinden kann, darf man sich die Zeit nehmen, es zu überdenken, an der Form zu feilen, Neues auszuloten. Da das was wir sowieos machen: Livestream-Theater mit Leuten die nicht raus dürfen, ist dies eine tolle Motivation. Nun sind wir also, die im Wohnzimmer sitzen und Theater vom Sofa aus probieren werden und nicht unsere Kollegen in Gaza. (dummerweise haben die aber auch probleme mit Corona-Auflagen in so fern wird unsere Arbeit in erster Linie sein: wie kriegt man doch noch eine Echte Theatersituation in das Projekt. denn irgendwo muß Theater auch die echte AUgenblicklichkeit bieten. dazu bedarf es wenigstens eines echten Zuschauers, der im Raum ist. und eines echten Spielers in einem echten theater, egal wie groß und leer oder klein und … ebenfalls beinahe leer. Das ist sozusagen die Einstweilen-Mission. Ich fürchte, sie reicht nicht aus. Denn ohne das klare Ziel vor Augen, echtes Theater in und mit Gaza zu machen (und ich fürchte, dass die normalen Fördertöpfe in Zukunft sehr leer sein werden), ist es erstmal Essig mit der “Mission”. Dieser spezielle Abschnitt (ab 3.Mai 2020…) des Stadtschreiben-Blogs heißt deshalb TAKING-CARE. er wird sich aber nicht nur um Theater-Tests drehen, sondern auch um jede andere Form des CARE-TAKINGS.

3. Mai 2020

Mit L an die Bucht. um die Bucht. wie alle anderen gehen wir und sprechen über das einzige Thema weit und breit. dass dieser Gesprächsstoff nie ausgeht. und dabei ist man ja meistens weitgehend einer Meinung. Aber man kocht es dennoch wieder hoch. Auch darüber dass dieses Thema viel zu viel Aufmerksam einnimmt, sind wir uns einig. und reden weiter. und nun sitze ich hier und schreibe es auch noch auf. dabei war es der erste tag DRAUSSEN, nach so viel Papierkram, Zahlenmist, Abrechnungen und und und… Es hätte ein großer Spaziergang sein müssen, RAUS! Aber es ging nur bis Stralau und wieder zurück. die Bucht hat sich verändert. das Jugendclub-Schiff ist schon lange verschwunden. dafür ist das Wasser übersäät mit Hausbooten in allen Größen. und: Zu viele andere Spaziergänger. Nur wenige Masken. Picknick an der Spitze. L sagt, es sei zu viel Zucker in Capri-Sonne! Na und? Dennoch schöner Tag. zu kurz. zu wenig weit.

Donnerstag, 30. April, Berlin Weißensee

Die Bremsbelege müssen neu gemacht werden. nur noch eine Milimeterhauchdünne Schicht bis zur Bremsscheibe. Nur ein kleiner Eingriff. es sollte schnell gehen. Motormänner Weißensee. Fahre immer gerne nach Weißensee, es ist meine alte Gegend, die erste WG, kurz nach der Maueröffnung. Im Prenzlauer Berg sei sie, hatte B. gesagt, die mir die WOhnung vermittelte und meine Mitbewohnerin, ebenfalls von der B. dort untergebracht, sei dort nur für eine Weile (das selbe hatte sie der anderen, der A. gesagt über mich. Dabei hatten wir beide fest vorgehabt diese Wohnung für uns zu haben in OST-BERLIN und die jeweils ander nur in Kauf genommen. Blind-Date. Double-Blind-Date. denn auch die Wohnung sahen wir erst, als alles schon vollendete Tatsache war, und ja sie lag im Prenzlauer Berg, aber im gefühlten Weißensee. SPitze. einer von mehrern DDR-braunen Wohnblock, die sich an der Ostseestraße entlangziehen, unsere Addresse aber, der Eingang lag in der winzigen Parallelstraße auf dre Rückseite des Blocks. Paul-Grasse-Straße.  50er-Jahren-Bau. Später, da lebte ich schon in Friedrichshain, wurde er neonfarben gestrichen. Inzwischen ist das zum himmelschreiende Grün verrußt zum matten grünlich Grau. eine Parallelstraße weiter verläuft die Lederstraße, hier lieg das Weißensee, das ich liebe, das mit den alten Hinterhof-Fabriken, den Schornsteinen, den Backsteinbauten, den flachen Häusern. den Klinker-Remisen. Wäre auch später beinahe wieder dorthin gezogen, mit dem Blick auf einen solchen Hof, über Mauern und Garagen-Höfe und noch mehr Höfe. in meinem hätte ein Pfirsichbaum gestanden.

Die Werkstatt der Motormänner ist eine von vielen, die in diesen Höfen ihren Sitz hat. Autowerkstätten, Motorradwerkstatt, noch was cooles, was ich immer vergesse. neben den Mülltonnen liegen archaisch-wirkende Holzbretter mit rostigen Nägeln darin. soll sie nicht nehmen, weil sie wahrscheinlich DDT-verseucht seinen – das ganzen Gelände, die halbe Straße sei es.  er hatte mir mal die Baulücke gezeigt, von der das ausging. es dauert doch länger als gedacht. er flucht, weil die Kappe der Schraube, die er lösen muss so festgezurrt ist. es ist eher was zur Zierde, als eine wichtige Schraube. aber ohne sie abzumachen kommt man nicht an die Bremsscheiben. ein anderer sagt “Wer bremst, hat Angst”. Ich bremse fiel. sitze am Baum und schau dem Motormann zu und dem, der noch zuschaut und weitere Kommentare macht. man rätselt, was für ein Geist hinter derzu festen  Schraube sitzt. wer hat so ein verdammtes SIcherheitsbedürfnis? Und keine Ahnung! Griff zum Bohrer. nichts zu machen. das Aufbohren erinnert mich daran, dass ich lange nicht beim Zahnarzt war. es erinnert mich an eine Wurzelbehandlung. zu tief. 

Warten im Büro. weil ein neuer Bremssattel muß her. Motormann googelt, welche für meine Hoda in frage kommen. der Computer ist das bläuliche Blitzdings in mitten einer fremden Zeit aus vergilbten Plakaten: Motorradrennen für die leichtbekleidete Frauen aus den 60er Jahren werben. oder 50ern. es riecht nach Tinte und motoröl. es riecht nach Vergangenem und driesch aufgebrühtem Kaffe. ich schwöre, es riecht nach Leder, aber das its vielleicht eine Assozation, weil die STraße so heißt. ich liebe das Büro, weil es trotz aller Relikte ein Arbeitsplatz ist. alle Relikte sehen aus, als hätte sie jemand in diesem Augenblick zur Seite gelegt, um siie sehr bald wieder zur Hand zu nehmen. alles wirkt “gebraucht”. es wird gebraucht. ich brauche Orte wie dieses Büro. Vielleicht bin eher ich aus der Zeit gefallen und ein gestrandetes Objekt. – im blauen Computer fand der Motormann, dass das zu tief gebohrte Organ ersetzt werden kann durch das Organ eines anderen gestrandeten Versetzstücks. eine alte Maschine, die weit hinten im Hof steht zu Bastelzwecken. ich fuhr los, zu spät für meine verabredung, aber gerade recht um in den ersten Regen nach langer zeit zu geraten. klatschnass. ich glaube, wenn ich krank werde, dann jetzt.

***

Schnitzeltag  (im Jelängerjelieber) Schnitzeln und  Brtakartoffeln to go. 

27. April

Dass man jetzt nirgend einfach mal Pinkeln gehen kann, wenn man unterwegs ist! Kein Café um zu gehen. nur Coffe-To-Go.

26. April

Maskenpflicht in Supermärkten und Läden. anderer Blick auf Unbekannte. Wer trägt die professionellen, die mit dem Atemstöppsel drauf, die ich  gruselig finde, weil ich immer denke, der “Stöppsel” ist die Schnittstelle zu irgendeinem Schlauch. auch sitzen sie so straff, das Wort hermetisch kommt in den Sinn, wer trägt die Krankenhaus-DInger? (ich neulich!, weil man sie mir gab, weil meine selbstgebastetlte aus Raufasertapete nicht professionell genug aussah. Und prompt setzte ich siefalsch herum auf!), wer die lebensfrohen geblümten? Wer wickelt nur seinen Schal ums Gesicht.) werWer trägt die Masken auch im Freien? ein neuer Industriezweig. Maria in ihrem Nähstudio näht den ganzen Tag lang Masken, schlicht in der Form aber prächtigem SToff. wunderschöne Muster. sie sind nicht billig, aber das ist ja wohl auch okay. Im Buchladen kann man sie kaufen. Böse Zungen sagen, sie bereichere sich an Corona. Wer sich sein Maul zerreißt, braucht aber erst recht was zum drüberziehen. Die Leute sind Idioten. Neid. Existenzangst. Die sich sonst nie über die freie Marktwirtschaft beklagen, aber wenn  jemand der die ganze Zeit über hilfsbereit und bescheiden ist, sich auf Angebot und Nachfrage einzureichten versucht,  hätte man doch lieber, dass er seinen Laden gleich ganz dicht macht? Unglaublich! Und vor ein paar WOchen noch jammerte man, dass es überhaupt keine Masken gibt. Man kanns den Leuten einfach nicht recht machen. DAS ist die wahre Krankheit. geht mir langsam auf den Senkel, das ganze drumherum.

 

25. April 2020, Berlin

Der Magnolien Busch am Platz vor der Sparkasse / Boxhagener Straße, der vor dem der blaue Zauberer sitzt ist bereits verblüht, die weißen Blütenblätter, liegen nicht einmal mehr auf dem Kopfsteinpflaster. Der stinerne Zauberer sitzt jetzt unter grünem Blätterwerk. es ist der schönste Ort weit und breit, um geküsst zu werden. wieder ein Frühling verpasst. das Jahr ist schon weit. die zeit vergeht wie im Flug. Mist.

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ich bin zu viel drinnen. Jetzt erst gesehen, dass der alte garagenhof neben dem Cafe Nadja und Kosta verschwunden ist. nun ist das hohe schmale Haus in dem das Cafe ist, nicht mehr das letzte in der Reihe, oder das erste das man von den S-Bahn aus sieht. Mehr Raum für Freiraum stand an der seitlichen Fassade, man sah es von der Bahn aus, man las es wie die Überschrift über dem geheimen Kapitel “Kaskel-Kiez”. Ob die Schrift bleibt? Unlesbar zwar aber noch als Relikt, eingemauert von einem neuen Bau?

