WAS ich schreibe

AKTUELL: Drehbuchförderung des BKM für Miriam Sachs und René Bosman für das eingereichte Projekt “Echt-Zeit”

ANSONSTEN:                                                                                                                                                        Miriam Sachs schreibt Romane (Reise nach Jerusalem…, Kleist in meiner Küche), Jugendbücher und Essays; sie illustriert, adaptiert Klassiker, inszeniert und schreibt fürs Theater, so wie gelegentlich auch für Magazine und Zeitungen, besonders fürs Neue Deutschland. Sie kuratiert Veranstaltungsreihen auf der Suche nach Schnittstellen zwischen Fiktion und Forschung, diese Projekte werden oft zu Collagen über mehrere Genre hinweg. Die flüchtige Arbeit fürs Theater benötigt den Niederschlag im Schriftlichen – Zuweilen gehen ihre Projekte vom einen Aggregatzustand in den anderen über. wie z.B. ihr erster Roman REISE NACH JERUSALEM oder 141 TAGE WARTEN AUF GRÜNSTEIN, der ursprünglich begann als Beitrag zu einem kollektiven Tagebuchprojekt, zu dem eine Kollegin aufrief. Miriam Sachs schrieb einen Monat lang ein fiktives Tagebuch, dessen roter Faden die Lektüre der Süddeutschen Zeitung, war, in deren Auslandsteil die Protagonistin die Geschehnisse im Nahostkonflikt erstmals bewußt wahrnahm. das Projekt verlief im Sande, wegen zu weniger Einsendungen – Miriam Sachs beschloss an ihrem Manuskriptteil weiterzuarbeiten und so entstand ihr erster Roman, der 2005 bei Edition Nautilus erschien. 2008 gab die Neuköllner Oper den Auftrag zu einer Umarbeitung für die Bühne. das Tagebuch wurde zum Zweipersonenstück und wurde von Miriam Sachs in einem begehbaren virtuellen Bühnenbild inszeniert.

Umgekehrt ist Miriams Arbeit als Regisseurin oftmals der praktisch angewandte Rechercheteil einer Romanarbeit oder eines Buchprojektes. Ihre Auseinandersetzung mit den Stücken ihres Lieblings-KLassikers Heinrich von Kleist auf dem Theater führte zwangsläufig dazu, dass Kleist sich sozusagen in ihrer gesamten Wohnung breit machte: 2010 erschien der Roman KLEIST IN MEINER KÜCHE, der dann wiederum selbst den Sprung auf die Bühne schaffte: 2011 während ihrer von der Kulturstiftung des Bundes geförderten Veranstaltungsreihe NEUNMALKLEIST.

Miriam Sachs’ Veranstaltungsreihen sind Schnittstellen zwischen Fiktion und Forschung. Das eine geht ins andere über, wird manchmal zur Dokufiktion, bei der antiken Helden wie Herakles oder Odysseus echte Psychiater zur Seite gestellt werden, die Kriegsheimkehrer auf Posttraumatische Belastungsstörung untersucht werden. In langen Proben, Improvisationen, zurückgezogener Textanalyse durch verschiedene Experten unterschiedlicher Fachgebiete werden Figuren der Literatur analysiert und später im gemeinsamen Zusammentreffen aus verschiedenen Blickwinkeln auf die Bühne gestellt. Wenn alles vorüber ist: entsteht ein neues Buch.

So untersuchte sie beispielsweise in Kooperation mit der Heinrich-Böll-STiftung und der Medizinischen Hochschule Hannover Homers Odyssee, stellte mit dem Produktionskollektiv ff-enterprise zusammen sechs Veranstaltungen zum Thema KRIEG IM KOPF zusammen und publizierte als Resultat das Werkbuch HEIMKEHREN (Kleist Archiv Sembdner, Heilbronn 2013). Für die darin enthaltene Prosa DIE HEIMKEHR erhielt sie im Mai 2014 den Gustav Regler Förderpreis des Saarländischen Rundfunks.

Auch aus Kafkas Briefen an Felice entstand zunächst eine Theaterinszenierung (Wien, Klosterneuburg, Essl Museum 2014) in Zusammenarbeit mit dem theater-JA.KOMM, eine mediale Homestory, die Kafkas Verlobten Felice Bauer bei der Lektüre der Briefe zusah und ihr sogar ärztlichen Beistand anbot im Ringen mit den Brieffluten: (Prof. Hinderk M. Emrich, Zentrum für seelische Gesundheit, MHH).  So entstand die Idee für eine kleine Novelle.

Die aktuellen Ereignisse in Israel und Gaza haben Miriam diese Arbeit allerdings erstmal unterbrechen lassen:

“Seit langem arbeite ich schon an der Fortsetzung meines ersten Romans. Es geht voran, es läuft nebenbei, es ist okay, das Manuskript führt ein Schubladendasein. Schlagartig wurde mir klar, dass ich die längst fällige “REISE NACH JERUSALEM”, mit deren Buchung mein erster Roman endete, jetzt antreten muss und will. es ist an der Zeit ein bißchen weiter über den Tellerrand zu blicken. der Gustav Regler-Preis war da auch eine Art glorreicher Tritt in den Hintern. Wie kann man einen Förderpreis annehmen, der nach einem  Widerstandskämpfer benannt ist, der in vielen Kriegen in Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit Bücher geschrieben hat, die Zeitzeugnisse sind – und selbst den HIntern nicht hochkriegen und nur in der Zeitung blättern. Ich habe mich vier Jahre lang mit Kriegen und Ausnahmezuständen beschäftigt – in der Theorie; mich in der Praxis allenfalls in Zickenkämpfen mehr oder weniger behauptet und erschöpft. Wenn ich die Fortsetzung meines Buches REISE NACH JERUSALEM veröffentlichen will, muss  etwas darin sein, das ich am eigenen Leib erfahren habe. ich weiß noch nicht, was das sein wird. Hinfahren. Mal sehen. und die letzten Jahre hinter mir lassen.”

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