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Jetzt ist wieder ein tragischer Unfall passiert. Pling. aber jetzt ist es Helene Fischer, die alles verloren hat.

24. April, 2020, Berlin

die Welt ändert sich. oder viel mehr ihre Wahrnehmung. die einzigen DInge die konstant bleiben sind die Nachrichten, die rechts oben in der Bildeschirmecke meines Computers aufploppen. angeblich kommen sie vom Stern und von der Bild. warum sie kommen – jeweils mit einem “Pling”, weiß ich nicht. fast  immer verkünden sie, “Tragischer Unfall!” und dass Lena Mayer-Landrut “Aller verloren!” hat. Diese Nachrichten (und die neulich vom Kulturverein Windsbach e.V., der einen Knigge-Kurs im Landgasthof Dorschenr ankündigte) waren die einzigen, die Corona  ignorierten. beinahe geben sie einen Rest Sicherheit.

23. April 2020 Berlin, nicht Gaza. (virtuelle Reise Israel, Gaza II)

Der zweite Teil der Reise wäre der interssantere gewesen, Palästina. Ganz kurz virtuell in Gaza gewesen. vor einem Krankenhaus, stand ein Arzt von Ärzte ohne Grenzen mit seinem Handy, im HIntergrund sah man die Wand eines Gebäudes und einen Baum, er sprach über die Blockade. In eben dem Krankenhaus war ich mal. Oder war es doch ein anderes. es hätte jedes sein können. der ARzt hieß Mohamed. so hieß der Arzt den ich kannt auch. jeder dritte heißt so. Und das mit dem “ich war hier schon mal,  ich wäre jetzt hier”, das brannte mir natürlich doch zu sehr auf der Zunge, als dass ich es nicht hätte sagen können (zumal die Verbindung bald abbrach – der Arzt musste wieder zur Arbeit) und dann eher Theoretisches von Berlin aus gesprochen wurde. Ich wollte ja die Klappe haben aber hatte die zu wenig sinnliche performance des Moderators nicht ertragen. nicht den Senf dazu geben, unmöglich. wenigstens ein kleines bißchen auf dei Tube drücken. – viel kam aber eh nicht dabei raus, ich muss wohl sehr schlecht verstanden gewesne sein. Scheiß Internet. vielleicht war der Arzt auch gar nicht eingefroren, vielleicht war ich es nur. die auf Eis gelegte WIrklichkeit. das ist es ja eben. ich will meine Arbeit machen. Ich will wirklich DA SEIN. DASEIN DASEIN DASEIN. Existenzielles DASEIN. EInstweilen  soll jemand sein Auge leihen. es soll jemand sein Mikrophon in den Himmel halten, den  Geräuschen entgegen, die in der Luft liegen. statt dessen wird man voll geredet und man sitzt in seinem WOhnzimmer, vor der Insight-Kamera. andere Leute, die mir Dir auf dieser Reise sind, kleben in ihren Briefmarkengroßen Bildausschnitten. Der meine – er war sorgfältig gewählt gewesen – war am ENde der Sessel in meiner Ecke, aus dem die Holzwolle quillt, denn ich hatte umziehen müssen vom Schreibtisch weg in die andere Ecke, in Routernähe in Kabelreichweite. Nicht daß das relevant wäre, aber ich habe gemerkt, dass mich die “Mitreisenden” und ihre Hintergründe visuell weit mehr interessiert haben, als die Referenten, die sonst wo waren. ich will echt!

 

22. April 2020 Berlin – Jerusalem?

Es sind meine ersten Schritte auf Zoom. In der Online-Welt Reisen. Reise nach Jerusalem gebucht! und eine Nach Gaza. wie wird es sein, das zu sein wo ich jetzt wohl wäre, wenn es nicht so gute Ausreden gäbe wie Corona. NUn lasse ich reisen. hänge mich an die Augen anderer. dummerweise schlaflose NAcht. es ist ein seltsames Reisefieber, das ich sonst nur habe, wenn ich wirklich aufbreche. die Angst, ob der Pass doch  vielleicht abgelaufen ist. das Handy nicht klingelt, die S-Bahn zum Flufhafen verpasst wird. hier aber könnte man ruhig sein. man schaltet sich dazu. kann doch nicht so schwer sein? – aber was, wenn das Internet mies ist? was wenn ich nicht auf die Plattform komme. Was wenn ich zu viel reinquatsche…?

Blick vom Balkon des Willy-Brandt-Zentrums. Schmiede-eiserne Pracht weit ins Land. goldene Kuppel der Al-Aksa-Moschee.  Gelernt, daß es bedeutet “der fernste Ort”.  Generell lernt man mehr in einer digitalen Reisegesellschaft. aber man ist eben nicht da. Es ist nirgendwo ein Auge für die Zufälligkeiten, das was im Augenblick  in der Fremde passiert. Es ist nichts fürs Stadtschreiben, denn das lebt für mich vom Sammeln von eigenartigen EIndrücken. hier  bekomme ich präsentiert. Eine Frau von der Uni in Haifa stand mit ihrem Handy oberhalb der Gärten der Bahai und erzählte. es war interessant was so sprach. von der weltoffensten Stadt Israels, in der Palistinänser und Israelis relativ gut zusammenleben – aber daß es im Grunde doch auch eher eine “nebeneinander” sei. vermischen täte da sich nicht viel; Zufällig gingen Leute im Hintergrund durchs Bild. Kein berauschender Anblick. aber immerhin: etwas passiert an dem entfernten Ort hier und jetzt und nicht hier aber fast jetzt “in echt”.

[…]

 

Berlin, 18. April, 2020

Ausflug. Räucherfischsemmel in Klein Wall. sonst hätte man am Forellenzuchtteich gesessen. jetzt auf einer Bank am Parkplatz. weiter. G. vertraut der Frau im Navigationssystem und landet auf der B1. ich in Altlandsberg. irgendwo an der Dorfhauptstraße wirbt einer mit einem selbstgemalten Schild “DDR-Kotlett”. leider vergessen, wie der Ort hieß.

Berlin, 17. April 2020

Es ist Freitag, aber ich dachte es sei Mittwoch. es sollte Schnitzel-To-Go-Tag sein im JAS, aber der war vorgestern. es ist beinahe WOchenende und ich habe drei Tage “verschlafen” im Wachzustand und im After-Math der Antragsstellung. immer wenn ich schlafen will, ruft jemand an. oder will jemand was. 

per email kam Angebot einer Arzneimittel-Studie. Man könnte sich bewerben, um einen noch nicht zugelassenen Corona-Impfstoff zu testen. hatte vor Jahren mal eine Artikel über solche Pharma-Zulassungs-Prozesse geschrieben und bin noch in den entsprechenden verteilern. Frage mich, ob viele Leute sich melden. oder – weil es Neuland ist und noch nie an Menschen getestet wurde – eher keine.

16. April, Berlin.

in Gaza endete die Antragsfrist des Goethe-Instituts um 23:59. die Antragsmaske, die nicht zu bewältigen ist  – und nur jeweils von einer Seite der Welt zu bearbeiten ist, nicht gleichzeitig von beiden. man hakt bereits bei FOrmularseite drei, wenn man die IBAN des ANtragsstellers eingeben soll und das Formular von den Zahlen und Buchstaben behauptet, sie ergäben keine gültige Bankverbindung. Erinnerung an moneygram-Odyssen. vielleicht ist es das Geld das sinnlos ist. ohne die richtige zahl eingegeben zu haben scheint man aber nicht weiter zu kommen. dann doch. dann verschwinden ganze Seiten. dann sind sie wieder da. die falsch eingegebenen Namen. was ist der Postal Code der GAza Association for Culture and arts? richtig, es gibt ja keinen (das hat Gaza mit Irland gemeinsam). um 00:01 heulte und brüllte ich vor verzweiflung, weil die Elektrizität in Gaza wieder abbrach. Um 00:04 fiel mir ein ,dass die Zeitverschiebung möglicherweise die Rettung sein könnte. leider nichts gespeichert. nochmal von vorne. – ich bin zu alt für das… was wird werden? warum ist alles so haarscharf. damit wir die  Hürden nehmen lernen, immer immer wieder. rechtzeitiger beginnen mit allem? ist sowieso alles zu spät? kommen wir durch? mit dem Antrag, mit unseren Ideen? schlängeln wir uns durchs leben? stehen wir noch gut da?

es ist ein schöner Tag, mal wieder.

15. April, Berlin

Der Stichtag für drei wichtige Kulturförderantrage. Seltsames Wort “Stichtag”. Assozation einer langen Schlange von Menschen, die wartet darauf, gestochen zu werden. einer nach dem anderen. nur zwei Anträge sind überhaupt zu schaffen. arbeit an beiden schon seit langem, das war auch der Grund, warum die einfachen Anträge liegen geblieben sind, vor allem der mit dem Hilfsgeld für Soloselbstständige in drei Klicks. der von dem es hieß jeder kriegt das Geld, es habe keine Eile – und dann doch, bzw. doch nicht. (Wollte aufhören darüber zu jammern, ich stehe doch jetzt drüber!). es ist nicht mehr viel zu tun an dn Anträgen. den einen stellt Deeb von Gaza aus, den anderen ich.

***

Der Sohn hat einen Magenkrampf. seltsamerweise liegt er angezogen in der leeren Badewanne und krümmt sich. Panischer Abbruch. alles stehen und liegen… lassen. gut sein lassen. Kamillentee gesucht. Paracetamol. Apotheke. dann schlagartig scheinbar alles gut. doch nicht Apotheke? die Deadline rückt näher.  Auch ein seltsames Wort. Oberflächlich wieder Wohlbefinden.

14. April, Berlin

die Menschen werden krank. Sie bekommen noch lange keinen Husten, aber beginnen durchzudrehen. Gestern schrie sich jemand die Seele aus dem Leib. Innenhof. schräg gegenüber. saß an der Fensterbrüstung und hasste die Welt. Versuch mit ihm zu reden war mäßig erfolgreich. zwar sprang er nicht, wäre es aber vielleicht auch soweiso nicht. ich dachte immer es ist einfach die richtigen Worte zu finden. in den Filmen klappt es immer. meine waren lächerlich. und dienten nur jemand anderem im Haus, die Polizei zu rufen. zweifelhafte Maßnahme. heute ist wieder alles ruhig. die Episode der Nacht vergessen. wäre jetzt Zeit von der anderen Seite zu kommen. nicht auf der MAuer zum nebenhaus über den Mülltonnen zu stehen und hinüber zu rufen, sondern von der Straße aus an der Tür zu klingeln. aber ich glaube der Menscht wohnte im Haus das keine Tür hat.

12. April, Ostersonntag.

“Sonnenuntergang kaufen – Preise für Sonnenuntergang”

Das Internet verkommt zur Verkaufsveranstaltung. weil heute Mororradausflug, und mein Mitfahrer ausdrücklich nicht im Dunkeln wieder zurück sein will in Berlin, gegoogelt, wann heute Sonnenuntergang ist. was Google zum dem Stichwort als erstes eingefallen ist, dass man ihn kaufen könne. 17608 Angebote. 20 % für Neukunden. Auch wenn man genauere Angaben macht (SOnnenuntergang Berlin wann?) bekommt man als erstes Fototapeten angeboten. das beantwortet die Frage indirekt. “Immer!” immer ist Sonnenuntergang. In der Wohnung. Im Homeoffice. 50 000 zufriedene Kunden.

[…]

11. April, Ostersamstag

Es soll aber nicht der EIndruck entstehen, ich hielte meinen Sohn für einem stumpfen Klotz. Er hat Physik studiertu und Mathematik! er analysiert die Welt halt lieber und isst lieber Fleisch als Fisch. Die Corona-Zeiten verbringt er mit der Arbeit an Statistiken, die die Realität vorhersagen können, Formeln in denen Todes -und Genusungsfällen rein mathematisch eine Größe sind. (klingt jetzt wieder nicht so positiv, aber das ist der Mathematik geschuldet nicht dem Sohn.)

***

die lange, luftige  Schlange vor Rewe an der Warschauerstraße, so weit verteilt standen die Leute, dass ich sie nicht sah und vom Türstehen nach abgewiesen wurde. er sprach nicht, wiest ab , zeigte zum ende der Schlange. er wirkte wie ein Verkehrspolizist aus einem arabischen Land. sein schwarzer Bart wirkte sehr eindrucksvoll. Vor dm nebenan stand ein dünner, windiger mit dunkelblondem Haar, der es gelassener nahm.

vor dem Rewe saß ein Mann, der sich die Schuhe ausgezogen hatte und barfuß und unendlich erschöpft, die Sneakers aber noch in den zittrigen Händen auf den breiten Stufen ausruhte.

eine Frau griff tief in einen Mülleimer und holte eine Flasche vom orangen Grund. sie musste sich serh strecken, sah dabei aber nicht in Richtung Mülleimerloch – das war auch bis zu ihrer Schulter ganz mit ihrem Arm gefüllt. sie sah dabei gespant in die Welt, als verkünde ihr gespannter Blick den aktuellen Stand des Unternehmens. sie sah stark aus.

***

Geträumt, ich würde im Meer schwimmen, zunächst badete ich eher im seichten Wasser, schwamm dann weiter hinaus und hatte plötzlihc die EIngebung, dies sei ein guter Weg gesund weiterhin durch die Welt zu reisen. es war auch leicht. ich kam in Dubai an, wo ich den AUftrag an Land ziehen könnte Models zu fotografieren. es war ein sehr gut bezahlter Job. die Models waren extrem dünn in sehr luftigen kleidern aus Tüll, was sie aber eigentlich präsentierten waren Atemmasken, sehr stylish. ich fands doof, aber betrachtet durch die Kameralinse sah es tatsächlich unglaublich schön aus. ich konnte aber nicht fotografieren, der Auslöser war blockiert oder funktionierte wenn überhaupt nur sehr langsam. immer musste ich sagen “Halt stop bleib so!” oder “Bitte nochmal”, da es aber eine Modenschau war, waren alle genervt. ich hielt alles auf und wurde gefeuert.

10. April, Karfreitag

Herrliches Osterwetter. Der Sohne weigert sich Eier anzumalen. Aus Prinzip nicht, weil er keine Beziehung zu Ostern hat. Ostern! Es ist mein Lieblingsfest!

Er sagt, das seien komische Feiertage, weil alles hat zu und dann doch offen und dann doch nicht. Und die Feiertage hätten ihn schon in der Schulzeit geärgert, weil man gar nichts von ihnen gehabt hätte.

„Aber du hattest schulfrei!“

„Ja.“ Sagt er, aber es seien ja eh Ferien also wären die freien Tage frei vertan. Er hätte sie lieber später gehabt zwischen zwei Ferienblöcken.

„Es sind osterferien. Was erwartest Du?“ Ich weiß nicht was ihn stört.

„dass die Läden zu sind. Und dass Macdonalds eine Osteraktion hat, die über einen Monat vor Ostern begonnen hat, aber zu Ostern ist sie dann schon vorbei.

„Toll. Wenn Jesus das hört, muss er echt frustriert sein. Der wird sich auch denken, wozu habe ich mich ans Kreuz schlagen lassen, wenn unterm Strich hängen bliebt: Ostern. Die Tage wo die Läden zu haben und Mcdonalds keine Sonderangebote hat.

„Ich verstehe eh nicht, warum sich keiner wundert darüber, dass der Weltretter einfach so stirbt… – es klingt als würde man die Flucht nach vorne antreten: gar nicht erst den Gedanken zulassen: hat nicht geklappt mit dem Erlösen, sondern es verkaufen als damit wir erlöst werden, musste es ertsmal schief gehen.“

Ja, ich weiß. Ich habe selber meine Probleme damit. Sie Sünden der Welt auf sich nehmen, damit die anderen später doch in den Himmel können werden. Warum muss ein Kind sterben, um den Vater zu versöhnen mit denen, die es verursacht haben. Was bedeutet es, wenn das die Bedingung ist in dieser ganzen Versuchsanordnung Welt. Wieso? – andererseits wieso nicht?

der Sohn findet „damit man sich schlecht fühlt! Schlechtes Gewissen machen. Passiv aggressives Verhalten!“

Okay, auch Jesus war Sohn einer jüdischen Mutter, aber  “Schuldzuweisung” und „passiv aggressiv“ ist jetzt nicht meine Assoziation dazu wenn einer sich ans Kreuz schlagen läßt. – – – Aktiv-massochistisch? Inbrünstig-pazisfistisch? es ist ja immer viel von Liebe die Rede. Aus Liebe will mein Heiland sterben. Ein Gesang aus der Matthäuspassion der mir mal lange im Ohr herumspukte. (da stand aber auch mal der CD-Player versehentlich auf Dauerloop. Eingeschlafen mit „Aus Liiiehibeee…“ und aufgewacht und es hat sich mir eingegraben auf Lebenszeit. –

„Ich hätte dich früher öfter mit ins Konzert nehmen müssen!“

„Als ich mich noch nicht wehren konnte?“

 

Ich bereue das wirklich. Vor allem weil ich ihn tatsächlich früh einmal mit genommen hatte. Es war ein Konzert gewesen, nachmittags, in der Kirche an der Immanuelkirchstraße. Er war noch klein und ich hatte ihn auf dem Arm. Es war bereits voll und es hatte schon begonnen. Wir standen in der hintersten Reihe und er fing an lauthals zu lachen. Ein jauchendes fassungsloses Lachen. Und wirklich laut. Niemand sagte etwas, aber ich ging, weil ich dachte, es würde stören. In der Kirche in der NÖldnerstraße hat der Kantor einmal beim Weihnachsoratorium so lange inne geahalten bis die Eltern mit einem schreienden Kind die Kirche verließen. Der Sohn kennt die Geschichte. Er lächelt müde, als wüsste er es besser, aber er weiß es natürlich nicht. Mütter wissen immer alles besser. Maria wahrscheinlich auch. Würde er jetzt klassische Musik hören – und in Kirchen gehen, statt eine extrem langweilige Form von Hip Hop dargeboten mit 80% robotic voice Filter – und zu MacDonalds, wenn ich ihn damals öfter mitgenommen hätte?

Sitze am Tuchollaplatz. Wieder ist Sonne. Ein Kind wird geschimpft, weil es die Hände in den Mund gesteckt hat. Verzweifelte Versicherung „Ich habe den Popel nicht gegessen!“ Popel essen oder auch nur in der Nase bohren und den Finger in Richtung Mund bewegen in den Zeiten von Corona, ist ein Grund den Karfreitags-Spaziergang abzubrechen. – aus einem Fenster über dem geschlossenen Weinladen hört jemand Element of Crime. Daher an G. gedacht. Fast Sekunden später fuhr er mit dem Rad vor. Akausale Synchronizität ebenfalls in den Zeiten von Corona.

9. April.

Aufarbeitung und Schnitt; das kam dabei raus:
 
 

8. April, Berlin [wo sonst?]

Eigentlich habe ich gar kein Astma. jedenfal sin den letzten Jahren fast nie. es muss mit der panik zu tun. Beschließe über der Panik zu stehen. Sonne brennt. Überall Leben auf dem Tucholla Platz. fuhr daran vorbei auf der weiteren Suche nach dem Medikament, das überall vergriffen ist. schließlich in einer Apotheke in Moabit entdeckt. fuhr aber nicht hin, es sollte geliefert werden. war aber dann nicht da, als ich es abholen wollte. zurück zum Platz, der liegt immer noch in der Sonne. Kinder spielen mit der Wasserpumpe. und spielen Ball. und alles wirkt normal, wenn auch wohldosiert. Sonne vielleicht besser als Medizin.

7. April. Berlin

wieder ein herrlicher Tag. Blauer Himmel. von Rosinenkuchen geträumt. der Duft war unglaublich real, was mich erst nach dem Erwachen wunderte. Der herrliche Himmel ist schwer zu ertragen – dachte ich. aber ich liege am Finster. und das Fenster ist wie eien Tür so hoch. immer hatte ich vorgehabt eine Art Notbalkon zu konstruieren, der das Bett hinaus in den Frühling verschiebt. Stattdessen habe ich seit langem das Fenster nicht einmal mehr geöffnet. Anstatt an der Schwellensituation zu kratzen, immer das Entweder-Oder gelebt. Drinnen oder draußen sein. Der Tag begann gut, denn ich blieb an Gedanken von Alexander Kluge hängen, den der blaue Frühlingshimmel an den Himmel von 1945 erinnerte.  “Aber im exzessiven Frühling des März 1945 zeigten die Bombengeschwader ihre Kondensstreifen auf einem strahlend blauen Himmel. Der unsichtbare Gegner, mit dem wir es jetzt zu tun haben, ist nicht so sehr davon ver-schieden. Die Viren koexistieren in diesen Tagen mit einem ähnlich blauen Frühlingshimmel, wie er für den Frühling 1945 charakteristisch war.”

***

Asthma-Rezept in der Apotheke einlösen gewollt. aber das Medikament ist vergriffen und nicht lieferbar. bleibt einem sofort die Luft weg. außerdem habe ich sie kaum verstanden hinter der Plexiglasscheibe. und unter meinem Motorradhelm. als ich näher rankam hat sie mit den Händen gefuchtelt. ich hab doch nur Asthma!!! und einen Motorradhelm auf!

6. April.

Okay Schluss mit Jammern. lustig ist: das ich mich heute beim Gang zum Kaufland gekleidet habe wie in Gaza.  verschleiert ist doch besser als  diese gruselige Masken. eventuell könnte man auch aus alten BHs zerschneiden und zu je zwei Masken unfunktionieren. so was basteln.  fand auch ein Bayern München Halstuch. Im Internet ploppen jetzt coole models auf überall. In schicken looks mit dazupassendem Mundschutz. morbides chick. Und da ist auch noch die alte Darth Vader Maske des SOhns. nicht die Luxux-Variante, die wirklich originale. die ging verlroen, weil ich sie meiner Mutter mal für eine Demonstration zum Ostermarsch geliehen hatte. aber die halbMaske. Den schönen Tag verpasst. Selber Färben ist Scheiße für die Haare.  Nun jammere ich doch.  Pulmologe schickte Asthmaspray-Rezept.

5. April.

immernoch wütend über das Geld, das nun gestrichen wurde.

Ich weiß, man soll nicht Motorrad fahren im Zustand „aufgewühlt-heulendes Elend“, weil man denkt man ist die einzige, die das Solo-Selbstständigen-Notgeld nicht bekommen hat. Vielleicht sollte man ja jetzt eh nicht fahren ohne ein konkretes Ziel. Darf man sinnlos durch den Oderbruch bis zur polnischen Grenze rasen? Oder Kraftrad und Gedanken kreisen lassen? Benzin ist jetzt billig. Strafen eventuell hoch. Wer dachte sich die treffende Redewendung „ die Decke fällt einem auf den Kopf“? aus – es klingt nach Gehirnerschütterungen, einstürzende Häuser und Ruin. Muß man nicht sogar raus, um zu überleben? das Weite zu suchen. (auch ein schönes Wort!) Das Weite suchen. Nicht finden. Nur den Oderbruch. Weite Steppe. Hochsitz,  auf freiem Feld, seltsamerweise war ein ausgedünntes Armeenetz darüber geworfen, aber ohne jegliche Tarnvorrichtug. Es verheddern sich nur die Füßen darin, ansonsten ist es nur ein lächerliches Fadenscheiniges Gewebe. Ist ja auch eh keiner da. Vielleicht der gesündeste Ort weit und breit? Die Sonne glüht selbst noch am sehr späten Nachmittag. Sie lässt das Notebook-Display in matschigem Technikblau erblinden.

Ruhiger geworden. Schokoladenkuchen. Caprisonne. Nachgedacht, warum mich das mit dem verpassten Notgeld so sehr aufwühlt. – klar, 5000 € haben oder nicht haben kann bedeuten berufliches Sein-Oder-Nicht-Sein. Aber warum haut es so persönlich rein, dass ich beinahe nach Polen durchgebrochen wäre (wo es solcherlei Hilfen wahrscheinlich schon gleich gar nicht gibt).

Folgendes habe ich ausgeschlossen: es kann nicht nur Existenzangst sein. Tatsächlich haben mir bereits drei Kollegen angeboten mit Geld auszuhelfen. Unfassbarerweise sogar mein Techniker der im Gazastreifen ist, der damals – wir machten ein Theaterprojekt, das gleichzeitig in Gaza und in Berlin stattfand – so lange geduldig auf sein Moneygramhonorar hatte warten müssen. Ich habe gerührt abgewehrt. Nein, nein, es geht mir nicht sooo schlecht. Das ist es nicht. und ich habe ja auch noch ein bißchen. und ich bin daran gewöhnt, mit wenig auszukommen. ICH brauche kein Geld. Ich brauche nur Geld, um es in meine Arbeit zu stecken. Meine Arbeit ist mir wichtig. Ich habe bewußt dieses Geld, das sich jeder Solo-Selbständige (ob Künstler oder Handwerker oder Steuerberater) mit drei Klicks hätte holen können, erst mal nicht in Anspruch genommen, weil ich gerade an drei Projekt-Anträgen schreibe, mit denen ich auch anderen Menschen für ein paar Monate hätte Arbeit verschaffen können werde. Oder eventuell könnte. Haben Gekonnt hätte. ich habe bewußt entschieden, ich spare mir diese Option auf, denn der Landesverband der freien Theaerschaffenden bat darum, dass erst mal die dran kommen sollten, die es wirklich dringend nötig haben. Es sei für alle genug da. Auch auf der Seite der Investitionsbank Berlin steht dies so.

Ich bin sauer, weil ich inzwischen weiß, dass viele, die ein dickes Bankkonto haben, nicht so geduldig waren wie ich – oder so blöd. Bin ich missgünstig? Glaub nicht. Ich gönne es ausschließlich allen. Alle, die es beantragt haben waren ja die Zielgruppe. Wieder schnieft es unter dem Helm. Ich aber doch auch! Dass eine Bank behauptet, für alle sei genug da, dann aber die Hilfeleistung vorzeitig einstellt, entsetzt mich, denn es lässt ahnen, dass das, was ich bis gestern als Husten und Schnupfen, der sich nicht noch mehr ausbreiten sollte, bezeichnet habe, ganz andere Risiken und Nebenwirkungen mit sich bringt. Stampfe ich gerade auf mit dem Fuß, aufs Gaspedal, weil ich denk nur ich habe das Zeitfenster verpasst, oder steckt mehr dahinter. Blickt man in einen Abgrund? Nicht genug Schwimmwesten auf der Titanic? Befinde ich mich mit anderen Herzblut-Künstlern im Zwischendeck? Hat sich ein Bankangestellter um eine Kommastelle verrechnet, oder ist das bereits der Notfallplan: es kann ja gar nicht für alle reichen? Sollte man lieber Verschwörungstheoretische Horror-Romane schreiben, als zum Wutbürger zu werden? Das mit der Kommastelle wäre mir lieber. Menschliche Schwächen kann ich akzeptieren, nicht aber die Ignoranz. Oder um mal wegzukommen von der finsteren Realität: Ich war immer eher auf der Seite der dreizehnten Fee, die nicht zur Taufe eingeladen wurde, weil Dornröschens Eltern nur zwölf Gedecke hatten – und nicht auf der Seite des Königspaares. Was sind das für Schlossherren und Damen, die nur zwölf Teller und Tassen im Schrank haben? waren sie arm? glaube ich nicht. vielleicht überfordert. Neugeborenes Kind, großes Social Event veranstalten… –  Und muss das Kind unbedingt aller Welt vorgeführt werden, wenn man nicht Platz hat am Tisch für alle Welt? Kaffee. Kuchen. Das gute Rosendahl-Porzellan… – meine Güte, dann hätten sie halt noch ein Campinggeschirr dazu getan. aber dass nicht alle eingeladen werden… – nicht okay!

Erinnert mich an die Kindergarten-Tage Geburtstage. Bayern in den 70er Jahren. Das Geburtstagskind durfte sich zwei Freunde und Freundinnen aussuchen, die durften mit dem Kind an einem kleinen Tisch in der Mitte sitzen und Süßes essen und alle anderen saßen drumherum und mussten singen Happy birthday für die in der Mitte. Ich erinnere mich nicht daran, dass “Nicht-ausgewählt-Werden” Saß ich jemals am VIP-Tisch? oder zu oft? – ich weiß es nicht mehr. Aber ich erinnere mich noch genau, dass ich darauf bestand, dass an meinem Geburtstag ALLE am Tisch sitzen sollten. Es war mir peinlich dass andere zugucken, während ich und zwei andere Kinder in eine Partytröte blasen. Konfetti. Kuchen. – – – Ich sah die Berge an Süßigkeiten, die meine Eltern in einem großen Korb dafür einkauften. Es war ein sehr sehr großer Korb. Randvoll mit Schätzen. Kaugummis und Zuckerschnecken und Caprisonnen – So macht man das! Oder nehmt Euch ein Beispiel an Pipi Langstrumpf im Süßwaren-laden. Es muss für alle reichen. Oder man feiert gar nicht!

Okay. Der Vergleich hinkt. Vielleicht ist halt wirklich nicht genug da. Das mit dem Sozialismus hat leider auch nicht geklappt. Was bleibt: ich war also ein nettes Kind und jetzt… – bin eigentlich ich die, die anderen versorgen will. Aber stattdessen sitze Und ich sitze allein im Oderbruch, trinke immer noch oder schon wieder Caprisonne und esse Geburtstagskuchen allen. Ich versuche relativ selbstlos zu sein in meiner Selbstständigkeit. Wahrscheinlich ist das der Fehler. Wer ist man denn, ohne Selbst? Und bin ich selbst zu blöd dreimal auf ein Geld-Abruf-Formular zu klicken??? wo doch alle mir gesagt haben: hol Dir dieses Geld! Vielleicht bin ich sauer auf mich, aber ich halte es nachwievor für wichtig, dass man Rücksicht nimmt. Dass man keine leeren Versprechungen macht. Dass man reinen Wein einschenkt. hätten die Dornröschen-Eltern auch machen sollen: liebe dreizehnte Fee, es ist uns sehr peinlich, denn wir wollten ja ein perfektes Event ausrichten, aber haben nun nicht genug Stühle. Wäre es okay, wenn Du deinen eigenen mitbringst? und auch dein eigenes Besteck? oder magst DU stattdessen zur After-Party kommen? oder zum Resteessen? wir sind einfach überfordert. Wir wollten ja noch Teller dazukaufen aber die Kleine hat die ganze Nacht über gebrüllt wie am Spieß und wir sind fix und fertig und Du…. Du bist doch eine Fee, Du verstehst das.

Auf dem Hochsitz glüht die Sonne, aber es weht ein kalter Wind; außerdem ist die Schutz-Tastatur meines Notebooks davon geflogen. Eigentlich habe ich sie eh nur, weil bei meinem Theater-Format zuweilen mit Wasser vor der Insight-Kamera herumhantiert wird und ich es schon zweimal überflutet habe. Aber zur Zeit ist es ebenfalls sehr praktisch, weil man es so leicht desinfizieren kann. Leider ist es jetzt weg. Vom Winde verweht. Eigentlich ist mein Notebook mein gewerberaum. Notbuch. Zeit aufzubrechen. Ich habe gemerkt, dass ich das Geld gar nicht einmal mehr will. aber ich will nicht dass das so selbstverständlich ist. es sollte gewürdigt werden, dass man leer ausgeht. 

Ganz gestrichen sind die Gelder ja nicht. Das Hilfsprogramm der Berliner Investitionsbank wurde zusammengelegt mit einem anderen aus Bundesmitteln. Es ist aber ein Soforthilfeprogramm, das nur bei Selbstständigen greift, die Gewerberäume angemietet haben oder andere laufende Ausgaben zu zahlen haben. Damit fallen Künstler, die nicht den Luxus haben, einen Probenraum zu besitzen oder gar ein eigenes Theater betreiben, unter den Tisch. – Auch eine schöne Redewendung! Kann man unter einem Tisch Theater machen? Wahrscheinlich ja. Vielleicht kann man auch die dreizehnte Fee einladen und darunter eine geheime Miniatur-Tee-Party veranstalten. Eine Gegen-Geburtstagsfeier sozusagen.

Nein, man muss irgendwann runter von den getarnten Hochsitzen und unter den Tischen hervor und die Frage stellen: Sind nur die Künstler relevant, die etwas Greifbares produzieren? Einen sichtbaren Betrieb vorweisen können? Etwas schaffen, was man am Ende in der Hand hat? ich mache Theater. Etwas das vom Augenblick lebt. Meistens bin ich nur Gast an Theatern. Zur Zeit mache ich virtuell-analoges Theater zwischen Gaza und Berlin. kann es etwas schwereloseres geben, jenseits aller Räume?

Der letzte Hieb ist ein Trostpflaster: auf der Seite, die eben noch verkündete, es sei genug für alle da, rät jetzt: man könne ja auch Sozialhilfe beantragen. Arbeitslosengeld II, Harz IV. Da würden jetzt erst mal auch recht unbürokratisch Mittel vergeben. Toll. Das bedeutet: die einen sind anerkannte Werktätige, die anderen können Betteln gehen? Sozialfall werden, weil man sich sozial verhalten hat?

Eine Woge von Selbsmitleid abwähren in dem man sich den Motorradhelm aufsetzt. eh eine guter Look in den Zeiten von Corona. Visir runter. Rotz und Wasser hochziehen. Weiter. Weiter das Weite suchen. Oder warten auf das bedingungslose Grundeinkommen! Ahnt man nicht inzwischen, dass es „von der Sache her machbar wäre? Ein Lichtblick am Horizont. Genug gejammert.

Das Weite war nicht so weit. kurz vor Strausberg. der Ort heißt Jenseits des Sees. es ist eigentlich also auch kein Ort. Eben ein Jenseits. Strauberg. der Ort heißt Jenseit vom See: ich fihr hier bvorhin schon mal durch und hatte sofort den alten Song “Beyond the sea” im Ohr gehabt. zu erschöpft den perfekten Platz zu finden. das Motorrad an der Straße stehen gelassen. da sind Bänke. Leider besetzt. Alter Mann starrt in sein Handy. früher hätte ich mich dazu gesetzt. Es gibt noch eine Bank, die ist leer, aber da starrt man genau auf zwei die etwas unterhalb am See liegen. der eine streckt seinen nackten Arsch in den Frühling. der andere raucht Schischa. is okay.  Die Picknickdecke doch nicht umsonst mitgenommen. sie stammt noch aus dem Diak. Schwestzernwohnheim Schwäbisch-Hall. Es ist ja nicht nur so, das ich Rechmäßiges nicht bekomme, manchmal habe ich auch unrechmäßig Dinge mitgehen lassen. Eben die Decke. Ausbreiten der Unrechtmäigkeit – schon sehr alt ist sie, abe rmit neuen Flicken – Jenseits der Zeit. ist das erlaubt? Das lichte Schilf. Das Glitzern der Sonne auf dem kalten Wasser hinter den Schischaschwaden und dem nackten Hintern (sehe jetzt das er doch einer Frau gehört). Das parasitäre Grün der Misteln in den Bäumen. Komm nir nicht zu Nahe. Bleib. Geh weg. Die Natur macht weiter. Was geschieht wirklich in der Welt? Der Husten war mir wurscht. Ich habe mich an die Regeln gehalten. Ich habe den anderen Fortritt gelassen. Habe die Eltern gezwungen nicht so oft einkaufen zu gehen. Ich habe Handschuhe getragen, in die Armbeuge gehustet, wenn es denn sein mußte. Ich habe kaum Klopapier gekauft. Ich habe keine Angst gehabt. Jetzt aber fühle ich mich höchst unwohl. Weil ich die Mapßnahmen nicht verstehe. Ich will nicht mehr hingehalten werden und am ausgestreckten Arm verhungern. Ich will das Leben jetzt.  – ein Vogel singt inbrünstig. Es ist ein Star. Perlend überschwänglich und berstend, hast du noch Töne.  –

***

Die Tochter hatte heute Geburtstag – von dem Kuchen stammen auch die Picknickstücke – und hatte sich einen Staubsauger gewünscht. Modell Airforce one. Es schien mir erst ein profanes Geschenk, inzwischen beneide ich sie. Ich will dieses Gerät auch. Vielleicht wird alles gut, wenn aller Staub hinweggerafft ist aus den vier Wänden. Ich brauche eine Mission. Kampf dem Staub. Eine Zeile aus einem Heinz Rühmann Film.

 

4. April.

Ein Paket Earl Grey Tee bekommen! einfach nur so.

***

es war nicht ganz wahr was sie sagten:

dass das Geld für die Selbstständigen ausreiche. man solle nicht drängeln, man solle, wenn man nicht in völliger notlage sei, warten und andere vorlassen. jeder bekäme das Geld. es sei für alle gesorgt.

heute erfahren, dem ist nicht so.

immerhin gibts wieder Tee.

3. April

alte Freunde und Freundinnen rufen an. manchmal ist es beinahe Gedankenübertragung. Kostbarkeiten. Neue wiederum sind verschnupft, weil ich funny gifs and emojis nicht immer zu würdigen weiß. die Welt hat doch jetzt Zeit! manche sagen, sie stehe still, was ich bezweifle. da kann man sich doch die Zeit nehmen Worte zu verlieren anstatt gelbe Gesichter, japsende Hunde und Viecher von denen man nicht weiß, ob sie rosa Katzen oder weiße Bären sind, sprechen zu lassen. wie antwortet man auf diese sprachlose Zeichensprache? Es fehlen mir die Worte – – – vielleicht ist ein Knigge-Kurs ja tatsächlich keine schlechte Idee gewesen.

es ist kalt, aber die Sonne scheint. und es sieht nach Frühling aus. eisklater Frühling. gestern nacht “Freud” zu Ende geguckt. war am Ende doch ein ziemlicher Gschmarre.

 

2. April.

Schlafe schlecht. Früh ein , meistens erschöpft und wache immer gegen vier Uhr auf. Manchmal von Aufgeklappten Computer, vielleicht wenn Leute aus Gaza Guten Morgen wünschen. GUt dass der Steuerberater weg ist, denn in der Nacht die Hausarbeit zu tun, ist fast inneres Bedüfnis geworden. Diese Nacht lief die Spülmaschine. In der KÜche gestanden am Fenster, weil draußen in der Nacht eine Glocke Alarm schlug. keine bauchige Glocke, eher ein rastloses Sterbeglöckchen. Als ich das Fenster öffnete, der Ton aber nicht lauter wurde, gemerkt, dass es eine metallener Deckel war, der in der Spülmaschine läutete. Es hat mich nun auch endlich gepackt das Corona-Drama. man sieht und hört die Welt mit anderen Augen und Ohren. Und Wehe wenn einer hustet.

***

Die WindsART-Veranstaltung wurde nun doch abgesagt. schade. Naja. eh klar.

1. April.

der Tag an dem man Witze macht.

Hatte aber gedacht, es sei schon der zweite. der 2. April. Ich komme nicht gut klar mit den Zahlen zur Zeit. Soweiso eh, aber auch gerade jetzt ,weil die Steuererklärungen nicht zu bewältigen waren. Jetzt aber auch ohne Steuerberater! GIng es dann doch. die Steuererklärung versenden gekonnt. wie lange und wie umständlich das diesmal war, würde alle langweilen. nur kurz (um es doch wieder interessanter zu machen): ich war so verzweifelt gewesen, dass es mir nach drei Jahren immer noch nicht gelugen ist einen Elster-Zugang zu bekommen, dass ich sogar einen Steuerberater als Untermieter akzeptiert hatte. aNicht gut. seltsame Begebenheit die nach einem Probemonat heute endete. drei Kreuze. er wird es ähnlich sehen. auch weil wir immer nachts WÄsche waschen und das wohl laut ist. dennoch… warum kann das Finanzmat nicht einen Weg bieten, der auch Mac-Usern ermöglicht ihre Steuern zu zahlen, auf dasss sie nicht Zimmer vermieten müssen? Ist man zu so drastischen Mitteln gezwungen? die Rettung war: dass der Sohn doch zahlenaffin ist und einen WIndows-rechner besitzt. und das Zertifikat  noch früher zugesendet bekommen hat als ich selbst. in dem nun leeren Zimmer des Steuerberaters hat sich gute Leere ausgebreitet. Vielleicht wird ein Fitness-Studio hier entstehen. jetzt wo der Steuerberater weg ist und der Sohn zum Lohn den freien Raum nutzt zur EInrichtung obi-erkaufter Werzeuge, Rollen und Ösen, mit denen man ein Fitness.equippment nachbauen kann. ich bin ruhig. es war seltsam genug, einen fremden Menschen in der Wohnung zu haben, der nie grüßte und alles besser wußte, aber dennoch nicht willens war mir mein eigenes Steuerprogramm zu erklären. alle wollen immer, dass man sich in Abnhängigkeit begibt. ich bin letztes Jahr so oft rausgeworfen worden aus Bleiben in der Ferne, dass es nur gerecht ist, dass ich das auch getan habe. (außerdem war ja noch Probezeit!) – der Steuerberater ist nun weg. aber er hat eine alte Teetasse zurückgelassen und Wandschmuck: ein Plakat, das vor Sekten warnt. mit COmic-zeichnungen, die zeigen, was alles passieren kann, wenn man einer Sekte beitritt. seltsam. es ist so seltsam, dass ich es nicht übers Herz bringe, das Plakat abzuhängen. es hängt da ohne SInn, denn ich bin nicht gefährdet; ich würde nie einer Sekte beitreten. aber vielleicht der Steuerberater? WIrd er jetzt der Versuchung widerstehen, jetzt wi das Plakat ihn nicht mehr warnt? wer redet ihm jetzt ins Gewissen? Empathieresistent war er eh. ich glaube wir haben uns beide für jeweils den anderen fremdgeschämt.

***

Lustig ist, dass in WIndsbach die Corona-Auflagen offensichtlich nicht so schlimm sind. der Verein WIndsART lädt in zur Veranstaltung “Knigge Regeln” ein. in den Gasthof Dorschner! Da würde ich sofort hingehen, schon um in einem echten Lokal sitzen zu können! Und wird einem dann gesagt wie man sich benimmt, dass man die ELlenbogen nicht auf den Tisch stützt, Bitte und Danke sagt wenn man nach dem Salzstreuer fragt, das Gegenüber nicht anhustet… oder lieber gleich ganz zuhause bleibt…. – es muß ein Irrtum sein. EIn Aprilsscherz. – oder ein Traum. Windsbach in der Ferne. vielleicht eine Insel, die unter einer Glasglocke angesidelt ist. Ausnahmeort. Würde gerne nochmal diese KÄsespätzle mit Schweinefilet essen, oder Schäufele… mit echten Leuten am Tisch die sich zu benehmen wissen (oder es lernen) oder in dekadentem Ungehorsam jenseits jeflichen Benimms auf alle WIdersprüche dieser Zeit anstoßen…

***

Neue Serie entdeckt. Netflix. Freud. ORF.  skurrile Mischung aus WIener Schmäh, erotisch-Abgründigem und einem sperrigen jungen Sigmund Freud. Teilweise abstruse Kriminal-Schund-Geschichte. dennoch sehr betörend. versinke in Rauchwolken, die aus dem Blitzdings-Kasten des ächzenden Macbooks kommen und verliere das zeitgefühl. das Internet geht wieder einigermaßen. alles hat mit Sex zu tun, meinte er (nur manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre). das Kartograohieren des unbewußtseins. die Erde ist eine Scheibe und jenseits der Kante…? hic sunt dragones… Monster sind zu erwarten, wenn man ber den Tellerrand blickt. Es ist gut die Drachen ins Auge zu fassen. mußte an den Dekan Schlicker denken, der im gespärch pber die Fresken der Gottesruhkapelle immer darauf bestand, es sei gut, dass die heilige Margarete dort abgebildet ist ohne ihr Attribut, den Drachen. der Drachen st sozusagen nicht der Rede wert. man kann ihn weglassen, er hat nichts zu suchen in der Kirche. – dabei weiß man ja doch, dass es ihn gibt. jenseits der Kante, da wo das Unbewußte beginnt, sind die Ungetüme. und wer schlau ist, zerrt sie ans Tageslicht. oder läßt sie auftauchen. warum gucken die Menschen Game of Thrones, aber gehen nicht in die Kirche?

(abgesehen davon ,dass die Kirchen geschlossen sind. was für ein versagen. wann wenn nicht jetzt wären sie gefragt? vielleicht sollten sie sich den Drachen stellen, anstatt sie auszublenden.  – aber okay, wer weiß, vielleihct dürfen sie es einfach auch nicht. Andererseits… die Baumärkte haben auf? und die Buchläden. Weil wir uns beschäftigen müssen. weil wir lesen wollen. von den unkartograhierten Gefilden, von Drachen und Steuerberatern, von Sekten und Käfern und  Gänsen, Spinnen und Fischen…

und wenn man noch eien Folge “Freud” gucken will und sich  durch den Pop-Up-Seiten-Dschungel klickt, an den noch viel schlimmeren japanischen Mangas vorebi, als je ein Drache sein könnte, an den sich feilbietenden Atombrüsten, an den Horrormeldungen (Lena Mayer-Lndrut verlor alles!) stellt man fest, dass sich die Verhältnisse ändern. die Brüste waren immer schon da. mal sind sie üppig und gehören Mädchen, die wie Kinder aussehen, mal sind sie natürlicher und schockieren durch Echtheit, mal sind sie wie nicht von dieser Welt. Seit neuestem ist das Muster durchbrochen und Leute neben den Brüsen bieten Atem-Masken an. die Bandbreite der Kartographierten Unterwelt. der Lüste und der Angst.

30. März.

Tausche Klopapier gegen Earl Grey Tee (den von Teekanne!)

also ich habe Klopapier, aber benötige dringender meinen Tee. möglichst eben jenen.

[…]

17. März.

St. Patricksday. Gebirtstag meiner Oma. Geburtstag meines guten Freundes L. Tag an den alle wichtigen Beziehungen  entweder begannen oder endeten.

Der Tag fällt dieses Jahr aus.

St Patricksday jedenfalls wurde abgesagt.

ob er dennoch stattfindet, heimlich? bin inzwischen in München. bei den Eltern. sie denken wie ich dass alles ist überflüssiger Mist. es gibt wichtigeres, Demenz. Autounfälle. Versicherungsunterlagen.

wieso rutsche ich in die Rolle der Obacht-Gebenden?

 

16. März. Abbruch.

die Welt hat ein Problem entdeckt.

die Eltern ein anderes. nämlich ein ein kaputtes Auto.

Aufbruch. nach Dublin.

Auf allen Flughäfen der Welt liegen immer junge Menschen mit Rucksäcken übermüdet auf Bänken. nun aber haben sie zudem OP-Masken vor dem Gesicht wirken wie beinahe tot. will wieder umkehren, kann aber nicht.

11. – 15. März, Irland

[Irland. Den ärger passieren lassen, ohne dass etwas passiert. fernab. Grün. Hütte. im Teich wimmeln werdende Frösche. Lust auf Wein. der mit dem Namen “purgatorio” war zu teuer, ein anderer hieß 1000 stories. – oder nur hundert. er war billliger. am Kamin der Götter nebenan. die Bäume pflanzen. über das Land schreiten. Über Steine nachdenken. Beeren pflücken. Tinte kochen. Worte finden. den Blog vernachlässigen, weil ansonsten sprachlos. Glücklich. Farbtropfen. In den Nächten lockt der Dschungel vor dem Fensterglas. Herzen fliegen und Tiere. Tagsüber  grabe ich in der Erde nach noch mehr Steinen. fand ein Stückchen Blei. Rote Hawthorn-Beeren machen taubengraublaue Tinte. Judy liest in alten Briefen. Peter kämpft gegen den großen Stein der keine Bäume duldet. sie wissen inzwischen, die Ire, dass die besucher der Welt erwarten, dass ab und zu im Grünen ein Stein zu stehen hat hierulande. Wozu? egal. Und ein Klo gibt es hier, das erwähnenswert wäre, aber auch hierfür fehlen die Worte… Ach!]

10. März, Ballincollig, Irland

es wäre links links, dann rechts rechts gewesen. Irisches rechts und links vielleicht.

Wein  zu kaufen versucht vor 10:30. nicht möglich. helfender Verkäufer der an der DIY-Kasse bereitstand, bedauerte. (nein, nicht wegen Corona-Maßnahmen, das ist da immer so. weil sie nicht wollen dass die Alkoholiker schon früh in den Supermärktem rumhängen) dann später im Ort in Supermarkt, schöne Flasche gefunden zur echten zeit. Wein hieß Purgatorio, gab ihn aber an der Kasse zurück weil überlesen, das 40 €. Glücklichere Hand in der alten Tankstelle. Glas mit in sich gedrehten Lakritzstangen. man darf sie sich selbst aus dem Glas nehmen. Glücklich darüber, daß man hier nicht das Anlegen von Plastikhandschuhen verlangt, oder ich mit einer Zange herumfuhrwerken muß. von der Tankstelle aus ist der Weg zurück in die Hütte doch anstrengend. es ist ein hoher Hügel. Rast kurz vor dem Gatter.

 

9. März, Ballincollig, Irland

I run out of electricity. – Or did electricity run (away) fromm e? AM I supposed to b e without my regular tools? NO Computer, my phone died, hours ago. Do I rest in peace now? I seem to have escaped the panic-madness in Germany. Dennoch… ganz ohne Strom ist auch Mist. Ich hätte den Billigadapter von „Dealz“ nicht kaufen sollen, er ist schon nach 2 Tagen kaputt. Oder noch besser: meinen eigenen nicht in der Ausstellung lassen sollen. Ob die UCC ihn mir zuschicken wird mit den Sachen zusammen? Sagten, ich solle explizit nicht dabei sein, wenn sie es verpacken. Seltsam.

***

doch auf den Weg gemacht, hinab den Hügel. Gefühl die falsche Richtung eingeschlagen zu haben. will zur nächsten Tankstelle, oder dem SUpermarkt hinter der Brücke am Fuß des Hügels. man hört die Schnellstraße, sie liegt in der anderen Richtung. dennoch stur an Wegbeschreibung gehalten. passiere einen Stier auf der Weide. längliche längs-gelayoutete Schilder in gelb sagen “SLOW”.

textalert1Text Alert areas. mind the gap. the one between the letters. Warnung vor ZWISCHEN DEN ZEILEN. – Was bedeutet Text alert area?

textalert2später erfahren, dass TEXT ALERT AREA wohl darauf hinweist, dass NAchbar hier auf der Hut sind und untereinander in Kontakt stehen und Informationen austauschen. wenn hier jemand rumstreunt oder was kaputt zu machen beabsichtigt, weiß er, dass sich das herumsprechen wird. meine Assoziation gefiel mir besser.  dachte es müsse mit meinen Gastgebern zu tun haben, besonders HAusherrin Judy. denke sie mir text-alertet in the most cautious way. mag ihre Gedichte.

***

gestrige Morgenlektüre: David Mammet / “Wiriting in Restaurants” about the territory of texts, about a man (who had to talk about his anger about a missing information-sign in order to get rid of his anger about this and even spent more time to do so than the period he was angry about, caused by the missing sign)

“In his anger he had reverted to a universe where words were clearly magic, were possessed of spirit, and where anything was possible.”

***

Älterer Mann vor mir an der Supermarktkasse, kaufte sehr viel Hundefutter. vielleicht wegen Corona, vielleicht auch nur weil er viele Hunde hat.  er wollte mich vorlassen, weil ich nur  wenig einkaufte. aber ich war nicht in eile. “we all ahould not hurry!” Wenn die Iren zu schnell gehandelt hätten im 2. Weltkrieg, wären die Deutschen nicht besiegt worden. – er hatte abe rnichts gegen die Deutschen. liebt München. Und Österreich. Innsbruck. Und some land called “Tyrell”,  keine Ahnung welches, er beschrieb es als Gegend “In between. Dachte es sei etwas Irisches oder Schottisches oder ein Phantasieherrschaftsgebiet aus Game of Thrones. er meinte aber Tirol. zwiscen Italien udn Österreich. China mochte er nicht. glaubt, Corona wäre  gezielte Terrorattacke von chinesischen Kommunisten. gelbe Gefahr. er wollte nicht im Detail darüber sprechen. Obwohl sehr gesprächig und eigentlich auch nicht verbiestert. wirkte sogar ausgesprochen liberal und weltoffen. wußte, das  es mehr gabe auf dieser Welt, als die Welt. Nah-Toderfahrung gehabt. Zeigte mir Narbe an der Innenseite seines Handgelenks. schlängelte sich rötlich. er war freundlich. ob ich nicht doch vor wolle. (immer noch standen wir in der Schlange und sie war nicht wirklich lang. ein Gespräch im Zeitraffer. dachte an Stummfilm, aber mit Sprache. vielleicht auch weil er mich erinnerte an “The late Charly Chaplin”. er krempelte die Hemdsärmel wieder über das Handgelenk undn legte das Hundefutter auf das Kassenband.  “We should not hurry, you are right!” (er meinte nicht wegen des Jenseits, sondern generell, und weil ich wieder sein Angebot vor ihn zu dürfen, ablehnte. Und ja, er hatte vier Hunde.

Ich hatte es nicht eilig, aber in erser Linie weil inzwischen im Adapter und Handy-Laden, mein Handy lädt. Je länger ich brauche, desto mehr geladen wir es sein.

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8./9. März, Ballincollig, Irland
Fahrt nach Ballincolling. Unweit. Zur rechten eine alte Nervenheilanstalt, Judy sagt, darin sei der längste Korridor der Welt. (oder Europas?) Er habe früher zur geschlossenen Station geführt. Hatte man den Korridor hinter sich, hätte man auch gleich dort bleiben können. Channelling the madness.
Irgendwann habe man beschlossen die Anstalt zu schließen und die Insassen allesamt entlassen. Good by, crazy people – sagte Judy als sie davon erzählte und die Finger ihrer Hand verbeugten sich andeutungsweise zu einem Winken – Viele seien noch lange in der Gegen herumgeirrt (buchstäblich) und gestanden, erstaunt über die unverhoffte Freiheit.
Ich dachte der längste Korridor sei der im ersten Stock des Finanzamtes Berlin-Lichtenberg.

***

Alte Dame auf Parkplatz vor Supermarkt fuhr ihr Auto versehentlich in den Asia-Imbiss namens  „The Chinese Wall“. War nicht verletzt, aber die Chinesische Mauer bracht restlos in sich zusammen. Sah es nicht. Sah nur das Baugerüstete Haus, das inzwischen wieder entsteht.

***

Ankunft auf dem Hügel. Das alte Gehöft. Der grüne Dschungel. Die herzzereißend hirnweiche Puppe im Regentopf. Das Glashaus auf dem Dach der einsten Kuhstalles, die Teeküche. Der alte Kessel auf dem Herd. Ich ahne, daß ich hier Glück habe. Gut sein lassen, das mit dem Geld, das die Uni mir schuldet. Über den Dingen stehen, wie das Gewächshaus das auf dem alten Stall thront. Es schwebt licht grün und leicht wie ein Aussichtsturm.
Meine Hütte steht etwas außerhalb des Hofes. Holzwände, Innen strahlendes weiß, das Wort Elfenbeinturm kommt doch wieder in den Sinn. Elfenbein-Hand-Und-Fuß-Turm. Das ursprüngliche
Projekt bei dem C. mir Dinge über irische Mythen erzählt hätte, die sonst kein (anderer) Europäer zu hören bekäme, und die ich hier niedergeschrieben hätte, ist ja von Tisch. Ob er es vergaß, oder beunruhigt war ob des Whistle-Blowings in Sachen Irische Geheimnisse. Nun sehe ich hier alles mit der mystischen Brille, aber die Elfen und Drachen sind flüchtige Erscheinungen. Sehe sie kaum. Es bleiben nur die Puppen übrig, die im Topf und die an der Steinmauer, deren Haar langsam zu Moos
wird.

***

Supermarkt. Traf eine Frau am Tisch mit den Krapfen, deren Tochter in Ravensburg wohnt. Gelernt daß Ravensburg im Süden liegt und nicht im Norden. Die Frau erklärte mir was in den Krapfen ist, soweit sie es wußte. Was sie nicht weiß ist ob die ihre Tochter demnächst besuchen kann. Weil die Flüge nach München gestrichen sind wegen Corona. Die von Cork sowieso schon lange (schon vor Corona) und die von Dublin ebenfalls jetzt, (wegen Corona).
Nachwievor ist meine erste Assoziation, wenn ich Corona höre, das helle Bier in der schönen Flasche, in das man eine Zitronenscheibe versenkt. Sommer. Strandbar Mitte, Berlin und Oststrand, als es noch
nicht hipp war. 2003. Den Oststrand gibt es längst nicht mehr. Das Bier gibt es natürlich noch. Ob die jetzt ihren Namen ändern? Oder sie die Namensgeber des Virus’ verklagen wegen Urheberrecht? Oder ob es trotzallem gutes Marketing ist? Corona – jetzt erst recht.
Habe beschlossen das mit den gestrichenen Flügen nicht zu glauben. Meiner ginge auch von Dublin nach München. Was kann die Frau das schon wissen. Niemand weiß das jetzt – und mit den Krapfenfüllungen lag sie auch falsch.

 

***

TRAUM. Tom Waits gab einen Workshop für Musiker in einem kleinen Etablissement in Berin, irgendwas zwischen RAW-Tempel und dem Hinterzimmer von Madeleine und der Seemann. Es war kein realer Ort, aber im Traum schien er mir sehr vertraut. organisiert hatte ihn Christina Emig-Könning, die Intendantin der Theaterkapelle. Ich wollte unbedingt mitmachen, aber konnte kein Instrument spielen, nur Klavier, aber konnte mich an kein einziges Musikstück erinnern, das ich in zehn Jahren Klavierunterricht gelernt hatte. Ich wandte mehrere Tricks an, um dennoch mitmachen zu können (an die ich mich jetzt aber ebenfalls nicht erinnern kann). Am Ende sagte Tom Waits den zweiten Tag eh ab. ich interviewte stattdessen seine irische Frau Kathleen.

8. März, Ballincollig, Irland

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Cabin, / Roadbooks Residency. Blick aus Schlafzimmer. Es ist Irland nicht Südamerika. 

 

“BEDROOM POINT OF VIEW” or “FARNHEITEN” 

Beyond my window door

-my bed is my friend in here-

A djungle grows, outnumbering

Narcism

Flowers

(the yellow ones) 

Over their heads. 

WELCHE GOETTER GRUBEN SIE EIN, 

WELCHE HANDSCHUHHÄNDE ZOGEN SIE

AN DEN HAAREN HERBEI? 

 

Schlangenstämme gleiten, 

Deren Häute Haar schimmert samten:

Licht brechend, 

Traum webend

Streicheleinheiten heischend. 

Schlank-rankend

Kurve gekriegen

Ziehen Sie sich in die Länge

Am eigenen Schopf

Wohin auch immer

Ist Grün. 

ICH BIN SICHER HINTER DEM GLAS

AM ENDE PIEKSEN SIE DOCH. 

 

7. März

Früh auf. noch keiner in der Küche. In der Nische am seitlichen Fenster, am hintersten Tisch (es sind Holzplatten auf alten Nähmaschienen Metallgestellen) ziehen Nebelschwaden durch die Morgendämmerung. Blau Blau bewegtes Waschküchen-Blau. Vielleicht ist es die kondensierte Luft aus irgendeinem Gebläse. Vielleicht kocht jemand. Vielleicht ist es auch einfach reine Morgen-Magie.

***

Der dreimal ertrunkene Politiker im Graben heißt nicht Finn. Es handelt sich um eine Partei namens Fine Gael.

***

Pawn-Shop. Nicht aus Not, sondern weil hier eventuell billiger Kabel und Adapter. Tür nicht gleich gefunden. Drückte mir die Nase platt am Schaufenster, aber fand den Eingang nicht. Als doch gefunden schien es Tür in eine andere Welt zu sein. Dennoch vertraut, weil Tom Waits aus einem alten Schallplattenspieler kam. Aber kein Adapter. Schwarz gefärbte Pfandleihfrau schickte mich weiter zu „Dealz“ im Zentrum. Wies den Weg auf einer Karte, die wie meine war, nur dass alles ebenfallstiefschwarz war. Wie Negativ der meinigen. Vielleicht ist es die inverse Welt. Ein Adapter, den ich hier gekauft hätte hätte wahrscheinlich nie in die Steckdose gepasst. Oder nur hätten den Strom in verkehrter Richtung fließen lassen. Weiter über den River Lee. Zentrum nicht weit. Eine Art MacGeiz. Ich spare wo ich kann. Noch mehr Auslagen, die ich nicht erstattet bekommen werde.

Loslassen. Gut sein lassen. Und Schluß mit Cork.

Ich kann mir keine ELfenbeintürme mehr leisten. ich MUSS lernen, das Kleingedruckte zu lesen oder überhaupt auf Verträgen zu bestehen. ich muss aufhören über Tische gezogen zu werden. Aber  ich brauche auch Zeit und Ruhe um überhaupt wieder zu mir zu kommen.

Ich habe beschlossen, die Residenz, die versprochene selbst zu bezahlen.

elfenbeinhuette

 

6. März, Cork

Sheila’s Hostel.

Einer brät Rührei und Speck. Zwei Mädchen beten Tischgebet. Aber keine katholischen Iren, nur Deutsche im Gemeinschaftsküchenraum. Das Tischgebet ist eher ein Zwiegespräch mit Gott. Sehr erfüllt. Die eine bedankt sich, dass sie nicht Corona hat und bittet aber auch, dass es denen die krank sind, besser gehen möge. Sie wissen nicht, dass ich das Gebet höre. Ich hoffe, es gibt einen Gott, dass ich nicht allein das Ohr war. Nicht wegen Corona. Nur so.

Als ich das letzte Mal in Cork war, Höhepunkt Arbeit. Mehr ging nicht. Alles gegeben und alles schien sich endlich auszuzahlen. Buchprojekt in Aussicht. Trickfilmauftrag und ein Stipendium und wenn schon kein Honorar, so doch eine Ausstellung, die mit viel Aufwand und vielen Materialmitteln zu genau dem geworden war, was mit vorschwebte. Nach der Vernissage hatte ich sofort aufbrechen müssen, nicht einmal mehr Zeit alles zu fotografiern. Es schien nichts zu machen, denn es hatte geheißen wir machen eind große finale Veranstaltung. Dann auch Honorar. Ich schiebe den Gang zur Universität vor mir her… Nun bin ich heir und es wird nichts stattfinden und ich muss alles selbst bezahlen. Manchmal denke ich fast, dass alles ist Trick. Oder heimliches Experiment um zu testen wie blöd Künstler sind. Wie weit sie gehen ohne immer wieder Geld. Leider gehe ich immer noch. Weg sein.

Dennoch. Es zu guter letzt in Ruhe zu sehen, ist irgendwie zu spät. Nicht einmal die Auslagen, das weiß ich inzwischen, werden nicht erstattet werden. Vielleicht ein Drittel, vielleicht gar nicht. Seltsame Willkür in allem. Fragt man nach, sind alle genervt. Oder schweigen. Kloss im Hals. Nun gehe ich doch. Der Student der die Frühstückseier briet kommt mit. Es ist seltsam. Hatte gedacht ich ziehe in den Krieg. Nun geht einer mit, der einfach nur das sehen will, was ich gemacht habe. Nun kämpfe ich nicht mehr um mein Geld, sondern zeige und betrachte. Schon ist es besser. Langer Weg. Mother Jones Fleemarket. P hätte beinahe Hut gekauft. Ich einen zerstückelten Keramik Jesus am Kreuz. Hätte gut in die Ausstellung gepasst. Aber für nur den letzten Tag…?

Leider Ausstellung ebenfalls in keinem guten Zustand. Batterien alle. Kabel abgerissen. Lampen durchgebrannt. Strom geht nicht an. Dauernd muss ich dem Mitbesucher erklären, was man jetzt eigentlich sieht und hört. Wenn man hier und dort drückt. Er. findet trotzdem gut. Schöne Begegnung. Studiert Erneuerbare Energien. Interessante Skizze von allem was versucht wird in diesem Bereich und was langfristig nicht funktionieren kann, weil überall Nebenwirkungen anderswo. Global denken müssen. P. reiste über Belgien, Frankreich… 2 Tage Paris. Jetzt schon drei Tage Cork. Aber Cork zu langweilig. Hat noch viele Stationen vor sich. Würde gerne trampen, aber ist sich noch nicht sicher. Arbeitet in einem Teeladen im Magdeburg in dem der Chef zu den Kunden super freundlich ist und wenn sie zur Tür hinaus sind, total ablästert. Lange geblieben. Batterien gekauft. Taschenlampen. Letztes Notblühen. Ruhe sanft, „AFTER-LIFE…“

afterlife

***

 

Touristen hinter mir im Bus in trockener Selbsterkenntnis sagen:

„nine days in Cork! What’s wrong with us!“

Und was ist los mit mir? Es wird Zeit daß ich das Kapitel Cork schließe. Nie werde ich hier Geld verdienen. Die Frage ist, stehe ich darüber oder Kommt dieses Gen wieder durch, daß mich zuweilen zum Kohlhaas mutieren läßt.

 

***

 

Pub. Diesmal zu dritt. Noch schöner als das andere. Saßen oben im 2. Stock. Unten Lifemusik. Beim Bier holen hängen geblieben auf der Treppe, da stand ein Hocker. Entgegen aller Vorsichtsmaßnahme, stand da bereit, weil es einfach der aller allerbeste Platz war. Blick auf die Live-Band, niemand im Weg, über mir raunt es, unter mir tobt das Leben.

 

Halbe Treppe,
Zwischen oben,
Unten und
Allen Winkeln, Nischen
Und so geht es:
rund.
 
Wolke von Musik
das Bier zu teuer. Whisky geht
endlos Lichterketten
entlang,
erfreut mein Herz.
Flötist heißt Liam,
beinahe date,
dann doch zu bang.
 
Habe mich verdrückt.
Dabei schien er nett.
Falle einzig und allein
In mein 6-Raum
Schlafsaal-Bett

5. März, Cork

Der Hunger kam zu spät, und ich. Steil hoch zu Sheila’s Hostel, eingecheckt und wieder hinunter zur großen Straße. Das schmale Lokal, Italiener, der immer volle Geheimtip, in das mich C. letztes Jahr eingeladen hatte, ließ gerade die Rolläden hinunter. Stattdessen Vier-Sterne-Pizza gegenüber. Mit Barbeque-Sauce im Gehen und Bier im Pub. Ich hatte dieses Bier total vergessen. blau mit einem Hasen darauf, Kinnegar, Big Bunny East Coast. Erstmals getrunken in Dublin mit G. Es ist mild, es schmeckt nicht nach Hase. Erinnerungen an ein hohes Haus voller Winkel und Nischen und voller Bier. eine lange Straße, weite Wege in eine Pension… bin aber jetzt nicht in Dublin hier. sondern Cork… –

Ich mag an Irland: daß der Himmel in 3-D ist. grau bläulich. heftig. Schichten von Rot darunter. Daß der Flughafen Kerry aussieht wie ein 60er Jahre (oder spät.50er?)-Kino. zu klein für einen Airport, zu groß für einen Kinopalast. Was wie ein Ticket-Office wirkt, ist die Touristen-Information. Von den Absperrbändern  könnte man denken, sie seien dazu da, die Leute, die Karten kaufen wollen zu organisieren. die leuchtenden Toiletten-Schilder sind so schön, daß man weinen möchte. verlorene Zeiten. alle Menschen sollten immer nach Kerry fliegen…

Man landet kurz hinter der Weide, schafft es noch über den Bach, über die kleine Stein-Brücke (kleiner als das Brückla in WIndsbach) und in dem Augenblick wo man über die Brücke hinweg ist, streifen die Räder der Maschine den Boden. haarscharf. nicht früher, nicht später.

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1.8. km zu Fuß zur Bahnstation.  der Bach windet sich jetzt an der Straße entlag. dreimal ertränkte wer Wahlplakat eines gewissen Finn Gael darin. In regelmäßigen Abständen, einmal schien Finn es aus dem Graben geschafft zu haben, geknickt, aber noch über dem Wasser im Gebüsch. Dann Straßengabelung und eine verlassene Bahnstation, Gitterbrücke von Plattforn zu Plattform. Kein Mensch weit und breit, aber eine entzückende und hellbeleuchtete Wartehalle, in der man Reisende mit heißen getränken und Holkkoffern aus den 50er Jahren vermutet hätte. – leider abgeschlossen. das leuchtende Licht dennoch wärmend. leichter Regen. nicht klar wann der Zug kommt. Ehemaliger Royal-Air-Force-Brite wartete ebenso ahnungslos wie ich. vertraute Fremde. freundliches Gespräch, gute erste Stunde in Irland. immer kommen gute Dinge. und Menschen. Als der Zug kam – es war der falsche – ließ mich der Schaffner mitfahren, weil der falsche Zug, wieder zurückfuhr (durch den 3-D-Himmel) und zum richtigen wurde in Richtung Cork. klebte mit der Nase an der Scheibe, aber die Dunkelheit war schon zu dicht.

Ok.

Die Tür nach draußen des Shelbourne warnt: MIND THE STEP. mind the step. und nochmal mit Ausrufezeichen: MIND THE STEP. sicher nicht unbegründet. sehe Szenarien vor mir von stürzenden Iren zu später Stunde. werde ich das vergessen haben, wenn ich nun (demnächst) aufstehe und in Richtung Ausgang und “Sheila’s Hostel” stürzen werde?

Trinken innerhalb und außerhalb von Nischen. Nicht heimliche Nischen, sondern weil klar ist, daß man auch mal ungestört einfach so für sich trinken will; Trinken immer auch um des Trinkens willen möglich. Nicht Mittel zum Zweck. Gutes Trinken, jedenfalls wenn man maximal zwei Bier trinkt. – Und Trinken in Kombination mit Schreiben hätte in Deutschland schon blöde Kommentare gegeben. Und die Kommentare hätten gleichzeitig dazu gedient, ins Gespräch zu kommen. Hier kommt man genau in dem Moment ins Gespräch, wenn man selber will. Wenn nicht dann nicht. Es ist ein Bierhimmel.

Gegenüber der Theke läuft ein Fernseher, der überträgt G o l f ! ich wußte nichtdass das Fernsehen so was sendet.

Mann mit Händen vor dem Gesicht an der Theke. Jetzt redet eine Frau auf ihn ein.

Frauen im Neben-Kabuff lachen herzlich und dreckig.

Der weiße kleine Ball kommt zum Stehen jenseits des Loches.

Jetzt fällt mir ein daß ich auch hier mit C. war. Weil das Geheimtiplokal noch keinen Tisch frei hatte. Jetzt ärgert mich, dass ich auf Spuren von damals wandle. Morgen trinke ich Whisky, aber wo anders.

Berlin,  y. Februar

zwischen den Gaza-Berlin Vorstellungen war nicht viel Zeit zum Schreiben.

Eine Fahrt nach München, ein Halt in Windsbach [.siehe 4.2.]

Über die Vorstellungen selbst, wäre so viel zu sagen… sie waren beide ein großer Erfolg. ausverkauft und voll, trotz Corona. es funktionierte alles. die Bedeutung und Tragweite, die dieses Expirement hat, hat inzwischen alle eingenommen. ein Besucher kam zweimal. Und war überrascht, wie unterschiedlich die beiden Vorstellungen waren. das ist gut so. der “große Fisch” lebt, er zappelt, er atmet (in diesem Fall eine gute Sache für den Fisch) und wächst. An Land ziehen kann man ihn halt nicht. das gemeinsame Verbeugen: Jamal, Deeb und Salem in Gaza, gestochen scharf auf der Leinwand, wir hinter dem transparenten Vorhang zwischen den dreien wie Geister… immer ist eine Seite der Geist. immer  ist einer nicht da. Die Unschärferelation der beschleunigten Teilchen zwischen Gaza und Berlin. wo wäre der wirkliche Halt?

ich bin wirklch glücklich über dieses Portal. und so viele SPenden! ich wünschte es ginge weiter. und gleichzeitig bin ich erschöpft und müde. “das Bett wird wundervoll sein.”

Berlin, x. Februar

[…]

vorbei, verjährt, doch nimmer vergessen –

ich reise.

Alles was lange währt ist leise

[…]

jr

Berlin, 29. Februar

…und letzte Vorstellung,

Berlin, 28. Februar

vorletzte…